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Eine andere Kindheit und Jugend

Vor einigen Jahren, als meine Neffen noch sehr klein waren, hatte meine Schwiegermutter ein paar Kinderbücher vom Dachboden geholt, in denen ich interessiert blätterte. Meine Schwägerin fragte: „Ach, liest du Pinkeltje mal wieder?“ Wieso „mal wieder“? Für mich waren diese Geschichten Neuland. Wieder einmal wurde mir klar, dass ich viele Erinnerungen, die für meine Altersgenossen hier in den Niederlanden Gemeingut sind, nicht teile. An ihrer Stelle stehen andere, die mich für immer mit meinen Freunden aus der alten Heimat verbinden.

Alexandra von buurtaal geht es ähnlich, und da wir ungefähr gleich alt sind und sie im selben Jahr nach Deutschland zog, in dem ich in den Niederlanden ansässig wurde, entstand die Idee,  zu diesem Thema ein Doppelprojekt( die Niederländer haben dafür das schöne Wort „tweeluik“) zu machen. Sie schreibt über ihre Kindheit und Jugend in den Niederlanden, also über das Stück, das mir hier fehlt, und ich schreibe über meine deutsche Kindheit und Jugend, von der Geburt bis zum Ende der Schulzeit mit 18 bzw. 19 Jahren. Da ich noch etwas verfrüht finde,  meine Memoiren zu schreiben, greife ich nur ein paar Aspekte heraus, von denen ich denke, dass sie für deutsche Kinder meiner Generation typisch waren.

Als ich noch klein war…

An meine Kleinkinderzeit erinnere ich mich vor allem bruchstückhaft und anhand von Erzählungen und Fotos. Mein Vater ging anscheinend gern mit mir im Kinderwagen spazieren, was für Männer in dieser Zeit eher untypisch war. Meine Mutter saß mit mir im Garten bei Oma und wir pflückten Blumen. Ich ging gern in die Badewanne, was auch heute noch so ist.

Umständehalber verbrachte ich auch viel Zeit bei meinen Großeltern. Opa las mir die Kinderbuchserie von Gertrud Keussen über die beiden Zwerge Puk und Pat, das arme Einöhrchen (ein Kaninchen, das ein Ohr verloren hatte) und den Raben vom Felsenberg vor. Später kamen auch die Wilhelm-Busch-Klassiker „Max und Moritz“ und (zu Omas Entsetzen) „Die fromme Helene“ hinzu. Außerdem lernte ich von ihm das Zählen, die Uhr, die ersten Buchstaben und – mit weniger Erfolg – das Schuhezubinden. Oma brachte mir das Backen bei, und ich durfte beim Marmeladeeinkochen helfen.

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Anscheinend zeichnete sich mein heutiger Beruf schon früh ab

Der Kindergarten in München war grauenhaft, der in Erding, wo wir später hinzogen, war okay. Dort lernte ich die Pumuckl-Hörspiele von Ellis Kaut kennen und lieben. Nach und  nach bekamen wir die ganze Schallplattensammlung zusammen, die sich jetzt bei meinem Bruder befindet. Schließlich soll meine kleine Nichte ja nicht ohne Pumuckl aufwachsen.

Schulzeit

In Deutschland wird man in der Regel mit sechs Jahren eingeschult. Der erste Schultag ist sehr wichtig, die Zeit des sorglosen Spielens ist vorbei und der Ernst des Lebens beginnt. Um diesen Schritt etwas zu versüßen, erhalten die Kinder eine Schultüte mit Süßigkeiten und anderen Kleinigkeiten, die man in der Schule halt so braucht – Malstifte, Bastelzeugs und dergleichen. An diesem Tag lernte ich auch Silvia kennen, die Jahre später meine beste Freundin wurde. Diese Freundschaft besteht übrigens immer noch! Die Grundschule war für mich ganz in Ordnung, mal abgesehen vom Sportunterricht, der mir schon damals ein Graus war, und der Schriftnote, die mir mit schöner Regelmäßigkeit das Zeugnis versaute.

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Der Ernst des Lebens fängt an

Nach der vierten Klasse – wir waren damals zehn – wechselten wir auf das Gymnasium, wo wir uns gemeinsam bis zum Abitur durchkämpften. Unser „Gymmi“ hatte zwei Zweige im Angebot, den naturwissenschaftlich-mathematischen und den neusprachlichen. Bei mir wurde es letzterer (wundert das jemanden?), was mir die Fremdsprachen Englisch, Latein und Französisch bescherte. In Englisch war ich gut, Latein ging so und ich hielt tapfer bis zum Latinum durch, und mit Französisch konnte ich mich nicht anfreunden. Im Nachhinein war es aber gut, beide Sprachen gehabt zu haben, da sie Voraussetzung für das Anglistik-Studium sind.

In der siebten und achten Klasse fuhr man bei uns im Winter eine Woche ins Skilager, wir waren ja schließlich nah genug an den Alpen. Bei mir funktionierte das Ganze eher nach dem Motto „Runter kommt man immer“, aber nett war es schon. In der Zehnten fuhren wir auf Klassenfahrt nach Berlin (näheres siehe unter „Geteiltes Deutschland“) und in der Elften ging es nach Rom. Das bedeutete natürlich eine Menge Kultur, viel Wein, wenig Schlaf und den absoluten Höhepunkt auf der Rückfahrt: Unser Klassenlehrer schaffte es irgendwie, die Notbremse zu ziehen, so dass wir  mitten in der Nacht mit einem gewaltigen Ruck in den Feldern vor Florenz zum Stehen kamen. Dank der Eloquenz einer anderen Lehrerin, die fließend Italienisch sprach, kam er um eine Geldstrafe herum.

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Forum Romanum

Vor einiger Zeit hatten wir zum 25jährigen Jubiläum ein Treffen unseres Abi-Jahrgangs. Natürlich besuchten wir auch das Schulgebäude, das mir jetzt um einiges kleiner vorkam. Interessant war auch, dass sich beim gemeinsamen Abendessen wieder dieselben Gruppen bildeten wie zu Schulzeiten, auch wenn ich einige Leute schon viele Jahre nicht mehr gesehen hatte.

Geteiltes Deutschland

Bevor ich zu Büchern, Musik und dergleichen komme, erst noch ein Exkurs in die politische Situation. Damals bestand Deutschland noch aus zwei Teilen, der Bundesrepublik Deutschland und der Deutschen Demokratischen Republik. Irgendwo in der Rhön und bei Travemünde hörte für uns Kinder  die Welt auf, und was hinter dem Grenzstreifen mit seinen Wachtürmen, dem „Eisernen Vorhang“ lag, wussten wir nicht genau. Ich habe zwar Verwandtschaft in Thüringen, aber der Kontakt lief vor allem über meine Großeltern und deren Geschwister, die damals gelegentlich zu Besuch kamen. Außerdem erinnere ich mich an die Weihnachtspakete, die wir damals „nach drüben“ schickten, mit Plätzchen, Stollen, Schokolade, Kaffee und anderen Dingen, die damals dort schwer zu bekommen waren. Man musste eine genaue Aufstellung des Inhalts beilegen, und Bücher oder Zeitschriften waren nicht erlaubt. Wir bekamen ebenfalls Pakete zurück, und obwohl die „Ost-Süßigkeiten“  nicht besonders lecker waren, wussten wir die Geste zu schätzen. Gelegentlich schrieben meine Großcousine und ich uns einen Brief, aber das schlief recht schnell ein, da wir beide zu einer gewissen Schreibfaulheit neigten.

Als ich sechzehn war, fuhren wir auf Klassenfahrt in das damals noch geteilte Berlin. Zu diesem Zweck mussten wir uns einen Reisepass zulegen und bekamen genaue Instruktionen, wie wir uns bei den Grenzkontrollen zu verhalten hatten, schließlich waren die ostdeutschen Zollbeamten nicht gerade für ihre höfliche und zuvorkommende Art bekannt. Wir absolvierten das übliche Programm: Stadtrundfahrt, Kurfürstendamm, diverse Museen und ein Tag in Ostberlin.  Im Vorfeld hatte man uns gründlich eingeimpft, was wir zu tun und zu lassen hatten, und nachdem wir am Bahnhof Friedrichstrasse die Grenze passiert hatten, waren wir entsprechend eingeschüchtert. Auch an die geballte Unfreundlichkeit, mit der man uns Wessis dort begegnete, erinnere ich mich noch. Und heute kann ich verstehen, dass unsere Klassenlehrerin damals wohl Blut geschwitzt haben muss und mit uns undiszipliniertem Haufen lieber woanders hingefahren wäre.

Umweltschutz und Friedensbewegung

Sicher hat mich auch das politische Klima der 80er Jahre geprägt. 1982 wurde Helmut Kohl Bundeskanzler, und er sollte den Platz erst sechzehn Jahre später, als ich schon in den Niederlanden wohnte, wieder räumen. Ich brauchte damals eine ganze Weile, um mich daran zu gewöhnen, dass der Bundeskanzler nicht mehr Kohl hieß.

Im selben Jahr (1982) kamen auch die Grünen zum ersten Mal in den deutschen Bundestag, und das Drei-Parteien-System aus CDU/CSU, SPD und FDP war durchbrochen. Themen wie das Waldsterben, die Endlichkeit der fossilen Rohstoffvorräte und der Verdacht, dass Kernenergie wohl doch keine richtig saubere und sichere Lösung ist (was durch die Reaktorkatastrophe von Tschernobyl 1986 eindrucksvoll bestätigt wurde), erhielten einen Platz auf der politischen Agenda. Auch wir versuchten, mit unseren bescheidenen Mitteln die Erde zu retten: Wir schrieben auf Umweltschutzpapier, boykottierten Plastiktüten, kauften in Umweltläden ein und Autofahren konnten wir ja sowieso noch nicht. Manchmal beschleicht mich das Gefühl, dass wir damals auf dem Gebiet von Umweltschutz weiter waren als heute.

Auch der kalte Krieg und das Wettrüsten waren ständig Thema, was ja auch kein Wunder ist, wenn die Grenze zwischen den beiden Großmächten das Land, in dem man lebt, in zwei Stücke gehackt hat. Das hat natürlich auch Einfluss auch Literatur, Kunst und Musik.

 Das „Bayern-Eins-Trauma“, die Neue Deutsche Welle und sonstiges Musikalisches

Was ich „ganz früher“ an Musik mitgekriegt habe, weiß ich eigentlich nicht mehr so genau, die Schlager der früher 70er gingen irgendwie an mir vorbei, was im Nachhinein vielleicht nicht das Schlechteste war. Aber an den Radiosender „Bayern Eins“, den mein Vater beim sonntäglichen Mittagessen immer hört, erinnere ich mich noch gut – bayerische Volksmusik vom Feinsten! Meine Freundinnen litten genauso darunter wie ich, vermutlich wurde da eine ganze Generation traumatisiert.

Irgendwann fand ich, wie damals wohl fast jeder, Abba toll und hatte einige Alben von ihnen. Anders als die meisten anderen fand ich damals schon Frida besser als Agneta, und vor einigen Jahren wurde mir mal wieder klar, wie schön eigentlich das Lied „When All Is Said And Done“ ist.

Auch die Neue Deutsche Welle (Anfang der 80er) schwappte an mir nicht spurlos vorüber – Trio mit ihrem eintönigen „Da Da Da“, Nena und die 99 Luftballons, Peter Schilling, der völlig losgelöst durch die Gegend schwebte und – nicht wirklich typisch NDW – die Spider Murphy Gang und die Münchner Freiheit. So ganz ohne Lokalpatriotismus geht es halt doch nicht. Und Falcos Lied „Jeanny“ stand ja damals beim Bayerischen Rundfunk auf dem Index, da es die Entführung eines Mädchens aus der Sicht des Täters erzählte. Es wurde im Radio nicht gespielt, stand aber sehr lange auf Platz Eins der Hitparade am Freitagabend. Kein Wunder, jeder wollte das Lied natürlich haben. Auch ich überspielte es mir von einer Freundin (so machte man das damals), zusammen mit der Frank-Zander-Parodie.

Da ja irgendwann bei mir  das Interesse für Friedensbewegung und Umweltschutz erwachte, entwickelten sich auch meine musikalischen Vorlieben in diese Richtung und ich entdeckte die Liedermacher (auf gut Niederländisch „Singer-Songwriter“) Reinhard Mey, Hannes Wader, Konstantin Wecker, Bettina Wegener und andere. In dieser Zeit lernte ich auch ein bisschen Gitarre spielen, aber an Reinhard Meys Zupfmuster (dem sogenannten Mey-Zupfing) bin ich grandios gescheitert. Mir ist heute noch ein Rätsel, wie man das hinkriegt, ohne sich die Finger komplett zu verknoten. Manchmal überlege ich, ob ich meine Gitarre mal wieder vom Speicher holen, entstauben und loslegen sollte, aber ich bezweifle, ob das in diesem Leben noch was wird.

Film und Fernsehen – natürlich auf Deutsch

Während man in den Niederlanden Filme und Fernsehserien (vom Kinderprogramm abgesehen) im Original mit Untertiteln ausstrahlt, wird in Deutschland fast alles nachsynchronisiert. Bei Kinderserien wie „Wickie und die starken Männer“ oder „Biene Maja“ fiel das natürlich nicht weiter auf, aber auch bei den ganzen anderen Serien wie „Bonanza“, „Unsere kleine Farm“ etc. fanden wir es nie merkwürdig, dass man in den tiefsten USA Deutsch spricht. Was denn sonst, wir kannten es ja nicht anders.

Auch in unserem Kleinstadtkino gab es keine Filme im fremdsprachigen Original, dafür musste man nach München fahren, was für ca. 15jährige noch eine ziemliche Expedition war. Aber was tut man nicht alles.

Irgendwann fiel mir natürlich auf, dass gelegentlich ein Sprecher verschiedene Schauspieler synchronisiert, oder dass der Sprecher eines Schauspielers aus irgendwelche Gründen ausgetauscht wird. Und es fing an zu nerven, dass die Dialoge nicht lippensynchron sind.

Als ich mir später alles Mögliche im Original zu Gemüte führte, wunderte ich mich öfter, wie anders die echten Stimmen der Schauspieler oft klingen. Die deutsche Stimme von „Alf“ finde ich immer noch sympathischer als das Original.

 Leseratte

Ich hatte mir ja schon immer gern vorlesen lassen, und sobald ich lesen konnte, waren Bücher mein Ein und Alles. Unzählige Nachmittage verbrachte ich auf dem Wohnzimmersofa oder auf dem Teppich vor der Balkontür meines Zimmers, und zahllose Nächte lag ich mit der Taschenlampe unter der Bettdecke, weil ich einfach wissen wollte, wie es weitergeht.  Ottfried Preussler, Astrid Lindgren, Enid Blyton, später Karl May, Michael Ende, mir gefiel vieles.

Eine Zeitlang hatte ich Reitunterricht, und in dieser Phase verschlang ich alles, was irgendwie mit Pferden zu tun hatte, von den typischen Serien „Mädchen mit Pferd“ bis zu Fachbüchern über Pferdehaltung (zu meiner Enttäuschung wollten meine Eltern das Wohnzimmer nicht zu einem Pferdestall umbauen) und einem Wälzer über Pferdekrankheiten, da ich damals noch Tierärztin werden wollte.

Später las ich neben der Pflichtlektüre in der Schule auch viel über die deutsche Vergangenheit, vor allem das Dritte Reich und die Judenverfolgung, Autobiografien und Romane mit sozialpolitischem Hintergrund, Entwicklungshilfe, Jugendliche mit Problemen (z.B. Christiane F.) etc. Damals wollten wir ja noch die Welt retten.

Schon früh entdeckte ich meine Leidenschaft für Krimis und Spukgeschichten, die mich heute noch begleitet. Wundert es jemanden, dass der Schauerroman des 18. und 19. Jahrhunderts später einer meiner Studienschwerpunkte war?

Zu guter Letzt: Reisen und Fernweh

Während meine Schulfreundinnen in den Ferien mit schöner Regelmäßigkeit mit ihren Eltern in den sonnigen Süden (Italien, Spanien, Jugoslawien) oder den hohen Norden (Schweden, Norwegen) gondelten, waren meine Eltern eher heimatverbunden. Das Ausland war ihnen nicht so ganz geheuer, also fuhren wir im Urlaub abwechselnd in die Berge oder an die Nord- oder Ostsee. Meine Liebe zum Meer stammt noch aus der Zeit.

meer

Urlaub am Meer

Und aus irgendwelchen Gründen zog es mich nach England, vermutlich wegen der Enid-Blyton-Romantik. Nach einem absolut genialen Urlaub mit einer guten Freundin und Namensvetterin in England und Schottland war es klar – dieses Land sollte mich nicht mehr loslassen. Und es war diese Faszination, die mich auf Umwegen in die Niederlande geführt hat – aber das ist eine andere Geschichte.

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Kultur in Gronau: Nachteinblicke

Gestern waren wir mal wieder in kultureller Mission auf der anderen Seite der Grenze unterwegs. In Gronau fand nämlich das Kulturspektakel „Nachteinblicke“ statt. Das Konzept an sich ist schon sehr interessant: Von 19 Uhr bis 1 Uhr finden an dreizehn Veranstaltungsorten in Gronau und Epe kurze Auftritte aller Art statt: Musik, Tanz, Kabarett, Dichterlesungen etc. Jeder Teilnehmer tritt im Laufe des Abends an drei verschiedenen Orten auf.

Die meisten Orte liegen nicht weit auseinander, und nach Epe fährt ein Shuttlebus, so dass man einfach von einem Auftritt zum nächsten wechseln kann. Es ist aber auch möglich, den ganzen Abend an einem Ort zu bleiben, da überall ein vielseitiger Mix an Genres angeboten wird. Und da das Spektakel in der Nacht stattfindet, sind die „locations“ auch noch beleuchtet, was für eine besondere Stimmung sorgt.

Aus dem recht umfangreichen Programm hatten wir im Vorfeld drei Gruppen ausgesucht, die wir unbedingt sehen wollten: Das Saxohponensemble der Musikschule, den Frauenchor „Bella Donna“ und die Barbershop-Formation „Tafelrunde“. Außerdem wollte ich auf jeden Fall in die Bibliothek. Ausgehend von diesen Eckpunkten stellten wir unsere Route zusammen, und der Rest würde sich ergeben.

St. Antonius

Wir starteten also um 19 Uhr in der Antoniuskirche mit dem Orgel-Trompeten-Duo T. Szöcs und A. Sander, die unterschiedliche Musikrichtungen präsentierten. Ich mag die Kombination Orgel und Trompete. Auf Wunsch des Gatten blieben wir noch sitzen, um den Gronauer Männerchor zu hören. Die Herren boten das klassische Männcherchor-Repertoire von Liebe, Herz und Schmerz, aber auch eine schöne Version des Udo-Jürgens-Schlagers „Ein ehrenwertes Haus.

Dann wurde es Zeit, um zur Evangelischen Stadtkirche weiter zu ziehen, wo Ute mit dem Saxophon-Ensemble auftrat. Die neunköpfige Gruppe zeigte, wie vielfältig ein Saxophon sein kann. Sie spielten Klassik, Jazz, bekannte Hits und Gospels, und wir lernten auch noch einiges über die verschiedenen des Saxophons, das übrigens ein Holzblasinstrument ist.

Stadtkirche Stadtkirche2

Danach gingen wir zur Stadtbücherei, wo man schon von weitem das Perkussionsensemble der Musikschule hören konnte. Auch wer nicht wusste, wo die Bücherei ist, konnte sie unmöglich verfehlen. Normalerweise ist eine Bibliothek ja ein Ort der Stille, nur nicht an diesem Abend. Und die Bibliothekarinnen saßen an ihren Ausgabeschaltern, verkauften Getränke und freuten sich über das zahlreiche Publikum.

Bibliothek Bibliothek2

Nach dem Auftritt der Trommler wurde es wieder ruhiger. Der Schriftsteller Alfons Huckebrink aus Münster las einige seiner „Kürzestgeschichten“ vor. Dabei geht es um skurrile Begegnungen in der Bahn, Wortspiele mit Autokennzeichen, Beobachtungen im Museum und die Frage, wem nun eigentlich die Grünphase an der Ampel gehört.

Dann gingen wir wieder zurück zur Stadtkirche, wo nacheinander die Frauenchöre „Klangvoll“ und „Bella Donna“ auftraten. „Klangvoll“ sang bekannte Evergreens, während „Bella Donna“ einige klassische Stücke und eine wunderschöne Version von „Der Mond ist aufgegangen“ zu Gehör brachten. Hier sind wirklich ein paar sehr schöne Stimmen dabei.

Glashaus

Nun wurde es Zeit für einen uns noch unbekannten Veranstaltungsort, das Glashaus, wo wir Reinhold und die „Tafelrunde“ sehen wollten. Das Gebäude gibt es auch erst seit 2013, es kann also vorkommen, dass man es noch nicht kennt. Da es sich aber in der Nähe des rock’n’popmuseums befindet, war es nicht schwer zu finden. Und dort machten wir die Entdeckung des Abends: die Schriftstellerin (und Gymnasiallehrerin) Theresa Sperling aus Nordhorn. Unbelastet von jedem Vorwissen ließ ich ihre Texte auf mich wirken. Ich werde auch jetzt nicht googeln, wie andere sie einordnen, sondern ungefiltert meine Eindrücke und Assoziationen aufschreiben.

Ihre Texte, die voll aus dem Leben gegriffen sind, halten die Mitte zwischen Poesie und Prosa und lassen mich an Textil denken. Rhythmisch, wie ein Schiffchen durch den Webstuhl schießt, bilden sich die Zeilen, und wie das Flüchtlingsmädchen Amilija in einem ihrer Texte webt sie mit Sprache. Die häufig verwendeten Reime geben den Texten eine Struktur, die sich aber ständig ändert, so dass vor meinen geistigen Auge ein subtil changierendes Gewebe entsteht:

„Zu Hause ist es nicht leicht,
ihr neues Zuhause wird der Klassenraum.
Dass die anderen mit ihr spielen wollen,
wird ihr geheimer Zaubertraum,
Ihr noch weitmaschiges Wörternetz
Wirkt wie ein warmer, weicher Flaum,
ein unsichtbarer Sicherheitssaum,
lässt sie sicher sein, dass sie ein Recht darauf hat,
nach vorne zu schauen,
lässt ihre Augen ein gerechtes Land sehen
und in dieses Land vertrauen.“

Und ich glaube, ich bin nicht die einzige, die der Schluss dieses Textes tief berührt zurückgelassen hat:

„Ich weiß nicht wirklich viel,
bin ja nur ein Wirtschaftsflüchtlingskind
und wurde sehr schnell abgeschoben,
aber einige Worte habe ich mir
wie ein Fallnetz unter mein Herz gewoben.
Sie sind das Ende eines langen Fadens,
der dunkelrot ist und nie bricht.
Hier sind meine Worte,
bitte vergessen Sie sie nicht:
Menschen kann man abschieben,
ihre Träume aber nicht.“

Hier ist also wieder Lesestoff für meine Wunschliste, und wenn sie wieder hier in der Nähe liest und es zeitlich passt, möchte ich gerne wieder vorbeischauen.

Nach diesem wirklich tollen Auftritt gab es noch einen etwas leichteren Schluss, nämlich die Barbershop-Formation „Tafelrunde“. Sechs Herren mit viel Spaß am Singen trugen a capella launige Stücke wie „Ich wollt, ich wär ein Huhn“, „Lass mich dein Badewasser schlürfen“ und dergleichen vor.

Glashaus2

Danach war der Abend zu Ende, und wir begaben uns über den dunklen Weg zurück zur Stadt – Mindfulness purst! Das Konzept der kurzen Auftritte und verschiedenen „locations“ ist sehr gelungen, und jeder einzelne Auftritt war wirklich gut. Man kann an verschiedenen Genres schnuppern, und wenn einem etwas nicht so zusagt, kann man gehen, ohne dass es jemand übel nimmt, und es kommt auch bald wieder etwas Neues. Die „Nachteinblicke 2017“ sind auf jeden Fall schon vorgemerkt.

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Momente einer Reise – musikalisch unterlegt

Auf einem meiner Streifzüge durch die Bloglandschaft stieß ich auf Marcs Blogparade mit dem Thema: Musikalische Erinnerungen – der Sound des Reisens. Ich denke, viele Leute verbinden eine bestimmte Reise mit einem bestimmten Musikstück, das  sie vielleicht auf dieser Reise gehört haben oder das sonst irgendwie passt. Ich möchte dieses Thema aber ein kleines bisschen anders aufziehen.

Meine Leser wissen ja, dass mein Mann und ich meistens mit Fahrrad und Zelt unterwegs sind und dass ich vor Kurzem auch das Wandern entdeckt habe. Und dabei habe ich keinerlei Musikabspielgerät mit, da ich die Klänge meiner Umgebung hören möchte: die brüllenden Vögel, das Rauschen des Meeres, das leise Rascheln des Windes in den Gräsern – das alles möchte ich auf keinen Fall missen. Aber wie kann man dann ein passendes Lied zu einer Reise haben? Ganz einfach, es gibt immer wieder Momente, in denen sich ein bestimmtes Musikstück in meinen Kopf schleicht, weil es gerade so gut passt. Und ein paar typische Momente und die dazugehörige Musik wiederholen sich auf jeder Reise der letzten paar Jahre.

Fangen wir mit dem Anfang an. Dazu gehört Das Lied „Omarm“ der niederländischen Band Bløf. Der Sänger wird vom Fernweh gepackt, kann nichts dagegen machen und bittet die geliebte Person, doch mit ihm zu gehen.

Der Anfang „Hoe ver je gaat heeft met afstand niets te maken, hoogstens met de tijd (Wie weit man geht, hat nichts mit Entfernung zu tun, höchstens mit der Zeit)“  passt perfekt zu unserer Reiseplanung. Wir haben uns schon lange von der Idee verabschiedet, eine ganz bestimmte Strecke zurückzulegen, weil das meistens doch nicht funktioniert. Wir haben eine bestimmte Zeitspanne und dann sehen wir schon, wie weit wir kommen, denn Wind und Wetter tragen ja das Ihrige dazu bei. Damit sind wir bei den letzten Zeilen des Bløf-Liedes: „Hoe recht je staat heeft met zwaarte niets te maken, hoogstens met de Wind. (Wie aufrecht man steht, hat nichts mit der Schwere zu tun, höchstens mit dem Wind)“.

Und zu jeder Reise gehört natürlich auch eine gewisse Portion Schietwetter, nach der ich mich immer besonders freue, wenn sich die Sonne wieder zaghaft zwischen den Wolken hervorwagt. Dann denke ich eigentlich immer an den bekannten Beatles-Song : „Here comes the sun and I  say it’s all right.“ Recht haben sie.

Vor unserer England-Radtour vor zwei Jahren hatten wir mit unserem Chor das Lied „For the Beauty of the Earth“ von John Rutter einstudiert. Dieses Lied summe ich seitdem immer wieder, wenn ich unterwegs bin:

„For the beauty of each hour,
of the day and of the night.
Hill and vale and tree and flower,
sun and moon and stars of night.
Lord of all, to thee we raise
this our joyful hymn of praise.“

Gerade beim langsamen Reisen wird mir immer wieder bewusst, wie schön doch die Welt das Leben sein können.

Auch die längste Reise ist irgendwann einmal zu Ende, und es naht der Moment der Heimkehr. Und so gerne ich unterwegs bin, so gerne komme ich auch wieder nach Hause, denn ich liebe die Stadt, in der ich wohne, und ich fühle mich wohl in meinem Haus, wo der Mitbewohner gemütlich auf dem Sofa sitzt. Dieses Gefühl, nach Hause zu kommen, hat bisher noch niemand besser umgesetzt als Dotan:

„The sound of the wind is whispering in your head.
Can you feel it coming back?
Through the warmth, through the cold, keep running till we’re there.
We’re coming home now, we’re coming home now.“

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Kunstroute 2013

Auch dieses Jahr half ich am Pfingstwochenende wieder bei der Kunstroute mit. Eigentlich war ich für Sonntag stand-by in Roombeek eingeteilt, wenn irgendwo Not am Mann sein sollte, und am Montag sollte ich zwei Stunden Karten verkaufen. Da aber einige Helfer ausfielen, durfte ich auch am Sonntag vier Stunden Karten verkaufen.

Ook dit jaar deed ik weer mee als vrijwilliger bij de Kunstroute. Eigenlijk moest ik op zondag in Roombeek stand-by staan en was ik voor maandag twee uur voor de kaartverkoop ingedeeld. Maar een aantal vrijwilligers waren verhinderd, en dus kon ik oop op zondag vier uur kaarten verkopen.

kaartverkoop

Am Sonntag, als das Wetter zwar kühl, aber trocken war, bekamen wir einiges zu tun, am regnerischen Montag war es verständlicherweise etwas ruhiger. Zwischendurch hatte ich natürlich auch die Möglichkeit, die Route zu radeln und ein paar Eindrücke festzuhalten.

Op zondag, toen het weer wel fris maar droog was, kregen we het best druk, maar op de regenanchtige maandag was natuurlijk rustiger. Ik mocht er natuurlijk ook even tussenuit om de route te fietsen en een paar indrukken vast te leggen.

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Überraschungen auf einem Waldweg (Kollektiv De Zessprong) / Verrassingen op een bospad (Kollektief De Zessprong)

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Hier schiebt man besser / Hier stap je beter van de fiets

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Mahlzeit für die Vögel / Maaltijd voor de vogels (Monique Leushuis)

Dieses Jahr spielte auch der Hangar auf dem alten Flughafen eine wichtige Rolle als Ausstellungort.

Dit jaar speelde ook de hangar op het oude vliegveld een belangrijke rol als expositieruimte.

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Junge Künstler wie Luuk Binsbergen mit seinen Holzobjekten, Ivo Bakker mit  „Shelters“ und Lisa Sebestikova mit den Projekten „Wings“ und „Melted“ zeigten hier ihre Werke.

Jonge Kunstenaars zoals Luuk Binsbergen met zijn houten objectenIvo Bakker met  „Shelters“ en LisaSebestikova met haar projecten „Wings“ en „Melted“ lieten hier hum werken zien.

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Und auch sonst gab es wieder einige interessante Dinge in der Landschaft. Leider kan ich nicht alle den entsprechenden Künstlern zuordnen, bitte also um Nachsicht.

En ook verder waren er weer een antal interessante dingen in het landschap. Helaas weet ik niet bij alle kunstwerken, wie de kunstenaar is. Ik hoop dat jullie het mij niet kwalijk nemen.

  wiefker

vijver

zorgboerderij

Auch die Musik und Dichtkunst waren vertreten.

Ook muziek en dichtkunst waren vertegenwoordigd.

piano

dichter

Natürlich habe ich noch viel mehr Fotos gemacht, aber es ist einfach nicht möglich, alles zu zeigen. Aber vielleicht hat ja der eine oder andere Lust, nächstes Jahr mal vorbei zu schauen. Es lohnt sich auf jeden Fall. Mir hat es auch wieder Spaß gemacht, dabei zu sein, und während ich so die Strecke abradelte, wurde mir einmal mehr bewusst, wie schön es doch hier in Twente ist und wie gern ich hier wohne!

Natuurlijk heb ik nog veel mehr foto’s genomen, mar het is gewoon onmogleijk, om ze allemaal te laten zien. Maar misschien heeft de een of andere zin, volgend jaar zelf te komen kijken? Het is zeker de moeite waard. En ik vond het ook dit jaar wwer leuk om er bij te zijn, en terwijl ik langs de route fietste, werd ik me weer eens ervan bewust, hoe mooi het Twentse landschap toch is en hoe graag ik hier woon!

Zum Schluss noch eine nette Geschichte: Am Montag erschien kurz vor Schluss noch eine junge Frau an der Kasse und erzählte, dass sie zufällig dazwischen geraten war und noch nicht bezahlt hatte. Mein Kollege sagte: „Da haben Sie aber Glück gehabt“ und zwinkerte freundlich. Doch ihr hatte die Veranstaltung so gut gefallen, dass sie unbedingt noch ihren Obulus und eine kleine Spende entrichte wollte.

Tot slot noch een leuk verhaal: Vlak voor het einde op maandag kwam nog een jonge vrouw bij de kassa en vertelde, dat zij toevallig op de route terecht was gekomen en nog niet had betaald. Mijn collega knipoogde vriendelijk en zei: „Dan hebt u geluk gehad.“ Maar zij vond het evenement zo mooi, dat zij erop stond, haar entreegeld en een kleine donatie te betalen.

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Nochmal 52 Bücher (4) – „The Cure of Souls“ von Phil Rickman

Nochmal 52 Bücher

Das Motto dieser Woche ist, mit Verlaub, etwas merkwürdig, und meinem laienhaften Verstand dämmert irgendwie ganz vage, dass es etwas mit Fußball zu tun hat: Zeige uns ein schwarz-weiß-blaues Buch. Damit habe ich aber denkbar wenig am Hut, und so ist auch das „epochale Ereignis“, das zu diesem Motto geführt hat, völlig an mir vorbei gerauscht. Die Weltherrscherin möge es mir nachsehen.

Also bin ich mal wieder rein optisch vorgegangen, und wie letzte Woche hat es auch diesmal Phil Rickman erwischt. Dieser Band ist der vierte aus der Merrily-Watkins-Reihe und passt also wunderbarst in die vierte Woche des Projekts. Schwarz, weiß und blau ist er auf jeden Fall, und er ist auch noch sehr lesenswert.

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„The Cure of Souls“ (London 2001; deutscher Titel „Der Turm der Seelen“) spielt im Frome Valley, einem Hopfenanbaugebiet  in Herefordshire. In einer ehemaligen, zu einem Wohnhaus konvertierten Hopfendarre wurde vor einiger Zeit ein brutaler Mord verübt, und die Besitzer sind davon überzeugt, dass es dort spukt. Der zuständige Priester möchte jedoch nichts damit zu tun haben, so dass der Fall mal wieder auf Merrilys Tisch landet. Merrily versucht, eine einfache Segnung des Hauses durchzuführen, die jedoch gründlich schiefgeht – das Übersinnliche in diesem Haus ist viel stärker als sie bisher angenommen hatte.

Von Al Boswell, dem Kurator des Hopfenmuseums, erfährt sie mehr über die Geschichte des Hopfenanbaus und der Roma, die jedes Jahr als Erntehelfer ins Frome Valley kamen. Eine von ihnen war die schöne Rebekah, die vor einige Jahren plötzlich verschwand. Könnte da ein Zusammenhang bestehen?

Daneben hat sie aber noch andere Probleme: Die 16jährige Amy, die bisher als ruhig, zurückhaltend und wohlerzogen gilt, benimmt sich höchst seltsam und übergibt sich sogar bei in der Kirche vor dem Altar. Merrily entdeckt, dass Amy eine Klassenkameradin ihrer Tochter Jane ist und zu einer Mädchengruppe gehört, die spriritistische Sitzungen abhält und dabei auch den Geist von Amys verstorbener Mutter beschworen hat. Natürlich macht sie sich Sorgen, ob und wie weit ihre Tochter in diese Dinge verstrickt ist.

Dann ist da noch der Rockmusiker Lol Robinson, zu dem Merrily in den letzten Bänden zarte Bande geknüpft hat. Er war in jungen Jahren ziemlich erfolgreich, wurde dann aber von seinem besten Freund und Band-Kollegen übel hereingelegt und landete mehrere Jahre in der Psychiatrie. Seitdem schreibt er nur noch Songs für andere, und bei dem Gedanken an Auftritte und Publikum gerät er in Panik. Doch der cholerische Produzent Prof Leven, den wir bereits in December kennengelernt haben, at sich aus dem hektischen London ins beschauliche Knights Frome zurückgezogen und baut dort ein Aufnahmestudio auf. Er ist von Lols Talent überzeugt und versucht, ihn zu einem Coemback zu überreden.

Außerdem stoßen wir noch auf zwei weitere Bekannte aus der Abtei Ystradd Ddu: den Cellisten Simon St. Jones, jetzt Priester im Frome Valley und seine Frau Isabel.  Wenn man sich seine Vergngenheit ins Gedächtnis ruft, ist es nicht verwunderlich, dass er mit dem Spuk in der Hopfendarre nciths zu tun haben will. Doch Merrily und Al Boswell brauchen seine Hilfe…

Neben dem Spuk geht es auch noch, wie immer bei Rickman, um sehr irdische Verbrechen, diesmal Bauspekulation und Korruption, und die verschiedenen Erzählstränge werden erst ganz am Ende zusammegeführt.

Besonders gut an diesem Band gefällt mir das Auftauchen von Prof Levin und Simon St. John. Mein erster Gedanke beim Lesen Des Klappentextes war: „Super, dann können sie ja mit Lol zusammen Musik machen!“ Sehr interessante Figuren sind auch der Kurator und Gitarrenbauer Al Boswell und seine Frau Sally. Al ist Roma, und obwohl er inzwischen sesshaft geworden ist, ist seine Philosophie immer noch: „Live lightly on the land“, nimm dir also nur so viel, wie du brauchst und sorge dafür, dass es wieder nachwachsen kann. Daran können wir uns auf jeden Fall ein Beispiel nehmen.

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Serious Request – Let’s Hear it for the Babies…

seriousrequest_160Morgen ist der offizielle Beginn der Aktion „Serious Request„: Die drei DJs Giel Beelen, Gerard Ekdom und Michiel Veenstra werden im „Glazen Huis“ (Glashaus) eingeschlossen, wo sie bis Heiligabend gegen eine Spende Platten auflegen und dabei die ganze Zeit fasten. Auf diese Weise macht der Radiosender 3FM zusqammen mit dem Roten Kreuz seit 2004 auf „stille Katastrophen“ aufmerksam, die überall auf der Welt passieren, ohne dass man viel davon mitkriegt. In den letzten Jahren waren das Krankheiten wie AIDS und Malaria, das Schicksal von Flüchtlingen, sauberes Trinkwasser  usw. Dieses Jahr soll Geld gesammelt werden, um die Säuglingssterblichkeit in den Entwicklungsländern zu bekämpfen.

Letztes Jahr kam in Leiden unter Beteilgung von Spendenwilligen aus dem ganzen Land die stolze Summe von € 8.621.004,- für Mütter in Kriegsgebieten zusammen. Die Latte liegt also hoch. Aber Enschede wäre nicht Enschede, wenn sich die Bewohner nicht begeistert dieser Herausforderung stellen würden. Überall schießen Aktionen und Initiativen wie Pilze aus dem Boden: Geführte Wanderungen (von einer Kollegin wie folgt kommentiert: „Was? Da muss man € 7,50 bezahlen und auch noch selber laufen?“), Lesungen, Chorauftritte aller Art, Flohmärkte und vieles mehr.

Auf manche mag das einen etwas chaotischen Eindruck machen („Wir machen halt irgendwas“), aber ich finde diese Vielfalt an Aktivitäten gut. So ist für (fast) jeden etwas dabei, mit dem er die Aktion unterstützen kann, und Kleinvieh macht ja bekanntlich auch Mist. „Mein“ Fitnesstudio z.B. hat letzten Freitag unter dem Motto „Let’s Move it for the Babies“ einen Spezial-Workout angeboten. Ich hatte auch ernsthaft überlegt, mitzumachen, aber da kam mir das Weihnachtsessen mit ein paar lieben Kollegen dazwischen. Ich kann halt nicht aus meiner Haut…

Aber auch für mich gab es eine Möglichkeit, meinen bescheidenen Beitrag zu leisten, nämlich beim „Taartenfestival“ (Kuchenfestival). Eine Kollegin machte mich darauf aufmerksam, dass die Schülerin Annabel Bik noch Kuchenbäcker suchte, deren Werke am 16. Dezember für den guten Zweck verkauft werden sollten. Sofort erklärte ich mich bereit, einen Elsässer Apfelkuchen und einen Brombeerkuchen (mit tiefgefrorenen Brombeeren aus eigenem Garten) zu backen.

Am späten Vormittag brachte ich meine Kuchen zum Restaurant „De 4 Jaargetijden“, wo eifrig aufgebaut wurde. Jeder war etwas nervös, da keiner wusste, ob denn genug Leute kommen würden. Schließlich gibt es in der Adventszeit genug Konkurrenz von Weihnachtsmärkten, dem Dickens Festival in Deventer und zahlreichen anderen Veranstaltungen. Am Ende gab es noch mehr Kuchen als Gäste! Doch das regnerische Wetter ließ uns hoffen.

Als Peter und ich am Nachmittag wieder kamen, wurde deutlich, dass wir uns umsonst Sorgen gemacht hatten. Es herrschte ein Kommen und Gehen, das Restaurant war bis auf den letzten Platz gefüllt und die Kuchen gingen weg wie… na ja, wie frischgebackene Kuchen halt. Leider hatte ich meine Kamera vergessen (dafür könnte ich mich mal wieder in den Hintern beißen), aber auf Twitter finden sich zahlreiche Fotos. Auch wir haben einige leckere Kuchen verkostet, und ven dem Cheesecake hätte ich gern das Rezept. Und der Erlös dieser Aktion kann sich auch sehen lassen: € 1098,78.

Demnächst werde ich sicher noch mehr von „Serious Request“ berichten und Fotos posten.

Kategorien: Ganz "normaler" Alltag, Literarisches und Kulturelles | Schlagwörter: , , , , , , , , , , , | Ein Kommentar

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