Beiträge mit dem Schlagwort: Fernunterricht

Ein merkwürdiges Jahr – Jahresrückblick 2020

Ich hatte mir wieder ein unspektakuläres Jahr gewünscht, das ohne großes Gedöns friedlich vor sich hinplätschert. Doch ein Virus, das aus dem fernen China zu uns herüberschwappte, sorgte dafür, dass (fast) alles anders wurde.

Was war das Beste für Dich an diesem Jahr?
Dass wir selbst und viele Menschen, die uns nahestehen, gesund geblieben sind. *aufholzklopf*

Hast Du 2020 etwas gemacht, das Du noch nie zuvor gemacht hast?
Ich habe gelernt, digital Unterricht zu geben. Bisher war das immer etwas, das ich nicht konnte und nicht brauchte. Aber plötzlich wurde es der Schlüssel zum wirtschaftlichen Überleben. An dieser Stelle ein herzliches Dankeschön an das University of Twente Language Centre für die tatkräftige Unterstützung beim Lernen der nötigen Skills.

Hast Du all Deine guten Vorsätze aus dem Vorjahr beherzigt?
Mehr oder weniger, ich bin tatsächlich auf dem Overijssels Havezatenpad Stück weitergekommen. Der Trekvogelpad liegt umständehalber im Moment still.

Hast Du gute Vorsätze für das nächste Jahr?
Dasselbe wie letztes Jahr, nämlich weiterhin regelmäßig wandern gehen und vielleicht doch noch einen der beiden Wanderwege zu beenden.

Welche Länder hast Du 2020 besucht?
Nur Deutschland.

Was möchtest Du 2021 haben, was Du 2020 nicht hattest?
Meine Familie in Bayern wieder besuchen (das hat dieses Jahr leider nicht geklappt) und meine neue Nichte live und in Farbe bewundern dürfen.

Welches Datum aus 2020 wirst du nie vergessen?
Den Tag im November, an dem ich wieder Tante wurde.

Was war Dein größter Erfolg 2020?
Dass ich mich in den Fernunterricht einarbeiten und dadurch trotz Lockdowns und Kontaktbeschränkungen diverse Kurse geben konnte.

Welches war Dein größter Fehler?
Wie meistens keine größeren Fehler, das übliche Kleinzeugs und diverse Fehleinschätzungen halt.

Hast Du eine Krankheit oder eine Verletzung gehabt?
Nein, ich war erstaunlich gesund. Da ich fast nirgendwo hinkam, blieben mir auch die üblichen Erkältungen in der kalten und nassen Jahreszeit weitgehend erspart.

Was war das Beste, was Du gekauft hast?
Unser neues Badezimmer mit seniorenfreundlicher Badewanne.

Wessen Verhalten erschreckt Dich oder macht Dich traurig?
Diesmal das der Menschen, die einfach nicht bereit sind, ein bisschen Rücksicht auf andere zu nehmen und für die das Abstandhalten und Tragen einer Maske schon ein Eingriff in ihre Grundrechte ist.

Wofür ging das meiste Geld drauf?
Für das Badezimmer.

Worüber warst Du so richtig aus dem Häuschen?
So richtig aus dem Häuschen war ich dieses Jahr nicht, aber ich habe mich über viele Kleinigkeiten gefreut.

Welches Lied wird Dich immer an 2020 erinnern?
„Turn, Turn, Turn“ (The Byrds) in der Version von Ilse DeLange. Am 27. März präsentierte Matthijs van Nieuwkerk zum letzten Mal die Sendung „De wereld draait door (Die Welt dreht sich weiter)“. Es hätte ein rauschender Abschied mit vielen Gästen und viel Musik werden sollen, aber da waren wir schon mitten im Lockdown. Musikalischer Gast war Ilse DeLange, und Matthijs durfte sich ein Lied wünschen. Es wurde „Turn, Turn, Turn“, passend zur Situation in minimalistischer Ausführung und dadurch mein Symbol für dieses Jahr, in dem vieles drastisch heruntergefahren wurde.

Verglichen mit 2019, warst du im Jahr 2020

…glücklicher oder unglücklicher?
Vielleicht ein bisschen unglücklicher angesichts der Lage, aber nicht viel.

… reicher oder ärmer?
Etwas ärmer, aber 2019 war ein außergewöhnlich gutes Jahr, das hätte ich auch ohne Corona wohl nicht nochmal hingekriegt.

Wovon hättest Du lieber mehr gemacht?
Liebe Menschen getroffen, aber das geht zum Teil ja auch digital sehr gut.

Wovon hättest Du lieber weniger gemacht?
Nichts, das ist okay.

Wie hast Du Weihnachten verbracht?
Sehr ruhig in Gesellschaft von Gatten und Mitbewohner. Sonst steppt ja in der Zeit immer der Bär (Synagoge, Chor etc.), es war mal eine angenehme Abwechslung.

Hast Du Dich 2020 verliebt?
Nix neues, aber der Gatte und ich haben usn auch im Lockdown und Homeoffice bestens arrangiert. Das ist viel wert.

Welches war Deine Lieblingssendung im Fernsehen?
Wie letztes Jahr „Sterren op het doek“, bei dem drei Künstler jeweils einen Promi malen, während der Moderator (auch in dieser Saison Kolumnist Özcan Akyol, den ich sehr gern lese) sie interviewt. Der Mensch ist ein Gewohnheitstier.

Hast Du jemanden oder etwas hassen gelernt?
Nö, hassen finde ich immer noch zu viel gesagt. Gelegentlich rege ich mich über jemanden auf, aber wer tut das nicht?

Welches war das beste Buch, das du 2020 gelesen hast?
Die Krimiserie von Oscar Di Muriel mit den Detectives Frey und McGray, die im Edinburgh des 19. Jahrhundters spielt. Gelegentlich kann man sich dabei auch gepflegt gruseln, da McGray ein Experte übersinnlicher Phänomene ist.

Was war deine größte musikalische Überraschung 2020?
Dieses Jahr gab es keine.

Was hast Du Dir gewünscht und auch bekommen?
Siehe oben – Gesundheit für uns und unsere Lieben.

Was hast Du Dir gewünscht und nicht bekommen?
Hier wiederhole ich den Satz der letzten Jahre: Eigentlich nichts, ich wünsche mir nicht mehr so viel, sondern versuche mich über die Dinge zu freuen, die meinen  Weg kreuzen.

Welches war Dein Lieblingsfilm in diesem Jahr?
De Beentjes van St. Hildegard, eine bittesüße Geschichte mit Herman Finkers und Johanna ter Steege.

Was hast Du an Deinem Geburtstag getan und wie alt bist Du geworden?
Nichts besonderes, wir haben auch in diesem Jahr in aller Ruhe zu Hause gefeiert. Und ich bin wieder etwas älter, wenn auch immer noch nicht weiser geworden.

Welche eine Sache hätte Dein Jahr zufriedenstellender gemacht?
Ein Besuch in der alten Heimat.

Was hielt Dich gesund?
Das weiß ich nicht genau, vielleicht Glück?

Erzähle uns eine wertvolle Lebenslektion, die Du in diesem Jahr gelernt hast!
Je weniger man sich vornimmt und plant, umso besser kann man damit umgehen, wenn die Dinge anders kommen.

Auf was freust Du Dich im Jahr 2021?
Auf neue Wanderungen, eventuell einen Besuch in der alten Heimat, mal wieder ein Radurlaub etc. Man wied sehen.

Zum Ausklang gibt es noch das Video „Turn, Turn, Turn“ von Ilse DeLange. Ich wünsche euch allen einen guten Rutsch und ein etwas weniger merkwürdiges Jahr 2021.

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Wandern in Zeiten der Corona

Man könnte annehmen, dass ich gerade während des Lockdown und des daraus resultieren Homeoffice Zeit zum Wandern finden würde, aber dem war nicht so. Erstens stellte ich nämlich fest, das Fernunterricht, und vor allem der Kurs an der Universität, auch eine ganze Menge Zeit kostet.  Klar spare ich mir die Fahrzeit und den Puffer, den ich immer einplane, aber so eine Unterrichtseinheit muss ganz anders vorbereitet werden, da durch das Fehlen des direkten Kontakts auch die Möglichkeit des Improvisierens zu einem großen Teil wegfällt.

Zweitens war man ja sowieso angehalten, so viel wie möglich zu Hause zu bleiben und die öffentlichen Verkehrsmittel nur zu benutzen, wenn es unbedingt notwendig ist. In den Wanderforen und -gruppen gab es dazu auch regelmäßig Zoff: „Bewegung an der frischen Luft, also auch Wandern, ist gesund“ versus „Wir sollen doch zu Hause bleiben!“

Da wir bereits Mitte März angehalten waren, den öffentlichen Nahverkehr zu meiden, beschloss ich, mit dem „Hilligenpad (Heiligenpfad)“ hier in der Umgebung zu beginnen. Der ist mit den Öffis sowieso etwas schwierig, und man muss sich zu den Etappenstarts und -zielen doch bringen und abholen lassen. Das widerspricht zwar irgendwie meinen Prinzipien, aber das sei nun einmal so. Am 15. März ließ ich mich also von Peter beim Hof Espelo absetzen, um von dort aus bis hinter Lonneker und  nach Hause zu laufen.

So etwas wie einen Startpunkt fand ich dort nicht, aber nach einigem Suchen stieß ich auf die ersten violett-weißen Markierungen. Dass es sich um eine „Besinnungsroute“ handelt, merkt man schon am Wanderführer. Normalerweise bekommt man deutliche Richtungsangaben („An der dritten Kreuzung links“), während es hier recht verschwurbelt hieß: „So, nun hast du also wirklich deine Pilgerreise angefangen.“ Oder: „Du befindest dich in der Nähe eines besonderen Ortes“. Doof nur, wenn man den nicht findet oder erkennt, aber gut. Ich beschloss, mich darauf einzulassen oder es zumindest zu versuchen.

Ich kam am Fischweiher des Hof Espelo vorbei (früher aßen Katholiken am Freitag Fisch), und dann ging es weiter durch ein Neubaugebiet mit Häusern, in denen in Krimis meistens die reicheren Schurken oder zumindest Verdächtigen wohnen: Schuhschachteln mit viel Glas.

Dann stellte ich fest, dass ich Station 2, die Kapelle des Heiligen Jakobus des Älteren, verpasst hatte. Sollte ich umkehren? Ich beschloss, erst mal weiter zu gehen und die Kapelle ein andermal zu suchen. Doch bald kam ich an einen Pfad, der aufgrund der Regenfälle der vergangenen Woche so schlammig war, dass an ein Weitergehen erst mal nicht zu denken war. Ich nahme es – ganz im spirituellen Modus – als Zeichen des Heiligen Jakobus, dass ich erst mal seine Kapelle suchen sollte.

Auf dem Rückweg nach Lonneker bewunderte ich die Stromverteilerkästen und schaute im „Urinoir bezet“ vorbei, dem wohl einzigen Museum, das während des Lockdown geöffnet blieb.

Obwohl man schon angehalten war, Abstand zu halten, waren die Terrassen der Restaurants gut besucht, doch ich verzichtete darauf, dort einen Kaffee zu trinken. Am selben Tag sollten dann Schulen und Restaurants geschlossen werden.

Kurz darauf entdeckte ich tatsächlich die Kapelle, die von hier aus nicht zu übersehen war. Wenn man von der anderen Seite kam, dann allerdings schon. Von dort aus ging ich nach Hause.

Am 22. März ging ich dann wieder zum Matschpfad, der inzwischen zwar immer noch matschig, aber immerhin wieder begehbar war.

Ich kam an einem Wegkreuz und Resten des ehemaligen Landwehrs vorbei, aber weiterhin war es wenig spektakulär. Außerdem begenete ich im Gegensatz zur letzten Woche wenig Leuten. Die waren wohl alle am Strand, zumindest sah es in den Nachrichten so aus. Am nächsten Tag wurden die Maßnahmen verschärft.

Danach verlief das „Abenteuer Hilligenpad“ erst mal im Sande, aber vielleicht mache ich demnächst damit weiter. In den nächsten Wochen machten Peter, der inzwischen im Homeoffice saß, einen Mittagsspaziergang. Oft gingen wir zu dem Weiher, wo ich vor zwei Jahren mühsam mit Krücken unterwegs war, um die diversen Wasservögel zu beobachten. Oder ich unternahm Steifzüge durch die Straßen in der Umgebung und suchte mit Blumen bemalte Stromveteilerkästen, die ich irgendwann in den sozialen Medien und meinem Berufsblog verbraten möchte.

Aber am 19. Juni war mal wieder Gelegenheit für eine längere Wanderung, da Peter nach Kampen musste und mich mitnehmen konnte. Ich ließ mich von ihm bei der IJsselbrücke in Zwolle absetzen und dackelte gemütlich bei Premiumwetter am Fluss entlang (ca. 18 km).

Auf den ersten Blick erschien es sehr einfach: Bei der Brücke rechts abbiegen und dann dem Fluss folgen. Aber erst muss man um die Katerveer- und die Spoolderschleuse rum, danach kann man tatsächlich am Fluss entlang wandern.

Der Weg führt zum Teil direkt am Ufer durch das Überlaufgebiet (uiterwaarden), zum Teil über den Radweg auf dem Deich. Unterwegs gab es eine Menge zu sehen: Storchennester, diverse Wasservögel, badende Kühe, grasende Pferde und Schafe, zahlreiche Boote und Schiffe etc.

Gelegentlich blieb ich auf einer Bank sitzen und ließ mir die Sonne auf den Pelz scheinen, und bei Wilsum gönnte ich mir eine ausgiebige Rast mit Fußbad. Dass ich mich beim Aufstehen volle Kanne in eine Brennessel stützte, war etwas weniger geschickt, aber das ist ja bekanntlich gut für die Durchblutung.

Am Nachmittag erreichte ich das Ziel meiner Wanderung, die Stadtbrücke von Kampen, wo ich von Peter wieder aufgesammelt wurde.


Fazit: Eine schöne Strecke, genug Zeit und bestes Wetter – was will der Mensch mehr? Ich hoffe, dass in diesem Sommer noch mehr Gelegenheiten zum Wandern kommen.

 

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Lebenszeichen zu Ostern

Liebe Leser,

ich hoffe, euch geht es gut in diesen merkwürdigen Zeiten.

Wie schon vielerorts festgestellt ist Ostern dieses Jahr anders als sonst. Und nicht nur Ostern, vieles geht seit einiger Zeit nicht mehr seinen gewohnten Gang: Ich bleibe so viel wie möglich zu Hause (im Moment ist das auch nicht so tragisch, da mir draußen zu viele Pollen herumschwirren), experimentiere mit verschiedenen Formen von Fernunterricht, wobei ich eine Menge lerne und bin vor allem froh, dass meine Lieben und ich selbst gesund sind.

Unser Mitbewohner hat eine wichtige Aufgabe übernommen: Er nimmt an der sogenannten Bärenjagd teil. Dabei sitzen Teddybären am Fenster, so dass Spaziergänger (nicht nur Kinder) etwas zu sehen haben. In diesen Zeiten sind die Bären auch ein Zeichen der Verbundenheit. Selbstverständlich hat sich Struppie mit Feuereifer in diese Aufgabe gestürzt.

Und voriges Jahr hat der Gatte dieses Osterei gestaltet – ein Meisterwerk von bestechender Schlichtheit gepaart mit großer Aussagekraft. Dem ist nichts mehr hinzuzufügen, es ist perfekt.

In diesem Sinne: Frohe Ostern euch allen, lasst euch nicht unterkriegen und macht das Beste draus! Bleibt zu Hause und bleibt vor allem gesund.

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