Beiträge mit dem Schlagwort: Krankenhaus

Mühsam bewegt sich das Eichhörnchen

Wie Elvira in ihrem Kommentar zu meinem letzten Post sagte, werden aus den Metern langsam Kilometer. Inzwischen geht das Laufen jeden Tag ein bisschen besser, und ich erobere meine Umgebung wieder, wie eine Freundin es einmal so schön sagte. Momentan lege ich noch die beeindruckende Entfernung von ca. eineinhalb bis zwei Kilometer zurück, aber immerhin. Ich glaube, ich habe eine Marktlücke entdeckt: eine Karte oder App unserer Stadt, auf der *alle* Bänke eingetragen sind. Die sind nämlich im Moment sehr wichtig!

Letzten Mittwoch war ich im Krankenhaus zur Kontrolle. Zu diesem Behufe stürzten wir uns ins nächste Abenteuer: Bus fahren. Der Bus hält fast vor meiner Haustür und auch fast vor dem Krankenhaus, aber spannend war es doch. Aber alles ging gut, die Busfahrer sind rücksichtsvoll, wenn man mit Krücken einsteigt, und bei unserer Haltestelle sind sowieso die meitsten Sitzplätze noch frei. Auf dem Hinweg war Peter dabei, und der Rückweg war auch kein Problem. Da an meiner Haltestelle eine Truppe Rentner aus dem Seniorenheim (teils mit Rollator) einsteigen wolle, konnte ich mir beim Aussteigen jede Menge Zeit lassen.

Der Arzt, der auch die OP durchgeführt hatte, teilte uns mit, dass ich das Bein wieder zu 100% belasten darf, aber ich soll natürlich auf die Schmerzgrenze achten und nicht übertreiben. Mein Physiotherapeut war am Montag schon dieser Meinung zugetan und freute sich wie Bolle, dass der Arzt es bestätigt hat. Er freut sich sowieso immer aufrichtig über jeden Fortschritt, den ich mache, und das hilft ungemein, den Mut und Optimismus nicht zu verlieren. Ich versuche zwar, froh zu sein über die Dinge, die ich kann, anstatt mich über das zu ärgern, was noch nicht geht, aber manchmal nervt dieser Zustand schon.

Da ich jetzt auf jeden Fall im Haus die Krücken weglassen darf bzw. soll, kann ich auch langsam mit leichten Hausarbeiten anfangen. Wie gesagt, leicht und langsam, man muss es ja nicht gleich übertreiben. Also habe ich gestern das Schlafzimmer gesaugt – because I can. Danach war ich erst mal erledigt, gut, dass ich keine Karriere als Raumpflegerin anstrebe. Betten abziehen und Spüli ausräumen geht inzwischen auch. Morgen werde ich mal wieder was kochen, vorausgesetzt, Peter hilft mir beim Abgießen des Nudelwassers.

Gestern haben wir noch einen Spaziergang zum Weiher gemacht, uns in die Sonne gesetzt und Wasservögel beobachtet. Für ihn waren die gut zwei Kilometer auch recht anstrengend, das Langsamgehen liegt ihm nicht so. Auf dem Rückweg haben wir bei unserem deutschen Bäcker Kuchen geholt, den wir dann im Garten verspeist haben – ein richtiges Urlaubsgefühl.  Und heute möchten wir endlich mal wieder schön essen gehen.

Ich wünsche euch allen ein schönes Osterfest.

vijver

Advertisements
Kategorien: Was nirgends reinpasst / Wat verder nergens past | Schlagwörter: , , , , , , , , , , | 2 Kommentare

Geduld ist die Mutter der Porzellankiste

Seit meinem letzten Post ist inzwischen ein Monat vergangen, und der Gips ist ab. Am Mittwoch muss ich wieder ins Krankenhaus zum Röntgen, und dann wird man mir hoffentlich sagen, dass ich das Bein wieder belasten kann.

In den letzten Wochen war ich ja gewissermaßen zwangsentschleunigt und mein Aktionsradius recht klein. In den ersten Tagen nach der OP machte ich noch nicht allzu viel, ich verbrachte viel Zeit vor dem Fernseher und schaute Krimis und alte Kinderserien wie Alf oder Pumuckl. „Pumuckl schauen, das ist fein, da heilt bestimmt auch schnell das Bein“ dichtete ein Freund, und was sich reimt, ist ja schließlich wahr. Außerdem hatte ich viel Zeit zum Lesen, erst Wanderbücher wie „Ich binn dann mal weg“ oder „A Walk in th Woods“, die irische Krimiserie von Hannah O’Brien und die Ermittlungen und  das Liebesleben der Londonerin Agatha Raisin, die es in die Cotswolds verschlagen hat. Dank meines E-Readers und zwei Bibliotheksausweisen geht mit der Lesestoff so schnell nicht aus.

Bei all dem umsorgte mich der Gatte natürlich liebevoll, und das tut er noch immer. Aber neulich sagte er, dass ihm meine Kochkunst abgeht, also darf er sich eine Liste mit Gerichten zusammenstellen, die ich ihm dann zubereiten werde, wenn ich wieder auf zwei Beinen stehen kann.

Meine Firmenkurse habe ich verschoben oder an Kollegen abgegeben, aber dank meiner Unterrichtsraumbürobibliothek kann ich weiterhin zu Hause Einzelunterricht geben. Sonst wären die Tage schon sehr lang.

Als der Gips endlich runter war, fühlte ich mich gleich um einiges besser. Auch wenn ich noch nicht auftreten darf, ist das Leben wieder ein Stück einfacher geworden. Man kann den OP-Narben praktisch beim Abheilen zuschauen, und der Haxen ist inzwischen auch weniger unförmig. Die Bewegungsübungen, die ich machen soll, waren erst noch recht unangenehm, aber in Millimeterarbeit wird auch das besser.

Inzwischen kann ich auch wieder duschen. Da der Gips ja nicht nass werden und auch auf gar keinen Fall oben Wasser reinlaufen durfte, habe ich bisher am Waschbecken improvisiert. Jetzt habe ich einen Duschhocker und saue auch nur das halbe Bad ein, nicht das ganze.

Und meine Jeans passt auch noch! Die letzten Wochen trug ich die eleganten und formschönen Jogginghosen des Gatten, weil ich nichts anderes über den depperten Gips drüber gekriegt hatte. Da ich ja viel weniger Bewegung habe als normal, hatte ich eine ziemliche Gewichtszunahme befürchtet, aber andererseits hatte ich auch den Gang zum Kühlschrank auf ein absolutes Minimum reduziert, weil das jedesmal so ein Aufwand ist. 

Und jetzt bin ich gespannt auf Mittwoch. Mein Physiotherapeut hat mir schon prophezeit, dass das Gehen ein langer, anstrengender Prozess wird.  Ich versuche mir auf jeden Fall das Lied von Waylon zu Herzen zu nehmen: „The World Can Wait“:

 

Kategorien: Was nirgends reinpasst / Wat verder nergens past | Schlagwörter: , , , , , , , , , | Hinterlasse einen Kommentar

Zwangsentschleunigt

So gut, wie das letzte Jahr geendet hat, so kreuzdämlich lässt sich dieses Jahr an. Da hatte ich noch ehrgeizige Wanderpläne und bin sogar Mitglied der Facebookgruppe „Wandel 1000 km in 2018“ geworden. Die ersten 25 Kilometer hatte ich auch schon geschafft, und das war es vorläufig. Ich hocke mit einem Gipshaxen zu Hause.

Vor zwei Wochen hat es mich mit dem Rad hingesemmelt, und ich dachte erst, der Fuß wäre nur verstaucht. Ich konnte darauf stehen und auch kleine Stücke gehen, auch wenn es sakrisch weh tat. Aber mein Hausarzt traute der Sache nicht und schickte mich ins Krankenhaus, wo die Röntgenbilder zeigten: Der Knöchel war irgendwie gebrochen und verschoben. Sofort operieren war nicht möglich, da er zu stark geschwollen war. Also erhielt ich einen Notgips und Tabletten und und wurde erst mal für ein paar Tage heimgeschickt.

Dort richteten wir uns auf die veränderte Lage ein.  Das Gehen mit Krücken geht besser, seit ich den richtigen Schuh für den nicht-verletzten Fuß gefunden habe. Wir platzierten Bockibeutel (auch als Stofftaschen bekannt) an strategischen Stellen, weil ja alles, was man braucht, immer irgendwo anders ist. Die Wohnzimmermöbel stehen so, dass ich möglichst kurze Wege zum Örtli, in die Küche und in die Unterrichtsraumbürobibliothek habe.

Die OP selber wurde vom Sohn meines ehemaligen Chefs durchgeführt (die Welt ist klein) und ist recht gut verlaufen. Alle im Krankenhaus waren sehr nett und hilfsbereit, vom „Gipsmeister“, der mir den Notgips angelegt hat, über die Anästhesistin, die mir alles langsam und für Dummies erklärt hat, den Chirurg selbst bis zu den Schwestern in der Vorbereitung, im Aufwachraum und auf der Station, die mich vor während und nach der OP umsorgt haben, bis ich am Spätnachmittag desselben Tages wieder nach Hause durfte.

Allerdings darf ich den Knöchel sechs Wochen nicht belasten, vier Wochen mit und zwei Wochen ohne Gips. Das macht alles etwas kompliziert.

Selbstverständlich versorgt mich der Hausherr liebevoll, schmeißt den Haushalt,  schaut, ob ich alles habe, fährt mich mit Auto und Rollstuhl zu den Untersuchungen usw. Und ich bin dabei, meine Arbeit so zu orgenisieren, dass ich wenigstens hin und wieder etwas machen kann, auf dem Schreibtischstuhl mit hochgelagertem Gipshaxen.

Aber man muss es auch nicht gleich übertreiben, von allen Seiten wird mir zur Geduld geraten und gesagt, dass ich mich schonen soll. Und gemütlich die Merrily-Watkins-Reihe weiter zu lesen und alte Serien zu schauen hat ja auch was. Und Wanderwetter ist im Moment auch nicht, ich verpasse also nicht wirklich viel.

Irgendwie ist das Ganze eine neue Art der Grenzwanderung.

 

 

 

Kategorien: Was nirgends reinpasst / Wat verder nergens past | Schlagwörter: , , , , | Ein Kommentar

Bloggen auf WordPress.com.