2018 – 2020 Overijssels Havezatenpad

Overijssels Havezatenpad: Etappe 5 und 6 (Ommen – Zwolle)

Im letzten Jahr war ich ja bis Ommen gekommen, und eines schönen Tages im Juli fand ich, dass es Zeit war, um weiter zu gehen, und zwar von erst mal von Ommen nach Dalfsen. Aber es kam etwas anders…

Im öffentlichen Nahverkehr ist ja bei uns Maske vorgeschrieben, und selbstverständlich habe ich auch eine, sogar eine sehr schicke, wie ich finde.  Bei mancen Leuten scheint die Maske inzwischen ein Fashion-Statement zu sein. Mein Highlight war ein junger Mann, Typ südländischer Schönling mit bis zum Bauchnabel offenen Hemd im Leopardenprint mit passender Maske.

Openbaar vervoer Openbaar vervoer2

In Ommen angekommen lief ich mal wieder ein Stückchen über den Pieterpad, da ich das Stück Havezatenpad vom Bahnhof Richtung Stadt letztes Jahr schon gelaufen bin. Dann allerdings stellte ich fest, dass mein alter Wanderführer nun wirklich nicht mehr aktuell ist. Bis letztes Jahr wurde er auf der Website aktualisiert, aber jetzt ist ein neuer rausgekommen, und einiges ist schon sehr anders. Ich hatte gedacht, für die paar Etappen lohnt sich der neue nicht, aber war wohl nix. Unterwegs sah ich einen Sticker „Route geändert“, aber welche? In Ommen treffen sich drei Fernwanderwege, der Pieterpad, der Havezatenpad und der Maarten-van Rossum-Pad.

Kruispunt van 3 LAWs Afstand houden

Also versuchte ich es auf gut Glück, musste jedoch nach einer Weile feststellen, dass es echt nicht klappt. Bei der Sucherei wäre ich wohl morgen noch unterwegs. Nach ca. 7 km beschloss ich, mit dem Bus zurück zum Bahnhof zu fahren. Da der angekündigte Bus nicht kam, durfte ich also auch noch zurück latschen. So wurde die geplante Strecke ein Rundgang (nl. ommetje) um Ommen. Auch schön.

Ommen Ommen2

Zu Hause angekommen trabte ich sofort reumütig in die Buchhandlung, um mir die neue Ausgabe zu besorgen. Damit müsste es eigentlich beim nächsten Versuch klappen.

Vier Wochen später, als die sehr hochsommerlichen Temperaturen etwas moderater geworden waren, unternahm ich den nächsten Versuch. Die Route war tatsächlich drastisch geändert worden, anstatt durch das Zentrum und dann hintenrum Ost ging es jetzt an der Vecht entlang. Auf dem Campingplatz am anderen Ufer suchten viele Letue Erfrischung im Fluss. Ich kam an ein paar Steinen vorbei, über die man eine Senke durchqueren konnte, doch der Boden war so trocken, dass man einfach durchlatschen konnte. In anderen Jahreszeiten dürfte es aber eine ziemliche Matschpartie sein.

Vecht Stepping Stones

Unterwegs boten diverse Bänke Gelegenheit zum Rasten  und Rucksackfies machen, aber ich werde sie hier nicht alle posten. Außerdem konnte ich zwischendurch bei einem biologischen Hühnerhof und einem Campingplatz meine Wasserflaschen nachfüllen, bei diesen Temperaturen kein überflüssiger Luxus.

Rucksackfie Hühnerhof

Nach einer Weile erreichte ich die Schleuse von Vilsteren mit Fischtreppe, die vor allem vom Aland, einer Karpfenart, genutzt wird. Die Schleuse wird übrigens noch von Hand betrieben.

Vilsteren - Fischtreppe Vilsteren - Schleuse

Dann erlaubte ich mir, die Route ein bisschen zu verändern, so dass ich mehr im Schatten gehen konnte. Dass sie dabei auch etwas kürzer wurde, könnte den Blutdruck der Wanderwegpuristen etwas in die Höhe treiben, aber angesichts der Temperaturen ist das vertretbar, finde ich. Solange ich mich an die „connecting footsteps“ halte …

Ich kam am Landgut Rechteren vorbei und erreichte schließlich den Bahnhof.

Rechteren

Nach einem kurzen Blick auf das Stadtzentrum und ein Kunstwerk trank ich noch ein Radler, bevor ich nach Hause fuhr.

Dalfsen 2 Dalfsen

Am nächsten Tag ging es weiter. Es war angenehm bewölkt, doch beim Bahnhof in Dalfsen versammelten sich mehrere Wanderer, die – wie ich – an der geschlossenen Bahnschranke warten mussten. Hoffentlich verlief sich das bald, ich bin nunmal kein Rudeltier!

Dalfsen 3

Nach einer kurzen Weile bog die Gruppe ab und ich ging geradeaus weiter, da ich mir Landgut Den Berg von vorne anschauen wollte. Ich sollte sie an diesem Tag noch dreimal sehen. Aus den diversen Briefkästen vor dem Herrenhaus schloss ich, dass hier wohl mehrere Parteien wohnen.

Den Berg 2 Den Berg

In der Nacht hatte es hier kräftig geregnet, im Wald standen sogar noch Pfützen auf dem Weg. Es wurde auch langsam wieder Zeit, die letzten Wochen waren recht heiß und trocken gewesen. Auf einer Bank im Schatten machte ich Pause. Ein junges Paar mit zwei Kindern von etwa drei und vier Jahren kam vorbei. Die Kinder zählten begeistert die Kühe auf der Weide und fischten dann einen langen Ast aus dem Gebüsch, den sie gemeinsam weiter trugen. Ich fragte sie, ob sie ihn mit nach Hause nehmen würden. Der Vater winkte entsetzt ab, die Mutter lachte. Als ich eine Weile später weiterging, sah ich nach der nächsten Biegung den Ast liegen. Da hatten sie ja ein ganzes Stück durchgehalten. Als ich sie einholte, zogen sie gerade wieder einen Ast aus dem Gebüsch. Ich sagte zur Mutter: „Ich seh schon, sie haben wieder einen neuen.“ Die Mutter: „So geht das schon die ganze Zeit.“ Aber sie schienen eine Menge Spaß zu haben.

Nach einer Weile erreichte ich das Landgut De Horte, wo seit 1973 die Organistation Landschap Overijssel residiert. Nicht schlecht, Herr Specht. Im Garten gönnte sich die Truppe vom Bahnhof eine ausgiebige Ruhepause.

De Horte De Horte 2

Nachdem ich Haus und Garten bewundert hatte, zog ich weiter.In einem verwilderten Vorgarten grasten Schweine und Hühner.

Schweinderl

Kurz vor dem Naherholungsgebiet Wijthmenerplas (sprich Wietemerplas) kam ich bei einer Banksitzgruppe vorbei, wo ich mir eine Pause gönnte und meine Füße auslüftete. Schon bald zog fröhlich winkend die Truppe vom Bahnhof wieder vorbei.

Der Wijthmenerplas ist ein riesiger Baggersee mit vielen einzelnen Nischen, wo man schwimmen, Boot und Wasserski fahren und in der Sonne liegen kann. Es war lange nicht so voll wie ich angesichts des Wetters gedacht hatte, es verläuft sich.

Wijthemerplas 2 Wijthemerplas

Ab hier folgte ich nicht mehr der Route in meinem Führer, sondern der Variante auf der Bahn-Website, so dass ich nicht zweimal die gleichen vier Kilometer zum Bahnhof Zwolle und zurück gehen muss. Am Golfplatz und einem Kanal mit Hausbooten  vorbei ging es in Richtung Stadtzentrum, wo hinter dem Provinciehuis tatsächlich eine Kermis stattfand. Beim Kanal begegnete ich zum letzten Mal der Truppe vom Bahnhof.

Zwolle Golfplatz Zwolle Kanal

Zwolle ist eine alte Festungsstadt, und das Zentrum hat immer noch seinen sternförmigen Grundriss und ist von einem Wassergraben umgeben. Dort wurde auch gepaddelt und Eis verkauft – von einem Boot aus.

Zwolle Eisboot

An dem beeindruckenden Stadttor Sassenpoort vorbei ging ich zum Bahnhof, wo ich mir einen riesigen Pistazienmilkshake reinzog und dann gemütlich mit dem Zug nach Hause gondelte. Es waren wieder sehr schöne Wanderungen, und bald möchte ich noch ein Stück weiter gehen.

Zwolle Sassenpoort

 

 

 

 

 

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Overijssels Havezatenpad: Etappe 5 und 6 (Rijssen – Ommen)

Eigentlich hatte ich die beiden Etappen schon im August zurückgelegt, aber man kommt ja zu nix! Auch diesmal bin ich zwei Etappen in drei Tagen gelaufen.

Ich fuhr wieder mit der Bahn nach Rijssen, wo ich erst auf die Suche nach dem Landgut Oosterhof ging, das ich beim letzten Mal ja verfehlt hatte. Die Strecke vom Bahnhof auf die Route war einigermaßen gut markiert und führte durch den Volkspark, wo auch einige Stationen des Weltzeitpfades sind. Dieser führt von Rijssen nach Holten, und auf dem Pieterpad hatte ich ein Stück des anderen Endes gesehen. Außerdem kam ich an einem Gehege mit Pfauen uns sonstigem Getier vorbei. Grundgütiger, die Viecher machen einen Krach!

Dann kam ich übe eine idyllische Brücke zum  Gutshaus Oosterhof, das auch das Museum von Rijssen und das Feuerwehrmusem beherbergt. Es hatte zwar noch nicht geöffnet, aber immerhin standen ein paar Feuerwehrautos in der Einfahrt.

Inzwischen befand ich mich wieder auf der Route, aber in welche Richtung musste ich jetzt? Meinem untrüglichen Instinkt folgend ging ich erst in die falsche, aber zum Glück merkte ich meinen Irrtum schnell. Bei Premiumwetter ging es an der Windmühle Pelmolen vorbei, wo auch Bootsfahrten angeboten werden. Der Weg führt wieder am Wasser entlang, und es ist sicher gut, dass es eine Wegmarkierung nach rechts gibt, bevor man geradeaus in den Bach latscht.

Unterwegs sah ich noch einige kuriose Dinge. Der Fußweg führte unter einer Brücke mit variabler Durchgangshöhe hindurch, die Holzbohlen bewegten sich also mit dem Wasserstand. Dieser war zum Glück nicht so hoch, sonst wäre es eng geworden. Dann musste ich über einen Zaunübertritt auf eine Weide, die so matschig war, dass ich beschloss, barfuß weiterzugehen. Die Weide wird von einem Bach durchquert, durch den man über drei Steine muss. Diese stehen jedoch etwas schief, so dass ich befürchtete, das Gleichgewicht zu verlieren und mit Rucksack und allem im Wasser zu landen. Also prüfte ich vorsichtig, wie tief der Bach ist (knapp knietief) und ging hindurch. Danach lief ich ein ganzes Stück barfuß auf einem Feldweg weiter, bis meine Füße wieder trocken waren – Mindfulness purst!

Außerdem passierte ich das Gehöft Rectum, das tatsächlich recht weit draußen liegt.  Am Wegesrand wurden gelegentlich leckere Dinge feilgeboten, wie zum Beispiel Kürbisse oder Marmeladen. Gut, Kürbissuppe könnte ich gelegentlich mal wieder machen, aber einen Kürbis etliche Kilometer mitzuschleppen ging mir doch etwas weit. Und Marmelade hatten wir noch genug.

Nach einer Weile ging es durch das Naturgebiet Wierdense Veld, wo Schafe aller Art grasten und die Heide fröhlich blühte. Es war recht warm, und so freute ich mich über einen Ruhepunkt (rustpunt) unterwegs, wo ich mir ein Eis gönnte, bevor ich zum Bahnhof Nijverdal ging und den Heimweg antrat.

Am nächsten Tag ging es von Nijverdal aus weiter. Dort kam ich an einer Textilfabrik vorbei durch eine verwunschene Gasse. Schon bald hatte ich die Ortschaft verlassen und war draußen am Wasser.

Nach einigen wunderschönen Kilometern an der Midden Regge entlang erreichte ich den ehemaligen Gutshof Schuilenburg, von dem nur noch die Scheune übrig ist. Diese tut jetzt Dienst als „Sagenscheune“ und wird von einem Ritter bewacht, dessen rechter Arm abgebrochen ist und hinter ihm auf dem Boden liegt. Ein wahrlich armer Ritter.

Das Wetter war wohl ideal zum Angeln, und ich entdeckt auch ein nettes Schild mit der Aufschrift: „Manchmal wollte ich, dass ich ein Fisch wäre, dann hätte ich immer was zum Saufen.“ Nette Gegend hier.

Die letzten Kilometer ging ich anhand von Fahrradknotenpunkten zur Bushaltestelle in Noord-Meer, von wo aus ich den Heimweg antrat.

Eine Woche später ging es dann weiter. Von Nord-Meer aus erreichte ich schnell wieder die Route. Ich kam am Schloss Eerde vorbei, von dem ich aus unerfindlichen Gründen kein Foto habe. Vielleicht habe ich aus Versehen mal zu gut aufgeräumt, denn ich bilde mir ein, noch um das Schloss rumgelaufen zu sein. Aber dafür habe ich ein paar vom Pfadfindercampingplatz Eerde, wo die Zeltwiesen so nette Namen haben wie „Birkenfeld“, „Vogelweide“ oder „Bei der Buche“. Auf dem Feld „Wespenlust“ möchte ich mein Zelt aber lieber nicht aufstellen.

Dann erreichte ich das Steile Oever, wo ich auf einer Bank eine Semmel und die Aussicht über den Fluss genoss. Es geht da schon recht steil runter.

Bald darauf kreuzte sich der Havezatenpad mit dem Pieterpad. Am 1. Dezember 2016 war ich also schon mal an dieser Stelle.  Damals steckten wir gerade mitten im Umzug – wie die Zeit vergeht.

Ich folgte der Route weiter nach Ommen, wo ich noch am Landgut Het Laer vorbeikam. Dieses Landgut verfügt auch über einen Eiskeller, in dem jetzt Fledermäuse hausen, die allerdings erst bei Einbruch der Dunkelheit aktiv werden.

So bin ich also wieder ungefähr 65 km weiter gewandert und dieses Jahr noch bis Ommen gekommen. Das reimt sich, und was sich reimt, ist wahr (Pumuckl).

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Overijssels Havezatenpad: Etappe 3 und 4 (Delden – Rijssen)

Diese beiden Etappen wanderte ich über drei Tage verteilt, da 35 und 28 Kilometer schlichtweg zu lang sind, auch wenn es meinem Fuß wieder besser geht. Der erste Teil, von Delden zum Wiener Benteler Scheidingsweg, war sowieso eine Art Nagelprobe, da sich die erste Bushaltestelle bei acht Kilomtern befand, und die zweite erst bei 20. Dazwischen gab es nichts. Immerhin war Peter an diesem Tag zu Hause und könnte mich notfalls abholen, aber ich würde es halt auch gerne so schaffen.

Also fuhr ich am längsten Tag des Jahres mit dem Zug nach Delden, wo ich voriges Jahr aufgehört hatte. Der Weg führte nicht durch die Ortschaft selbst, sondern am Zentrum vorbei Richtung Landgut Twickel. Hier müsste man eigentlich die Route in Gegenrichtung laufen, so dass man sich auf das Schloss zubewegt.

Twickel

Eine Weile ging es gemütlich am Wasser entlang an der Noordmolen, einer restaurierten Ölmühle, vorbei.

Twickeler Vaart Noordmolen

Unterwegs grasten Pferde und Kühe, und ein Bauer verkaufte nicht nur Marmelade und dergleichen, sondern man konnte dort auch Bücher tauschen. Die Wespe, die mich dort unter dem Auge gestochen hatte, hätte es allerdings nicht gebraucht.

Boekenkast Landschap

Nach einer Weile erreichte ich das Pfannkuchenrestaurant Markenrichter. Nach meiner Erfahrung in Rheeze am Pieterpad hatte ich diesmal die Öffnungszeiten vorher überprüft und konnte mir einen leckeren Pfannkuchen einverleiben und meine Wasserflaschen nachfüllen.

Pannenkoek

Dann ging es weiter zur Bushaltestelle, wo der Bus allerdings so nah an den Rand fuhr, dass ich fast im Graben gelandet wäre. Trotzdem war es ein schöner Tag, und ich war rechtschaffen stolz, dass ich die 20 Kilometer geschafft hatte.

Gut sechs Wochen später, als die Temperaturen mal wieder etwas weniger sommerlich waren,  ging es dann weiter. Das Aussteigen aus dem Bus erwies sich als nicht ganz so gefährlich, oder vielleicht war ich einfach vorgewarnt?

Auf dem ersten Teil der Strecke wimmelte es nur so von Schlössern und Landgütern. Erst ging es an Huize Wegdam und wenig später Schloss Weldam vorbei.

Wegdam Weldam

Dann näherte ich mich dem Landgut Het Nijenhuis, und die Route führte praktisch dreiviertel um das Gebäude herum, so dass ich es von mehreren Seiten bewundern konnte.

Nijenhuis Nijenhuis2

Um Diepenheim herum gibt es sogar so viele Schlösser, dass die Straßenschilder Richtung „Huis te Diepenheim“ und „Overige kastelen (Weitere Schlösser)“ anzeigten. Am Huis te Diepenheim kam ich auch vorbei, aber Schloss Warmelo hätte einen Umweg bedeutet, zu dem ich an diesem Tag keine Lust hatte. Nicht nur bei Huis te Diepenheim mit den grasenden Gänsen, auch bei den Waldwegen konnte man sehen, wie trocken es in der letzten Zeit gewesen war.

Diepenheim Waldweg

Doch plötzlich war es vorbei mit dem schönen Wetter und der Himmel öffnete seine Schleusen. Aber ich gönnte der Natur den Regenguss, und es gibt ja auch kein schlechtes Wetter, nur falsche Kleidung, und so stapfte ich in meinem Umhang weiter.

Regen Regen2

Ich kam noch an dem Herrenhaus Westervlier vorbei, wo man angeblich Wegegeld bezahlen musste. Aber von mir wollte niemand etwas, und so schlurfte ich weiter meines Weges.

Westervlier Weggeld

Beim Restaurant De Viersprong hätte ich eigentlich zum Schipbeek abbiegen und meinen Weg am Ufer fortsetzen sollen. Aber im Regen am Wasser entlang wandern ist nicht wirklich ein Vergnügen, also beschloss ich, hier den direkten Weg nach Markelo zu nehmen, wo ich sowieso in den Bus nach Hause einsteigen wollte.

Am nächsten Tag regnete es erst mal nicht, dafür wehte ein frisches Lüftchen, und zwar genau in die Richtung, in die ich wollte. Das erste Stück ging also recht flott. Und am Wegesrand blühten Blumen neben dem Mais, sehr schön.

Akkerrand Lüftchen

Danach ging es eine Weile über Sandwege durch die Borkelder Heide, die entgegen aller Erwartungen trotz der Trockenperiode wunderschön blühte.

Heide

Zwischendruch regnete es mal wieder, aber diesmal waren es eher kürzere Schauer. Gelegentlich war es etwas schwierig, die Markierungen zu finden, da mein Wanderführer nicht mehr ganz auf dem neuesten Stand war und ich wohl nicht alle Updates im Internet erwischt hatte. So kam es, dass ich im Wald mal wieder falsch abbog und mich unversehens auf einer Mountainbike-Strecke wiederfand. Nichts wie weg, denn wenn da ein ganzes Rudel ankommt, gibt es eine Katrastrophe! Zum Glück konnte ich die Spur nach relativ kurzer Zeit wieder verlassen, kam aber dummerweise da wieder aus dem Wald heraus, wo ich hineingegangen war. Eine Wiederholung des Experiments schien mir nicht gerade erstrebenswert, und so fragte ich zwei Radfahrerinnen, in welcher Richtung Rijssen lag und ging um den Wald herum.

Auf diese Weise erreichte ich nach einer Weile den Ortsrand von Rijssen und ging durch ein endlos scheinendes Wohngebiet ins Zentrum, das mir aber nicht besonders gut gefiel, eine Einkaufsstraße mit den üblichen Geschäften halt. Und da ich auf der falschen Seite in den Ort gekommen war, verfehlte ich das einzige Landgut dieses Tages. Das würde ich beim nächsten Mal nachholen.

Nach einer Weile fand ich den Bahnhof, dessen schönes Gebäude allerdings nicht mehr genutzt wird, auf jeden Fall nicht als Bahnhofsgebäude. Durch den Tunnel trabte ich auf das richtige Gleis, wo ich zum Glück nicht lange auf den Zug warten musste.

Rijssen

Ich war wieder gute 60 Kilometer weitergekommen.

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Overijssels Havezatenpad: Etappe 1 und 2 (Oldenzaal – Delden)

Dieses Jahr im Januar stürzte ich mich voller Enthusiasmus in ein neues Wanderprojekt in Wohnortnähe: Der Overijssels Havezatenpad. Der ca. 220 km lange Weg beginnt in Oldenzaal und führt an zahlreichen Landgütern (Havezaten) vorbei nach Steenwijk. Ein gutes Projekt für die kühlere Jahreszeit, da die Anfahrtswege zur Route nicht so lang und Übernachtungen nicht nötig sind.

Etappe 1:

An einem kühlen, aber trockenen Januarmorgen fuhr ich mit dem Bus nach Oldenzaal. Durch Wald und Flur ging es an idyllischen Bauernhöfen und Landgütern vorbei, und obwohl die Sonne sich nicht hat sehen lassen, war es schön.


Auf dem Waldstück am Lonnekerberg hätte ich vielleicht besser die Schlechtwettervariante nehmen können, denn die Strecke war eher ein Hindernislauf in Kombination mit Schlammcatchen für Fortgeschrittene. Aber durch mehr oder weniger elegantes Slalomlaufen und gelegentliches Treehugging meisterte ich den Parcours ohne nassen Hosenboden.

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In Lonneker wollte mein innerer Schweinehund lieber nach Hause und die restlichen 8,5 km auf ein anderes Mal verschieben, aber nach einer Latte Macchiato mit Apfelkuchen im Café Sprakel ließ er sich überreden, weiter zu gehen.

Das nächste Stück war nicht so aufregend, außer dass ich mich der Universität von hinten näherte. Der Campus war sehr ruhig verglichen mit Mittwoch Nachmittag, wenn ich dort einen Kurs gebe. Auf dem letzten Stück ging ich an den Studentenwohnheimen vorbei. Der Student von heute wohnt anscheinend ähnlich wie wir früher, in einem Sammelsurium von abgedankten Möbeln. Nur die Wochenendbesucher sind nicht mehr mit Rucksack, sondern mit Rollkoffer unterwegs – es lebe der Fortschritt.

Bei dem Kirchturm im Universitätsweiher hat sich der Künstler vom Reschensee inspirieren lassen, aber er meint es symbolisch: die Dogmen der Kirche gehen unter angesichts der Wissenschaft:

Etappe 2:

Die zweite Etappe war eine Art Rehaetappe in 5 bis 7,5 km kurzen Stückchen, um so langsam die Kondition wieder aufzubauen.

Gut 5 Monate nach der ersten Etappe habe ich den Faden wieder aufgenommen und bin 5 km weiter gelaufen, nämlich vom Bahnhof Kennispark zur Bushaltestelle Marssteden. Dort musste der Gatte mich allerdings abholen, denn am Wochenende fährt der Bus nicht.

Erst ging es am sogenannten Kristallbad vorbei, einem Wassergewinnungs- und Aufbereitungsgebiet:

Weiter ging es durch wunderschöne Natur durch Twekkelo mit den Salzhäuschen und dem Johanneskerkje, dessen Glocken genau in dem Moment, als ich es fotografierte, 12 Uhr schlugen. Mann, bin ich erschrocken.

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Teilweise führte der Weg über die sogenannten Stiewelpade (Stiefelpfade) an Kuhweiden entlang, zum Glück mit einem Zaun zwischen Wanderern und Rindviechern. Trotzdem musste man ziemlich gut aufpassen, da der Pfad uneben und teilweise zugewachsen war. Ich war froh, dass mein Fuß das wieder ganz gut mitmachte, und mein Physiotherapeut fand es eine gute Kraft- und Gleichgewichtsübung. 

Fazit: 5 km waren eine gute Entfernung zum Wiedereinstieg.

Ein paar Tage später ging es weiter von den Marssteden nach Boekelo. Unter der Woche fährt der Bus zu den Marssteden, also war ich autark. Von dort aus wanderte ich am Landgut Wilgenkamp vorbei durch den Wald. Da muss ich nächstes Frühjahr nochmal hin, wenn der Rhododendron blüht, das sieht sicher wunderbar aus. Unterwegs habe ich sogar ein Reh gesichtet.

Der Weg führt zwar recht nah an diversen Industriegebieten vorbei, aber das merkt man fast gar nicht. Gelegentlich muss man aber doch in die Zivilisation, z. B. beim Überqueren der Autobahn.


In Boekelo hatte ich noch Zeit, mir die Wohnanlage „Blekerij“ anzuschauen, eine ehemalige Textilfabrik (alles hier in der Gegend hat irgendwie mit Textil zu tun), die vor ein paar Jahren in Appartments umgewandelt wurde. Schaut gar nicht schlecht aus.

Drei Tage später ging es wieder ein Stück weiter, und zwar von Boekelo nach Beckum. Die Strecke ist 7,5 km lang, und es ging sehr gut. Trotz eines Teilstreiks im öffentlichen Nahverkehr hatte ich Glück, die beiden Busse, die ich brauchte, fuhren ganz normal.

Unterwegs sah ich ein paar nette Schilder: Eins an einer Straßenlaterne macht darauf aufmerksam, dass es sich nicht um eine Störung handelt, sondern dass man sie abgeschaltet hat, um das Kunstlicht außerhalb der Orte zu reduzieren. Finde ich gut, es muss ja nicht überall Festbeleuchtung herrschen. Das zweite befindet sich am Ende eines Bauernhofs und weist darauf hin, dass man hier den Hund, der gerne mal mitläuft, wieder zurückschicken soll.


Für die 7,5 km habe ich einschließlich Fotos machen, Karte lesen und Pause ca. 2 Stunden und 20 Minuten gebraucht, das Tempo steigerte sich also auch langsam.

Das letzte Stück nach Delden hatte eine ähnliche Länge. In Beckum war alles ruhig, nur ein Rasenmähroboter war aktiv. Ich kam an der ehemaligen Schule vorbei, die jetzt eine Art Dorfzentrum ist.

Dann ging es über den Kerkvelder Voetpad, über den die Bewohner früher zur Kirche nach Delden gingen. Am Ortsrand erinnert ein Schild daran, dass man den Weg mit anderen Benutzern teilt und mahnt zu gegenseitiger Rücksichtnahme.

Kurz vor Delden kam ich noch am jüdischen Friedhof vorbei.

Dann erreichte ich den Bahnhof von Delden, wo ich im Bahnhofsgebäude eine Kunstausstellung bewundern und mir die Wartezeit mit einer Tasse Kaffee vertreiben konnte.

Die ersten ca. 50 km sind geschafft, und im nächsten Jahr möchte ich natürlich gerne weiterlaufen.

 

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