Beiträge mit dem Schlagwort: alte Heimat

Back to normal…

Na ja, ganz in Ordnung ist der Fuß zwar noch nicht, das heißt, ich hüpfe noch nicht durch die Gegend wie eine Gazelle, aber es wird. Heute morgen stellte ich fest, dass es wieder deutlich besser geht, wenn man einfach die Treppe in den ersten Stock rauf und runter geht, ohne dreimal zu überlegen, ob man das, was man oben will, nicht auch später noch machen kan, weil es einfach zu anstrengend ist.

Seit meinem letzten Post hat sich einiges getan, und ich habe eine Menge Dinge zum ersten Mal nach der OP wieder machen können. Jetzt muss ich an die Schwiegermutter der Comicfigur Andy Capp denken, die nur zwei Gesprächsthemen hat: „Before her operation“ und „Since her operation“, aber heute darf ich das. 😉

Ein größerer Wendepunkt war, als ich das Bein wieder voll belasten und mich endlich wieder ohne Krücken fortbewegen konnte. Vieles wird doch wieder einfacher, wenn man die Hände frei hat, oder wie ein Freund es formulierte: „Das ist bestimmt ein Gefühl wie eine Wiedergeburt, was! Da kannst du richtig aufblühen und einen Tee aufbrühen mit gewohnten Bewegungen.“ Genauso ist es.

Irgendwann hatte ich dann meine erste Führung in der Synagoge, und inzwischen kenne ich ja die Stellen, wo man sich diskret anlehnen kann. Die Frauenempore durfte die Gruppe dann selbst erkunden.

Dann fuhr ich mit unserem Chor zum Katholikentag nach Münster, wo wir u.a. zusammen mit über 4000 anderen Sängern das „Halleluja“ von Händel schmetterten. Es war schon recht anstrengend, und wenn es irgendwie ging, wollte ich vor allem einfach nur da sitzen. Zum Glück hatte mir eine Freundin einen Campinghocker geliehen. Es ergab sich sogar noch die Gelegenheit für einen kleinen Plausch mit einem Freund aus Münster, der mich trotz des Reisengewühls irgendwie orten konnte. Schee wars.

Dann stand ein Besuch in der alten Heimat an – Klassentreffen und Familie. Für die Bahnfahrt nahm ich, auch auf Anraten meines Physiotherapeuten, die Krücken noch mit. So konnte ich eine rollkofferfreie Zone um mich herum keieren, die Leute passen besser auf oder bieten Hilfe an, und jeder versteht, dass ich noch mit in den Lift muss.

Meine kleine Nichte (fast 2,5 Jahre) wollte natürlich genau wissen, was es mit den Krücken auf sich hat, die normalerweise nicht bei Oma im Wohnzimmer stehen. Also habe ich ihr das Ganze erklärt. Das hat sie wohl ziemlich beschäftigt, denn zwei Stunden später setzte sie sich zu mir auf die Eckbank und meinte ernsthaft: „Tante Petra hingefallen. Fuß kaputt. Heilt wieder.“ Wenn sie das sagt…

Sie scheint recht zu haben, denn inzwischen habe ich auch meine Wanderungen wieder aufgenommen. Im Moment gehe ich den „Overijssels Havezatenpad“ von Oldenzaal nach Steenwijk, und zwar in Etappen von 5 bis 7,5 Kilometer. Das geht schon ganz gut und das Tempo wird auch wieder etwas schneller. Die Wanderungen habe ich wirklich vermisst!

Nur Auto fahre ich noch nicht. Der Arzt meinte zwar, dass ich es wieder darf, aber so ganz traue ich der Geschichte noch nicht. Ich werde wohl demnächst, wenn die halbe Stadt im Urlaub ist, vorsichtig wieder anfangen.

Und hier ist noch ein Stückchen Havezatenpad:

havezatenpad-bruggetje

 

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In der Vorweihnachtszeit fühle ich mich deutsch

Über einen Beitrag von Elvira landete ich bei einem Blogpost von Bunt und Farbenfroh: Weihnachten wird abgeschafft. Und während ich so vor mich hin las und dachte, entdeckte ich plötzlich, dass dies ja auch ein echtes Grenzwandererthema ist. Wie oft werde ich nicht gefragt, ob ich mich deutsch oder niederländisch oder beides oder keines von beiden fühle. Und ich komme immer mehr zu der Schlussfolgerung, dass es situationsgebunden ist.

Beim Fußball ist es mir wurscht, da lehne ich mich entspannt zurück und denke: „Möge der Bessere gewinnen.“ Oder ich feuere eine Mannschaft an, die ich irgendwie goldig finde: Irland, Ecuador, die Faröer-Inseln etc. Das verstehen die Wenigsten, aber damit kann ich leben.

Beim Eurovision Soncontest habe ich in den letzten zwei Jahren mit den Niederländern mitgebibbert, auch wenn mir andere Einsendungen ebenfalls gut gefallen haben. Und Anouk und die Common Linnets haben es ja auch wirklich gut gemacht. Über den Beitrag für nächstes Jahr kann ich mir am Freitag ein Urteil bilden. Mal sehen, ob der Partiotismus anhält, wenn Trijntje Oosterhuis bei „The Voice of Holland“ ihr Lied zum Besten gibt.

In sehr vielen anderen Kontexten bin ich eigentlich weder noch. Ich bin ein Grenzgänger, Europäer, Weltbürger. Aber in der Vorweihnachtszeit ist alles anders: Da fühle ich mich deutsch und bin froh, in Grenznähe zu wohnen.

In den Niederlanden spielt Weihnachten eher eine untergeordnete Rolle. Hier ist das Nikolausfest (Sinterklaas), das am 5. Dezember gefeiert wird, der Höhepunkt der Wintermonate. Bereits Wochen vorher macht sich Sinterklaas aus Spanien auf den Weg, um den Kindern die Geschenke zu bringen, und wird Mitte November feierlich in den verschiedenen niederländischen Städten empfangen. Begleitet wird er von zahlreichen Helfern, den „Zwarte Pieten“. Diese sind seit einiger Zeit umstritten, da seine Rolle als schwarzer Diener von Kritikern als rassistisch empfunden wird. Dies aufzurollen würde hier jedoch zu weit führen und so verweise ich auf Alex‘ Beitrag auf buurtaal. Nur kurz mein Senf: Wenn eine Bevölkerungsgruppe angibt, dass sie sich durch die heutige Darstellung verletzt fühlt, sollte man sich nicht gleich eingraben, sondern bereit sein, darüber nachzudenken, ob da nicht vielleicht ein Kern von Wahrheit darin steckt. Traditionen können sich ja schließlich ändern.

Da ich aber nicht nicht mit dem „Sinterklaasfeest“ aufgewachsen bin und keine Kinder habe, ist es mir nie gelungen, dazu den richtigen Draht zu entwickeln. Und das ist wohl auch der Grund, warum ich mich in der Vorweihnachtszeit deutsch fühle – sie ist eine schöne Erinnerung an die Zeit, als ich noch klein und die Welt noch in Ordnung war. Darum versuche ich immer, ein bisschen Vorweihnachtsstimmung zu verbreiten und zu genießen.

Dazu gehört natürlich der Adventskranz auf dem Wohnzimmertisch, auch dieses Jahr wieder Marke Eigenbau mit weihnachtsfeinem Mitbewohner. Und jedes Jahr bekomme ich einen Adventskalender aus der alten Heimat geschickt. Dieses Jahr sind es sogar zwei geworden, so dass der Gatte und ich jeder etwas Eigenes haben. Vielen Dank, es freut mich, dass ihr trotz Weihnachtstress dafür die Zeit gefunden habt.

Auch das Kartenschreiben gehört dazu, und ich sehe es nicht als lästige Pflicht an, sondern als Möglichkeit, mit den Leuten aus der alten Heimat mal wieder analog in Kontakt zu treten, und nicht „nur“ über Mail und soziale Netzwerke. Selbstverständlich bekomme ich auch sehr gern Post.

Dann gibt es natürlich auch die Weihnachtsmarktbesuche: Bratwurst essen, Glühwein trinken, meine Tassensammlung vergrößern, nach Geschenken stöbern und die Atmorspäre genießen. Dieses Jahr war ich bereits in Warendorf, Tecklenburg und am Wochenende fahre ich zum @heinzi-Treffen nach Bremen. Zwar lauert auf den Weihnachtsmärkten immer die Gefahr, gewhamt zu werden, also das Lied „Last Christmas“ zu hören und damit beim Spiel „Christmas King“ auszuscheiden. Aber noch bin ich im Rennen, und ich freue mich auf Bremen.

Da der Gatte und ich in einem Chor in Deutschland singen, kriegen wir auch genug von der deutschen Vorweihnachtszeit mit, auch wenn wir dieses Jahr vor allem englische Christmas Carols einstudieren. Wir singen am Heiligen Abend in der Christmette, also haben wir auch die Gelegenheit, die deutschen Klassiker wie „Oh du fröhliche“ und „Stille Nacht“ aus voller Brust mitzusingen. Im letzten Jahr wurde in den Niederlanden das Lied „Stille Nacht“ aus dem Gesangbuch für Weihnachten entfernt, irgendwie haben sie es hier wirklich nicht mit Weihnachtskultur.

Natürlich gehört auch das Plätzchenbacken zu den Dingen, die ich an der Vorweihnachtszeit liebe. Früher tat ich das mit meiner Mutter und meiner Oma, während meiner Schulzeit backten meine beste Freundin und ich zusammen und sauten die Küche ein, was bei unseren Müttern nicht gerade auf Begeisterung stieß, Die ersten selbstfabrizieren Punschbrezeln waren legendär, da uns zu viel Rum in die Glasur geriet und die Plätzchen sich richtig schön vollsogen. Nach drei Stück konnte man das Auto besser stehen lassen.

Vor einigen Jahren unterrichtete ich im Winterhalbjahr einen Deutschkurs für Anfänger. In der letzten Stunde vor den Weihnachtsferien brachte ich Plätzchen und Rezepte mit und las mit den Kursteilnehmern eine einfache Weihnachtsgeschichte. Nach der Stunde brachte ich der Sekretärin ein paar Plätzchen vorbei. Sie fragte: „Hast du die selbst gemacht?“ Ich nickte stolz, worauf sie ausrief: „Warum das denn, um Himmels Willen?“

Noch Fragen?

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Weitere 52 Bücher (1+2) – „Man muss das Kind im Dorf lassen“ von Monika Gruber

weitere52buecher

Letzte Woche ging das Monsterprojekt „52 Bücher“ in die dritte Runde. Auch wenn ich in der letzten Runde dramatisch wenig Bücher besprochen habe (ganze elf habe ich geschafft!), möchte ich doch auf jeden Fall wieder mitmischen. Denn gelesen habe ich in der Zeit ja trotzdem, und es gibt einiges, was sich vorzustellen lohnt. Um das Ganze aber etwas önkonomisch anzugehen (ich habe ja schließlich auch meinen Haushalt), habe ich beschlossen, das erste Buch gleich für die ersten ZWEI Themen zu verbraten. *g*

Das erste Thema ist ja, wie immer bie diesem Projekt, ein gemütlicher Einstieg, nämlich: Was liest du zurzeit? Und das zweite Motto Fußball-WM vorbei und nun? passt eigentlich auch irgendwie, denn ehrlich gesagt bin ich froh, dass das Gedöns vorbei ist und das Leben wieder gemütlich vor sich hinplätschert – ohne orangefarben dekorierte Straßen, lange Abende, Autokorsos und dergleichen.  Auch während der WM habe ich Bücher gelesen, und das tue ich jetzt immer noch.

monikagruber

Zurzeit lese ich die Autobiografie der Kabarettistin Monika Gruber „Man muss das Kind im Dorf lassen – Meine furchtbar schöne Jugend auf dem Land“ (München, 2014). Den Lesern aus meiner alten Heimat dürfte  sie sowieso ein Begriff sein, andere kennen sie vielleicht aus der bayerischen Vorabend-Krimiserie „Hubert und Staller“, wo sie die Lokalreporterin Barbara Hansen spielt.

Ich zitiere mal den Klappentext: „Was macht eine, die aus einem Ort namens Tittenkofen stammt, aber nicht so ausschaut? Die auf dem  Bauernhof aufwächst, aber eigentlich auf die Bühne will? Klar, sie nimmt es mit Humor und wird Komikerin.“

Eigentlich wollte sie die Menschheit nie mit einem Buch belästigen, aber anlässlich des 75jährigen Jubiläums ihres (und auch meines!) Gymnasiums wurde sie gebeten, einen Artikel für die Festschrift zu verfassen, was anscheinend die Schleusen des Schreibprozesses öffnete. Heraus kam ein flott lesbares Buch über ihre Kinder- und Jugendzeit im tiefsten Oberbayern. Dieses Thema wird ja in ihren Kabarettprogrammen mit schöner Regelmäßigkeit verbraten, wobei dort aufgrund des Klischees „Kind vom Land hat es schwer“ manchmal der Eindruck entstehen mag, dass es keine allzu schöne Zeit war. Beim Lesen zeichnet sich jedoch das Bild einer normalen, recht liebevollen Kindheit bei bodenständigen Eltern, die auf ihre Art oberbayerische Originale sind.

Anders als andere (Auto-)Biografien ist das Buch nicht chronologisch, sondern thematisch aufgebaut und behandelt Aspekte wie Heimat, Eltern und weitere Verwandtschaft (wobei dem Vater ein eigenes Kapitel gewidmet ist), Schule, den Kirchgang, Bauernhochzeiten, ihren Job als Kellnerin, die unvermeidlichen Preißn und was halt auf dem Dorf noch wichtig ist.

Sehr interessant finde ich ihre Beobachtung zu den feinen sprachlichen Unterschieden zwischen Land- und Stadtjugend:

Unser Dorf liegt zwar nur circa sechs Kilometer von der Kreisstadt entfernt, diese Entfernung reicht aber schon aus, um die Stadtkinder anders aussehen zu lassen. Und sie sahen nicht nur anders aus (kein Haferlhaarschnitt, Urlaubsbräune), sie redeten auch ganz anders: Einige sprachen zwar Dialekt, aber es war anders als unser dörfliches kerniges Bayerisch, es war dieses gepflegte Vorstadtbayerisch, dass ich heute sehr gern als Dallmayr-Bayerisch bezeichne.  (S. 37)

Zu diesen Stadtkindern gehörte auch meine Wenigkeit, auch wenn wir uns nie persönlich kennengelernt haben, da Monika Gruber zwei Jahrgänge unter mir war. Doch viele ihrer Erinnerungen decken sich mit meinen. Und wenn sie ihren Geschichtslehrer Herrn Zölch oder den Erdkundelehrer Herrn Hilburger beschreibt, sehe ich die Herren sofort wieder vor meinem geistigen Auge und habe den Duft von Herrn Hilburgers Aftershave in der Nase. Allerdings hatte ich die beiden in Biologie beziehungsweise in Deutsch und Geschichte. Meine Herrn, des warn Zeitn!

Auch die Frage, die ich mir schon seit langem stellte, warum ich sie nie bei Aufführungen der Theatergruppe des Gymnasiums gesehen hatte, wird beantwortet. Wegen ihres „Carolin-Reiber-Rs“ traute sie sich nicht, dort vorzusprechen, da die anderen alle Hochdeutsch konnten. Schreiben tut sie sehr wohl auf Hochdeutsch mit gepflegtem oberbayerischen Einschlag. Das Buch ist also auch für Nichtbayern sehr gut lesbar.

Erst vorletzte Woche habe ich mit meiner Feundin S., mit der ich mich Seite an Seite durch 13 Jahre Schule gekämpft habe, in Erinnerungen geschwelgt. Monika Grubers Erinnerungen scheinen allerdings etwas akkurater zu sein als meine. Dies liegt wahrscheinlich daran, dass sie knapp drei Jahre jünger ist als ich, und da ist das Gedächtnis halt noch besser.  Ein weiterer Grund ist aber sicher auch, dass sie in der Gegend geblieben ist und zwischen ihr und ihren Erinnrungen keine 17 Jahre und 800 Kilometer liegen. Und so erfüllt mich die Lektüre mit leiser Wehmut.

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Schnee und sonstiges Chaos

Immer, wenn die ersten vier Schneeflocken nebeneinander liegen, versinken die Niederlande im Verkehrschaos. In meiner alten Heimat passiert sowas natürlich nicht, dort ist man auf Schnee vorbereitet. Nun, den zweiten Teil dieser Aussage nehme ich inzwischen zurück.

Als ich gestern morgen aus dem Fenster schaute, wurde ich von einem verschneiten Garten bergrüßt. Noch dachte ich mir nichts dabei. Wie immer, wenn ich mich zurück in die Niederlande begebe, nehme ich eine S-Bahn früher zum Hauptbahnhof. Dann kann ich dort noch im Buchladen stöbern und einen Kaffee für die Fahrt  („to go“ heißt das ja heutzutage) erstehen.

So trabte ich auch dieses Mal um kurz vor 10 los. Am Bahnsteig allerdings kamen mir einige Leute mit Koffern entgegen, was nichts Gutes verhieß. Ein Junge teilte den Reisenden mit, dass schon seit 5 Uhr morgens keine S-Bahn fahre, aber es gebe wahrscheinlich Schienenersatzverkehr. Die Verkäuferin im Kiosk wusste auch nichts, da sie niemenden erreichen konnte. Das fing ja gut an.

An der Bushaltestelle stand schon ein verlorenes Häuflein. Zum Glück dauerte es nicht lange, bis der Bus kam. Wir quetschten uns hinein, und los ging es. Unterwegs mussten wir noch en Stück zurück, um den Gegenbus vorbei zu lassen. Gut, sie fuhren also regelmäßig.

Beim nächsten größeren Bahnhof konnten wir in die S-Bahn oder wahlweise den Nahverkehrzzug umsteigen. Ich entschied mich für letzteren, da dieser nicht an jeder Milchkanne hält. Dafür blieb er zwischen zwei Haltestllen stehen, und es kam die verhängnisvolle Durchsage, das sich wegen einer Stellwerkstörung die Weiterfahrt um einige Minuten verzögern würde. Da kam Freude auf! Noch hatte ich zwar genug Zeit, aber ich wusste aus leidvoller Erfahrung, dass sowas dauern konnte. Zum Glück blieb es bei ein paar Minuten, und der Zug zuckelte gemächlich weiter.

Dann wurde uns mitgeteilt, dass der Zug aufgrund der Verspätung nicht bis zum Hauptbahnhof fahren, sondern am Ostbahnhof wenden, d.h. zurückfahren würde. Fahrgäste zum Hauptbahnhof möchten bitte die S-Bahn benutzen.  Also wetzte die ganze Meute nach unten und zum Gleis am andern Ende des Bahnhofs. Als ich die Treppe hochtraben wollte, rumpelt ich mit einer Mitreisenden zusammen, die es ebenfalls eilig hatte. Schnaufend kamen wir oben an, als die S-Bahn gerade aus dem Bahnhof öttelte. Wir sahen uns an und sagten wie aus einem Mund: „Typisch!“

Die nächste Bahn ließ zum Glück nicht lange auf sich warten, und bei gepflegter Unterhaltung über Bahnabenteuer waren wir schnell am Hauptbahnhof. Da der Zug meiner Reisegefährtin ein paar Minuten vor meinem fuhr, sprintete sie, kaum dass sich die Türen geöffnet hatten, zur Rolltreppe. Ich rief ihr noch ein „Viel Glück“ hinterher, denn ich brauchte mich jetzt nicht mehr abzuhetzen. Als ich oben ankam, stand ihr Zug auch noch da, also nehme ich an, dass sie ihn noch erwischt hatte.

Für einen Kaffee reichte die Zeit nicht mehr, und so installierte ich mich im ICE in Richtung Norden und unterrichtete den Gatten per SMS, dass es trotz Schneechaos nochmal gut gegangen sei. Er antwortete, dass auch zu Hause das Chaos tobe. Der Staubsauger war nämlich gerade röhrend in den Orkus gefahren.

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52 Bücher (25) – „Das kalte Licht des Nordens“ von Cecilie Enger

Das Fellmonster-Projekt geht in die nächste Runde, und zwar mit dem Motto „Das Buch, welches Du als nächstes lesen möchtest“. Wie sie selbst sagt, ist es „[…] wirklich leicht, es sei denn, man steht verzweifelt vor seinem SuB (Stapel ungelesener Bücher) und rauft sich die Haare, weil man sich einfach nicht entscheiden kann.“

Ein bekanntes Problem, denn auch bei mir ist der Stapel Bücher, die ich noch lesen möchte, nicht gerade klein. Außerdem lese ich gerade noch zwei andere Bücher, nämlich je nach Form und Tageslaune Tolstois „Anna Karenina“ und einen gemütlichen Krimi von Agatha Christie. Deshalb hatte ich mir noch gar keine Gedanken gemacht, was ich als nächstes in Angriff nehme. Aber jetzt habe ich mich entschieden:

Es wird ein Roman der norwegischen Schriftstellerin Cecilie Enger mit dem Titel „Das kalte Licht des Nordens“ (München, 2000). Dieses Buch habe ich bein letzten Besuch in der alten Heimat im Regal meiner Mutter entdeckt und ausgeliehen.

Logischerweise kann ich über dieses Buch nicht viel schreiben, da ich es ja noch nicht gelesen habe. Der Originaltitel lautet „Ytterpunkt“, was soviel wie „äußerster Punkt“ bedeutet, und der Klappentext verrät, dass es um eine Journalistin geht, die in den entferntesten Norden Norwegens geschickt wird, um ältere Menschen über ihr Leben in dieser harten, unwirtlichen Natur zu befragen. Dabei gerät sie immer mehr in den Bann dieser Landschaft, der langen Dunkelheit und des Nordlichts. Sie trifft die einsame und merkwürdige Rakel, und zwischen den beiden unterschiedlichen Frauen entsteht eine ungewöhnliche Freundschaft.

Das Buch interessiert mich, da ich bisher nur ein bisschen Südnorwegen kenne, nördlicher als Bergen bin ich noch nicht gekommen. Aber der Norden steht auf meiner Reisewunschliste. Außerdem frage ich mich vor allem im Winter, wenn es draußen den ganzen Tag grau und bewölkt bleibt, wie die Leute im Norden die wochenlange Dunkelheit aushalten. Vielleicht hat der Roman ja eine Antwort darauf. Ich bin gespannt.

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Vorweihnachtszeit

Vorweihnachtszeit, wie ich sie von früher kenne: den Adventskranz aufstellen, Plätzchen backen, Geschenke für Familie und Freunde aussuchen, Weihnachtsmärkte besuchen, Glühwein trinken, diverse Weihnachtsfeiern etc. Nicht gerade die „stade Zeit“, die in romantischen Weihnachtserzählungen heraufbeschworen wird, sondern durchaus hektisch, da am Ende des Jahres auch alles Mögliche fertig werden muss. Aber trotzdem simmungsvoll und voll Vorfreude. Ich glaube, ich werde auf meine mittelalten Tage nostalgisch.

Hier in den Niederlanden ist das anders: Ende November hält Sinterklaas Einzug, und am 5. Dezember ist „Pakjesavond“, das Nikolausfest (Alex hat das auf buurtaal sehr ausführlich beschrieben). Vor allem für Familien mit Kindern ist das ein schönes, fröhliches Fest. Und danach kann dann der Baum aufgestellt werden.  Laut Gatten eine durchaus übliche Konversation unter Kollegen: „Mistwetter heute.“- „Kannst du laut sagen. Steht bei dir der Baum schon?“ – „Nee, machen wir morgen.“

Also, meins ist das ja nicht.  Als wir noch einen Baum hatten, wurde er am 24. Dezember aufgestellt und stand bis Dreikönig – wie sich das gehört.  Aber in den letzten Jahren sind wir zwischen den Jahren so oft unterwegs, dass für die paar Tage, die wir zu Hause sind, kein Baum das Leben lassen muss.

Als wir das letzte Mal Weihnachten bei meinen Eltern verbrachten und dort wie gewohnt am Heiligabend den Baum aufstellten, machten mein Mann und ich nach getaner Arbeit einen Spaziergang. Und wie kamen an vielen Häusern vorbei, wo die Leute mit dem Baumschmücken beschäftigt waren – man konnte die Spannung und Vorfreude direkt fühlen. Das vermisse ich hier manchmal .Aber es gibt ja genug Gelegenheiten, um über die Grenze zu fahren.

Am zweiten Adventswochenende waren der Gatte und ich in der alten Heimat. Der Regen in Norddeutschland wich langsam schönerem Wetter im Süden, und wir wurden sogar von einem Alpenblick empfangen. Und natürlich gab es Schnitzel.

Zusammen mit zwei Freundinnen klapperten wir vier Weihnachtsmärkte in München ab (wegen der Lichtverhältnisse konnte ich nur zwei davon fotografieren):

Mit anderen Freunden besuchten wir ein Adventskonzert in einer kleinen Kapelle, gestaltet von Kindern und Jugendlichen der Siedlung. Es war schön, mal wieder oberbayrische Lieder und Gedichte zu hören:

Und unser Freund, der einen Fahrradladen hat, fuhr den Nikolaus in einer Rikscha spazieren:

Und ein Wochenende später war das alljährliche Weihnachtsmarkttreffen in Münster:

Doch, es war eine schöne Vorweihnachtszeit.  Und jetzt kann Weihnachten kommen.

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Besuch in der alten Heimat

Neulich war ich mal wieder ein paar Tage in meiner alten Heimat in der Nähe von München. So ein Besuch ist natürlich immer ziemlich vollgeplant: Treffen mit alten Freunden, Spaziergänge, Stadtbummel, lange Gespräche mit meinen Eltern und vieles mehr. Ganz selten schaffen mein Bruder und ich es, zur selben Zeit hin  zu fahren, aber meistens haben wir ein so geschicktes Timing, dass wir uns um ein paar Tage verpassen. Schade, aber es geht oft nicht anders.

Oft empfängt die Gegend mich mit dem Föhn, der mir leider manchmal kräftige Kopfschmerzen, aber immer einen wunderbaren Alpenblick beschert. Die Luft ist dann so klar und die Berge erscheinen so gestochen scharf, dass man den Eindruck hat, in ein paar Minuten dort zu sein, zu Fuß wohlgemerkt. Manchmal werde ich auch mit dieser herrlichen Aussicht verabschiedet, so dass das Wegfahren so richtig schwer fällt.

Außerdem genieße ich es, mal wieder Oberbayrisch zu hören. Es klingt so vertraut und „normal“. Wie sagte eine Freundin mal so schön? „Der redt normal, so wia i hoid!“

Nicht zu vernachlässigen ist natürlich auch die kulinarische Seite des Besuchs, das Kind muss ja mal wieder was Gscheits zum Essen kriegen. An die Schnitzel meiner Mutter kann niemand tippen, ich selber versuche das gar nicht erst, denn das kann nur schief gehen. Dazu gehört dann auch immer ein Weizenbier – manchmal kann ich es auf einmal einschenken, manchmal klappt es nicht.  Und an einem Abend wird auch immer mindestens eine Flasche von Vaters sorgfältig ausgesuchten Frankenweinen geschlachtet.

Und Brot natürlich! Ich wohne zwar nur ein paar Kilometer von der Grenze entfernt, aber das richtige bayrische Pfisterbrot gibt es hier in der Nähe leider nicht. Und an das niederländische Brot habe ich mich nach all den Jahren noch nicht wirklich gewöhnt. Das scheint vielen so zu gehen. Einmal hatte ich ein Gespräch in einer Volkshochschule etwas weiter im Westen der Niederlande. Die Leiterin der Fremdsprachenabteilung kommt auch aus Deutschland. Nachdem wir die Kursplanung besprochen hatten, sagte sie: „Darf ich Sie mal was ganz Persönliches fragen? Wie machen Sie das hier eigentlich mit dem Brot?“ Die Unterschiede in der Brotkultur hat übrigens Alex in ihrem Blog „Buurtaal“ sehr detailliert beschrieben.

Und so ist mein Gepäck auf dem Rückweg immer um ein paar Kilo schwerer, nämlich um eine Flasche Frankenwein für besondere Gelegenheiten und ein Pfisterbrot.

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