Pieterpad – Nach der Winterpause

Swalmen – Vierlingsbeek

Die Winterpause ist vorbei, lange genug hat sie ja gedauert. Eigentlich wollte ich ja vor einem Monat schon lospilgern, wurde aber von einer fiesen Grippe heimgesucht. Als ich deshalb im letzten Moment bei meinen bereits reservierten Übernachtungsadressen (näheres siehe unten) absagte, wollte man bei beiden von meinem Angebot, trotzdem zu bezahlen, nichts hören und sagte: „Werd erst mal wieder gesund, und vielleicht sehen wir dich ja beim nächsten Versuch.“ Und so war es dann auch.

Da ich mit einem Text für mein Berufsblog nicht weiterkam und mich außerdem noch mit diversen anderen Fragen herumschlug, hoffte ich beim Wandern meine Gedanken ein wenig ordnen zu können. Und als ich unterwegs an einer Bank mit der Aufschrift „Bank vertelt – Bank erzählt“ (wenn man genau hinschaut, kann man es lesen) vorbeikam, bastelte ich das Stillleben „Wandern – suchen – schreiben“:

Stilleben

Wo steht, dass „Bag Art“ nur mit Fahrradtaschen geht?

Da ich seit Anfang des Jahres ein schickes Smartfon besitze, nervte ich auch fröhlich Freunde und Bekannte mit Fotos von unterwegs. Die Selfie-Funktion habe ich zwar inzwischen auch entdeckt, aber diese dämlichen Dinger, mit denen man bei jeder Gelegenheit vollgespammt wird, gehen mir so unglaublich auf den Senkel, dass ich meinen Mitmenschen wenigstens das ersparen möchte.

Etappen, Orientierung und Kondition

Diesmal hatte ich geplant, drei Tagesetappen zu laufen, und zwar so, wie sie im Reiseführer angegeben sind: Swalmen – Venlo (23 km), Venlo – Swolgen (21 km) und Swolgen – Vierlingsbeek (21 km). Und diesmal kamen eigentlich nur insgesamt drei oder vier Extrakilometer zwischen Bahnhof oder Übernachtungsplatz und Route dazu. Die Bahn braucht für diese Strecke eine knappe Dreiviertelstunde, aber wie sagte Goethe so schön? „Nur wo du zu Fuß warst, bist du auch wirklich gewesen.“

Erstaunlicherweise kam mir nur zwei- oder dreimal mein Rechts-Links-Problem in die Quere. Einmal geschah das gleich am Anfang, weil ich mich von Holzschnitzereien an der linken Seite ablenken ließ, während ich rechts hätte abbiegen müssen.

Kunst kunst2

Aber jedes Mal merkte ich es rechtzeitig, so dass sich der Schaden in Grenzen hielt. Und auch im Wald, wo ich beim letzten Mal so spektakulär im Kreis gelaufen war, klappte alles wunderbar. Nur einmal lief ich aus Versehen etwas zu weit nach Osten, stieß aber schnell wieder auf die Route. Entweder lerne ich tatsächlich, Reiseführer und Markierungen richtig zu lesen, oder die Strecke ist in dieser Gegend einfach besser beschildert, was natürlich auch möglich ist.

markierungen markierungen2

Auch was die Kondition betrifft, war ich angesichts meines winterlichen Couchpotato-Daseins angenehm überrascht: Die Tagesetappen waren gut zu schaffen, und selbst der berüchtigte dritte Tag ging ausgezeichnet. Nur am Tag nach der Wanderung hatte ich Muskelkater, was sich aber schnell wieder gab.

Allein wandern

Immer noch gehen die meisten Leute davon aus, dass wir im Doppelpack unterwegs sind, aber dem ist im Moment nicht so. Und das ist auch in Ordnung, auch wenn ich diesmal auf einen schwierigeren Aspekt stieß: Wenn man keine Ablenkung hat, ist es nicht so einfach, unliebsamen Gedanken auszuweichen, wenn sie einen anspringen, und das kann gelegentlich recht konfrontierend sein. Aber ich versuchte, mich diesen Gedanken zu stellen und sie wirklich zu Ende zu denken, auch wenn es  weh tat. Manchmal muss man da durch, und dann wird es besser.

einsamesland einsamesland2

Diesmal wurde mir auch bewusst, dass ich, wenn ich mit anderen unterwegs bin, eher geneigt bin, denen die Führung zu überlassen und einfach mit zu dackeln. Wenn man allein unterwegs ist, geht das nicht, man muss seinen Weg selbst finden. Und ich kann mit Stolz vermelden, dass es meistens recht gut funktioniert!

wegweiser2

Begegnungen und Übernachtungen

Da es noch früh im Jahr war und ich außerdem an einem Montag unterwegs war, hatte ich relativ wenig Gegenverkehr. Aber am Anfang der Strecke traf ich ein Paar aus Beesel, das in dieselbe Richtung lief. Wir gingen hin und wieder ein Stück miteinander, dann trennten sich unsere Wege, bis wir uns wieder begegneten. Sie hatten die Strecke auf einem Navi, was sicher sehr praktisch ist und uns tatsächlich einmal vor einem Umweg bewahrte, aber irgendwie überzeugt mich das Teil nicht ganz, es wird alles recht vorhersehbar.

Dann waren da noch die netten deutschen Radfahrer, die mir meinen Pullover, den ich nicht ordentlich am Rucksack befestigt hatte, brachten, ein Spaziergänger mit Hund in Swolgen, der fragte „Die letzten Meter für heute?“ und der einheimische Radfahrer, der mir versicherte, dass ich noch auf dem richtigen Weg sei.

Auch diesmal übernachtete ich bei „Vrienden op de fiets“, in Venlo bei einem Vater von zwei Kindern, die dieses Wochenende auch da waren. Er stellt sein Gästezimmer zur Verfügung und kocht für die Radfahrer und Wanderer gerne mit. Seine Vorliebe für deutsche Schlager der 70er und 80er Jahre hätte nicht unbedingt sein müssen, aber immerhin war die Lautstärke sozialverträglich. Aber das Essen war lecker, er hatte einen guten Weißwein, und so verging der Abend bei gepflegter Unterhaltung.

In Swolgen übernachtete ich bei einem älteren Paar, das schon mehrfach mit dem Rad und zu Fuß nach Santiago gepilgert ist. Ein selbst herausgegebenes Büchlein von ihrer ersten Radreise dorthin liegt wohl in jedem Schlafzimmer, eine interessante Lektüre. Sie vermieten drei Zimmer und ziehen das Ganze professioneller auf, eher wie ein B&B.

Grenzwanderungen

Auch diesmal schrammte die Route wieder wunderbar an der deutsch-niederländischen Grenze entlang. Manchmal hat man die Grenzsteine an der rechten Seite, befindet sich also in den Niederlanden, und wenn sie links von einem sind, ist man in Deutschland.

grenzstein

Nördlich von Swalmen gibt es auch ein Stück, an dem man praktisch am Abgrund entlang läuft. Oben ist man in Deutschland, wo man am Rand des ausgestreckten Brachter Walds entlanggeht, während sich unten in den Niederlanden (daher kommt das!) Sumpfland befindet.

wandernamabgrund

Natürlich musste ich auch im Café „De Grens“ einen Imbiss zu mir nehmen. Die Ansammlung von Häusern hier hat übrigens drei verschiedene Namen, je nachdem, wo man schaut: De witte steen, De witte Stein, Der weiße Stein.

degrens wittestein

Die Hansestadt Venlo ist ebenfalls eine typische Grenzstadt, die in ihrer bewegten Geschichte zu verschiedenen Ländern, Herzogtümern etc. gehörte. Heute ist sie aufgrund ihrer Lage sehr beliebt bei deutschen und belgischen Touristen.

venlo venlo2

Abwechslungsreiche Landschaft

Über Langeweile konnte ich mich bei diesem Stück wirklich nicht beklagen. Ich kam durch viele verschiedene Wälder und Waldrandgebiete.

wald wald2

Bei Venlo ging ich länger an der Maas entlang, die ich dann bei Velden – Grubbenvorst mit einer Fähre überquerte.

maas maas2

Dort machte ich beim Glockenspiel des ehemaligen Ursulinenklosters Pause, bis besagtes Glockenspiel die Melodie „Muss i denn, muss i denn zum Städtele hinaus“ von sich gab – ein dezenter Hinweis, dass es auch für mich Zeit war, um weiter zu ziehen.

glockenspiel

Dann kam ich durch eine Heidelandschaft, wo ein Schild mich darauf aufmerksam machte, dass hier Tiere grasten, die gelegentlich etwas ungehalten reagieren könnten. Man sollte also Abstand halten und  sie nicht streicheln oder füttern. Um welches Getier es sich handelte, wurde allerdings nicht gesagt: Schafe? Rehe? Auerochsen? Mammuts? Oder gar noch Schlimmeres? Ich begenete jedoch nichts und niemandem und konnte unbehelligt meinen Weg fortsetzen.

heide

Außerdem führte die Route durch das Flugsandgebeit Boschhuizer Bergen, ein sehr interesantes Naturgebiet mit Kiefern und Wacholdersträuchern.

stuifzand

Und irgendwo unterwegs stieß ich noch auf folgenden netten Wegweiser:

wegweiser

Pieterburen rückt näher.

Kategorien: 2015/16 - Pieterpad | Schlagwörter: , , , , , , , , , , , , , , | 2 Kommentare

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2 Gedanken zu „Pieterpad – Nach der Winterpause

  1. Zu Fuß? Nun, warum nicht und bestimmt sehr interessant. Du bist übrigens und quasi an meiner Haustür vorbei gelaufen:-)

    Alleine finde ich gut.

  2. Interessant war es auf jeden Fall. Und du wohnst in einer schönen Gegend. 🙂

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