Weihnachten in den Niederlanden

Als Reaktion auf meinen Post über die Vorweihnachtszeit äußert Peter von Radreisen – langsam reisen den Wunsch, mehr über die Weihnachtsbräuche in den Niederlanden zu erfahren. Und da ich gern Weihnachtswünsche erfülle, habe ich beschlossen, meinen üblichen Jahresendgruß mit einem halbwegs informativen Artikel zu verbinden. Er gibt vor allem das wieder, was ich selbst erlebt und in meinem Umfeld mitgekriegt habe. Ich schließe also nicht aus, dass es auch ganz andere Arten gibt, Weihnachten zu feiern, und freue mich immer über Ergänzungen.

Wie bereits erwähnt ist in den Niederlanden Sinterklaas, das Nikolausfest, der Höhepunkt der Wintermonate. Danach kehrt erst mal etwas Ruhe ein, und in manchen Städten wechselt die Straßenbeleuchtung von Bischofsmützen zu Tannenzweigen und ähnlichen Motiven. Jetzt ist für viele die Zeit gekommen, ihren Weihnachtsbaum aufzustellen und zu schmücken. Ich selbst bin ja mit der Tradition aufgewachsen, dass der Baum am Heiligen Abend aufgestellt und geschmückt wird und bis Dreikönig im Wohnzimmer steht. Wenn wir einen Baum haben, was nicht jedes Jahr der Fall ist, versuche ich dies beizubehalten.

Mein früherer Chef war mit einer Deutschen verheiratet, und ich wusste, dass bei ihnen auch viele deutsche Weihnachtsbräuche in Ehren gehalten wurden. Und so kam es, dass ich, als er bei einer Firmenweihnachtsfeier am 20. Dezember erzählte, dass sie heute ihren Baum aufgestellt hatten, erstaunt fragte: „Was? Jetzt schon?“, während eine Kollegin im gleichen Atemzug rief: „Was? Jetzt erst?“ Es ist eben alles eine Frage der Perspektive.

Das Schreiben der Weihnachtskarten wird hier mit großem Eifer betrieben, und es gibt sogar besondere Briefmarken dafür, die sogenannten „Decemberzegels“. Diese sind etwas billiger als die normalen Marken, und es kann länger dauern, bis die Karten ankommen. Eilige Post sollte man also besser nicht damit frankieren. Oft steht nur ein kurzer Gruß auf der Karte, manchmal auch nur der Name des Absenders. Diese Karten stellt oder hängt man dann gut sichtbar in der Wohnung auf. Doch in den letzten Jahren geht auch hier der Trend zur Digitalisierung.

Ein sehr schöner Brauch der (Vor-)Weihnachtszeit ist im Osten des Landes das Mittwinterhornblasen, eine Tradition, die bis vor die Anfänge des Christentums zurückreicht. Das Mittwinterhorn ist eine Art kleines Alphorn, das man wie eine Querflöte hält. Vom ersten Advent bis Dreikönig darf es draußen gespielt werden, und dann erklingt „’n oaln roop“ (der alte Ruf) bei verschiedenen Gelegenheiten.

Unser früherer Nachbar entdeckte irgendwann seine Leidenschaft für das Mittwinterhorn, und da man erst in der Adventszeit draußen spielen darf, wurde er von seiner Familie zum Üben auf den Dachboden verbannt, doch in einem Reihenhaus hilft das nicht wirklich. Zum Glück machte er schnell Fortschritte, und am Heiligen Abend spielte er in unserer Straße. Erst war er allein, doch in den nächsten Jahren wurde sein Ruf von anderen Spielern aufgegriffen und beantwortet. Leider ist die Familie vor ein paar Jahren umgezogen, und ich vermisse sein Spiel.

Anders als in Deutschland ist der Heilige Abend (kerstavond) hier kein Familienfest mit Bescherung unter dem Weihnachtsbaum. Es gibt zwar Weihnachtsgottesdienste, die auch gut besucht sind, aber vor allem die jungen Leute ziehen an diesem Abend lieber durch die Kneipen (gaan stappen). Die Familie besucht man dann am ersten und zweiten Weihnachtsfeiertag (eerste en tweede kerstdag). Dann wird lecker gespeist, wobei vor allem Fondue und Raclette sehr beliebt sind, man unterhält sich und geht gemeinsam spazieren, also ähnlich wie in Deutschland. Geschenke gibt es dann meist allerdings nicht, denn die gab es schon zu Nikolaus.

Man sieht, manche Dinge sind ähnlich, manche ganz anders. Insgesamt ist das Weihnachtsfest hier, wie so vieles, nüchterner und dadurch auch weniger stressig und hektisch, aber auch etwas weniger stimmungsvoll.

Hier gibt es noch ein traditionelles niederländisches Weihnachtslied, das ich sehr gern mag. Ich habe eine Variante mit Text herausgesucht, so dass man wohl ganz gut verstehen kann, worum es geht.

Ich wünsche euch allen ein frohes Weihnachtsfest und ein gutes, gesundes und glückliches neues Jahr.

Ik wens jullie allemaal fijne kerstdagen en een goed, gezond en gelukkig nieuwjaar.

Advertisements
Kategorien: Ganz "normaler" Alltag, Typisch Nederlands - typisch deutsch (?) | Schlagwörter: , , , , , , , , , , , , , | 4 Kommentare

Beitragsnavigation

4 Gedanken zu „Weihnachten in den Niederlanden

  1. buurtaal

    Schön beschrieben! Leider hängen jedes Jahr weniger Kerstkaarten an meiner Küchentür. Die meiste Jahresendpost flattert heutzutage tatsächlich digital ins Haus.

    Fijne feestdagen!

  2. Schlauer werden mit dem Grenzwanderer. Schönen Dank für die schnelle Reaktion. Nachdem wir das weihnachtliche Fresskoma nun überstanden haben bleibt mir nur noch, Dir und Deinen Lieben ein frohes und erfolgreiches Jahr 2015 zu wünschen

    • Danke schön, das wünsche ich dir auch. Und püktlich zum Jahresende werde ich über Silvester in NL berichten, jetzt hat mich die Arbeit wieder in den Fängen.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

Bloggen auf WordPress.com.

%d Bloggern gefällt das: