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Overijssels Havezatenpad: Etappe 5 und 6 (Ommen – Zwolle)

Im letzten Jahr war ich ja bis Ommen gekommen, und eines schönen Tages im Juli fand ich, dass es Zeit war, um weiter zu gehen, und zwar von erst mal von Ommen nach Dalfsen. Aber es kam etwas anders…

Im öffentlichen Nahverkehr ist ja bei uns Maske vorgeschrieben, und selbstverständlich habe ich auch eine, sogar eine sehr schicke, wie ich finde.  Bei mancen Leuten scheint die Maske inzwischen ein Fashion-Statement zu sein. Mein Highlight war ein junger Mann, Typ südländischer Schönling mit bis zum Bauchnabel offenen Hemd im Leopardenprint mit passender Maske.

Openbaar vervoer Openbaar vervoer2

In Ommen angekommen lief ich mal wieder ein Stückchen über den Pieterpad, da ich das Stück Havezatenpad vom Bahnhof Richtung Stadt letztes Jahr schon gelaufen bin. Dann allerdings stellte ich fest, dass mein alter Wanderführer nun wirklich nicht mehr aktuell ist. Bis letztes Jahr wurde er auf der Website aktualisiert, aber jetzt ist ein neuer rausgekommen, und einiges ist schon sehr anders. Ich hatte gedacht, für die paar Etappen lohnt sich der neue nicht, aber war wohl nix. Unterwegs sah ich einen Sticker „Route geändert“, aber welche? In Ommen treffen sich drei Fernwanderwege, der Pieterpad, der Havezatenpad und der Maarten-van Rossum-Pad.

Kruispunt van 3 LAWs Afstand houden

Also versuchte ich es auf gut Glück, musste jedoch nach einer Weile feststellen, dass es echt nicht klappt. Bei der Sucherei wäre ich wohl morgen noch unterwegs. Nach ca. 7 km beschloss ich, mit dem Bus zurück zum Bahnhof zu fahren. Da der angekündigte Bus nicht kam, durfte ich also auch noch zurück latschen. So wurde die geplante Strecke ein Rundgang (nl. ommetje) um Ommen. Auch schön.

Ommen Ommen2

Zu Hause angekommen trabte ich sofort reumütig in die Buchhandlung, um mir die neue Ausgabe zu besorgen. Damit müsste es eigentlich beim nächsten Versuch klappen.

Vier Wochen später, als die sehr hochsommerlichen Temperaturen etwas moderater geworden waren, unternahm ich den nächsten Versuch. Die Route war tatsächlich drastisch geändert worden, anstatt durch das Zentrum und dann hintenrum Ost ging es jetzt an der Vecht entlang. Auf dem Campingplatz am anderen Ufer suchten viele Letue Erfrischung im Fluss. Ich kam an ein paar Steinen vorbei, über die man eine Senke durchqueren konnte, doch der Boden war so trocken, dass man einfach durchlatschen konnte. In anderen Jahreszeiten dürfte es aber eine ziemliche Matschpartie sein.

Vecht Stepping Stones

Unterwegs boten diverse Bänke Gelegenheit zum Rasten  und Rucksackfies machen, aber ich werde sie hier nicht alle posten. Außerdem konnte ich zwischendurch bei einem biologischen Hühnerhof und einem Campingplatz meine Wasserflaschen nachfüllen, bei diesen Temperaturen kein überflüssiger Luxus.

Rucksackfie Hühnerhof

Nach einer Weile erreichte ich die Schleuse von Vilsteren mit Fischtreppe, die vor allem vom Aland, einer Karpfenart, genutzt wird. Die Schleuse wird übrigens noch von Hand betrieben.

Vilsteren - Fischtreppe Vilsteren - Schleuse

Dann erlaubte ich mir, die Route ein bisschen zu verändern, so dass ich mehr im Schatten gehen konnte. Dass sie dabei auch etwas kürzer wurde, könnte den Blutdruck der Wanderwegpuristen etwas in die Höhe treiben, aber angesichts der Temperaturen ist das vertretbar, finde ich. Solange ich mich an die „connecting footsteps“ halte …

Ich kam am Landgut Rechteren vorbei und erreichte schließlich den Bahnhof.

Rechteren

Nach einem kurzen Blick auf das Stadtzentrum und ein Kunstwerk trank ich noch ein Radler, bevor ich nach Hause fuhr.

Dalfsen 2 Dalfsen

Am nächsten Tag ging es weiter. Es war angenehm bewölkt, doch beim Bahnhof in Dalfsen versammelten sich mehrere Wanderer, die – wie ich – an der geschlossenen Bahnschranke warten mussten. Hoffentlich verlief sich das bald, ich bin nunmal kein Rudeltier!

Dalfsen 3

Nach einer kurzen Weile bog die Gruppe ab und ich ging geradeaus weiter, da ich mir Landgut Den Berg von vorne anschauen wollte. Ich sollte sie an diesem Tag noch dreimal sehen. Aus den diversen Briefkästen vor dem Herrenhaus schloss ich, dass hier wohl mehrere Parteien wohnen.

Den Berg 2 Den Berg

In der Nacht hatte es hier kräftig geregnet, im Wald standen sogar noch Pfützen auf dem Weg. Es wurde auch langsam wieder Zeit, die letzten Wochen waren recht heiß und trocken gewesen. Auf einer Bank im Schatten machte ich Pause. Ein junges Paar mit zwei Kindern von etwa drei und vier Jahren kam vorbei. Die Kinder zählten begeistert die Kühe auf der Weide und fischten dann einen langen Ast aus dem Gebüsch, den sie gemeinsam weiter trugen. Ich fragte sie, ob sie ihn mit nach Hause nehmen würden. Der Vater winkte entsetzt ab, die Mutter lachte. Als ich eine Weile später weiterging, sah ich nach der nächsten Biegung den Ast liegen. Da hatten sie ja ein ganzes Stück durchgehalten. Als ich sie einholte, zogen sie gerade wieder einen Ast aus dem Gebüsch. Ich sagte zur Mutter: „Ich seh schon, sie haben wieder einen neuen.“ Die Mutter: „So geht das schon die ganze Zeit.“ Aber sie schienen eine Menge Spaß zu haben.

Nach einer Weile erreichte ich das Landgut De Horte, wo seit 1973 die Organistation Landschap Overijssel residiert. Nicht schlecht, Herr Specht. Im Garten gönnte sich die Truppe vom Bahnhof eine ausgiebige Ruhepause.

De Horte De Horte 2

Nachdem ich Haus und Garten bewundert hatte, zog ich weiter.In einem verwilderten Vorgarten grasten Schweine und Hühner.

Schweinderl

Kurz vor dem Naherholungsgebiet Wijthmenerplas (sprich Wietemerplas) kam ich bei einer Banksitzgruppe vorbei, wo ich mir eine Pause gönnte und meine Füße auslüftete. Schon bald zog fröhlich winkend die Truppe vom Bahnhof wieder vorbei.

Der Wijthmenerplas ist ein riesiger Baggersee mit vielen einzelnen Nischen, wo man schwimmen, Boot und Wasserski fahren und in der Sonne liegen kann. Es war lange nicht so voll wie ich angesichts des Wetters gedacht hatte, es verläuft sich.

Wijthemerplas 2 Wijthemerplas

Ab hier folgte ich nicht mehr der Route in meinem Führer, sondern der Variante auf der Bahn-Website, so dass ich nicht zweimal die gleichen vier Kilometer zum Bahnhof Zwolle und zurück gehen muss. Am Golfplatz und einem Kanal mit Hausbooten  vorbei ging es in Richtung Stadtzentrum, wo hinter dem Provinciehuis tatsächlich eine Kermis stattfand. Beim Kanal begegnete ich zum letzten Mal der Truppe vom Bahnhof.

Zwolle Golfplatz Zwolle Kanal

Zwolle ist eine alte Festungsstadt, und das Zentrum hat immer noch seinen sternförmigen Grundriss und ist von einem Wassergraben umgeben. Dort wurde auch gepaddelt und Eis verkauft – von einem Boot aus.

Zwolle Eisboot

An dem beeindruckenden Stadttor Sassenpoort vorbei ging ich zum Bahnhof, wo ich mir einen riesigen Pistazienmilkshake reinzog und dann gemütlich mit dem Zug nach Hause gondelte. Es waren wieder sehr schöne Wanderungen, und bald möchte ich noch ein Stück weiter gehen.

Zwolle Sassenpoort

 

 

 

 

 

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Und wieder ist ein Jahr vorbei – Jahresrückblick 2019

So ein Jahr vergeht schnell, und wieder ist es Zeit, das letzte Jahr Revue passieren zu lassen. Der Fuß machte in diesem Jahr immer noch Fortschritte, d. h. plötzlich gingen Sachen wie das Betreten der Galerie in meinem Arbeitszimmer über die recht schmale Leiter, zum Zug sprinten und dergleichen wieder. Eine Kollegin, die sich vor einigen Jahren eine ernsthafte Knieverletzung zugezogen hatte, konnte dies bestätigen – so ein Heilungsprozess dauert halt.

Was war das Beste für Dich an diesem Jahr?
Dass es mal wieder ein recht normales Jahr ohne allzuviel Gedöns war. Manche Dinge braucht man einfach nicht.

Hast Du 2019 etwas gemacht, das Du noch nie zuvor gemacht hast?
Nichts Spektakuläres, auf jeden Fall bis jetzt. Aber seit einigen Jahren bin ich Mitglied bei der Organisation „Vrienden op de fiets (Freunde auf dem Fahrrad)“, wo man zu einem günstigen Preis in Privathaushalten übernachten kann. Beim Pieterpad habe ich das des Öfteren getan, und jetzt sind wir selbst Gasthaushalt geworden. Wir hatten zwar bisher zwei Anfragen, die wir jedoch nicht annehmen konnten, weil wir dann selbst nicht da waren, aber vielleicht wird es nächstes Jahr besser.

Hast Du all Deine guten Vorsätze aus dem Vorjahr beherzigt?
Auf dem Overijssels Havezatenpad bin ich ein ganzes Stück weitergekommen, ungefähr 125 km, beim Trekvogelpad waren es etwas weniger, nämlich 37. Daneben habe ich ein paar kleinere Wanderungen auf der Runde von Enschede, dem Hanzestedenpad und dem Twentepad gemacht. Das Loswerden der Frustkilos und der Verbessern der Kondition hätte besser gehen können, aber das geht nächstes Jahr ja auch noch.

Hast Du gute Vorsätze für das nächste Jahr?
Dasselbe wie im Jahr davor, nämlich weiterhin regelmäßig wandern gehen, vor allem auf dem Overijssels Havezatenpad und dem Trekvogelpad. Einen der beiden würde ich auch ganz gern zu Ende laufen, aber das ist vielleicht ein bisschen zu ehrgeizig.

Welche Länder hast Du 2019 besucht?
Deutschland, Frankreich, Belgien und Irland.

Was möchtest Du 2020 haben, was Du 2019 nicht hattest?
Eine Badewanne (siehe unten).

Welches Datum aus 2019 wirst du nie vergessen?
Kein bestimmtes Datum, aber eine schöne Reise auf die grüne Insel.

Was war Dein größter Erfolg 2019?
Dass ich den ganz normalen Alltag einigermaßen überstanden habe.

Welches war Dein größter Fehler?
Keine größeren Fehler, das übliche Kleinzeugs und diverse Fehleinschätzungen halt.

Hast Du eine Krankheit oder eine Verletzung gehabt?
Im Januar eine Grippe, gepaart mit einem hartnäckigen Husten, der mir mehrere Wochen treu blieb. Ansonsten die üblichen Zipperlein.

Was war das Beste, was Du gekauft hast?
Diverse Bücher, in elektronischer und in Papierform.

Wessen Verhalten erschreckt Dich oder macht Dich traurig?
Diesmal das der zahlreichen AfD-Wähler in Thüringen. Das verheißt wenig Gutes.

Wofür ging das meiste Geld drauf?
Wir haben die Terrasse und den Vorplatz neu herrichten lassen. Schon nach zwei Tagen sah es so ordentlich aus, dass sich einige Kursteilnehmer fragten, ob sie vor dem richtigen Haus standen. Und die Irlandreise war auch nicht gerade billig.

Worüber warst Du so richtig aus dem Häuschen?
Vielleicht über die wunderschönen Ausblicke bei unserer Irlandreise. Bei Aussichts-punkten haben wir ja normalerweise Pech, entweder regnet es oder es herrscht dicker Nebel.

Welches Lied wird Dich immer an 2019 erinnern?
Im Zusammenhang mit besagter Irlandreise „Galway Girl“ von Ed Sheeran. In Galway hat es auch diesmal wieder geregnet.

Verglichen mit 2018, warst du im Jahr 2019

…glücklicher oder unglücklicher?
Glücklicher, es ging mir ja wieder deutlich besser.

… reicher oder ärmer?
Um einiges reicher, das letzte Jahr war ja in dieser Hinsicht nicht ganz so der Brüller. Wir haben auch gleich ein neues Badezimmer bestellt, mit seniorenfreundlicher Badewanne. Gemacht werden soll das Ganze nächstes Jahr im April. Schaun mer mal.

Wovon hättest Du lieber mehr gemacht?
Gewandert natürlich, und gebloggt, wie auch letztes Jahr. Die Ideen habe ich ja, aber mit der Umsetzung hapert es des öfteren.

Wovon hättest Du lieber weniger gemacht?
Nichts, des basst scho.

Wie hast Du Weihnachten verbracht?
Am Heiligabend hatten wir Frühschicht in der Synagoge, wo es gleich mal Geburtstagstorte gab. Die hatte aber nichts Christi Geburt zu tun. Abends hat unser Chor in der Christmette gesungen, wo wir fast ausgeräuchert wurden. Der Pastor findet Weihrauch nunmal so schön. Hätten die Drei Könige dem Kind nicht was anderes mitbringen können, z. B. Glühweingewürz? Die restlichen Feiertage ruhig mit Spaziergängen und dergleichen.

Hast Du Dich 2019 verliebt?
Alles wie gehabt.

Welches war Deine Lieblingssendung im Fernsehen?
„Sterren op het doek“, bei dem drei Künstler jeweils einen Promi malen, während der Moderator (in dieser Saison Kolumnist Özcan Akyol, den ich sehr gern lese) sie interviewt.

Hast Du jemanden oder etwas hassen gelernt?
Nö, hassen finde ich immer noch zu viel gesagt. Gelegentlich rege ich mich über jemanden auf, aber wer tut das nicht?

Welches war das beste Buch, das du 2019 gelesen hast?
Am amüsantesten fand ich diesmal „Gray“ von Leonie Swann (die mit den Schafskrimis). Diesmal ist der Held allerdings ein Graupapagei, der einem recht weltfremden Professor aus Cambridge bei der Aufklärung eines Mordes hilft. Da das Tier auch noch recht musikalisch ist, gibt’s einen Ohrwurm inklusive: „Ra ra ranana, ga ga ulala, we’re in a bad romance …“

Was war deine größte musikalische Überraschung 2019?
Der Opern- und Musiclasänger Henk Poort. Wir entdeckten ihn bei dem Fernsehprogramm „Beste Zangers“, wo verschiedene Sänger das Repertoire der jeweils anderen singen. Mir ging es dabei so ähnlich wie einem Kommentator auf YouTube: „I watched it for Floor Jansen and I discovered Henk Poort“. Nur war ich eher zufällig in das Programm gestolpert und fand Floor Jansen, die stimmgewaltige Frontfrau der finnischen Metalband Nightwish, interessant genug, um die Folge, die ihr gewidmet war, anzuschauen. Und während die anderen Teilnehmer eher auf safe spielten und eher Balladen coverten, die irgendwann mal für Floor wichtig waren, wagte sich Henk Poort am weitesten aus seiner Comfort Zone und sang die Disturbed-Version von „Sound of Silence“. Später sang er zusammen mit Floor „The Phantom of the Opera“, ein Duett, das einen aus den Socken haut! Aber am schönsten finde ich seine Interpretation von „Vincent“ in der niederländischen Übersetzung von Martine Bijl. Schon der Satz „En in die warme zomernacht heb je het eindelijk opgebracht wanhopig van de wereld weg te gaan“ ist mehrerer Literaturpreise würdig.

Was hast Du Dir gewünscht und auch bekommen?
Dass sich die Auftragslage gegenüber dem letzten Jahr wieder stabilisiert hat.

Was hast Du Dir gewünscht und nicht bekommen?
Hier wiederhole ich den Satz vom letzten und vorletzten Jahr: Eigentlich nichts, ich wünsche mir nicht mehr so viel, sondern versuche mich über die Dinge zu freuen, die meinen  Weg kreuzen.

Welches war Dein Lieblingsfilm in diesem Jahr?
Downton Abbey – what else?

Was hast Du an Deinem Geburtstag getan und wie alt bist Du geworden?
Nichts besonderes, wir haben in aller Ruhe zu Hause gefeiert. Und ich bin wieder etwas älter, wenn auch nicht unbedingt weiser geworden.

Welche eine Sache hätte Dein Jahr zufriedenstellender gemacht?
Eine Badewanne, die fehlt mir schon eine ganze Weile.

Was hielt Dich gesund?
Das weiß ich nicht genau, vielleicht Glück?

Erzähle uns eine wertvolle Lebenslektion, die Du in diesem Jahr gelernt hast!
Dieselbe wie im letzten Jahr: Es kommt, wie es kommt, und manchmal braucht es sehr viel Geduld.

Auf was freust Du Dich im Jahr 2020?
Unser neues Badezimmer (einschließlich seniorenfreundlicher Badewanne), neue Wanderungen und vieles mehr.

Und nun lasse ich dieses Jahr etwas nachdenklicher mit „Vincent“, gesungen von Henk Poort ausklingen und wünsche euch allen ein gutes, gesundes und glückliches Jahr 2020.

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Overijssels Havezatenpad: Etappe 5 und 6 (Rijssen – Ommen)

Eigentlich hatte ich die beiden Etappen schon im August zurückgelegt, aber man kommt ja zu nix! Auch diesmal bin ich zwei Etappen in drei Tagen gelaufen.

Ich fuhr wieder mit der Bahn nach Rijssen, wo ich erst auf die Suche nach dem Landgut Oosterhof ging, das ich beim letzten Mal ja verfehlt hatte. Die Strecke vom Bahnhof auf die Route war einigermaßen gut markiert und führte durch den Volkspark, wo auch einige Stationen des Weltzeitpfades sind. Dieser führt von Rijssen nach Holten, und auf dem Pieterpad hatte ich ein Stück des anderen Endes gesehen. Außerdem kam ich an einem Gehege mit Pfauen uns sonstigem Getier vorbei. Grundgütiger, die Viecher machen einen Krach!

Dann kam ich übe eine idyllische Brücke zum  Gutshaus Oosterhof, das auch das Museum von Rijssen und das Feuerwehrmusem beherbergt. Es hatte zwar noch nicht geöffnet, aber immerhin standen ein paar Feuerwehrautos in der Einfahrt.

Inzwischen befand ich mich wieder auf der Route, aber in welche Richtung musste ich jetzt? Meinem untrüglichen Instinkt folgend ging ich erst in die falsche, aber zum Glück merkte ich meinen Irrtum schnell. Bei Premiumwetter ging es an der Windmühle Pelmolen vorbei, wo auch Bootsfahrten angeboten werden. Der Weg führt wieder am Wasser entlang, und es ist sicher gut, dass es eine Wegmarkierung nach rechts gibt, bevor man geradeaus in den Bach latscht.

Unterwegs sah ich noch einige kuriose Dinge. Der Fußweg führte unter einer Brücke mit variabler Durchgangshöhe hindurch, die Holzbohlen bewegten sich also mit dem Wasserstand. Dieser war zum Glück nicht so hoch, sonst wäre es eng geworden. Dann musste ich über einen Zaunübertritt auf eine Weide, die so matschig war, dass ich beschloss, barfuß weiterzugehen. Die Weide wird von einem Bach durchquert, durch den man über drei Steine muss. Diese stehen jedoch etwas schief, so dass ich befürchtete, das Gleichgewicht zu verlieren und mit Rucksack und allem im Wasser zu landen. Also prüfte ich vorsichtig, wie tief der Bach ist (knapp knietief) und ging hindurch. Danach lief ich ein ganzes Stück barfuß auf einem Feldweg weiter, bis meine Füße wieder trocken waren – Mindfulness purst!

Außerdem passierte ich das Gehöft Rectum, das tatsächlich recht weit draußen liegt.  Am Wegesrand wurden gelegentlich leckere Dinge feilgeboten, wie zum Beispiel Kürbisse oder Marmeladen. Gut, Kürbissuppe könnte ich gelegentlich mal wieder machen, aber einen Kürbis etliche Kilometer mitzuschleppen ging mir doch etwas weit. Und Marmelade hatten wir noch genug.

Nach einer Weile ging es durch das Naturgebiet Wierdense Veld, wo Schafe aller Art grasten und die Heide fröhlich blühte. Es war recht warm, und so freute ich mich über einen Ruhepunkt (rustpunt) unterwegs, wo ich mir ein Eis gönnte, bevor ich zum Bahnhof Nijverdal ging und den Heimweg antrat.

Am nächsten Tag ging es von Nijverdal aus weiter. Dort kam ich an einer Textilfabrik vorbei durch eine verwunschene Gasse. Schon bald hatte ich die Ortschaft verlassen und war draußen am Wasser.

Nach einigen wunderschönen Kilometern an der Midden Regge entlang erreichte ich den ehemaligen Gutshof Schuilenburg, von dem nur noch die Scheune übrig ist. Diese tut jetzt Dienst als „Sagenscheune“ und wird von einem Ritter bewacht, dessen rechter Arm abgebrochen ist und hinter ihm auf dem Boden liegt. Ein wahrlich armer Ritter.

Das Wetter war wohl ideal zum Angeln, und ich entdeckt auch ein nettes Schild mit der Aufschrift: „Manchmal wollte ich, dass ich ein Fisch wäre, dann hätte ich immer was zum Saufen.“ Nette Gegend hier.

Die letzten Kilometer ging ich anhand von Fahrradknotenpunkten zur Bushaltestelle in Noord-Meer, von wo aus ich den Heimweg antrat.

Eine Woche später ging es dann weiter. Von Nord-Meer aus erreichte ich schnell wieder die Route. Ich kam am Schloss Eerde vorbei, von dem ich aus unerfindlichen Gründen kein Foto habe. Vielleicht habe ich aus Versehen mal zu gut aufgeräumt, denn ich bilde mir ein, noch um das Schloss rumgelaufen zu sein. Aber dafür habe ich ein paar vom Pfadfindercampingplatz Eerde, wo die Zeltwiesen so nette Namen haben wie „Birkenfeld“, „Vogelweide“ oder „Bei der Buche“. Auf dem Feld „Wespenlust“ möchte ich mein Zelt aber lieber nicht aufstellen.

Dann erreichte ich das Steile Oever, wo ich auf einer Bank eine Semmel und die Aussicht über den Fluss genoss. Es geht da schon recht steil runter.

Bald darauf kreuzte sich der Havezatenpad mit dem Pieterpad. Am 1. Dezember 2016 war ich also schon mal an dieser Stelle.  Damals steckten wir gerade mitten im Umzug – wie die Zeit vergeht.

Ich folgte der Route weiter nach Ommen, wo ich noch am Landgut Het Laer vorbeikam. Dieses Landgut verfügt auch über einen Eiskeller, in dem jetzt Fledermäuse hausen, die allerdings erst bei Einbruch der Dunkelheit aktiv werden.

So bin ich also wieder ungefähr 65 km weiter gewandert und dieses Jahr noch bis Ommen gekommen. Das reimt sich, und was sich reimt, ist wahr (Pumuckl).

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Overijssels Havezatenpad: Etappe 3 und 4 (Delden – Rijssen)

Diese beiden Etappen wanderte ich über drei Tage verteilt, da 35 und 28 Kilometer schlichtweg zu lang sind, auch wenn es meinem Fuß wieder besser geht. Der erste Teil, von Delden zum Wiener Benteler Scheidingsweg, war sowieso eine Art Nagelprobe, da sich die erste Bushaltestelle bei acht Kilomtern befand, und die zweite erst bei 20. Dazwischen gab es nichts. Immerhin war Peter an diesem Tag zu Hause und könnte mich notfalls abholen, aber ich würde es halt auch gerne so schaffen.

Also fuhr ich am längsten Tag des Jahres mit dem Zug nach Delden, wo ich voriges Jahr aufgehört hatte. Der Weg führte nicht durch die Ortschaft selbst, sondern am Zentrum vorbei Richtung Landgut Twickel. Hier müsste man eigentlich die Route in Gegenrichtung laufen, so dass man sich auf das Schloss zubewegt.

Twickel

Eine Weile ging es gemütlich am Wasser entlang an der Noordmolen, einer restaurierten Ölmühle, vorbei.

Twickeler Vaart Noordmolen

Unterwegs grasten Pferde und Kühe, und ein Bauer verkaufte nicht nur Marmelade und dergleichen, sondern man konnte dort auch Bücher tauschen. Die Wespe, die mich dort unter dem Auge gestochen hatte, hätte es allerdings nicht gebraucht.

Boekenkast Landschap

Nach einer Weile erreichte ich das Pfannkuchenrestaurant Markenrichter. Nach meiner Erfahrung in Rheeze am Pieterpad hatte ich diesmal die Öffnungszeiten vorher überprüft und konnte mir einen leckeren Pfannkuchen einverleiben und meine Wasserflaschen nachfüllen.

Pannenkoek

Dann ging es weiter zur Bushaltestelle, wo der Bus allerdings so nah an den Rand fuhr, dass ich fast im Graben gelandet wäre. Trotzdem war es ein schöner Tag, und ich war rechtschaffen stolz, dass ich die 20 Kilometer geschafft hatte.

Gut sechs Wochen später, als die Temperaturen mal wieder etwas weniger sommerlich waren,  ging es dann weiter. Das Aussteigen aus dem Bus erwies sich als nicht ganz so gefährlich, oder vielleicht war ich einfach vorgewarnt?

Auf dem ersten Teil der Strecke wimmelte es nur so von Schlössern und Landgütern. Erst ging es an Huize Wegdam und wenig später Schloss Weldam vorbei.

Wegdam Weldam

Dann näherte ich mich dem Landgut Het Nijenhuis, und die Route führte praktisch dreiviertel um das Gebäude herum, so dass ich es von mehreren Seiten bewundern konnte.

Nijenhuis Nijenhuis2

Um Diepenheim herum gibt es sogar so viele Schlösser, dass die Straßenschilder Richtung „Huis te Diepenheim“ und „Overige kastelen (Weitere Schlösser)“ anzeigten. Am Huis te Diepenheim kam ich auch vorbei, aber Schloss Warmelo hätte einen Umweg bedeutet, zu dem ich an diesem Tag keine Lust hatte. Nicht nur bei Huis te Diepenheim mit den grasenden Gänsen, auch bei den Waldwegen konnte man sehen, wie trocken es in der letzten Zeit gewesen war.

Diepenheim Waldweg

Doch plötzlich war es vorbei mit dem schönen Wetter und der Himmel öffnete seine Schleusen. Aber ich gönnte der Natur den Regenguss, und es gibt ja auch kein schlechtes Wetter, nur falsche Kleidung, und so stapfte ich in meinem Umhang weiter.

Regen Regen2

Ich kam noch an dem Herrenhaus Westervlier vorbei, wo man angeblich Wegegeld bezahlen musste. Aber von mir wollte niemand etwas, und so schlurfte ich weiter meines Weges.

Westervlier Weggeld

Beim Restaurant De Viersprong hätte ich eigentlich zum Schipbeek abbiegen und meinen Weg am Ufer fortsetzen sollen. Aber im Regen am Wasser entlang wandern ist nicht wirklich ein Vergnügen, also beschloss ich, hier den direkten Weg nach Markelo zu nehmen, wo ich sowieso in den Bus nach Hause einsteigen wollte.

Am nächsten Tag regnete es erst mal nicht, dafür wehte ein frisches Lüftchen, und zwar genau in die Richtung, in die ich wollte. Das erste Stück ging also recht flott. Und am Wegesrand blühten Blumen neben dem Mais, sehr schön.

Akkerrand Lüftchen

Danach ging es eine Weile über Sandwege durch die Borkelder Heide, die entgegen aller Erwartungen trotz der Trockenperiode wunderschön blühte.

Heide

Zwischendruch regnete es mal wieder, aber diesmal waren es eher kürzere Schauer. Gelegentlich war es etwas schwierig, die Markierungen zu finden, da mein Wanderführer nicht mehr ganz auf dem neuesten Stand war und ich wohl nicht alle Updates im Internet erwischt hatte. So kam es, dass ich im Wald mal wieder falsch abbog und mich unversehens auf einer Mountainbike-Strecke wiederfand. Nichts wie weg, denn wenn da ein ganzes Rudel ankommt, gibt es eine Katrastrophe! Zum Glück konnte ich die Spur nach relativ kurzer Zeit wieder verlassen, kam aber dummerweise da wieder aus dem Wald heraus, wo ich hineingegangen war. Eine Wiederholung des Experiments schien mir nicht gerade erstrebenswert, und so fragte ich zwei Radfahrerinnen, in welcher Richtung Rijssen lag und ging um den Wald herum.

Auf diese Weise erreichte ich nach einer Weile den Ortsrand von Rijssen und ging durch ein endlos scheinendes Wohngebiet ins Zentrum, das mir aber nicht besonders gut gefiel, eine Einkaufsstraße mit den üblichen Geschäften halt. Und da ich auf der falschen Seite in den Ort gekommen war, verfehlte ich das einzige Landgut dieses Tages. Das würde ich beim nächsten Mal nachholen.

Nach einer Weile fand ich den Bahnhof, dessen schönes Gebäude allerdings nicht mehr genutzt wird, auf jeden Fall nicht als Bahnhofsgebäude. Durch den Tunnel trabte ich auf das richtige Gleis, wo ich zum Glück nicht lange auf den Zug warten musste.

Rijssen

Ich war wieder gute 60 Kilometer weitergekommen.

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Jahresrückblick 2018: Das Jahr des Surströmmingfußes

Wie bitte? Ja, ihr habt richtig gelesen. Mein gebrochener Knöchel bescherte mir diverse Besuche beim Physiotherapeuten, und als er mir besagten Fuß mal wieder kräftig durchknetete, kam irgendwie die Rede auf Surströmming, eine schwedische Fischspezialität, die bestialisch stinkt. Ich war froh, vorher ein Fußbad genommen zu haben, denn sonst hätte mich dieses Thema zutiefst beunruhigt. Aber seitdem heißt der Fuß eben Surströmmingfuß, und irgendwie hat er auch das ganze Jahr beherrscht. Mein fünfter Jahresrückblick sieht also diesmal etwas anders aus als sonst, auch wenn ich wieder die üblichen Fragen beantworte:

Was war das Beste für Dich an diesem Jahr?
Dass es nicht schlimmer gekommen ist, und dass mich der Fuß beruflich nicht zu weit zurückgeworfen hat.

Hast Du 2018 etwas gemacht, das Du noch nie zuvor gemacht hast?
Na ja, es hat mich mit dem Rad hingesemmelt und dabei habe ich mir den Surströmmingfuß mit allem dazugehörigen Gedöns zugezogen: Gips, Krücken, OP mit allem Drum und Dran. Ich habe mit über 4000 Leuten auf dem Domplatz von Münster das „Halleluja“ von Händel geschmettert. Und ich habe einen Schabbatdienst in der Synagoge besucht – sehr interessant.

Hast Du all Deine guten Vorsätze aus dem Vorjahr beherzigt?
Meine Wanderambitionen köchelten leider auf Sparflamme vor sich hin, aus verständlichen Gründen. Aber das Leben genießen konnte ich trotzdem, denn es ging ja auch wieder bergauf.

Hast Du gute Vorsätze für das nächste Jahr?
Weiterhin regelmäßig wandern gehen, z. B. auf dem Overijssels Havezatenpad und dem Trekvogelpad. Meine Schwägerin läuft ihn gerade in Gegenrichtung, und wir wollen schauen, ob wir uns tatsächlich unterwegs treffen. Wenn wir allerdings gleichzeitig das Finish erreichen und sie bei mir und ich bei ihr vor der Haustür stehe, wäre das schon etwas doof.

Ein paar Frustkilo loswerden und meine Kondition wieder verbessern wäre auch nicht schelcht.

Welche Länder hast Du 2018 besucht?
Deutschland.

Was möchtest Du 2019 haben, was Du 2018 nicht hattest?
Wieder mehr Lust und Inspiration zum Schreiben, das ging dieses Jahr nicht wirklich gut.

Welches Datum aus 2018 wirst du nie vergessen?
Den 17. Januar, an dem plötzlich alles anders wurde.

Was war Dein größter Erfolg 2018?
Dass ich mich – mit tatkräftiger Unterstützung des Gatten und anderen – durch alles Widrigkeiten durchgebissen habe.

Welches war Dein größter Fehler?
Im beginnenden Schneegestöber mit dem Rad zur Arbeit fahren zu wollen.

Hast Du eine Krankheit oder eine Verletzung gehabt?
Ja, siehe oben.

Was war das Beste, was Du gekauft hast?
Für mich persönlich war dieses Jahr nichts Besonderes dabei, aber wir haben in ein Rundum-Nachhaltigkeitspaket für unser Haus investiert: Dachisolierung, neue Fenster, Solarzellen.

Wessen Verhalten erschreckt Dich oder macht Dich traurig?
Das diverser Idioten verschiedener Art, die es so gibt.

Wofür ging das meiste Geld drauf?
Für das Rundum-Nachhaltigkeitspaket.

Worüber warst Du so richtig aus dem Häuschen?
Dass mein kleiner Neffe wohlbehalten das Licht der Welt erblickt hat.

Welches Lied wird Dich immer an 2018 erinnern?
„The World Can Wait“ von Waylon. Er hat es zwar für seine burn-out-geplagte Freundin geschrieben, aber ich habe es mir einfach mal zugeeignet. Es gibt eben Situationen, in denen der Rest der Welt eben warten muss, auch und gerade im Arbeitsleben. Hier hat sich für mich auch die Spreu vom Weizen getrennt.

Verglichen mit 2017, warst du im Jahr 2018

…glücklicher oder unglücklicher?
Na ja, schon etwas unglücklicher.

… reicher oder ärmer?
Etwas ärmer, aber das hätte schlimmer sein können.

Wovon hättest Du lieber mehr gemacht?
Gewandert natürlich, und gebloggt. Obwohl ich einige Monate sehr viel Zeit übrig hatte, fehlten mir doch die Kraft und die Inspiration. Anscheinend hatte sich alle Energie in den Fuß zurückgezogen.

Wovon hättest Du lieber weniger gemacht?
Ich denke, ich habe wenig genug gemacht.

Wie hast Du Weihnachten verbracht?
Zu Hause mit dem Gatten und dem Mitbewohner. Den zweiten Weihnachtsfeiertag beim Fair Culinair in der Synagoge.

Hast Du Dich 2018 verliebt?
Nicht neu, aber es hat sich mal wieder gezeigt, was eine lange Partnerschaft wert ist.

Welches war Deine Lieblingssendung im Fernsehen?
Die Serie „De Luizenmoeder“, die den Alltag einer typisch niederländischen Grundschule aufs Korn nimmt, und die hoffentlich bald fortgesetzt wird.

Hast Du jemanden oder etwas hassen gelernt?
Nö, hassen tue ich immer noch niemanden. Gelegentlich rege ich mich über jemanden auf, aber wer tut das nicht?

Welches war das beste Buch, das du 2018 gelesen hast?
„How to Stop Time“ von Matt Haig. Eine schöne Rezension dazu findet sich bei Edith Nebel. Mein Zweiter Favorit ist „Was man von hier aus sehen kann“ von Mariana Leky, ein schöner Roman über ein Dorf im Westerwald, in dem alles irgendwie zusammenhängt. Ein bisschen wie in Twente.

Was war deine größte musikalische Überraschung 2018?
Wieviel Spaß es (trotz schmerzenden Fußes) gemacht hat, auf dem Domplatz in Münster Händels „Hallelujah“ zu schmettern.

Was hast Du Dir gewünscht und auch bekommen?
So im tiefsten Inneren, dass das mit dem Fuß sich wieder einrenkt. Und dank unseres Gesundheitssystems, eines fähigen Chirurgen, des Gipsmeisters und seines Teams, eines wirklich guten Physiotherapeuten und – last but not least- der tatkräftigen Unterstützung des Gatten an allen Fronten hat das auch einigermaßen geklappt.

Was hast Du Dir gewünscht und nicht bekommen?
Hier wiederhole ich den Satz vom letzten Jahr: Eigentlich nichts, ich wünsche mir nicht mehr so viel, sondern versuche mich über die Dinge zu freuen, die meinen  Weg kreuzen.

Welches war Dein Lieblingsfilm in diesem Jahr?
Hatte ich dieses Jahr nicht.

Was hast Du an Deinem Geburtstag getan und wie alt bist Du geworden?
Ich bin ein halbes Jahrhundert geworden. Da ich keine Lust hatte, groß zu feiern, bin ich dem Trend in meinem Bekanntenkreis gefolgt und habe mich zusammen mit dem Gatten abegesetzt. Meinen Geburtstag habe ich in Schleswig verbracht.

Welche eine Sache hätte Dein Jahr zufriedenstellender gemacht?
Kein Surströmmingfuß, obwohl auch das eine – sagenwirmal – interessante Erfahrung war.

Was hielt Dich gesund?
Komplett gesund war ich ja nicht, aber das Glück hat mich wohl vor Schlimmerem bewahrt.

Erzähle uns eine wertvolle Lebenslektion, die Du in diesem Jahr gelernt hast!
Es kommt, wie es kommt, und manchmal braucht es sehr viel Geduld.

Auf was freust Du Dich im Jahr 2019?
Auf den Frühling, diverse Wanderkilometer, unseren geplanten Sommerurlaub auf die grüne Insel, interessante berufliche Projekte und vieles mehr.

Zum Schluss wünsche ich euch allen einen guten Rutsch ins neue Jahr. Vielen Dank für’s Mitlesen und viel Spaß bei Nullingers Neujahrsvorsätzen.

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Overijssels Havezatenpad: Etappe 1 und 2 (Oldenzaal – Delden)

Dieses Jahr im Januar stürzte ich mich voller Enthusiasmus in ein neues Wanderprojekt in Wohnortnähe: Der Overijssels Havezatenpad. Der ca. 220 km lange Weg beginnt in Oldenzaal und führt an zahlreichen Landgütern (Havezaten) vorbei nach Steenwijk. Ein gutes Projekt für die kühlere Jahreszeit, da die Anfahrtswege zur Route nicht so lang und Übernachtungen nicht nötig sind.

Etappe 1:

An einem kühlen, aber trockenen Januarmorgen fuhr ich mit dem Bus nach Oldenzaal. Durch Wald und Flur ging es an idyllischen Bauernhöfen und Landgütern vorbei, und obwohl die Sonne sich nicht hat sehen lassen, war es schön.


Auf dem Waldstück am Lonnekerberg hätte ich vielleicht besser die Schlechtwettervariante nehmen können, denn die Strecke war eher ein Hindernislauf in Kombination mit Schlammcatchen für Fortgeschrittene. Aber durch mehr oder weniger elegantes Slalomlaufen und gelegentliches Treehugging meisterte ich den Parcours ohne nassen Hosenboden.

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In Lonneker wollte mein innerer Schweinehund lieber nach Hause und die restlichen 8,5 km auf ein anderes Mal verschieben, aber nach einer Latte Macchiato mit Apfelkuchen im Café Sprakel ließ er sich überreden, weiter zu gehen.

Das nächste Stück war nicht so aufregend, außer dass ich mich der Universität von hinten näherte. Der Campus war sehr ruhig verglichen mit Mittwoch Nachmittag, wenn ich dort einen Kurs gebe. Auf dem letzten Stück ging ich an den Studentenwohnheimen vorbei. Der Student von heute wohnt anscheinend ähnlich wie wir früher, in einem Sammelsurium von abgedankten Möbeln. Nur die Wochenendbesucher sind nicht mehr mit Rucksack, sondern mit Rollkoffer unterwegs – es lebe der Fortschritt.

Bei dem Kirchturm im Universitätsweiher hat sich der Künstler vom Reschensee inspirieren lassen, aber er meint es symbolisch: die Dogmen der Kirche gehen unter angesichts der Wissenschaft:

Etappe 2:

Die zweite Etappe war eine Art Rehaetappe in 5 bis 7,5 km kurzen Stückchen, um so langsam die Kondition wieder aufzubauen.

Gut 5 Monate nach der ersten Etappe habe ich den Faden wieder aufgenommen und bin 5 km weiter gelaufen, nämlich vom Bahnhof Kennispark zur Bushaltestelle Marssteden. Dort musste der Gatte mich allerdings abholen, denn am Wochenende fährt der Bus nicht.

Erst ging es am sogenannten Kristallbad vorbei, einem Wassergewinnungs- und Aufbereitungsgebiet:

Weiter ging es durch wunderschöne Natur durch Twekkelo mit den Salzhäuschen und dem Johanneskerkje, dessen Glocken genau in dem Moment, als ich es fotografierte, 12 Uhr schlugen. Mann, bin ich erschrocken.

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Teilweise führte der Weg über die sogenannten Stiewelpade (Stiefelpfade) an Kuhweiden entlang, zum Glück mit einem Zaun zwischen Wanderern und Rindviechern. Trotzdem musste man ziemlich gut aufpassen, da der Pfad uneben und teilweise zugewachsen war. Ich war froh, dass mein Fuß das wieder ganz gut mitmachte, und mein Physiotherapeut fand es eine gute Kraft- und Gleichgewichtsübung. 

Fazit: 5 km waren eine gute Entfernung zum Wiedereinstieg.

Ein paar Tage später ging es weiter von den Marssteden nach Boekelo. Unter der Woche fährt der Bus zu den Marssteden, also war ich autark. Von dort aus wanderte ich am Landgut Wilgenkamp vorbei durch den Wald. Da muss ich nächstes Frühjahr nochmal hin, wenn der Rhododendron blüht, das sieht sicher wunderbar aus. Unterwegs habe ich sogar ein Reh gesichtet.

Der Weg führt zwar recht nah an diversen Industriegebieten vorbei, aber das merkt man fast gar nicht. Gelegentlich muss man aber doch in die Zivilisation, z. B. beim Überqueren der Autobahn.


In Boekelo hatte ich noch Zeit, mir die Wohnanlage „Blekerij“ anzuschauen, eine ehemalige Textilfabrik (alles hier in der Gegend hat irgendwie mit Textil zu tun), die vor ein paar Jahren in Appartments umgewandelt wurde. Schaut gar nicht schlecht aus.

Drei Tage später ging es wieder ein Stück weiter, und zwar von Boekelo nach Beckum. Die Strecke ist 7,5 km lang, und es ging sehr gut. Trotz eines Teilstreiks im öffentlichen Nahverkehr hatte ich Glück, die beiden Busse, die ich brauchte, fuhren ganz normal.

Unterwegs sah ich ein paar nette Schilder: Eins an einer Straßenlaterne macht darauf aufmerksam, dass es sich nicht um eine Störung handelt, sondern dass man sie abgeschaltet hat, um das Kunstlicht außerhalb der Orte zu reduzieren. Finde ich gut, es muss ja nicht überall Festbeleuchtung herrschen. Das zweite befindet sich am Ende eines Bauernhofs und weist darauf hin, dass man hier den Hund, der gerne mal mitläuft, wieder zurückschicken soll.


Für die 7,5 km habe ich einschließlich Fotos machen, Karte lesen und Pause ca. 2 Stunden und 20 Minuten gebraucht, das Tempo steigerte sich also auch langsam.

Das letzte Stück nach Delden hatte eine ähnliche Länge. In Beckum war alles ruhig, nur ein Rasenmähroboter war aktiv. Ich kam an der ehemaligen Schule vorbei, die jetzt eine Art Dorfzentrum ist.

Dann ging es über den Kerkvelder Voetpad, über den die Bewohner früher zur Kirche nach Delden gingen. Am Ortsrand erinnert ein Schild daran, dass man den Weg mit anderen Benutzern teilt und mahnt zu gegenseitiger Rücksichtnahme.

Kurz vor Delden kam ich noch am jüdischen Friedhof vorbei.

Dann erreichte ich den Bahnhof von Delden, wo ich im Bahnhofsgebäude eine Kunstausstellung bewundern und mir die Wartezeit mit einer Tasse Kaffee vertreiben konnte.

Die ersten ca. 50 km sind geschafft, und im nächsten Jahr möchte ich natürlich gerne weiterlaufen.

 

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Back to normal…

Na ja, ganz in Ordnung ist der Fuß zwar noch nicht, das heißt, ich hüpfe noch nicht durch die Gegend wie eine Gazelle, aber es wird. Heute morgen stellte ich fest, dass es wieder deutlich besser geht, wenn man einfach die Treppe in den ersten Stock rauf und runter geht, ohne dreimal zu überlegen, ob man das, was man oben will, nicht auch später noch machen kan, weil es einfach zu anstrengend ist.

Seit meinem letzten Post hat sich einiges getan, und ich habe eine Menge Dinge zum ersten Mal nach der OP wieder machen können. Jetzt muss ich an die Schwiegermutter der Comicfigur Andy Capp denken, die nur zwei Gesprächsthemen hat: „Before her operation“ und „Since her operation“, aber heute darf ich das. 😉

Ein größerer Wendepunkt war, als ich das Bein wieder voll belasten und mich endlich wieder ohne Krücken fortbewegen konnte. Vieles wird doch wieder einfacher, wenn man die Hände frei hat, oder wie ein Freund es formulierte: „Das ist bestimmt ein Gefühl wie eine Wiedergeburt, was! Da kannst du richtig aufblühen und einen Tee aufbrühen mit gewohnten Bewegungen.“ Genauso ist es.

Irgendwann hatte ich dann meine erste Führung in der Synagoge, und inzwischen kenne ich ja die Stellen, wo man sich diskret anlehnen kann. Die Frauenempore durfte die Gruppe dann selbst erkunden.

Dann fuhr ich mit unserem Chor zum Katholikentag nach Münster, wo wir u.a. zusammen mit über 4000 anderen Sängern das „Halleluja“ von Händel schmetterten. Es war schon recht anstrengend, und wenn es irgendwie ging, wollte ich vor allem einfach nur da sitzen. Zum Glück hatte mir eine Freundin einen Campinghocker geliehen. Es ergab sich sogar noch die Gelegenheit für einen kleinen Plausch mit einem Freund aus Münster, der mich trotz des Reisengewühls irgendwie orten konnte. Schee wars.

Dann stand ein Besuch in der alten Heimat an – Klassentreffen und Familie. Für die Bahnfahrt nahm ich, auch auf Anraten meines Physiotherapeuten, die Krücken noch mit. So konnte ich eine rollkofferfreie Zone um mich herum keieren, die Leute passen besser auf oder bieten Hilfe an, und jeder versteht, dass ich noch mit in den Lift muss.

Meine kleine Nichte (fast 2,5 Jahre) wollte natürlich genau wissen, was es mit den Krücken auf sich hat, die normalerweise nicht bei Oma im Wohnzimmer stehen. Also habe ich ihr das Ganze erklärt. Das hat sie wohl ziemlich beschäftigt, denn zwei Stunden später setzte sie sich zu mir auf die Eckbank und meinte ernsthaft: „Tante Petra hingefallen. Fuß kaputt. Heilt wieder.“ Wenn sie das sagt…

Sie scheint recht zu haben, denn inzwischen habe ich auch meine Wanderungen wieder aufgenommen. Im Moment gehe ich den „Overijssels Havezatenpad“ von Oldenzaal nach Steenwijk, und zwar in Etappen von 5 bis 7,5 Kilometer. Das geht schon ganz gut und das Tempo wird auch wieder etwas schneller. Die Wanderungen habe ich wirklich vermisst!

Nur Auto fahre ich noch nicht. Der Arzt meinte zwar, dass ich es wieder darf, aber so ganz traue ich der Geschichte noch nicht. Ich werde wohl demnächst, wenn die halbe Stadt im Urlaub ist, vorsichtig wieder anfangen.

Und hier ist noch ein Stückchen Havezatenpad:

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