Beiträge mit dem Schlagwort: Sommer

Mit der „Dackelhütte“ auf dem Pieterpad

Coevorden – Rolde

Nach einigen Tagesausflügen auf dem Trekvogelpad wurde es mal wieder Zeit, auf dem Pieterpad weiter zu gehen. Drei Tage lang wanderte ich durch Drenthe von Coevorden bis Rolde. Übernachtet habe ich diesmal in einem netten kleinen Einmannzelt, meiner Dackelhütte, und auch diesmal habe ich wieder einiges erlebt.

„Leeres Land“

Der Pieterpadführer umschreibt die Gegend wie folgt: „Zwischen Rolde und Sleen gehen Sie durch ein „leeres Land“; hier wohnen nur wenige Menschen. Vor gar nicht einmal so langer Zeit gab es hier ausgedehnte Heidefelder. Nun stehen hier Wälder, abgewechselt mit kleinen Heidefeldern und Moortümpeln.“

heidefeld moortümpel

Und das stimmt auch, hier gibt es wirklich eine Menge Gegend. Die Ortschaft Schoonloo het keinen Supermarkt, und auf den 24 km zwischen Sleen und Schoonloo gibt es auch keine Einkehrmöglichkeit, außer man nimmt einen Umweg über Schoonoord in Kauf. Also muss man genug Semmeln und andere Notvorräte mitnehmen. Vor allem die nicht-vorhandene Einkehrmöglichkeit kam in fast jedem Gespräch mit dem Gegenverkehr zur Sprache, man bestätigte sich gegnseitig, dass es tatsächlich nichts gibt. Vielleicht sollte man auf der Hälfte einen Imbiss eröffnen und den dann „Café Halfweg“ nennen.

Aber schön war es schon, mit den langen Alleen, gemütlichen Bänken und netten Bauernhöfen.

rucksack bauernhof

Auf der Pieterpad-Website wurd vor zutraulichen Hochlandrindern gewarnt, die anscheinend öfter von Touristen gefüttert wurden, aber die wollen nur spielen. Warum beruhigte mich das nicht wirklich? Die Rinder selbst habe ich allerdings nicht gesehen, nur ihre beachtlichen Hinterlassenschaften.

Wind und Wetter

Wie angekündigt war das Wetter an diesem Wochenende ziemlich durchwachsen. Am Freitag war es noch schön, bis ich den Campingplatz erreichte, doch am Samstag bekam ich einige kräftige Regenschauer ab. Zum Glück hielten mein Cape und die Regenhaut des Rucksacks mich und meine Sachen einigermaßen trocken. Und irgendwann war der Spuk dann auch wieder vorbei.

Die morgendlichen Schauer, wenn ich abbauen und weitergehen wollte, fand ich erst etwas „inconvenient“, aber man wird erfinderisch. Auf dem ersten Campingplatz hatten sie eine offene Scheune und auf dem zweiten einen Aufenthaltsraum, wo ich meine Sachen hinschleppte, um sie dann im Stehen (siehe unten) und trocken zu verstauen.

Sehenswertes unterwegs

Auch diesmal gab es unterwegs wieder viel zu sehen, z. B. den jüdischen Friedhof bei Dalerveen, der lange nicht nicht in Gebrauch war, bis 2003 wieder jemand dort begraben wurde.

friedhof friedhof2

Interessant ist auch der Galgenberg nördlich von Sleen, ein prähistorischer Grabhügel, wo im Mittelalter die zum Tode Verurteilten aufgehängt wurden.

galgenberg

Doch auch die Natur hat einiges zu bieten, wie z. B. riesige Ameisenhaufen und ebensolche Pilze. Allerdings weiß ich nicht, ob man die essen kann, ich kann nur Fliegenpilze eindeutig identifizieren.

ameisenhaufen pilze

Übernachten in der Dackelhütte

Zum Geburtstag bekam ich ein kleines, aber feines Einmannzelt geschenkt, das ich auch tatsächlich allein aufbauen kann. Selbstverständlich habe ich das bei uns im Garten geübt und auch die Rücken-, Seit- und Bauchlage ausprobiert.

Natürlich war ich ganz schön gespannt, wie es mir damit gehen würde. Vielleicht lag ich ja die ganze Nacht bibbernd und zähneklappernd in meinem Schlafsack, weil ich zu viel Stephen King gelesen habe. Man würde sehen.  Aufgebaut und eingerichtet war das Zelt jedenfalls recht gemütlich, und die Campingplatzhühner fanden es wohl auch interessant.

dackelhütte dackelhütte2

Ich habe wunderbar geschlafen und  wurde von keinerlei Stephen-King-Phantasien heimgesucht.  Und dicht gehalten hat das Zelt auch, also alles bestens. Da es aber recht klein ist, sind Dinge wie Kleidungswechsel oder sich in den Schlafsack wurschteln Bauchmuskelübungen vom Feinsten. Und auf dem ersten Campingplatz stand ich direkt neben dem Wasserhahn, was ich erst nicht gesehen hatte. Und natürlich musste gegen zehn Uhr abends die Hälfte der Ceampinggäste ihre Wasservorräte nachfüllen. Na, schönen Dank auch. Note to self: Das nächste Mal den zugewiesenen Platz kritischer unter die Lupe nehmen.

Lost in the forest

Wie bereits erwähnt führt die Strecke zu einem größeren Teil durch den Wald, und wer meinen Weg bisher mitverfolgt hat, weiß, dass das nicht immer gut geht. Auch diesmal kam ich zwischen Schoonloo und Rolde vom Weg ab.

wald

Aber die Wälder in den Niederlanden sind nicht so groß, selbst in Drenthe nicht, also hat auch Plan B wieder geklappt: Geradeaus laufen, bis man auf eine Straße stößt, und dann sehen, wie weit ich von der geplanten Strecke abgewichen bin und was ich dann mache. Diesmal war ich aber ziemlich weit von der Strecke abgekommen, also beschloss ich, den direkten Weg nach Rolde zu gehen. An diesem Wochenende hatte ich genug Wald gesehen.

So landete ich dann bei der Bushaltestelle am Rand von Rolde. Meine App hatte mir schon mitgeteilt, dass an diesem Tag der Bus nicht ins Zentrum fahren würde, warum auch immer. Also beschloss ich, gleich hier einzusteigen und nach Hause zu fahren. Das Zentrum von Rolde und die zwei Hünengräber müssen bis zum nächsten Mal warten. Sie werden dann sicher noch da sein.

Lichtblicke

Auch hier auf dem Weg war es hin und wieder etwas anstengend, immerhin schleppte ich ungefähr zehn Kilo mehr mit als sonst. Und auch das Wetter am zweiten Tag machte mir gelegentlich etwas zu schaffen.

Aber dann sieht man wieder ein Schild, dass es nur noch 900 m bis zum Campingplatz oder 94 km nach Pieterburen sind, und dann geht es einem gleich wieder besser.

eswird2

Zwei Zitate scheinen jedenfalls auf meine Wanderungen zuzutreffen:
„It’s important to have a plan B, especially when there is no plan A.“ (Pete McCarthy, McCarthy’s Bar)
„We walked the trail, Bryson. We walked the bloody trail.“ (Bill Bryson, A Walk in the Woods)

Advertisements
Kategorien: 2015-2017 - Pieterpad | Schlagwörter: , , , , , , , , , , , , , , , , , | Hinterlasse einen Kommentar

Sommer am Pieterpad

Vierlingsbeek – Leuth

Der Sommerurlaub ist inzwischen vorbei, und am Bericht wird gearbeitet. Aber letztes Wochenende war ich mal wieder wandern, diesmal allerdings nur zwei Tage. Da im Moment an verschiedenen Stellen die Gleise repariert werden, hatte ich zwischen Arnhem und Nijmegen Schienenersatzverkehr, aber die Bahn hatte das sehr gut im Griff. Man konnte nämlich zwischen einem Bus, der an jeder Milchkanne hält, und einem Direktbus wählen. Da ich letzteren genommen hatte, erreichte ich in Nijmegen sogar den planmäßigen Anschluss nach Vierlingsbeek.

Abstecher, Pausen und Übernachtung

Soweit wie möglich folgte ich der Route, wie sie im Buch steht. Zweimal machte ich allerdings einen kurzen Abstecher.

In Vierlingsbeek schaute ich mir kurz den jüdischen Friedhof an, der fast am Weg liegt. Da ich ja irgendwann mal Gästeführerin in unserer Synagoge werden möchte, interessiert mich so etwas natürlich. Die meisten Gräber sind schon älter, aber ziemlich nah an der Mauer gibt es eins von 2009.

Jüdischer Friedhof in Vierlingsbeek

Und nördlich von Groesbeek beim Duivelsbergh (Teufelsberg) latschte ich die Treppen hoch zu einem Aussichtspunkt, um dann fest zu stellen, dass man um die Plattform eine gut mannshohe Hecke gepflanzt hatte. Etwas seltsam sind sie manchmal schon, die Niederländer.

Aussichtspunkt mit Hecke - seltsam.

Natürlich luden unterwegs wieder zahlreiche Bänke zur Rast am Wege ein.

Bank am Weg mit Aussicht über Felder

Und am ersten Tag gönnte ich mir in einem Teegarten an der Route bei Afferden einen herrlichen Milchkaffee mit Obstkuchen. Das Paar, dem der Garten gehört, macht alle Speisen und Getränke selbst und gibt den Wanderern auch gute Tipps für unterwegs (geänderte Streckenführung, Sehenswürdigkeiten usw.).

Eingang zum Teegarten Teegarten - Pause

Auch der „Gegenverkehr“ machte hier Pause, und so hörte ich, dass noch ein paar wunderschöne Streckenabschnitte vor mir lagen, was sich auch bewahrheitete.

In Gennep war gerade „Summertime“, und auf dem Marktplatz spielte ein Folkduo, dem ich eine Weile zuhörte. Hach, Sommer ist was Schönes!

Gennep - Rathaus und Musikfest Summertime

Diesmal übernachtete ich in Milsbeek, wieder bei „Vrienden op de fiets“. Ich wurde von Titia und Theo, einem sehr netten Ehepaar in Empfang genommen und gleich mit Kaffee und Keksen bewirtet. Das Zimmer war auch klasse, ich schlief dort so gut, dass ich selbst den Lärm der Steinkäuze nicht mitbekam. Die 27 km dieses Tages hatten es auch in sich gehabt. Wenn es geht, frühstücken die beiden zusammen mit den Gästen, worüber ich mich sehr freute. Bei gepflegter Unterhaltung verging die Zeit wie im Flug, und ich kam mal wieder  später weg als ich vorhatte, aber der Tag war ja trotzdem noch lang.

Wald, Berg und Tal

Diesmal hatten es die beiden Tage in sich. Ein größerer Teil der Strecke führte durch die Gemeinde Berg en Dal, und diese Gegend macht ihrem Namen alle Ehre. Ständig ging es rauf und runter, und es machte richtig Spaß, da die Landschaft sehr abwechslungsreich ist.

Blumen am Wegrand See im Wald

Anders als bei meinen ersten Wanderungen auf dem Pieterpad hatte ich diesmal auch im Wald keine Probleme mit der Orientierung, auch wenn mich hin und wieder die beiden gekreuzten Streifen an den Bäumen davor bewahrten, einen falschen Weg einzuschlagen. Manchmal sind die Beschreibungen auch nicht ganz einfach: Bei dem Fünfsprung geradeaus – wie macht man das eigentlich? Aber alles funktionierte wunderbar, und die einzigen Extrakilometer waren die von der Route zu meinem Quartier.

Der Untergrund war gelegentlich etwas seltsam, so dass man gut aufpassen musste. Ein Wegstück ging über Sand mit Bauschutt und wurde von einem entgegenkommenden Wanderer mit Recht als einer der schlechtesten Wege der Niederlande bezeichnet. Zum Glück war das Stück nicht lang.

Schlechtester Weg der Niederlande

Hin und wieder, vor allem im Wald, war der Weg recht matschig. Wenn es länger am Stück regnet, ist dieser Abschnitt wohl kein reines Vergnügen.

Durch den Matsch

Aber die Landschaft, die ich durchquerte, machte es auf jeden Fall wieder wett.

Da gibt es z. B. das „Quin“ zwischen Afferden und Gennep, eine wunderschöne Heidelandschaft mit kleinen Seen.

Quin - Heidelandschaft mit Seen Quin - Heidelandschaft mit Seen

Außerdem führt der Weg ein Stück über die Siebenhügelroute, was eine Menge Aussicht mit sich bringt.

Alter Weg über die sieben Hügel

Genervt

Am Sonntagnachmittag hatte ich kurz vor Leuth, von wo aus ich heimfahren wollte, einen Durchhänger. Aus irgendwelchen Gründen ging mir einfach alles unglaublich auf den Senkel. Selbstverständlich musste es zu regnen anfangen, als nirgendwo eine Unterstellmöglichkeit in der Nähe war. Das deutsche Dorf Zyfflich, langgereckt an einer Straße ohne Abwechslung oder sowas wie ein Zentrum, schien kein Ende zu nehmen. Wahrscheinlich wohnen hier auch haufenweise Niederländer, weil der Baugrund so billig ist, aber, mit Verlaub, hier möchte ich nicht tot über dem Zaun hängen. An einem Haus hing ein Schild mit der Aufschrift „Hier wohnt ein FC-Bayern-Fan“. Klar, wollte ich immer schon wissen. Fußball ist gnadenlos überbewertet.

Zyfflich - endlos langes Dorf

Müssen die entgegenkommenden Radfahrer immer erst im letzten Moment ausweichen? Und mein Fuß tut auch weh, und natürlich ist gerade jetzt nirgendwo eine Bank zu sehen. Typisch. Wenn man allein wandert, muss man halt auch die eigene schlechte Laune aushalten.

Doch als ich in Leuth ankam und feststellte, dass der Bus in zehn Minuten kommen würde, ging es mir sofort wieder besser. Es war eben doch ein rundum gelungenes Wochenende. Knapp 50 km in zwei Tagen ist doch auch keine schlechte Leistung, oder? Und ich bin sogar ein Stück auf dem Jakobsweg gelaufen.

Jakobsweg

Kategorien: 2015-2017 - Pieterpad | Schlagwörter: , , , , , , , , , , , , , , , , | Hinterlasse einen Kommentar

„Inselgrab“ von Johan Theorin

rorgast

Es ist vollbracht, mit dem Sommerbuch ist Johan Theorins Öland-Tetralogie komplett. Erst mal wieder zum Titel: Im schwedischen Original heißt das Buch „Rörgast“. Ein „gast“ ist im Schwedischen kein Besuch, oder höchstens einer, den man nicht so gerne hat, das Wort bedeutet nämlich Geist oder Gespenst, während ein „rör“ ein Grabhügel, Steinhügel oder auch ein unterirdischer Gang sein kann. Ein Grabhügelgespenst also. Der deutsche Titel dieses Romans ist „Inselgrab“ und der niederländische „Grafheuvel“, während der englische in Anlehnung an den ersten Band „Echoes from the Dead“ hier „The Voices Beyond“ ist.

Es ist Sommer 1930, und der vierzehnjährige Gerlof Davidsson arbeitet als Gehilfe des Totengräbers. Diese Stelle behält er nicht lange, denn als der Patriarch Edvard Kloss begraben wird, ertönen Klopfgeräusche aus dem Sarg. Dieser wird, zum Missfallen des Pastors, der den Segen schon  gesprochen hat, geöffnet. Der herbeigerufene Arzt kann jedoch wie beim ersten Mal nur den Tod feststellen. Als es zum zweiten Mal klopft, erleidet Edvards Bruder Gilbert einen Herzinfarkt, so dass nur noch Sigfrid Kloss übrigbleibt.

Fast siebzig Jahre später, im Jahr 1999, verbringt der inzwischen 84jährige Gerlof wie im Jahr davor  den Sommer in seinem Sommerhaus anstatt im Seniorenheim. Es ist Mittsommer und auf Öland wimmelt es von Sommergästen. Mitten in der Nacht klopft es plötzlich an Gerlofs Tür.  Der dreizehnährige Jonas Kloss berichtet aufgelöst von einem Geisterschiff im Sund, auf das er sich gerade noch retten konnte, als sein Schlauchboot unterging, und wo einer der Toten ihn mit einer Axt bedrohte.

Kurz darauf wird der Ferienpark von Jonas‘ Verwandten, das Ölandic Resort, von einer Magen-Darm-Epedemie heimgesucht, der noch andere unangenehme Vorfälle folgen. Irgendjemand will die Familie Kloss ruinieren.

Die Geschichte, die sich langsam aufrollt, wird aus wechselnden Perspektiven erzählt. Da ist natürlich Gerlof, der viel erlebt hat, viel weiß, dank seines neuen Hörgerätes eine Menge mitkriegt und über eine ausgezeichnete Kombinationsgabe verfügt. Dann gibt es Jonas, der mit seinem Vater und seinem älteren Bruder im Ferienpark ist und dort etwas Geld verdient. Sein Bruder und seine Cousins schließen ihn regelmäßig von ihren Aktivitäten aus, so dass Jonas sich allein die Zeit vertreibt und auf allerlei geheimnisvolle Dinge stößt. Neben dem Geisterschiff gibt es da nämlich noch eine Gestalt, die immer wieder bei dem alten Hünengrab in der Nähe des Ölandic Resort auftaucht. Außerdem ist da noch Lisa, die als DJ Lady Summertime im Resort arbeitet und den Gästen der Disco die Portemonees entwendet, um ihrem drogenabhängigen Vater Geld schicken zu können.

Dazwischen wird in Rückblenden die Geschichte des Heimkehrers Aron Fredh erzählt, der beim Begräbnis von Edvard Kloss dabeigewesen war. Kurz danach emigrierte er mit seinem Stiefvater Sven in „das neue Land“. Erst nach einer Weile stellt sich heraus, dass es sich bei diesem neuen Land nicht um Amerika, sondern um das stalinistische Russland handelt, wo Ausländer und Regimegegner erbarmungslos verfolgt werden. Nach einigen Jahren im Arbeitslager gelingt es Aron, dem verunglückten Ukrainer Vlad Kleidung und Papiere abzunehmen. Als Vlad wird er zum Helfershelfer des Regimes und leistet seinen Beitrag zu den Säuberungsaktionen. Doch als Aron sehnt er sich nach Schweden. Auch im ersten Band geht es um Emigration und Heimweh, so dass sich gewissermaßen der Kreis schließt.

Es wird relativ schnell deutlich, dass das Schicksal des Heimkehrers mit der Familie Kloss verwoben ist, aber nicht, wie. Auch hier muss der Leser wieder etwas Geduld haben, denn Theorin lässt sich Zeit, seine Geschichte zu entwickeln. Und das passt zu seinem Protagonisten Gerlof, der ja schon im ersten Band erklärte, dass eine Geschichte in ihrem eigenen Tempo erzählt werden muss, und zum Ort. Auch wenn Öland durch eine Brücke mit dem Festland verbunden ist, bleibt es eine Insel, und dort geht alles etwas langsamer. Es bringt ja nichts, sich abzuhetzen, man kommt ja nicht weit.

Ein absoluter Pluspunkt dieses Buches ist natürlich wieder der sympathische Rentner Gerlof, der zuhört, nachdenkt und kombiniert. Schön finde ich auch, dass man nebenbei erfährt, wie es Gerlofs Tochter Julia und seiner Nichte Tilda geht, die in den ersten beiden Bänden eine wichtige Rolle gespielt haben.

VN Detective & Thrillergids schreibt über dieses Buch: „Ein atmosphärisch dichter Thriller mit einem kräftigen Schuss Geschichte und einem Hauch skandinavische Folklore.“ Das stimmt, aber vom letzten hätte es durchaus ein bisschen mehr sein dürfen. Das Gespenst am Grabhügel und die Geschehnisse auf dem Geisterschiff werden zu schnell rational erklärt, und anders als in den Vorgängerbänden hatte ich nicht dieses Gefühl, dass dahinter noch mehr stecken könnte. Auch die unheimliche Atmorspäre, die vor allem die ersten beiden Bände bestimmte, kommt hier nicht so gut zum Tragen. Das könnte aber auch an der Jahreszeit liegen, Spukgeschichten passen wohl besser zum Herbst und Winter. Trotzdem ist „Inselgrab“ ein spannendes Buch und ein gelungener Abschluss der Öland-Tetralogie.

Kategorien: Literarisches und Kulturelles | Schlagwörter: , , , , , , , , , , , | Hinterlasse einen Kommentar

Bloggen auf WordPress.com.