Kurze Radtouren

Zelttest

Nachdem letztes Jahr unser Zelt abgesoffen ist, mussten wir uns schweren Herzens von ihm trennen.Die Stangen und Heringe hoben wir jedoch auf, da sie sich als unkaputtbar erwiesen hatten, und man weiß ja nie, wozu man sie noch brauchen kann. Nach einigen Internetrecherchen stellte Peter fest, dass es genau dieses Modell noch gab, wenn auch in einer anderen Farbe, also nichts wie bestellen!

Beim Auspacken entdeckten wir, dass einige Dinge verändert worden waren (ob zum Positiven wird sich zeigen): Es gibt ein Fenster im Außenzelt, und das Innenzelt hat eine Tür mit Fliegengitter, so dass es besser durchlüftet. Wir überprüften die Stangen und stellten fest, dass die neuen einen Zentimeter länger sind. Ob das viel ausmacht? Wir beschlossen, dies am Himmelfahrtstag zu überprüfen und zu diesem Zweck eine nicht allzu lange Radtour ins Nachbarland zu machen. Ich reservierte einen Platz auf dem Campingplatz „Heideruh“ in Uelsen, doch die Reservierung verschwand wohl irgendwo in den unendlichen Weiten des Weltweiten Webs – auf jeden Fall bekam ich keine Bestätigung. Also rief ich nochmal dort an, und eine nette Dame versicherte mir, dass auf jeden Fall genug Platz vorhanden sei und dass ihre Schwiegermutter uns in Empfang nehmen würde.

Dann ging es ans Packen. Wir kramten die Fahrradtaschen hervor, die wir im letzten Jahr kaum genutzt hatten, und ich bemerkte, dass ich zwei Sticker mit den Buchstaben „T“ und „K“ auf die Hintertaschen geklebt hatte. Wann und vor allem warum hatte ich das getan? Wahrscheinlich nach der letzten Frühjahrsradtour, um endlich mal ein System in den Verhau zu bringen. Es gab nur ein Problem: Was sollten mir diese Buchstaben sagen? Tortenschaufel und Kuchengabel? Toastbrot und Käse? Topf und Klavier? Irgendwie ergab das wenig Sinn. Außerdem war es auch möglich, dass der Gatte und ich uns bei dieser Klebeaktion auf Niederländisch unterhalten hatten, was noch viel mehr Möglichkeiten ergab!

Nach einigem Nachdenken kam ich darauf: Tentspullen (Zeltzubehör) und Kookspullen (Kochutensilien). Nun fiel es mir wieder ein, dass ich mir nie merken konnte, in welcher Tasche was war, und immer erst in der falschen suchte, was irgendwann (nach gut zehn Jahren) anfing zu nerven. Jetzt musste ich nur noch entsprechend packen.

Am Himmelfahrtstag fuhren wir sofort Richtung Deutschland, um den biertrinkenden Rudeln auf den niederländischen Radwegen zu entgehen. Da aber die deutsche Radroutenführung nicht immer die effizienteste ist, gerieten wir erst zu weit nach Osten und mussten uns dann gegen den Wind den Weg nach Uelsen suchen. Auf einem Rastplatz bei Nordhorn machten wir Mittagpause, und dann ging es weiter.

Am Nachmittag erreichten wir das Feriengebiet des Luftkurortes Uelsen. Wie auch in der Wingst (ebenfalls Niedersachsen) wimmelt es dort von Schildern, auf denen jeder noch so kleine Kiosk und Andenkenladen mit Vor- und Nachnamen genannt wird, nur die Campingplätze sind erst dann ausgeschildert, wenn man praktisch schon davor steht. Eine Umgebungskarte half uns weiter. Trotzdem fuhr Peter erst mal schwungvoll den falschen Platz an, nämlich den Gemeindecamping, der zur Jugendherberge gehört. Und dort hatte ich bewusst nicht reserviert.

Bald fanden wir jedoch den richtige Platz und klingelten an der Rezeption, wo wir nach einigen Warten tatsächlich von der Schwiegermutter empfangen wurden. Nach einem kurzen Exkurs über die Anfänge des Campingplatzes (vor gut 30 Jahren wurden sie quasi von 15 Wohnwägen überrollt) und der Frage, ob wir die Familie Wolthuis kennen würden (leider nicht, aber wenn ihr mitlest und euch angesprochen fühlt, meldet euch doch mal dort 😉 ), bekamen wir einen Schlüssel zum Sanitärgebäude und durften uns ein Plätzchen suchen. Auf dem Platz sind vor allem Dauercamper, und die Toiletten und Duschen sind dementsprechend „basic“ und im 70er-Jahre-Charme gehalten.

Dann ging es ans Aufbauen: Wir probierten erst die neuen Stangen und Heringe aus, doch der erste Hering war sofort verbogen, und das bei dem weichen Boden! Die Stangen waren okay, aber sehr schwer in Form zu biegen. Also probierten wir das Ganze noch einmal mit dem alten Set, und siehe da, alles passte wunderbar! Zwar ist es nicht so schön grün wie das alte Zelt, sondern eher ein dezentes Müllsackgrau, aber man kann nicht alles haben.

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Zelttest

Außerdem hat es ein schönes Seitenfenter:

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Da bei diesem Zelt keine Bodenplane mitgeliefert wird, hatten wir eine ziemlich große gekauft, die wir nun zurecht schnitten.

Nach getaner Arbeit gingen wir zu Fuß zu einem nahegelegenen Landgasthof. Dann konnte ich meine neuen Schuhe auch gleich einlaufen. Damit hatte ich die Verkäuferin im Sportgeschäft eine ganze Weile beschäftigt. Erst wurde ein Scan meiner Füße gemacht, der neben der Tatsache, dass ich wohl Donald-Duck-Latschen habe, auch eine Größe ausspuckte, die allerdings, wie sich bei der Anprobe herausstellte, nicht stimmte. Nach diversen Paaren fand ich endlich eins, das gut passte (warum gibt es die, die ich 2005 gekauft habe, nicht mehr?), doch es gab einen geringfügigen Farbunterschied, so dass ich 10% Rabatt bekam. Man muss schon sehr genau hinschauen, damit einem das auffällt, und nach zwei Tagen durch Staub und Schlamm radeln  sieht sowieso niemand mehr etwas.

Nach dem Abendessen lasen wir noch etwas und verkrochen uns dann in die Schlafsäcke. Wir schliefen gut, und am nächsten Morgen ging es wieder ans Abbauen. Diesmal wählten wir den direkten Weg durch die Niederlande nach Hause, und ds war auch gut so, denn es wehte ein kräftiges Lüftchen – natürlich wieder von vorne. Am Almelo-Nordhorn-Kanal machten wir eine kurze Pause und hielten ein Schwätzchen mit einem Wanderer. Zehn Kilometer bevor wir zu Hause waren, enterten wir noch einen Supermarkt und stärkten uns.

Die erste Nacht hat das Zelt gut überstanden, die Bodenplane passt. Wir hofffen, dass es auch Schietwetter so gut packt wie sein Vorgänger. Der England-Urlaub kann kommen.

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Frühjahrsradtour 2012 – Teil 3

Am nächsten Morgen war das Wetter etwas durchwachsen, aber trocken, und so konnten wir wie geplant losfahren. Wir setzten unsere Tour auf dem Deich fort und blieben erst mal am Südufer des Flusses, der inzwischen nicht mehr Lek, sondern Nederrijn hieß (nicht zu verwechseln mit dem deutschen Niederrhein, der fließt woanders), um den Stadtverkehr von Arnhem zu vermeiden.

 Wie ich im zweiten Teil schon erwähnt hatte, macht das Fahren auf dem Flussdeich sehr viel Spaß, vorausgesetzt, man hat keinen Gegenwind, aber irgendwann machte sich ein menschliches Bedürfnis bemerkbar. Ich hätte mich gerne ins Gebüsch geschlagen, aber die einzigen Büsche, die es dort gab, waren in den Vorgärten an der Landseite des Deichs, auf der Flussseite konnte man kilometerweit alles überblicken und die Dörfer, durch die wir kamen, waren zu klein für öffentliche Örtchen. Und dass man die ganze Zeit Aussicht auf Wasser hat, hilft nicht wirklich. Aber endlich ergab sich eine Gelegenheit, und erleichtert setzte ich meinen Weg fort.

Gegen Mittag befanden wir uns gegenüber von Arnhem, wo sich Nederrijn und IJssel treffen. Dort mussten wir irgendwo auf die andere Seite, um ans Ostufer der IJssel zu kommen, aber wo? Sowohl die Schilder mit Ortschaften als auch die mit Knotenpunkten führten uns in die Irre.

Eigentlich ist das Knotenpunksystem ja recht praktisch: Das ganze Land ist mit einem Netz von solchen Punkten überzogen, und jeder führt wieder zu mehreren weiteren Knotenpunkten. Anhand einer Karte kann man sich also eine Strecke zusammenstellen und muss sich nur ein paar Zahlen merken, zumindest theoretisch. Praktisch funktioniert das Ganze manchmal sehr gut, aber wenn zwischendurch ein Schild fehlt, wird es kompliziert. und die Streckenführung von einem Punkt zum nächsten ist nicht immer logisch.

So einen Fall hatten wir hier, wir fuhren erst mal im Kreis. Ein freundlicher Herr erklärte uns, dass wir bei Huissen („Hüüssen“ ausgesprochen) mit einer Fußgängerfähre übersetzen konnten. Also fuhren wir nach Huissen. Inzwischen war es Essenszeit, und da die Bank unter einem Baum auf dem Marktplatz recht gemütlich aussah und es gegenüber einen Supermarkt gab, ging ich einkaufen. Während Peter auf mich wartete, konnte er gerade noch einen zurücksetzenden Lastwagenfahrer davor bewahren, ein Auto zu plätten, das sich während der Rückwärtsfahraktion auf einen Parkplatz geschmuggelt hatte.

 Als wir fertig gegessen hatten, wollten wir die Abfälle, wie es sich gehört, entsorgen, doch neben der Bank gab es keinen Papierkorb. Auf der anderen Straßenseite wurden wir schließlich fündig, ein eleganter Behälter, der sich perfekt in die Umgebung einfügte. Dazu Peter: „Den hat sicher wieder so ein Designkerl entworfen. Ganz hübsch, wenn man ihn findet. Öffentliche Papierkörbe müssen Groß und rot sein und mit einer vernünftigen Öffnung!“ So, Designer, jetzt wisst ihr’s!

 Bald darauf hatten wir die Fähre gefunden. Wie einige andere in dieser Gegend bietet sie Werbeflächen an und sucht nach Sponsoren, da sich die paar Radfahrer und Fußgänger zumindest in der Nebensaison nicht rechnen. Die Werbung ist für Touristen ganz praktisch, denn man kann sich dann in aller Ruhe informieren, wo das nächste Café und diverse Einkaufsmöglichkeiten, darunter auch ein Sanitärgeschäft, sind. Gerade für Radfahrer sind diese Fähren sehr wichtig, da sie uns viele zusätzliche Kilometer ersparen.

 Drüben angekommen folgten wir der IJssel nach Nordosten bis zum Campingplatz Lathum, der an einem See liegt. Beim Einchecken erklärte man uns den Weg zur Zeltwiese: „Draußen rechts und dann unter der Brücke durch am Sanitärgebäude vorbei.“ Eigentlich ganz einfach, nur war ich beim Wegfahren etwas abgelenkt. Ich fand zwar die Zeltwiese, aber zwischen ihr und mir befand sich eine Hecke. Also wieder zurück zum Eingang, wo ich auf Peter traf, der mich suchte: „Du sollst doch nicht wieder vom Gelände runterfahren!“

 Wir suchten uns ein schönes Plätzchen und bauten auf. Danach gingen wir in der Snackbar etwas essen und machten anschließend einen Spaziergang über das Gelände. Es gibt dort einen Jachthafen und auf der anderen Seite der Straße eine Anlage mit Ferienwohnungen. Diese gefiel mir nicht besonders, sie hatte etwas von der Trostlosigkeit und Eintönigkeit noch nicht ganz fertiger Neubaugebiete, bei denen ich immer das Gefühl habe, nie wieder heraus zu kommen. Danach tranken wir noch ein Bierchen in der Bar und gingen schlafen.

 Am Morgen wurden wir von einem Enterich begrüßt, der neugierig in unser Zelt schaute. Als er sich aber beim Frühstück an meinem Müsli vergreifen wollte, ging mir das doch etwas weit und ich scheuchte den Herrn weg.

 

Wir fuhren recht früh los, und da der Wind uns immer noch wohlgesonnen war, erreichten wir gegen halb 12 die pittoreske Stadt Zutphen an der IJssel.

Dort suchten wir ein nettes Restaurant für das Mittagessen und besprachen den restlichen Verlauf der Tour. Da Wind und Wetter im Moment einfach perfekt waren und die Wettervorhersage für den nächsten Tag deutlich schlechter aussah, beschlossen wir, unterwegs nicht mehr zu übernachten, sondern in einem Rutsch nach Hause zu fahren.  Die Toilette des Restaurants war übrigens sehr interessant – sobald man saß, ging das Licht aus. Dann mussten wir die IJssel verlassen und fuhren durch die historische, kopfsteingepflasterte Innenstadt von Zutphen nach Osten.

Wir kamen zu der Schlussfolgerung, dass es eigentlich egal ist, ob man durch eine Großstadt wie Rotterdam fährt oder durch eine beschaulichere Ortschaft wie Zutphen, Städte sind immer Zeitfresser: rote Ampeln, Einbahnstraßen, Verkehrsberuhigungselemente, Stadtrandgebiete mit merkwürdiger Straßenführung und auf dem Radweg geparkte Autos halten den Betrieb auf. Aber bald hatten wir die Stadt hinter uns gelassen und fuhren über ruhige, von Bäumen gesäumte Straßen weiter.

 Der Rest der Strecke verlief ohne besondere Vorkommnisse. Gelegentlich machten wir Rast auf einer Bank, und in Boekelo gönnten wir uns ein Eis. Dann kamen wir an der Brauerei vorbei, von wo aus es nur noch ein paar Kilometer bis nach Hause waren.

Es war eine rundum gelungene Tour mit wenig Pannen, viel Spaß und vielen neuen Eindrücken. Und ungefähr 420 Kilometer in sechs Tagen ist doch gar nicht schlecht, oder?

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Frühjahrsradtour Niederlande 2012 – Teil 2

Nach ein paar kurzen Unterbrechungen geht es jetzt endlich weiter.

Ich hatte zwar befürchtet, dass es nachts im Zelt noch ziemlich kühl sein würde und hatte auch schon dicke Socken und ein Sweatshirt für den Notfall bereitgelegt, doch zum Glück war das nicht notwendig. Und wir mussten auch keine Schlafsäcke aufpumpen. 😉 Doch als ich gegen fünf Uhr morgens kurz wach wurde, schüttete es wie auch Eimern, und später war es auch nicht besser. Also frühstückten wir im Zelt (0hne Kaffee!), packten ein, soweit es ging und warteten den ersten trockenem Moment zum Abbauen ab. Nach zehn Uhr konnten wir dann endlich aufbrechen.

Da die Straßen noch ziemlich nass waren, fuhren wir erst mal nicht durch die Dünen, sondern an der Hauptstraße entlang, durch das stille Scheveningen, wo die Straßenkehrer die letzten Reste des Koninginndags aufräumten. Kurz vor Hoek van Holland machten wir Pause am Straßenrand, beobachtet von ein paar Ziegen, die auf dem Grünstreifen einer Industrieanlage grasten.

In Hoek van Holland war es Zeit für die Mittagspause, ein Fischbrötchen im Hafen, wo wir auch die Wasserflaschen nachfüllen konnten. Die Gegend ist sehr vertraut, da dort die Fähre nach Harwich abfährt, mit der wir schon des Öfteren unterwegs waren.  Dann ging es weiter Richtung Rotterdam, wo wir bei Freunden übernachten wollten. Wir riefen kurz an, um die ungefähre Ankunftszeit durchzugeben, wobei wir einen Riesenpuffer für eventuelle Irrwege einkalkulierten. Zum Glück ist der Weg gut ausgeschildert, so dass wir bequem an der Maas entlang durch Maassluis, wo die Fähre nach Hull abfährt, weiter nach Schiedam.

Dort begrüßt einen in der Ferne bereits die Skyline von Rotterdam – ein beeindruckendes Bild. Hier mussten wir den Fluss verlassen und uns in den Stadtverkehr stürzen. Vorher stärkten wir uns noch bei einer Bushaltestelle an der Hauptstraße (eine idyllischere Bank gab es leider nicht) mit unseren Notvorräten. Mir war wegen des Stadtverkehrs gar nicht wohl, ich bin halt eine Provinzpflanze. Peter versuchte mir Mut zu machen: „Das geht bestimmt gut, als wir das letzte Mal mit dem Auto hier waren, habe ich auf den Radwegen wenig Radfahrer gesehen.”- „Die werden schon wissen, warum“, unkte ich. Doch bis auf die zahlreichen roten Ampeln und offenen Brücken gab es keinerlei Probleme, und wir verfuhren uns auch kein einziges Mal. Das lag aber nicht an mir, denn ich wollte schon viel zu früh rechts abbiegen. Peter meinte: „Dass unsere Gastgeber am Wasser wohnen, hat nichts zu sagen. Hier ist überall Wasser.“

Dann erreichten wir die Erasmusbrücke. Die wollte ich schon länger mit dem Rad überqueren, und es hat wirklich was. Kurz vor dem Ende mussten wir eine Weile warten, um ein paar Schiffe vorbei zu lassen. Wenn der letzte Teil der Brücke offen ist, sieht das im wahrsten Sinne des Wortes schräg aus, wie man auf dem Foto sehen kann.

Dann ging es am Hotel New York vorbei zum Domizil unserer Freunde, wo wir mit einem wirklich leckeren Kaffee empfangen wurden – nach zwei kaffeelosen Tagen eine wahre Wohltat! Ich bin sowieso immer wieder begeistert von ihrer selbstverständlichen Gastfreundschaft, wie auch letzten Sommer, als wir unerwartet aus Dänemark zurück mussten.

Nach einem wunderbaren Abendessen machten wir noch einen Abendspaziergang und schlachteten dann eine Flasche Wein aus Brabant, die unser Gastgeber geschenkt gekriegt hatte. Erst waren wir etwas misstrauisch, aber er schmeckte gar nicht schlecht, Brabant liegt wohl noch südlich der Essiggrenze. Dann hatten wir die richtige Bettschwere und gingen schlafen.

Unser Freund wohnt noch nicht so lange in Rotterdam und fühlt sich immer noch ein bisschen als Tourist. Das ist manchmal sehr praktisch, denn er kam mit dem Vorschlag, mit dem „Wasserbus“ nach Alblasserdam zu fahren, dann nach Kinderdijk zu radeln, wo es von Windmühlen nur so wimmelt, und von dort aus den Weg am Lek entlang fort zu setzen. Er wollte uns bis Schoonhoven begleiten. Gesagt, getan, und wieder überquerten wir die Erasmusbrücke zur Schiffsanlegestelle. Auf der anderen Seite der „Nieuwe Maas“ lag das stolze Kreuzfahrtschiff „MS Rotterdam“ der Holland America Line vor Anker. Wir trafen zwei Kanandier, die mit diesem Schiff unterwegs waren und den Tag an Land für einen Ausflug nach Dordrecht nutzen wollten. Sie bewunderten unsere Fahrräder und fragten, ob sie denn auch einen Motor hatten. Nein, haben sie nicht. Dann kam der Wasserbus, ein Katamaran, und wir gingen an Bord. Schon bald ließen wir die Skyline der Stadt hinter uns.

In Alblasserdam verließen wir das Schiff und fuhren nach Kinderdijk. Dort führt der Weg auf einem Damm mitten im Fluss an zahlreichen Windmühlen vorbei. Naturgemäß waren auch sehr viele andere Touristen unterwegs, die meisten davon in Rudeln, so dass man nur schwer an ihnen vorbei kam.

Dann ging es am Lek entlang weiter. Wir waren wohl ein recht merkwürdiges Grüppchen: Vorneweg unser Gastgeber und Reiseführer auf seinem „Dienstfiets“, einem Klapprad, das er kostenlos im Zug mitnehmen darf, und dann wir mit Tourenrädern und Gepäck. Bei Gelkens nahmen wir die Flussfähre nach Schonhoven, wo wir am Hafen Mittagspause machten. Auf einer Bank neben uns polierte ein Herr liebevoll sein Motorrad. Auf unseren fangenden Blick erklärte er, dass es mittlerweile zu teuer sei, das Teil zu fahren. Aber der Mensch braucht ja schließlich ein Hobby.

Dann wurde es Zeit, sich zu verabschieden, unser Freund fuhr nach Gouda und vor dort mit dem Zug wieder nach Hause, und wir fuhren weiter am Lek entlang nach Osten. Auf dem Deich am Fluss entlangfahren macht richtig Spaß: auf der Flussseite des Deichs grasen Kühe, auf der anderen Seite stehen geduckte Häuser und blühende Obstbäume. Um welches Obst es sich handelt, kann ich allerdings erst im Herbst sagen. Hin und wieder fährt ein Schiff vorbei, es wird also nie langweilig.

Am späten Nachmittag kamen wir in Culemborg an und beschlossen, dass es für heute genug war. Wieder mal mussten wir vom Fluss weg, und nachdem wir uns erst in einem Neubaugebiet verfranzt hatten, fanden wir den Campingplatz  – direkt am Fluss. Dort wurden wir an den Hafenmeister verwiesen. Eine etwas zerstreute, aber sehr freundliche Indonesierin nahm uns im Empfang, und während Peter bei den Rädern blieb, ging ich zum Einchecken. Nach einer kurzen Führung durch die sanitären Anlagen nahm sie unsere Personalien auf. Doch das Bezahlen erwies sich als nicht so einfach: Erst suchte sie ihre Brille, die sich dann an der Innenseite ihres Stickjackenkragens fand, dann wurden Preislisten gewälzt. Da der Campingplatz erst seit diesem Jahr in den Zuständigkeitsbereich des Hafenmeisters fiel (früher hatte der Wassersportverein das geregelt), kannte sie sich noch nicht so gut aus. Wir waren die ersten Besucher mit Zelt, also musste erst einmal in den Unterlagen des Vorjahrs nach dem richtigen Tarif gesucht werden. Aber da stand nicht die richtige Touristensteuer, die war nämlich dieses Jahr erhöht worden. Also musste weitergesucht werden. Über die Geschäfte und Restaurants in der Stadt wusste sie aber ausgezeichnet Bescheid.

Als sie dienstfrei haate, stand dann vor ihrem Büro ein Schild, wann sie wieder da sei, mit dem netten Hinweis, die finger von der Uhr zu lassen, wenn man nicht der Hafenmeister sei:

Nach dem Aufbauen und Duschen begaben wir uns zu Fuß ins Zentrum zum Einkaufen. Culemborg ist ein nettes Städtchen mit einem historischen Stadtkern und erstaunlich wenig Kettengeschäften, dafür gibt es recht viele biologische Läden. Nach einem gemütlichen Essen beim Chinesen und ein paar Bierchen kehrten wir zurück zum Hafen, suchten uns eine Bank am Wasser und lasen Zeitung, bis es uns zu windig wurde. Dann verkrochen wir uns ins Zelt.

Zufrieden lag ich im Schlafsack und hörte den nächtlichen Geräuschen zu: In regelmäßigen Abständen fuhr ein Zug über die Eisenbahnbrücke, hin und wieder tuckerte ein Schiff vorbei und gelegentlich schnatterten ein paar Enten und sonstige Wasservögel. Irgendwann schlief ich ein.

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Frühjahrsradtour Niederlande 2012 – Teil 1

 Nachdem wir ja schon einige Monate nicht mehr geradelt waren, wurde es mal wieder Zeit, sich auf die Leeze zu schwingen. Anfang Mai hatten wir beide eine Woche frei, und Peters Bruder hatte uns zu seinem Geburtstag eingeladen. Also beschlossen wir, erst mit der Bahn nach Castricum zu fahren und von dort aus die letzten Kilometer nach Egmond aan Zee zu radeln, um dort gemütlich mit der Verwandtschaft zu feiern. Danach sollte es erst an der Küste nach Süden gehen und dann an diversen Flüssen zurück Richtung Heimat. Falls das Wetter dramatisch schlecht sein oder sonst etwas schiefgehen sollte, könnte man ja jederzeit mit der Bahn zurückfahren.

Doch schon beim Packen ging es gut los: Da waren wir letztes Jahr so lange mit dem Rad unterwegs, dass ich meine Packtaschen doch eigentlich im Schlaf einpacken könnte. Trotzdem hatte ich einen fast kompletten Blackout – ich wusste nur noch so ungefähr, welche Sachen ich immer mithatte und konnte mich nicht mehr erinnern, wie ich sie verteilt hatte. Das Einzige, was ich noch sicher wusste, war „Regenzeug rechts vorne.“ Das konnte ja heiter werden! Zusammen mit dem Gatten war dieses Problem jedoch schnell behoben, und wir begaben uns am Sonntagmorgen zum Zug.

Dieser war erst noch angenehm leer, doch schon bei der zweiten Station drängten sich die Leute hinein, und kurze Zeit später standen sie in den Gängen. Wo wollten die bloß alle hin? Hoffentlich nicht schon zum „Koninginnedag“ nach Amsterdam! Unser Reiseplan sah vor, dass wir in Amersfoort und in Amsterdam umsteigen mussten, doch je mehr Leute sich in den Zug wälzten, umso größer wurde unsere Gewissheit, dass wir in Amersfoort höchstens raus, aber in keinen weiteren Zug mehr rein kämen, schon gar nicht mit zwei bepackten Rädern. Wir studierten die Karte und beschlossen, zur Endstation Schiphol zu fahren und von dort nach Egmond zu radeln.

Gesagt, getan, und wir verließen das Flughafengelände und versuchten, so schnell wie möglich an die Küste zu kommen. Dies wollte uns aber nicht so recht gelingen, also suchten wir erst einmal eine Bank und stärkten uns mit Schnitzeln und Kartoffelsalat, die von der gestrigen Chorfeier übriggeblieben waren. Dann fuhren wir erst einmal über Hoofddorp Richtung Haarlem und denn durch die Dünenlandschaft des Nationalparks Kennemerduinen nach IJmuiden. Die Dünenlandschaft ist sehr schön, aber für die kurvenreichen Wege ist ein Rad mit Bepackung doch ein bisschen zu schwerfällig.

Bei IJmuiden nahmen wir die Fähre über den Nordseekanal und setzen dann unseren Weg nach Norden fort.

Kurz nach Castricum war vor uns eine deutsche Senioren-Radlergruppe unterwegs, die wir unter gelegentlichen „Vorsicht“-Rufen überholten. Dann fing es an zu tröpfeln, und wir waren froh, den vertrauten Turm der Kirche St Agnes in Egmond zu sehen. Ein Teil der Verwandtschaft war tatsächlich noch da, so dass wir noch ein bisschen gemeinsam feiern konnten. Abends begaben wir uns zum Strand, um den Sonnenuntergang zu bewundern.

Am nächsten Morgen wurden wir von den Vorbereitungen für den Koninginnedag geweckt.

Wir brachen nicht allzu spät auf, diesmal wieder nach Süden. Anfangs war es unterwegs noch sehr ruhig, doch dann kamen immer mehr Radfahrer, die sich ins Dünengebiet begaben. Da es nachts kräftig geregnet hatte, taten wir dies nicht, sondern folgten erst einmal der Hauptstraße. Bei IJmuiden ging es wieder über den Nordseekanal, und dann nach Zandvoort, wo wir auf den Küstenradweg kamen. Zandvoort gefiel mir nicht besonders, zu viele große Hotels und dergleichen. Doch der Küstenradweg, ein asphaltierter Weg durch die Dünen, war angenehm zu radeln. Bei Noordwijkerhout machten wir Pause, und danach hatte ich das Gefühl, dass es viel mehr bergauf als bergab ging, was eigentlich nicht sein kann. Wir kamen an einem Schild vorbei, auf dem stand, dass wir hier auf dem Tafelberg waren. Das Kind hat also einen Namen, sehr gut.

In Noordwijk und Katwijk gerieten wir in den Koninginnedagrummel, und ich wusste wieder, warum ich große Menschenmassen nicht mag. am nächsten Koninginnedag fahre ich wohl wieder nach Deutschland oder halte es mit Martina Schwarzmann: „“Da hock i liaber unterm Sonnenschirm auf der Terassn mit´m guatn Gfui, nix zum verpassn, weil mir gfoit’s dahoam nämlich a ganz guat…“

Dann erreichten wir Wassenaar, wo wir den ersten Campingplatz ansteuerten. Dieser stellte sich auch gleich als der teuerste heraus, da ein Vergnügungspark dazu gehört, zu dem wir immerhin freien Eintritt hatten.

Nachdem wir das Zelt aufgebaut hatten, ging ich duschen, und dabei fiel mir eine Variante ein für eine Kreditkartenreklame (um welche Karte es sich handelt, habe ich vergessen, aber egal): „Ein Stellplatz: € 9,50. Eine Duschmünze: € 0,50. Das Gefühl, wenn einem der warme Wasserstrahl Schweiß, Schmutz und Sonnencreme von der Haut spült: unbezahlbar.“ (Liebe Kreditkartengesellschaft, wenn ihr das verwenden wollt, sagt mir bitte vorher Bescheid, dann gebe ich euch meine Kontonummer. ;))

Danach gingen wir zum Vergnügungspark und stellten fest, dass wir für die Achterbahn wohl etwas zu alt sind: Das Ding geht fast senkrecht nach oben und wieder runter, bevor diverse Loopings kommen – gsund kann des ned sein! Aber es gibt dort ja auch eine Wildwasserbahn und ein Riesenrad.

Danach kauften wir ein, verprassten im Restaurant ein paar Gutscheine, die wir an der Rezeption bekommen hatten und gingen dann schlafen.

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