Beiträge mit dem Schlagwort: größerer Aktionsradius

Den Mut nicht verlieren

Neulich entdeckte ich in der Wandergruppe auf Facebook ein Foto mit dem Spruch: „Mut haben ist, genau einen Schritt weiter zu gehen als man sich zutraut.“ Das ist im Moment ganz passend, denn ich versuche immer noch, mir jeden Tag ein Stückchen Welt und Unabhängigkeit zurückzuerobern. Das ist nicht immer leicht, es gibt Tage, da denke ich, dass ich alles schaffe, und an anderen Tagen befürchte ich, dass es nie mehr was wird.

Das verfolgt mich gelegentlich bis in meine Träume. Einmal täumte ich, dass man mir im Krankenhaus ein paar Spezialsocken mitgegeben und mir erklärt hatte, dass ich sie auf gar keinen Fall verlieren darf, sonst würde ich nie wieder laufen können. Ich konnte die Socken nicht finden und schüttelte in Panik den Gatten wach. Der stand auch brav auf und suchte in meinem Kleiderstapel nach einem Paar Socken (nicht die aus dem Krankenhaus, denn die gibt es nicht). Das ist wohl einfacher, als mit mir über Sinn und Unsinn einer solchen Aktion zu diskutieren. Es dauerte auch eine ganze Weile, bis ich wach genug war, um zu merken, was für ein Schmarrn das war. Peter macht im Moment einiges mit.

Was auch gelegentlich ganz schön nervt, sind Kommentare wie „Jetzt ziehst du schon drei Monate damit rum, und es ist immer noch nicht in Ordnung. Dass das so lang dauert!“ Gelegentlich gefolgt von „Als der Großneffe meines Schwippschwagers sich den Finger verstaucht hat…“. Okay, hier übertreibe ich etwas, aber wirklich nur etwas. Auf jeden Fall ließ ich neulich bei meinem Physiotherapeuten meinen Frust ab und meinte: „Dem nächsten, der mir damit kommt, semmele ich die Krücke auf den Fuß, aber so richtig!“ Er daraufhin: „Das verstehe ich, würde ich wohl auch machen“, um mir dan wieder einmal geduldig zu erklären, das ein Knöchelbruch eine langwierige Sache ist, verglichen mit z. B. einem glatten Unterschenkelbruch, da bei einem Gelenk so viele Teile ineinandergreifen und es sich auch noch bewegen muss. So, jetzt wisst ihr’s.

Aber im Großen und Ganzen geht es immer noch aufwärts. Letzte Woche war ich z. B. mal wieder in der Stadt. Meine Sommerjacke löst sich langsam in Wohlgefallen auf und bequeme Outdoorlatschen, in denen auch mein lädierter Fuß sich wohl fühlt, wären auch nicht schlecht. Im ANWB-Shop hatten sie nix Gscheits, die meisten Jacken sind in der Michelin-Männchen-Optik, die nun gar nicht schlank macht, und bei dem Modell, das mir gefiel, zickte der Reißverschluss rum. Aber im Sportgeschäft meines Vertrauens (ja, sowas habe ich!) wurde ich fündig.

Danach schaute ich noch in das neue Warenhaus „Hudson’s Bay“, das in die Räumlichkeiten des V&D, dem ich immer noch nachtrauere, eingezogen ist. Außer Klamotten haben sie auch Haushaltswaren und anderes, aber das werde ich mir in Ruhe mal anschauen. Mein erster Eindruck: Basst scho.

Und das Schönste: Das Restaurant „La Place“ ist wieder da! Dort gönnte ich mir einen mittäglichen Imbiss. Gut, dass ich inzwischen wieder ganz gut ohne Krücken laufen kann, denn dort ist Selbstbedienung. In die Stadt nehme ich sie aber trotztem noch mit, denn 1) sind sie eine gute Hilfe, wenn es anstrengend oder windig ist, 2) fahren die Busfahrer erst los, wenn ich sitze und 3) könnte man notfalls jemandem eins überbraten (war aber noch nicht nötig). Also habe ich dort die Krücken an einen Tisch in Sichtweite gestellt, mein Essen geholt und gemütlich verspeist.

Auch das Radfahren geht inzwischen wieder. Davor hatte ich schon etwas Bammel, immerhin bin ich ja dadurch in den ganzen Schlamassel geraten. Aber mein Physiotherapeut war der Meinung, dass ich es wieder angehen sollte und beraumte kurzerhand einen Termin bei mir zu Hause an, um zu sehen, ob mein Rad gut eingestellt ist und wie ich mich beim Auf- und Absteigen anstelle. Sein Fazit: Du kannst das, also ab durch die Mitte. Jetzt kann ich also auch wieder vieles allein erledigen. Und zum Einkaufen benutze ich einen Hackenporsche (eine Einkaufstasche auf Rädern), die wir von meiner Schwiegermutter bekommen haben, als sie auf den Rollator umgestiegen ist.

Leute, es wird.

moed

(c) by Giny Opgenort

 

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Mühsam bewegt sich das Eichhörnchen

Wie Elvira in ihrem Kommentar zu meinem letzten Post sagte, werden aus den Metern langsam Kilometer. Inzwischen geht das Laufen jeden Tag ein bisschen besser, und ich erobere meine Umgebung wieder, wie eine Freundin es einmal so schön sagte. Momentan lege ich noch die beeindruckende Entfernung von ca. eineinhalb bis zwei Kilometer zurück, aber immerhin. Ich glaube, ich habe eine Marktlücke entdeckt: eine Karte oder App unserer Stadt, auf der *alle* Bänke eingetragen sind. Die sind nämlich im Moment sehr wichtig!

Letzten Mittwoch war ich im Krankenhaus zur Kontrolle. Zu diesem Behufe stürzten wir uns ins nächste Abenteuer: Bus fahren. Der Bus hält fast vor meiner Haustür und auch fast vor dem Krankenhaus, aber spannend war es doch. Aber alles ging gut, die Busfahrer sind rücksichtsvoll, wenn man mit Krücken einsteigt, und bei unserer Haltestelle sind sowieso die meitsten Sitzplätze noch frei. Auf dem Hinweg war Peter dabei, und der Rückweg war auch kein Problem. Da an meiner Haltestelle eine Truppe Rentner aus dem Seniorenheim (teils mit Rollator) einsteigen wolle, konnte ich mir beim Aussteigen jede Menge Zeit lassen.

Der Arzt, der auch die OP durchgeführt hatte, teilte uns mit, dass ich das Bein wieder zu 100% belasten darf, aber ich soll natürlich auf die Schmerzgrenze achten und nicht übertreiben. Mein Physiotherapeut war am Montag schon dieser Meinung zugetan und freute sich wie Bolle, dass der Arzt es bestätigt hat. Er freut sich sowieso immer aufrichtig über jeden Fortschritt, den ich mache, und das hilft ungemein, den Mut und Optimismus nicht zu verlieren. Ich versuche zwar, froh zu sein über die Dinge, die ich kann, anstatt mich über das zu ärgern, was noch nicht geht, aber manchmal nervt dieser Zustand schon.

Da ich jetzt auf jeden Fall im Haus die Krücken weglassen darf bzw. soll, kann ich auch langsam mit leichten Hausarbeiten anfangen. Wie gesagt, leicht und langsam, man muss es ja nicht gleich übertreiben. Also habe ich gestern das Schlafzimmer gesaugt – because I can. Danach war ich erst mal erledigt, gut, dass ich keine Karriere als Raumpflegerin anstrebe. Betten abziehen und Spüli ausräumen geht inzwischen auch. Morgen werde ich mal wieder was kochen, vorausgesetzt, Peter hilft mir beim Abgießen des Nudelwassers.

Gestern haben wir noch einen Spaziergang zum Weiher gemacht, uns in die Sonne gesetzt und Wasservögel beobachtet. Für ihn waren die gut zwei Kilometer auch recht anstrengend, das Langsamgehen liegt ihm nicht so. Auf dem Rückweg haben wir bei unserem deutschen Bäcker Kuchen geholt, den wir dann im Garten verspeist haben – ein richtiges Urlaubsgefühl.  Und heute möchten wir endlich mal wieder schön essen gehen.

Ich wünsche euch allen ein schönes Osterfest.

vijver

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Die Welt wird jeden Tag ein Stückchen größer

Seit fast zwei Wochen darf ich das Bein wieder belasten, und seitdem wird die Welt jeden Tag ein kleines bisschen größer. Die Röntgenfotos sahen gut aus („Nobody looks fat on an X-ray“, Friends), der Bruch ist gut verheilt. Und mein Fuß sieht inzwischen wieder wie ein Fuß aus und nicht mehr wie ein aufgeblasener Gummihandschuh.

Am Anfang war es noch recht gewöhnungsbedürftig, dass ich tatsächlich wieder auf zwei Beinen stehen durfte und nicht mehr wie ein Storch im Salat in der Gegend herumstehen musste. Und das Gehen war ganz schön anstrengend, auf den YouTube-Videos sieht das alles immer viel einfacher aus. So ein siebenwöchiges Couchpotato-Dasein bleibt natürlich auch nicht ohne Folgen. Am Wochenende vor meinem Unfall war ich noch 25 km gewandert, und plötzlich waren 50 Meter die Straße rauf und zurück schon voll anstrengend. Da ist immer noch sehr viel Luft nach oben.

Inzwischen erweitert sich aber jeden Tag mein Aktionsradius, letzte Woche war ich beim Friseur (eine Strecke 150 Meter), beim Physiotherapeuten (200 Meter) und bei der Chorprobe (keine Ahnung, wie weit es vom Parkplatz zum Probenraum ist). Auch die Firmenkurse, die bisher auf Eis lagen, werden nach und nach wieder aufgenommen. Im Moment fährt mich der Gatte noch, und in einigen Wochen bin ich hoffentlich wieder autark. Und duschen kann ich auch wieder im Stehen!

Ich habe einen guten Physiotherapeuten, der mich jedes Mal wieder ein Stück weiter „schiebt“, aber trotzdem realistisch ist. Was noch nicht geht, geht halt noch nicht. Außerdem passt er auf wie ein Schießhund, dass ich mir nicht irgendwelche Schonhaltungen angewöhne.

Mal sehen, ob wir am Mittwoch die 500 Meter zum Wahllokal schaffen. Es gibt auf jeden Fall ein paar Bänke unterwegs. Und wie singt Bløf so schön: „Hoe ver je gaat, heeft met afstand niets te maken, hoogstens met de tijd (Wie weit man geht, hat nichts mit Entfernung zu tun, höchstens mit der Zeit)“.

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