Weitere 52 Bücher (16) – „Das Weihnachtswunder des Henry N. Brown“ von Anne Helene Bubenzer

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Wie bereits angekündigt hat unser Mitbewohner Struppie van Struppinga den Wunsch geäußert, einen Gastbeitrag schreiben zu dürfen. In den Weihnachtsferien hat er nämlich das Buch „Das Weihnachtswuder des Henry N. Brown“ von Anne Helene Bubenzer (München, 2013) gelesen, und er findet, dass es gut zum Montermotto Nummer 16 passt: Schräge Bücher, also Bücher mit schrägem Humor, wie ermittelnde Schafe, Geister etc.

Henry N. Brown

Bevor ich mit meinem Gastbeitrag anfange, möchte ich erst mal kurz was über mich schreiben. Mein Name ist Struppie van Struppinga, und ich sitze meistens gemütlich bei den Scrooges auf dem Sofa:

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Aber irgendwie muss man ja seine Tage verbringen, und bei dem nassen, kalten Wetter, das wir zur Zeit haben, will ich auf gar keinen Fall raus! Außerdem sollte man auch als Bär seine Bildung nicht vernachlässigen. Zum Glück gibt es im Scrooge-Haushalt jede Menge Bücher. Und zu Weihnachten kam eins dazu, das mir ganz besonders gut gefallen hat. Die Hauptperson ist nämlich auch ein Bär, ein gewisser Henry N. Brown, der schon neunzig Jahre auf dem Buckel hat! Über sein Leben hat er schon in einem anderen Buch berichtet, nämlich in „Die unglaubliche Geschichte des Henry N. Brown“. Und er hat auch eine Menge mitgemacht, oft den Besitzer gewechselt und viele Länder gesehen und war Trostbär für viele Leute.

Aber jetzt ist er schon seit einigen Jahren praktisch im Ruhestand und im Bücherregal der Schriftstellerin Flora Sommer, die ihm auch beim Verfassen seiner Autobiografie geholfen hat. Es ist kurz vor Weihnachten, und Flora liebt die Weihnachtszeit. Sie hat einen Adventskranz, bäckt Plätzchen und sucht Geschenke für ihre Lieben aus – wie die Scrooges es auch machen und wie es sich gehört. Jawohl.

Im Jahr dieser Geschichte ist Flora in einen gewissen Felix verliebt, und der hat ihr gesagt, dass er am Heiligen Abend zu ihr kommen wird und eine Überraschung für sie hat. Natürlich hat sich Flora schon am Nachmittag umgezogen und Häppchen hergerichtet, doch wer nicht kommt, ist Felix. Statt dessen klingelt ein ungebetener Gast nach dem anderen. Erst taucht Floras Vater auf, der eigentlich mit seinem Freund feiern wollte, aber der ist krank geworden. Dann rückt Floras Mutter mit ihrem neuen Partner, einem goldigen Italiener an, und alle befürchten das Schlimmste, da Floras Eltern sich nicht vertragen. Henry erinnert sich an einen Weihnachtsbrunch, bei dem ihre Eltern sich benommen hatten „wie ein aufgeblasener Gockel und eine bissige Weihnachtsgans. Ich saß mit gesträubtem Fell im Regal und litt.“ (S. 47) Da Flora sie erst mal nicht reinlässt, schlagen sie bei ihrem indischen Nachbarn auf, wo der goldige Italiener Luigi zu kochen beginnt.

Und dann steht auch noch Floras beste Freundin Mara vor der Tür, die gerade erfahren hat, dass ihr Mann fremdgeht. Der Trottel hat doch glatt die Weihnachtsgeschenke für seine Frau und seine Geliebt verwechselt und Mara das Buch „50 Shades of Grey“ geschenkt, mit der Widmung „Für Nathalie in Vorfreude“. Sowas ist wirklich peinlich, nicht wahr? Da es Mara verständlicherweise nicht so gut geht, darf Henry mal wieder als Trostbär arbeiten, was er wie immer sehr gut macht.

Und irgendwann taucht tatsächlich auch Felix mit seiner Mutter auf, und Henry erlebt eine riesige Überraschung. Die werde ich aber jetzt nicht verraten, denn sonst ist es ja keine Überraschung mehr!

Aber von einem Geschenk, das Henry bekommt, möchte ich doch noch erzählen. Irgendwie kommt die Rede der Gäste auf ihre ersten Stofftiere, und Luigi erzählt von seinen Bären Gianni – ein wichtiger Moment für Henry: „Luigis Geschichte war wie ein Geschenk, eine Erklärung, die er stellvertretend für Alice, Robert, Leo und Lili, Melanie und Isabelle, Laura und all die anderen Menschen abgab, die mich in ihrem Leben im Arm gehalten hatten. Sie gab mir Hoffnung, dass meine Existenz einen Unterschied machte, egal, wie bewegungslos und sprachlos ich war. Sie erinnerten sich.“ (S. 89) Schnüff, ich war ganz gerührt beim Lesen.

Ich finde dieses Buch sehr schön. Es sollte mehr Bücher geben, die von Bären geschrieben sind. Als Bär sieht man die Dinge doch meistens etwas anders und versteht nicht, warum die Menschen alles so unnötig kompliziert machen. Henry findet das auch: „Ich gebe zu, ich kenne mich mit den Feinheiten der Religionen nicht aus, aber dass man in Indien nicht Weihnachten feiert, wusste ja sogar ich. Schade eigentlich. Ja, ich weiß, es geht dabei um den Geburtstag Jesu, und  die Hindus und Mohammedaner und Juden und Atheisten haben damit nichts am Hut – aber Friede, Besinnlichkeit, Liebe und Mitmenschlichkeit – dass sind doch Attribute, die für alle gelten, egal an welchen Gott sie glauben. Ich bin seit jeher Befürworter eines globalen Festes der Menschlichkeit, an dem alle auf der Welt gemeinsam feiern. Ehrlich, man kann sich fragen, warum außer mir noch niemand auf diese Idee gekommen ist…“ (S. 34/35).

Wo er Recht hat, hat er Recht.

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6 Gedanken zu „Weitere 52 Bücher (16) – „Das Weihnachtswunder des Henry N. Brown“ von Anne Helene Bubenzer

  1. Struppie, Du bist ja ein richtig knuffiges Bärchen! Und ein schönes Buch stellst Du uns da vor, ich hoffe, wir lesen noch häufiger von Dir! Meine Bärchenpärchen sind auch alle sehr angetan. 🙂

  2. Peter

    Ich sage einfach: mach weiter so. Dein Gastbeitrag war sehr lesenswert. Vielleicht gibt es auch noch andere Themen über die du etwas schreiben möchtest?

  3. Struppie

    Ohhh, das freut mich aber, dass euch mein Beitrag gefallen hat. Irgendwann schreibe ich gern wieder was für euch, aber jetzt muss ich mich erst mal ausruhen. Das Tippen ist nämlich etwas anstrengend.

  4. Ich stimme meinen Vorschreibern zu: Bären müssten mehr schreiben 😉
    LG

  5. Hallo!
    Ich habe dich für den Liebster Award nominiert! Infos hierzu findest du auf meinem Blog.
    Liebe Grüße
    TastyBella

    • Oh, ein Award! Das ist aber nett! Wenn ich wieder mehr Zeit habe und der Reisebericht in trockenen Tüchern ist, werde ich mich darum kümmern.

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