Synagogen-Update oder: Kürzere und längere Führungen und diverse Missverständnisse

Obwohl zur Zeit hier der übliche berufliche Jahresendstress herrscht und wir immer noch mit  Renovierungs- und Umzugsaktivitäten beschäftigt sind, wird es mal wieder Zeit für diverse Updates: besagter Umzug, der Pieterpad, vielleicht auch in absehbarer Zeit eine Fortsetzung des Reiseberichts und natürlich die Synagoge.

Als erstes kann ich vermelden, dass wir Teil 2 unserer Gästeführerausbildung mit Anstand zu Ende gebracht haben. Im Rahmen dieses Kurses mussten wir alle für unsere Lerngruppe eine Miniführung von zehn Minuten vorbereiten, die dann von der Gruppe bewertet wurde. Um das Ganze nicht zu einfach zu machen, sollte ich meine Miniführung auf Niederländisch halten und Peter seine auf Deutsch.

 In meinem Fall gab es erst ein ziemliches Missverständnis, mein Thema war die Südostwand. Beim Treffen vor der Themenvergabe hatten wir den Festsaal besprochen, und wenn man dort aus einem der Fenster schaut, sieht man die Südostwand von außen, und in dieser Wand befinden sich zwei Steinplatten aus der Vorgängersynagoge, die zu Anfang des 20. Jahrhunderts zu klein geworden war. Ich dachte, dass ich darüber referieren sollte und fragte mich entsetzt, wie ich so meine zehn Minuten vollkriegen sollte. Zu meiner Ehrenrettung sie gesagt, dass ich nicht die Einzige war, die es falsch verstanden hatte. Einer unserer Ausbilder meinte dann, dass wahrscheinlich die Südostwand in der großen Schul  gemeint war, was zum Glück auch stimmte, denn da konnte ich aus dem Vollen schöpfen.

Natürlich hatte ich furchtbares Lampenfieber, denn man geht ja davon aus, dass die Lerngruppe besonders kritisch ist. Aber fast alles ging gut, außer dass ich mich ein paarmal verhaspelte und mein Rechts-Links-Problem mal wieder für Erheiterung sorgte. Auch Peter meisterte sein Thema, die Kirchenratskammer, sehr souverän und bat sogar unsere Lehrerin, doch bitte nicht auf dem Teppich zu stehen, was sie in Zukunft für ihre eigenen Führungen übernehmen möchte. Feedback und Nachbesprechung waren sehr gut und konstruktiv.

Danach hatte jeder von uns noch ein Einzelgespräch mit unseren Ausbildern, in dem wir gefragt wurden, wie wir jetzt weitermachen möchten. Wir einigten uns darauf, dass die „Azubis“ noch bei ein paar Führungen mitgehen und Teile davon übernehmen, so dass es nicht gleich so furchtbar viel ist. Von mir wollte man außerdem noch  wissen, ob ich denn auch Führungen für Schulklassen und eventuell englischsprachige Führungen machen möchte, und vielleicht könnte ich ja noch mal eben Französisch und Russisch lernen…. Im Prinzip möchte ich schon irgendwann die englischen Führungen und die für Schulklassen machen, aber erst mal möchte ich die Materie besser beherrschen, so dass ich mich sicherer fühle.  Soweit die Theorie, aber es kam mal wieder anders.

Aber erst mal wollte ich meiner altbekannten Neigung, alles vor mir her zu schieben und dann in Panik zu geraten, ein Schnippchen schlagen.  Deshalb fragte ich einen Freund, ob er sich als Versuchskarnickel zur Verfügung stellen und sich von mir das Gebäude zeigen lassen würde. Er fand die Idee gut, denn die Synagoge stand bei ihm schon lange auf der berüchtigten „Da-wollte-ich-immer-schon-hin-aber-man-kommt-ja-zu-nix“-Liste. Also musste ich meine Aufzeichnungen in Ordnung bringen, so etwas wie ein Gesamtkonzept entwickeln und eine Aufstellung der hebräischen Inschriften in den diversen Räumen erstellen, denn ich kann das Zeugs ja nicht lesen. Vielleicht hätte ich mir doch eine Kirche aussuchen sollen, lateinische Inschriften haben doch einen höheren Wiedererkennungswert.

Nachdem wir erst diverse terminliche Missverständnisse ausräumen mussten, schafften wir es tatsächlich, zur selben Zeit am selben Ort zu sein, was für so ein Unterfangen ja  nicht verkehrt ist. Eine reguläre Führung dauert eine Stunde und fünfzehn Minuten, und das heißt, dass man irgendwo was weglassen muss. Aber in diesem Fall machte ich das natürlich nicht, wir begannen bei der Außenfassade (Amsterdamer Architekturschule), dann führte ich ihn durch alle Räume, die ich auch betreten darf, und beendete den Rundgang zwei Stunden später auf der Frauenempore.

Für mich war es tatsächlich sehr hilfreich, denn ich weiß jetzt, bei welchen Punkten ich mich sicher fühle, wo ich noch ins Schwimmen gerate, was ich noch mal nachschlagen muss und wo ich straffen kann, wenn es notwendig ist. Und es hat Spaß gemacht, jemandem das Gebäude zu zeigen, der sich für die Mosaiken und Bleiglasfenster begeistern kann und jede Menge Fragen stellt.

Tja, und letzte Woche rief mich eine der Koordinatorinnen an, ob ich im neuen Jahr eine komplette deutschsprachige Führung für eine Schulklasse machen möchte. Meine Ausbilderin denkt, dass ich es schaffe. Sie wird das Ganze auf jeden Fall vorher mit mir durchgehen und außerdem dabei sein, falls ich komplett den Faden verliere. Am 26. Januar ist also meine Feuertaufe. Ein paar positive Gedanken könnten auf jeden Fall nicht schaden.

Advertisements
Kategorien: Ganz "normaler" Alltag, Literarisches und Kulturelles, Steckenpferde / stokpaardjes | Schlagwörter: , , , , , , , , , , , | Hinterlasse einen Kommentar

Beitragsnavigation

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

Erstelle eine kostenlose Website oder Blog – auf WordPress.com.

%d Bloggern gefällt das: