Urlaub im Moinland – Teil 3

Seehunde, Hasen, Igel und the best Fischbrötchen ever!

Am Morgen fuhren wir schon recht früh los. Wir überquerten das Dangaster Binnentief und am Deich entlang Richtung Norden. Dann bogen wir ab nach Schortens und Jever, um nicht durch Wilhelmshafen zu müssen, das auf der Karte groß und verkehrsreich aussah. Nach einer Weile erreichten wir Carolinensiel mit seinem goldigen Museumshafen.

Ein „Siel“ ist übrigens ein verschließbarer Gewässerdurchlass in einem Deich und Teil des Entwässerungssystems im Marschland. Die gesamte ostfriesische Nordseeküste ist von diesen Sielen gesäumt. Im Niederländischen weist die Endung „-zijl“ ebenfalls auf die Lage an einem Siel hin. Das Fischerdorf Carolinensiel wurde 1730 von Georg Albrecht von Ostfriesland gegründet und nach seiner Frau Sophie Caroline benannt. Am Museumshafen steht seit 2005 die Skulptur Caroline, die den „Cliner Wind“, den Wind aus Carolinensiel symbolisiert.

Carolinensiel Carolinensiel2

Nach einer Sitzbesichtigung stockten wir in einem Supermarkt unsere Vorräte auf und fuhren weiter nach Harlersiel, wo die Fähre nach Wangerooge abfährt. Diese Insel soll ja sehr schön sein, aber leider besitzt sie keinen Campingplatz, weshalb sie noch ein bisschen auf unseren Besuch warten muss. Dort bogen wir links ab und fuhren nach Neuharlingersiel.

Neuharlingersiel2

Unterwegs hatte es schon angefangen zu tröpfeln, und als wir den Fischereihafen erreichten, legte der Regen richtig los. Wir stellten uns unter einen Teil der Konzertmuschel und erhielten bald Gesellschaft von einem schwäbischen Pärchen mit Hund. Dann gesellte sich eine Familie zu uns, und eines der zwei Kinder bemerkte: „Ich hab ja gleich gesagt, dass wir im Auto bleiben sollen, aber auf mich hört ja wieder keiner.“ Wo er recht hat, hat er recht.

Neuharlingersiel Neuharlingersiel3

Als der Regen nachließ, setzen wir unseren Weg am Deich fort, wobei wir uns kräftig gegen den Wind aus Westen stemmen mussten.

Deich Unterwegs

In Bensersiel beschlossen wir, dass wir genug gefahren waren und steuerten den dortigen Campingplatz an. An der Rezeption wurde uns eine Parzelle in der Mitte des Platzes zugewiesen. Auch hier hatten wir eine eigene Adresse, diesmal „Am Bach 4“. Die Wegnamen sind bei diesem Platz auch dringend notwendig, sonst würde niemand sein Zelt oder seinen Wohnwagen wiederfinden. Der Platz befindet sich außerhalb des Deiches, und einige Plätze liegen direkt am Strand. Unserer gehörte zum Glück nicht dazu, ein bisschen respektvoller Abstand zum Wasser muss sein.

Nachdem wir das Zelt aufgebaut hatten, brutzelten wir uns etwas zum Abendessen. Dann gingen wir am Strand entlang, vorbei am Strandbad und einem Kiosk, den wir uns für das morgige Frühstück vormerkten. Über eine Brücke über das Benser Außentief kamen wir in die Ortschaft. Und wieder begann es zu regnen. Wir stellten uns bei einem Andenkenladen unter, und als der Regen etwas nachließ, sprinteten wir zum Restaurant gegenüber. Da wir nur etwas trinken wollten, bat man uns, an der Bar Platz zu nehmen. Zwei Bierchen später war es trocken genug, dass wir zum Campingplatz zurückkehren konnten.

Am nächsten Morgen ging ich als erstes zum Bäcker, um Frühstückssemmeln zu holen. Dann trödelten wir gemütlich herum und beobachteten eine Schafherde, die an unserem Platz vorbeizog.

Schafe

Endlich hatten wir gepackt und fuhren weiter Richtung Osten. Das Wetter war gut, nur gelegentlich erwischte uns ein kleiner Regenschauer. Irgendwo am Wegesrand grüßte uns ein fröhliches Stroh-Hochzeitspaar. Solche Figuren sieht man hier in der Gegend öfters.

Strohfiguren

In Neßmersiel wurde es Zeit für eine Eispause. Zusammen mit einer anderen Frau betrat ich ein Gasthaus, doch es war gar nicht so leicht, den Wirt auf uns aufmerksam zu machen, da er mit lauter Musikbeschallung in der Küche herum wurschtelte. Als ich meine Eiswaffeln bekommen hatte, begann es wieder zu tröpfeln, und wir suchten in einem Strandkorb im Garten Schutz.

Dann ging es weiter nach Norddeich. Wir fuhren am Hafen vorbei, wo die Schiffe nach Juist und Norderney abfahren, und nach einem unfreiwilligen Abstecher in die Ortsmitte fanden wir den Campingplatz direkt am Deich. Wir checkten ein und durften uns ein Plätzchen auf einer der drei Zeltwiesen aussuchen. Diese sind unterschiedlich groß und durch Hecken voneinander abgetrennt, so dass man immer einigermaßen geschützt steht. Wir wählten die mittlere, wo bereits ein radelnder Vater mit zwei Kindern stand.

Da wir hier zwei Nächte bleiben wollten, beschlossen wir, erst einmal unsere Klamotten zu waschen. In der trüben Dreck-Waschmittelbrühe wirkten sie wie ein abstraktes Kunstwerk.

Wäsche Wäsche2

Während die Wäsche gemütlich in der Sonne vor sich hin trocknete, erkundeten wir die Umgebung. Zum Campingplatz gehört ein Restaurant mit Biergarten, das sich im ehemaligen Rundfunkgebäude von Norddeich Radio befindet. Diese Küstenfunkstelle wurde Anfang des 20. Jahrhunderts errichtet und führte knapp 100 Jahre lang Telegrammverkehr mit Schiffen in aller Welt durch (Wikipedia). Jedes Jahr gab es an Heiligabend die Sondersendung „Gruß an Bord“, bei der Angehörige an Land den Besatzungen der verschiedenen Schiffe Weihnachtswünsche zukommen lassen konnten. Außerdem empfing Norddeich Radio Notrufe von Schiffe in Seenot und leitete sie an die Rettungsstellen weiter. 1998 wurde die Radiostation endgültig geschlossen. Für einen Besuch des „Museum Norddeich Radio“ gegenüber dem Café ten Cate in Norden waren wir allerdings zu früh, da es erst im März 2015 eröffnet werden sollte.

Norddeich Radio Norddeich Radio2

Wir wanderten am Deich entlang, wo sich das Wasser zurückgezogen hatte und der Schlick zwischen den Buhnen liegen blieb.

Norddeich Buhnen Norddeich Buhnen2

Auf dem Rückweg entdeckten wir beim Eingang des Campingplatzes auch eine Hundedusche, um die schlammverkrusteten Tiere nach einem Strandbesuch zu reinigen.

Hundedusche

Zum Abendessen gingen wir in den Biergarten. Gerade als wir unsere Bestellung aufgegeben hatten, fing es an zu tröpfeln, und ich sauste zum Zelt, um die Wäsche abzunehmen. Dann gingen wir nach drinnen, wo wir uns unser Abendessen schmecken ließen.

Am nächsten Tag holte ich im Campingladen unsere Frühstückszutaten und den neuesten Krimi von Klaus-Peter Wolf, „Ostfriesenfeuer“, den ich mir in den nächsten Tagen zu Gemüte führen wollte. Dann fuhren wir als erstes zur Seehundstation im Nationalparkhaus. Im Jahr 1971 wurde die Seehundstation von Winhold Schumann und Erwin Manninga gegründet, die bei der Jägerschaft Niedersachsen Gelder beantragten, um verwaiste Seehunde aufzupäppeln und wieder auszuwildern. Auf diese Weise sollte die Seehundpopulation, die in den sechziger Jahren dramatisch zurückgegangen war, zu stützen. Im selben Jahr zog auch „unsere“ Lenie ‚t Hart ihren ersten Seehund auf und legte den Grundstein für die Zeehondencrèche Pieterburen. Soweit ich weiß, arbeiten die beiden Seehundstationen auch zusammen, vor allem auf dem Gebiet der Forschung. Auch hier kann man eine Seehundpatenschaft übernehmen und dabei sein, wenn der Seehund ausgewildert wird.

Anders als in Pieterburen ist die Quarantänestation ausgelagert du befindet sich im Waloseum. Auch kann man als Unbefugter nicht aus dem Hauptgebäude an die Außenbecken. Toll ist aber, dass man die Seehunde im großen Außenbecken durch eine Glasscheibe beim Tauchen beobachten kann.

Seehundstation Seehundstation4

Wir sahen uns die Ausstellung an und schauten beim Füttern zu. In der Küche tat sich hier allerdings nicht viel, da die Tiere groß genug waren, um die Fische als Ganzes zu verspeisen.

Seehundstation3 Seehundstation2

Schön, dass auch hier gut für die Seehunde gesorgt wird.

Dann fuhren wir weiter an einer riesigen Doornkaatflasche vorbei in das Zentrum von Norden.

Norden Norden2

Wir bummelten durch die Innenstadt, vorbei am Teemuseum, das aber leider montags nicht geöffnet hat, und einigen anderen interessanten Gebäuden, wie den „Dree Süsters“ (Drei Schwestern) am Marktplatz und dem Neuen Rathaus.

Norden Rathaus Norden Dree Süsters

Beim Café ten Cate lagen einige Ostfriesenkrimis von Klaus-Peter Wolf im Schaufenster, wahrscheinlich als Gegenleistung dafür, dass ihr Marzipan in jedem Band mehrfach Erwähnung findet, nämlich immer dann, wenn Hauptkommissar Ubbo Heide unter Stress steht und seinem Magen etwas Gutes tun muss. Ich kaufte eine Marzipanmuschel, da ich feststellen wollte, ob es wirklich so lecker ist. Ist es!

Dann hatten wir Appetit auf etwas Fischiges, wir waren ja schließlich an der Nordsee. Zufällig entdeckten wir das Fischrestaurant „Fisherman“. Wir setzen uns erst an einen Tisch draußen, stellten jedoch nach einer Weile fest, dass man zum Bestellen hineingehen musste. Die Fische in der Auslage sahen so lecker aus, dass wir beschlossen, kein warmes Essen zu bestellen, sondern ein Fischbrötchen zu essen. Die Brötchen wurden frisch zubereitet und waren wunderbar! Knusprige Brötchen, der Matjes frisch und aromatisch, nur mit einem Hauch von Salz, so dass der Fischgeschmack nicht erschlagen wurde, ein paar frische Zwiebelringe und ein bisschen Essiggurke und Paprika, die den Fisch perfekt abrundeten. Wir waren uns einig, dass wir gerade „the best Fischbrötchen ever“ verspeisten.

Nach diesem kulinarischen Erlebnis fuhren wir wieder zum Campingplatz, wo wir unsere Urlaubkarten schrieben und den grasenden Karnickeln zuschauten. Dann machten wir noch einen Spaziergang zum Strandbad.

Karnickel

Mitten in der Nacht schüttelte Peter mich wach, da er die Taschenlampe brauchte. Irgendetwas rumorte in unserem Vorzelt. Hatte sich etwa ein Kaninchen verirrt? Vorsichtig schaute Peter nach und rief dann: „Wir haben einen Igel!“ Tatsächlich, eines dieser stachligen Tiere hatte seinen Weg ins Zelt gefunden und schnüffelte interessiert an unseren Taschen, wahrscheinlich auf der Suche nach etwas Essbarem. Unser Fressaliensack war jedoch gut verschlossen. Vorsichtig schob Peter den Igel mit der Taschenlampe wieder nach draußen und wir schliefen wieder ein.

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Kategorien: 2014 - Urlaub im Moinland | Schlagwörter: , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , | 4 Kommentare

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4 Gedanken zu „Urlaub im Moinland – Teil 3

  1. Das ist wieder ein sehr interessanter Reisebericht. Immerhin, wenn es dort vor oder im Zelt rumort, ist der Besuch eines Bären auszuschließen 😉
    Liebe Grüße,
    Elvira

    • Oder ein Elch, wie er bei Josie Dews Schwedenradtour durch ihr Zelt gelatscht ist (Ich kann Ihnen versichern, das tut weh.)

  2. Sehr schöner Bericht über die „Siele“. Informativ und amüsant geschrieben. Danke auch für das Foto der „fotogenen“ Doornkaat-Flasche.:-D

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