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Träwelling wis Deutsche Bahn nach Bremerhaven und zurück (mit Tatort-Exkurs)

Ausdauernde und aufmerksame Mitleser wissen ja, dass ich mal mehr, mal weniger eifrig im Heinzi-Forum schreibe. Da es dieses Forum schon eine ganze Weile gibt, bleib es natürrlich auch nicht aus, dass ich diverse Mitschreiber und -schreiberinnen schon persönlich kennengelernt habe. Es sind auf diese Weise auch einige Freundschaften entstanden.

Letztes Wochenende war Mädelswochenende in Bremerhaven angesagt, und zwar mit Moony, Nono und Tinka. Da in der Woche davor der Sturm Herwart über Norddeutschland gefegt war, hatte die Bahn mit Salznebel zu kämpfen, ein Phämomen, das mitr bis dahin unbekannt war, das aber für Spannungsüberschläge und Kurzschlüsse bei den Oberleitungen sorgte. Ab Bremen war also Schienenersatzverkehr angesagt.

Kein Problem, als ich zu Hause in den Zug stieg, saß Nono schon wohlbehalten im Bus von Bremen nach Bremerhaven. Doch bei mir war schon in Münster der Wurm drin, mein Intercity fuhr verspätet auf einem anderen Gleis ab, und den Wagen, in dem sich mein reservierter Sitzplatz befinden sollte, war gar nicht mit von der Partie. Zum Glück stieg ich beim Fahrradabteil ein, in dem kein Fahrrad war, aber dafür jede Menge Platz und freie Klappstühle. Hürde eins war geschafft.

Zwischendurch schaute ich immer wieder auf die Bahnwebsite, wie ich denn von Bremen aus weiterkommen würde. Die Informationen änderten sich im Zehn-Minuten-Takt, und eine war absurder als die andere. Mal fuhr der Zug ganz normal, dann wieder nicht, dan gab es einen Bus bis Oldenbüttel, aber erst in zwei Stunden etc. Also machte ich mich in Bremen erst mal auf den Weg zum Informationsschalter. Dort stand eine längere Schlage, aber ich entdeckte schnell den Aushang, der mich informierte, dass jede Stunde ein Bus nach Bremerhaven fahren würde, und zwar von Bussteig J. Warum kann die Bahn sowas nicht auf ihre Website schreiben? Viele Leute hätten eine ruhigere Reise, denke ich. Und ich erwischte sogar den Expressbus, der ohne Zwischenstopp nach Bremerhaven fuhr, wo der Rest der Truppe schon auf mich wartete.

Nachdem wir uns bei unserer Gastgeberin häuslich eingerichtet hatten, ging es erst einmal zu Alis Snack-Café Sunshine. Das Essen und der Wein waren unheimlich lecker, und die Portionen sind wirklich etwas für den kleinen Hunger zwischendurch. Auch der Weißwein war gut eingeschenkt, und in die Auberginencreme hätte ich mich reinsetzen können.

lamm

Besonders toll war aber Alis herzliche Art, man hat den Eindruck, dass er für jeden Gast höchstpersönlich kocht.

Man kann sich vorstellen, dass der Abend lang wurde, und so ließen wir es auch am nächsten Morgen gemütlich angehen. Nach einem ausgedehnten Frühstück mit viel Kaffee ging es erst einmal ins Shopping-Center Mediterraneo, das seinem Namen alle Ehre macht. Eis geht bei diesem Flair natürlich immer.

mediterraneo mediterraneo2

Danach wurde es maritimer, wir gingen zum Hafen und besichtigten das Segelschiff „Seute Deern“.

seutedeern

seutedeern2

Aber wechselhaft sind des Geschickes Mächte, da steuert man erst so ein Schiff quasi durch die Weltmeere, und dann kackt einem eine Möwe auf den Kopp. Das Viech hat drei von uns erwischt – ganze Arbeit also. Der Schaden ließ sich aber beheben und es ging weiter zum Auswandererhaus.

auswandererhaus

Dort war ich zwar schon einmal gewesen, aber man kann immer wieder dorthin gehen. An der Kasse erhält man die Namen eines Auswanderers und eines Einwanderers, und man muss auf Spurensuche gehen, was aus diesen Personen geworden ist. Ich folgte diesmal einem Dienstmädchen, das in den Vereinigten Staaten ihr Glück suchte, und einer Elsässerin, die nach dem zweiten Weltkrieg nach Deutschland kam. Aber dies ist einen eigenen Post wert.

Gespeist wurde diesmal im Seamen’s Club, und danach gingen wir auf einen Absacker zu Ali.

Am nächsten Morgen war die große Frage, wann Nono und ich in Bremen sein mussten. Mit viel Mühe entdeckten wir auf der Website der Nordwestbahn die nötigen Informationen, und Moony und Tinka warteten zur Sicherheit am Bahnhof, bis wir im Bus saßen, der dann auch bald abfuhr. Am Bremer Hauptbahnhof trennten sich unsere Wege, Nono wollte noch ins Überseemuseum, und ich suchten meinen Zug. Wegen Gleisarbeiten fuhr er ohne Zwischenstopp nach Dortmund. Das war zwar bei der Buchung schon bekannt, aber ich hatte es übersehen. Aber egal. Aus irgendwelchen Gründen hatte man den Zug aus altem Wagenmaterial zusammengstoppelt, und ich landete in einem Interregio-Wagen mit viel Platz für Beine und Gepäck. Auch die Fenster konnte man aufmachen – Nostalgie purst!

interregio

In Dortmund gab es wegen Gleisarbeiten zwischen Lünen und Bork denselben Schienenersatzverkehr wie letzte Woche – it’s Groundhog Day! Aber trotz allem kam ich wie geplant zu Hause an. Nono hatte diesmal weniger Glück, ihr wurde aufgrund einer technischen Störung eine einstündige Verspätung beschert. Aber auch sie schaffte es pünktlich zum Tatort.

Als ich dem Gatten erzählte, dass Moony genau an der Grenze zwischen Bremen und Niedersachsen befindet, inspitierte uns das zu folgender Tatort-Idee: Wie in „The Bridge“ wird genau auf der Bundesland-Grenze eine Leiche gefunden, und es kommt zum üblichen Kompetenzgerangel zwischen Inga Lürsen aus Bremen und Charlotte Lindholm vom LKA Niedersachsen. Gleichzeitig findet in Bremerhaven ein größeres Heinzitreffen statt, und in Tatortnähe wird eine Gruppe vollgefressener, angeheiterter Leute aufgegriffen. Sie sind unterschiedlichen Alters, kommen aus verschiedenen Städten und haben auch unterschiedliche Berufe, was Inga Lürsen zu der Bemerkung veranlasst: „Die müssen doch irgendetwas gemeinsam haben! Stedefreund, finden Sie es heraus!“

Auf jeden Fall war es ein tolles Wochenende, und Bremerhaven ist sicher noch ein paar Besuche wert. Mädels, schee war’s!

bremerhaven

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Zwischen den Jahren – Jahresrückblick 2015

Zwischen den Jahren – ich mag diese Redewendung, auch wenn ich gelegentlich darauf aufmerksam gemacht werde, dass sie nicht logisch ist, dass es immer entweder noch das eine oder schon das andere Jahr ist. Aber sie umschreibt so schön die Stimmung der Tage zwischen Weihnachten und Neujahr: Der Weihnachtsstress liegt hinter einem, das neue Jahr noch vor einem, es ist relativ ruhig und die Zeit scheint ein bisschen langsamer zu vergehen. Zeit, um zurück und auch nach vorne zu schauen.

In meinem Lieblingsforum wird schon seit längerem am Jahresende auf das vergangene Jahr zurückgeschaut: Wünsche, Vorsätze, Erfolge und Misserfolge passieren die Revue.  Letztes Jahr habe ich zum ersten Mal mitgemacht, und ich fand es interessant, um jetzt nachzulesen, was das Jahr 2014 für mich ausgemacht hat. Vieles vergisst man ja doch wieder oder kann es nicht mehr einordnen.

Was war das Beste für Dich an diesem Jahr?
Dass es für mich selbst nicht wirklich dramatische Ereignisse gab, und dass ich mich wohl immer noch über kleine Dinge freuen kann.

Hast Du 2015 etwas gemacht, das Du noch nie zuvor gemacht hast?
Ich habe bei der Sitzung der Städtischen Kommission Einspruch gegen die Mittelkürzungen für unsere Bibliothek erhoben. Es war aufregend und sehr lehrreich.

Hast Du all Deine guten Vorsätze aus dem Vorjahr beherzigt?
Das mit dem Sport ist nicht wirklich was geworden, aber immerhin habe ich angefangen, den Pieterpad zu wandern.

Hast Du gute Vorsätze für das nächste Jahr?
Mich endlich der Herausforderung Smartphone stellen und den Pieterpad zu Ende laufen.

Welche Länder hast Du 2015 besucht?
Deutschland, und ich habe mal kurz nach Polen hineingeschnuppert.

Was möchtest Du 2016 haben, was Du 2015 nicht hattest?
Das, was ich auch dieses Jahr wollte: Mehr Zeit für Familie, Freunde, Hobbys – vor allem für das Schreiben und aktuell den Pieterpad.

Welches Datum aus 2015 wirst du nie vergessen?
Den 12. Dezember: Gemütlich bummeln mit einer Freundin und dann zum Weihnachtskonzert, bei dem der Gatte einen Auftritt hatte!

Was war Dein größter Erfolg 2015?
Ich habe mich über den inneren Schweinehund hinweggesetzt und angefangen, den Pieterpad zu laufen. So lerne ich meine Wahlheimat auf eine ganz andere Art kennen, und es macht Spaß!

Welches war Dein größter Fehler?
Mein ewiges Problem, dass ich meine Grenzen manchmal nicht gut bewache und mich dann mal wieder über mich selbst ärgere.

Hast Du eine Krankheit oder eine Verletzung gehabt?
Am Anfang des Jahres wurde ich gleich zweimal von der Grippewelle überrollt. Keine Ahnung, ob es zwei verschiedene waren oder ob ich mich nicht gut genug auskuriert hatte.

Was war das Beste, was Du gekauft hast?
Mein E-Reader. Er macht das Urlaubsgepäck deutlich leichter.

Wessen Verhalten erschreckt Dich oder macht Dich traurig?
Das Verhalten der Terroristen in Paris etc., aber auch das Verhalten diverser „besorgter Bürger“ in unserer Stadt.

Wofür ging das meiste Geld drauf?
Das weiß ich nicht genau, aber ich denke, für unseren Ostsee-Urlaub. In vier Wochen läppert sich einiges zusammen.

Worüber warst Du so richtig aus dem Häuschen?
Über diverse richtig schön analoge Nachrichten mit der Schneckenpost aus der alten Heimat, die mal wieder zeigen, dass 18 Jahre und 800 Kilometer einer Freundschaft nicht unbedingt etwas anhaben müssen.

Welches Lied wird Dich immer an 2015 erinnern?
„Home“ von Dotan. Irgendwie bin ich dieses Jahr darauf gestoßen, und er beschreibt das Gefühl des Heimkommens so toll!

Verglichen mit 2014, warst du im Jahr 2015

…glücklicher oder unglücklicher?
Weder – noch. Und das ist auch gut so.

… reicher oder ärmer?
Ich denke, es bleibt ungefähr gleich.

Wovon hättest Du lieber mehr gemacht?
Ich hätte gern einen Sommerkurs gegeben, aber das hat leider nicht geklappt.

Wovon hättest Du lieber weniger gemacht?
Nervigen Kleinkram, aber das ändert sich hoffentlich im nächsten Jahr.

Wie hast Du Weihnachten verbracht?
Wie letztes Jahr mit dem Gatten und dem Mitbewohner zu Hause. Die Familie wurde nach den Feiertagen besucht.

Hast Du Dich 2015 verliebt?
Dazu nur so viel: Alte Liebe rostet nicht.

Welches war Deine Lieblingssendung im Fernsehen?
Die Camilla-Läckberg-Reihe „Mord in Fjellbäcka“ – eine skandinavische Krimiserie mit Humor, die nicht so furchtbar schwer aufs Gemüt schlägt.

Hast Du jemanden oder etwas hassen gelernt?
Hassen ist ein zu großes Wort, aber es gab schon ein paar Dinge, über die ich mich aufgeregt habe.

Welches war das beste Buch, das du 2015 gelesen hast?
Inselgrab“ von Johan Theorin, ein würdiger Abschluss seiner Öland-Tetralogie.

Was war deine größte musikalische Überraschung 2015?
Dass das Adventskonzert unseres Chores (zusammen mit einigen anderen Chören) erstaunlich gut geklappt hat.

Was hast Du Dir gewünscht und auch bekommen?
Viele interessante Momente und Begegnungen.

Was hast Du Dir gewünscht und nicht bekommen?
Eins der etwas weniger schauerlichen Objekte beim Schrottwichteln.

Welches war Dein Lieblingsfilm in diesem Jahr?
Der Film ist zwar schon aus dem letzten Jahr, aber aus logistischen Gründen konnte ich ihn erst dieses Jahr sehen: „Beste Chance“ von Marcus H. Rosenmüller, der dritte und letzte Teil meiner Heimweh-Trilogie.

Was hast Du an Deinem Geburtstag getan und wie alt bist Du geworden?
Ich habe ihn zu Hause verbracht, wir waren schön essen und ich bin wieder ein Jahr älter geworden.

Welche eine Sache hätte Dein Jahr zufriedenstellender gemacht?
Wenn es mit dem Sommerkurs geklappt hätte.

Was hielt Dich gesund?
Eine ganz gute Verfassung und wohl auch Glück.

Erzähle uns eine wertvolle Lebenslektion, die Du in diesem Jahr gelernt hast!
Ich wurde darauf aufmerksam gemacht, dass auf dem Gebiet, das ich vor Urzeiten studiert habe, die Zeit nicht stehengeblieben ist, auch wenn ich jetzt beruflich etwas anderes mache. Mal wieder vorsichtig über den Tellerrand zu schauen wäre also keine schlechte Idee.

Auf was freust Du Dich im Jahr 2016?
Auf die grüne Insel – falls wir nicht wieder auf etwas komplett anderes kommen, geht der Sommerurlaub nach Irland. Außerdem auf neue Herausforderungen, nette Menschen und interessante Begegnungen.

Ich wünsche allen, die sich gelegentlich hierher verirren, mitlesen und kommentieren das Allerbeste für 2016. Möge es ein gutes Jahr werden.

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Jahresrückblick 2014

In meinem Lieblingsforum wird schon seit längerem am Jahresende auf das vergangene Jahr zurückgeschaut: Wünsche, Vorsätze, Erfolge und Misserfolge passieren die Revue.  Bisher habe ich mich dabei immer vornehm zurückgehalten, aber dieses Jahr erschien es mir interessant, auch einmal mitzumachen. Und das Ergebnis möchte ich gerne mit euch teilen. Falls jemand von euch die Idee aufgreifen möchte – gerne! Die Fragen sind lediglich eine Anregung, und man muss sie auch nicht alle beantworten.

Was war das Beste für Dich an diesem Jahr?
The best Fischbrötchen ever“ bei unserer Sommerradtour. Das gab es in Norden.  smile

Hast Du 2014 etwas gemacht, das Du noch nie zuvor gemacht hast?

Wir haben einen Seehund freigelassen.

Hast Du all Deine guten Vorsätze aus dem Vorjahr beherzigt?

Ich wollte auf mein Gewicht achten, und ja, es ist gestiegen.  Sad

Hast Du gute Vorsätze für das nächste Jahr?

Das Übliche: Weniger Schokolade, mehr Sport. Vielleicht sollte ich es mit Ritter Sport versuchen?

Welche Länder hast Du 2014 besucht?
Deutschland und Belgien – und irgendwie auch England, da man die Universitätsstadt Leuven auch „das Oxford Belgiens“ nennt.  Wink

Was möchtest Du 2015 haben, was Du 2014 nicht hattest?
Mehr Zeit für Familie, Freunde, Hobbys und vor allem für das Bloggen. Ein Reisebericht über unsere Sommerradtour mit dem „best Fischbrötchen ever“ will noch geschrieben und zahlreiche Bücher möchten noch besprochen werden.

Welches Datum aus 2014 wirst du nie vergessen?
21. bis 26. Juni, als wir in einem Anfall von Wahnsinn die Strandzesdaagse von Hoek van Holland nach Den Helder liefen.

Was war Dein größter Erfolg 2014?
Dass ich trotz schmerzendem Unterschenkel das Finish der Strandzesdaagse erreichte.

Welches war Dein größter Fehler?
Ein paarmal zu oft ein gutmütiger Trottel gewesen, aber das ist ja mein zweiter Vorname.

Hast Du eine Krankheit oder eine Verletzung gehabt?
Neben den üblichen Zipperlein ein überanstrengter Unterschenkel bei der Strandzesdaagse und im Herbst ein verstauchtes Handgelenk, an dem ich noch lange Freude hatte.

Was war das Beste, was Du gekauft hast?

Einen Mini Cooper in British Racing Green (natürlich zusammen mit dem Gatten).

Wessen Verhalten erschreckt Dich oder macht Dich traurig?
Das Verhalten diverser Politiker und Gewerkschaftsmitglieder, für die Freiberufler verdächtige Scheinselbstständige und sowieso Menschen zweiter Klasse sind.

Wofür ging das meiste Geld drauf?
Für Charles, unseren Mini.

Worüber warst Du so richtig aus dem Häuschen?

Als unser Seehund Lewis zusammen mit sechs weiteren Artgenossen auf die salzige See zuwetzte und in den Fluten verschwand:
https://www.youtube.com/watch?v=TbnXYNobcZw

Welches Lied wird Dich immer an 2014 erinnern?
„It’s a Beautiful Day“ von Queen, eben wegen der Seehunde.

Verglichen mit 2013, warst du im Jahr 2014

…glücklicher oder unglücklicher?
Nachdem ich 2012 gern aus dem Kalender gestrichen hätte, waren die letzen beiden Jahre gut und stabil.

… reicher oder ärmer?
Ich denke, es bleibt ungefähr gleich.

Wovon hättest Du lieber mehr gemacht?
Mehr Radtouren und Blogeinträge.

Wovon hättest Du lieber weniger gemacht?

Bürokratischen Zirkus bei der FH.

Wie hast Du Weihnachten verbracht?
Zu Hause mit meinem Mann. Da unser Chor bei der Christmette gesungen hat, musste der Glühwein allerdings warten….

Hast Du Dich 2014 verliebt?

Ja, das mit Charles war Liebe auf den ersten Blick.  1luvu

Welches war Deine Lieblingssendung im Fernsehen?
Die neuen Folgen der Krimiserie „Lewis“, nach deren Protagonist auch unser Seehund benannt wurde.

Hast Du jemanden oder etwas hassen gelernt?
Das Bürokratengedöns bei der FH. Da hätte ich oft gern in die Auslegeware gebissen.

Welches war das beste Buch, was du 2014 gelesen hast?
Am meisten amüsiert habe ich mich bei der Mama-Carlotta-Reihe, einer Krimiserie mit einer unglaublich liebenswerten Protagonistin.

Was war deine größte musikalische Überraschung 2014?
Wie gefühlvoll der Gatte Schubertlieder singt.

Was hast Du Dir gewünscht und auch bekommen?
Charles!

Was hast Du Dir gewünscht und nicht bekommen?
Genug Zeit für Freunde, Familie, Hobbys etc.

Welches war Dein Lieblingsfilm in diesem Jahr?
Dieses Jahr habe ich keinen Lieblingsfilm. Einen hätte ich zwar gern gesehen, aber der lief hier nicht in den Kinos. Nun warte ich auf die DVD.

Was hast Du an Deinem Geburtstag getan und wie alt bist Du geworden?

Ich war auf dem Campingplatz in Hoek van Holland, wo am nächsten Tag die Strandzesdaagse beginnen sollte. Und ich bin wieder ein Jahr älter geworden.

Welche eine Sache hätte Dein Jahr zufriedenstellender gemacht?
Weniger Hektik und mehr Zeit für mich selbst und die Dinge, die wirklich Spaß machen.

Was hielt Dich gesund?

Meine wohl ganz gute Konstitution.

Erzähle uns eine wertvolle Lebenslektion, die Du in diesem Jahr gelernt hast!

Mammuteinrichtungen wie die FH und ich passen einfach nicht zusammen.

Auf was freust Du Dich in 2015?

Auf unseren geplanten Radurlaub an der Ostsee und viele andere Dinge. Ich hoffe, dass es ein gutes Jahr wird. Prost. beerchug

Zum Schluss möchte ich mich bei allen, die hier vorbei geschaut, mitgelesen und kommentiert haben, bedanken. Ich wünsche euch allen das allerbeste für 2015.

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In der Vorweihnachtszeit fühle ich mich deutsch

Über einen Beitrag von Elvira landete ich bei einem Blogpost von Bunt und Farbenfroh: Weihnachten wird abgeschafft. Und während ich so vor mich hin las und dachte, entdeckte ich plötzlich, dass dies ja auch ein echtes Grenzwandererthema ist. Wie oft werde ich nicht gefragt, ob ich mich deutsch oder niederländisch oder beides oder keines von beiden fühle. Und ich komme immer mehr zu der Schlussfolgerung, dass es situationsgebunden ist.

Beim Fußball ist es mir wurscht, da lehne ich mich entspannt zurück und denke: „Möge der Bessere gewinnen.“ Oder ich feuere eine Mannschaft an, die ich irgendwie goldig finde: Irland, Ecuador, die Faröer-Inseln etc. Das verstehen die Wenigsten, aber damit kann ich leben.

Beim Eurovision Soncontest habe ich in den letzten zwei Jahren mit den Niederländern mitgebibbert, auch wenn mir andere Einsendungen ebenfalls gut gefallen haben. Und Anouk und die Common Linnets haben es ja auch wirklich gut gemacht. Über den Beitrag für nächstes Jahr kann ich mir am Freitag ein Urteil bilden. Mal sehen, ob der Partiotismus anhält, wenn Trijntje Oosterhuis bei „The Voice of Holland“ ihr Lied zum Besten gibt.

In sehr vielen anderen Kontexten bin ich eigentlich weder noch. Ich bin ein Grenzgänger, Europäer, Weltbürger. Aber in der Vorweihnachtszeit ist alles anders: Da fühle ich mich deutsch und bin froh, in Grenznähe zu wohnen.

In den Niederlanden spielt Weihnachten eher eine untergeordnete Rolle. Hier ist das Nikolausfest (Sinterklaas), das am 5. Dezember gefeiert wird, der Höhepunkt der Wintermonate. Bereits Wochen vorher macht sich Sinterklaas aus Spanien auf den Weg, um den Kindern die Geschenke zu bringen, und wird Mitte November feierlich in den verschiedenen niederländischen Städten empfangen. Begleitet wird er von zahlreichen Helfern, den „Zwarte Pieten“. Diese sind seit einiger Zeit umstritten, da seine Rolle als schwarzer Diener von Kritikern als rassistisch empfunden wird. Dies aufzurollen würde hier jedoch zu weit führen und so verweise ich auf Alex‘ Beitrag auf buurtaal. Nur kurz mein Senf: Wenn eine Bevölkerungsgruppe angibt, dass sie sich durch die heutige Darstellung verletzt fühlt, sollte man sich nicht gleich eingraben, sondern bereit sein, darüber nachzudenken, ob da nicht vielleicht ein Kern von Wahrheit darin steckt. Traditionen können sich ja schließlich ändern.

Da ich aber nicht nicht mit dem „Sinterklaasfeest“ aufgewachsen bin und keine Kinder habe, ist es mir nie gelungen, dazu den richtigen Draht zu entwickeln. Und das ist wohl auch der Grund, warum ich mich in der Vorweihnachtszeit deutsch fühle – sie ist eine schöne Erinnerung an die Zeit, als ich noch klein und die Welt noch in Ordnung war. Darum versuche ich immer, ein bisschen Vorweihnachtsstimmung zu verbreiten und zu genießen.

Dazu gehört natürlich der Adventskranz auf dem Wohnzimmertisch, auch dieses Jahr wieder Marke Eigenbau mit weihnachtsfeinem Mitbewohner. Und jedes Jahr bekomme ich einen Adventskalender aus der alten Heimat geschickt. Dieses Jahr sind es sogar zwei geworden, so dass der Gatte und ich jeder etwas Eigenes haben. Vielen Dank, es freut mich, dass ihr trotz Weihnachtstress dafür die Zeit gefunden habt.

Auch das Kartenschreiben gehört dazu, und ich sehe es nicht als lästige Pflicht an, sondern als Möglichkeit, mit den Leuten aus der alten Heimat mal wieder analog in Kontakt zu treten, und nicht „nur“ über Mail und soziale Netzwerke. Selbstverständlich bekomme ich auch sehr gern Post.

Dann gibt es natürlich auch die Weihnachtsmarktbesuche: Bratwurst essen, Glühwein trinken, meine Tassensammlung vergrößern, nach Geschenken stöbern und die Atmorspäre genießen. Dieses Jahr war ich bereits in Warendorf, Tecklenburg und am Wochenende fahre ich zum @heinzi-Treffen nach Bremen. Zwar lauert auf den Weihnachtsmärkten immer die Gefahr, gewhamt zu werden, also das Lied „Last Christmas“ zu hören und damit beim Spiel „Christmas King“ auszuscheiden. Aber noch bin ich im Rennen, und ich freue mich auf Bremen.

Da der Gatte und ich in einem Chor in Deutschland singen, kriegen wir auch genug von der deutschen Vorweihnachtszeit mit, auch wenn wir dieses Jahr vor allem englische Christmas Carols einstudieren. Wir singen am Heiligen Abend in der Christmette, also haben wir auch die Gelegenheit, die deutschen Klassiker wie „Oh du fröhliche“ und „Stille Nacht“ aus voller Brust mitzusingen. Im letzten Jahr wurde in den Niederlanden das Lied „Stille Nacht“ aus dem Gesangbuch für Weihnachten entfernt, irgendwie haben sie es hier wirklich nicht mit Weihnachtskultur.

Natürlich gehört auch das Plätzchenbacken zu den Dingen, die ich an der Vorweihnachtszeit liebe. Früher tat ich das mit meiner Mutter und meiner Oma, während meiner Schulzeit backten meine beste Freundin und ich zusammen und sauten die Küche ein, was bei unseren Müttern nicht gerade auf Begeisterung stieß, Die ersten selbstfabrizieren Punschbrezeln waren legendär, da uns zu viel Rum in die Glasur geriet und die Plätzchen sich richtig schön vollsogen. Nach drei Stück konnte man das Auto besser stehen lassen.

Vor einigen Jahren unterrichtete ich im Winterhalbjahr einen Deutschkurs für Anfänger. In der letzten Stunde vor den Weihnachtsferien brachte ich Plätzchen und Rezepte mit und las mit den Kursteilnehmern eine einfache Weihnachtsgeschichte. Nach der Stunde brachte ich der Sekretärin ein paar Plätzchen vorbei. Sie fragte: „Hast du die selbst gemacht?“ Ich nickte stolz, worauf sie ausrief: „Warum das denn, um Himmels Willen?“

Noch Fragen?

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Die Holländer können doch sowieso alle Deutsch

Zu diesem Thema gab es neulich eine interessante Diskussion bei @heinzi, meinem Stammforum.

Eine Userin plant eine Amsterdamreise mit ihren Kindern und möchte sich für sie eine Art Stadtspiel ausdenken, bei dem die Kids mit Zettel und Stift bewaffnet verschiedene Dinge herausfinden sollen. Das hat sie schon mit viel Erfolg in Wien gemacht. Eine Teilnehmerin, die lange in Amsterdam gelebt hat, gab ihr folgenden Rat: „Allerdings bitte ich zu bedenken, dass man im Gegensatz zu Wien in Amsterdam Niederländisch spricht und gerade Amsterdamer recht schnippisch werden können, wenn man sie einfach auf Deutsch anspricht. […] Wenn man am Akzent hört, dass ihr Deutsche seid, wird man bestimmt auf Deutsch umschalten. Es wird nur als extrem unhöflich betrachtet, jemanden gleich auf Deutsch anzusprechen.
Bringe deinen Kindern
bitte – alstublieft (ausgesprochen astublieft)
danke – bedankt
auf Wiedersehen – dag (daaaach)
darf ich Sie etwas fragen/darf ich Sie eben mal stören – mag (mach) ik even (effe) wat vragen (frachen)
bei und man wird entzückt sein.“

Die Userin, die die Frage gestellt hatte, war begeistert und beschloss, gleich mit dem Nachwuchs zu üben. Eine andere sah das jedoch nicht so ganz ein: „Warum eigentlich? Nicht jeder, der Amsterdam besucht, spricht niederländisch oder lernt es einfach dafür. […] Man denkt halt automatisch, daß alle Niederländer auch Deutsch können.“

Den Satz „Die meisten Holländer können doch Deutsch“ hört man ziemlich oft, nicht nur in besagter Forendiskussion. Häufig ist es auch so. Dennoch finde ich, dass man daraus nicht einfach ableiten sollte, dass man sofort auf Deutsch loslegen kann. Es erwartet auch niemand, dass man die Landessprache perfekt können muss, wenn man ins Ausland reist, aber ein paar Floskeln sollte man sich vielleicht doch aneignen. Und wenn man dann, wie ich einmal in Dänemark, zugeben muss, dass man nicht viel mehr als die Frage nach dem Postamt beherrscht, kann man ja immer noch auf Englisch oder sogar auf Deutsch weitermachen.

Manchmal möchte das Gegenüber auch gern Deutsch sprechen, sei es, um zu üben, sei es, um zu zeigen, dass man seine Fremdsprachen gelernt hat. Ich hatte einmal in einer Boutique in meinem besten Niederländisch nach der Waschanleitung für einen Pullover gefragt. Darauf die Verkäuferin: „Können wir vielleicht Deutsch reden? Ich sprech ganz gut Deutsch – glaube ich.“ Das fand ich richtig goldig, und selbstverständlich haben wir uns dann auf Deutsch weiter unterhalten.

Zwei nette Besipiele aus der Dikussion zeigen, dass man es auch in Deutschland schätzt, wenn Touristen zumindest einen Versuch mit der Sprache machen:

„Selber finde ich es auch befremdlich, wenn ich vor meiner Haustür von z.B. Italienern/Spaniern u.ä. in deren Landessprache angeschrien werde. Erstaunt war ich vor einigen Wochen über ein Rudel Japaner. Ich wurde in grammatikalisch korrektem Deutsch mit phantastischer Aussprache nach dem Weg gefragt. Obwohl ich mich sehr bemüht habe, Hochdeutsch zu sprechen (wer mich kennt, weiß, dass das bei mir nicht immer üblich ist), haben die Japaner nichts oder nicht viel verstanden. Auf Englisch gings dann sehr gut. Gefreut hat es mich trotzdem, dass sie zumindest Interesse zeigten und sich Mühe gaben. „

Und:

„Ich habe mal eine Weile in Köln gearbeitet und hatte da wohl häufiger ein „Frag mich doch Gesicht“ aufgesetzt. Wenn mich jemand auf englisch oder einer anderen Sprache angesprochen hat, ohne mich zu fragen ob ich diese Sprache beherrsche, habe ich auch schon mal angesäuert reagiert. Zum Beispiel habe ich auf der Domplatte einem Amerikaner auf die Frage, „ob das der Dom sei“ geantwortet, das sei eine relativ kleine Kirche und der Dom sei viel größer. Wenn mir aber jemand in radebrechendem Deutsch einen „guttehntaag“ gewünscht und „inglisch specken?“ gefragt hat, habe ich immer gerne Auskunft gegeben. Der Versuch, die Tageszeit und ein paar Floskeln in der Landessprache zu können, hat mir schon viele Türen geöffnet. „

Genauso ist es, wie ich auch auf diversen Reisen feststellen durfte. Aber es geht nicht nur um den pragmatischen Aspekt. Wenn man sich ein bisschen in die Fremdsprache vertieft hat und dann in Norwegen lesen kann, dass das Eis „mit Liebe zubereitet“ wurde, schmeckt es einem doch gleich viel besser. Falls ich allerdings mal auf die Idee kommen sollte, nach China zu fahren, dürfte das Ganze schon deutlich schwieriger werden. 😉

Foto (c) by Rike, www.pixelio.de

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Knapp daneben ist auch vorbei – Fußballnachlese

Und wieder ist das Fußballgedöns vorbei, und weder die Deutschen noch die Niederländer sind Europameister geworden. Irland leider auch nicht.

Die beiden letzten Gruppenspiele Deutschland – Dänemark und Niederlande – Portugal fanden gleichzeitig statt, was dazu führte, dass der Gatte und ich alle Tore verpasst haben, weil wir ständig mit dem Hin- und Herschalten beschäftigt waren. Das nächste Mal müssen wir wohl den Fernseher aus dem Gästezimmer holen und Stereo gucken.

„Schland“ kam weiter, Oranje nicht. Irgendwie ist bei denen zur Zeit der Wurm drin. Vielleicht bräuchten sie einen Trainer, der sie erst mal ’ne Weile durch die Gegend rennen, Liegestützen machen und Klos putzen lässt, dann ist mit den Leuten möglicherweise auch mal wieder was anzufangen.

Deutschland schaffte es ja immerin bis ins Halbfinale, scheiterte dann aber gegen Italien. Interessant sind hier mal wieder die Extreme in den Schlagzeilen: So lange es gut ging, reihte sich ein Superlativ an den anderen, Löw, Gomez und die anderen werden in den Himmel gelobt und nichts kann unsere Jungs stoppen etc. Als sich dann Italien als überlegener Gegner herausstellte, wurden aus denselben Jungs Versager und Weicheier, und man forderte vehement Löws Rücktritt. Eine sehr interessante Aufstellung findet sich im Bildblog. Was soll denn der Blödsinn? Ich meine, Deutschland ist unter die ersten vier gekommen, also weiter als zwölf andere Teilnehmer. Find ich jetzt gar nicht mal so schlecht. Und es kann halt nur einer gewinnen.

Und dann geisterte noch eine Nachricht durch die Medien, dass Ronaldo beim Heimflug der portugiesischen Mannschaft sein Flugzeug verpasst hätte, weil er noch Kuchen kaufen wollte. Diese Nachricht stellte sich als Scherz heraus. Schade eigentlich, jetzt war mir der Kerl schon fast sympathisch!

Die Ehrlichkeit gebietet mir, noch zu sagen, dass ich das diesjährige Tippspiel gnadenlos verloren habe. Das nächste mal werde ich die Ergebnisse auswürfeln. Unser Organisator Armknecht, der eine Weile ebenfalls die rote Laterne trug,  hatte als einziger die Endspielpaarung korrekt vorausgesagt, was ihm eine Menge Sonderpunkte eingebracht hat. Und das ist auch gut so, denn er hatte angedroht, die EM für ungültig erklären zu lassen, wenn er auf dem letzten Platz endet.

Aber egal, wie alles ausgegangen ist, der Europameister der Herzen ist sowieso Irland mit seinen stets fröhlichen, gutgelaunten Fans, die sich auch von Ausscheiden der „Boys in Green“ nicht die Laune verderben ließen.  So geht’s also auch.

(Diese schicke Flagge habe ich übrigens von der Website des Fanshop Online, der es gestattet, sie unter Angabe der Quelle zu verwenden. Vielen Dank!.)

Nachtrag: Kaum schreibe ich über Irland als Europameister der Herzen, schaut jemand aus Dublin hier vorbei! Fáilte! 🙂

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Das Runde muss ins Eckige – Fußballgedanken aller Art

Wer mich kennt, weiß ja, dass ich normalerweise mit Fußball nicht allzuviel am Hut habe, von gelegentlichen Ausnahmen abgesehen.

Vor ein paar Jahren zum Beispiel, als wir gerade in Kopenhagen waren, fand dort die Fußball-WM der Obdachlosen statt, und das war echt lustig. Auf dem Marktplatz waren ein paar kleine Spielfelder abgesteckt, jede Mannschaft bestand aus drei Spielern und einem Torwart und ein Spiel dauerte zwei mal sieben Minuten. Also wunderbar übersichtlich, das Ganze. Außerdem ging es auf dem Spielfeld so richtig rund, alle paar Minuten wurde der Ball ins Tor gesemmelt! Nur bei einem Spiel dachte ich:  „Was ist das denn für ein zähes Gekicke“, während der Kommentator den Spielern ein „fast schon professionelles Niveau“ bescheinigte. Ich denke, das illustiriert ganz gut, warum ich dem Profifußball nicht allzuviel abgewinnen kann und das Gedöns eher meide.

Aber morgen fängt ja die EM (nicht die der Obdachlosen, sondern der““richtigen“ Profis) an, und da schafft man es beim besten Willen nicht, dem Fußball zu entgehen, zumindest, wenn man in den Niederlanden wohnt. Meistens werden schon einige Wochen vorher ganze Straßen mit Flaggen, aufblasbaren Figuren und ähnlichen Utensilien dekoriert – in leuchtendem Orange natürlich. In allen Medien, in der Arbeit und auf der Straße wird „het Elftal“ ausführlich diskutiert, und Fanartikel aller Art tauchen überall auf, wie z. B. die „Glücksvögel“ zum Sammeln  in unserem Supermarkt,  die ich den Kindern in der Nachbarschaft abtrete.

Die Frage, ob Robin van Persie oder Klaas Jan Huntelaar bei der EM ran dürfen, nimmt in unserer Zeitung einen breiten Raum ein. Warum lässt Van Marwijk die beiden nicht einfach abwechselnd spielen? Dann sind sie auch insgesamt fitter, und schließlich ist Fußball ein Mannschaftssport. Wenn die Herrren alles alleine machen wollen, hätten sie vielleicht besser Golf spielen sollen. Aus irgendwelchen Gründen will keiner den Job des „Banksitzers“ machen. Ob ich mich da mal bewerben sollte? Ich kann sehr gut auf der Bank sitzen, während die anderen übers Feld rennen, und ich würde es auch für weniger Geld machen. Damit wäre doch allen geholfen!

Aber abgesehen von den Medien scheint man dieses Jahr etwas fußballmüde zu sein. Anstatt ganzer Straßen sind nur einzelne Häuser orange dekoriert, Karten für die Gruppenspiele werden zu Schleuderpreisen im Netz angeboten und auch beim @heinzi-Tippspiel trudeln die Tipps erst jetzt langsam ein. Im Vergleich zu vergangenen Jahren fehlt etwas der Schwung.

Selbstverständlich habe ich auch diesmal meine von nicht allzuviel Sachkenntnis getrübten Tipps abgegeben. In meiner Weisheit und Weitsicht habe ich beschlossen, dass Irland Europmeister wird und drücke den „Boys in Green“ eifrig die Daumen.  Vielleicht sollte ich unser Haus noch mit grünen Flaggen, Shamrocks, Leprechauns und Guinnesharfen dekorieren?

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Streifzüge durch Berlin – Teil 2

Langsam schlenderte ich zurück zum Potsdamer Platz. Dort stehen noch ein paar Mauerreste – auch das ist Teil der bewegten Geschichte dieser Stadt.

potsdamerplatzmauerrest

Eigentlich wollte ich dem Rat meiner Pensionswirtin folgen und auf das Kollhof-Haus fahren, doch der Spaß war ziemlich teuer. Zwar hatte mir mein Büchlein eine Ermäßigung in Aussicht gestellt, aber die gab es nur auf den Gesamtpreis, wenn man noch ein Poster erwarb. Gut, dann halt nicht. So eine schnelle Aufzugfahrt ist sicher auch nicht gesund.

Dafür gönnte ich mir eine Stadtrundfahrt mit einem Doppeldeckerbus: Das Ticket war zwei Tage gültig und man konnte an vielen interessanten Orten ein- und aussteigen. Ich bekam ein schickes gelbes Ohrstöpsel-Set und nahm auf dem Oberdeck neben einem netten Engländer Platz. Er half mir, das Ding richtig einzustöpseln, und dann ging es los. Andächtig sah ich aus dem Fenster und lauschte den Erklärungen der Dame vom Band. Anfangs irritierte mich ihr Lispeln etwas („Wir erreichen jetht dath Mauermutheum am Checkpoint Charlie…“), aber nach einer Weile hatte ich mich daran gewöhnt.

Wir fuhren an vielen interessanten Plätzen wie dem Gendarmenmarkt, dem Alexanderplatz, der Museumsinsel etc. vorbei, und ich merkte mir einige Dinge für den nächsten Tag vor. Fotos habe ich fast keine gemacht, da es vom Bus aus meistens nichts wird. Ausnahmen sind einige Mauerabschnitte der „East Side Gallery“, die 1990 spontan von Künstlern gestaltet wurden und nun zusammenhängend ausgestellt werden.

eastsidegalleryeastsidegallery2

Ach ja, und der Kampf des Busfahrers mit dem Schiebedach, das nicht aufgehen wollte, musste natürlich auch dokumentiert werden.

kampfmitdach

Während der Bus gemütlich im Zickzack durch die Stadt öttelte, wurde auch einiges über die Berliner U-Bahn erzählt, die auch während der Teilung  der Stadt unter Ostberlin durchfuhr. Daran erinnerte ich mich noch von unserer Klassenfahrt im Jahr 1985. Die Bahnhöfe unter Ostberlin trugen Namen wie „Stadion der Weltjugend“ und waren schummrig beleuchtet und menschenleer – richtige Geisterbahnhöfe.

Auf dieser Klassenfahrt machten wir auch einen Ausflug nach Ostberlin. Wir bekamen genaue Instruktionen, was wir zu tun und zu lassen hatten, und nachdem wir am Bahnhof Friedrichstrasse die Grenze passiert hatten, waren wir entsprechend eingeschüchtert. Auch an die geballte Unfreundlichkeit, mit der man uns Wessis dort begegnete, erinnere ich mich noch. Und heute kann ich verstehen, dass unsere Klassenleiterin damals wohl Blut geschwitzt haben muss und lieber mit uns woanders hingefahren wäre.

Doch davon ist inzwischen nichts mehr zu merken. Überall wird gebaut, die Stadt ist ständig in Bewegung und wächst wieder zusammen.

Dann wurde es Zeit für das @heinzi-Treffen. Am Kudamm verließ ich den Bus und stürzte mich in den öffentlichen Nahverkehr. Da die U2 wegen Bauarbeiten nicht durchfuhr und der Schienenersatzverkehrsbus nicht zu finden war, musste ich einen Umweg nehmen. Von anderen Städten bin ich es gewöhnt, dass die S-Bahnen meist oben, und die U-Bahnen unten fahren, aber hier ist das nicht so. Alles geht fröhlich durcheinander, und das Umsteigen an größeren Stationen ist immer mit einem längeren Fußmarsch und vielen Treppen rauf und runter verbunden – die Berliner müssen ganz schön fit sein.

Am Zielbahnhof angekommen hieß es nun, das Café zu finden. Das war gar nicht so einfach, da ich mal wieder auf der falschen Seite des Bahnhofs an die Oberfläche kam. Dann war auf dem Umgebungsplan, den ich mir ausgedruckt hatte, eine Straße nicht eingezeichnet, so dass ich etwas aus dem Konzept geriet. Ich hatte zwar zwei Notfallnummern anderer Teilnehmer dabei, aber gerade in dem Moment, als ich anrufen wollte, begannen die Glocken der nahegelegenen Kirche so einen Lärm zu machen, dass man sein eigenes Wort nicht mehr verstand. So wird das nix mit telefonischen Wegerklärungen. Im einem Laden konnte man mir weiterhelfen, und mit einer knappen halben Stunde Verspätung kam ich beim Treffpunkt an. Und ich war noch nicht einmal die Letzte!

Ich freute mich, diverse alte Bekannte wieder zu sehen und ein paar neue Leute kennen zu lernen. Wir hatten viel Spaß, und selbstverständlich wurde nicht über Abwesende gelästert, sowas macht man schließlich nicht. Angeregt tauschte ich mit Rennbiene Radlererfahrungen aus, und einige ihrer Einschätzungen teile ich volllkommen: „60 km an einem Tag sind gut zu schaffen, aber alles, was darüber hinaus geht, ist harte Arbeit.“ Oder: „Wenn ich absteigen und schieben muss, ist das ein Berg, und kein Hügel!“

Am frühen Abend gingen einige nach Hause und der Rest machte einen kurzen Spaziergang zu einem nahegelegenen libanesischen Restaurant. Das Essen dort war sehr lecker und die Unterhaltung immer noch angeregt, so dass ich erst sehr spät wieder in meiner Pension war. Liebe heinzis, het was gezellig!

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Konfuse

Bei @heinzi schrieb er unter dem Namen Konfuse. Manchmal hatte man das Gefühl, dass der Name Programm war, denn seine Vorliebe für Rechtsanwalt / Privatdetektiv Ingo Lenßen und Dittsche kennzeichnete den Stil seiner Beiträge.

Als ich im Jahr 2003 nach Irland fuhr, bat er mich um einen Stein von der Westküste, da er einmal eine Geschichte zu diesem Thema gelesen hatte. Ich verschluckte mich beinahe vor Lachen, denn Peter und ich tüftelten herum wegen jedem Gramm Gepäck, und der Herr wünschte sich einen Stein! Aber ich habe ihm ein Steinchen aus dem Burren mitgebracht. Dieses Steinchen sollte noch über zwei Jahre bei mir in der Schreibtischschublade liegen, bis wir uns im November 2005 auf dem konspirativen Weihnachtsmarkttreffen in Münster endlich persönlich kennenlernen konnten.

Ich hatte mich erst mit Tulpe bei uns am Bahnhof getroffen, dann ging es – entgegen allen Befürchtungen wegen Schneechaos-Spätfolgen – problemlos weiter nach Münster. Wir waren pünktlich am Rathaus, und bald traf auch Bocki ein. Während wir auf Konfuse warteten, kam Lumpi, der eigentlich irgendwo anders hinwollte. Aber er ließ es sich nicht nehmen, kurz am Rathaus vorbeizuschauen. Dann erschien Konfuse, und wir machten uns auf die Socken Richtung Weihnachtsmarkt. Dort brauchten wir erst mal was Warmes, also ein Glühweinchen, und Konfuse und ich tauschten endlich unsere Sachen aus, die schon vier bzw. zwei Jahre bei uns rumlagen.  Die Glühweintassen von Köln wurden meiner Sammlung einverleibt, und der Stein von der irischen Westküste wird einen Platz im konfusianischen Garten finden, wurde mir versichert.

Dann hatte Konfuse den berüchtigten „Schnaps aus dem Löffel“, den es in Münster gibt, auf seinem Wunschzettel, und wir suchten ein Lokal, in dem man so etwas bekommt. Uns wurde mitgeteilt, dass man dazu zum „Pinkus“ müsse, aber aus unerfindlichen Gründen wollte Bocki dort nicht hin. Wir überlegten, ob er sich dort wegen eines riesigen Bierdeckels nicht mehr reintraut, oder dass er sich *mit uns* dort nicht blicken lassen will oder Hausverbot hat, weil er mal eine Kellnerin verführt hat (Peter meinte nachher: „Dann kommt euch dort ein jüngeres Ebenbild von Bocki entgegen, mit einer Stofftasche als Schürze umgebunden“). Der wahre Grund wird uns wohl weiterhin verborgen bleiben, es passierte nichts Spektakuläres. Statt dessen tranken wir ein paar Bierchen und Konfuse bekam seinen Schnaps, der ihm vortefflichst mundete:

Foto: (c) by Tulpe

Dann wurde es Zeit, zum Spanier zu gehen, wo Bocki einen Tisch reserviert hatte. Das Essen war ausgezeichent und die Konversation gepflegt. Viel zu schnell war es Zeit, zum Bahnhof zu gehen, und wir verabschiedeten uns von Bocki. Am Bahnhof wurde es natürlich wieder knapp, da wir noch Tulpes Nachtzeug aus dem Schließfach holen mussten und unser Zug mal wieder vom allerhintersten, am besten versteckten Gleis abfuhr. Im Schweinsgalopp ging es über den Bahnsteig, und Konfuse, der eigentlich gar nicht dorthin musste, ließ es sich nicht nehmen, uns zu begleiten und hielt sich bei der Rennerei noch am besten. Kondition? Was ist das? Kann man das essen? Wir erwischten den Zug, und vollgefressen gondelten wir zu mir nach Hause.

Dies war leider das einzige Mal, dass ich Konfuse „live“ getroffen habe. Tulpe und ich entdeckten einmal in Amsterdam eine Sonnenbrille mit Totenkopf-Gläsern, die wir ihm schickten, und die er auch tatsächlich gern getragen hat. Im Forum hatten wir auch weiterhin eine Menge Spaß. Im Sommer beim WM-Tippspiel teilten wir uns sehr lange einen Platz in der Rangliste, und erst kurz vor dem Finale trennten sich unsere Wege.

Im Herbst ist Konfuse im Alter von 38 Jahren gestorben. Als die Nachricht unser Forum erreichte, loggten sich viele „Ehemalige“ wieder einmal ein, um ihm die letzte Ehre zu erweisen, oder wie Lupinchen es formulierte: „Konfuse hat es geschafft,  dass viele Stammuser der 1. Stunde wieder hier sind eigens um hier in seinem Thread Abschied zu nehmen.“

Bald steht das nächste konspirative Münstertreffen an, und wir werden sicher zahlreiche Glühweinchen auf ihn trinken. Und wenn es mich in – hoffentlich nicht allzu ferner – Zukunft mal wieder an die irische Westküste verschlagen sollte, werde ich noch mal einen Stein mitnehmen.

Foto: (c) by Sir Guinness

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