Urlaub im Moinland – Teil 1

Urlaub im Moinland, 25. August – 6. September 2014

Nach den Anstrengungen der Strand6Daagse ließ ich mich erst einmal ein paar Tage von Muttern verwöhnen und ging dann wieder an die Arbeit. Langsam erholte auch mein lädiertes rechtes Bein sich wieder. Doch geradelt werden musste, sonst ist so ein Sommer ja nicht komplett. Die letzte August- und die erste Septemberwoche sollte es werden. Diesmal wollten wir zu Hause starten und erst mal Richtung Nordsee fahren. Anhand der Campingplätze planten wir eine ungefähre Route, die auch längere Pausen oder gar eine Rückkehr nach Hause zuließ, wenn sich mein Bein doch wieder beleidigt zu Wort melden sollte.

Durchs Emsland – Irrwege, Pausen, Hünengräber

Am Montagvormittag brachen wir auf und fuhren erst einmal nach Losser, wo wir unsere Bargeldvorräte aufstockten. Als wir weiter fuhren, landeten wir erst einmal in einer Sackgasse in einem Wohngebiet, doch dann waren wir auf der Straße nach Bad Bentheim. Die Sonne schien, das Radeln ging gut, und bis jetzt machte mein Bein keine Zicken.

Gegen Mittag wurde es Zeit für eine Pause. Wir fanden eine ruhig gelegene Bank und packten die Fressalien aus. Doch etwas fehlte. Vom Besuch meines Bruders am Wochenende war noch etwas Zwiebelkuchen übriggeblieben, den wir jetzt eigentlich vertilgen wollten. Wir stellten fest, dass mal wieder jeder davon ausgegangen war, dass der andere ihn eingepackt hatte. Nach zwei Wochen würde er wohl beim Öffnen der Kühlschranktür davonlaufen. Wir schickten eine SMS an unsere Nachbarin, dass sie ihn sich holen sollte. Für unsere Mittagspause hatten wir zum Glück noch genug Vorräte mit.

Dann fuhren wir weiter Richtung Osten und überquerten irgendwann die Ems.

ems ems2

Die Radrouten waren gut ausgeschildert und eine nette Bushaltestelle lud zu einer weiteren Pause ein.

pause

Kurz vor Freren war die Straße gesperrt, doch die Umleitung war zum Glück gut ausgeschildert. In der Ortschaft war gerade Kirmes, und wir schoben unsere Leezen durchs Gewühl, um die Tourist Information zu finden, wo ich nach dem Weg zum Campingplatz fragte. Man erklärte mir, dass es zwei in der Nähe gebe, einen beim Schwimmbad und einen an einem See, aber da wüsste man nicht genau, ob der Platzwart da ist.

Wir steuerten den Platz beim Schwimmbad mit dem idyllischen Namen “Waldesruh” an. Der Platzwart, der im ersten Wohnwagen hauste, wies uns die Zeltwiese an und wir suchten uns ein nettes Plätzchen. Nach dem Aufbauen untersuchte ich die sanitären Anlagen. Aus sämtlichen Wasserhähnen und der Dusche kam nur kaltes Wasser, und eine Vorrichtung für Münzen konnte ich nicht entdecken, was vielleicht auch an der mehr als spärlichen Beleuchtung lag. Aber für eine Katzenwäsche reichte es, und bei 12 Euro pro Nacht will ich mal nicht nölen.

Der Campingplatz schien sowieso vor allem auf Dauercamper eingerichtet zu sein. An einer Wand des Sanitätsgebäudes hingen zahlreiche Briefkästen mit Namen, darunter auch einige niederländische.

briefkaesten

Auch vor einigen Wohnwägen wehten niederländische Flaggen. Ich geriet ins Grübeln: Warum will jemand aus den Niederländern gerade hier Dauercamper werden? Ich meine, die Gegend ist ja ganz nett, aber um nun mehrmals im Jahr hierher zu fahren? Dass es hier billig ist, kann doch nicht der einzige Grund sein, oder vielleicht doch? Vielleicht sollte ich nochmal irgendwas studieren (Psychologie oder so) und dann eine wissenschaftliche Arbeit über das Phänomen “Dauercamper” verfassen. Da könnte man ja auch undercover ermittelten und Material sammeln… Nee, lieber doch nicht. Eine ganze Saison auf demselben Platz würde ich wohl nicht aushalten.

Dann erkundeten wir die Umgebung. In unserem Informationsmaterial hatte ich gelesen, das es in der Nähe ein Hünengrab geben sollte, das wir uns anschauen wollten. Wir fuhren über die Waldwege und stellten bei einer Umgebungskarte fest, dass wir wohl schon daran vorbeigefahren waren. Also zurück, und da war es, ein wenig abseits vom Weg auf einer Lichtung. Durch das Grün fügte es sich wunderbar in die Umgebung ein, und das ebenfalls grüne Schild, das eigentlich darauf hinweisen sollte, lehnte unauffällig an einem Baum. Kein Wunder, dass wir es nicht gleich gesehen hatten. Dem Schild entnahmen wir, dass es sich um ein neolithisches Grab aus der Zeit zwischen 2300 und 1800 vor Christus handelte und von Leuten der Trichterbecherkultur erbaut worden war. Wenn man weiß, worauf man achten muss, kann man trotz fehlender Steine die Merkmale der sogenannten “Emsländer Kammern” erkennen. Die Steine wurden in Trockenbauweise aufgeschichtet, und das Grab wurde von einem Erdhügel bedeckt. Wo sich die Siedlung befunden hat, zu der das Grab gehört, ist allerdings nicht bekannt.

huenengrab huenengrab2

Dann fuhren wir in die Stadt und stellten die Fahrräder in der Nähe einer Bank ab. Die Kirmes hatte inzwischen geschlossen, und wir konnten gerade noch bei den Abbauarbeiten zusehen. Wir bummelten durch die Ortschaft mit netten Straßen, Geschäften und einigen sehr schönen Häusern.

freren

Dann wollten wir Essen gehen, seltsamerweise hatten fast alle Restaurants, an denen wir vorbeikamen, geschlossen. Eines war zwar geöffnet, doch es gab nur Getränke, da “jetzt gerade Urlaubszeit” war. Das war uns schon klar, deswegen waren wir ja auch hier. Also weitersuchen. Endlich fanden wir ein einfacheres Gasthaus mit sehr leckeren Schnitzeln. Geht doch! Satt und zufrieden fuhren wir wieder zum Campingplatz und verkrochen uns in unsere Schlafsäcke, bevor es zu regnen begann.

Am nächsten Morgen sagte uns der Platzwart, dass für den heutigen Tag weiterer Regen angesagt war, doch der Himmel war wunderbar blau. Nach dem Frühstück packten wir ein und fuhren los.

aufbruch

Erst ging auch alles wunderbar, wir fuhren über idyllische, von Bäumen gesäumte Wege, vorbei an netten Häuschen und Bänken, die immer wieder zum Verweilen einluden. Einmal stand sogar das Wort “PAUSE” in roten Buchstaben auf der Straße. Selbstverständlich leisteten wir der Aufforderung Folge.

waldwege pause2

War die Strecke bisher gut ausgeschildert, ab der Ortschaft Menslage wurde es kompliziert. Entweder standen nur Ortschaften auf den Schildern, die weit abseits unserer “Marschroute” lagen, oder wir wurden auf langen verschlungenen Feldwegen durch die Pampa gelotst. Zum Glück war das Wetter immer noch schön, und mein Bein verhielt sich ruhig. Am Nachmittag errichten wir Molbergen, wo wir unsere Vorräte aufstockten, und von dort war es zum Glück nicht mehr weit zur Thülsfelder Talsperre.

 felder pause3

petersfeld

Dort gibt es jede Menge Campingplätze, und wir entschieden uns für den ersten, an dem wir vorbeikamen und der zum Hotel “Einhaus” gehört. Wir mussten uns im Hotel melden und man informierte den Platzwart, der uns die Zeltwiese zeigte. Waren wir froh, dass wir angekommen waren. Keine Ahnung, wie viele Kilometer wir an diesem Tag gefahren waren, gefühlt waren es jedenfalls eine ganze Menge.

campingeinhaus

Nach dem Aufbauen, einer wohltuenden warmen Dusche und etwas zu essen fühlten wir uns wieder fit und gingen zum See. Wir suchten uns eine Bank und beobachteten die anderen Urlauber: Paare, die einen Abendspaziergang machten, Kinder, die im flachen Wasser plantschten und Eltern, die ihren Nachwuchs einsammelten. Langsam ging über dem See die Sonne unter.

talsperre2 talsperre

Danach gönnten wir uns noch ein Bier auf der Hotelterrasse und gingen dann schlafen.

Kategorien: 2014 - Urlaub im Moinland | Schlagwörter: , , , , , , , , , , , , , , , | Hinterlasse einen Kommentar

Beitragsnavigation

Schreibe einen Kommentar

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

Erstelle eine kostenlose Website oder Blog – auf WordPress.com.

%d Bloggern gefällt das: