Beiträge mit dem Schlagwort: Groningen

Pieterpad – Finish und Fazit

Groningen – Pieterburen (und ans Wattenmeer)

Was lange währt…

Fast auf den Tag genau zwei Jahre habe ich mit meiner Pieterpad-Expedition herumgetan, weil ja auch immer irgendwas war. Aber jetzt ist es geschafft, am Samstag bin ich in Pieterburen einglaufen. Und jetzt gehe ich meinen Mitmenschen fröhlich damit auf die Nerven. Und was soll ich sagen? Schee war’s.

Abschied von Vorurteilen

Aus irgendwelchen Gründen hatte ich mir immer eingebildet, dass das letzte Stück eher langweilig ist, nämlich leer, brettleben, und man sieht schon auf acht Kilometer, dass da nichts ist. Aber nichts ist weniger wahr.

Das Stück aus Groningen raus ist wunderschön, man kommt an der Synagoge, dar A-kerk und dem ehemaligen Hafen vorbei. Die dortigen Grachtenhäuser erinnern ein bisschen an Amsterdam beim Goethe-Institut und dort, wo eine Freundin von mir früher gewohnt hat.

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Dann ging es durch den Noorderplantsoen, einen Park, in dem gerade die Bühne für das Festival „Noorderzon“ aufgebaut wurde, am Noorderbegraafplaats und dem Universitätsgelände vorbei aus der Stadt hinaus.

umland

Auch das Groninger Umland ist sehr schön: Die Route führt durch nette Dörfer mit Wierden, auf Deutsch auch Warften oder Wurten genannt. Dabei handelt es sich um aufgeworfene Siedlungshügel, die die Bewohner bei Sturmfluten schützen sollen. Meist liegen die Kirche und andere wichtige Gebäude auf diesen Erhöhungen. Zahlreiche Ortsnamen wie Wierum oder Garnweerd sind davon abgeleitet.

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Und dann gibt es natürlich auch die goldige Ortschaft Winsum, wo ich übernachtete:

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Minigedöns

Größere Schwierigkeiten gab es diesmal nicht, auch wenn natürlich nicht alles reibungslos lief. In Groningen wird am Stadtrand ein Radweg repariert, und die Pieterpadwanderer werden umgeleitet. Natürlich hatte ich es mal wieder versäumt, auf der Website nach Aktualisierungen zu schauen – das gedruckte Wort ist für mich halt immer noch heilig. Aber mir Hilfe einiger Einheimischer, darunter auch jemand, der kürzlich die Strecke gelaufen war, kam ich ohne Umweg aus der Stadt.

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Und bei Garnweerd führt der Weg jetzt durch Felder und Wiesen statt an der Straße entlang. Das sit eine gute Entscheidung, denn die Straße ist schmal und recht gut befahren. Aber beim Wandern durch die Wiesen stellten sich mir zahlreiche Gräben in den Weg, ich muss wohl irgendwo wieder falsch abgebogen sein. Es war gar ncith so einfach, wieder auf den Weg zu kommen. Fierljeppen, eine Art Stabhochsprung über einen Graben, wäre jetzt gar nicht schlecht.

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Und auf dem Campingplatz waren drei der Blockhütten, die an die Zeltweise grenzten, von zwölf Mädchen bewohnt, die bis spät in die Nacht quasselten und meherere Bierkästen leerten. Aber zum Glück war es nicht so schlimm wie vor ein paar Jahren in der Schweiz.

Insgesamt war es ein Premium-Wochenende.

Finish und Ausklang

Mit Peter hatte ich abgesprochen, dass er am Samstag nach Pieterburen fahren und mir von dort entgegen gehen würde. Das klappte auch wunderbar, als ich eine hohe Brücke überquerte, sah ich ihn schon als gaaanz winzigen Punkt in der Ferne ankommen.

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Nach einer Verschnaufpause gingen wir gemeinsam das letzte Stück nach Pieterburen. Dort gingen wir erst einmal Mosterdsoep (Senfsuppe), eine Spezialität dieser Gegend, essen, denn wie heißt es in einem Niederländisch-Lehrbuch für Anfänger so schön? „De Mosterdsoep is hier altijd lekker.“

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Dann statteten wir, wie es sich gehört, den Seehunden einen Besuch ab und besichtigten die Petruskirche.  Danach bauten wir unser Zweimannzelt auf (die Dackelhütte kann vorläufig ins Winterquartier) und gingen anschließend noch ein Stück auf dem Nederlands Kustpad zum Wattenmeer. Es gab einmal Gerüchte, dass man den Pieterpad bis dorthin verlängern wollte, aber jetzt verstehe ich auch, warum die Organisatoren das wohl nicht machen werden. Da es von Pieterburen keinen direkten Weg zum Meer gibt (es liegen einige Felder mit Gräben dazwischen), kommen schnell fünf Extrakilometer dazu, die man dann auch wieder zurückgehen muss. Das macht bestimmt nicht jeder. Der Anfangs- bzw. Endpunkt in der Ortsmitte ist schon richtig.

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Den Sonntag verbrachten wir noch in Groningen, wo wir die Synagoge und das ehemalige Judenviertel besichtigten, aber das ist eine andere Geschichte.

Fazit und Ausblick

Jetzt habe ich es also endlich geschafft. Durch diese Wanderung habe ich die Niederlande auf eine andere Art kennengelernt. Iach habe am eigenen Leibe erfahren, wie die Landschaft sich langsam verändert, vom hügligen Limburg über die großen Flüsse, die Kulissenlandschaft in der Achterhoek und Twente, die Wälder in Drenthe und das weite Land in Groningen. Und mit der Landschaft ändern sich auch die Dialekte.

Außerdem habe ich mich selbst kennengelernt und meine Grenzen erkundet. 20 bis 25 Kilometer an einem Tag sind gut zu laufen, viel mehr muss es nicht werden, denn ich bin nicht besonders schnell. Meistens finde ich meinen Weg, und mit den gelegentlichen Orientierungsschwierigkeiten kann ich inzwischen ganz gut umgehen.  Und alleine zu wandern und auch zu übernachten ist kein Problem. Eigentlich muss man dafür nur zwei Voraussetzungen erfüllen: Man muss sich selbst als angenehme Gesellschaft empfinden und man muss die Stille aushalten können.

Bei allem Stolz, das Abenteuer zu Ende gebracht zu haben, ist schon ein bisschen Wehmut  dabei. Eine Freundin formulierte es so: „Bestimmt ist man aber auch ein bisschen traurig, wie wenn man ein gutes Buch fertig gelesen hat, oder?“ Das trifft es ziemlich gut.

Aber ich habe ja schon mit dem Trekvogelpad angefangen, der mich irgendwann quer durch das Land nach Bergen aan Zee führen wird (eine Übernachtungsmöglichkeit in Utrecht wurde mir auch schon angeboten). Außerdem liegt der Wanderführer für den „Overijssels Havezatenpad“ schon auf dem Schreibtisch. Dieser führt von Oldenzaal nach Steenwijk, ist also in der Nähe von Enschede und eignet sich daher gut für Tagesausflüge.

Und ich kann ja immer noch, wie ein entgegenkommender Wanderer vorgeschlagen hat, den Pieterpad, der übrigens auch beim diesjährigen Sandskulpturenfestival in Garderen zu sehen ist,  wieder zurückgehen.

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Das Pieterpad-Ende ist in Sicht

Rolde – Groningen

Letztes Wochenende bin ich wieder ein Stück auf dem Pieterpad gewandert, von Rolde bis Groningen. So langsam kommt Pieterburen wirklich in Sichtweite.

Irgendwas ist immer

Auf der Hinfahrt bildete sich mein E-Reader ein, dass er sich jetzt neu installieren muss – sowas hatte ich bisher noch nicht, und das braucht auch kein Mensch! Diese Geräte, die meinen, irgendwas selbst entscheiden zu müssen, sind mir sowieso suspekt. Früher hat mein Computer wenigstens noch gefragt, ob ein Update im Moment genehm ist, aber jetzt ist von dieser Höflichkeit nichts mehr zu merken: Update you must! Fehlt nur noch, dass mein Staubsauger irgendwann röhrend durchs Zimmer gurkt, weil ihm gerade danach ist. Inzwischen ist der Schaden wieder behoben, und meine Bücher wieder drauf, aber abends musste ich auf dem Campingplatz aus purer Verzweiflung eine Uraltausgabe der „Libelle“ lesen. Aber in der Not frisst der Teufel ja bekanntlich Fliegen, und ich weiß jetzt, warum Männer Frauen mit runden Formen bevorzugen.

Und was war noch? Ach ja, auf der Rückfahrt gab es mal wieder Schienenersatzverkehr, und der Busfahrer verpasste eine Ausfahrt, was mir zur planmäßig schon längeren Fahrzeit eine weitere halbe Stunde einbrachte. Und das ohne E-Reader!

Außerdem wurde ich von außerirdischen Killermoskitos und Brombeerranken angegriffen, so dass meine Beine etwas mitgenommen aussehen. Aber schön war es trotzdem.

Heide, Hünengräber und jede Menge Wasser

Da ich beim letzten Mal ja nicht an den beiden Hünengräbern von Rolde vorbei gekommen war, nahm ich mir diese als erstes vor. Sie leigen im Schatten der Kirche von Rolde und direkt neben dem Friedhof. Bei dem Versuch, wieder auf die Route zu kommen und dabei gleich in die richtige Richtung zu gehen, drehte ich erst mal eine Runde durch das überschaubare Zentrum von Rolde. Dann war ich wieder auf dem Weg.

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Erst ging es durch Das Balloërverld – blühende Heide, so weit das Auge reicht, auch hier wieder mit einigen Grabhügeln und einem Galgenberg, die aber schwer zu erkennen sind.

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Dann ging es durch die nette Ortschaft Gasteren, ein typisches „Eschdorf“, die man häufig in Nordwestdeutschland und den Niederlanden findet. Vor dem Pfannkuchenhaus im Zentrum standen zahlreiche E-Bikes, die radelnden Rentnergangs, die oft hier zu finden sind, waren aslo wieder unterwegs. Dann ging es wieder durch ein Stück Heide mit einem weiteren Hünengrab.

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An diesem Tag kam ich kurz vor dem Campingplatz in Midlaren noch an zwei weiteren Hünengräbern vorbei, die nebeneinander zwischen zwei Häusern liegen, doch das allertezte auf der Strecke habe ich wohl übersehen.

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Am nächsten Tag führte der Weg erst  durch den Wald und am Wald entlang, was ich aber diesmal schaffte, ohne mich zu verlaufen. Geht doch!

Dann erreichte ich die Polderlandschaft südlich von Groningen, und kurz vor Haren führte der Weg vor allem am Wasser entlang.

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So konnte ich am Noord-Willemskanaal und einigen Seitenarmen entlang gemütlich auf Groningen zugehen, ohne dass ich nach dem eher leeren Drenthe sofort einen Zivilisationsschock bekam. Das haben die „Wegbereiter“ gut gemacht.

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Zeit für Kultur

Da ich bereits um 14 Uhr in Groningen eintrudelte, hatte ich noch Zeit für einen Besuch des Groninger Museums. Dort war ich schon ewig nicht mehr. Der etwas gewöhnungsbedürftige futuristische Bau beherbergt im Moment verschiedene Ausstellungen.

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„Reich in Groningen – Land- und Stadtsitze 1600 – 1800“ zeigt Bilder und Stiche von Herrenhäusern in Groningen und Umgebung sowie noch erhaltener Hausrat. Leider sind viele dieser Háuser inzwischen abgerissen worden. Niederländer und ihr Kulturerbe, das ist irgendwie keine gute Kombination. Die Engländer können sowas einfach besser.

„Hide & Seek, Maarten Baas“ geht um Möbeldesign in verschiedenen Ausprägungen. So hat Baas z. B. Möbel verbrannt, um sie dann mit einer Harzschicht zu überziehen, so dass man sie wieder verweden kann. Außerdem experimentiert er mit Materialien wie Knetmasse. Sehr interessant fand ich einen Schrank mit toller Holzmaserung, der aber aus rostfreiem Stahl ist. Ich hätte ihn ja gerne angefasst, um das zu überprüfen, aber das war verständlicherweise nicht erlaubt.

In „Gabriel Lester – The Return of Lester’s Loop“ behandelt der Regisseur und Filmemacher Lester das Thema des Sich-Verirrens. Na, auf dem Gebiet bin ich ja auch Experte. Passt also.

Begegnungen und Gespräche

Auch dieses Mal begegnete ich unterwegs einer Menge Leute. Vor Schipborg fragte mich eine ältere Dame mit Hund nach dem Weg, aber da ich erst nicht kapierte, dass sie mit „Drentsche Aa“ nicht den Fluss meinte, den ich gerade überquert hatte, sondern das gleichnamige Café, schickte ich sie erst mal in die falsche Richtung. Zum Glück war sie noch nicht außer Hörweite, als ich meinen Irrtum bemerkte, und so gingen wir zusammen zum Café. Sie und ihr Hund hatten ein recht flottes Tempo drauf, aber nicht zu schnell für eine gepflegte Unterhaltung.

Auf dem Campingplatz mit dem schönen Namen „Appelhof“ stand meine Dackelhütte neben einem Birnbaum. Und der Besitzer hat mir auch gleich einen Stuhl dazugestellt. Auf diesem Platz sind viele Pieterpadwanderer mit leichtem Gepäck, aber auch Senioren mit Wohnwagen, die unglaublich viel Geschirr mitschleppen und einsauen, wie ich in der Spülküche mal wieder erleben durfte.

Kurz vor Groningen machte ich auf einer Bank unter einem Pieterpad-Wegweiser Pause. Währenddessen kamen mehrere radelnde Rentnergangs vorbei, die sich freuten wie Bolle, dass sie einen Pieterpad-Wanderer in freier Wildbahn bewundern konnten. Immer gerne.

Diesmal fiel mir vor allem auf, dass sich die Gespräche ändern. Als ich mit dem Pieterpad anfing, erstarrte ich jedesmal fast vor Ehrfurcht, wenn ich mich mit dem Gegenverkehr unterhielt. Die hatten es fast geschafft, und ich musste noch über 400 km laufen. Jetzt biege ich praktisch in die Zielgerade ein (noch ca. 35 km) und die anderen haben den Weg noch vor sich. Ich bin schon etwas stolz, so weit gekommen zu sein, aber es ist auch ein bisschen schade, dass es bald vorbei ist.

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Er gaat niets boven Groningen – Seehunde, ein Stadtbesuch und Erinnerungen

Gestern waren wir mal wieder in Pieterburen, da wir uns persönlich vom Wohlergehen unseres Seehunds Bjarne überzeugen wollten. Ich hatte uns ordnungsgemäß vorher angemeldet, und der nette Mitarbeiter an der Rezeption wusste Bescheid.

Sobald seine Kollegin ihn ablöste, ging er mit uns zum „Buitenbad“, einem Außenbecken, wo sieben Kegelrobben (grijze zeehonden) friedlich vor sich hin plantschten. Aber welcher davon war Bjarne? Sie sehen sich ja alle recht ähnlich, und das Hochhalten der Adoptionsurkunde half auch nichts – keiner winkte uns begeistert zu.

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Der Mitarbeiter, der uns begleitete, ging nach dem Ausschlussprinzip vor: Die mit einem lila Etikett in der Schwanzflosse konnten es nicht sein, denn die waren letztes Jahr gefunden worden, der eine mit dem roten Etikett, der so elegant am Ufer lag, war es auch nicht, denn der hatte noch eine Wunde an der Schwanzflosse und so weiter. Irgendwann kamen wir zu der Schlussfolgerung, dass Bjarne der Seehund in der vorderen Ecke sein musste.

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Als „Adoptiveltern“ kriegt man hier eine richtige VIP-Behandlung, man darf zusammen mit einem Mitarbeiter über die Absperrung, und er erklärt einem alles über unseren Seehund. So erfuhren wir, dass Bjarne in dem Monat, den er schon in Pieterburen ist, knapp zehn Kilo zugenommen hat und jetzt also 23 Kilo wiegt. Seine Gesundheit macht gute Fortschritte. Er scheint ein recht eigenwilliger Zeitgenosse mit einem ausgezeichneten Gebiss zu sein, das er uns auch mehrmals zeigte. Seehunde sehen zwar sehr knuddelig aus, aber es bleiben Raubtiere, und wenn einer zuschnappt, dann tut das weh, wie uns versichert wurde.

Da ich mich noch immer in der Smartphone-Lernphase befinde, machte ich einige Fotos mit meinem schicken Gerät und schickte sie gnadenlos an Freunde und Bekannte. Und ich habe sogar rausgekriegt, wie ich die Dinger auf den heimischen PC kriege. Toll, nicht wahr?

Im Kino der Seehundstation wurde passenderweise ein kurzer Film über Kegelrobben gezeigt. Die jungen Kegelrobben werden mitten im Winter geboren und haben ein dickes weißes Fell. Darum können sie auch in ihren ersten Lebenswochen noch nicht ins Wasser, denn das Fell würde sich sofort vollsaugen. Die Mutter säugt ihr Junges also an Land, und nach etwa fünf Wochen, wenn es groß genug ist, wird das weiße Fell durch normales Fell ersetzt. Dann verlässt die Mutter das Junge, und es muss sich allein durchschlagen. Zwischendurch muss die Mutter jedoch selbst mal auf Jagd, und in dieser Zeit ist das Junge dann allein an Land. Wenn Menschen dann zu nah heran kommen, verstößt die Mutter ihr Kind. Wenn es Glück hat, wird es, wie unser Bjarne, gefunden und in der Seehundstation aufgepäppelt, aber es ist natürlich viel besser, die Seehunde in Ruhe zu lassen, so dass es gar nicht notwendig ist.

Nach diesem lehrreichen Besuch fuhren wir nach Groningen, wo Peter seine Studentenzeit verbracht hatte. Wir parkten unser Auto in Beijum hinter Peters ehemaligem Studentenhaus und fuhren mit dem Bus ins Zentrum. Inzwischen ist es Linie 4 und nicht mehr Linie 6 – immer diese Veränderungen!

Groningen war die erste niederländische Stadt, die ich kennengelernt und auch oft besucht hatte, und auf unserem Weg durch die Stadt wurde ich von zahlreichen Erinnerungen eingeholt: So radelte ich einmal allein mit einer Karte bewaffnet von Beijum nach Paddepoel, um einen Freund zu besuchen, der in einer ziemlich hohen Hausnummer wohnte. Von meiner deutschen Geografie ausgehend erwartete ich eine unendlich lange Straße und war erstaunt, dass ich sehr schnell vor meinem Ziel stand, da man hier die Wohnungen in einem Hochhaus einzeln durchnummeriert. Ist ja auch viel praktischer.

Und einmal traf ich mich mit einer Freundin am Grote Markt beim Warenhaus V&D, was mir damals noch gar nichts sagte. Doch sie erklärte mir: „You will find it. Everybody meets at the V&D.“ Dass besagte Warenhauskette vor Kurzem Konkurs angemeldet hat und wohl bald von der Bildfläche verschwunden sein wird, bedeutet irgendwie das Ende einer Ära.

Aber viele Dinge gibt es noch immer: So steht der Martinitoren (d’Olle Grieze), den ich damals im Schweiße meines Angesichts erklommen hatte, immer noch da, wo er hingehört, und auch das Café „Ugly Duck“, wi wir uns gnadenlos an Spareribs überfressen hatten, gibt es noch.

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Diesmal aßen wir keine Spareribs (man wird ja vernünftig), sondern die typisch Groninger Mosterdsoep und Broodjes. Dabei musste ich mal wieder an den herrlichen Dialogausschnitt aus dem Lehrbuch „In de startblokken – Nederlands voor Duitstaligen“ denken: „Dan neem ik ook een voorgerecht. De mosterdsoep is hier altijd erg lekker.“ Da diese Unterrichtsmethode an der Universität Groningen entwickelt wurde, muss so ein Satz natürlich hinein.

Groningen

Danach gingen wir durch die Herestraat, die Einkaufsstraße schlechthin, zum Bahnhof. Dieses monumentale Gebäude hat einfach was.

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Zu meiner Groninger Zeit war die Decke in der Bahnhofshalle leider nicht zu sehen, da sie renoviert wurde, aber diesmal konnten wir sie in ihrer ganzen Pracht bewundern. Leute, so muss ein Bahnhof aussehen!

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Mein Verhältnis zu diesem Bahnhof war damals eher ambivalent, denn wie oft war ich hier angekommen, um relativ kurze Zeit später wieder Abschied nehmen zu müssen. Aber jetzt, wo ich meinen Platz hier gefunden habe, freue ich mich darauf, bei meiner Pieterpad-Wanderung in Groningen anzukommen und von dort aus auch wieder nach Hause zu fahren.

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Urlaub im Moinland- Teil 5

Heimwärts – ein schlechter Tag, Hünengräber und „Bag Art“

Am nächsten Morgen ließen wir uns Zeit beim Frühstück. Wir unterhielten uns gemütlich mit den Radfahrern gegenüber über Räder, Taschen Routen und dergleichen, während das beschlagene Zelt langsam in der Sonne trocknete. Dann bauten wir ab und radelten wir gemütlich an der Kleinbahnstrecke entlang zum Hafen. Wie immer waren wir viel zu früh, aber es gab genug zu sehen: Ein Rudel Touristen stieg aus der Kleinbahn aus, die Fähre nach Emden wurde beladen und eine relativ unbebockte Schulklasse aus der Jugendherberge nebenan versammelte sich zu einer Fahrt zum Krabbenfischen.

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Die Fähre nach Eemshaven war jedoch weit und breit nicht zu sehen. Der Hafen ist zwar nicht besonders groß, aber man kann ja nie wissen, ob es nicht irgendwo ums Eck noch eine versteckte Anlegestelle gibt. Also zog ich los und fragte den Kapitän eines Katamarans, der weiter vorne am Pier lag, nach unserer Fähre. Er erklärte mir, dass diese noch gar nicht angekommen war und zeigte mir, wo sie anlegen sollte. Wir würden es auf keinen Fall verpassen. Beruhigt trabte ich zurück zu unseren Rädern, und wir beobachteten weiter das Treiben im Hafen.

Endlich kam unser Schiff an. Als wir unsere Fahrkarten vorzeigten, wurden wir extra noch einmal darauf aufmerksam gemacht, dass dieses Schiff nicht, wie auf den Tickets vermerkt, nach Emden, sondern nach Eemshaven fuhr. „Aber wenn Sie unbedingt nach Holland wollen, geht das natürlich auch.“

Wir stellten unsere Räder unter Deck ab und suchten uns dann oben ein Plätzchen mit Aussicht, wo wir allerdings auch kräftig durchgepustet wurden. Bald kam Eemshaven in Sicht, und ich kann versichern, es ist keine schöne Gegend, um anzukommen. Industrieanlagen, Tanks, Kräne und alles andere, was irgendwie scheußlich ist, ist hier versammelt. Nachdem das Schiff angelegt hatte, versuchten wir so schnell wie möglich das Hafengebiet mit seinem Verkehr zu verlassen.

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Nach einer Weile waren wir wieder auf ruhigeren Landstraßen und fuhren durch das flache weite Land von Nordgroningen. Der Wind, der uns an Bord noch fröhlich umweht hatte, war nun deutlich schwächer, und da es auch recht warm geworden war, ging das Radeln recht zäh. Auch merkte man deutlich, dass wir nicht mehr im Moin-Land waren. Die wenigen Leute, die uns begegneten, schafften es gerade mal bis „Moi“, wenn sie denn überhaupt etwas sagten. Irgendwie war es heute kein besonders guter Tag, und das sollte auch so bleiben.

Wir fuhren in Richtung Groningen, und Peter wollte eigentlich noch dem Stadtviertel Beijum, seinem Wohnsitz aus Studententagen einen Besuch abstatten, doch der Weg dorthin wurde gerade runderneuert, und die Umleitung wäre etwas zu weit außen rum gewesen. Also steuerten wir das Stadtzentrum von Groningen an. Eigentlich mag ich diese Stadt mit ihren Grachten, Brücken, malerischen Häusern und den zahlreichen Studenten. Der heutige Tag allerdings fiel in die erste Woche des neuen Studienjahrs, und besagte Studenten waren allesamt mit dem Fahrrad in der Stadt unterwegs, so dass es mir ein bisschen zu belebt wurde. Deshalb, und weil es erst früher Nachmittag war, steuerten wir nicht den Campingplatz im Zentrum an, sondern deckten uns bei einem Supermarkt mit Verpflegung ein und fuhren weiter Richtung Süden.

Leider war unsere Radwanderkarte nicht mehr topaktuell, und den Campingplatz in Haren gab es nicht mehr. Also weiter nach Nordlaren, wo wir einen kleinen und gemütlichen Zeltplatz am Pieterpad fanden, der außerdem ein „Ruhepunkt“ ist: Es gibt dort ein Häuschen, wo man sich unterstellen, ausruhen und gegen einen Obolus Kaffee oder Tee kochen oder ein Erfrischungsgetränk aus dem Kühlschrank nehmen kann. Gebäck und Eis haben sie auch.

Nachdem wir unsere Zelt aufgebaut und das Abendessen verzehrt hatten, saßen wir noch auf einer Bank und studierten die Karte. Unsere Nachbarn mit Wohnmobil brachten uns noch eine Tasse Tee, und bei einem gemütlichen Schwätzchen verging der Tag. Sooo schlecht war er nun doch nicht.

Am nächten Morgen ging es weiter. Radfahren in der Provinz Drenthe ist schön, über mit alten Bäumen gesäumte Straßen, vorbei an Feldern und blühenden Blumen am Wegrand.

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Auf unserem Weg mussten wir auch durch die Provinzhauptstadt Assen, was aber laut Peter kein Problem sein sollte, da es dort früher nur eine einzige Ampel gab. Deshalb war die Stadt bei Führerscheinprüflingen sehr beliebt. Doch diese idyllischen Zeiten sind natürlich inzwischen vorbei und aus der einen Ampel sind inzwischen mindestens neun geworden, die uns auf dem Ring um die Stadt immer wieder ausbremsten.

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Weiter ging es an der Drentse Hoofdvaart, einer alten Schiffsverbindung zwischen Assen und Meppel, durch Bovensmilde, Smilde, Hijkersmilde und Hoogersmilde in Richtung Diever. Kurz vor der Ortschaft wollten wir in einem Pfannkuchenrestaurant einkehren, doch das Etablissement hatte noch geschlossen. Das war allerdings nicht weiter dramatisch, im Ortskern fanden wir ein nettes Café, wo man auch Pfannkuchen servierte. Geht doch!

Unterwegs und im Ort selbst fiel uns auf, dass vor allem ältere Leute mit E-Bikes unterwegs waren. Die Provinz Drenthe ist wegen ihrer Landschaft und der Ruhe bei Rentnern aus größeren Städten sehr beliebt, nicht umsonst gibt es den Begriff „drenthenieren“. Unterwegs kamen wir wieder an einem Hünengrab vorbei, von denen es einige hier in der Gegend gibt.

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Inzwischen war es wieder recht schwül geworden, und so waren wir froh, als wir Havelte erreichten. Den dortigen Campingplatz kannten wir schon von früheren Radtouren. Hier merkte man deutlich, dass die Saison zu Ende ging, es gab nur noch wenige Gäste, und nur ein Teil der Toilettenanlagen hatte noch geöffnet.

Nachdem wir das Zelt aufgestellt hatten, machten wir uns wieder auf den Weg, um ein weiteres Hünengrab zu besuchen.

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Dabei führte uns der Weg erst am Schmetterlingsparadies „Papilorama“ vorbei, wo man viele verschiedene Blumen angepflanzt hatte, um Schmetterlinge aller Art anzulocken. Danach ging es durch die blühende Heide zum Hünengrab. Somit schloss sich der Kreis zum Anfang unserer Reise.

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Nach einem Abstecher zum Supermarkt brutzelten wir uns auf dem Campingplatz ein Abendessen und saßen dann noch mit unseren Bücher vor dem Zelt, bis es zu dunkel zum Lesen war.

Am nächsten Morgen hing dicker Nebel über dem Campingplatz. Als wir nach dem Frühstück alles eingepackt hatten, beschlossen wir, aus den Fahrradtaschen ein Hünengrab nachzubauen. Im letzten Jahr in England hatten wir ja schon den „Hunmanby Bag Circle“ kreiert. Wir beschlossen, dieses Projekt, das durchaus ausbaufähig ist, „Bag Art“ zu nennen.

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Nachdem Peter noch meine Gangschaltung nachgestellt hatte, die seit gestern etwas herumzickte, fuhren wir los. Wir hatten geplant, nach Zwolle zu radeln und dort den Zug nach Hause zu nehmen. In Meppel verpassten wir wegen der jahrmaktsbedingten Umleitung die richtige Ausfallstraße und landeten auf der falschen Seite der Autobahn. Nachdem wir einige Abzweigungen probiert hatten, die uns alle weiter von unserem Zielort wegführten, und sich außerdem dräuende Regenwolken über uns zusammeklumpten, fuhren wir wieder zum Bahnhof nach Meppel, um dort den Zug zu nehmen.

Wir hatten gehofft, dass der „Sprinter“ einer der neuen Niedrigflurzüge mit viel Platz für die Fahrräder war, doch leider war es ein umgetaufter Intercity, dessen Fahrradabteil sich am anderen Ende des Bahnsteigs befand. So kriegt das Wort „Sprinter“ eine ganz neue Bedeutung. Aber wir schaffte es noch rechtzeitig, und auch das Umsteigen in Zwolle ging problemlos. Am Nachmittag waren wir dann wieder zu Hause, wo Struppie sich gebührend über sein neues Halstuch freute. Es steht ihm doch gut, nicht wahr?

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„Familienbesuch“ – „Familiebezoek“

Gestern waren wir in Pieterburen, um Mara zu besuchen. Schließlich fühlen wir uns doch für ihr Wohlergehen verantwortlich, und der Onkel unseres Seehundes möchte ja auch informiert werden.Mara ist immer noch in Quarantäne, da sie durch die Lungenwurminfektion doch sehr geschwächt war. Aber es geht langsam besser, und seit ein paar Tagen kriegt sie wieder feste Nahrung.

Gisteren waren we in Pieterburen, om Mara te bezoeken. We voelen ons toch verantwoordelijk voor haar welbevinden, en de oom van de zeehond moet immers ook op de hoogste gebracht worden. Mara is nog steeds in quarantaine, omdat zij door haar longworminfectie behoorlijk verzwakt was. Maar inmiddels gaat het beter, en sinds een paar dagen krijgt zij ook weer vast voedsel toegediend.

Ein netter Mitarbeiter brachte uns zu unserem Seehund und beantwortete bereitwillig unsere Fragen. Wenn man den Quarantänebereich betreten will, muss man diese schicken Überschuhe anziehen.

Een aardige medewerker bracht ons naar onze zeehond en beantwoordde graag onze vragen. Als je het quarantainegebied wilt betreden, moet je deze sjieke overschoenen aandoen.

Hier ist Mara, im Moment noch im Notquartier, da die Seehundstation noch immer etwas überlaufen ist. Aber bald, wenn sie etwas kräftiger geworden ist, kann sie auch in ein Becken mit Wasser umziehen. Im Moment wird zum Füttern immer Wasser in ihr Becken gelassen.

Hier heb je Mara, op het moment nog in de noodopvang, omdat het nog steeds vrij druk is in de zeehondencreche. Maar gauw, als zij wat aangesterkt is, kan zij ook naar een bassin met water verhuizen. Op het moment wordt er water in haar bassin gelaten, als zij gevoerd wordt.

Diese Seehunde sind schon etwas weiter…

Deze zeehonden zijn al wat verder…

… und diese im Wellenbad werden in den nächsten Tagen freigelasssen. Mara ist wohl Anfang Mai soweit. Auf jeden Fall wird sie in der Seehundstation gut versorgt.

… en deze in het golfbad worden de komende dagen vrijgelaten. Mara is warschijnlijk begin mei zover. In ieder geval wordt zij in de zeehondencreche goed verzorgd.

Nach unserem Besuch machten wir noch einen Stadtbummel durch das winterliche Groningen – noch immer eine schöne Stadt.

Na ons bezoek liepen wij nog een beetje door het winterlijke Groningen, nog steeds een mooie stad.

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