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Weitere 52 Bücher (16) – „Das Weihnachtswunder des Henry N. Brown“ von Anne Helene Bubenzer

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Wie bereits angekündigt hat unser Mitbewohner Struppie van Struppinga den Wunsch geäußert, einen Gastbeitrag schreiben zu dürfen. In den Weihnachtsferien hat er nämlich das Buch „Das Weihnachtswuder des Henry N. Brown“ von Anne Helene Bubenzer (München, 2013) gelesen, und er findet, dass es gut zum Montermotto Nummer 16 passt: Schräge Bücher, also Bücher mit schrägem Humor, wie ermittelnde Schafe, Geister etc.

Henry N. Brown

Bevor ich mit meinem Gastbeitrag anfange, möchte ich erst mal kurz was über mich schreiben. Mein Name ist Struppie van Struppinga, und ich sitze meistens gemütlich bei den Scrooges auf dem Sofa:

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Aber irgendwie muss man ja seine Tage verbringen, und bei dem nassen, kalten Wetter, das wir zur Zeit haben, will ich auf gar keinen Fall raus! Außerdem sollte man auch als Bär seine Bildung nicht vernachlässigen. Zum Glück gibt es im Scrooge-Haushalt jede Menge Bücher. Und zu Weihnachten kam eins dazu, das mir ganz besonders gut gefallen hat. Die Hauptperson ist nämlich auch ein Bär, ein gewisser Henry N. Brown, der schon neunzig Jahre auf dem Buckel hat! Über sein Leben hat er schon in einem anderen Buch berichtet, nämlich in „Die unglaubliche Geschichte des Henry N. Brown“. Und er hat auch eine Menge mitgemacht, oft den Besitzer gewechselt und viele Länder gesehen und war Trostbär für viele Leute.

Aber jetzt ist er schon seit einigen Jahren praktisch im Ruhestand und im Bücherregal der Schriftstellerin Flora Sommer, die ihm auch beim Verfassen seiner Autobiografie geholfen hat. Es ist kurz vor Weihnachten, und Flora liebt die Weihnachtszeit. Sie hat einen Adventskranz, bäckt Plätzchen und sucht Geschenke für ihre Lieben aus – wie die Scrooges es auch machen und wie es sich gehört. Jawohl.

Im Jahr dieser Geschichte ist Flora in einen gewissen Felix verliebt, und der hat ihr gesagt, dass er am Heiligen Abend zu ihr kommen wird und eine Überraschung für sie hat. Natürlich hat sich Flora schon am Nachmittag umgezogen und Häppchen hergerichtet, doch wer nicht kommt, ist Felix. Statt dessen klingelt ein ungebetener Gast nach dem anderen. Erst taucht Floras Vater auf, der eigentlich mit seinem Freund feiern wollte, aber der ist krank geworden. Dann rückt Floras Mutter mit ihrem neuen Partner, einem goldigen Italiener an, und alle befürchten das Schlimmste, da Floras Eltern sich nicht vertragen. Henry erinnert sich an einen Weihnachtsbrunch, bei dem ihre Eltern sich benommen hatten „wie ein aufgeblasener Gockel und eine bissige Weihnachtsgans. Ich saß mit gesträubtem Fell im Regal und litt.“ (S. 47) Da Flora sie erst mal nicht reinlässt, schlagen sie bei ihrem indischen Nachbarn auf, wo der goldige Italiener Luigi zu kochen beginnt.

Und dann steht auch noch Floras beste Freundin Mara vor der Tür, die gerade erfahren hat, dass ihr Mann fremdgeht. Der Trottel hat doch glatt die Weihnachtsgeschenke für seine Frau und seine Geliebt verwechselt und Mara das Buch „50 Shades of Grey“ geschenkt, mit der Widmung „Für Nathalie in Vorfreude“. Sowas ist wirklich peinlich, nicht wahr? Da es Mara verständlicherweise nicht so gut geht, darf Henry mal wieder als Trostbär arbeiten, was er wie immer sehr gut macht.

Und irgendwann taucht tatsächlich auch Felix mit seiner Mutter auf, und Henry erlebt eine riesige Überraschung. Die werde ich aber jetzt nicht verraten, denn sonst ist es ja keine Überraschung mehr!

Aber von einem Geschenk, das Henry bekommt, möchte ich doch noch erzählen. Irgendwie kommt die Rede der Gäste auf ihre ersten Stofftiere, und Luigi erzählt von seinen Bären Gianni – ein wichtiger Moment für Henry: „Luigis Geschichte war wie ein Geschenk, eine Erklärung, die er stellvertretend für Alice, Robert, Leo und Lili, Melanie und Isabelle, Laura und all die anderen Menschen abgab, die mich in ihrem Leben im Arm gehalten hatten. Sie gab mir Hoffnung, dass meine Existenz einen Unterschied machte, egal, wie bewegungslos und sprachlos ich war. Sie erinnerten sich.“ (S. 89) Schnüff, ich war ganz gerührt beim Lesen.

Ich finde dieses Buch sehr schön. Es sollte mehr Bücher geben, die von Bären geschrieben sind. Als Bär sieht man die Dinge doch meistens etwas anders und versteht nicht, warum die Menschen alles so unnötig kompliziert machen. Henry findet das auch: „Ich gebe zu, ich kenne mich mit den Feinheiten der Religionen nicht aus, aber dass man in Indien nicht Weihnachten feiert, wusste ja sogar ich. Schade eigentlich. Ja, ich weiß, es geht dabei um den Geburtstag Jesu, und  die Hindus und Mohammedaner und Juden und Atheisten haben damit nichts am Hut – aber Friede, Besinnlichkeit, Liebe und Mitmenschlichkeit – dass sind doch Attribute, die für alle gelten, egal an welchen Gott sie glauben. Ich bin seit jeher Befürworter eines globalen Festes der Menschlichkeit, an dem alle auf der Welt gemeinsam feiern. Ehrlich, man kann sich fragen, warum außer mir noch niemand auf diese Idee gekommen ist…“ (S. 34/35).

Wo er Recht hat, hat er Recht.

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Weitere 52 Bücher (14) – „Memoiren eines mittelmäßigen Schülers“ von Alexander Spoerl

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Und wieder gibt es ein interessantes Monstermotto: „Ein Buch, bei dem du (zumindest teilweise) dachtest, der Autor hätte dich oder dein Leben als Vorbild genommen! (und warum! 😛 )

Dieses Motto hat mich erst ganz schön ins Grübeln gebracht, denn mein Leben ist nicht besonders aufregend. Ich wurschtle halt einfach so vor mich hin und fahre gelegentlich in Urlaub. Welcher Autor sollte sich sowas als Vorbild nehmen?

Aber dann fiel mir ein, dass es ein Buch gibt, bei dem ich an diversen Stellen dachte: „Genau! That’s me!“ Nämlich Alexander Spoerls „Memoiren eines mittelmäßigen Schülers“. Dabei gibt es allerdings ein Problem: Ich habe das Buch vor vielen Jahren, nämlich gegen Ende meiner Schulzeit von jemandem geliehen, gelesen und natürlich brav wieder zurückgegeben. Also ist mir lang nicht mehr alles präsent, so dass ich bei der Inhaltsangabe auf Tante Wiki verweisen muss. Man möge mir das bitte nachsehen.

Anders als der Protagonist Jakob van Tast, der zwischen den beiden Weltkriegen aufwuchs und die Machtergreifung durch die Nationalsozialisten mit allen fatalen Folgen miterlebte, hatte ich jedoch das Glück, in einer friedlicheren Zeit und in Freiheit aufwachsen zu dürfen, was man gar nicht genug würdigen kann.

Die Übereinstimmung ist aber der „mittelmäßige Schüler“. An ein paar Textstellen, in denen ich mich wieder erkannte, erinnere ich mich noch gut. So sagt Jakob über seinen schulischen Einsatz sinngemäß, dass er versuchte, mit geringstmöglicher Anstrengung das bestmögliche Ergebnis zu erzielen. In der Physik nenne man das den „Optimalen Wirkungsgrad“ und in der Schule „Genügend“. So ungefähr sah es bei mir auch aus, und mir wurde auch gelegentlich mitgeteilt: „Dumm bist du ja nicht, aber du  hast so gar keinen Ehrgeiz.“

So isses, ich bewege mich gemütlich im Mittelfeld und habe mich dort inzwischen eingerichtet, wie Jakob van Tast es auch getan hat (jedenfalls soweit ich mich erinnere). Es können ja nicht alle Überflieger sein. Mittelmaß rulez!

In England war Jakob übrigens auch, eine weitere Parallele.

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Weitere 52 Bücher (11) – „Notes from a Small Isand“ von Bill Bryson

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Die Zeit rast dahin, und schon sind wir wieder bei Woche 11 (oder eigentlich 12) des Monsterprojekts. Ein paar unbearbeitete Themen liegen noch dazwischen, und ob ich das mit dem Nachholen schaffe, weiß ich noch nicht, aber … I’ll do my very best.

Das Motto dieser Woche ist jedenfalls nicht allzu kompliziert: Das Buch hätte ich gerne geschrieben. Die einzige Schwierigkeit ist vielleicht die riesige Auswahl, denn geschrieben hätte ich manches gern, z. B. (wie die Weltherrscherin auch) die Zamonien-Romane von Walter Moers. Aber man muss ja eine Auswahl treffen, und man muss hier wahrscheinlich nicht allzu aufmerksam mitlesen, um festzustellen, dass ich – gelinde gesagt – eine Schwäche für die britischen Inseln habe. Also wurde es eines meiner absoluten Lieblingsbücher, nämlich Bill Brysons „Notes from a Small Island“ (London, 1995). Der deutsche Titel lautet übrigens „Reif für die Insel, England für Anfänger und Fortgeschrittene“.

notesfromasmallisland

Als Bill Bryson etwa zwanzig Jahre in Großbritannien gelebt hatte, fand er, dass es Zeit wurde, seiner Frau und seinen Kindern auch mal seine alte Heimat, die Vereinigten Staaten, zu zeigen. Doch bevor er den Umzug angeht, möchte er noch einmal eine Art Abschiedsrunde durch England machen und dabei Orte, die er kennt und solche, die noch auf seiner Wunschliste stehen, besuchen, und zwar zu Fuß und mit öffentlichen Verkehrsmitteln. Schließlich sind diese gar nicht mal so schlecht, und außerdem gibt es sowieso viel zu viele Autos, was für die Umwelt ja auch nicht gut ist usw. „They are horrible and awful and I wanted nothing to do with them on this trip. And besides, my wife wouldn’t let me have the car.“ (Seite 66)

Und so beginnt er seine Reise in Calais, wo er 1973 zum erstem Mal mit der Fähre nach Dover gefahren war, läßt sich dort in einem Andenkenladen eine grauenvoll kitschige mit Muscheln und Lämpchen verzierte Marienfigur andrehen und verläuft sich auf dem Weg zum Terminal. So etwas lese ich einfach gerne, denn es ist doch ein schönes Gefühl, zu wissen, dass man nicht der einzige ist, dem solche Sachen passieren.

Seine Reise führt ihn auf ziemlich unlogischen Wegen, was seiner Spontaneität und den Grillen der öffentlichen Verkehrsmittel geschuldet ist, durch England, Wales und Schottland. Dabei hat er ein gutes Auge für Land und Leute und findet immer die richtige Mischung aus eigenen Erlebnissen und Hintergrundinformationen. Auch fließen immer wieder Erinnerungen an frühere Reisen mit ein.

Zum Autofahren hat er (wie ich übrigens auch) wirklich nicht das beste Verhältnis. Dies zeigt sich, als er seinen Prinzipien untreu wird und für ein paar Tage ein solches mietet, m die Cotswolds zu besuchen: „Some people are made for cars and some aren’t. It’s as simple as that. […] This car had its usual array of switches and toggles, each illustrated with a symbol designed to confound. Really now, what is one to make of a switch labelled |Ø|? How can anyone be expected to work out that a rectangle that looks like a television set with poor reception indicates the rear window heater? In the middle of this dashboard were two circular dials of equal size. One clearly indicated speed, but the other totally mystified me. It had two pointers on it, one which advanced very slowly and the other of which didn’t appear to move at all. I looked at it for ages before it finally dawned on me – this is true – that it was a clock.“ (Seite 163/164) Dieses Gefühl kenne ich und würde es wohl auch so beschreiben, wäre er mir nicht zuvorgekommen.

Er besucht malerische und touristische Orte wie Lincoln mit seiner Kathedrale, Oxford und Edinburgh, aber auch „New Towns“ wie Milton Keynes, wo man versucht hat, für alle Arten von Verkehrsteilnhemern (Autofahrer, Radfahrer, Fußgänger) eigene Wege anzulegen. Dies beschert ihm eine längere einsame Wanderung, bei der er sich natürlich verläuft und keinen anderen Fußgänger findet, den er fragen kann.

Bei einer Wanderung  im Lake District, bei der immer wieder hinter seinen Freunden zurückfiel, die dann gemütlich auf ihn warteten, um sofort wieder los zu marschieren, sobald er aufgeholt hatte, steht auch dieser wunderschöne Satz, den ich bei Radurlauben gerne bemühe, wenn es der Gatte mal wieder eilig hat: „John and his chums toyed with my will to live in the cruellest possible way: […]“. (Seite 282)

Am Ende kommt er zu der Schlussfolgerung, dass er Großbritannien mag: „I like it here. I like it here more than I can tell you. And then I turned from the gate and got in the car and knew without doubt that I would be back.“ (Seite 352) Inzwischen ist er wieder nach England zurückgekeht und wohnt in einem alten Pfarrhaus in Norfolk.

Gut, dieses Buch habe ich nicht geschrieben, aber einer meiner treuen Leser hat mir einmal „bryson-artigen Humor“ bescheinigt, und darauf bin ich schon ein bisschen stolz.

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Weitere 52 Bücher (4) – „Die Farbe Blau“ von Jörg Kastner

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Urlaubsbedingt hatte ich ein paar Mottos verpasst, aber beim Nachlesen habe ich eins entdeckt, zu dem ich noch etwas habe,  „was mit Kunst„. Den Post habe ich zwar schon vor einiger Zeit verfasst, aber ich erlaube mir, ihn nach oben zu zerren, da er sonst doch nur unverdienterweise in der Versenkung bleibt. *flöt*

farbeblau

Kann eine Farbe einen Menschen so weit in den Wahnsinn treiben, dass er jemanden umbringt? Diese Frage stellt sich Gefängniswärter Cornelis Suythof, nachdem im Amsterdamer Männergefängnis „Rasphuis“ der angesehene Färbermeister Melchers eingeliefert wird, der seine Frau und seine Kinder auf brutale Weise ermordet hat. Zum Tathergang befragt, schweigt er und begeht kurz darauf Selbstmord. Suythofs Freund und Kollege Ossel Jeuken hatte ihm vorher auf seinen Wunsch ein Gemälde in die Zelle geschmuggelt, das ihn im Kreise seiner Familie zeigt. Der Einsatz von Licht und Schatten lässt darauf schließen, dass das Bild von Rembrandt van Rijn ist, aber die Hauptfarbe ist ein intensives Blau, und Rembrandt verwendet kein Blau.

Bevor die Gefängnisleitung das Bild entdeckt, lässt Ossel es verschwinden und nimmt es mit nach Hause. Am nächsten Tag wird er ins Gefängnis eingeliefert, nachdem seine Freundin auf bestialische Weise umgebracht worden war. Das Einzige, was Suythof aus ihm herausbringt, ist das Wort „Blau“. Als das „Todesbild“ aus Ossels Wohnung verschwindet, beschließt Suythof, die Unschuld seines Freundes zu beweisen und geht bei Rembrandt in die Lehre. Dort entwickeln sich zwischen ihm und Rembrandts Tochter Cornelia zarte Bande.

Von dem reichen Kunsthändler Van der Meulen erhält er den Auftrag, von einigen jungen Damen Aktgemälde anzufertigen. Zu seinem Entsetzen findet er seine Gemälde in einem Bordell wieder, und kurz darauf entdeckt er, dass es sich bei einem seiner Modelle um die Kaufmannstochter Louisa van Riebeeck handelt. Als er Van der Meulen mit seinem Wissen konfrontiert, teilt dieser ihm mit, dass er der Familie inzwischen ein blaues Gemälde zukommen ließ. Und tatsächlich passiert ein weiterer Mord, für den Suythof ins Gefängnis kommt. Gerade noch rechtzeitig gelingt es Gerichtsinspektor Jeremias Katoen, seine Unschuld zu beweisen und ihn frei zu lassen.

Doch inzwischen ist Rembrandt spurlos verschwunden. Suythof macht sich auf die Suche und gerät in einen Strudel von Gewalt, Verschwörungen, und den Kampf fanatischer Katholiken gegen die herrschenden Calvinisten. Dabei gerät nicht nur er selbst, sondern auch Cornelia in Lebensgefahr.

„Die Farbe Blau“ ist ein historischer Krimi mit einem guten Schuss Fantasy. Die Handlung ist spannend und man bekommt einen ganz guten Eindruck von Amsterdam zur Zeit Rembrandts. Andererseits passiert so unglaublich viel, dass ich beim Lesen immer wieder den Überblick verloren habe. Die Stadt Amsterdam und die handelnden Personen werden zwar beschrieben, bleiben aber blass und wirken nicht richtig lebendig. Auch die Anhäufung von Verbrechen, Komplotten und Gewalt trug meiner Meinung nach nicht gerade zur atmosphärischen Dichte bei. Hier wäre weniger mehr gewesen. Bei der „Engelstrilogie“, die ich vor ein paar Jahren gelesen habe, hat Kastner die Balance zwischen Spannung und Atmosphäre besser hingekriegt.

Jörg Kastner wurde 1964 in Minden an der Weser geboren. Er ist Volljurist mit Befähigung zum Richteramt, machte aber aus seinem Hobby, dem Schreiben, seinen Beruf. Er schreibt historische Romane, Fantasy und Thriller, wobei sich die Genres häufig vermischen. Zu seinen Werken gehören die Vatikan-Thriller “Engelspapst”, “Engelsfluch” und “Engelsfürst”. Mehr über ihn findet sich auf seiner Homepage.

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Weitere 52 Bücher (7) – „Don Fernando erbt Amerika“ von Ewald Arenz

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So, jetzt muss ich doch auch mal wieder was Neues von der Bücherfront berichten, und zwar zum Motto der 7. Woche: „Was mit Physik (Solarzellen, Akkus, Glühbirnen oder ähnl.) …„. Na toll, Physik, und das mir! Seinerzeit in der Kollegstufe sagte mein Physiklehrer zu mir: „Bei Ihnen ist die ganze Physik verschwendet“, um dann bei der Abiturprüfung des Deutsch-Leistungskurses, wo er Aufsicht hatte, festzustellen:  „Hier sind also die ganzen Physiknieten versammelt.“ Man kann nichts beschönigen, wo er recht hat, hat er recht.

Deshalb zweifelte ich erst einmal, ob ich „irgendwas mit Physik“ überhaupt in meinem Bücherschrank habe, und tatsächlich wurde ich fündig.

donfernando

Der phantastische Roman „Don Fernando erbt Amerika“ von Ewald Arenz (Nürnberg, 1996) ist eine wunderbar skurrile und brüllkomische Geschichte, und eine der Hauptfiguren ist der Physiker Christoph, der ein Büro für Problemlösungen aller Art betreibt und tatsächlich mit einem riesigen Problem konfrontiert wird: Er soll dem Außerirdischen Gilead helfen, nach Hause zurück zu kehren.

Besagter Gilead war von seinem Heimatplaneten Siron, der aufgrund extremer Umweltverschmutzung so verstrahlt ist, dass die Bewohner quasi unsterblich geworden sind, verbannt und dann vergessen worden. Wegen eines Fehlers seines unfähigen Piloten landete sein Raumschiff nicht wie geplant in Mexiko, sondern stürzte irgendwo in Schwaben ab. Und dies blieb nicht ohne Folgen: Verschiedene historische Figuren, die auch nur ansatzweise in der Nähe waren oder später in die Nähe dieses Flugobjekts gerieten, wurden ebenfalls „langlebig“. Zu diesen gehören der Wikinger Erik der Rote und sein Bruder Leif der Barde, Fernando Colon, Sohn von Christoph Kolumbus mit seinen Weggefährten sowie eine Truppe Azteken.

Don Fernando ist mal wieder pleite und möchte von den Vereinigten Staaten von Amerika sein Erbe einklagen, nämlich ein Zehntel aller Waren, die die von Kolumbus neuentdeckten Länder der spanischen Krone einbringen sollten. Dazu benötigt er das Originaldokument des spanischen Königs, das sich jedoch im Nürnberger Stadtarchiv befindet, woran Gilead nicht ganz unschuldig ist. Da die Archivare es nicht herausrücken wollen, entführt Don Fernando den Nürnberger Bürgermeister.

Bei der Jagd nach dem Dokument helfen ihm nicht nur  die Journalistin Kathrin (Christophs Exfreundin), sondern auch diverse Wikinger und Azteken, während Christoph und sein Freund, der Rockmusiker Bébé außerdem Gileads Problem zu lösen versuchen. Dabei entstehen die merkwürdigsten Zusammentreffen, herrlich absurde Szenen und brüllkomische Dialoge, gespickt mit diversen Asterix-Zitaten. Wenn man also bereit ist, die ganzen nicht sehr wahrscheinlichen Voraussetzungen einfach zu akzeptieren, hat man eine ganze Menge zu lachen:

Bébé und Christoph saßen im Café Querschnitt und hielten sich an ihren Kaffeetassen fest. Christoph hatte sich, um seinem, Kater zu zeigen, wer der Boß ist, ein Frühstück bestellt. Das stand jetzt vor ihm und schmollte.
„Du willst dein Frühstück nicht essen, oder?“ fragte Bébé, der angestrengt versuchte, nicht auf den Tisch zu sehen, und sagte, als Christoph nicht antwortete: „Dann stell es bitte irgendwohin, wo ich es nicht sehen kann, ja?“
„Ich muss mich erst mit ihm anfreunden. Ich kann das nicht so plötzlich wie du, einfach über das Essen herfallen, wenn es auf den Tisch gebracht wird.“
„Ich werde nie wieder über Essen herfallen“, murmelte Bébé düster, „ich bin wahrscheinlich tot.“ (Seite 32)

Für kurze Zeit waren Ewald Arenz und ich sogar Kollegen, nämlich während unseres Referendariats in Nürnberg, und so ziert die erste Seite meines Exemplars folgende Widmung: „Für Petra in kollegialem Streben nach höheren (!) Zielen. Ewald Arenz“

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Weitere 52 Bücher (1+2) – „Man muss das Kind im Dorf lassen“ von Monika Gruber

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Letzte Woche ging das Monsterprojekt „52 Bücher“ in die dritte Runde. Auch wenn ich in der letzten Runde dramatisch wenig Bücher besprochen habe (ganze elf habe ich geschafft!), möchte ich doch auf jeden Fall wieder mitmischen. Denn gelesen habe ich in der Zeit ja trotzdem, und es gibt einiges, was sich vorzustellen lohnt. Um das Ganze aber etwas önkonomisch anzugehen (ich habe ja schließlich auch meinen Haushalt), habe ich beschlossen, das erste Buch gleich für die ersten ZWEI Themen zu verbraten. *g*

Das erste Thema ist ja, wie immer bie diesem Projekt, ein gemütlicher Einstieg, nämlich: Was liest du zurzeit? Und das zweite Motto Fußball-WM vorbei und nun? passt eigentlich auch irgendwie, denn ehrlich gesagt bin ich froh, dass das Gedöns vorbei ist und das Leben wieder gemütlich vor sich hinplätschert – ohne orangefarben dekorierte Straßen, lange Abende, Autokorsos und dergleichen.  Auch während der WM habe ich Bücher gelesen, und das tue ich jetzt immer noch.

monikagruber

Zurzeit lese ich die Autobiografie der Kabarettistin Monika Gruber „Man muss das Kind im Dorf lassen – Meine furchtbar schöne Jugend auf dem Land“ (München, 2014). Den Lesern aus meiner alten Heimat dürfte  sie sowieso ein Begriff sein, andere kennen sie vielleicht aus der bayerischen Vorabend-Krimiserie „Hubert und Staller“, wo sie die Lokalreporterin Barbara Hansen spielt.

Ich zitiere mal den Klappentext: „Was macht eine, die aus einem Ort namens Tittenkofen stammt, aber nicht so ausschaut? Die auf dem  Bauernhof aufwächst, aber eigentlich auf die Bühne will? Klar, sie nimmt es mit Humor und wird Komikerin.“

Eigentlich wollte sie die Menschheit nie mit einem Buch belästigen, aber anlässlich des 75jährigen Jubiläums ihres (und auch meines!) Gymnasiums wurde sie gebeten, einen Artikel für die Festschrift zu verfassen, was anscheinend die Schleusen des Schreibprozesses öffnete. Heraus kam ein flott lesbares Buch über ihre Kinder- und Jugendzeit im tiefsten Oberbayern. Dieses Thema wird ja in ihren Kabarettprogrammen mit schöner Regelmäßigkeit verbraten, wobei dort aufgrund des Klischees „Kind vom Land hat es schwer“ manchmal der Eindruck entstehen mag, dass es keine allzu schöne Zeit war. Beim Lesen zeichnet sich jedoch das Bild einer normalen, recht liebevollen Kindheit bei bodenständigen Eltern, die auf ihre Art oberbayerische Originale sind.

Anders als andere (Auto-)Biografien ist das Buch nicht chronologisch, sondern thematisch aufgebaut und behandelt Aspekte wie Heimat, Eltern und weitere Verwandtschaft (wobei dem Vater ein eigenes Kapitel gewidmet ist), Schule, den Kirchgang, Bauernhochzeiten, ihren Job als Kellnerin, die unvermeidlichen Preißn und was halt auf dem Dorf noch wichtig ist.

Sehr interessant finde ich ihre Beobachtung zu den feinen sprachlichen Unterschieden zwischen Land- und Stadtjugend:

Unser Dorf liegt zwar nur circa sechs Kilometer von der Kreisstadt entfernt, diese Entfernung reicht aber schon aus, um die Stadtkinder anders aussehen zu lassen. Und sie sahen nicht nur anders aus (kein Haferlhaarschnitt, Urlaubsbräune), sie redeten auch ganz anders: Einige sprachen zwar Dialekt, aber es war anders als unser dörfliches kerniges Bayerisch, es war dieses gepflegte Vorstadtbayerisch, dass ich heute sehr gern als Dallmayr-Bayerisch bezeichne.  (S. 37)

Zu diesen Stadtkindern gehörte auch meine Wenigkeit, auch wenn wir uns nie persönlich kennengelernt haben, da Monika Gruber zwei Jahrgänge unter mir war. Doch viele ihrer Erinnerungen decken sich mit meinen. Und wenn sie ihren Geschichtslehrer Herrn Zölch oder den Erdkundelehrer Herrn Hilburger beschreibt, sehe ich die Herren sofort wieder vor meinem geistigen Auge und habe den Duft von Herrn Hilburgers Aftershave in der Nase. Allerdings hatte ich die beiden in Biologie beziehungsweise in Deutsch und Geschichte. Meine Herrn, des warn Zeitn!

Auch die Frage, die ich mir schon seit langem stellte, warum ich sie nie bei Aufführungen der Theatergruppe des Gymnasiums gesehen hatte, wird beantwortet. Wegen ihres „Carolin-Reiber-Rs“ traute sie sich nicht, dort vorzusprechen, da die anderen alle Hochdeutsch konnten. Schreiben tut sie sehr wohl auf Hochdeutsch mit gepflegtem oberbayerischen Einschlag. Das Buch ist also auch für Nichtbayern sehr gut lesbar.

Erst vorletzte Woche habe ich mit meiner Feundin S., mit der ich mich Seite an Seite durch 13 Jahre Schule gekämpft habe, in Erinnerungen geschwelgt. Monika Grubers Erinnerungen scheinen allerdings etwas akkurater zu sein als meine. Dies liegt wahrscheinlich daran, dass sie knapp drei Jahre jünger ist als ich, und da ist das Gedächtnis halt noch besser.  Ein weiterer Grund ist aber sicher auch, dass sie in der Gegend geblieben ist und zwischen ihr und ihren Erinnrungen keine 17 Jahre und 800 Kilometer liegen. Und so erfüllt mich die Lektüre mit leiser Wehmut.

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Nochmal 52 Bücher (44) – Zefix! Der Bayrische Fluch- und Schimpfkalender 2013

Nochmal 52 Bücher

Grundgütiger, habe ich das Buchprojekt lange vernachlässtigt! Das letzte von mir bearbeitete Thema war Nummer 16, und inzwischen sind wir schon bei 47. Das meiste werde ich wohl nicht mehr nachholen können, aber pünktlich zum Jahreswechsel möchte ich doch wenigstens noch Woche 44 besprechen: Auch Kalender können lesenswert sein.

Dieses Motto habe ich am Anfang des Jahres sogar selbst vorgeschlagen, und das nicht ohne Grund. Ich hatte nämlich von zwei guten Freundinnen zwei sehr schöne Kalender geshenkt bekommen. Einer davon war der „England-Sehnsuchtskalender“, der mit dazu beigetragen hat, dass wir mal wieder eine wunderschöne, spannende, aber auch entspannende Englad-Radtour gemacht haben. Und der andere war „Zefix! Der Bayrische Fluch- und Schimpfkalender 2013“.

Zefix-Schimpfkalender

Diesen hatte meine Freundin aus der alten Heimat mir überreicht, damit ich in den Niederlanden meine bayrischen Wurzeln nicht ganz vergesse und immer genu Material zur Verfügung habe, meine Kursteilnehmer zusammenzustauchen, wenn es nötig ist. Von eben dieser Freundin stammte übrigens die herrliche Feststellung „Der redt do normal, so wia i hoid!“.

Und so belgeiteten mich Ausdrücke wie „Gschwerl“, „windigs Biaschal“ und „Dridschla“ durch das Jahr. Woche für Woche wurden sie ausfürlich erklärt, wie folgendes Beispiel der 28. Kalenderwoche zeigt:

Menschen mit einem Hang zur Verwahrlosing kann man durchaus als Gschwerl bezeichnen. Das ist jedoch keineswegs gleichbedeutend mit mit asozialem Pack. Gschwerl kann sich außerhalb der Gesellschaft aufhalten, muss aber nicht. Oft sind damit auch nur gschlamperte Andersdenker gemeint. So nennt schon mal ein CSU-Politiker politisch desorientierte Parteigänger linkes Gschwerl oder der Lehrer die unruhige letzte Reihe seiner Klasse dreckfaules Gschwerl. Oder der Mountanibiker am Gardasee die Neopren-Elite Surfer-Gschwerl. Gschwerl gibt es nicht nur einzeln, es tritt, wie das Gsindl, immer z’mehran auf (nicht in Meran, sondern zu mehreren). Ein Gschwerl-Solist ist oft ein Grattler.

Ordnungsruf im bayrischen Landtag: „A Ruah is da hintn, greans Gschwerl!“

Wie man sieht, ist dieser Kalender auch für Zuagroaste und Saupreißn (Kalenderwoche 32) bestens verständlich und leistet so einen wichtigen Beitrag zur Bildung und Erbauung.

Viele Einträge weckten auch Erinnerungen, z. B. an die legendäre Else Kling aus der „Limdenstraße“ mit ihrem „Zigarettnbiaschal“ oder ein Familienmitglied, das, wenn man etwas von ihm wollte, entrüstet zu antworten pflegte:  „I bin do ned da Himbeerdoni!“. Bei „Schmarrnbruda“ erschien das Gesicht des Jungen von schräg gegenüber vor meinem geistigen Auge, mit dem ich mich zu Kindergartenzeiten sehr gut verstanden hatte, und der von meinen Eltern wegen seiner Vorliebe für Blödsinn aller Art so betitelt wurde.

Und das Wort „Schmarrn“ benutze ich ja selbst zur Freude meiner Kursteilnehmer, Chorgenossen und Freunde hier im Grenzland immer noch mit schöner Regelmäßigkeit. 🙂

In diesem Sinne: An guadn Rutsch und a scheens gsunds neis Joahr!

 

 

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Nochmal 52 Bücher (16) – „Ich bin dann mal weg“ von Hape Kerkeling

Nochmal 52 Bücher

Mann, mann, mann, mit dem Bücherprojekt hinke ich mal wieder ganz schön hinterher, und besser wird es in der nächsten Zeit sicher nicht, da mein wohlverdienter Urlaub vor der Tür steht. Aber ein Buch möchte ich noch vorstellen, und zwar zum Thema: „Welchem Autor wolltest Du schon mal was nettes sagen? ;-) Oder was würdest Du gerne mal fragen….

ichbindannmalweg

Und das Buch, um das es geht, ist Hape Kerkelings wunderbarer Reisebericht „Ich bin dann man weg – Meine Reise au dem Jakobsweg“ (München, 2009).

Im Jahr 2001 erlitt Hape einen Hörsturz, und außerdem wurde ihm die Gallenblase herausgeommen, Zeit also, die Notbremse zu ziehen. Und so beschloss er, in seiner Auszeit nach Santiago de Compostela zu pilgern. Auf dieser Reise schreibt er ein Tagebuch, das er einige Jahre später veröffentlicht. Das Buch ist einfach herrlich, weil Hape sehr ehrlich und mit gewohntem Humor über seine Erlebnisse schreibt. Und für einen bekennenden „Couch Potoato“ wie ihn ist so eine Pilgerfahrt unter oft sengende Sonne durch rauhe und unwegsame Landschaften nicht gerade einfach. Gelegentlich fährt er auch ein Stück mit Bus oder Bahn, was ihm diverse Hardcore-Pilger wohl übelnehmen dürften, aber die letzten 100 km läuft er, wie es sich gehört.

Aufmerksam beobachtet er auch die Menschen, die ihm begegnen, und es sind schon einige sehr schräge Vögel darunter, wie zum Beispiel das Paar Schnabbel und Bock, die sich unterwegs ständig streiten, oder die Österreicherin, die auch in dem kleinsten Nest immer auf der Suche nach einem „G’schäfterl“ ist. Anfangs läuft er noch allein, doch das letzte Drittel (ungefähr) geht er mit Anne aus England und der Neuseeländerin Sheelagh, mit denen ihn wohl heute noch eine gute Freundschaft verbindet.

Wie ich schon erwähnte, ist er herzerfrischend ehrlich, auch oder gerade wenn es mal nicht so super läuft. Als er eines Morgens ohne Frühstück aufbrechen muss, da die Bar erst um acht Uhr öffnet, ist er furchtbar schlecht gelaunt und will alles hinschmeißen: „Hätte große Lust, einen von diese Muschelwegweisern, die hier überall am Weg stehenm zu zertrümmern. […] Herrje, ich kann meine schlechte Laune kaum bändigen. Ich habe die Schnauze voll von dieser doofen Pilgerei und will sofort mein Frühstück!“ (Seite 159/160) Als ich meinem Mann de Stelle vorlas, meinte er: „Klar, genauso führst du dich auch auf, wenn du nichts zu Essen kriegst.“ Verschämt muss ich zugeben, dass er recht hat.

Und was möchte ich ihm sagen? Wenn ich die Gelegenheit hätte, würde ich ihm sicher mitteilen, dass ich einen Riesenrespekt vor seiner Leistung habe, und dass ich das Buch schon mehrmals gelesen habe und doch immer wieder etwas Neues entdecke.

Und eine Frage habe ich natürlich  auch: An einem der ersten Tage geriet er in einen kräftigen Regenguss, der ihn und seinen Rucksack komplett durchweichte. Eine Woche später übernachtet er in einer Pilgerherberge (was ihm gar nicht gefällt!) und will seinen Schlafsck auspacken: „[…] als ich ihn aus meinem Rucksack ziehe, strömt mir ein nassfauliger Geruch entgegen. Der Schlafsack ist klitschnass! Mist, ich hatte in Roncesvalles vergessen, das Ding an der Luft trocknen zu lassen. Schnell lasse ich ihn wieder verschwinden.“

Wie um alles in der Welt hat er es geschafft, das nasse Teil eine Woche lang mitzuschleppen, ohne es zu merken? Und wie hat er es dann entsorgt? Haltet mich für bekloppt, aber ein Schlafsack ist für mich ein essentieller Teil der Grundausstattung, und solche losen Enden lassen mir keinen Ruhe. Vielleicht habe ich ja irgendwann mal die Gelegenheit, diese Fragen zu stellen.

Und jetzt bin ich auch erst mal weg…

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Nochmal 52 Bücher (11) – „Wintersonnenwende“ von Susan Cooper

Nochmal 52 Bücher

Erhebt die Finsternis sich wieder, wehren sechs sie ab;
Drei aus dem Kreis und Drei von dem Pfad.
Holz, Bronze, Eisen; Wasser, Feuer, Stein;
Fünf kehren wieder und Einer geht allein.“

Diese Woche gibt es ein Thema in verschiedenen Variationen: „Liebstes Kinderbuch“, „Ein Buch das man als Kind geliebt hat“ und „Welche/r Autor/in hat Dich in Deiner Kindheit am meisten beeindruckt, sprich: Welche Bücher hast Du damals unter der Bettdecke verschlungen?“

Schon als Kind war ich ein Stubenhocker und eine Leseratte, und Lieblingsbücher hatte ich unheimlich viele – eigentlich fast alles, was man lesen konnte. Also welches Buch? Aus irgendwelchen Gründen rüttelte die Formulierung von Dark Johann „Welche Bücher hast du damals unter der Bettdecke verschlungen“ eine ganz bestimmte Erinnerung wach:

wintersonnenwende

Der Originaltitel lautet „The Dark Is Rising“ (1973),  aber im zarten Alter von zehn Jahren konnte ich ja noch kein Englisch. 😉

Will Stanton, siebter Sohn eines siebten Sohnes, lebt friedlich mit seiner Familie in einem Dorf in England. Doch an seinem elften Geburtstag bekommt er einen eisernen Kreis mit einem Kreuz geschenkt, und ab diesem Moment ist nichts mehr, wie es war. Er lernt den geheimnisvollen Merriman Lyon kennen und erfährt, dass er zu den Uralten gehört, die auf der Seite des Lichts gegen die Finsternis kämpfen und sich frei durch Raum und Zeit bewegen können. Wills Aufgabe ist es, die sechs Zeichen des Lichts, die vor langer Zeit verloren gegangen waren, wieder zu finden.

Mit Hilfe von Merriman und der Alten Dame lernt Will, seine besonderen Kräfte zu kontrollieren, wobei er natürlich auch die notwendigen Fehler macht. Doch es sind die zwölf Tage zwischen Weihnachten und Dreikönig, und die Kräfte der Finsternis werden stärker. In der längsten Nacht des Jahres während eines fürchtbaren Schneesturms holt der schwarze Reiter zum entscheidenden Schlag aus…

Auch für die eifrige Leserin waren die Tage zu kurz, und so musste ich notgedungen mit der Taschenlampe unter der Decke Will auf seiner Suche begleiten und mit ihm mitfiebern. Damals wurde wohl meine Begeisterung für die Mythen, Sagen und Legenden der britischen Inseln geweckt: König Artus, Merlin, Herne der Jäger…

Es ist natürlich ein klassisches Thema – der Kampf des Lichts gegen die Finsternis oder Gut gegen Böse. Zum Uralten war man vorbestimmt, doch der Finsternis konnte jeder sich anschließen. Darüber habe ich lange intensiv nachgedacht, und ich fand es irgendwie schade, dass ich wohl kein Uralter werden konnte.

Viel später entdeckte ich, dass „Wintersonnenwende“ der zweite Band eines fünfteiligen Zyklus ist. Natürlich habe ich auch die anderen Bände gelesen, doch diese gewaltige Sogwirkung (ich kann es nicht anders beschreiben) hatten sie leider nicht. Vielleicht liegt es daran, dass dieser Band im Gegensatz zu den anderen mitten im Winter spielt, wo sowieso alles viel geheimnisvoller ist: Die Vorbereitungen auf Weihnachten und die damit verbundene Vorfreude, wie man sie selber auch kennt. Und plötzlich muss Will als Uralter eine Art Doppelleben führen, um seine Aufgabe zu vollbringen. So ist er zum Beispiel mit seinen Geschwistern beim Weihnachtsliedersingen im nahegelegenen Gutshaus, als plötzlich alle um ihn herum erstarren, nur er singt weiter. Er macht sich schon Sorgen, wie er denn als Elfjähriger die Baritonpartie des Königs Wenzeslas singen soll, als Merriman neben ihm steht und den Part übernimmt. Sie sind in einer anderen Zeit, wo Will eines der Zeichen finden muss.

Wenn ich dazu komme, werde ich dieses Buch nochmal lesen, diesmal allerdings im Original. Mal sehen, ob der Zauber immer noch wirkt. Ich werde es euch auf jeden Fall wissen lassen.

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Nochmal 52 Bücher (9) – „Slow Coast Home“ von Josie Dew

Nochmal 52 Bücher

Nachdem ich – mal wieder wegen Vielzutun, Weniglust und Dauermüdigkeit – zwei Wochen ausgelassen habe, geht es jetzt weiter mit Woche 9. Das Thema ist etwas außergewöhnlich, und es haben sich wohl schon einige die Zähne dran ausgebissen: Regenbogen.

Tja, ein Buch mit einem Regenbogen im Titel fällt mir gerade nicht ein, und auch keins, das irgendwie um einen Regenbogen geht. Vielleicht sollte ich meine Bücher im Regal mal nach Farben sortieren und so einen schönen Regenbogen basteln. Aber da ich im Moment keine Zeit und noch weniger Lust zum Auf- und Umräumen habe, wird um die Ecke gedacht, jawohl!

slowcoasthome

Das Ergebnis meiner angestrengten Überlegungen ist der Reisebericht „Slow Coast Home“ der Engländerin Josie Dew (London, 2003). Auf Deutsch gibt es dieses Buch anscheinend nicht.

Josie Dew ist von Beruf Köchin, Radfahrerin und Schriftstellerin. Mit schöner Regelmäßigkeit stürzt sie sich in höchst abenteuerliche Radreisen in ferne Länder (Japan, USA, Neuseeland etc.) und berichtet dann ausführlich und mit entwaffnender Ehrlichkeit über ihre Erlebnisse und Pannen.

 Diesmal hatte sie eigentlich schon ihre Neuseelandreise geplant, doch die Renovierung ihres Häuschens und der Bauarbeiter Gary, in den sie sich verliebt, machen ihr einen Strich durch die Rechnung. Gemeinsam fahren ging nicht, denn „at the eleventh hour the builder had to keep building“, und allein will sie auch nicht mehr ans andere Ende der Welt. Aber radfahren – das muss doch sein, und so beschließt sie, Großbritannien zu umrunden und dabei so gut wie möglich dem Küstenverlauf zu folgen. Auf dieser gut siebenmonatigen Reise war das Wetter für britische Verhältnisse ziemlich normal, d.h. sie kriegt eine Menge Regen. Und wo Regen ist, sieht man ja auch gelegentlich mal Regenbogen. 🙂

 Am 25. April verlässt sie ihr Häuschen in Milland, verabschiedet von einem überwältigenden Abschiedskommitee, nämlich ihren Eltern und der Nachbarin. Erst ging es nach Süden bis an die Küste, danach westwärts, da sie im Uhrzeigersinn fahren wollte. Tut man das nicht, begegnet man nämlich unterwegs dem Teufel, wie die schottische Großmutter eines Freundes ihr erklärte.

 Mit einem etwas unlogischen Umweg über Oxford erreicht sie die Küste. Unterwegs macht sie zusammen mit ihrem Builder, der gerade eine Weile Zeit hat, einen Abstecher nach Frankreich, dann umrundet sie zusammen mit ihrer Mutter die Isle of Wight. Sie kommt bis Land’s End, wo sie wegen einer Knieverletzung aufgeben und sich von Muttern abholen muss.

Monate später geht die Reise weiter, aber diesmal in Gegenrichtung, der Teufel kann ihr gestohlen bleiben. Die geplante Schottlandumrundung streicht sie irgendwann aus dem Programm, da die Reise doch ziemlich lang dauert, und sie folgt dem Hadrian’s Wall auf die andere Seite des Landes. Im Lake District hat sie wieder Pech – diesmal ist es ihre Achillessehne, die Probleme macht. Aber mit Hilfe des Builders und eines Physiotherapeuten schafft sie es, bis Land’s End zu kommen und so die Runde abzuschließen.

 Josie Dew erzählt spontan, herzerfrischend und mit viel Liebe zum Detail. So sucht sie einmal im Herbst wieder wegen eines heftigen Regenschauers Unterschlupf in einer Kirche und vertreibt sich die Zeit mit dem Gemeineblatt. Dort fällt ihr vor allem der Leserbrief eines Herrn auf, der zwei Dinge überhaupt nicht gut findet: Dass man viel zu früh mit dem Singen von Weihnachtsliedern anfängt und dass Frauen inzwischen Priester werden dürfen. Kleinigkeiten dieser Art (meiner Meinung nach das Salz in der Suppe) darf der Leser mitgenießen.

 Letztes Jahr, am 18. März, besuchte ich eine Lesung von ihr in Utrecht. Eingeladen war sie von der Natur-Camping-Vereinigung, und das Publikum bestand vornehmlich aus Leuten mit derben Wanderschuhen und Fleecejacken. Josie Dew kam standesgemäß mit dem Fahrrad angereist, zusammen mit Gary, dem Builder und den beiden gemeinsamen Töchtern Molly und Daisy. Sie war ganz begeistert von der Tatsache, dass Radfahrer in den Niederlanden als ernstzunehmende Verkehrsteilnehmer und nicht, wie in England oft, als Hindernisse betrachtet werden.

Sie erzählt genauso, wie sie schreibt, oder ist es umgekehrt? Ihr Vortrag über ihre Neuseelandreise, die sie endlich doch geschafft hat, und ihre täglichen Erlebnisse, wenn sie ihre älteste Tochter Molly zur Schule bringt, waren jedenfalls sehr unterhaltsam. In der Pause ließ ich mir mein Buch signieren und wir plauderten kurz über Radfahren in England und Sustrans, die Stiftung, die sich dort für den Ausbau des Radwegnetzes stark macht. Ich fand sie eine sehr sympathische Frau mit einem sonnigen Gemüt – womit wir wieder beim Regenbogen sind.

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