Beiträge mit dem Schlagwort: Münster

Back to normal…

Na ja, ganz in Ordnung ist der Fuß zwar noch nicht, das heißt, ich hüpfe noch nicht durch die Gegend wie eine Gazelle, aber es wird. Heute morgen stellte ich fest, dass es wieder deutlich besser geht, wenn man einfach die Treppe in den ersten Stock rauf und runter geht, ohne dreimal zu überlegen, ob man das, was man oben will, nicht auch später noch machen kan, weil es einfach zu anstrengend ist.

Seit meinem letzten Post hat sich einiges getan, und ich habe eine Menge Dinge zum ersten Mal nach der OP wieder machen können. Jetzt muss ich an die Schwiegermutter der Comicfigur Andy Capp denken, die nur zwei Gesprächsthemen hat: „Before her operation“ und „Since her operation“, aber heute darf ich das. 😉

Ein größerer Wendepunkt war, als ich das Bein wieder voll belasten und mich endlich wieder ohne Krücken fortbewegen konnte. Vieles wird doch wieder einfacher, wenn man die Hände frei hat, oder wie ein Freund es formulierte: „Das ist bestimmt ein Gefühl wie eine Wiedergeburt, was! Da kannst du richtig aufblühen und einen Tee aufbrühen mit gewohnten Bewegungen.“ Genauso ist es.

Irgendwann hatte ich dann meine erste Führung in der Synagoge, und inzwischen kenne ich ja die Stellen, wo man sich diskret anlehnen kann. Die Frauenempore durfte die Gruppe dann selbst erkunden.

Dann fuhr ich mit unserem Chor zum Katholikentag nach Münster, wo wir u.a. zusammen mit über 4000 anderen Sängern das „Halleluja“ von Händel schmetterten. Es war schon recht anstrengend, und wenn es irgendwie ging, wollte ich vor allem einfach nur da sitzen. Zum Glück hatte mir eine Freundin einen Campinghocker geliehen. Es ergab sich sogar noch die Gelegenheit für einen kleinen Plausch mit einem Freund aus Münster, der mich trotz des Reisengewühls irgendwie orten konnte. Schee wars.

Dann stand ein Besuch in der alten Heimat an – Klassentreffen und Familie. Für die Bahnfahrt nahm ich, auch auf Anraten meines Physiotherapeuten, die Krücken noch mit. So konnte ich eine rollkofferfreie Zone um mich herum keieren, die Leute passen besser auf oder bieten Hilfe an, und jeder versteht, dass ich noch mit in den Lift muss.

Meine kleine Nichte (fast 2,5 Jahre) wollte natürlich genau wissen, was es mit den Krücken auf sich hat, die normalerweise nicht bei Oma im Wohnzimmer stehen. Also habe ich ihr das Ganze erklärt. Das hat sie wohl ziemlich beschäftigt, denn zwei Stunden später setzte sie sich zu mir auf die Eckbank und meinte ernsthaft: „Tante Petra hingefallen. Fuß kaputt. Heilt wieder.“ Wenn sie das sagt…

Sie scheint recht zu haben, denn inzwischen habe ich auch meine Wanderungen wieder aufgenommen. Im Moment gehe ich den „Overijssels Havezatenpad“ von Oldenzaal nach Steenwijk, und zwar in Etappen von 5 bis 7,5 Kilometer. Das geht schon ganz gut und das Tempo wird auch wieder etwas schneller. Die Wanderungen habe ich wirklich vermisst!

Nur Auto fahre ich noch nicht. Der Arzt meinte zwar, dass ich es wieder darf, aber so ganz traue ich der Geschichte noch nicht. Ich werde wohl demnächst, wenn die halbe Stadt im Urlaub ist, vorsichtig wieder anfangen.

Und hier ist noch ein Stückchen Havezatenpad:

havezatenpad-bruggetje

 

Kategorien: Was nirgends reinpasst / Wat verder nergens past | Schlagwörter: , , , , , , , , , , , , , , | 2 Kommentare

Konfuse

Bei @heinzi schrieb er unter dem Namen Konfuse. Manchmal hatte man das Gefühl, dass der Name Programm war, denn seine Vorliebe für Rechtsanwalt / Privatdetektiv Ingo Lenßen und Dittsche kennzeichnete den Stil seiner Beiträge.

Als ich im Jahr 2003 nach Irland fuhr, bat er mich um einen Stein von der Westküste, da er einmal eine Geschichte zu diesem Thema gelesen hatte. Ich verschluckte mich beinahe vor Lachen, denn Peter und ich tüftelten herum wegen jedem Gramm Gepäck, und der Herr wünschte sich einen Stein! Aber ich habe ihm ein Steinchen aus dem Burren mitgebracht. Dieses Steinchen sollte noch über zwei Jahre bei mir in der Schreibtischschublade liegen, bis wir uns im November 2005 auf dem konspirativen Weihnachtsmarkttreffen in Münster endlich persönlich kennenlernen konnten.

Ich hatte mich erst mit Tulpe bei uns am Bahnhof getroffen, dann ging es – entgegen allen Befürchtungen wegen Schneechaos-Spätfolgen – problemlos weiter nach Münster. Wir waren pünktlich am Rathaus, und bald traf auch Bocki ein. Während wir auf Konfuse warteten, kam Lumpi, der eigentlich irgendwo anders hinwollte. Aber er ließ es sich nicht nehmen, kurz am Rathaus vorbeizuschauen. Dann erschien Konfuse, und wir machten uns auf die Socken Richtung Weihnachtsmarkt. Dort brauchten wir erst mal was Warmes, also ein Glühweinchen, und Konfuse und ich tauschten endlich unsere Sachen aus, die schon vier bzw. zwei Jahre bei uns rumlagen.  Die Glühweintassen von Köln wurden meiner Sammlung einverleibt, und der Stein von der irischen Westküste wird einen Platz im konfusianischen Garten finden, wurde mir versichert.

Dann hatte Konfuse den berüchtigten „Schnaps aus dem Löffel“, den es in Münster gibt, auf seinem Wunschzettel, und wir suchten ein Lokal, in dem man so etwas bekommt. Uns wurde mitgeteilt, dass man dazu zum „Pinkus“ müsse, aber aus unerfindlichen Gründen wollte Bocki dort nicht hin. Wir überlegten, ob er sich dort wegen eines riesigen Bierdeckels nicht mehr reintraut, oder dass er sich *mit uns* dort nicht blicken lassen will oder Hausverbot hat, weil er mal eine Kellnerin verführt hat (Peter meinte nachher: „Dann kommt euch dort ein jüngeres Ebenbild von Bocki entgegen, mit einer Stofftasche als Schürze umgebunden“). Der wahre Grund wird uns wohl weiterhin verborgen bleiben, es passierte nichts Spektakuläres. Statt dessen tranken wir ein paar Bierchen und Konfuse bekam seinen Schnaps, der ihm vortefflichst mundete:

Foto: (c) by Tulpe

Dann wurde es Zeit, zum Spanier zu gehen, wo Bocki einen Tisch reserviert hatte. Das Essen war ausgezeichent und die Konversation gepflegt. Viel zu schnell war es Zeit, zum Bahnhof zu gehen, und wir verabschiedeten uns von Bocki. Am Bahnhof wurde es natürlich wieder knapp, da wir noch Tulpes Nachtzeug aus dem Schließfach holen mussten und unser Zug mal wieder vom allerhintersten, am besten versteckten Gleis abfuhr. Im Schweinsgalopp ging es über den Bahnsteig, und Konfuse, der eigentlich gar nicht dorthin musste, ließ es sich nicht nehmen, uns zu begleiten und hielt sich bei der Rennerei noch am besten. Kondition? Was ist das? Kann man das essen? Wir erwischten den Zug, und vollgefressen gondelten wir zu mir nach Hause.

Dies war leider das einzige Mal, dass ich Konfuse „live“ getroffen habe. Tulpe und ich entdeckten einmal in Amsterdam eine Sonnenbrille mit Totenkopf-Gläsern, die wir ihm schickten, und die er auch tatsächlich gern getragen hat. Im Forum hatten wir auch weiterhin eine Menge Spaß. Im Sommer beim WM-Tippspiel teilten wir uns sehr lange einen Platz in der Rangliste, und erst kurz vor dem Finale trennten sich unsere Wege.

Im Herbst ist Konfuse im Alter von 38 Jahren gestorben. Als die Nachricht unser Forum erreichte, loggten sich viele „Ehemalige“ wieder einmal ein, um ihm die letzte Ehre zu erweisen, oder wie Lupinchen es formulierte: „Konfuse hat es geschafft,  dass viele Stammuser der 1. Stunde wieder hier sind eigens um hier in seinem Thread Abschied zu nehmen.“

Bald steht das nächste konspirative Münstertreffen an, und wir werden sicher zahlreiche Glühweinchen auf ihn trinken. Und wenn es mich in – hoffentlich nicht allzu ferner – Zukunft mal wieder an die irische Westküste verschlagen sollte, werde ich noch mal einen Stein mitnehmen.

Foto: (c) by Sir Guinness

Kategorien: Ganz "normaler" Alltag | Schlagwörter: , , , , , , , | 5 Kommentare

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