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Nordostengland und Borders 2016 – Teil 2

It’s not been such a bad day. In fact, it’s been a good day.“ (Campinggast bei Lower Wensleydale)

Am nächsten Morgen waren wir schon um sieben Uhr wach und stellten fest, dass die Eineinhalb-Stunden-Regel (die Zeit vom Wachwerden bis zum Losfahren) immer noch stimmt. Pünktlich um halb neun saßen wir auf den Leezen und versuchten, den richtigen Weg aus der Stadt zu finden. An einer Ampel kamen wir ins Gespräch mit einem Niederländer, dessen Freundin in York wohnte. Er gab uns eine kurze Wegbeschreibung für eine ruhige Strecke. Das Problem bei Radwegen in Städten ist, dass sie manchmal plötzlich aufhören und man sich dann auf dem Bürgersteig wiederfindet, wo man von indignierten Fußgängern angeblökt wird, aber da muss man wohl durch.

Bald fanden wir den richtigen Weg durch nette Ortschaften wie Tollerton, Helperby und Asenby. Zwischendurch machten wir gelegentlich Pause bei Kirchen, Kühen und Schafen.  Das Wetter war erst sonnig und später etwas bewölkt, was aber gar nicht schlecht war, denn die Gegend wurde immer hügliger.

Bei der A1 mussten wir uns durch ein ziemliches Gewurschtel an Kreiseln kämpfen, um die Autobahn zu überqueren, aber wir schafften es.

Später sollte das ein paarmal nicht  so gut gehen, aber das wussten wir zum Glück noch nicht, so dass wir die Fahrt noch in vollen Zügen genießen konnten. Die Hügel waren ganz gut zu meistern, und ich war recht stolz, dass ich nur selten schieben musste.

Kurz vor Leyburn mussten wir uns dann doch einen richtig steilen Hügel zum Campingplatz hochkämpfen, und zwar beide zu Fuß. Ironischerweise hieß der Campingplatz „Lower Wensleydale“. Wir checkten ein und stellten fest, dass man hier dieselben Duschvorhänge hat wie in York. Die Campinggäste waren nett und stellten Fragen wie: „Where did you start off this morning?“ oder „Heavy load on your bike, are you Dutch?“ Was das eine mit dem anderen zu tun hat, darüber kann man nur mutmaßen.

Der Campingplatz war recht nett, es gab einen Pfau, der gelegentlich sein Gefieder spreizte oder fürchterlichen Krach machte, und diverse andere Wasservögel mit Jungen. Nachdem wir aufgebaut hatten, fuhren wir nach Leyburn, wo wir einkaufen und dann in ein chinesisches Restaurant gingen. Dort hatten sie zwar auch chinesisches Bier auf der Karte, aber ich nahm trotzdem leiber das lokale „Black Sheep“. Nach dem ausgezeichneten Essen bekamen wir noch zwei Glückskekse. Auf Peters Zettel stand „Good news will come to you by mail.“, und mein Spruch lautete: „All your hard work will soon pay off.“ Das wäre sicher nicht schlecht.

Obwohl wir früh schlafen gegangen waren, wurden wir am nächsten Morgen erst um neun Uhr wach. Wir waren wohl nichts mehr gewöhnt, aber egal, wir hatten Urlaub und wollten heute sowieso nicht weiter, sondern die Aysgarth Falls besuchen.

Nach einem ausgiebigen Frühstück machten wir uns auf den Weg. Wir fuhren über Leyburn vorbei an Bolton Castle, das in der Ferne auf einem Hügel thronte, und der Brunnen in der Ortschaft Caperby war bereits festlich für den Geburtstag der Queen dekoriert. Die Gegend war recht hüglig und es gab tolle Abfahrten, aber es ist auch ein Naturgesetz, dass man kurz danach wieder bergauf strampeln muss. Aber die Yorkshire Dales sind so schön und das Wetter war wunderbar, da nimmt man das ja gerne im Kauf.

Bei den Aysgarth Falls ketteten wir unsere Räder an den Zaun des Informationszentrums und schauten uns zuerst dort um. Bei unserer ersten gemeinsamen Radtour hatte Peter hier ein tolles T-shirt mit Ottern erstanden, aber leider gab es diese nicht mehr. Dass sich in zwanzig Jahren auch so viel verändern muss!

Wir machten einen Spaziergang zu den Upper, Middle und Lower Falls, und es erstaunte mich nicht, dass William Turner sie gemalt hatte. Auch einige Kampfszenen aus „Robin Hood – Prince of Thieves“ waren hier gefilmt worden.

Wir besuchten noch die St. Andrew’s Church und fuhren dann über Swinthwaite und Wensley wieder zurück nach Leyburn. Obwohl die Gegend recht ländlich ist, waren ziemlich viele Autofahrer unterwegs. Die idyllischen Zeiten der Serie „Downton Abbey“, wo sich Sir Robert über zu viel Verkehr beklagte („Five cars parked in the village and three passing“) waren definitiv vorbei.

In Leyburn deckten wir uns mit Vorräten für das Abendessen ein und fuhren dann zurück zum Campingplatz. Gerade als Peter auf die Zeltwiese einbiegen wollte, riss ihm die Kette. Zum Glück war er langsam unterwegs und es passierte weiter nichts. Gemeinsam machten wir uns an die Reparatur und stellten mal wieder fest, dass wir ein gutes Team waren.

Danach legten wir uns in die Sonne und lasen Zeitung. Dort wurden in zahlreichen Leserbriefen die Vor- und Nachteile eines möglichen Brexits debattiert, während der Artikel auf der Titelseite sich mit einer weiteren wichtigen Frage beschäftigte: „Will it rain on the Queen’s birthday?“  Dann verspeisten wir unser Abendessen, während sich dunkle Wolken über uns zusammenklumpten. Gerade, als wir fertig waren, begann es zu regnen, und wir verzogen uns mit unserer Zeitung ins Zelt.

Als der Regen nachgelassen hatte, wurde es Zeit für einen Pubbesuch. Wir folgten dem Trampelpfad zur „Pheasant Inn“, das wohl noch als Wohnzimmer des Dorfs fungierte und vor allem von „Locals“ frequentiert wurde. Während wir unser Bier tranken, hörten wir ihren Gesprächen über das Training von Rennpferden auf unterschiedlichem Untergrund zu und bekamen Fotos von „Douglas the Baby Meerkat“, der wohl in der Gegend berühmt ist, gezeigt.

Auf dem Rückweg machten wir noch einen Abstecher zum Harmby Waterfall, an dem wir am Vortag vorbeigeradelt waren. Da es aber schon recht dunkel war, sahen wir nicht allzuviel davon.

Brexit-Quote des Tages: „I want to keep our punds, ounces, inches, miles and pints and drive on the left. It may be quirky to the one-size-fits-all-brigade, but it’s British.“ (M. Elliot).

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52 Bücher (4) – „McCarthy’s Bar“ von Pete McCarthy

Nachdem der letzte Beitrag etwas schwer verdaulich war, wird es jetzt deutlich angenehmer. Das Leben ist schließlich zu kurz, um Bücher zu lesen, die keinen Spaß machen.

Das Motto der vierten Woche lautet Der schönste Satz. Lieblingssätze habe ich eine ganze Menge, denn die Weltliteratur wimmelt von schönen Sätzen. Aber am Anfang des Projekts hatte ich mir selbst die Beschränkung auferlegt, zu jedem Motto nur ein Buch vorzustellen. Sonst komme ich ja zu gar nichts mehr. Also entschied ich mich für den Satz

„It’s important to have a plan B, especially when there is no Plan A.“ (Pete McCarthy, McCarthy’s Bar, S. 29, London 2000)

Der deutsche Titel lautet übrigens „McCarthy’s Bar – Mein ganz persönliches Irland“. Der Comedy-Star und Moderator Pete McCarthy (mit britischem Pass und irischem Herzen) reist auf der Suche nach seinen Wurzeln auf die grüne Insel, das Herkunftsland seiner Mutter. Seine achte Reiseregel lautet „Never pass a bar that has your name on it“. Und wenn man McCarthy heißt und großzügig alle anderen Schreibweisen dieses Namens, z.B. die gälische Variante „McCarthai“, akzeptiert, kann so eine Reise sehr feucht-fröhlich werden.

Das Buch ist voll von skurrilen Erlebnissen und Begegnungen: Der Harfenspieler, der im ersten Kapitel von der Bühne fällt, der missglückte Versuch, nach einem längeren Pubaufenthalt leise und unauffällig in sein B&B zurück zu kehren, die Tage im Kloster „St. Patrick’s Purgatory“, die der inneren Einkehr dienen sollten und nicht zuletzt sein ständiger Kampf mit seinem alten Volvo, genannt „The Tank“, an dem ständig etwas anderes kaputt ist. Dazu kommen seine Gedanken und Betrachtungen zu den touristischen Attaktionen, die die Insel zu bieten hat: Der Delfin vor der Dingle-Halbinsel, der „Dry Canal“ in Cong und vieles mehr.

Es ist eine sehr persönliche Reisegeschichte mit vielen schönen Erlebnissen und auch zahlreichen Pannen und Fettnäpfen.

Zu der oben zitierten Erkenntnis kam er, als er feststellen musste, dass sein Orientierungssinn ihn mal wieder schmählich im Stich gelassen hatte und er im Kreis gefahren war. Sein „Plan B“ war dann auch verblüffend einfach: Weiterfahren, bis etwas passiert. Wie im richtigen Leben halt.

Das Buch habe ich gegen Ende meiner eigenen Irlandreise erworben, als mir der Lesestoff auszugehen drohte. Und bei nicht wenigen der beschriebenen Orte und Situationen hatte ich das Gefühl: „Been there, done that“.

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