Beiträge mit dem Schlagwort: Aussicht

Frühlingsimpressionen am Pieterpad

Ommen – Coevorden

Zu meiner Schande muss ich gestehen, dass ich dieses Jahr noch nicht besonders weit gekommen bin, ganze zwei Etappen bzw. gut 40 km habe ich seit Anfang April geschafft. Arbeitsmäßig ist eine Menge los, ich mache gerade eine Fortbildung, an den Wochenenden steht einiges an (Familie, Chor, Synagoge etc.), der Umzug zieht immer noch alles Mögliche nach sich und dann habe ich ja schließlich auch noch meinen Haushalt. 😉 Aber vor Ostern schaffte ich es doch, zumindest einen Anfang zu machen, und ich hoffe, dass ich in den nächsten Wochen noch ein Stückchen schaffe. Allerdings muss ich jetzt wieder übernachten, weil die Anfahrtswege wieder länger werden.

Wind und Wetter

Am ersten Tag konnte man absolut nicht nölen, das Wetter war einfach ideal, nicht sehr warm, aber trocken. Alles wurde langsam aber sicher grün und blühte in verschiedenen Farben, die Vögel brüllten, es war einfach wunderbar!

naturgebiet

Am zweiten Tag war es erst trocken und ich hatte Rückenwind, was vom Gegenvekehr etwas neidisch kommentiert wurde. Selber merkt man das ja meistens erst, wenn man die Richtung ändert oder der Wind sich dreht. Doch am Nachmittag trübte es sich ein und begann zu nieseln. Deswegen hätte ich fast das Kunstwerk „De Drentse Poort“ verpasst. Bei klarem Wetter ist es sicher von Weitem zu sehen, aber wegen des Nieselregens passte ich nicht richtig auf und latschte mal wieder an einer Abzweigung vorbei. Zum Glück merkte ich meinen Irrtum rechtzeitig, so dass ich doch noch unter dem monumentalen Steintor durchgehen konnte.

Und gerade als ich den Bahnhof von Coevorden erreichte, ging ein richtiger Platzregen los. Da hatte ich mal wieder Glück gehabt.

Landschaft und Ortschaften

Zwischen Ommen und Hardenberg ging die Strecke ging teils durch den Wald, teils über Felder und immer wieder an der Vecht entlang, und sie hatte keine nennenswerten Steigungen. Man merkt, dass es in den brettlebenen Norden geht. Bei der Drentse Poort ging es wieder etwas auf und ab.

Natürlich führte der Weg nicht nur durch mehr oder weniger idyllische Landschaft, sondern auch durch nette Ortschften wie das Angerdorf Rheeze mit seinen Reetdachhäusern oder Gramsbergen mit der netten Kirche und dem Bronzeskulptur einiger Pieterpadwanderer. Dort ergab sich auch die Gelegenheit zu einem Schwätzchen mit dem Gegenverkehr und dem Austausch kulinarischer Tipps.

Kulinarisches – oder auch nicht

Wermutstropfen auf dieser Wanderung: Das Café in Rheeze, wo ich gern eingekehrt wäre, hat nur Samstags und Sonntags geöffnet, was sie allerdings nicht daran hindert, groß auf die Fensterläden zu schreiben, was man dort alles hätte bestellen können. Aber der erfahrene Wanderer hat ja immer genug Semmeln mit, so dass ich nicht vom Stangerl gefallen bin.

Nein, da sah es am zweiten Tag schon anders aus. Am Eingang des Dorfes Ane befindet sich nämlich der goldige Laden nebst Tea Room „Granny’s Barn“. Dabei handelt es sich um ein Projekt, bei dem junge Frauen, die aus irgendwelchen Gründen in Schwierigkeiten geraten sind, wieder eine Aufgabe bekommen und in den Arbeitsprozess eingegliedert werden. Das Ganze soll demnächst mit einen Bed & Breakfast vergrößert werden. Die Lage ist ja auch ideal. Der Tea Room ist einfach schnuckelig, das WC heißt hier „Dixie de luxe“ und Tee und Sandwich waren sehr lecker!

Jetzt habe ich noch sieben Etappen, also noch ungefähr 140 km vor mir. Und irgendwann schaffe ich die auch!

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Pieterpad-Nachlese 2016

Vorden – Ommen

Entgegen meinen guten Vorsätzen habe ich es letztes Jahr nicht geschafft, den Pieterpad zu Ende zu wandern. Aber nach dem Erreichen der Mitte war ich im Herbst doch noch drei einzelne Tage unterwegs, nämlich am 30. August, am 16. September und am 1. Dezember, und habe vier Etappen geschafft. Am ersten Tat bin ich gleich zwei Etappen, also ungefähr 28 Kilometer gelaufen. Nicht schlecht, oder?

Schlösser und Landgüter

Vor allem anfangs kommt man an einigen Schlössern und Landgütern vorbei, von denen es eine Menge in dieser Gegend gibt. Die Schulen hatten wieder angefangen, und bei dem herrlichen Wetter waren zahlreiche Schulkinder mit Rädern und Fragebögen unterwegs, um die Gegend zu erkunden. Bei Kasteel Den Bramel hörte ich, wie ein Kind fragte: „Oh, ein Schloss! Wohnt da der König?“ Ein anderes antwortete: „Ganz sicher nicht.“ – „Aber es ist ein Schloss!“ – „Dass es ein Schloss ist, heißt nicht, dass der König ausgerechnet hier wohnt. Es gibt viele Schlösser.“ Tja, wo das Kerlchen recht hat…

den-bramel

Ein ganzes Stück später, bei Huis Verwolde, machte ich einen Umweg, um „de dikke boom“ (den dicken Baum) zu bewundern. Diese monumtentale Eiche wurde wahrscheinlich rund 1500 gepflanzt, und der Stamm hat einen Umfang von 7,60 Metern. Ein ganz schöner Oschi, nicht wahr?

huis-verwoldedikke-boom-2 dikke-boom

Mythos Holterberg und andere Erhebungen

Diesmal führte der Weg über einige Berge – zumindest nennen die Niederländer sie so. Einer davon ist der Holterberg, auf dem ich in meinem ersten Jahr hier – angeblich – auch schon war. Damals machten wir mit einem Freund eine Wanderung von Rijssen nach Nijverdal (oder umgekehrt), und diese führte auch über den Holterberg. Es war eine schöne Waldwanderung, das auf jeden Fall, aber irgendwann waren wir am Zielbahnhof, wo ich etwas enttäuscht fragte: „Und wo ist jetzt der Holterberg, und warum waren wir doch nicht oben?“ Wenn man aus der Gegend von München kommt, hat man bei dem Wort „Berg“ einfach eine andere Vorstellung. Aber nach fast 20 Jahren hier bin ich wohl eingebürgert genug, um auch den Holterberg, der sich immerhin stolze 58 Meter über dem Meeresspiegel erhebt, zu erkennen:

holterberg2 holterberg

Die Aussicht hat schon was.

Später ging ich auch über den Haarlerberg und am letzten Tag über den schon sehr herbstlichen Archemerberg, an dessen Fuß ein großer Findling, der „Dikke Steen“ liegt:

dikkesteen

archemerberg archemerberg2

Geschichte am Weg

Bei Holten lief ich ein Stück auf dem Weltzeitpfad, auf dem sich in regelmäßigen Abständen Pfosten befinden. Jeder steht für ein Jahr, und auf dem befestigten Würfel steht Wissenswertes über dieses Jahr. Dazwischen befinden sich auch andere Objekte, wie hier die Schweinderl, die ich an dem Tag wohl spannender fand als die Geschichtswürfel.

schweinderl

Am Weg in der Nähe von Nijverdal befindet sich das Denkmal des Arbeitslagers Twilhaar, das 1941 gegründet wurde. Arbeitslose Fischer sollten dort Bäume pflanzen. 1942 wurde das Lager von den deutschen Besatzern übernommen und diente als Durchgangslager für jüdische Zwangsarbeiter, bevor sie nach Westerbork und von dort aus in die Vernichtungslager gebracht wurden.

twilhaar twilhaar2

Die beiden Fotos, das eine noch scharf, das andere nicht mehr, sollen eine Warnung vor dem Verblassen der Erinnerung sein.

Begegnungen

Auch diesmal hatte ich wieder jede Menge nette Begegnungen. Einmal fragte eine Frau mich auf der Hinfahrt, als ich meinen Reiseführer studierte, welche Etappe es heute werden würde, und es entspann sich ein angeregtes Gespräch über das Wandern im Allgemeinen und den Pieterpad im Besonderen.

Und einmal kam mir ein Schäfer mit zwei Hunden und einer großen Schafherde entgegen. Da kommst du nicht durch, wie auch die Rennradfahrer feststellen mussten. Ehrlich gesagt gönne ich es ihnen, denn gerade auf den letzten Abschnitten präsentierten sie sich als eine recht ungemütliche Spezies: Immer in Eile, kein Blick für die Umgebung und nicht besonders höflich.

schafherde schafherde2

Mein absolutes Highlight ist aber folgendes: Auf der Etappe zwischen Holten und Hellendoorn war es im Wald mal wieder soweit, ich hatte die Markierungen verloren. Eigentlich logisch, dass das mal wieder passieren musste, es war ja schon viel zu lange gut gegangen.

Ich schlurfte also erst mal einen endlosen Weg entlang und hatte nirgends einen Anhaltspunkt, wo ich nun eigentlich war. Aber irgendwann musste dieser Weg ja mal einen anderen Weg kreuzen, sooo groß ist das alles hier ja auch nicht. Und tatsächlich sah ich nach einer Weile in der Ferne einen Weg und Radfahrer. Also nichts wie hin, dort würde es sicher Schilder geben. An der Kreuzung war gegenüber auch wirklich ein Schild mit der Aufschrift „Eigen weg“, also Privatweg. Das half mir natürlich unheimlich weiter.

Dann kam ein etwa 15jähriges Mädchen auf dem Fahrrad an. Ich fragte sie, ob sie wüsste, wie der breite Weg heißt. Das konnte sie mir leider nicht beantworten, aber die nächste Auskunft, dass in der einen Richtung Holten lag und in der anderen Nijverdal, brachte mich schon weiter. In Holten war ich am Morgen aufgebrochen, also ging ich weiter in Richtung Nijverdal, was wenigstens ungefähr stimmte. Nachdem ich ein paar Minuten gegangen war, kam mir die Radfahrerin wieder entgegen: „Ich habe da vorne für Sie nachgeschaut, wie der Weg heißt. Es ist der Holterweg.“ Wunderbar, der stand auch auf meiner Karte, so dass ich wieder auf die Route finden würde. Ich hätte die Kleine knuddeln können!

Ein Stillleben

An meinem letzten Wandertag des letzen Jahres kam ich auch an der Ferienanlage „Hof van Salland“ vorbei, wo ein Schild mit der Aufschrift  „Broodje Pieterpad“ mich ins Restaurant lockte. Wie man unschwer an meinem liebevoll komponierten Stillleben erkennen kann, war es sehr lecker.

stillleben

Und jetzt juckt es mich in den Füßen, wieder weiter zu gehen. Mal sehen, ob ich mir in Bälde mal wieder einen Tag freischaufeln kann.

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Pieterpad – Teil eins ist geschafft

Leuth – Vorden

Inzwischen bin ich nah genug an meinem Zuhause, dass ich einzelne Tagesetappen gehen kann und nicht unbedingt unterwegs überachten muss. Und so bin ich das nächste Stück in drei Einzeltagen gegangen. Im Moment kann ich auch zwischendurch einen Tag mitten in der Woche freischaufeln, und das ist auch gut so, denn der Bus nach Elten fährt am Wochenende nicht. Gut, ich könnte mich ja von Peter irgendwo hinbringen und wieder abholen lassen, aber ich empfinde es als Teil der sportlichen Herausforderung, um das Ganze mit öffentlichen Verkehrsmitteln hinzukriegen.

Wasser, Wasser und nochmals Wasser

Nein, das hat jetzt nichts mit dem Wetter zu tun, das war, von kleinen Schauern und einem bisschen Nieselregen abgesehen, fantastisch. Nein, der Weg führte diesmal sehr oft über das Wasser und am Wasser entlang, aber zum Glück nicht durch das Wasser.

Von Leuth aus ging ich nach Millingen aan de Rijn, wo ich mit der Fußgängerfähre den Bijlandsch Kanaal überquerte. Diese Fähre verkehrt im Sommer stündlich, im Winter seltener, so dass es sinnvoll ist, sich über die Abfahrtszeiten zu informieren und die Wanderung einzuteilen. Bei diesem Superwetter war sie voll mit Radfahrern.

Fähre Fähre2

Dann ging es am Naherholungsgebiet De Bijland und am Bovenrijn entlang nach Tolkamer mit seiner Schiffswerft und weiter nach Spijk.

De Bijland Schiffswerft Tolkamer

Zwischen Spijk und Braamt war erst mal Ruhe mit dem Wasser, doch dann wurde der Pieterpad umgeleitet und führt jetzt an einem Teil der Kläranlage Etten vorbei. Das ist keinesfalls so unappetitlich, wie es sich liest, man kommt an Teichen, einer Fischtreppe und einer Schleuse vorbei. Eigentlich ist es ein schönes Naturgebiet und die Streck wird etwas kürzer und kurzweiliger, da ein langweiliges Stück an einer Hauptstraße entlang wegfällt.

Weg über Kläranlage Fischtreppe

Endpunkt des zweiten und Startpunkt des dritten Tages war das Wasserschloss Kasteel Slangenburg aus dem 14. Jahrhundert.

kasteel slangenburg Schloss Slangenburg 2

Und die dritte Etappe führte am Wasserschloss Vorden vorbei.

Schl;oss Vorden

 Grenzland

Auch hier führt der Weg immer wieder an der Grenze entlang und gelegentlich ins Nachbarland. Oft merkt man es nur an den Grenzsteinen oder daran, dass die Häuser doch ein bisschen anders aussehen. Manchmal ist es aber auch deutlicher, wie bei diesem Haus, an dessen Mauer bekannte Goethe-Zitat prangt: „Nur, wo man zu Fuß war, war man wirklich.“ An dieser Stellen einen herzlichen Gruß an Vivian und Alexandra, meine Wanderkolleginnen, auch wenn wir nicht zusammen laufen.

Goethe-Zitat

Die Ortschaft Tolkamer (Zollkammer) heißt nicht umsonst so, dort wurden im späten 18. Jahrhundert die Zölle für die Schiffe erhoben, die den Rhein (Rijn) hinunterfuhren. Der Zoll wurde zwar 1868 abgeschafft, aber der Papierkram blieb.

Tolkamer2

Am Ende des ersten Tages kam ich nach Elten auf der deutschen Seite, eine typische Grenzortschaft: Die Sparkasse befindet sich neben der „Slijterij“ (Spirituosenhandel), und zahlreiche Niederländer kaufen dort ein.

Ein paar Tage später ging setzte ich meinen Weg von hier aus fort und gelangte über den „Noaberpad“, der von Bad Nieuweschans nach Kleve führt, wieder auf den Pieterpad. Dieser kreuzt sich gelegentlich mit dem Barfußpfad, aber ich liess die Schuhe an, denn ich kenne mein Talent, in irgendwas reinzutreten, man erinnere sich nur an den blöden Zelthering bei der Strad6daagse.

Barfußpfad

Der Drususbrunnen hatte noch nicht geöffnet, schade, ich hätte gern „Wie heißt der Bürgermeister von Wesel“ in die Tiefe gebrüllt.

Drususbrunnen

Aber dafür kam ich an einem tollen Aussichtspunkt vorbei, der in meinem niederländischen Wanderführer „Belvedere“ genannt wird, aber die deutschen Schilder sagen deutlich was Sache ist: „Schöne Aussicht“.

Schöne Aussicht

Brennnesseln, Stacheldraht und anderes Ungemach

Immer wieder führte der Weg durch hohes Gras und Gestrüpp, so dass ich öfter als mir lieb war, mit Brennnesseln Bekanntschaft machte. Aber das Zeugs soll ja angeblich die Durchblutung anregen.

Bei Tolkamer ging die Route über ein Stück Deichvorland, eine Art Überlaufgebiet. Man muss dort über einen Zaunübertritt klettern und dann ein Stück durch die  Wiese latschen – Pfade gibt es dort fast keine. Ich stieg über den Zaun, vorbei an ein paar freundlichen Pferden und folgte dem kaum sichtbaren Trampelpfad. Auf einem Hügel standen einige Kühe, die neugierig zu mir hinüber schauten. Ich versuchte, nicht an Bill Brysons Überlegungen zum Thema „Cow attacks“ zu denken und hoffte, dass die Rindviecher in sicherer Entfernung blieben.

Pferde Rindviecher

Dann erreichte ich einen anderen Zaunübertritt, wo ich die Wiese verlassen konnte. Doch das Holzbrett, auf das man steigen muss, war so schmal und wackelig, dass ich am Stacheldraht hängenblieb. Der riss ein Stück aus meiner Hose und zerkratzte mir den Oberschenkel. Hätte ich die Wegbeschreibung doch bloß bis zum Ende gelesen, bevor ich mich in dieses Überlaufgebiet stürzte! Da stand nämlich, dass dieses Gebiet bei Hochwasser unpassierbar ist und man dann den Radweg nach Tolkamer nehmen kann.

Dagegen waren die Mücken, die mich gelegentlich erwischten, kaum noch der Rede wert.

Begegnungen

Auch diesmal ergaben sich wieder nette Begegnungen und Gespräche. Auf der Promenade bei Spijk sprach mich ein Motorradfahrer an, der auf einer Bank in der Sonne saß: „Ist die Vierdaagse (die viertägige Monsterwanderung in und um Nijmegen) noch nicht vorbei?“ Ich erklärte ihm, dass ich damit nix zu tun hatte, sondern den Pieterpad laufen würde. „Du hast einen ganz flotten Schritt drauf!“ Er wollte wissen, wo ich wohne und konnte sich eine Bemerkung zum desolaten Zustand des hiesigen Fußballvereines nicht verkneifen, was mich aber nicht weiter störte. Vielleicht habt ja schon mitgekriegt, dass ich es nicht so mit Fußball habe.

Spijk

In Elten musste ich mich zur Bushaltestelle durchfragen, da diese zwar „Markt“ heißt, aber gut in einer Seitenstraße versteckt ist. Dies tat ich erst mal auf Deutsch, erwischte aber zwei Niederländerinnen, mit denen ich mich noch gemütlich unterhielt, während wir auf den Bus warteten.

Markt Elten

Wegen meines immer noch vorhandenen Akzents fragen mich die Leute gelegentlich, ob ich aus Deutschland komme. Dies bejahe ich natürlich und füge meistens hinzu, dass ich auch Niederländisch spreche und das sie es sich aussuchen dürfen, in welcher Sprache sie sich unterhalten wollen. Manche reden dann lieber Niederländisch, andere freuen sich über die Gelegenheit, ein bisschen Deutsch zu üben.

Bei der Kläranlage Etten begegnete ich einem Paar, das ohne Wanderführer unterwegs war, da dieser gerade neu aufgelegt wird. Sie versuchen, die Route nur anhand der Wegweiser zu laufen – ein mutiges Unterfangen, das ich mir nicht zutraue. Es scheint auch bei ihnen nicht immer zu funktionieren, denn sie wollten von mir wissen, ob sie noch auf dem richtigen Weg waren. Mir passiert es auch gelegentlich, dass ich trotz Buch nicht mehr sicher bin, ob ich noch auf dem richtigen Weg bin, und ich kenne daher das beruhigende Gefühl, wenn man auf Gegenverkehr trifft.

Interessantes

In der Nähe von Braamt führte der Weg zwischen den zwei kulinarisch klingenden Dörfern Vethuizen und Wijnbergen durch, aber leider gab es dort kein Café in der Nähe.

Ortsschild Vethuizen Ortsschild Wijnbergen

In Zelhem war die Hauptstraße mit Hexen dekoriert, die allerdings etwas merkwürdig auf ihren Besen saßen: Das Gestrüpp zeigte nach vorne. Bei Harry Potter machen sie das doch anders.  Der Wirt des Cafés, wo ich Mittagspause machte, konnte mir allerdings nicht sage, was das für eine Bedeutung hatte, und auch mir hilft Google nicht weiter: Es gibt zwar einige Geschichten über die weise Frau Smoks Hanne, aber warum sie so auf ihrem Besen sitzt, wird nicht erklärt. Vielleicht ist das in der Achterhoek ja normal?

Hexe in Zelhem

Kurz vor dem Wasserschloss Vorden kommt man am Pieterpad-Denkmal vorbei: Die Fußspuren von Toos Goorhuis-Tjasma und Bertje Jens, die den Weg praktisch „gegründet“ hatten, sind hier in Beton in den Weg eingelassen:

Pieterpad-Denkmal

Der erste Teil des Pieterpad endet in Vorden bei einem Wegweiser: St. Pietersberg 256 km, Bergen aan Zee 323 km, Enschede 61 km und Pieterburen 232 km. Hier kreuzt der Pieterpad den Trekvogelpad, den ich mir wohl als nächstes vornehmen werde. Aber erst mal kommt der zweite Teil. Hoffentlich kriege ich auch da noch etwas von der blühenden Heide mit.

Blühende Heide

 

 

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Sommer am Pieterpad

Vierlingsbeek – Leuth

Der Sommerurlaub ist inzwischen vorbei, und am Bericht wird gearbeitet. Aber letztes Wochenende war ich mal wieder wandern, diesmal allerdings nur zwei Tage. Da im Moment an verschiedenen Stellen die Gleise repariert werden, hatte ich zwischen Arnhem und Nijmegen Schienenersatzverkehr, aber die Bahn hatte das sehr gut im Griff. Man konnte nämlich zwischen einem Bus, der an jeder Milchkanne hält, und einem Direktbus wählen. Da ich letzteren genommen hatte, erreichte ich in Nijmegen sogar den planmäßigen Anschluss nach Vierlingsbeek.

Abstecher, Pausen und Übernachtung

Soweit wie möglich folgte ich der Route, wie sie im Buch steht. Zweimal machte ich allerdings einen kurzen Abstecher.

In Vierlingsbeek schaute ich mir kurz den jüdischen Friedhof an, der fast am Weg liegt. Da ich ja irgendwann mal Gästeführerin in unserer Synagoge werden möchte, interessiert mich so etwas natürlich. Die meisten Gräber sind schon älter, aber ziemlich nah an der Mauer gibt es eins von 2009.

Jüdischer Friedhof in Vierlingsbeek

Und nördlich von Groesbeek beim Duivelsbergh (Teufelsberg) latschte ich die Treppen hoch zu einem Aussichtspunkt, um dann fest zu stellen, dass man um die Plattform eine gut mannshohe Hecke gepflanzt hatte. Etwas seltsam sind sie manchmal schon, die Niederländer.

Aussichtspunkt mit Hecke - seltsam.

Natürlich luden unterwegs wieder zahlreiche Bänke zur Rast am Wege ein.

Bank am Weg mit Aussicht über Felder

Und am ersten Tag gönnte ich mir in einem Teegarten an der Route bei Afferden einen herrlichen Milchkaffee mit Obstkuchen. Das Paar, dem der Garten gehört, macht alle Speisen und Getränke selbst und gibt den Wanderern auch gute Tipps für unterwegs (geänderte Streckenführung, Sehenswürdigkeiten usw.).

Eingang zum Teegarten Teegarten - Pause

Auch der „Gegenverkehr“ machte hier Pause, und so hörte ich, dass noch ein paar wunderschöne Streckenabschnitte vor mir lagen, was sich auch bewahrheitete.

In Gennep war gerade „Summertime“, und auf dem Marktplatz spielte ein Folkduo, dem ich eine Weile zuhörte. Hach, Sommer ist was Schönes!

Gennep - Rathaus und Musikfest Summertime

Diesmal übernachtete ich in Milsbeek, wieder bei „Vrienden op de fiets“. Ich wurde von Titia und Theo, einem sehr netten Ehepaar in Empfang genommen und gleich mit Kaffee und Keksen bewirtet. Das Zimmer war auch klasse, ich schlief dort so gut, dass ich selbst den Lärm der Steinkäuze nicht mitbekam. Die 27 km dieses Tages hatten es auch in sich gehabt. Wenn es geht, frühstücken die beiden zusammen mit den Gästen, worüber ich mich sehr freute. Bei gepflegter Unterhaltung verging die Zeit wie im Flug, und ich kam mal wieder  später weg als ich vorhatte, aber der Tag war ja trotzdem noch lang.

Wald, Berg und Tal

Diesmal hatten es die beiden Tage in sich. Ein größerer Teil der Strecke führte durch die Gemeinde Berg en Dal, und diese Gegend macht ihrem Namen alle Ehre. Ständig ging es rauf und runter, und es machte richtig Spaß, da die Landschaft sehr abwechslungsreich ist.

Blumen am Wegrand See im Wald

Anders als bei meinen ersten Wanderungen auf dem Pieterpad hatte ich diesmal auch im Wald keine Probleme mit der Orientierung, auch wenn mich hin und wieder die beiden gekreuzten Streifen an den Bäumen davor bewahrten, einen falschen Weg einzuschlagen. Manchmal sind die Beschreibungen auch nicht ganz einfach: Bei dem Fünfsprung geradeaus – wie macht man das eigentlich? Aber alles funktionierte wunderbar, und die einzigen Extrakilometer waren die von der Route zu meinem Quartier.

Der Untergrund war gelegentlich etwas seltsam, so dass man gut aufpassen musste. Ein Wegstück ging über Sand mit Bauschutt und wurde von einem entgegenkommenden Wanderer mit Recht als einer der schlechtesten Wege der Niederlande bezeichnet. Zum Glück war das Stück nicht lang.

Schlechtester Weg der Niederlande

Hin und wieder, vor allem im Wald, war der Weg recht matschig. Wenn es länger am Stück regnet, ist dieser Abschnitt wohl kein reines Vergnügen.

Durch den Matsch

Aber die Landschaft, die ich durchquerte, machte es auf jeden Fall wieder wett.

Da gibt es z. B. das „Quin“ zwischen Afferden und Gennep, eine wunderschöne Heidelandschaft mit kleinen Seen.

Quin - Heidelandschaft mit Seen Quin - Heidelandschaft mit Seen

Außerdem führt der Weg ein Stück über die Siebenhügelroute, was eine Menge Aussicht mit sich bringt.

Alter Weg über die sieben Hügel

Genervt

Am Sonntagnachmittag hatte ich kurz vor Leuth, von wo aus ich heimfahren wollte, einen Durchhänger. Aus irgendwelchen Gründen ging mir einfach alles unglaublich auf den Senkel. Selbstverständlich musste es zu regnen anfangen, als nirgendwo eine Unterstellmöglichkeit in der Nähe war. Das deutsche Dorf Zyfflich, langgereckt an einer Straße ohne Abwechslung oder sowas wie ein Zentrum, schien kein Ende zu nehmen. Wahrscheinlich wohnen hier auch haufenweise Niederländer, weil der Baugrund so billig ist, aber, mit Verlaub, hier möchte ich nicht tot über dem Zaun hängen. An einem Haus hing ein Schild mit der Aufschrift „Hier wohnt ein FC-Bayern-Fan“. Klar, wollte ich immer schon wissen. Fußball ist gnadenlos überbewertet.

Zyfflich - endlos langes Dorf

Müssen die entgegenkommenden Radfahrer immer erst im letzten Moment ausweichen? Und mein Fuß tut auch weh, und natürlich ist gerade jetzt nirgendwo eine Bank zu sehen. Typisch. Wenn man allein wandert, muss man halt auch die eigene schlechte Laune aushalten.

Doch als ich in Leuth ankam und feststellte, dass der Bus in zehn Minuten kommen würde, ging es mir sofort wieder besser. Es war eben doch ein rundum gelungenes Wochenende. Knapp 50 km in zwei Tagen ist doch auch keine schlechte Leistung, oder? Und ich bin sogar ein Stück auf dem Jakobsweg gelaufen.

Jakobsweg

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Ostseeradtour 2015 – Teil 1

Temperatur ist Geschmackssache (Radler auf dem Elberadweg bei Glückstadt)

Enschede – Gronau – Hamburg – Brunsbüttel

start

Mal wieder viel zu früh fuhren wir am Sonntagmorgen los nach Gronau. Alles war noch still, nur einer unserer Nachbarn überholte uns auf seinem Rennrad. Nach einem kurzen Plausch fuhr jeder seines Weges.

Am Bahnhof war erst noch nicht so viel los, doch nach einer Weile versammelten sich mehrere Radler auf dem Bahnsteig. Die beiden Damen, die nach Metelen wollten, beschlossen, in den anderen Wagen einzusteigen, so dass wir und zwei weitere Herren auf dem Weg nach Münster nicht abpacken mussten. Einer dieser Herren hatte ein E-Bike mit, das wir testen durften. Das Teil zog ganz schön ab! Er erzählte, dass er Probleme mit dem Meniskus hatte und mit einem normalen Rad die Ruhrgebietstour mit seinem Kumpel nicht fahren könnte. E-Bikes haben wirklich Zukunft, denn die Akkuleistung wird immer besser, und es gibt auch immer mehr Möglichkeiten, diese aufzuladen. Irgendwann werden wir wohl auch auf Stromräder umsteigen.

e-bike

Da wir in Münster über eine Stunde Aufenthalt hatten, wollte ich zum Bahnhofsbäcker, um Brezeln und Streuselkuchen zu holen. Der Bahnhof war nicht wieder zu erkennen! Das Gebäude war größtenteils weg und die Geschäfte waren im Moment auf den Bahnhofsvorplatz ausgelagert. Die Umbauarbeiten sind umfangreicher als ich dachte.

Wir installierten uns auf dem Bahnsteig im richtigen Gleisabschnitt, doch als unser Zug angekündigt wurde hatten wir es wieder – umgekehrte Wagenreihung, aber nicht für den gesamten Zug. Also rechneten wir aus, wo wir hinmussten und hofften, dass es einigermaßen stimmte. Tatsächlich, wir standen halbwegs an der richtigen Stelle. Als der Zug einfuhr, packten wir ab, wuchteten Räder und Gepäck ins Innere und verstauten alles. Und wie es immer so ist, wollte just in diesem Moment auch das Mädchen mit dem Kaffeewagerl vorbei.

Nach einer Weile saßen wir auf unseren reservierten Plätzen. In der Nähe saß eine Gruppe junger Männer, gewandet in Trikots des Sportvereins Hintertupfingen-Ost oder etwas dergleichen. Sie hatten Cola mit, die sie eifrig mit Doppelkorn verdünnten. Irgendwann fragte einer seinen Kumpel: “Sollen wir mal Plätze tauschen?” – “Duu, das isss aber vvvooolll ansschschdrrrengend!”

Mit nicht allzuviel Verspätung erreichten wir Hamburg. Zusammen mit einem anderen niederländischen Paar, das den Elberadweg Richtung Dresden fahren wollte, hievten wir Räder und Gepäck nach draußen. Da die ganzen Hintertupfinger auch bei dieser Tür aussteigen wollten, dauerte das eine Weile. Zum Glück hatte der Zug hier einen längeren Aufenthalt, bevor er nach Stralsund weiterfuhr.

Die Elbe zu finden, war nicht schwer, der dazugehörige Radweg war jedoch etwas besser versteckt. Endlich befanden wir uns auf der Promenade. Allerdings hatten an diesem schönen Sonntagnachmittag alle Hamburger und sämtlicher Urlauber beschlossen, dort zu promenieren, also kamen wir nicht gerade schnell voran.

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Dann landeten wir beim Museumhafen Övelgönne, wo wir eine Weile unsere Räder inmitten einer größeren Menschenmenge durch die schmalen Gassen schieben mussten. Aber so konnten wir uns wenigstens in Ruhe die malerischen Häuser anschauen.

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Dann wurde es etwas ruhiger, und ohne Probleme fanden wir den Campingplatz am Elbstrand. Dort nahm man uns etwas übel, dass wir nicht reserviert hatten, obwohl sie doch dafür ein Online-Formular haben, aber wir durften trotzdem dort stehen. Wir pflügten uns durch den Sand und fanden einen Platz mit festerem Untergrund, wo wir unser Zelt aufstellten, selbstverständlich mit Elbblick.

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Dann gingen wir in den Biergarten zum Essen. Der Barkeeper verblüffte uns damit, dass er zwei Weißbiergläser gleichzeitig einschenkte, und bei der Essensausgabe bekommt man keine Nummern, sondern Namen wie „Mary Poppins“ oder „Miss Piggy“, die lauthals gerufen werden, wenn das Essen fertig ist. Der Fisch war aber auf jeden Fall lecker. Mit vollem Bauch zogen wir uns in unser Zelt zurück. Nachts war es ziemlich kalt, so dass ich irgendwann meine Kapuzenjacke anzog.

Am nächsten Morgen schien die Sonne, doch es wehte ein ziemlich frisches Lüftchen. Die beiden italienischen Jungs neben uns saßen bibbernd bei ihrem Gaskocher und machten Kaffee. Auch wir frühstückten erst mal in Ruhe. Obwohl unsere Nachbarn schon lange vor uns aufgestanden waren und mit dem Einpacken angefangen hatten, waren wir ungefähr gleichzeitig fertig. Bei uns gilt die Regel: Vom Aus-dem-Schlafsack-Kriechen bis zum Losradeln vergehen ziemlich genau eineinhalb Stunden. Klappt fast immer!

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Wir pflügten uns wieder durch den Sand und fuhren erst an der Elbe entlang, bis wir vor einer steilen Treppe nach oben standen. Also zurück. Wir begegneten den Italienern wieder und warnten sie, doch sie fuhren weiter. Nach einer Weile standen wir wieder vor dieser Treppe, aber diesmal oben, wo die Italiener ihre Räder hochwuchteten. Kurz darauf riefen uns zwei ältere Herren auf einer Bank etwas nah, das wir nicht verstanden, und bald landeten wir in einer Sackgasse. Ach, das hatten die Herren gemeint! Also wieder zurück, an den Herren vorbei. Wahrscheinlich haben sie so den ganzen Tag Unterhaltung, Statler und Waldorf lassen grüßen.

Uns reichte es erst mal mit dem Elbe-Radweg, wir wollten bloß raus aus der Stadt. Wir folgten den Schildern nach Uetersen und Elmshorn, das lag so ungefähr in der richtigen Richtung. Die Elbe würden wir irgendwann schon wiederfinden. Die Radwege waren auch okay, aber warum sind sie in der Stadt immer von Glas gespickt? Ich hoffe ja, dass diejenigen, die das verursachen, im Jenseits bis zum jüngsten Gericht Reifen flicken dürfen.

Bei Elmshorn fanden wir auch den Radweg nach Glückstadt und hatten den Wind kräftig von vorne. In der Stadt merkt man das ja nicht so. Bei einer Pause auf einer Bank mit Elbblick unterhielten wir uns mit einem Herrn, der zu einem Badestrand in der Nähe wollte, die Wassertemperatur sei im Moment 16 Grad. Auf meinen Einwand, dass das doch etwas kühl, um nicht zu sagen saukalt sei, meinte er: „Temperatur ist Geschmackssache“. Wunderbar, dieser Satz sollte uns den restlichen Urlaub begleiten.

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Wir radelten weiter auf dem Deich und erreichten bald Glückstadt mit einem netten kleinen Hafen.

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Hier kann man auch mit der Fähre die Elbe überqueren, was wir aber diesmal nicht vorhatten. Und weiter ging es gegen den Wind auf dem Deich, wo die Schafe friedlich grasten. In der Ferne sahen wir die Kernzentrale Brokdorf. Trotz zahlreicher Pausen wurden die Kilometer nach Brunsbüttel langsam, aber stetig weniger.

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Kurz vor Brunsbüttel standen wir plötzlich vor einer Schranke. Da es außer zurück keine Alternative gab, zwängten wir uns daran vorbei und radelten über ein Fabrikgelände auf eine Straße, die uns direkt zur Fähre über den Nord-Ostseekanal brachte. Peter war mal wieder etwas voraus und rollte auf die Fähre, doch als ich den Anleger erreicht hatte, setzte sich plötzlich die Autoschlange in Bewegung, und ich war noch auf der falschen Straßenseite! Hilfe, der Gatte wird doch nicht ohne mich den Kanal überqueren? Gut, sowas kommt vor, ich hatte ihn auch mal in London an einer Underground Station zurückgelassen, weil er in ein Plakat vertieft war und die Türen schneller zugingen als gedacht. Aber diesmal sollte das nicht passieren. Ich sah den Mitarbeiter der Fähre fragend an und rollte an Bord, allerdings auf der falschen Seite, wo ich einigen Fußgängern im Weg stand, aber egal, die Fähre legte mit mir ab.

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Auf der anderen Kanalseite fuhren wir zur Tourist Information und suchten auf einem Umgebungsplan den Weg zum Campingplatz am Elbdeich. Dort angekommen empfing uns ein Schild: „Einchecken Deichstraße 71.“ Zum Glück war das gleich um die Ecke und nicht beim Fähranleger oder so. Der Platzwart erwies sich als Scherzkeks, denn er empfing uns mit folgenden Worten: „Leider habe ich nichts mehr frei, aber in Hamburg könnte ich Ihnen noch etwas anbieten.“ In diesem Stil ging die Eincheckprozedur weiter, bis wir unser Zelt aufbauen konnten. Der Platz ist einfach, aber nett und hat eine kleine Küche für Camper. Die Dusche war wunderbar, ich hätte duschen können, bis die rote Sonne im Meer versinkt, aber man muss es ja nicht übertreiben.

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Aufgewärmt und munter machten wir einen Spaziergang zum historischen Ortskern, wo wir eine nette Pizzeria fanden. Während wir auf die leckere Pizza warteten, rekonstruierten wir den Tag und ich schrieb meine Stichpunkte in den Kalender.

Nach dem Essen gingen wir zurück zum Campingplatz und setzten uns eine Weile auf eine Bank auf dem Deich. Dann gingen wir schlafen. Die Schafe blökten noch eine Weile friedlich vor sich hin, dann war es still.

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Nach den Anstrengungen von gestern hatten wir uns einen Ruhe- und Kulturtag verdient, also trödelten wir beim Frühstück gemütlich herum und beobachteten die Schafe, die in einer langen Reihe aus der Stadt wieder zum Deich kamen. Dann fuhren wir an selbigem entlang in die Stadt und parkten die Räder bei der Tourist Information.

Erst gingen wir zur Aussichtsplattform 3 des Nord-Ostseekanals und beobachteten, wie die Schleuse geöffnet wurde, um einige Schiffe durch zu lassen. Das scheint eine ziemlich aufwändige Sache zu sein, bei der mehrere Arbeiter irgendwelche Kolben in Löcher gleiten ließen bzw. selbst in diesen Löchern verschwanden. Was da alles passierte, erschloss sich mir ehrlich gesagt nicht, aber interessant war es auf jeden Fall.

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Dann besuchten wir die Ausstellung in der Tourist Information, denn wir wollten mehr über den Kanal erfahren, der die Nordsee mit der Ostsee verbindet und so den Schiffen einen langen Umweg über Skagen erspart. In der Ausstellung selbst kann man verschiedene Kanalmodelle, Fotos, Grafiken und Tabellen bewundern. Dann zeigte man uns einen Film über die Geschichte und den Bau des Kanals. Dabei erfuhren wir, dass bereits im 7. Jahrhundert die Wikinger in Haithabu Pläne für einen derartigen Kanal hatten. Der direkte Vorläufer war der Eiderkanal, der im 18. Jahrhundert gebaut wurde. 1887 wurde dann mit dem Bau des Nord-Ostseekanals begonnen, der 1895 dann fertig wurde.

Danach zeigte man noch einen Film über die Navigation auf dem Kanal. Manche Schiffe sind ja sehr breit, so dass ein genauer Plan eingehalten werden muss, wann und wo sie einander passieren können. Dabei erhält jedes Schiff abhängig von der Breite eine Passierzahl. Die Summe der beiden Schiffe, die aneinander vorbei wollen darf ein bestimmtes Maximum nicht überschreiten, sonst muss eines der beiden Schiffe in einer Art „Ausweichbucht“ warten. Wieder etwas gelernt.

Wir bummelten noch durch den Ort und erledigten Einkäufe. Dabei fiel uns auf, dass Brunsbüttel viele Geschäfte aller Art, aber relativ wenig Besucher hat. Das kann natürlich auch an der Vorsaison liegen, gut möglich, dass hier im Hochsommer der Bär steppt. An der Promenade verspeisten wir das erste Fischbrötchen des Urlaubs. Es war nicht schlecht, aber an Norden reicht es nicht heran.

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Dann fuhren wir zurück zum Campingplatz, wo ich mich in die Sonne setzte, um ein paar Schönheitsreparaturen an Peters Schlafsack vorzunehmen. Inzwischen hatten wir auch Nachbarn bekommen: ein Radfahrerehepaar aus Bayern, die auch ostwärts radeln wollten und heute ebenfalls mit dem Wind zu kämpfen hatten, und eine junge Frau, die auf dem Nordseeradweg unterwegs war.

Später traf ich in der Küche eine Frau, ebenfalls aus dem sonnigeren Süden, die über das Wetter schimpfte: „Mei, is des a Wind hier! Normal fahrn mer ja im Urlaub ins Allgäu, aber mein Mann wollt unbedingt Schiffe sehn. Also samma heuer hier. Aber warm is hier ja ned grad.“ Aber Temperatur ist ja bekanntlich Geschmackssache, ich fand die knapp zwanzig Grad ideales Radlerwetter. Und so lange es nicht regnet…

Nach dem Abendessen gönnten wir uns noch ein Bierchen in der Strandhalle auf dem Deich.

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Dann verkrochen wir uns in unsere Schlafsäcke, während in einem der Nachbarzelte schon diverse Bäume zersägt wurden.

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Ostengland 2013 – Teil 10

Die North York Moors

 In der Nacht hatte der Regen gemütlich auf das Zelt getrommelt, das bis jetzt zum Glück gut dicht hielt. Am Morgen regnete es leider immer noch, so dass wir im Vorzelt frühstückten – ohne Kaffee, da sich das Anzünden des Gaskochers im Zeltinneren nicht empfiehlt. Danach war immer noch keine Struktur in der Wolkendecke zu sehen, also hieß es nass abbauen und einpacken. Richard war weit und breit nirgends zu sehen. Treulose Tomate.

Wir brachen auf und glitschten vorsichtig den steilen Hügel vom Campingplatz zur Hauptstraße hinunter und fuhren zum Bahnhof. Da es bis zur Abfahrt der „North Yorkshire Moors Railway“ noch eine Weile dauerte, deckten wir uns im Supermarkt schon mal mit Verpflegung ein. Dann unterhielten wir uns mit einem Radfahrer aus der Gegend, der mit dem Zug nach Middlesborough und dann nach Norden radeln wollte. Als ich ihm erzählte, wo wir bisher gewesen waren, meinte er: „You‘ve done the easiest part then.“ Sooo deutlich hätte man das jetzt auch nicht formulieren müssen, auch wenn es stimmte. Dann bemerkte er, dass die Leute „vom Kontinent“ meistens mit Ortlieb-Packtaschen unterwegs seien. Richtig, sie sind zwar nicht billig, aber meine Hintertaschen habe ich schon zwölf Jahre, und sie sind immer noch tiptop in Ordnung: Sie sind noch absolut wasserdicht, und auch die Aufhängung ist noch so, wie sie sein soll.

Dann fuhr der Zug ein und die Dampflokomotive („Green Knight“, Baujahr 1956) wurde umgehängt.

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Ein Zugbegleiter in stilvoller Uniform half uns, die Räder ins Innere zu bugsieren, und wir suchten uns einen Fensterplatz in der Nähe unserer Leezen. Dann tuckerte die Bahn am Fluss Esk entlang aus Whitby heraus. Wir warfen noch einen letzten Blick auf die Abbey.

Als wir mit der Planung unseres ersten gemeinsamen Englandurlaubs beschäftigt waren, stieß ich in einem Reiseführer auf eine Beschreibung dieser Eisenbahnstrecke und erklärte zur Erheiterung der Verwandtschaft: „Dann weiß ich schon, wer Bahn fährt.“ Damals waren wir die Strecke in Gegenrichtung, von Pickering nach Whitby, gefahren und ich hatte einer alten Dame im Fahrrad- und Gepäckwagen Gesellschaft geleistet, das ihr Rollstuhl nicht durch die Abteiltür passte. Wir hatten uns sehr angenehm unterhalten.

Diesmal hatte ich einen schönen Sitzplatz am Fenster und genoss die Aussicht auf die dramatischen Hügel, während der Regen gegen die Scheiben schlug. Es war eine gute Entscheidung, mit der Bahn zu fahren.

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Nach einer Dreiviertelstunde erreichten wir Goathland, einen schnuckligen Bahnhof, wo die Abfahrtszeiten noch mit Kreide an eine Tafel geschrieben werden. Später las ich, dass es sich um den Bahnhof von Hogsmeade in den Harry-Potter-Filmen handelt. Schön, nicht?

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Wir fotografierten noch ein paar der steilen Hügel und waren froh, dass wir da nicht drüber mussten.

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Dann erreichten wir die Endstation Pickering. Einer der Schaffner brachte eilfertig eine Rampe, über die wir die Räder problemlos nach draußen befördern konnten. Inzwischen hatte es aufgehört zu regnen, aber es war immer noch bewölkt und ungemütlich. Also beschlossen wir, heute nicht mehr allzuweit zu radeln. Zwischendurch kam auch die Sonne wieder vorsichtig hervor.

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In Great Barugh, das nur aus ein paar Gehöften besteht (der Nachbarort Little Barugh ist sogar noch kleiner), fanden wir den netten Campingplatz „Willow Garth“, den Weidengarten. Zum Einchecken mussten wir erst einmal um das Haus in den Garten, wo sich die Familie versammelt hatte, um die vier Sonnenstrahlen des heutigen Tages zu genießen. An der Rezeption konnte man auch Milch, Brot und die Zeitung bestellen, und sie hatten auch Spülmittel, Shampoo, Bratfett und dergleichen in handliche Minifläschchen abgefüllt, die für 50 p verkauft wurden.

Wir suchten uns ein nettes Plätzchen und bauten das nasse Zelt auf. Dann wollte ich duschen, was aber leichter gesagt als getan war. Man brauchte 20 p für drei Minuten Duschen, doch nachdem ich die Münze in den für den Münzeinwurf bestimmten Münzeinwurf geworfen hatte, leuchtete nur der rote Schriftzug „Reset“. Also musste ich mein Zeugs wieder zusammensuchen, mich in mein Handtuch wickeln und in die Nebenkabine umziehen, wo es dann zum Glück funktionierte.

Dann nahm ich diverse Broschüren und Umgebungskarten aus dem Kästchen im Vorraum und ging zurück zum Zelt. Inzwischen schien tatsächlich die Sonne, so dass der Tag doch mehr als vier Sonnenstrahlen aufweisen konnte. Wir studierten das Informationsmaterial und beschlossen, nicht gleich am nächsten Tag nach York weiter zu fahren, sondern das Freilichtmuseum in Hutton-le-Hole zu besuchen und diverse Aussichtspunkte zu erradeln.

Im Lauf des Nachmittags trudelten einige Familien ein – es war wieder Freitag. Wir machten ein Schläfchen, lasen weiter in unseren Kathedralbüchern und brutzelten irgendwann ein Abendessen. Dann verkrochen wir uns in unsere Schlafsäcke und wurden vom Blöken der Schafe in den Schlaf gewiegt. Es lebe das Landleben!

Nachts regnete es wieder, und morgens war es bewölkt, als wir nach Hutton-le-Hole aufbrachen. Erst war es noch schön sanftwellig und irgendwann passierten wir das Schild „North York Moors National Park“. Das wäre gar nicht nötig gewesen, denn jetzt ging es kräftig bergauf. Wie es sich für einen Samstag gehört, waren auch die Rennradler wieder in Rudeln unterwegs. Wie so oft fiel es uns auf, das manche uns freundlich grüßten, andere aber schienen es für unter ihrer Würde zu halten, sich mit Tourenradlern zu befassen und glotzten stur geradeaus.

Hutton-le-Hole ist ein typisches idyllisches Yorkshire-Dorf mit einer kurzen Dorfstraße mit ein paar Läden, einigen Wohnhäusern und dem Ryedale Folk Museum, wo gerade das „Wonders of Wood Weekend“ stattfand.

Nachdem wir unseren Eintritt bezahlt hatten, wurden wir erst in die Kunstgalerie dirigiert, wo man verschiedene Landschaftsgemälde bewundern konnte. Dann ging es nach draußen durch eine Dorfstraße des frühen 20. Jahrhunderts: Schmied, Bäcker, Dorfladen, Drogerie und natürlich Bauernhöfe mit Haupt- und Nebengebäuden sind dort liebevoll aufgebaut und gestaltet.

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In einigen dieser Gebäude zeigten an diesem Wochenende alle möglichen Handwerker, was man alles aus Holz machen kann. Fasziniert schauten wir einem Drechsler bei der Arbeit zu, ließen uns erklären, wie man einen Bogen herstellt und beobachteten eine Dame beim Stuhlflechten. Ich finde (Kunst-)Handwerk faszinierend und könnte stundenlang zuschauen. Das Stuhlflechten würde ich auch gerne mal selbst ausprobieren.

Außerdem hat das Museum ein rekonstruiertes Rundhaus aus der Eisenzeit, das einen guten Eindruck des Lebens damals vermittelt. Alles spielte sich in einem einzigen Raum ab. Bei diesem Rundhaus gibt es auch ein Labyrinth, das der Gatte natürlich sofort durchwandern musste.

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Doch nicht nur die Vergangenheit spielt im Ryedale Folk Museum eine wichtige Rolle, sondern auch Landwirtschaft und Naturschutz in der Gegenwart. Wir lernten die beiden Minischweinderl Ethel und Maud kennen und sahen verschiedene Arten von Hühnern.

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Auch einen Obstgarten gibt es hier, wo anhand von Fotos der Fruchtzyklus des Apfelbaums erklärt wird, und man wird darauf hingewiesen, wie wichtig die traditionellen Obstgärten für unsere Umwelt sind. Auch gibt es dort eine Wiese mit alten Acker- und Wiesenblumen, die man leider nicht mehr so oft sieht: Kornblumen, Klatschmohn, Schafgarben, Margeriten, Springkraut und viele mehr.

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Doch nicht nur draußen gibt es einiges zu sehen. In einem der alten Gebäude befindet sich die Harrison Collection der Brüder Edward und Richard Harrison, die alles Mögliche aus fünf Jahrhunderten gesammelt hatten: Uhren, Puppen, Bücher, Spielzeug aller Art – es gibt eigentlich kaum etwas, was sie nicht sammelten.

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Mein persönlicher Höhepunkt war allerdings „The Model Village“. In den 50er Jahren begann ein gewisser John Hayton aus Harrogate, dieses Miniaturdorf zu bauen, und es beschäftigte ihn die nächsten 30 Jahre. Nach seinem Tod wurde das Dorf in den Harlow Carr Gardens in Harrogate ausgestellt, bis es im Jahr 2008 nicht mehr ins Konzept passte. Das Ryedal Folk Museum zeigte sich interessiert, doch leider überstanden die zahlreichen Gebäude den Transport nicht besonders gut und mussten erst aufwändig von einigen freiwilligen Helfern restauriert werden, bevor sie ein Jahr später wieder in voller Glorie ausgestellt werden konnten. Ich konnte mich gar nicht satt sehen an den liebevoll und detailliert gestalteten Gebäuden: Kirche, Schloss, Pub, eine Windmühle und vieles mehr.

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Am Ende unseres Besuchs entdeckte ich noch ein Schmankerl für Alex und ihr Blog „Buurtaal“. Ort hat sie vor einiger Zeit einen Post über die verschiedenen Namen für das stille Örtchen verfasst. Hier gibt es die Nachbildung eines viktorianischen Außenklos. Wasserspülung gab es zu dieser Zeit natürlich noch nicht, und damit es in den Sommermonaten nicht gar so stinkt, pflanzte man einen Fliederstauch daneben, und so heißt das Häuschen passenderweise „Lilac Cottage“ (Fliederhäuschen).

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Es war ein rundum gelungener Besuch. Als wir das Museum verließen, kam mal wieder ein Regenschauer herunter, so dass wir uns unter einen großen Baum stellten und die Gänse auf der Dorfstraße beobachteten.

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Dann fuhren wir weiter, teilweise über Steigungen von 16%, zum Aussichtspunkt Gillmoor. Die Strampelei lohnte sich aber durchaus, die Aussicht ist toll! Dort befindet sich auch eine Bank, und in der Steinmauer daneben eine Tafel mit einem Gebet:

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„Thou who hast given me eyes to see
And love this sight so fair,
Give me a heart to find out thee
And read thee everywhere.“ (J. Keble)

Wer auch immer das Schild dort anbringen ließ, man kann ihm einfach nur Recht geben.

Wie die Aussicht hatten wir uns auch die Abfahrt ins Tal redlich verdient. Wir fuhren ins Dorf Normanby, nicht weit von unserem Campingplatz, wo wir auf den Hinweg ein nettes Pub für unser Abendessen entdeckt hatten. Dort wollte man mir erst nur ein halbes Pint andrehen, aber nach den vorangegangenen Anstrengungen bestand ich – gar nicht ladylike – auf einem ganzen Pint, was von den Leuten am Nebentisch mit einem „good for you“ kommentiert wurde. Geht doch. Nach einer einfachen, aber nahrhaften Mahlzeit fuhren wir zurück zum Campingplatz. Inzwischen hatte es wieder zu regnen angefangen. Einer der Dauercamper sah es philosophisch: „The weather is always like this, one minute sun, one minute rain, and we can’t do anything about it.“

Wir verkrochen uns ins Zelt und widmeten uns unserer Zeitungslektüre. Der Aufreger der Woche war diesmal ein Foto der Autorin und Fernsehköchin Nigella Lawson und ihrem Mann Charles Saatchi in einem Londoner Restaurant. Die beiden sind anscheinend in einen Streit verwickelt, und er würgt sie. Irgendwie stieß mir das Foto ziemlich auf, ich hätte es sympathischer, wenn auch weniger medienwirksam gefunden, wenn der Fotograf anstatt zu knipsen, dem sauberen Herrn erklärt hätte, dass man sich so einfach nicht benimmt. Das Ganze wurde noch eine Weile in der Presse breit getreten, und im Juli ließ Nigella sich scheiden.

Da die Wettervorhersage nicht sehr vielversprechend aussah, wollten am nächsten Morgen spätestens um 11 Uhr beschließen, ob wir noch bleiben oder weiterziehen würden.

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Chiemgauer Streifzüge – Teil 3

Wir hatten gut geschlafen, da es nachts trocken geblieben war. Nach dem Frühstück brachen wir zu einer weiteren Radtour auf. Wir folgten dem Südufer des Chiemsees, von dem wir am Vortag wegen des Schietwetters nicht allzuviel gesehen hatten, und wollten bei Übersee auf den Radweg entlang der Tiroler Ache abbiegen. Wie gesagt – wollten, denn das ging natürlich nicht ohne die üblichen Schwierigkeiten.

Beim Überqueren der Straße in der Nähe von Bernau ging der Radweg sowohl versetzt geradeaus als auch nach links weiter. Ich hatte ein bisschen vor mich hin getrödelt  und nicht aufgepasst, und so kam es, dass Peter links abbog und ich geradeaus weiterfuhr. Schön war es da schon, nur Peter war nirgends zu sehen. Für solche Fälle haben wir die Abmachung, dass wir zurück zu dem Punkt fahren, wo wir uns zuletzt gesehen haben. Peter tat dies auch brav, aber ich fuhr dorthin, wo er meiner Meinung nach hätte sein sollen. So konnte das ja nichts werden. Dank der Tatsache, dass wir beide die Handys dabeihatten, konnten wir bald wieder gemeinsam weiterfahren. So war dieses Gerät, mit dem ich mich bie heute nicht richtig anfreunden konnte, doch mal zu etwas gut.

Das Abbiegen auf den Radweg an der Tiroler Ache klappte natürlich auch nicht, da wir uns in Übersee verfranzten und auf die Hauptstraße nach Grassau gerieten. Dem Gatten war das wurscht, schließlich wollten wir ja dort Mittag essen. Aber ich fahre nicht gern auf Hauptstraßen und bestand darauf, bei der nächsten Gelegenheit links abzubiegen, da wir laut meinem Instinkt dann auf den Fluss stoßen müssten. Peter traute dem zwar nicht ganz, gab aber nach, und als wir an em idyllischen Dörfchen Almau vorbeikamen, wussten wir, dass wir richtig waren.

Und man muss doch zugeben, dass so ein Flussradweg viel schöner ist als eine Hauptstraße:

In Grassau fanden wir einen netten Biergarten zum Mittagessen und schrieben dort auch ein paar Postkarten. Dann fuhren wir durch das Moorgebiet „Kendelmühlfilzen“ wieder zurück.

Wir kamen noch am Bayerischen Moor- und Torfmuseum vorbei, das ich gerne besichtig hätte, doch leider war es an diesem Tag geschlossen.

Am Spätnachmittag hatten wir unsere Runde beendet und brachten die Räder zurück. Die „Dutch-Perfect“-Reifen hatten ihr Versprechen gehalten, wir hatten tatsáchlich keinen Platten gehabt. Aber ich hatte das Gefühl, dass sie wegen der dickeren Gummischicht auch irgendwie schwerfälliger in der Kurve sind. Vorläufig werden wir erst mal bei den bewährten Schwalbe-Reifen bleiben.

Dann mussten wir Geld abheben, da unser Bargeldvorrat ziemlich geschrumpft war. Doch der erste Automat akzeptierte unsere Karte nicht, der zweite war sowieso schon außer Betrieb. In einer Eisdiele half man uns weiter und nannte uns vier weitere Automaten in der Nähe, von denen auch gleich der erste die gewünschte Summe ausspuckte.

Dann kauften wir noch ein und verbrachten den Abend zeitunglesend auf dem Campingplatz, wo die Schafe nebenan friedlich vor sich hinklökten.

Am nächsten Morgen gab es beim Frühstück geballte Äktschn auf dem Platz. Für ein Wohnwagengespann ein Stück weiter weg war die Kurve zur Ausfahrt zu eng, also wollten sie andersherum, also einmal um den Platz fahren. Dabei schrammten sie beim Abbiegen ein Auto zwei Parzellen von uns entfernt. Bei der Rezeption, wo Peter gerade Semmeln holte, fragten sie hektisch nach den Besitzern, die gerade nicht da waren. Doch kurze Zeit später kamen sie zurück, und der Herr quittierte den Schaden mit einem trockenen „Sauber!“. Man tauschte Personalien und Versicherungsdaten aus, und das Gespann fuhr seines Weges, ohne weitere Schäden anzurichten.

Nach diesem ereignisreichen Frühstück fuhren wir mit dem Auto nach Marquartstein und vorn dort mit der Seilbahn auf die Hochplatte. Vor ein paar Jahren waren wir im Oktober einmal da geswesen und standen an der Bergstation knöcheltief im Schnee. Davon war heute jedoch nichts zu merken, es war sogar ziemlich warm.

Oben wollten wir den Staffenrundweg gehen und dann über die Hefteralm ins Tal wandern. Doch als wir die Abzwigung zur Hefteralm erreichten, war es uns schon zu warm, und es war noch nicht einmal 10 Uhr! Slso beschlossen wir, auf den Rundweg zu verzichten und gleich gemütlich nach unten zu wandern, denn auf einen Hitzschlag hatten wir keine Lust.

Unterwegs hatten wir einen wunderschönen Blick über den Chiemsee und die Umgebung:

Immer wieder begegneten wir Mountainbike-Fahrern, die mit mehr oder weniger roten Köpfen der Berg hochschnauften. Das hatte es, als ich als Kind dort oben war, noch nicht gegeben! Wenn die Leute dann den Weg hinunterbrettern, ist das sicher auch nicht gerade ungefährlich. Ich fahre ja gern Rad, aber so etwas würde ich mir nie freiwillig antun.

Nach einer Weile sah man im Tal die Hefteralm und kehrten dort ein. Die Alm wird zwar nicht mehr von dem netten alten Ehepaar, sondern von ihrer Enkelin bewirtschaftet, aber der Kaiserschmarrn ist immer noch genauso lecker wir früher. Schon deswegen hat sich die Wanderung gelohnt.

Den Rest des Tages, der so turbulent angefangen hatte,  verbrachten wir mit Einkäufen in Prien und dann ganz ruhig mit einem Buch auf dem Campingplatz, und am nächsten Tag wurde es Zeit, sich auf den Heimweg zu machen.

Unterwegs machten wir in Würzburg Station, wo es in der Nacht ein furchtbares Gewitter gab. Dabei soff unser Zelt endgültig ab. Wenn das Wasser mehrere Millimeter hoch im Innenzelt steht, ist nichts mehr zu retten, und schweren Herzens nahmen wir Abschied von der Behausung, die uns in den letzten acht Jahren bei so manchen Stürmen, Gewittern und sonstigem Schietwetter Schutz geboten hat.  Demnächst werden wir also wieder diverse Outdoor-Geschäfte besuchen und dort „die Rücken-, Seit- und Bauchlage ausprobieren“ (Loriot).

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