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Und wieder ist ein Jahr vorbei – Jahresrückblick 2019

So ein Jahr vergeht schnell, und wieder ist es Zeit, das letzte Jahr Revue passieren zu lassen. Der Fuß machte in diesem Jahr immer noch Fortschritte, d. h. plötzlich gingen Sachen wie das Betreten der Galerie in meinem Arbeitszimmer über die recht schmale Leiter, zum Zug sprinten und dergleichen wieder. Eine Kollegin, die sich vor einigen Jahren eine ernsthafte Knieverletzung zugezogen hatte, konnte dies bestätigen – so ein Heilungsprozess dauert halt.

Was war das Beste für Dich an diesem Jahr?
Dass es mal wieder ein recht normales Jahr ohne allzuviel Gedöns war. Manche Dinge braucht man einfach nicht.

Hast Du 2019 etwas gemacht, das Du noch nie zuvor gemacht hast?
Nichts Spektakuläres, auf jeden Fall bis jetzt. Aber seit einigen Jahren bin ich Mitglied bei der Organisation „Vrienden op de fiets (Freunde auf dem Fahrrad)“, wo man zu einem günstigen Preis in Privathaushalten übernachten kann. Beim Pieterpad habe ich das des Öfteren getan, und jetzt sind wir selbst Gasthaushalt geworden. Wir hatten zwar bisher zwei Anfragen, die wir jedoch nicht annehmen konnten, weil wir dann selbst nicht da waren, aber vielleicht wird es nächstes Jahr besser.

Hast Du all Deine guten Vorsätze aus dem Vorjahr beherzigt?
Auf dem Overijssels Havezatenpad bin ich ein ganzes Stück weitergekommen, ungefähr 125 km, beim Trekvogelpad waren es etwas weniger, nämlich 37. Daneben habe ich ein paar kleinere Wanderungen auf der Runde von Enschede, dem Hanzestedenpad und dem Twentepad gemacht. Das Loswerden der Frustkilos und der Verbessern der Kondition hätte besser gehen können, aber das geht nächstes Jahr ja auch noch.

Hast Du gute Vorsätze für das nächste Jahr?
Dasselbe wie im Jahr davor, nämlich weiterhin regelmäßig wandern gehen, vor allem auf dem Overijssels Havezatenpad und dem Trekvogelpad. Einen der beiden würde ich auch ganz gern zu Ende laufen, aber das ist vielleicht ein bisschen zu ehrgeizig.

Welche Länder hast Du 2019 besucht?
Deutschland, Frankreich, Belgien und Irland.

Was möchtest Du 2020 haben, was Du 2019 nicht hattest?
Eine Badewanne (siehe unten).

Welches Datum aus 2019 wirst du nie vergessen?
Kein bestimmtes Datum, aber eine schöne Reise auf die grüne Insel.

Was war Dein größter Erfolg 2019?
Dass ich den ganz normalen Alltag einigermaßen überstanden habe.

Welches war Dein größter Fehler?
Keine größeren Fehler, das übliche Kleinzeugs und diverse Fehleinschätzungen halt.

Hast Du eine Krankheit oder eine Verletzung gehabt?
Im Januar eine Grippe, gepaart mit einem hartnäckigen Husten, der mir mehrere Wochen treu blieb. Ansonsten die üblichen Zipperlein.

Was war das Beste, was Du gekauft hast?
Diverse Bücher, in elektronischer und in Papierform.

Wessen Verhalten erschreckt Dich oder macht Dich traurig?
Diesmal das der zahlreichen AfD-Wähler in Thüringen. Das verheißt wenig Gutes.

Wofür ging das meiste Geld drauf?
Wir haben die Terrasse und den Vorplatz neu herrichten lassen. Schon nach zwei Tagen sah es so ordentlich aus, dass sich einige Kursteilnehmer fragten, ob sie vor dem richtigen Haus standen. Und die Irlandreise war auch nicht gerade billig.

Worüber warst Du so richtig aus dem Häuschen?
Vielleicht über die wunderschönen Ausblicke bei unserer Irlandreise. Bei Aussichts-punkten haben wir ja normalerweise Pech, entweder regnet es oder es herrscht dicker Nebel.

Welches Lied wird Dich immer an 2019 erinnern?
Im Zusammenhang mit besagter Irlandreise „Galway Girl“ von Ed Sheeran. In Galway hat es auch diesmal wieder geregnet.

Verglichen mit 2018, warst du im Jahr 2019

…glücklicher oder unglücklicher?
Glücklicher, es ging mir ja wieder deutlich besser.

… reicher oder ärmer?
Um einiges reicher, das letzte Jahr war ja in dieser Hinsicht nicht ganz so der Brüller. Wir haben auch gleich ein neues Badezimmer bestellt, mit seniorenfreundlicher Badewanne. Gemacht werden soll das Ganze nächstes Jahr im April. Schaun mer mal.

Wovon hättest Du lieber mehr gemacht?
Gewandert natürlich, und gebloggt, wie auch letztes Jahr. Die Ideen habe ich ja, aber mit der Umsetzung hapert es des öfteren.

Wovon hättest Du lieber weniger gemacht?
Nichts, des basst scho.

Wie hast Du Weihnachten verbracht?
Am Heiligabend hatten wir Frühschicht in der Synagoge, wo es gleich mal Geburtstagstorte gab. Die hatte aber nichts Christi Geburt zu tun. Abends hat unser Chor in der Christmette gesungen, wo wir fast ausgeräuchert wurden. Der Pastor findet Weihrauch nunmal so schön. Hätten die Drei Könige dem Kind nicht was anderes mitbringen können, z. B. Glühweingewürz? Die restlichen Feiertage ruhig mit Spaziergängen und dergleichen.

Hast Du Dich 2019 verliebt?
Alles wie gehabt.

Welches war Deine Lieblingssendung im Fernsehen?
„Sterren op het doek“, bei dem drei Künstler jeweils einen Promi malen, während der Moderator (in dieser Saison Kolumnist Özcan Akyol, den ich sehr gern lese) sie interviewt.

Hast Du jemanden oder etwas hassen gelernt?
Nö, hassen finde ich immer noch zu viel gesagt. Gelegentlich rege ich mich über jemanden auf, aber wer tut das nicht?

Welches war das beste Buch, das du 2019 gelesen hast?
Am amüsantesten fand ich diesmal „Gray“ von Leonie Swann (die mit den Schafskrimis). Diesmal ist der Held allerdings ein Graupapagei, der einem recht weltfremden Professor aus Cambridge bei der Aufklärung eines Mordes hilft. Da das Tier auch noch recht musikalisch ist, gibt’s einen Ohrwurm inklusive: „Ra ra ranana, ga ga ulala, we’re in a bad romance …“

Was war deine größte musikalische Überraschung 2019?
Der Opern- und Musiclasänger Henk Poort. Wir entdeckten ihn bei dem Fernsehprogramm „Beste Zangers“, wo verschiedene Sänger das Repertoire der jeweils anderen singen. Mir ging es dabei so ähnlich wie einem Kommentator auf YouTube: „I watched it for Floor Jansen and I discovered Henk Poort“. Nur war ich eher zufällig in das Programm gestolpert und fand Floor Jansen, die stimmgewaltige Frontfrau der finnischen Metalband Nightwish, interessant genug, um die Folge, die ihr gewidmet war, anzuschauen. Und während die anderen Teilnehmer eher auf safe spielten und eher Balladen coverten, die irgendwann mal für Floor wichtig waren, wagte sich Henk Poort am weitesten aus seiner Comfort Zone und sang die Disturbed-Version von „Sound of Silence“. Später sang er zusammen mit Floor „The Phantom of the Opera“, ein Duett, das einen aus den Socken haut! Aber am schönsten finde ich seine Interpretation von „Vincent“ in der niederländischen Übersetzung von Martine Bijl. Schon der Satz „En in die warme zomernacht heb je het eindelijk opgebracht wanhopig van de wereld weg te gaan“ ist mehrerer Literaturpreise würdig.

Was hast Du Dir gewünscht und auch bekommen?
Dass sich die Auftragslage gegenüber dem letzten Jahr wieder stabilisiert hat.

Was hast Du Dir gewünscht und nicht bekommen?
Hier wiederhole ich den Satz vom letzten und vorletzten Jahr: Eigentlich nichts, ich wünsche mir nicht mehr so viel, sondern versuche mich über die Dinge zu freuen, die meinen  Weg kreuzen.

Welches war Dein Lieblingsfilm in diesem Jahr?
Downton Abbey – what else?

Was hast Du an Deinem Geburtstag getan und wie alt bist Du geworden?
Nichts besonderes, wir haben in aller Ruhe zu Hause gefeiert. Und ich bin wieder etwas älter, wenn auch nicht unbedingt weiser geworden.

Welche eine Sache hätte Dein Jahr zufriedenstellender gemacht?
Eine Badewanne, die fehlt mir schon eine ganze Weile.

Was hielt Dich gesund?
Das weiß ich nicht genau, vielleicht Glück?

Erzähle uns eine wertvolle Lebenslektion, die Du in diesem Jahr gelernt hast!
Dieselbe wie im letzten Jahr: Es kommt, wie es kommt, und manchmal braucht es sehr viel Geduld.

Auf was freust Du Dich im Jahr 2020?
Unser neues Badezimmer (einschließlich seniorenfreundlicher Badewanne), neue Wanderungen und vieles mehr.

Und nun lasse ich dieses Jahr etwas nachdenklicher mit „Vincent“, gesungen von Henk Poort ausklingen und wünsche euch allen ein gutes, gesundes und glückliches Jahr 2020.

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Ostern am Trekvogelpad

Da der Hausherr mit den Passiespelen in Hertme beschäftigt war, wo er einen Pharisäer spielte, und ich ihn schon zweimal in dieser Rolle bewundert hatte, beschloss ich, an den Osterfeiertragen auf dem Trekvogelpad weiter zu wandern und hoffentlich wieder längere Etappen als im Vorjahr zu schaffen.

Tag 9, Hoenderlo – Otterlo: Nationalpark Hoge Veluwe

Nach acht Monaten, am 20. April, begab ich mich also am frühen Morgen zum Bahnhof. Die Stadtreinigung war noch nicht aktiv gewesen, und es fiel mir auf, wieviel Müll doch nach so einem Freitagabend auf den Straßen rumliegt. Können die Leute nicht einfach ihren Krempel mitnehmen und zu Hause entsorgen, zefix? Ich nahm mal wieder den Zug nach Apeldoorn, und der Bahnhof dort kam mir immer noch sehr bekannt vor, den hatte ich ja letztes Jahr öfter gesehen.

In Hoenderlo war strahlender Sonnenschein, und ich setzte meinen Weg fort, wo ich letztes Jahr aufgehört hatte. Am Eingang zum Nationalpark Hoge Veluwe reihte ich mich in die Schlange ein und entrichtete meinen Obulus. Es war recht viel los, doch die meisten Leute stürzten sich auf die Leihräder, so dass ich auf dem Wanderweg recht schnell meine Ruhe hatte. Gar nicht schlecht, in so einen populären Gebiet die Rad- und Fußwege unterschiedlich zu führen. Noch immer konnte man sehen, wie die lange Trockenheit im letzten Jahr der Landschaft zugesetzt hatte.

Da es in dieser Gegend wenig Bänke gab, machte ich mein Päuschen nebst Rucksackfie auf einem Baumstumpf.

Nach einer Weile erreichte ich das Jagdschloss St. Hubertus, wo wieder mehr los war, da das Seeufer und die zahlreichen Bänke zum Verweilen einluden. Das Schloss war im Auftrag der Familie Kröller-Müller von dem Architekten Berlage entworfen worden. Dieser hatte die Neue Sachlichkeit mit der Legende des Heiligen Hubertus verknüpft, in der ein grausamer Jäger bekehrt wurde, nachdem er einen gewaltigen Hirschen mit einem brennenden Kreuz zwischen dem Geweih gesehen hatte. Der Grundriss des Gebäudes stellt ein Geweih dar, aber das kann man von außen nicht so gut sehen. Spektakulär ist es aber auf jeden Fall.

Dann ging es weiter über gewundene Pfade zum Besucherzentrum und Museum Museonder, wo man sich die Veluwe von unten anschauen kann. Dort wurde gerade ein riesiger Parkplatz angelegt, und auch am Besucherzentrum wird eifrig gebaut. Auch ein Restaurant gibt es dort, aber angesichts der zahlreichen Besucher verzichtete ich darauf, dort einzukehren, sondern füllte nur meine Wasserflaschen nach und ging dann ins Museonder.

Schon der Eingang mit dem bekannten Dantezitat („Lasst alle Hoffnung fahren“) hatte es mir angetan, und auch die Baumwurzeln sind sehr beeindruckend. Ein Animationsfilm zeigt Geschichte dieses Gebietes. „Veluwe“ bedeutet „schlechtes Land“ (man denke hier auch an das englische „“fallow – brachliegend“). Das Gebiet hatte sich in der Eiszeit geformt (Moränenhügel und Schmelzwassertäler), danach hatte sich dort Wald angesiedelt, der jedoch von den Menschen abgeholzt wurde. Dadurch kam es zu Erosion und Sandverstiebungen, die man heute noch an vielen Stellen sieht. Die Veluwe wurde für die Holzproduktion wieder aufgeforstet, und heute ist es eine Landschaft aus Wäldern, Heide und Sandverwehungen.

Nach dieser informativen Pause ging es weiter zum Kröller-Müller-Museum. Da ich in der „falschen“ Richtung unterwegs bin, näherte ich mich dem Museum von hinten über Sanddünen und Treppen.

Im Gebäude wimmelte es von Menschen, vor allem Asiaten. Deren Kleidung bestand größtenteils aus einem schwindelerregenden Mustermix, neben dem sogar Van Goghs Sonnenblumen verblassten. Da ich ja, wie man weiß, kein Freund von Menschenmassen bin, beschränkte sich mein Rundgang auf die Van-Gogh-Gemälde, die man ja vor allem von Postern und Kunstkalendern kennt. Dann suchte ich mir ein halbwegs ruhiges Plätzchen im Garten und dachte daran, wie ich vor Jahren einmal mit zwei Freundinnen aus der alten Heimat hier gewesen war. Es war damals auch um Ostern herum, aber es herrschte deutlich weniger Betrieb. Auf Leihrädern waren wir vom Eingang Otterlo hierher gefahren, und dreimal dürft ihr raten, wer das Rad mit dem durchweichten Sattel erwischt hat. Im Museum befand sich auch einiges modernes Gedöns, und mitten im Gang stand ein Eimer. Dieser gab uns besonders viele Rätsel auf. Warum ein Eimer, und warum stand er genau da, wo jeder vorbei muss? Was wollte uns der Künstler damit sagen? Die Antwort konnte banaler nicht sein: An dieser Stelle war das Dach undicht.

Ich verließ das Museum wieder – dank meiner Jahreskarte kann ich auch hier umsonst rein – und setzte meinen Weg nach Otterlo fort. Nicht weit von der Bushaltestelle gönnte ich mir in einem Eiscafé einen Riesenmilkshake und fuhr dann ohne weitere Vorkommnisse nach Hause.

Tag 10, Otterlo – Ede: Ein warmer Tag

Am nächsten Tag fuhr ich morgens wieder nach Otterlo, wo ich von der Bushaltestelle ins Zentrum ging. Wie in Hoenderlo hält man auch hier Bürgersteige für überbewertet. Ich kam an einem Fliesenmuseum vorbei, das aber leider noch nicht geöffnet hatte.

Dann war ich wieder im Wald, genauer im Naturgebiet Planken Wambuis. Ich betrachtete die teilweise bizarren umgestürzten Bäume und konnte mir vorstellen, dass es abends hier ganz schön unheimlich sein könnte.

Irgendwann kam ich an Kunstwerken von einem gewissen Adri Verhoeven vorbei. Ich taufte die Serie spontan „Hinkelsteine am Wegesrand“, aber der Künstler hatte seinen Objekten andere Namen wie „Zweeds Verlangen“ oder „Groene Blaadjes, Oude Stenen“ gegeben. Nett fand ich auch die Hochlandrinder, die teilweise gemütlich zwischen den Steinen grasten. Kunst und Landschaft pur!

 

Erst verlief die Route noch über Waldwege, dann ging es ein ganzes Stück über einen fast schnurgeraden Radweg zur Mosselboerderij. Inzwischen war es ganz schön warm geworden.  Vor mir schob ein Mann einen Rollstuhl mit einer Frau darin. Er hatte ein ganz schön flottes Tempo drauf, Respekt. Bei der Gastwirtschaft setzte ich mich zu zwei Radfahrerinnen an eine Picknickbank, wo ich erst mal Schuhe und Socken auszog. Wir unterhielten uns gemütlich, und als ich meine Semmeln verspeist hatte, füllte ich meine Wasserflaschen nach und setzte meinen Weg fort.

Weiter ging es zum Naturgebiet Ginkelsche Heide, wo ich mir beim Restaurant Juffrouw Tok wieder eine Pause und einen kleinen Imbiss gönnte. Fast hätte ich dort meinen Sonnenhut vergessen, was ziemlich unpraktisch gewesen wäre. Da die Bäume noch nicht sehr belaubt waren, gab es unterwegs doch weniger Schatten als erhofft.

Über ausgedehnte Heidefelder mit eingen Grabhügeln ging es weiter Richtung Bahnlinie. Unterwegs verpasste ich mal wieder eine Markierung, kam aber nicht so weit von der Strecke wieder heraus wie befürchtet. Auf einem Rastplatz stand ein Eisverkäufer, an dem ich natürlich nicht einfach so vorbeigehen konnte. Dann folgte ich den Gleisen bis zum Bahnhof Ede-Wageningen. In diesen zwei Tagen hatte ich doch 37 km zurückgelegt.

Ab jetzt muss ich wieder übernachten, mal sehen, wann es weiter geht. Im der Facebookgruppe zum Trekvogelpad meinte allerdings jemand, dass ich den schönsten Teil schon hinter mir habe. Aber ich denke doch, dass ich irgendwann weiterlaufen werde. Im Moment bin ich allerdings noch mit dem Havezatenpad beschäftigt.

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Jahresrückblick 2018: Das Jahr des Surströmmingfußes

Wie bitte? Ja, ihr habt richtig gelesen. Mein gebrochener Knöchel bescherte mir diverse Besuche beim Physiotherapeuten, und als er mir besagten Fuß mal wieder kräftig durchknetete, kam irgendwie die Rede auf Surströmming, eine schwedische Fischspezialität, die bestialisch stinkt. Ich war froh, vorher ein Fußbad genommen zu haben, denn sonst hätte mich dieses Thema zutiefst beunruhigt. Aber seitdem heißt der Fuß eben Surströmmingfuß, und irgendwie hat er auch das ganze Jahr beherrscht. Mein fünfter Jahresrückblick sieht also diesmal etwas anders aus als sonst, auch wenn ich wieder die üblichen Fragen beantworte:

Was war das Beste für Dich an diesem Jahr?
Dass es nicht schlimmer gekommen ist, und dass mich der Fuß beruflich nicht zu weit zurückgeworfen hat.

Hast Du 2018 etwas gemacht, das Du noch nie zuvor gemacht hast?
Na ja, es hat mich mit dem Rad hingesemmelt und dabei habe ich mir den Surströmmingfuß mit allem dazugehörigen Gedöns zugezogen: Gips, Krücken, OP mit allem Drum und Dran. Ich habe mit über 4000 Leuten auf dem Domplatz von Münster das „Halleluja“ von Händel geschmettert. Und ich habe einen Schabbatdienst in der Synagoge besucht – sehr interessant.

Hast Du all Deine guten Vorsätze aus dem Vorjahr beherzigt?
Meine Wanderambitionen köchelten leider auf Sparflamme vor sich hin, aus verständlichen Gründen. Aber das Leben genießen konnte ich trotzdem, denn es ging ja auch wieder bergauf.

Hast Du gute Vorsätze für das nächste Jahr?
Weiterhin regelmäßig wandern gehen, z. B. auf dem Overijssels Havezatenpad und dem Trekvogelpad. Meine Schwägerin läuft ihn gerade in Gegenrichtung, und wir wollen schauen, ob wir uns tatsächlich unterwegs treffen. Wenn wir allerdings gleichzeitig das Finish erreichen und sie bei mir und ich bei ihr vor der Haustür stehe, wäre das schon etwas doof.

Ein paar Frustkilo loswerden und meine Kondition wieder verbessern wäre auch nicht schelcht.

Welche Länder hast Du 2018 besucht?
Deutschland.

Was möchtest Du 2019 haben, was Du 2018 nicht hattest?
Wieder mehr Lust und Inspiration zum Schreiben, das ging dieses Jahr nicht wirklich gut.

Welches Datum aus 2018 wirst du nie vergessen?
Den 17. Januar, an dem plötzlich alles anders wurde.

Was war Dein größter Erfolg 2018?
Dass ich mich – mit tatkräftiger Unterstützung des Gatten und anderen – durch alles Widrigkeiten durchgebissen habe.

Welches war Dein größter Fehler?
Im beginnenden Schneegestöber mit dem Rad zur Arbeit fahren zu wollen.

Hast Du eine Krankheit oder eine Verletzung gehabt?
Ja, siehe oben.

Was war das Beste, was Du gekauft hast?
Für mich persönlich war dieses Jahr nichts Besonderes dabei, aber wir haben in ein Rundum-Nachhaltigkeitspaket für unser Haus investiert: Dachisolierung, neue Fenster, Solarzellen.

Wessen Verhalten erschreckt Dich oder macht Dich traurig?
Das diverser Idioten verschiedener Art, die es so gibt.

Wofür ging das meiste Geld drauf?
Für das Rundum-Nachhaltigkeitspaket.

Worüber warst Du so richtig aus dem Häuschen?
Dass mein kleiner Neffe wohlbehalten das Licht der Welt erblickt hat.

Welches Lied wird Dich immer an 2018 erinnern?
„The World Can Wait“ von Waylon. Er hat es zwar für seine burn-out-geplagte Freundin geschrieben, aber ich habe es mir einfach mal zugeeignet. Es gibt eben Situationen, in denen der Rest der Welt eben warten muss, auch und gerade im Arbeitsleben. Hier hat sich für mich auch die Spreu vom Weizen getrennt.

Verglichen mit 2017, warst du im Jahr 2018

…glücklicher oder unglücklicher?
Na ja, schon etwas unglücklicher.

… reicher oder ärmer?
Etwas ärmer, aber das hätte schlimmer sein können.

Wovon hättest Du lieber mehr gemacht?
Gewandert natürlich, und gebloggt. Obwohl ich einige Monate sehr viel Zeit übrig hatte, fehlten mir doch die Kraft und die Inspiration. Anscheinend hatte sich alle Energie in den Fuß zurückgezogen.

Wovon hättest Du lieber weniger gemacht?
Ich denke, ich habe wenig genug gemacht.

Wie hast Du Weihnachten verbracht?
Zu Hause mit dem Gatten und dem Mitbewohner. Den zweiten Weihnachtsfeiertag beim Fair Culinair in der Synagoge.

Hast Du Dich 2018 verliebt?
Nicht neu, aber es hat sich mal wieder gezeigt, was eine lange Partnerschaft wert ist.

Welches war Deine Lieblingssendung im Fernsehen?
Die Serie „De Luizenmoeder“, die den Alltag einer typisch niederländischen Grundschule aufs Korn nimmt, und die hoffentlich bald fortgesetzt wird.

Hast Du jemanden oder etwas hassen gelernt?
Nö, hassen tue ich immer noch niemanden. Gelegentlich rege ich mich über jemanden auf, aber wer tut das nicht?

Welches war das beste Buch, das du 2018 gelesen hast?
„How to Stop Time“ von Matt Haig. Eine schöne Rezension dazu findet sich bei Edith Nebel. Mein Zweiter Favorit ist „Was man von hier aus sehen kann“ von Mariana Leky, ein schöner Roman über ein Dorf im Westerwald, in dem alles irgendwie zusammenhängt. Ein bisschen wie in Twente.

Was war deine größte musikalische Überraschung 2018?
Wieviel Spaß es (trotz schmerzenden Fußes) gemacht hat, auf dem Domplatz in Münster Händels „Hallelujah“ zu schmettern.

Was hast Du Dir gewünscht und auch bekommen?
So im tiefsten Inneren, dass das mit dem Fuß sich wieder einrenkt. Und dank unseres Gesundheitssystems, eines fähigen Chirurgen, des Gipsmeisters und seines Teams, eines wirklich guten Physiotherapeuten und – last but not least- der tatkräftigen Unterstützung des Gatten an allen Fronten hat das auch einigermaßen geklappt.

Was hast Du Dir gewünscht und nicht bekommen?
Hier wiederhole ich den Satz vom letzten Jahr: Eigentlich nichts, ich wünsche mir nicht mehr so viel, sondern versuche mich über die Dinge zu freuen, die meinen  Weg kreuzen.

Welches war Dein Lieblingsfilm in diesem Jahr?
Hatte ich dieses Jahr nicht.

Was hast Du an Deinem Geburtstag getan und wie alt bist Du geworden?
Ich bin ein halbes Jahrhundert geworden. Da ich keine Lust hatte, groß zu feiern, bin ich dem Trend in meinem Bekanntenkreis gefolgt und habe mich zusammen mit dem Gatten abegesetzt. Meinen Geburtstag habe ich in Schleswig verbracht.

Welche eine Sache hätte Dein Jahr zufriedenstellender gemacht?
Kein Surströmmingfuß, obwohl auch das eine – sagenwirmal – interessante Erfahrung war.

Was hielt Dich gesund?
Komplett gesund war ich ja nicht, aber das Glück hat mich wohl vor Schlimmerem bewahrt.

Erzähle uns eine wertvolle Lebenslektion, die Du in diesem Jahr gelernt hast!
Es kommt, wie es kommt, und manchmal braucht es sehr viel Geduld.

Auf was freust Du Dich im Jahr 2019?
Auf den Frühling, diverse Wanderkilometer, unseren geplanten Sommerurlaub auf die grüne Insel, interessante berufliche Projekte und vieles mehr.

Zum Schluss wünsche ich euch allen einen guten Rutsch ins neue Jahr. Vielen Dank für’s Mitlesen und viel Spaß bei Nullingers Neujahrsvorsätzen.

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Der Trekvogelpad in kleinen Stückchen

Als die sommerliche Hitzewelle ihr (vorläufiges) Ende gefunden hatte, packte ich die Gelegenheit beim Schopf, um mal wieder ein Stück auf dem Trekvogelpad weiter zu gehen. Ich schaffte 31 km im drei Tagen, denn bei ungefähr 10 km fing mein Fuß noch an zu protestieren. Aber immerhin schaffte ich schon wieder so viel.

Tag 6, Brummen – Eerbeek: Spuren der Trockenheit

Am 10. August fuhr ich mit dem Zug nach Brummen und fand dort auch sofort den Weg wieder. Zuerst fürte er mich am Landgut Engelenburg vorbei, das jetzt ein Hotel mit Golfplatz ist. Dort sah man deutliche Spuren der langen Hitzeperiode.

Engelenburg Engelenburg2

Der Bach, an dem ich eine Weile entlang ging, war fast komplett ausgetrocknet, und manche Alleen sahen aus wie sonst im Oktober.

Trockenheit2 Trockenheit

Trotzdem war es eine schöne Wanderung, vorbei am Landgut Leusveld und dem Apeldorner Kanal (hier auch mit recht niedrigem Wasserstand), der die IJssel mit Apeldoorn verbindet und früher für die Papierindustrie auf der Veluwe wichtig war.

Leusveld Apeldoorns Kanaal

Bei der gut besuchten Pommesbude am Kanal gönnte ich mir einen Imbiss, bevor ich meinen Weg nach Eerbeek fortsetzte.

Pommes Pommes2

Dort kam ich wegen Unaufmerksamkeit von der Route ab und landete im Zentrum. Da ich für diesen Tag genug gelaufen war, nahm ich dort den Bus Richtung Heimat.

Tag 7, Eerbeek – Schalterdalweg: Wasser, Wald und Heide

Am nächsten Tag, dem 11, August, ging es weiter. Mit Hilfe van Google Maps hatte ich den kürzesten Weg von der Bushaltestelle in Eerbeek auf die Route gefunden. Dass ich nicht immer genau der Route folge, ist für mich kein Problem, aber das Prinzip der „connecting footsteps“ ist mir heilig. Das bedeutet, dass ich nach Unterbrechungen möglichst dort weitergehe, wo ich aufgehört habe, und dass ich die Reihenfolge der Etappen nicht verändere.

Kurz vor Loenen kam ich an einem Aquädukt vorbei, bei dem sich zwei Bäche kreuzen, bzw. der eine Bach über den anderen geführt wird. Wie heißt es doch so schön bei Asterix? Ein Aquädukt, das wirkt römisch.

Aquaedukt

Dann ging es an Loenen vorbei zum Großen Wasserfall, der aus einer für niederländische Verhältnisse spektakulären Höhe von 15 Metern in die Tiefe stürzt. Der  Bach Vrijenberger Spreng mit seinen Wehren war 1865 angelegt worden, um den Apeldorner Kanal mit Wasser zu versorgen. Im Gegensatz zu einigen anderen Wanderen und Radfahrern verzichtete ich darauf, am Wasserfall herumzukrauchen und setzte nach einem Imbiss meinen Weg am Bach entlang fort, wo ich am Kleinen Wasserfall vorbeikam.

Wasserfall Wasserfall2

Wasserfall3

Dann ging weiter durch ein Heidegebiet mit dem schönen Namen „Klein Zwitserland“ auf den Schansenberg mit Aussicht.

Schansenberg2 Schansenberg

Von dort aus ging ich weiter zur Bushaltestelle Schalterdalweg, die sich wirklich mitten in der Pampa befindet. Bald kam dann auch der Bus, der mich zum Bahnhof in Apeldoorn brachte.

Tag 8, Schalterdalweg – Hoenderlo: Eine schöne Wanderung und Fahrkartengedöns

Drei Tage später, am 14. August,  ging es weiter. Als ich am Schalterdalweg aus dem Bus stieg und die Straße überquerte, musste ich erst einmal um eine riesige Wasserpfütze herum. Es hatte tatsächlich mal wieder kräftig geregnet! Trotzdem würde es noch einige Regengüsse brauchen, damit sich die Natur wieder von der langen Trockenheit erholen kann.

Pfütze

Unterwegs begegnete ich mehrmals einigen Landvermessern, die fröhlich pfeifend ihrer Arbeit nachgingen.

Landvermesser

Irgendwann erreichte ich den Schenkenshul, mit seinen 80 Metern über dem Meeresspiegel  der höchste Punkt auf dem Trekvogelpad. Ab jetzt geht es bergab.

Schenkenshul2 Schenkenshul

Auf die Heide folgte Wald, und nach einer Weile passierte ich den ausgedehnten Bungalowpark Miggelenberg mit seinen netten Ferienhäuschen. Hier lässt es sich bestimmt gut urlauben.

Miggelenberg

In Hoenderlo kam ich an einem Fahrradverleih vorbei, wo einige Urlauber ihre ersten Fahrversuche auf einem Tandem machten. Das ist gar nicht so einfach, wie ich aus Erfahrung weiß.

Allerdings hatte ich den Eindruck, dass man in Hoenderlo Fußgänger nicht besonders mag, denn der Weg zum Restaurant und zur Bushaltestelle führt an einer schmalen, aber recht gut befahrenen Dorfstraße ohne Bürgersteig entlang. Aber ich nehme doch an, dass die meisten Leute sich zu Fuß zur Bushaltestelle begeben, oder täusche ich mich da? Das liebevoll angerichtete Zwiebelsüppchen auf der Terrasse versöhnte mich jedoch wieder mit meinem Schicksal.

Zwiebelsüppchen

Dann fuhr ich mit dem Bus zurück nach Apeldoorn, um beim Aussteigen entsetzt festzustellen, dass ich meine OV-Chipkaart (eine Fahrkarte, auf der ein bestimmter Geldbetrag steht und die man beim Ein- und Aussteigen über einen Scanner zieht) verloren hatte. Beim Einsteigen hatte ich noch ordnungsgemäß eingecheckt, und jetzt war das Teil weg! Ich durchsuchte den Bus, bis mich die Fahrerin hinaus komplimentierte, weil sie weiterfahren musste. Nichts. Manche Dinge kann man nicht erklären.

Bei der Auskunft am Bahnhof gab man mir eine Telefonnummer, die ich anrufen konnte, um die Karte zu blockieren. Wer auch immer sie sich unter den Nagel gerissen hat, ist damit jedenfalls nicht weit gekommen. Allerdings musste ich am Automaten noch eine Fahrkarte lösen, um wieder nach Hause zu kommen. Aber immerhin lag wie versprochen nach zwei Tagen eine neue OV-Chipkaart im Briefkasten, und das Geld, das sich noch auf der alten befand, war mir gutgeschreiben worden. Jetzt kann ich wieder weiterreisen.

 

 

 

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Wie schnell doch so ein Jahr vergeht – Jahresrückblick 2017

Vor drei Jahren habe ich damit angefangen, das vergangene Jahr Revue passieren zu lassen und zu schauen, was sich geändert hat, was gleich geblieben ist und was aus den (falls vorhandenen) guten Vorsätzen geworden ist. Und so beantworte ich wieder mal die Fragen der letzten Jahre:

Was war das Beste für Dich an diesem Jahr?
Dass es ein weitgehend gutes, stabiles Jahr ohne dramatische Tiefschläge war.

Hast Du 2017 etwas gemacht, das Du noch nie zuvor gemacht hast?
Eine Menge: Ich habe meine erste selbstständige Führung in unserer Synagoge gemacht, der auch weitere mehr oder weniger gelungene folgten. Und bei jeder Führung lernt man etwas dazu. In knapp zwei Wochen mache ich meine erste Führung durch das ehemalige jüdische Wohnviertel um die Synagoge. Außerdem durfte ich zum ersten Mal an der niederländischen Wahl für die Zweite Kammer teilnehmen und habe natürlich mein Bestes getan, um Geert Wilders und anderen seltsamen Figuren ein gewisses Gegengewicht zu bieten. Und – last but not least – ich habe den Pieterpad erfolgreich beendet. Ich weiß nicht, ob ich es schon mal gesagt habe, aber – I walked the trail!

Hast Du all Deine guten Vorsätze aus dem Vorjahr beherzigt?
Mein guter Vorsatz war nicht gerade einfach: mehr Vertrauen zu mir selbst und in anderen zu haben. Das klappt inzwischen nicht schlecht, und es hat mir sicher geholfen, dass ein beruflicher Schritt sich bis jetzt als richtig herausgestellt hat.

Hast Du gute Vorsätze für das nächste Jahr?
Auf dem eingeschlagenen Weg weiter gehen, das Leben genießen und regelmäßig wandern gehen, z. B. auf dem Trekvogelpad.

Welche Länder hast Du 2017 besucht?
Deutschland und Österreich.

Was möchtest Du 2018 haben, was Du 2017 nicht hattest?
Auch dieses Jahr fehlte mir nicht wirklich etwas, außer vielleicht mehr Zeit und Inspiration zum Schreiben.

Welches Datum aus 2017 wirst du nie vergessen?
Den Tag,  an dem ich den Pieterpad beendete. Es war eine eigenartige Mischung aus Stolz (I walked the trail!) und Wehmut, weil es nach zwei Jahren zu Ende war.

Was war Dein größter Erfolg 2017?
Ich konnte den beruflich eingeschlagenen Weg fortsetzen, ohne baden zu gehen. Und – I walked the trail!

Welches war Dein größter Fehler?
Verschiedene kleine Sachen, aber nichts wirklich großes.

Hast Du eine Krankheit oder eine Verletzung gehabt?
Es ging und geht mir gut, bis auf den Kleinkram, der einen halt gelegentlich heimsucht. Und darüber bin ich froh.

Was war das Beste, was Du gekauft hast?
Mein Einmannzelt, die sogenannte Dackelhütte. Damit ist man beim Wandern doch flexibler und freier.

Wessen Verhalten erschreckt Dich oder macht Dich traurig?
Nicht das Verhalten von irgendjemandem. Aber richtig traurig war und bin ich über den viel zu frühen Tod einer Freundin.

Wofür ging das meiste Geld drauf?
Noch immer für unser neues Domizil und alles, was da so anfällt.

Worüber warst Du so richtig aus dem Häuschen?
Dass ich den Pieterpad beendet habe – I walked the trail!

Welches Lied wird Dich immer an 2017 erinnern?
„Leichtes Gepäck“ von Silbermond. Nicht nur unser eigener Umzug, sondern auch ein paar andere in unserem Familienkreis haben mir vor Augen geführ, wie viel nutzloser Krempel sich doch in so einem Haushalt ansammelt. Und auch das Wandern ist leichter, wenn man nicht zu viel mitschleppt.

Verglichen mit 2016, warst du im Jahr 2017

…glücklicher oder unglücklicher?
Ähnlich wie im letzten Jahr, denke ich.

… reicher oder ärmer?
Auch das ist ungefähr gleich gebleiben.

Wovon hättest Du lieber mehr gemacht?
Mal wieder gebloggt, ich arbeite immer noch an meinem Reisebericht von 2016, und den würde ich gern fertig kriegen, bevor der nächste Urlaub kommt.

Wovon hättest Du lieber weniger gemacht?
Eigentlich nichts, es war gut so.

Wie hast Du Weihnachten verbracht?
Zur Abwechslung mal wieder bei meiner Familie in Süddeutschland.

Hast Du Dich 2017 verliebt?
Nicht neu verliebt, auch das ist konstant geblieben.

Welches war Deine Lieblingssendung im Fernsehen?
Die Serie „Hier zijn de Van Rossems„, insbesondere die Folge über meine Heimatstadt. Allerdings habe ich noch nicht alle Folgen gesehen.

Hast Du jemanden oder etwas hassen gelernt?
Nö, hassen tue ich niemanden. Gelegentlich rege ich mich über jemanden auf, aber wer tut das nicht?

Welches war das beste Buch, das du 2017 gelesen hast?
„Erebos“ von Ursula Poznanski. Auf der Leipziger Buchmesse war ich bei einer Lesung, wo die Autorin aus ihrem Buch „Elanus“ vorlas. Dabei wurde ich neugierig auf ihr Werk, und „Erebos“, bei dem es um ein Computerpiel geht, dass auch in das wirkliche Leben eingreift, hat mich am meisten beeindruckt.

Was war deine größte musikalische Überraschung 2016?
Gab es auch diesmal nicht.

Was hast Du Dir gewünscht und auch bekommen?
Die Dackelhütte und viele interessante Begegnungen, Gespräche und Erfahrungen.

Was hast Du Dir gewünscht und nicht bekommen?
Hier wiederhole ich den Satz vom letzten Jahr: Eigentlich nichts, ich wünsche mir nicht mehr so viel, sondern versuche mich über die Dinge zu freuen, die meinen  Weg kreuzen.

Welches war Dein Lieblingsfilm in diesem Jahr?
Wenn Serien auch zählen, dann alle Folgen von „The Bridge„. Ich bin schon gespannt auf die nächste Staffel.

Was hast Du an Deinem Geburtstag getan und wie alt bist Du geworden?
Auch dieses Jahr bin ich ein Jahr älter geworden und habe meinen Geburtstag recht unspektakulär verbracht: Erst habe ich gearbeitet und abends bei der Chorprobe einen ausgegeben. Essen waren wir dann am Wochenende.

Welche eine Sache hätte Dein Jahr zufriedenstellender gemacht?
Ich hätte die goldigste Nichte von allen gern öfter gesehen, aber das ist halt der Nachteil, wenn man recht weit auseinander wohnt.

Was hielt Dich gesund?
Ich denke, mal wieder Glück und eine einigermaßen gute Konstitution.

Erzähle uns eine wertvolle Lebenslektion, die Du in diesem Jahr gelernt hast!
Es bringt nichts, ständig zurück zu schauen und zu überlegen, was man hätte anders machen können. Es ist wichtiger, nach vorne zu schauen und zu versuchen, ähnliche Fehler zu vermeiden.

Auf was freust Du Dich im Jahr 2018?
Auf den Frühling, neue Wanderungen, Treffen mit netten Leuten, neue Erfahrungen etc.

Bald erklärt uns Alfred Tezlaff ja wieder den Untershcied zwischen Punsch und Bowle und stolpert Butler James über den Tigerkopf. Und ich bedanke mich bei allen regelmäßigen und gelegentlichen Lesern fürs Vorbeischauen und wünsche euch einen gute Rutsch und ein gutes, gesundes und vor allem glückliches Jahr 2018.

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Pieterpad – Finish und Fazit

Groningen – Pieterburen (und ans Wattenmeer)

Was lange währt…

Fast auf den Tag genau zwei Jahre habe ich mit meiner Pieterpad-Expedition herumgetan, weil ja auch immer irgendwas war. Aber jetzt ist es geschafft, am Samstag bin ich in Pieterburen einglaufen. Und jetzt gehe ich meinen Mitmenschen fröhlich damit auf die Nerven. Und was soll ich sagen? Schee war’s.

Abschied von Vorurteilen

Aus irgendwelchen Gründen hatte ich mir immer eingebildet, dass das letzte Stück eher langweilig ist, nämlich leer, brettleben, und man sieht schon auf acht Kilometer, dass da nichts ist. Aber nichts ist weniger wahr.

Das Stück aus Groningen raus ist wunderschön, man kommt an der Synagoge, dar A-kerk und dem ehemaligen Hafen vorbei. Die dortigen Grachtenhäuser erinnern ein bisschen an Amsterdam beim Goethe-Institut und dort, wo eine Freundin von mir früher gewohnt hat.

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Dann ging es durch den Noorderplantsoen, einen Park, in dem gerade die Bühne für das Festival „Noorderzon“ aufgebaut wurde, am Noorderbegraafplaats und dem Universitätsgelände vorbei aus der Stadt hinaus.

umland

Auch das Groninger Umland ist sehr schön: Die Route führt durch nette Dörfer mit Wierden, auf Deutsch auch Warften oder Wurten genannt. Dabei handelt es sich um aufgeworfene Siedlungshügel, die die Bewohner bei Sturmfluten schützen sollen. Meist liegen die Kirche und andere wichtige Gebäude auf diesen Erhöhungen. Zahlreiche Ortsnamen wie Wierum oder Garnweerd sind davon abgeleitet.

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Und dann gibt es natürlich auch die goldige Ortschaft Winsum, wo ich übernachtete:

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Minigedöns

Größere Schwierigkeiten gab es diesmal nicht, auch wenn natürlich nicht alles reibungslos lief. In Groningen wird am Stadtrand ein Radweg repariert, und die Pieterpadwanderer werden umgeleitet. Natürlich hatte ich es mal wieder versäumt, auf der Website nach Aktualisierungen zu schauen – das gedruckte Wort ist für mich halt immer noch heilig. Aber mir Hilfe einiger Einheimischer, darunter auch jemand, der kürzlich die Strecke gelaufen war, kam ich ohne Umweg aus der Stadt.

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Und bei Garnweerd führt der Weg jetzt durch Felder und Wiesen statt an der Straße entlang. Das ist eine gute Entscheidung, denn die Straße ist schmal und recht gut befahren. Aber beim Wandern durch die Wiesen stellten sich mir zahlreiche Gräben in den Weg, ich muss wohl irgendwo wieder falsch abgebogen sein. Es war gar nicht so einfach, wieder auf den Weg zu kommen. Fierljeppen, eine Art Stabhochsprung über einen Graben, wäre jetzt gar nicht schlecht.

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Und auf dem Campingplatz waren drei der Blockhütten, die an die Zeltweise grenzten, von zwölf Mädchen bewohnt, die bis spät in die Nacht quasselten und mehrere Bierkästen leerten. Aber zum Glück war es nicht so schlimm wie vor ein paar Jahren in der Schweiz.

Insgesamt war es ein Premium-Wochenende.

Finish und Ausklang

Mit Peter hatte ich abgesprochen, dass er am Samstag nach Pieterburen fahren und mir von dort entgegen gehen würde. Das klappte auch wunderbar, als ich eine hohe Brücke überquerte, sah ich ihn schon als gaaanz winzigen Punkt in der Ferne ankommen.

treffen

Nach einer Verschnaufpause gingen wir gemeinsam das letzte Stück nach Pieterburen. Dort gingen wir erst einmal Mosterdsoep (Senfsuppe), eine Spezialität dieser Gegend, essen, denn wie heißt es in einem Niederländisch-Lehrbuch für Anfänger so schön? „De Mosterdsoep is hier altijd lekker.“

finish

Dann statteten wir, wie es sich gehört, den Seehunden einen Besuch ab und besichtigten die Petruskirche.  Danach bauten wir unser Zweimannzelt auf (die Dackelhütte kann vorläufig ins Winterquartier) und gingen anschließend noch ein Stück auf dem Nederlands Kustpad zum Wattenmeer. Es gab einmal Gerüchte, dass man den Pieterpad bis dorthin verlängern wollte, aber jetzt verstehe ich auch, warum die Organisatoren das wohl nicht machen werden. Da es von Pieterburen keinen direkten Weg zum Meer gibt (es liegen einige Felder mit Gräben dazwischen), kommen schnell fünf Extrakilometer dazu, die man dann auch wieder zurückgehen muss. Das macht bestimmt nicht jeder. Der Anfangs- bzw. Endpunkt in der Ortsmitte ist schon richtig.

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Den Sonntag verbrachten wir noch in Groningen, wo wir die Synagoge und das ehemalige Judenviertel besichtigten, aber das ist eine andere Geschichte.

Fazit und Ausblick

Jetzt habe ich es also endlich geschafft. Durch diese Wanderung habe ich die Niederlande auf eine andere Art kennengelernt. Iach habe am eigenen Leibe erfahren, wie die Landschaft sich langsam verändert, vom hügligen Limburg über die großen Flüsse, die Kulissenlandschaft in der Achterhoek und Twente, die Wälder in Drenthe und das weite Land in Groningen. Und mit der Landschaft ändern sich auch die Dialekte.

Außerdem habe ich mich selbst kennengelernt und meine Grenzen erkundet. 20 bis 25 Kilometer an einem Tag sind gut zu laufen, viel mehr muss es nicht werden, denn ich bin nicht besonders schnell. Meistens finde ich meinen Weg, und mit den gelegentlichen Orientierungsschwierigkeiten kann ich inzwischen ganz gut umgehen.  Und alleine zu wandern und auch zu übernachten ist kein Problem. Eigentlich muss man dafür nur zwei Voraussetzungen erfüllen: Man muss sich selbst als angenehme Gesellschaft empfinden und man muss die Stille aushalten können.

Bei allem Stolz, das Abenteuer zu Ende gebracht zu haben, ist schon ein bisschen Wehmut  dabei. Eine Freundin formulierte es so: „Bestimmt ist man aber auch ein bisschen traurig, wie wenn man ein gutes Buch fertig gelesen hat, oder?“ Das trifft es ziemlich gut.

Aber ich habe ja schon mit dem Trekvogelpad angefangen, der mich irgendwann quer durch das Land nach Bergen aan Zee führen wird (eine Übernachtungsmöglichkeit in Utrecht wurde mir auch schon angeboten). Außerdem liegt der Wanderführer für den „Overijssels Havezatenpad“ schon auf dem Schreibtisch. Dieser führt von Oldenzaal nach Steenwijk, ist also in der Nähe von Enschede und eignet sich daher gut für Tagesausflüge.

Und ich kann ja immer noch, wie ein entgegenkommender Wanderer vorgeschlagen hat, den Pieterpad, der übrigens auch beim diesjährigen Sandskulpturenfestival in Garderen zu sehen ist,  wieder zurückgehen.

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Kunst und Kultur am Trekvogelpad

Tag 4, Ruurlo – Vorden: Kunst und Erinnerungen

Am 23. Juli ging es weiter. Diesmal fuhr ich nicht mit dem Bus, sondern mit der Bahn nach Ruurlo, da die Rückfahrt von Vorden aus ebenfalls mit der Bahn vonstatten gehen sollte, und so hatte ich meine Leeze dann gleich am Bahnhof stehen. Gegen halb 11 kam ich beim Schloss Ruurlo an und schaute mich erst einmal in Ruhe im Park um, da das Museum erst um 11 Uhr öffnete.

Im Moment läuft es unheimlich gut, was zu größeren Parkplatzproblemen führt, da weder die Gemeinde Ruurlo noch der Gründer Hans Melchers mit so einem Ansturm gerechnet hatten. Die Besucher von weiter weg parken also irgendwo am Straßenrand, die Stadt schreibt fröhlich Strafzettel, Melchers ist sauer, weil man sich doch etwas kulanter zeigen könnte, schließlich kommt ja jetzt mal wieder jemand in dieses verschlafene Nest. Als Fußgänger tangierte mich die Soap relativ wenig, ich halte es ja gerne mit Goethe: „Nur wo du zu Fuß warst, bist du wirklich gewesen.“ Warum sollte das nicht für ein Museum gelten?

Kurz vor 11 Uhr formierten sich am Eingang zwei Reihen, die Besitzer einer Museumkaart, zu denen ich auch gehöre, und diejenigen, die noch ein Ticket erwerben mussten. Ich bekam ein Heftchen ausgehändigt, verstaute meinen Rucksack und schaute mir dann erst mal den Film an. Man erfuhr ein paar Dinge über die Geschichte des Schlosses, den Multimilliardär Hans Melchers und den Maler Carel Willink. Aber dies alles ist einen eigenen Beitrag wert, den ich wohl schreiben werde, wenn das Wetter wieder schlechter wird.

Jetzt nur so viel: Mit dem Umbau und der Neueinrichtung des Schlosses hat Melchers einen schönen Rahmen für Willinks Gemälde geschaffen und dabei nicht gekleckert, sondern kräftig geklotzt. Die Holzfußböden mit Intarsien und die schweren Tapeten mit Moiréstruktur  bilden zusammen mit den Bildern ein Gesamtkunstwerk, und als solches muss man es eigentlich auch sehen. Die Gemälde selbst sind entweder (Selbst-)porträts, auf denen die Abgebildeten grantig in die Weltgeschichte schauen oder aus verschiedenen Versatzstücken zusammengesetzte Landschaften. Die Titel sind recht eindeutig, z. B. „Tate Gallery verplaatst“ bei einem Bild der berühmten Galerie, die hier mitten in der Pampa steht, oder „Kamel in het park van Versailles“. Warum sollte so ein Kamel nicht auch mal in so einem Park spazieren gehen?

Nach einer guten Stunde hatte ich alles gesehen und wollte meinen Weg fortsetzen. Der Trekvogelpad führt durch den Schlosspark, aber leider war die hintere Pforte abgeschlossen, so dass ich mir einen Weg außenrum suchen musste.

Nach einer Weile hatte ich es geschafft, und unterwegs kam ich auch bei dem berühmten Siebensprung vorbei. Wie in der Geschichte „Das Geheimnis des siebten Weges“ zweigen hier nur sechs Wege ab. Ich lief zur Sicherheit zweimal alle Wege ab, es sind tatsächlich nur sechs.

Dann ging ich weiter nach Vorden, wo ich mich dem Schloss von Rückseite näherte. Ich kam an der 23 Meter hohen Rieseneiche vorbei, deren Stamm 685 Zentimeter umfasst. Kurz danach passierte ich die „Lodewijkslinde“, unter der Ludwig XIV angeblich im Jahr 1672 ein Schläfchen gemacht haben soll. Ich kann mir schlechtere Schlafplätze vorstellen.

 

Kurz danach kam ich wieder zu der Stelle, an der sich der Trekvogelpad und der Pieterpad kreuzen. Vor ziemlich genau elf Monaten war ich hier schon einmal vorbeigekommen. Viel hat sich seitdem ereignet. Nach einem Kaffee mit Kirschkuchen fuhr ich mit dem Zug nach Hause. Da es auf dieser Strecke, die nur etwas mehr als eine Stunde dauert, drei verschiedene Anbieter gibt, musste ich dreimal ein- und auschecken. Auf Twitter machte ich meinem Unmut Luft und bekam sogar eine Antwort von den Nederlandse Spoorwegen.

 

Tag 5, Vorden – Brummen: Uferwege, Rindviecher und eine Überfahrt

Am 28. Juli ging es dann weiter. In Vorden ging ich ein Stückchen über den Pieterpad, diesmal in Gegenrichtung, bis der Trekvogelpad dann abzweigte.  Ich kam an einem Hexenhaus mit Backofen, das mich an Hänsel und Gretel erinnerte, und erreichte Schloss Hackfort, wo es im Park auch einen Kunstwanderweg gibt.

Auf der gegenüberliegenden Straßenseite steht eine Bank zum Gedenken an jemanden, der hier, praktisch kurz vor seiner Haustür einen Unfall hatte. So etwas ist natürlich nicht schön, und nachdenklich trabte ich weiter.

Nach einer Weile kam ich an einen Uferweg, der am Baakse Beek entlangführt. Laut Wegbeschreibung sollte man ihm einfach bis kurz vor Wichmond folgen können, aber in der Praxis sah das natürlich wieder anders aus. Mittendrin war nämlich ein Stück abgesperrt, weil dort eine Herde Rindviecher graste. Die Absperrung allein wäre nicht so sehr das Problem gewesen, aber vor Rindviechern habe ich ziemlichen Respekt. Ich ging also an der Absperrung entlang bis zur Straße, wo ich erst über einen Zaun klettern und dann zur Erheiterung zweier Radfahrer unter einem Stacheldraht durchkrauchen musste. Dass mir der Spaß wieder ein Extrastückchen bescherte, war ja klar, und so war der Rastplatz an der Wegkreuzung mehr als willkommen.

Bald erreichte ich Bronckhorst, die kleinste Stadt der Niederlande. So ziemlich alle Gebäude dort stehen unter Denkmalschutz, und die Ortschaft ist eine Art lebendes Freilichtmuseum. Entsprechend viele Touristen befinden sich auch dort. Demnächst geht auch unser Synagogenausflug dorthin, und dann werde ich mir in Ruhe das Dickens-Museum und diverse Kunstobjekte anschauen. Heute reichte mir ein Cappuccino mit Apfelkuchen.

Unterwegs hatte schon ein kräftiges Lüftchen geweht, so dass die Wanderung langsamer ging als normal. Und als ich im Wanderführer las, dass die Fähre über die IJssel ab Windstärke 7 nicht mehr fährt, machte ich mir doch etwas Sorgen. Aber schon von weitem konnte ich sehen, dass sie gemütlich hin und hertuckerte. Es gibt wohl auch so etwas wie die gefühlte Windstärke.

Nach der Überfahrt hieß mich ein Schild auf der Veluwe willkommen, laut Wikipedia das größte zusammenhängende Waldgebiet der Niederlande. Dort würde ich sicher noch eine Weile unterwegs sein.

Kurz darauf erreichte ich Brummen, wo die Route sogar fast direkt am Bahnhof vorbeiführt, und machte mich auf den Heimweg.

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Ein neues Abenteuer: Der Trekvogelpad

Ja, ich weiß, ich habe den Pieterpad immer noch nicht beendet, aber es war von der Zeit her immer etwas ungünstig. Jetzt ist es nämlich wieder so weit, dass ich unterwegs übernachten muss, und das will einigermaßen geplant werden. Da es aber ganz ohne Wandern nicht geht, habe ich mit dem 414 Kilometer langen Trekvogelpad (Zugvogelweg) angefangen, der von Bergen aan Zee nach Enschede führt. Allerdings zäume ich auch hier wieder den Gaul von hinten auf und laufe in Gegenrichtung, da es sich das für Tagesausflüge zwischendurch anbietet. Und nach den ersten 90 Kilometern wird es Zeit für einen Bericht.

Tag 1, Enschede – Koekoeksbrug: Why does is always rain on me?

Am 7. März hatte ich unerwartet einen fast freien Tag und wollte mal wieder ein Stück laufen. Also habe ich mit dem Trekvogelpad angefangen, der vom Bahnhof Enschede nach Bergen aan Zee führt. Das erste Stück lief ich also vor allem durch meine eigene Stadt, die ich nun durch die Augen eines Touristen betrachtete.

wegweiser

Die Streckenführung ist ganz geschickt, man geht vor allem durch die etwas netteren Teile der Stadt (den Volkspark, die alte Arbeitersiedlung Pathmos, das Naherholungsgebiet Rutbeek), so dass der ahnungslose Tourist nicht denkt: „Grundgütiger, wo bin ich hier gelandet!“ Versteht mich nicht falsch, ich wohne wirklich gern in Enschede, aber es ist halt kein Amsterdam, Maastricht oder Groningen.

pathmos volkspark2

Das Wetter war am Anfang noch okay, zwar leichter Nieselregen, aber man ist ja nicht aus Zucker, nicht wahr? Beim Rutbeek kam ich an einem Schild mit der Aufschrift „Wij oogsten de zon – Wir ernten die Sonne“ vorbei, das irgendwas mit Sonnenenergie zu tun hat. Gerade in dem Moment fing es auch richtig an zu gießen – the irony of that. Da stand ich also knapp 10 km von zu Hause entfernt im strömenden Regen mitten in der Pampa! Gut, dass ich meinen Regenumhang mithatte.

rutbeek schild

Aber das Naturgebiet Buurserzand ist auch im Regen recht schön, und schließlich gibt es ja kein schlechtes Wetter, nur falsche Kleidung.

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Trotzdem war ich froh, dass bei der Haltestelle Koekoeksbrug schnell ein Bus kam, der mich nach Haaksbergen brachte.

Tag 2, Koekoeksbrug – Eibergen: Vier Monate später

Am 11 Juli, also fast genau vier Monate später ging es weiter. Ich fuhr mit dem Bus bis kurz vor Haaksbergen und lief das letzte Stück zur Koekoeksbrug. Natürlich spielte mir mein bekanntes Rechts-Links-Problem mal wieder einen Streich, aber der Schaden hielt sich in Grenzen.

Das Wetter war erst etwas bewölkt, aber es klärte sich bald auf. Ich wanderte durch die Naturgebiete Buurserzand und Haaksbergerveen und stellte mal wieder fest: Twente is onmeunig mooi (Twente ist unglaublich schön).

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Auf einer Bank hielt ich ein Schwätzchen mit dem Gegenverkehr, den es hier auch reichlich gibt – die meisten Leute fangen in Bergen aan Zee an. Und das Restaurant bei der Oostendorper Watermolen hatte sogar geöffnet, so dass ich auch mein Essen fotografieren konnte, wie man das halt so macht.

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Als ich allerdings weiterging, trübte es sich wieder ein, und kurz vor der Berkel wurde ich von einem kräftigen Regenguss erwischt. Der Trekvogelpad wird auch „der längste Naturwanderweg der Niederlande“ genannt, und das bedeutet wohl, dass man sich grundsätzlich mitten in der Pampa befindet, wenn es gerade mal gießt. Man kann also stehenbleiben und nass werden oder weitergehen und nass werden. Ich entschied mich für letzteres, schlurfte am Berkelufer entlang und fragte mich mal wieder: „Why does it always rain on me?“

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Irgendwann ließ der Spuk jedoch nach, und ich konnte noch vor der Bushaltestelle in Eibergen das Regenzeug wegpacken.

Und einen netten Straßennamen habe ich auch entdeckt: Krakeelsweg.

Tag 3, Eibergen- Ruurlo: Auch am Trekvogelpad gibt es schönes Wetter

Diesmal ging es sogar recht schnell weiter, nämlich am 15. Juli. Zuerst sah es nach einem Pechstag aus, denn obwohl ich pünktlich an der Bushaltestelle war, meldete meine App, dass der Bus schon weg war. Trotzdem beschloss ich, noch ein paar Minuten zu warten, und siehe da, er kam doch noch! Es wäre auch sonst etwas ärgerlich gewesen, denn am Wochenende fährt der Bus nach Eibergen im Stundentakt.

In Eibergen lief ich durch den hübschen Ortskern, wo ich schon auf den ersten Gegenverkehr traf. Dann wurde die Gegend wieder sehr ländlich.

bauernhof waldweg

Im Wanderführer stieß ich auf die Anmerkung, dass die Route eventuell anders geführt werden könne, da dort die neue Bundesstraße N18 gebaut wird. Natürlich hatte ich mal wieder verbummelt, im Internet nach Updates zu schauen, aber das war auch gar nicht nötig. Am Samstag wurde nicht gebaut und ich konnte gemütlich zwischen zwei Bauzäunen hindurch den Markierungen folgen.

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Der Weg führte mich durch einen Park, der im klassizistischen Stil angelegt ist und in der Mitte einen sternförmigen Teich, den „Waterster“ (Wasserstern) hat.

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Nach einer Pause am Flüsschen Slinge ging ich weiter bis zum Schloss Ruurlo, dem „Treppenhaus“ aus dem Jugendbuch „De Zevensprong“ (auf Deutsch „Das Geheimnis des siebten Weges“) von Tonke Dragt und der gleichnamigen Fernsehserie. Die älteren Semester unter uns erinnern sich vielleicht. Seit ein paar Wochen beherbergt das Schloss ein Museum mit Werken des Künstlers Carel Willink (1900 – 1983), einem Vertreter des magischen Realismus. Dies werde ich mir auf der nächsten Etappe näher anschauen.

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