Unterwegs / Onderweg

Träwelling wis Deutsche Bahn nach Bremerhaven und zurück (mit Tatort-Exkurs)

Ausdauernde und aufmerksame Mitleser wissen ja, dass ich mal mehr, mal weniger eifrig im Heinzi-Forum schreibe. Da es dieses Forum schon eine ganze Weile gibt, bleib es natürrlich auch nicht aus, dass ich diverse Mitschreiber und -schreiberinnen schon persönlich kennengelernt habe. Es sind auf diese Weise auch einige Freundschaften entstanden.

Letztes Wochenende war Mädelswochenende in Bremerhaven angesagt, und zwar mit Moony, Nono und Tinka. Da in der Woche davor der Sturm Herwart über Norddeutschland gefegt war, hatte die Bahn mit Salznebel zu kämpfen, ein Phämomen, das mitr bis dahin unbekannt war, das aber für Spannungsüberschläge und Kurzschlüsse bei den Oberleitungen sorgte. Ab Bremen war also Schienenersatzverkehr angesagt.

Kein Problem, als ich zu Hause in den Zug stieg, saß Nono schon wohlbehalten im Bus von Bremen nach Bremerhaven. Doch bei mir war schon in Münster der Wurm drin, mein Intercity fuhr verspätet auf einem anderen Gleis ab, und den Wagen, in dem sich mein reservierter Sitzplatz befinden sollte, war gar nicht mit von der Partie. Zum Glück stieg ich beim Fahrradabteil ein, in dem kein Fahrrad war, aber dafür jede Menge Platz und freie Klappstühle. Hürde eins war geschafft.

Zwischendurch schaute ich immer wieder auf die Bahnwebsite, wie ich denn von Bremen aus weiterkommen würde. Die Informationen änderten sich im Zehn-Minuten-Takt, und eine war absurder als die andere. Mal fuhr der Zug ganz normal, dann wieder nicht, dan gab es einen Bus bis Oldenbüttel, aber erst in zwei Stunden etc. Also machte ich mich in Bremen erst mal auf den Weg zum Informationsschalter. Dort stand eine längere Schlage, aber ich entdeckte schnell den Aushang, der mich informierte, dass jede Stunde ein Bus nach Bremerhaven fahren würde, und zwar von Bussteig J. Warum kann die Bahn sowas nicht auf ihre Website schreiben? Viele Leute hätten eine ruhigere Reise, denke ich. Und ich erwischte sogar den Expressbus, der ohne Zwischenstopp nach Bremerhaven fuhr, wo der Rest der Truppe schon auf mich wartete.

Nachdem wir uns bei unserer Gastgeberin häuslich eingerichtet hatten, ging es erst einmal zu Alis Snack-Café Sunshine. Das Essen und der Wein waren unheimlich lecker, und die Portionen sind wirklich etwas für den kleinen Hunger zwischendurch. Auch der Weißwein war gut eingeschenkt, und in die Auberginencreme hätte ich mich reinsetzen können.

lamm

Besonders toll war aber Alis herzliche Art, man hat den Eindruck, dass er für jeden Gast höchstpersönlich kocht.

Man kann sich vorstellen, dass der Abend lang wurde, und so ließen wir es auch am nächsten Morgen gemütlich angehen. Nach einem ausgedehnten Frühstück mit viel Kaffee ging es erst einmal ins Shopping-Center Mediterraneo, das seinem Namen alle Ehre macht. Eis geht bei diesem Flair natürlich immer.

mediterraneo mediterraneo2

Danach wurde es maritimer, wir gingen zum Hafen und besichtigten das Segelschiff „Seute Deern“.

seutedeern

seutedeern2

Aber wechselhaft sind des Geschickes Mächte, da steuert man erst so ein Schiff quasi durch die Weltmeere, und dann kackt einem eine Möwe auf den Kopp. Das Viech hat drei von uns erwischt – ganze Arbeit also. Der Schaden ließ sich aber beheben und es ging weiter zum Auswandererhaus.

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Dort war ich zwar schon einmal gewesen, aber man kann immer wieder dorthin gehen. An der Kasse erhält man die Namen eines Auswanderers und eines Einwanderers, und man muss auf Spurensuche gehen, was aus diesen Personen geworden ist. Ich folgte diesmal einem Dienstmädchen, das in den Vereinigten Staaten ihr Glück suchte, und einer Elsässerin, die nach dem zweiten Weltkrieg nach Deutschland kam. Aber dies ist einen eigenen Post wert.

Gespeist wurde diesmal im Seamen’s Club, und danach gingen wir auf einen Absacker zu Ali.

Am nächsten Morgen war die große Frage, wann Nono und ich in Bremen sein mussten. Mit viel Mühe entdeckten wir auf der Website der Nordwestbahn die nötigen Informationen, und Moony und Tinka warteten zur Sicherheit am Bahnhof, bis wir im Bus saßen, der dann auch bald abfuhr. Am Bremer Hauptbahnhof trennten sich unsere Wege, Nono wollte noch ins Überseemuseum, und ich suchten meinen Zug. Wegen Gleisarbeiten fuhr er ohne Zwischenstopp nach Dortmund. Das war zwar bei der Buchung schon bekannt, aber ich hatte es übersehen. Aber egal. Aus irgendwelchen Gründen hatte man den Zug aus altem Wagenmaterial zusammengstoppelt, und ich landete in einem Interregio-Wagen mit viel Platz für Beine und Gepäck. Auch die Fenster konnte man aufmachen – Nostalgie purst!

interregio

In Dortmund gab es wegen Gleisarbeiten zwischen Lünen und Bork denselben Schienenersatzverkehr wie letzte Woche – it’s Groundhog Day! Aber trotz allem kam ich wie geplant zu Hause an. Nono hatte diesmal weniger Glück, ihr wurde aufgrund einer technischen Störung eine einstündige Verspätung beschert. Aber auch sie schaffte es pünktlich zum Tatort.

Als ich dem Gatten erzählte, dass Moony genau an der Grenze zwischen Bremen und Niedersachsen befindet, inspitierte uns das zu folgender Tatort-Idee: Wie in „The Bridge“ wird genau auf der Bundesland-Grenze eine Leiche gefunden, und es kommt zum üblichen Kompetenzgerangel zwischen Inga Lürsen aus Bremen und Charlotte Lindholm vom LKA Niedersachsen. Gleichzeitig findet in Bremerhaven ein größeres Heinzitreffen statt, und in Tatortnähe wird eine Gruppe vollgefressener, angeheiterter Leute aufgegriffen. Sie sind unterschiedlichen Alters, kommen aus verschiedenen Städten und haben auch unterschiedliche Berufe, was Inga Lürsen zu der Bemerkung veranlasst: „Die müssen doch irgendetwas gemeinsam haben! Stedefreund, finden Sie es heraus!“

Auf jeden Fall war es ein tolles Wochenende, und Bremerhaven ist sicher noch ein paar Besuche wert. Mädels, schee war’s!

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Pieterpad – Finish und Fazit

Groningen – Pieterburen (und ans Wattenmeer)

Was lange währt…

Fast auf den Tag genau zwei Jahre habe ich mit meiner Pieterpad-Expedition herumgetan, weil ja auch immer irgendwas war. Aber jetzt ist es geschafft, am Samstag bin ich in Pieterburen einglaufen. Und jetzt gehe ich meinen Mitmenschen fröhlich damit auf die Nerven. Und was soll ich sagen? Schee war’s.

Abschied von Vorurteilen

Aus irgendwelchen Gründen hatte ich mir immer eingebildet, dass das letzte Stück eher langweilig ist, nämlich leer, brettleben, und man sieht schon auf acht Kilometer, dass da nichts ist. Aber nichts ist weniger wahr.

Das Stück aus Groningen raus ist wunderschön, man kommt an der Synagoge, dar A-kerk und dem ehemaligen Hafen vorbei. Die dortigen Grachtenhäuser erinnern ein bisschen an Amsterdam beim Goethe-Institut und dort, wo eine Freundin von mir früher gewohnt hat.

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Dann ging es durch den Noorderplantsoen, einen Park, in dem gerade die Bühne für das Festival „Noorderzon“ aufgebaut wurde, am Noorderbegraafplaats und dem Universitätsgelände vorbei aus der Stadt hinaus.

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Auch das Groninger Umland ist sehr schön: Die Route führt durch nette Dörfer mit Wierden, auf Deutsch auch Warften oder Wurten genannt. Dabei handelt es sich um aufgeworfene Siedlungshügel, die die Bewohner bei Sturmfluten schützen sollen. Meist liegen die Kirche und andere wichtige Gebäude auf diesen Erhöhungen. Zahlreiche Ortsnamen wie Wierum oder Garnweerd sind davon abgeleitet.

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Und dann gibt es natürlich auch die goldige Ortschaft Winsum, wo ich übernachtete:

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Minigedöns

Größere Schwierigkeiten gab es diesmal nicht, auch wenn natürlich nicht alles reibungslos lief. In Groningen wird am Stadtrand ein Radweg repariert, und die Pieterpadwanderer werden umgeleitet. Natürlich hatte ich es mal wieder versäumt, auf der Website nach Aktualisierungen zu schauen – das gedruckte Wort ist für mich halt immer noch heilig. Aber mir Hilfe einiger Einheimischer, darunter auch jemand, der kürzlich die Strecke gelaufen war, kam ich ohne Umweg aus der Stadt.

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Und bei Garnweerd führt der Weg jetzt durch Felder und Wiesen statt an der Straße entlang. Das ist eine gute Entscheidung, denn die Straße ist schmal und recht gut befahren. Aber beim Wandern durch die Wiesen stellten sich mir zahlreiche Gräben in den Weg, ich muss wohl irgendwo wieder falsch abgebogen sein. Es war gar nicht so einfach, wieder auf den Weg zu kommen. Fierljeppen, eine Art Stabhochsprung über einen Graben, wäre jetzt gar nicht schlecht.

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Und auf dem Campingplatz waren drei der Blockhütten, die an die Zeltweise grenzten, von zwölf Mädchen bewohnt, die bis spät in die Nacht quasselten und mehrere Bierkästen leerten. Aber zum Glück war es nicht so schlimm wie vor ein paar Jahren in der Schweiz.

Insgesamt war es ein Premium-Wochenende.

Finish und Ausklang

Mit Peter hatte ich abgesprochen, dass er am Samstag nach Pieterburen fahren und mir von dort entgegen gehen würde. Das klappte auch wunderbar, als ich eine hohe Brücke überquerte, sah ich ihn schon als gaaanz winzigen Punkt in der Ferne ankommen.

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Nach einer Verschnaufpause gingen wir gemeinsam das letzte Stück nach Pieterburen. Dort gingen wir erst einmal Mosterdsoep (Senfsuppe), eine Spezialität dieser Gegend, essen, denn wie heißt es in einem Niederländisch-Lehrbuch für Anfänger so schön? „De Mosterdsoep is hier altijd lekker.“

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Dann statteten wir, wie es sich gehört, den Seehunden einen Besuch ab und besichtigten die Petruskirche.  Danach bauten wir unser Zweimannzelt auf (die Dackelhütte kann vorläufig ins Winterquartier) und gingen anschließend noch ein Stück auf dem Nederlands Kustpad zum Wattenmeer. Es gab einmal Gerüchte, dass man den Pieterpad bis dorthin verlängern wollte, aber jetzt verstehe ich auch, warum die Organisatoren das wohl nicht machen werden. Da es von Pieterburen keinen direkten Weg zum Meer gibt (es liegen einige Felder mit Gräben dazwischen), kommen schnell fünf Extrakilometer dazu, die man dann auch wieder zurückgehen muss. Das macht bestimmt nicht jeder. Der Anfangs- bzw. Endpunkt in der Ortsmitte ist schon richtig.

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Den Sonntag verbrachten wir noch in Groningen, wo wir die Synagoge und das ehemalige Judenviertel besichtigten, aber das ist eine andere Geschichte.

Fazit und Ausblick

Jetzt habe ich es also endlich geschafft. Durch diese Wanderung habe ich die Niederlande auf eine andere Art kennengelernt. Iach habe am eigenen Leibe erfahren, wie die Landschaft sich langsam verändert, vom hügligen Limburg über die großen Flüsse, die Kulissenlandschaft in der Achterhoek und Twente, die Wälder in Drenthe und das weite Land in Groningen. Und mit der Landschaft ändern sich auch die Dialekte.

Außerdem habe ich mich selbst kennengelernt und meine Grenzen erkundet. 20 bis 25 Kilometer an einem Tag sind gut zu laufen, viel mehr muss es nicht werden, denn ich bin nicht besonders schnell. Meistens finde ich meinen Weg, und mit den gelegentlichen Orientierungsschwierigkeiten kann ich inzwischen ganz gut umgehen.  Und alleine zu wandern und auch zu übernachten ist kein Problem. Eigentlich muss man dafür nur zwei Voraussetzungen erfüllen: Man muss sich selbst als angenehme Gesellschaft empfinden und man muss die Stille aushalten können.

Bei allem Stolz, das Abenteuer zu Ende gebracht zu haben, ist schon ein bisschen Wehmut  dabei. Eine Freundin formulierte es so: „Bestimmt ist man aber auch ein bisschen traurig, wie wenn man ein gutes Buch fertig gelesen hat, oder?“ Das trifft es ziemlich gut.

Aber ich habe ja schon mit dem Trekvogelpad angefangen, der mich irgendwann quer durch das Land nach Bergen aan Zee führen wird (eine Übernachtungsmöglichkeit in Utrecht wurde mir auch schon angeboten). Außerdem liegt der Wanderführer für den „Overijssels Havezatenpad“ schon auf dem Schreibtisch. Dieser führt von Oldenzaal nach Steenwijk, ist also in der Nähe von Enschede und eignet sich daher gut für Tagesausflüge.

Und ich kann ja immer noch, wie ein entgegenkommender Wanderer vorgeschlagen hat, den Pieterpad, der übrigens auch beim diesjährigen Sandskulpturenfestival in Garderen zu sehen ist,  wieder zurückgehen.

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Das Pieterpad-Ende ist in Sicht

Rolde – Groningen

Letztes Wochenende bin ich wieder ein Stück auf dem Pieterpad gewandert, von Rolde bis Groningen. So langsam kommt Pieterburen wirklich in Sichtweite.

Irgendwas ist immer

Auf der Hinfahrt bildete sich mein E-Reader ein, dass er sich jetzt neu installieren muss – sowas hatte ich bisher noch nicht, und das braucht auch kein Mensch! Diese Geräte, die meinen, irgendwas selbst entscheiden zu müssen, sind mir sowieso suspekt. Früher hat mein Computer wenigstens noch gefragt, ob ein Update im Moment genehm ist, aber jetzt ist von dieser Höflichkeit nichts mehr zu merken: Update you must! Fehlt nur noch, dass mein Staubsauger irgendwann röhrend durchs Zimmer gurkt, weil ihm gerade danach ist. Inzwischen ist der Schaden wieder behoben, und meine Bücher wieder drauf, aber abends musste ich auf dem Campingplatz aus purer Verzweiflung eine Uraltausgabe der „Libelle“ lesen. Aber in der Not frisst der Teufel ja bekanntlich Fliegen, und ich weiß jetzt, warum Männer Frauen mit runden Formen bevorzugen.

Und was war noch? Ach ja, auf der Rückfahrt gab es mal wieder Schienenersatzverkehr, und der Busfahrer verpasste eine Ausfahrt, was mir zur planmäßig schon längeren Fahrzeit eine weitere halbe Stunde einbrachte. Und das ohne E-Reader!

Außerdem wurde ich von außerirdischen Killermoskitos und Brombeerranken angegriffen, so dass meine Beine etwas mitgenommen aussehen. Aber schön war es trotzdem.

Heide, Hünengräber und jede Menge Wasser

Da ich beim letzten Mal ja nicht an den beiden Hünengräbern von Rolde vorbei gekommen war, nahm ich mir diese als erstes vor. Sie leigen im Schatten der Kirche von Rolde und direkt neben dem Friedhof. Bei dem Versuch, wieder auf die Route zu kommen und dabei gleich in die richtige Richtung zu gehen, drehte ich erst mal eine Runde durch das überschaubare Zentrum von Rolde. Dann war ich wieder auf dem Weg.

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Erst ging es durch das Balloërverld – blühende Heide, so weit das Auge reicht, auch hier wieder mit einigen Grabhügeln und einem Galgenberg, die aber schwer zu erkennen sind.

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Dann ging es durch die nette Ortschaft Gasteren, ein typisches „Eschdorf“, die man häufig in Nordwestdeutschland und den Niederlanden findet. Vor dem Pfannkuchenhaus im Zentrum standen zahlreiche E-Bikes, die radelnden Rentnergangs, die oft hier zu finden sind, waren aslo wieder unterwegs. Dann ging es wieder durch ein Stück Heide mit einem weiteren Hünengrab.

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An diesem Tag kam ich kurz vor dem Campingplatz in Midlaren noch an zwei weiteren Hünengräbern vorbei, die nebeneinander zwischen zwei Häusern liegen, doch das allertezte auf der Strecke habe ich wohl übersehen.

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Am nächsten Tag führte der Weg erst  durch den Wald und am Wald entlang, was ich aber diesmal schaffte, ohne mich zu verlaufen. Geht doch!

Dann erreichte ich die Polderlandschaft südlich von Groningen, und kurz vor Haren führte der Weg vor allem am Wasser entlang.

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So konnte ich am Noord-Willemskanaal und einigen Seitenarmen entlang gemütlich auf Groningen zugehen, ohne dass ich nach dem eher leeren Drenthe sofort einen Zivilisationsschock bekam. Das haben die „Wegbereiter“ gut gemacht.

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Zeit für Kultur

Da ich bereits um 14 Uhr in Groningen eintrudelte, hatte ich noch Zeit für einen Besuch des Groninger Museums. Dort war ich schon ewig nicht mehr. Der etwas gewöhnungsbedürftige futuristische Bau beherbergt im Moment verschiedene Ausstellungen.

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„Reich in Groningen – Land- und Stadtsitze 1600 – 1800“ zeigt Bilder und Stiche von Herrenhäusern in Groningen und Umgebung sowie noch erhaltener Hausrat. Leider sind viele dieser Häuser inzwischen abgerissen worden. Niederländer und ihr Kulturerbe, das ist irgendwie keine gute Kombination. Die Engländer können sowas einfach besser.

„Hide & Seek, Maarten Baas“ geht um Möbeldesign in verschiedenen Ausprägungen. So hat Baas z. B. Möbel verbrannt, um sie dann mit einer Harzschicht zu überziehen, so dass man sie wieder verweden kann. Außerdem experimentiert er mit Materialien wie Knetmasse. Sehr interessant fand ich einen Schrank mit toller Holzmaserung, der aber aus rostfreiem Stahl ist. Ich hätte ihn ja gerne angefasst, um das zu überprüfen, aber das war verständlicherweise nicht erlaubt.

In „Gabriel Lester – The Return of Lester’s Loop“ behandelt der Regisseur und Filmemacher Lester das Thema des Sich-Verirrens. Na, auf dem Gebiet bin ich ja auch Experte. Passt also.

Begegnungen und Gespräche

Auch dieses Mal begegnete ich unterwegs einer Menge Leute. Vor Schipborg fragte mich eine ältere Dame mit Hund nach dem Weg, aber da ich erst nicht kapierte, dass sie mit „Drentsche Aa“ nicht den Fluss meinte, den ich gerade überquert hatte, sondern das gleichnamige Café, schickte ich sie erst mal in die falsche Richtung. Zum Glück war sie noch nicht außer Hörweite, als ich meinen Irrtum bemerkte, und so gingen wir zusammen zum Café. Sie und ihr Hund hatten ein recht flottes Tempo drauf, aber nicht zu schnell für eine gepflegte Unterhaltung.

Auf dem Campingplatz mit dem schönen Namen „Appelhof“ stand meine Dackelhütte neben einem Birnbaum. Und der Besitzer hat mir auch gleich einen Stuhl dazugestellt. Auf diesem Platz sind viele Pieterpadwanderer mit leichtem Gepäck, aber auch Senioren mit Wohnwagen, die unglaublich viel Geschirr mitschleppen und einsauen, wie ich in der Spülküche mal wieder erleben durfte.

Kurz vor Groningen machte ich auf einer Bank unter einem Pieterpad-Wegweiser Pause. Währenddessen kamen mehrere radelnde Rentnergangs vorbei, die sich freuten wie Bolle, dass sie einen Pieterpad-Wanderer in freier Wildbahn bewundern konnten. Immer gerne.

Diesmal fiel mir vor allem auf, dass sich die Gespräche ändern. Als ich mit dem Pieterpad anfing, erstarrte ich jedesmal fast vor Ehrfurcht, wenn ich mich mit dem Gegenverkehr unterhielt. Die hatten es fast geschafft, und ich musste noch über 400 km laufen. Jetzt biege ich praktisch in die Zielgerade ein (noch ca. 35 km) und die anderen haben den Weg noch vor sich. Ich bin schon etwas stolz, so weit gekommen zu sein, aber es ist auch ein bisschen schade, dass es bald vorbei ist.

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Mit der „Dackelhütte“ auf dem Pieterpad

Coevorden – Rolde

Nach einigen Tagesausflügen auf dem Trekvogelpad wurde es mal wieder Zeit, auf dem Pieterpad weiter zu gehen. Drei Tage lang wanderte ich durch Drenthe von Coevorden bis Rolde. Übernachtet habe ich diesmal in einem netten kleinen Einmannzelt, meiner Dackelhütte, und auch diesmal habe ich wieder einiges erlebt.

„Leeres Land“

Der Pieterpadführer umschreibt die Gegend wie folgt: „Zwischen Rolde und Sleen gehen Sie durch ein „leeres Land“; hier wohnen nur wenige Menschen. Vor gar nicht einmal so langer Zeit gab es hier ausgedehnte Heidefelder. Nun stehen hier Wälder, abgewechselt mit kleinen Heidefeldern und Moortümpeln.“

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Und das stimmt auch, hier gibt es wirklich eine Menge Gegend. Die Ortschaft Schoonloo het keinen Supermarkt, und auf den 24 km zwischen Sleen und Schoonloo gibt es auch keine Einkehrmöglichkeit, außer man nimmt einen Umweg über Schoonoord in Kauf. Also muss man genug Semmeln und andere Notvorräte mitnehmen. Vor allem die nicht-vorhandene Einkehrmöglichkeit kam in fast jedem Gespräch mit dem Gegenverkehr zur Sprache, man bestätigte sich gegnseitig, dass es tatsächlich nichts gibt. Vielleicht sollte man auf der Hälfte einen Imbiss eröffnen und den dann „Café Halfweg“ nennen.

Aber schön war es schon, mit den langen Alleen, gemütlichen Bänken und netten Bauernhöfen.

rucksack bauernhof

Auf der Pieterpad-Website wurd vor zutraulichen Hochlandrindern gewarnt, die anscheinend öfter von Touristen gefüttert wurden, aber die wollen nur spielen. Warum beruhigte mich das nicht wirklich? Die Rinder selbst habe ich allerdings nicht gesehen, nur ihre beachtlichen Hinterlassenschaften.

Wind und Wetter

Wie angekündigt war das Wetter an diesem Wochenende ziemlich durchwachsen. Am Freitag war es noch schön, bis ich den Campingplatz erreichte, doch am Samstag bekam ich einige kräftige Regenschauer ab. Zum Glück hielten mein Cape und die Regenhaut des Rucksacks mich und meine Sachen einigermaßen trocken. Und irgendwann war der Spuk dann auch wieder vorbei.

Die morgendlichen Schauer, wenn ich abbauen und weitergehen wollte, fand ich erst etwas „inconvenient“, aber man wird erfinderisch. Auf dem ersten Campingplatz hatten sie eine offene Scheune und auf dem zweiten einen Aufenthaltsraum, wo ich meine Sachen hinschleppte, um sie dann im Stehen (siehe unten) und trocken zu verstauen.

Sehenswertes unterwegs

Auch diesmal gab es unterwegs wieder viel zu sehen, z. B. den jüdischen Friedhof bei Dalerveen, der lange nicht nicht in Gebrauch war, bis 2003 wieder jemand dort begraben wurde.

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Interessant ist auch der Galgenberg nördlich von Sleen, ein prähistorischer Grabhügel, wo im Mittelalter die zum Tode Verurteilten aufgehängt wurden.

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Doch auch die Natur hat einiges zu bieten, wie z. B. riesige Ameisenhaufen und ebensolche Pilze. Allerdings weiß ich nicht, ob man die essen kann, ich kann nur Fliegenpilze eindeutig identifizieren.

ameisenhaufen pilze

Übernachten in der Dackelhütte

Zum Geburtstag bekam ich ein kleines, aber feines Einmannzelt geschenkt, das ich auch tatsächlich allein aufbauen kann. Selbstverständlich habe ich das bei uns im Garten geübt und auch die Rücken-, Seit- und Bauchlage ausprobiert.

Natürlich war ich ganz schön gespannt, wie es mir damit gehen würde. Vielleicht lag ich ja die ganze Nacht bibbernd und zähneklappernd in meinem Schlafsack, weil ich zu viel Stephen King gelesen habe. Man würde sehen.  Aufgebaut und eingerichtet war das Zelt jedenfalls recht gemütlich, und die Campingplatzhühner fanden es wohl auch interessant.

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Ich habe wunderbar geschlafen und  wurde von keinerlei Stephen-King-Phantasien heimgesucht.  Und dicht gehalten hat das Zelt auch, also alles bestens. Da es aber recht klein ist, sind Dinge wie Kleidungswechsel oder sich in den Schlafsack wurschteln Bauchmuskelübungen vom Feinsten. Und auf dem ersten Campingplatz stand ich direkt neben dem Wasserhahn, was ich erst nicht gesehen hatte. Und natürlich musste gegen zehn Uhr abends die Hälfte der Ceampinggäste ihre Wasservorräte nachfüllen. Na, schönen Dank auch. Note to self: Das nächste Mal den zugewiesenen Platz kritischer unter die Lupe nehmen.

Lost in the forest

Wie bereits erwähnt führt die Strecke zu einem größeren Teil durch den Wald, und wer meinen Weg bisher mitverfolgt hat, weiß, dass das nicht immer gut geht. Auch diesmal kam ich zwischen Schoonloo und Rolde vom Weg ab.

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Aber die Wälder in den Niederlanden sind nicht so groß, selbst in Drenthe nicht, also hat auch Plan B wieder geklappt: Geradeaus laufen, bis man auf eine Straße stößt, und dann sehen, wie weit ich von der geplanten Strecke abgewichen bin und was ich dann mache. Diesmal war ich aber ziemlich weit von der Strecke abgekommen, also beschloss ich, den direkten Weg nach Rolde zu gehen. An diesem Wochenende hatte ich genug Wald gesehen.

So landete ich dann bei der Bushaltestelle am Rand von Rolde. Meine App hatte mir schon mitgeteilt, dass an diesem Tag der Bus nicht ins Zentrum fahren würde, warum auch immer. Also beschloss ich, gleich hier einzusteigen und nach Hause zu fahren. Das Zentrum von Rolde und die zwei Hünengräber müssen bis zum nächsten Mal warten. Sie werden dann sicher noch da sein.

Lichtblicke

Auch hier auf dem Weg war es hin und wieder etwas anstengend, immerhin schleppte ich ungefähr zehn Kilo mehr mit als sonst. Und auch das Wetter am zweiten Tag machte mir gelegentlich etwas zu schaffen.

Aber dann sieht man wieder ein Schild, dass es nur noch 900 m bis zum Campingplatz oder 94 km nach Pieterburen sind, und dann geht es einem gleich wieder besser.

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Zwei Zitate scheinen jedenfalls auf meine Wanderungen zuzutreffen:
„It’s important to have a plan B, especially when there is no plan A.“ (Pete McCarthy, McCarthy’s Bar)
„We walked the trail, Bryson. We walked the bloody trail.“ (Bill Bryson, A Walk in the Woods)

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Kunst und Kultur am Trekvogelpad

Tag 4, Ruurlo – Vorden: Kunst und Erinnerungen

Am 23. Juli ging es weiter. Diesmal fuhr ich nicht mit dem Bus, sondern mit der Bahn nach Ruurlo, da die Rückfahrt von Vorden aus ebenfalls mit der Bahn vonstatten gehen sollte, und so hatte ich meine Leeze dann gleich am Bahnhof stehen. Gegen halb 11 kam ich beim Schloss Ruurlo an und schaute mich erst einmal in Ruhe im Park um, da das Museum erst um 11 Uhr öffnete.

Im Moment läuft es unheimlich gut, was zu größeren Parkplatzproblemen führt, da weder die Gemeinde Ruurlo noch der Gründer Hans Melchers mit so einem Ansturm gerechnet hatten. Die Besucher von weiter weg parken also irgendwo am Straßenrand, die Stadt schreibt fröhlich Strafzettel, Melchers ist sauer, weil man sich doch etwas kulanter zeigen könnte, schließlich kommt ja jetzt mal wieder jemand in dieses verschlafene Nest. Als Fußgänger tangierte mich die Soap relativ wenig, ich halte es ja gerne mit Goethe: „Nur wo du zu Fuß warst, bist du wirklich gewesen.“ Warum sollte das nicht für ein Museum gelten?

Kurz vor 11 Uhr formierten sich am Eingang zwei Reihen, die Besitzer einer Museumkaart, zu denen ich auch gehöre, und diejenigen, die noch ein Ticket erwerben mussten. Ich bekam ein Heftchen ausgehändigt, verstaute meinen Rucksack und schaute mir dann erst mal den Film an. Man erfuhr ein paar Dinge über die Geschichte des Schlosses, den Multimilliardär Hans Melchers und den Maler Carel Willink. Aber dies alles ist einen eigenen Beitrag wert, den ich wohl schreiben werde, wenn das Wetter wieder schlechter wird.

Jetzt nur so viel: Mit dem Umbau und der Neueinrichtung des Schlosses hat Melchers einen schönen Rahmen für Willinks Gemälde geschaffen und dabei nicht gekleckert, sondern kräftig geklotzt. Die Holzfußböden mit Intarsien und die schweren Tapeten mit Moiréstruktur  bilden zusammen mit den Bildern ein Gesamtkunstwerk, und als solches muss man es eigentlich auch sehen. Die Gemälde selbst sind entweder (Selbst-)porträts, auf denen die Abgebildeten grantig in die Weltgeschichte schauen oder aus verschiedenen Versatzstücken zusammengesetzte Landschaften. Die Titel sind recht eindeutig, z. B. „Tate Gallery verplaatst“ bei einem Bild der berühmten Galerie, die hier mitten in der Pampa steht, oder „Kamel in het park van Versailles“. Warum sollte so ein Kamel nicht auch mal in so einem Park spazieren gehen?

Nach einer guten Stunde hatte ich alles gesehen und wollte meinen Weg fortsetzen. Der Trekvogelpad führt durch den Schlosspark, aber leider war die hintere Pforte abgeschlossen, so dass ich mir einen Weg außenrum suchen musste.

Nach einer Weile hatte ich es geschafft, und unterwegs kam ich auch bei dem berühmten Siebensprung vorbei. Wie in der Geschichte „Das Geheimnis des siebten Weges“ zweigen hier nur sechs Wege ab. Ich lief zur Sicherheit zweimal alle Wege ab, es sind tatsächlich nur sechs.

Dann ging ich weiter nach Vorden, wo ich mich dem Schloss von Rückseite näherte. Ich kam an der 23 Meter hohen Rieseneiche vorbei, deren Stamm 685 Zentimeter umfasst. Kurz danach passierte ich die „Lodewijkslinde“, unter der Ludwig XIV angeblich im Jahr 1672 ein Schläfchen gemacht haben soll. Ich kann mir schlechtere Schlafplätze vorstellen.

 

Kurz danach kam ich wieder zu der Stelle, an der sich der Trekvogelpad und der Pieterpad kreuzen. Vor ziemlich genau elf Monaten war ich hier schon einmal vorbeigekommen. Viel hat sich seitdem ereignet. Nach einem Kaffee mit Kirschkuchen fuhr ich mit dem Zug nach Hause. Da es auf dieser Strecke, die nur etwas mehr als eine Stunde dauert, drei verschiedene Anbieter gibt, musste ich dreimal ein- und auschecken. Auf Twitter machte ich meinem Unmut Luft und bekam sogar eine Antwort von den Nederlandse Spoorwegen.

 

Tag 5, Vorden – Brummen: Uferwege, Rindviecher und eine Überfahrt

Am 28. Juli ging es dann weiter. In Vorden ging ich ein Stückchen über den Pieterpad, diesmal in Gegenrichtung, bis der Trekvogelpad dann abzweigte.  Ich kam an einem Hexenhaus mit Backofen, das mich an Hänsel und Gretel erinnerte, und erreichte Schloss Hackfort, wo es im Park auch einen Kunstwanderweg gibt.

Auf der gegenüberliegenden Straßenseite steht eine Bank zum Gedenken an jemanden, der hier, praktisch kurz vor seiner Haustür einen Unfall hatte. So etwas ist natürlich nicht schön, und nachdenklich trabte ich weiter.

Nach einer Weile kam ich an einen Uferweg, der am Baakse Beek entlangführt. Laut Wegbeschreibung sollte man ihm einfach bis kurz vor Wichmond folgen können, aber in der Praxis sah das natürlich wieder anders aus. Mittendrin war nämlich ein Stück abgesperrt, weil dort eine Herde Rindviecher graste. Die Absperrung allein wäre nicht so sehr das Problem gewesen, aber vor Rindviechern habe ich ziemlichen Respekt. Ich ging also an der Absperrung entlang bis zur Straße, wo ich erst über einen Zaun klettern und dann zur Erheiterung zweier Radfahrer unter einem Stacheldraht durchkrauchen musste. Dass mir der Spaß wieder ein Extrastückchen bescherte, war ja klar, und so war der Rastplatz an der Wegkreuzung mehr als willkommen.

Bald erreichte ich Bronckhorst, die kleinste Stadt der Niederlande. So ziemlich alle Gebäude dort stehen unter Denkmalschutz, und die Ortschaft ist eine Art lebendes Freilichtmuseum. Entsprechend viele Touristen befinden sich auch dort. Demnächst geht auch unser Synagogenausflug dorthin, und dann werde ich mir in Ruhe das Dickens-Museum und diverse Kunstobjekte anschauen. Heute reichte mir ein Cappuccino mit Apfelkuchen.

Unterwegs hatte schon ein kräftiges Lüftchen geweht, so dass die Wanderung langsamer ging als normal. Und als ich im Wanderführer las, dass die Fähre über die IJssel ab Windstärke 7 nicht mehr fährt, machte ich mir doch etwas Sorgen. Aber schon von weitem konnte ich sehen, dass sie gemütlich hin und hertuckerte. Es gibt wohl auch so etwas wie die gefühlte Windstärke.

Nach der Überfahrt hieß mich ein Schild auf der Veluwe willkommen, laut Wikipedia das größte zusammenhängende Waldgebiet der Niederlande. Dort würde ich sicher noch eine Weile unterwegs sein.

Kurz darauf erreichte ich Brummen, wo die Route sogar fast direkt am Bahnhof vorbeiführt, und machte mich auf den Heimweg.

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Ein neues Abenteuer: Der Trekvogelpad

Ja, ich weiß, ich habe den Pieterpad immer noch nicht beendet, aber es war von der Zeit her immer etwas ungünstig. Jetzt ist es nämlich wieder so weit, dass ich unterwegs übernachten muss, und das will einigermaßen geplant werden. Da es aber ganz ohne Wandern nicht geht, habe ich mit dem 414 Kilometer langen Trekvogelpad (Zugvogelweg) angefangen, der von Bergen aan Zee nach Enschede führt. Allerdings zäume ich auch hier wieder den Gaul von hinten auf und laufe in Gegenrichtung, da es sich das für Tagesausflüge zwischendurch anbietet. Und nach den ersten 90 Kilometern wird es Zeit für einen Bericht.

Tag 1, Enschede – Koekoeksbrug: Why does is always rain on me?

Am 7. März hatte ich unerwartet einen fast freien Tag und wollte mal wieder ein Stück laufen. Also habe ich mit dem Trekvogelpad angefangen, der vom Bahnhof Enschede nach Bergen aan Zee führt. Das erste Stück lief ich also vor allem durch meine eigene Stadt, die ich nun durch die Augen eines Touristen betrachtete.

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Die Streckenführung ist ganz geschickt, man geht vor allem durch die etwas netteren Teile der Stadt (den Volkspark, die alte Arbeitersiedlung Pathmos, das Naherholungsgebiet Rutbeek), so dass der ahnungslose Tourist nicht denkt: „Grundgütiger, wo bin ich hier gelandet!“ Versteht mich nicht falsch, ich wohne wirklich gern in Enschede, aber es ist halt kein Amsterdam, Maastricht oder Groningen.

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Das Wetter war am Anfang noch okay, zwar leichter Nieselregen, aber man ist ja nicht aus Zucker, nicht wahr? Beim Rutbeek kam ich an einem Schild mit der Aufschrift „Wij oogsten de zon – Wir ernten die Sonne“ vorbei, das irgendwas mit Sonnenenergie zu tun hat. Gerade in dem Moment fing es auch richtig an zu gießen – the irony of that. Da stand ich also knapp 10 km von zu Hause entfernt im strömenden Regen mitten in der Pampa! Gut, dass ich meinen Regenumhang mithatte.

rutbeek schild

Aber das Naturgebiet Buurserzand ist auch im Regen recht schön, und schließlich gibt es ja kein schlechtes Wetter, nur falsche Kleidung.

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Trotzdem war ich froh, dass bei der Haltestelle Koekoeksbrug schnell ein Bus kam, der mich nach Haaksbergen brachte.

Tag 2, Koekoeksbrug – Eibergen: Vier Monate später

Am 11 Juli, also fast genau vier Monate später ging es weiter. Ich fuhr mit dem Bus bis kurz vor Haaksbergen und lief das letzte Stück zur Koekoeksbrug. Natürlich spielte mir mein bekanntes Rechts-Links-Problem mal wieder einen Streich, aber der Schaden hielt sich in Grenzen.

Das Wetter war erst etwas bewölkt, aber es klärte sich bald auf. Ich wanderte durch die Naturgebiete Buurserzand und Haaksbergerveen und stellte mal wieder fest: Twente is onmeunig mooi (Twente ist unglaublich schön).

haaksbergerveen  haaksbergerveen2

Auf einer Bank hielt ich ein Schwätzchen mit dem Gegenverkehr, den es hier auch reichlich gibt – die meisten Leute fangen in Bergen aan Zee an. Und das Restaurant bei der Oostendorper Watermolen hatte sogar geöffnet, so dass ich auch mein Essen fotografieren konnte, wie man das halt so macht.

oostendorperwatermolen stillleben

Als ich allerdings weiterging, trübte es sich wieder ein, und kurz vor der Berkel wurde ich von einem kräftigen Regenguss erwischt. Der Trekvogelpad wird auch „der längste Naturwanderweg der Niederlande“ genannt, und das bedeutet wohl, dass man sich grundsätzlich mitten in der Pampa befindet, wenn es gerade mal gießt. Man kann also stehenbleiben und nass werden oder weitergehen und nass werden. Ich entschied mich für letzteres, schlurfte am Berkelufer entlang und fragte mich mal wieder: „Why does it always rain on me?“

berkelimregen

Irgendwann ließ der Spuk jedoch nach, und ich konnte noch vor der Bushaltestelle in Eibergen das Regenzeug wegpacken.

Und einen netten Straßennamen habe ich auch entdeckt: Krakeelsweg.

Tag 3, Eibergen- Ruurlo: Auch am Trekvogelpad gibt es schönes Wetter

Diesmal ging es sogar recht schnell weiter, nämlich am 15. Juli. Zuerst sah es nach einem Pechstag aus, denn obwohl ich pünktlich an der Bushaltestelle war, meldete meine App, dass der Bus schon weg war. Trotzdem beschloss ich, noch ein paar Minuten zu warten, und siehe da, er kam doch noch! Es wäre auch sonst etwas ärgerlich gewesen, denn am Wochenende fährt der Bus nach Eibergen im Stundentakt.

In Eibergen lief ich durch den hübschen Ortskern, wo ich schon auf den ersten Gegenverkehr traf. Dann wurde die Gegend wieder sehr ländlich.

bauernhof waldweg

Im Wanderführer stieß ich auf die Anmerkung, dass die Route eventuell anders geführt werden könne, da dort die neue Bundesstraße N18 gebaut wird. Natürlich hatte ich mal wieder verbummelt, im Internet nach Updates zu schauen, aber das war auch gar nicht nötig. Am Samstag wurde nicht gebaut und ich konnte gemütlich zwischen zwei Bauzäunen hindurch den Markierungen folgen.

bauzaun

Der Weg führte mich durch einen Park, der im klassizistischen Stil angelegt ist und in der Mitte einen sternförmigen Teich, den „Waterster“ (Wasserstern) hat.

waterster slinge

Nach einer Pause am Flüsschen Slinge ging ich weiter bis zum Schloss Ruurlo, dem „Treppenhaus“ aus dem Jugendbuch „De Zevensprong“ (auf Deutsch „Das Geheimnis des siebten Weges“) von Tonke Dragt und der gleichnamigen Fernsehserie. Die älteren Semester unter uns erinnern sich vielleicht. Seit ein paar Wochen beherbergt das Schloss ein Museum mit Werken des Künstlers Carel Willink (1900 – 1983), einem Vertreter des magischen Realismus. Dies werde ich mir auf der nächsten Etappe näher anschauen.

schlossruurlo

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Frühlingsimpressionen am Pieterpad

Ommen – Coevorden

Zu meiner Schande muss ich gestehen, dass ich dieses Jahr noch nicht besonders weit gekommen bin, ganze zwei Etappen bzw. gut 40 km habe ich seit Anfang April geschafft. Arbeitsmäßig ist eine Menge los, ich mache gerade eine Fortbildung, an den Wochenenden steht einiges an (Familie, Chor, Synagoge etc.), der Umzug zieht immer noch alles Mögliche nach sich und dann habe ich ja schließlich auch noch meinen Haushalt. 😉 Aber vor Ostern schaffte ich es doch, zumindest einen Anfang zu machen, und ich hoffe, dass ich in den nächsten Wochen noch ein Stückchen schaffe. Allerdings muss ich jetzt wieder übernachten, weil die Anfahrtswege wieder länger werden.

Wind und Wetter

Am ersten Tag konnte man absolut nicht nölen, das Wetter war einfach ideal, nicht sehr warm, aber trocken. Alles wurde langsam aber sicher grün und blühte in verschiedenen Farben, die Vögel brüllten, es war einfach wunderbar!

naturgebiet

Am zweiten Tag war es erst trocken und ich hatte Rückenwind, was vom Gegenvekehr etwas neidisch kommentiert wurde. Selber merkt man das ja meistens erst, wenn man die Richtung ändert oder der Wind sich dreht. Doch am Nachmittag trübte es sich ein und begann zu nieseln. Deswegen hätte ich fast das Kunstwerk „De Drentse Poort“ verpasst. Bei klarem Wetter ist es sicher von Weitem zu sehen, aber wegen des Nieselregens passte ich nicht richtig auf und latschte mal wieder an einer Abzweigung vorbei. Zum Glück merkte ich meinen Irrtum rechtzeitig, so dass ich doch noch unter dem monumentalen Steintor durchgehen konnte.

Und gerade als ich den Bahnhof von Coevorden erreichte, ging ein richtiger Platzregen los. Da hatte ich mal wieder Glück gehabt.

Landschaft und Ortschaften

Zwischen Ommen und Hardenberg ging die Strecke ging teils durch den Wald, teils über Felder und immer wieder an der Vecht entlang, und sie hatte keine nennenswerten Steigungen. Man merkt, dass es in den brettlebenen Norden geht. Bei der Drentse Poort ging es wieder etwas auf und ab.

Natürlich führte der Weg nicht nur durch mehr oder weniger idyllische Landschaft, sondern auch durch nette Ortschften wie das Angerdorf Rheeze mit seinen Reetdachhäusern oder Gramsbergen mit der netten Kirche und dem Bronzeskulptur einiger Pieterpadwanderer. Dort ergab sich auch die Gelegenheit zu einem Schwätzchen mit dem Gegenverkehr und dem Austausch kulinarischer Tipps.

Kulinarisches – oder auch nicht

Wermutstropfen auf dieser Wanderung: Das Café in Rheeze, wo ich gern eingekehrt wäre, hat nur Samstags und Sonntags geöffnet, was sie allerdings nicht daran hindert, groß auf die Fensterläden zu schreiben, was man dort alles hätte bestellen können. Aber der erfahrene Wanderer hat ja immer genug Semmeln mit, so dass ich nicht vom Stangerl gefallen bin.

Nein, da sah es am zweiten Tag schon anders aus. Am Eingang des Dorfes Ane befindet sich nämlich der goldige Laden nebst Tea Room „Granny’s Barn“. Dabei handelt es sich um ein Projekt, bei dem junge Frauen, die aus irgendwelchen Gründen in Schwierigkeiten geraten sind, wieder eine Aufgabe bekommen und in den Arbeitsprozess eingegliedert werden. Das Ganze soll demnächst mit einen Bed & Breakfast vergrößert werden. Die Lage ist ja auch ideal. Der Tea Room ist einfach schnuckelig, das WC heißt hier „Dixie de luxe“ und Tee und Sandwich waren sehr lecker!

Jetzt habe ich noch sieben Etappen, also noch ungefähr 140 km vor mir. Und irgendwann schaffe ich die auch!

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Nordostengland und Borders 2016 – Teil 2

It’s not been such a bad day. In fact, it’s been a good day.“ (Campinggast bei Lower Wensleydale)

Am nächsten Morgen waren wir schon um sieben Uhr wach und stellten fest, dass die Eineinhalb-Stunden-Regel (die Zeit vom Wachwerden bis zum Losfahren) immer noch stimmt. Pünktlich um halb neun saßen wir auf den Leezen und versuchten, den richtigen Weg aus der Stadt zu finden. An einer Ampel kamen wir ins Gespräch mit einem Niederländer, dessen Freundin in York wohnte. Er gab uns eine kurze Wegbeschreibung für eine ruhige Strecke. Das Problem bei Radwegen in Städten ist, dass sie manchmal plötzlich aufhören und man sich dann auf dem Bürgersteig wiederfindet, wo man von indignierten Fußgängern angeblökt wird, aber da muss man wohl durch.

Bald fanden wir den richtigen Weg durch nette Ortschaften wie Tollerton, Helperby und Asenby. Zwischendurch machten wir gelegentlich Pause bei Kirchen, Kühen und Schafen.  Das Wetter war erst sonnig und später etwas bewölkt, was aber gar nicht schlecht war, denn die Gegend wurde immer hügliger.

Bei der A1 mussten wir uns durch ein ziemliches Gewurschtel an Kreiseln kämpfen, um die Autobahn zu überqueren, aber wir schafften es.

Später sollte das ein paarmal nicht  so gut gehen, aber das wussten wir zum Glück noch nicht, so dass wir die Fahrt noch in vollen Zügen genießen konnten. Die Hügel waren ganz gut zu meistern, und ich war recht stolz, dass ich nur selten schieben musste.

Kurz vor Leyburn mussten wir uns dann doch einen richtig steilen Hügel zum Campingplatz hochkämpfen, und zwar beide zu Fuß. Ironischerweise hieß der Campingplatz „Lower Wensleydale“. Wir checkten ein und stellten fest, dass man hier dieselben Duschvorhänge hat wie in York. Die Campinggäste waren nett und stellten Fragen wie: „Where did you start off this morning?“ oder „Heavy load on your bike, are you Dutch?“ Was das eine mit dem anderen zu tun hat, darüber kann man nur mutmaßen.

Der Campingplatz war recht nett, es gab einen Pfau, der gelegentlich sein Gefieder spreizte oder fürchterlichen Krach machte, und diverse andere Wasservögel mit Jungen. Nachdem wir aufgebaut hatten, fuhren wir nach Leyburn, wo wir einkaufen und dann in ein chinesisches Restaurant gingen. Dort hatten sie zwar auch chinesisches Bier auf der Karte, aber ich nahm trotzdem leiber das lokale „Black Sheep“. Nach dem ausgezeichneten Essen bekamen wir noch zwei Glückskekse. Auf Peters Zettel stand „Good news will come to you by mail.“, und mein Spruch lautete: „All your hard work will soon pay off.“ Das wäre sicher nicht schlecht.

Obwohl wir früh schlafen gegangen waren, wurden wir am nächsten Morgen erst um neun Uhr wach. Wir waren wohl nichts mehr gewöhnt, aber egal, wir hatten Urlaub und wollten heute sowieso nicht weiter, sondern die Aysgarth Falls besuchen.

Nach einem ausgiebigen Frühstück machten wir uns auf den Weg. Wir fuhren über Leyburn vorbei an Bolton Castle, das in der Ferne auf einem Hügel thronte, und der Brunnen in der Ortschaft Caperby war bereits festlich für den Geburtstag der Queen dekoriert. Die Gegend war recht hüglig und es gab tolle Abfahrten, aber es ist auch ein Naturgesetz, dass man kurz danach wieder bergauf strampeln muss. Aber die Yorkshire Dales sind so schön und das Wetter war wunderbar, da nimmt man das ja gerne im Kauf.

Bei den Aysgarth Falls ketteten wir unsere Räder an den Zaun des Informationszentrums und schauten uns zuerst dort um. Bei unserer ersten gemeinsamen Radtour hatte Peter hier ein tolles T-shirt mit Ottern erstanden, aber leider gab es diese nicht mehr. Dass sich in zwanzig Jahren auch so viel verändern muss!

Wir machten einen Spaziergang zu den Upper, Middle und Lower Falls, und es erstaunte mich nicht, dass William Turner sie gemalt hatte. Auch einige Kampfszenen aus „Robin Hood – Prince of Thieves“ waren hier gefilmt worden.

Wir besuchten noch die St. Andrew’s Church und fuhren dann über Swinthwaite und Wensley wieder zurück nach Leyburn. Obwohl die Gegend recht ländlich ist, waren ziemlich viele Autofahrer unterwegs. Die idyllischen Zeiten der Serie „Downton Abbey“, wo sich Sir Robert über zu viel Verkehr beklagte („Five cars parked in the village and three passing“) waren definitiv vorbei.

In Leyburn deckten wir uns mit Vorräten für das Abendessen ein und fuhren dann zurück zum Campingplatz. Gerade als Peter auf die Zeltwiese einbiegen wollte, riss ihm die Kette. Zum Glück war er langsam unterwegs und es passierte weiter nichts. Gemeinsam machten wir uns an die Reparatur und stellten mal wieder fest, dass wir ein gutes Team waren.

Danach legten wir uns in die Sonne und lasen Zeitung. Dort wurden in zahlreichen Leserbriefen die Vor- und Nachteile eines möglichen Brexits debattiert, während der Artikel auf der Titelseite sich mit einer weiteren wichtigen Frage beschäftigte: „Will it rain on the Queen’s birthday?“  Dann verspeisten wir unser Abendessen, während sich dunkle Wolken über uns zusammenklumpten. Gerade, als wir fertig waren, begann es zu regnen, und wir verzogen uns mit unserer Zeitung ins Zelt.

Als der Regen nachgelassen hatte, wurde es Zeit für einen Pubbesuch. Wir folgten dem Trampelpfad zur „Pheasant Inn“, das wohl noch als Wohnzimmer des Dorfs fungierte und vor allem von „Locals“ frequentiert wurde. Während wir unser Bier tranken, hörten wir ihren Gesprächen über das Training von Rennpferden auf unterschiedlichem Untergrund zu und bekamen Fotos von „Douglas the Baby Meerkat“, der wohl in der Gegend berühmt ist, gezeigt.

Auf dem Rückweg machten wir noch einen Abstecher zum Harmby Waterfall, an dem wir am Vortag vorbeigeradelt waren. Da es aber schon recht dunkel war, sahen wir nicht allzuviel davon.

Brexit-Quote des Tages: „I want to keep our punds, ounces, inches, miles and pints and drive on the left. It may be quirky to the one-size-fits-all-brigade, but it’s British.“ (M. Elliot).

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Pieterpad-Nachlese 2016

Vorden – Ommen

Entgegen meinen guten Vorsätzen habe ich es letztes Jahr nicht geschafft, den Pieterpad zu Ende zu wandern. Aber nach dem Erreichen der Mitte war ich im Herbst doch noch drei einzelne Tage unterwegs, nämlich am 30. August, am 16. September und am 1. Dezember, und habe vier Etappen geschafft. Am ersten Tat bin ich gleich zwei Etappen, also ungefähr 28 Kilometer gelaufen. Nicht schlecht, oder?

Schlösser und Landgüter

Vor allem anfangs kommt man an einigen Schlössern und Landgütern vorbei, von denen es eine Menge in dieser Gegend gibt. Die Schulen hatten wieder angefangen, und bei dem herrlichen Wetter waren zahlreiche Schulkinder mit Rädern und Fragebögen unterwegs, um die Gegend zu erkunden. Bei Kasteel Den Bramel hörte ich, wie ein Kind fragte: „Oh, ein Schloss! Wohnt da der König?“ Ein anderes antwortete: „Ganz sicher nicht.“ – „Aber es ist ein Schloss!“ – „Dass es ein Schloss ist, heißt nicht, dass der König ausgerechnet hier wohnt. Es gibt viele Schlösser.“ Tja, wo das Kerlchen recht hat…

den-bramel

Ein ganzes Stück später, bei Huis Verwolde, machte ich einen Umweg, um „de dikke boom“ (den dicken Baum) zu bewundern. Diese monumtentale Eiche wurde wahrscheinlich rund 1500 gepflanzt, und der Stamm hat einen Umfang von 7,60 Metern. Ein ganz schöner Oschi, nicht wahr?

huis-verwoldedikke-boom-2 dikke-boom

Mythos Holterberg und andere Erhebungen

Diesmal führte der Weg über einige Berge – zumindest nennen die Niederländer sie so. Einer davon ist der Holterberg, auf dem ich in meinem ersten Jahr hier – angeblich – auch schon war. Damals machten wir mit einem Freund eine Wanderung von Rijssen nach Nijverdal (oder umgekehrt), und diese führte auch über den Holterberg. Es war eine schöne Waldwanderung, das auf jeden Fall, aber irgendwann waren wir am Zielbahnhof, wo ich etwas enttäuscht fragte: „Und wo ist jetzt der Holterberg, und warum waren wir doch nicht oben?“ Wenn man aus der Gegend von München kommt, hat man bei dem Wort „Berg“ einfach eine andere Vorstellung. Aber nach fast 20 Jahren hier bin ich wohl eingebürgert genug, um auch den Holterberg, der sich immerhin stolze 58 Meter über dem Meeresspiegel erhebt, zu erkennen:

holterberg2 holterberg

Die Aussicht hat schon was.

Später ging ich auch über den Haarlerberg und am letzten Tag über den schon sehr herbstlichen Archemerberg, an dessen Fuß ein großer Findling, der „Dikke Steen“ liegt:

dikkesteen

archemerberg archemerberg2

Geschichte am Weg

Bei Holten lief ich ein Stück auf dem Weltzeitpfad, auf dem sich in regelmäßigen Abständen Pfosten befinden. Jeder steht für ein Jahr, und auf dem befestigten Würfel steht Wissenswertes über dieses Jahr. Dazwischen befinden sich auch andere Objekte, wie hier die Schweinderl, die ich an dem Tag wohl spannender fand als die Geschichtswürfel.

schweinderl

Am Weg in der Nähe von Nijverdal befindet sich das Denkmal des Arbeitslagers Twilhaar, das 1941 gegründet wurde. Arbeitslose Fischer sollten dort Bäume pflanzen. 1942 wurde das Lager von den deutschen Besatzern übernommen und diente als Durchgangslager für jüdische Zwangsarbeiter, bevor sie nach Westerbork und von dort aus in die Vernichtungslager gebracht wurden.

twilhaar twilhaar2

Die beiden Fotos, das eine noch scharf, das andere nicht mehr, sollen eine Warnung vor dem Verblassen der Erinnerung sein.

Begegnungen

Auch diesmal hatte ich wieder jede Menge nette Begegnungen. Einmal fragte eine Frau mich auf der Hinfahrt, als ich meinen Reiseführer studierte, welche Etappe es heute werden würde, und es entspann sich ein angeregtes Gespräch über das Wandern im Allgemeinen und den Pieterpad im Besonderen.

Und einmal kam mir ein Schäfer mit zwei Hunden und einer großen Schafherde entgegen. Da kommst du nicht durch, wie auch die Rennradfahrer feststellen mussten. Ehrlich gesagt gönne ich es ihnen, denn gerade auf den letzten Abschnitten präsentierten sie sich als eine recht ungemütliche Spezies: Immer in Eile, kein Blick für die Umgebung und nicht besonders höflich.

schafherde schafherde2

Mein absolutes Highlight ist aber folgendes: Auf der Etappe zwischen Holten und Hellendoorn war es im Wald mal wieder soweit, ich hatte die Markierungen verloren. Eigentlich logisch, dass das mal wieder passieren musste, es war ja schon viel zu lange gut gegangen.

Ich schlurfte also erst mal einen endlosen Weg entlang und hatte nirgends einen Anhaltspunkt, wo ich nun eigentlich war. Aber irgendwann musste dieser Weg ja mal einen anderen Weg kreuzen, sooo groß ist das alles hier ja auch nicht. Und tatsächlich sah ich nach einer Weile in der Ferne einen Weg und Radfahrer. Also nichts wie hin, dort würde es sicher Schilder geben. An der Kreuzung war gegenüber auch wirklich ein Schild mit der Aufschrift „Eigen weg“, also Privatweg. Das half mir natürlich unheimlich weiter.

Dann kam ein etwa 15jähriges Mädchen auf dem Fahrrad an. Ich fragte sie, ob sie wüsste, wie der breite Weg heißt. Das konnte sie mir leider nicht beantworten, aber die nächste Auskunft, dass in der einen Richtung Holten lag und in der anderen Nijverdal, brachte mich schon weiter. In Holten war ich am Morgen aufgebrochen, also ging ich weiter in Richtung Nijverdal, was wenigstens ungefähr stimmte. Nachdem ich ein paar Minuten gegangen war, kam mir die Radfahrerin wieder entgegen: „Ich habe da vorne für Sie nachgeschaut, wie der Weg heißt. Es ist der Holterweg.“ Wunderbar, der stand auch auf meiner Karte, so dass ich wieder auf die Route finden würde. Ich hätte die Kleine knuddeln können!

Ein Stillleben

An meinem letzten Wandertag des letzen Jahres kam ich auch an der Ferienanlage „Hof van Salland“ vorbei, wo ein Schild mit der Aufschrift  „Broodje Pieterpad“ mich ins Restaurant lockte. Wie man unschwer an meinem liebevoll komponierten Stillleben erkennen kann, war es sehr lecker.

stillleben

Und jetzt juckt es mich in den Füßen, wieder weiter zu gehen. Mal sehen, ob ich mir in Bälde mal wieder einen Tag freischaufeln kann.

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Nordostengland und Borders 2016 – Teil 1

Irgendwas ist immer – Nordostengland und die Borders, 5. Juni – 1. Juli 2016

Wie immer begann unser Urlaub schon lange vorher mit dem Schmieden und Verwerfen von Plänen. Mit dem Auto nach Irland und dann einen Wander- und Kultururlaub machen? Nee, Auto ist irgendwie doof, das können wir noch machen, wenn wir zu tattrig zum Radeln sind. Dann Englands Südwesten mit dem Rad, also Stonhenge, Avebury, Glastonbury, Winchester usw.? Na ja, irgendwie ist alles zu nah an London, zu viele Straßen und zu viel Verkehr. Aber irgendwann mussten wir mal Nägel mit Köpfen machen, und so beschlossen wir, dort weiter zu fahren, wo wir vor drei Jahren aufgehört hatten, nämlich in Hull, von dort aus Richtung Edinburgh und über Newcastle wieder zurück zu fahren. Am Anfang ging auch wirklich alles wunderbar, aber schon nach ein paar Tagen kristallisierte sich unser Urlaubsmotto deutlich heraus: „Irgendwas ist immer“.

Frühstücksbrett

… und manchmal geht (bzw. fährt) der Weg sich wie von selbst (Nils Koppruch, “Kirschen”)

Am Sonntag ging es los. Wir mussten zwar erst gegen 19.00 Uhr beim Terminal in Maassluis sein, aber die tiefverwurzelte Angst, die Fähre zu verpassen, ließ uns doch schon am späten Vormittag aufbrechen. Bevor wir losfuhren, musste Peter allerdings erst seinen Fahrradschlüssel suchen, der sich irgendwie ins Schlafzimmer verirrt hatte. Trotzdem kamen wir pünktlich weg.

Wegen Gleisarbeiten konnten wir nicht bis Rotterdam durchfahren, sondern mussten in Utrecht umsteigen. Dabei hätte ich fast eine Vordertasche (die mit dem Übernachtungskram für die Fähre) vergessen, da wir die Räder teilweise abgepackt hatten. Zum Glück hatte der Zug eine Weile Aufenthalt, und eine Radfahrerin, die eingestiegen und unseren Platz eingenommen hatte, rannte mir hinterher und brachte mir die Tasche. Oh Mann, nicht auszudenken, wenn der Zug mit meinem Nachtzeug von dannen gefahren wäre, das wäre schon etwas doof gewesen.

Das Umsteigen in Rotterdam war schon immer eine problemlose Angelegenheit. Früher konnte man gemütlich mit einem uralten scheppernden Lastenaufzug nach oben und unten tuckern, und heute hat man schicke, geräumige Glaslifte. Während wir auf den Zug nach Hoek van Holland warteten, fotografierte Peter mein Rad von unten durch die durchscheinende Decke zwischen Bahnsteig und Untergeschoss.

Rad von unten

Gerade, als sich die Zugtüren schlossen, sprang eine Frau noch in den Zug. Ihr Mann schaffte es allerdings nicht mehr, worüber sie etwas angefressen war. Während sie den Zugbegleiter suchte, um sich zu beschweren, entspannen sich in unserem Wagen sofort angeregte Gespräche, wie lange so ein Zug in solchen Fällen warten muss, wo wir denn hin wollten, und Radfahren im Allgemeinen.

In Maassluis stiegen wir aus und fuhren mit der Fähre über den „Nieuwe Waterweg“ nach Rozenburg, wo wir erst mal bei einer Snackbar etwas zu essen holten. Dann ging es weiter zum Fährterminal. Von gesunder Seeluft war hier allerdings nichts zu merken, dank diverser Raffinerien und Industrieanlagen stank es ziemlich.

Beim Terminal angekommen fotografierte ich erst einmal die „Pride of Rotterdam“, die bereits auf uns wartete. Vor drei Jahren waren wir mit ihrem Schwesterschiff, der „Pride of Hull“, nach Hause gefahren.

Pride of Rotterdam Pride of Rotterdam

Dann konnten wir schon einchecken, mussten aber noch eine Weile warten, bevor wir an Bord durften. In der Schlange standen viele Motorräder und Wohnmobile. Eine Frau nutzte die Wartezeit, um ein Foto von ihrem Mann am Steuer eines solchen zu machen: „Heinz, lach doch mal!“ Dann durften wir nach und nach an Bord, was diesmal recht lange dauerte, da das Sicherheitspersonal alle Fahrzeuge ziemlich genau unter die Lupe nahm und teilweise von einem Drogenhund beschnüffeln ließ. Auch unsere Ausweise wurden genau geprüft.

Dann rollten wir an Bord und wurden mit einigen Motorrädern in einen abgetrennten Bereich gewinkt, wo wir die Räder in aller Ruhe festbinden konnten. Wir gingen die steile Treppe nach oben zu unserer Kabine. Nach dem üblichen Gepfriemel mit der Key-Card gelang es uns, die Tür zu öffnen. Nach einer erfrischenden Dusche (nach mehreren Stunden in dieser Hafenluft fühlt man sich einfach nicht mehr besonders sauber) gingen wir zum Essen.

Mann, war das wieder mal lecker! Fleisch- und Fischspezialitäten, Currygerichte, unzählige Beilagen und dann die Nachtische! Gerade bei letzteren konnte ich mich nicht entscheiden, und da die einzelnen Stücke nicht so groß waren, nahm ich ein Stück Brownie, ein Lemon Meringue und einen Raspberry Cheesecake. Dann war mit allerdings nicht mehr ganz so wohl, vielleicht war einer von ihnen nicht ganz in Ordnung gewesen.

Inzwischen fuhr das Schiff an, und wir gingen auf das Sonnendeck, um uns von der niederländischen Küste zu verabschieden. Bei Hoek van Holland lag ein Schiff der Stena Line, das bald nach Harwich fahren würde, und wir fuhren nach Westen in den Sonnenuntergang.

 Hoek van Holland mit Stena-Line-Fähre Sonnenuntergang

Die frische Luft tat mir ausgesprochen gut. Nach ein paar Irrwegen fanden wir  die Bar, wo wir uns bei einem Bierchen das Entertainment zu Gemüte führten: Eine Sängerin und ein Keyboardspieler, die die üblichen Hits zum Besten gaben. Dann zogen wir uns in unsere Kabine zurück.

Wir schliefen wunderbar, wurden aber schon recht früh von einem Autoalarm geweckt. Dabei waren die Autofahrer ausdrücklich darauf hingewiesen worden, dass man diesen ausschalten sollte, da plötzliche Bewegungen des Schiffs ihn auslösen können. Für die Batterie ist sowas natürlich nicht gut, was mich mit einer gewissen Schadenfreude erfüllte. Wenn man mich aus dem Schlaf reißt, bin ich kein netter Mensch.

Da wir schon wach waren, konnten wir auch gleich aufstehen. Ich überreichte Peter erst sein Geburtstagsgeschenk und wir schlachteten zwei Minitörtchen. Dann gingen wir an Deck, um England zu begrüßen.  Doch die englische Küste, die uns beim letzten Mal mit einem wunderschönen Sonnenuntergang hinter der Humber Bridge verabschiedet hatte, war in dichten Nebel gehüllt. Nachdem wir eine Weile die nicht vorhandene Aussicht bewundert hatten, gingen wir frühstücken, denn für die Fahrt nach York brauchten wir eine vernünftige Grundlage, und was eignet sich besser als ein „Full English Breakfast“?

Dann wurden die Fahrgäste in mehreren Sprachen aufgefordert, sich zu ihren Fahrzeugen zu begeben, und auf ihr Gepäck zu achten. Bei der deutschen Version klang mit einem wunderschönen Rudi-Carell-Akzent durch das Schiff: „Bitte behalten Sie Ihnen Gepäck bei Ihnen.“ Schön, nicht?

Um halb acht ließ man ein paar Autos warten, so dass wir gemütlich von Bord rollen konnten. Wir mussten noch an der Zollstelle vorbei, wo ein junger Beamter mein Foto und mich kritisch beäugte, trotz Fahrradhelm genug Ähnlichkeit feststellte und mich durchwinkte. Durch diverse gelbe Gatter verließen wir den Hafen.

Wir kamen gut durch Hull, und der Linksverkehr fühlte sich schnell wieder vertraut an. Allerdings landeten wir nicht wie geplant auf der Straße nach Cottingham, sondern auf der nach Beverley, aber egal, so hatten wir das nette Städtchen mit der imposanten Kathedrale auch mal wieder gesehen.

Beverley Minster im Nebel

Dann stießen wir auf die Radroute durch die Yorkshire Wolds, und bei Market Weighton fing auch der Nebel an, sich aufzulösen. Geht doch! Bei inzwischen wunderbarem Radlerwetter fuhren wir durch idyllische Dörfer, vorbei an Pubs mit typisch englischen Namen wie „The Rose and Crown“, „The Grey Horse“ etc., über nicht allzu steile Hügel.

Durch die Yorkshire Wolds Pub

Wir waren im „White Rose Country“, wie man unschwer an der weißen Rose auf den Ortsschildern erkennen konnte. I love England! Und das Foto bei der winzigen Ortschaft Melbourne musste natürlich sein.

Melbourne in Yorkshire

Die Meilen verflogen praktisch unter unseren Rädern, und am Nachmittag erreichten wir York. Zur Sicherheit studierten wir, wie wir das ja jedes Mal machen, auf der Umgebungskarte auf dem Marktplatz und fuhren dann Zum Campingplatz am Ufer des Ouse. Alles war sofort wieder vertraut, auch das übliche Gedöns beim Einchecken. Mit Radfahrern, die auf die Zeltwiese wollen, sind sie wohl immer etwas überfordert.

Wir bekamen wieder die Schlüssel zum Sanitärgebäude und zur Hintertür, bauten unser Zelt auf und sprühten es erst mal gründlich mit Imprägnierspray ein. Dann erledigten wir unsere Einkäufe in den Shops ein paar Straßen weiter. Irgendwie ist es schön, wenn man den Campingplatz und die Umgebung schon kennt. Danach ruhten wir uns erst mal aus, denn wir waren ja schon im Morgengrauen von Bord komplimentiert worden.

Später machten wir uns auf den Weg in die Stadt, die von hier aus wunderbar zu Fuß zu erreichen ist.

Brücke über den Ouse

Das Minster findet man ja sofort. Es wird noch immer renoviert, und an einer Seite kann man die Arbeiten der Stone Masons (Steinmetze) bewundern. Auf einigen Steinen sind auch ihre individuellen Zeichen zu sehen. Schon beim letzten Englandbesuch war mir aufgefallen, dass trotz aller Technik der größte Teil einer Kirchenrenovierung das gute alte Handwerk ist. Morgen würden wir sehen, wie weit sie innen inzwischen sind.

Steinmetzarbeiten am Minster Steine mit Steinmetzzeichen

Wir bummelten durch die Shambles, einer Straße mit überhängenden Fachwerkhäusern, in der früher Fleisch verkauft wurde. Der Name leitet sich wohl vom angelsächsischen „fleshammels“ (Schlachtbank) ab. Allerdings gibt es heutzutage keinen Metzgerladen mehr hier. Wir sahen, dass einige Läden wegen der heftigen Überschwemmung im Winter geschlossen hatten. Auf den ersten Blick wirkt es zwar so, als ob die Stadt sich erholt hat, aber ganz so einfach geht das ja nie. Auch unser Campingplatz hatte einiges abbekommen, aber da die Gebäude dort auf Pfählen stehen, hat sich der Schaden in Grenzen gehalten.

Dann besuchten wir das Pub „Snickleway Inn“. Über die York-typischen Bezeichnungen von Straßen, Gassen, Stadttoren usw. sowie die lange und bewegte Geschichte dieser Stadt habe ich mich ja hier bereits ausführlich ausgelassen. Das „Snickleway Inn“ hieß früher „Anglers‘ Arms“ und ist angeblich „the most haunted pub in York“. Zu den zahlreichen Gespenstern gehören eine Katze, die um die Tische streicht, ein kleines Mädchen, das von einer Kutsche überfahren wurde und seitdem hin und wieder auf der Treppe sitzt, eine Frau auf der oberen Galerie und ein Mann in der Passage zwischen dem vorderen und hinteren Teil. Auch scheint irgendwer regelmäßig Chaos im Keller zu verursachen. Das Schild, von dem ich diese Informationen habe, schließt mit folgendem Hinweis: „It is worthy for a visit, although visitations cannot be guaranteed.“ Und auch wir sahen kein Gespenst.

 Snickelway Inn von außen Snickelway Inn von innen

Nach einem leckeren Bierchen gingen wir zurück zum Campingplatz, wo wir traditionsgemäß die „Daily Mail“ lasen. Natürlich war das bevorstehende Referendum Thema Nummer eins, und Alt-Premier John Major hatte sich wohl ziemlich daneben benommen. Das konnte noch interessant werden.

Am nächsten Morgen gingen wir erst zur Tourist Information und zum Minster, um uns nach Führungen zu erkundigen, aus denen wir dann ein Tagesprogramm bastelten.

Wir begannen mit einer Stadtführung, die uns erst am King’s Manor vorbeiführte, das jetzt zur Universität gehört. Dann gingen wir zur alten Stadtmauer, wo wir noch Teile der ursprünglichen römischen Überreste bewundern konnten.

Alte Stadtmauer (römische Überreste) Alte Stadtmauer

Dann gingen wir weiter in die Museum Gardens, wo sich die Ruinen der St. Mary’s Abbey befinden. Sie wurde 1055 erbaut und galt lange als eine der reichsten Abteien im Norden Englands. Wie so viele andere Klöster und Abteien wurde sie im Jahre 1539 unter Heinrich VIII aufgelöst.

St. Mary's Abbey

Dann ging es weiter auf der Stadtmauer, wo wir erfuhren, dass es früher nicht besonders attraktiv war, ein Grundstück an der Mauer zu besitzen, da man dann auch für den Unterhalt derselben verantwortlich war. Die Führung endete in der Minster Area, wo früher das Kirchenrecht galt. Wenn man sich nach einem Vergehen durch das Tor beim National Trust Gift Shop flüchten konnte, wurde man milder bestraft. Wieder was gelernt.

Tor zur Minster Area

Wir hatten noch eine halbe Stunde Zeit bis zur Führung durch das Minster. Diese nutzten wir für einen sanitären Zwischenstopp und Proviantkauf bei Marks und Spencer. Auf einer Bank verspeisten wir unsere Sandwiches, und dann ging es weiter mit der Kultur.

Die Führung dauerte anstatt einer Stunde eineinhalb Stunden, und wir wurden wieder auf eine Menge Details aufmerksam gemacht. Angeblich befindet sich die Hälfte aller Bleiglasfenster in England hier. Mit der Renovierung des East Window war man inzwischen ein gutes Stück weiter gekommen.

East Window in der Kathedrale

Auch bei dieser Kathedrale gilt wohl das Motto „Irgendwas ist immer“. So stürzte im Jahr 1407 der Hauptturm ein und musste wieder aufgebaut werden, im Jahr 1829 zündete ein gewisser Jonathan Martin die Orgelempore an, da ihm beim Abendgottesdienst ein brummender Ton der Orgel auf die Nerven gegangen war, und 1984 legte ein Blitzschlag das südliche Querschiff in Schutt und Asche.

Unsere Führerin wies uns darauf hin, dass das Muster der  Säulen unten in der Krypta auch bei der Kathedrale in Durham zu finden sei. Das interessierte uns natürlich, denn Durham stand dieses Jahr auch auf unserem Programm.

Säule mit Rautenmuster

Da zur Zeit die „York Minster Mystery Plays“ stattfanden, standen überall Kulissen und Requisiten herum. Das sah zwar sehr interessant aus, aber von unserer Stadtführerin hatten wir gehört, dass es nur noch wenige und entsprechend teure Karten gab. Na ja, wir kriegen auch so genug Kultur mit.

Requisiten für Mysterienspiele - Sterne und zwei Schweinderl

Dann besuchten wir noch das Yorkshire Museum und begaben uns auf eine Zeitreise durch die bewegte Geschichte der Stadt: Kelten, Römer, Angelsachsen, Wikinger, Normannen, der Rosenkrieg und vieles mehr. Das Gebäude, in dem das Museum untergebracht ist, gehört der Philosophical Society und beherbergt auch die Historic Library. Diese kann man besichtigen, die Bücher befinden sich allerdings hinter Gittern. Besser ist das.

York ist einfach eine tolle Stadt, obwohl ich schon sieben oder acht Mal dort war, entdecke und lerne ich immer wieder etwas Neues.

Wir kauften ein und gingen zurück zum Campingplatz. Dort stellten wir fest, dass wir offenbar ungebetenen Besuch gehabt hatten: Irgendein Viech hatte meine Müslipackung umgekippt und den Inhalt im Vorzelt verstreut. Wir retteten, was zu retten war, und verschlossen die Packung sicher in der Vordertasche.

Bei der Zeitungslektüre stellten wir fest, dass das Leave-Camp in Führung lag. Ich kam auf die Idee, jeden Tag ein „Brexit Quote of the Day“ aufzuschreiben. Hier die von heute:

„Now that I’ve heard both sides of the argument on the Referendum my mind is finally made up – I’ll toss a coin.“(Valerie Ashton, London)

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