Ostseeradtour 2015 – Teil 10 / Schluss (Zeit wird’s)

Through the warmth, through the cold, keep running till we’re there.
We’re coming home now, we’re coming home now.
(aus „Home“ von Dotan)

Altefähr – Stralsund – Gronau – Enschede

Und wieder waren die letzten Tage angebrochen, an denen man im Geiste schon fast wieder zu Hause ist. Eine gewisse Wehmut wegen des bevorstehenden Urlaubsendes mischst sich mit der Vorfreude auf die vertrauten vier Wände.

Als wir am nächsten Morgen wach wurden, war es trocken, und auch der Wind hatte nachgelassen. Wir überlegten, doch nach Altefähr zu radeln, doch als wir abgebaut hatten und zum letzten Mal die Anhöhe hinunter sausten, Stellten wir fest, dass der erste Eindruck täuschte. Es war zwar nicht mehr ganz so dramatisch wie am Vortag, aber der Jasmunder Bodden war immer noch recht aufgewühlt.

bahnundbodden

Also fuhren wir zum Bahnhof, wo uns ein Aushang darauf aufmerksam machte, dass wir die Karten im Zug erwerben konnten. Die Fahrt verlief ohne Probleme, aber in Altefähr mussten wir mit den vollbepackten Leezen eine Treppe hinunter. Da kommt doch mal wieder Freude auf!

Über den altbekannte Kopfsteinpflaster-Sandweg ging es zum Campingplatz, wo wir vor zehn Tagen reserviert hatten. Diese Zeit kam uns wie eine Ewigkeit vor, so viel hatten wir gesehen und erlebt. Wir bauten unser Zelt diesmal in einer windgeschützten Ecke auf und gingen dann am Sund spazieren, wo wir kräftig durchgepustet wurden.

stralsundskyline stralsundskyline2

Dann widmeten wir uns unseren Büchern, bis der Kiosk mit den leckeren Flammkuchen geöffnet hatte. Mit einer Flasche Weißwein ließen wir unseren letzten Urlaubsabend ausklingen.

Am nächsten Morgen waren wir schon früh wach, und wie es sich für einen Abreisetag gehört, strahlte die Sonne vom Himmel, und der Wind regte sich kaum. Wir legten die Bodenplanen in die Sonne und sahen ihnen während des Frühstücks beim Trocknen zu. Dann bauten wir ab.

Gemütlich fuhren wir über den Strelasund nach Stralsund und zum Bahnhof, wo wir natürlich wieder viel zu früh waren. Wir kauften uns einen Zeitung und Kaffee und setzten uns an einen der netten Tische dort. Wir lasen und beobachteten Leute, bis es Zeit wurde, zu unserem Gleis zu gehen.

Im Gegensatz zur Hinfahrt war die Wagenreihung diesmal korrekt, doch als wir mit unseren Leezen ins Fahrradabteil wollten, gab es Platz Nummer 148, den ich reserviert hatte, nicht. Irgendwas ist ja immer! Dafür war ein anderer Platz nicht reserviert, den ich dann okkupierte. Die Schaffnerin nahm ihre Aufgabe sehr ernst, und wir hatten das beruhigende Gefühl, dass sie in einem Notfall unsere Räder mit Leib und Leben bewachen würde.

Wir unterhielten uns mit einer Radlergruppe aus Heidelberg, die die Mecklenburger Seenplatte erkundet hatte. Am Vortag waren sie noch in Wolgast gewesen und hatten sich dort wegen Wind und Wetter ebenfalls für den Zug entschieden.

In Rostock hatte der Zug eine halbe Stunde planmäßigen Aufenthalt, und wir dachten, dass die Bahn doch eine kurze Stadtrundfahrt in so einem Golfwagerl organisieren könnte, um die Wartezeit zu überbrücken. Aber es gab auch so genug Unterhaltung: Auf den Bahnsteigen sahen wir bunt gekleidete Leute und hörten, dass diese zum Schlagermove nach Hamburg wollten. Mal wieder ein Beweis, dass wir wohl älter werden, wir hatten keine Ahnung, was das ist. Aber Google ist ja mein bester Freund, und ich fand Folgendes: „Der „Schlagermove“ Hamburg ist das selbsternannte „Festival der Liebe“ und feiert jährlich in der Hansestadt den Karneval des Nordens mit bunt-bizarren Kostümen, schrägen Brillen und natürlich viel, viel Schlagermusik. Mittlerweile sind bei der Veranstaltung rund 45 Party-Trucks unterwegs, die rund 500.000 Besucher bespaßen.“ Also, ich glaube nicht, dass ich da unbedingt hinmuss.

Eine fünfköpfige Familie stieg mit ihren Rädern zu, und wie wir wollten sie bis Münster. Die kleinere der beiden Töchter stürmte auf einen Tisch bei uns auf der anderen Seite es Ganges los und trötete: „Ich hab ’nen Tihisch!“, und als alle saßen, ging es sofort weiter: „Wann fahren wir endlich los?“ Da hatte sie zweifellos recht.

Dann ging es tatsächlich weiter, und wir erfuhren, dass die Familie in der Umgebung von Rostock unterwegs gewesen war. Allerdings war bei der Hinfahrt ihr reservierter Intercity wegen defekter Klimaanlage ausgefallen, so dass sich ihre Route erst mal aus Nahverkehrszughopping und ungeplanten Radstrecken zusammen setzte. Senk ju for träweling wis Deutsche Bahn.

Wir kamen planmäßig in Münster an, wo wir knapp 10 Minuten zum Umsteigen hatten. Wir halfen uns gegenseitig beim Ausladen der Räder und des Gepäcks, als das kleine Mädchen plötzlich Angst bekam, dass ihre Eltern, die draußen mit dem Aufpacken beschäftigt waren, sie im Zug zurück lassen würden. Ich hob sie aus dem Zug und setzte sie beim Rest der Familie ab. Dann gingen wir zum Aufzug.

Peter und ich hatten nicht vor, uns abzuhetzen, trotzdem erwischten wir unseren Anschlusszug noch und konnten uns zu den Fahrrädern, die dort bereits standen, dazuquetschen. Für die Familie, die nach Steinfurt wollte, war jedoch beim besten Willen kein Platz mehr, doch die Mutter hatte den Kindern schon im Vorfeld versprochen, dass sie in so einem Fall Eis essen gehen würden. So war die Stunde Wartezeit für sie hoffentlich nicht zu schlimm.

In Gronau stiegen wir aus und radelten die letzten Kilometer nach Hause. Und – oh Wunder – als wir die Grenze passierten, schien die Sonne. Normalerweise werde ich, wenn ich von einem längeren Deutschlandaufenthalt zurück komme, mit Regen empfangen.

Es war wieder eine tolle Reise mit vielen Erinnerungen und neuen Eindrücken. Und wir haben einige Orte entdeckt, die wir sicher irgendwann noch näher erkunden werden, z. B. die Halbinsel Darß-Zingst und auf jeden Fall Rügen, da wir davon ja höchstens ein Viertel gesehen haben.

Und wo gefällt es mir nun besser, an der Nordsee, oder an der Ostsee? Die beiden Meere sind so unterschiedlich, dass ich es eigentlich nicht sagen kann. Die Nordsee mit ihren ausgeprägten Gezeiten ist auf jeden Fall dramatischer, aber die gewundene Küstenlinie der Ostsee mit ihren zahlreichen Halbinseln, Buchten, Wieken und Bodden hat auch etwas. Auf jeden Fall werde ich das Meer immer lieben und es wird mich immer wieder dorthin ziehen, egal ob an die Nord- oder Ostsee.

Und bald stehen ja wieder neue Abenteuer an, zur Abwechslung mal wieder England und ein bisschen Schottland, natürlich mit dem Rad, wie auch sonst?

ruegen

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