2015 – Ostseeradtour

Ostseeradtour 2015 – Teil 10 / Schluss (Zeit wird’s)

Through the warmth, through the cold, keep running till we’re there.
We’re coming home now, we’re coming home now.
(aus „Home“ von Dotan)

Altefähr – Stralsund – Gronau – Enschede

Und wieder waren die letzten Tage angebrochen, an denen man im Geiste schon fast wieder zu Hause ist. Eine gewisse Wehmut wegen des bevorstehenden Urlaubsendes mischst sich mit der Vorfreude auf die vertrauten vier Wände.

Als wir am nächsten Morgen wach wurden, war es trocken, und auch der Wind hatte nachgelassen. Wir überlegten, doch nach Altefähr zu radeln, doch als wir abgebaut hatten und zum letzten Mal die Anhöhe hinunter sausten, Stellten wir fest, dass der erste Eindruck täuschte. Es war zwar nicht mehr ganz so dramatisch wie am Vortag, aber der Jasmunder Bodden war immer noch recht aufgewühlt.

bahnundbodden

Also fuhren wir zum Bahnhof, wo uns ein Aushang darauf aufmerksam machte, dass wir die Karten im Zug erwerben konnten. Die Fahrt verlief ohne Probleme, aber in Altefähr mussten wir mit den vollbepackten Leezen eine Treppe hinunter. Da kommt doch mal wieder Freude auf!

Über den altbekannte Kopfsteinpflaster-Sandweg ging es zum Campingplatz, wo wir vor zehn Tagen reserviert hatten. Diese Zeit kam uns wie eine Ewigkeit vor, so viel hatten wir gesehen und erlebt. Wir bauten unser Zelt diesmal in einer windgeschützten Ecke auf und gingen dann am Sund spazieren, wo wir kräftig durchgepustet wurden.

stralsundskyline stralsundskyline2

Dann widmeten wir uns unseren Büchern, bis der Kiosk mit den leckeren Flammkuchen geöffnet hatte. Mit einer Flasche Weißwein ließen wir unseren letzten Urlaubsabend ausklingen.

Am nächsten Morgen waren wir schon früh wach, und wie es sich für einen Abreisetag gehört, strahlte die Sonne vom Himmel, und der Wind regte sich kaum. Wir legten die Bodenplanen in die Sonne und sahen ihnen während des Frühstücks beim Trocknen zu. Dann bauten wir ab.

Gemütlich fuhren wir über den Strelasund nach Stralsund und zum Bahnhof, wo wir natürlich wieder viel zu früh waren. Wir kauften uns einen Zeitung und Kaffee und setzten uns an einen der netten Tische dort. Wir lasen und beobachteten Leute, bis es Zeit wurde, zu unserem Gleis zu gehen.

Im Gegensatz zur Hinfahrt war die Wagenreihung diesmal korrekt, doch als wir mit unseren Leezen ins Fahrradabteil wollten, gab es Platz Nummer 148, den ich reserviert hatte, nicht. Irgendwas ist ja immer! Dafür war ein anderer Platz nicht reserviert, den ich dann okkupierte. Die Schaffnerin nahm ihre Aufgabe sehr ernst, und wir hatten das beruhigende Gefühl, dass sie in einem Notfall unsere Räder mit Leib und Leben bewachen würde.

Wir unterhielten uns mit einer Radlergruppe aus Heidelberg, die die Mecklenburger Seenplatte erkundet hatte. Am Vortag waren sie noch in Wolgast gewesen und hatten sich dort wegen Wind und Wetter ebenfalls für den Zug entschieden.

In Rostock hatte der Zug eine halbe Stunde planmäßigen Aufenthalt, und wir dachten, dass die Bahn doch eine kurze Stadtrundfahrt in so einem Golfwagerl organisieren könnte, um die Wartezeit zu überbrücken. Aber es gab auch so genug Unterhaltung: Auf den Bahnsteigen sahen wir bunt gekleidete Leute und hörten, dass diese zum Schlagermove nach Hamburg wollten. Mal wieder ein Beweis, dass wir wohl älter werden, wir hatten keine Ahnung, was das ist. Aber Google ist ja mein bester Freund, und ich fand Folgendes: „Der „Schlagermove“ Hamburg ist das selbsternannte „Festival der Liebe“ und feiert jährlich in der Hansestadt den Karneval des Nordens mit bunt-bizarren Kostümen, schrägen Brillen und natürlich viel, viel Schlagermusik. Mittlerweile sind bei der Veranstaltung rund 45 Party-Trucks unterwegs, die rund 500.000 Besucher bespaßen.“ Also, ich glaube nicht, dass ich da unbedingt hinmuss.

Eine fünfköpfige Familie stieg mit ihren Rädern zu, und wie wir wollten sie bis Münster. Die kleinere der beiden Töchter stürmte auf einen Tisch bei uns auf der anderen Seite es Ganges los und trötete: „Ich hab ’nen Tihisch!“, und als alle saßen, ging es sofort weiter: „Wann fahren wir endlich los?“ Da hatte sie zweifellos recht.

Dann ging es tatsächlich weiter, und wir erfuhren, dass die Familie in der Umgebung von Rostock unterwegs gewesen war. Allerdings war bei der Hinfahrt ihr reservierter Intercity wegen defekter Klimaanlage ausgefallen, so dass sich ihre Route erst mal aus Nahverkehrszughopping und ungeplanten Radstrecken zusammen setzte. Senk ju for träweling wis Deutsche Bahn.

Wir kamen planmäßig in Münster an, wo wir knapp 10 Minuten zum Umsteigen hatten. Wir halfen uns gegenseitig beim Ausladen der Räder und des Gepäcks, als das kleine Mädchen plötzlich Angst bekam, dass ihre Eltern, die draußen mit dem Aufpacken beschäftigt waren, sie im Zug zurück lassen würden. Ich hob sie aus dem Zug und setzte sie beim Rest der Familie ab. Dann gingen wir zum Aufzug.

Peter und ich hatten nicht vor, uns abzuhetzen, trotzdem erwischten wir unseren Anschlusszug noch und konnten uns zu den Fahrrädern, die dort bereits standen, dazuquetschen. Für die Familie, die nach Steinfurt wollte, war jedoch beim besten Willen kein Platz mehr, doch die Mutter hatte den Kindern schon im Vorfeld versprochen, dass sie in so einem Fall Eis essen gehen würden. So war die Stunde Wartezeit für sie hoffentlich nicht zu schlimm.

In Gronau stiegen wir aus und radelten die letzten Kilometer nach Hause. Und – oh Wunder – als wir die Grenze passierten, schien die Sonne. Normalerweise werde ich, wenn ich von einem längeren Deutschlandaufenthalt zurück komme, mit Regen empfangen.

Es war wieder eine tolle Reise mit vielen Erinnerungen und neuen Eindrücken. Und wir haben einige Orte entdeckt, die wir sicher irgendwann noch näher erkunden werden, z. B. die Halbinsel Darß-Zingst und auf jeden Fall Rügen, da wir davon ja höchstens ein Viertel gesehen haben.

Und wo gefällt es mir nun besser, an der Nordsee, oder an der Ostsee? Die beiden Meere sind so unterschiedlich, dass ich es eigentlich nicht sagen kann. Die Nordsee mit ihren ausgeprägten Gezeiten ist auf jeden Fall dramatischer, aber die gewundene Küstenlinie der Ostsee mit ihren zahlreichen Halbinseln, Buchten, Wieken und Bodden hat auch etwas. Auf jeden Fall werde ich das Meer immer lieben und es wird mich immer wieder dorthin ziehen, egal ob an die Nord- oder Ostsee.

Und bald stehen ja wieder neue Abenteuer an, zur Abwechslung mal wieder England und ein bisschen Schottland, natürlich mit dem Rad, wie auch sonst?

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Ostseeradtour 2015 – Teil 9

Wir können den Wind nicht ändern, aber die Segel anders setzen. (Aristoteles)

Lietzow und alles drumherum: Schloss Spycker, Königsstuhl, Sassnitz, Kreidefelsen, Bergen

Am nächsten Morgen schliefen wir nach der Frühaufsteherei des Vortages erst mal aus. In der Nacht hatte es wohl ein Gewitter gegeben, aber wir hatten davon mal wieder nichts mitgekriegt.

Nach dem Frühstück fuhren wir los, um die Gegend zu erkunden. Über teilweise richtig schöne Radwege (die gibt es da tatsächlich) fuhren wir erst zum idyllisch am Spyckerschen See gelegenen Schloss Spycker, das bereits im 14. Jahrhundert gebaut worden war. Damals hatte es sogar noch einen Burggraben. Im 17. Jahrhundert wurde es zum Renaissanceschloss umgestaltet und im für Schweden typischen Falunrot gestrichen. Wegen seiner Ecktürme sieht es immer noch aus wie eine mittelalterliche Burg.

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Am See entlang ging es weiter über  Glowe, wo sich am Strand zahlreiche Leute in der Sonne aalten, und dann über wunderschöne Alleen nach Lohme, wo wir uns eine Pause nebst Sitzbesichtigung der Ferienhäuser mit Ostseeblick gönnten.

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Dann ging es durch den Wals und über Kopfsteinpflaster bergauf zum Königsstuhl, doch dort wimmelte es so von Reisebussen und Touristen, dass wir beschlossen, die Flucht zu ergreifen – Aussicht hin oder her. Da sind wir wohl etwas eigen. Wir fuhren ein weiteres Stück durch den Wald und landeten auf einer Strecke, die nur von den Pendelbussen zum Nationalpark befahren wird. Da dieser Weg nicht gerade breit ist, klebte eine ganze Weile einer dieser Busse hinter mir, bis er eine Möglichkeit zum Überholen fand. Dann erreichten wir die Hauptstraße nach Sassnitz, auf der sich der Verkehr zum Glück in Grenzen hielt. Wir hatten eine tolle, kilometerlange Abfahrt, bis wir am Ortseingang von Sassnitz – wie sollte es auch anders sein – sanft von Kopfsteinpflaster abgebremst wurden.

Im Ort gingen wir einkaufen und gönnten uns auf der Bank vor der Rügentherme einen Imbiss. Dann machte sich Peter auf die Socken, um Reisetabletten zu besorgen, da wir am nächsten Tag mit dem Schiff zu den Kreidefelsen fahren wollten und die Ostsee noch immer gemütlich vor sich hin brodelte. Die Besichtigung von Sassnitz wurde ebenfalls für den nächsten Tag eingeplant.

Dann fuhren wir denselben Weg wie am Vortag zurück zum Campingplatz. Auf unserer Karte war an der Strecke ein Riesengrab eingezeichnet, aber obwohl wir aufpassten wie die Schießhunde, gelang es uns weder an diesem noch am nächsten Tag, es zu finden. Wahrscheinlich ist ein einfach zu groß. Später hörte ich, dass es wohl nicht so einfach ist, die Hünengräber auf Rügen zu finden.

Auch diesmal musste ich auf der Anfahrt zum Campingplatz kapitulieren, aber ich kam schon ein Stück weiter als gestern. Wir brutzelten uns ein Abendessen und rekonstruierten den heutigen Tag. Wenn jemand wissen möchte, wie das aussieht, bitte schön:

Tagebuch

Dann lasen wir in der Zeitung, dass Wind und Wetter uns morgen wohlgesonnen sein würden, und dass die Tour de France gerade durch die kopfsteingepflasterte  „Holle des Nordens“ fuhr. Ach, die waren hier unterwegs? Gut, Rügen liegt nicht in Frankreich, aber letztes Jahr sind sie ja auch durch Yorkshire gegurkt. Wer bei der Truppe wohl fürs Kartenlesen verantwortlich ist?

Im Campingplatzrestaurant tranken wir noch ein Bierchen und verzogen uns dann in unsere Schlafsäcke.

In der Nacht gab es Regen und Gewitter, und morgens wehte wieder ein frisches Lüftchen. Über die 274 m lange, fast freischwingende Fußgänger-Hängebrücke erreichten wir den Hafen von Sassnitz und gingen dort an Bord des Schiffes, das uns zu den Kreidefelsen bringen sollte.

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Während wir den Hafen verließen, erzählte uns der Kapitän einiges über die Stadt, die sich übrigens bis zum 2. Februar 1993 noch mit scharfem s schrieb. Sie geht zurück auf eine alte Ansiedlung der Jungsteinzeit und der Bronzezeit.

Erst verleif die Entwicklung des Ortes wohl eher unspektakulär, man lebt weitgehend vom Fischfang. Im Jahr 1871 wurde die Straße nach Sassnitz ausgebaut, 1891 wurde der Ort von Bergen aus an das Eisenbahnnetz angeschlossen, ab 1878 gab es eine Schiffsverbindung nach Stettin  (Szczecin), 1889 dazu den Hafen in Sassnitz und bald darauf Seeverbindungen nach Rønne auf der dänischen Insel Bornholm, Trelleborg und Memel (Klaipeda). Durch die bessere Anbindung wuchs der Orst recht schnell, die Kreideindustrie und die Fischerei wurden ausgebaut und der Tourismus entwickelte sich.

Im Jahr 1906 wurden das Bauerndorf Crampas, nach dem Fontane einen der Charaktere in „Effi Briest“ benannt hat, und das Fischerdorf Sassnitz zu einer Gemeinde zusammengefasst, und im Jahr 1957 erhielt Sassnitz Stadtrechte. Die Fischerei wurde weiter ausgebaut, aber der Tourismus ging zurück, da die Urlauber die Strände im Norden der Insel bevorzugten.

Auch heute lebt die Stadt größtenteils vom Fischfang und dem Tourismus. Sie ist bekannt für ihre Bäderarchitektur im Kurviertel und als Hafenstadt.

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Der Kapitän, ein Scherzkeks, wies uns auf das Haus des Bürgermeisters, das vom Wasser aus zu sehen war, und forderte uns auf, ihm später einen Besuch abzustatten, der Mann würde sich sicher freuen.

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Dann erreichten wir die Kreidefelsen, die teilweise bis zu 120 m hoch sind. Der bekannteste ist der Königsstuhl, und es wird erzählt, dass derjenige, der ihn vom Strand aus erklimmen kann, zum König von Rügen gekrönt wird. Im letzten Jahr hatten es, laut Kapitän, zwei Jugendliche versucht und mussten von der Feuerwehr aus der Wand befreit werden. Tja, König von Rügen wird man halt nicht einfach so!

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Die Kreidefelsen sind übrigens vor mehr als 50 Millionen Jahren aus kalkhaltigen Schalen, Skeletten und Panzern von Kleinlebewesen entstanden. Allerdings bestehen sie nicht nur aus Kalk, sondern auch aus Sand, Lehm und Mergelgestein. Dennoch ist der Reinheitsgehalt der Jasmunder Kreide besonders hoch. Und sie sehen schon sehr beeindruckend aus, wenn man so daran vorbeischippert.

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Da es immer noch fröhlich wehte, war die See etwas unruhig, und das Wasser spritzte in hohem Bogen an Deck. Wir verzogen uns nach drinnen, und ich schaute leicht neiderfüllte einem jungen Maler zu, der sein Skizzenbuch mit der Ausbeute des heutigen Tages durchblätterte. Toll, wenn man so etwas kann.

Nach ungefähr eineinhalb Stunden kehrten wir wieder in den Hafen zurück, der sich gerade auf die Hafentage vorbereitete. Zahlreiche Budenbesitzer und Schausteller bauten ihre Stände und Fahrgeschäfte auf. Zeit für eine kurze Sitzbesichtigung also.Danach kauften wir in einem Andenkenladen einige Souvenirs und gingen dann zur Promenade, wo wir  ein nettes italienisches Restaurant fanden.

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Nachdem wir uns gestärkt hatten, bummelten wir durch die Altstadt, wo wir von einem kräftigen Regenschauer erwischt wurden. Wir stellten uns unter ein Vordach, bis der Spuk vorbei war.

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Dann kauften wir für das Abendessen ein und fuhren zurück zum Campingplatz. Diesmal schaffte ich die Steigung und war ziemlich stolz auf mich, obwohl ich es schon etwas enttäuschend fand, dass oben niemand mit dem gepunkteten Trikot auf mich wartete. Außerdem stellte mich meine Leistung vor ein Definitionsproblem. Wenn ich schieben muss, ist die Anhöhe ja kein Hügel mehr, sondern ein Berg. Da ich diesmal aber ohne Absteigen hinaufgefahren war, hatte ich dann den Berg zum Hügel degradiert? Ich musste an die Silvesterfolge der Fernsehserie „Ein Herz und eine Seele“ denken, in der Alfred Tetzlaff seiner Frau erklärt, dass Punsch heiß ist und Bowle kalt, worauf sein Schwiegersohn fragt: „Und wenn der Punsch abkühlt, wird er dann automatisch Bowle?“ Manchmal kann das Leben recht kompliziert sein.

Nach dem Abendessen unterhielt ich mich mit einem anderen Radfahrer, der die Störtebeker-Festspiele auf der Naturbühne in Ralswieck besuchen wollte. Ich weiß nicht, ob er es geschafft hat, das Wetter sah jedenfalls nicht besonders gut aus. Er und seine Freunde hatten ihre Tour auf Rügen begonnen und wollten nun weiter ostwärts fahren. Ich hatte das Gefühl, dass sie sich nicht besonders freuen würden, denn es wehte wieder ein kräftiger Westwind, und ich war froh, dass wir uns für die West-Ost-Variante entschieden hatten, die uns recht wenig Gegenwind beschert hatte.

Am nächsten Morgen war das frische Lüftchen vom Vortag sich zu einer steifen Brise der Stärke 6 angeschwollen. Wir trödelten erst mal beim Frühstück herum und beschlossen dann, in den Nachbarort Bergen zu radeln. Mal sehen, wie weit wir kommen würden.

Das Wasser im Jasmunder Bodden brodelte, und der Wind kam schräg von vorne. Lustig war das nicht. Und die Strecke morgen nach Altefähr würde bestimmt noch schlimmer werden, mit dem Wind größtenteils von vorne und mit voller Bepackung. Also war es Zeit für Plan B, denn wie wir von Pete McCarthy wissen: „It’s important to have a plan B, especially when there is no plan A.“

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Wir parkten die Leezen auf dem Marktplatz an einer geschützten Stelle und gingen dann zum Bahnhof, um uns nach den Zugverbindungen nach Altefähr zu erkundigen. In Lietzow gibt es tatsächlich im Stundentakt einen Zug dorthin, und die Karten konnte man dort am Automaten erwerben. Dann stärkten wir uns in dem netten Restaurant „Puk op’n Balk“, wo es sehr leckere, rustikale Spezialitäten und eine literarische Speisekarte gab.

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Danach schauten wir uns die Stadt an und erfuhren, dass die dortige Marienkirche mit einer Kirche auf Texel verpartnert ist.

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Nachdem wir wieder einen Regenschauer unter einem Vordach abgewartet hatten, fuhren wir zurück, was diesmal recht flott ging, da wir den Wind schräg im Rücken hatten. Und wieder schaffte ich den Hügel zum Campingplatz, ich werde noch richtig gut!

Wir gingen zur Rezeption, um abzurechnen, da wir ja am nächsten Tag weiterfahren wollten. Der Herr an der Kasse erkundigte sich nach unserem Namen und meinte dann: „Ach so, sie stehen im Wald!“ Wo er recht hat…

Da es unser letzter Tag war, speisten wir im Restaurant und tranken noch ein paar Bierchen – Störtebeker natürlich. Dann gingen wir schlafen.

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Ostseeradtour 2015 – Teil 8

Wenn ich die Tür aufmache, und der Wind reißt mit die Klinke aus der Hand, dann weiß ich, dass ich wieder zu Hause bin.  (Radfahrer auf Rügen)

Stubbenfelde – Peenemünde – Lietzow

Mitten in der Nacht wurde ich von lauten Geplätscher wach – jemand pinkelte ins Gebüsch. Tja, sowas kriegt man, wenn das Sanitärgebäude geschlossen ist, aus welchen Gründen auch immer. Zum Glück war das Geplätscher nicht ansteckend. Ein paar Stunden später, im Morgengrauen, weckte mich lautes Donnergrollen, aber das Gewitter war nicht sehr stark und zog auch bald weiter, so dass ich schnell wieder einschlief.

Zu einer zivilen Zeit standen wir auf, frühstückten und bauten ab. Wir unterhielten uns noch mit unseren Nachbarn, zwei niederländischen Männern, die beide an Georg „Käthe“ Eschweiler aus der Lindenstraße erinnerten. Sie wollten noch in Stubbenfelde bleiben und mit dem Zug nach Peenemünde fahren, um dort das Historisch-Technische Museum zu besuchen. Peenemünde war auch unser Ziel, da wir am nächsten Tag von dort mit dem Schiff nach Rügen fahren wollen.

Wir fuhren erst an der Hauptstraße an zahlreichen Autos vorbei, die dort gemütlich im Stau standen. Radfahren hat manchmal seine Vorteile. Bei Zinnowitz gab es eine Umleitung, die uns aber nicht allzuweit außenrum  führte, so dass wir bald Peenemünde erreichten. Und es war immer noch sehr heiß – japs!

Auf unserer Karte war ein Campingplatz eingezeichnet, doch wir konnten ihn nicht finden, und Peter meinte, es gäbe ihn nicht mehr. Wir fragten eine Dame in einem Andenkenlanden am Hafen, und sie zeigte uns, dass es einen neuen Platz auf der anderen Seite des Hafenbeckens gab. Man musste irgendwie hinter dem Museumsgelände vorbei und kam dann zu einem Anglerhotel. Erst sahen wir nur Wohnmobile, und Peter war überzeugt, dass es sich um einen Wohnmobilhafen handelte, wo Zelte nicht willkommen waren. Doch ich war erst bereit, das zu glauben, wenn man uns tatsächlich wegschicken würde. Dann könnten wir immer noch nach Karlshagen zurück fahren.

Wir fanden ein Schild, dass wir bei einem Der Boote einchecken konnten, und suchten uns dann ein halbwegs schattiges Plätzchen. Duschen und unsere Klamotten waschen konnten wir im benachbarten Anglerhotel. Wir installierten uns und widmeten uns dann im Schatten unserer Lektüre. Mehr war bei der Hitze wirklich nicht drin. Aber immerhin hatten wir Aussicht.

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Später, als es etwas abgekühlt war, fuhren wir wieder auf die andere Hafenseite, um zu erkunden, wo unsere Fähre nach Rügen abfahren würde. Auf einen Besuch des Museums und des U-Boots U-461 verzichteten wir und gingen lieber Pizza essen, natürlich mit Blick auf den Hafen.

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Später kam die Fähre an, und es waren tatsächlich nur wenig Leute und zwei Fahrräder darauf. Dieser Zipfel ist für die Adler-Reederei wohl nicht sehr lukrativ, aber wahrscheinlich bedienen sie die Strecke, um dafür zu sorgen, dass es kein anderer macht. Dann kehrten wir zurück zum Campingplatz und schauten uns die netten Ferienhäuser an, die dort gerade gebaut wurden, und genossen den Sonnenuntergang über dem Peenestrom.

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Irgendwann wurde es zu dunkel, und wir holten unser Zahnputzzeugs. Bei den Damenduschen traf ich ein ziemliches Chaos an: Zwei Frauen mit gefühlt zehn Kindern hatten den gesamten Nachwuchs in zwei Duschkabinen gesteckt, um Duschmünzen zu sparen. Allerdings hatten sie sich in der Zeit verschätzt, und kaum war die Rasselbande eingeseift, ging das Wasser aus, und mehr Duschmünzen hatten sie nicht. Also mussten die Kids irgendwie an den Waschbecken abgespült werden, was natürlich mit riesigem Geschrei verbunden war. Man kann sich vorstellen, dass ich mir das schadenfrohe Grinsen nicht wirklich verkneifen konnte, ich bin wohl kein besonders netter Mensch. Dann verkroch ich mich in meinen Schlafsack.

In der Nacht regnete es, und aus dem Baum, unter dem wir standen, fiel merkwürdiges Gebrösel auf unser Zelt. Außerdem hörte man aus der Ferne immer wieder Rufe und Musik, was dazu führte, dass ich höchst eigenartig träumte, nämlich von einem Neonazitreffen, dass ausgerechnet auf unserem Campingplatz stattfand.

Da unsere Fähre schon gegen acht Uhr fahren sollte, standen wir früh auf. Es war recht windig, doch wir schafften es, mit Hilfe des Steingrills unser Kaffeewasser zu erhitzen.Wir haben doch alles.

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Nach dem Frühstück bauten wir ab und fuhren zum Hafen, natürlich wieder viel zu früh. Also konnten wir beobachten, wie das Schiff beladen wurde. Dann durften wir an Bord. Die Crewmitglieder waren sehr hilfsbereit beim Verstauen der Räder, und der Caterer meinte bewundernd angesichts unseres Gepäcks: „Und das alles ohne Motor!“

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Dann ging es los. Erst war die Fahrt noch ruhig, und wir bestellten Kaffee und Kuchen. Doch je weiter wir uns von Peenemünde wegbegaben, umso windiger wurde es, und die See schwappte entsprechend, so dass das Essen gar nicht so einfach war. Dann wollte Peter das Tablett mit dem Geschirr nach unten bringen. Ich fragte noch, ob er Hilfe bräuchte, doch er war sicher, das allein hinzukriegen und ging die Treppe hinunter. Nach wenigen Augenblicken hörte man ein lautes Klirren, das Tassenpfand konnten wir hiermit vergessen.

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Nach einer Weile legte die Fähre beim Ostseebad Göhren an, wo eine Menge Leute zustiegen, die zu den Kreidefelsen wollten. Wir gingen auf das windige Oberdeck und beobachteten, wie der Kapitän mit einer Stange die Mütze eines zusteigenden Passagiers aus dem Wasser fischte. Tja, so eine steife Brise hat es in sich. Wir beschlossen, nicht für die Kreidefelsen nachzulösen, sondern diesen Ausflug auf später zu verschieben, da uns irgendwie nicht so ganz wohl war.  Wir sind halt doch Landratten.

Die Fähre legte noch einmal bei Sellin an und dann erreichten wir Binz, wo wir von Bord gingen. Auch diesmal war die Crew uns behilflich, die Räder die steile Landungsbrücke hoch zu bekommen. Oben bewunderten wir erst einmal ausgiebig die Sandskulptur, die dem monumentalen Bauwerk an der Promenade verblüffend ähnlich sah, und schoben dann die Leezen durch die Fußgängerzone, bis wir den Radweg nach Prora fanden.

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Der riesige Urlaubskomplex Prora wurde im Dritten Reich gebaut. Hier sollten durch die Organisation „Kraft durch Freude“ 20.000 Menschen gelichzeitig Urlaub machen können. Die Standortwahl ist nicht unlogisch, da die Insel Rügen angeblich die meisten Sonnenstunden im Jahr hat. Heraus kam ein gigantischer Koloss van fünf (ursprünglich waren acht geplant) Gebäuden nebeneinander über eine Länge von 4,5 Kilometer. In der DDR wurden die Gebäude als stalinistische Großkaserne genutzt. Heute befindet sich in einem der Gebäude eine Jugendherberge, und in den anderen werden Ferienwohnungen gebaut.

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Wir verschafften uns einen kurzen Überblick über die Anlange. Beeindruckend ist dieses Bauwerk ja schon, aber es hat wirklich den Charme einer Kaserne. Inzwischen hatten unsere Mägen einstimmig beschlossen, dass sie wieder eine Bratwurst vertragen würden. Wie sagte Hildegunst von Mythenmetz doch so schön? „Es ist nicht das Gehirn, das unser Bewusstsein bestimmt. Es ist der Magen.“ (Walter Moers, Die Stadt der Träumenden Bücher). Ich stellte mich am Bratwurststand an, und während ich wartete, wurde ich Zeuge des folgenden Dialogs zwischen dem Wurstbrater und einem Touristen: „Wie komme ich zum Naturerbezentrum?“ – „Meine Güte, da sind Sie ganz falsch! Da müssen Sie zurück zur letzten Kreuzung, und dann den Schildern folgen.“ – „Schilder? Habe ich nicht gesehen.“ Darauf der Wurstbrater: „Wie machen Sie das eigentlich im Ausland, wenn Sie etwas suchen?“ – „Da ist es leichter, egal wo.“ Ich verstand den Touristen voll und ganz, wir hatten schließlich auch schon genug Irrfahrten hinter uns.

Nach unserer Stärkung ging es weiter über Neu Mukran zum Großen Jasmunder Bodden. Gut, das  war ein kleiner Umweg, aber der kürzeste Weg hätte uns laut Karte wieder eine Mountainbikestrecke vom Feinsten beschert, wie sie die Leute hier so lieben. Da nimmt man doch lieber ein paar Extrakilometer in Kauf.

Ein einheimischer Radfahrer gesellte sich zu uns und unterhielt sich mit Peter über das Woher und Wohin. Dabei fragte er auch, wie das Wetter bisher auf unserer Tour gewesen war. Peter erklärte, außer Schnee und Hagel hätten wir so ziemlich alles gehabt: Kühle Temperaturen, Regen, Sonne, Hitze. Darauf der Herr:  „Und vergessen Sie den Wind nicht! Wenn ich die Tür aufmache, und der Wind reißt mit die Klinke aus der Hand, dann weiß ich, dass ich wieder zu Hause bin.“  Da war wohl was dran.

Kurz vor Lietzow fuhren wir ein Stück durch den Wald, und plötzlich, nach einer Kurve, steht man vor dem Jasmunder Bodden! Einfach nur schön, wenn man plötzlich, umrahmt von Bäumen, das Wasser sieht, in dem sich die Sonne spiegelt. Leider können die Fotos diesen Wow-Effekt nur bedingt wiedergeben.

Jasmunderbodden

Der Campingplatz liegt oben auf einer steilen Anhöhe, und ich musste meine Leeze nach oben schieben. Hier greift deutlich die Definition von Rennbiene von @heinzi: „Wenn ich absteigen und mein Rad schieben muss, dann ist es kein Hügel, sondern ein Berg!“ Beim Einchecken dauerte es etwas länger, da gerade ein neuer Mitarbeiter eingearbeitet wurde, aber wir hatten ja Zeit.

Wir durften uns ein Plätzchen im Waldstück am Ende des Platzes aussuchen, wo wir einigermaßen geschützt stehen konnten. Bevor wir aufbauten, war es erst mal wieder Zeit für unser Projekt „Bag Art“: Diesmal versuchten wir, einen Leuchtturm zu bauen. Das Ergebnis überzeugte uns nicht ganz, und die Statik war diesmal auch etwas problematisch, so dass wir schnell zum Fotoapparat greifen mussten, bevor die ganze Pracht einstürzte. Aber Kunst ist eben „vallen en opstaan“, wie man bei uns so schön sagt.

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Nachdem wir aufgebaut hatten, fuhren wir ins benachbarte Sagard zum Einkaufen. Was erst ein schöner Radweg war, wurde plötzlich wieder eine wunderbare Schlaglochpiste, und wir waren froh, ohne Gepäck unterwegs zu sein.

Nachdem wir bei einem Supermarkt am Ortsrand unsere Einkäufe getätigt hatten, schauten wir uns noch in der Ortschaft um. Doch als wir wieder zurück wollten, hatten wir große Schwierigkeiten, an der richtigen Seite wieder hinaus zu kommen und fuhren mehrmals über kopfsteingepflasterte Straßen im Kreis. Manchen Ortschaften haben das an sich, wie wollen einen einfach nicht loslassen. Am Jasmunder Bodden machten wir Pause und sahen der Sonne zu, wie sie sich langsam auf das Wasser senkte.

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Dann fuhren wir zurück zum Campingplatz, wo wir uns dem Abendessen und der Zeitungslektüre widmeten. Dann wurde es Zeit, sich in die Schlafsäcke zu verkriechen.

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Ostseeradtour 2015 – Teil 7

Set your mind free, it’s the Year of Summer (aus “Year of Summer” von Niels Geusebroek)

Altefähr- Greifswald – Stubbenfelde Świnoujście (Swinemünde)Dargen – Stubbenfelde

In den letzten paar Tagen war es täglich ungefähr zwei Grad wärmer geworden. Unsere Nachbarn vom Campingplatz in Brunsbüttel würden jetzt sicher von angenehmen Temperaturen sprechen, aber wir fanden es inzwischen eine ziemliche Affenhitze. Temperatur ist je bekanntlich Geschmackssache.

Obwohl wir recht früh wach waren, schwitzten wir bereits beim Abbauen. Wir checkten aus und fuhren über den inzwischen vertrauten Kopfsteinpflastersandweg fuhren wir bis zur Brücke und dann über halbwegs gute Wege durch nette Dörfer nach Glewitz.

ostsee sandpiste

Dort nahmen wir die Fähre nach Stahlbrode. Außer uns waren noch einige Schwaben in Trikots der Stuttgarter Volksbank unterwegs, die auch noch Räder der Marke „Kästle“ fuhren. Hanoi, des isch aber jetz scho irgendwie luschdig.

Wir folgten den Wegweisern nach Greifswald, landeten aber bald auf einer Kopfsteinpflasterstecke, die einem alle Füllungen im Gebiss lockerte. Zwischendurch gab es mal ein paar hundert Meter Asphalt zur Erholung, aber dann wurden wir wieder fröhlich durchgeschüttelt. Es war fast so schön wie in dem dänischen Dorf Møgeltønder. Dass die Bundesstraße daneben im besten Zustand war, wirkte nicht gerade frustabbauend. Irgendwann fanden wir, dass es Schluss war mit lustig, und wir beschlossen, trotz der Hitze einen Umweg über Groß Karrendorf zu fahren.

Von der Topografie her erinnert die Gegend etwas an die irische Westküste: Die Dörfer sind so klein, dass man sie kaum als solche erkennt, dafür sind die Entfernungen zwischen ihnen größer. Wir fuhren durch idyllische Ortschaften wie Leist 1 bis 3 und machten irgendwann Pause in einem schattenspendenden Bushäuschen, das wohl vorwiegend von Schülern genutzt wird. Interessiert studierten wir die Inschriften an den Wänden und erfuhren, dass ein gewisser Basti der totale Heckenpenner und Kübi eine Torte ist. Auf dem Hausdach gegenüber thronte ein Storchenpaar in seinem Nest und klapperte friedlich vor sich hin.

Danach folgte wieder eine Rüttelstrecke, bis wir bei Neuenkirchen ein Einkaufszentrum entdeckten. Der Gatte, der mir mal wieder etwas voraus war, bog ab und sah dann aus dem Augenwinkel einen Radfahrer geradeaus weiterfahren. Er dachte, dass ich das wäre und wunderte sich nicht schlecht, als ich kurz danach aus der anderen Richtung zu ihm aufschloss. Wir kauften eine Riesenflasche Saft, die wir sofort vertilgten.

Dann fuhren wir weiter nach Greifswald, wo wir bald die Wolgaster Straße fanden. Wir hofften, dass diese irgendwann in die Wolgaster Landstraße übergehen würde, an der sich unser Campingplatz befinden sollte, der allerdings auf keiner Karte eingezeichnet war. Tatsächlich fanden wir ihn nicht weit von der Klosterruine Eldena entfernt, ein schöner Platz, der sich deutlich noch im Aufbau befand.

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Wir fuhren zur unbesetzten Rezeption und lasen den Aushang, dass wir uns einen Platz suchen und aufbauen sollten. Als wir uns umsahen, fragte ein junger Mann: „Möchten Sie bleiben?“ Auf unser eifriges Nicken fuhr er fort: „Schatten?“ und zeigte uns dann, wo wir am besten stehen konnten. Wir bauten unser Zelt so auf, dass wir Aussicht auf die Dänische Wieck, eine schöne Bucht im Greifswalder Bodden, hatten. Danach gingen wir  duschen und kauften im nahegelegenen Supermarkt für das Abendessen ein – Brot, Salat, Häppchen und dergleichen, sowie eine Flasche Hugo, das Modegesöff der Saison, mit dem bei unserem Chor auch gerne mal angestoßen wird.

Danach packten wir unser Badezeug und gingen zur Dänischen Wieck. Für das Strandbad muss man zwar Eintritt zahlen, aber auf der anderen Seite des Zauns gibt es einen Naturstrand. Dort versammelte sich nach Feierabend die ganze arbeitende Bevölkerung Greifswalds zum Abkühlen. Hier nahm Peter sein erstes Bad in der Ostsee. Es geht sehr flach ins Meer, so dass wir ein ganzes Stück laufen mussten, aber dann war es sehr erfrischend.

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Danach ließen wir uns unser Abendessen schmecken, und ich stellte fest, dass sich im Gras zahlreiche abgemähte Brennnesseln befanden. Barfuß sollte man hier besser nicht laufen. Als es zu dunkel zum Lesen wurde, gingen wir schlafen.

Am nächsten Morgen wachte ich mit leichten Kopfschmerzen auf, was sicher am Wetter lag, nicht am Hugo. Aber nach zwei Tassen Kaffee wurde es wieder besser, und wir fuhren nach Greifswald, wo wir die Räder bei der Touristeninformation am Markt parkten und eine Karte besorgten.

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Dann erkundeten wir die Stadt zu Fuß. Um es gleich vorweg zu nehmen, viel kam dabei nicht herum, da es einfach zu heiß und eigentlich jede Bewegung zu viel war. Aber ein bisschen kann ich doch über die altehrwürdige Universitäts- und Hansestadt berichten.

Greifswald wurde im 12. Jahrhundert  gegründet und gehörte anfangs noch zum Kloster Eldena. Im 13. Jahrhundert wurde die Stadt Mitglied der Hanse, aber leider hatten sie das Problem, dass der Hafen langsam versandete, wodurch die Stadt gegenüber den anderen Hansestädten zurückfiel. Im 30jährigen Krieg machten sowohl die kaiserlichen Truppen als auch die Pest der Stadt schwer zu schaffen. Wie Wismar und Stralsund wurde auch Greifswald nach dem 30jährigen Krieg von Schweden regiert.

Als erstes besichtigten wir den Dom St. Nikolai. Dem heiligen Nikolaus sind in Norddeutschland ziemlich viele Kirchen geweiht, was wohl daran liegt, dass er der Schutzpatron der Seefahrer ist. Während unseres Besuches wurde er gerade renoviert.

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Dann gingen wir weiter zur Jacobikirche mit ihrer weißen Decke und den roten Backsteinsäulen.

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Aber wie gesagt, besonders aufnahmefähig waren wir heute nicht, und so bummelten wir  auf den  Credner-Anlagen, einem Wall um die Stadt herum, zum Museumshafen, wo wir uns eine nette Bank für eine Sitzbesichtigung suchten.

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Dann machten wir uns auf den Weg zum Marktplatz, um das unvermeidliche Fischbrötchen zu verspeisen, bevor wir uns noch ein paar Gebäude der altehrwürdigen Ernst-Moritz-Arndt-Universität, die im Jahr 1456 gegründet worden war.

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Nach einem kurzen Besuch in der Marienkirche beschlossen wir, dass es viel zu heiß war, um noch mehr zu unternehmen. Wir kauften uns eine Zeitung und einige Dinge zum Abendessen ein und fuhren dann zurück zum Campingplatz. Wir suchten uns ein schattiges Plätzchen und lasen. In der Zeitung stand, dass an diesem Freitag Abend in der Stadt eine „Critical-Mass“-Aktion stattfinden würde. Dabei fahren möglichst viele Radfahrer in einem großen Pulk durch die Stadt, da sie zeigen wollen, dass sie genauso wie die Autofahrer Teil des Straßenverkehrs sind. In Greifswald sind sie rücksichtsvoll genug, um diese Aktion nicht, wie in anderen Städten, in die Hauptverkehrszeit zu legen. Schade, dass wir am Freitag nicht mehr da sein würden, sonst hätte ich da selbstverständlich mitgemischt.

Nach einem kurzen, halbwegs erfrischenden Bad in der Dänischen Wiek war es Zeit zum Abendessen. Es gab unter anderem des Gatten revolutionäre Variante des Heringsbrötchens, an der er sich aber selbst die Zähne ausbeißen durfte.

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Dann kam die Platzwärtin zum Abkassieren und auf ein Schwätzchen vorbei. Wir erfuhren, dass es den Platz erst seit Juli 2014 gibt, und dass sie und ihr Mann noch jede Menge Pläne haben. Sie erinnerten uns an Linda und Fergus vom Campingplatz in Norwich, wo wir vor zwei Jahren gewesen waren.

Am nächsten Morgen ging es weiter Richtung Wolgast. Ziemlich schnell wurde es sehr heiß, und ich schwitzte friedlich vor mich hin, während ich über das Kopfsteinpflaster ratterte. Irgendwie war ich nicht amüsiert, das war deutlich nicht mein Tag.

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Erst fuhren wir die Hauptstraße entlang, dann führte uns die Route über eine Sandpiste, die an den Campingplatz Elbstrand erinnerte, und wo wir uns zu Fuß durchpflügen mussten. Ich hatte den Eindruck dass wer auch immer hier in der Gegend für die Radwege verantwortlich war, uns Radfahrer aus tiefster Seele hassen musste, anders konnte ich mir das nicht erklären. Kurz vor Wolgast erklärte uns ein älterer Herr, dass der Weg bald neu gemacht werden würde (immerhin) und wie man am besten durch Wolgast kommt. Aber immerhin passierten wir unterwegs nette Gebäude.

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Wir navigierten durch die Stadt und überquerten dann die Brücke über den Peenestrom auf die Insel Usedom. Dort folgten wir erst der Hauptstraße, und dann führte uns ein Radweg durch den Wald, wo es fröhlich auf und ab ging. Bei der Affenhitze hatte das schon fast Tour-de-France-Qualität. Kurz vor Stubbenfelde stärkten wir uns erst mal mit einem Fischbrötchen und suchten dann den Eingang zum Campingplatz.

An der Rezeption wurden wir von einer Dame in Empfang genommen, die es schaffte, gleichzeitig gelangweilt und überfordert zu wirken. Was für ein Kontrast zu den reizenden jungen Leuten von gestern! Wir bekamen einen Platz auf der Zeltwiese zugewiesen, wo wir uns aber auf gar keinen Fall falsch hinstellen durften, es könnten ja noch mehr von diesen merkwürdigen Leuten mit Zelt kommen.

Als wir die Zeltwiese erreichten, war uns auch klar, warum, auf diesem riesigen Wohnwagenpark hatte man grad mal ein paar schmale Streifen auf einem Plateau zwischen Bäumen für Zelte reserviert. In Millimeterarbeit stellten wir unser Zelt am Rand zwischen drei Bäumen auf, als schon die nächsten Camper kamen. Wir boten an die Fahrräder woanders abzustellen, aber „der Baum bleibt stehen“, wie der Gatte meinte.

milimeterarbeit

Aber das Sanitärgebäude machte wieder eine Menge gut, es scheint in dieser Gegend wohl üblich zu sein, dass sie wahre Wellness-Oasen sind.

Nach einer Dusche gingen wir am Kölpinsee entlang nach Loddin zum Einkaufen. Unterwegs sahen wir wieder ein liebevoll bemaltes Trafohäuschen, wie sie uns auch schon in Stralsund und Greifswald aufgefallen waren.

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Dann gingen wir über eine lange Treppe hinunter zum Strand – auch hier ist die Steilküste wieder beeindruckend. Das Wasser war deutlich kühler als in der Dänischen Wiek, wunderbar erfrischend. Doch dann mussten wir die Treppe wieder hoch und der Erfrischungseffekt war dahin.

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Auf einer Bank verspeisten wir eine Schale Erdbeeren und beobachteten Möwen und Touristen. Dann gingen wir ins Zelt, wo wir unser Abendessen verspeisten. Die Zeltwiese wurde inzwischen ziemlich voll, und fast neben uns baute ein junges Paar mit einem kleinen Mädchen, das gerade sitzen konnte, ihr Zelt auf. Die Mutter legte der Kleinen die Zeltstangen hin und meinte: „Jetzt hilf mal dem Papa“, worauf die Kleine tatsächlich die Stangen in die Hand nahm. Das Zusammensetzten klappte aber noch nicht so ganz.

Im Biergarten vor dem Restaurant ließen wir den Abend noch ausklingen. Urlaub ist schon schön.

Am nächsten Tag gönnten wir uns erst mal zwei Tassen Kaffee, es war ja schließlich Wochenende. Dann brachen wir auf und fuhren den Radweg vom Campingplatz aus an der Küste entlang in Richtung Kaiserbäder. So werden die drei Seebäder Bansin, Heringsdorf und Ahlbeck genannt, und sie sind bekannt für ihre Bäderarchitektur, die fröhlich alle möglichen Stilelemente aus Rennaissance, Barock und Jugendstil kombiniert. Außerdem sind viele der Häuser noch mit Erkern und Türmchen ausgestattet.

bansin

Da wir an diesem Tag eine größere Runde geplant hatten, nahmen wir uns nicht allzuviel Zeit zum Fotografieren, sondern merkten uns diesen Teil von Usedom für einen späteren Zeitpunkt vor. Aber die berühmte Seebrücke von Ahlbeck, Kulisse für die letzten Szenen des Loriot-Films „Pappa ante portas“ („Wir gratuliehieren, Frau Hensel wird heute ahachtzig Jahr…“) musste natürlich aufs Foto.

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In Bansin erkundigten wir uns erst einmal bei einer Verkaufsstelle der Adler-Reederei, ob man denn auf die Fähre nach Rügen auch Fahrräder mitnehmen kann. Bisher hatten wir nämlich nirgendwo zuverlässige Informationen dazu gefunden, nur Aussagen wie „Manchmal, unter bestimmten Umständen, könnte es gehen, aber wir garantieren nichts“. Der nette Herr in seinem Häuschen erklärte uns aber, dass dies kein Problem sei, und somit war die weitere Streckenführung klar: Von Peenemünde aus mit dem Schiff nach Binz.

Da wir schon so nah an der polnischen Grenze waren, wollten wir auch mal kurz ins Nachbarland schnuppern, und so radelten wir weiter zum Grenzübergang und nach Świnoujście (Swinemünde).

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Das erste Stück Radweg in Polen war vom Feinsten, wahrscheinlich ist er so eine Art EU-Vorzeigeprojekt. Aber auch nachher konnte man nicht nölen. Obwohl wir uns im Grenzgebiet befanden, merkte man sofort, dass man im Ausland ist: die Straßen haben merkwürdige Namen, alle offiziellen Schilder sind auf Polnisch, es gibt keinen Euro, aber wohl Bankomaten (ich liebe dieses Wort) und Skleps, also kleine Läden. Wir bummelten ein wenig durch das Zentrum und suchten uns dann eine Bank für eine Sitzbesichtigung. Der Baustil einiger Gebäude in der Innenstadt erinnerte an die Kaiserbäder.

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Wir sahen, dass einige Schilder, die auf touristische Attraktionen hinwiesen, auf Polnisch und Schwedisch waren. Später entdeckte ich, dass man von  hier aus auch mit der Fähre nach Trelleborg fahren kann.

Dann fuhren wir hintenrum Ost nach Garz und von dort aus nach Dargen, wo wir ein nettes Restaurant fanden und erst einmal eine Menge Apfelschorle vernichteten und unsere Wasserflaschen nachfüllten. Es war nämlich wieder sehr warm geworden.

Nach einem leckeren Mittagessen gingen wir ins DDR-Museum. Kühler war es dort nicht, aber die Ausstellung war sehr interessant. Das „Technik- und Zweiradmuseum“ bietet einen guten Einblick in das Leben der ehemaligen DDR, was Wohnungseinrichtung, Geräte etc. anging. Auch kann man zahlreiche Verpackungen von Lebensmitteln bewundern, und das meiste, das damals im Westen vorhanden war, gab es auch in einer Ostvariante (wir erinnern uns an die Spreewaldgurken im Film „Good Bye, Lenin“), aber eben nicht immer, und geschmeckt hat es wohl auch anders.

 Ich musste an die Care-Pakete denken, die wir immer in der Vorweihnachtszeit an unsere Thüringer Verwandtschaft geschickt hatten (Kaffee, Zucker, Plätzchen, Schokolade). Alles in dem Paket musste genauestens dokumentiert werden, und Bücher und Zeitschriften konnte man besser nicht mitschicken, es könnte ja was Verbotenes dabei sein. Im Gegenzug bekamen wir immer Stollen, der lecker war, und Schokolade, die eher merkwürdig schmeckte.

Peter fand vor allem die Autos interessant, man hatte damals tatsächlich nicht nur Trabbis, während ich fasziniert die alten Schreibmaschinen, Saftpressen und andere Dinge betrachtete. Ich entdeckte die Kosmetikserie „Florena“, die es immer noch gibt, und aus der meine derzeitige Lieblingshandcreme ist.

Dann fuhren wir durch das Niedermoorgebiet Thurbruch, vorbei an einer Wasserschöpfmühle. Auf den Wegen war wenig los, die meisten Leute waren wohl am Strand. Recht hatten sie!

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Wir fuhren erst noch an einem Supermarkt vorbei, wo wir uns mit Saft eindeckten, und dann gingen wir ebenfalls Schwimmen. Mei, war des schee!

Danach lasen wir Zeitung. Ein Paar, das auf Usedom zu Besuch gewesen war, äußerte sich begeistert über die Qualität der dortigen Radwege. Diese Einschätzung konnten wir allerdings nicht uneingeschränkt teilen, wir hatten wirklich das ganze Spektrum erlebt – von wunderbar bis schlichtweg katastrophal.

Dann lagen wir noch auf dem Rücken und starrten in die Baumwipfel, wo man kaum einen Hauch spürte, bis es zu dunkel wurde, und verkrochen uns dann in den Schlafsack.

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Ostseeradtour 2015 – Teil 6

Eine Schwalbe macht noch keinen Sommer… (Sprichwort)

Bögerende – Prerow – Stralsund – Altefähr

… aber mehrere wohl schon, obwohl es erst noch nicht so aussah. In der Nacht hatte es ziemlich stark geregnet, und der kräftige Wind hatte das Wasser seitlich in unser Innenzelt gedrückt. Dort hatte sich das meiste in Peters Buch versammelt, das in den nächsten Tagen mühsam getrocknet werden musste. Inzwischen habe ich wieder ein neues Exemplar, und das verregnete kann verliehen werden. Gut, dass ich meinen E-Reader abends immer in eine dekorative Ampelmännchentüte packe.

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Während des Frühstücks ließen wir die restlichen Sachen in der Sonne trocknen und fuhren dann los. Gemütlich ging es am Deich entlang Richtung Warnemünde. Dort zeigte uns ein netter Herr den Weg zur Fähre über die Warnow.

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Im Hafen lag gerade das Kreuzfahrtschiff MS Sinfonia der Reederei MSC Cruises, die zu einer Kreuzfahrt nach Norwegen und in die baltischen Staaten aufbrechen sollte. Mann, ist das ein gewaltiger Oschi!

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 Mit der Fähre überquerten wir die Warnow und fuhren weiter Richtung Osten. Rostock ließen wir aus, da wir gerade zwei Städte besucht hatten und jetzt mal wieder ein bisschen radeln wollten. Außerdem liegen die Campingplätze dort etwas ungünstig für Stadtbesichtigungen.

Erst führte uns die Strecke vor allem durch den Wald, wo die Wege noch nass waren, und wir zwischen Bäumen und Schlaglöchern Slalom fahren mussten. Es ist sicher eine schöne Mountainbike-Strecke, aber für beladene Tourenräder etwas weniger geeignet. Dafür wiesen uns nette alte Holzschilder den Weg.

Nach einer Weile erreichten wir Gral-Müritz. Dies war also die fiktive Ortschaft Korslbüttel aus Erich Kästners Buch “Emil und die drei Zwillinge”, das ich als Kind gelesen hatte, als ich das Meer noch nicht kannte. Doch seine Beschreibung des Meeres fand ich damals schon sehr schön:

„Und dort, wo der Strand aufhörte, begann das Meer! Es nahm, wohin man auch blickte, kein Ende. Es lag da, als sei es aus flüssigem Quecksilber. Am Horizont, ganz hinten, fuhr ein Schiff in den Abend hinein. Ein paar Lichter blinkten. Und am Himmel, der von der Sonne, die längst untergegangen war, noch immer rosig widerstrahlte, hing die Mondsichel. Sie sah noch ganz blass aus. Als ob sie lange krank gewesen wäre. Und über das pastellfarbene Himmelsgewölbe glitten die ersten Lichtstreifen entfernter Leuchttürme. Weit draußen heulte ein Dampfer. Die Großmutter und die beiden Kinder standen überwältigt. Sie schwiegen und hatten das Empfinden, als ob sie nie im Leben wieder würden reden können.“

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Wir fuhren weiter und erreichten die Halbinsel Fischland-Darß-Zingst zwischen dem Bodden und der Ostsee. Was weiter westlich “Haff” genannt wird, heißt hier also Bodden: Ein flaches, buchtartiges Küstengewässer. Der Name kommt wohl aus dem Niederdeutschen und bedeutet “Boden” oder “Grund”. Sie sind durch langgestreckte Inseln und Halbinseln von der offenen See abgetrennt und bilden Lagunen.  Da der Salzgehalt der Ostsee sowieso nicht hoch ist, sind die Bodden eigentlich schon Süßwasserseen, was sich auch auf die Flora und Fauna auswirkt.

Die Wege auf dem Darß sind zum Teil sehr gut, zum Teil aber auch recht abenteuerlich. Einmal mussten wir uns sogar durch ein Stück Sand pflügen. Manche Dinge müssen eigentlich nicht sein, fanden wir. Zu diesem Zeitpunkt hatten wir noch keine Ahnung dass dieser Zustand durchaus noch steigerungsfähig ist. Die Gegend ist jedoch sehr schön, wir kamen an netten reetgedeckten Ferienhäusern und interessanten Kunstobjekten in der Landschaft vorbei.

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Gelegentlich passierten wir Schilder mit den Hinweisen, dass man hier doch bitte nicht alles zubauen soll. Das kann ich verstehen. Nach Ahrenshoop fuhren wir an der Boddenseite entlang, wo das ganze  Reet wächst, durch die Ortschaften Born und Wieck. Dort kam eine Pferdeparade vorbei. Ein wirklich netter Empfang, aber es wäre doch nicht nötig gewesen. Inzwischen war es recht warm geworden und die Kühe bei Prerow suchten Abkühlung.

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Da es Wochenende war, waren auf den Uferwegen viele Radfahrer und Fußgänger unterwegs, was das Tempo ziemlich verlangsamte, aber wir waren ja im Urlaub und nicht auf der Flucht.

Bald erreichten wir den Campingplatz Am Freesenbruch kurz vor Zingst. Dort brachte uns ein netter Herr mit dem Fahrrad zur Zeltwiese, wo überdachte Picknicktische mit Wäscheleinen dazwischen standen. Wir nutzen das gute Wetter und hängten erst mal alles zum Durchlüften auf, während das Buch auf dem Tisch lag und langsam vor sich hintrocknete.

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Im Campingladen kauften wir ein, und nach einem Imbiss gingen wir zum Strand, wo ich die Wassertemperatur testete. Es wurde langsam wärmer, bald würden wir wohl schwimmen gehen können.

Dann gingen wir noch zum Biergarten, wo wir den Abend ausklingen ließen. Im Dachgebälk der Bühne befand sich ein Schwalbennest mit Jungen, es gab also einiges zu beobachten. Und der Sommer war wohl tatsächlich gekommen.

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Da es inzwischen auch wärmer geworden war, konnte man länger draußen sitzen. Wir holten uns ein zweites Bier, doch kurz danach begannen die Damen an der Bar mit dem Aufräumen. Auf unsere Reaktion, dass wir nicht auf die Öffnungszeiten geachtet hatten und dass wir uns beeilen würden (man will ja keine Umstände machen), meinten sie, dass wäre kein Problem und wir könnten uns ruhig Zeit lassen. Also tranken wir noch gemütlich unser Bierchen aus und verzogen uns dann ins Zelt.

Am nächsten Morgen unterhielten wir uns beim Frühstück mit einer anderen Radfahrerin, die in Gegenrichtung unterwegs war. Sie kam von Rügen und warnte uns, dass die Radwege dort teilweise von so katastrophaler Qualität waren, dass ihr Rücken das nicht mehr mitgemacht hatte. Das verhieß wenig Gutes, aber man würde sehen. Die Stecke nach Stralsund sollte jedenfalls neu und schön zu fahren sein.

Wir verließen die Halbinsel in Richtung Barth und folgten dann der Ostsee-Route in Richtung Stralsund. Dort ist die Strecke wirklich so, wie man es von einem Fernradweg erwartet: guter Straßenbelag, deutliche Beschilderung und dazu noch ein wunderbarer Blick über die Ostsee und weite Felder. Was will der Mensch mehr?

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Aber irgendwas ist ja immer, und so verließen wir bei Groß-Korlshagen die Strecke, da wir auch mal wieder Ortschaften sehen wollten. Unterwegs kam uns ein Fahrschulauto entgegen, und Peter stellte fest, dass wir bisher noch nicht viele davon gesehen hatten. Woran das wohl liegen mochte? Meine Theorie war, dass wir ja meistens auf Radwegen unterwegs waren, und die Chance, dass man da auf ein Fahrschulauto stößt, ist wohl eher gering – außer der Fahrlehrer hat einen noch katastrophaleren Orientierungssinn als ich, was ihn wohl für seinen Beruf disqualifizieren würde.

Die Dörfer dort in der Gegend sind nicht gerade groß, aber irgendwann fanden wir eins mit einem Supermarkt, wo wir einkauften. Dann fuhren wir über die Transitstraße nach Stralsund. Auf diesen Straßen durfte früher der Verkehr aus der Bundesrepublik und anderen Ländern durch die DDR fahren. Für diese Strecken gab es ein Visum, man durfte sie nicht verlassen und musste so schnell wie möglich zu seinem Zielort fahren. Als wir damals auf Klassenfahrt in Berlin waren, kamen wir wohl irgendwie über Franken in die DDR, und unsere Lehrer schwitzten an der Grenze Blut uns Wasser. Noch heute ziehe ich meinen Hut vor Frau S. und Herrn F., dass sie überhaupt mit uns undiszipliniertem Haufen nach Berlin gefahren sind.

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Wir erreichten den Stadtrand von Stralsund, wo die Straße von monumentalen, teils wunderbar renovierten Gebäuden, von denen ich vermute, dass es sich um Jugendstil handelt, gesäumt war. Aber als Ausgleich waren die Rad- und Fußwege in einem ziemlich grauenhaften Zustand.

Wir durchquerten die Stadt und kamen zum Strelasund, wo die Rügendammbrücke die Insel mit dem Festland verbindet. Wir mussten uns erst mal im Baustellenverkehr orientieren, aber dann konnte ich eine weitere Brücke zu meiner Sammlung hinzufügen.

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Die Warnung, die unsere Campingnachbarin vom Morgen ausgesprochen hatte, erwies sich als richtig. Der Weg zum Campingplatz Altefähr war die Wahl zwischen Pest und Cholera, nämlich recht lockerer Sand oder Kopfsteinpflaster. Leute, ich bin zu alt für den Scheiß!

Der Campingplatz war jedoch sehr nett, und wir reservierten gleich für die letzte Nacht unserer Reise, da wir von Stralsund aus wieder nach Hause fahren wollten. Nachdem wir aufgebaut hatten, schauten wir kurz den Kletterwald hinter dem Platz an. Dann erkundeten wir das Dorf und den Hafen, fanden einen kleinen Supermarkt und umrundeten die Kirche.

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Dann ließen wir uns am Strand auf interessanten Sitzobjeckten nieder und genossen die Sonne und den Blick über den Strelasund und die Stralsunder Skyline.

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Wir gingen wieder zum Campingplatz und verspeisten leckere Flammkuchen vom Kiosk. In der Zwischenzeit hatten wir mehrere Nachbarn bekommen: Eine junge Familie mit zwei kleinen Kindern und einem winzigen Zelt. Wir fragten uns, wie sie alle dort hinein passten, aber es schien zu funktionieren. Auf der anderen Seite stand das Zelt eines recht kräftig gebauten Paares, sie mit und er ohne Haupthaar, aber beide gleichermaßen mit Tattoos geschmückt, die noch einmal weggingen, um sich in das Rügener Nachtleben zu stürzen. Außerdem tauchten noch verschiedene Radfahrer auf.

Irgendwann verzogen wir uns ins Zelt und schliefen schnell ein. Der Schlaf war jedoch von kurzer Dauer, unsere Nachbarn kamen heim und enterten ihr Zelt mit einem Mordskrach. Sehr ärgerlich, aber anscheinend verspürte keiner Lust, sich mit diesem tätowierten Kleiderschrank anzulegen. Bald kehrte auch wieder Ruhe ein. Dafür weckte uns dann im Morgengrauen eines der beiden Kinder auf der anderen Seite, das sich aber von seinen Eltern schnell wieder beruhigen ließ.

Am Morgen schliefen wir aus und ließen uns mit dem Frühstück Zeit. Dann fuhren wir nach Stralsund. Wenn man die Strecke kennt, ist so ein Kopfsteinpflaster-Sandweg auch nicht ganz so dramatisch, weil man ja weiß, dass er irgendwann zu Ende ist. Wir überquerten wieder die Brücke und fuhren zum Ozeanum, wo wir unsere Fahrräder abstellten. Dort würden wir sie auf jeden Fall wieder finden. Wir trabten zur Touristeninformation, besorgten uns einen Stadtplan und erkundeten dann die Stadt.

Stralsund, das 1234 Stadtrechte erhielt, war eines der Gründungsmitglieder der Hanse. Wegen seiner Lage wird die Stadt auch „das Tor zur Insel Rügen“ genannt. Im 14. Jahrhundert war sie nach Lübeck die wichtigste Hansestadt im südlichen Ostseeraum, aber sie verlor nach dem Niedergang der Hanse an Bedeutung.

Am Ende des 30jährigen Krieges gehörte Stralsund fast 200 Jahre zu Schweden, was man wie in Wismar noch an zahlreichen Dingen sehen kann, z. B. der schwedischen Post, dem Kommandantenhaus mit seinem Schwedenwappen im Giebel und herumstehenden Wikingern.

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Das Wahrzeichen der Stadt ist das Rathaus, das im 13. Jahrhundert im Stil der norddeutschen Backsteingotik (was auch sonst) errichtet worden war.

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Unser Stadtbummel führte uns durch die Fußgängerzone mit ihren monumentalen Gebäuden, deren Baustil ich allerdings nicht einordnen kann, und durch schmalere Gassen.

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Wir besichtigten die Kirche St. Marien, wo uns als erstes die beeindruckende Orgel des Orgelbaumeisters Friedrich Stellwagen ins Auge fiel.  Laut Wikipedia  ist diese Orgel nur noch teilweise erhalten und hat nur noch 550 Pfeifen. Wie viele hatte sie dann vorher?Außerdem hängt dort ein Nagelkreuz, dass an die Opfer der Bombardierung von Coventry erinnert.

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Wir pilgerten weiter zur Kulturkirche St. Jacobi, die gerade renoviert wird. Dort gab es gerade eine Ausstellung über die Theatergruppe „Die Eckigen“, der nur Menschen mit einer geistigen Behinderung angehören. Im Vorjahr hatten sie ihre eigene Version von Shakespeares „Sturm“ aufgeführt, und die Fotos davon waren sehr eindrucksvoll.

Danach gönnten wir uns eine Pause am Knieperteich, einer wahren Oase der Ruhe gegenüber der Stadtmauer.

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Dann gingen wir weiter zur Nikolai-Kirche wo wir gerade rechtzeitig zu einer Führung ankamen. Glück muss der Mensch haben. Dabei lernten wir, dass die älteste der drei großen Pfarrkirchen Stralsunds (13. Jahrhundert) auch als Ratskirche Dienst tat. Es wurden also nicht nur Gottesdienste, sondern auch Ratssitzungen, Zunftversammlungen und sogar Märkte abgehalten. Während der Messen war es allerdings nicht erlaubt, Tiere mitzubringen.

Während des gut einstündigen Rundgangs wurden wir auf viele Details aufmerksam gemacht, die uns alleine wahrscheinlich nicht aufgefallen wären. So sind zum Beispiel an den Säulen nicht nur die Figuren, sondern auch die Steinmetzzeichen, die man normalerweise in die Steine ritzt, aufgemalt.

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Der mittlere Teil des gotischen Hochaltars mit ursprünglich sehr detaillierten Schnitzereien ist leider fast leer. Aus Angst vor Bombenangriffen wurden 1943 die Figuren herausgenommen und auf umliegenden Bauernhöfen versteckt. Im strengen Winter 1946/47 hatten die Leute allerdings andere Prioritäten, und die Figuren endeten als Heizmaterial. 1997 bekam der Hochaltar ein neues, modernes Kreuz.

Ein sehr interessantes Denkmal ist die Anna selbdritt aus dem 13. Jahrhundert. Sie zeigt die Heilige Anna mit ihrer Tochter Maria und dem Jesuskind. In ihrem Oberkörper befanden sich früher Reliquien.

Außerdem gibt es noch die Blaue Kapelle mit modernen Glasfenstern von Johannes Schreiter und eine Astronomisch Uhr, die aber leiser nicht mehr geht. Neu an dieser Uhr war, dass sie die Einteilung des Tages in 24 Stunden zeigt.

Die Führerin konnte sehr mitreißend erzähle, so dass die Zeit wie im Flug verging und wir die recht niedrige Temperatur in der Kirche kaum wahrnahmen. Natürlich gab es noch viel mehr zu sehen, aber irgendwann nimmt man nicht mehr so viel auf. Mehr Details und Fotos kann man aber hier finden.

Am Ende der Führung entdeckte ich, dass ich die ganze Zeit von einer falschen Annahme ausgegangen war. Da die Renovierungsarbeiten verglichen mit anderen Kirchen der ehemaligen DDR, die wir bisher besichtigt hatten, nicht so umfangreich waren und das Gebäude recht gut aussah, dachte ich, dass es im Krieg wohl weniger abgekriegt hatte. Doch dann hörten wir von einem Paar, dass sie seit 1991 jedes Jahr kommen, um zu sehen, wie die Renovierung fortschreitet, und dass sie sehr beeindruckt sind von dem, was bisher erreicht worden war. So kann man sich irren.

Nach der ganzen Kultur wurde es Zeit für das leibliche Wohl. Wir fanden einen schönen Platz vor einem Restaurant in der Sonne und ließen uns riesige Fischportionen und das Störtebeker-Bier schmecken. Da sich der Pirat Klaus Störtebeker (niederdeutsch „Stürz den Becher) angeblich wegen seiner Trinkfestigkeit verdient hat, finde ich es sehr passend, dass man ein Bier nach ihm benannt hat.

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Dann bummelten wir noch etwas durch die Stadt, und ich kaufte ein paar Postkarten. Gelegentlich verschicke ich diese altmodischen Dinger nämlich ganz gerne. Die Briefmarken dazu zu finden war jedoch nicht so einfach. Nicht, weil man keine „für den Kontinent“ hatte, wie es uns in England mal passiert war, sondern entweder waren sie gar nicht vorhanden oder nur im Zehnerpack. Dann gingen wir noch zum Hafen, wo das Segelschulschiff „Gorch Fock“ vor Anker liegt.

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Schließlich fuhren wir wieder zum Campingplatz, wo wir unsere Postkarten schrieben, Zeitung lasen und etwas Ordnung in unser Gepäck brachten. Ich schaffte es sogar, eine Müslipackung in eine verschließbare Tüte umzufüllen, ohne etwas daneben zu schütten. Allerdings freute ich mich zu früh, die blöde Tüte fiel nämlich um, bevor ich sie verschließen konnte.

Dann gingen wir noch eine Weile an den Strand, bevor wir uns in unsere Schlafsäcke verkrochen. Am nächsten Tag wollten wir ja ein ganzes Stück weiter.

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Ostseeradtour 2015 – Teil 5

Auf Regen folgt Sonnenschein (deutsches Sprichwort)

Lübeck – Zierow – Wismar – Bögerende

Am nächsten Morgen war es bewölkt, und einzelne Regentropfen fielen auf das Zeltdach. Wir frühstückten gemütlich und beobachteten diverse Nachbarn beim Aufbruch. Der schwedische Vater, der mit seinen zwei Söhnen schräg gegenüber uns stand, begrüßte uns mit einem fröhlichen „Hejhej!“, was Peter zu der Bemerkung veranlasste: „Im Fernsehen sagen sie das auch immer, und meistens wird kurz danach eine Leiche gefunden.“

Dies blieb uns allerdings erspart, und nachdem wir abgebaut und noch etwas an den Rädern herumgeschraubt hatten, brachen wir auf. Da der Campingplatz westlich vom Stadtzentrum liegt, und wir nach Osten wollten, mussten wir vom Holstentor aus immer geradeaus mitten durch die Stadt mit ihrem Verkehr, dem Kopfsteinpflaster und den Fußgängern, die vor allem dann überhaupt nicht auf den Verkehr achten, wenn sie zu ihrem Auto wollen. Aber bald fuhren wir über die Rehderbrücke in Richtung Schlutup.

Da wir vorgestern ja schon mit Kurt in Travemünde gewesen waren, kürzten wir etwas ab und überquerten die Grenze nicht beim Priwall, sondern bei Schlutup. Nun waren wir also auf dem Gebiet der ehemaligen DDR, doch wirklich gravierende Unterschiede konnten wir hier nicht entdecken. Wir folgten der Hauptstraße nach Dassow und fuhren ein Stück am Dassower See entlang, wo wir uns wieder über eine wunderschöne Blumenwiese am Seeufer freuten.

DassowerSee

Die Beschilderung war immer noch ein wenig merkwürdig. Eigentlich sollten die zuständigen Beamten oder wer auch immer die Dinger aufstellt, einen ortsunkundigen Radfahrer mitnehmen. Und immer, wenn der „Und jetzt?“ sagt, stellt man einen Wegweiser auf. Immerhin konnten wir erfreut feststellen, dass man mit dem Bau von Radwegen beschäftigt war.

Inzwischen war die Gegend immer ländlicher geworden. Wir machten eine kurze Pause in einem einsamen Bushäuschen, an dem aber immerhin sechsmal am Tag ein Bus vorbeikommt. Dann kamen wir an einer Windmühle und einer netten Kirche vorbei.

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Irgendwie merkte man es doch, dass wir jetzt in Ostdeutschland waren, aus irgendwelchen Gründen fühlte sich die Gegend nicht mehr vertraut an. Wir überlegten und kamen zu dem Schluss, dass es wohl einerseits an den weiten Kornfeldern lag, zu denen kein Bauernhof gehört. Man sah auch niemanden dort arbeiten, was aber auch nicht notwendig war, das Getreide reifte gemütlich vor sich hin. Außerdem sehen die Häuser dort auch etwas anders aus, quadratisch, praktisch, gut. Einige dieser wohl klassischen DDR-Häuser waren inzwischen wunderschön saniert, andere jedoch noch nicht.

Weiter ging es am Rand des Lenorenwalds entlang einen Hügel hinauf nach Hohenschönberg. Dieser Ort macht seinem Namen natürlich alle Ehre, und Mecklenburg-Vorpommern ist also genauso wenig flach wie Schleswig-Holstein. Doch dann gab es eine wunderschöne lange Abfahrt bis fast nach Klütz.

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Dann wollte ich endlich wieder ans Meer, und wir bogen ab Richtung Boltenhagen. Der Gatte war allerdings mit meiner Wahl nicht einverstanden, denn “hier ist doch nichts”. Gar nicht wahr, es gibt dort einen netten Hafen, und – noch besser – ein Kiosk mit sehr leckeren, sehr würzigen Fischbrötchen!

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So gestärkt fuhren wir weiter und fanden tatsächlich die Ostseeroute wieder. Bald waren wir auf dem Weg nach Zierow, unserem heutigen Ziel. Unterwegs kamen wir am “Kuriosen Muschelmuseum” und an einem Laden mit der Aufschrift “Lebensmittel, Nützliches und Schnickschnack” vorbei.

Über eine recht lange Anfahrt vorbei an einem Reiterhof und diversen Ferienhäusern erreichten wir den Campingplatz. In dem gepflegten Blumenbeet vor der Rezeption begrüßte uns eine etwas kitschige Skulptur zweier springender Delfine. Da noch nicht viel los war, durften wir uns einen Platz auf der Familienzeltwiese aussuchen. Natürlich positionierten wir unser Zelt so, dass wir auf das Meer schauen konnten und hofften, dass uns nicht später noch ein Wohnmobil die Aussicht verstellen würde. Und nach diesem eher wolkenverhangenen Tag schien auch wieder die Sonne, was will der Mensch mehr?

Hier waren wir auf einem Campingplatz mit allen Schikanen gelandet: Schwimmbad, Indoorspielplatz, Restaurant, und die Sanitäranlagen waren so groß, dass wir uns fast darin verliefen und, wie es bei Loriot so schön heißt, “sehr sauber”.

Nach unserem abendlichen Restaurantbesuch wollten wir zum Strand, aber es dauerte eine Weile, bis wir den richtigen Ausgang gefunden hatten. Am Wasser setzten wir uns auf eine Bank und beobachteten zwei junge Leute, die auf einer Art Schlauchbooten stehend auf die andere Seite der Bucht stakten. Respekt. Ich hätte es wahrscheinlich nicht mal geschafft, auf so einem kippligen Ding aufzustehen. Als es dann doch etwas kühl wurde, verzogen wir uns in unser Zelt.

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Am nächsten Morgen schien die Sonne vom strahlend blauen Himmel. Wir frühstückten ausgiebig mit zwei Tassen Kaffee, denn es war Freitag und unser Ruhetag. Dann fuhren wir nach Wismar. Die Radstrecke war teilweise wunderschön zu fahren, teilweise führte sie über schlaglochreiche Feldwege. Hin und wieder hatten wir eine tolle Aussicht über die Bucht, und zahlreiche Schilder warnten vor den Gefahren der abbröckelnden Steilküste.

Wir kamen an einer Kleingartensiedlung “mit Seeblick”, in diesem Fall Aussicht auf die Werft, vorbei und rollten ins Zentrum. Bei der neuen Kirche parkten wir die Leezen. Diesmal hatten wir keine Premium-Stadtführung, sondern mussten Wismar selbst erkunden. Auf dem kopfsteingepflasterten Marktplatz mit der Wasserkunst begannen wir unseren Rundgang. Dieser Brunnen wurde am Ende des 16.Jahrhunderts vom Utrechter Baumeister Philipp Brandin im Stil der niederländischen Renaissance erbaut und gilt als Wahrzeichen der Stadt.

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Als erstes besichtigten wir die Kirche St. Georgen, die wie so viele Bauwerke im Zweiten Weltkrieg schwer beschädigt worden war. Da man in der ehemaligen DDR andere Prioritäten hatte als Sakralbauten zu renovieren, hatte man erst nach der Wiedervereinigung mit der Restaurierung begonnen. Als jedoch im Januar 1990 ein Orkan den Giebel des nördlichen Querhauses herunterriss, war eindeutig Handlungsbedarf gegeben, und es kamen nach und nach die nötigen Gelder zusammen, um die Kirche zu renovieren. Die wichtigsten Arbeiten waren im Jahr 2010 beendet, und die Kirche wird jetzt als Sakral- und Kulturgebäude genutzt. Während unseres Besuchs wurde gerade die Kulisse für das Stück „Jedermann“ aufgebaut.

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Wie die anderen größeren Kirchen in Wismar ist auch St. Georgen ein Beispiel der norddeutschen Backsteingotik, die wir bereits in Kiel und Lübeck bewundern durften. Hier mal ein bisschen mehr darüber: Bereits im 12. Jahrhundert wurden Backsteine als Baumaterial eingesetzt, so dass die ältesten Bauwerke eigentlich zur Backsteinromanik gehören. Der Begriff „Backsteingotik“ wird vor allem für Norddeutschland und die Länder um die Ostsee verwendet, obwohl man Gebäude dieser Art auch in den Niederlanden, Belgien und sogar in England finden kann. Wikipedia schreibt dazu:

„Charakteristisch ist einerseits das überwiegende Fehlen von figurativen Bauplastiken, die mit Backsteinen nicht zu realisieren waren, andererseits die reiche Gliederung durch gemauerte Ornamente und Flächenstrukturierungen durch den Wechsel von roten und glasierten Ziegeln und weiß gekalkten Wandflächen.“

Danach gingen wir zur Marienkirche, von der nur der Turm übrig ist. Das ebenfalls im Krieg schwer beschädigte Kirchenschiff wurde 1960 gesprengt – auch eine Lösung. In den vergangen Jahren wurde der Turm so weit restauriert, dass man ihn für Veranstaltungen nutzen kann, und der Grundriss der ehemaligen Kirche wurde durch niedrige Mauern wieder sichtbar gemacht.

wismarstmarien2 wismarstmarien

Danach besuchten wir die Ausstellung „Bilder einer Stadt“ im Keller des Rathauses. Die Ausstellung bietet einen Einblick in die Stadtgeschichte, aber auch der Ratskeller selbst ist sehenswert. Wir lernten, wie sich Wismar seit dem 13. Jahrhundert von einer Handwerkssiedlung zu einer bedeutenden Hansestadt entwickelte und dann im 30jährigen Krieg schwer verwüstet wurde. Beim Westfälischen Frieden im Jahr 1648 wurde die Stadt den Schweden zugeschlagen, die sie in den nächsten 150 Jahren zu einer mächtigen Festung ausbauten. Viele Namen in der Stadt, wie das Restaurant „Alter Schwede“ oder das „Schwedeneck“ zeugen noch von dieser Zeit. Im 19. Jahrhundert war Wismar eine wichtige Hafenstadt und um die Jahrhundertwende auch eine bedeutende Industriestadt. Während des Zweiten Weltkriegs wurden große Teile der Stadt durch Bombenangriffe zerstört. Heute steht die größtenteils renovierte Altstadt unter Denkmalschutz.

wismarrathaus wismarratsapotheke

Nach der ganzen Kultur setzen wir uns erst mal auf den Marktplatz und beobachteten die Leute. Wir stellten fest, dass die Tattoos sowohl zahlen- als auch oberflächenmäßig zunahmen, aber das musste nicht unbedingt mit der geografischen Lage zusammenhängen, es konnte auch am schönen Wetter liegen.

Dann gingen wir einkaufen und begaben uns zurück zum Campingplatz, wo wir nach einem selbstfabrizierten Abendessen im Schatten des Gruselbaums noch ein Pfund Erdbeeren verspeisten, Postkarten schrieben und lasen. Als es zu regnen begann, verkrochen wir uns ins Zelt.

gruselbaum

Am nächsten Tag war es so warm, dass ich zum ersten Mal die kurze Hose anziehen konnte. Wir gaben unsere Postkarten an der Rezeption ab und brachen auf. Erst fuhren wir wieder die bekannte Strecke nach Wismar und dort auf einem Radweg um das Zentrum herum. Leider lag dort viel Glas, so dass wir extra vorsichtig fahren mussten. Was ich diesen Halbdackeln wünsche, die die Radwege mit Glas verzieren, habe ich ja an anderer Stelle schon mal geschrieben. Wir mussten durch ein Industriegebiet, und dann gab es Schilder Richtung Insel Poel.

weitesland

Wir fuhren am Salzhaff entlang durch nette Ortschaften und vorbei an weiten Getreide- und Rapsfeldern, deren Sinn und Zweck uns durch Schilder mit der Auschrift “Hier wächst Ihr Sonntagskuchen” oder “Unsere Ölfelder blühen gelb” erklärt wurde. Ein “Haff” ist übrigens ein Brackwasserbereich, der durch eine Nehrung (Landzunge) oder vorgelagerte Inseln vom tieferen Meer getrennt ist. Weiter ostwärts heißt diese Erscheinung “Bodden” und ist wohl typisch für die Ostsee, denn an der Nordsee habe ich so etwas noch nicht entdeckt. Und auch hier konnen wir wieder die für die deutsche und niederländische Nordsee so untypische Steilküste bewundern.

steilküste steilküste2

Wie schon einmal erwähnt ist es auch hier nicht wirklich flach, aber schön zu fahren. Die langen Anstiege sind nicht besonders steil, und bei den Abfahrten muss man nicht einmal bremsen, falls nicht gerade jemand mit Hund im Weg herumdackelt.

Unterwegs sahen wir ein liebevoll bemaltes Transformatorenhäuschen, von denen wir später noch viel mehr entdecken sollten. Bis Rerik fuhren wir noch durchs Landesinnere, und beim Leuchtturm von Bastorf landeten wir wieder an der See.

trafohäuschen leuchtturmbastorf

Inzwischen war es ziemlich warm geworden, und der Ortsname “Kühlungsborn” klang angenehm erfrischend. Wir fuhren durch das Seebad mit seiner schön sanierten Bäderarchitektur und steuerten am Ortsrad einen Supermarkt an. Während Peter einkaufte, kam die Erfrischung in Form eines Regenschauers. Ich stellte mich im Parkhaus unter und kam dort mit zwei ebenfalls radelnden Osnabrückern in Gespräch. Sie waren für ein paar Tage hier und machten von Kühlungsborn aus Radtouren. Dabei hatten sie festgestellt, dass es hier bei weitem nicht so flach war wie im Osnabrücker Land, und dass so ein E-Bike keine schlechte Erfindung ist.

Als der Regen nachgelassen hatte und der Gatte mit den Einkäufen zurückgekehrt war, fuhren wir weiter zum Campingplatz nach Bögerende. Der Zeltbereich dort ist an einem Teich mit vor sich hinquakenden Fröschen. Uglaublich, wieviel Lärm aus so kleinen Tieren rauskommt, aber idyllisch ist es schon.

Der Campingplatz hat absolute Luxusfacilities, erst dachte ich, dass ich mich auf der Suche nach der Dusche in irgendeinen Kur- und Wellnesbereich verlaufen hätte! Ich mache ja nicht oft Fotos vom Sanitärbereich, aber hier musste das wirklich sein.

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Nachdem wir unsere Klamotten gewaschen hatten, machten wir einen Spaziergang über den Strand nach Bögerende, wo ein neues Feriengebiet entstand: eine Eisdiele, das Fischrestaurant “Zum Fasan”, ein Fahrradverleih und zahlreiche neue Appartements warteten auf den Touristenansturm in der Hauptreisezeit.

Dann kehrten wir wieder zurück auf den Campingplatz und verspeisten unser Abendessen im Restaurant “Deichhus”. Das “Rostocker Dunkel” schmeckte dazu sehr gut. Danach saßen wir noch eine Weile auf der Bank auf der Zeltwiese, wo inzwischen viele Radfahrer eingetrudelt waren, bis es uns zu kühl wurde. Wir verkrochen uns in die Schlafsäcke und schliefen zu den Klängen eines Froschkozerts ein.

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Ostseeradtour 2015 – Teil 4

Ist das Wetter nass und der Humor eher trocken, ja, dann bist du da, wo die Nordlichter rocken (aus: “Allens kloor” von Kompliment)

Fehmarn – Pelzerhaken – Lübeck

Was den Montagmorgen betrifft, geht es mir wie Garfield- ich mag ihn wirklich nicht. Das Wochenende ist vorbei, man steht irgendwie neben sich und muss ich erst mühsam wieder in den gewohnten Rhythmus einfinden. Nun verliert man im Urlaub ja gelegentlich die Übersicht über die einzelnen Wochentage, aber manchmal machen sich die Montage doch irgendwie bemerkbar. Aber dazu später mehr…

In der Nacht war es regnerisch und windig gewesen, und die Böen hatten unser Zelt gelegentlich kräftig durchgeschüttelt, aber zum Glück hält es ja einiges aus. Der Wetterbericht hatte für heute wechselhaftes Wetter angekündigt und sollte recht behalten. Nach dem Aufstehen lief ich erst mal an den Strand, um zu sehen, wie die See, die am Abend zuvor noch ruhig und glatt in der untergehenden Sonne gelegen hatte, nun in schäumenden Wogen an den Strand rollte.

fehmarn

Nachdem wir gefrühstückt und abgebaut hatten, passierte mir beim Wegfahren etwas wirklich Blödes: Peter wollte noch schnell den Abfall entsorgen, und ich stieg beim Blumenbeet an der Rezeption ab, um auf ihn zu warten. Dabei knickte mein linker Knöchel um (das macht er leider öfter), und ich plumpste samt Fahrrad auf den etwa dreißig Zentimeter hohen Zaun, der das Beet umgibt. Da lag ich also eingeklemmt zwischen Zaun und bepackter Leeze und konnte mich kaum rühren! Ein Campinggast, der im Auto vorbeikam, hielt sofort an, und zusammen mit Peter befreite er mich aus meiner misslichen Lage. Ich humpelte zur Bank vor der Rezeption, wo ich meinen Fuß hochlegte. Die besorgte Rezeptionistin versorgte mich mit einem Glas Wasser, und nach einer Weile ging es mir auch wieder gut genug, dass ich losfahren konnte. An dieser Stelle ein herzliches Dankeschön an die hilfsbereiten Leute, und die etwas geplätteten Stiefmütterchen hat man mir hoffentlich nachgesehen. An der Stelle, wo sich der Zaun in Po und Hüfte gedrückt hatte, bildete sich im Laufe der nächsten Tage ein in allen Farben schillernder Streifen, das wäre sicher mal ein interessantes Tattoo-Motiv.

Obwohl mir der Schreck noch ziemlich in den Knochen saß, meisterte ich den Anstieg zur Sundbrücke ganz gut.

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Wieder auf dem Festland folgten wir den Schildern Richtung Grömitz, doch wir mussten bald feststellen, dass diese eine sehr touristische Route durch die Pampa angaben. Nach etlichen Kilometern landeten wir an einer Hauptstraße mit einem Radstreifen. Was die Streckenführung und Beschilderung angeht, ist hier noch deutlich Luft nach oben. Vielleicht müssen wir uns doch mal ein Fahrradnavi zulegen, denn die beste Karte hilft nichts, wenn man inmitten ausgedehnter Getreidefelder steht und keine Ahnung hat, wo man ich eigentlich befindet.

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In Fargemiel machten wir auf einer Bank eine Pause, als es plötzlich zu regnen anfing. Wir flüchteten unter einen Baum und zogen das Regenzeug an. Wir überlegten, ob weiterfahren sollten, vielleicht gibt es ja einen besseren Unterschlupf. Wir beschlossen abzuwarten, der Baum war immerhin besser als nichts. Als der Regen nach einer Weile nachließ, fuhren wir weiter und kamen, wie es halt immer so ist, am Ortsausgang an einem wunderbaren Bushäuschen vorbei. Falls also jemand in Fargemiel von einem Regenschauer erwischt wird, weiterfahren Richtung Grömitz!

Bei Grömitz war übrigens der Radweg zu Ende, und wir konnten nur auf dem Seitenstreifen der Hauptstraße weiterfahren. Erst waren wir uns nicht sicher, ob das erlaubt war und befürchteten, von der Polizei von der Straße gepflückt zu werden, aber dann sahen wir ein Radroutenschild, das in unsere Fahrtrichtung wies. So viel Verkehr gab es da auch nicht, und wir fuhren immer wieder durch kleine Ortschaften.

In Bliesdorf machten wir eine weitere Pause, dann kam die erste Karte des Kieler Radfahrers zum Einsatz, mit deren Hilfe wir den Strandweg nach Pelzerhaken fanden. Unterwegs kamen wir an einem Friedwald, dem „RuheForst Ostseeküste / Brodau“, vorbei. Das Konzept der Waldbestattung verbreitet sich ja immer mehr, und ich muss sagen, die Idee, unter einem Baum begraben zu werden, gefällt mir. Der Slogan dieses Friedwaldes ist übrigens „Unter allen Wipfeln ist Ruh…“.

Da dieser Tag ja sowieso ein bisschen doof angefangen hatte, beschlossen wir, bei Pelzerhaken einen Campingplatz zu suchen. Zu unserer Linken befand sich der Strand mit verlassenen Strandkörben, es gab eine Sauna und eine Surf- und Tauchschule, und beim Ortsausgang wurden wir zum Campingplatz   „Am hohen Ufer“ dirigiert. Als Peter hinter einem Wohnmobil auf das Gelände fahren wollte, knallte ihm fast die Schranke auf den Kopf, und er konnte grade noch ausweichen.

Wir bekamen eine Duschkarte mit Guthaben und durften zwischen der windgeschützten Zeltwiese und der mit Aussicht wählen. Wir entschieden uns für erstere, da auch heute wieder eine kräftige Brise angekündigt war.

Nach dem Aufbauen ging ich duschen, und Peter nutzte die Zeit, um sich mit ein paar Enten anzufreunden, die dann das Zelt belagerten und mir neugierig beim Tagebuchschreiben zusahen.

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Dann gingen wir zu Fuß zum Supermarkt und speisten gemütlich auf der Bank auf der Zeltwiese: Kartoffelsnack mit Krautsalat. Danach machten wir noch einen Verdauungsspaziergang zum Strand und wurden auf dem Uferweg von einem Schwarm winziger Fliegen umschwirrt. Ein Stückweit strandabwärts entstand ein neuer Apartmentkomplex mit Läden, und der ganze Strand wirkte hier ziemlich domestiziert.

pelzerhaken pelzerhaken2

Als es uns zu kühl wurde, gingen wir zurück und verkrochen uns ins Zelt.

Am nächsten Morgen weckte mich ein Rumoren in meinen Eingeweiden – der Krautsalat wollte raus! Ich schaffte es gerade noch rechtzeitig zum Örtli, doch dabei sollte es nicht bleiben. Zweimal musste ich noch im Schweinsgalopp zur Keramik. Das schien ja wirklich eine gebrauchte Woche zu werden! Ob wir so heute nach Lübeck kommen würden? Als der Kiosk öffnete, kaufte ich fast den gesamten Hörnchenvorrat auf, um meinem Magen etwas Gutes zu tun. Es half tatsächlich, und ich beschloss, mich für den Rest des Urlaubs vom Krautsalat fern zu halten.

Heute mussten wir mit den Regenjacken an losfahren, aber egal, dafür hat man sie ja. Wir fuhren nach Neustadt, wo wir über das Neustädter Binnenwasser mussten. Ein älterer Herr an einer Bushaltestelle gab uns den Tipp, einfach dem Radweg auf der linken Straßenseite zu folgen, das würde uns einige Überquerungen ersparen und wir könnten stressfrei zum Hafen und über die Brücke rollen. Wunderbar, da klappte tatsächlich.

Dann folgten wir der Bäderstraße nach Sierksdorf, wo man schon von weitem die Achterbahnen des Hansapark sehen konnte.

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Diesen Freizeitpark, der damals noch “Hansaland” hieß, hatten wir früher auch öfters besucht. Damals hatten mein Bruder und ich begeistert alle Fahrgeschäfte ausprobiert: die Wildwasserbahn, die Loopingbahn “Nessie”, das Wikingerschiff und vieles mehr. Auch unsere Eltern fuhren mehr oder weniger begeistert mit. Heute reicht es mir, diese ganzen Dinger respektvoll von unten zu bewundern, ich glaube, ich werde alt.

Vor dem liebevoll gestalteten Eingangsbereich machten wir eine kurze Pause, um die Holstentor-Attrappe zu fotografieren. Heute oder auf jeden Fall morgen würden wir das Original bewundern können.

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Dann fuhren wir weiter durch die verschiedenen Seebäder, die alle ihre eigene Identität haben. In Haffkrug gibt es sogar ein Bananenmuseum! Bei schlechtem Wetter ist das sicher gut besucht, wir waren ja im Lake District auch mal aus purer Verzweiflung in einem Bleistiftmuseum gewesen.

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Auch Scharbeutz ist sehr nett, und bei Timmendorfer Strand verließen wir die Küstenstraße und fuhren praktisch der Nase nach Richtung Bad Schwartau – die Konfitüre kann man ziemlich weit riechen. Die Strecke hügelte angenehm, und bald erreichten wir Stockelsdorf. Nach einem kurzen Orientierungsproblem (unsere detaillierte Karte war zu Ende) fanden wir den Weg ins Zentrum und der Campingplatz Schönböcken ist sogar gut ausgeschildert. Das Wetter war inzwischen wieder wunderbar, und wir konnten nach dem Aufbauen unsere Sachen zum Trocknen und Lüften in der Gegend verteilen.

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In Lübeck wohnen auch Freunde meiner Eltern, die wir früher hin und wieder besucht hatten und umgekehrt. Während meiner Reisevorbereitungen hatte ich ihnen eine Mail geschickt, und tatsächlich, sie freuten sich darauf, uns zu sehen. Ich rief sie an und teilte ihnen mit, dass wir auf dem Campingplatz standen, und Kurt bot uns an, uns zum Abendessen abzuholen.

Pünktlich standen wir an der Rezeption, und Kurt kam auf seinem Fahrrad um die Ecke, und wir fuhren zu seinem Haus. Es war zwar zwanzig Jahre her, dass wir uns zuletzt gesehen hatten, aber Kurt und Margrith hatten sich kaum verändert. Als erste Amtshandlung verteilten wir unsere Elektrogeräte auf verschiedene Steckdosen, dann nahmen wir mit einem Bierchen im Wohnzimmer Platz und schwelgten in Erinnerungen.

Nach einem herrlichen Abendessen (“Eigentlich ist es ja ein Winteressen, aber bei den kühlen Temperaturen braucht ihr was Warmes im Bauch”) schlug Kurt vor, mit dem Auto nach Travemünde zu fahren. Dann konnten wir uns auf der Weiterfahrt den Schlenker über den Hafen sparen. Wir fuhren über die Autobahn und wunderten uns, dass sie von Häusern gesäumt ist. Also, da möchte ich nicht wohnen.

In Travemünde gingen wir durch die jetzt noch sehr ruhige Altstadt zum Hafen, wo ich eine Filiale des “Fisherman” entdeckte. Ich weiß nicht, ob ich es schon mal erwähnt habe, aber voriges Jahr hatten wir beim “Fisherman” in Norden unser “best Fischbrötchen ever” verspeist. Da wir aber noch pappsatt waren, konnten wir nicht testen, ob Travemünde da mithalten kann.

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Wir gingen zum Leuchtturm und sahen plötzlich ein Lotsenboot ausfahren. Also musste bald ein Schiff ankommen. Wir beschlossen, darauf zu warten und schauten uns in Ruhe die Umgebung an. Auf der anderen Seite der Trave am Priwallhafen liegt die Viermastbark “Passat”, die wir früher auch einmal besichtigt hatten. Damals verlief dort übrigens die Grenze zur DDR, und da war für mich als Kind praktisch die Welt zu Ende. Aber diesmal würden wir weiter ostwärts fahren – ich war schon sehr gespannt. Auch einen Kormoran bekamen wir zu sehen.

kormoran

Nach einer Weile fuhr die “Finnlady” aus Helsinki ein, die eine gut 28stündige Überfahrt hinter sich hatte. An Deck standen begeistert winkende Leute, und wir winkten fröhlich zurück. In der Nähe eines solchen Hafens müsste man wohnen!

finnlady

Inzwischen hatten sich dunkle Regenwolken über uns zusammengeklumpt, und obwohl wir uns beeilten, schafften wir es nicht rechtzeitig zum Auto. Wir stellten uns unter das Vordach eines Holzhauses und warteten ab. Der Spuk dauerte zum Glück nicht lange, und wir kamen trocken zum Auto. Wieder in Lübeck verabredeten wir uns für den nächsten Morgen um zehn Uhr am Holstentor zu einer Stadtführung und Kurt begleitete uns noch über die alte Eisenbahnstrecke, dann konnten wir den Rückweg allein finden.

Nach einem Schwätzchen mit unseren niederländischen Nachbarn, die auf der Hanseroute (die sich gelegentlich mit dem Ostseeradweg deckt) unterwegs waren, gingen wir schlafen.

Als wir am nächsten Morgen gegen acht Uhr wach wurden, waren unsere Nachbarn schon weg. Wir frühstückten gemütlich und fuhren dann zum Holstentor, wo Kurt uns in Empfang nahm.  Dieses Gebäude zierte vor langer Zeit die alten 50-DM-Scheine.

holstentor

Wir parkten unsere Räder vor der Touristeninformation und begaben uns dann ins Innere, wo wir uns erst einmal einen Überblick auf der Karte verschafften. Danach bekamen wir eine richtige Premium-Stadtführung, bei der wir viel Neues über die Hansestadt lernten und bereits vorhandenes (Halb-)Wissen einordnen konnten. Die kreisfreie Stadt, auch „Stadt der Sieben Türme“ oder „Tor zum Norden“ genannt, gilt als „Königin oder Mutter der Hanse“, einem mittelalterlichen Kaufmanns- und Städtebund, der sich, grob gesagt, von England bis Russland erstreckte.

Auf unserem Rundgang durch die Stadt zeigte uns Kurt nacheinander die Wohnungen der Fischer, der Kaufleute und der vornehmen Leute. Wir gingen durch zahlreiche enge Gassen, für die ich gerne das Wort „Snickelways“ (York) verwende, und Hinterhöfe.

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Außerdem besichtigten wir den von Heinrich dem Löwen gegründeten Dom, eine gotische Hallenkirche mit spätromanischer Vorhalle, die auch das „Paradies“ genannt wird. Vor diesem Paradies befinden sich auch die Gassen „Fegefeuer“ und „Hölle“.

Dann ging es weiter zu den Kirchen St. Petri (als Schutzpatron der Fischer natürlich sehr passend für diese Gegend), St. Aegidien und der Katharinenkirche, die früher zum Franziskanerkloster gehörte und jetzt ein Museum beherbergt.

Natürlich kamen wir auch durch die Mengstraße mit dem Thomas-Mann-Haus, und ich dachte, dass ich den Roman „Buddenbrooks“ eigentlich auch mal wieder lesen könnte.

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Da das leibliche Wohl auch nicht zu kurz kommen darf, machten wir einen Abstecher zu Niederegger, dem berühmten Marzipanhersteller. In der „Marzipanwelt“ erfährt man eine Menge über die Herkunft, Geschichte und Herstellung des Marzipans anhand einer langen Tafel, an der zwölf lebensgroße Figuren wie Grimmelshausen, Thomas Mann oder Wolfgang Joop, die alle bekennende Marzipanliebhaber waren oder noch sind. Aber auch die Hansekogge im Schaufenster und die vielen anderen Dinge sehen toll aus, Einfach Wahnsinn, was man alles aus Marzipan herstellen kann!

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Dann ging es vorbei am Rathaus zur Kirche St. Marien, der Mutterkirche der Backsteingotik, mit ihrem Teufelsstein. Der Legende nach dachte der Teufel bei der Grundsteinlegung dieser Kirche, dass man ein Weinhaus errichten wollte, und half eifrig mit beim Bau. Als jedoch klar wurde, dass es um eine Kirche ging, versuchte er mit einem Stein das Bauwerk zu zertrümmern. Bevor der Schaden zu groß wurde, besänftige man ihn, indem man ihm versprach, neben der Kirche ein Weinhaus zu errichten, den Ratsweinkeller. Die Spuren der Teufelskrallen sind auf dem Stein noch heute zu sehen.

teufelsstein

Dank Kurts präziser Planung (er sollte wirklich Gästeführer werden!) waren wir pünktlich um zwölf Uhr im Inneren der Marienkirche. Dort kann man nämlich die Astronomische Uhr bewundern, die den Sonnen- und Mondstand und die Tierkreiszeichen zeigt. Und um zwölf Uhr zeigt sich auch ein Reigen aus acht Figuren, den Repräsentanten der christlichen Völker, die von Jesus gesegnet werden. Unter ihnen befindet sich auch ein selbstbewusster Schlutuper Fischer mit seinen Händen in den Hosentaschen und dem Hut auf dem Kopf.

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Nach einer kurzen Andacht sahen wir uns weiter in der Kirche um und bewunderten ausgiebig den berühmten „Lübecker Totentanz“. Inzwischen hatten wir schon sechs der sieben Türme besucht, und es wurde Zeit zum Mittagessen. Wir gingen in den Ratskeller, wo Peter sich überreden ließ, Labskaus zu probieren, ein Gericht aus Corned Beef, Kartoffeln, Zwiebeln, Rote Bete und noch einigen anderen Zutaten. Da man mich mit Roter Bete jagen kann, verspeiste ich eine Ofenkartoffel mit Matjes.

Gestärkt gingen wir weiter zur Kirche St. Jakobi, der Kirche der Seefahrer und Fischer. Dort befindet sich das Wrack der Viermastbark „Pamir“, einem Schwesternschiff der „Passat“ am Priwall in Travemünde. Die Pamir geriet 1957 auf dem Weg von Buenos Aires nach Hamburg auf der Höhe der Azoren in einen Hurrikan und sank. Dabei überlebten nur sechs der 86 Besatzungsmitglieder. Eine der möglichen Ursachen ist ein Verrutschen der Ladung Gerste.

Dann gingen wir zum Burgtor und bestaunten das Hansemuseum von außen. Hineingehen wollten wir heute nicht mehr, da uns von all den Eindrücken und Informationen jetzt schon der Kopf schwirrte. Irgendwann werden wir das wohl noch nachholen, denn wir sind hoffentlich nicht zum letzten Mal in Lübeck gewesen. (Wenn ich für jedes Mal, dass ich das sage, einen Euro kriegen würde…)

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Beim Burgtor sahen wir auch einen Pilger mit einer Jakobsmuschel am Rucksack. Na, der hatte noch einiges vor, denn bis Santiago sind es von dort aus noch schlappe 3500 Kilometer.

Dann machte Kurt uns auf die „Lisa von Lübeck“ aufmerksam. Dabei handelt es sich um die Rekonstruktion eines Kraweels aus dem 15. Jahrhundert. Bisher kannten wir das Wort „Kraweel“ nur aus dem Film „Pappa ante Portas“, wo der Dichter Lothar Frohwein es in einem wahrlich avantgardistischen Gedicht verwendet. Wir wären nie auf die Idee gekommen, des es tatsächlich ein existierendes Wort ist!

Dann besuchten wir noch das Heilig-Geist-Spital, ebenfalls ein Beispiel für Backsteingotik, das im 13. Jahrhundert gegründet worden war und bis 1970 noch als Altenheim Dienst tat, in dem jeder Bewohner eine Kammer von vier Quadratmetern zur Verfügung hatte. Heute ist es eine Art Museum, und in der Vorweihnachtszeit findet dort der Weihnachtsmarkt statt.

Dann gingen wir noch einen Kaffee trinken und unterhielten uns über alles Mögliche. Dann verabschiedete Kurt sich, und wir fuhren zum Campingplatz, wo wir den Tag gemütlich ausklingen ließen. Die ganzen Eindrücke und Informationen mussten ja erst mal verarbeitet werden. Es war wirklich eine Stadtführung vom Feinsten, gut organisiert, abwechslungsreich und genau die richtige Mischung von historischen Fakten, Anekdoten und Legenden. Und es war sehr schön, Kurt und Margrith mal wieder gesehen zu haben.

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Ostseeradtour 2015 – Teil 3

Here Comes the Sun… (Beatles)

Kiel – Weißenhäuser Strand – Fehmarn

Am Morgen nieselte es gemütlich vor sich hin, doch nach einer Weile kam vorsichtig die Sonne zwischen den Wolken hervor, so dass wir trocken abbauen konnten. Natürlich waren wir wieder viel zu früh am Fähranleger und saßen in der Sonne, bis es Zeit war, auf den Steg zu fahren. Dieser ragt weit ins Wasser hinein und schwankt wie ein betrunkener Gartenzwerg. Eigentlich braucht man gar kein Schiff mehr, um seekrank zu werden.

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Nach einer Weile kam die Fähre, und wir gingen an Bord. Die Fähre ist echt eine tolle Einrichtung, man spart sich eine Menge Verkehrsgedöns, wenn man in die Innenstadt will, und eine Menge Zeit, wenn man wie wir ans andere Ufer möchte. Und genug Platz für die Fahrräder gibt es auch. Während wir gemütlich nach Laboe tuckerten, verließen zahlreiche Segelschiffe den Hafen: Die Kieler Woche hatte begonnen, und das mit absolutem Premiumwetter!

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In Laboe rollten wir von der Fähre und vorbei am Marine-Ehrenmal, das wir bisher aus der Ferne bewundert hatten in Richtung Osten. Es gab die üblichen Strandkorbverleihs, Imbissbuden und Schilder, die auf Veranstaltungen hinwiesen. Für diesen Nachmittag wurde zu einem „Tanztee mit Fischbrötchen“ geladen. Eine Weile führte der Weg direkt am Strand entlang, und wir kamen am Hotel California vorbei und sogar durch Brasilien.

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In den Seebädern ist der Weg meist wunderbar asphaltiert, im Naturschutzgebiet Schmoel geht es eher offroad durch den Wald, so bleibt es abwechslungsreich. Bei Hohenfelde verließen wir den Weg am Wasser und suchten einen Supermarkt. Der Ort macht seinem Namen alle Ehre, man muss eine ganze Weile bergauf, um ihn zu erreichen. So viel zum Thema „Schleswig-Holstein ist flach“. Nach unserem Imbiss führte uns die Route landeinwärts über sanfte Hügel und durch Felder und bei Behrensdorf erreichten wir wieder die Küste. Bei Hohwacht konnten wir wählen zwischen dem flacheren Weg landeinwärts und der Steilküste bei Sehlendorf. Wir entschieden uns für letzteres, und der Panoramablick lohnte sich wirklich. Wir standen unter Bäumen an der Treppe, und unter uns spülten die Ostseewellen an den Strand. Auf der anderen Seite konnten wir über den Sehlendorfer Binnensee schauen.

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Wir fuhren weiter und erreichten nach einer Weile den Weißenhäuser Strand. Hier hatte ich im Alter von neun oder zehn Jahren das erste Mal Bekanntschaft mit dem Meer gemacht, das ich bisher nur aus Büchern gekannt hatte. Später kam dann auch die Nordsee dazu. Zu diesen Urlauben waren wir im Morgengrauen aufgebrochen, um schon einen Teil der ca. 1000 km geschafft zu haben, bevor es richtig warm wurde. Außerdem hegten unsere Eltern die Hoffnung, dass mein Bruder und ich den ersten Teil der Reise verschlafen würden – meist vergeblich. Unsere geplagten Eltern konnten die Hörspiele, mit denen wir uns die Zeit vertrieben (Pumuckl, Hanni und Nanni, Die drei ??? usw.) sicher irgendwann auswendig mitbeten. Aber es war schön im Norden, und die Liebe zum Meer ist geblieben.

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Als wir an einem Campingplatz vorbeikamen, beschlossen wir, dass es für heute genug war. Durch einen Hintereingang fuhren wir auf das Gelände und suchten nach der Rezeption. Diese befand sich nicht, wie gedacht, im Laden, sondern etwas weiter weg in Richtung Straße, dieser Campingplatz mit dem Namen Triangel war größer als erwartet. Am Sanitärblock erklären nette Schilder die Funktionen der einzelnen Räume, und auf dem Platz bei der Rezeption befindet sich eine Telefonzelle, in der jetzt ein Bücherregal steht. Diese Tauschregale nennt man bei uns „Hatenboertjes“, nach dem Kulturbeigeordneten unserer Stadt, auf dessen Mist die unsäglichen Mittelkürzungen für die Bibliothek gewachsen sind.

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Wir stellten fest, dass es mal wieder Mittagsruhe war, und nahmen im Strandkorb an der Rezeption Platz. Ein anderes Paar klingelte den Platzwart heraus, der uns schon einen Platz zuwies. Einchecken konnten wir dann später. Wir bauten auf und gingen zum Laden, wo sie frische Erdbeeren hatten. Wir nahmen eine Schale davon mit und verspeisten sie genüsslich am Strand. Bei dieser Gelegenheit testete ich auch die Wassertemperatur – eindeutig noch etwas sehr kalt, aber wie wir inzwischen wissen, ist Temperatur ja Geschmackssache.

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Dann war es Zeit für das Abendessen. Da es etwas windig wurde, beschlossen wir, uns ins Restaurant zu setzen. Allerdings hatte ich meine Brille im Zelt vergessen und jetzt die Wahl, entweder supercool mit Sonnenbrille oder halbblind ohne da zu sitzen. Erst ließ ich die Sonnenbrille auf, um die Karte lesen zu können, danach nahm ich sie ab und sah alles angenehm verschwommen. Hat auch was für sich. Nach dem Essen lasen wir noch eine Weile und gingen dann schlafen.

Am nächsten Morgen kamen wir recht spät weg, denn es war wieder bewölkt und kühl, und bei so einem Wetter kommt man nur schwer in die Pötte. Außerdem rasselte mein Fahrrad, und es dauerte eine Weile, bis Peter den Schaden gefunden und zumindest teilweise behoben hatte.

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Dann kam auch wieder die Sonne zwischen den Wolken hervor, und im Lauf des Tages wurde das Wetter wunderbar. Erst fuhren wir in Richtung Oldenburg und dann durch das sanfthüglige Binnenland nach Großenbrode. Auf einer Bank machten mal wieder Pause und genossen den Ausblick über das Kornfeld mit Mohnblumen und Kamille und auf die Fehmarnsundbrücke, die auch „der längste Kleiderbügel der Welt“ genannt wird. Mit ihren 963 Metern ist sie nicht ganz so lang wie die Humber Bridge, die wir vor zwei Jahren überquert hatten, aber immerhin.

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Dann fuhren wir weiter und fanden die Pforte zum geh- und Radweg auf der Sundbrücke. Nun konnte ich meinem Repertoire nach der Erasmusbrücke in Rotterdam und der Humber Bridge eine weitere spektakuläre Brücke hinzufügen. Natürlich blieb ich mal wieder mit einer der Taschen hängen, was Peter zu der Bemerkung „Do stop playing with that door!“ veranlasste. Der Radweg auf der Brücke ist nur auf einer Seite und ziemlich schmal, und die Leitplanke, die ihn vom Autoverkehr trennt, ist etwas sehr niedrig. Trotzdem gefiel mir die Überfahrt auf die Insel, und dank der frühen Jahreszeit hatten wir wenig Gegenverkehr.

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Auf der Insel angekommen bogen wir rechts ab und steuerten den Campingplatz am Strukkamphuk an. Da wir nur eine kurze Strecke zurückgelegt hatten, konnten wir noch vor der Mittagsruhe einchecken. Wir suchten uns ein Plätzchen im Windschatten eines Wohnmobils, dessen Besitzer uns über das Woher und Wohin ausfragten. Sie gaben uns den Tipp, zum Duschen das Familienbad zu benutzen, da die anderen Duschen im Moment gereinigt wurden. Hier konnte ich auch endlich die ganzen Samen aus meiner Wäsche entfernen, die sich bei einem sanitären Zwischenstopp darin verfangen und mich auf der Fahrt fröhlich gepiekst hatten. Blöde Gräser!

Dann machten wir uns auf den Weg, um die Insel zu erkunden. Von früheren Urlauben in Schleswig-Holstein erinnerte ich mich, dass alle Straßen dort nach Puttgarden führen, doch für die Radwege trifft dies nicht zu. Wir konsultierten eine Umgebungskarte und bastelten uns eine Strecke zur anderen Seite der Insel zusammen. Dann fuhren wir los.

Mit ihren 185 Quadratkilometern und 78 Kilometern Küstenlinie ist Fehmarn nach Rügen und Usedom die drittgrößte deutsche Ostseeinsel. Früher bildeten die Städte Burg, Landkirchen und Westfehmarn zusammen das Amt Fehmarn, seit 2003 ist die ganze Insel „Stadt Fehmarn“. Zuerst fuhren wir über gemütliche Nebenstraßen nach Landkirchen mit seiner beeindruckenden Backsteinkirche St. Petri.

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Dann ging es weiter nach Puttgarden, von wo aus die Fähre über den Fehmarnbelt nach Dänemark fährt. Zusammen mit der Brücke, die die Insel mit dem deutschen Festland verbindet, bildet diese Fährverbindung die sogenannte Vogelfluglinie. Inzwischen ist ein Tunnel für Auto- und Bahnverkehr unter dem Fehmarnbelt in Planung, der 2021 fertig sein soll. Natürlich erwartet sich die Wirtschaft in beiden Ländern einen Boost aufgrund der schnelleren Transportmöglichkeiten. Die Bewohner von Fehmarn und der Seebäder auf dem Festland sehen das Ganze nicht so optimistisch, da die Insel für das zu erwartende Verkehrsaufkommen zu klein ist und der Straßenbau die ländliche Idylle und den Erholungswert zerstören würde. Auch die Seebäder würden massiv unter der zunehmenden Frequenz der Güterzüge und Lastwagen leiden. Das kann ich sehr gut verstehen, Wirtschaftswachstum ist schließlich auch nicht alles. Außerdem sind mit diese Megatunnel unter dem Meer unheimlich – den Channel Tunnel habe ich bisher auch gemieden.

In Puttgarden waren wir vor einigen Jahren schon einmal gewesen, als wir mit dem Auto über Dänemark und Schweden nach Norwegen gereist waren. Wir schauten uns kurz den Hafen an und entdeckten dann einen Stand, wo es die letzten leckeren Fischbrötchen vor Dänemark gibt. Sie hielten tatsächlich, was das Schild versprach.

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Dann fuhren wir nach Burg, dem Zentrum der Insel. Kurz nach dem Ortseingang mussten wir absteigen und erreichten über eine kleine Straße mit netten Geschäften die Breite Straße mit ihren charakteristischen Backsteingebäuden. Die beiden markantesten sind wohl das Rathaus und die Nikolaikirche. Dort parkten wir unsere Räder und gönnten uns ein Eis. Wir bummelten die Straße entlang und besorgten uns bei einem Bäcker, der auch sonntags geöffnet hat, noch ein paar Brötchen.

burg3 burg4

Danach fuhren wir zum Burger Binnensee, wo sich der Hafen von Burg, „Dat Nye Deep“ genannt, befindet. Von dort aus nahmen wir den Uferweg unter der Brücke durch zurück zum Campingplatz.

burgbinnensee

Inzwischen war es Zeit zum Abendessen geworden und wir kehrten im Biergarten des Platzes ein. Am Nebentisch saß eine Gruppe von Dänen, die sich beim Bezahlen mit den Euros etwas schwer taten. Na ja, ich muss mich ja auch jedes Mal wieder an die dänischen Münzen mit und ohne Loch gewöhnen.

Nach einer leckeren Ofenkartoffel und einem Bierchen machten wir noch einen Spaziergang zum Strand und dem etwas kurz geratenen Leuchtturm von Strukkamphuk. Hier konnte man tatsächlich die Sonne im Meer versinken sehen, was ja an der Ostsee nicht überall möglich ist.

sonnenuntergang sonnenuntergang2

leuchtturm

Nach einer Weile gingen wir wieder zurück zum Zelt, da es inzwischen etwas kühl wurde. Dort entdeckten wir ein paar Karnickel, das sich anscheinend hinter den Vorderreifen unserer Leezen sehr wohl fühlten.

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Wir störten sie nicht weiter und verkrochen uns in unsere Schlafsäcke. Heute war Mittsommer, und ich schlief noch immer mit dicken Socken. Aber egal, so lange es tagsüber nicht allzu kalt ist, passt es schon, und Temperatur ist ja bekanntlich Geschmackssache.

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Ostseeradtour 2015 – Teil 2

May the wind always be at your back (aus einem irischen Segen)

Brunsbüttel – Breiholz – Kiel

Am nächsten Morgen herrschte entgegen der Wettervorhersage vom Vortag ideales Radlerwetter mit ca. 18 Grad und einem frischen Westwind. Bald hatten wir unsere Sachen gepackt, und unsere Nachbarn, die eigentlich einen Ruhetag geplant hatten, beschlossen die Gunst der Stunde zu nutzen und ebenfalls weiter zu fahren. Beim Wasserholen traf ich die Frau, deren Mann unbedingt Schiffe sehen wollte. Sie berichtete, dass sie nach Hause fahren würden, da es ihnen zu kalt war. Klar, Temperatur ist ja bekanntlich Geschmackssache.

Wir folgten erst der Hauptstraße durch ein Industriegebiet und kamen dann bei Averlak auf den Kanalweg.

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Dort macht das Fahren richtig Spaß, der Weg ist eben, der Untergrund meist gut und der Wind wehte heute auch aus der richtigen Richtung. Unterwegs begegneten wir zahlreichen Radfahrern, die uns mit einem fröhlichen „Moin Moin!“ begrüßten. Ich finde das so schön. Erst sahen wir vor allem Schiffe, die in Richtung Kiel unterwegs waren, später gab es dann mehr Gegenverkehr.

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Immer wieder fuhren wir an idyllischen Bänkchen, teilweise umgeben von Heckenrosen, vorbei und machten sebstverständlich hin und wieder auch Pausen.

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Natürlich kamen wir auch am Campingplatz Hochdonn vorbei, wo wir vor einigen Jahren schon einmal gezeltet und Schiffe beobachtet hatten. Allerdings war es noch zu früh zum Übernachten, und so fuhren wir weiter. Auch einer ganzen Schwanenkolonie und einem Reiher begegneten wir.

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Das Radeln ging wunderbar, bis wir den Kanal verlassen und den Weg nach Breiholz suchen mussten. Es gab zahlreiche Hinweisschilder auf einen Bäcker in dieser Ortschaft, aber laut unserem Bauchgefühl war es besser, erst bei der Abzweigung „Breiholz Fähre“ ab zu fahren, da unser Campingplatz in der Fährstraße liegen sollte. Nun kam der Wind nicht mehr so schön von hinten, und es brauten sich auch dunkle Wolken über uns zusammen, aber wir fanden bald ein Schild zum Campingplatz.

Über einen Schlaglochweg an einer verlassenen Fabrik vorbei kamen wir zu einem geschlossenen Restaurant und einem Sanitärgebäude. Auf einer Weise standen ein paar Wohnwägen. Sehr einladend sah das Ganze ja nicht aus. Am Restaurant hing eine Preisliste mit dem Hinweis, dass wir uns bei einer bestimmten Telefonnummer melden sollten. Peter rief dort an und ihm wurde mitgeteilt, dass wir schon mal aufbauen sollten. Das Toilettengebäude sei offen, und im Laufe des Abends käme jemand vorbei. Wir suchten uns ein geschütztes Plätzchen, da es inzwischen kräftig wehte, und bauten unser Zelt auf. Die Aussicht über die Eider auf Hamdorf war auch sehr schön.

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Abwechselnd gingen wir duschen. Auch wenn der Platz noch sehr einfach ist, über die Sanitäranlagen darf man nicht nölen. Während ich auf Peter wartete und mein Reisetagebuch aktualisierte, kamen zwei weitere Radfahrer um die Ecke – unsere Nachbarn aus Brunsbüttel! Sie wollten eigentlich erst bis Hochdonn fahren, aber der Wind hatte auch sie gemütlich vor sich her geschoben.

Dann fuhren wir nach Hamdorf zum Einkaufen und stellten fest, dass der Campingplatz von der Eiderbrücke aus sehr wohl einladend aussieht. Man muss halt von der richtigen Seite kommen. Der Supermarkt befand sich am äußersten Ortsende, und es ging dort sehr gemütlich zu: Jeder scheint dort jeden zu kennen. Eine Kundin, die nicht genug Kleingeld hatte, durfte der Postbotin einen unfrankierten Brief mitgeben und am nächsten Tag bezahlen.

Wir kauften diverse Snacks und eine Zeitung und erreichten den Campingplatz gerade noch rechtzeitig, bevor ein Platzregen lospladderte. Im Zelt verspeisten wir unser Abendessen und lasen in der Zeitung, dass Harry Rowohlt gestorben war. So alt war er doch noch gar nicht, gerade mal 70. Natürlich kenne ich ihn als Penner Harry aus der Lindenstraße, aber auch als Übersetzter von „Winnie the Pooh“ und „Angela’s Ashes“. Von ihm stammt auch das herrliche Zitat: „Als Übersetzer muss man sich einfach für jeden Scheiß interessieren, es könnte ja mal wichtig werden.“ R.I.P., Harry.

Nach einer Weile ließ der Regen wieder nach, doch inzwischen war es dunkel geworden, und wir gingen schlafen.

Am nächsten Morgen war es noch immer trocken, so dass wir wieder draußen frühstücken konnten. Unsere Nachbarn verkündeten, dass sie genug vom Zelten hatten und sich ein Zimmer nehmen wollten, es war ihnen zu kalt. Weder bei ihnen noch bei uns war jemand zum Bezahlen gewesen, aber da wir so hervorragend geduscht hatten, wollten wir uns nicht einfach davon machen und falteten die 12 Euronen in ein kleines Dankbriefchen und deponierten sie im Briefkasten.

Dann fuhren wir los und waren schon bald wieder am Nord-Ostseekanal. Bis Rendsburg ging alles prima, und wir sahen die bekannte Schwebefähre.

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Die Schilder führten uns noch eine Weile am Westufer entlang, doch bei Nobiskrug mussten wir dann doch die Seite wechseln, um dem städtischen Gewurschtel zu entgehen. Doch dort war es erst auch sehr schön: Der Regen hatte zahlreiche riesige Schnecken hervorgelockt, die den Weg überquerten, und um die wir vorsichtig herumfuhren. Außerdem passierten wir nette Häuser.

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Eigentlich wollten wir bei Sehestedt wieder auf die andere Seite, aber die Schilder sagen uns etwas anderes. Nun, das würde schon seine Richtigkeit haben, und so verließen wir den Kanal und folgten den Schildern, die uns zum ehemaligen Eiderkanal, dem Vorläufer des Nord-Ostseekanals, und einem alten Sperrwerk führten. Weiter weg vom Ufer ist es nicht mehr flach, und die sanften Hügel zwischen den Feldern erinnern etwas an England.

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Dann fing es wieder an zu regnen, und wir machten Pause in einem Bushäuschen. Als der Regen nachließ, entdeckten wir Schilder, die uns nach Kiel führten, und solche, die zurück zum Kanal wiesen. Wir beschlossen, letzteren zu folgen, da wir dachten, dass wir den Campingplatz vom Kanal aus leichter finden würden. Bei Landwehr wechselten wir dann wieder an das Westufer.

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In Kiel kamen wir bei den Schleusenanlagen an der Förde heraus, fanden aber leider nur ein Schild zum Leuchtturm, wo wir nicht hinwollten, und eine detaillierte Straßenkarte hatten wir nicht. Also fuhren wir nach Gefühl in Richtung Norden und kamen durch eine Wohngegend, in der Tatortkommissar Borowski sicher schon ermittelt hatte. Auch Kiel ist keineswegs flach, sondern steht auf gefühlten sieben Hügeln. Irgendwann erspähten wir ein Umleitungsschild nach Altenholz, also in die richtige Richtung, und landeten an einer Hauptstraße. Dort holte uns eine Radfahrerin ein, die uns ein bisschen an Queenie erinnerte. Sie meinte, dass sie beim Anblick unserer Packtaschen Fernweh bekäme und teilte uns mehrere Routen zum Campingplatz mit. Wir schafften es gerade so, die einfachste zu behalten und landeten in der kopfsteingepflasterten Fußgängerzone des Stadtteils Friedrichsort. Dort fragten wir uns weiter durch und wurden auch bald in die richtige Richtung geschickt. Außerdem wünschte uns jeder besseres Wetter für den weiteren Verlauf unserer Tour.

Zehn Minuten vor Ende der Mittagspause erreichten wir den Campingplatz, und während wir auf den Platzwart warteten, lasen wir amüsiert den Aushang, dass die Wasserhähne geändert worden waren, so dass man keine Gartenschläuche mehr anschließen konnte, da die Dauercamper zu viel Wasser verbraucht hatten. Tja, so eine Gartenzwergidylle erfordert nun mal viel Pflege. Trotz der bevorstehenden Kieler Woche war es kein Problem, hier ohne Reservierung zwei Nächte zu bleiben. Wir bekamen auch einen Stadtplan und einen Fahrplan der Fördefähre, mit der wir am nächsten Tag in die Stadt fahren wollten. Nach dem Aufbauen kauften wir ein und saßen dann noch eine Weile am Ufer der Förde. Dann gingen wir ins Restaurant bei der Rezeption und ließen den Abend mit einem leckeren Essen und ein paar Bierchen ausklingen.

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Am nächsten Morgen frühstückten wir gemütlich und hielten ein Schwätzchen mit unserem Nachbarn, der schon seit Anfang Mai unterwegs und jetzt wieder auf dem Heimweg war. Wir plauderten über die etwas ungünstige Gewichtsverteilung bei seinem Anhänger, Werften und Schiffsbau und die Reise, die hinter ihm lag. Dabei stellte sich heraus, dass er die Strecke, die uns vorschwebte, in umgekehrter Richtung zurückgelegt hatte, und er schenkte uns seine Radkarten: „Jetzt habe ich 300 g weniger Gepäck!“ Im weiteren Verlauf der Reise waren wir ihm mehrfach sehr dankbar, denn solche Karten braucht man in der Gegend auch.

Dann fuhren wir los und suchten den Fähranleger Friedrichsort. Erst gab es tatsächlich ein Schild, doch dann verlor sich die Spur im Nichts. Wer nicht weiß, wo der Anleger ist, hat es wohl auch nicht verdient, ihn zu finden. Ein paar nette Einheimische halfen uns weiter: Vor der Motorenfabrik Caterpillar rechts abbiegen, beim Ufer links und da ist er dann. Eigentlich ganz einfach.

Nach einer Weile kam die Fähre und brachte uns in die Stadt. Unterwegs studierte ich noch einmal den Fahrplan und plötzlich wurde mir bewusst, dass morgen ja Samstag war und somit andere Fahrzeiten gelten! Außerdem legt die Fähre morgens dann nicht in Friedrichsort, sondern in Falckenstein an. Gut, dass ich das gesehen hatte, denn sonst wären wir zur falschen Zeit am falschen Ort gewesen und hätten doof aus der Wäsche geschaut. Also mussten wir am Abend noch den anderen Fähranleger suchen.

Beim Seegarten stiegen wir aus und sahen uns erste einmal um. Natürlich lagen zahlreiche Schiffe im Hafen, am Schweden- und am Norwegenkai lagen die Stena Germanica nach Göteburg und die Color Fanatsy nach Oslo. Da packt einen doch gleich das Fernweh!

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Wir konsultierten einen Umgebungsplan und gingen in die Altstadt, die sich auf die Kieler Woche vorbereitete: Überall wurden Stände mit Fressalien und anderen Dingen aus aller Herren Länder aufgebaut. Morgen würde es hier sicher rundgehen, aber da würden wir schon wieder unterwegs Richtung Osten sein.

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Wir besuchten die Nikolai-Kirche, ein Bauwerk der im Ostseeraum üblichen Backsteingotik, über die wir im Lauf unserer Reise noch einiges erfahren würden. Im Krieg war sie schwer beschädigt und in den 50er Jahren modern und schlicht wieder aufgebaut worden, wovon auch der vorwiegend weiße Innenraum zeugt.

Dann wärmten wir uns kurz in der Einkaufspassage Holstentörn auf, gingen über den Exerzierplatz und zum alten Rathaus, wo ebenfalls zahlreiche Stände aufgebaut wurden. Dort stärkten wir uns mit einem Fischbrötchen, das fast Norden-Qualität hatte. Dann statteten wir dem Kleinen Kiel, einem flachen Binnengewässer, einen Besuch ab.

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Danach wurde es Zeit für etwas Kultur, und wir gingen ins Schifffahrtmuseum in der ehemaligne Fischhalle. Dort erfuhren wir zu unserer Freude, dass die Eintrittskarte auch für das Stadtmuseum und einige Schiffe an der Museumsbrücke gültig ist. Das Schifffahrtmuseum zeigt in vielen verschiedenen Nischen unterschiedliche Themenbereiche zur maritimen Geschichte der Stadt: Fischerei, Seefahrt, Schiffbau und Marine.

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Dann besichtigten wir den dampfbetriebenen Tonnenleger Bussard, der bis 1979 zur Wartung der Seezeichen eigensetzt wurde, und das Feuerlöschboot Kiel. Während wir uns an Deck umsahen, stand im Hafen eine Hochzeitsgesellschaft, bereit für das Fotoshooting. Die Braut in ihrem weit ausgeschnittenen Kleid war wirklich nicht zu beneiden, denn es hatte gerade mal 16 Grad. Aber da muss man halt durch.

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Wir besuchten noch das Stadtmuseum im Warleberger Hof, dem ältesten noch erhaltenen Kieler Adelshof. Das Gebäude mit seinem beeindruckenden Kellergewölbe und den bemalten Barockdecken an sich ist schon sehenswert, und auch die zahlreichen Gemälde zur Stadtgeschichte sind sehr interessant.

Danach fanden wir, dass es Zeit wurde, zum Campingplatz zurück zu fahren, und gingen zurück zur Seebrücke. Während wir auf die Fähre warteten, tutete es plötzlich laut und anhaltend: die Color Fantasy legte ab. Eine Weile fuhr sie vor unseren Fähre her, bis sie am Horizont verschwand.

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Als wir Friedrichsort erreichten, schien die Sonne, und wir gingen erst einmal ein Eis essen und dann zum Supermarkt. Dann machten wir uns auf die Suche nach dem Fähranleger Falckenstein, von wo wir am nächsten Tag die Förde überqueren wollten. Er ist gar nicht weit weg vom Campingplatz und über einen schmalen Weg am Ufer zu erreichen. Prima, den würden wir auf jeden Fall finden.

Auf dem Campingplatz lasen wir gemütlich die Zeitung. Das Wetter würde in der nächsten Zeit eher durchwachsen bleiben, aber der Wind blies immer noch aus der richtigen Richtung. Zum Abendessen gingen wir noch einmal ins Restaurant, und danach bummelten wir noch eine Weile am Ufer der Förde entlang, da ich unbedingt die Stena Germanica noch ausfahren sehen wollte. Nach einer Weile kam sie tatsächlich vorbei und setzte Kurs auf Schweden.

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Dann verkrochen wir uns ins Zelt, lasen noch eine Weile und schliefen dann ein. Nachts gegen zwei Uhr wurden wir jedoch wach, da einige Leute zu unserem Nachbarzelt gingen, um Alkoholnachschub zu holen. Dabei redeten und lachten sie in einer nicht mehr nachtruheverträglichen Lautstärke – sie hatten wohl schon kräftig getankt. Wo sind die kräftigen Regenschauer, wenn man sie mal braucht? Wie meistens bei solchen Gelegenheiten überlegte ich, morgens um sechs Uhr vor ihrem Zelt ungefähr acht Mal aus Versehen das Kochgeschirr fallen zu lassen, aber dazu bin ich zu faul und zu friedfertig. Nach einer Weile fand die Truppe den Alkohol und verzog sich wohl in einen Wohnwagen, denn man hörte plötzlich nichts mehr. Und so schliefen wir ungestört weiter.

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Ostseeradtour 2015 – Teil 1

Temperatur ist Geschmackssache (Radler auf dem Elberadweg bei Glückstadt)

Enschede – Gronau – Hamburg – Brunsbüttel

start

Mal wieder viel zu früh fuhren wir am Sonntagmorgen los nach Gronau. Alles war noch still, nur einer unserer Nachbarn überholte uns auf seinem Rennrad. Nach einem kurzen Plausch fuhr jeder seines Weges.

Am Bahnhof war erst noch nicht so viel los, doch nach einer Weile versammelten sich mehrere Radler auf dem Bahnsteig. Die beiden Damen, die nach Metelen wollten, beschlossen, in den anderen Wagen einzusteigen, so dass wir und zwei weitere Herren auf dem Weg nach Münster nicht abpacken mussten. Einer dieser Herren hatte ein E-Bike mit, das wir testen durften. Das Teil zog ganz schön ab! Er erzählte, dass er Probleme mit dem Meniskus hatte und mit einem normalen Rad die Ruhrgebietstour mit seinem Kumpel nicht fahren könnte. E-Bikes haben wirklich Zukunft, denn die Akkuleistung wird immer besser, und es gibt auch immer mehr Möglichkeiten, diese aufzuladen. Irgendwann werden wir wohl auch auf Stromräder umsteigen.

e-bike

Da wir in Münster über eine Stunde Aufenthalt hatten, wollte ich zum Bahnhofsbäcker, um Brezeln und Streuselkuchen zu holen. Der Bahnhof war nicht wieder zu erkennen! Das Gebäude war größtenteils weg und die Geschäfte waren im Moment auf den Bahnhofsvorplatz ausgelagert. Die Umbauarbeiten sind umfangreicher als ich dachte.

Wir installierten uns auf dem Bahnsteig im richtigen Gleisabschnitt, doch als unser Zug angekündigt wurde hatten wir es wieder – umgekehrte Wagenreihung, aber nicht für den gesamten Zug. Also rechneten wir aus, wo wir hinmussten und hofften, dass es einigermaßen stimmte. Tatsächlich, wir standen halbwegs an der richtigen Stelle. Als der Zug einfuhr, packten wir ab, wuchteten Räder und Gepäck ins Innere und verstauten alles. Und wie es immer so ist, wollte just in diesem Moment auch das Mädchen mit dem Kaffeewagerl vorbei.

Nach einer Weile saßen wir auf unseren reservierten Plätzen. In der Nähe saß eine Gruppe junger Männer, gewandet in Trikots des Sportvereins Hintertupfingen-Ost oder etwas dergleichen. Sie hatten Cola mit, die sie eifrig mit Doppelkorn verdünnten. Irgendwann fragte einer seinen Kumpel: “Sollen wir mal Plätze tauschen?” – “Duu, das isss aber vvvooolll ansschschdrrrengend!”

Mit nicht allzuviel Verspätung erreichten wir Hamburg. Zusammen mit einem anderen niederländischen Paar, das den Elberadweg Richtung Dresden fahren wollte, hievten wir Räder und Gepäck nach draußen. Da die ganzen Hintertupfinger auch bei dieser Tür aussteigen wollten, dauerte das eine Weile. Zum Glück hatte der Zug hier einen längeren Aufenthalt, bevor er nach Stralsund weiterfuhr.

Die Elbe zu finden, war nicht schwer, der dazugehörige Radweg war jedoch etwas besser versteckt. Endlich befanden wir uns auf der Promenade. Allerdings hatten an diesem schönen Sonntagnachmittag alle Hamburger und sämtlicher Urlauber beschlossen, dort zu promenieren, also kamen wir nicht gerade schnell voran.

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Dann landeten wir beim Museumhafen Övelgönne, wo wir eine Weile unsere Räder inmitten einer größeren Menschenmenge durch die schmalen Gassen schieben mussten. Aber so konnten wir uns wenigstens in Ruhe die malerischen Häuser anschauen.

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Dann wurde es etwas ruhiger, und ohne Probleme fanden wir den Campingplatz am Elbstrand. Dort nahm man uns etwas übel, dass wir nicht reserviert hatten, obwohl sie doch dafür ein Online-Formular haben, aber wir durften trotzdem dort stehen. Wir pflügten uns durch den Sand und fanden einen Platz mit festerem Untergrund, wo wir unser Zelt aufstellten, selbstverständlich mit Elbblick.

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Dann gingen wir in den Biergarten zum Essen. Der Barkeeper verblüffte uns damit, dass er zwei Weißbiergläser gleichzeitig einschenkte, und bei der Essensausgabe bekommt man keine Nummern, sondern Namen wie „Mary Poppins“ oder „Miss Piggy“, die lauthals gerufen werden, wenn das Essen fertig ist. Der Fisch war aber auf jeden Fall lecker. Mit vollem Bauch zogen wir uns in unser Zelt zurück. Nachts war es ziemlich kalt, so dass ich irgendwann meine Kapuzenjacke anzog.

Am nächsten Morgen schien die Sonne, doch es wehte ein ziemlich frisches Lüftchen. Die beiden italienischen Jungs neben uns saßen bibbernd bei ihrem Gaskocher und machten Kaffee. Auch wir frühstückten erst mal in Ruhe. Obwohl unsere Nachbarn schon lange vor uns aufgestanden waren und mit dem Einpacken angefangen hatten, waren wir ungefähr gleichzeitig fertig. Bei uns gilt die Regel: Vom Aus-dem-Schlafsack-Kriechen bis zum Losradeln vergehen ziemlich genau eineinhalb Stunden. Klappt fast immer!

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Wir pflügten uns wieder durch den Sand und fuhren erst an der Elbe entlang, bis wir vor einer steilen Treppe nach oben standen. Also zurück. Wir begegneten den Italienern wieder und warnten sie, doch sie fuhren weiter. Nach einer Weile standen wir wieder vor dieser Treppe, aber diesmal oben, wo die Italiener ihre Räder hochwuchteten. Kurz darauf riefen uns zwei ältere Herren auf einer Bank etwas nah, das wir nicht verstanden, und bald landeten wir in einer Sackgasse. Ach, das hatten die Herren gemeint! Also wieder zurück, an den Herren vorbei. Wahrscheinlich haben sie so den ganzen Tag Unterhaltung, Statler und Waldorf lassen grüßen.

Uns reichte es erst mal mit dem Elbe-Radweg, wir wollten bloß raus aus der Stadt. Wir folgten den Schildern nach Uetersen und Elmshorn, das lag so ungefähr in der richtigen Richtung. Die Elbe würden wir irgendwann schon wiederfinden. Die Radwege waren auch okay, aber warum sind sie in der Stadt immer von Glas gespickt? Ich hoffe ja, dass diejenigen, die das verursachen, im Jenseits bis zum jüngsten Gericht Reifen flicken dürfen.

Bei Elmshorn fanden wir auch den Radweg nach Glückstadt und hatten den Wind kräftig von vorne. In der Stadt merkt man das ja nicht so. Bei einer Pause auf einer Bank mit Elbblick unterhielten wir uns mit einem Herrn, der zu einem Badestrand in der Nähe wollte, die Wassertemperatur sei im Moment 16 Grad. Auf meinen Einwand, dass das doch etwas kühl, um nicht zu sagen saukalt sei, meinte er: „Temperatur ist Geschmackssache“. Wunderbar, dieser Satz sollte uns den restlichen Urlaub begleiten.

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Wir radelten weiter auf dem Deich und erreichten bald Glückstadt mit einem netten kleinen Hafen.

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Hier kann man auch mit der Fähre die Elbe überqueren, was wir aber diesmal nicht vorhatten. Und weiter ging es gegen den Wind auf dem Deich, wo die Schafe friedlich grasten. In der Ferne sahen wir die Kernzentrale Brokdorf. Trotz zahlreicher Pausen wurden die Kilometer nach Brunsbüttel langsam, aber stetig weniger.

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Kurz vor Brunsbüttel standen wir plötzlich vor einer Schranke. Da es außer zurück keine Alternative gab, zwängten wir uns daran vorbei und radelten über ein Fabrikgelände auf eine Straße, die uns direkt zur Fähre über den Nord-Ostseekanal brachte. Peter war mal wieder etwas voraus und rollte auf die Fähre, doch als ich den Anleger erreicht hatte, setzte sich plötzlich die Autoschlange in Bewegung, und ich war noch auf der falschen Straßenseite! Hilfe, der Gatte wird doch nicht ohne mich den Kanal überqueren? Gut, sowas kommt vor, ich hatte ihn auch mal in London an einer Underground Station zurückgelassen, weil er in ein Plakat vertieft war und die Türen schneller zugingen als gedacht. Aber diesmal sollte das nicht passieren. Ich sah den Mitarbeiter der Fähre fragend an und rollte an Bord, allerdings auf der falschen Seite, wo ich einigen Fußgängern im Weg stand, aber egal, die Fähre legte mit mir ab.

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Auf der anderen Kanalseite fuhren wir zur Tourist Information und suchten auf einem Umgebungsplan den Weg zum Campingplatz am Elbdeich. Dort angekommen empfing uns ein Schild: „Einchecken Deichstraße 71.“ Zum Glück war das gleich um die Ecke und nicht beim Fähranleger oder so. Der Platzwart erwies sich als Scherzkeks, denn er empfing uns mit folgenden Worten: „Leider habe ich nichts mehr frei, aber in Hamburg könnte ich Ihnen noch etwas anbieten.“ In diesem Stil ging die Eincheckprozedur weiter, bis wir unser Zelt aufbauen konnten. Der Platz ist einfach, aber nett und hat eine kleine Küche für Camper. Die Dusche war wunderbar, ich hätte duschen können, bis die rote Sonne im Meer versinkt, aber man muss es ja nicht übertreiben.

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Aufgewärmt und munter machten wir einen Spaziergang zum historischen Ortskern, wo wir eine nette Pizzeria fanden. Während wir auf die leckere Pizza warteten, rekonstruierten wir den Tag und ich schrieb meine Stichpunkte in den Kalender.

Nach dem Essen gingen wir zurück zum Campingplatz und setzten uns eine Weile auf eine Bank auf dem Deich. Dann gingen wir schlafen. Die Schafe blökten noch eine Weile friedlich vor sich hin, dann war es still.

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Nach den Anstrengungen von gestern hatten wir uns einen Ruhe- und Kulturtag verdient, also trödelten wir beim Frühstück gemütlich herum und beobachteten die Schafe, die in einer langen Reihe aus der Stadt wieder zum Deich kamen. Dann fuhren wir an selbigem entlang in die Stadt und parkten die Räder bei der Tourist Information.

Erst gingen wir zur Aussichtsplattform 3 des Nord-Ostseekanals und beobachteten, wie die Schleuse geöffnet wurde, um einige Schiffe durch zu lassen. Das scheint eine ziemlich aufwändige Sache zu sein, bei der mehrere Arbeiter irgendwelche Kolben in Löcher gleiten ließen bzw. selbst in diesen Löchern verschwanden. Was da alles passierte, erschloss sich mir ehrlich gesagt nicht, aber interessant war es auf jeden Fall.

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Dann besuchten wir die Ausstellung in der Tourist Information, denn wir wollten mehr über den Kanal erfahren, der die Nordsee mit der Ostsee verbindet und so den Schiffen einen langen Umweg über Skagen erspart. In der Ausstellung selbst kann man verschiedene Kanalmodelle, Fotos, Grafiken und Tabellen bewundern. Dann zeigte man uns einen Film über die Geschichte und den Bau des Kanals. Dabei erfuhren wir, dass bereits im 7. Jahrhundert die Wikinger in Haithabu Pläne für einen derartigen Kanal hatten. Der direkte Vorläufer war der Eiderkanal, der im 18. Jahrhundert gebaut wurde. 1887 wurde dann mit dem Bau des Nord-Ostseekanals begonnen, der 1895 dann fertig wurde.

Danach zeigte man noch einen Film über die Navigation auf dem Kanal. Manche Schiffe sind ja sehr breit, so dass ein genauer Plan eingehalten werden muss, wann und wo sie einander passieren können. Dabei erhält jedes Schiff abhängig von der Breite eine Passierzahl. Die Summe der beiden Schiffe, die aneinander vorbei wollen darf ein bestimmtes Maximum nicht überschreiten, sonst muss eines der beiden Schiffe in einer Art „Ausweichbucht“ warten. Wieder etwas gelernt.

Wir bummelten noch durch den Ort und erledigten Einkäufe. Dabei fiel uns auf, dass Brunsbüttel viele Geschäfte aller Art, aber relativ wenig Besucher hat. Das kann natürlich auch an der Vorsaison liegen, gut möglich, dass hier im Hochsommer der Bär steppt. An der Promenade verspeisten wir das erste Fischbrötchen des Urlaubs. Es war nicht schlecht, aber an Norden reicht es nicht heran.

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Dann fuhren wir zurück zum Campingplatz, wo ich mich in die Sonne setzte, um ein paar Schönheitsreparaturen an Peters Schlafsack vorzunehmen. Inzwischen hatten wir auch Nachbarn bekommen: ein Radfahrerehepaar aus Bayern, die auch ostwärts radeln wollten und heute ebenfalls mit dem Wind zu kämpfen hatten, und eine junge Frau, die auf dem Nordseeradweg unterwegs war.

Später traf ich in der Küche eine Frau, ebenfalls aus dem sonnigeren Süden, die über das Wetter schimpfte: „Mei, is des a Wind hier! Normal fahrn mer ja im Urlaub ins Allgäu, aber mein Mann wollt unbedingt Schiffe sehn. Also samma heuer hier. Aber warm is hier ja ned grad.“ Aber Temperatur ist ja bekanntlich Geschmackssache, ich fand die knapp zwanzig Grad ideales Radlerwetter. Und so lange es nicht regnet…

Nach dem Abendessen gönnten wir uns noch ein Bierchen in der Strandhalle auf dem Deich.

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Dann verkrochen wir uns in unsere Schlafsäcke, während in einem der Nachbarzelte schon diverse Bäume zersägt wurden.

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