Unterwegs / Onderweg

Overijssels Havezatenpad: Etappe 5 und 6 (Ommen – Zwolle)

Im letzten Jahr war ich ja bis Ommen gekommen, und eines schönen Tages im Juli fand ich, dass es Zeit war, um weiter zu gehen, und zwar von erst mal von Ommen nach Dalfsen. Aber es kam etwas anders…

Im öffentlichen Nahverkehr ist ja bei uns Maske vorgeschrieben, und selbstverständlich habe ich auch eine, sogar eine sehr schicke, wie ich finde.  Bei mancen Leuten scheint die Maske inzwischen ein Fashion-Statement zu sein. Mein Highlight war ein junger Mann, Typ südländischer Schönling mit bis zum Bauchnabel offenen Hemd im Leopardenprint mit passender Maske.

Openbaar vervoer Openbaar vervoer2

In Ommen angekommen lief ich mal wieder ein Stückchen über den Pieterpad, da ich das Stück Havezatenpad vom Bahnhof Richtung Stadt letztes Jahr schon gelaufen bin. Dann allerdings stellte ich fest, dass mein alter Wanderführer nun wirklich nicht mehr aktuell ist. Bis letztes Jahr wurde er auf der Website aktualisiert, aber jetzt ist ein neuer rausgekommen, und einiges ist schon sehr anders. Ich hatte gedacht, für die paar Etappen lohnt sich der neue nicht, aber war wohl nix. Unterwegs sah ich einen Sticker „Route geändert“, aber welche? In Ommen treffen sich drei Fernwanderwege, der Pieterpad, der Havezatenpad und der Maarten-van Rossum-Pad.

Kruispunt van 3 LAWs Afstand houden

Also versuchte ich es auf gut Glück, musste jedoch nach einer Weile feststellen, dass es echt nicht klappt. Bei der Sucherei wäre ich wohl morgen noch unterwegs. Nach ca. 7 km beschloss ich, mit dem Bus zurück zum Bahnhof zu fahren. Da der angekündigte Bus nicht kam, durfte ich also auch noch zurück latschen. So wurde die geplante Strecke ein Rundgang (nl. ommetje) um Ommen. Auch schön.

Ommen Ommen2

Zu Hause angekommen trabte ich sofort reumütig in die Buchhandlung, um mir die neue Ausgabe zu besorgen. Damit müsste es eigentlich beim nächsten Versuch klappen.

Vier Wochen später, als die sehr hochsommerlichen Temperaturen etwas moderater geworden waren, unternahm ich den nächsten Versuch. Die Route war tatsächlich drastisch geändert worden, anstatt durch das Zentrum und dann hintenrum Ost ging es jetzt an der Vecht entlang. Auf dem Campingplatz am anderen Ufer suchten viele Letue Erfrischung im Fluss. Ich kam an ein paar Steinen vorbei, über die man eine Senke durchqueren konnte, doch der Boden war so trocken, dass man einfach durchlatschen konnte. In anderen Jahreszeiten dürfte es aber eine ziemliche Matschpartie sein.

Vecht Stepping Stones

Unterwegs boten diverse Bänke Gelegenheit zum Rasten  und Rucksackfies machen, aber ich werde sie hier nicht alle posten. Außerdem konnte ich zwischendurch bei einem biologischen Hühnerhof und einem Campingplatz meine Wasserflaschen nachfüllen, bei diesen Temperaturen kein überflüssiger Luxus.

Rucksackfie Hühnerhof

Nach einer Weile erreichte ich die Schleuse von Vilsteren mit Fischtreppe, die vor allem vom Aland, einer Karpfenart, genutzt wird. Die Schleuse wird übrigens noch von Hand betrieben.

Vilsteren - Fischtreppe Vilsteren - Schleuse

Dann erlaubte ich mir, die Route ein bisschen zu verändern, so dass ich mehr im Schatten gehen konnte. Dass sie dabei auch etwas kürzer wurde, könnte den Blutdruck der Wanderwegpuristen etwas in die Höhe treiben, aber angesichts der Temperaturen ist das vertretbar, finde ich. Solange ich mich an die „connecting footsteps“ halte …

Ich kam am Landgut Rechteren vorbei und erreichte schließlich den Bahnhof.

Rechteren

Nach einem kurzen Blick auf das Stadtzentrum und ein Kunstwerk trank ich noch ein Radler, bevor ich nach Hause fuhr.

Dalfsen 2 Dalfsen

Am nächsten Tag ging es weiter. Es war angenehm bewölkt, doch beim Bahnhof in Dalfsen versammelten sich mehrere Wanderer, die – wie ich – an der geschlossenen Bahnschranke warten mussten. Hoffentlich verlief sich das bald, ich bin nunmal kein Rudeltier!

Dalfsen 3

Nach einer kurzen Weile bog die Gruppe ab und ich ging geradeaus weiter, da ich mir Landgut Den Berg von vorne anschauen wollte. Ich sollte sie an diesem Tag noch dreimal sehen. Aus den diversen Briefkästen vor dem Herrenhaus schloss ich, dass hier wohl mehrere Parteien wohnen.

Den Berg 2 Den Berg

In der Nacht hatte es hier kräftig geregnet, im Wald standen sogar noch Pfützen auf dem Weg. Es wurde auch langsam wieder Zeit, die letzten Wochen waren recht heiß und trocken gewesen. Auf einer Bank im Schatten machte ich Pause. Ein junges Paar mit zwei Kindern von etwa drei und vier Jahren kam vorbei. Die Kinder zählten begeistert die Kühe auf der Weide und fischten dann einen langen Ast aus dem Gebüsch, den sie gemeinsam weiter trugen. Ich fragte sie, ob sie ihn mit nach Hause nehmen würden. Der Vater winkte entsetzt ab, die Mutter lachte. Als ich eine Weile später weiterging, sah ich nach der nächsten Biegung den Ast liegen. Da hatten sie ja ein ganzes Stück durchgehalten. Als ich sie einholte, zogen sie gerade wieder einen Ast aus dem Gebüsch. Ich sagte zur Mutter: „Ich seh schon, sie haben wieder einen neuen.“ Die Mutter: „So geht das schon die ganze Zeit.“ Aber sie schienen eine Menge Spaß zu haben.

Nach einer Weile erreichte ich das Landgut De Horte, wo seit 1973 die Organistation Landschap Overijssel residiert. Nicht schlecht, Herr Specht. Im Garten gönnte sich die Truppe vom Bahnhof eine ausgiebige Ruhepause.

De Horte De Horte 2

Nachdem ich Haus und Garten bewundert hatte, zog ich weiter.In einem verwilderten Vorgarten grasten Schweine und Hühner.

Schweinderl

Kurz vor dem Naherholungsgebiet Wijthmenerplas (sprich Wietemerplas) kam ich bei einer Banksitzgruppe vorbei, wo ich mir eine Pause gönnte und meine Füße auslüftete. Schon bald zog fröhlich winkend die Truppe vom Bahnhof wieder vorbei.

Der Wijthmenerplas ist ein riesiger Baggersee mit vielen einzelnen Nischen, wo man schwimmen, Boot und Wasserski fahren und in der Sonne liegen kann. Es war lange nicht so voll wie ich angesichts des Wetters gedacht hatte, es verläuft sich.

Wijthemerplas 2 Wijthemerplas

Ab hier folgte ich nicht mehr der Route in meinem Führer, sondern der Variante auf der Bahn-Website, so dass ich nicht zweimal die gleichen vier Kilometer zum Bahnhof Zwolle und zurück gehen muss. Am Golfplatz und einem Kanal mit Hausbooten  vorbei ging es in Richtung Stadtzentrum, wo hinter dem Provinciehuis tatsächlich eine Kermis stattfand. Beim Kanal begegnete ich zum letzten Mal der Truppe vom Bahnhof.

Zwolle Golfplatz Zwolle Kanal

Zwolle ist eine alte Festungsstadt, und das Zentrum hat immer noch seinen sternförmigen Grundriss und ist von einem Wassergraben umgeben. Dort wurde auch gepaddelt und Eis verkauft – von einem Boot aus.

Zwolle Eisboot

An dem beeindruckenden Stadttor Sassenpoort vorbei ging ich zum Bahnhof, wo ich mir einen riesigen Pistazienmilkshake reinzog und dann gemütlich mit dem Zug nach Hause gondelte. Es waren wieder sehr schöne Wanderungen, und bald möchte ich noch ein Stück weiter gehen.

Zwolle Sassenpoort

 

 

 

 

 

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Wandern in Zeiten der Corona

Man könnte annehmen, dass ich gerade während des Lockdown und des daraus resultieren Homeoffice Zeit zum Wandern finden würde, aber dem war nicht so. Erstens stellte ich nämlich fest, das Fernunterricht, und vor allem der Kurs an der Universität, auch eine ganze Menge Zeit kostet.  Klar spare ich mir die Fahrzeit und den Puffer, den ich immer einplane, aber so eine Unterrichtseinheit muss ganz anders vorbereitet werden, da durch das Fehlen des direkten Kontakts auch die Möglichkeit des Improvisierens zu einem großen Teil wegfällt.

Zweitens war man ja sowieso angehalten, so viel wie möglich zu Hause zu bleiben und die öffentlichen Verkehrsmittel nur zu benutzen, wenn es unbedingt notwendig ist. In den Wanderforen und -gruppen gab es dazu auch regelmäßig Zoff: „Bewegung an der frischen Luft, also auch Wandern, ist gesund“ versus „Wir sollen doch zu Hause bleiben!“

Da wir bereits Mitte März angehalten waren, den öffentlichen Nahverkehr zu meiden, beschloss ich, mit dem „Hilligenpad (Heiligenpfad)“ hier in der Umgebung zu beginnen. Der ist mit den Öffis sowieso etwas schwierig, und man muss sich zu den Etappenstarts und -zielen doch bringen und abholen lassen. Das widerspricht zwar irgendwie meinen Prinzipien, aber das sei nun einmal so. Am 15. März ließ ich mich also von Peter beim Hof Espelo absetzen, um von dort aus bis hinter Lonneker und  nach Hause zu laufen.

So etwas wie einen Startpunkt fand ich dort nicht, aber nach einigem Suchen stieß ich auf die ersten violett-weißen Markierungen. Dass es sich um eine „Besinnungsroute“ handelt, merkt man schon am Wanderführer. Normalerweise bekommt man deutliche Richtungsangaben („An der dritten Kreuzung links“), während es hier recht verschwurbelt hieß: „So, nun hast du also wirklich deine Pilgerreise angefangen.“ Oder: „Du befindest dich in der Nähe eines besonderen Ortes“. Doof nur, wenn man den nicht findet oder erkennt, aber gut. Ich beschloss, mich darauf einzulassen oder es zumindest zu versuchen.

Ich kam am Fischweiher des Hof Espelo vorbei (früher aßen Katholiken am Freitag Fisch), und dann ging es weiter durch ein Neubaugebiet mit Häusern, in denen in Krimis meistens die reicheren Schurken oder zumindest Verdächtigen wohnen: Schuhschachteln mit viel Glas.

Dann stellte ich fest, dass ich Station 2, die Kapelle des Heiligen Jakobus des Älteren, verpasst hatte. Sollte ich umkehren? Ich beschloss, erst mal weiter zu gehen und die Kapelle ein andermal zu suchen. Doch bald kam ich an einen Pfad, der aufgrund der Regenfälle der vergangenen Woche so schlammig war, dass an ein Weitergehen erst mal nicht zu denken war. Ich nahme es – ganz im spirituellen Modus – als Zeichen des Heiligen Jakobus, dass ich erst mal seine Kapelle suchen sollte.

Auf dem Rückweg nach Lonneker bewunderte ich die Stromverteilerkästen und schaute im „Urinoir bezet“ vorbei, dem wohl einzigen Museum, das während des Lockdown geöffnet blieb.

Obwohl man schon angehalten war, Abstand zu halten, waren die Terrassen der Restaurants gut besucht, doch ich verzichtete darauf, dort einen Kaffee zu trinken. Am selben Tag sollten dann Schulen und Restaurants geschlossen werden.

Kurz darauf entdeckte ich tatsächlich die Kapelle, die von hier aus nicht zu übersehen war. Wenn man von der anderen Seite kam, dann allerdings schon. Von dort aus ging ich nach Hause.

Am 22. März ging ich dann wieder zum Matschpfad, der inzwischen zwar immer noch matschig, aber immerhin wieder begehbar war.

Ich kam an einem Wegkreuz und Resten des ehemaligen Landwehrs vorbei, aber weiterhin war es wenig spektakulär. Außerdem begenete ich im Gegensatz zur letzten Woche wenig Leuten. Die waren wohl alle am Strand, zumindest sah es in den Nachrichten so aus. Am nächsten Tag wurden die Maßnahmen verschärft.

Danach verlief das „Abenteuer Hilligenpad“ erst mal im Sande, aber vielleicht mache ich demnächst damit weiter. In den nächsten Wochen machten Peter, der inzwischen im Homeoffice saß, einen Mittagsspaziergang. Oft gingen wir zu dem Weiher, wo ich vor zwei Jahren mühsam mit Krücken unterwegs war, um die diversen Wasservögel zu beobachten. Oder ich unternahm Steifzüge durch die Straßen in der Umgebung und suchte mit Blumen bemalte Stromveteilerkästen, die ich irgendwann in den sozialen Medien und meinem Berufsblog verbraten möchte.

Aber am 19. Juni war mal wieder Gelegenheit für eine längere Wanderung, da Peter nach Kampen musste und mich mitnehmen konnte. Ich ließ mich von ihm bei der IJsselbrücke in Zwolle absetzen und dackelte gemütlich bei Premiumwetter am Fluss entlang (ca. 18 km).

Auf den ersten Blick erschien es sehr einfach: Bei der Brücke rechts abbiegen und dann dem Fluss folgen. Aber erst muss man um die Katerveer- und die Spoolderschleuse rum, danach kann man tatsächlich am Fluss entlang wandern.

Der Weg führt zum Teil direkt am Ufer durch das Überlaufgebiet (uiterwaarden), zum Teil über den Radweg auf dem Deich. Unterwegs gab es eine Menge zu sehen: Storchennester, diverse Wasservögel, badende Kühe, grasende Pferde und Schafe, zahlreiche Boote und Schiffe etc.

Gelegentlich blieb ich auf einer Bank sitzen und ließ mir die Sonne auf den Pelz scheinen, und bei Wilsum gönnte ich mir eine ausgiebige Rast mit Fußbad. Dass ich mich beim Aufstehen volle Kanne in eine Brennessel stützte, war etwas weniger geschickt, aber das ist ja bekanntlich gut für die Durchblutung.

Am Nachmittag erreichte ich das Ziel meiner Wanderung, die Stadtbrücke von Kampen, wo ich von Peter wieder aufgesammelt wurde.


Fazit: Eine schöne Strecke, genug Zeit und bestes Wetter – was will der Mensch mehr? Ich hoffe, dass in diesem Sommer noch mehr Gelegenheiten zum Wandern kommen.

 

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Overijssels Havezatenpad: Etappe 5 und 6 (Rijssen – Ommen)

Eigentlich hatte ich die beiden Etappen schon im August zurückgelegt, aber man kommt ja zu nix! Auch diesmal bin ich zwei Etappen in drei Tagen gelaufen.

Ich fuhr wieder mit der Bahn nach Rijssen, wo ich erst auf die Suche nach dem Landgut Oosterhof ging, das ich beim letzten Mal ja verfehlt hatte. Die Strecke vom Bahnhof auf die Route war einigermaßen gut markiert und führte durch den Volkspark, wo auch einige Stationen des Weltzeitpfades sind. Dieser führt von Rijssen nach Holten, und auf dem Pieterpad hatte ich ein Stück des anderen Endes gesehen. Außerdem kam ich an einem Gehege mit Pfauen uns sonstigem Getier vorbei. Grundgütiger, die Viecher machen einen Krach!

Dann kam ich übe eine idyllische Brücke zum  Gutshaus Oosterhof, das auch das Museum von Rijssen und das Feuerwehrmusem beherbergt. Es hatte zwar noch nicht geöffnet, aber immerhin standen ein paar Feuerwehrautos in der Einfahrt.

Inzwischen befand ich mich wieder auf der Route, aber in welche Richtung musste ich jetzt? Meinem untrüglichen Instinkt folgend ging ich erst in die falsche, aber zum Glück merkte ich meinen Irrtum schnell. Bei Premiumwetter ging es an der Windmühle Pelmolen vorbei, wo auch Bootsfahrten angeboten werden. Der Weg führt wieder am Wasser entlang, und es ist sicher gut, dass es eine Wegmarkierung nach rechts gibt, bevor man geradeaus in den Bach latscht.

Unterwegs sah ich noch einige kuriose Dinge. Der Fußweg führte unter einer Brücke mit variabler Durchgangshöhe hindurch, die Holzbohlen bewegten sich also mit dem Wasserstand. Dieser war zum Glück nicht so hoch, sonst wäre es eng geworden. Dann musste ich über einen Zaunübertritt auf eine Weide, die so matschig war, dass ich beschloss, barfuß weiterzugehen. Die Weide wird von einem Bach durchquert, durch den man über drei Steine muss. Diese stehen jedoch etwas schief, so dass ich befürchtete, das Gleichgewicht zu verlieren und mit Rucksack und allem im Wasser zu landen. Also prüfte ich vorsichtig, wie tief der Bach ist (knapp knietief) und ging hindurch. Danach lief ich ein ganzes Stück barfuß auf einem Feldweg weiter, bis meine Füße wieder trocken waren – Mindfulness purst!

Außerdem passierte ich das Gehöft Rectum, das tatsächlich recht weit draußen liegt.  Am Wegesrand wurden gelegentlich leckere Dinge feilgeboten, wie zum Beispiel Kürbisse oder Marmeladen. Gut, Kürbissuppe könnte ich gelegentlich mal wieder machen, aber einen Kürbis etliche Kilometer mitzuschleppen ging mir doch etwas weit. Und Marmelade hatten wir noch genug.

Nach einer Weile ging es durch das Naturgebiet Wierdense Veld, wo Schafe aller Art grasten und die Heide fröhlich blühte. Es war recht warm, und so freute ich mich über einen Ruhepunkt (rustpunt) unterwegs, wo ich mir ein Eis gönnte, bevor ich zum Bahnhof Nijverdal ging und den Heimweg antrat.

Am nächsten Tag ging es von Nijverdal aus weiter. Dort kam ich an einer Textilfabrik vorbei durch eine verwunschene Gasse. Schon bald hatte ich die Ortschaft verlassen und war draußen am Wasser.

Nach einigen wunderschönen Kilometern an der Midden Regge entlang erreichte ich den ehemaligen Gutshof Schuilenburg, von dem nur noch die Scheune übrig ist. Diese tut jetzt Dienst als „Sagenscheune“ und wird von einem Ritter bewacht, dessen rechter Arm abgebrochen ist und hinter ihm auf dem Boden liegt. Ein wahrlich armer Ritter.

Das Wetter war wohl ideal zum Angeln, und ich entdeckt auch ein nettes Schild mit der Aufschrift: „Manchmal wollte ich, dass ich ein Fisch wäre, dann hätte ich immer was zum Saufen.“ Nette Gegend hier.

Die letzten Kilometer ging ich anhand von Fahrradknotenpunkten zur Bushaltestelle in Noord-Meer, von wo aus ich den Heimweg antrat.

Eine Woche später ging es dann weiter. Von Nord-Meer aus erreichte ich schnell wieder die Route. Ich kam am Schloss Eerde vorbei, von dem ich aus unerfindlichen Gründen kein Foto habe. Vielleicht habe ich aus Versehen mal zu gut aufgeräumt, denn ich bilde mir ein, noch um das Schloss rumgelaufen zu sein. Aber dafür habe ich ein paar vom Pfadfindercampingplatz Eerde, wo die Zeltwiesen so nette Namen haben wie „Birkenfeld“, „Vogelweide“ oder „Bei der Buche“. Auf dem Feld „Wespenlust“ möchte ich mein Zelt aber lieber nicht aufstellen.

Dann erreichte ich das Steile Oever, wo ich auf einer Bank eine Semmel und die Aussicht über den Fluss genoss. Es geht da schon recht steil runter.

Bald darauf kreuzte sich der Havezatenpad mit dem Pieterpad. Am 1. Dezember 2016 war ich also schon mal an dieser Stelle.  Damals steckten wir gerade mitten im Umzug – wie die Zeit vergeht.

Ich folgte der Route weiter nach Ommen, wo ich noch am Landgut Het Laer vorbeikam. Dieses Landgut verfügt auch über einen Eiskeller, in dem jetzt Fledermäuse hausen, die allerdings erst bei Einbruch der Dunkelheit aktiv werden.

So bin ich also wieder ungefähr 65 km weiter gewandert und dieses Jahr noch bis Ommen gekommen. Das reimt sich, und was sich reimt, ist wahr (Pumuckl).

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Overijssels Havezatenpad: Etappe 3 und 4 (Delden – Rijssen)

Diese beiden Etappen wanderte ich über drei Tage verteilt, da 35 und 28 Kilometer schlichtweg zu lang sind, auch wenn es meinem Fuß wieder besser geht. Der erste Teil, von Delden zum Wiener Benteler Scheidingsweg, war sowieso eine Art Nagelprobe, da sich die erste Bushaltestelle bei acht Kilomtern befand, und die zweite erst bei 20. Dazwischen gab es nichts. Immerhin war Peter an diesem Tag zu Hause und könnte mich notfalls abholen, aber ich würde es halt auch gerne so schaffen.

Also fuhr ich am längsten Tag des Jahres mit dem Zug nach Delden, wo ich voriges Jahr aufgehört hatte. Der Weg führte nicht durch die Ortschaft selbst, sondern am Zentrum vorbei Richtung Landgut Twickel. Hier müsste man eigentlich die Route in Gegenrichtung laufen, so dass man sich auf das Schloss zubewegt.

Twickel

Eine Weile ging es gemütlich am Wasser entlang an der Noordmolen, einer restaurierten Ölmühle, vorbei.

Twickeler Vaart Noordmolen

Unterwegs grasten Pferde und Kühe, und ein Bauer verkaufte nicht nur Marmelade und dergleichen, sondern man konnte dort auch Bücher tauschen. Die Wespe, die mich dort unter dem Auge gestochen hatte, hätte es allerdings nicht gebraucht.

Boekenkast Landschap

Nach einer Weile erreichte ich das Pfannkuchenrestaurant Markenrichter. Nach meiner Erfahrung in Rheeze am Pieterpad hatte ich diesmal die Öffnungszeiten vorher überprüft und konnte mir einen leckeren Pfannkuchen einverleiben und meine Wasserflaschen nachfüllen.

Pannenkoek

Dann ging es weiter zur Bushaltestelle, wo der Bus allerdings so nah an den Rand fuhr, dass ich fast im Graben gelandet wäre. Trotzdem war es ein schöner Tag, und ich war rechtschaffen stolz, dass ich die 20 Kilometer geschafft hatte.

Gut sechs Wochen später, als die Temperaturen mal wieder etwas weniger sommerlich waren,  ging es dann weiter. Das Aussteigen aus dem Bus erwies sich als nicht ganz so gefährlich, oder vielleicht war ich einfach vorgewarnt?

Auf dem ersten Teil der Strecke wimmelte es nur so von Schlössern und Landgütern. Erst ging es an Huize Wegdam und wenig später Schloss Weldam vorbei.

Wegdam Weldam

Dann näherte ich mich dem Landgut Het Nijenhuis, und die Route führte praktisch dreiviertel um das Gebäude herum, so dass ich es von mehreren Seiten bewundern konnte.

Nijenhuis Nijenhuis2

Um Diepenheim herum gibt es sogar so viele Schlösser, dass die Straßenschilder Richtung „Huis te Diepenheim“ und „Overige kastelen (Weitere Schlösser)“ anzeigten. Am Huis te Diepenheim kam ich auch vorbei, aber Schloss Warmelo hätte einen Umweg bedeutet, zu dem ich an diesem Tag keine Lust hatte. Nicht nur bei Huis te Diepenheim mit den grasenden Gänsen, auch bei den Waldwegen konnte man sehen, wie trocken es in der letzten Zeit gewesen war.

Diepenheim Waldweg

Doch plötzlich war es vorbei mit dem schönen Wetter und der Himmel öffnete seine Schleusen. Aber ich gönnte der Natur den Regenguss, und es gibt ja auch kein schlechtes Wetter, nur falsche Kleidung, und so stapfte ich in meinem Umhang weiter.

Regen Regen2

Ich kam noch an dem Herrenhaus Westervlier vorbei, wo man angeblich Wegegeld bezahlen musste. Aber von mir wollte niemand etwas, und so schlurfte ich weiter meines Weges.

Westervlier Weggeld

Beim Restaurant De Viersprong hätte ich eigentlich zum Schipbeek abbiegen und meinen Weg am Ufer fortsetzen sollen. Aber im Regen am Wasser entlang wandern ist nicht wirklich ein Vergnügen, also beschloss ich, hier den direkten Weg nach Markelo zu nehmen, wo ich sowieso in den Bus nach Hause einsteigen wollte.

Am nächsten Tag regnete es erst mal nicht, dafür wehte ein frisches Lüftchen, und zwar genau in die Richtung, in die ich wollte. Das erste Stück ging also recht flott. Und am Wegesrand blühten Blumen neben dem Mais, sehr schön.

Akkerrand Lüftchen

Danach ging es eine Weile über Sandwege durch die Borkelder Heide, die entgegen aller Erwartungen trotz der Trockenperiode wunderschön blühte.

Heide

Zwischendruch regnete es mal wieder, aber diesmal waren es eher kürzere Schauer. Gelegentlich war es etwas schwierig, die Markierungen zu finden, da mein Wanderführer nicht mehr ganz auf dem neuesten Stand war und ich wohl nicht alle Updates im Internet erwischt hatte. So kam es, dass ich im Wald mal wieder falsch abbog und mich unversehens auf einer Mountainbike-Strecke wiederfand. Nichts wie weg, denn wenn da ein ganzes Rudel ankommt, gibt es eine Katrastrophe! Zum Glück konnte ich die Spur nach relativ kurzer Zeit wieder verlassen, kam aber dummerweise da wieder aus dem Wald heraus, wo ich hineingegangen war. Eine Wiederholung des Experiments schien mir nicht gerade erstrebenswert, und so fragte ich zwei Radfahrerinnen, in welcher Richtung Rijssen lag und ging um den Wald herum.

Auf diese Weise erreichte ich nach einer Weile den Ortsrand von Rijssen und ging durch ein endlos scheinendes Wohngebiet ins Zentrum, das mir aber nicht besonders gut gefiel, eine Einkaufsstraße mit den üblichen Geschäften halt. Und da ich auf der falschen Seite in den Ort gekommen war, verfehlte ich das einzige Landgut dieses Tages. Das würde ich beim nächsten Mal nachholen.

Nach einer Weile fand ich den Bahnhof, dessen schönes Gebäude allerdings nicht mehr genutzt wird, auf jeden Fall nicht als Bahnhofsgebäude. Durch den Tunnel trabte ich auf das richtige Gleis, wo ich zum Glück nicht lange auf den Zug warten musste.

Rijssen

Ich war wieder gute 60 Kilometer weitergekommen.

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Ostern am Trekvogelpad

Da der Hausherr mit den Passiespelen in Hertme beschäftigt war, wo er einen Pharisäer spielte, und ich ihn schon zweimal in dieser Rolle bewundert hatte, beschloss ich, an den Osterfeiertragen auf dem Trekvogelpad weiter zu wandern und hoffentlich wieder längere Etappen als im Vorjahr zu schaffen.

Tag 9, Hoenderlo – Otterlo: Nationalpark Hoge Veluwe

Nach acht Monaten, am 20. April, begab ich mich also am frühen Morgen zum Bahnhof. Die Stadtreinigung war noch nicht aktiv gewesen, und es fiel mir auf, wieviel Müll doch nach so einem Freitagabend auf den Straßen rumliegt. Können die Leute nicht einfach ihren Krempel mitnehmen und zu Hause entsorgen, zefix? Ich nahm mal wieder den Zug nach Apeldoorn, und der Bahnhof dort kam mir immer noch sehr bekannt vor, den hatte ich ja letztes Jahr öfter gesehen.

In Hoenderlo war strahlender Sonnenschein, und ich setzte meinen Weg fort, wo ich letztes Jahr aufgehört hatte. Am Eingang zum Nationalpark Hoge Veluwe reihte ich mich in die Schlange ein und entrichtete meinen Obulus. Es war recht viel los, doch die meisten Leute stürzten sich auf die Leihräder, so dass ich auf dem Wanderweg recht schnell meine Ruhe hatte. Gar nicht schlecht, in so einen populären Gebiet die Rad- und Fußwege unterschiedlich zu führen. Noch immer konnte man sehen, wie die lange Trockenheit im letzten Jahr der Landschaft zugesetzt hatte.

Da es in dieser Gegend wenig Bänke gab, machte ich mein Päuschen nebst Rucksackfie auf einem Baumstumpf.

Nach einer Weile erreichte ich das Jagdschloss St. Hubertus, wo wieder mehr los war, da das Seeufer und die zahlreichen Bänke zum Verweilen einluden. Das Schloss war im Auftrag der Familie Kröller-Müller von dem Architekten Berlage entworfen worden. Dieser hatte die Neue Sachlichkeit mit der Legende des Heiligen Hubertus verknüpft, in der ein grausamer Jäger bekehrt wurde, nachdem er einen gewaltigen Hirschen mit einem brennenden Kreuz zwischen dem Geweih gesehen hatte. Der Grundriss des Gebäudes stellt ein Geweih dar, aber das kann man von außen nicht so gut sehen. Spektakulär ist es aber auf jeden Fall.

Dann ging es weiter über gewundene Pfade zum Besucherzentrum und Museum Museonder, wo man sich die Veluwe von unten anschauen kann. Dort wurde gerade ein riesiger Parkplatz angelegt, und auch am Besucherzentrum wird eifrig gebaut. Auch ein Restaurant gibt es dort, aber angesichts der zahlreichen Besucher verzichtete ich darauf, dort einzukehren, sondern füllte nur meine Wasserflaschen nach und ging dann ins Museonder.

Schon der Eingang mit dem bekannten Dantezitat („Lasst alle Hoffnung fahren“) hatte es mir angetan, und auch die Baumwurzeln sind sehr beeindruckend. Ein Animationsfilm zeigt Geschichte dieses Gebietes. „Veluwe“ bedeutet „schlechtes Land“ (man denke hier auch an das englische „“fallow – brachliegend“). Das Gebiet hatte sich in der Eiszeit geformt (Moränenhügel und Schmelzwassertäler), danach hatte sich dort Wald angesiedelt, der jedoch von den Menschen abgeholzt wurde. Dadurch kam es zu Erosion und Sandverstiebungen, die man heute noch an vielen Stellen sieht. Die Veluwe wurde für die Holzproduktion wieder aufgeforstet, und heute ist es eine Landschaft aus Wäldern, Heide und Sandverwehungen.

Nach dieser informativen Pause ging es weiter zum Kröller-Müller-Museum. Da ich in der „falschen“ Richtung unterwegs bin, näherte ich mich dem Museum von hinten über Sanddünen und Treppen.

Im Gebäude wimmelte es von Menschen, vor allem Asiaten. Deren Kleidung bestand größtenteils aus einem schwindelerregenden Mustermix, neben dem sogar Van Goghs Sonnenblumen verblassten. Da ich ja, wie man weiß, kein Freund von Menschenmassen bin, beschränkte sich mein Rundgang auf die Van-Gogh-Gemälde, die man ja vor allem von Postern und Kunstkalendern kennt. Dann suchte ich mir ein halbwegs ruhiges Plätzchen im Garten und dachte daran, wie ich vor Jahren einmal mit zwei Freundinnen aus der alten Heimat hier gewesen war. Es war damals auch um Ostern herum, aber es herrschte deutlich weniger Betrieb. Auf Leihrädern waren wir vom Eingang Otterlo hierher gefahren, und dreimal dürft ihr raten, wer das Rad mit dem durchweichten Sattel erwischt hat. Im Museum befand sich auch einiges modernes Gedöns, und mitten im Gang stand ein Eimer. Dieser gab uns besonders viele Rätsel auf. Warum ein Eimer, und warum stand er genau da, wo jeder vorbei muss? Was wollte uns der Künstler damit sagen? Die Antwort konnte banaler nicht sein: An dieser Stelle war das Dach undicht.

Ich verließ das Museum wieder – dank meiner Jahreskarte kann ich auch hier umsonst rein – und setzte meinen Weg nach Otterlo fort. Nicht weit von der Bushaltestelle gönnte ich mir in einem Eiscafé einen Riesenmilkshake und fuhr dann ohne weitere Vorkommnisse nach Hause.

Tag 10, Otterlo – Ede: Ein warmer Tag

Am nächsten Tag fuhr ich morgens wieder nach Otterlo, wo ich von der Bushaltestelle ins Zentrum ging. Wie in Hoenderlo hält man auch hier Bürgersteige für überbewertet. Ich kam an einem Fliesenmuseum vorbei, das aber leider noch nicht geöffnet hatte.

Dann war ich wieder im Wald, genauer im Naturgebiet Planken Wambuis. Ich betrachtete die teilweise bizarren umgestürzten Bäume und konnte mir vorstellen, dass es abends hier ganz schön unheimlich sein könnte.

Irgendwann kam ich an Kunstwerken von einem gewissen Adri Verhoeven vorbei. Ich taufte die Serie spontan „Hinkelsteine am Wegesrand“, aber der Künstler hatte seinen Objekten andere Namen wie „Zweeds Verlangen“ oder „Groene Blaadjes, Oude Stenen“ gegeben. Nett fand ich auch die Hochlandrinder, die teilweise gemütlich zwischen den Steinen grasten. Kunst und Landschaft pur!

 

Erst verlief die Route noch über Waldwege, dann ging es ein ganzes Stück über einen fast schnurgeraden Radweg zur Mosselboerderij. Inzwischen war es ganz schön warm geworden.  Vor mir schob ein Mann einen Rollstuhl mit einer Frau darin. Er hatte ein ganz schön flottes Tempo drauf, Respekt. Bei der Gastwirtschaft setzte ich mich zu zwei Radfahrerinnen an eine Picknickbank, wo ich erst mal Schuhe und Socken auszog. Wir unterhielten uns gemütlich, und als ich meine Semmeln verspeist hatte, füllte ich meine Wasserflaschen nach und setzte meinen Weg fort.

Weiter ging es zum Naturgebiet Ginkelsche Heide, wo ich mir beim Restaurant Juffrouw Tok wieder eine Pause und einen kleinen Imbiss gönnte. Fast hätte ich dort meinen Sonnenhut vergessen, was ziemlich unpraktisch gewesen wäre. Da die Bäume noch nicht sehr belaubt waren, gab es unterwegs doch weniger Schatten als erhofft.

Über ausgedehnte Heidefelder mit eingen Grabhügeln ging es weiter Richtung Bahnlinie. Unterwegs verpasste ich mal wieder eine Markierung, kam aber nicht so weit von der Strecke wieder heraus wie befürchtet. Auf einem Rastplatz stand ein Eisverkäufer, an dem ich natürlich nicht einfach so vorbeigehen konnte. Dann folgte ich den Gleisen bis zum Bahnhof Ede-Wageningen. In diesen zwei Tagen hatte ich doch 37 km zurückgelegt.

Ab jetzt muss ich wieder übernachten, mal sehen, wann es weiter geht. Im der Facebookgruppe zum Trekvogelpad meinte allerdings jemand, dass ich den schönsten Teil schon hinter mir habe. Aber ich denke doch, dass ich irgendwann weiterlaufen werde. Im Moment bin ich allerdings noch mit dem Havezatenpad beschäftigt.

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Overijssels Havezatenpad: Etappe 1 und 2 (Oldenzaal – Delden)

Dieses Jahr im Januar stürzte ich mich voller Enthusiasmus in ein neues Wanderprojekt in Wohnortnähe: Der Overijssels Havezatenpad. Der ca. 220 km lange Weg beginnt in Oldenzaal und führt an zahlreichen Landgütern (Havezaten) vorbei nach Steenwijk. Ein gutes Projekt für die kühlere Jahreszeit, da die Anfahrtswege zur Route nicht so lang und Übernachtungen nicht nötig sind.

Etappe 1:

An einem kühlen, aber trockenen Januarmorgen fuhr ich mit dem Bus nach Oldenzaal. Durch Wald und Flur ging es an idyllischen Bauernhöfen und Landgütern vorbei, und obwohl die Sonne sich nicht hat sehen lassen, war es schön.


Auf dem Waldstück am Lonnekerberg hätte ich vielleicht besser die Schlechtwettervariante nehmen können, denn die Strecke war eher ein Hindernislauf in Kombination mit Schlammcatchen für Fortgeschrittene. Aber durch mehr oder weniger elegantes Slalomlaufen und gelegentliches Treehugging meisterte ich den Parcours ohne nassen Hosenboden.

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In Lonneker wollte mein innerer Schweinehund lieber nach Hause und die restlichen 8,5 km auf ein anderes Mal verschieben, aber nach einer Latte Macchiato mit Apfelkuchen im Café Sprakel ließ er sich überreden, weiter zu gehen.

Das nächste Stück war nicht so aufregend, außer dass ich mich der Universität von hinten näherte. Der Campus war sehr ruhig verglichen mit Mittwoch Nachmittag, wenn ich dort einen Kurs gebe. Auf dem letzten Stück ging ich an den Studentenwohnheimen vorbei. Der Student von heute wohnt anscheinend ähnlich wie wir früher, in einem Sammelsurium von abgedankten Möbeln. Nur die Wochenendbesucher sind nicht mehr mit Rucksack, sondern mit Rollkoffer unterwegs – es lebe der Fortschritt.

Bei dem Kirchturm im Universitätsweiher hat sich der Künstler vom Reschensee inspirieren lassen, aber er meint es symbolisch: die Dogmen der Kirche gehen unter angesichts der Wissenschaft:

Etappe 2:

Die zweite Etappe war eine Art Rehaetappe in 5 bis 7,5 km kurzen Stückchen, um so langsam die Kondition wieder aufzubauen.

Gut 5 Monate nach der ersten Etappe habe ich den Faden wieder aufgenommen und bin 5 km weiter gelaufen, nämlich vom Bahnhof Kennispark zur Bushaltestelle Marssteden. Dort musste der Gatte mich allerdings abholen, denn am Wochenende fährt der Bus nicht.

Erst ging es am sogenannten Kristallbad vorbei, einem Wassergewinnungs- und Aufbereitungsgebiet:

Weiter ging es durch wunderschöne Natur durch Twekkelo mit den Salzhäuschen und dem Johanneskerkje, dessen Glocken genau in dem Moment, als ich es fotografierte, 12 Uhr schlugen. Mann, bin ich erschrocken.

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Teilweise führte der Weg über die sogenannten Stiewelpade (Stiefelpfade) an Kuhweiden entlang, zum Glück mit einem Zaun zwischen Wanderern und Rindviechern. Trotzdem musste man ziemlich gut aufpassen, da der Pfad uneben und teilweise zugewachsen war. Ich war froh, dass mein Fuß das wieder ganz gut mitmachte, und mein Physiotherapeut fand es eine gute Kraft- und Gleichgewichtsübung. 

Fazit: 5 km waren eine gute Entfernung zum Wiedereinstieg.

Ein paar Tage später ging es weiter von den Marssteden nach Boekelo. Unter der Woche fährt der Bus zu den Marssteden, also war ich autark. Von dort aus wanderte ich am Landgut Wilgenkamp vorbei durch den Wald. Da muss ich nächstes Frühjahr nochmal hin, wenn der Rhododendron blüht, das sieht sicher wunderbar aus. Unterwegs habe ich sogar ein Reh gesichtet.

Der Weg führt zwar recht nah an diversen Industriegebieten vorbei, aber das merkt man fast gar nicht. Gelegentlich muss man aber doch in die Zivilisation, z. B. beim Überqueren der Autobahn.


In Boekelo hatte ich noch Zeit, mir die Wohnanlage „Blekerij“ anzuschauen, eine ehemalige Textilfabrik (alles hier in der Gegend hat irgendwie mit Textil zu tun), die vor ein paar Jahren in Appartments umgewandelt wurde. Schaut gar nicht schlecht aus.

Drei Tage später ging es wieder ein Stück weiter, und zwar von Boekelo nach Beckum. Die Strecke ist 7,5 km lang, und es ging sehr gut. Trotz eines Teilstreiks im öffentlichen Nahverkehr hatte ich Glück, die beiden Busse, die ich brauchte, fuhren ganz normal.

Unterwegs sah ich ein paar nette Schilder: Eins an einer Straßenlaterne macht darauf aufmerksam, dass es sich nicht um eine Störung handelt, sondern dass man sie abgeschaltet hat, um das Kunstlicht außerhalb der Orte zu reduzieren. Finde ich gut, es muss ja nicht überall Festbeleuchtung herrschen. Das zweite befindet sich am Ende eines Bauernhofs und weist darauf hin, dass man hier den Hund, der gerne mal mitläuft, wieder zurückschicken soll.


Für die 7,5 km habe ich einschließlich Fotos machen, Karte lesen und Pause ca. 2 Stunden und 20 Minuten gebraucht, das Tempo steigerte sich also auch langsam.

Das letzte Stück nach Delden hatte eine ähnliche Länge. In Beckum war alles ruhig, nur ein Rasenmähroboter war aktiv. Ich kam an der ehemaligen Schule vorbei, die jetzt eine Art Dorfzentrum ist.

Dann ging es über den Kerkvelder Voetpad, über den die Bewohner früher zur Kirche nach Delden gingen. Am Ortsrand erinnert ein Schild daran, dass man den Weg mit anderen Benutzern teilt und mahnt zu gegenseitiger Rücksichtnahme.

Kurz vor Delden kam ich noch am jüdischen Friedhof vorbei.

Dann erreichte ich den Bahnhof von Delden, wo ich im Bahnhofsgebäude eine Kunstausstellung bewundern und mir die Wartezeit mit einer Tasse Kaffee vertreiben konnte.

Die ersten ca. 50 km sind geschafft, und im nächsten Jahr möchte ich natürlich gerne weiterlaufen.

 

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Der Trekvogelpad in kleinen Stückchen

Als die sommerliche Hitzewelle ihr (vorläufiges) Ende gefunden hatte, packte ich die Gelegenheit beim Schopf, um mal wieder ein Stück auf dem Trekvogelpad weiter zu gehen. Ich schaffte 31 km im drei Tagen, denn bei ungefähr 10 km fing mein Fuß noch an zu protestieren. Aber immerhin schaffte ich schon wieder so viel.

Tag 6, Brummen – Eerbeek: Spuren der Trockenheit

Am 10. August fuhr ich mit dem Zug nach Brummen und fand dort auch sofort den Weg wieder. Zuerst fürte er mich am Landgut Engelenburg vorbei, das jetzt ein Hotel mit Golfplatz ist. Dort sah man deutliche Spuren der langen Hitzeperiode.

Engelenburg Engelenburg2

Der Bach, an dem ich eine Weile entlang ging, war fast komplett ausgetrocknet, und manche Alleen sahen aus wie sonst im Oktober.

Trockenheit2 Trockenheit

Trotzdem war es eine schöne Wanderung, vorbei am Landgut Leusveld und dem Apeldorner Kanal (hier auch mit recht niedrigem Wasserstand), der die IJssel mit Apeldoorn verbindet und früher für die Papierindustrie auf der Veluwe wichtig war.

Leusveld Apeldoorns Kanaal

Bei der gut besuchten Pommesbude am Kanal gönnte ich mir einen Imbiss, bevor ich meinen Weg nach Eerbeek fortsetzte.

Pommes Pommes2

Dort kam ich wegen Unaufmerksamkeit von der Route ab und landete im Zentrum. Da ich für diesen Tag genug gelaufen war, nahm ich dort den Bus Richtung Heimat.

Tag 7, Eerbeek – Schalterdalweg: Wasser, Wald und Heide

Am nächsten Tag, dem 11, August, ging es weiter. Mit Hilfe van Google Maps hatte ich den kürzesten Weg von der Bushaltestelle in Eerbeek auf die Route gefunden. Dass ich nicht immer genau der Route folge, ist für mich kein Problem, aber das Prinzip der „connecting footsteps“ ist mir heilig. Das bedeutet, dass ich nach Unterbrechungen möglichst dort weitergehe, wo ich aufgehört habe, und dass ich die Reihenfolge der Etappen nicht verändere.

Kurz vor Loenen kam ich an einem Aquädukt vorbei, bei dem sich zwei Bäche kreuzen, bzw. der eine Bach über den anderen geführt wird. Wie heißt es doch so schön bei Asterix? Ein Aquädukt, das wirkt römisch.

Aquaedukt

Dann ging es an Loenen vorbei zum Großen Wasserfall, der aus einer für niederländische Verhältnisse spektakulären Höhe von 15 Metern in die Tiefe stürzt. Der  Bach Vrijenberger Spreng mit seinen Wehren war 1865 angelegt worden, um den Apeldorner Kanal mit Wasser zu versorgen. Im Gegensatz zu einigen anderen Wanderen und Radfahrern verzichtete ich darauf, am Wasserfall herumzukrauchen und setzte nach einem Imbiss meinen Weg am Bach entlang fort, wo ich am Kleinen Wasserfall vorbeikam.

Wasserfall Wasserfall2

Wasserfall3

Dann ging weiter durch ein Heidegebiet mit dem schönen Namen „Klein Zwitserland“ auf den Schansenberg mit Aussicht.

Schansenberg2 Schansenberg

Von dort aus ging ich weiter zur Bushaltestelle Schalterdalweg, die sich wirklich mitten in der Pampa befindet. Bald kam dann auch der Bus, der mich zum Bahnhof in Apeldoorn brachte.

Tag 8, Schalterdalweg – Hoenderlo: Eine schöne Wanderung und Fahrkartengedöns

Drei Tage später, am 14. August,  ging es weiter. Als ich am Schalterdalweg aus dem Bus stieg und die Straße überquerte, musste ich erst einmal um eine riesige Wasserpfütze herum. Es hatte tatsächlich mal wieder kräftig geregnet! Trotzdem würde es noch einige Regengüsse brauchen, damit sich die Natur wieder von der langen Trockenheit erholen kann.

Pfütze

Unterwegs begegnete ich mehrmals einigen Landvermessern, die fröhlich pfeifend ihrer Arbeit nachgingen.

Landvermesser

Irgendwann erreichte ich den Schenkenshul, mit seinen 80 Metern über dem Meeresspiegel  der höchste Punkt auf dem Trekvogelpad. Ab jetzt geht es bergab.

Schenkenshul2 Schenkenshul

Auf die Heide folgte Wald, und nach einer Weile passierte ich den ausgedehnten Bungalowpark Miggelenberg mit seinen netten Ferienhäuschen. Hier lässt es sich bestimmt gut urlauben.

Miggelenberg

In Hoenderlo kam ich an einem Fahrradverleih vorbei, wo einige Urlauber ihre ersten Fahrversuche auf einem Tandem machten. Das ist gar nicht so einfach, wie ich aus Erfahrung weiß.

Allerdings hatte ich den Eindruck, dass man in Hoenderlo Fußgänger nicht besonders mag, denn der Weg zum Restaurant und zur Bushaltestelle führt an einer schmalen, aber recht gut befahrenen Dorfstraße ohne Bürgersteig entlang. Aber ich nehme doch an, dass die meisten Leute sich zu Fuß zur Bushaltestelle begeben, oder täusche ich mich da? Das liebevoll angerichtete Zwiebelsüppchen auf der Terrasse versöhnte mich jedoch wieder mit meinem Schicksal.

Zwiebelsüppchen

Dann fuhr ich mit dem Bus zurück nach Apeldoorn, um beim Aussteigen entsetzt festzustellen, dass ich meine OV-Chipkaart (eine Fahrkarte, auf der ein bestimmter Geldbetrag steht und die man beim Ein- und Aussteigen über einen Scanner zieht) verloren hatte. Beim Einsteigen hatte ich noch ordnungsgemäß eingecheckt, und jetzt war das Teil weg! Ich durchsuchte den Bus, bis mich die Fahrerin hinaus komplimentierte, weil sie weiterfahren musste. Nichts. Manche Dinge kann man nicht erklären.

Bei der Auskunft am Bahnhof gab man mir eine Telefonnummer, die ich anrufen konnte, um die Karte zu blockieren. Wer auch immer sie sich unter den Nagel gerissen hat, ist damit jedenfalls nicht weit gekommen. Allerdings musste ich am Automaten noch eine Fahrkarte lösen, um wieder nach Hause zu kommen. Aber immerhin lag wie versprochen nach zwei Tagen eine neue OV-Chipkaart im Briefkasten, und das Geld, das sich noch auf der alten befand, war mir gutgeschreiben worden. Jetzt kann ich wieder weiterreisen.

 

 

 

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Träwelling wis Deutsche Bahn nach Bremerhaven und zurück (mit Tatort-Exkurs)

Ausdauernde und aufmerksame Mitleser wissen ja, dass ich mal mehr, mal weniger eifrig im Heinzi-Forum schreibe. Da es dieses Forum schon eine ganze Weile gibt, bleib es natürrlich auch nicht aus, dass ich diverse Mitschreiber und -schreiberinnen schon persönlich kennengelernt habe. Es sind auf diese Weise auch einige Freundschaften entstanden.

Letztes Wochenende war Mädelswochenende in Bremerhaven angesagt, und zwar mit Moony, Nono und Tinka. Da in der Woche davor der Sturm Herwart über Norddeutschland gefegt war, hatte die Bahn mit Salznebel zu kämpfen, ein Phämomen, das mitr bis dahin unbekannt war, das aber für Spannungsüberschläge und Kurzschlüsse bei den Oberleitungen sorgte. Ab Bremen war also Schienenersatzverkehr angesagt.

Kein Problem, als ich zu Hause in den Zug stieg, saß Nono schon wohlbehalten im Bus von Bremen nach Bremerhaven. Doch bei mir war schon in Münster der Wurm drin, mein Intercity fuhr verspätet auf einem anderen Gleis ab, und den Wagen, in dem sich mein reservierter Sitzplatz befinden sollte, war gar nicht mit von der Partie. Zum Glück stieg ich beim Fahrradabteil ein, in dem kein Fahrrad war, aber dafür jede Menge Platz und freie Klappstühle. Hürde eins war geschafft.

Zwischendurch schaute ich immer wieder auf die Bahnwebsite, wie ich denn von Bremen aus weiterkommen würde. Die Informationen änderten sich im Zehn-Minuten-Takt, und eine war absurder als die andere. Mal fuhr der Zug ganz normal, dann wieder nicht, dan gab es einen Bus bis Oldenbüttel, aber erst in zwei Stunden etc. Also machte ich mich in Bremen erst mal auf den Weg zum Informationsschalter. Dort stand eine längere Schlage, aber ich entdeckte schnell den Aushang, der mich informierte, dass jede Stunde ein Bus nach Bremerhaven fahren würde, und zwar von Bussteig J. Warum kann die Bahn sowas nicht auf ihre Website schreiben? Viele Leute hätten eine ruhigere Reise, denke ich. Und ich erwischte sogar den Expressbus, der ohne Zwischenstopp nach Bremerhaven fuhr, wo der Rest der Truppe schon auf mich wartete.

Nachdem wir uns bei unserer Gastgeberin häuslich eingerichtet hatten, ging es erst einmal zu Alis Snack-Café Sunshine. Das Essen und der Wein waren unheimlich lecker, und die Portionen sind wirklich etwas für den kleinen Hunger zwischendurch. Auch der Weißwein war gut eingeschenkt, und in die Auberginencreme hätte ich mich reinsetzen können.

lamm

Besonders toll war aber Alis herzliche Art, man hat den Eindruck, dass er für jeden Gast höchstpersönlich kocht.

Man kann sich vorstellen, dass der Abend lang wurde, und so ließen wir es auch am nächsten Morgen gemütlich angehen. Nach einem ausgedehnten Frühstück mit viel Kaffee ging es erst einmal ins Shopping-Center Mediterraneo, das seinem Namen alle Ehre macht. Eis geht bei diesem Flair natürlich immer.

mediterraneo mediterraneo2

Danach wurde es maritimer, wir gingen zum Hafen und besichtigten das Segelschiff „Seute Deern“.

seutedeern

seutedeern2

Aber wechselhaft sind des Geschickes Mächte, da steuert man erst so ein Schiff quasi durch die Weltmeere, und dann kackt einem eine Möwe auf den Kopp. Das Viech hat drei von uns erwischt – ganze Arbeit also. Der Schaden ließ sich aber beheben und es ging weiter zum Auswandererhaus.

auswandererhaus

Dort war ich zwar schon einmal gewesen, aber man kann immer wieder dorthin gehen. An der Kasse erhält man die Namen eines Auswanderers und eines Einwanderers, und man muss auf Spurensuche gehen, was aus diesen Personen geworden ist. Ich folgte diesmal einem Dienstmädchen, das in den Vereinigten Staaten ihr Glück suchte, und einer Elsässerin, die nach dem zweiten Weltkrieg nach Deutschland kam. Aber dies ist einen eigenen Post wert.

Gespeist wurde diesmal im Seamen’s Club, und danach gingen wir auf einen Absacker zu Ali.

Am nächsten Morgen war die große Frage, wann Nono und ich in Bremen sein mussten. Mit viel Mühe entdeckten wir auf der Website der Nordwestbahn die nötigen Informationen, und Moony und Tinka warteten zur Sicherheit am Bahnhof, bis wir im Bus saßen, der dann auch bald abfuhr. Am Bremer Hauptbahnhof trennten sich unsere Wege, Nono wollte noch ins Überseemuseum, und ich suchten meinen Zug. Wegen Gleisarbeiten fuhr er ohne Zwischenstopp nach Dortmund. Das war zwar bei der Buchung schon bekannt, aber ich hatte es übersehen. Aber egal. Aus irgendwelchen Gründen hatte man den Zug aus altem Wagenmaterial zusammengstoppelt, und ich landete in einem Interregio-Wagen mit viel Platz für Beine und Gepäck. Auch die Fenster konnte man aufmachen – Nostalgie purst!

interregio

In Dortmund gab es wegen Gleisarbeiten zwischen Lünen und Bork denselben Schienenersatzverkehr wie letzte Woche – it’s Groundhog Day! Aber trotz allem kam ich wie geplant zu Hause an. Nono hatte diesmal weniger Glück, ihr wurde aufgrund einer technischen Störung eine einstündige Verspätung beschert. Aber auch sie schaffte es pünktlich zum Tatort.

Als ich dem Gatten erzählte, dass Moony genau an der Grenze zwischen Bremen und Niedersachsen befindet, inspitierte uns das zu folgender Tatort-Idee: Wie in „The Bridge“ wird genau auf der Bundesland-Grenze eine Leiche gefunden, und es kommt zum üblichen Kompetenzgerangel zwischen Inga Lürsen aus Bremen und Charlotte Lindholm vom LKA Niedersachsen. Gleichzeitig findet in Bremerhaven ein größeres Heinzitreffen statt, und in Tatortnähe wird eine Gruppe vollgefressener, angeheiterter Leute aufgegriffen. Sie sind unterschiedlichen Alters, kommen aus verschiedenen Städten und haben auch unterschiedliche Berufe, was Inga Lürsen zu der Bemerkung veranlasst: „Die müssen doch irgendetwas gemeinsam haben! Stedefreund, finden Sie es heraus!“

Auf jeden Fall war es ein tolles Wochenende, und Bremerhaven ist sicher noch ein paar Besuche wert. Mädels, schee war’s!

bremerhaven

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Pieterpad – Finish und Fazit

Groningen – Pieterburen (und ans Wattenmeer)

Was lange währt…

Fast auf den Tag genau zwei Jahre habe ich mit meiner Pieterpad-Expedition herumgetan, weil ja auch immer irgendwas war. Aber jetzt ist es geschafft, am Samstag bin ich in Pieterburen einglaufen. Und jetzt gehe ich meinen Mitmenschen fröhlich damit auf die Nerven. Und was soll ich sagen? Schee war’s.

Abschied von Vorurteilen

Aus irgendwelchen Gründen hatte ich mir immer eingebildet, dass das letzte Stück eher langweilig ist, nämlich leer, brettleben, und man sieht schon auf acht Kilometer, dass da nichts ist. Aber nichts ist weniger wahr.

Das Stück aus Groningen raus ist wunderschön, man kommt an der Synagoge, dar A-kerk und dem ehemaligen Hafen vorbei. Die dortigen Grachtenhäuser erinnern ein bisschen an Amsterdam beim Goethe-Institut und dort, wo eine Freundin von mir früher gewohnt hat.

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Dann ging es durch den Noorderplantsoen, einen Park, in dem gerade die Bühne für das Festival „Noorderzon“ aufgebaut wurde, am Noorderbegraafplaats und dem Universitätsgelände vorbei aus der Stadt hinaus.

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Auch das Groninger Umland ist sehr schön: Die Route führt durch nette Dörfer mit Wierden, auf Deutsch auch Warften oder Wurten genannt. Dabei handelt es sich um aufgeworfene Siedlungshügel, die die Bewohner bei Sturmfluten schützen sollen. Meist liegen die Kirche und andere wichtige Gebäude auf diesen Erhöhungen. Zahlreiche Ortsnamen wie Wierum oder Garnweerd sind davon abgeleitet.

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Und dann gibt es natürlich auch die goldige Ortschaft Winsum, wo ich übernachtete:

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Minigedöns

Größere Schwierigkeiten gab es diesmal nicht, auch wenn natürlich nicht alles reibungslos lief. In Groningen wird am Stadtrand ein Radweg repariert, und die Pieterpadwanderer werden umgeleitet. Natürlich hatte ich es mal wieder versäumt, auf der Website nach Aktualisierungen zu schauen – das gedruckte Wort ist für mich halt immer noch heilig. Aber mir Hilfe einiger Einheimischer, darunter auch jemand, der kürzlich die Strecke gelaufen war, kam ich ohne Umweg aus der Stadt.

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Und bei Garnweerd führt der Weg jetzt durch Felder und Wiesen statt an der Straße entlang. Das ist eine gute Entscheidung, denn die Straße ist schmal und recht gut befahren. Aber beim Wandern durch die Wiesen stellten sich mir zahlreiche Gräben in den Weg, ich muss wohl irgendwo wieder falsch abgebogen sein. Es war gar nicht so einfach, wieder auf den Weg zu kommen. Fierljeppen, eine Art Stabhochsprung über einen Graben, wäre jetzt gar nicht schlecht.

felder

Und auf dem Campingplatz waren drei der Blockhütten, die an die Zeltweise grenzten, von zwölf Mädchen bewohnt, die bis spät in die Nacht quasselten und mehrere Bierkästen leerten. Aber zum Glück war es nicht so schlimm wie vor ein paar Jahren in der Schweiz.

Insgesamt war es ein Premium-Wochenende.

Finish und Ausklang

Mit Peter hatte ich abgesprochen, dass er am Samstag nach Pieterburen fahren und mir von dort entgegen gehen würde. Das klappte auch wunderbar, als ich eine hohe Brücke überquerte, sah ich ihn schon als gaaanz winzigen Punkt in der Ferne ankommen.

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Nach einer Verschnaufpause gingen wir gemeinsam das letzte Stück nach Pieterburen. Dort gingen wir erst einmal Mosterdsoep (Senfsuppe), eine Spezialität dieser Gegend, essen, denn wie heißt es in einem Niederländisch-Lehrbuch für Anfänger so schön? „De Mosterdsoep is hier altijd lekker.“

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Dann statteten wir, wie es sich gehört, den Seehunden einen Besuch ab und besichtigten die Petruskirche.  Danach bauten wir unser Zweimannzelt auf (die Dackelhütte kann vorläufig ins Winterquartier) und gingen anschließend noch ein Stück auf dem Nederlands Kustpad zum Wattenmeer. Es gab einmal Gerüchte, dass man den Pieterpad bis dorthin verlängern wollte, aber jetzt verstehe ich auch, warum die Organisatoren das wohl nicht machen werden. Da es von Pieterburen keinen direkten Weg zum Meer gibt (es liegen einige Felder mit Gräben dazwischen), kommen schnell fünf Extrakilometer dazu, die man dann auch wieder zurückgehen muss. Das macht bestimmt nicht jeder. Der Anfangs- bzw. Endpunkt in der Ortsmitte ist schon richtig.

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Den Sonntag verbrachten wir noch in Groningen, wo wir die Synagoge und das ehemalige Judenviertel besichtigten, aber das ist eine andere Geschichte.

Fazit und Ausblick

Jetzt habe ich es also endlich geschafft. Durch diese Wanderung habe ich die Niederlande auf eine andere Art kennengelernt. Iach habe am eigenen Leibe erfahren, wie die Landschaft sich langsam verändert, vom hügligen Limburg über die großen Flüsse, die Kulissenlandschaft in der Achterhoek und Twente, die Wälder in Drenthe und das weite Land in Groningen. Und mit der Landschaft ändern sich auch die Dialekte.

Außerdem habe ich mich selbst kennengelernt und meine Grenzen erkundet. 20 bis 25 Kilometer an einem Tag sind gut zu laufen, viel mehr muss es nicht werden, denn ich bin nicht besonders schnell. Meistens finde ich meinen Weg, und mit den gelegentlichen Orientierungsschwierigkeiten kann ich inzwischen ganz gut umgehen.  Und alleine zu wandern und auch zu übernachten ist kein Problem. Eigentlich muss man dafür nur zwei Voraussetzungen erfüllen: Man muss sich selbst als angenehme Gesellschaft empfinden und man muss die Stille aushalten können.

Bei allem Stolz, das Abenteuer zu Ende gebracht zu haben, ist schon ein bisschen Wehmut  dabei. Eine Freundin formulierte es so: „Bestimmt ist man aber auch ein bisschen traurig, wie wenn man ein gutes Buch fertig gelesen hat, oder?“ Das trifft es ziemlich gut.

Aber ich habe ja schon mit dem Trekvogelpad angefangen, der mich irgendwann quer durch das Land nach Bergen aan Zee führen wird (eine Übernachtungsmöglichkeit in Utrecht wurde mir auch schon angeboten). Außerdem liegt der Wanderführer für den „Overijssels Havezatenpad“ schon auf dem Schreibtisch. Dieser führt von Oldenzaal nach Steenwijk, ist also in der Nähe von Enschede und eignet sich daher gut für Tagesausflüge.

Und ich kann ja immer noch, wie ein entgegenkommender Wanderer vorgeschlagen hat, den Pieterpad, der übrigens auch beim diesjährigen Sandskulpturenfestival in Garderen zu sehen ist,  wieder zurückgehen.

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Das Pieterpad-Ende ist in Sicht

Rolde – Groningen

Letztes Wochenende bin ich wieder ein Stück auf dem Pieterpad gewandert, von Rolde bis Groningen. So langsam kommt Pieterburen wirklich in Sichtweite.

Irgendwas ist immer

Auf der Hinfahrt bildete sich mein E-Reader ein, dass er sich jetzt neu installieren muss – sowas hatte ich bisher noch nicht, und das braucht auch kein Mensch! Diese Geräte, die meinen, irgendwas selbst entscheiden zu müssen, sind mir sowieso suspekt. Früher hat mein Computer wenigstens noch gefragt, ob ein Update im Moment genehm ist, aber jetzt ist von dieser Höflichkeit nichts mehr zu merken: Update you must! Fehlt nur noch, dass mein Staubsauger irgendwann röhrend durchs Zimmer gurkt, weil ihm gerade danach ist. Inzwischen ist der Schaden wieder behoben, und meine Bücher wieder drauf, aber abends musste ich auf dem Campingplatz aus purer Verzweiflung eine Uraltausgabe der „Libelle“ lesen. Aber in der Not frisst der Teufel ja bekanntlich Fliegen, und ich weiß jetzt, warum Männer Frauen mit runden Formen bevorzugen.

Und was war noch? Ach ja, auf der Rückfahrt gab es mal wieder Schienenersatzverkehr, und der Busfahrer verpasste eine Ausfahrt, was mir zur planmäßig schon längeren Fahrzeit eine weitere halbe Stunde einbrachte. Und das ohne E-Reader!

Außerdem wurde ich von außerirdischen Killermoskitos und Brombeerranken angegriffen, so dass meine Beine etwas mitgenommen aussehen. Aber schön war es trotzdem.

Heide, Hünengräber und jede Menge Wasser

Da ich beim letzten Mal ja nicht an den beiden Hünengräbern von Rolde vorbei gekommen war, nahm ich mir diese als erstes vor. Sie leigen im Schatten der Kirche von Rolde und direkt neben dem Friedhof. Bei dem Versuch, wieder auf die Route zu kommen und dabei gleich in die richtige Richtung zu gehen, drehte ich erst mal eine Runde durch das überschaubare Zentrum von Rolde. Dann war ich wieder auf dem Weg.

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Erst ging es durch das Balloërverld – blühende Heide, so weit das Auge reicht, auch hier wieder mit einigen Grabhügeln und einem Galgenberg, die aber schwer zu erkennen sind.

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Dann ging es durch die nette Ortschaft Gasteren, ein typisches „Eschdorf“, die man häufig in Nordwestdeutschland und den Niederlanden findet. Vor dem Pfannkuchenhaus im Zentrum standen zahlreiche E-Bikes, die radelnden Rentnergangs, die oft hier zu finden sind, waren aslo wieder unterwegs. Dann ging es wieder durch ein Stück Heide mit einem weiteren Hünengrab.

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An diesem Tag kam ich kurz vor dem Campingplatz in Midlaren noch an zwei weiteren Hünengräbern vorbei, die nebeneinander zwischen zwei Häusern liegen, doch das allertezte auf der Strecke habe ich wohl übersehen.

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Am nächsten Tag führte der Weg erst  durch den Wald und am Wald entlang, was ich aber diesmal schaffte, ohne mich zu verlaufen. Geht doch!

Dann erreichte ich die Polderlandschaft südlich von Groningen, und kurz vor Haren führte der Weg vor allem am Wasser entlang.

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So konnte ich am Noord-Willemskanaal und einigen Seitenarmen entlang gemütlich auf Groningen zugehen, ohne dass ich nach dem eher leeren Drenthe sofort einen Zivilisationsschock bekam. Das haben die „Wegbereiter“ gut gemacht.

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Zeit für Kultur

Da ich bereits um 14 Uhr in Groningen eintrudelte, hatte ich noch Zeit für einen Besuch des Groninger Museums. Dort war ich schon ewig nicht mehr. Der etwas gewöhnungsbedürftige futuristische Bau beherbergt im Moment verschiedene Ausstellungen.

museum

„Reich in Groningen – Land- und Stadtsitze 1600 – 1800“ zeigt Bilder und Stiche von Herrenhäusern in Groningen und Umgebung sowie noch erhaltener Hausrat. Leider sind viele dieser Häuser inzwischen abgerissen worden. Niederländer und ihr Kulturerbe, das ist irgendwie keine gute Kombination. Die Engländer können sowas einfach besser.

„Hide & Seek, Maarten Baas“ geht um Möbeldesign in verschiedenen Ausprägungen. So hat Baas z. B. Möbel verbrannt, um sie dann mit einer Harzschicht zu überziehen, so dass man sie wieder verweden kann. Außerdem experimentiert er mit Materialien wie Knetmasse. Sehr interessant fand ich einen Schrank mit toller Holzmaserung, der aber aus rostfreiem Stahl ist. Ich hätte ihn ja gerne angefasst, um das zu überprüfen, aber das war verständlicherweise nicht erlaubt.

In „Gabriel Lester – The Return of Lester’s Loop“ behandelt der Regisseur und Filmemacher Lester das Thema des Sich-Verirrens. Na, auf dem Gebiet bin ich ja auch Experte. Passt also.

Begegnungen und Gespräche

Auch dieses Mal begegnete ich unterwegs einer Menge Leute. Vor Schipborg fragte mich eine ältere Dame mit Hund nach dem Weg, aber da ich erst nicht kapierte, dass sie mit „Drentsche Aa“ nicht den Fluss meinte, den ich gerade überquert hatte, sondern das gleichnamige Café, schickte ich sie erst mal in die falsche Richtung. Zum Glück war sie noch nicht außer Hörweite, als ich meinen Irrtum bemerkte, und so gingen wir zusammen zum Café. Sie und ihr Hund hatten ein recht flottes Tempo drauf, aber nicht zu schnell für eine gepflegte Unterhaltung.

Auf dem Campingplatz mit dem schönen Namen „Appelhof“ stand meine Dackelhütte neben einem Birnbaum. Und der Besitzer hat mir auch gleich einen Stuhl dazugestellt. Auf diesem Platz sind viele Pieterpadwanderer mit leichtem Gepäck, aber auch Senioren mit Wohnwagen, die unglaublich viel Geschirr mitschleppen und einsauen, wie ich in der Spülküche mal wieder erleben durfte.

Kurz vor Groningen machte ich auf einer Bank unter einem Pieterpad-Wegweiser Pause. Währenddessen kamen mehrere radelnde Rentnergangs vorbei, die sich freuten wie Bolle, dass sie einen Pieterpad-Wanderer in freier Wildbahn bewundern konnten. Immer gerne.

Diesmal fiel mir vor allem auf, dass sich die Gespräche ändern. Als ich mit dem Pieterpad anfing, erstarrte ich jedesmal fast vor Ehrfurcht, wenn ich mich mit dem Gegenverkehr unterhielt. Die hatten es fast geschafft, und ich musste noch über 400 km laufen. Jetzt biege ich praktisch in die Zielgerade ein (noch ca. 35 km) und die anderen haben den Weg noch vor sich. Ich bin schon etwas stolz, so weit gekommen zu sein, aber es ist auch ein bisschen schade, dass es bald vorbei ist.

ruheplatz

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