Urlaub im Moinland – Teil 2

Bad Zwischenahn und der Jadebusen

Nach der unfreiwillig langen Fahrt vom Vortag wollten wir es heute etwas ruhiger angehen lassen. Beim Semmeln-, pardon, Brötchenholen entdeckte ich im Fenster des Kiosks eine Karte zum Reiherweg von der Thülsfelder Talsperre nach Bad Zwischenahn, deren zweiter Teil auf einer alten Eisenbahnstrecke verläuft. Das klang gut!

Nach dem Frühstück, bei dem wir einige Schwalben beobachteten, die wohl unter dem Dach des Sanitätsgebäudes wohnten, fuhren wir los. Gleich am Anfang sahen wir einen Vogelschwarm in Formation, allerdings keine Reiher, sondern, wenn mich mein ornithologisches Halbwissen nicht im Stich lässt, Wildgänse. Fehlte nur noch Nils Holgersson.

wildgaense wildgaense2

Wir fuhren am Wasser entlang zum nördlichen Ende der Talsperre, wo des Wasser in die Soeste abläuft. Dort befindet sich der Startpunkt des Reiherwegs, der gemütlich am Fluss entlang zum Parkplatz des Tier- und Freizeitparks Thüle führt. Hier hieß es erst einmal höllisch aufpassen, da zahlreiche Autos und Reisebusse ihre Ladung freigaben: Kinder, die voll Vorfreude wie aufgescheuchte Hühner hin und her rannten sowie deren Eltern oder Großeltern, die mehr oder weniger erfolgreich versuchten, den Nachwuchs zu bändigen, und natürlich Hunde, die wie immer am äußersten Ende Leine unterwegs waren. Vorsichtig bahnten wir uns einen Weg durch das Gewühl und schafften es tatsächlich, die Abzweigung nach Bösel nicht zu verpassen.

Dann ging es gemütlich weiter durch nette Ortschaften und das Naturschutzgebiet Vehnemoor, wo früher Torf gestochen wurde. Ein verwitterter Gedenkstein erinnert an das Gefangenenlager Jordanshof aus dem ersten Weltkrieg.

unterwegs gedenkstein

Auf einer Fußgänger- und Radfahrerbrück überquerten wir den Küstenkanal, der den Dortmund-Emskanal mit der Hunte in Oldenburg verbindet. Dann erreichten wir den Rad- und Wanderweg auf der Kleinbahntrasse von Edewechterdamm nach Bad Zwischenahn. Die Kleinbahn wurde 1912 gebaut, um die Gemeinde Edewecht an die Hauptbahn Oldenburg-Leer anzuschließen. Bereits 1950 wurden keine Personen mehr befördert, und 1992 wurde auch der Güterverkehr eingestellt. Jetzt bildet die ehemalige Bahntrasse einen schönen Rad- und Wanderweg mit zahlreichen Auf- und Abfahrtsmöglichkeiten.

 kuestenkanal kleinbahnweg

Kurz nach Mittag erreichten wir Bad Zwischenahn und mussten nur noch den Campingplatz finden. Dazu mussten wir erst einmal durch die Ortschaft und am Zwischenahner Meer entlang. Zwei andere Radfahrer, die sich auskannten, fuhren ein Stück mit uns mit und schickten uns dann an einer Abzweigung am See in die richtige Richtung.

Da wir dem Uferweg gefolgt waren, kamen wir an der Rückseite des Platzes an, der jedoch geschlossen war – Mittagsruhe. Wir setzten uns in den Vorgarten der Rezeption und unterhielten uns mit anderen wartenden Campinggästen, die mit dem Wohnmobil da waren. Nach einer Weile kam der Platzwart, und wir konnten einchecken, durften aber bis drei Uhr noch nicht aufbauen: „Jetzt ist Mittagsruhe, und wenn sie da Ihre Heringe in den Boden hämmern…“. Mein Einwand, dass wir nicht einmal einen Hammer hatten, wurde weggefegt, Mittagsruhe ist Mittagsruhe. Also fuhren wir noch ein Stück am Seeufer entlang, dann hatten wir die Gegend schon mal erkundet.

badzwischenahnermeer

Dann suchten wir uns eine Bank und beobachteten die anderen Leute. Um uns die Zeit zu vertreiben, stellten wir eine Typologie der Naherholungsgebietnutzer auf. Da gibt es die Zielstrebigen, die bereits genau wissen, was sie hier machen wollen, meist schwimmen oder angeln. Sie kommen einzeln oder in Rudeln und gehen mit ihrem Gepäck unbeirrbar vom Parkplatz zu der Stelle, die sie sich bereits ausgesucht haben. Dann sind da die Jogger, die mit Handy und Ohrenstöpseln ihre Kreise um den See ziehen, sowie die Mountainbiker, die sich gerne ihre Wege durch das Unterholz bahnen. Ein weiterer Typ ist der Einzelgänger, der mit seinem Hund unterwegs ist. Manchmal ist er für ein Schwätzchen zu haben, manchmal will er einfach in Ruhe gelassen werden. Dann gibt es die spazierengehenden Familien, bestehend aus Eltern oder Großeltern mit Kinderwagen oder Buggy, und einigen kleineren Kindern, die aufgeregt vor und zurück flitzen und alles am Wegrand untersuchen. Die Hunde, die öfter dabei sind, verhalten sich übrigens ähnlich. Fast immer schlurft im Abstand von vier bis acht Metern ein unbebockter Teenager (männlich oder weiblich) mit Handy und Ohrenstöpseln hinterher. Und schließlich ist da noch die radelnde Rentnergang, auf normalen Rädern oder E-Bikes, meist zu viert oder zu sechst, die Herren in karierten Hemden, die Damen in gestreiften T-Shirts, über denen gerne auch ein Bodywarmer getragen wird.

Sicher gibt es noch mehr Typen, doch inzwischen war es drei Uhr geworden, und wir fuhren wieder auf den Campingplatz und bauten in der uns zugewiesenen Ecke das Zelt auf. Danach fuhren wir in die Stadt, wo wir erst die Öffnungszeiten des Supermarkts erkundeten. Danach stellten wir die Fahrräder bei der Kurverwaltung ab, wo wir sie sicher wiederfinden würden, und bummelten durch die Straßen. Dann enterten wir eine Eisdiele, da der Tag immer noch sehr warm war, und gingen in den Park mit seinen zahlreichen Kunstobjekten, wo wir uns eine Bank am Seeufer suchten. Dort verweilten wir, bis die Segelboote in Richtung Hafen fuhren, und suchten uns dann ein Restaurant mit Terrasse, wo es leckere Fischgerichte gab. Es kam sogar ein Straßenmusiker vorbei, und einige Gäste wünschten sich ein Lied.

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Nach dem Essen kauften wir noch ein und fuhren dann wieder zum Campingplatz zurück. Die Nacht war diesmal etwas unruhiger, da erst Leute nebenan Krach machten und ich feststellte, dass mein Handy nicht mehr an seinem Platz in der Lenkertasche war. Da ich erst vor kurzem eins verloren hatte, wollte ich nicht bis zum nächsten Morgen mit dem Suchen warten. Zum Glück tauchte es wieder auf, und wir konnten schlafen.

Am nächsten Morgen stellten wir fest, dass es kein Wasser mehr gab, da ein Rohr in der angrenzenden Straße gesprungen war. Wir drehten den Hahn neben unserem Zelt auf, und das Wasser, das noch herauskam, reichte gerade noch für einen Kaffee und zwei unserer Flaschen. Kurz nachdem wir den Campingplatz verlassen hatten, stießen wir tatsächlich auf Reparaturarbeiten.

Ohne weitere Vorkommnisse fuhren wir nach Dangast und fanden schnell den Campingplatz am Watt. Peter war sich sicher, dass wir schon einmal hier gewesen waren, doch mir kam der Platz nur so vage bekannt vor, dass es auch ein anderer, ähnlicher gewesen sein könnte. Den Kiosk und Imbiss hatte ich zwar schon mal gesehen, aber so etwas gibt es doch auf mehreren Plätzen? Das Toilettengebäude war mir aber auf jeden Fall fremd. Nachdem wir jedoch im Lauf des Tages immer mehr bekannte Punkte entdeckten, wurde sogar mir klar, dass wir schon einmal hier gewesen waren, nämlich vor gut drei Jahren. Ich werd halt auch nicht jünger….

Beim Einchecken wurde uns eine Parzelle zwischen mehreren Dauercampern zugeteilt, da wir dort windgeschützt stehen würden. Als wir dort ankamen, stellten wir jedoch fest, dass dort eine Betonplatte für Wohnwägen lag – zum Zelten also nicht geeignet. Als wir uns nach einem anderen Platz umsahen, gab uns einer der Dauercamper gute Tipps, welche Plätze bei Regen unter Wasser stehen und welche trocken bleiben. Wir suchten uns ein Plätzchen aus und meldeten unseren „Umzug“ bei der Rezeption. Für die nächsten zwei Tage residierten wir also im Schollenpfad 10.

schollenpfad

Nach dem Aufbauen verabredete ich mich per SMS mit Queeni aus meinem Stammforum, die in der Nähe wohnt, für den nächsten Tag zum Abendessen. Nachdem wir eine Weile die Schwalben (zumindest glaube ich, dass es welche sind) beobachtet hatten, die sich immer wieder auf dem Gestänge auf der Parzelle gegenüber versammelten und dann wieder abflogen, gingen wir erst einkaufen und erkundeten dann das Dorf. Die Entfernungen sind ja hier nicht allzu groß.

schwalben

Dann gingen wir zum Fischturm, um unserer erstes Fischbrötchen des Urlaubs zu verspeisen.

dangasthafen fischbroetchen

Nach dieser Stärkung besuchten wir das Nationalparkhaus, wo wir uns über die Flora und Fauna des Wattenmeers und den Küstenschutz in dieser Region informieren konnten. Außerdem gab es dort zahlreiche Broschüren über die ostfriesischen Inseln und die Fährverbindungen dorthin. Das war sehr praktisch, da wir unbedingt noch eine dieser Inseln besuchen wollten, aber noch nicht sicher wussten, welche.

Dann kehrten wir zurück zum Campingplatz und suchten uns eine Bank mit Aussicht auf das Watt und den Leuchtturm Arngast, der sich etwa fünf Kilometer vor der Küste auf einer Sandbank befindet. Dort verspeisten wir unser Abendessen und beobachteten, wie sich der Himmel über dem Watt langsam verfärbte. Dann gingen wir schlafen, da wir uns für den nächsten Tag einiges vorgenommen hatten.

leuchtturm sonnenuntergang

Am nächsten Morgen gingen wir nach dem Frühstück ins benachbarte DanGast Quellbad, da dessen Benutzung für zwei Stunden pro Tag im Übernachtungspreis inbegriffen ist. Dort erwartete uns laut Informationsmaterial „ein sehr wertvolles, urgesundes Jod-Sole-Wasser“. Wir plätscherten durch den Strömungskanal, bibberten im Außenbecken, entspannten uns im Dampfbad und sausten die Rutsche hinunter.

Dann machten wir uns auf den Rückweg, da wir an einer Wattwanderung teilnehmen wollten. Zusammen mit einigen anderen Teilnehmern versammelten wir uns bei der Rezeption, und bald tauchte unser Wattführer auf und sammelte das Geld ein. Wir ließen die Schuhe beim Rezeptionshäuschen und liefen hinunter zum Strand. Dort erzählte uns der Führer einiges Wissenswertes zum Tidenhub, den Sturmfluten und der Bedeutung der Deiche. Normalerweise ziehen sich ja die Wellen, die an den Strand rollen, wieder zurück. Wenn jedoch der Wind kräftig von der See her weht, stapeln sie sich gewissermaßen aufeinander und überfluten so die Deiche. Dies kommt regelmäßig im Winter vor, und die vom 6. Dezember 2013 war wohl nicht von schlechten Eltern.

wattwanderung

Dann ging es ins Watt. Die Wanderung, die wir vor drei Jahren in Büsum gemacht hatten, war eigentlich ein ganz gemütlicher Spaziergang durch das flache Wasser über das Sandwatt gewesen. Doch hier hatten wir es mit Schlickwatt zu tun, und das ist eine ganz andere Sache. Das Wasser spült hier in die Bucht, kann sich aber nicht geradlinig zurückziehen, und so lagert sich viel mehr glitschiges Zeugs ab als an anderen Stränden, und so sieht der Boden dann auch aus: schwarz. Bei jedem Schritt schlürft und schmatzt es um die Knöchel, und manchmal sinkt man bis zum Scheinbein ein. Gut, dass wir keine Stiefel anhatten, die wären wir sicher schnell losgeworden. Und rutschig ist es natürlich auch. Wenn es mich jetzt auf den Allerwertesten setzen würde, wäre das etwas unpraktisch, da ich außer meiner Fahrradhose nur diese mithatte. Und so glitschten wir vorsichtig über das Watt und lauschten den Ausführungen unseres Führers über allerlei Getier, das unter unseren Füßen haust: Wasserschnecken, Wattwürmer, Plattmuscheln, Wattkrebse usw.

wattwanderung2 wattwanderung3

Nach einer Weile war es Zeit, wieder an Land zu gehen. Unser Führer erzählte, dass er auch Wattführungen zum Leuchtturm Arngast anbietet, an denen aber nicht jeder teilnehmen kann. Verständlich. Wir spülten unsere Füße ab und gingen zu „unserer“ Bank, wo wir gestern unser Abendessen verzehrt hatten. Plötzlich kamen ein paar Spaziergänger vorbei, die auch gestern dort unterwegs gewesen waren, und fragten: „Sind Sie schon wieder da oder noch immer?“ Tja…

Dann warteten wir am Eingang auf Queenie, die uns abholen sollte. Dass auch dieser Berich gelegentlich unter Wasser steht, wird einem hier sicher deutlich gemacht:

ueberflutung

Nachdem Queenie unser Zelt gebührend bewundert hatte, fuhren wir mit ihrem Auto (welch ein Luxus!) nach Varel, wo wir erst den schnuckligen Hafen besichtigten und dann gemütlich in einem Restaurant mit Fischbuffet essen gingen. Bei guten und vor allem reichlichem Essen und gepflegter Unterhaltung verging der Abend recht schnell.

varelhafen

Wieder zurück am Schollenweg merkten wir, dass es Freitag war: die Dauercamper rückten an. Vor dem Wohnwagen neben uns wurde lautstark telefoniert: „Sicher könnt ihr vorbeikommen, wir sind zu Hause. Wir sind ja immer zu Hause, wenn Werder spielt!“ Na, dann ist ja alles klar. Wir kuschelten uns in unsere Schlafsäcke und bekamen das Anrücken des nachbarlichen Besuchs nur noch gedämpft mit. Es war ja schließlich ein ereignisreicher Tag gewesen.

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