Beiträge mit dem Schlagwort: Pieterburen

Pieterpad – Finish und Fazit

Groningen – Pieterburen (und ans Wattenmeer)

Was lange währt…

Fast auf den Tag genau zwei Jahre habe ich mit meiner Pieterpad-Expedition herumgetan, weil ja auch immer irgendwas war. Aber jetzt ist es geschafft, am Samstag bin ich in Pieterburen einglaufen. Und jetzt gehe ich meinen Mitmenschen fröhlich damit auf die Nerven. Und was soll ich sagen? Schee war’s.

Abschied von Vorurteilen

Aus irgendwelchen Gründen hatte ich mir immer eingebildet, dass das letzte Stück eher langweilig ist, nämlich leer, brettleben, und man sieht schon auf acht Kilometer, dass da nichts ist. Aber nichts ist weniger wahr.

Das Stück aus Groningen raus ist wunderschön, man kommt an der Synagoge, dar A-kerk und dem ehemaligen Hafen vorbei. Die dortigen Grachtenhäuser erinnern ein bisschen an Amsterdam beim Goethe-Institut und dort, wo eine Freundin von mir früher gewohnt hat.

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Dann ging es durch den Noorderplantsoen, einen Park, in dem gerade die Bühne für das Festival „Noorderzon“ aufgebaut wurde, am Noorderbegraafplaats und dem Universitätsgelände vorbei aus der Stadt hinaus.

umland

Auch das Groninger Umland ist sehr schön: Die Route führt durch nette Dörfer mit Wierden, auf Deutsch auch Warften oder Wurten genannt. Dabei handelt es sich um aufgeworfene Siedlungshügel, die die Bewohner bei Sturmfluten schützen sollen. Meist liegen die Kirche und andere wichtige Gebäude auf diesen Erhöhungen. Zahlreiche Ortsnamen wie Wierum oder Garnweerd sind davon abgeleitet.

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Und dann gibt es natürlich auch die goldige Ortschaft Winsum, wo ich übernachtete:

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Minigedöns

Größere Schwierigkeiten gab es diesmal nicht, auch wenn natürlich nicht alles reibungslos lief. In Groningen wird am Stadtrand ein Radweg repariert, und die Pieterpadwanderer werden umgeleitet. Natürlich hatte ich es mal wieder versäumt, auf der Website nach Aktualisierungen zu schauen – das gedruckte Wort ist für mich halt immer noch heilig. Aber mir Hilfe einiger Einheimischer, darunter auch jemand, der kürzlich die Strecke gelaufen war, kam ich ohne Umweg aus der Stadt.

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Und bei Garnweerd führt der Weg jetzt durch Felder und Wiesen statt an der Straße entlang. Das sit eine gute Entscheidung, denn die Straße ist schmal und recht gut befahren. Aber beim Wandern durch die Wiesen stellten sich mir zahlreiche Gräben in den Weg, ich muss wohl irgendwo wieder falsch abgebogen sein. Es war gar ncith so einfach, wieder auf den Weg zu kommen. Fierljeppen, eine Art Stabhochsprung über einen Graben, wäre jetzt gar nicht schlecht.

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Und auf dem Campingplatz waren drei der Blockhütten, die an die Zeltweise grenzten, von zwölf Mädchen bewohnt, die bis spät in die Nacht quasselten und meherere Bierkästen leerten. Aber zum Glück war es nicht so schlimm wie vor ein paar Jahren in der Schweiz.

Insgesamt war es ein Premium-Wochenende.

Finish und Ausklang

Mit Peter hatte ich abgesprochen, dass er am Samstag nach Pieterburen fahren und mir von dort entgegen gehen würde. Das klappte auch wunderbar, als ich eine hohe Brücke überquerte, sah ich ihn schon als gaaanz winzigen Punkt in der Ferne ankommen.

treffen

Nach einer Verschnaufpause gingen wir gemeinsam das letzte Stück nach Pieterburen. Dort gingen wir erst einmal Mosterdsoep (Senfsuppe), eine Spezialität dieser Gegend, essen, denn wie heißt es in einem Niederländisch-Lehrbuch für Anfänger so schön? „De Mosterdsoep is hier altijd lekker.“

finish

Dann statteten wir, wie es sich gehört, den Seehunden einen Besuch ab und besichtigten die Petruskirche.  Danach bauten wir unser Zweimannzelt auf (die Dackelhütte kann vorläufig ins Winterquartier) und gingen anschließend noch ein Stück auf dem Nederlands Kustpad zum Wattenmeer. Es gab einmal Gerüchte, dass man den Pieterpad bis dorthin verlängern wollte, aber jetzt verstehe ich auch, warum die Organisatoren das wohl nicht machen werden. Da es von Pieterburen keinen direkten Weg zum Meer gibt (es liegen einige Felder mit Gräben dazwischen), kommen schnell fünf Extrakilometer dazu, die man dann auch wieder zurückgehen muss. Das macht bestimmt nicht jeder. Der Anfangs- bzw. Endpunkt in der Ortsmitte ist schon richtig.

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Den Sonntag verbrachten wir noch in Groningen, wo wir die Synagoge und das ehemalige Judenviertel besichtigten, aber das ist eine andere Geschichte.

Fazit und Ausblick

Jetzt habe ich es also endlich geschafft. Durch diese Wanderung habe ich die Niederlande auf eine andere Art kennengelernt. Iach habe am eigenen Leibe erfahren, wie die Landschaft sich langsam verändert, vom hügligen Limburg über die großen Flüsse, die Kulissenlandschaft in der Achterhoek und Twente, die Wälder in Drenthe und das weite Land in Groningen. Und mit der Landschaft ändern sich auch die Dialekte.

Außerdem habe ich mich selbst kennengelernt und meine Grenzen erkundet. 20 bis 25 Kilometer an einem Tag sind gut zu laufen, viel mehr muss es nicht werden, denn ich bin nicht besonders schnell. Meistens finde ich meinen Weg, und mit den gelegentlichen Orientierungsschwierigkeiten kann ich inzwischen ganz gut umgehen.  Und alleine zu wandern und auch zu übernachten ist kein Problem. Eigentlich muss man dafür nur zwei Voraussetzungen erfüllen: Man muss sich selbst als angenehme Gesellschaft empfinden und man muss die Stille aushalten können.

Bei allem Stolz, das Abenteuer zu Ende gebracht zu haben, ist schon ein bisschen Wehmut  dabei. Eine Freundin formulierte es so: „Bestimmt ist man aber auch ein bisschen traurig, wie wenn man ein gutes Buch fertig gelesen hat, oder?“ Das trifft es ziemlich gut.

Aber ich habe ja schon mit dem Trekvogelpad angefangen, der mich irgendwann quer durch das Land nach Bergen aan Zee führen wird (eine Übernachtungsmöglichkeit in Utrecht wurde mir auch schon angeboten). Außerdem liegt der Wanderführer für den „Overijssels Havezatenpad“ schon auf dem Schreibtisch. Dieser führt von Oldenzaal nach Steenwijk, ist also in der Nähe von Enschede und eignet sich daher gut für Tagesausflüge.

Und ich kann ja immer noch, wie ein entgegenkommender Wanderer vorgeschlagen hat, den Pieterpad, der übrigens auch beim diesjährigen Sandskulpturenfestival in Garderen zu sehen ist,  wieder zurückgehen.

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Das Pieterpad-Ende ist in Sicht

Rolde – Groningen

Letztes Wochenende bin ich wieder ein Stück auf dem Pieterpad gewandert, von Rolde bis Groningen. So langsam kommt Pieterburen wirklich in Sichtweite.

Irgendwas ist immer

Auf der Hinfahrt bildete sich mein E-Reader ein, dass er sich jetzt neu installieren muss – sowas hatte ich bisher noch nicht, und das braucht auch kein Mensch! Diese Geräte, die meinen, irgendwas selbst entscheiden zu müssen, sind mir sowieso suspekt. Früher hat mein Computer wenigstens noch gefragt, ob ein Update im Moment genehm ist, aber jetzt ist von dieser Höflichkeit nichts mehr zu merken: Update you must! Fehlt nur noch, dass mein Staubsauger irgendwann röhrend durchs Zimmer gurkt, weil ihm gerade danach ist. Inzwischen ist der Schaden wieder behoben, und meine Bücher wieder drauf, aber abends musste ich auf dem Campingplatz aus purer Verzweiflung eine Uraltausgabe der „Libelle“ lesen. Aber in der Not frisst der Teufel ja bekanntlich Fliegen, und ich weiß jetzt, warum Männer Frauen mit runden Formen bevorzugen.

Und was war noch? Ach ja, auf der Rückfahrt gab es mal wieder Schienenersatzverkehr, und der Busfahrer verpasste eine Ausfahrt, was mir zur planmäßig schon längeren Fahrzeit eine weitere halbe Stunde einbrachte. Und das ohne E-Reader!

Außerdem wurde ich von außerirdischen Killermoskitos und Brombeerranken angegriffen, so dass meine Beine etwas mitgenommen aussehen. Aber schön war es trotzdem.

Heide, Hünengräber und jede Menge Wasser

Da ich beim letzten Mal ja nicht an den beiden Hünengräbern von Rolde vorbei gekommen war, nahm ich mir diese als erstes vor. Sie leigen im Schatten der Kirche von Rolde und direkt neben dem Friedhof. Bei dem Versuch, wieder auf die Route zu kommen und dabei gleich in die richtige Richtung zu gehen, drehte ich erst mal eine Runde durch das überschaubare Zentrum von Rolde. Dann war ich wieder auf dem Weg.

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Erst ging es durch Das Balloërverld – blühende Heide, so weit das Auge reicht, auch hier wieder mit einigen Grabhügeln und einem Galgenberg, die aber schwer zu erkennen sind.

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Dann ging es durch die nette Ortschaft Gasteren, ein typisches „Eschdorf“, die man häufig in Nordwestdeutschland und den Niederlanden findet. Vor dem Pfannkuchenhaus im Zentrum standen zahlreiche E-Bikes, die radelnden Rentnergangs, die oft hier zu finden sind, waren aslo wieder unterwegs. Dann ging es wieder durch ein Stück Heide mit einem weiteren Hünengrab.

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An diesem Tag kam ich kurz vor dem Campingplatz in Midlaren noch an zwei weiteren Hünengräbern vorbei, die nebeneinander zwischen zwei Häusern liegen, doch das allertezte auf der Strecke habe ich wohl übersehen.

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Am nächsten Tag führte der Weg erst  durch den Wald und am Wald entlang, was ich aber diesmal schaffte, ohne mich zu verlaufen. Geht doch!

Dann erreichte ich die Polderlandschaft südlich von Groningen, und kurz vor Haren führte der Weg vor allem am Wasser entlang.

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So konnte ich am Noord-Willemskanaal und einigen Seitenarmen entlang gemütlich auf Groningen zugehen, ohne dass ich nach dem eher leeren Drenthe sofort einen Zivilisationsschock bekam. Das haben die „Wegbereiter“ gut gemacht.

hausboot

Zeit für Kultur

Da ich bereits um 14 Uhr in Groningen eintrudelte, hatte ich noch Zeit für einen Besuch des Groninger Museums. Dort war ich schon ewig nicht mehr. Der etwas gewöhnungsbedürftige futuristische Bau beherbergt im Moment verschiedene Ausstellungen.

museum

„Reich in Groningen – Land- und Stadtsitze 1600 – 1800“ zeigt Bilder und Stiche von Herrenhäusern in Groningen und Umgebung sowie noch erhaltener Hausrat. Leider sind viele dieser Háuser inzwischen abgerissen worden. Niederländer und ihr Kulturerbe, das ist irgendwie keine gute Kombination. Die Engländer können sowas einfach besser.

„Hide & Seek, Maarten Baas“ geht um Möbeldesign in verschiedenen Ausprägungen. So hat Baas z. B. Möbel verbrannt, um sie dann mit einer Harzschicht zu überziehen, so dass man sie wieder verweden kann. Außerdem experimentiert er mit Materialien wie Knetmasse. Sehr interessant fand ich einen Schrank mit toller Holzmaserung, der aber aus rostfreiem Stahl ist. Ich hätte ihn ja gerne angefasst, um das zu überprüfen, aber das war verständlicherweise nicht erlaubt.

In „Gabriel Lester – The Return of Lester’s Loop“ behandelt der Regisseur und Filmemacher Lester das Thema des Sich-Verirrens. Na, auf dem Gebiet bin ich ja auch Experte. Passt also.

Begegnungen und Gespräche

Auch dieses Mal begegnete ich unterwegs einer Menge Leute. Vor Schipborg fragte mich eine ältere Dame mit Hund nach dem Weg, aber da ich erst nicht kapierte, dass sie mit „Drentsche Aa“ nicht den Fluss meinte, den ich gerade überquert hatte, sondern das gleichnamige Café, schickte ich sie erst mal in die falsche Richtung. Zum Glück war sie noch nicht außer Hörweite, als ich meinen Irrtum bemerkte, und so gingen wir zusammen zum Café. Sie und ihr Hund hatten ein recht flottes Tempo drauf, aber nicht zu schnell für eine gepflegte Unterhaltung.

Auf dem Campingplatz mit dem schönen Namen „Appelhof“ stand meine Dackelhütte neben einem Birnbaum. Und der Besitzer hat mir auch gleich einen Stuhl dazugestellt. Auf diesem Platz sind viele Pieterpadwanderer mit leichtem Gepäck, aber auch Senioren mit Wohnwagen, die unglaublich viel Geschirr mitschleppen und einsauen, wie ich in der Spülküche mal wieder erleben durfte.

Kurz vor Groningen machte ich auf einer Bank unter einem Pieterpad-Wegweiser Pause. Währenddessen kamen mehrere radelnde Rentnergangs vorbei, die sich freuten wie Bolle, dass sie einen Pieterpad-Wanderer in freier Wildbahn bewundern konnten. Immer gerne.

Diesmal fiel mir vor allem auf, dass sich die Gespräche ändern. Als ich mit dem Pieterpad anfing, erstarrte ich jedesmal fast vor Ehrfurcht, wenn ich mich mit dem Gegenverkehr unterhielt. Die hatten es fast geschafft, und ich musste noch über 400 km laufen. Jetzt biege ich praktisch in die Zielgerade ein (noch ca. 35 km) und die anderen haben den Weg noch vor sich. Ich bin schon etwas stolz, so weit gekommen zu sein, aber es ist auch ein bisschen schade, dass es bald vorbei ist.

ruheplatz

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Pieterpad – Teil eins ist geschafft

Leuth – Vorden

Inzwischen bin ich nah genug an meinem Zuhause, dass ich einzelne Tagesetappen gehen kann und nicht unbedingt unterwegs überachten muss. Und so bin ich das nächste Stück in drei Einzeltagen gegangen. Im Moment kann ich auch zwischendurch einen Tag mitten in der Woche freischaufeln, und das ist auch gut so, denn der Bus nach Elten fährt am Wochenende nicht. Gut, ich könnte mich ja von Peter irgendwo hinbringen und wieder abholen lassen, aber ich empfinde es als Teil der sportlichen Herausforderung, um das Ganze mit öffentlichen Verkehrsmitteln hinzukriegen.

Wasser, Wasser und nochmals Wasser

Nein, das hat jetzt nichts mit dem Wetter zu tun, das war, von kleinen Schauern und einem bisschen Nieselregen abgesehen, fantastisch. Nein, der Weg führte diesmal sehr oft über das Wasser und am Wasser entlang, aber zum Glück nicht durch das Wasser.

Von Leuth aus ging ich nach Millingen aan de Rijn, wo ich mit der Fußgängerfähre den Bijlandsch Kanaal überquerte. Diese Fähre verkehrt im Sommer stündlich, im Winter seltener, so dass es sinnvoll ist, sich über die Abfahrtszeiten zu informieren und die Wanderung einzuteilen. Bei diesem Superwetter war sie voll mit Radfahrern.

Fähre Fähre2

Dann ging es am Naherholungsgebiet De Bijland und am Bovenrijn entlang nach Tolkamer mit seiner Schiffswerft und weiter nach Spijk.

De Bijland Schiffswerft Tolkamer

Zwischen Spijk und Braamt war erst mal Ruhe mit dem Wasser, doch dann wurde der Pieterpad umgeleitet und führt jetzt an einem Teil der Kläranlage Etten vorbei. Das ist keinesfalls so unappetitlich, wie es sich liest, man kommt an Teichen, einer Fischtreppe und einer Schleuse vorbei. Eigentlich ist es ein schönes Naturgebiet und die Streck wird etwas kürzer und kurzweiliger, da ein langweiliges Stück an einer Hauptstraße entlang wegfällt.

Weg über Kläranlage Fischtreppe

Endpunkt des zweiten und Startpunkt des dritten Tages war das Wasserschloss Kasteel Slangenburg aus dem 14. Jahrhundert.

kasteel slangenburg Schloss Slangenburg 2

Und die dritte Etappe führte am Wasserschloss Vorden vorbei.

Schl;oss Vorden

 Grenzland

Auch hier führt der Weg immer wieder an der Grenze entlang und gelegentlich ins Nachbarland. Oft merkt man es nur an den Grenzsteinen oder daran, dass die Häuser doch ein bisschen anders aussehen. Manchmal ist es aber auch deutlicher, wie bei diesem Haus, an dessen Mauer bekannte Goethe-Zitat prangt: „Nur, wo man zu Fuß war, war man wirklich.“ An dieser Stellen einen herzlichen Gruß an Vivian und Alexandra, meine Wanderkolleginnen, auch wenn wir nicht zusammen laufen.

Goethe-Zitat

Die Ortschaft Tolkamer (Zollkammer) heißt nicht umsonst so, dort wurden im späten 18. Jahrhundert die Zölle für die Schiffe erhoben, die den Rhein (Rijn) hinunterfuhren. Der Zoll wurde zwar 1868 abgeschafft, aber der Papierkram blieb.

Tolkamer2

Am Ende des ersten Tages kam ich nach Elten auf der deutschen Seite, eine typische Grenzortschaft: Die Sparkasse befindet sich neben der „Slijterij“ (Spirituosenhandel), und zahlreiche Niederländer kaufen dort ein.

Ein paar Tage später ging setzte ich meinen Weg von hier aus fort und gelangte über den „Noaberpad“, der von Bad Nieuweschans nach Kleve führt, wieder auf den Pieterpad. Dieser kreuzt sich gelegentlich mit dem Barfußpfad, aber ich liess die Schuhe an, denn ich kenne mein Talent, in irgendwas reinzutreten, man erinnere sich nur an den blöden Zelthering bei der Strad6daagse.

Barfußpfad

Der Drususbrunnen hatte noch nicht geöffnet, schade, ich hätte gern „Wie heißt der Bürgermeister von Wesel“ in die Tiefe gebrüllt.

Drususbrunnen

Aber dafür kam ich an einem tollen Aussichtspunkt vorbei, der in meinem niederländischen Wanderführer „Belvedere“ genannt wird, aber die deutschen Schilder sagen deutlich was Sache ist: „Schöne Aussicht“.

Schöne Aussicht

Brennnesseln, Stacheldraht und anderes Ungemach

Immer wieder führte der Weg durch hohes Gras und Gestrüpp, so dass ich öfter als mir lieb war, mit Brennnesseln Bekanntschaft machte. Aber das Zeugs soll ja angeblich die Durchblutung anregen.

Bei Tolkamer ging die Route über ein Stück Deichvorland, eine Art Überlaufgebiet. Man muss dort über einen Zaunübertritt klettern und dann ein Stück durch die  Wiese latschen – Pfade gibt es dort fast keine. Ich stieg über den Zaun, vorbei an ein paar freundlichen Pferden und folgte dem kaum sichtbaren Trampelpfad. Auf einem Hügel standen einige Kühe, die neugierig zu mir hinüber schauten. Ich versuchte, nicht an Bill Brysons Überlegungen zum Thema „Cow attacks“ zu denken und hoffte, dass die Rindviecher in sicherer Entfernung blieben.

Pferde Rindviecher

Dann erreichte ich einen anderen Zaunübertritt, wo ich die Wiese verlassen konnte. Doch das Holzbrett, auf das man steigen muss, war so schmal und wackelig, dass ich am Stacheldraht hängenblieb. Der riss ein Stück aus meiner Hose und zerkratzte mir den Oberschenkel. Hätte ich die Wegbeschreibung doch bloß bis zum Ende gelesen, bevor ich mich in dieses Überlaufgebiet stürzte! Da stand nämlich, dass dieses Gebiet bei Hochwasser unpassierbar ist und man dann den Radweg nach Tolkamer nehmen kann.

Dagegen waren die Mücken, die mich gelegentlich erwischten, kaum noch der Rede wert.

Begegnungen

Auch diesmal ergaben sich wieder nette Begegnungen und Gespräche. Auf der Promenade bei Spijk sprach mich ein Motorradfahrer an, der auf einer Bank in der Sonne saß: „Ist die Vierdaagse (die viertägige Monsterwanderung in und um Nijmegen) noch nicht vorbei?“ Ich erklärte ihm, dass ich damit nix zu tun hatte, sondern den Pieterpad laufen würde. „Du hast einen ganz flotten Schritt drauf!“ Er wollte wissen, wo ich wohne und konnte sich eine Bemerkung zum desolaten Zustand des hiesigen Fußballvereines nicht verkneifen, was mich aber nicht weiter störte. Vielleicht habt ja schon mitgekriegt, dass ich es nicht so mit Fußball habe.

Spijk

In Elten musste ich mich zur Bushaltestelle durchfragen, da diese zwar „Markt“ heißt, aber gut in einer Seitenstraße versteckt ist. Dies tat ich erst mal auf Deutsch, erwischte aber zwei Niederländerinnen, mit denen ich mich noch gemütlich unterhielt, während wir auf den Bus warteten.

Markt Elten

Wegen meines immer noch vorhandenen Akzents fragen mich die Leute gelegentlich, ob ich aus Deutschland komme. Dies bejahe ich natürlich und füge meistens hinzu, dass ich auch Niederländisch spreche und das sie es sich aussuchen dürfen, in welcher Sprache sie sich unterhalten wollen. Manche reden dann lieber Niederländisch, andere freuen sich über die Gelegenheit, ein bisschen Deutsch zu üben.

Bei der Kläranlage Etten begegnete ich einem Paar, das ohne Wanderführer unterwegs war, da dieser gerade neu aufgelegt wird. Sie versuchen, die Route nur anhand der Wegweiser zu laufen – ein mutiges Unterfangen, das ich mir nicht zutraue. Es scheint auch bei ihnen nicht immer zu funktionieren, denn sie wollten von mir wissen, ob sie noch auf dem richtigen Weg waren. Mir passiert es auch gelegentlich, dass ich trotz Buch nicht mehr sicher bin, ob ich noch auf dem richtigen Weg bin, und ich kenne daher das beruhigende Gefühl, wenn man auf Gegenverkehr trifft.

Interessantes

In der Nähe von Braamt führte der Weg zwischen den zwei kulinarisch klingenden Dörfern Vethuizen und Wijnbergen durch, aber leider gab es dort kein Café in der Nähe.

Ortsschild Vethuizen Ortsschild Wijnbergen

In Zelhem war die Hauptstraße mit Hexen dekoriert, die allerdings etwas merkwürdig auf ihren Besen saßen: Das Gestrüpp zeigte nach vorne. Bei Harry Potter machen sie das doch anders.  Der Wirt des Cafés, wo ich Mittagspause machte, konnte mir allerdings nicht sage, was das für eine Bedeutung hatte, und auch mir hilft Google nicht weiter: Es gibt zwar einige Geschichten über die weise Frau Smoks Hanne, aber warum sie so auf ihrem Besen sitzt, wird nicht erklärt. Vielleicht ist das in der Achterhoek ja normal?

Hexe in Zelhem

Kurz vor dem Wasserschloss Vorden kommt man am Pieterpad-Denkmal vorbei: Die Fußspuren von Toos Goorhuis-Tjasma und Bertje Jens, die den Weg praktisch „gegründet“ hatten, sind hier in Beton in den Weg eingelassen:

Pieterpad-Denkmal

Der erste Teil des Pieterpad endet in Vorden bei einem Wegweiser: St. Pietersberg 256 km, Bergen aan Zee 323 km, Enschede 61 km und Pieterburen 232 km. Hier kreuzt der Pieterpad den Trekvogelpad, den ich mir wohl als nächstes vornehmen werde. Aber erst mal kommt der zweite Teil. Hoffentlich kriege ich auch da noch etwas von der blühenden Heide mit.

Blühende Heide

 

 

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Bjarnes “Beautiful Day”

Wie liever een deel van het verhaal in het Nederlands wil lezen, kan dit hier doen.

Knapp eine Woche, nachdem wir uns persönlich in Pieterburen von Bjarnes Wohlergehen überzeugt hatten, erhielten wir von Casperien eine Mail, dass unser Seehund wuchs, gedieh und ungefähr acht Kilo pro Woche zunahm. Inzwischen wog er gut 30 Kilo und konnte also am Freitag, den 26. Februar auf Vlieland freigelassen werden. Unsere „Elternzeit“ war also diesmal kürzer als bei Mara und Lewis, aber Hauptsache gesund!

Peter und ich schafften es auch diesmal, alle anstehenden Termine zu verschieben und sagten zu, dass wir kommen würden. Da Peters Mutter nicht weit von Harlingen, wo die Fähren nach Vlieland und Terschelling abfahren, entfernt wohnt, luden wir sie ein, uns zu begleiten. Als ich Casperien fragte, ob dies in Ordnung war, schrieb sie zurück, dass wir ja wohl gemerkt hatten, dass es kein Problem gewesen war und dass sie hoffte, dass wir trotz des stürmischen Wetters eine schöne Freilassung erlebt hatten. Bitte? Hatten wir irgendwie aneinander vorbei kommuniziert und hatten sie Bjarne ohne uns freigelassen? Nachfrage ergab, dass sie etwas verwechselt hatte und dass unser „Beautiful Day“ noch in der Zukunft lag. Grundgütiger, die Leute können einen aber auch erschrecken.

Wie vor zwei Jahren bei Lewis hieß es auch diesmal wieder um fünf Uhr aufstehen. Ich weiß, es gibt Leute, die das täglich machen, aber ich finde sowas barbarisch. Aber gut, was tut man nicht alles für einen Seehund. Auf der Autobahn war wenig Verkehr, und nachdem wir Peters Mutter aufgesammelt hatten, waren wir pünktlich am Hafen von Harlingen, wo wir uns wieder mit André treffen sollten. Dass wir ihn inzwischen kannten, machte das Ganze deutlich relaxter.

Als er auftauchte, schnappte er sich gleich den Gatten, der ihm beim Verladen der drei Seehunden helfen sollte, während Peters Mutter und ich uns ein Plätzchen mit Aussicht suchten.

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Nach dem Auslaufen stieß Peter zu uns, und später kam auch André, der uns erzählte, dass er eine sehr kurze Nacht gehabt hatte, da er stundenlang bei Bremen im Stau gestanden war. Später erfuhren wir, dass er seine Zeit zwischen der Arbeit im Robbenzentrum Föhr (Deutschland) und diversen Aktivitäten in den Niederlanden aufteilt.

Pünktlich kamen wir auf Vlieland an und begaben uns zu den Seehunden. Außer den jungen Kegelrobben Bjarne und Hetty wartete auch noch der etwa zweijährige Seehund Rachamim auf seine Freilassung. Obwohl er 70 Kilo auf die Waage brachte, war er für sein Alter immer noch zu leicht, aber weil er in der Seehundstation nicht weiter zunahm und man auch keinerlei Krankheiten entdecken konnte, hatte man beschlossen, ihn frei zu lassen, da er ja nicht ewig in Pieterburen bleiben konnte.

Als wir auf Vlieland angekommen waren, gab es erst ein paar Schwierigkeiten mit dem Tor zum Cardeck, doch die Seehunde verhielten sich verhältnismäßig ruhig. Auf Nachfrage erfuhren wir, dass man sie nicht irgendwie medizinisch ruhigstellte, da sie ja sofort im Wasser zurechtkommen müssen. Aber anscheinend sind sie Kummer gewöhnt.

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Dort verfrachtete André die Adoptiveltern in den Bus, und fuhr zusammen mit Peter mit ihm auf dem Trecker mit Anhänger mitfahren durfte.

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Beim Badhuys mussten wir den Bus verlassen und auf dem Vliehorsexpress Platz nehmen, der uns an das westlichste Ende der Insel bringen sollte, wo im Sommer die Fähre nach Texel ablegt. Außer uns fuhren noch eine ganze Menge „Zaungäste“ mit, und André rekrutierte erst einmal vier kräftige Mannsbilder, die die Seehunde auf den Vliehorsexpress verfrachteten.

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Dann nutzte er die Gelegenheit, im Aufklärungsarbeit zu leisten und Fragen zu beantworten. Ich glaube, es gibt wenig, was er nicht über das Watt und die Seehunde weiß. So erfuhren wir, dass die Seehunde eher Einzelgänger sind, während die Kegelrobben recht gesellige, soziale Tiere sind.

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Die Fahrt dauerte eine ganze Weile, und vor allem Bjarne wurde langsam unruhig. Als wir endlich angekommen waren, wurden die Kisten wieder herunter gewuchtet und ziemlich nah am Wasser platziert. Dann durften die Adoptiveltern Fotos von vorne machen, während die anderen Gäste hinter einer Linie warten mussten. Da ich beim letzten Mal die Kiste öffnen durfte, übernahm ich diesmal das Fotografieren.

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Auf Andrés Zeichnen wurden die Kisten geöffnet.

freilassen

Rachamim schoss wie eine Rakete auf das Wasser zu und verschwand auf Nimmerwiedersehen in den Fluten.

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Hetty und Bjarne ließen sich deutlich mehr Zeit, robbten erst mal gemütlich auf das Wasser zu, begaben sich dann wieder ein Stückchen zurück und Bjarne posierte noch einmal sehr nah vor meiner Kamera.

Bjarne7 Hetty

Dann spielten die beiden noch eine ganze Weile am Strand und gaben gewissermaßen eine Abschiedsvorstellung. Die beiden kurzen Filme hat mir Marleen zur Verfügung gestellt – vielen Dank dafür.

Erst als die meisten Zuschauer sich wieder zum Vliehorsexpress begaben, fanden sie ihren Weg ins Wasser und schwammen in Richtung Texel. Möge es euch gut gehen da draußen! Vielleicht trefft ihr ja Lewis und Mara noch.

Bjarne&Hetty Bjarne&Hetty2

Da ich ohne Handschuhe fotografiert hatte, waren meine Hände inzwischen eiskalt geworden, denn es hatte immer noch nur ein paar Grad über Null. Aber das war es auf jeden Fall wert. Unter kräftigen Gerüttel ging es wieder über den Vliehors zurück zum Badhuys, von wo aus wir zu Fuß ins Dorf gingen. Nach einem guten Essen und Kaffee spazierten wir noch durch das Dorf und am Watt entlang zum Hafen. Vlieland ist im Februar herrlich ruhig, kein Vergleich zu den Sommermonaten.

Dorpsstraat

Dann war es Zeit, um wieder heimwärts zu fahren. Es war ein langer und rundum gelungener Tag mit Sonne, Strand und Seehunden.

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Er gaat niets boven Groningen – Seehunde, ein Stadtbesuch und Erinnerungen

Gestern waren wir mal wieder in Pieterburen, da wir uns persönlich vom Wohlergehen unseres Seehunds Bjarne überzeugen wollten. Ich hatte uns ordnungsgemäß vorher angemeldet, und der nette Mitarbeiter an der Rezeption wusste Bescheid.

Sobald seine Kollegin ihn ablöste, ging er mit uns zum „Buitenbad“, einem Außenbecken, wo sieben Kegelrobben (grijze zeehonden) friedlich vor sich hin plantschten. Aber welcher davon war Bjarne? Sie sehen sich ja alle recht ähnlich, und das Hochhalten der Adoptionsurkunde half auch nichts – keiner winkte uns begeistert zu.

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Der Mitarbeiter, der uns begleitete, ging nach dem Ausschlussprinzip vor: Die mit einem lila Etikett in der Schwanzflosse konnten es nicht sein, denn die waren letztes Jahr gefunden worden, der eine mit dem roten Etikett, der so elegant am Ufer lag, war es auch nicht, denn der hatte noch eine Wunde an der Schwanzflosse und so weiter. Irgendwann kamen wir zu der Schlussfolgerung, dass Bjarne der Seehund in der vorderen Ecke sein musste.

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Als „Adoptiveltern“ kriegt man hier eine richtige VIP-Behandlung, man darf zusammen mit einem Mitarbeiter über die Absperrung, und er erklärt einem alles über unseren Seehund. So erfuhren wir, dass Bjarne in dem Monat, den er schon in Pieterburen ist, knapp zehn Kilo zugenommen hat und jetzt also 23 Kilo wiegt. Seine Gesundheit macht gute Fortschritte. Er scheint ein recht eigenwilliger Zeitgenosse mit einem ausgezeichneten Gebiss zu sein, das er uns auch mehrmals zeigte. Seehunde sehen zwar sehr knuddelig aus, aber es bleiben Raubtiere, und wenn einer zuschnappt, dann tut das weh, wie uns versichert wurde.

Da ich mich noch immer in der Smartphone-Lernphase befinde, machte ich einige Fotos mit meinem schicken Gerät und schickte sie gnadenlos an Freunde und Bekannte. Und ich habe sogar rausgekriegt, wie ich die Dinger auf den heimischen PC kriege. Toll, nicht wahr?

Im Kino der Seehundstation wurde passenderweise ein kurzer Film über Kegelrobben gezeigt. Die jungen Kegelrobben werden mitten im Winter geboren und haben ein dickes weißes Fell. Darum können sie auch in ihren ersten Lebenswochen noch nicht ins Wasser, denn das Fell würde sich sofort vollsaugen. Die Mutter säugt ihr Junges also an Land, und nach etwa fünf Wochen, wenn es groß genug ist, wird das weiße Fell durch normales Fell ersetzt. Dann verlässt die Mutter das Junge, und es muss sich allein durchschlagen. Zwischendurch muss die Mutter jedoch selbst mal auf Jagd, und in dieser Zeit ist das Junge dann allein an Land. Wenn Menschen dann zu nah heran kommen, verstößt die Mutter ihr Kind. Wenn es Glück hat, wird es, wie unser Bjarne, gefunden und in der Seehundstation aufgepäppelt, aber es ist natürlich viel besser, die Seehunde in Ruhe zu lassen, so dass es gar nicht notwendig ist.

Nach diesem lehrreichen Besuch fuhren wir nach Groningen, wo Peter seine Studentenzeit verbracht hatte. Wir parkten unser Auto in Beijum hinter Peters ehemaligem Studentenhaus und fuhren mit dem Bus ins Zentrum. Inzwischen ist es Linie 4 und nicht mehr Linie 6 – immer diese Veränderungen!

Groningen war die erste niederländische Stadt, die ich kennengelernt und auch oft besucht hatte, und auf unserem Weg durch die Stadt wurde ich von zahlreichen Erinnerungen eingeholt: So radelte ich einmal allein mit einer Karte bewaffnet von Beijum nach Paddepoel, um einen Freund zu besuchen, der in einer ziemlich hohen Hausnummer wohnte. Von meiner deutschen Geografie ausgehend erwartete ich eine unendlich lange Straße und war erstaunt, dass ich sehr schnell vor meinem Ziel stand, da man hier die Wohnungen in einem Hochhaus einzeln durchnummeriert. Ist ja auch viel praktischer.

Und einmal traf ich mich mit einer Freundin am Grote Markt beim Warenhaus V&D, was mir damals noch gar nichts sagte. Doch sie erklärte mir: „You will find it. Everybody meets at the V&D.“ Dass besagte Warenhauskette vor Kurzem Konkurs angemeldet hat und wohl bald von der Bildfläche verschwunden sein wird, bedeutet irgendwie das Ende einer Ära.

Aber viele Dinge gibt es noch immer: So steht der Martinitoren (d’Olle Grieze), den ich damals im Schweiße meines Angesichts erklommen hatte, immer noch da, wo er hingehört, und auch das Café „Ugly Duck“, wi wir uns gnadenlos an Spareribs überfressen hatten, gibt es noch.

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Diesmal aßen wir keine Spareribs (man wird ja vernünftig), sondern die typisch Groninger Mosterdsoep und Broodjes. Dabei musste ich mal wieder an den herrlichen Dialogausschnitt aus dem Lehrbuch „In de startblokken – Nederlands voor Duitstaligen“ denken: „Dan neem ik ook een voorgerecht. De mosterdsoep is hier altijd erg lekker.“ Da diese Unterrichtsmethode an der Universität Groningen entwickelt wurde, muss so ein Satz natürlich hinein.

Groningen

Danach gingen wir durch die Herestraat, die Einkaufsstraße schlechthin, zum Bahnhof. Dieses monumentale Gebäude hat einfach was.

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Zu meiner Groninger Zeit war die Decke in der Bahnhofshalle leider nicht zu sehen, da sie renoviert wurde, aber diesmal konnten wir sie in ihrer ganzen Pracht bewundern. Leute, so muss ein Bahnhof aussehen!

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Mein Verhältnis zu diesem Bahnhof war damals eher ambivalent, denn wie oft war ich hier angekommen, um relativ kurze Zeit später wieder Abschied nehmen zu müssen. Aber jetzt, wo ich meinen Platz hier gefunden habe, freue ich mich darauf, bei meiner Pieterpad-Wanderung in Groningen anzukommen und von dort aus auch wieder nach Hause zu fahren.

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Pieterpad – Der Anfang ist gemacht

St. Pietersberg – Spaubeek

Ich habe es tatsächlich letztes Wochenende geschafft, das „Unternehmen Pieterpad“ anzufangen, und … schee war’s, auch wenn natürlich nicht alles so ging, wie ich es mir vorgestellt hatte.

Das Wetter

Über das Wetter konnte ich mich im Großen und Ganzen nicht beklagen, es schüttete vor allem dann wie aus Eimern, als ich im Zug saß. Außerdem regnete es hin und wieder mal, vorzugsweise, wenn ich über eine ungeschützte Hochfläche schlurfte. Aber es gibt ja bekanntlich kein schlechtes Wetter, nur falsche Kleidung. Und meistens blieb es trocken, und gelegentlich schien die Sonne. Was will der Mensch mehr.

Orientierung

Schon am Anfang (ich musste von der Bushaltestelle Mergelweg/St. Pietersberg aus noch ein Stück zum Startpunkt) stellte ich fest, dass meine fehlende Übung beim Lesen des Wanderführers und der Markierungen sowie mein Rechts-Links-Problem für gelegentliche Schwierigeiten sorgen könnten. So schaffte ich es nicht, den genauen Anfangspunkt zu finden, aber ich tröstete mich damit, dass ich zumindest in der Nähe war und einen wunderschönen Blick über Maastricht hatte.

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Außerdem geriet ich bei Terblijt, wo es gerade wieder regnete, auf einen Wirtschaftsweg, weil ich den Autos entkommen wollte, die für meinen Geschmack etwas zu schnell und zahlreich auf dieser schmalen Straße ohne Gehweg unterwegs waren und recht spät auswichen. Aber irgendwann bog die Straße nach links und der Weg nach rechts ab, und wenn ich mich nicht durch dichtes Unterholz pflügen wollte, gab es keine Möglichkeit, auf die Straße zurück zu kommen. Also folgte ich dem Weg bis ins Dorf Vilt (etwas zu weit östlich) und dackelte ins Zentrum, wo ich ein Schild “Valkenburg 2 km” sah. Da dies mein Ziel für diesen Tag war, folgte ich ihm einfach.

Da mein Hotel nicht direkt auf der Route lag, musste ich am nächsten Tag selbige wieder finden. Da ich mich allerdings durch einige Informationen im Wanderführer verwirren ließ, legte ich ein paar Fehlstarts hin, bis ich endlich wieder auf die Markierungen stieß, denen ich folgen konnte.

Ganz klar, mit meinen Orientierungssinn kann ich es mir nicht leisten, ein Wanderwegpurist zu sein, und wenn das Ganze so ungefähr stimmt und ich mein Ziel erreiche, bin ich ja schon zufrieden. Schön ist es ja schließlich fast überall.

Allein wandern

Bevor ich losging, war ich schon etwas nervös, denn das letzte Mal war ich während meiner Studentenzeit allein auf Interrail durch Großbritannien und Irland gezogen, und das ist schon mehr als nur ein paar Jährchen her. Aber es war nicht weiter schlimm, denn wenn man allein läuft, braucht man niemanden zu unterhalten und auf niemanden Rücksicht zu nehmen. Man kann seinen eigenen Rhythmus finden und Pausen machen, wann man möchte.

Außerdem trifft man immer wieder auf andere Wanderer, die entweder den Pieterpad in Gegenrichtung laufen oder auf dem Pilgerweg von Amsterdam nach Maastricht unterwegs sind. Hin und wieder ergibt sich dann auch ein nettes Gespräch. Als ich am Anfang die Treppe vom Fort St. Pieter herunterstieg, applaudierten zwei entgegenkommende Wanderer, da sie dachten, dass ich den Weg gerade vollendet hatte. Ich musste die Jungs enttäuschen, ich befand mich ja gerade auf meinen ersten Metern. Daraufhin wünschten sie mir viel Erfolg, und ich gratulierte ihnen.

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Maastricht

Logischerweise führen die ersten Wanderkilometer durch Maastricht, und das ist am Samstag keine so gute Idee, da die Straßen voll mit Shoppern, Spaziergängern und Touristen sind. Und Städte sind ja bekanntlich immer Zeitfresser. Aber die Stadt hat schon etwas mit ihren verwinkelten Gassen, beeindruckenden Kirchen, gemütlichen Terrassen und ihrem südlichen Flair.

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Und als ich über die St. Servaasbrücke auf die andere Seite der Maas gegangen war, verliefen sich auch die Menschenmassen wieder. Und ich kam am Bahnhof vorbei, wo ich etwa eineinhalb Stunden vorher angekommen war – wie doof ist das denn!

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Valkenburg

Aufgrund meines Irrwegs kam ich auf der falschen Seite nach Valkenburg, nämlich am Cauberg. Zum Glück befindet sich am Ortseingang eine Umgebungskarte, auf der ich den Weg zu meinem Hotel problemlos fand. Gemütlich spazierte ich den Cauberg hinunter, während sich zahlreiche Radfahrer mühsam nach oben kämpften und vom Publikum am Straßenrand angefeuert wurden. Es handelte sich im die Boogie’s Extreme Tour, bei der Geld für Menschen mit Parkinson gesammelt wurde. Nachdem ich ein kurzes Stück durch das Zentrum gegangen war, musste ich wieder nach oben zu meinem Hotel.

Valkenburg ist eine nette Stadt mit einer Burgruine, die über der Stadt thront, vielen gemütlichen Restaurants und zahlreichen Mergelgrotten, die man besichtigen kann. Es gibt dort sogar einen unterirdischen Weihnachtsmarkt, den wir vor einigen Jahren mal besucht hatten. Man kann dort auch gut essen und das Bier ist lecker.

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Limburg und die Limburger

Die Landschaft in Süd-Limburg ist auf jeden Fall sehr abwechslungsreich: Man wandert über Hügel und Hochflächen, vorbei an Kreidefelsen, durchquert Flusstäler und kraucht durch Wälder. Malerische Ortschaften und Landgüter prägen das Bild. Die Wanderwege (meist schmale Sandwege) sind gesäumt von Korn- und Maisfeldern sowie Streuobstwiesen, wo ich mir hin und wieder eine heruntergefallene Birne genehmigte – lecker!

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Limburg ist überwiegend katholisch, was man unschwer an den zahlreichen Wegkreuzen und Kapellen erkennen kann.

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Die Limburger, mit denen ich unterwegs zu tun hatte, sind sehr freundliche Leute, ob es sich nun um die Hoteleigentümerin handelte, die ihren Gästen auch gerne die Extrawünsche zum Frühstück erfüllte, den Ober in einem Valkenburger Restaurant, wo ich lecker gespeist habe, oder den Schaffner im Zug von Spaubeek nach Sittard, der mich, als ich auf den Bahnsteig gesprintet kam, noch mitfahren ließ auch keinen Aufstand machte, weil ich es nicht mehr geschafft hatte, einzuchecken.

Der Dialekt ist allerdings etwas gewöhnungsbedürftig. Zum einen gibt es so eine Art Vokalverschiebung, deren System sich mir noch nicht erschloss, die aber etwas an Sesemi Weichbrodt aus „Buddenbrooks“ erinnert: „Sei glöcklich, du gutes Kend.“ Zum Anderen dachte ich am Anfang, dass man mich wegen meines Akzents veräppeln wollte, da man dort immer wieder deutsche Wörter mit einfließen lässt. In der Regiosoap „De hemelpaort“, die ich vor einigen Jahren gesehen hatte, war ja auch immer wieder die Rede von „muscheln essen“ anstatt „mosselen eten“ gewesen. Man muss sich etwas hineinhören, aber man gewöhnt sich daran.

Pech

Am Abend des ersten Tages musste ich zu meinem Entsetzen feststellen, dass sich in der Sohle meines linken Schuhs ein Riss befand. Als ich sie vor zwei Wochen zum letzten Mal getragen hatte, war noch alles in bester Ordnung gewesen. Mist! Ein bisschen komisch hatten sich die letzten Kilometer schon angefühlt. Ich beschloss, am nächsten Tag trotzdem weiter zu gehen und notfalls nicht ganz bis Sittard zu laufen.

Anfangs ging es auch noch ganz gut, aber nach einem längeren Waldstück über Stock und Stein hatte der Riss sich vergrößert.

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Und zu allem Überfluss versammelten sich dunkle Wolken am Himmel. Wenn es zu regnen anfangen sollte, wäre der Schuh in kürzester Zeit geflutet. Sowas kann man sich antun, muss man aber nicht, wenn man nicht gerade bei der Fremdenlegion ist. Also konsultierte ich meinen Führer und stellte fest, dass die Route direkt am Bahnhof in Spaubeek vorbeiführt, ungefähr zehn Kilometer vor Sittard. Als ich den Bahnhof erreichte, stand da auch tatsächlich der Zug, den ich dank des netten Schaffners (siehe oben) noch erwischte. So war ich also etwa drei Stunden früher als geplant wieder zu Hause.

Fazit

Obwohl ich von diversen Pannen nicht verschont geblieben war, hat mir der erste Teil des „Unternehmens Pieterpad“ Spaß gemacht. Allerdings werde ich die nächsten Etappen anders einteilen müssen, denn so lange ich fast vier Stunden zur Route und nach Hause unterwegs bin, werde ich de im Buch angegebenen Tagesetappen nicht schaffen, und sicher nicht im Herbst, wenn es doch relativ früh dunkel wird. Wann ich das nächste Stück gehen werde, kann ich noch nicht sagen, da ich erst mal meine neuen Schuhe einlaufen muss und die nächsten beiden Wochenenden anderweitig verplant habe.

Aber ich werde auf jeden Fall weiterlaufen und hoffentlich irgendwann im nächsten Jahr bei Pieterburen am Wattenmeer stehen.

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Unternehmen „Pieterpad“

Im letzten Sommer sind Peter und ich ja in einem Anfall von Größenwahn die Strand6Daagse von Hoek van Holland nach Den Helder gelaufen. 140 Kilometer in – wie der Name schon sagt – sechs Tagen am Strand entlang. Inzwischen sind der Klumpfuß und sonstige Nachwehen dieses Unternehmens längst verheilt und alle Unbilden der Wanderung vergessen. Schön war es eigentlich schon.

In den letzten Monaten hörte ich, gemäß dem Gesetz der Serie, von immer mehr Leuten, die den „Pieterpad“ gewandert waren, oder dabei waren, es zu tun. Dabei handelt es sich um einen knapp 500 km langen Fernwanderweg, der in 26 Tagesetappen von Pieterburen im äußersten Norden der Niederlande (da, wo sich auch die Seehundstation befindet) zum südlichsten Zipfel St. Pietersberg bei Maastricht führt. Man kommt also vom Wattenmeer durch  die unterschiedlichsten Landschaften (flaches Land, Wälder, Flusslandschaften) bis zum recht hügligen Limburg. Eine gute Gelegenheit also, meine Wahlheimat mal auf eine andere Art kennen zu lernen.

Da ich natürlich nicht schon wieder einen Monat frei nehmen kann, möchte ich den Weg in „stukjes“ laufen: Immer, wenn ich mal ein Wochenende Zeit habe, fahre ich mit öffentlichen Verkehrsmitteln dorthin, wo ich beim letzten Mal aufgehört habe und setze dann meinen Weg fort. Anders als die meisten Leute (und auch meine Kollegin Alexandra), die den Weg von Norden nach Süden gehen, werde ich in umgekehrter Richtung unterwegs sein, weil mir die Idee, auf das Meer zuzulaufen, besser gefällt.

Morgen geht es also los, die ersten zwei Etappen warten. Mein Rucksack ist gepackt, der E-Reader aufgeladen und mit Lesefutter gefüllt (immerhin bin ich insgesamt über sieben Stunden mit der Bahn unterwegs), ein nettes Hotel in Valkenburg gebucht, und auch an Pflaster, Fußsalbe, Franzbranntwein und Fressalien ist gedacht. Jetzt muss nur noch das Wetter mitspielen, aber die Wettervorhersage sieht noch recht passabel aus.

Ich bin schon sehr gespannt, wie es mir ergeht und ob mir die Wanderung überhaupt Spaß machen wird. Vielleicht hänge ich ja nach diesen zwei Tagen die Wanderschuhe endgültig an den Nagel? Übermorgen werde ich mehr wissen…

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Urlaub im Moinland – Teil 3

Seehunde, Hasen, Igel und the best Fischbrötchen ever!

Am Morgen fuhren wir schon recht früh los. Wir überquerten das Dangaster Binnentief und am Deich entlang Richtung Norden. Dann bogen wir ab nach Schortens und Jever, um nicht durch Wilhelmshafen zu müssen, das auf der Karte groß und verkehrsreich aussah. Nach einer Weile erreichten wir Carolinensiel mit seinem goldigen Museumshafen.

Ein „Siel“ ist übrigens ein verschließbarer Gewässerdurchlass in einem Deich und Teil des Entwässerungssystems im Marschland. Die gesamte ostfriesische Nordseeküste ist von diesen Sielen gesäumt. Im Niederländischen weist die Endung „-zijl“ ebenfalls auf die Lage an einem Siel hin. Das Fischerdorf Carolinensiel wurde 1730 von Georg Albrecht von Ostfriesland gegründet und nach seiner Frau Sophie Caroline benannt. Am Museumshafen steht seit 2005 die Skulptur Caroline, die den „Cliner Wind“, den Wind aus Carolinensiel symbolisiert.

Carolinensiel Carolinensiel2

Nach einer Sitzbesichtigung stockten wir in einem Supermarkt unsere Vorräte auf und fuhren weiter nach Harlersiel, wo die Fähre nach Wangerooge abfährt. Diese Insel soll ja sehr schön sein, aber leider besitzt sie keinen Campingplatz, weshalb sie noch ein bisschen auf unseren Besuch warten muss. Dort bogen wir links ab und fuhren nach Neuharlingersiel.

Neuharlingersiel2

Unterwegs hatte es schon angefangen zu tröpfeln, und als wir den Fischereihafen erreichten, legte der Regen richtig los. Wir stellten uns unter einen Teil der Konzertmuschel und erhielten bald Gesellschaft von einem schwäbischen Pärchen mit Hund. Dann gesellte sich eine Familie zu uns, und eines der zwei Kinder bemerkte: „Ich hab ja gleich gesagt, dass wir im Auto bleiben sollen, aber auf mich hört ja wieder keiner.“ Wo er recht hat, hat er recht.

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Als der Regen nachließ, setzen wir unseren Weg am Deich fort, wobei wir uns kräftig gegen den Wind aus Westen stemmen mussten.

Deich Unterwegs

In Bensersiel beschlossen wir, dass wir genug gefahren waren und steuerten den dortigen Campingplatz an. An der Rezeption wurde uns eine Parzelle in der Mitte des Platzes zugewiesen. Auch hier hatten wir eine eigene Adresse, diesmal „Am Bach 4“. Die Wegnamen sind bei diesem Platz auch dringend notwendig, sonst würde niemand sein Zelt oder seinen Wohnwagen wiederfinden. Der Platz befindet sich außerhalb des Deiches, und einige Plätze liegen direkt am Strand. Unserer gehörte zum Glück nicht dazu, ein bisschen respektvoller Abstand zum Wasser muss sein.

Nachdem wir das Zelt aufgebaut hatten, brutzelten wir uns etwas zum Abendessen. Dann gingen wir am Strand entlang, vorbei am Strandbad und einem Kiosk, den wir uns für das morgige Frühstück vormerkten. Über eine Brücke über das Benser Außentief kamen wir in die Ortschaft. Und wieder begann es zu regnen. Wir stellten uns bei einem Andenkenladen unter, und als der Regen etwas nachließ, sprinteten wir zum Restaurant gegenüber. Da wir nur etwas trinken wollten, bat man uns, an der Bar Platz zu nehmen. Zwei Bierchen später war es trocken genug, dass wir zum Campingplatz zurückkehren konnten.

Am nächsten Morgen ging ich als erstes zum Bäcker, um Frühstückssemmeln zu holen. Dann trödelten wir gemütlich herum und beobachteten eine Schafherde, die an unserem Platz vorbeizog.

Schafe

Endlich hatten wir gepackt und fuhren weiter Richtung Osten. Das Wetter war gut, nur gelegentlich erwischte uns ein kleiner Regenschauer. Irgendwo am Wegesrand grüßte uns ein fröhliches Stroh-Hochzeitspaar. Solche Figuren sieht man hier in der Gegend öfters.

Strohfiguren

In Neßmersiel wurde es Zeit für eine Eispause. Zusammen mit einer anderen Frau betrat ich ein Gasthaus, doch es war gar nicht so leicht, den Wirt auf uns aufmerksam zu machen, da er mit lauter Musikbeschallung in der Küche herum wurschtelte. Als ich meine Eiswaffeln bekommen hatte, begann es wieder zu tröpfeln, und wir suchten in einem Strandkorb im Garten Schutz.

Dann ging es weiter nach Norddeich. Wir fuhren am Hafen vorbei, wo die Schiffe nach Juist und Norderney abfahren, und nach einem unfreiwilligen Abstecher in die Ortsmitte fanden wir den Campingplatz direkt am Deich. Wir checkten ein und durften uns ein Plätzchen auf einer der drei Zeltwiesen aussuchen. Diese sind unterschiedlich groß und durch Hecken voneinander abgetrennt, so dass man immer einigermaßen geschützt steht. Wir wählten die mittlere, wo bereits ein radelnder Vater mit zwei Kindern stand.

Da wir hier zwei Nächte bleiben wollten, beschlossen wir, erst einmal unsere Klamotten zu waschen. In der trüben Dreck-Waschmittelbrühe wirkten sie wie ein abstraktes Kunstwerk.

Wäsche Wäsche2

Während die Wäsche gemütlich in der Sonne vor sich hin trocknete, erkundeten wir die Umgebung. Zum Campingplatz gehört ein Restaurant mit Biergarten, das sich im ehemaligen Rundfunkgebäude von Norddeich Radio befindet. Diese Küstenfunkstelle wurde Anfang des 20. Jahrhunderts errichtet und führte knapp 100 Jahre lang Telegrammverkehr mit Schiffen in aller Welt durch (Wikipedia). Jedes Jahr gab es an Heiligabend die Sondersendung „Gruß an Bord“, bei der Angehörige an Land den Besatzungen der verschiedenen Schiffe Weihnachtswünsche zukommen lassen konnten. Außerdem empfing Norddeich Radio Notrufe von Schiffe in Seenot und leitete sie an die Rettungsstellen weiter. 1998 wurde die Radiostation endgültig geschlossen. Für einen Besuch des „Museum Norddeich Radio“ gegenüber dem Café ten Cate in Norden waren wir allerdings zu früh, da es erst im März 2015 eröffnet werden sollte.

Norddeich Radio Norddeich Radio2

Wir wanderten am Deich entlang, wo sich das Wasser zurückgezogen hatte und der Schlick zwischen den Buhnen liegen blieb.

Norddeich Buhnen Norddeich Buhnen2

Auf dem Rückweg entdeckten wir beim Eingang des Campingplatzes auch eine Hundedusche, um die schlammverkrusteten Tiere nach einem Strandbesuch zu reinigen.

Hundedusche

Zum Abendessen gingen wir in den Biergarten. Gerade als wir unsere Bestellung aufgegeben hatten, fing es an zu tröpfeln, und ich sauste zum Zelt, um die Wäsche abzunehmen. Dann gingen wir nach drinnen, wo wir uns unser Abendessen schmecken ließen.

Am nächsten Tag holte ich im Campingladen unsere Frühstückszutaten und den neuesten Krimi von Klaus-Peter Wolf, „Ostfriesenfeuer“, den ich mir in den nächsten Tagen zu Gemüte führen wollte. Dann fuhren wir als erstes zur Seehundstation im Nationalparkhaus. Im Jahr 1971 wurde die Seehundstation von Winhold Schumann und Erwin Manninga gegründet, die bei der Jägerschaft Niedersachsen Gelder beantragten, um verwaiste Seehunde aufzupäppeln und wieder auszuwildern. Auf diese Weise sollte die Seehundpopulation, die in den sechziger Jahren dramatisch zurückgegangen war, zu stützen. Im selben Jahr zog auch „unsere“ Lenie ‚t Hart ihren ersten Seehund auf und legte den Grundstein für die Zeehondencrèche Pieterburen. Soweit ich weiß, arbeiten die beiden Seehundstationen auch zusammen, vor allem auf dem Gebiet der Forschung. Auch hier kann man eine Seehundpatenschaft übernehmen und dabei sein, wenn der Seehund ausgewildert wird.

Anders als in Pieterburen ist die Quarantänestation ausgelagert du befindet sich im Waloseum. Auch kann man als Unbefugter nicht aus dem Hauptgebäude an die Außenbecken. Toll ist aber, dass man die Seehunde im großen Außenbecken durch eine Glasscheibe beim Tauchen beobachten kann.

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Wir sahen uns die Ausstellung an und schauten beim Füttern zu. In der Küche tat sich hier allerdings nicht viel, da die Tiere groß genug waren, um die Fische als Ganzes zu verspeisen.

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Schön, dass auch hier gut für die Seehunde gesorgt wird.

Dann fuhren wir weiter an einer riesigen Doornkaatflasche vorbei in das Zentrum von Norden.

Norden Norden2

Wir bummelten durch die Innenstadt, vorbei am Teemuseum, das aber leider montags nicht geöffnet hat, und einigen anderen interessanten Gebäuden, wie den „Dree Süsters“ (Drei Schwestern) am Marktplatz und dem Neuen Rathaus.

Norden Rathaus Norden Dree Süsters

Beim Café ten Cate lagen einige Ostfriesenkrimis von Klaus-Peter Wolf im Schaufenster, wahrscheinlich als Gegenleistung dafür, dass ihr Marzipan in jedem Band mehrfach Erwähnung findet, nämlich immer dann, wenn Hauptkommissar Ubbo Heide unter Stress steht und seinem Magen etwas Gutes tun muss. Ich kaufte eine Marzipanmuschel, da ich feststellen wollte, ob es wirklich so lecker ist. Ist es!

Dann hatten wir Appetit auf etwas Fischiges, wir waren ja schließlich an der Nordsee. Zufällig entdeckten wir das Fischrestaurant „Fisherman“. Wir setzen uns erst an einen Tisch draußen, stellten jedoch nach einer Weile fest, dass man zum Bestellen hineingehen musste. Die Fische in der Auslage sahen so lecker aus, dass wir beschlossen, kein warmes Essen zu bestellen, sondern ein Fischbrötchen zu essen. Die Brötchen wurden frisch zubereitet und waren wunderbar! Knusprige Brötchen, der Matjes frisch und aromatisch, nur mit einem Hauch von Salz, so dass der Fischgeschmack nicht erschlagen wurde, ein paar frische Zwiebelringe und ein bisschen Essiggurke und Paprika, die den Fisch perfekt abrundeten. Wir waren uns einig, dass wir gerade „the best Fischbrötchen ever“ verspeisten.

Nach diesem kulinarischen Erlebnis fuhren wir wieder zum Campingplatz, wo wir unsere Urlaubkarten schrieben und den grasenden Karnickeln zuschauten. Dann machten wir noch einen Spaziergang zum Strandbad.

Karnickel

Mitten in der Nacht schüttelte Peter mich wach, da er die Taschenlampe brauchte. Irgendetwas rumorte in unserem Vorzelt. Hatte sich etwa ein Kaninchen verirrt? Vorsichtig schaute Peter nach und rief dann: „Wir haben einen Igel!“ Tatsächlich, eines dieser stachligen Tiere hatte seinen Weg ins Zelt gefunden und schnüffelte interessiert an unseren Taschen, wahrscheinlich auf der Suche nach etwas Essbarem. Unser Fressaliensack war jedoch gut verschlossen. Vorsichtig schob Peter den Igel mit der Taschenlampe wieder nach draußen und wir schliefen wieder ein.

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Zu Besuch bei / Op bezoek bij … Lewis

Wie ihr ja wisst, haben wir im Januar wieder einen Seehund, Lewis, adoptiert. Da uns sein Wohlergehen natürlich am Herzen liegt, haben wir ihn gestern besucht. Ein paar Tage vorher hatte ich uns bei der Seehundstation angemeldet, und erhielt folgende nette Mail zurück: „Danke für eure Mail. Ihr seid am Samstag herzlich willkommen, ich habe im Besucherzentrum Bescheid gesagt, dass ihr kommt! Lewis geht es gut, aber er braucht Zeit, um sich von seiner Lungenwurminfektion zu erholen. Lewis schwimmt in den „Niewe Badjes“ (Neue Becken) und wiegt jetzt 18,4 kg.“

Zaals jullie weten hebben wij in januari weer een zeehond, Lewis, geadopteerd. Omdat zijn welbevinden voor ons belangrijk is, zijn wij gisteren bij hem op bezoek geweest. Een paar dagen van tevoren had ik de zeehondencreche ervan op de hoogte gesteld en kreeg de volgende mail terug: „Dank voor jullie e-mail. Jullie zijn zaterdag van harte welkom, ik heb doorgegeven aan het bezoekerscentrum dat jullie komen! Met Lewis gaat het goed maar hij heeft wel tijd nodig om te herstellen van zijn longworminfectie. Lewis zwemt in de Nieuwe Badjes en weegt nu 18.4 kg.“

Wir wurden freundlich empfangen und durften gleich nach draußen zu den Becken. Hier sind also die Seehunde in den Nieuwe Badjes:

Wij werden vriendelijk ontvangen en mochten meteen naar de buitenbassins. En hier zijn dus de zeehonden in de Nieuwe Badjes:

Nieuwe Badjes

Nieuwe Badjes2 Nieuwe Badjes 3

Lewis befindet sich also nicht mehr im Bereich „Intensive Care“, den alle neuen Seehunde durchlaufen, sondern in der zweiten Phase „Verzorging“ (Pflege). Aber wie sollten wir ihn erkennen? Die Seehunde sehen sich ja alle recht ähnlich, und auf seinen Namen reagierte er nicht. Ein Mitarbeiter half uns, ihn zu identifizieren, und wir durften sogar über die Absperrung. Der zweite neben dem Zaun ist also unser Lewis. Besonders aktiv ist er nicht gerade, aber das muss er ja auch nicht sein.

Lewis bevindt zich dus niet meer in de fase „Intensive Care“, die alle nieuwe zeehonden doorlopen, maar in de tweede fase „verzorging“. Maar hoe konden wij nu weten, welke zeehond Lewis is? Ze lijken toch allemaal op elkaar, en op zijn naam reageerde hij niet. Een medewerker hielp ons, hem te identificeren, en wij mochten zelfs over de afzetting stappen. De tweede naast het hek is dus onze Lewis. Bepaald actief is hij niet, maar dat hoeft ook niet.

Lewis 3 Lewis 4

Da wir schon mal da waren, machten wir uns auch auf die Suche nach Anjas Kegelrobbe Nikolaus. Wir fanden ihn im Reigerbad (Reiherbad), das zur dritten Phase „Herstel“ (Erholung) gehört. Hier befinden sich die Seehunde, die bald freigelassen werden. Auch hier wissen wir nicht, welcher Nikolaus ist, aber alle fünf machen einen wohlgenährten und munteren Eindruck. Irgendwie ist hier doch mehr Action als bei Lewis. 😉

Omdat wij er toch al  waren, gingen wij nog op zoek naar Anjas grijze zeehond Nikolaus. Wij vonden hem in het Reigerbad, dat bij de derde fase „Herstel“ hoort. Hier zijn de zeehonden die binnenkort weer vrijgelaten worden. Natuurlijk weten we ook hier niet, welke zeehond Nikolaus is, maar alle vijf zien er goed gevoed en vrolijk uit. Hier is ook wat meer actie dan bij Lewis. 😉

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Reigerbad 3 Reigerbad 2

Ich hoffe, dass die Seehunde bald wieder in ihrem natürlichen Element schwimmen können.

Ik hoop dat de zeehonden gauw weer in hun natuurlijke omgeving kunnen zwemmen.

Kategorien: "Gewoon" dagelijks leven, Ganz "normaler" Alltag | Schlagwörter: , , , , , , , , , , , , | 4 Kommentare

Lewis

Nee, hier gaat het niet over de Engelse detective, of in ieder geval alleen indirect. Twee jaar geleden hadden we al een zeehond, Mara, geadopteerd. Nu vonden we, dat het weer eens tijd werd voor een nieuwe zeehond. Na een leuke mailwisseling met de zeehondencreche Pieterburen mochten wij een naam kiezen. Het werd Lewis, omdat de hoofdpersoon van de boven genoemde detective Robert (Robbie) Lewis heet. Dit vonden we wel passend.

En hier is hij dus:

Lewis

Hij werd op 14 januari op Vlieland gevonden es is ongeveer 6 maanden. Hij heeft last van longwormen en kan dus niet meer naar voedsel duiken. Daardoor weegt hij alleen nog ongeveer 18 kg. Dit is niet veel, als je weet dat een zeehond na 5 weken, als hij niet meer door zijn moeder wordt verzorgd, al minimaal 30 kg moet wegen en dat het gewicht van een volwassen zeehondmannetje ca. 140 kg is.

In de afgelopen decennia kwamen heel veel zware metalen en andere giftige stoffen in de waddenzee terecht – door het dumpen van afval in de noordzee en de rivieren. We herinneren ons wat veel fabrieken vroeger gewoon in de Rijn hebben laten lopen! Het water is gelukkig inmiddels wer veel schoner, maar het zal nog vrij lang duren voordat zich ook de grond van de waddenzee weer helemaal hersteld heeft. De giftige stoffen worden door plankton en andere minuscule organismen opgenomen, die door vissen gegeten worden, die op hun beurt weer door de zeehonden verorberd worden. Op die manier hopen ze op zich in de speklaag van de zeehonden. En als een vrouwtje zijn jong zoogt, wordt deze speklaag afgebroken en de giftige stoffen komen in de moedermelk terecht. Op deze manier komen ze direct bij de jonge zeehonden binnen. Daardoor wordt hun immunnsysteem aangetast, en ze zijn dus bijzonder vatbaar voor ziektes en parasieten zoals de longworm.

Lewis zal nu een paar weken in quarantaine verblijven, waar hij met voedsel en medicijnen verzorgd wordt. Daarna kan hij hopelijk naar een groter bassin verhuizen, waar hij kan zwemmen en met soortenoten spelen. Als alles goed gaat, zal hij over twee of drie maanden worden vrijgelaten. Misschien kunnen we er dit jaar bij zijn.

Helaas staan bij de nieuwe website van de zeehondencreche niet meer de namen van de zeehonden vermeld, die in de verschillende ruimtes verblijven, zodat we Lewis niet kunnen volgen, zoals we dat toen bij Mara deden. Maar we zullen hem zeker gauw een keertje bezoeken.

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