Strand6Daagse (Teil 7)

Sechster und letzter Tag: Callantsoog – Den Helder (14 km)

Der letzte Tag unserer Wanderung war gekommen, und die Sonne strahlte vom blauen Himmel. Zum letzten Mal wachten wir im Zelt, umgeben von hunderten anderer Wanderer, auf und versorgten unsere Wehwehchen. Inzwischen hatte fast jeder hier auf dem Platz irgendwas, und das Wort „pleisterplaats“ (Rastplatz), wie die Etappenziele auf der Website der Stand6daagse genannt werden, ist hier sehr wörtlich zu nehmen (pleister = Pflaster). Doch man trägt seine Pflaster, Tapes und Bandagen mit einem gewissen Stolz, schließlich hat man sie sich schwer erarbeitet.

Zum letzten Mal standen wir in der Schlange für das Frühstück. Dort erfuhren wir, dass man offiziell bis 15 Uhr in Den Helder einlaufen durfte, wo wir das letzte Mal unsere Teilnahmekarte knipsen lassen und ein Andenken abholen konnten. Bis 15 Uhr klang gut, das würde selbst ich mit meinem lädierten Bein hinkriegen. Der Frühstückskaffee war diesmal sehr heiß, da er frisch in Den Helder zubereitet worden war.

anstehen2

Nach dem Frühstück hieß es zum letzten Mal das Zelt abbauen, verpacken und das Gepäck auf dem großen Haufen zurücklassen. Beim Füllen der Wasserflaschen gab es erst ein Problem, denn ein Scherzkeks hatte den Haupthahn des Waschbeckens auf der Zeltwiese, das ein bisschen an eine Viehtränke erinnerte, zugedreht. Dies war jedoch schnell gelöst, und wir gingen los.

Beim Strandaufgang sahen wir, dass ein Teil der Gruppe nicht zum Strand ging, sondern den Dünenweg nahm. Wir schlossen uns ihnen an – bloß kein Sand! Ich hatte meinen Unterschenkel bandagiert und ein Aspirin genommen, also ging das Laufen einigermaßen, aber man musste es ja nicht übertreiben. Die Dünenvariante ist zwar etwas länger, aber angenehmer und abwechslungsreicher. Zu diesem Schluss kamen immer mehr Teilnehmer, denn bei jedem Strandaufgang gesellten sich wieder einige zu uns.

duenenweg2 duenenweg3

Bald kam der Leuchtturm von Den Helder in Sicht und irgendwann wurde er tatsächlich größer. Wir näherten uns dem Ziel. Bei einem Wegweiser, der nur noch eineinhalb Kilometer zum Zielort Huisduinen, wo sich am Strand Pfahl 1 befindet, kam uns eine Joggerin entgegen und rief uns zu: „Gut gemacht, den Rest schafft ihr auch noch!“

leuchtturmdenhelder huisduinen

Gegen Mittag erreichten wir den Strandaufgang bei Pfahl 1, wo ein Fotograf die offiziellen Finishfotos machte. Wir erklärten, dass wir hintenrum gekommen waren und bekamen auch unser Foto.

finishfoto

Dort befindet sich auch ein Gedenkstein für Henk Horstman, der 1959 den Grundstein zu dieser Wanderung legte. Damals wurde sie noch von Norden nach Süden gegangen, doch da es angenehmer ist, die Sonne im Rücken zu haben und der Wind meistens aus dem Süden weht, wurde irgendwann die Richtung geändert. Vom Rückenwind hatten wir dieses Jahr allerdings nichts, der Wind kam immer aus dem Norden. Aber beim Radfahren finde ich das schlimmer.

gedenkstein

Dann gingen wir zum Dorfplatz, wo wunderbar passend das Lied „Het feest kan beginnen, want wij zijn binnen“ aus den Lautsprechern schallte. Wir gingen zum Finishstand, wo man unsere Karten zum letzten Mal knipste, und erhielten ein mit Sand gefülltes Gläschen und eine Getränkemarke, die wir gleich am Bierstand einlösten. Außerdem erstand ich noch ein T-shirt mit der Aufschrift „Enjoy 6 days at the beach“ als Andenken.

Später lasen wir, dass zwei Wanderer sich vom Ziel direkt in die Dorfkirche begeben hatten, um dort zu heiraten. Sie hatten sich vor sechs Jahren bei der Strand6Daagse kennengelernt und waren sie seitdem jedes Jahr gelaufen. Ist das nicht romantisch? *schnüff* Am Tag selbst bekamen wir in all dem Trubel am Ziel jedoch nichts davon mit.

Dann wurde es Zeit, sich auf den Heimweg zu machen. Zum letzten Mal warteten wir auf unser Gepäck, und dann brachte uns ein Pendelbus zum Bahnhof von Den Helder. Für diesen Service waren wir sehr dankbar, denn das sind doch noch einige Kilometer. Ohne Probleme oder Verspätungen fuhren wir nach Hause.

Mein rechter Fuß war inzwischen ein unförmiger Klumpen geworden – ganz klar überanstrengt. Doch ich befolgte brav die Anweisungen „Kühlen, schonen, vorläufig nicht joggen (als ob ich das jemals freiwillig machen würde!) und langsam mit Schwimmen und Radfahren wieder aufbauen.“ Inzwischen ist er längst wieder normal groß, wenn auch noch ein bisschen empfindlich, aber sowas zieht sich halt.

Zum Schluss zitiere ich noch die Abschiedsworte der Organisatoren auf unserem letzten Routenzettel: „Im Namen der Organisation danken wir Ihnen für Ihre Teilnahme und wünschen Ihnen eine gute Heimreise. Wir hoffen, dass Sie die sechstägige Wanderung an der Grenze zwischen Land und Wasser genossen haben. Vielleicht bis nächstes Jahr.“

Es war tatsächlich eine Grenzwanderung, und zwar nicht nur zwischen Land und Wasser, sondern auch gelegentlich an der Grenze der Leistungsfähigkeit. Schon bei der Vorbereitung musste ich immer wieder mit dem inneren Schweinehund kämpfen, wenn ich am Wochenende lieber mit einem Buch auf dem Sofa sitzen wollte, anstatt durch die Gegend zu dackeln. Aber wir können mit Stolz auf diese sechs Tage zurückblicken – wir haben es geschafft.

Unser Dank gilt den Organisatoren und den vielen ehrenamtlichen Helfern, die dieses Ereignis so reibungslos wir möglich über die Bühne gehen ließen. Es war wirklich ein tolles Erlebnis! Allerdings werden wir im nächsten Jahr nicht mehr mitlaufen, denn es gibt noch so viele andere Dinge zu tun. Und wir wissen ja jetzt, dass wir es schaffen können.

 andenken

Und jetzt, wo ihr euch tapfer bis ans Ende meiner Ausführungen durchgeschlagen habt, kann ich euch ja verraten, dass es bei buurtaal auch eine Kurzfassung gibt. *grins*

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Kategorien: 2014 - Strand6Daagse | Schlagwörter: , , , , , , , , , , , , , | 4 Kommentare

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4 Gedanken zu „Strand6Daagse (Teil 7)

  1. Oh, für mich war es keine Anstrengung, mich Deiner Wanderung auf diese Weise anzuschließen. Hab vielen Dank für die ausführliche Beschreibung und die Fotos, die mir manchmal ein bisschen „Heimweh“ verursacht haben.
    Recht liebe Grüße schickt Die
    Elvira

    • Danke schön. Es wird sich wohl einiges verändert haben, seit du das letzte Mal dort warst. Aber eines ist sicher – die Nordsee ist immer noch da. 🙂

  2. bockmouth

    Hallo Petra, ich habe erst jetzt deinen tollen Bericht über eure Strandwanderung gelesen!

    Sei versichert, in punkto augenzwinkerndem Humor hast du keinesfalls auf Sand gebaut!

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