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Pieterpad-Nachlese 2016

Vorden – Ommen

Entgegen meinen guten Vorsätzen habe ich es letztes Jahr nicht geschafft, den Pieterpad zu Ende zu wandern. Aber nach dem Erreichen der Mitte war ich im Herbst doch noch drei einzelne Tage unterwegs, nämlich am 30. August, am 16. September und am 1. Dezember, und habe vier Etappen geschafft. Am ersten Tat bin ich gleich zwei Etappen, also ungefähr 28 Kilometer gelaufen. Nicht schlecht, oder?

Schlösser und Landgüter

Vor allem anfangs kommt man an einigen Schlössern und Landgütern vorbei, von denen es eine Menge in dieser Gegend gibt. Die Schulen hatten wieder angefangen, und bei dem herrlichen Wetter waren zahlreiche Schulkinder mit Rädern und Fragebögen unterwegs, um die Gegend zu erkunden. Bei Kasteel Den Bramel hörte ich, wie ein Kind fragte: „Oh, ein Schloss! Wohnt da der König?“ Ein anderes antwortete: „Ganz sicher nicht.“ – „Aber es ist ein Schloss!“ – „Dass es ein Schloss ist, heißt nicht, dass der König ausgerechnet hier wohnt. Es gibt viele Schlösser.“ Tja, wo das Kerlchen recht hat…

den-bramel

Ein ganzes Stück später, bei Huis Verwolde, machte ich einen Umweg, um „de dikke boom“ (den dicken Baum) zu bewundern. Diese monumtentale Eiche wurde wahrscheinlich rund 1500 gepflanzt, und der Stamm hat einen Umfang von 7,60 Metern. Ein ganz schöner Oschi, nicht wahr?

huis-verwoldedikke-boom-2 dikke-boom

Mythos Holterberg und andere Erhebungen

Diesmal führte der Weg über einige Berge – zumindest nennen die Niederländer sie so. Einer davon ist der Holterberg, auf dem ich in meinem ersten Jahr hier – angeblich – auch schon war. Damals machten wir mit einem Freund eine Wanderung von Rijssen nach Nijverdal (oder umgekehrt), und diese führte auch über den Holterberg. Es war eine schöne Waldwanderung, das auf jeden Fall, aber irgendwann waren wir am Zielbahnhof, wo ich etwas enttäuscht fragte: „Und wo ist jetzt der Holterberg, und warum waren wir doch nicht oben?“ Wenn man aus der Gegend von München kommt, hat man bei dem Wort „Berg“ einfach eine andere Vorstellung. Aber nach fast 20 Jahren hier bin ich wohl eingebürgert genug, um auch den Holterberg, der sich immerhin stolze 58 Meter über dem Meeresspiegel erhebt, zu erkennen:

holterberg2 holterberg

Die Aussicht hat schon was.

Später ging ich auch über den Haarlerberg und am letzten Tag über den schon sehr herbstlichen Archemerberg, an dessen Fuß ein großer Findling, der „Dikke Steen“ liegt:

dikkesteen

archemerberg archemerberg2

Geschichte am Weg

Bei Holten lief ich ein Stück auf dem Weltzeitpfad, auf dem sich in regelmäßigen Abständen Pfosten befinden. Jeder steht für ein Jahr, und auf dem befestigten Würfel steht Wissenswertes über dieses Jahr. Dazwischen befinden sich auch andere Objekte, wie hier die Schweinderl, die ich an dem Tag wohl spannender fand als die Geschichtswürfel.

schweinderl

Am Weg in der Nähe von Nijverdal befindet sich das Denkmal des Arbeitslagers Twilhaar, das 1941 gegründet wurde. Arbeitslose Fischer sollten dort Bäume pflanzen. 1942 wurde das Lager von den deutschen Besatzern übernommen und diente als Durchgangslager für jüdische Zwangsarbeiter, bevor sie nach Westerbork und von dort aus in die Vernichtungslager gebracht wurden.

twilhaar twilhaar2

Die beiden Fotos, das eine noch scharf, das andere nicht mehr, sollen eine Warnung vor dem Verblassen der Erinnerung sein.

Begegnungen

Auch diesmal hatte ich wieder jede Menge nette Begegnungen. Einmal fragte eine Frau mich auf der Hinfahrt, als ich meinen Reiseführer studierte, welche Etappe es heute werden würde, und es entspann sich ein angeregtes Gespräch über das Wandern im Allgemeinen und den Pieterpad im Besonderen.

Und einmal kam mir ein Schäfer mit zwei Hunden und einer großen Schafherde entgegen. Da kommst du nicht durch, wie auch die Rennradfahrer feststellen mussten. Ehrlich gesagt gönne ich es ihnen, denn gerade auf den letzten Abschnitten präsentierten sie sich als eine recht ungemütliche Spezies: Immer in Eile, kein Blick für die Umgebung und nicht besonders höflich.

schafherde schafherde2

Mein absolutes Highlight ist aber folgendes: Auf der Etappe zwischen Holten und Hellendoorn war es im Wald mal wieder soweit, ich hatte die Markierungen verloren. Eigentlich logisch, dass das mal wieder passieren musste, es war ja schon viel zu lange gut gegangen.

Ich schlurfte also erst mal einen endlosen Weg entlang und hatte nirgends einen Anhaltspunkt, wo ich nun eigentlich war. Aber irgendwann musste dieser Weg ja mal einen anderen Weg kreuzen, sooo groß ist das alles hier ja auch nicht. Und tatsächlich sah ich nach einer Weile in der Ferne einen Weg und Radfahrer. Also nichts wie hin, dort würde es sicher Schilder geben. An der Kreuzung war gegenüber auch wirklich ein Schild mit der Aufschrift „Eigen weg“, also Privatweg. Das half mir natürlich unheimlich weiter.

Dann kam ein etwa 15jähriges Mädchen auf dem Fahrrad an. Ich fragte sie, ob sie wüsste, wie der breite Weg heißt. Das konnte sie mir leider nicht beantworten, aber die nächste Auskunft, dass in der einen Richtung Holten lag und in der anderen Nijverdal, brachte mich schon weiter. In Holten war ich am Morgen aufgebrochen, also ging ich weiter in Richtung Nijverdal, was wenigstens ungefähr stimmte. Nachdem ich ein paar Minuten gegangen war, kam mir die Radfahrerin wieder entgegen: „Ich habe da vorne für Sie nachgeschaut, wie der Weg heißt. Es ist der Holterweg.“ Wunderbar, der stand auch auf meiner Karte, so dass ich wieder auf die Route finden würde. Ich hätte die Kleine knuddeln können!

Ein Stillleben

An meinem letzten Wandertag des letzen Jahres kam ich auch an der Ferienanlage „Hof van Salland“ vorbei, wo ein Schild mit der Aufschrift  „Broodje Pieterpad“ mich ins Restaurant lockte. Wie man unschwer an meinem liebevoll komponierten Stillleben erkennen kann, war es sehr lecker.

stillleben

Und jetzt juckt es mich in den Füßen, wieder weiter zu gehen. Mal sehen, ob ich mir in Bälde mal wieder einen Tag freischaufeln kann.

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The same procedure as every year: Jahresrückblick

Wie in den letzten zwei Jahren werde ich auch diesmal das vergangene Jahr Revue passieren lassen. Eigentlich war es ein recht merkwürdiges Jahr, in dem es leider auch wieder einige Anschläge in verschiedenen Städten gab. Großbritannien will die EU verlassen und Donald Trump wurde zum Präsidenten der Vereinigten Staaten gewählt. Vor allem wird uns dieses Jahr wohl durch den Tod einiger Schauspieler (Alan Rickman, Carrie Fisher und kurz danach ihre Mutter Debbie Reynolds) und vor allem zahlreicher bekannter Musiker im Gedächtnis bleiben. Es begann mit David Bowie und endete mit George Michael. Dazwischen lagen u.a. Black, Prince, Wolfgang Rohde, Leonard Cohen, Rick Parfitt und andere. Irgendwo im Internet stieß ich auf den Spruch: „Wenn es einen Gott gibt, dann stellt der sich gerade eine richtig geile Band zusammen.“

Für mich persönlich aber war es ein wirklich gutes Jahr, in dem sich viel verändert hat. Teilweise hat es sich so ergeben, teilweise war es die Folge eigener Entscheidungen und des gelegentlichen Verlassens meiner „Comfort Zone“.

Und so beantworte ich wieder mal die Fragen der letzten Jahre:

Was war das Beste für Dich an diesem Jahr?
Dass die zahlreichen Veränderungen (nicht nur für mich)  in diesem Jahr fast durchweg positiv waren.

Hast Du 2016 etwas gemacht, das Du noch nie zuvor gemacht hast?
Ich habe eine Ausbildung zur Gästeführerin in unserer Synagoge gemacht und meine ersten inoffiziellen Führungen absolviert. Die Feuertaufe kommt im nächsten Jahr.

Hast Du all Deine guten Vorsätze aus dem Vorjahr beherzigt?
Die Herausforderung Smartphone habe ich gemeistert – war auch komischerweise nicht zu schwer. Den Pieterpad habe ich noch nicht zu Ende gebracht, mir fehlen noch ca. 175 km. Aber egal, dann laufe ich halt nächstes Jahr weiter.

Hast Du gute Vorsätze für das nächste Jahr?
Ich möchte es endlich mal hinkriegen, mir selbst etwas mehr zuzutrauen, so dass ich auch anderen leichter vertrauen kann.

Welche Länder hast Du 2016 besucht?
Deutschland, England, Schottland.

Was möchtest Du 2017 haben, was Du 2016 nicht hattest?
Ich hatte in diesem Jahr so viel, dass ich gar nicht das Gefühl habe, dass mir etwas fehlt.

Welches Datum aus 2016 wirst du nie vergessen?
Den Tag,  an dem die goldigste Nichte von allen das Licht der Welt erblickte.

Was war Dein größter Erfolg 2016?
Ich hatte endlich den Mut, mich im gegenseitigen Einvernehmen von einem Geschäftspartner zu trennen und ganz eigene Wege zu gehen.

Welches war Dein größter Fehler?
Kein wirklich großer, aber diverse kleinere. Wer ist schon fehlerfrei.

Hast Du eine Krankheit oder eine Verletzung gehabt?
Bis auf die üblichen Zipplerlein, die das Älterwerden mit sich bringt, ging und geht es mir gut.

Was war das Beste, was Du gekauft hast?
Unser neues Haus mit wunderbarem Unterrichtsraum/Büro, der sich langsam der Vollendung nähert.

Wessen Verhalten erschreckt Dich oder macht Dich traurig?
Das der Menschen, die diverse Anschläge verübt haben, und das derer, die diese Anschläge für ihre Ziele ausschlachten wollen.

Wofür ging das meiste Geld drauf?
Für unser neues Domizil.

Worüber warst Du so richtig aus dem Häuschen?
Über die goldigste Nichte von allen. 🙂

Welches Lied wird Dich immer an 2016 erinnern?
„Strong“ von London Grammar. Ich scheine wohl auch oft den Eindruck zu erwecken, dass ich alles im Griff habe und weiß, wo es langgeht, aber es gab durchaus diverse Momente, in denen ich mich ganz schön unsicher und orientierungslos fühlte.

Verglichen mit 2015, warst du im Jahr 2016

…glücklicher oder unglücklicher?
Vielleicht hatte ich etwas mehr Glücks- und weniger Stress- und Ärgermomente.

… reicher oder ärmer?
Ich denke, es bleibt ungefähr gleich.

Wovon hättest Du lieber mehr gemacht?
Gebloggt, es sind noch einige Themen liegengeblieben, aber ich hab ja schließlich auch meinen Haushalt. 😉

Wovon hättest Du lieber weniger gemacht?
Eigentlich nichts, es war gut so.

Wie hast Du Weihnachten verbracht?
Erst gemütlich mit dem Gatten zu Hause, dann mit unserem Chor in der Christmette in Gronau.

Hast Du Dich 2016 verliebt?
Nicht neu verliebt, aber immer wieder festgestellt, dass das Team P&P noch immer ein Super-Team ist.

Welches war Deine Lieblingssendung im Fernsehen?
Zwar nicht im Fernsehen, aber auf DVD: Downton Abbey – wir haben eine neue Sucht dazubekommen.

Hast Du jemanden oder etwas hassen gelernt?
Hassen ist zuviel gesagt, aber aus irgendwelchen Gründen gingen mir die Audi-Fahrer besonders auf den Senkel. Und die Rennradfahrer sind auch so ein unhöflicher Haufen.  Dass einige von ihnen am Pieterpad in eine Schafherde gerieten, habe ich ihnen gegönnt. *fiesgrins*

Welches war das beste Buch, das du 2016 gelesen hast?
The Road to Little Dribbling von Bill Bryson, ich bin nunmal Bryson-Fan. Außerdem ist schon der erste Satz einfach grandios: “One of the things that happen when you get older is that you discover lots of new ways to hurt yourself.”

Was war deine größte musikalische Überraschung 2016?
Diesmal keine.

Was hast Du Dir gewünscht und auch bekommen?
Eine Menge tolle und  interessante Momente und Erfahrungen, natürlich mit den Leuten, die diese zu etwas Besonderem machen. Seien es die Begenungen am Pieterpad und während unserer Großbritannien-Radtour, die gemütlich verquatschten Stunden, hitziges Diskutieren und viel Lachen bei Kursen und Besprechungen, Konzert-, Weihnachtsmarkt- und Museumbesuche, Downton-Abbey-Dauerglotzen – ohne euch würde es deutlich weniger Spaß machen.

Was hast Du Dir gewünscht und nicht bekommen?
Eigentlich nichts, ich wünsche mir nicht mehr so viel, sondern versuche mich über die Dinge zu freuen, die meinen  Weg kreuzen.

Welches war Dein Lieblingsfilm in diesem Jahr?
Hatte ich dieses Jahr nicht.

Was hast Du an Deinem Geburtstag getan und wie alt bist Du geworden?
Ich bin wieder ein Jahr älter geworden, habe gearbeitet und war mit dem Gatten schön essen. Nachgefeiert haben wir etwas später.

Welche eine Sache hätte Dein Jahr zufriedenstellender gemacht?
Vielleicht die Möglichkeit, mehr Zeit mit einigen Menschen zu verbringen, die mir am Herzen liegen. Aber auch so war es okay.

Was hielt Dich gesund?
Eine ganz gute Konstitution und sicher auch Glück.

Erzähle uns eine wertvolle Lebenslektion, die Du in diesem Jahr gelernt hast!
Wirklich glerent, alsi verinnerlicht habe ich es noch nicht, aber ich arbeite daran: Loslassen und vertrauen, gerade wenn die Dinge nicht so laufen, wie ich es mir vorstelle. Oft entwickeln sie sich in eine Richtung, die auch schön, gut und richtig ist.

Auf was freust Du Dich im Jahr 2017?
Ein Internet-Orakel hat mir prophezeit, dass ich im nächsten Jahr meine innere Ruhe finden werde. Wenn das klappt, kann das Jahr eigentlich nur gut werden.

Ich wünsche allen, die hier gelegentlich vorbeischauen, das Allerbeste für 2017. Und wie es einer Gästeführerin der Synagoge geziemt, stoße ich mit einem herzlichen „L’Chaim (Auf das Leben)“ mit euch an.

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