Was nirgends reinpasst / Wat verder nergens past

Und wieder ist ein Jahr vorbei – Jahresrückblick 2019

So ein Jahr vergeht schnell, und wieder ist es Zeit, das letzte Jahr Revue passieren zu lassen. Der Fuß machte in diesem Jahr immer noch Fortschritte, d. h. plötzlich gingen Sachen wie das Betreten der Galerie in meinem Arbeitszimmer über die recht schmale Leiter, zum Zug sprinten und dergleichen wieder. Eine Kollegin, die sich vor einigen Jahren eine ernsthafte Knieverletzung zugezogen hatte, konnte dies bestätigen – so ein Heilungsprozess dauert halt.

Was war das Beste für Dich an diesem Jahr?
Dass es mal wieder ein recht normales Jahr ohne allzuviel Gedöns war. Manche Dinge braucht man einfach nicht.

Hast Du 2019 etwas gemacht, das Du noch nie zuvor gemacht hast?
Nichts Spektakuläres, auf jeden Fall bis jetzt. Aber seit einigen Jahren bin ich Mitglied bei der Organisation „Vrienden op de fiets (Freunde auf dem Fahrrad)“, wo man zu einem günstigen Preis in Privathaushalten übernachten kann. Beim Pieterpad habe ich das des Öfteren getan, und jetzt sind wir selbst Gasthaushalt geworden. Wir hatten zwar bisher zwei Anfragen, die wir jedoch nicht annehmen konnten, weil wir dann selbst nicht da waren, aber vielleicht wird es nächstes Jahr besser.

Hast Du all Deine guten Vorsätze aus dem Vorjahr beherzigt?
Auf dem Overijssels Havezatenpad bin ich ein ganzes Stück weitergekommen, ungefähr 125 km, beim Trekvogelpad waren es etwas weniger, nämlich 37. Daneben habe ich ein paar kleinere Wanderungen auf der Runde von Enschede, dem Hanzestedenpad und dem Twentepad gemacht. Das Loswerden der Frustkilos und der Verbessern der Kondition hätte besser gehen können, aber das geht nächstes Jahr ja auch noch.

Hast Du gute Vorsätze für das nächste Jahr?
Dasselbe wie im Jahr davor, nämlich weiterhin regelmäßig wandern gehen, vor allem auf dem Overijssels Havezatenpad und dem Trekvogelpad. Einen der beiden würde ich auch ganz gern zu Ende laufen, aber das ist vielleicht ein bisschen zu ehrgeizig.

Welche Länder hast Du 2019 besucht?
Deutschland, Frankreich, Belgien und Irland.

Was möchtest Du 2020 haben, was Du 2019 nicht hattest?
Eine Badewanne (siehe unten).

Welches Datum aus 2019 wirst du nie vergessen?
Kein bestimmtes Datum, aber eine schöne Reise auf die grüne Insel.

Was war Dein größter Erfolg 2019?
Dass ich den ganz normalen Alltag einigermaßen überstanden habe.

Welches war Dein größter Fehler?
Keine größeren Fehler, das übliche Kleinzeugs und diverse Fehleinschätzungen halt.

Hast Du eine Krankheit oder eine Verletzung gehabt?
Im Januar eine Grippe, gepaart mit einem hartnäckigen Husten, der mir mehrere Wochen treu blieb. Ansonsten die üblichen Zipperlein.

Was war das Beste, was Du gekauft hast?
Diverse Bücher, in elektronischer und in Papierform.

Wessen Verhalten erschreckt Dich oder macht Dich traurig?
Diesmal das der zahlreichen AfD-Wähler in Thüringen. Das verheißt wenig Gutes.

Wofür ging das meiste Geld drauf?
Wir haben die Terrasse und den Vorplatz neu herrichten lassen. Schon nach zwei Tagen sah es so ordentlich aus, dass sich einige Kursteilnehmer fragten, ob sie vor dem richtigen Haus standen. Und die Irlandreise war auch nicht gerade billig.

Worüber warst Du so richtig aus dem Häuschen?
Vielleicht über die wunderschönen Ausblicke bei unserer Irlandreise. Bei Aussichts-punkten haben wir ja normalerweise Pech, entweder regnet es oder es herrscht dicker Nebel.

Welches Lied wird Dich immer an 2019 erinnern?
Im Zusammenhang mit besagter Irlandreise „Galway Girl“ von Ed Sheeran. In Galway hat es auch diesmal wieder geregnet.

Verglichen mit 2018, warst du im Jahr 2019

…glücklicher oder unglücklicher?
Glücklicher, es ging mir ja wieder deutlich besser.

… reicher oder ärmer?
Um einiges reicher, das letzte Jahr war ja in dieser Hinsicht nicht ganz so der Brüller. Wir haben auch gleich ein neues Badezimmer bestellt, mit seniorenfreundlicher Badewanne. Gemacht werden soll das Ganze nächstes Jahr im April. Schaun mer mal.

Wovon hättest Du lieber mehr gemacht?
Gewandert natürlich, und gebloggt, wie auch letztes Jahr. Die Ideen habe ich ja, aber mit der Umsetzung hapert es des öfteren.

Wovon hättest Du lieber weniger gemacht?
Nichts, des basst scho.

Wie hast Du Weihnachten verbracht?
Am Heiligabend hatten wir Frühschicht in der Synagoge, wo es gleich mal Geburtstagstorte gab. Die hatte aber nichts Christi Geburt zu tun. Abends hat unser Chor in der Christmette gesungen, wo wir fast ausgeräuchert wurden. Der Pastor findet Weihrauch nunmal so schön. Hätten die Drei Könige dem Kind nicht was anderes mitbringen können, z. B. Glühweingewürz? Die restlichen Feiertage ruhig mit Spaziergängen und dergleichen.

Hast Du Dich 2019 verliebt?
Alles wie gehabt.

Welches war Deine Lieblingssendung im Fernsehen?
„Sterren op het doek“, bei dem drei Künstler jeweils einen Promi malen, während der Moderator (in dieser Saison Kolumnist Özcan Akyol, den ich sehr gern lese) sie interviewt.

Hast Du jemanden oder etwas hassen gelernt?
Nö, hassen finde ich immer noch zu viel gesagt. Gelegentlich rege ich mich über jemanden auf, aber wer tut das nicht?

Welches war das beste Buch, das du 2019 gelesen hast?
Am amüsantesten fand ich diesmal „Gray“ von Leonie Swann (die mit den Schafskrimis). Diesmal ist der Held allerdings ein Graupapagei, der einem recht weltfremden Professor aus Cambridge bei der Aufklärung eines Mordes hilft. Da das Tier auch noch recht musikalisch ist, gibt’s einen Ohrwurm inklusive: „Ra ra ranana, ga ga ulala, we’re in a bad romance …“

Was war deine größte musikalische Überraschung 2019?
Der Opern- und Musiclasänger Henk Poort. Wir entdeckten ihn bei dem Fernsehprogramm „Beste Zangers“, wo verschiedene Sänger das Repertoire der jeweils anderen singen. Mir ging es dabei so ähnlich wie einem Kommentator auf YouTube: „I watched it for Floor Jansen and I discovered Henk Poort“. Nur war ich eher zufällig in das Programm gestolpert und fand Floor Jansen, die stimmgewaltige Frontfrau der finnischen Metalband Nightwish, interessant genug, um die Folge, die ihr gewidmet war, anzuschauen. Und während die anderen Teilnehmer eher auf safe spielten und eher Balladen coverten, die irgendwann mal für Floor wichtig waren, wagte sich Henk Poort am weitesten aus seiner Comfort Zone und sang die Disturbed-Version von „Sound of Silence“. Später sang er zusammen mit Floor „The Phantom of the Opera“, ein Duett, das einen aus den Socken haut! Aber am schönsten finde ich seine Interpretation von „Vincent“ in der niederländischen Übersetzung von Martine Bijl. Schon der Satz „En in die warme zomernacht heb je het eindelijk opgebracht wanhopig van de wereld weg te gaan“ ist mehrerer Literaturpreise würdig.

Was hast Du Dir gewünscht und auch bekommen?
Dass sich die Auftragslage gegenüber dem letzten Jahr wieder stabilisiert hat.

Was hast Du Dir gewünscht und nicht bekommen?
Hier wiederhole ich den Satz vom letzten und vorletzten Jahr: Eigentlich nichts, ich wünsche mir nicht mehr so viel, sondern versuche mich über die Dinge zu freuen, die meinen  Weg kreuzen.

Welches war Dein Lieblingsfilm in diesem Jahr?
Downton Abbey – what else?

Was hast Du an Deinem Geburtstag getan und wie alt bist Du geworden?
Nichts besonderes, wir haben in aller Ruhe zu Hause gefeiert. Und ich bin wieder etwas älter, wenn auch nicht unbedingt weiser geworden.

Welche eine Sache hätte Dein Jahr zufriedenstellender gemacht?
Eine Badewanne, die fehlt mir schon eine ganze Weile.

Was hielt Dich gesund?
Das weiß ich nicht genau, vielleicht Glück?

Erzähle uns eine wertvolle Lebenslektion, die Du in diesem Jahr gelernt hast!
Dieselbe wie im letzten Jahr: Es kommt, wie es kommt, und manchmal braucht es sehr viel Geduld.

Auf was freust Du Dich im Jahr 2020?
Unser neues Badezimmer (einschließlich seniorenfreundlicher Badewanne), neue Wanderungen und vieles mehr.

Und nun lasse ich dieses Jahr etwas nachdenklicher mit „Vincent“, gesungen von Henk Poort ausklingen und wünsche euch allen ein gutes, gesundes und glückliches Jahr 2020.

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Jahresrückblick 2018: Das Jahr des Surströmmingfußes

Wie bitte? Ja, ihr habt richtig gelesen. Mein gebrochener Knöchel bescherte mir diverse Besuche beim Physiotherapeuten, und als er mir besagten Fuß mal wieder kräftig durchknetete, kam irgendwie die Rede auf Surströmming, eine schwedische Fischspezialität, die bestialisch stinkt. Ich war froh, vorher ein Fußbad genommen zu haben, denn sonst hätte mich dieses Thema zutiefst beunruhigt. Aber seitdem heißt der Fuß eben Surströmmingfuß, und irgendwie hat er auch das ganze Jahr beherrscht. Mein fünfter Jahresrückblick sieht also diesmal etwas anders aus als sonst, auch wenn ich wieder die üblichen Fragen beantworte:

Was war das Beste für Dich an diesem Jahr?
Dass es nicht schlimmer gekommen ist, und dass mich der Fuß beruflich nicht zu weit zurückgeworfen hat.

Hast Du 2018 etwas gemacht, das Du noch nie zuvor gemacht hast?
Na ja, es hat mich mit dem Rad hingesemmelt und dabei habe ich mir den Surströmmingfuß mit allem dazugehörigen Gedöns zugezogen: Gips, Krücken, OP mit allem Drum und Dran. Ich habe mit über 4000 Leuten auf dem Domplatz von Münster das „Halleluja“ von Händel geschmettert. Und ich habe einen Schabbatdienst in der Synagoge besucht – sehr interessant.

Hast Du all Deine guten Vorsätze aus dem Vorjahr beherzigt?
Meine Wanderambitionen köchelten leider auf Sparflamme vor sich hin, aus verständlichen Gründen. Aber das Leben genießen konnte ich trotzdem, denn es ging ja auch wieder bergauf.

Hast Du gute Vorsätze für das nächste Jahr?
Weiterhin regelmäßig wandern gehen, z. B. auf dem Overijssels Havezatenpad und dem Trekvogelpad. Meine Schwägerin läuft ihn gerade in Gegenrichtung, und wir wollen schauen, ob wir uns tatsächlich unterwegs treffen. Wenn wir allerdings gleichzeitig das Finish erreichen und sie bei mir und ich bei ihr vor der Haustür stehe, wäre das schon etwas doof.

Ein paar Frustkilo loswerden und meine Kondition wieder verbessern wäre auch nicht schelcht.

Welche Länder hast Du 2018 besucht?
Deutschland.

Was möchtest Du 2019 haben, was Du 2018 nicht hattest?
Wieder mehr Lust und Inspiration zum Schreiben, das ging dieses Jahr nicht wirklich gut.

Welches Datum aus 2018 wirst du nie vergessen?
Den 17. Januar, an dem plötzlich alles anders wurde.

Was war Dein größter Erfolg 2018?
Dass ich mich – mit tatkräftiger Unterstützung des Gatten und anderen – durch alles Widrigkeiten durchgebissen habe.

Welches war Dein größter Fehler?
Im beginnenden Schneegestöber mit dem Rad zur Arbeit fahren zu wollen.

Hast Du eine Krankheit oder eine Verletzung gehabt?
Ja, siehe oben.

Was war das Beste, was Du gekauft hast?
Für mich persönlich war dieses Jahr nichts Besonderes dabei, aber wir haben in ein Rundum-Nachhaltigkeitspaket für unser Haus investiert: Dachisolierung, neue Fenster, Solarzellen.

Wessen Verhalten erschreckt Dich oder macht Dich traurig?
Das diverser Idioten verschiedener Art, die es so gibt.

Wofür ging das meiste Geld drauf?
Für das Rundum-Nachhaltigkeitspaket.

Worüber warst Du so richtig aus dem Häuschen?
Dass mein kleiner Neffe wohlbehalten das Licht der Welt erblickt hat.

Welches Lied wird Dich immer an 2018 erinnern?
„The World Can Wait“ von Waylon. Er hat es zwar für seine burn-out-geplagte Freundin geschrieben, aber ich habe es mir einfach mal zugeeignet. Es gibt eben Situationen, in denen der Rest der Welt eben warten muss, auch und gerade im Arbeitsleben. Hier hat sich für mich auch die Spreu vom Weizen getrennt.

Verglichen mit 2017, warst du im Jahr 2018

…glücklicher oder unglücklicher?
Na ja, schon etwas unglücklicher.

… reicher oder ärmer?
Etwas ärmer, aber das hätte schlimmer sein können.

Wovon hättest Du lieber mehr gemacht?
Gewandert natürlich, und gebloggt. Obwohl ich einige Monate sehr viel Zeit übrig hatte, fehlten mir doch die Kraft und die Inspiration. Anscheinend hatte sich alle Energie in den Fuß zurückgezogen.

Wovon hättest Du lieber weniger gemacht?
Ich denke, ich habe wenig genug gemacht.

Wie hast Du Weihnachten verbracht?
Zu Hause mit dem Gatten und dem Mitbewohner. Den zweiten Weihnachtsfeiertag beim Fair Culinair in der Synagoge.

Hast Du Dich 2018 verliebt?
Nicht neu, aber es hat sich mal wieder gezeigt, was eine lange Partnerschaft wert ist.

Welches war Deine Lieblingssendung im Fernsehen?
Die Serie „De Luizenmoeder“, die den Alltag einer typisch niederländischen Grundschule aufs Korn nimmt, und die hoffentlich bald fortgesetzt wird.

Hast Du jemanden oder etwas hassen gelernt?
Nö, hassen tue ich immer noch niemanden. Gelegentlich rege ich mich über jemanden auf, aber wer tut das nicht?

Welches war das beste Buch, das du 2018 gelesen hast?
„How to Stop Time“ von Matt Haig. Eine schöne Rezension dazu findet sich bei Edith Nebel. Mein Zweiter Favorit ist „Was man von hier aus sehen kann“ von Mariana Leky, ein schöner Roman über ein Dorf im Westerwald, in dem alles irgendwie zusammenhängt. Ein bisschen wie in Twente.

Was war deine größte musikalische Überraschung 2018?
Wieviel Spaß es (trotz schmerzenden Fußes) gemacht hat, auf dem Domplatz in Münster Händels „Hallelujah“ zu schmettern.

Was hast Du Dir gewünscht und auch bekommen?
So im tiefsten Inneren, dass das mit dem Fuß sich wieder einrenkt. Und dank unseres Gesundheitssystems, eines fähigen Chirurgen, des Gipsmeisters und seines Teams, eines wirklich guten Physiotherapeuten und – last but not least- der tatkräftigen Unterstützung des Gatten an allen Fronten hat das auch einigermaßen geklappt.

Was hast Du Dir gewünscht und nicht bekommen?
Hier wiederhole ich den Satz vom letzten Jahr: Eigentlich nichts, ich wünsche mir nicht mehr so viel, sondern versuche mich über die Dinge zu freuen, die meinen  Weg kreuzen.

Welches war Dein Lieblingsfilm in diesem Jahr?
Hatte ich dieses Jahr nicht.

Was hast Du an Deinem Geburtstag getan und wie alt bist Du geworden?
Ich bin ein halbes Jahrhundert geworden. Da ich keine Lust hatte, groß zu feiern, bin ich dem Trend in meinem Bekanntenkreis gefolgt und habe mich zusammen mit dem Gatten abegesetzt. Meinen Geburtstag habe ich in Schleswig verbracht.

Welche eine Sache hätte Dein Jahr zufriedenstellender gemacht?
Kein Surströmmingfuß, obwohl auch das eine – sagenwirmal – interessante Erfahrung war.

Was hielt Dich gesund?
Komplett gesund war ich ja nicht, aber das Glück hat mich wohl vor Schlimmerem bewahrt.

Erzähle uns eine wertvolle Lebenslektion, die Du in diesem Jahr gelernt hast!
Es kommt, wie es kommt, und manchmal braucht es sehr viel Geduld.

Auf was freust Du Dich im Jahr 2019?
Auf den Frühling, diverse Wanderkilometer, unseren geplanten Sommerurlaub auf die grüne Insel, interessante berufliche Projekte und vieles mehr.

Zum Schluss wünsche ich euch allen einen guten Rutsch ins neue Jahr. Vielen Dank für’s Mitlesen und viel Spaß bei Nullingers Neujahrsvorsätzen.

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Back to normal…

Na ja, ganz in Ordnung ist der Fuß zwar noch nicht, das heißt, ich hüpfe noch nicht durch die Gegend wie eine Gazelle, aber es wird. Heute morgen stellte ich fest, dass es wieder deutlich besser geht, wenn man einfach die Treppe in den ersten Stock rauf und runter geht, ohne dreimal zu überlegen, ob man das, was man oben will, nicht auch später noch machen kan, weil es einfach zu anstrengend ist.

Seit meinem letzten Post hat sich einiges getan, und ich habe eine Menge Dinge zum ersten Mal nach der OP wieder machen können. Jetzt muss ich an die Schwiegermutter der Comicfigur Andy Capp denken, die nur zwei Gesprächsthemen hat: „Before her operation“ und „Since her operation“, aber heute darf ich das. 😉

Ein größerer Wendepunkt war, als ich das Bein wieder voll belasten und mich endlich wieder ohne Krücken fortbewegen konnte. Vieles wird doch wieder einfacher, wenn man die Hände frei hat, oder wie ein Freund es formulierte: „Das ist bestimmt ein Gefühl wie eine Wiedergeburt, was! Da kannst du richtig aufblühen und einen Tee aufbrühen mit gewohnten Bewegungen.“ Genauso ist es.

Irgendwann hatte ich dann meine erste Führung in der Synagoge, und inzwischen kenne ich ja die Stellen, wo man sich diskret anlehnen kann. Die Frauenempore durfte die Gruppe dann selbst erkunden.

Dann fuhr ich mit unserem Chor zum Katholikentag nach Münster, wo wir u.a. zusammen mit über 4000 anderen Sängern das „Halleluja“ von Händel schmetterten. Es war schon recht anstrengend, und wenn es irgendwie ging, wollte ich vor allem einfach nur da sitzen. Zum Glück hatte mir eine Freundin einen Campinghocker geliehen. Es ergab sich sogar noch die Gelegenheit für einen kleinen Plausch mit einem Freund aus Münster, der mich trotz des Reisengewühls irgendwie orten konnte. Schee wars.

Dann stand ein Besuch in der alten Heimat an – Klassentreffen und Familie. Für die Bahnfahrt nahm ich, auch auf Anraten meines Physiotherapeuten, die Krücken noch mit. So konnte ich eine rollkofferfreie Zone um mich herum keieren, die Leute passen besser auf oder bieten Hilfe an, und jeder versteht, dass ich noch mit in den Lift muss.

Meine kleine Nichte (fast 2,5 Jahre) wollte natürlich genau wissen, was es mit den Krücken auf sich hat, die normalerweise nicht bei Oma im Wohnzimmer stehen. Also habe ich ihr das Ganze erklärt. Das hat sie wohl ziemlich beschäftigt, denn zwei Stunden später setzte sie sich zu mir auf die Eckbank und meinte ernsthaft: „Tante Petra hingefallen. Fuß kaputt. Heilt wieder.“ Wenn sie das sagt…

Sie scheint recht zu haben, denn inzwischen habe ich auch meine Wanderungen wieder aufgenommen. Im Moment gehe ich den „Overijssels Havezatenpad“ von Oldenzaal nach Steenwijk, und zwar in Etappen von 5 bis 7,5 Kilometer. Das geht schon ganz gut und das Tempo wird auch wieder etwas schneller. Die Wanderungen habe ich wirklich vermisst!

Nur Auto fahre ich noch nicht. Der Arzt meinte zwar, dass ich es wieder darf, aber so ganz traue ich der Geschichte noch nicht. Ich werde wohl demnächst, wenn die halbe Stadt im Urlaub ist, vorsichtig wieder anfangen.

Und hier ist noch ein Stückchen Havezatenpad:

havezatenpad-bruggetje

 

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Den Mut nicht verlieren

Neulich entdeckte ich in der Wandergruppe auf Facebook ein Foto mit dem Spruch: „Mut haben ist, genau einen Schritt weiter zu gehen als man sich zutraut.“ Das ist im Moment ganz passend, denn ich versuche immer noch, mir jeden Tag ein Stückchen Welt und Unabhängigkeit zurückzuerobern. Das ist nicht immer leicht, es gibt Tage, da denke ich, dass ich alles schaffe, und an anderen Tagen befürchte ich, dass es nie mehr was wird.

Das verfolgt mich gelegentlich bis in meine Träume. Einmal täumte ich, dass man mir im Krankenhaus ein paar Spezialsocken mitgegeben und mir erklärt hatte, dass ich sie auf gar keinen Fall verlieren darf, sonst würde ich nie wieder laufen können. Ich konnte die Socken nicht finden und schüttelte in Panik den Gatten wach. Der stand auch brav auf und suchte in meinem Kleiderstapel nach einem Paar Socken (nicht die aus dem Krankenhaus, denn die gibt es nicht). Das ist wohl einfacher, als mit mir über Sinn und Unsinn einer solchen Aktion zu diskutieren. Es dauerte auch eine ganze Weile, bis ich wach genug war, um zu merken, was für ein Schmarrn das war. Peter macht im Moment einiges mit.

Was auch gelegentlich ganz schön nervt, sind Kommentare wie „Jetzt ziehst du schon drei Monate damit rum, und es ist immer noch nicht in Ordnung. Dass das so lang dauert!“ Gelegentlich gefolgt von „Als der Großneffe meines Schwippschwagers sich den Finger verstaucht hat…“. Okay, hier übertreibe ich etwas, aber wirklich nur etwas. Auf jeden Fall ließ ich neulich bei meinem Physiotherapeuten meinen Frust ab und meinte: „Dem nächsten, der mir damit kommt, semmele ich die Krücke auf den Fuß, aber so richtig!“ Er daraufhin: „Das verstehe ich, würde ich wohl auch machen“, um mir dan wieder einmal geduldig zu erklären, das ein Knöchelbruch eine langwierige Sache ist, verglichen mit z. B. einem glatten Unterschenkelbruch, da bei einem Gelenk so viele Teile ineinandergreifen und es sich auch noch bewegen muss. So, jetzt wisst ihr’s.

Aber im Großen und Ganzen geht es immer noch aufwärts. Letzte Woche war ich z. B. mal wieder in der Stadt. Meine Sommerjacke löst sich langsam in Wohlgefallen auf und bequeme Outdoorlatschen, in denen auch mein lädierter Fuß sich wohl fühlt, wären auch nicht schlecht. Im ANWB-Shop hatten sie nix Gscheits, die meisten Jacken sind in der Michelin-Männchen-Optik, die nun gar nicht schlank macht, und bei dem Modell, das mir gefiel, zickte der Reißverschluss rum. Aber im Sportgeschäft meines Vertrauens (ja, sowas habe ich!) wurde ich fündig.

Danach schaute ich noch in das neue Warenhaus „Hudson’s Bay“, das in die Räumlichkeiten des V&D, dem ich immer noch nachtrauere, eingezogen ist. Außer Klamotten haben sie auch Haushaltswaren und anderes, aber das werde ich mir in Ruhe mal anschauen. Mein erster Eindruck: Basst scho.

Und das Schönste: Das Restaurant „La Place“ ist wieder da! Dort gönnte ich mir einen mittäglichen Imbiss. Gut, dass ich inzwischen wieder ganz gut ohne Krücken laufen kann, denn dort ist Selbstbedienung. In die Stadt nehme ich sie aber trotztem noch mit, denn 1) sind sie eine gute Hilfe, wenn es anstrengend oder windig ist, 2) fahren die Busfahrer erst los, wenn ich sitze und 3) könnte man notfalls jemandem eins überbraten (war aber noch nicht nötig). Also habe ich dort die Krücken an einen Tisch in Sichtweite gestellt, mein Essen geholt und gemütlich verspeist.

Auch das Radfahren geht inzwischen wieder. Davor hatte ich schon etwas Bammel, immerhin bin ich ja dadurch in den ganzen Schlamassel geraten. Aber mein Physiotherapeut war der Meinung, dass ich es wieder angehen sollte und beraumte kurzerhand einen Termin bei mir zu Hause an, um zu sehen, ob mein Rad gut eingestellt ist und wie ich mich beim Auf- und Absteigen anstelle. Sein Fazit: Du kannst das, also ab durch die Mitte. Jetzt kann ich also auch wieder vieles allein erledigen. Und zum Einkaufen benutze ich einen Hackenporsche (eine Einkaufstasche auf Rädern), die wir von meiner Schwiegermutter bekommen haben, als sie auf den Rollator umgestiegen ist.

Leute, es wird.

moed

(c) by Giny Opgenort

 

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Mühsam bewegt sich das Eichhörnchen

Wie Elvira in ihrem Kommentar zu meinem letzten Post sagte, werden aus den Metern langsam Kilometer. Inzwischen geht das Laufen jeden Tag ein bisschen besser, und ich erobere meine Umgebung wieder, wie eine Freundin es einmal so schön sagte. Momentan lege ich noch die beeindruckende Entfernung von ca. eineinhalb bis zwei Kilometer zurück, aber immerhin. Ich glaube, ich habe eine Marktlücke entdeckt: eine Karte oder App unserer Stadt, auf der *alle* Bänke eingetragen sind. Die sind nämlich im Moment sehr wichtig!

Letzten Mittwoch war ich im Krankenhaus zur Kontrolle. Zu diesem Behufe stürzten wir uns ins nächste Abenteuer: Bus fahren. Der Bus hält fast vor meiner Haustür und auch fast vor dem Krankenhaus, aber spannend war es doch. Aber alles ging gut, die Busfahrer sind rücksichtsvoll, wenn man mit Krücken einsteigt, und bei unserer Haltestelle sind sowieso die meitsten Sitzplätze noch frei. Auf dem Hinweg war Peter dabei, und der Rückweg war auch kein Problem. Da an meiner Haltestelle eine Truppe Rentner aus dem Seniorenheim (teils mit Rollator) einsteigen wolle, konnte ich mir beim Aussteigen jede Menge Zeit lassen.

Der Arzt, der auch die OP durchgeführt hatte, teilte uns mit, dass ich das Bein wieder zu 100% belasten darf, aber ich soll natürlich auf die Schmerzgrenze achten und nicht übertreiben. Mein Physiotherapeut war am Montag schon dieser Meinung zugetan und freute sich wie Bolle, dass der Arzt es bestätigt hat. Er freut sich sowieso immer aufrichtig über jeden Fortschritt, den ich mache, und das hilft ungemein, den Mut und Optimismus nicht zu verlieren. Ich versuche zwar, froh zu sein über die Dinge, die ich kann, anstatt mich über das zu ärgern, was noch nicht geht, aber manchmal nervt dieser Zustand schon.

Da ich jetzt auf jeden Fall im Haus die Krücken weglassen darf bzw. soll, kann ich auch langsam mit leichten Hausarbeiten anfangen. Wie gesagt, leicht und langsam, man muss es ja nicht gleich übertreiben. Also habe ich gestern das Schlafzimmer gesaugt – because I can. Danach war ich erst mal erledigt, gut, dass ich keine Karriere als Raumpflegerin anstrebe. Betten abziehen und Spüli ausräumen geht inzwischen auch. Morgen werde ich mal wieder was kochen, vorausgesetzt, Peter hilft mir beim Abgießen des Nudelwassers.

Gestern haben wir noch einen Spaziergang zum Weiher gemacht, uns in die Sonne gesetzt und Wasservögel beobachtet. Für ihn waren die gut zwei Kilometer auch recht anstrengend, das Langsamgehen liegt ihm nicht so. Auf dem Rückweg haben wir bei unserem deutschen Bäcker Kuchen geholt, den wir dann im Garten verspeist haben – ein richtiges Urlaubsgefühl.  Und heute möchten wir endlich mal wieder schön essen gehen.

Ich wünsche euch allen ein schönes Osterfest.

vijver

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Die Welt wird jeden Tag ein Stückchen größer

Seit fast zwei Wochen darf ich das Bein wieder belasten, und seitdem wird die Welt jeden Tag ein kleines bisschen größer. Die Röntgenfotos sahen gut aus („Nobody looks fat on an X-ray“, Friends), der Bruch ist gut verheilt. Und mein Fuß sieht inzwischen wieder wie ein Fuß aus und nicht mehr wie ein aufgeblasener Gummihandschuh.

Am Anfang war es noch recht gewöhnungsbedürftig, dass ich tatsächlich wieder auf zwei Beinen stehen durfte und nicht mehr wie ein Storch im Salat in der Gegend herumstehen musste. Und das Gehen war ganz schön anstrengend, auf den YouTube-Videos sieht das alles immer viel einfacher aus. So ein siebenwöchiges Couchpotato-Dasein bleibt natürlich auch nicht ohne Folgen. Am Wochenende vor meinem Unfall war ich noch 25 km gewandert, und plötzlich waren 50 Meter die Straße rauf und zurück schon voll anstrengend. Da ist immer noch sehr viel Luft nach oben.

Inzwischen erweitert sich aber jeden Tag mein Aktionsradius, letzte Woche war ich beim Friseur (eine Strecke 150 Meter), beim Physiotherapeuten (200 Meter) und bei der Chorprobe (keine Ahnung, wie weit es vom Parkplatz zum Probenraum ist). Auch die Firmenkurse, die bisher auf Eis lagen, werden nach und nach wieder aufgenommen. Im Moment fährt mich der Gatte noch, und in einigen Wochen bin ich hoffentlich wieder autark. Und duschen kann ich auch wieder im Stehen!

Ich habe einen guten Physiotherapeuten, der mich jedes Mal wieder ein Stück weiter „schiebt“, aber trotzdem realistisch ist. Was noch nicht geht, geht halt noch nicht. Außerdem passt er auf wie ein Schießhund, dass ich mir nicht irgendwelche Schonhaltungen angewöhne.

Mal sehen, ob wir am Mittwoch die 500 Meter zum Wahllokal schaffen. Es gibt auf jeden Fall ein paar Bänke unterwegs. Und wie singt Bløf so schön: „Hoe ver je gaat, heeft met afstand niets te maken, hoogstens met de tijd (Wie weit man geht, hat nichts mit Entfernung zu tun, höchstens mit der Zeit)“.

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Geduld ist die Mutter der Porzellankiste

Seit meinem letzten Post ist inzwischen ein Monat vergangen, und der Gips ist ab. Am Mittwoch muss ich wieder ins Krankenhaus zum Röntgen, und dann wird man mir hoffentlich sagen, dass ich das Bein wieder belasten kann.

In den letzten Wochen war ich ja gewissermaßen zwangsentschleunigt und mein Aktionsradius recht klein. In den ersten Tagen nach der OP machte ich noch nicht allzu viel, ich verbrachte viel Zeit vor dem Fernseher und schaute Krimis und alte Kinderserien wie Alf oder Pumuckl. „Pumuckl schauen, das ist fein, da heilt bestimmt auch schnell das Bein“ dichtete ein Freund, und was sich reimt, ist ja schließlich wahr. Außerdem hatte ich viel Zeit zum Lesen, erst Wanderbücher wie „Ich binn dann mal weg“ oder „A Walk in th Woods“, die irische Krimiserie von Hannah O’Brien und die Ermittlungen und  das Liebesleben der Londonerin Agatha Raisin, die es in die Cotswolds verschlagen hat. Dank meines E-Readers und zwei Bibliotheksausweisen geht mit der Lesestoff so schnell nicht aus.

Bei all dem umsorgte mich der Gatte natürlich liebevoll, und das tut er noch immer. Aber neulich sagte er, dass ihm meine Kochkunst abgeht, also darf er sich eine Liste mit Gerichten zusammenstellen, die ich ihm dann zubereiten werde, wenn ich wieder auf zwei Beinen stehen kann.

Meine Firmenkurse habe ich verschoben oder an Kollegen abgegeben, aber dank meiner Unterrichtsraumbürobibliothek kann ich weiterhin zu Hause Einzelunterricht geben. Sonst wären die Tage schon sehr lang.

Als der Gips endlich runter war, fühlte ich mich gleich um einiges besser. Auch wenn ich noch nicht auftreten darf, ist das Leben wieder ein Stück einfacher geworden. Man kann den OP-Narben praktisch beim Abheilen zuschauen, und der Haxen ist inzwischen auch weniger unförmig. Die Bewegungsübungen, die ich machen soll, waren erst noch recht unangenehm, aber in Millimeterarbeit wird auch das besser.

Inzwischen kann ich auch wieder duschen. Da der Gips ja nicht nass werden und auch auf gar keinen Fall oben Wasser reinlaufen durfte, habe ich bisher am Waschbecken improvisiert. Jetzt habe ich einen Duschhocker und saue auch nur das halbe Bad ein, nicht das ganze.

Und meine Jeans passt auch noch! Die letzten Wochen trug ich die eleganten und formschönen Jogginghosen des Gatten, weil ich nichts anderes über den depperten Gips drüber gekriegt hatte. Da ich ja viel weniger Bewegung habe als normal, hatte ich eine ziemliche Gewichtszunahme befürchtet, aber andererseits hatte ich auch den Gang zum Kühlschrank auf ein absolutes Minimum reduziert, weil das jedesmal so ein Aufwand ist. 

Und jetzt bin ich gespannt auf Mittwoch. Mein Physiotherapeut hat mir schon prophezeit, dass das Gehen ein langer, anstrengender Prozess wird.  Ich versuche mir auf jeden Fall das Lied von Waylon zu Herzen zu nehmen: „The World Can Wait“:

 

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Zwangsentschleunigt

So gut, wie das letzte Jahr geendet hat, so kreuzdämlich lässt sich dieses Jahr an. Da hatte ich noch ehrgeizige Wanderpläne und bin sogar Mitglied der Facebookgruppe „Wandel 1000 km in 2018“ geworden. Die ersten 25 Kilometer hatte ich auch schon geschafft, und das war es vorläufig. Ich hocke mit einem Gipshaxen zu Hause.

Vor zwei Wochen hat es mich mit dem Rad hingesemmelt, und ich dachte erst, der Fuß wäre nur verstaucht. Ich konnte darauf stehen und auch kleine Stücke gehen, auch wenn es sakrisch weh tat. Aber mein Hausarzt traute der Sache nicht und schickte mich ins Krankenhaus, wo die Röntgenbilder zeigten: Der Knöchel war irgendwie gebrochen und verschoben. Sofort operieren war nicht möglich, da er zu stark geschwollen war. Also erhielt ich einen Notgips und Tabletten und und wurde erst mal für ein paar Tage heimgeschickt.

Dort richteten wir uns auf die veränderte Lage ein.  Das Gehen mit Krücken geht besser, seit ich den richtigen Schuh für den nicht-verletzten Fuß gefunden habe. Wir platzierten Bockibeutel (auch als Stofftaschen bekannt) an strategischen Stellen, weil ja alles, was man braucht, immer irgendwo anders ist. Die Wohnzimmermöbel stehen so, dass ich möglichst kurze Wege zum Örtli, in die Küche und in die Unterrichtsraumbürobibliothek habe.

Die OP selber wurde vom Sohn meines ehemaligen Chefs durchgeführt (die Welt ist klein) und ist recht gut verlaufen. Alle im Krankenhaus waren sehr nett und hilfsbereit, vom „Gipsmeister“, der mir den Notgips angelegt hat, über die Anästhesistin, die mir alles langsam und für Dummies erklärt hat, den Chirurg selbst bis zu den Schwestern in der Vorbereitung, im Aufwachraum und auf der Station, die mich vor während und nach der OP umsorgt haben, bis ich am Spätnachmittag desselben Tages wieder nach Hause durfte.

Allerdings darf ich den Knöchel sechs Wochen nicht belasten, vier Wochen mit und zwei Wochen ohne Gips. Das macht alles etwas kompliziert.

Selbstverständlich versorgt mich der Hausherr liebevoll, schmeißt den Haushalt,  schaut, ob ich alles habe, fährt mich mit Auto und Rollstuhl zu den Untersuchungen usw. Und ich bin dabei, meine Arbeit so zu orgenisieren, dass ich wenigstens hin und wieder etwas machen kann, auf dem Schreibtischstuhl mit hochgelagertem Gipshaxen.

Aber man muss es auch nicht gleich übertreiben, von allen Seiten wird mir zur Geduld geraten und gesagt, dass ich mich schonen soll. Und gemütlich die Merrily-Watkins-Reihe weiter zu lesen und alte Serien zu schauen hat ja auch was. Und Wanderwetter ist im Moment auch nicht, ich verpasse also nicht wirklich viel.

Irgendwie ist das Ganze eine neue Art der Grenzwanderung.

 

 

 

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Wie schnell doch so ein Jahr vergeht – Jahresrückblick 2017

Vor drei Jahren habe ich damit angefangen, das vergangene Jahr Revue passieren zu lassen und zu schauen, was sich geändert hat, was gleich geblieben ist und was aus den (falls vorhandenen) guten Vorsätzen geworden ist. Und so beantworte ich wieder mal die Fragen der letzten Jahre:

Was war das Beste für Dich an diesem Jahr?
Dass es ein weitgehend gutes, stabiles Jahr ohne dramatische Tiefschläge war.

Hast Du 2017 etwas gemacht, das Du noch nie zuvor gemacht hast?
Eine Menge: Ich habe meine erste selbstständige Führung in unserer Synagoge gemacht, der auch weitere mehr oder weniger gelungene folgten. Und bei jeder Führung lernt man etwas dazu. In knapp zwei Wochen mache ich meine erste Führung durch das ehemalige jüdische Wohnviertel um die Synagoge. Außerdem durfte ich zum ersten Mal an der niederländischen Wahl für die Zweite Kammer teilnehmen und habe natürlich mein Bestes getan, um Geert Wilders und anderen seltsamen Figuren ein gewisses Gegengewicht zu bieten. Und – last but not least – ich habe den Pieterpad erfolgreich beendet. Ich weiß nicht, ob ich es schon mal gesagt habe, aber – I walked the trail!

Hast Du all Deine guten Vorsätze aus dem Vorjahr beherzigt?
Mein guter Vorsatz war nicht gerade einfach: mehr Vertrauen zu mir selbst und in anderen zu haben. Das klappt inzwischen nicht schlecht, und es hat mir sicher geholfen, dass ein beruflicher Schritt sich bis jetzt als richtig herausgestellt hat.

Hast Du gute Vorsätze für das nächste Jahr?
Auf dem eingeschlagenen Weg weiter gehen, das Leben genießen und regelmäßig wandern gehen, z. B. auf dem Trekvogelpad.

Welche Länder hast Du 2017 besucht?
Deutschland und Österreich.

Was möchtest Du 2018 haben, was Du 2017 nicht hattest?
Auch dieses Jahr fehlte mir nicht wirklich etwas, außer vielleicht mehr Zeit und Inspiration zum Schreiben.

Welches Datum aus 2017 wirst du nie vergessen?
Den Tag,  an dem ich den Pieterpad beendete. Es war eine eigenartige Mischung aus Stolz (I walked the trail!) und Wehmut, weil es nach zwei Jahren zu Ende war.

Was war Dein größter Erfolg 2017?
Ich konnte den beruflich eingeschlagenen Weg fortsetzen, ohne baden zu gehen. Und – I walked the trail!

Welches war Dein größter Fehler?
Verschiedene kleine Sachen, aber nichts wirklich großes.

Hast Du eine Krankheit oder eine Verletzung gehabt?
Es ging und geht mir gut, bis auf den Kleinkram, der einen halt gelegentlich heimsucht. Und darüber bin ich froh.

Was war das Beste, was Du gekauft hast?
Mein Einmannzelt, die sogenannte Dackelhütte. Damit ist man beim Wandern doch flexibler und freier.

Wessen Verhalten erschreckt Dich oder macht Dich traurig?
Nicht das Verhalten von irgendjemandem. Aber richtig traurig war und bin ich über den viel zu frühen Tod einer Freundin.

Wofür ging das meiste Geld drauf?
Noch immer für unser neues Domizil und alles, was da so anfällt.

Worüber warst Du so richtig aus dem Häuschen?
Dass ich den Pieterpad beendet habe – I walked the trail!

Welches Lied wird Dich immer an 2017 erinnern?
„Leichtes Gepäck“ von Silbermond. Nicht nur unser eigener Umzug, sondern auch ein paar andere in unserem Familienkreis haben mir vor Augen geführ, wie viel nutzloser Krempel sich doch in so einem Haushalt ansammelt. Und auch das Wandern ist leichter, wenn man nicht zu viel mitschleppt.

Verglichen mit 2016, warst du im Jahr 2017

…glücklicher oder unglücklicher?
Ähnlich wie im letzten Jahr, denke ich.

… reicher oder ärmer?
Auch das ist ungefähr gleich gebleiben.

Wovon hättest Du lieber mehr gemacht?
Mal wieder gebloggt, ich arbeite immer noch an meinem Reisebericht von 2016, und den würde ich gern fertig kriegen, bevor der nächste Urlaub kommt.

Wovon hättest Du lieber weniger gemacht?
Eigentlich nichts, es war gut so.

Wie hast Du Weihnachten verbracht?
Zur Abwechslung mal wieder bei meiner Familie in Süddeutschland.

Hast Du Dich 2017 verliebt?
Nicht neu verliebt, auch das ist konstant geblieben.

Welches war Deine Lieblingssendung im Fernsehen?
Die Serie „Hier zijn de Van Rossems„, insbesondere die Folge über meine Heimatstadt. Allerdings habe ich noch nicht alle Folgen gesehen.

Hast Du jemanden oder etwas hassen gelernt?
Nö, hassen tue ich niemanden. Gelegentlich rege ich mich über jemanden auf, aber wer tut das nicht?

Welches war das beste Buch, das du 2017 gelesen hast?
„Erebos“ von Ursula Poznanski. Auf der Leipziger Buchmesse war ich bei einer Lesung, wo die Autorin aus ihrem Buch „Elanus“ vorlas. Dabei wurde ich neugierig auf ihr Werk, und „Erebos“, bei dem es um ein Computerpiel geht, dass auch in das wirkliche Leben eingreift, hat mich am meisten beeindruckt.

Was war deine größte musikalische Überraschung 2016?
Gab es auch diesmal nicht.

Was hast Du Dir gewünscht und auch bekommen?
Die Dackelhütte und viele interessante Begegnungen, Gespräche und Erfahrungen.

Was hast Du Dir gewünscht und nicht bekommen?
Hier wiederhole ich den Satz vom letzten Jahr: Eigentlich nichts, ich wünsche mir nicht mehr so viel, sondern versuche mich über die Dinge zu freuen, die meinen  Weg kreuzen.

Welches war Dein Lieblingsfilm in diesem Jahr?
Wenn Serien auch zählen, dann alle Folgen von „The Bridge„. Ich bin schon gespannt auf die nächste Staffel.

Was hast Du an Deinem Geburtstag getan und wie alt bist Du geworden?
Auch dieses Jahr bin ich ein Jahr älter geworden und habe meinen Geburtstag recht unspektakulär verbracht: Erst habe ich gearbeitet und abends bei der Chorprobe einen ausgegeben. Essen waren wir dann am Wochenende.

Welche eine Sache hätte Dein Jahr zufriedenstellender gemacht?
Ich hätte die goldigste Nichte von allen gern öfter gesehen, aber das ist halt der Nachteil, wenn man recht weit auseinander wohnt.

Was hielt Dich gesund?
Ich denke, mal wieder Glück und eine einigermaßen gute Konstitution.

Erzähle uns eine wertvolle Lebenslektion, die Du in diesem Jahr gelernt hast!
Es bringt nichts, ständig zurück zu schauen und zu überlegen, was man hätte anders machen können. Es ist wichtiger, nach vorne zu schauen und zu versuchen, ähnliche Fehler zu vermeiden.

Auf was freust Du Dich im Jahr 2018?
Auf den Frühling, neue Wanderungen, Treffen mit netten Leuten, neue Erfahrungen etc.

Bald erklärt uns Alfred Tezlaff ja wieder den Untershcied zwischen Punsch und Bowle und stolpert Butler James über den Tigerkopf. Und ich bedanke mich bei allen regelmäßigen und gelegentlichen Lesern fürs Vorbeischauen und wünsche euch einen gute Rutsch und ein gutes, gesundes und vor allem glückliches Jahr 2018.

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Bußgeld für das Ausruhen an einer Bushaltestelle – im Ernst jetzt?

Am Anfang dieser Woche stieß ich in unserer – wohlgemerkt niederländischen – Tageszeitung aufeine Meldung, die mich seitdem ziemlich umtreibt. In Düsseldorf bekam nämlich ein 83jähriger Rentner ein Bußgeld von 35 Euro aufgebrummt, weil er sich sage und schreibe acht Minuten auf einer Bank an einer Bushaltestelle ausgeruht hat.

Anders als viele User in den sozialen Netzwerken teilt unsere Zeitung solche Meldungen nicht reflexartig und ungeprüft, aber ich bemühte doch zur Sicherheit Tante Google, um zu sehen, ob da was dran ist, denn mir kam das doch ziemlich absurd vor. Aber es scheint zu stimmen, wie man unter anderem hier nachlesen kann. Ein paar Tage später hat die Stadt wieder eingelenkt und den Bescheid zurückgezogen, man hätte den Rentner halt für einen Obdachlosen und/oder Alkoholiker gehalten, der sich auf der Wartebank breit macht. Auch nicht gerade eine freundliche Erklärung, denn diese Leute sind meist nicht freiwillig da gelandet, wo sie sind.

Auch wenn ich mir vorstellen kann, dass sich manche Nahverkehrsnutzer von Leuten, die lange auf so einer Bank sitzen, eingeschüchtert fühlen, finde ich es schlichtweg unmöglich, mit unseren älteren Mitbürgern so umzuspringen. Schließlich erwischt es uns alle mal, und auch jungen Leuten kann es passieren, dass sie sich z. B. nicht gut fühlen und sich mal kurz hinsetzen wollen. Etwas Mitmenschlichkeit und Fingerspitzengefühl wären in so einer Situation sicher nicht verkehrt.

Meine Leser wissen ja, dass ich oft radelnder- und wandernderweise unterwegs bin. Bei diesen Gelegenheiten habe ich mich schon häufig an einer Bushaltestelle ausgeruht, mich dort vor dem Regen untergestellt oder – o Tod und Hölle – einen Imbiss verspeist. Nie wäre ich auf die Idee gekommen, dass ich damit eine bußgeldwürdige Ordnungswidrigkeit begehe. Und mit meinem Rucksack einschließlich Dackelhütte könnte man mich durchaus für einen obdachlosen Alkoholiker halten, sicher wenn ich schon eine längere Strecke hinter mir habe.

Na ja, ich weiß auf jeden Fall, welche Stadt ich auf meinen Streifzügen vorläufig nicht ansteuern werde. Nicht dass ich das in absehbarer Zeit vorgehabt hätte, aber man kann es ja mal verkünden. Außerdem bin ich froh, dass es auch anders geht, und dass es in der freien Natur zehlreiche „Wandelbankjes“ gibt, die zum Rasten und Verweilen einladen.

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