Beiträge mit dem Schlagwort: Hünengrab

Das Pieterpad-Ende ist in Sicht

Rolde – Groningen

Letztes Wochenende bin ich wieder ein Stück auf dem Pieterpad gewandert, von Rolde bis Groningen. So langsam kommt Pieterburen wirklich in Sichtweite.

Irgendwas ist immer

Auf der Hinfahrt bildete sich mein E-Reader ein, dass er sich jetzt neu installieren muss – sowas hatte ich bisher noch nicht, und das braucht auch kein Mensch! Diese Geräte, die meinen, irgendwas selbst entscheiden zu müssen, sind mir sowieso suspekt. Früher hat mein Computer wenigstens noch gefragt, ob ein Update im Moment genehm ist, aber jetzt ist von dieser Höflichkeit nichts mehr zu merken: Update you must! Fehlt nur noch, dass mein Staubsauger irgendwann röhrend durchs Zimmer gurkt, weil ihm gerade danach ist. Inzwischen ist der Schaden wieder behoben, und meine Bücher wieder drauf, aber abends musste ich auf dem Campingplatz aus purer Verzweiflung eine Uraltausgabe der „Libelle“ lesen. Aber in der Not frisst der Teufel ja bekanntlich Fliegen, und ich weiß jetzt, warum Männer Frauen mit runden Formen bevorzugen.

Und was war noch? Ach ja, auf der Rückfahrt gab es mal wieder Schienenersatzverkehr, und der Busfahrer verpasste eine Ausfahrt, was mir zur planmäßig schon längeren Fahrzeit eine weitere halbe Stunde einbrachte. Und das ohne E-Reader!

Außerdem wurde ich von außerirdischen Killermoskitos und Brombeerranken angegriffen, so dass meine Beine etwas mitgenommen aussehen. Aber schön war es trotzdem.

Heide, Hünengräber und jede Menge Wasser

Da ich beim letzten Mal ja nicht an den beiden Hünengräbern von Rolde vorbei gekommen war, nahm ich mir diese als erstes vor. Sie leigen im Schatten der Kirche von Rolde und direkt neben dem Friedhof. Bei dem Versuch, wieder auf die Route zu kommen und dabei gleich in die richtige Richtung zu gehen, drehte ich erst mal eine Runde durch das überschaubare Zentrum von Rolde. Dann war ich wieder auf dem Weg.

roldekirche

huenengrab2 huenengrab

Erst ging es durch Das Balloërverld – blühende Heide, so weit das Auge reicht, auch hier wieder mit einigen Grabhügeln und einem Galgenberg, die aber schwer zu erkennen sind.

heide heide2

Dann ging es durch die nette Ortschaft Gasteren, ein typisches „Eschdorf“, die man häufig in Nordwestdeutschland und den Niederlanden findet. Vor dem Pfannkuchenhaus im Zentrum standen zahlreiche E-Bikes, die radelnden Rentnergangs, die oft hier zu finden sind, waren aslo wieder unterwegs. Dann ging es wieder durch ein Stück Heide mit einem weiteren Hünengrab.

 gasteren huenengrab3

An diesem Tag kam ich kurz vor dem Campingplatz in Midlaren noch an zwei weiteren Hünengräbern vorbei, die nebeneinander zwischen zwei Häusern liegen, doch das allertezte auf der Strecke habe ich wohl übersehen.

huenengrab4

Am nächsten Tag führte der Weg erst  durch den Wald und am Wald entlang, was ich aber diesmal schaffte, ohne mich zu verlaufen. Geht doch!

Dann erreichte ich die Polderlandschaft südlich von Groningen, und kurz vor Haren führte der Weg vor allem am Wasser entlang.

wasser windmuehle

So konnte ich am Noord-Willemskanaal und einigen Seitenarmen entlang gemütlich auf Groningen zugehen, ohne dass ich nach dem eher leeren Drenthe sofort einen Zivilisationsschock bekam. Das haben die „Wegbereiter“ gut gemacht.

hausboot

Zeit für Kultur

Da ich bereits um 14 Uhr in Groningen eintrudelte, hatte ich noch Zeit für einen Besuch des Groninger Museums. Dort war ich schon ewig nicht mehr. Der etwas gewöhnungsbedürftige futuristische Bau beherbergt im Moment verschiedene Ausstellungen.

museum

„Reich in Groningen – Land- und Stadtsitze 1600 – 1800“ zeigt Bilder und Stiche von Herrenhäusern in Groningen und Umgebung sowie noch erhaltener Hausrat. Leider sind viele dieser Háuser inzwischen abgerissen worden. Niederländer und ihr Kulturerbe, das ist irgendwie keine gute Kombination. Die Engländer können sowas einfach besser.

„Hide & Seek, Maarten Baas“ geht um Möbeldesign in verschiedenen Ausprägungen. So hat Baas z. B. Möbel verbrannt, um sie dann mit einer Harzschicht zu überziehen, so dass man sie wieder verweden kann. Außerdem experimentiert er mit Materialien wie Knetmasse. Sehr interessant fand ich einen Schrank mit toller Holzmaserung, der aber aus rostfreiem Stahl ist. Ich hätte ihn ja gerne angefasst, um das zu überprüfen, aber das war verständlicherweise nicht erlaubt.

In „Gabriel Lester – The Return of Lester’s Loop“ behandelt der Regisseur und Filmemacher Lester das Thema des Sich-Verirrens. Na, auf dem Gebiet bin ich ja auch Experte. Passt also.

Begegnungen und Gespräche

Auch dieses Mal begegnete ich unterwegs einer Menge Leute. Vor Schipborg fragte mich eine ältere Dame mit Hund nach dem Weg, aber da ich erst nicht kapierte, dass sie mit „Drentsche Aa“ nicht den Fluss meinte, den ich gerade überquert hatte, sondern das gleichnamige Café, schickte ich sie erst mal in die falsche Richtung. Zum Glück war sie noch nicht außer Hörweite, als ich meinen Irrtum bemerkte, und so gingen wir zusammen zum Café. Sie und ihr Hund hatten ein recht flottes Tempo drauf, aber nicht zu schnell für eine gepflegte Unterhaltung.

Auf dem Campingplatz mit dem schönen Namen „Appelhof“ stand meine Dackelhütte neben einem Birnbaum. Und der Besitzer hat mir auch gleich einen Stuhl dazugestellt. Auf diesem Platz sind viele Pieterpadwanderer mit leichtem Gepäck, aber auch Senioren mit Wohnwagen, die unglaublich viel Geschirr mitschleppen und einsauen, wie ich in der Spülküche mal wieder erleben durfte.

Kurz vor Groningen machte ich auf einer Bank unter einem Pieterpad-Wegweiser Pause. Währenddessen kamen mehrere radelnde Rentnergangs vorbei, die sich freuten wie Bolle, dass sie einen Pieterpad-Wanderer in freier Wildbahn bewundern konnten. Immer gerne.

Diesmal fiel mir vor allem auf, dass sich die Gespräche ändern. Als ich mit dem Pieterpad anfing, erstarrte ich jedesmal fast vor Ehrfurcht, wenn ich mich mit dem Gegenverkehr unterhielt. Die hatten es fast geschafft, und ich musste noch über 400 km laufen. Jetzt biege ich praktisch in die Zielgerade ein (noch ca. 35 km) und die anderen haben den Weg noch vor sich. Ich bin schon etwas stolz, so weit gekommen zu sein, aber es ist auch ein bisschen schade, dass es bald vorbei ist.

ruheplatz

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Urlaub im Moinland- Teil 5

Heimwärts – ein schlechter Tag, Hünengräber und „Bag Art“

Am nächsten Morgen ließen wir uns Zeit beim Frühstück. Wir unterhielten uns gemütlich mit den Radfahrern gegenüber über Räder, Taschen Routen und dergleichen, während das beschlagene Zelt langsam in der Sonne trocknete. Dann bauten wir ab und radelten wir gemütlich an der Kleinbahnstrecke entlang zum Hafen. Wie immer waren wir viel zu früh, aber es gab genug zu sehen: Ein Rudel Touristen stieg aus der Kleinbahn aus, die Fähre nach Emden wurde beladen und eine relativ unbebockte Schulklasse aus der Jugendherberge nebenan versammelte sich zu einer Fahrt zum Krabbenfischen.

kleinbahn2 kleinbahn

Die Fähre nach Eemshaven war jedoch weit und breit nicht zu sehen. Der Hafen ist zwar nicht besonders groß, aber man kann ja nie wissen, ob es nicht irgendwo ums Eck noch eine versteckte Anlegestelle gibt. Also zog ich los und fragte den Kapitän eines Katamarans, der weiter vorne am Pier lag, nach unserer Fähre. Er erklärte mir, dass diese noch gar nicht angekommen war und zeigte mir, wo sie anlegen sollte. Wir würden es auf keinen Fall verpassen. Beruhigt trabte ich zurück zu unseren Rädern, und wir beobachteten weiter das Treiben im Hafen.

Endlich kam unser Schiff an. Als wir unsere Fahrkarten vorzeigten, wurden wir extra noch einmal darauf aufmerksam gemacht, dass dieses Schiff nicht, wie auf den Tickets vermerkt, nach Emden, sondern nach Eemshaven fuhr. „Aber wenn Sie unbedingt nach Holland wollen, geht das natürlich auch.“

Wir stellten unsere Räder unter Deck ab und suchten uns dann oben ein Plätzchen mit Aussicht, wo wir allerdings auch kräftig durchgepustet wurden. Bald kam Eemshaven in Sicht, und ich kann versichern, es ist keine schöne Gegend, um anzukommen. Industrieanlagen, Tanks, Kräne und alles andere, was irgendwie scheußlich ist, ist hier versammelt. Nachdem das Schiff angelegt hatte, versuchten wir so schnell wie möglich das Hafengebiet mit seinem Verkehr zu verlassen.

ueberfahrt

Nach einer Weile waren wir wieder auf ruhigeren Landstraßen und fuhren durch das flache weite Land von Nordgroningen. Der Wind, der uns an Bord noch fröhlich umweht hatte, war nun deutlich schwächer, und da es auch recht warm geworden war, ging das Radeln recht zäh. Auch merkte man deutlich, dass wir nicht mehr im Moin-Land waren. Die wenigen Leute, die uns begegneten, schafften es gerade mal bis „Moi“, wenn sie denn überhaupt etwas sagten. Irgendwie war es heute kein besonders guter Tag, und das sollte auch so bleiben.

Wir fuhren in Richtung Groningen, und Peter wollte eigentlich noch dem Stadtviertel Beijum, seinem Wohnsitz aus Studententagen einen Besuch abstatten, doch der Weg dorthin wurde gerade runderneuert, und die Umleitung wäre etwas zu weit außen rum gewesen. Also steuerten wir das Stadtzentrum von Groningen an. Eigentlich mag ich diese Stadt mit ihren Grachten, Brücken, malerischen Häusern und den zahlreichen Studenten. Der heutige Tag allerdings fiel in die erste Woche des neuen Studienjahrs, und besagte Studenten waren allesamt mit dem Fahrrad in der Stadt unterwegs, so dass es mir ein bisschen zu belebt wurde. Deshalb, und weil es erst früher Nachmittag war, steuerten wir nicht den Campingplatz im Zentrum an, sondern deckten uns bei einem Supermarkt mit Verpflegung ein und fuhren weiter Richtung Süden.

Leider war unsere Radwanderkarte nicht mehr topaktuell, und den Campingplatz in Haren gab es nicht mehr. Also weiter nach Nordlaren, wo wir einen kleinen und gemütlichen Zeltplatz am Pieterpad fanden, der außerdem ein „Ruhepunkt“ ist: Es gibt dort ein Häuschen, wo man sich unterstellen, ausruhen und gegen einen Obolus Kaffee oder Tee kochen oder ein Erfrischungsgetränk aus dem Kühlschrank nehmen kann. Gebäck und Eis haben sie auch.

Nachdem wir unsere Zelt aufgebaut und das Abendessen verzehrt hatten, saßen wir noch auf einer Bank und studierten die Karte. Unsere Nachbarn mit Wohnmobil brachten uns noch eine Tasse Tee, und bei einem gemütlichen Schwätzchen verging der Tag. Sooo schlecht war er nun doch nicht.

Am nächten Morgen ging es weiter. Radfahren in der Provinz Drenthe ist schön, über mit alten Bäumen gesäumte Straßen, vorbei an Feldern und blühenden Blumen am Wegrand.

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Auf unserem Weg mussten wir auch durch die Provinzhauptstadt Assen, was aber laut Peter kein Problem sein sollte, da es dort früher nur eine einzige Ampel gab. Deshalb war die Stadt bei Führerscheinprüflingen sehr beliebt. Doch diese idyllischen Zeiten sind natürlich inzwischen vorbei und aus der einen Ampel sind inzwischen mindestens neun geworden, die uns auf dem Ring um die Stadt immer wieder ausbremsten.

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Weiter ging es an der Drentse Hoofdvaart, einer alten Schiffsverbindung zwischen Assen und Meppel, durch Bovensmilde, Smilde, Hijkersmilde und Hoogersmilde in Richtung Diever. Kurz vor der Ortschaft wollten wir in einem Pfannkuchenrestaurant einkehren, doch das Etablissement hatte noch geschlossen. Das war allerdings nicht weiter dramatisch, im Ortskern fanden wir ein nettes Café, wo man auch Pfannkuchen servierte. Geht doch!

Unterwegs und im Ort selbst fiel uns auf, dass vor allem ältere Leute mit E-Bikes unterwegs waren. Die Provinz Drenthe ist wegen ihrer Landschaft und der Ruhe bei Rentnern aus größeren Städten sehr beliebt, nicht umsonst gibt es den Begriff „drenthenieren“. Unterwegs kamen wir wieder an einem Hünengrab vorbei, von denen es einige hier in der Gegend gibt.

huenengrab

Inzwischen war es wieder recht schwül geworden, und so waren wir froh, als wir Havelte erreichten. Den dortigen Campingplatz kannten wir schon von früheren Radtouren. Hier merkte man deutlich, dass die Saison zu Ende ging, es gab nur noch wenige Gäste, und nur ein Teil der Toilettenanlagen hatte noch geöffnet.

Nachdem wir das Zelt aufgestellt hatten, machten wir uns wieder auf den Weg, um ein weiteres Hünengrab zu besuchen.

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Dabei führte uns der Weg erst am Schmetterlingsparadies „Papilorama“ vorbei, wo man viele verschiedene Blumen angepflanzt hatte, um Schmetterlinge aller Art anzulocken. Danach ging es durch die blühende Heide zum Hünengrab. Somit schloss sich der Kreis zum Anfang unserer Reise.

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Nach einem Abstecher zum Supermarkt brutzelten wir uns auf dem Campingplatz ein Abendessen und saßen dann noch mit unseren Bücher vor dem Zelt, bis es zu dunkel zum Lesen war.

Am nächsten Morgen hing dicker Nebel über dem Campingplatz. Als wir nach dem Frühstück alles eingepackt hatten, beschlossen wir, aus den Fahrradtaschen ein Hünengrab nachzubauen. Im letzten Jahr in England hatten wir ja schon den „Hunmanby Bag Circle“ kreiert. Wir beschlossen, dieses Projekt, das durchaus ausbaufähig ist, „Bag Art“ zu nennen.

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Nachdem Peter noch meine Gangschaltung nachgestellt hatte, die seit gestern etwas herumzickte, fuhren wir los. Wir hatten geplant, nach Zwolle zu radeln und dort den Zug nach Hause zu nehmen. In Meppel verpassten wir wegen der jahrmaktsbedingten Umleitung die richtige Ausfallstraße und landeten auf der falschen Seite der Autobahn. Nachdem wir einige Abzweigungen probiert hatten, die uns alle weiter von unserem Zielort wegführten, und sich außerdem dräuende Regenwolken über uns zusammeklumpten, fuhren wir wieder zum Bahnhof nach Meppel, um dort den Zug zu nehmen.

Wir hatten gehofft, dass der „Sprinter“ einer der neuen Niedrigflurzüge mit viel Platz für die Fahrräder war, doch leider war es ein umgetaufter Intercity, dessen Fahrradabteil sich am anderen Ende des Bahnsteigs befand. So kriegt das Wort „Sprinter“ eine ganz neue Bedeutung. Aber wir schaffte es noch rechtzeitig, und auch das Umsteigen in Zwolle ging problemlos. Am Nachmittag waren wir dann wieder zu Hause, wo Struppie sich gebührend über sein neues Halstuch freute. Es steht ihm doch gut, nicht wahr?

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Urlaub im Moinland – Teil 1

Urlaub im Moinland, 25. August – 6. September 2014

Nach den Anstrengungen der Strand6Daagse ließ ich mich erst einmal ein paar Tage von Muttern verwöhnen und ging dann wieder an die Arbeit. Langsam erholte auch mein lädiertes rechtes Bein sich wieder. Doch geradelt werden musste, sonst ist so ein Sommer ja nicht komplett. Die letzte August- und die erste Septemberwoche sollte es werden. Diesmal wollten wir zu Hause starten und erst mal Richtung Nordsee fahren. Anhand der Campingplätze planten wir eine ungefähre Route, die auch längere Pausen oder gar eine Rückkehr nach Hause zuließ, wenn sich mein Bein doch wieder beleidigt zu Wort melden sollte.

Durchs Emsland – Irrwege, Pausen, Hünengräber

Am Montagvormittag brachen wir auf und fuhren erst einmal nach Losser, wo wir unsere Bargeldvorräte aufstockten. Als wir weiter fuhren, landeten wir erst einmal in einer Sackgasse in einem Wohngebiet, doch dann waren wir auf der Straße nach Bad Bentheim. Die Sonne schien, das Radeln ging gut, und bis jetzt machte mein Bein keine Zicken.

Gegen Mittag wurde es Zeit für eine Pause. Wir fanden eine ruhig gelegene Bank und packten die Fressalien aus. Doch etwas fehlte. Vom Besuch meines Bruders am Wochenende war noch etwas Zwiebelkuchen übriggeblieben, den wir jetzt eigentlich vertilgen wollten. Wir stellten fest, dass mal wieder jeder davon ausgegangen war, dass der andere ihn eingepackt hatte. Nach zwei Wochen würde er wohl beim Öffnen der Kühlschranktür davonlaufen. Wir schickten eine SMS an unsere Nachbarin, dass sie ihn sich holen sollte. Für unsere Mittagspause hatten wir zum Glück noch genug Vorräte mit.

Dann fuhren wir weiter Richtung Osten und überquerten irgendwann die Ems.

ems ems2

Die Radrouten waren gut ausgeschildert und eine nette Bushaltestelle lud zu einer weiteren Pause ein.

pause

Kurz vor Freren war die Straße gesperrt, doch die Umleitung war zum Glück gut ausgeschildert. In der Ortschaft war gerade Kirmes, und wir schoben unsere Leezen durchs Gewühl, um die Tourist Information zu finden, wo ich nach dem Weg zum Campingplatz fragte. Man erklärte mir, dass es zwei in der Nähe gebe, einen beim Schwimmbad und einen an einem See, aber da wüsste man nicht genau, ob der Platzwart da ist.

Wir steuerten den Platz beim Schwimmbad mit dem idyllischen Namen “Waldesruh” an. Der Platzwart, der im ersten Wohnwagen hauste, wies uns die Zeltwiese an und wir suchten uns ein nettes Plätzchen. Nach dem Aufbauen untersuchte ich die sanitären Anlagen. Aus sämtlichen Wasserhähnen und der Dusche kam nur kaltes Wasser, und eine Vorrichtung für Münzen konnte ich nicht entdecken, was vielleicht auch an der mehr als spärlichen Beleuchtung lag. Aber für eine Katzenwäsche reichte es, und bei 12 Euro pro Nacht will ich mal nicht nölen.

Der Campingplatz schien sowieso vor allem auf Dauercamper eingerichtet zu sein. An einer Wand des Sanitätsgebäudes hingen zahlreiche Briefkästen mit Namen, darunter auch einige niederländische.

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Auch vor einigen Wohnwägen wehten niederländische Flaggen. Ich geriet ins Grübeln: Warum will jemand aus den Niederländern gerade hier Dauercamper werden? Ich meine, die Gegend ist ja ganz nett, aber um nun mehrmals im Jahr hierher zu fahren? Dass es hier billig ist, kann doch nicht der einzige Grund sein, oder vielleicht doch? Vielleicht sollte ich nochmal irgendwas studieren (Psychologie oder so) und dann eine wissenschaftliche Arbeit über das Phänomen “Dauercamper” verfassen. Da könnte man ja auch undercover ermittelten und Material sammeln… Nee, lieber doch nicht. Eine ganze Saison auf demselben Platz würde ich wohl nicht aushalten.

Dann erkundeten wir die Umgebung. In unserem Informationsmaterial hatte ich gelesen, das es in der Nähe ein Hünengrab geben sollte, das wir uns anschauen wollten. Wir fuhren über die Waldwege und stellten bei einer Umgebungskarte fest, dass wir wohl schon daran vorbeigefahren waren. Also zurück, und da war es, ein wenig abseits vom Weg auf einer Lichtung. Durch das Grün fügte es sich wunderbar in die Umgebung ein, und das ebenfalls grüne Schild, das eigentlich darauf hinweisen sollte, lehnte unauffällig an einem Baum. Kein Wunder, dass wir es nicht gleich gesehen hatten. Dem Schild entnahmen wir, dass es sich um ein neolithisches Grab aus der Zeit zwischen 2300 und 1800 vor Christus handelte und von Leuten der Trichterbecherkultur erbaut worden war. Wenn man weiß, worauf man achten muss, kann man trotz fehlender Steine die Merkmale der sogenannten “Emsländer Kammern” erkennen. Die Steine wurden in Trockenbauweise aufgeschichtet, und das Grab wurde von einem Erdhügel bedeckt. Wo sich die Siedlung befunden hat, zu der das Grab gehört, ist allerdings nicht bekannt.

huenengrab huenengrab2

Dann fuhren wir in die Stadt und stellten die Fahrräder in der Nähe einer Bank ab. Die Kirmes hatte inzwischen geschlossen, und wir konnten gerade noch bei den Abbauarbeiten zusehen. Wir bummelten durch die Ortschaft mit netten Straßen, Geschäften und einigen sehr schönen Häusern.

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Dann wollten wir Essen gehen, seltsamerweise hatten fast alle Restaurants, an denen wir vorbeikamen, geschlossen. Eines war zwar geöffnet, doch es gab nur Getränke, da “jetzt gerade Urlaubszeit” war. Das war uns schon klar, deswegen waren wir ja auch hier. Also weitersuchen. Endlich fanden wir ein einfacheres Gasthaus mit sehr leckeren Schnitzeln. Geht doch! Satt und zufrieden fuhren wir wieder zum Campingplatz und verkrochen uns in unsere Schlafsäcke, bevor es zu regnen begann.

Am nächsten Morgen sagte uns der Platzwart, dass für den heutigen Tag weiterer Regen angesagt war, doch der Himmel war wunderbar blau. Nach dem Frühstück packten wir ein und fuhren los.

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Erst ging auch alles wunderbar, wir fuhren über idyllische, von Bäumen gesäumte Wege, vorbei an netten Häuschen und Bänken, die immer wieder zum Verweilen einluden. Einmal stand sogar das Wort “PAUSE” in roten Buchstaben auf der Straße. Selbstverständlich leisteten wir der Aufforderung Folge.

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War die Strecke bisher gut ausgeschildert, ab der Ortschaft Menslage wurde es kompliziert. Entweder standen nur Ortschaften auf den Schildern, die weit abseits unserer “Marschroute” lagen, oder wir wurden auf langen verschlungenen Feldwegen durch die Pampa gelotst. Zum Glück war das Wetter immer noch schön, und mein Bein verhielt sich ruhig. Am Nachmittag errichten wir Molbergen, wo wir unsere Vorräte aufstockten, und von dort war es zum Glück nicht mehr weit zur Thülsfelder Talsperre.

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Dort gibt es jede Menge Campingplätze, und wir entschieden uns für den ersten, an dem wir vorbeikamen und der zum Hotel “Einhaus” gehört. Wir mussten uns im Hotel melden und man informierte den Platzwart, der uns die Zeltwiese zeigte. Waren wir froh, dass wir angekommen waren. Keine Ahnung, wie viele Kilometer wir an diesem Tag gefahren waren, gefühlt waren es jedenfalls eine ganze Menge.

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Nach dem Aufbauen, einer wohltuenden warmen Dusche und etwas zu essen fühlten wir uns wieder fit und gingen zum See. Wir suchten uns eine Bank und beobachteten die anderen Urlauber: Paare, die einen Abendspaziergang machten, Kinder, die im flachen Wasser plantschten und Eltern, die ihren Nachwuchs einsammelten. Langsam ging über dem See die Sonne unter.

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Danach gönnten wir uns noch ein Bier auf der Hotelterrasse und gingen dann schlafen.

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