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Ein merkwürdiges Jahr – Jahresrückblick 2020

Ich hatte mir wieder ein unspektakuläres Jahr gewünscht, das ohne großes Gedöns friedlich vor sich hinplätschert. Doch ein Virus, das aus dem fernen China zu uns herüberschwappte, sorgte dafür, dass (fast) alles anders wurde.

Was war das Beste für Dich an diesem Jahr?
Dass wir selbst und viele Menschen, die uns nahestehen, gesund geblieben sind. *aufholzklopf*

Hast Du 2020 etwas gemacht, das Du noch nie zuvor gemacht hast?
Ich habe gelernt, digital Unterricht zu geben. Bisher war das immer etwas, das ich nicht konnte und nicht brauchte. Aber plötzlich wurde es der Schlüssel zum wirtschaftlichen Überleben. An dieser Stelle ein herzliches Dankeschön an das University of Twente Language Centre für die tatkräftige Unterstützung beim Lernen der nötigen Skills.

Hast Du all Deine guten Vorsätze aus dem Vorjahr beherzigt?
Mehr oder weniger, ich bin tatsächlich auf dem Overijssels Havezatenpad Stück weitergekommen. Der Trekvogelpad liegt umständehalber im Moment still.

Hast Du gute Vorsätze für das nächste Jahr?
Dasselbe wie letztes Jahr, nämlich weiterhin regelmäßig wandern gehen und vielleicht doch noch einen der beiden Wanderwege zu beenden.

Welche Länder hast Du 2020 besucht?
Nur Deutschland.

Was möchtest Du 2021 haben, was Du 2020 nicht hattest?
Meine Familie in Bayern wieder besuchen (das hat dieses Jahr leider nicht geklappt) und meine neue Nichte live und in Farbe bewundern dürfen.

Welches Datum aus 2020 wirst du nie vergessen?
Den Tag im November, an dem ich wieder Tante wurde.

Was war Dein größter Erfolg 2020?
Dass ich mich in den Fernunterricht einarbeiten und dadurch trotz Lockdowns und Kontaktbeschränkungen diverse Kurse geben konnte.

Welches war Dein größter Fehler?
Wie meistens keine größeren Fehler, das übliche Kleinzeugs und diverse Fehleinschätzungen halt.

Hast Du eine Krankheit oder eine Verletzung gehabt?
Nein, ich war erstaunlich gesund. Da ich fast nirgendwo hinkam, blieben mir auch die üblichen Erkältungen in der kalten und nassen Jahreszeit weitgehend erspart.

Was war das Beste, was Du gekauft hast?
Unser neues Badezimmer mit seniorenfreundlicher Badewanne.

Wessen Verhalten erschreckt Dich oder macht Dich traurig?
Diesmal das der Menschen, die einfach nicht bereit sind, ein bisschen Rücksicht auf andere zu nehmen und für die das Abstandhalten und Tragen einer Maske schon ein Eingriff in ihre Grundrechte ist.

Wofür ging das meiste Geld drauf?
Für das Badezimmer.

Worüber warst Du so richtig aus dem Häuschen?
So richtig aus dem Häuschen war ich dieses Jahr nicht, aber ich habe mich über viele Kleinigkeiten gefreut.

Welches Lied wird Dich immer an 2020 erinnern?
„Turn, Turn, Turn“ (The Byrds) in der Version von Ilse DeLange. Am 27. März präsentierte Matthijs van Nieuwkerk zum letzten Mal die Sendung „De wereld draait door (Die Welt dreht sich weiter)“. Es hätte ein rauschender Abschied mit vielen Gästen und viel Musik werden sollen, aber da waren wir schon mitten im Lockdown. Musikalischer Gast war Ilse DeLange, und Matthijs durfte sich ein Lied wünschen. Es wurde „Turn, Turn, Turn“, passend zur Situation in minimalistischer Ausführung und dadurch mein Symbol für dieses Jahr, in dem vieles drastisch heruntergefahren wurde.

Verglichen mit 2019, warst du im Jahr 2020

…glücklicher oder unglücklicher?
Vielleicht ein bisschen unglücklicher angesichts der Lage, aber nicht viel.

… reicher oder ärmer?
Etwas ärmer, aber 2019 war ein außergewöhnlich gutes Jahr, das hätte ich auch ohne Corona wohl nicht nochmal hingekriegt.

Wovon hättest Du lieber mehr gemacht?
Liebe Menschen getroffen, aber das geht zum Teil ja auch digital sehr gut.

Wovon hättest Du lieber weniger gemacht?
Nichts, das ist okay.

Wie hast Du Weihnachten verbracht?
Sehr ruhig in Gesellschaft von Gatten und Mitbewohner. Sonst steppt ja in der Zeit immer der Bär (Synagoge, Chor etc.), es war mal eine angenehme Abwechslung.

Hast Du Dich 2020 verliebt?
Nix neues, aber der Gatte und ich haben usn auch im Lockdown und Homeoffice bestens arrangiert. Das ist viel wert.

Welches war Deine Lieblingssendung im Fernsehen?
Wie letztes Jahr „Sterren op het doek“, bei dem drei Künstler jeweils einen Promi malen, während der Moderator (auch in dieser Saison Kolumnist Özcan Akyol, den ich sehr gern lese) sie interviewt. Der Mensch ist ein Gewohnheitstier.

Hast Du jemanden oder etwas hassen gelernt?
Nö, hassen finde ich immer noch zu viel gesagt. Gelegentlich rege ich mich über jemanden auf, aber wer tut das nicht?

Welches war das beste Buch, das du 2020 gelesen hast?
Die Krimiserie von Oscar Di Muriel mit den Detectives Frey und McGray, die im Edinburgh des 19. Jahrhundters spielt. Gelegentlich kann man sich dabei auch gepflegt gruseln, da McGray ein Experte übersinnlicher Phänomene ist.

Was war deine größte musikalische Überraschung 2020?
Dieses Jahr gab es keine.

Was hast Du Dir gewünscht und auch bekommen?
Siehe oben – Gesundheit für uns und unsere Lieben.

Was hast Du Dir gewünscht und nicht bekommen?
Hier wiederhole ich den Satz der letzten Jahre: Eigentlich nichts, ich wünsche mir nicht mehr so viel, sondern versuche mich über die Dinge zu freuen, die meinen  Weg kreuzen.

Welches war Dein Lieblingsfilm in diesem Jahr?
De Beentjes van St. Hildegard, eine bittesüße Geschichte mit Herman Finkers und Johanna ter Steege.

Was hast Du an Deinem Geburtstag getan und wie alt bist Du geworden?
Nichts besonderes, wir haben auch in diesem Jahr in aller Ruhe zu Hause gefeiert. Und ich bin wieder etwas älter, wenn auch immer noch nicht weiser geworden.

Welche eine Sache hätte Dein Jahr zufriedenstellender gemacht?
Ein Besuch in der alten Heimat.

Was hielt Dich gesund?
Das weiß ich nicht genau, vielleicht Glück?

Erzähle uns eine wertvolle Lebenslektion, die Du in diesem Jahr gelernt hast!
Je weniger man sich vornimmt und plant, umso besser kann man damit umgehen, wenn die Dinge anders kommen.

Auf was freust Du Dich im Jahr 2021?
Auf neue Wanderungen, eventuell einen Besuch in der alten Heimat, mal wieder ein Radurlaub etc. Man wied sehen.

Zum Ausklang gibt es noch das Video „Turn, Turn, Turn“ von Ilse DeLange. Ich wünsche euch allen einen guten Rutsch und ein etwas weniger merkwürdiges Jahr 2021.

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Stella schwimmt wieder

Ich hinke mal wieder hoffnungslos hinterher – man kommt ja zu nix.

Am 3. November berichtete Renate von der Seehundstation, dass Stella nach draußen ins Wellenbad umgezogen war. Dies bedeutet, dass es ihr schon wieder viel besser ging und dass die Freilassung nicht mehr in weiter Ferne lag.

Zwei Tage später wurde ich während meines Spaziergangs angerufen. Stella wog inzwischen über 30 kg und konnte bald freigelassen werden. Wir durften dieses Mal zwar nicht mit, aber die Freilassung von ihr und Robyn auf der Sandbank Kuipersplaat (zwischen Ameland und Schiermonnikoog) war auf Facebook über Livestream zu sehen. So konnten wir Stella wenigstens virtuell „uitzwaaien“ und den Stream immer wieder anschauen. Stella, ich hoffe, es geht dir gut da draußen.

Ich bekam noch eine Mail mit mehreren Fotos, wie sich Stella in ihr natürliches Element begibt, in der sie sich noch einmal bedankten, dass wir Stella adoptiert hatten, obwohl wir aufgrund der derzeitigen Situation nicht dabei sein konnten. Aber wir haben ja die Fotos und den Stream.

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Noch ’ne Decke

Heute habe ich wieder eine kleine Nichte bekommen, und für wie ihre Schwester und ihren Bruder habe ich natürlich auch  für sie eine Decke genäht. Der Laden meines Vertrauens hat leider im Januar, also noch vor Corona, seine Pforten geschlossen. Also mussten diesmal neben diversen Restbeständen aus besagtem Laden ein ausgemusterter Bettbezug, eine  Bluse und ein Vorhang dran glauben. Zurück zu den Ursprüngen des Patchworks also. Die Decke ist ca. 1,20 m mal 1,5 m groß.

Hier noch ein paar Details sowie die Rückseite:

Selbstverständlich hat auch der Mitbewohner wieder ausgiebig probegesessen bzw. -gelegen und die Decke für gut befunden.

Ich hoffe, die neue Erdenbürgerin tut es auch. Ich wünsche ihr, ihren Eltern und den beiden Geschwistern alles Gute und hoffe, sie bald mal live und in Farbe bewundern zu können.

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Stella

Nach Mara, Lewis und Bjarne haben wir mal wieder einen Seehund adoptiert. Ihr Name ist Stella, sie ist etwas drei Monate alt und wurde am 8. September 2020 am Strand von Schiermonnikoog gefunden.

Wie Lewis und Mara (Bjarne nicht, der wurde als Heuler eingeliefert) ist auch sie vom Lungenwurm befallen, einem Parasiten, der die Lunge angreift, so dass die Seehunde nicht mehr nach Futter tauchen können. Dadurch magern sie ab und werden irgendwo an Land gespült. Als Stella in die Seehundstation kam wog sie nur 12 Kilo, während sie eigentlich das Doppelte wiegen müsste.

Da es im Moment nicht möglich ist, mitzufahren, wenn Seehunde wieder freigelassen werden, fragte man uns, ob wir dann lieber warten wollen und später einen anderen Seehund adoptieren, aber das fanden wir irgendwie nicht in Ordnung. Weder die Seehundstation noch die Seehunde können ja etwas für das ganze Corona-Gedöns. Renate von der Seehundstation hat uns aber versprochen, uns auf dem Laufenden zu halten.

Erst musste Stella  in Quarantäne, wo sie behandelt und gefüttert wurde. Inzwischen geht es ihr wieder besser, und vor ein paar Tagen erheilt ich folgende Nachricht:  „Im Anahng schicke ich Ihnen ein Video von Ihrem Adoptivseehund Stella. Es geht ihr gut. Sie isst ihren Fisch inzwischen alleine und hat seit letzter Woche wieder ein paar Kilo zugenommen. Sie wiegt jetzt etwa 21 Kilo.“

Schön, nicht?

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Meine neue Umhängetasche

Eigentlich wollte ich hier gemütlich von meinem neuen Werk berichten, aber zu meinem Entsetzen musste ich feststellen, dass WordPress den Editor geändert hat und ich jetzt wieder nix mehr finde. Leute, was soll der Blödsinn? Ist ja nicht so, dass ich jemanden darum gebeten hätte! Zefix! Falls das Ganze also etwas merkwürdig aussieht, bitte ich um Verständnis – ich suche noch nach allen möglichen Einstellungen.

Nach diesem ungeplanten Exkurs zurück zum eigentlichen Thema. Meine geliebte Umhängetasche, die ich vor zehn Jahren auf dem Albert Cuyp Markt in Amsterdam erstanden hatte, war trotz mehrerer zwischenzeitlicher Reparaturen schon fast in alle Einzelteile zerfallen. Die Idee einer Tasche aus Jeans- und anderen Stoffresten hatte ich schon länger, aber man kommt ja zu nichts.

Als Patchworker wirft man ja höchst selten Stoff weg, und so hatte ich genug Material. Da größere Taschen ja immer eine Art schwarze Löcher sind, in denen alles ganz nach unten verschwindet, habe ich innen zwei Hosentaschen eingenäht – für Telefon, Geldbeutel, Mund-Nasen-Schutz und andere Dinge, die man ständig sucht:

Und so sieht die Tasche von hinten aus:

Und so von vorne in ihrer Gesamtheit:

Ist doch ganz passabel geworden, oder?

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Overijssels Havezatenpad: Etappe 5 und 6 (Ommen – Zwolle)

Im letzten Jahr war ich ja bis Ommen gekommen, und eines schönen Tages im Juli fand ich, dass es Zeit war, um weiter zu gehen, und zwar von erst mal von Ommen nach Dalfsen. Aber es kam etwas anders…

Im öffentlichen Nahverkehr ist ja bei uns Maske vorgeschrieben, und selbstverständlich habe ich auch eine, sogar eine sehr schicke, wie ich finde.  Bei mancen Leuten scheint die Maske inzwischen ein Fashion-Statement zu sein. Mein Highlight war ein junger Mann, Typ südländischer Schönling mit bis zum Bauchnabel offenen Hemd im Leopardenprint mit passender Maske.

Openbaar vervoer Openbaar vervoer2

In Ommen angekommen lief ich mal wieder ein Stückchen über den Pieterpad, da ich das Stück Havezatenpad vom Bahnhof Richtung Stadt letztes Jahr schon gelaufen bin. Dann allerdings stellte ich fest, dass mein alter Wanderführer nun wirklich nicht mehr aktuell ist. Bis letztes Jahr wurde er auf der Website aktualisiert, aber jetzt ist ein neuer rausgekommen, und einiges ist schon sehr anders. Ich hatte gedacht, für die paar Etappen lohnt sich der neue nicht, aber war wohl nix. Unterwegs sah ich einen Sticker „Route geändert“, aber welche? In Ommen treffen sich drei Fernwanderwege, der Pieterpad, der Havezatenpad und der Maarten-van Rossum-Pad.

Kruispunt van 3 LAWs Afstand houden

Also versuchte ich es auf gut Glück, musste jedoch nach einer Weile feststellen, dass es echt nicht klappt. Bei der Sucherei wäre ich wohl morgen noch unterwegs. Nach ca. 7 km beschloss ich, mit dem Bus zurück zum Bahnhof zu fahren. Da der angekündigte Bus nicht kam, durfte ich also auch noch zurück latschen. So wurde die geplante Strecke ein Rundgang (nl. ommetje) um Ommen. Auch schön.

Ommen Ommen2

Zu Hause angekommen trabte ich sofort reumütig in die Buchhandlung, um mir die neue Ausgabe zu besorgen. Damit müsste es eigentlich beim nächsten Versuch klappen.

Vier Wochen später, als die sehr hochsommerlichen Temperaturen etwas moderater geworden waren, unternahm ich den nächsten Versuch. Die Route war tatsächlich drastisch geändert worden, anstatt durch das Zentrum und dann hintenrum Ost ging es jetzt an der Vecht entlang. Auf dem Campingplatz am anderen Ufer suchten viele Letue Erfrischung im Fluss. Ich kam an ein paar Steinen vorbei, über die man eine Senke durchqueren konnte, doch der Boden war so trocken, dass man einfach durchlatschen konnte. In anderen Jahreszeiten dürfte es aber eine ziemliche Matschpartie sein.

Vecht Stepping Stones

Unterwegs boten diverse Bänke Gelegenheit zum Rasten  und Rucksackfies machen, aber ich werde sie hier nicht alle posten. Außerdem konnte ich zwischendurch bei einem biologischen Hühnerhof und einem Campingplatz meine Wasserflaschen nachfüllen, bei diesen Temperaturen kein überflüssiger Luxus.

Rucksackfie Hühnerhof

Nach einer Weile erreichte ich die Schleuse von Vilsteren mit Fischtreppe, die vor allem vom Aland, einer Karpfenart, genutzt wird. Die Schleuse wird übrigens noch von Hand betrieben.

Vilsteren - Fischtreppe Vilsteren - Schleuse

Dann erlaubte ich mir, die Route ein bisschen zu verändern, so dass ich mehr im Schatten gehen konnte. Dass sie dabei auch etwas kürzer wurde, könnte den Blutdruck der Wanderwegpuristen etwas in die Höhe treiben, aber angesichts der Temperaturen ist das vertretbar, finde ich. Solange ich mich an die „connecting footsteps“ halte …

Ich kam am Landgut Rechteren vorbei und erreichte schließlich den Bahnhof.

Rechteren

Nach einem kurzen Blick auf das Stadtzentrum und ein Kunstwerk trank ich noch ein Radler, bevor ich nach Hause fuhr.

Dalfsen 2 Dalfsen

Am nächsten Tag ging es weiter. Es war angenehm bewölkt, doch beim Bahnhof in Dalfsen versammelten sich mehrere Wanderer, die – wie ich – an der geschlossenen Bahnschranke warten mussten. Hoffentlich verlief sich das bald, ich bin nunmal kein Rudeltier!

Dalfsen 3

Nach einer kurzen Weile bog die Gruppe ab und ich ging geradeaus weiter, da ich mir Landgut Den Berg von vorne anschauen wollte. Ich sollte sie an diesem Tag noch dreimal sehen. Aus den diversen Briefkästen vor dem Herrenhaus schloss ich, dass hier wohl mehrere Parteien wohnen.

Den Berg 2 Den Berg

In der Nacht hatte es hier kräftig geregnet, im Wald standen sogar noch Pfützen auf dem Weg. Es wurde auch langsam wieder Zeit, die letzten Wochen waren recht heiß und trocken gewesen. Auf einer Bank im Schatten machte ich Pause. Ein junges Paar mit zwei Kindern von etwa drei und vier Jahren kam vorbei. Die Kinder zählten begeistert die Kühe auf der Weide und fischten dann einen langen Ast aus dem Gebüsch, den sie gemeinsam weiter trugen. Ich fragte sie, ob sie ihn mit nach Hause nehmen würden. Der Vater winkte entsetzt ab, die Mutter lachte. Als ich eine Weile später weiterging, sah ich nach der nächsten Biegung den Ast liegen. Da hatten sie ja ein ganzes Stück durchgehalten. Als ich sie einholte, zogen sie gerade wieder einen Ast aus dem Gebüsch. Ich sagte zur Mutter: „Ich seh schon, sie haben wieder einen neuen.“ Die Mutter: „So geht das schon die ganze Zeit.“ Aber sie schienen eine Menge Spaß zu haben.

Nach einer Weile erreichte ich das Landgut De Horte, wo seit 1973 die Organistation Landschap Overijssel residiert. Nicht schlecht, Herr Specht. Im Garten gönnte sich die Truppe vom Bahnhof eine ausgiebige Ruhepause.

De Horte De Horte 2

Nachdem ich Haus und Garten bewundert hatte, zog ich weiter.In einem verwilderten Vorgarten grasten Schweine und Hühner.

Schweinderl

Kurz vor dem Naherholungsgebiet Wijthmenerplas (sprich Wietemerplas) kam ich bei einer Banksitzgruppe vorbei, wo ich mir eine Pause gönnte und meine Füße auslüftete. Schon bald zog fröhlich winkend die Truppe vom Bahnhof wieder vorbei.

Der Wijthmenerplas ist ein riesiger Baggersee mit vielen einzelnen Nischen, wo man schwimmen, Boot und Wasserski fahren und in der Sonne liegen kann. Es war lange nicht so voll wie ich angesichts des Wetters gedacht hatte, es verläuft sich.

Wijthemerplas 2 Wijthemerplas

Ab hier folgte ich nicht mehr der Route in meinem Führer, sondern der Variante auf der Bahn-Website, so dass ich nicht zweimal die gleichen vier Kilometer zum Bahnhof Zwolle und zurück gehen muss. Am Golfplatz und einem Kanal mit Hausbooten  vorbei ging es in Richtung Stadtzentrum, wo hinter dem Provinciehuis tatsächlich eine Kermis stattfand. Beim Kanal begegnete ich zum letzten Mal der Truppe vom Bahnhof.

Zwolle Golfplatz Zwolle Kanal

Zwolle ist eine alte Festungsstadt, und das Zentrum hat immer noch seinen sternförmigen Grundriss und ist von einem Wassergraben umgeben. Dort wurde auch gepaddelt und Eis verkauft – von einem Boot aus.

Zwolle Eisboot

An dem beeindruckenden Stadttor Sassenpoort vorbei ging ich zum Bahnhof, wo ich mir einen riesigen Pistazienmilkshake reinzog und dann gemütlich mit dem Zug nach Hause gondelte. Es waren wieder sehr schöne Wanderungen, und bald möchte ich noch ein Stück weiter gehen.

Zwolle Sassenpoort

 

 

 

 

 

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Wandern in Zeiten der Corona

Man könnte annehmen, dass ich gerade während des Lockdown und des daraus resultieren Homeoffice Zeit zum Wandern finden würde, aber dem war nicht so. Erstens stellte ich nämlich fest, das Fernunterricht, und vor allem der Kurs an der Universität, auch eine ganze Menge Zeit kostet.  Klar spare ich mir die Fahrzeit und den Puffer, den ich immer einplane, aber so eine Unterrichtseinheit muss ganz anders vorbereitet werden, da durch das Fehlen des direkten Kontakts auch die Möglichkeit des Improvisierens zu einem großen Teil wegfällt.

Zweitens war man ja sowieso angehalten, so viel wie möglich zu Hause zu bleiben und die öffentlichen Verkehrsmittel nur zu benutzen, wenn es unbedingt notwendig ist. In den Wanderforen und -gruppen gab es dazu auch regelmäßig Zoff: „Bewegung an der frischen Luft, also auch Wandern, ist gesund“ versus „Wir sollen doch zu Hause bleiben!“

Da wir bereits Mitte März angehalten waren, den öffentlichen Nahverkehr zu meiden, beschloss ich, mit dem „Hilligenpad (Heiligenpfad)“ hier in der Umgebung zu beginnen. Der ist mit den Öffis sowieso etwas schwierig, und man muss sich zu den Etappenstarts und -zielen doch bringen und abholen lassen. Das widerspricht zwar irgendwie meinen Prinzipien, aber das sei nun einmal so. Am 15. März ließ ich mich also von Peter beim Hof Espelo absetzen, um von dort aus bis hinter Lonneker und  nach Hause zu laufen.

So etwas wie einen Startpunkt fand ich dort nicht, aber nach einigem Suchen stieß ich auf die ersten violett-weißen Markierungen. Dass es sich um eine „Besinnungsroute“ handelt, merkt man schon am Wanderführer. Normalerweise bekommt man deutliche Richtungsangaben („An der dritten Kreuzung links“), während es hier recht verschwurbelt hieß: „So, nun hast du also wirklich deine Pilgerreise angefangen.“ Oder: „Du befindest dich in der Nähe eines besonderen Ortes“. Doof nur, wenn man den nicht findet oder erkennt, aber gut. Ich beschloss, mich darauf einzulassen oder es zumindest zu versuchen.

Ich kam am Fischweiher des Hof Espelo vorbei (früher aßen Katholiken am Freitag Fisch), und dann ging es weiter durch ein Neubaugebiet mit Häusern, in denen in Krimis meistens die reicheren Schurken oder zumindest Verdächtigen wohnen: Schuhschachteln mit viel Glas.

Dann stellte ich fest, dass ich Station 2, die Kapelle des Heiligen Jakobus des Älteren, verpasst hatte. Sollte ich umkehren? Ich beschloss, erst mal weiter zu gehen und die Kapelle ein andermal zu suchen. Doch bald kam ich an einen Pfad, der aufgrund der Regenfälle der vergangenen Woche so schlammig war, dass an ein Weitergehen erst mal nicht zu denken war. Ich nahme es – ganz im spirituellen Modus – als Zeichen des Heiligen Jakobus, dass ich erst mal seine Kapelle suchen sollte.

Auf dem Rückweg nach Lonneker bewunderte ich die Stromverteilerkästen und schaute im „Urinoir bezet“ vorbei, dem wohl einzigen Museum, das während des Lockdown geöffnet blieb.

Obwohl man schon angehalten war, Abstand zu halten, waren die Terrassen der Restaurants gut besucht, doch ich verzichtete darauf, dort einen Kaffee zu trinken. Am selben Tag sollten dann Schulen und Restaurants geschlossen werden.

Kurz darauf entdeckte ich tatsächlich die Kapelle, die von hier aus nicht zu übersehen war. Wenn man von der anderen Seite kam, dann allerdings schon. Von dort aus ging ich nach Hause.

Am 22. März ging ich dann wieder zum Matschpfad, der inzwischen zwar immer noch matschig, aber immerhin wieder begehbar war.

Ich kam an einem Wegkreuz und Resten des ehemaligen Landwehrs vorbei, aber weiterhin war es wenig spektakulär. Außerdem begenete ich im Gegensatz zur letzten Woche wenig Leuten. Die waren wohl alle am Strand, zumindest sah es in den Nachrichten so aus. Am nächsten Tag wurden die Maßnahmen verschärft.

Danach verlief das „Abenteuer Hilligenpad“ erst mal im Sande, aber vielleicht mache ich demnächst damit weiter. In den nächsten Wochen machten Peter, der inzwischen im Homeoffice saß, einen Mittagsspaziergang. Oft gingen wir zu dem Weiher, wo ich vor zwei Jahren mühsam mit Krücken unterwegs war, um die diversen Wasservögel zu beobachten. Oder ich unternahm Steifzüge durch die Straßen in der Umgebung und suchte mit Blumen bemalte Stromveteilerkästen, die ich irgendwann in den sozialen Medien und meinem Berufsblog verbraten möchte.

Aber am 19. Juni war mal wieder Gelegenheit für eine längere Wanderung, da Peter nach Kampen musste und mich mitnehmen konnte. Ich ließ mich von ihm bei der IJsselbrücke in Zwolle absetzen und dackelte gemütlich bei Premiumwetter am Fluss entlang (ca. 18 km).

Auf den ersten Blick erschien es sehr einfach: Bei der Brücke rechts abbiegen und dann dem Fluss folgen. Aber erst muss man um die Katerveer- und die Spoolderschleuse rum, danach kann man tatsächlich am Fluss entlang wandern.

Der Weg führt zum Teil direkt am Ufer durch das Überlaufgebiet (uiterwaarden), zum Teil über den Radweg auf dem Deich. Unterwegs gab es eine Menge zu sehen: Storchennester, diverse Wasservögel, badende Kühe, grasende Pferde und Schafe, zahlreiche Boote und Schiffe etc.

Gelegentlich blieb ich auf einer Bank sitzen und ließ mir die Sonne auf den Pelz scheinen, und bei Wilsum gönnte ich mir eine ausgiebige Rast mit Fußbad. Dass ich mich beim Aufstehen volle Kanne in eine Brennessel stützte, war etwas weniger geschickt, aber das ist ja bekanntlich gut für die Durchblutung.

Am Nachmittag erreichte ich das Ziel meiner Wanderung, die Stadtbrücke von Kampen, wo ich von Peter wieder aufgesammelt wurde.


Fazit: Eine schöne Strecke, genug Zeit und bestes Wetter – was will der Mensch mehr? Ich hoffe, dass in diesem Sommer noch mehr Gelegenheiten zum Wandern kommen.

 

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Kreativität in Zeiten der Corona

Noch immer sind die Zeiten etwas merkwürdig, aber ich kann mich noch immer nicht beklagen. Ich habe zwar im Moment etwas weniger Arbeit, aber das ist eigentlich nicht verkehrt. So bleibt mal wieder Zeit, um mehr oder weniger kreativ zu werden. Da man in Deutschland jetzt in den Geschäften und dergleichen Masken tragen muss und sie auch bei uns in den öffentlichen Verkehrsmitteln Pflicht werden, habe ich schon mal vorgesorgt und für Peter und mich je zwei nach dem Muster von Nähfrosch genäht:

Als ich mich mit der ersten präsentierte, fragte Peter vorsichtig: „Ist das jetzt unhöflich, wenn ich sage, dass sie dir gut steht?“ So langsam entsteht eine neue Etikette.

In den nächsten Wochen kamen noch einige für Familie und Freunde dazu. Da ich noch einen umfangreichen Vorrat an Quiltstoffen habe, kann ich etwas aussuchen, das auf irgendeine Art mit den Empfängern zu tun hat.

Die Masken mit den Instrumenten gingen an zwei befreundete Musiker, die Nordsee-Masken an Schwager und Schwägerin, die ebendort leben und die mit den Kastanien ist für meine Mutter, die – wie ich auch – immer die erste Kastanie aufhebt und in die Jackentasche steckt, etc.

Außerdem entdeckte ich die Initiative „Een mooi gebaar“ (Eine nette Geste), wo man das Muster für einen gehäkelten Krankenhausbären herunterladen kann. Auf Facebook sah ich zahlreiche Abwandlungen des Grundmusters und häkelte auch einen Krankenhausbären und einen Handwerkerbären. Die beiden leisteten erst Struppie am Fenster Gesellschaft und reisten dann nach Deutschland. Dort sind sie inzwischen angekommen und wurden von meiner Nichte und meinem Neffen begeistert in Empfang genommen.

Ein Raumpflegebär für eine Kollegin aus der Synagoge, die auf der Intensivstation saubermacht, ist noch in Arbeit. Ihr seht also, langweilig ist es nicht, obwohl ich brav so viel wie möglich zu Hause bleibe.

 

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Lebenszeichen zu Ostern

Liebe Leser,

ich hoffe, euch geht es gut in diesen merkwürdigen Zeiten.

Wie schon vielerorts festgestellt ist Ostern dieses Jahr anders als sonst. Und nicht nur Ostern, vieles geht seit einiger Zeit nicht mehr seinen gewohnten Gang: Ich bleibe so viel wie möglich zu Hause (im Moment ist das auch nicht so tragisch, da mir draußen zu viele Pollen herumschwirren), experimentiere mit verschiedenen Formen von Fernunterricht, wobei ich eine Menge lerne und bin vor allem froh, dass meine Lieben und ich selbst gesund sind.

Unser Mitbewohner hat eine wichtige Aufgabe übernommen: Er nimmt an der sogenannten Bärenjagd teil. Dabei sitzen Teddybären am Fenster, so dass Spaziergänger (nicht nur Kinder) etwas zu sehen haben. In diesen Zeiten sind die Bären auch ein Zeichen der Verbundenheit. Selbstverständlich hat sich Struppie mit Feuereifer in diese Aufgabe gestürzt.

Und voriges Jahr hat der Gatte dieses Osterei gestaltet – ein Meisterwerk von bestechender Schlichtheit gepaart mit großer Aussagekraft. Dem ist nichts mehr hinzuzufügen, es ist perfekt.

In diesem Sinne: Frohe Ostern euch allen, lasst euch nicht unterkriegen und macht das Beste draus! Bleibt zu Hause und bleibt vor allem gesund.

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Und wieder ist ein Jahr vorbei – Jahresrückblick 2019

So ein Jahr vergeht schnell, und wieder ist es Zeit, das letzte Jahr Revue passieren zu lassen. Der Fuß machte in diesem Jahr immer noch Fortschritte, d. h. plötzlich gingen Sachen wie das Betreten der Galerie in meinem Arbeitszimmer über die recht schmale Leiter, zum Zug sprinten und dergleichen wieder. Eine Kollegin, die sich vor einigen Jahren eine ernsthafte Knieverletzung zugezogen hatte, konnte dies bestätigen – so ein Heilungsprozess dauert halt.

Was war das Beste für Dich an diesem Jahr?
Dass es mal wieder ein recht normales Jahr ohne allzuviel Gedöns war. Manche Dinge braucht man einfach nicht.

Hast Du 2019 etwas gemacht, das Du noch nie zuvor gemacht hast?
Nichts Spektakuläres, auf jeden Fall bis jetzt. Aber seit einigen Jahren bin ich Mitglied bei der Organisation „Vrienden op de fiets (Freunde auf dem Fahrrad)“, wo man zu einem günstigen Preis in Privathaushalten übernachten kann. Beim Pieterpad habe ich das des Öfteren getan, und jetzt sind wir selbst Gasthaushalt geworden. Wir hatten zwar bisher zwei Anfragen, die wir jedoch nicht annehmen konnten, weil wir dann selbst nicht da waren, aber vielleicht wird es nächstes Jahr besser.

Hast Du all Deine guten Vorsätze aus dem Vorjahr beherzigt?
Auf dem Overijssels Havezatenpad bin ich ein ganzes Stück weitergekommen, ungefähr 125 km, beim Trekvogelpad waren es etwas weniger, nämlich 37. Daneben habe ich ein paar kleinere Wanderungen auf der Runde von Enschede, dem Hanzestedenpad und dem Twentepad gemacht. Das Loswerden der Frustkilos und der Verbessern der Kondition hätte besser gehen können, aber das geht nächstes Jahr ja auch noch.

Hast Du gute Vorsätze für das nächste Jahr?
Dasselbe wie im Jahr davor, nämlich weiterhin regelmäßig wandern gehen, vor allem auf dem Overijssels Havezatenpad und dem Trekvogelpad. Einen der beiden würde ich auch ganz gern zu Ende laufen, aber das ist vielleicht ein bisschen zu ehrgeizig.

Welche Länder hast Du 2019 besucht?
Deutschland, Frankreich, Belgien und Irland.

Was möchtest Du 2020 haben, was Du 2019 nicht hattest?
Eine Badewanne (siehe unten).

Welches Datum aus 2019 wirst du nie vergessen?
Kein bestimmtes Datum, aber eine schöne Reise auf die grüne Insel.

Was war Dein größter Erfolg 2019?
Dass ich den ganz normalen Alltag einigermaßen überstanden habe.

Welches war Dein größter Fehler?
Keine größeren Fehler, das übliche Kleinzeugs und diverse Fehleinschätzungen halt.

Hast Du eine Krankheit oder eine Verletzung gehabt?
Im Januar eine Grippe, gepaart mit einem hartnäckigen Husten, der mir mehrere Wochen treu blieb. Ansonsten die üblichen Zipperlein.

Was war das Beste, was Du gekauft hast?
Diverse Bücher, in elektronischer und in Papierform.

Wessen Verhalten erschreckt Dich oder macht Dich traurig?
Diesmal das der zahlreichen AfD-Wähler in Thüringen. Das verheißt wenig Gutes.

Wofür ging das meiste Geld drauf?
Wir haben die Terrasse und den Vorplatz neu herrichten lassen. Schon nach zwei Tagen sah es so ordentlich aus, dass sich einige Kursteilnehmer fragten, ob sie vor dem richtigen Haus standen. Und die Irlandreise war auch nicht gerade billig.

Worüber warst Du so richtig aus dem Häuschen?
Vielleicht über die wunderschönen Ausblicke bei unserer Irlandreise. Bei Aussichts-punkten haben wir ja normalerweise Pech, entweder regnet es oder es herrscht dicker Nebel.

Welches Lied wird Dich immer an 2019 erinnern?
Im Zusammenhang mit besagter Irlandreise „Galway Girl“ von Ed Sheeran. In Galway hat es auch diesmal wieder geregnet.

Verglichen mit 2018, warst du im Jahr 2019

…glücklicher oder unglücklicher?
Glücklicher, es ging mir ja wieder deutlich besser.

… reicher oder ärmer?
Um einiges reicher, das letzte Jahr war ja in dieser Hinsicht nicht ganz so der Brüller. Wir haben auch gleich ein neues Badezimmer bestellt, mit seniorenfreundlicher Badewanne. Gemacht werden soll das Ganze nächstes Jahr im April. Schaun mer mal.

Wovon hättest Du lieber mehr gemacht?
Gewandert natürlich, und gebloggt, wie auch letztes Jahr. Die Ideen habe ich ja, aber mit der Umsetzung hapert es des öfteren.

Wovon hättest Du lieber weniger gemacht?
Nichts, des basst scho.

Wie hast Du Weihnachten verbracht?
Am Heiligabend hatten wir Frühschicht in der Synagoge, wo es gleich mal Geburtstagstorte gab. Die hatte aber nichts Christi Geburt zu tun. Abends hat unser Chor in der Christmette gesungen, wo wir fast ausgeräuchert wurden. Der Pastor findet Weihrauch nunmal so schön. Hätten die Drei Könige dem Kind nicht was anderes mitbringen können, z. B. Glühweingewürz? Die restlichen Feiertage ruhig mit Spaziergängen und dergleichen.

Hast Du Dich 2019 verliebt?
Alles wie gehabt.

Welches war Deine Lieblingssendung im Fernsehen?
„Sterren op het doek“, bei dem drei Künstler jeweils einen Promi malen, während der Moderator (in dieser Saison Kolumnist Özcan Akyol, den ich sehr gern lese) sie interviewt.

Hast Du jemanden oder etwas hassen gelernt?
Nö, hassen finde ich immer noch zu viel gesagt. Gelegentlich rege ich mich über jemanden auf, aber wer tut das nicht?

Welches war das beste Buch, das du 2019 gelesen hast?
Am amüsantesten fand ich diesmal „Gray“ von Leonie Swann (die mit den Schafskrimis). Diesmal ist der Held allerdings ein Graupapagei, der einem recht weltfremden Professor aus Cambridge bei der Aufklärung eines Mordes hilft. Da das Tier auch noch recht musikalisch ist, gibt’s einen Ohrwurm inklusive: „Ra ra ranana, ga ga ulala, we’re in a bad romance …“

Was war deine größte musikalische Überraschung 2019?
Der Opern- und Musiclasänger Henk Poort. Wir entdeckten ihn bei dem Fernsehprogramm „Beste Zangers“, wo verschiedene Sänger das Repertoire der jeweils anderen singen. Mir ging es dabei so ähnlich wie einem Kommentator auf YouTube: „I watched it for Floor Jansen and I discovered Henk Poort“. Nur war ich eher zufällig in das Programm gestolpert und fand Floor Jansen, die stimmgewaltige Frontfrau der finnischen Metalband Nightwish, interessant genug, um die Folge, die ihr gewidmet war, anzuschauen. Und während die anderen Teilnehmer eher auf safe spielten und eher Balladen coverten, die irgendwann mal für Floor wichtig waren, wagte sich Henk Poort am weitesten aus seiner Comfort Zone und sang die Disturbed-Version von „Sound of Silence“. Später sang er zusammen mit Floor „The Phantom of the Opera“, ein Duett, das einen aus den Socken haut! Aber am schönsten finde ich seine Interpretation von „Vincent“ in der niederländischen Übersetzung von Martine Bijl. Schon der Satz „En in die warme zomernacht heb je het eindelijk opgebracht wanhopig van de wereld weg te gaan“ ist mehrerer Literaturpreise würdig.

Was hast Du Dir gewünscht und auch bekommen?
Dass sich die Auftragslage gegenüber dem letzten Jahr wieder stabilisiert hat.

Was hast Du Dir gewünscht und nicht bekommen?
Hier wiederhole ich den Satz vom letzten und vorletzten Jahr: Eigentlich nichts, ich wünsche mir nicht mehr so viel, sondern versuche mich über die Dinge zu freuen, die meinen  Weg kreuzen.

Welches war Dein Lieblingsfilm in diesem Jahr?
Downton Abbey – what else?

Was hast Du an Deinem Geburtstag getan und wie alt bist Du geworden?
Nichts besonderes, wir haben in aller Ruhe zu Hause gefeiert. Und ich bin wieder etwas älter, wenn auch nicht unbedingt weiser geworden.

Welche eine Sache hätte Dein Jahr zufriedenstellender gemacht?
Eine Badewanne, die fehlt mir schon eine ganze Weile.

Was hielt Dich gesund?
Das weiß ich nicht genau, vielleicht Glück?

Erzähle uns eine wertvolle Lebenslektion, die Du in diesem Jahr gelernt hast!
Dieselbe wie im letzten Jahr: Es kommt, wie es kommt, und manchmal braucht es sehr viel Geduld.

Auf was freust Du Dich im Jahr 2020?
Unser neues Badezimmer (einschließlich seniorenfreundlicher Badewanne), neue Wanderungen und vieles mehr.

Und nun lasse ich dieses Jahr etwas nachdenklicher mit „Vincent“, gesungen von Henk Poort ausklingen und wünsche euch allen ein gutes, gesundes und glückliches Jahr 2020.

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