Beiträge mit dem Schlagwort: Fähre

Kunst und Kultur am Trekvogelpad

Tag 4: Kunst und Erinnerungen

Am 23. Juli ging es weiter. Diesmal fuhr ich nicht mit dem Bus, sondern mit der Bahn nach Ruurlo, da die Rückfahrt von Vorden aus ebenfalls mit der Bahn vonstatten gehen sollte, und so hatte ich meine Leeze dann gleich am Bahnhof stehen. Gegen halb 11 kam ich beim Schloss Ruurlo an und schaute mich erst einmal in Ruhe im Park um, da das Museum erst um 11 Uhr öffnete.

Im Moment läuft es unheimlich gut, was zu größeren Parkplatzproblemen führt, da weder die Gemeinde Ruurlo noch der Gründer Hans Melchers mit so einem Ansturm gerechnet hatten. Die Besucher von weiter weg parken also irgendwo am Straßenrand, die Stadt schreibt fröhlich Strafzettel, Melchers ist sauer, weil man sich doch etwas kulanter zeigen könnte, schließlich kommt ja jetzt mal wieder jemand in dieses verschlafene Nest. Als Fußgänger tangierte mich die Soap relativ wenig, ich halte es ja gerne mit Goethe: „Nur wo du zu Fuß warst, bist du wirklich gewesen.“ Warum sollte das nicht für ein Museum gelten?

Kurz vor 11 Uhr formierten sich am Eingang zwei Reihen, die Besitzer einer Museumkaart, zu denen ich auch gehöre, und diejenigen, die noch ein Ticket erwerben mussten. Ich bekam ein Heftchen ausgehändigt, verstaute meinen Rucksack und schaute mir dann erst mal den Film an. Man erfuhr ein paar Dinge über die Geschichte des Schlosses, den Multimilliardär Hans Melchers und den Maler Carel Willink. Aber dies alles ist einen eigenen Beitrag wert, den ich wohl schreiben werde, wenn das Wetter wieder schlechter wird.

Jetzt nur so viel: Mit dem Umbau und der Neueinrichtung des Schlosses hat Melchers einen schönen Rahmen für Willinks Gemälde geschaffen und dabei nicht gekleckert, sondern kräftig geklotzt. Die Holzfußböden mit Intarsien und die schweren Tapeten mit Moiréstruktur  bilden zusammen mit den Bildern ein Gesamtkunstwerk, und als solches muss man es eigentlich auch sehen. Die Gemälde selbst sind entweder (Selbst-)porträts, auf denen die Abgebildeten grantig in die Weltgeschichte schauen oder aus verschiedenen Versatzstücken zusammengesetzte Landschaften. Die Titel sind recht eindeutig, z. B. „Tate Gallery verplaatst“ bei einem Bild der berühmten Galerie, die hier mitten in der Pampa steht, oder „Kamel in het park van Versailles“. Warum sollte so ein Kamel nicht auch mal in so einem Park spazieren gehen?

Nach einer guten Stunde hatte ich alles gesehen und wollte meinen Weg fortsetzen. Der Trekvogelpad führt durch den Schlosspark, aber leider war die hintere Pforte abgeschlossen, so dass ich mir einen Weg außenrum suchen musste.

Nach einer Weile hatte ich es geschafft, und unterwegs kam ich auch bei dem berühmten Siebensprung vorbei. Wie in der Geschichte „Das Geheimnis des siebten Weges“ zweigen hier nur sechs Wege ab. Ich lief zur Sicherheit zweimal alle Wege ab, es sind tatsächlich nur sechs.

Dann ging ich weiter nach Vorden, wo ich mich dem Schloss von Rückseite näherte. Ich kam an der 23 Meter hohen Riesenweiche vorbei, deren Stamm 685 Zentimeter umfasst. Kurz danach passierte ich die „Lodewijkslinde“, unter der Ludwig XIV angeblich im Jahr 1672 ein Schläfchen gemacht haben soll. Ich kann mir schlechtere Schlafplätze vorstellen.

 

Kurz danach kam ich wieder zu der Stelle, an der sich der Trekvogelpad und der Pieterpad kreuzen. Vor ziemlich genau elf Monaten war ich hier schon einmal vorbeigekommen. Viel hat sich seitdem ereignet. Nach einem Kaffee mit Kirschkuchen fuhr ich mit dem Zug nach Hause. Da es auf dieser Strecke, die nur etwas mehr als eine Stunde dauert, drei verschiedene Anbieter gibt, musste ich dreimal ein- und auschecken. Auf Twitter machte ich meinem Unmut Luft und bekam sogar eine Antwort von den Nederlandse Spoorwegen.

 

Tag 5: Uferwege, Rindviecher und eine Überfahrt

Am 28. Juli ging es dann weiter. In Vorden ging ich ein Stückchen über den Pieterpad, diesmal in Gegenrichtung, bis der Trekvogelpad dann abzweigte.  Ich kam an einem Hexenhaus mit Backofen, das mich an Hänsel und Gretel erinnerte, und erreichte Schloss Hackfort, wo es im Park auch einen Kunstwanderweg gibt.

Auf der gegenüberliegenden Straßenseite steht eine Bank zum Gedenken an jemanden, der hier, praktisch kurz vor seiner Haustür einen Unfall hatte. So etwas ist natürlich nicht schön, und nachdenklich trabte ich weiter.

Nach einer Weile kam ich an einen Uferweg, der am Baakse Beek entlangführt. Laut Wegbeschreibung sollte man ihm einfach bis kurz vor Wichmond folgen können, aber in der Praxis sah das natürlich wieder anders aus. Mittendrin war nämlich ein Stück abgesperrt, weil dort eine Herde Rindviecher graste. Die Absperrung allein wäre nicht so sehr das Problem gewesen, aber vor Rindviechern habe ich ziemlichen Respekt. Ich ging also an der Absperrung entlang bis zur Straße, wo ich erst über einen Zaun klettern und dann zur Erheiterung zweier Radfahrer unter einem Stacheldraht durchkrauchen musste. Dass mir der Spaß wieder ein Extrastückchen bescherte, war ja klar, und so war der Rastplatz an der Wegkreuzung mehr als willkommen.

Bald erreichte ich Bronckhorst, die kleinste Stadt der Niederlande. So ziemlich alle Gebäude dort stehen unter Denkmalschutz, und die Ortschaft ist eine Art lebendes Freilichtmuseum. Entsprechend viele Touristen befinden sich auch dort. Demnächst geht auch unser Synagogenausflug dorthin, und dann werde ich mir in Ruhe das Dickens-Museum und diverse Kunstobjekte anschauen. Heute reichte mir ein Cappuccino mit Apfelkuchen.

Unterwegs hatte schon ein kräftiges Lüftchen geweht, so dass die Wanderung langsamer ging als normal. Und als ich im Wanderführer las, dass die Fähre über die IJssel ab Windstärke 7 nicht mehr fährt, machte ich mir doch etwas Sorgen. Aber schon von weitem konnte ich sehen, dass sie gemütlich hin und hertuckerte. Es gibt wohl auch so etwas wie die gefühlte Windstärke.

Nach der Überfahrt hieß mich ein Schild auf der Veluwe willkommen, laut Wikipedia das größte zusammenhängende Waldgebiet der Niederlande. Dort würde ich sicher noch eine Weile unterwegs sein.

Kurz darauf erreichte ich Brummen, wo die Route sogar fast direkt am Bahnhof vorbeiführt, und machte mich auf den Heimweg.

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The Borders 2004 – Teil 5

Zurück nach Newcastle mit wenig „Coast,“ aber ein paar „Castles“

 Mit dem schönen Wetter der letzten Tage schien es wohl vorbei zu sein. Als wir am Morgen aufbrachen, war es zwar trocken, aber bewölkt. Wir hatten zwar beschlossen, nicht auf der „Coast & Castles Route“ weiter zu fahren, aber um vom Campingplatz weg zu kommen, mussten wir doch noch über Feldwege nach Beal. Unterwegs mussten wir eine „Private Railway Crossing“ überqueren. Dabei handelte es sich um einen Bahnübergang, der grundsätzlich geschlossen ist.   Auf einem Schild wird genau erklärt, dass man erst beide Gatter öffnen muss, dann schnell mit Sack und Pack über die Gleise, wobei man ständig in beiden Richtungen nach Zügen Ausschau halten muss. Danach müssen beide Gatter wieder geschlossen werden. Das Offenlassen derselben ist ein teurer Spaß, ein paar hundert Pfund Strafe sind schon drin, wenn man erwischt wird.

Bei Beal machten wir einen kurzen Abstecher zum Damm nach Lindisfarne, den man zwar nicht mehr überqueren konnte, aber so hätten wir die Insel wenigstens aus der Ferne gesehen – dachten wir. Da aber inzwischen ein sanfter Nieselregen oder „Drizzle“, wie die Briten das nennen, eingesetzt hatte, konnten wir sie bestenfalls noch erahnen.

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Während wir über gemütliche Landstraßen nach Alnwick fuhren, wurde der Regen immer stärker. Gut, dass die Etappe nicht so lang war und dass wir von der Küstenroute abgewichen waren. Bei gutem Wetter wäre der Blick über die Hügel sicher wunderbar gewesen, aber auch so bekam man einen Eindruck von der Schönheit dieser Gegend. Auch wurde meine Stimmung durch die Ortsnamen, die wir unterwegs entdeckten, etwas aufgehellt: Chillingham, Harehope, West Ditchburn und andere. Bill Bryson mit seiner Begeisterung für britische Ortsnamen hätte seine helle Freude an dieser Gegend gehabt.

In Eglingham machten wir in einem Pub Mittagspause. Dort versuchte ich, meine Schuhe und Socken unter dem Händetrockner ansatzweise trocken zu blasen. Wie Peter trockene Socken anziehen wollte ich nicht, da die wohl sowieso gleich wieder nass geworden wären, und dann bleiben auf die Dauer nicht mehr viele übrig.

In Alnwick fuhren wir am Schloss vorbei in das nette, aber sehr volle  Stadtzentrum, und Peter erkundigte sich  bei der Tourist Information nach dem Campingplatz. Ein weiser Entschluss, denn einfach so hätten wir ihn nie gefunden, da er sich auf dem hinteren Feld des Rugbyclubs befindet. Als wir dort ankamen, standen eine Menge Wohnwagen, Busse und Lastwagen auf dem Parkplatz und das Clubhaus war verwaist. Was nun? Nachdem wir zweimal das Gebäude umrundet hatten, kam ein junger Mann aus einem der Wohnwagen und erklärte uns, dass wir bis ans Ende der Wiese gehen sollten und dort unser Zelt aufstellen konnten. Anmelden sollten wir uns später in der Bar. Die ganzen Fahrzeuge auf dem Parkplatz waren von einer Fernsehcrew, die hier „some television drama“ filmten.

Inzwischen hatte es aufgehört zu regnen und wir machten uns auf den Weg, die Stadt zu erkunden. Nicht weit vom Rugbyclub entfernt ist der alte Bahnhof, in dem sich jetzt „Barter Books“ befindet, einer der größten Second-Hand-Buchläden Großbritanniens, in dem auch Modelleisenbahnfans auf ihre Kosten kommen, da im vorderen Teil eine solche über den Regalen ihre Runden dreht. Die Autoren, nach denen ich suchte (unter anderem Bill Bryson, Tony Hawks und natürlich Phil Rickman) waren leider entweder gar nicht oder nur mit Büchern, die ich schon habe, vertreten, aber ich hätte trotzdem stundenlang wühlen können.

Nachdem ich doch noch fündig geworden war, gingen wir zum Schloss, um dort festzustellen, dass wir zu spät dran waren. Angesichts der £ 9,50 Eintritt waren wir darüber aber nicht besonders unglücklich, obwohl dort Teile von „Harry Potter“ und „Robin Hood, Prince of Thieves“ gefilmt worden waren. Immerhin konnten wir von außen doch noch ein paar Blicke auf das Gebäude erhaschen.

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Den inzwischen sonnigen Rest des Tages verbrachten wir auf dem Campingplatz, wo meine Schuhe und Socken friedlich vor sich hin trockneten,  und in der Bar des Rugbyclubs, wo wir leider nicht fürs Fernsehen entdeckt wurden.

Am nächsten Morgen schien die Sonne, und wir machten uns auf den Weg nach Ashington, dem letzten Campingplatz vor Newcastle. Unterwegs kamen wir an „Mowick’s Ice Cream Parlour“ vorbei. Diese Eisdiele, die zu einem Bauernhof gehört und, wie eine Plakette stolz verkündete, mit EU-Subventionen errichtet worden war, befindet sich praktisch „in the middle of nowhere“. Trotzdem ging es schon eine Viertelstunde nachdem sie geöffnet hatten, zu wie am Stachus. Das liebevoll zubereitete Eis ist aber auch ausgezeichnet.

Dann kamen wir mal wieder an einem Schloss vorbei, nämlich Warkworth Castle, das eindrucksvoll auf einem Hügel thront.

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In Acklington suchten wir ein Schild nach Chevington, aber das einzige, das in südliche Richtung wies, trug die Aufschrift  „HM (Her Majesty’s) Prison“. Dies klang nach einer Einbahnstraße, und so machten wir unfreiwillig einen Umweg, an dessen Ende wir bei eben diesem Gefängnis landeten und feststellten, dass der Weg doch der richtige gewesen wäre.

In Ashington wurden wir gleich um die Stadt herum zum Campingplatz dirigiert, der gesteckt voll war, da viele Familien das lange Wochenende ausgenützt hatten. Entsprechend ging es dort rund. Eine Familie hatte ein „Mini Quad“ oder wie das heißt, mitgebracht, so eine Art motorisierter Rasenmäher, aber zum Glück ohne Schneidwerk, mit dem die Kids fröhlich ihre Runden drehten.  Das konnte ja heiter werden.

So schlimm, wie wir befürchtet hatten, wurde es jedoch nicht. Überhaupt waren bisher alle Campingplätze sehr schön und aufgrund der Jahreszeit noch nicht allzu voll gewesen, und bei den meisten Besuchern hatte es sich um ältere englische Paare gehandelt. Eines davon hatte sich als „birdwatchers“ vorgestellt. Peter meinte dazu: „Die sagen das, als ob es sich  um eine Gruppe Auserwählter handelt. Und warum eigentlich ‚birds‘? Niemand sagt doch ‚We are hedgehog watchers‘, oder?“

Als wir ins Stadtzentrum fuhren, mussten wir erst durch einen dieser endlosen Vororte mit unzähligen „Drives“, „Courts“ und „Closes“, deren Häuser alle irgendwie gleich aussahen. Am Anfang der Fußgängerzone stand auf einer Plakette: „Ashington – the biggest former mining village in the world“. Aha. Bill Bryson schreibt in seinen „Notes from a Small Island“ über die Stadt: „Ashington was nothing like I expected it to be. In the photographs from David’s book it appeared to be a straggly, overgrown village, surrounded by filthy waste heaps and layered with smoke from three local pits, a place of muddy lanes hunched under a perpetual wash of sooty drizzle, but what I found instead was a modern, busy community swimming in clean, clear air.“ Unter der Woche mag das stimmen, aber an einem regnerischen Sonntagnachmittag ist wohl jede englische Kleinstadt deprimierend.  Wir suchten Schutz auf einer überdachten Bank, und als der Regen nachließ, sahen wir uns kurz im Zentrum um, in dem wir allerdings nichts interessantes entdeckten. Dann mussten wir unseren Weg durch die endlose Vorstadt zum Campingplatz zurück finden. Ich hätte das wohl im Leben nicht hingekriegt, aber Peter schaffte es! Wozu so ein Geographiestudium doch gut ist.

Die letzten 20 Kilometer nach Newcastle waren kein Problem, der Verkehr hielt sich aufgrund des Feiertags in Grenzen und mit der Beschilderung funktionierte auch alles bestens, bis auf das letzte Stück natürlich. So landeten wir erst zu weit östlich und sahen bereits die Tynemouth Priory vor uns, aber dann fanden wir den Fährhafen doch. Da wir noch Zeit hatten, erkundeten wir die Royal Quay Shopping Mall, wo ich diesmal keinen Pullover, sondern ein Paar Schuhe kaufte.

Dann setzten wir uns am Hafen in die Sonne und beobachteten die Leute, die nach und nach eintrudelten. Besonders auffällig war ein Paar aus Oldenburg, das einen MG Cabrio fuhr. Die beiden waren anscheinend zum Erwerb eines weiteren Fahrzeugs in Großbritannien gewesen, denn ein Lkw brachte einen weiteren, sehr eleganten MG zum Terminal, wo die beiden ihn in Empfang nahmen.

Nach einer Weile konnten wir einchecken, und die Fahrzeugschlange bewegte sich langsam Richtung Schiff. Doch plötzlich blieb der neue MG stehen und verweigerte jeden weiteren Dienst. Ein paar Motorradfahrer aus dem Achterhoek probierten es mit Anschieben, aber ohne Erfolg. Der Fahrer stieg aus, während seine Freundin mit ihrem Wagen am Rand wartete, ging zu einem anderen Auto weiter hinten in der Schlange und kam dann mit einem Benzinkanister wieder zurück. Da kauft man ein Auto für was weiß ich wieviel tausend Euro, und dann ist das Teil noch nicht mal vollgetankt. Unter Applaus der anderen Wartenden rollten die beiden dann auf das Schiff.

Der erste Teil der Rückfahrt verlief ähnlich wie die Hinfahrt: Abendessen, Showprogramm und dergleichen. Auf die Tabletten verzichteten wir diesmal und tranken stattdessen ein paar Bierchen, was auch bestens funktionierte. Dann gingen wir schlafen.

Nachts gegen drei Uhr wurden wir von einem fürchterlichen Lärm geweckt: Ein wahrlich nicht mehr nüchterner Engländer versuchte, zuerst erfolglos, seine Kabinentür aufzubekommen. Als er es endlich geschafft hatte, wollte ich mich umdrehen und weiter schlafen, da ertönte plötzlich laute Musik. Das ging mir doch etwas weit, und so tappte ich in den Gang, um den Urheber des Lärms darauf aufmerksam zu machen, dass man das vier Kabinen weiter noch hören konnte. Er war ziemlich leicht zu finden, da seine Tür noch sperrangelweit offen war. Kein Wunder, wie Peter später meinte, schließlich hatte er sich so viel Mühe gegeben, sie auf zu bekommen. Auf meine Bitte, seinen Discman, den er an einen Laptop angeschlossen hatte, etwas leiser zu drehen, glotzte er mich ziemlich indigniert an und fragte, wieso zum Teufel, ob ich denn etwa schlafen wolle. Ist das so ein abwegiges Anliegen, nachts um drei? Einer der Sicherheitskräfte, der dazu kam, brachte ihn dann dazu, die Musik leise zu drehen, und wir konnten weiter schlafen.

Am nächsten Morgen ging es uns auch ohne Tabletten bestens. Pünktlich kamen wir in IJmuiden an und radelten, über gepflegte Radwege auf der rechten Seite, nach Driehuis, wo wir den Zug gerade noch erwischten. In Amsterdam entdeckten wir diesmal die Rolltreppe, was die Operation doch etwas vereinfachte und erreichten problemlos den Intercity nach Enschede.

Und dann waren wir, nach zwölf erlebnisreichen Tagen, wieder zu Hause. Wir kamen zu dem Schluss, dass die Monate Mai und Juni eine gute Zeit sind, um Großbritannien zu besuchen, da die Chancen auf schönes Wetter schon recht gut sind. Außerdem sind dann  noch nicht so viele Leute unterwegs, und auf den Campingplätzen trifft man vor allem Briten.

Der nächste Britannien-Urlaub kommt bestimmt, denn dort gibt es noch so viel zu entdecken und, im wahrsten Sinne des Wortes, zu erfahren.

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The Borders 2004 – Teil 1

Seit einigen Tagen bin ich wieder aus dem Urlaub zurück: Nordostengland und die Borders. Einen Teil des diesjährigen Gebiets haben wir vor 12 Jahren schon einmal erkundet. Inzwischen habe ich den damaligen Bericht vervollständigt, und da ich öfter darauf verweisen möchte, zerre ich ihn mal nach oben und stelle den Rest ein.  Da ich die Fotos, die aus der Prä-Digital-Ära stammen, erst einscannen muss, habe ich das Ganze immer vor mit hergeschoben. Viel Spaß mit der Grenzwanderung durch die englisch-schottischen Borders.

The Borders: 20. Mai – 1. Juni 2004 (Newcastle – Edinburgh und zurück)

 Eigentlich hatten wir dieses Jahr nicht die Absicht gehabt, nach Großbritannien zu fahren. Doch irgendwie zog es mich halt wieder dorthin, und ich schlug Peter vor, zwischen Himmelfahrt und Pfingsten einen Kurzurlaub zu machen, mit dem Rad natürlich. Erst hatten wir überlegt, von Newcastle nach Hull zu radeln, doch dann entdeckte ich in einem „Lonely-Planet“-Radführer ein paar Routenvorschläge, die sich gut mit denen in dem Buch „Schottland per Rad“ (Kettler-Verlag) zu einer Tour nach Edinburgh und zurück kombinieren ließen. Und notfalls könnten wir ja immer noch ein Stück mit der Bahn fahren.

Die größten Sorgen bereiteten mir die Strecken durch Newcastle und die im Lonely-Planet-Führer dargestellte Coast-and-Castle-Route. Newcastle ist eine große Stadt mit viel Verkehr und nicht als allzu radfahrerfreundlich bekannt, und die Küstenroute war so kompliziert beschrieben, dass wir sie in Gegenrichtung unmöglich finden würden. Doch im Internet wurde ich fündig: Es gibt einen ausgeschilderten „traffic-free“ Radweg am Tyne-Ufer entlang, und auch die Küstenstrecke ist beschildert, in beiden Richtungen, wie man mir versicherte. Also alles wunderbar – oder?

Die große Überfahrt

Am Morgen des Himmelfahrtstages fuhren wir mit dem Zug nach Driehuis, dem Bahnhof, der dem Fährhafen am nächsten liegt. Das Umsteigen in Amsterdam war etwas kompliziert, da sie die Rolltreppen umbauten und  der Bahnsteiglift so klein ist, dass man sein Rad hochkant hineinstellen muss, was mit Gepäck nicht gerade einfach ist. Auf der Rückfahrt entdeckten wir, dass es am anderen Ende des Bahnsteigs durchaus funktionierende Rolltreppen gibt.

Von Driehuis aus fuhren wir über zahlreiche Umwege zum Hafen, wo die Hochöfen von Corus auch am Feiertag ihren nicht allzu gesund aussehenden und riechenden Rauch in die Lüfte bliesen. Da wir mal wieder alle möglichen Probleme, die nicht auftraten, eingeplant hatten, waren wir viel zu früh am Terminal und mussten dementsprechend lange warten. Unser Schiff, die „Duke of Scandinavia“ der Reederei DFDS Seaways, lag schon im Hafen.  Währenddessen rollten unheimlich viele Motorräder aus allen möglichen Gegenden in allen Größen, Farben und Varianten an. Erst dachten wir an ein Bikertreffen, aber die Leute, die wir fragten, wussten von nichts und machten nur Urlaub, und auch später auf der Insel konnten wir keinen Hinweis auf ein derartiges Ereignis entdecken.

Endlich ging das Einschiffen los, aber anders als in Hoek van Holland oder Rotterdam, wo man als erstes die Fahrräder reinrollen lässt, mussten wir hier bis fast zum Schluss warten. An Bord gab es noch eine ziemliche Schlepperei, da wir die Räder abpackten und alles mit in die Kabine nahmen. Später stellten wir fest, dass das Cardeck während der Fahrt abgeschlossen wird, und beschlossen, bei der Rückfahrt alles so einzupacken, dass wir nur noch eine Tasche mitnehmen mussten.

Da wir Weihnachten 1998 auf dieser Strecke in die „Boxing Day Storms“ geraten und entsprechend seekrank geworden waren, hatte Peter diesmal Tabletten mitgenommen. Das Bierchen zum Abendessen musste allerdings gestrichen werden, da man das Zeugs nicht zusammen mit Alkohol einnehmen soll.

Das Abendessen, ein „Skandinavisches Bufett“, war jedenfalls phantastisch. Nach dem Essen begaben wir uns in die Bar, wo es diverse Showeinlagen mit Gesang und Tanz gab. Wie so oft wusste ich bei einigen Beiträgen nicht, ob sie eine Parodie sein sollten oder ernst gemeint waren. Unterhaltsam war es auf jeden Fall. Gegen Mitternacht zogen wir uns dann in unsere Kabine zurück.

Wir schliefen recht gut, bis wir um sieben Uhr von einer Lautsprecherstimme geweckt wurden, die uns mitteilte, dass das Frühstück serviert wurde. Sie klang wie eine meiner Kolleginnen, so dass mein erster Gedanke war: „Nicht jetzt, ich habe Urlaub“. Wegen der nicht allzu guten Luft im unteren Deck fühlte ich mich etwas unwohl, und so nahm ich eine von Peters Tabletten. Ich habe keine Ahnung, ob sie bei mir nicht geholfen hat oder ob es mir ohne noch schlechter gegangen wäre, auf jeden Fall war ich gar nicht in Form, was das Frühstück anging. Allerdings steht auch nirgends in der Packungsbeilage, dass man nach der Einnahme sofort ein „Full English Breakfast“ verspeisen kann. Daran könnte noch gearbeitet werden.

Nach dem Frühstück wurde auch das Cardeck wieder geöffnet, und wir konnten unsere Räder wieder bepacken. Kurz danach konnten wir das Schiff verlassen.

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Urlaub im Moinland – Teil 4

Borkum: Dünen, Strand, Kultur und noch mehr Seehunde

Am Morgen waren wir früh wach und saßen schon gegen 9 Uhr auf den Rädern und sausten mit Rückenwind in Richtung Westen. Unterwegs kamen wir wieder an einer Sielanlage in der Leybucht vorbei und wurden abermals von Strohfiguren begrüßt.

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Nach einer guten Stunde erreichten wir das Fischerdorf Greetsiel, wo angesichts der relativ frühen Stunde noch nicht viel los war. Gemütlich fuhren wir durch die malerischen Gassen, betrachteten den Hafen und besuchten die Zwillingsmühlen.

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Dann ging es weiter, allerdings nicht über die Deichstrecke, sondern über den etwas direkteren Weg durch Pewsum mit seinem charakteristischen Kirchturm und einer weiteren Windmühle.

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Dann erreichten wir Emden. Mit etwas Mühe fanden wir den Hafen, wo die Fähre nach Borkum abfahren sollte, und kauften unsere Karten. Von der Insel aus wollten wir dann nicht zurück nach Emden, sondern nach Eemshaven, weil es von da kürzer nach Hause ist. Ich bekam aber eine Rückfahrkarte nach Emden. Auf Nachfrage wurde mir versichert, dass man damit problemlos nach Eemshaven fahren kann und dass es vom Preis her keinen Unterschied macht.

Da wir noch Zeit hatten, fuhren wir in die Innenstadt zum alten Hafen, wo wir bei einer Bank erst einmal unsere Geldvorräte aufstockten und uns dann auf einer Bank mit Aussicht ein Fischbrötchen genehmigten. Es war nicht ganz so perfekt wie das in Norden, aber auch sehr gut.

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Wir schauten uns noch ein bisschen im alten Hafen um und fuhren dann wieder zum Fährhafen, wo sich immer mehr Urlauber, darunter auch einige Radfahrer, versammelten. Endlich war es so weit, wir konnten an Bord. Wir verstauten die Räder an der dafür vorgesehenen Stelle und suchten ein Plätzchen mit Aussicht. Dann legte die Fähre ab. Wir tuckerten erst lange durch die Emsmündung, vorbei an Industrieanlagen, einem Campingplatz und einem riesigen Parkplatz mit eingepackten Neuwägen.

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Irgendwann hatten wir die „offene See“ erreicht, und dann lag auch schon Borkum vor uns.

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Nachdem die Fähre angelegt hatte, rollten wir von Bord. Vom Fähranleger aus kann man mit der Kleinbahn die ungefähr sieben Kilometer zum Dorf fahren, aber wir waren ja autark und radelten neben der Bahnstrecke her. Unterwegs kamen wir an einem Supermarkt vorbei, wo wir uns mit Verpflegung eindeckten. Dann fuhren wir zum Insel-Camping. Beim Einchecken wurde uns ein winziger Platz zugeweisen, doch als wir dort ankamen, war er schon besetzt: Ein Zelt hatte sich einfach über zwei Parzellen verteilt. Wir durften dann auf den Platz gegenüber, der auch um einiges größer war.

Wir brutzelten uns ein Abendessen zusammen und gingen dann zum Strand. Das Wasser hatte sich weit zurückgezogen, so dass wir ein ganzes Stück hinauslaufen konnten. Wir beobachteten, wie sich die Farbe des Wassers im Schein der untergehende Sonne veränderte, und gingen dann weiter durch die Dünen in Richtung Dorf, wobei wir noch einige Sonnenuntergangsfotos machen konnten.

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Wir kamen bei der Promenade heraus, wo sich zahlreiche Leute versammelt hatten, und wo man Aussicht auf eine Sandbank hat. Und da waren sie, die Seehunde! Wir sahen uns um und stellten fest, dass es einen Weg zur Sandbank gab, der jedoch abgesperrt war. Ein Hinweisschild auf der Promenade wies darauf hin, dass wir im Wohnzimmer der Seehunde zu Gast seien und uns entsprechend gut zu benehmen hätten. Richtig so. Unseren Seehund Lewis hatten wir ja im Frühjahr auf Schiermonnikoog, der Nachbarinsel, freigelassen. Vielleicht hatte er es sich ja inzwischen auf dieser Sandbank gemütlich gemacht? Und vielleicht hatte auch Mara ihren Weg hierher gefunden? Wir investierten einen Euro für das Fernrohr und beschlossen dann, dass wir unsere Seehunde erkannt hatten. That’s our story and we stick to it.

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Danach bummelten wir wieder zum Campingplatz, doch es war gar nicht so einfach, im Fast-Dunkel den Weg zu finden.

Am nächsten Morgen schliefen wir aus. Dann machten wir wieder einen Spaziergang durch die Dünen in den Ort, wo die Kleinbahn gerade ankam.

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Wir bummelten weiter durch die Ortschaft mit ihren malerischen Gassen. Auf unserem Rundgang stießen wir immer wieder auf liebevoll gestaltete Richtungsschilder zum Rathaus, dem Flugplatz, dem Strand etc.

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Wir besichtigten die katholische Kirche „Maria Meeresstern“, die 1882 von Kaplan Karl Boeddinghaus aus Münster als Kapelle „von Kurgästen für Kurgäste“ gebaut worden war. Von innen wirkt das rote Backsteingebäude Angehnehm frisch und hell. Dann machten wir einen Abstecher zur Promenade, um die Seehunde zu begrüßen, und gingen ein Stück über den Strand.

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Dann setzten wir unseren Weg zum Alten Leuchtturm fort, der 1576 von Emdener Kaufleuten als Seezeichen errichtet wurde und zugleich Kirchturm der reformierten Kirche war. Er ist das älteste Gebäude der Insel und damit ein Kulturdenkmal. Auf der Wiese neben dem Turm befinden sich noch einige alte Grabsteine, zum Teil mit Totenkopf und Knochen verziert. Damals wurde nicht um den heißen Brei herumgeredet.

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Nicht weit vom Leuchttrum entfernt ist das Heimatmuseum „Dykhus“, dem wir ebenfalls einen Besuch abstatteten. Außer einem vollständigen Walskelett kann man dort auch Bilder und Dokumente zur Geschichte Borkums und die unterschiedlichsten Sammlungen bewundern: Porzellan, Streichholzschachteln, Bestecke aus verschiedenen Restaurants der Insel und zwei Sammlungen mit Sand aus aller Herren Länder, liebevoll in Glasröhrchen abgefüllt und beschriftet. Letztere fand ich besonders faszinierend. Es gibt Sand von der Ostsee, der Nordsee, der amerikanischen Atlantikküste, verschiedenen Gegenden Afrikas und noch viel mehr. Man kann einfach alles sammeln, nicht nur Glühweintassen.

Dann wurde es Zeit für ein Fischbrötchen und ein Eis, die wir auf einem Mäuerchen in der Einkaufsstraße verzehrten. Danach bummelten wir an den Schaufenstern entlang, und in einem Andenkenladen entdeckte ich ein dunkelblaues Halstuch mit der Aufschrift „Moin Moin“ – ein ideales Mitbringsel für unseren Mitbewohner Struppie.

Dann gingen wir einkaufen, und nach einem gemütlichen Abendessen auf dem Campingplatz machten wir uns erneut auf die Socken, diesmal zum Restaurant „Sturmeck“ in den Dünen. Dort wurden wir bei einem Bierchen wieder Zeuge eines wunderbaren Sonnenuntergangs.

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Viel später, als ich nachts das Zelt verlassen musste, konnte ich auch noch einen herrlichen Sternenhimmel genießen. Urlaub im Zelt ist toll!

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A Beautiful Day

„It’s a beautiful day
The sun is shining
I feel good
And no-one’s gonna stop me now…“

Vor einigen Jahren durfte die Seehundstation Pieterburen diese Zeilen des bekannten Queen-Songs  für einen ihrer Werbespots verwenden. Seitdem heißt der Tag, an dem die Seehunde freigelassen werden, „beautiful day“. Der von unserem Seehund Lewis und von uns war am 16. April 2014.

Nachdem wir ja bei unserem ersten Seehund Mara nicht mitfahren konnten, freuten wir uns besonders, als wir eine Woche vorher den Anruf bekamen: „Lewis wird am 16. April auf Schiermonnikoog freigelassen.“ Wir konsultierten unsere Terminplaner und stellten fest, dass wir beide nichts hatten, was man nicht absagen oder verschieben konnte. Die Leiterin des Workshops, für den ich angemeldet war, musste zwar erst mal googlen, was ein Adoptivseehund ist, hatte dann aber vollstes Verständnis und wünsche mir viel Spaß. Und auf Schiermonnikoog waren wir bisher auch noch nicht gewesen.

Um 5.20 Uhr klingelte dann am Mittwoch der Wecker – eine barbarische Zeit, aber was tut man nicht alles für einen Seehund. Das Thermometer zeigte 1,5 Grad, und nach einem eiligen Frühstück fuhren wir warm eingepackt Richtung Norden. Im Lauf des Tages wurde es jedoch wärmer, so dass wir uns nach und nach der Kleidung entledigen konnten. Pünktlich waren wir am Fähranleger in Lauwersoog und konnten unsere Tickets für die Überfahrt erwerben, bevor das große Gedränge losging. Unsere Fähre „Rottum“ wartete schon im Hafen.

Rottum

Nun mussten wir nur noch André von der Seehundstation finden. Wir hatten zwar keine Ahnung, wie er aussah, aber immerhin eine Handynummer für Notfälle. Als erstes stießen wir auf Dave von der Organisation EHBZ Velsen (Erste Hilfe bei Seehunden), und dann kam auch schon André. Gemeinsam gingen wir auf die Fähre, wo die Seehunde schon auf dem Autodeck waren. Eine freiwillige Helferin der Seehundstation fotografierte die Seehunde für uns.

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Später erfuhren wir, dass sie aus Kanada kommt und ein dreimonatiges Praktikum bei der Seehundstation absolviert hatte. Am Tag ihrer Ankunft war der Seehund Ruben dort eingeliefert worden, der an ihrem letzten Arbeitstag freigelassen werden sollte. Das passte ja wunderbar.

Dann erzählte André uns, dass an diesem Tag sieben Seehunde freigelassen werden sollten, und wir tauschten Geschichten und Informationen aus.

Liste

Wir stellten erfreut fest, dass Lewis, der bei seiner Einlieferung am 14. Januar nur knapp über 18 kg gewogen hatte, inzwischen stolze 40,7 kg auf die Waage bringt.

Ein Ehepaar aus Veenendaal hatte den stark geschwächten Seehund Kyno in der Provinz Seeland gefunden. Erst hatten sie die Notrufnummer für Tiere angerufen. Da sich dort aber nicht gleich jemand gemeldet hatte, probierten sie es mit 112, und siehe da, dort wusste man ebenfalls, was getan werden musste. Kyno wurde nach Pieterburen gebracht, und sie durften mitfahren. Auch sie freuten sich sehr, dass sie bei der Freilassung dabei sein konnten.

Nach einer Dreiviertelstunde hatten wir die Insel erreicht und wurden auf verschiedene Fahrzeuge verteilt, die uns zum Badweg brachten. Dort wurden die Seehunde umgeladen, und Peter durfte Lewis ein Stückchen tragen.

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Dann fuhren die zwei Landrover uns durch die Dünen zum Paal 5 (Pfahl 5), wo sich bereits eine große Menschenmenge versammelt hatte.Eigentlich hätten wir mit dem Hut herumgehen sollen, dann hätte man sicher wieder einen oder zwei Seehunde durchfüttern können.

Die Kisten mit den Seehunden wurden ausgeladen und in einer Reihe aufgestellt. Dann bat André die Neugierigen, hinter eine bestimmte Linie zurück zu treten, was sie auch ohne Murren taten. Gespannt nahmen die Adoptiveltern bei den Kisten ihrer Seehunde Platz. Peter hatte sich bereit erklärt, das Fotografieren zu übernehmen, damit ich die Kiste öffnen durfte. Danke!

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Dann gab André das Startsignal. Wir öffneten die Kisten, und die Seehunde lugten vorsichtig hinaus. Lewis schaute noch einmal kurz auf die Seite und schoss dann auf das Wasser zu. Drei weitere folgten ihm sofort und verschwanden alsbald in den Fluten. Doch Ozzy und zwei andere hatten erst gar keine Lust ins Wasser zu gehen und hoppelten erst einmal wieder zu den Kisten zurück. Vielleicht fanden sie das Wasser zu nass.

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Doch nach einer Weile fanden auch sie den Weg in die salzige See und schwammen davon.

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Nachdem wir ihnen noch ausgiebig hinterher gewinkt hatten, räumten wir auf und fuhren unter wildem Geschüttel zurück ins Dorf, wo wir uns noch zu einer Tasse Kaffee zusammen setzten. Während wir uns unterhielten, klingelte das Handy meines Tischnachbarn, und er meldete sich: „Ja, ich bin gerade auf Schiermonnikoog. Wir haben einen Seehund freigelassen.“ Pause, dann noch eimal langsam und deutlich: „Wir haben einen Seehund freigelassen.“ Tja, so oft kommt das anscheinend nicht vor.

Wir tauschten unsere Mailadressen aus, und Jillian richtete eine Dropbox ein, wo wir alle in den nächsten Tagen unsere Fotos deponierten. Einige der Fotos in diesem Bericht sind also nicht von uns, aber mir wurde gestattet, sie zu verwenden.

Außerdem hat Sven noch einen kurzen Film von der Freilassung gemacht und mit der passenden Musik unterlegt:

Es war wirklich ein tolles Erlebnis, und wir freuen uns immer noch, dass wir dabei sein konnten. Vielen Dank noch mal an die Leute von der Seehundstation und auch an alle anderen „Adoptiveltern“, die ihren Beitrag zu der tollen Stimmung geleistet haben. It was a beautiful day!

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Inselspringen mit Hindernissen

Dann wurde es Zeit, Ameland zu verlassen. Beim Abbauen kam es mal wieder zu einer Trottelnominierung, und zwar für uns beide: Wir mussten für die Zeltnummer 7 Euro Kaution hinterlegen und sagten vor dem Frühstück noch, dass wir nicht vergessen durften, die Nummer abzugeben. Dies hinderte uns allerdings nicht daran, sie mit dem Zelt einzupacken. Zum Glück merkten wir es rechtzeitig.
An der Rezeption wurde es noch spannend, da das Mädel ziemlich spät kam, aber wir waren trotzdem rechtzeitig bei der Fähre.
In Holwerd konnten wir wählen, ob wir über den Deich oder durch die Dörfer nach Harlingen wollten. Wir entschieden uns für die Dorfstrecke, die zwar etwas länger, aber viel weniger langweilig ist. Und das war auch gut so. Erst war das Wetter noch okay, aber plötzlich zog es sich zusammen und begann zu regnen. Wir erreichten gerade noch rechtzeitig ein Bushäuschen, bevor der Hagel herunterprasselte.
Nach einer Weile konnten wir weiterfahren, und als wir in St. Annaparochie Mittagspause machten, kam der nächste sintflutartige Regenschauer. Gut, dass unsere Taschen echt wasserdicht sind!
Am Nachmittag erreichten wir Harlingen, wo wir das Pfingstwochenende verbringen wollten, da es erfahrungsgemäß an Feiertagen auf den Inseln sehr voll ist. In einem Aldi vor dem Campingplatz füllte ich unsere Vorräte auf, erwischte aber in der Eile Brot zum Aufbacken. Eine weitere Nominierung also.
Der Campingplatz ist sehr gut ausgestattet und hat auch ein Restaurant.

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Da der nächste Tag wieder sonnig war, hatten wir Waschtag und machten eine Radtour durch die Dörfer zu Peters Eltern. Dort konnte Peter in der gut ausgestatteten väterlichen Werkstatt auch die Zeltstangen zurecht sägen. Ausserdem besuchten wir das Zentrum von Harlingen – ein nettes Städtchen.

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Als wir wieder auf dem Campingplatz ankamen, hatten wir neue Nachbarn, Eltern mit ca. vierjährigem Sohn, die nach Vlieland wollten. Der kleine warf einen Kennerblick auf meine Fahrradtasche (ich hatte nur eine mit) und erklärte: „Wir haben genau dieselben, aber wir haben mehr.“
Am Pfingstmontag war das Wetter wieder grauenvoll (die Elfstedentocht-Radler taten mir leid!), so dass wir im Campingrestaurant frühstückten und den Familienbesuch mit dem Bus absolvierten. Dieser brauchte ziemlich lang, da er in Gegenrichtung zur Motorrad-Elfstedentocht fahren musste.
Ausserdem erwarben wir die Bootskarten nach Vlieland. Eigentlich hatten wir erst nach Terschelling fahren wollen, aber die Bootsverbindungen zwischen den Inseln sind in Moment noch sehr ungünstig, so dass wir Terschelling auf einen späteren Zeitpunkt verschoben haben.
In aller Hergottsfrühe (halb sieben) mussten wir am Dienstag aufstehen, um rechtzeitig am Hafen zu sein. Die Überfahrt verlief ohne Besonderheiten, und am späten Vormittag waren wir in Vlieland. Hier hatten wir unsere Flittertage verbracht, da der grösste Teil unseres Urlaubs und Budgets für die Wohnungsrenovierung draufgegangen war. Die Insel ist immer noch so schön wie damals!
Der Stortemelk-Camping liegt mitten in den Dünen und ist immer gut besucht.

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Man braucht hier keine Duschmünzen, muss aber sein eigenes Klopapier mitnehmen. Leute, die zielstrebig mit einer Rolle in der Hand unterwegs sind, geben hier ein gewohntes Bild ab.
Wenn man ein Auto auf die Insel mitnehmen möchte, braucht man die Zustimmung der Gemeinde. Es gibt also nur wenige Autos hier, aber die sind mit einer ziemlichen „Hier-komme-ich-und-ich-darf-das“-Einstellung unterwegs.
Wir besuchten den Leuchtturm und den Hafen und gönnten uns am Abend wieder etwas Kultur: Einen Vortrag von Jan Houter über die Geschichte Vlielands: Gestrandete Schiffe, Rettungen, Treibsand, Sturm, Hochwasser. Auf so einer Insel ist immer etwas los. Er ist ein begnadeter Geschichtenerzähler, und aus jedem Wort spricht die Liebe zu seiner Insel.

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In der Nacht sank plötzlich die Temperatur, und ich wurde – allerdings nur halb – wach, da mir kalt war. Ich versuchte dem Gatten klar zu machen, dass es deshalb so kalt war, weil wir vergessen hatten, die Schlafsäcke aufzupumpen. Verschlafen und verständnislos starrte er mich an. „Schlafsäcke aufpumpen, verstehst du nicht, wir haben so ein Dings und machen das jeden Abend. Aber heute haben wir es vergessen, und deshalb ist es kalt!“ Leider verstand er nicht: „Zieh doch ein Paar Socken an.“ Da er keinerlei Anstalten machte, das Gerät, dass wir natürlich nicht haben, zu suchen, folgte ich seinem weisen Rat und zog ein paar Socken und ein Sweatshirt über. Als am Morgen die Sonne auf das Zelt schien, fuhr ich halb gekocht hoch und riss japsend die Zelttür auf.
Den sonnigen Tag verbrachten wir mit Radfahren, Spazierengehen am Strand und einem Besuch des Heimatmuseums.
Am Donnerstagmorgen war es vorbei mit dem schönen Wetter, aber wir mussten früh aufstehen, da wir Karten für die Überfahrt nach Texel hatten. Im strömenden Regen bauten wir das Zelt ab und radelten zum alten Posthaus am anderen Ende der Insel. Dort sollte uns der Vliehorsexpress abholen und über die Dünen und den Strand zum Bootssteg bringen.
Im Posthaus bestellten wir erst mal einen Kaffee, um wieder warm zu werden. Da klingelte das Telefon. Alarmiert sahen wir uns an – sollte das Boot nicht fahren? Tatsächlich, die Kellnerin kam zu unserem Tisch, um uns genau dieses mitzuteilen. Lag es am Wetter? Die nächste Fähre sollte erst wieder am Sonntagmorgen gehen. Nach einer Weile kamen noch ein paar andere Leute, die sich auch nicht gerade freuten. Durch den Regen fuhren wir ins Dorf und wollten uns im Andenkenladen unser Geld zurückerstatten lassen. Dort erfuhren wir, dass gegen 17 Uhr noch ein Boot fahren würde.
Wir beschlossen, den zweiten Versuch zu wagen und verbrachten den regnerischen Tag teilweise zeitunglesend in der  geheizten Wartehalle der anderen Fährgesellschaft, teilweise in einem Café. Dann ging es wieder zum alten Posthaus, wo sogar die Sonne durchbrach und ich endlich meinen rechten Schuh trocknen bekam, in den beim Zeltabbauen ein ganzer Schwall Wasser geschwappt war. Die Schuhe sind also wasserdicht, wenn das Wasser erst mal drin ist, geht es so schnell nicht wieder raus.

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Von den anderen Passagieren, die wir am Morgen schon gesehen hatten, erfuhren wir, warum das Boot nicht gefahren war: Nix schlechtes Wetter oder zu starker Wind, nein, vom Heimathafen Texel aus wollte niemand nach Vlieland und leer fahren sie nicht. Das steht auch irgendwo im Kleingedruckten.
Dann kam der Vlierhorsexpress, die Räder wurden verladen, und in einer rasanten Fahrt ging es über die Dünen und den Strand, wo normalerweise niemand mehr hinkommt, ausser den Soldaten und Militärfahrzeugen vom Übungsgelände.

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Am Ende der Insel mussten wir über einen langen, hohen, schmalen Steg zum Boot, wo unsere Räder fachmännisch vertäut wurden, und los ging es über die bewegte See nach Texel.

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Südostengland 2010, Teil 1

Südostengland: 1. – 22. August 2010
Der Weg ist das Ziel

Der Sommerkurs war wieder geschafft, alle Examen korrigiert und die Listen abgegeben, und so konnten wir uns am frühen Morgen auf den Weg nach Großbritannien machen. Hin wollten wir mit der Fähre von Dunkerque (oder Duinkerken oder Dünkirchen) nach Dover, zurück von Harwich nach Hoek van Holland. Es sollte meine erste längere Tour mit meinem neuen Rad und Vortaschen auf sogenannten Lowridern werden. Wenn man plötzlich zwei Taschen mehr zur Verfügung hat, gerät man natürlich in Versuchung, mehr einzupacken, aber das wurde mir nicht gestattet, schließlich merkt man jedes zusätzliche Kilo.

Bei der Vorbereitung halfen uns wieder einmal die Bücher „England per Rad“ vom Kettler-Verlag und der „Lonely Planet“-Führer „Cycling Britain“, zusammen mit der OS-Karte für Südostengland.

Vier Länder in zwei Tagen

Am Vormittag machten wir uns auf den Weg zum Bahnhof. Bis Rotterdam ging alles problemlos, und auch das Umsteigen dort war wie immer recht einfach. Trotz Umbauarbeiten am Bahnhof gab es noch den riesigen Lastenaufzug, der sich ächzend von Stockwerk zu Stockwerk arbeitete.
Unser Anschlusszug nach Vlissingen hielt plötzlich auf halber Strecke. Der Zugführer dachte, dass er ein Tier angefahren hatte, und die Zugbegleiterin stieg aus, um den Streckenabschnitt zu kontrollieren. Sie konnten jedoch nichts finden. Hoffentlich war es nur falscher Alarm.
So erreichten wir mit einer halben Stunde Verspätung Vlissingen und nahmen von dort die Fähre „MS Prinses Maxima“ über die Westerschelde nach Breskens. Unterwegs trafen wir die „MS Prins Willem Alexander“, die in Gegenrichtung unterwegs war. Ich musste an die beiden Königskinder denken, die nicht zueinander kommen konnten.

Als die Fähre am gegenüberliegenden Ufer angelegt hatte, rannten wie üblich alle erst mal wie aufgescheuchte Hühner durcheinander. Nachdem sich das Ganze etwas sortiert hatte, machten wir uns mit kräftigem Gegenwind auf den Weg nach Knokke. Die Hauptstraße dieses belgischen Seebades war für mich der reinste Albtraum: In der Mitte ein Grünstreifen und die Spuren auf beiden Seiten gerade mal breit genug für ein Auto. Die Autofahrer saßen den Radfahrern die ganze Zeit im Nacken, und jeder war genervt. Auf den Gehweg ausweichen konnte man auch nicht, denn der war voll von Strand- und Casinobesuchern. Das hätten sich unsere Stadtväter mal anschauen sollen, bevor sie in einem Stadtteil einen ähnlichen Murks veranstalten.
Vor lauter Stress verpassten wir die Abzweigung zum Campingplatz, was wir erst merkten, als wir schon fast in Heist waren. Dort gab es aber auch einen, wo wir freundlich empfangen wurden. Als das Zelt stand, suchten wir uns ein nettes Lokal am Stand und aßen leckeren Fisch, wie sich das an der Küste gehört, und an den netten Singsang und das „zachte g“ der Belgier gewöhnt man sich auch schnell.
Am nächsten Morgen wurden wir um sechs Uhr von einem gewaltigen Radau geweckt. Anscheinend waren einige Zeltplatzbesucher gerade erst von ihrem nächtlichen Treiben zurück gekehrt. Ich war kurz versucht, nachzuschauen, wo ihr Zelt wohnt, so dass wir uns eine Stunde später rächen konnten, aber ich war noch zu müde. Außerdem regnete es. Dann stellte ich fest, dass mein rechter Daumen dicker als sonst und blau war, ich nehme an, dass ich ihn beim Zeltaufbauen gequetscht hatte. Er tat zwar nicht sehr weh, störte aber bei allem.
Als es wieder trocken war, fuhren wir zur nächsten Kartenverkaufsstelle der Kusttram, einer Straßenbahn entlang der belgischen Küste, mit der wir bis zur Endstation De Panne wollten. Von dort sind es nur noch ungefähr dreißig Kilometer bis zum französischen Dunkerque, um dort die Fähre nach Dover zu nehmen. Obwohl auf der Website der Kusttram stand, dass man Fahrräder mitnehmen darf, waren wir etwas unsicher, ob es mit der ganzen Bepackung möglich war. Aber als wir dem Kartenverkäufer erzählten, was wir vorhatten, war er ganz stolz, dass wir uns mit „seiner“ Straßenbahn auf den Weg nach England machten.

In etwa zweieinhalb Stunden fuhren wir die belgische Küste entlang, vorbei an Hotelburgen, die teilweise den Charme von Parkhäusern hatten, gemütlichen alten Städtchen und jeder Menge Dünen.


In De Panne war es dann vorbei mit der Gemütlichkeit, wir mussten selbst wieder in die Pedale treten. Da der Kartenausdruck aus dem Internet nicht ganz deutlich war, fuhren wir eine ganze Weile auf der falschen Seite des Kanals, bis der Weg plötzlich endete. Danach verfranzten wir uns noch in Dunkerque selbst, da die Schilder zum Hafen uns immer auf die Autobahn schicken wollten. Dies bescherte uns einen ziemlichen Zeitverlust, so dass wir, als wir endlich in den Hafen einrollten, der Fähre noch beim Ablegen zuschauen konnten. Aber wir hatten ja nichts reserviert, und die nächste ging in zwei Stunden.
Wir vertrieben uns die Zeit mit einem Buch und einen Imbiss, bis wir um 16 Uhr zusammen mit einigen anderen Radfahrern an Bord durften. Die ruhige und angenehme Überfahrt dauerte etwa zwei Stunden, und nach einer Weile tauchten vor uns die imposanten Kreidefelsen von Dover auf. Leider konnte man nicht nach draußen, so dass man das Schauspiel durch die Panoramascheibe fotografieren musste, was der Qualität der Fotos nicht zugute kam.

Aber egal, wir waren in England, dem vierten Land unserer zweitägigen Anreise.

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