Beiträge mit dem Schlagwort: Naturschutzgebiet

Ein neues Abenteuer: Der Trekvogelpad

Ja, ich weiß, ich habe den Pieterpad immer noch nicht beendet, aber es war von der Zeit her immer etwas ungünstig. Jetzt ist es nämlich wieder so weit, dass ich unterwegs übernachten muss, und das will einigermaßen geplant werden. Da es aber ganz ohne Wandern nicht geht, habe ich mit dem 414 Kilometer langen Trekvogelpad (Zugvogelweg) angefangen, der von Bergen aan Zee nach Enschede führt. Allerdings zäume ich auch hier wieder den Gaul von hinten auf und laufe in Gegenrichtung, da es sich das für Tagesausflüge zwischendurch anbietet. Und nach den ersten 90 Kilometern wird es Zeit für einen Bericht.

Tag 1: Why does is always rain on me?

Am 7. März hatte ich unerwartet einen fast freien Tag und wollte mal wieder ein Stück laufen. Also habe ich mit dem Trekvogelpad angefangen, der vom Bahnhof Enschede nach Bergen aan Zee führt. Das erste Stück lief ich also vor allem durch meine eigene Stadt, die ich nun durch die Augen eines Touristen betrachtete.

wegweiser

Die Streckenführung ist ganz geschickt, man geht vor allem durch die etwas netteren Teile der Stadt (den Volkspark, die alte Arbeitersiedlung Pathmos, das Naherholungsgebiet Rutbeek), so dass der ahnungslose Tourist nicht denkt: „Grundgütiger, wo bin ich hier gelandet!“ Versteht mich nicht falsch, ich wohne wirklich gern in Enschede, aber es ist halt kein Amsterdam, Maastricht oder Groningen.

pathmos volkspark2

Das Wetter war am Anfang noch okay, zwar leichter Nieselregen, aber man ist ja nicht aus Zucker, nicht wahr? Beim Rutbeek kam ich an einem Schild mit der Aufschrift „Wij oogsten de zon – Wir ernten die Sonne“ vorbei, das irgendwas mit Sonnenenergie zu tun hat. Gerade in dem Moment fing es auch richtig an zu gießen – the irony of that. Da stand ich also knapp 10 km von zu Hause entfernt im strömenden Regen mitten in der Pampa! Gut, dass ich meinen Regenumhang mithatte.

rutbeek schild

Aber das Naturgebiet Buurserzand ist auch im Regen recht schön, und schließlich gibt es ja kein schlechtes Wetter, nur falsche Kleidung.

buurserzand2

Trotzdem war ich froh, dass bei der Haltestelle Koekoeksbrug schnell ein Bus kam, der mich nach Haaksbergen brachte.

Tag 2: Vier Monate später

Am 11 Juli, also fast genau vier Monate später ging es weiter. Ich fuhr mit dem Bus bis kurz vor Haaksbergen und lief das letzte Stück zur Koekoeksbrug. Natürlich spielte mir mein bekanntes Rechts-Links-Problem mal wieder einen Streich, aber der Schaden hielt sich in Grenzen.

Das Wetter war erst etwas bewölkt, aber es klärte sich bald auf. Ich wanderte durch die Naturgebiete Buurserzand und Haaksbergerveen und stellte mal wieder fest: Twente is onmeunig mooi (Twente ist unglaublich schön).

haaksbergerveen  haaksbergerveen2

Auf einer Bank hielt ich ein Schwätzchen mit dem Gegenverkehr, den es hier auch reichlich gibt – die meisten Leute fangen in Bergen aan Zee an. Und das Restaurant bei der Oostendorper Watermolen hatte sogar geöffnet, so dass ich auch mein Essen fotografieren konnte, wie man das halt so macht.

oostendorperwatermolen stillleben

Als ich allerdings weiterging, trübte es sich wieder ein, und kurz vor der Berkel wurde ich von einem kräftigen Regenguss erwischt. Der Trekvogelpad wird auch „der längste Naturwanderweg der Niederlande“ genannt, und das bedeutet wohl, dass man sich grundsätzlich mitten in der Pampa befindet, wenn es gerade mal gießt. Man kann also stehenbleiben und nass werden oder weitergehen und nass werden. Ich entschied mich für letzteres, schlurfte am Berkelufer entlang und fragte mich mal wieder: „Why does it always rain on me?“

berkelimregen

Irgendwann ließ der Spuk jedoch nach, und ich konnte noch vor der Bushaltestelle in Eibergen das Regenzeug wegpacken.

Und einen netten Straßennamen habe ich auch entdeckt: Krakeelsweg.

Tag 3: Auch am Trekvogelpad gibt es schönes Wetter

Diesmal ging es sogar recht schnell weiter, nämlich am 15. Juli. Zuerst sah es nach einem Pechstag aus, denn obwohl ich pünktlich an der Bushaltestelle war, meldete meine App, dass der Bus schon weg war. Trotzdem beschloss ich, noch ein paar Minuten zu warten, und siehe da, er kam doch noch! Es wäre auch sonst etwas ärgerlich gewesen, denn am Wochenende fährt der Bus nach Eibergen im Stundentakt.

In Eibergen lief ich durch den hübschen Ortskern, wo ich schon auf den ersten Gegenverkehr traf. Dann wurde die Gegend wieder sehr ländlich.

bauernhof waldweg

Im Wanderführer stieß ich auf die Anmerkung, dass die Route eventuell anders geführt werden könne, da dort die neue Bundesstraße N18 gebaut wird. Natürlich hatte ich mal wieder verbummelt, im Internet nach Updates zu schauen, aber das war auch gar nicht nötig. Am Samstag wurde nicht gebaut und ich konnte gemütlich zwischen zwei Bauzäunen hindurch den Markierungen folgen.

bauzaun

Der Weg führte mich durch einen Park, der im klassizistischen Stil angelegt ist und in der Mitte einen sternförmigen Teich, den „Waterster“ (Wasserstern) hat.

waterster slinge

Nach einer Pause am Flüsschen Slinge ging ich weiter bis zum Schloss Ruurlo, dem „Treppenhaus“ aus dem Jugendbuch „De Zevensprong“ (auf Deutsch „Das Geheimnis des siebten Weges“) von Tonke Dragt und der gleichnamigen Fernsehserie. Die älteren Semester unter uns erinnern sich vielleicht. Seit ein paar Wochen beherbergt das Schloss ein Museum mit Werken des Künstlers Carel Willink (1900 – 1983), einem Vertreter des magischen Realismus. Dies werde ich mir auf der nächsten Etappe näher anschauen.

schlossruurlo

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Sand, See und Geschichten auf Ameland

 Da es etwas gedauert hat, bis ich wieder zum Posten gekommen bin, teile ich den letzten Bericht, damit er nicht zu lang wir. Weiter unten steht also noch etwas.

Irgendwann im Lauf der Nacht oder am Morgen hatte wieder eine Zeltstange den Geist aufgegeben, ohne dass wir es bemerkt hatten. Es ist ein Kreuz mit den Dingern. Gut, man kann sie mit einem Extraröhrchen reparieren, aber das kann ja nicht ewig so weiter gehen! Da es sowieso nieselte, beschlossen wir, in Nes nach einer Lösung zu suchen und die Ortschaft zu erkunden. In einem Outdoorladen fanden wir einigermassen passende Stangen, die wir noch zurechtsägen müssen. Aber das machen wir dann auf dem Festland.

Dann besuchten wir das Naturmuseum, in dem man viel über die Flora und Fauna der Insel und ihr Verhältnis zur See erfahren kann. Vieles ist gut gemacht, aber meiner Meinung nach haben sie zu viele Computerbildschirme, die Information über die einzelnen Pflanzen und Tiere geben. Ein bisschen interaktiv ist ja ganz schön, aber wenn man zu jedem Lebewesen erst mal sechs verschiedene Ikone anklicken muss, wird das doch ein bisschen viel. Sehr gut gefiel mir die Sonderausstellung „Dichter bij het Wad – Dichter am Watt“ mit See- und Wattfotos von Ellen Floris und Gedichten zu diesen Fotos von Chris Boon.

In den nächsten Tagen besichtigten wir den Rest der Insel: Die Ortschaften Ballum und Hollum im Westen, und Buren sowie das Landschaftsschutzgebiet Het Oerd im Osten. Irgendwie scheint die Zeit auf der Insel ein eigenes Tempo zu haben: Die Entfernungen sind nicht gross, und man kommt sowieso nicht weit, wozu also die Eile? Daran könnte ich mich glatt gewöhnen.

 In Hollum erklommen wir den Leuchtturm, wo sich auf verschiedenen Stockwerken Ausstellungen befinden: Modellleuchttürme aus aller Welt, Seekarten und sonstiges Material. Auch die verschiedenen Blinksingale der Türme auf den Watteninseln werden demonstriert. Bisher hatte ich noch gar nicht darüber nachgedacht, dass jeder Leuchtturm sein eigenes Signal hat, aber logisch ist es natürlich.

Dann besuchten wir die Reformierte Kirche, wo uns der Küster unter anderem erklärte, warum sie zweifarbig ist: Man hatte die roten Steine der Kirche, die früher dort stand, wieder verwendet. Da das heutige Gebäude aber grösser ist, reichten diese nicht aus, so dass eine Wand aus gelben Steinen gebaut wurde. Interessant ist auch, dass für das Kirchengebäude die Kirche selbst verantwortlich ist, während der Turm als ehemaliges Seezeichen unter die Verantwortlichkeit der Gemeinde fällt. Die Türme in Ballum und Nes, auch Seezeichen, sind komplett freistehend.

 Wir bewunderten die Aussicht vom Ballumerblinkert aus, wo man sowohl die Nordsee als auch das Wattenmeer sehen kann und statteten dem Deichwächterdenkmal einen Besuch ab. Überall wird deutlich, wie sehr die See den Alltag beherrscht.

 Wenn man in Richtung Osten nach Het Oerd fährt, werden die Dünen rauher und die Landschaft wilder. Vom Oerdblinkert (24 m über dem Meeresspiegel) hat man eine tolle Aussicht über das Wattenmeer und das Vogelschutzgebiet De Hon, das man nicht betreten darf. Die Schutzhütte am Fuss dieser Düne ist seit ein paar Jahren ein beliebter Ort für Trauungen.

In Buren besuchten wir das Strandgutmuseeum, wo man eine Menge über das Strandgutsammeln erfahren kann. Früher war das angeschwemmte Strandgut oft notwendig zum nackten Überleben, heute ist es mehr ein interessantes Hobby. Einmal kam eine Riesenladung Holzbalken angespült und einmal ein Container mit Druckern, die aber leider nicht mehr brauchbar waren.

 In Buren befindet sich auch das Denkmal der Strandräuberin Rixt van het Oerd, einer sehr armen Frau. Die See gab ihr im Lauf der Jahre immer weniger, und so beschloss sie eines Tages, etwas nach zu helfen und mit ihrer Sturmlaterne die Schiffe in die Irre zu leiten. Als wieder einmal ein Schiff gestrandet war, ging sie im Morgengrauen dort hin, um das Strandgut zu inspizieren. Da fand sie die Leiche eines jungen Mannes: Es war ihr Sohn Sjoerd (sprich „Schuurd“), der ausgerechnet auf diesem Schiff Matrose war. Laut schreiend verschwand Rixt in den Dünen und ward nicht mehr gesehen. In stürmischen Nächten hört man sie noch wehklagen: „Sjoe-oerd! Sjoe-oerd!“

 Natürlich machten wir auch eine Menge Strandspaziergänge – an dieser Stelle noch einen lieben Gruss an Aufwind:

Bei einem dieser Spaziergänge erfuhren wir auch, wo die improvisierten „Bänkchen“ bei der Bank an unserem Dünenaufgang herkommen. Ein alter Mann hatte sich selbst ein solches Bänkchen gebaut, und als er später wieder kam, stand ein zweites daneben, und beim nächsten Mal ein drittes. Jetzt hat er dort zusammen mit ein paar anderen älteren Herren eine Art Stammtisch.

 An unserem letzten Abend kamen die Bewohner des Wohnwagens neben unserem Zelt an: Zwei Frauen und zwei junge Mädchen. Die Mädel brachten ein noch original verpacktes Zelt mit und versuchten, es aufzubauen. Es gab keine Gebrauchsanweisung und es wurde auch schnell deutlich, dass sie so etwas noch nie getan hatten: „Ich glaub, diese Haken müssen in den Boden.“ – „Die Stange ist falsch drin, die muss wieder raus.“ – „Willst du mich verarschen?“ – „Wenn du das doch nicht raffst!“ Das Ganze hatte Unterhaltungswert, aber nach einer Weile halfen wir den beiden und wurden von den Frauen im Wohnwagen zu einem „Nobeltje“, einem leckeren Likörchen aus Ballum, eingeladen.

Kategorien: 2011 - Radtour | Schlagwörter: , , , , , , , , , | 3 Kommentare

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