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Pieterpad – Finish und Fazit

Groningen – Pieterburen (und ans Wattenmeer)

Was lange währt…

Fast auf den Tag genau zwei Jahre habe ich mit meiner Pieterpad-Expedition herumgetan, weil ja auch immer irgendwas war. Aber jetzt ist es geschafft, am Samstag bin ich in Pieterburen einglaufen. Und jetzt gehe ich meinen Mitmenschen fröhlich damit auf die Nerven. Und was soll ich sagen? Schee war’s.

Abschied von Vorurteilen

Aus irgendwelchen Gründen hatte ich mir immer eingebildet, dass das letzte Stück eher langweilig ist, nämlich leer, brettleben, und man sieht schon auf acht Kilometer, dass da nichts ist. Aber nichts ist weniger wahr.

Das Stück aus Groningen raus ist wunderschön, man kommt an der Synagoge, dar A-kerk und dem ehemaligen Hafen vorbei. Die dortigen Grachtenhäuser erinnern ein bisschen an Amsterdam beim Goethe-Institut und dort, wo eine Freundin von mir früher gewohnt hat.

groningen groningen2

Dann ging es durch den Noorderplantsoen, einen Park, in dem gerade die Bühne für das Festival „Noorderzon“ aufgebaut wurde, am Noorderbegraafplaats und dem Universitätsgelände vorbei aus der Stadt hinaus.

umland

Auch das Groninger Umland ist sehr schön: Die Route führt durch nette Dörfer mit Wierden, auf Deutsch auch Warften oder Wurten genannt. Dabei handelt es sich um aufgeworfene Siedlungshügel, die die Bewohner bei Sturmfluten schützen sollen. Meist liegen die Kirche und andere wichtige Gebäude auf diesen Erhöhungen. Zahlreiche Ortsnamen wie Wierum oder Garnweerd sind davon abgeleitet.

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Und dann gibt es natürlich auch die goldige Ortschaft Winsum, wo ich übernachtete:

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Minigedöns

Größere Schwierigkeiten gab es diesmal nicht, auch wenn natürlich nicht alles reibungslos lief. In Groningen wird am Stadtrand ein Radweg repariert, und die Pieterpadwanderer werden umgeleitet. Natürlich hatte ich es mal wieder versäumt, auf der Website nach Aktualisierungen zu schauen – das gedruckte Wort ist für mich halt immer noch heilig. Aber mir Hilfe einiger Einheimischer, darunter auch jemand, der kürzlich die Strecke gelaufen war, kam ich ohne Umweg aus der Stadt.

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Und bei Garnweerd führt der Weg jetzt durch Felder und Wiesen statt an der Straße entlang. Das sit eine gute Entscheidung, denn die Straße ist schmal und recht gut befahren. Aber beim Wandern durch die Wiesen stellten sich mir zahlreiche Gräben in den Weg, ich muss wohl irgendwo wieder falsch abgebogen sein. Es war gar ncith so einfach, wieder auf den Weg zu kommen. Fierljeppen, eine Art Stabhochsprung über einen Graben, wäre jetzt gar nicht schlecht.

felder

Und auf dem Campingplatz waren drei der Blockhütten, die an die Zeltweise grenzten, von zwölf Mädchen bewohnt, die bis spät in die Nacht quasselten und meherere Bierkästen leerten. Aber zum Glück war es nicht so schlimm wie vor ein paar Jahren in der Schweiz.

Insgesamt war es ein Premium-Wochenende.

Finish und Ausklang

Mit Peter hatte ich abgesprochen, dass er am Samstag nach Pieterburen fahren und mir von dort entgegen gehen würde. Das klappte auch wunderbar, als ich eine hohe Brücke überquerte, sah ich ihn schon als gaaanz winzigen Punkt in der Ferne ankommen.

treffen

Nach einer Verschnaufpause gingen wir gemeinsam das letzte Stück nach Pieterburen. Dort gingen wir erst einmal Mosterdsoep (Senfsuppe), eine Spezialität dieser Gegend, essen, denn wie heißt es in einem Niederländisch-Lehrbuch für Anfänger so schön? „De Mosterdsoep is hier altijd lekker.“

finish

Dann statteten wir, wie es sich gehört, den Seehunden einen Besuch ab und besichtigten die Petruskirche.  Danach bauten wir unser Zweimannzelt auf (die Dackelhütte kann vorläufig ins Winterquartier) und gingen anschließend noch ein Stück auf dem Nederlands Kustpad zum Wattenmeer. Es gab einmal Gerüchte, dass man den Pieterpad bis dorthin verlängern wollte, aber jetzt verstehe ich auch, warum die Organisatoren das wohl nicht machen werden. Da es von Pieterburen keinen direkten Weg zum Meer gibt (es liegen einige Felder mit Gräben dazwischen), kommen schnell fünf Extrakilometer dazu, die man dann auch wieder zurückgehen muss. Das macht bestimmt nicht jeder. Der Anfangs- bzw. Endpunkt in der Ortsmitte ist schon richtig.

kunst wattenmeer

Den Sonntag verbrachten wir noch in Groningen, wo wir die Synagoge und das ehemalige Judenviertel besichtigten, aber das ist eine andere Geschichte.

Fazit und Ausblick

Jetzt habe ich es also endlich geschafft. Durch diese Wanderung habe ich die Niederlande auf eine andere Art kennengelernt. Iach habe am eigenen Leibe erfahren, wie die Landschaft sich langsam verändert, vom hügligen Limburg über die großen Flüsse, die Kulissenlandschaft in der Achterhoek und Twente, die Wälder in Drenthe und das weite Land in Groningen. Und mit der Landschaft ändern sich auch die Dialekte.

Außerdem habe ich mich selbst kennengelernt und meine Grenzen erkundet. 20 bis 25 Kilometer an einem Tag sind gut zu laufen, viel mehr muss es nicht werden, denn ich bin nicht besonders schnell. Meistens finde ich meinen Weg, und mit den gelegentlichen Orientierungsschwierigkeiten kann ich inzwischen ganz gut umgehen.  Und alleine zu wandern und auch zu übernachten ist kein Problem. Eigentlich muss man dafür nur zwei Voraussetzungen erfüllen: Man muss sich selbst als angenehme Gesellschaft empfinden und man muss die Stille aushalten können.

Bei allem Stolz, das Abenteuer zu Ende gebracht zu haben, ist schon ein bisschen Wehmut  dabei. Eine Freundin formulierte es so: „Bestimmt ist man aber auch ein bisschen traurig, wie wenn man ein gutes Buch fertig gelesen hat, oder?“ Das trifft es ziemlich gut.

Aber ich habe ja schon mit dem Trekvogelpad angefangen, der mich irgendwann quer durch das Land nach Bergen aan Zee führen wird (eine Übernachtungsmöglichkeit in Utrecht wurde mir auch schon angeboten). Außerdem liegt der Wanderführer für den „Overijssels Havezatenpad“ schon auf dem Schreibtisch. Dieser führt von Oldenzaal nach Steenwijk, ist also in der Nähe von Enschede und eignet sich daher gut für Tagesausflüge.

Und ich kann ja immer noch, wie ein entgegenkommender Wanderer vorgeschlagen hat, den Pieterpad, der übrigens auch beim diesjährigen Sandskulpturenfestival in Garderen zu sehen ist,  wieder zurückgehen.

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Das Pieterpad-Ende ist in Sicht

Rolde – Groningen

Letztes Wochenende bin ich wieder ein Stück auf dem Pieterpad gewandert, von Rolde bis Groningen. So langsam kommt Pieterburen wirklich in Sichtweite.

Irgendwas ist immer

Auf der Hinfahrt bildete sich mein E-Reader ein, dass er sich jetzt neu installieren muss – sowas hatte ich bisher noch nicht, und das braucht auch kein Mensch! Diese Geräte, die meinen, irgendwas selbst entscheiden zu müssen, sind mir sowieso suspekt. Früher hat mein Computer wenigstens noch gefragt, ob ein Update im Moment genehm ist, aber jetzt ist von dieser Höflichkeit nichts mehr zu merken: Update you must! Fehlt nur noch, dass mein Staubsauger irgendwann röhrend durchs Zimmer gurkt, weil ihm gerade danach ist. Inzwischen ist der Schaden wieder behoben, und meine Bücher wieder drauf, aber abends musste ich auf dem Campingplatz aus purer Verzweiflung eine Uraltausgabe der „Libelle“ lesen. Aber in der Not frisst der Teufel ja bekanntlich Fliegen, und ich weiß jetzt, warum Männer Frauen mit runden Formen bevorzugen.

Und was war noch? Ach ja, auf der Rückfahrt gab es mal wieder Schienenersatzverkehr, und der Busfahrer verpasste eine Ausfahrt, was mir zur planmäßig schon längeren Fahrzeit eine weitere halbe Stunde einbrachte. Und das ohne E-Reader!

Außerdem wurde ich von außerirdischen Killermoskitos und Brombeerranken angegriffen, so dass meine Beine etwas mitgenommen aussehen. Aber schön war es trotzdem.

Heide, Hünengräber und jede Menge Wasser

Da ich beim letzten Mal ja nicht an den beiden Hünengräbern von Rolde vorbei gekommen war, nahm ich mir diese als erstes vor. Sie leigen im Schatten der Kirche von Rolde und direkt neben dem Friedhof. Bei dem Versuch, wieder auf die Route zu kommen und dabei gleich in die richtige Richtung zu gehen, drehte ich erst mal eine Runde durch das überschaubare Zentrum von Rolde. Dann war ich wieder auf dem Weg.

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Erst ging es durch Das Balloërverld – blühende Heide, so weit das Auge reicht, auch hier wieder mit einigen Grabhügeln und einem Galgenberg, die aber schwer zu erkennen sind.

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Dann ging es durch die nette Ortschaft Gasteren, ein typisches „Eschdorf“, die man häufig in Nordwestdeutschland und den Niederlanden findet. Vor dem Pfannkuchenhaus im Zentrum standen zahlreiche E-Bikes, die radelnden Rentnergangs, die oft hier zu finden sind, waren aslo wieder unterwegs. Dann ging es wieder durch ein Stück Heide mit einem weiteren Hünengrab.

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An diesem Tag kam ich kurz vor dem Campingplatz in Midlaren noch an zwei weiteren Hünengräbern vorbei, die nebeneinander zwischen zwei Häusern liegen, doch das allertezte auf der Strecke habe ich wohl übersehen.

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Am nächsten Tag führte der Weg erst  durch den Wald und am Wald entlang, was ich aber diesmal schaffte, ohne mich zu verlaufen. Geht doch!

Dann erreichte ich die Polderlandschaft südlich von Groningen, und kurz vor Haren führte der Weg vor allem am Wasser entlang.

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So konnte ich am Noord-Willemskanaal und einigen Seitenarmen entlang gemütlich auf Groningen zugehen, ohne dass ich nach dem eher leeren Drenthe sofort einen Zivilisationsschock bekam. Das haben die „Wegbereiter“ gut gemacht.

hausboot

Zeit für Kultur

Da ich bereits um 14 Uhr in Groningen eintrudelte, hatte ich noch Zeit für einen Besuch des Groninger Museums. Dort war ich schon ewig nicht mehr. Der etwas gewöhnungsbedürftige futuristische Bau beherbergt im Moment verschiedene Ausstellungen.

museum

„Reich in Groningen – Land- und Stadtsitze 1600 – 1800“ zeigt Bilder und Stiche von Herrenhäusern in Groningen und Umgebung sowie noch erhaltener Hausrat. Leider sind viele dieser Háuser inzwischen abgerissen worden. Niederländer und ihr Kulturerbe, das ist irgendwie keine gute Kombination. Die Engländer können sowas einfach besser.

„Hide & Seek, Maarten Baas“ geht um Möbeldesign in verschiedenen Ausprägungen. So hat Baas z. B. Möbel verbrannt, um sie dann mit einer Harzschicht zu überziehen, so dass man sie wieder verweden kann. Außerdem experimentiert er mit Materialien wie Knetmasse. Sehr interessant fand ich einen Schrank mit toller Holzmaserung, der aber aus rostfreiem Stahl ist. Ich hätte ihn ja gerne angefasst, um das zu überprüfen, aber das war verständlicherweise nicht erlaubt.

In „Gabriel Lester – The Return of Lester’s Loop“ behandelt der Regisseur und Filmemacher Lester das Thema des Sich-Verirrens. Na, auf dem Gebiet bin ich ja auch Experte. Passt also.

Begegnungen und Gespräche

Auch dieses Mal begegnete ich unterwegs einer Menge Leute. Vor Schipborg fragte mich eine ältere Dame mit Hund nach dem Weg, aber da ich erst nicht kapierte, dass sie mit „Drentsche Aa“ nicht den Fluss meinte, den ich gerade überquert hatte, sondern das gleichnamige Café, schickte ich sie erst mal in die falsche Richtung. Zum Glück war sie noch nicht außer Hörweite, als ich meinen Irrtum bemerkte, und so gingen wir zusammen zum Café. Sie und ihr Hund hatten ein recht flottes Tempo drauf, aber nicht zu schnell für eine gepflegte Unterhaltung.

Auf dem Campingplatz mit dem schönen Namen „Appelhof“ stand meine Dackelhütte neben einem Birnbaum. Und der Besitzer hat mir auch gleich einen Stuhl dazugestellt. Auf diesem Platz sind viele Pieterpadwanderer mit leichtem Gepäck, aber auch Senioren mit Wohnwagen, die unglaublich viel Geschirr mitschleppen und einsauen, wie ich in der Spülküche mal wieder erleben durfte.

Kurz vor Groningen machte ich auf einer Bank unter einem Pieterpad-Wegweiser Pause. Währenddessen kamen mehrere radelnde Rentnergangs vorbei, die sich freuten wie Bolle, dass sie einen Pieterpad-Wanderer in freier Wildbahn bewundern konnten. Immer gerne.

Diesmal fiel mir vor allem auf, dass sich die Gespräche ändern. Als ich mit dem Pieterpad anfing, erstarrte ich jedesmal fast vor Ehrfurcht, wenn ich mich mit dem Gegenverkehr unterhielt. Die hatten es fast geschafft, und ich musste noch über 400 km laufen. Jetzt biege ich praktisch in die Zielgerade ein (noch ca. 35 km) und die anderen haben den Weg noch vor sich. Ich bin schon etwas stolz, so weit gekommen zu sein, aber es ist auch ein bisschen schade, dass es bald vorbei ist.

ruheplatz

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Mit der „Dackelhütte“ auf dem Pieterpad

Coevorden – Rolde

Nach einigen Tagesausflügen auf dem Trekvogelpad wurde es mal wieder Zeit, auf dem Pieterpad weiter zu gehen. Drei Tage lang wanderte ich durch Drenthe von Coevorden bis Rolde. Übernachtet habe ich diesmal in einem netten kleinen Einmannzelt, meiner Dackelhütte, und auch diesmal habe ich wieder einiges erlebt.

„Leeres Land“

Der Pieterpadführer umschreibt die Gegend wie folgt: „Zwischen Rolde und Sleen gehen Sie durch ein „leeres Land“; hier wohnen nur wenige Menschen. Vor gar nicht einmal so langer Zeit gab es hier ausgedehnte Heidefelder. Nun stehen hier Wälder, abgewechselt mit kleinen Heidefeldern und Moortümpeln.“

heidefeld moortümpel

Und das stimmt auch, hier gibt es wirklich eine Menge Gegend. Die Ortschaft Schoonloo het keinen Supermarkt, und auf den 24 km zwischen Sleen und Schoonloo gibt es auch keine Einkehrmöglichkeit, außer man nimmt einen Umweg über Schoonoord in Kauf. Also muss man genug Semmeln und andere Notvorräte mitnehmen. Vor allem die nicht-vorhandene Einkehrmöglichkeit kam in fast jedem Gespräch mit dem Gegenverkehr zur Sprache, man bestätigte sich gegnseitig, dass es tatsächlich nichts gibt. Vielleicht sollte man auf der Hälfte einen Imbiss eröffnen und den dann „Café Halfweg“ nennen.

Aber schön war es schon, mit den langen Alleen, gemütlichen Bänken und netten Bauernhöfen.

rucksack bauernhof

Auf der Pieterpad-Website wurd vor zutraulichen Hochlandrindern gewarnt, die anscheinend öfter von Touristen gefüttert wurden, aber die wollen nur spielen. Warum beruhigte mich das nicht wirklich? Die Rinder selbst habe ich allerdings nicht gesehen, nur ihre beachtlichen Hinterlassenschaften.

Wind und Wetter

Wie angekündigt war das Wetter an diesem Wochenende ziemlich durchwachsen. Am Freitag war es noch schön, bis ich den Campingplatz erreichte, doch am Samstag bekam ich einige kräftige Regenschauer ab. Zum Glück hielten mein Cape und die Regenhaut des Rucksacks mich und meine Sachen einigermaßen trocken. Und irgendwann war der Spuk dann auch wieder vorbei.

Die morgendlichen Schauer, wenn ich abbauen und weitergehen wollte, fand ich erst etwas „inconvenient“, aber man wird erfinderisch. Auf dem ersten Campingplatz hatten sie eine offene Scheune und auf dem zweiten einen Aufenthaltsraum, wo ich meine Sachen hinschleppte, um sie dann im Stehen (siehe unten) und trocken zu verstauen.

Sehenswertes unterwegs

Auch diesmal gab es unterwegs wieder viel zu sehen, z. B. den jüdischen Friedhof bei Dalerveen, der lange nicht nicht in Gebrauch war, bis 2003 wieder jemand dort begraben wurde.

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Interessant ist auch der Galgenberg nördlich von Sleen, ein prähistorischer Grabhügel, wo im Mittelalter die zum Tode Verurteilten aufgehängt wurden.

galgenberg

Doch auch die Natur hat einiges zu bieten, wie z. B. riesige Ameisenhaufen und ebensolche Pilze. Allerdings weiß ich nicht, ob man die essen kann, ich kann nur Fliegenpilze eindeutig identifizieren.

ameisenhaufen pilze

Übernachten in der Dackelhütte

Zum Geburtstag bekam ich ein kleines, aber feines Einmannzelt geschenkt, das ich auch tatsächlich allein aufbauen kann. Selbstverständlich habe ich das bei uns im Garten geübt und auch die Rücken-, Seit- und Bauchlage ausprobiert.

Natürlich war ich ganz schön gespannt, wie es mir damit gehen würde. Vielleicht lag ich ja die ganze Nacht bibbernd und zähneklappernd in meinem Schlafsack, weil ich zu viel Stephen King gelesen habe. Man würde sehen.  Aufgebaut und eingerichtet war das Zelt jedenfalls recht gemütlich, und die Campingplatzhühner fanden es wohl auch interessant.

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Ich habe wunderbar geschlafen und  wurde von keinerlei Stephen-King-Phantasien heimgesucht.  Und dicht gehalten hat das Zelt auch, also alles bestens. Da es aber recht klein ist, sind Dinge wie Kleidungswechsel oder sich in den Schlafsack wurschteln Bauchmuskelübungen vom Feinsten. Und auf dem ersten Campingplatz stand ich direkt neben dem Wasserhahn, was ich erst nicht gesehen hatte. Und natürlich musste gegen zehn Uhr abends die Hälfte der Ceampinggäste ihre Wasservorräte nachfüllen. Na, schönen Dank auch. Note to self: Das nächste Mal den zugewiesenen Platz kritischer unter die Lupe nehmen.

Lost in the forest

Wie bereits erwähnt führt die Strecke zu einem größeren Teil durch den Wald, und wer meinen Weg bisher mitverfolgt hat, weiß, dass das nicht immer gut geht. Auch diesmal kam ich zwischen Schoonloo und Rolde vom Weg ab.

wald

Aber die Wälder in den Niederlanden sind nicht so groß, selbst in Drenthe nicht, also hat auch Plan B wieder geklappt: Geradeaus laufen, bis man auf eine Straße stößt, und dann sehen, wie weit ich von der geplanten Strecke abgewichen bin und was ich dann mache. Diesmal war ich aber ziemlich weit von der Strecke abgekommen, also beschloss ich, den direkten Weg nach Rolde zu gehen. An diesem Wochenende hatte ich genug Wald gesehen.

So landete ich dann bei der Bushaltestelle am Rand von Rolde. Meine App hatte mir schon mitgeteilt, dass an diesem Tag der Bus nicht ins Zentrum fahren würde, warum auch immer. Also beschloss ich, gleich hier einzusteigen und nach Hause zu fahren. Das Zentrum von Rolde und die zwei Hünengräber müssen bis zum nächsten Mal warten. Sie werden dann sicher noch da sein.

Lichtblicke

Auch hier auf dem Weg war es hin und wieder etwas anstengend, immerhin schleppte ich ungefähr zehn Kilo mehr mit als sonst. Und auch das Wetter am zweiten Tag machte mir gelegentlich etwas zu schaffen.

Aber dann sieht man wieder ein Schild, dass es nur noch 900 m bis zum Campingplatz oder 94 km nach Pieterburen sind, und dann geht es einem gleich wieder besser.

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Zwei Zitate scheinen jedenfalls auf meine Wanderungen zuzutreffen:
„It’s important to have a plan B, especially when there is no plan A.“ (Pete McCarthy, McCarthy’s Bar)
„We walked the trail, Bryson. We walked the bloody trail.“ (Bill Bryson, A Walk in the Woods)

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Kunst und Kultur am Trekvogelpad

Tag 4, Ruurlo – Vorden: Kunst und Erinnerungen

Am 23. Juli ging es weiter. Diesmal fuhr ich nicht mit dem Bus, sondern mit der Bahn nach Ruurlo, da die Rückfahrt von Vorden aus ebenfalls mit der Bahn vonstatten gehen sollte, und so hatte ich meine Leeze dann gleich am Bahnhof stehen. Gegen halb 11 kam ich beim Schloss Ruurlo an und schaute mich erst einmal in Ruhe im Park um, da das Museum erst um 11 Uhr öffnete.

Im Moment läuft es unheimlich gut, was zu größeren Parkplatzproblemen führt, da weder die Gemeinde Ruurlo noch der Gründer Hans Melchers mit so einem Ansturm gerechnet hatten. Die Besucher von weiter weg parken also irgendwo am Straßenrand, die Stadt schreibt fröhlich Strafzettel, Melchers ist sauer, weil man sich doch etwas kulanter zeigen könnte, schließlich kommt ja jetzt mal wieder jemand in dieses verschlafene Nest. Als Fußgänger tangierte mich die Soap relativ wenig, ich halte es ja gerne mit Goethe: „Nur wo du zu Fuß warst, bist du wirklich gewesen.“ Warum sollte das nicht für ein Museum gelten?

Kurz vor 11 Uhr formierten sich am Eingang zwei Reihen, die Besitzer einer Museumkaart, zu denen ich auch gehöre, und diejenigen, die noch ein Ticket erwerben mussten. Ich bekam ein Heftchen ausgehändigt, verstaute meinen Rucksack und schaute mir dann erst mal den Film an. Man erfuhr ein paar Dinge über die Geschichte des Schlosses, den Multimilliardär Hans Melchers und den Maler Carel Willink. Aber dies alles ist einen eigenen Beitrag wert, den ich wohl schreiben werde, wenn das Wetter wieder schlechter wird.

Jetzt nur so viel: Mit dem Umbau und der Neueinrichtung des Schlosses hat Melchers einen schönen Rahmen für Willinks Gemälde geschaffen und dabei nicht gekleckert, sondern kräftig geklotzt. Die Holzfußböden mit Intarsien und die schweren Tapeten mit Moiréstruktur  bilden zusammen mit den Bildern ein Gesamtkunstwerk, und als solches muss man es eigentlich auch sehen. Die Gemälde selbst sind entweder (Selbst-)porträts, auf denen die Abgebildeten grantig in die Weltgeschichte schauen oder aus verschiedenen Versatzstücken zusammengesetzte Landschaften. Die Titel sind recht eindeutig, z. B. „Tate Gallery verplaatst“ bei einem Bild der berühmten Galerie, die hier mitten in der Pampa steht, oder „Kamel in het park van Versailles“. Warum sollte so ein Kamel nicht auch mal in so einem Park spazieren gehen?

Nach einer guten Stunde hatte ich alles gesehen und wollte meinen Weg fortsetzen. Der Trekvogelpad führt durch den Schlosspark, aber leider war die hintere Pforte abgeschlossen, so dass ich mir einen Weg außenrum suchen musste.

Nach einer Weile hatte ich es geschafft, und unterwegs kam ich auch bei dem berühmten Siebensprung vorbei. Wie in der Geschichte „Das Geheimnis des siebten Weges“ zweigen hier nur sechs Wege ab. Ich lief zur Sicherheit zweimal alle Wege ab, es sind tatsächlich nur sechs.

Dann ging ich weiter nach Vorden, wo ich mich dem Schloss von Rückseite näherte. Ich kam an der 23 Meter hohen Rieseneiche vorbei, deren Stamm 685 Zentimeter umfasst. Kurz danach passierte ich die „Lodewijkslinde“, unter der Ludwig XIV angeblich im Jahr 1672 ein Schläfchen gemacht haben soll. Ich kann mir schlechtere Schlafplätze vorstellen.

 

Kurz danach kam ich wieder zu der Stelle, an der sich der Trekvogelpad und der Pieterpad kreuzen. Vor ziemlich genau elf Monaten war ich hier schon einmal vorbeigekommen. Viel hat sich seitdem ereignet. Nach einem Kaffee mit Kirschkuchen fuhr ich mit dem Zug nach Hause. Da es auf dieser Strecke, die nur etwas mehr als eine Stunde dauert, drei verschiedene Anbieter gibt, musste ich dreimal ein- und auschecken. Auf Twitter machte ich meinem Unmut Luft und bekam sogar eine Antwort von den Nederlandse Spoorwegen.

 

Tag 5, Vorden – Brummen: Uferwege, Rindviecher und eine Überfahrt

Am 28. Juli ging es dann weiter. In Vorden ging ich ein Stückchen über den Pieterpad, diesmal in Gegenrichtung, bis der Trekvogelpad dann abzweigte.  Ich kam an einem Hexenhaus mit Backofen, das mich an Hänsel und Gretel erinnerte, und erreichte Schloss Hackfort, wo es im Park auch einen Kunstwanderweg gibt.

Auf der gegenüberliegenden Straßenseite steht eine Bank zum Gedenken an jemanden, der hier, praktisch kurz vor seiner Haustür einen Unfall hatte. So etwas ist natürlich nicht schön, und nachdenklich trabte ich weiter.

Nach einer Weile kam ich an einen Uferweg, der am Baakse Beek entlangführt. Laut Wegbeschreibung sollte man ihm einfach bis kurz vor Wichmond folgen können, aber in der Praxis sah das natürlich wieder anders aus. Mittendrin war nämlich ein Stück abgesperrt, weil dort eine Herde Rindviecher graste. Die Absperrung allein wäre nicht so sehr das Problem gewesen, aber vor Rindviechern habe ich ziemlichen Respekt. Ich ging also an der Absperrung entlang bis zur Straße, wo ich erst über einen Zaun klettern und dann zur Erheiterung zweier Radfahrer unter einem Stacheldraht durchkrauchen musste. Dass mir der Spaß wieder ein Extrastückchen bescherte, war ja klar, und so war der Rastplatz an der Wegkreuzung mehr als willkommen.

Bald erreichte ich Bronckhorst, die kleinste Stadt der Niederlande. So ziemlich alle Gebäude dort stehen unter Denkmalschutz, und die Ortschaft ist eine Art lebendes Freilichtmuseum. Entsprechend viele Touristen befinden sich auch dort. Demnächst geht auch unser Synagogenausflug dorthin, und dann werde ich mir in Ruhe das Dickens-Museum und diverse Kunstobjekte anschauen. Heute reichte mir ein Cappuccino mit Apfelkuchen.

Unterwegs hatte schon ein kräftiges Lüftchen geweht, so dass die Wanderung langsamer ging als normal. Und als ich im Wanderführer las, dass die Fähre über die IJssel ab Windstärke 7 nicht mehr fährt, machte ich mir doch etwas Sorgen. Aber schon von weitem konnte ich sehen, dass sie gemütlich hin und hertuckerte. Es gibt wohl auch so etwas wie die gefühlte Windstärke.

Nach der Überfahrt hieß mich ein Schild auf der Veluwe willkommen, laut Wikipedia das größte zusammenhängende Waldgebiet der Niederlande. Dort würde ich sicher noch eine Weile unterwegs sein.

Kurz darauf erreichte ich Brummen, wo die Route sogar fast direkt am Bahnhof vorbeiführt, und machte mich auf den Heimweg.

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Ein neues Abenteuer: Der Trekvogelpad

Ja, ich weiß, ich habe den Pieterpad immer noch nicht beendet, aber es war von der Zeit her immer etwas ungünstig. Jetzt ist es nämlich wieder so weit, dass ich unterwegs übernachten muss, und das will einigermaßen geplant werden. Da es aber ganz ohne Wandern nicht geht, habe ich mit dem 414 Kilometer langen Trekvogelpad (Zugvogelweg) angefangen, der von Bergen aan Zee nach Enschede führt. Allerdings zäume ich auch hier wieder den Gaul von hinten auf und laufe in Gegenrichtung, da es sich das für Tagesausflüge zwischendurch anbietet. Und nach den ersten 90 Kilometern wird es Zeit für einen Bericht.

Tag 1, Enschede – Koekoeksbrug: Why does is always rain on me?

Am 7. März hatte ich unerwartet einen fast freien Tag und wollte mal wieder ein Stück laufen. Also habe ich mit dem Trekvogelpad angefangen, der vom Bahnhof Enschede nach Bergen aan Zee führt. Das erste Stück lief ich also vor allem durch meine eigene Stadt, die ich nun durch die Augen eines Touristen betrachtete.

wegweiser

Die Streckenführung ist ganz geschickt, man geht vor allem durch die etwas netteren Teile der Stadt (den Volkspark, die alte Arbeitersiedlung Pathmos, das Naherholungsgebiet Rutbeek), so dass der ahnungslose Tourist nicht denkt: „Grundgütiger, wo bin ich hier gelandet!“ Versteht mich nicht falsch, ich wohne wirklich gern in Enschede, aber es ist halt kein Amsterdam, Maastricht oder Groningen.

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Das Wetter war am Anfang noch okay, zwar leichter Nieselregen, aber man ist ja nicht aus Zucker, nicht wahr? Beim Rutbeek kam ich an einem Schild mit der Aufschrift „Wij oogsten de zon – Wir ernten die Sonne“ vorbei, das irgendwas mit Sonnenenergie zu tun hat. Gerade in dem Moment fing es auch richtig an zu gießen – the irony of that. Da stand ich also knapp 10 km von zu Hause entfernt im strömenden Regen mitten in der Pampa! Gut, dass ich meinen Regenumhang mithatte.

rutbeek schild

Aber das Naturgebiet Buurserzand ist auch im Regen recht schön, und schließlich gibt es ja kein schlechtes Wetter, nur falsche Kleidung.

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Trotzdem war ich froh, dass bei der Haltestelle Koekoeksbrug schnell ein Bus kam, der mich nach Haaksbergen brachte.

Tag 2, Koekoeksbrug – Eibergen: Vier Monate später

Am 11 Juli, also fast genau vier Monate später ging es weiter. Ich fuhr mit dem Bus bis kurz vor Haaksbergen und lief das letzte Stück zur Koekoeksbrug. Natürlich spielte mir mein bekanntes Rechts-Links-Problem mal wieder einen Streich, aber der Schaden hielt sich in Grenzen.

Das Wetter war erst etwas bewölkt, aber es klärte sich bald auf. Ich wanderte durch die Naturgebiete Buurserzand und Haaksbergerveen und stellte mal wieder fest: Twente is onmeunig mooi (Twente ist unglaublich schön).

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Auf einer Bank hielt ich ein Schwätzchen mit dem Gegenverkehr, den es hier auch reichlich gibt – die meisten Leute fangen in Bergen aan Zee an. Und das Restaurant bei der Oostendorper Watermolen hatte sogar geöffnet, so dass ich auch mein Essen fotografieren konnte, wie man das halt so macht.

oostendorperwatermolen stillleben

Als ich allerdings weiterging, trübte es sich wieder ein, und kurz vor der Berkel wurde ich von einem kräftigen Regenguss erwischt. Der Trekvogelpad wird auch „der längste Naturwanderweg der Niederlande“ genannt, und das bedeutet wohl, dass man sich grundsätzlich mitten in der Pampa befindet, wenn es gerade mal gießt. Man kann also stehenbleiben und nass werden oder weitergehen und nass werden. Ich entschied mich für letzteres, schlurfte am Berkelufer entlang und fragte mich mal wieder: „Why does it always rain on me?“

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Irgendwann ließ der Spuk jedoch nach, und ich konnte noch vor der Bushaltestelle in Eibergen das Regenzeug wegpacken.

Und einen netten Straßennamen habe ich auch entdeckt: Krakeelsweg.

Tag 3, Eibergen- Ruurlo: Auch am Trekvogelpad gibt es schönes Wetter

Diesmal ging es sogar recht schnell weiter, nämlich am 15. Juli. Zuerst sah es nach einem Pechstag aus, denn obwohl ich pünktlich an der Bushaltestelle war, meldete meine App, dass der Bus schon weg war. Trotzdem beschloss ich, noch ein paar Minuten zu warten, und siehe da, er kam doch noch! Es wäre auch sonst etwas ärgerlich gewesen, denn am Wochenende fährt der Bus nach Eibergen im Stundentakt.

In Eibergen lief ich durch den hübschen Ortskern, wo ich schon auf den ersten Gegenverkehr traf. Dann wurde die Gegend wieder sehr ländlich.

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Im Wanderführer stieß ich auf die Anmerkung, dass die Route eventuell anders geführt werden könne, da dort die neue Bundesstraße N18 gebaut wird. Natürlich hatte ich mal wieder verbummelt, im Internet nach Updates zu schauen, aber das war auch gar nicht nötig. Am Samstag wurde nicht gebaut und ich konnte gemütlich zwischen zwei Bauzäunen hindurch den Markierungen folgen.

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Der Weg führte mich durch einen Park, der im klassizistischen Stil angelegt ist und in der Mitte einen sternförmigen Teich, den „Waterster“ (Wasserstern) hat.

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Nach einer Pause am Flüsschen Slinge ging ich weiter bis zum Schloss Ruurlo, dem „Treppenhaus“ aus dem Jugendbuch „De Zevensprong“ (auf Deutsch „Das Geheimnis des siebten Weges“) von Tonke Dragt und der gleichnamigen Fernsehserie. Die älteren Semester unter uns erinnern sich vielleicht. Seit ein paar Wochen beherbergt das Schloss ein Museum mit Werken des Künstlers Carel Willink (1900 – 1983), einem Vertreter des magischen Realismus. Dies werde ich mir auf der nächsten Etappe näher anschauen.

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Frühlingsimpressionen am Pieterpad

Ommen – Coevorden

Zu meiner Schande muss ich gestehen, dass ich dieses Jahr noch nicht besonders weit gekommen bin, ganze zwei Etappen bzw. gut 40 km habe ich seit Anfang April geschafft. Arbeitsmäßig ist eine Menge los, ich mache gerade eine Fortbildung, an den Wochenenden steht einiges an (Familie, Chor, Synagoge etc.), der Umzug zieht immer noch alles Mögliche nach sich und dann habe ich ja schließlich auch noch meinen Haushalt. 😉 Aber vor Ostern schaffte ich es doch, zumindest einen Anfang zu machen, und ich hoffe, dass ich in den nächsten Wochen noch ein Stückchen schaffe. Allerdings muss ich jetzt wieder übernachten, weil die Anfahrtswege wieder länger werden.

Wind und Wetter

Am ersten Tag konnte man absolut nicht nölen, das Wetter war einfach ideal, nicht sehr warm, aber trocken. Alles wurde langsam aber sicher grün und blühte in verschiedenen Farben, die Vögel brüllten, es war einfach wunderbar!

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Am zweiten Tag war es erst trocken und ich hatte Rückenwind, was vom Gegenvekehr etwas neidisch kommentiert wurde. Selber merkt man das ja meistens erst, wenn man die Richtung ändert oder der Wind sich dreht. Doch am Nachmittag trübte es sich ein und begann zu nieseln. Deswegen hätte ich fast das Kunstwerk „De Drentse Poort“ verpasst. Bei klarem Wetter ist es sicher von Weitem zu sehen, aber wegen des Nieselregens passte ich nicht richtig auf und latschte mal wieder an einer Abzweigung vorbei. Zum Glück merkte ich meinen Irrtum rechtzeitig, so dass ich doch noch unter dem monumentalen Steintor durchgehen konnte.

Und gerade als ich den Bahnhof von Coevorden erreichte, ging ein richtiger Platzregen los. Da hatte ich mal wieder Glück gehabt.

Landschaft und Ortschaften

Zwischen Ommen und Hardenberg ging die Strecke ging teils durch den Wald, teils über Felder und immer wieder an der Vecht entlang, und sie hatte keine nennenswerten Steigungen. Man merkt, dass es in den brettlebenen Norden geht. Bei der Drentse Poort ging es wieder etwas auf und ab.

Natürlich führte der Weg nicht nur durch mehr oder weniger idyllische Landschaft, sondern auch durch nette Ortschften wie das Angerdorf Rheeze mit seinen Reetdachhäusern oder Gramsbergen mit der netten Kirche und dem Bronzeskulptur einiger Pieterpadwanderer. Dort ergab sich auch die Gelegenheit zu einem Schwätzchen mit dem Gegenverkehr und dem Austausch kulinarischer Tipps.

Kulinarisches – oder auch nicht

Wermutstropfen auf dieser Wanderung: Das Café in Rheeze, wo ich gern eingekehrt wäre, hat nur Samstags und Sonntags geöffnet, was sie allerdings nicht daran hindert, groß auf die Fensterläden zu schreiben, was man dort alles hätte bestellen können. Aber der erfahrene Wanderer hat ja immer genug Semmeln mit, so dass ich nicht vom Stangerl gefallen bin.

Nein, da sah es am zweiten Tag schon anders aus. Am Eingang des Dorfes Ane befindet sich nämlich der goldige Laden nebst Tea Room „Granny’s Barn“. Dabei handelt es sich um ein Projekt, bei dem junge Frauen, die aus irgendwelchen Gründen in Schwierigkeiten geraten sind, wieder eine Aufgabe bekommen und in den Arbeitsprozess eingegliedert werden. Das Ganze soll demnächst mit einen Bed & Breakfast vergrößert werden. Die Lage ist ja auch ideal. Der Tea Room ist einfach schnuckelig, das WC heißt hier „Dixie de luxe“ und Tee und Sandwich waren sehr lecker!

Jetzt habe ich noch sieben Etappen, also noch ungefähr 140 km vor mir. Und irgendwann schaffe ich die auch!

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Nordostengland und Borders 2016 – Teil 2

It’s not been such a bad day. In fact, it’s been a good day.“ (Campinggast bei Lower Wensleydale)

Am nächsten Morgen waren wir schon um sieben Uhr wach und stellten fest, dass die Eineinhalb-Stunden-Regel (die Zeit vom Wachwerden bis zum Losfahren) immer noch stimmt. Pünktlich um halb neun saßen wir auf den Leezen und versuchten, den richtigen Weg aus der Stadt zu finden. An einer Ampel kamen wir ins Gespräch mit einem Niederländer, dessen Freundin in York wohnte. Er gab uns eine kurze Wegbeschreibung für eine ruhige Strecke. Das Problem bei Radwegen in Städten ist, dass sie manchmal plötzlich aufhören und man sich dann auf dem Bürgersteig wiederfindet, wo man von indignierten Fußgängern angeblökt wird, aber da muss man wohl durch.

Bald fanden wir den richtigen Weg durch nette Ortschaften wie Tollerton, Helperby und Asenby. Zwischendurch machten wir gelegentlich Pause bei Kirchen, Kühen und Schafen.  Das Wetter war erst sonnig und später etwas bewölkt, was aber gar nicht schlecht war, denn die Gegend wurde immer hügliger.

Bei der A1 mussten wir uns durch ein ziemliches Gewurschtel an Kreiseln kämpfen, um die Autobahn zu überqueren, aber wir schafften es.

Später sollte das ein paarmal nicht  so gut gehen, aber das wussten wir zum Glück noch nicht, so dass wir die Fahrt noch in vollen Zügen genießen konnten. Die Hügel waren ganz gut zu meistern, und ich war recht stolz, dass ich nur selten schieben musste.

Kurz vor Leyburn mussten wir uns dann doch einen richtig steilen Hügel zum Campingplatz hochkämpfen, und zwar beide zu Fuß. Ironischerweise hieß der Campingplatz „Lower Wensleydale“. Wir checkten ein und stellten fest, dass man hier dieselben Duschvorhänge hat wie in York. Die Campinggäste waren nett und stellten Fragen wie: „Where did you start off this morning?“ oder „Heavy load on your bike, are you Dutch?“ Was das eine mit dem anderen zu tun hat, darüber kann man nur mutmaßen.

Der Campingplatz war recht nett, es gab einen Pfau, der gelegentlich sein Gefieder spreizte oder fürchterlichen Krach machte, und diverse andere Wasservögel mit Jungen. Nachdem wir aufgebaut hatten, fuhren wir nach Leyburn, wo wir einkaufen und dann in ein chinesisches Restaurant gingen. Dort hatten sie zwar auch chinesisches Bier auf der Karte, aber ich nahm trotzdem leiber das lokale „Black Sheep“. Nach dem ausgezeichneten Essen bekamen wir noch zwei Glückskekse. Auf Peters Zettel stand „Good news will come to you by mail.“, und mein Spruch lautete: „All your hard work will soon pay off.“ Das wäre sicher nicht schlecht.

Obwohl wir früh schlafen gegangen waren, wurden wir am nächsten Morgen erst um neun Uhr wach. Wir waren wohl nichts mehr gewöhnt, aber egal, wir hatten Urlaub und wollten heute sowieso nicht weiter, sondern die Aysgarth Falls besuchen.

Nach einem ausgiebigen Frühstück machten wir uns auf den Weg. Wir fuhren über Leyburn vorbei an Bolton Castle, das in der Ferne auf einem Hügel thronte, und der Brunnen in der Ortschaft Caperby war bereits festlich für den Geburtstag der Queen dekoriert. Die Gegend war recht hüglig und es gab tolle Abfahrten, aber es ist auch ein Naturgesetz, dass man kurz danach wieder bergauf strampeln muss. Aber die Yorkshire Dales sind so schön und das Wetter war wunderbar, da nimmt man das ja gerne im Kauf.

Bei den Aysgarth Falls ketteten wir unsere Räder an den Zaun des Informationszentrums und schauten uns zuerst dort um. Bei unserer ersten gemeinsamen Radtour hatte Peter hier ein tolles T-shirt mit Ottern erstanden, aber leider gab es diese nicht mehr. Dass sich in zwanzig Jahren auch so viel verändern muss!

Wir machten einen Spaziergang zu den Upper, Middle und Lower Falls, und es erstaunte mich nicht, dass William Turner sie gemalt hatte. Auch einige Kampfszenen aus „Robin Hood – Prince of Thieves“ waren hier gefilmt worden.

Wir besuchten noch die St. Andrew’s Church und fuhren dann über Swinthwaite und Wensley wieder zurück nach Leyburn. Obwohl die Gegend recht ländlich ist, waren ziemlich viele Autofahrer unterwegs. Die idyllischen Zeiten der Serie „Downton Abbey“, wo sich Sir Robert über zu viel Verkehr beklagte („Five cars parked in the village and three passing“) waren definitiv vorbei.

In Leyburn deckten wir uns mit Vorräten für das Abendessen ein und fuhren dann zurück zum Campingplatz. Gerade als Peter auf die Zeltwiese einbiegen wollte, riss ihm die Kette. Zum Glück war er langsam unterwegs und es passierte weiter nichts. Gemeinsam machten wir uns an die Reparatur und stellten mal wieder fest, dass wir ein gutes Team waren.

Danach legten wir uns in die Sonne und lasen Zeitung. Dort wurden in zahlreichen Leserbriefen die Vor- und Nachteile eines möglichen Brexits debattiert, während der Artikel auf der Titelseite sich mit einer weiteren wichtigen Frage beschäftigte: „Will it rain on the Queen’s birthday?“  Dann verspeisten wir unser Abendessen, während sich dunkle Wolken über uns zusammenklumpten. Gerade, als wir fertig waren, begann es zu regnen, und wir verzogen uns mit unserer Zeitung ins Zelt.

Als der Regen nachgelassen hatte, wurde es Zeit für einen Pubbesuch. Wir folgten dem Trampelpfad zur „Pheasant Inn“, das wohl noch als Wohnzimmer des Dorfs fungierte und vor allem von „Locals“ frequentiert wurde. Während wir unser Bier tranken, hörten wir ihren Gesprächen über das Training von Rennpferden auf unterschiedlichem Untergrund zu und bekamen Fotos von „Douglas the Baby Meerkat“, der wohl in der Gegend berühmt ist, gezeigt.

Auf dem Rückweg machten wir noch einen Abstecher zum Harmby Waterfall, an dem wir am Vortag vorbeigeradelt waren. Da es aber schon recht dunkel war, sahen wir nicht allzuviel davon.

Brexit-Quote des Tages: „I want to keep our punds, ounces, inches, miles and pints and drive on the left. It may be quirky to the one-size-fits-all-brigade, but it’s British.“ (M. Elliot).

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Irgendwas ist immer, auch in der Synagoge

Vor einiger Zeit hatte ich euch ja ein Synagogen-Update versprochen. Bitte schön.

Vor gut drei Wochen hatte ich also meine Feuertaufe, eine Führung für eine deutsche Schulklasse (12 – 13 Jahre), bei der eine Ausbilderin mitging. Das Ganze war eine größere Aktion, vier Gruppen, von denen jeweils zwei gleichzeitig durch das Gebäude geführt werden sollten, während die anderen Kaffee tranken. Meine „Parallelgruppe“ wurde von einer erfahrenen Kollegin geführt, die meinte, dass ich mich einfach an die vorgegebene Reihenfolge der Räume (Klassenzimmer, Kleine Schul, Große Schul) halten sollte, sie würde ihre Pappenheimer um mich herum manövrieren. Das beruhigte mich schon mal.

Allerdings kam der Bus der Schule eine gute halbe Stunde zu spät, so dass ich doch einiges überschnitt und streckenweise ca. 80 Schüler gleichzeitig durch das Gebäude wuselten. Zum Glück hatte ich mich gut vorbereitet und konnte den Schülern (in meiner Gruppe waren nur Jungen) einige Dinge außerhalb der genannten Räume zeigen, wenn wir warten mussten, z. B. die Tische zu den verschiedenen Festen und die Thorarolle in der Vitrine.

Einige der Jungen waren schon einmal in der Synagoge gewesen und wussten einiges über das Gebäude und das Judentum. Und anders als die Gruppe meiner Kollegin waren sie sehr interessiert. Die ersten Fragen waren: „Sind Sie Niederländerin? Sind Sie Jüdin?“

Nach der Führung gab es noch eine Nachbesprechung, und meine Kollegin aus der Lerngruppe und ich dürfen jetzt selbstständig Schulklassen führen. Die erste „große“ Führung für Erwachsene ist auf unseren eigenen Wunsch noch mit Backup. Mit Stolz darf ich vermelden, dass ich jetzt nicht mehr das weiße Namensschild für Azubis, sondern ein blaues habe:

namensschild

Zur Zeit findet in der Synagoge auch die Ausstellung „Getuigen langs het spoorZeitzeugen entlang der Gleise“ statt. Hier sind Interviews mit Zeitzeugen zu sehen, die während des Zweiten Weltkriegs an der Bahnlinie wohnten, über die die Züge vom Durchgangslager Westerbork nach Deutschland und von dort weiter in die Vernichtungslager fuhren. Diese Ausstellung ist Teil des Projekts“Auf dem Weg von Anne Frank – Grenzübergreifend gegen das Vergessen„. Die Interviewten, von denen die meisten damals noch zur Schule gingen, erzählen, was sie über die „Judenzüge“ wussten, wie sie die Post aufsammelten und in den Briefkasten warfen, die die Insassen der Züge aus dem Fenster warfen, und wie sie die Zeit damals erlebt haben. Kopien von einigen dieser Postkarten werden ebenfalls gezeigt.

Für den größten Teil der Ausstellung braucht man Strom (für die Slideshow und die Interviews über Kopfhörer). Und natürlich musste gestern, als ich zum ersten Mal dort als Aufsicht eingeteilt war, der Strom teilweise ausfallen, und der eilends herbeitelefonierte Hausmeister konnte den Fehler nicht finden. Also war improvisieren angesagt. Zum Glück hatte ich mich vorher schon schlau gemacht, und so konnte ich für interessierte Besucher auf jeden Fall in groben Zügen zusammenfassen, was die interviewten Personen zu erzählen hatten. Ein Paar berichtete dann auch am Ausgang, dass das mit dem Stromausfall nicht sooo schlimm sei, eine freundliche Dame hätte ihnen alles erklärt. Immer gerne. 🙂

Als es Zeit zum Abschließen war, funktionierten die Ausstellungsstationen noch immer nicht. Dafür gingen einige Lampen im Klassenzimmer und in der Großen Schul nicht mehr aus. Ich bin ja gespannt, wie es nächsten Sonntag ist.

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Pieterpad-Nachlese 2016

Vorden – Ommen

Entgegen meinen guten Vorsätzen habe ich es letztes Jahr nicht geschafft, den Pieterpad zu Ende zu wandern. Aber nach dem Erreichen der Mitte war ich im Herbst doch noch drei einzelne Tage unterwegs, nämlich am 30. August, am 16. September und am 1. Dezember, und habe vier Etappen geschafft. Am ersten Tat bin ich gleich zwei Etappen, also ungefähr 28 Kilometer gelaufen. Nicht schlecht, oder?

Schlösser und Landgüter

Vor allem anfangs kommt man an einigen Schlössern und Landgütern vorbei, von denen es eine Menge in dieser Gegend gibt. Die Schulen hatten wieder angefangen, und bei dem herrlichen Wetter waren zahlreiche Schulkinder mit Rädern und Fragebögen unterwegs, um die Gegend zu erkunden. Bei Kasteel Den Bramel hörte ich, wie ein Kind fragte: „Oh, ein Schloss! Wohnt da der König?“ Ein anderes antwortete: „Ganz sicher nicht.“ – „Aber es ist ein Schloss!“ – „Dass es ein Schloss ist, heißt nicht, dass der König ausgerechnet hier wohnt. Es gibt viele Schlösser.“ Tja, wo das Kerlchen recht hat…

den-bramel

Ein ganzes Stück später, bei Huis Verwolde, machte ich einen Umweg, um „de dikke boom“ (den dicken Baum) zu bewundern. Diese monumtentale Eiche wurde wahrscheinlich rund 1500 gepflanzt, und der Stamm hat einen Umfang von 7,60 Metern. Ein ganz schöner Oschi, nicht wahr?

huis-verwoldedikke-boom-2 dikke-boom

Mythos Holterberg und andere Erhebungen

Diesmal führte der Weg über einige Berge – zumindest nennen die Niederländer sie so. Einer davon ist der Holterberg, auf dem ich in meinem ersten Jahr hier – angeblich – auch schon war. Damals machten wir mit einem Freund eine Wanderung von Rijssen nach Nijverdal (oder umgekehrt), und diese führte auch über den Holterberg. Es war eine schöne Waldwanderung, das auf jeden Fall, aber irgendwann waren wir am Zielbahnhof, wo ich etwas enttäuscht fragte: „Und wo ist jetzt der Holterberg, und warum waren wir doch nicht oben?“ Wenn man aus der Gegend von München kommt, hat man bei dem Wort „Berg“ einfach eine andere Vorstellung. Aber nach fast 20 Jahren hier bin ich wohl eingebürgert genug, um auch den Holterberg, der sich immerhin stolze 58 Meter über dem Meeresspiegel erhebt, zu erkennen:

holterberg2 holterberg

Die Aussicht hat schon was.

Später ging ich auch über den Haarlerberg und am letzten Tag über den schon sehr herbstlichen Archemerberg, an dessen Fuß ein großer Findling, der „Dikke Steen“ liegt:

dikkesteen

archemerberg archemerberg2

Geschichte am Weg

Bei Holten lief ich ein Stück auf dem Weltzeitpfad, auf dem sich in regelmäßigen Abständen Pfosten befinden. Jeder steht für ein Jahr, und auf dem befestigten Würfel steht Wissenswertes über dieses Jahr. Dazwischen befinden sich auch andere Objekte, wie hier die Schweinderl, die ich an dem Tag wohl spannender fand als die Geschichtswürfel.

schweinderl

Am Weg in der Nähe von Nijverdal befindet sich das Denkmal des Arbeitslagers Twilhaar, das 1941 gegründet wurde. Arbeitslose Fischer sollten dort Bäume pflanzen. 1942 wurde das Lager von den deutschen Besatzern übernommen und diente als Durchgangslager für jüdische Zwangsarbeiter, bevor sie nach Westerbork und von dort aus in die Vernichtungslager gebracht wurden.

twilhaar twilhaar2

Die beiden Fotos, das eine noch scharf, das andere nicht mehr, sollen eine Warnung vor dem Verblassen der Erinnerung sein.

Begegnungen

Auch diesmal hatte ich wieder jede Menge nette Begegnungen. Einmal fragte eine Frau mich auf der Hinfahrt, als ich meinen Reiseführer studierte, welche Etappe es heute werden würde, und es entspann sich ein angeregtes Gespräch über das Wandern im Allgemeinen und den Pieterpad im Besonderen.

Und einmal kam mir ein Schäfer mit zwei Hunden und einer großen Schafherde entgegen. Da kommst du nicht durch, wie auch die Rennradfahrer feststellen mussten. Ehrlich gesagt gönne ich es ihnen, denn gerade auf den letzten Abschnitten präsentierten sie sich als eine recht ungemütliche Spezies: Immer in Eile, kein Blick für die Umgebung und nicht besonders höflich.

schafherde schafherde2

Mein absolutes Highlight ist aber folgendes: Auf der Etappe zwischen Holten und Hellendoorn war es im Wald mal wieder soweit, ich hatte die Markierungen verloren. Eigentlich logisch, dass das mal wieder passieren musste, es war ja schon viel zu lange gut gegangen.

Ich schlurfte also erst mal einen endlosen Weg entlang und hatte nirgends einen Anhaltspunkt, wo ich nun eigentlich war. Aber irgendwann musste dieser Weg ja mal einen anderen Weg kreuzen, sooo groß ist das alles hier ja auch nicht. Und tatsächlich sah ich nach einer Weile in der Ferne einen Weg und Radfahrer. Also nichts wie hin, dort würde es sicher Schilder geben. An der Kreuzung war gegenüber auch wirklich ein Schild mit der Aufschrift „Eigen weg“, also Privatweg. Das half mir natürlich unheimlich weiter.

Dann kam ein etwa 15jähriges Mädchen auf dem Fahrrad an. Ich fragte sie, ob sie wüsste, wie der breite Weg heißt. Das konnte sie mir leider nicht beantworten, aber die nächste Auskunft, dass in der einen Richtung Holten lag und in der anderen Nijverdal, brachte mich schon weiter. In Holten war ich am Morgen aufgebrochen, also ging ich weiter in Richtung Nijverdal, was wenigstens ungefähr stimmte. Nachdem ich ein paar Minuten gegangen war, kam mir die Radfahrerin wieder entgegen: „Ich habe da vorne für Sie nachgeschaut, wie der Weg heißt. Es ist der Holterweg.“ Wunderbar, der stand auch auf meiner Karte, so dass ich wieder auf die Route finden würde. Ich hätte die Kleine knuddeln können!

Ein Stillleben

An meinem letzten Wandertag des letzen Jahres kam ich auch an der Ferienanlage „Hof van Salland“ vorbei, wo ein Schild mit der Aufschrift  „Broodje Pieterpad“ mich ins Restaurant lockte. Wie man unschwer an meinem liebevoll komponierten Stillleben erkennen kann, war es sehr lecker.

stillleben

Und jetzt juckt es mich in den Füßen, wieder weiter zu gehen. Mal sehen, ob ich mir in Bälde mal wieder einen Tag freischaufeln kann.

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Land in Sicht – Das Umzugsgedöns nähert sich dem Ende

Nachdem ich die letzten Wochen wegen Renovierung und Umzug etwas in Anspruch genommen war, komme ich jetzt mal wieder dazu, den Grenzwanderer mit neuen Informationen, Geschichten und Schwänken zu füttern. Wird auch Zeit, denn neben diversen Umzugsanekdoten liegen noch eine Pieterpad-Nachlese vom letzten Jahr, ein kurzes Synagogen-Update und die Fortsetzung des Sommer-Reiseberichts an.

Aber erst mal der Umzug: Als erstes musste zwischen Wohnzimmer und Anbau – meinem Unterrichtsraum – eine Trennwand eingezogen werden, in die meine Bücherregale eingepasst wurden. Dann wurden die Bücher teilweise aussortiert, eingepackt und ins neue Domizil verfrachtet. Es ist zwar noch keine Downton-Abbey-Bibliothek, aber es sieht gut aus:

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Zwischen den Jahren grasten wir Baumärkte, Einrichtungshäuser und Spezialgeschäfte ab, um eine Tür und Lampen für den Unterrichtsraum zu finden, da ich ihn nach den Weihnachtsferien in Betrieb nehmen wollte. Die Tür wurde bestellt, aber erst wurden nur die Gläser geliefert, da die Tür selbst noch nicht bei der Transportfirma angekommen war. Aber das war kein Problem, wir hatten auch so genug zu tun.

In der Zeit versuchte ich auch, einen Termin mit einem neuen Kunden zu machen. Er war nicht erreichbar und ich konnte nichts auf die Mailbox quasseln, aber er sah natürlich, dass ich angerufen hatte und rief zurück. Da ich gerade nicht da war, bekam er den Gatten an die Strippe, der von nichts wusste, und es entspann sich folgender Dialog, der schon fast Loriot-Format hatte: „Sie haben mich vorhin angerufen?“ – „Nein, aber vielleicht was das meine Frau?“ – „Keine Ahnung, kann sein.“ – „Haben Sie etwas mit Baumärkten, Transportunternehmen oder Türen zu tun?“ – „Äh – nein…“. Zum Glück konnten wir das Ganze bald klären, und wenn man mitten im Umzug steckt, sehen einem die Leute einiges nach.

Den Neujahrstag haben wir damit verbracht, ca. 30 Quadratmeter Schieferfußboden zu schrubben und zu polieren. Das Ergebnis kann sich sehen lassen, aber den Händen tut sowas unheimlich gut. Aber Niveau war letztes Jahr, jetzt reicht’s nur noch für Nivea. *g*

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Dann wurden die Lampen im Unterrichtsraum montiert und die Möbel an ihren Platz gestellt.

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Wie man sieht, haben auch meine Quilts ein neues Zuhause gefunden, was ja auch wichtig ist. Und die Kursteilnehmer sind begeistert – viel mehr Licht und Platz.

In der Zwischenzeit wurde auch die Tür eingesetzt, zwar noch ohne Glas, da eins der Paneele leicht beschädigt ist, aber immerhin. Inzwischen nennen wir den Raum auch „The Library“ und trinken gelegentlich Kaffee dort. „James, please serve our coffee in the library today.“ Klingt doch gut, bloß einen Butler bräuchten wir noch…

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Vor zwei Wochen wurden die Schlafzimmermöbel hierher verfrachtet, und es zeigte sich ein merkwürdiger Effekt: Als ich die Fußbodenleisten abgeschliffen und lackiert hatte, erschien mir der Raum riesig, aber als die Möbel erst mal darin standen, passte es gut, aber mehr auch nicht. Der Schlafzimmerumzug hatte zur Folge, dass wir jeden Abend mit einer Flasche Wein bewaffnet zum Fernsehen ins alte Haus pilgerten, da die Wohnzimmermöbel noch drüben standen. Die Nachbarn werden sich ihren Teil gedacht haben.

In unserem neuen Wohnzimmer hatten wir einen offenen Kamin, aber da wir von den Dingern nicht so überzeugt sind und im alten Haus einen tollen Ofen hatten, bestellten wir einen Einbauofen. Dazu musste die Kaminöffnung etwas erweitert werden, und wir beschlossen in weiser Voraussicht, das erst machen zu lassen, bevor wir die Wohnzimmermöbel platzieren.

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Gestern haben wir endlich das Wohnzimmer umgezogen und sind jetzt nicht mehr „between homes“. Endlich war es soweit:  Downton Abbey im neuen Haus! Der Mitbewohner ist auch froh, dass er jetzt seinen Stammplatz wieder hat.

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Natürlich ist noch nicht alles perfekt, wir müssen uns an die andere Küchenaufstellung gewöhnen, bei der Neukonfiguration des WLAN hat es uns irgendwas zerschossen, so dass der Drucker nicht mehr drahtlos funktioniert und jetzt wegen zu kurzer Schnur etwas dämlich auf dem Schreibtisch steht, diverser Kleinkram muss noch sortiert und eingeräumt werden, Vorhänge braucht’s noch etc.

Aber der Unterrichtsraum – The Library – ist es auf jeden Fall wert und der Rest kommt noch.

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