Typisch Nederlands – typisch deutsch (?)

Eine andere Kindheit und Jugend

Vor einigen Jahren, als meine Neffen noch sehr klein waren, hatte meine Schwiegermutter ein paar Kinderbücher vom Dachboden geholt, in denen ich interessiert blätterte. Meine Schwägerin fragte: „Ach, liest du Pinkeltje mal wieder?“ Wieso „mal wieder“? Für mich waren diese Geschichten Neuland. Wieder einmal wurde mir klar, dass ich viele Erinnerungen, die für meine Altersgenossen hier in den Niederlanden Gemeingut sind, nicht teile. An ihrer Stelle stehen andere, die mich für immer mit meinen Freunden aus der alten Heimat verbinden.

Alexandra von buurtaal geht es ähnlich, und da wir ungefähr gleich alt sind und sie im selben Jahr nach Deutschland zog, in dem ich in den Niederlanden ansässig wurde, entstand die Idee,  zu diesem Thema ein Doppelprojekt( die Niederländer haben dafür das schöne Wort „tweeluik“) zu machen. Sie schreibt über ihre Kindheit und Jugend in den Niederlanden, also über das Stück, das mir hier fehlt, und ich schreibe über meine deutsche Kindheit und Jugend, von der Geburt bis zum Ende der Schulzeit mit 18 bzw. 19 Jahren. Da ich noch etwas verfrüht finde,  meine Memoiren zu schreiben, greife ich nur ein paar Aspekte heraus, von denen ich denke, dass sie für deutsche Kinder meiner Generation typisch waren.

Als ich noch klein war…

An meine Kleinkinderzeit erinnere ich mich vor allem bruchstückhaft und anhand von Erzählungen und Fotos. Mein Vater ging anscheinend gern mit mir im Kinderwagen spazieren, was für Männer in dieser Zeit eher untypisch war. Meine Mutter saß mit mir im Garten bei Oma und wir pflückten Blumen. Ich ging gern in die Badewanne, was auch heute noch so ist.

Umständehalber verbrachte ich auch viel Zeit bei meinen Großeltern. Opa las mir die Kinderbuchserie von Gertrud Keussen über die beiden Zwerge Puk und Pat, das arme Einöhrchen (ein Kaninchen, das ein Ohr verloren hatte) und den Raben vom Felsenberg vor. Später kamen auch die Wilhelm-Busch-Klassiker „Max und Moritz“ und (zu Omas Entsetzen) „Die fromme Helene“ hinzu. Außerdem lernte ich von ihm das Zählen, die Uhr, die ersten Buchstaben und – mit weniger Erfolg – das Schuhezubinden. Oma brachte mir das Backen bei, und ich durfte beim Marmeladeeinkochen helfen.

schreiben

Anscheinend zeichnete sich mein heutiger Beruf schon früh ab

Der Kindergarten in München war grauenhaft, der in Erding, wo wir später hinzogen, war okay. Dort lernte ich die Pumuckl-Hörspiele von Ellis Kaut kennen und lieben. Nach und  nach bekamen wir die ganze Schallplattensammlung zusammen, die sich jetzt bei meinem Bruder befindet. Schließlich soll meine kleine Nichte ja nicht ohne Pumuckl aufwachsen.

Schulzeit

In Deutschland wird man in der Regel mit sechs Jahren eingeschult. Der erste Schultag ist sehr wichtig, die Zeit des sorglosen Spielens ist vorbei und der Ernst des Lebens beginnt. Um diesen Schritt etwas zu versüßen, erhalten die Kinder eine Schultüte mit Süßigkeiten und anderen Kleinigkeiten, die man in der Schule halt so braucht – Malstifte, Bastelzeugs und dergleichen. An diesem Tag lernte ich auch Silvia kennen, die Jahre später meine beste Freundin wurde. Diese Freundschaft besteht übrigens immer noch! Die Grundschule war für mich ganz in Ordnung, mal abgesehen vom Sportunterricht, der mir schon damals ein Graus war, und der Schriftnote, die mir mit schöner Regelmäßigkeit das Zeugnis versaute.

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Der Ernst des Lebens fängt an

Nach der vierten Klasse – wir waren damals zehn – wechselten wir auf das Gymnasium, wo wir uns gemeinsam bis zum Abitur durchkämpften. Unser „Gymmi“ hatte zwei Zweige im Angebot, den naturwissenschaftlich-mathematischen und den neusprachlichen. Bei mir wurde es letzterer (wundert das jemanden?), was mir die Fremdsprachen Englisch, Latein und Französisch bescherte. In Englisch war ich gut, Latein ging so und ich hielt tapfer bis zum Latinum durch, und mit Französisch konnte ich mich nicht anfreunden. Im Nachhinein war es aber gut, beide Sprachen gehabt zu haben, da sie Voraussetzung für das Anglistik-Studium sind.

In der siebten und achten Klasse fuhr man bei uns im Winter eine Woche ins Skilager, wir waren ja schließlich nah genug an den Alpen. Bei mir funktionierte das Ganze eher nach dem Motto „Runter kommt man immer“, aber nett war es schon. In der Zehnten fuhren wir auf Klassenfahrt nach Berlin (näheres siehe unter „Geteiltes Deutschland“) und in der Elften ging es nach Rom. Das bedeutete natürlich eine Menge Kultur, viel Wein, wenig Schlaf und den absoluten Höhepunkt auf der Rückfahrt: Unser Klassenlehrer schaffte es irgendwie, die Notbremse zu ziehen, so dass wir  mitten in der Nacht mit einem gewaltigen Ruck in den Feldern vor Florenz zum Stehen kamen. Dank der Eloquenz einer anderen Lehrerin, die fließend Italienisch sprach, kam er um eine Geldstrafe herum.

forumromanum

Forum Romanum

Vor einiger Zeit hatten wir zum 25jährigen Jubiläum ein Treffen unseres Abi-Jahrgangs. Natürlich besuchten wir auch das Schulgebäude, das mir jetzt um einiges kleiner vorkam. Interessant war auch, dass sich beim gemeinsamen Abendessen wieder dieselben Gruppen bildeten wie zu Schulzeiten, auch wenn ich einige Leute schon viele Jahre nicht mehr gesehen hatte.

Geteiltes Deutschland

Bevor ich zu Büchern, Musik und dergleichen komme, erst noch ein Exkurs in die politische Situation. Damals bestand Deutschland noch aus zwei Teilen, der Bundesrepublik Deutschland und der Deutschen Demokratischen Republik. Irgendwo in der Rhön und bei Travemünde hörte für uns Kinder  die Welt auf, und was hinter dem Grenzstreifen mit seinen Wachtürmen, dem „Eisernen Vorhang“ lag, wussten wir nicht genau. Ich habe zwar Verwandtschaft in Thüringen, aber der Kontakt lief vor allem über meine Großeltern und deren Geschwister, die damals gelegentlich zu Besuch kamen. Außerdem erinnere ich mich an die Weihnachtspakete, die wir damals „nach drüben“ schickten, mit Plätzchen, Stollen, Schokolade, Kaffee und anderen Dingen, die damals dort schwer zu bekommen waren. Man musste eine genaue Aufstellung des Inhalts beilegen, und Bücher oder Zeitschriften waren nicht erlaubt. Wir bekamen ebenfalls Pakete zurück, und obwohl die „Ost-Süßigkeiten“  nicht besonders lecker waren, wussten wir die Geste zu schätzen. Gelegentlich schrieben meine Großcousine und ich uns einen Brief, aber das schlief recht schnell ein, da wir beide zu einer gewissen Schreibfaulheit neigten.

Als ich sechzehn war, fuhren wir auf Klassenfahrt in das damals noch geteilte Berlin. Zu diesem Zweck mussten wir uns einen Reisepass zulegen und bekamen genaue Instruktionen, wie wir uns bei den Grenzkontrollen zu verhalten hatten, schließlich waren die ostdeutschen Zollbeamten nicht gerade für ihre höfliche und zuvorkommende Art bekannt. Wir absolvierten das übliche Programm: Stadtrundfahrt, Kurfürstendamm, diverse Museen und ein Tag in Ostberlin.  Im Vorfeld hatte man uns gründlich eingeimpft, was wir zu tun und zu lassen hatten, und nachdem wir am Bahnhof Friedrichstrasse die Grenze passiert hatten, waren wir entsprechend eingeschüchtert. Auch an die geballte Unfreundlichkeit, mit der man uns Wessis dort begegnete, erinnere ich mich noch. Und heute kann ich verstehen, dass unsere Klassenlehrerin damals wohl Blut geschwitzt haben muss und mit uns undiszipliniertem Haufen lieber woanders hingefahren wäre.

Umweltschutz und Friedensbewegung

Sicher hat mich auch das politische Klima der 80er Jahre geprägt. 1982 wurde Helmut Kohl Bundeskanzler, und er sollte den Platz erst sechzehn Jahre später, als ich schon in den Niederlanden wohnte, wieder räumen. Ich brauchte damals eine ganze Weile, um mich daran zu gewöhnen, dass der Bundeskanzler nicht mehr Kohl hieß.

Im selben Jahr (1982) kamen auch die Grünen zum ersten Mal in den deutschen Bundestag, und das Drei-Parteien-System aus CDU/CSU, SPD und FDP war durchbrochen. Themen wie das Waldsterben, die Endlichkeit der fossilen Rohstoffvorräte und der Verdacht, dass Kernenergie wohl doch keine richtig saubere und sichere Lösung ist (was durch die Reaktorkatastrophe von Tschernobyl 1986 eindrucksvoll bestätigt wurde), erhielten einen Platz auf der politischen Agenda. Auch wir versuchten, mit unseren bescheidenen Mitteln die Erde zu retten: Wir schrieben auf Umweltschutzpapier, boykottierten Plastiktüten, kauften in Umweltläden ein und Autofahren konnten wir ja sowieso noch nicht. Manchmal beschleicht mich das Gefühl, dass wir damals auf dem Gebiet von Umweltschutz weiter waren als heute.

Auch der kalte Krieg und das Wettrüsten waren ständig Thema, was ja auch kein Wunder ist, wenn die Grenze zwischen den beiden Großmächten das Land, in dem man lebt, in zwei Stücke gehackt hat. Das hat natürlich auch Einfluss auch Literatur, Kunst und Musik.

 Das „Bayern-Eins-Trauma“, die Neue Deutsche Welle und sonstiges Musikalisches

Was ich „ganz früher“ an Musik mitgekriegt habe, weiß ich eigentlich nicht mehr so genau, die Schlager der früher 70er gingen irgendwie an mir vorbei, was im Nachhinein vielleicht nicht das Schlechteste war. Aber an den Radiosender „Bayern Eins“, den mein Vater beim sonntäglichen Mittagessen immer hört, erinnere ich mich noch gut – bayerische Volksmusik vom Feinsten! Meine Freundinnen litten genauso darunter wie ich, vermutlich wurde da eine ganze Generation traumatisiert.

Irgendwann fand ich, wie damals wohl fast jeder, Abba toll und hatte einige Alben von ihnen. Anders als die meisten anderen fand ich damals schon Frida besser als Agneta, und vor einigen Jahren wurde mir mal wieder klar, wie schön eigentlich das Lied „When All Is Said And Done“ ist.

Auch die Neue Deutsche Welle (Anfang der 80er) schwappte an mir nicht spurlos vorüber – Trio mit ihrem eintönigen „Da Da Da“, Nena und die 99 Luftballons, Peter Schilling, der völlig losgelöst durch die Gegend schwebte und – nicht wirklich typisch NDW – die Spider Murphy Gang und die Münchner Freiheit. So ganz ohne Lokalpatriotismus geht es halt doch nicht. Und Falcos Lied „Jeanny“ stand ja damals beim Bayerischen Rundfunk auf dem Index, da es die Entführung eines Mädchens aus der Sicht des Täters erzählte. Es wurde im Radio nicht gespielt, stand aber sehr lange auf Platz Eins der Hitparade am Freitagabend. Kein Wunder, jeder wollte das Lied natürlich haben. Auch ich überspielte es mir von einer Freundin (so machte man das damals), zusammen mit der Frank-Zander-Parodie.

Da ja irgendwann bei mir  das Interesse für Friedensbewegung und Umweltschutz erwachte, entwickelten sich auch meine musikalischen Vorlieben in diese Richtung und ich entdeckte die Liedermacher (auf gut Niederländisch „Singer-Songwriter“) Reinhard Mey, Hannes Wader, Konstantin Wecker, Bettina Wegener und andere. In dieser Zeit lernte ich auch ein bisschen Gitarre spielen, aber an Reinhard Meys Zupfmuster (dem sogenannten Mey-Zupfing) bin ich grandios gescheitert. Mir ist heute noch ein Rätsel, wie man das hinkriegt, ohne sich die Finger komplett zu verknoten. Manchmal überlege ich, ob ich meine Gitarre mal wieder vom Speicher holen, entstauben und loslegen sollte, aber ich bezweifle, ob das in diesem Leben noch was wird.

Film und Fernsehen – natürlich auf Deutsch

Während man in den Niederlanden Filme und Fernsehserien (vom Kinderprogramm abgesehen) im Original mit Untertiteln ausstrahlt, wird in Deutschland fast alles nachsynchronisiert. Bei Kinderserien wie „Wickie und die starken Männer“ oder „Biene Maja“ fiel das natürlich nicht weiter auf, aber auch bei den ganzen anderen Serien wie „Bonanza“, „Unsere kleine Farm“ etc. fanden wir es nie merkwürdig, dass man in den tiefsten USA Deutsch spricht. Was denn sonst, wir kannten es ja nicht anders.

Auch in unserem Kleinstadtkino gab es keine Filme im fremdsprachigen Original, dafür musste man nach München fahren, was für ca. 15jährige noch eine ziemliche Expedition war. Aber was tut man nicht alles.

Irgendwann fiel mir natürlich auf, dass gelegentlich ein Sprecher verschiedene Schauspieler synchronisiert, oder dass der Sprecher eines Schauspielers aus irgendwelche Gründen ausgetauscht wird. Und es fing an zu nerven, dass die Dialoge nicht lippensynchron sind.

Als ich mir später alles Mögliche im Original zu Gemüte führte, wunderte ich mich öfter, wie anders die echten Stimmen der Schauspieler oft klingen. Die deutsche Stimme von „Alf“ finde ich immer noch sympathischer als das Original.

 Leseratte

Ich hatte mir ja schon immer gern vorlesen lassen, und sobald ich lesen konnte, waren Bücher mein Ein und Alles. Unzählige Nachmittage verbrachte ich auf dem Wohnzimmersofa oder auf dem Teppich vor der Balkontür meines Zimmers, und zahllose Nächte lag ich mit der Taschenlampe unter der Bettdecke, weil ich einfach wissen wollte, wie es weitergeht.  Ottfried Preussler, Astrid Lindgren, Enid Blyton, später Karl May, Michael Ende, mir gefiel vieles.

Eine Zeitlang hatte ich Reitunterricht, und in dieser Phase verschlang ich alles, was irgendwie mit Pferden zu tun hatte, von den typischen Serien „Mädchen mit Pferd“ bis zu Fachbüchern über Pferdehaltung (zu meiner Enttäuschung wollten meine Eltern das Wohnzimmer nicht zu einem Pferdestall umbauen) und einem Wälzer über Pferdekrankheiten, da ich damals noch Tierärztin werden wollte.

Später las ich neben der Pflichtlektüre in der Schule auch viel über die deutsche Vergangenheit, vor allem das Dritte Reich und die Judenverfolgung, Autobiografien und Romane mit sozialpolitischem Hintergrund, Entwicklungshilfe, Jugendliche mit Problemen (z.B. Christiane F.) etc. Damals wollten wir ja noch die Welt retten.

Schon früh entdeckte ich meine Leidenschaft für Krimis und Spukgeschichten, die mich heute noch begleitet. Wundert es jemanden, dass der Schauerroman des 18. und 19. Jahrhunderts später einer meiner Studienschwerpunkte war?

Zu guter Letzt: Reisen und Fernweh

Während meine Schulfreundinnen in den Ferien mit schöner Regelmäßigkeit mit ihren Eltern in den sonnigen Süden (Italien, Spanien, Jugoslawien) oder den hohen Norden (Schweden, Norwegen) gondelten, waren meine Eltern eher heimatverbunden. Das Ausland war ihnen nicht so ganz geheuer, also fuhren wir im Urlaub abwechselnd in die Berge oder an die Nord- oder Ostsee. Meine Liebe zum Meer stammt noch aus der Zeit.

meer

Urlaub am Meer

Und aus irgendwelchen Gründen zog es mich nach England, vermutlich wegen der Enid-Blyton-Romantik. Nach einem absolut genialen Urlaub mit einer guten Freundin und Namensvetterin in England und Schottland war es klar – dieses Land sollte mich nicht mehr loslassen. Und es war diese Faszination, die mich auf Umwegen in die Niederlande geführt hat – aber das ist eine andere Geschichte.

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„Mijn“ stad op weg naar de kerst

Kwam ik vorig jaar nog tot te conclusie dat ik me in de tijd voor kerst definitief meer Duits dan Nederlands voel, moet ik hier nu wel weer vraagtekens plaatsen.

Een paar jaar geleden kwam men hier tot de conclusie dat het geen nut heeft, om de Duitse kerstmarkten te kopiëren, want dit gaat gewoon niet lukken. Maar ja, een beetje sfeer in de donkere dagen heeft natuurlijk ook wel wat. En zo ontstond het initiatief „Woar geet’t opan met Kesmis?“, een breed cultureel aanbod met theatervoorstellingen, concerten, lezingen en meer. Moest dit evenement de afgelopen jaren zijn draai nog vinden, vind ik het dit jaar uitermate geslaagd.

Gisteren lieten Peter en ik ons onderdompelen in een middag cultuur in onze binnenstad. We begonnen in de Bieb, waar de „Vocalgroup Happy Few“ Christmas Carols en andere liedjes ten gehore bracht.

happyfew

Daarna verkasten wij naar het stadhuis, waar in de Burgerzaal de Stadsherberg geopend was. Hier wachtte ons een gevarieerd programma, volksdans, diverse koren, een dansworkshop en verschillende „soepverhalen“.

stadsherberg

Terwijl mijn collega meedeed aan de dansworkshop, liepen wij langs de „Long Lane of Love“, waar je glühwein kunt drinken, bomen knuffelen en natuurlijk op het hartenbankje zitten (al is dit nu een beetje koud), naar de schouwburg, waar men ons erop attent maakte, dat het duo Laus en Jonne Steenbeke de sketch „Diner veur ene“ zouden spelen. Voor mij was dit natuurlijk een must, want het origieneel „Dinner for One“ hoort al sinds mensenheugenis bij een geslaagd Oud en Nieuw in Duitsland. In onze studententijd vierden wij weleens Oud en Nieuw bij vrienden in Groningen, waar we „Dinner for One“ niet op de tv konden kijken. Dus voerden wij het zelf op, met Peter die moeite had met de tekst van de butler als Miss Sophie mij als James. De watervlek op het plafond – een resultaat van het laatste „Skål“ –  was nog jaren te zien. Inmiddels bestaat het stuk in talloze versies: „Dinner for One – up Platt“ (Nederduits), „Essn für Ann“ (Frankisch), „Dinner for One uff Hessisch“ tot de bewerking van het Kinderkanal „Dinner für Brot“ met Bernd, het slechtgehumeurde brood, in de hoofdrol. Dus werd het ook tijd voor een Twentse versie!

In de theaterzaal konden we lekker dicht bij het podium zitten en niet alleen zien en horen maar ook voelen, hoe James telkens weer opnieuw over het tijgerhoofd struikelde. Het was wel een beetje jammer, dat het duo de introductie geschrapt heeft, want voor nieuwkomers is het wel belangrijk om te weten, dat de vier vrienden van de 90jarige Miss Sophie (of hier vrouw Jannink) allang overleden zijn en allemaal door de arme James vertegenwoordigd moeten worden. Maar desondanks was het een prachtige voorstelling, en het stukje werkt ook gewoon in het Twents: „Zelfde wieze as veurig joar, vrouw Jannink? Zelfde wieze as elk joar, James!“

Daarna waren we op tijd weer in de Stadsherberg, om (onder het genot van een kopje soep uiteraard) twee soepverhalen te horen, van voormalig stadsdichter Bob Boswinkel (in mijn ogen nog steeds de beste stadsdichter, die wij ooit hadden) en de 17jarige Susan van SusansSchrijfsels (een veelbelovend talent, want zij heeft de net iets andere kijk op de wereld en kan deze ook heel goed omzetten in taal).

Het was een heel geslaagde middag. Het concept is heel goed gelukt en het past ook gewoon bij „mijn“ stad – sfeervol, creatief en met beide benen op de grond. Willem Wilmink had gelijk toen hij zei: „Eanske is onmeunig mooi“.

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Der Backofen tut wieder – alles wird gut!

Was lange währt, wird endlich gut. Nachdem die Backofenfirma ihren armen Mitarbeiter erst komplett ohne Ersatzteil und dann mit dem falschen zu uns geschickt hat, hatte er vorgestern alles dabei und konnte unseren Backofen reparieren. Und ich konnte mich endlich auf die Weihnachtsplätzchen stürzen.

Das Ergebnis kann sich durchaus sehen lassen, al zeg ik het zelf:

Plätzchen2015

Italiensiche Pangani, Lübecker Kokosmakronen und Vanillekipferl, bei denen mir der Gatte tatkräftig geholfen hat. Die Ausstechplätzchen in der sternförmigen Dose sind allerdings nicht von mir, sondern von einer Freundin, die mich auf keinen Fall ohne Weihnachtsplätzchen durch die Adventszeit gehen lassen wollte. Vielen Dank!

Niederländer, die es nach Deutschland verschlagen hat, kriegen ziemlich schnell mit, dass das Plätzchenbacken einfach zur Vorweihnachtszeit gehört. Vielleicht greift es hier ja auch irgendwann mal um sich. Man soll nie die Hoffnung aufgeben.

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Der erste Advent

Und wieder ist sie gekommen, die stade Zeit vor Weihnachten, die allerdings meist alles andere als ruhig und besinnlich ist: Plätzchen backen, Geschenke zusammensuchen, Weihnachtsmärkte besuchen und natürlich diverse Weihnachtsfeiern stehen auf dem Programm. Und ihr wisst ja inzwischen sicher, dass sich in der Vorweihnachtszeit meine deutschen Wurzeln lautstark bemerkbar machen.

Das mit dem Plätzchenbacken wird aber im Moment noch nichts, da unser Ofen gerade kaputt ist, und die Firma es seit zwei Wochen schon nicht gebacken kriegt, den Mechaniker mit dem richtigen Ersatzteil loszuschicken. Service-Dienstleistungswüste! Vielleicht sollte ich einfach loslegen und alle verfügbaren Backbleche voll roher Plätzchen in der ganzen Straße verteilen: „Darf ich mal bei euch dieses Blech backen? Es dauert nur ca. 20 Minuten.“ Mir wurde auch schon geraten, die Kekse auszubrüten, aber ich weiß nicht so recht…. Aber ich habe ja noch etwas Zeit.

Selbstverständlich stehen wieder ein paar Weihnachtsmärkte auf dem Programm. Ich muss zugeben, ich liebe Weihnachtsmärkte: Glühwein trinken, Bratwurst essen, meine Tassensammlung erweitern, Kunst(handwerk) und Kitsch in den Buden bestaunen und vielleicht sogar kaufen, ich finde das schön.

Heute wird bei uns in der Stadt die Adventszeit mit dem Ruf des Mittwinterhorns eingeläutet, das nur vom ersten Advent bis Dreikönig draußen gespielt werden darf. Eigentlich wollten wir hingehen, aber im Moment tobt ein derartiges Schietwetter, dass wir es auf einen der nächsten Sonntage vertagt haben. Vielleicht spielt auch unser ehemaliger Nachbar wieder mit, der uns jahrelang mit seinen Übungen erfreut hat. Und als er dann richtig gut war, ist er weggezogen. Die Gefahr, das verbotene Lied zu hören, ist bei so einer Veranstaltung jeher gering.

Auf jeden Fall habe ich schon seit einigen Tagen einen Adventskalender, den mir eine gute Freundin aus der alten Heimat geschickt hat, und ich habe es geschafft, die einzige bemalte Weihnachtskugel, die wir noch haben, aufzuhängen, ohne sie zu zertöppern. Beim nächsten Weihnachtsmarktbesuch werde ich mich mal nach Nachschub umschauen.

Der Adventskranz Marke Eigenbau ist fertig und sieht gut aus, finde ich:

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Und Struppie, unser Mitbewohner, hat dieses Jahr eine neue Weihnachtsmütze. Wie sagte eine Kursteilnehmerin mal so schön: „Dat geeft meteen een hoop sfeer (Das macht gleich eine Menge Stimmung)“.

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Ich wünsche euch allen eine schöne, nicht allzu stressige Adventszeit.

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Das Quiz – Ein Ausflug in die deutsche Samstagabendunterhaltung

Am Samstagabend zeigt Canvas, das zweite belgische Fernsehen, Krimisereien vom Feinsten: die britischen Serien Sherlock, Vera, Midsomer Murders, Lewis, Inspector Lynley, den irischen Ermittler Jack Taylor, die norwegische Reihe Varg Veum, die schwedischen Fjällbacka-Morde und vieles mehr. Selbstverständlich im Original mit niederländischen Untertiteln. Und da ist es uns egal, dass es von eingen schon die drölfzigste Wiederholung ist (Inspector Lynley), oder dass wir einige Reihen schon längst auf DVD haben (Lewis, Vera, Varg Veum), der Samstagabend gehört, wenn nicht hin und wieder das richtige Leben dazwischenkommt, Canvas und den Krimis. Deshalb kriege ich von den deutschen Samstagabendshows schon seit Jahren nichts mehr mit, und hätte den Untergang von „Wetten, dass…“ wahrscheinlich nicht mal bemerkt, wenn er nicht in allen Medien breitgetreten worden wäre.

Doch gestern kam alles anders. Eigentlich wollten wir nur die Zeit zwischen den Nachrichten und der englisch-walisischen Serie „Hinterland“ überbrücken, doch dann bleiben wir bei der Sendung „Das Quiz“ hängen, moderiert von Frank Plasberg mit den Kandidaten Günther Jauch, Barbara Schöneberger, Til Schweiger und Lan Josef Liefers, die Geld für einen guten Zweck erspielten.

Die Quizfragen gingen um Menschen, Ereignisse und Pannen des vergangenen Jahres, und einige Antworten wusste ich auch, oder konnte sie richtig erraten. Ein bisschen viel Fußball kam vor, aber gut, wir sind ja schließlich Weltmeister. Sehr sympathisch und bodenständig wirkte der Fußballer Jérôme Boateng, der vorbeikam und erzählte, was er nach der Siegesfeier gemacht hatte: Da er doch nichts mehr zu tun hatte, fuhr er zu Muttern, um dort Fischstäbchen zu verspeisen.

Aber wirklichen Unterhaltungswert hatten die Spiele zwischen den Quizrunden. Bei dem Spiel mit den Schlitten drohte der Gatte an, unseren vom Speicher zu holen und mich hüpfen zu lassen (hat er zum Glück inzwischen wieder vergessen), beim Einkaufswagenrennen meinte er nur fassungslos: „Das gibt es wirklich noch im Fernsehen? Das ist doch so 70er Jahre.“ – Ich: „Das trifft doch voll den Massengeschmack. John de Mol wird sich in den Hintern beißen, dass er nicht auf sowas gekommen ist“. Dem Herrn de Mol waren nämlich die Einschaltquoten von „The Voice of Holland“ zu niedrig.

Der sonst immer recht ernste Günther Jauch wurde mir bei diesen Spielen richtig sympathisch, da er ihm dabei immer irgendwas passierte. Als er mit seinem Magnetschuh auf der Platte festsaß, tat der reichlich genossene Weißwein seine Wirkung: Ich bekam einen Lachanfall und gackerte noch bei der nächsten Runde fröhlich vor mich hin. Peter meinte dazu, dass mir so etwas durchaus auch passieren könnte. Wo er recht hat, hat er recht.

Fazit: Auch wenn wir in der nächsten Zeit wieder Krimis gucken werden, lohnt sich einmal im Jahr so ein Ausflug in die deutsche Samstagabendunterhaltung. Ich glaube, ich gucke nächstes Jahr wieder „Das Quiz“.

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Weihnachten in den Niederlanden

Als Reaktion auf meinen Post über die Vorweihnachtszeit äußert Peter von Radreisen – langsam reisen den Wunsch, mehr über die Weihnachtsbräuche in den Niederlanden zu erfahren. Und da ich gern Weihnachtswünsche erfülle, habe ich beschlossen, meinen üblichen Jahresendgruß mit einem halbwegs informativen Artikel zu verbinden. Er gibt vor allem das wieder, was ich selbst erlebt und in meinem Umfeld mitgekriegt habe. Ich schließe also nicht aus, dass es auch ganz andere Arten gibt, Weihnachten zu feiern, und freue mich immer über Ergänzungen.

Wie bereits erwähnt ist in den Niederlanden Sinterklaas, das Nikolausfest, der Höhepunkt der Wintermonate. Danach kehrt erst mal etwas Ruhe ein, und in manchen Städten wechselt die Straßenbeleuchtung von Bischofsmützen zu Tannenzweigen und ähnlichen Motiven. Jetzt ist für viele die Zeit gekommen, ihren Weihnachtsbaum aufzustellen und zu schmücken. Ich selbst bin ja mit der Tradition aufgewachsen, dass der Baum am Heiligen Abend aufgestellt und geschmückt wird und bis Dreikönig im Wohnzimmer steht. Wenn wir einen Baum haben, was nicht jedes Jahr der Fall ist, versuche ich dies beizubehalten.

Mein früherer Chef war mit einer Deutschen verheiratet, und ich wusste, dass bei ihnen auch viele deutsche Weihnachtsbräuche in Ehren gehalten wurden. Und so kam es, dass ich, als er bei einer Firmenweihnachtsfeier am 20. Dezember erzählte, dass sie heute ihren Baum aufgestellt hatten, erstaunt fragte: „Was? Jetzt schon?“, während eine Kollegin im gleichen Atemzug rief: „Was? Jetzt erst?“ Es ist eben alles eine Frage der Perspektive.

Das Schreiben der Weihnachtskarten wird hier mit großem Eifer betrieben, und es gibt sogar besondere Briefmarken dafür, die sogenannten „Decemberzegels“. Diese sind etwas billiger als die normalen Marken, und es kann länger dauern, bis die Karten ankommen. Eilige Post sollte man also besser nicht damit frankieren. Oft steht nur ein kurzer Gruß auf der Karte, manchmal auch nur der Name des Absenders. Diese Karten stellt oder hängt man dann gut sichtbar in der Wohnung auf. Doch in den letzten Jahren geht auch hier der Trend zur Digitalisierung.

Ein sehr schöner Brauch der (Vor-)Weihnachtszeit ist im Osten des Landes das Mittwinterhornblasen, eine Tradition, die bis vor die Anfänge des Christentums zurückreicht. Das Mittwinterhorn ist eine Art kleines Alphorn, das man wie eine Querflöte hält. Vom ersten Advent bis Dreikönig darf es draußen gespielt werden, und dann erklingt „’n oaln roop“ (der alte Ruf) bei verschiedenen Gelegenheiten.

Unser früherer Nachbar entdeckte irgendwann seine Leidenschaft für das Mittwinterhorn, und da man erst in der Adventszeit draußen spielen darf, wurde er von seiner Familie zum Üben auf den Dachboden verbannt, doch in einem Reihenhaus hilft das nicht wirklich. Zum Glück machte er schnell Fortschritte, und am Heiligen Abend spielte er in unserer Straße. Erst war er allein, doch in den nächsten Jahren wurde sein Ruf von anderen Spielern aufgegriffen und beantwortet. Leider ist die Familie vor ein paar Jahren umgezogen, und ich vermisse sein Spiel.

Anders als in Deutschland ist der Heilige Abend (kerstavond) hier kein Familienfest mit Bescherung unter dem Weihnachtsbaum. Es gibt zwar Weihnachtsgottesdienste, die auch gut besucht sind, aber vor allem die jungen Leute ziehen an diesem Abend lieber durch die Kneipen (gaan stappen). Die Familie besucht man dann am ersten und zweiten Weihnachtsfeiertag (eerste en tweede kerstdag). Dann wird lecker gespeist, wobei vor allem Fondue und Raclette sehr beliebt sind, man unterhält sich und geht gemeinsam spazieren, also ähnlich wie in Deutschland. Geschenke gibt es dann meist allerdings nicht, denn die gab es schon zu Nikolaus.

Man sieht, manche Dinge sind ähnlich, manche ganz anders. Insgesamt ist das Weihnachtsfest hier, wie so vieles, nüchterner und dadurch auch weniger stressig und hektisch, aber auch etwas weniger stimmungsvoll.

Hier gibt es noch ein traditionelles niederländisches Weihnachtslied, das ich sehr gern mag. Ich habe eine Variante mit Text herausgesucht, so dass man wohl ganz gut verstehen kann, worum es geht.

Ich wünsche euch allen ein frohes Weihnachtsfest und ein gutes, gesundes und glückliches neues Jahr.

Ik wens jullie allemaal fijne kerstdagen en een goed, gezond en gelukkig nieuwjaar.

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In der Vorweihnachtszeit fühle ich mich deutsch

Über einen Beitrag von Elvira landete ich bei einem Blogpost von Bunt und Farbenfroh: Weihnachten wird abgeschafft. Und während ich so vor mich hin las und dachte, entdeckte ich plötzlich, dass dies ja auch ein echtes Grenzwandererthema ist. Wie oft werde ich nicht gefragt, ob ich mich deutsch oder niederländisch oder beides oder keines von beiden fühle. Und ich komme immer mehr zu der Schlussfolgerung, dass es situationsgebunden ist.

Beim Fußball ist es mir wurscht, da lehne ich mich entspannt zurück und denke: „Möge der Bessere gewinnen.“ Oder ich feuere eine Mannschaft an, die ich irgendwie goldig finde: Irland, Ecuador, die Faröer-Inseln etc. Das verstehen die Wenigsten, aber damit kann ich leben.

Beim Eurovision Soncontest habe ich in den letzten zwei Jahren mit den Niederländern mitgebibbert, auch wenn mir andere Einsendungen ebenfalls gut gefallen haben. Und Anouk und die Common Linnets haben es ja auch wirklich gut gemacht. Über den Beitrag für nächstes Jahr kann ich mir am Freitag ein Urteil bilden. Mal sehen, ob der Partiotismus anhält, wenn Trijntje Oosterhuis bei „The Voice of Holland“ ihr Lied zum Besten gibt.

In sehr vielen anderen Kontexten bin ich eigentlich weder noch. Ich bin ein Grenzgänger, Europäer, Weltbürger. Aber in der Vorweihnachtszeit ist alles anders: Da fühle ich mich deutsch und bin froh, in Grenznähe zu wohnen.

In den Niederlanden spielt Weihnachten eher eine untergeordnete Rolle. Hier ist das Nikolausfest (Sinterklaas), das am 5. Dezember gefeiert wird, der Höhepunkt der Wintermonate. Bereits Wochen vorher macht sich Sinterklaas aus Spanien auf den Weg, um den Kindern die Geschenke zu bringen, und wird Mitte November feierlich in den verschiedenen niederländischen Städten empfangen. Begleitet wird er von zahlreichen Helfern, den „Zwarte Pieten“. Diese sind seit einiger Zeit umstritten, da seine Rolle als schwarzer Diener von Kritikern als rassistisch empfunden wird. Dies aufzurollen würde hier jedoch zu weit führen und so verweise ich auf Alex‘ Beitrag auf buurtaal. Nur kurz mein Senf: Wenn eine Bevölkerungsgruppe angibt, dass sie sich durch die heutige Darstellung verletzt fühlt, sollte man sich nicht gleich eingraben, sondern bereit sein, darüber nachzudenken, ob da nicht vielleicht ein Kern von Wahrheit darin steckt. Traditionen können sich ja schließlich ändern.

Da ich aber nicht nicht mit dem „Sinterklaasfeest“ aufgewachsen bin und keine Kinder habe, ist es mir nie gelungen, dazu den richtigen Draht zu entwickeln. Und das ist wohl auch der Grund, warum ich mich in der Vorweihnachtszeit deutsch fühle – sie ist eine schöne Erinnerung an die Zeit, als ich noch klein und die Welt noch in Ordnung war. Darum versuche ich immer, ein bisschen Vorweihnachtsstimmung zu verbreiten und zu genießen.

Dazu gehört natürlich der Adventskranz auf dem Wohnzimmertisch, auch dieses Jahr wieder Marke Eigenbau mit weihnachtsfeinem Mitbewohner. Und jedes Jahr bekomme ich einen Adventskalender aus der alten Heimat geschickt. Dieses Jahr sind es sogar zwei geworden, so dass der Gatte und ich jeder etwas Eigenes haben. Vielen Dank, es freut mich, dass ihr trotz Weihnachtstress dafür die Zeit gefunden habt.

Auch das Kartenschreiben gehört dazu, und ich sehe es nicht als lästige Pflicht an, sondern als Möglichkeit, mit den Leuten aus der alten Heimat mal wieder analog in Kontakt zu treten, und nicht „nur“ über Mail und soziale Netzwerke. Selbstverständlich bekomme ich auch sehr gern Post.

Dann gibt es natürlich auch die Weihnachtsmarktbesuche: Bratwurst essen, Glühwein trinken, meine Tassensammlung vergrößern, nach Geschenken stöbern und die Atmorspäre genießen. Dieses Jahr war ich bereits in Warendorf, Tecklenburg und am Wochenende fahre ich zum @heinzi-Treffen nach Bremen. Zwar lauert auf den Weihnachtsmärkten immer die Gefahr, gewhamt zu werden, also das Lied „Last Christmas“ zu hören und damit beim Spiel „Christmas King“ auszuscheiden. Aber noch bin ich im Rennen, und ich freue mich auf Bremen.

Da der Gatte und ich in einem Chor in Deutschland singen, kriegen wir auch genug von der deutschen Vorweihnachtszeit mit, auch wenn wir dieses Jahr vor allem englische Christmas Carols einstudieren. Wir singen am Heiligen Abend in der Christmette, also haben wir auch die Gelegenheit, die deutschen Klassiker wie „Oh du fröhliche“ und „Stille Nacht“ aus voller Brust mitzusingen. Im letzten Jahr wurde in den Niederlanden das Lied „Stille Nacht“ aus dem Gesangbuch für Weihnachten entfernt, irgendwie haben sie es hier wirklich nicht mit Weihnachtskultur.

Natürlich gehört auch das Plätzchenbacken zu den Dingen, die ich an der Vorweihnachtszeit liebe. Früher tat ich das mit meiner Mutter und meiner Oma, während meiner Schulzeit backten meine beste Freundin und ich zusammen und sauten die Küche ein, was bei unseren Müttern nicht gerade auf Begeisterung stieß, Die ersten selbstfabrizieren Punschbrezeln waren legendär, da uns zu viel Rum in die Glasur geriet und die Plätzchen sich richtig schön vollsogen. Nach drei Stück konnte man das Auto besser stehen lassen.

Vor einigen Jahren unterrichtete ich im Winterhalbjahr einen Deutschkurs für Anfänger. In der letzten Stunde vor den Weihnachtsferien brachte ich Plätzchen und Rezepte mit und las mit den Kursteilnehmern eine einfache Weihnachtsgeschichte. Nach der Stunde brachte ich der Sekretärin ein paar Plätzchen vorbei. Sie fragte: „Hast du die selbst gemacht?“ Ich nickte stolz, worauf sie ausrief: „Warum das denn, um Himmels Willen?“

Noch Fragen?

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The Voice

Eigentlich bin ich kein Fan von Castingshows. Schon gar nicht, wenn ihre Hauptfunktion zu sein scheint, Gestalten wie Dieter Bohlen in Deutschland und Gordon in den Niederlanden eine Plattform zu bieten, sich zu profilieren. Und das ist bei diesen Herren synonym für „sich unmöglich aufzuführen“. Deshalb habe ich Formate wie „Deutschland sucht den Superstar“ oder „Holland’s Got Talent“ bisher tunlichst gemieden.

Aber letztes Jahr sind der Hausherr und ich doch schwach geworden und haben angefangen, „The Voice of Holland“ zu gucken. Jeder weiß, worum’s geht, jeder kann mitreden, und das wollten wir auch einmal. Außerdem nahm die Sängerin Ilse DeLange, die Peter so toll findet, in der Jury Platz. Und so zogen wir uns zahlreiche Freitagabende niederländisches Bildungsfernsehen purst rein.

Das Format ist ja sicher bekannt – zuerst kommen die Blind Auditions, bei denen die Juroren oder Coaches mit dem Rücken zum Kandidaten sitzten, damit sie nicht durch Äußerlichkeiten von den stimmlichen Qualitäten abgelenkt werden. Und wenn sie den Eindruck haben, dass sie mit diesem Kandidaten weiterkommen können, drehen sie sich um. Manchmahl ist es nur einer, manchmal mehrere, und dann versucht jeder, den Kandidaten davon zu überzeugen, dass er bei ihm/ihr am Besten aufgehoben ist und am Meisten lernen kann.

Einer der Höhepunkte in der Show war für mich die Überzeugungsrede von Ali B. Er erzählte eine Geschichte, wie sein Bruder, der ihn nach Groningen chauffierte, plötzlich mitten in der Pampa eine Vollbremsung hinlegte, da dort ein Kamel zwischen Kühen im Regen stand. „Ich möchte jetzt nicht sagen, dass du ein Kamel bist. Ich meine, dass du etwas Besonderes bist, jemand, der er wert ist, dass man eine Vollbremsung macht. Außerdem hast du auch eine Mission: Du willst ein Kamel im Regen sein – zwischen den Kühen.“ Das ist doch mal wahre Poesie! Und immer, wenn ich von jemandem höre oder lese, der eine Mission hat, vervollständige ich in Gedanken: Er will ein Kamel im Regen sein – zwischen den Kühen. Und ich finde, es gibt Schlechteres, was man mit seinem Leben anstellen kann.

Im zweiten Stadium, den Battles, müssen zwei Kandidaten desselben Teams gegeneinander antreten, und der Coach entscheidet, wer weiter kommt. Dabei wich unsere Meinung aber sehr oft von der der Coaches ab, und als Marco Borsato meine Favoritin Maghen ausscheiden ließ, sprach ich ihm noch wochenlang jedes Urteilsvermögen ab.

Nun hatte ich mich darauf gefreut, mit einem Kollegen, der die Show im Jahr davor eifrigst verfolgt hatte, fachsimpeln zu können. Doch der schaute dieses Jahr nicht, da ihm der Wechsel in der Jury nicht passte. „Ausgerechnet Ali B.! Ein Rapper! Wie soll er den Leuten das Singen beibringen können!“ Ich hätte mir nicht träumen lassen, dass ich einmal Ali B. verteidigen würde, aber als Coach hat er seine Sache gar nicht schlecht gemacht. Um das Singenlernen geht es ja schließlich hier nicht, das können die Kandidaten bereits. Es geht darum, zu überzeugen, das Publikum zu berühren, sich von anderen zu unterscheiden und dabei authentisch zu sein. Und wenn man die Entwicklung der Kandidatinnen Jennifer Lynn und Jill Helena verfolgte, war er durchaus erfolgreich.

Und natürlich schieden sich auch während der Liveshows, dem dritten Stadium, bei dem auch das Publikum entscheidet, irgendwann die Geister – Peter war für die Friesin Gery Dantuma (reiner Lokalpatriotismus) und ich für Märel Bijveld. Dabei kam für die Coaches immer wieder ein Überraschungsmoment. Im Fall von Jennifer und Gery hatten sie in ihrer Beurteilung schon durchblicken lassen, dass diese beiden jetzt nicht mehr weiterkommen sollten, aber das Publikum hatte einen Narren an ihnen gefressen und winkte sie durch.

Aber mit der Siegerin Julia van Toorn konnte sicher jeder leben, und das Zuschauen hat Spaß gemacht.

Also begannen wir im neuen Jahr auch „The Voice Kids“ zu schauen. Das Format ist ähnlich, nur kürzer. Und bei den Battles treten drei Kandidaten gegeneinander an, von denen einer weiterkommt. Hier fiel uns auf, dass – anders als bei den Erwachsenen – die Kinder stärker miteinander als gegeneinander singen. Und dabei kam folgende wunderbare Interpretation von „Angel“ von Sarah McLachlan heraus. Darf ich vorstellen -Ieke, Merel und Ayoub:

Coach Marco bedauerte zu Recht, dass er nur einen mit ins Finale nehmen konnte, und zahlreiche Kommentatoren auf der offiziellen Website finden, dass man diese Version als Single herausbringen sollte. Und immer, wenn ich jetzt das Original von Sarah McLachlan höre, warte ich auf den dreistimmigen Schlussakkord, obwohl ich ja weiß, dass sie den alleine nicht hinkriegen kann.

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Das Königsleid, pardon -lied

Wie man ja schon eine ganze Weile weiß, haben wir am 30. April unseren letzten Koninginnedag. Dann wird Königin Beatrix das Zepter an ihren ältesten Sohn Willem-Alexander übergeben, der ab dem übernächsten Jahr den Koningsdag an seinem eigenen Geburtstag, dem 27. April, feiern wird. Nächstes Jahr fällt dieser Tag auf einen Sonntag, also ist der erste Koningsdag einen Tag früher. Genaueres dazu kann man wieder in Alex‘ Blog buurtaal nachlesen, wo ich auch auf die Idee mit dem Wortspiel in der Überschrift gebracht wurde.

Zum Anlass dieses Thronwechsels kam das Nationaal Comité Inhuldiging auf die Idee, ein Lied schreiben zu lassen, das die positive Stimmung in der Bevölkerung und die breit getragene Sympathie für den zukünftigen König zum Ausdruck bringen sollte. Jeder, der wollte, durfte etwas einschicken, und daraus wurde dann mit über 50 mitwirkenden Künstlern ein Lied gebastelt. Dieses Lied soll am 30. April in Rotterdam im Ahoy aufgeführt werden, und überall im Land sollen die Leute mitsingen – eine Art nationaler Megaflashmob also.

Soweit die Idee, doch seit ein paar Tagen komme ich aus dem Kopfschütteln nicht mehr heraus ob der weiteren Entwicklungen.

Am Freitag wurde also das Lied präsentert (auf Youtube unter „Koningslied“ zu finden), und danach ging es rund: Es wurde eine Petition gegen das Lied ins Leben gerufen, eine Facebook-Seite „Sorry voor het Koningslied“ eingerichtet und die Leserkommentare bei den verschiedenen Zeitungen ließen an Deutlichkeit nichts zu wünschen übrig: Den meisten Leuten gefällt das Lied wahrlich nicht. „Monstrum“ und „missgestaltet“ waren noch milde Bezeichnungen dafür.

Nach all dieser negativen Kritik zog Komponist John Ewbanks das Lied zurück, aber gesungen werden soll es wohl trotzdem.

Selbstverständlich habe ich es mir ebenfalls angehört. Mein Eindruck: Es ist vor allem gut gemeint, aber das ist ja leider oft das Gegenteil von gut. Ganz so dramatisch wie der Niederlandist Wim Daniëls, der in der Sendung „Pauw en Witteman“ Hackfleisch daraus machte, finde ich es nicht, aber ein Erfolg ist es auch nicht gerade. Der Aufbau ist ziemlich wirr, und aufgrund des fehlenden Refrains (oder erkenne ich ihn bloß nicht als solchen?) eignet es sich überhaupt nicht zum Mitsingen. Und der Text voller sprachlicher Fehler ist dermaßen verschwurbelt, dass er mich ratlos zurücklässt.

Vor allem die Perspektive macht mir zu schaffen, wenn es heißt: „Durch Regen und Wind werde ich neben dir stehen bleiben. Ich beschütze dich vor allem, was kommt. Ich werde wachen, wenn du schläfst…“ Wer sind hier ich und du? Soll ich hier (stellvertretend für den Rest der Bevölkerung) den Schlaf des Königs bewachen? Also bitte, der Mann ist Mitte Vierzig und hat drei Töchter! Oder fand hier ein Perspektivenwechsel statt, und der König wacht über uns? Dann hat er aber einiges zu tun.

„Stolz wie ein Pfau, das ist unser Klang“ – oder wäre „Lärm“ hier das bessere Wort? Wer einmal auf einem Campingplatz in der Nähe eines Pfauengeheges übernachtet hat, weiß, was diese Viecher für ein hässliches Geschrei von sich geben. Außerdem tauchen auch immmer wieder ein bis zwei Löwen auf, so dass ich schon auf Hape Kerkelings „Hurz!“ wartete.

Über das W von Willem, Wasser, Wind und Stamppot (Eintopf) wurde ja sowieso schon genug gesagt und geschrieben, und den „Reim-dich-oder-ich-fress-dich“-Charme will ich mal so stehen lassen. Ich denke, es kann einfach kein vernünftiger Text herauskommen, wenn Daphne Deckers, die normalerweise Bücher über das Mutterwerden und -sein schreibt, bei der Textproduktion mitmachen lässt. Nicht jeder, der hin und wieder mal ein paar Kapitel in die Tastatur hämmert, kann ein packendes Lied schreiben – ich kann es wohl auch nicht. Aber warum wurde dann nicht jemand hinzugezogen, der es wohl kann?

Solche Leute scheint es doch zu geben, wie zahlreiche Alternativvorschläge beweisen: Paul van Vliets „Oranje de kleur van mijn hart“ ist eine richtig gut gelungene Liebeserklärung an das Land, in dem wir leben, und „Willem, jij bent een koning“ der beiden Studenten Allard und Huib ist ein fröhlicher Mitsing-Ohrwurm.

Und was sagt unser Kronprinz dazu? Er findet es schade, dass das Königslied die Nation so spaltet, sieht es aber positiv: Er hat inzwischen schon sieben Königslieder, und das kann wohl kein anderer König von sich behaupten. Und ich möchte noch den Königsjodler von Fredl Fesl vorschlagen:

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Mein kleiner gelber Krokus

Heute ist wieder so ein Schietwettertag, der wunderbar in den November passen würde. Alles ist grau, der Himmel sieht, wie Bill Bryson einmal so schön schrieb, aus wie ein Stapel nasser Handtücher und es regnet. Aber in unserem Vorgarten steht ein kleiner gelber Krokus und tut sein Bestes, um etwas frühlingshafte Stimmung zu verbreiten.

Als wir vor etlichen Jahren in unser Häuschen mit Garten zogen, pflanzten wir im Herbst begeistert viele Blumenzwiebeln. Im darauffolgenden Frühjahr rannte der Gatte eines Morgens zum Küchenfenster und schaute hinaus. Auf meine Frage, was es denn so Interessantes gebe, antwortete er: „Ich gucke, ob wir schon Krokusse haben. Bei meinen Kollegen kommen sie schon!“ Ich schaute ihn etwas verblüfft an und prustete dann los, worauf er meinte: „Kann es sein, dass wir schon ziemlich bürgerlich geworden sind?“ Ich konnte es nicht abstreiten.

Damals gab es noch jedes Jahr im Herbst die Reklame (wahrscheinlich vom Bloemenbureau Holland, aber ich bin mir da nicht ganz sicher), dass es wieder an der Zeit wäre, die Blumenzwiebeln zu pflanzen. Irgendwie kam ich mir dabei immer etwas bevormundet vor. Als ob wir das nicht selber hinkriegen würden, wenn wir mal wieder welche pflanzen wollen! Genauso wie diese unsägliche Reklame nach den Weihnachtsfeiertagen: „Kerstboom eruit – kamerplant erin!“ (Weihnachtsbaum raus – Zimmerpflanze rein!) So ein Baum steht ja doch immer im Weg rum, da werde ich mir im Januar sicher nicht wieder so ein mannshohes Gestrüpp hinstellen. Und wo kommt dann im Dezember der nächste Baum hin?

Die Krokusse, Schneeglöckchen und andere Frühlingsblumen gediehen jedenfalls ein paar Jahre prächtig, danach wurden es immer weniger. Da es aber inzwischen diese Reklame nicht mehr gibt, denken wir im Herbst natürlich an alles Mögliche, aber nicht an die Blumenzwiebeln. Und so steht dieses Jahr in unserem Vorgarten ein einzelner kleiner gelber Krokus und tut sein Bestes, um frühlingshafte Stimmung zu verbreiten. Und jedes Mal, wenn ich aus dem Küchenfenster schaue, nehme ich mir fest vor, diesen Herbst wieder Blumenzwiebeln zu pflanzen, damit der kleine gelbe Krokus Gesellschaft bekommt. Liebe Leser, vielleicht könnt ihr mich ja daran erinnern, wenn es so weit ist. 🙂

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