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Frühlingsimpressionen am Pieterpad

Ommen – Coevorden

Zu meiner Schande muss ich gestehen, dass ich dieses Jahr noch nicht besonders weit gekommen bin, ganze zwei Etappen bzw. gut 40 km habe ich seit Anfang April geschafft. Arbeitsmäßig ist eine Menge los, ich mache gerade eine Fortbildung, an den Wochenenden steht einiges an (Familie, Chor, Synagoge etc.), der Umzug zieht immer noch alles Mögliche nach sich und dann habe ich ja schließlich auch noch meinen Haushalt. 😉 Aber vor Ostern schaffte ich es doch, zumindest einen Anfang zu machen, und ich hoffe, dass ich in den nächsten Wochen noch ein Stückchen schaffe. Allerdings muss ich jetzt wieder übernachten, weil die Anfahrtswege wieder länger werden.

Wind und Wetter

Am ersten Tag konnte man absolut nicht nölen, das Wetter war einfach ideal, nicht sehr warm, aber trocken. Alles wurde langsam aber sicher grün und blühte in verschiedenen Farben, die Vögel brüllten, es war einfach wunderbar!

naturgebiet

Am zweiten Tag war es erst trocken und ich hatte Rückenwind, was vom Gegenvekehr etwas neidisch kommentiert wurde. Selber merkt man das ja meistens erst, wenn man die Richtung ändert oder der Wind sich dreht. Doch am Nachmittag trübte es sich ein und begann zu nieseln. Deswegen hätte ich fast das Kunstwerk „De Drentse Poort“ verpasst. Bei klarem Wetter ist es sicher von Weitem zu sehen, aber wegen des Nieselregens passte ich nicht richtig auf und latschte mal wieder an einer Abzweigung vorbei. Zum Glück merkte ich meinen Irrtum rechtzeitig, so dass ich doch noch unter dem monumentalen Steintor durchgehen konnte.

Und gerade als ich den Bahnhof von Coevorden erreichte, ging ein richtiger Platzregen los. Da hatte ich mal wieder Glück gehabt.

Landschaft und Ortschaften

Zwischen Ommen und Hardenberg ging die Strecke ging teils durch den Wald, teils über Felder und immer wieder an der Vecht entlang, und sie hatte keine nennenswerten Steigungen. Man merkt, dass es in den brettlebenen Norden geht. Bei der Drentse Poort ging es wieder etwas auf und ab.

Natürlich führte der Weg nicht nur durch mehr oder weniger idyllische Landschaft, sondern auch durch nette Ortschften wie das Angerdorf Rheeze mit seinen Reetdachhäusern oder Gramsbergen mit der netten Kirche und dem Bronzeskulptur einiger Pieterpadwanderer. Dort ergab sich auch die Gelegenheit zu einem Schwätzchen mit dem Gegenverkehr und dem Austausch kulinarischer Tipps.

Kulinarisches – oder auch nicht

Wermutstropfen auf dieser Wanderung: Das Café in Rheeze, wo ich gern eingekehrt wäre, hat nur Samstags und Sonntags geöffnet, was sie allerdings nicht daran hindert, groß auf die Fensterläden zu schreiben, was man dort alles hätte bestellen können. Aber der erfahrene Wanderer hat ja immer genug Semmeln mit, so dass ich nicht vom Stangerl gefallen bin.

Nein, da sah es am zweiten Tag schon anders aus. Am Eingang des Dorfes Ane befindet sich nämlich der goldige Laden nebst Tea Room „Granny’s Barn“. Dabei handelt es sich um ein Projekt, bei dem junge Frauen, die aus irgendwelchen Gründen in Schwierigkeiten geraten sind, wieder eine Aufgabe bekommen und in den Arbeitsprozess eingegliedert werden. Das Ganze soll demnächst mit einen Bed & Breakfast vergrößert werden. Die Lage ist ja auch ideal. Der Tea Room ist einfach schnuckelig, das WC heißt hier „Dixie de luxe“ und Tee und Sandwich waren sehr lecker!

Jetzt habe ich noch sieben Etappen, also noch ungefähr 140 km vor mir. Und irgendwann schaffe ich die auch!

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Pieterpad-Nachlese 2016

Vorden – Ommen

Entgegen meinen guten Vorsätzen habe ich es letztes Jahr nicht geschafft, den Pieterpad zu Ende zu wandern. Aber nach dem Erreichen der Mitte war ich im Herbst doch noch drei einzelne Tage unterwegs, nämlich am 30. August, am 16. September und am 1. Dezember, und habe vier Etappen geschafft. Am ersten Tat bin ich gleich zwei Etappen, also ungefähr 28 Kilometer gelaufen. Nicht schlecht, oder?

Schlösser und Landgüter

Vor allem anfangs kommt man an einigen Schlössern und Landgütern vorbei, von denen es eine Menge in dieser Gegend gibt. Die Schulen hatten wieder angefangen, und bei dem herrlichen Wetter waren zahlreiche Schulkinder mit Rädern und Fragebögen unterwegs, um die Gegend zu erkunden. Bei Kasteel Den Bramel hörte ich, wie ein Kind fragte: „Oh, ein Schloss! Wohnt da der König?“ Ein anderes antwortete: „Ganz sicher nicht.“ – „Aber es ist ein Schloss!“ – „Dass es ein Schloss ist, heißt nicht, dass der König ausgerchnet hier wohnt. Es gibt viele Schlösser.“ Tja, wo das Kerlchen recht hat…

den-bramel

Ein ganzes Stück später, bei Huis Verwolde, machte ich einen Umweg, um „de dikke boom“ (den dicken Baum) zu bewundern. Diese monumtentale Eiche wurde wahrscheinlich rund 1500 gepflanzt, und der Stamm hat einen Umfang von 7,60 Metern. Ein ganz schöner Oschi, nicht wahr?

huis-verwoldedikke-boom-2 dikke-boom

Mythos Holterberg und andere Erhebungen

Diesmal führte der Weg über einige Berge – zumindest nennen die Niederländer sie so. Einer davon ist der Holterberg, auf dem ich in meinem ersten Jahr hier – angeblich – auch schon war. Damals machten wir mit einem Freund eine Wanderung von Rijssen nach Nijverdal (oder umgekehrt), und diese führte auch über den Holterberg. Es war eine schöne Waldwanderung, das auf jeden Fall, aber irgendwann waren wir am Zielbahnhof, wo ich etwas enttäuscht fragte: „Und wo ist jetzt der Holterberg, und warum waren wir doch nicht oben?“ Wenn man aus der Gegend von München kommt, hat man bei dem Wort „Berg“ einfach eine andere Vorstellung. Aber nach fast 20 Jahren hier bin ich wohl eingebürgert genug, um auch den Holterberg, der sich immerhin stolze 58 Meter über dem Meeresspiegel erhebt, zu erkennen:

holterberg2 holterberg

Die Aussicht hat schon was.

Später ging ich auch über den Haarlerberg und am letzten Tag über den schon sehr herbstlichen Archemerberg, an dessen Fuß ein großer Findling, der „Dikke Steen“ liegt:

dikkesteen

archemerberg archemerberg2

Geschichte am Weg

Bei Holten lief ich ein Stück auf dem Weltzeitpfad, auf dem sich in regelmäßigen Abständen Pfosten befinden. Jeder steht für ein Jahr, und auf dem befestigten Würfel steht Wissenswertes über dieses Jahr. Dazwischen befinden sich auch andere Objekte, wie hier die Schweinderl, die ich an dem Tag wohl spannender fand als die Geschichtswürfel.

schweinderl

Am Weg in der Nähe von Nijverdal befindet sich das Denkmal des Arbeitslagers Twilhaar, das 1941 gegründet wurde. Arbeitslose Fischer sollten dort Bäume pflanzen. 1942 wurde das Lager von den deutschen Besatzern übernommen und diente als Durchgangslager für jüdische Zwangsarbeiter, bevor sie nach Westerbork und von dort aus in die Vernichtungslager gebracht wurden.

twilhaar twilhaar2

Die beiden Fotos, das eine noch scharf, das andere nicht mehr, sollen eine Warnung vor dem Verblassen der Erinnerung sein.

Begegnungen

Auch diesmal hatte ich wieder jede Menge nette Begegnungen. Einmal fragte eine Frau mich auf der Hinfahrt, als ich meinen Reiseführer studierte, welche Etappe es heute werden würde, und es entspann sich ein angeregtes Gespräch über das Wandern im Allgemeinen und den Pieterpad im Besonderen.

Und einmal kam mir ein Schäfer mit zwei Hunden und einer großen Schafherde entgegen. Da kommst du nicht durch, wie auch die Rennradfahrer feststellen mussten. Ehrlich gesagt gönne ich es ihnen, denn gerade auf den letzten Abschnitten präsentierten sie sich als eine recht ungemütliche Spezies: Immer in Eile, kein Blick für die Umgebung und nicht besonders höflich.

schafherde schafherde2

Mein absolutes Highlight ist aber folgendes: Auf der Etappe zwischen Holten und Hellendoorn war es im Wald mal wieder soweit, ich hatte die Markierungen verloren. Eigentlich logisch, dass das mal wieder passieren musste, es war ja schon viel zu lange gut gegangen.

Ich schlurfte also erst mal einen endlosen Weg entlang und hatte nirgends einen Anhaltspunkt, wo ich nun eigentlich war. Aber irgendwann musste dieser Weg ja mal einen anderen Weg kreuzen, sooo groß ist das alles hier ja auch nicht. Und tatsächlich sah ich nach einer Weile in der Ferne einen Weg und Radfahrer. Also nichts wie hin, dort würde es sicher Schilder geben. An der Kreuzung war gegenüber auch wirklich ein Schild mit der Aufschrift „Eigen weg“, also Privatweg. Das half mir natürlich unheimlich weiter.

Dann kam ein etwa 15jähriges Mädchen auf dem Fahrrad an. Ich fragte sie, ob sie wüsste, wie der breite Weg heißt. Das konnte sie mir leider nicht beantworten, aber die nächste Auskunft, dass in der einen Richtung Holten lag und in der anderen Nijverdal, brachte mich schon weiter. In Holten war ich am Morgen aufgebrochen, also ging ich weiter in Richtung Nijverdal, was wenigstens ungefähr stimmte. Nachdem ich ein paar Minuten gegangen war, kam mir die Radfahrerin wieder entgegen: „Ich habe da vorne für Sie nachgeschaut, wie der Weg heißt. Es ist der Holterweg.“ Wunderbar, der stand auch auf meiner Karte, so dass ich wieder auf die Route finden würde. Ich hätte die Kleine knuddeln können!

Ein Stillleben

An meinem letzten Wandertag des letzen Jahres kam ich auch an der Ferienanlage „Hof van Salland“ vorbei, wo ein Schild mit der Aufschrift  „Broodje Pieterpad“ mich ins Restaurant lockte. Wie man unschwer an meinem liebevoll komponierten Stillleben erkennen kann, war es sehr lecker.

stillleben

Und jetzt juckt es mich in den Füßen, wieder weiter zu gehen. Mal sehen, ob ich mir in Bälde mal wieder einen Tag freischaufeln kann.

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Pieterpad – Teil eins ist geschafft

Leuth – Vorden

Inzwischen bin ich nah genug an meinem Zuhause, dass ich einzelne Tagesetappen gehen kann und nicht unbedingt unterwegs überachten muss. Und so bin ich das nächste Stück in drei Einzeltagen gegangen. Im Moment kann ich auch zwischendurch einen Tag mitten in der Woche freischaufeln, und das ist auch gut so, denn der Bus nach Elten fährt am Wochenende nicht. Gut, ich könnte mich ja von Peter irgendwo hinbringen und wieder abholen lassen, aber ich empfinde es als Teil der sportlichen Herausforderung, um das Ganze mit öffentlichen Verkehrsmitteln hinzukriegen.

Wasser, Wasser und nochmals Wasser

Nein, das hat jetzt nichts mit dem Wetter zu tun, das war, von kleinen Schauern und einem bisschen Nieselregen abgesehen, fantastisch. Nein, der Weg führte diesmal sehr oft über das Wasser und am Wasser entlang, aber zum Glück nicht durch das Wasser.

Von Leuth aus ging ich nach Millingen aan de Rijn, wo ich mit der Fußgängerfähre den Bijlandsch Kanaal überquerte. Diese Fähre verkehrt im Sommer stündlich, im Winter seltener, so dass es sinnvoll ist, sich über die Abfahrtszeiten zu informieren und die Wanderung einzuteilen. Bei diesem Superwetter war sie voll mit Radfahrern.

Fähre Fähre2

Dann ging es am Naherholungsgebiet De Bijland und am Bovenrijn entlang nach Tolkamer mit seiner Schiffswerft und weiter nach Spijk.

De Bijland Schiffswerft Tolkamer

Zwischen Spijk und Braamt war erst mal Ruhe mit dem Wasser, doch dann wurde der Pieterpad umgeleitet und führt jetzt an einem Teil der Kläranlage Etten vorbei. Das ist keinesfalls so unappetitlich, wie es sich liest, man kommt an Teichen, einer Fischtreppe und einer Schleuse vorbei. Eigentlich ist es ein schönes Naturgebiet und die Streck wird etwas kürzer und kurzweiliger, da ein langweiliges Stück an einer Hauptstraße entlang wegfällt.

Weg über Kläranlage Fischtreppe

Endpunkt des zweiten und Startpunkt des dritten Tages war das Wasserschloss Kasteel Slangenburg aus dem 14. Jahrhundert.

kasteel slangenburg Schloss Slangenburg 2

Und die dritte Etappe führte am Wasserschloss Vorden vorbei.

Schl;oss Vorden

 Grenzland

Auch hier führt der Weg immer wieder an der Grenze entlang und gelegentlich ins Nachbarland. Oft merkt man es nur an den Grenzsteinen oder daran, dass die Häuser doch ein bisschen anders aussehen. Manchmal ist es aber auch deutlicher, wie bei diesem Haus, an dessen Mauer bekannte Goethe-Zitat prangt: „Nur, wo man zu Fuß war, war man wirklich.“ An dieser Stellen einen herzlichen Gruß an Vivian und Alexandra, meine Wanderkolleginnen, auch wenn wir nicht zusammen laufen.

Goethe-Zitat

Die Ortschaft Tolkamer (Zollkammer) heißt nicht umsonst so, dort wurden im späten 18. Jahrhundert die Zölle für die Schiffe erhoben, die den Rhein (Rijn) hinunterfuhren. Der Zoll wurde zwar 1868 abgeschafft, aber der Papierkram blieb.

Tolkamer2

Am Ende des ersten Tages kam ich nach Elten auf der deutschen Seite, eine typische Grenzortschaft: Die Sparkasse befindet sich neben der „Slijterij“ (Spirituosenhandel), und zahlreiche Niederländer kaufen dort ein.

Ein paar Tage später ging setzte ich meinen Weg von hier aus fort und gelangte über den „Noaberpad“, der von Bad Nieuweschans nach Kleve führt, wieder auf den Pieterpad. Dieser kreuzt sich gelegentlich mit dem Barfußpfad, aber ich liess die Schuhe an, denn ich kenne mein Talent, in irgendwas reinzutreten, man erinnere sich nur an den blöden Zelthering bei der Strad6daagse.

Barfußpfad

Der Drususbrunnen hatte noch nicht geöffnet, schade, ich hätte gern „Wie heißt der Bürgermeister von Wesel“ in die Tiefe gebrüllt.

Drususbrunnen

Aber dafür kam ich an einem tollen Aussichtspunkt vorbei, der in meinem niederländischen Wanderführer „Belvedere“ genannt wird, aber die deutschen Schilder sagen deutlich was Sache ist: „Schöne Aussicht“.

Schöne Aussicht

Brennnesseln, Stacheldraht und anderes Ungemach

Immer wieder führte der Weg durch hohes Gras und Gestrüpp, so dass ich öfter als mir lieb war, mit Brennnesseln Bekanntschaft machte. Aber das Zeugs soll ja angeblich die Durchblutung anregen.

Bei Tolkamer ging die Route über ein Stück Deichvorland, eine Art Überlaufgebiet. Man muss dort über einen Zaunübertritt klettern und dann ein Stück durch die  Wiese latschen – Pfade gibt es dort fast keine. Ich stieg über den Zaun, vorbei an ein paar freundlichen Pferden und folgte dem kaum sichtbaren Trampelpfad. Auf einem Hügel standen einige Kühe, die neugierig zu mir hinüber schauten. Ich versuchte, nicht an Bill Brysons Überlegungen zum Thema „Cow attacks“ zu denken und hoffte, dass die Rindviecher in sicherer Entfernung blieben.

Pferde Rindviecher

Dann erreichte ich einen anderen Zaunübertritt, wo ich die Wiese verlassen konnte. Doch das Holzbrett, auf das man steigen muss, war so schmal und wackelig, dass ich am Stacheldraht hängenblieb. Der riss ein Stück aus meiner Hose und zerkratzte mir den Oberschenkel. Hätte ich die Wegbeschreibung doch bloß bis zum Ende gelesen, bevor ich mich in dieses Überlaufgebiet stürzte! Da stand nämlich, dass dieses Gebiet bei Hochwasser unpassierbar ist und man dann den Radweg nach Tolkamer nehmen kann.

Dagegen waren die Mücken, die mich gelegentlich erwischten, kaum noch der Rede wert.

Begegnungen

Auch diesmal ergaben sich wieder nette Begegnungen und Gespräche. Auf der Promenade bei Spijk sprach mich ein Motorradfahrer an, der auf einer Bank in der Sonne saß: „Ist die Vierdaagse (die viertägige Monsterwanderung in und um Nijmegen) noch nicht vorbei?“ Ich erklärte ihm, dass ich damit nix zu tun hatte, sondern den Pieterpad laufen würde. „Du hast einen ganz flotten Schritt drauf!“ Er wollte wissen, wo ich wohne und konnte sich eine Bemerkung zum desolaten Zustand des hiesigen Fußballvereines nicht verkneifen, was mich aber nicht weiter störte. Vielleicht habt ja schon mitgekriegt, dass ich es nicht so mit Fußball habe.

Spijk

In Elten musste ich mich zur Bushaltestelle durchfragen, da diese zwar „Markt“ heißt, aber gut in einer Seitenstraße versteckt ist. Dies tat ich erst mal auf Deutsch, erwischte aber zwei Niederländerinnen, mit denen ich mich noch gemütlich unterhielt, während wir auf den Bus warteten.

Markt Elten

Wegen meines immer noch vorhandenen Akzents fragen mich die Leute gelegentlich, ob ich aus Deutschland komme. Dies bejahe ich natürlich und füge meistens hinzu, dass ich auch Niederländisch spreche und das sie es sich aussuchen dürfen, in welcher Sprache sie sich unterhalten wollen. Manche reden dann lieber Niederländisch, andere freuen sich über die Gelegenheit, ein bisschen Deutsch zu üben.

Bei der Kläranlage Etten begegnete ich einem Paar, das ohne Wanderführer unterwegs war, da dieser gerade neu aufgelegt wird. Sie versuchen, die Route nur anhand der Wegweiser zu laufen – ein mutiges Unterfangen, das ich mir nicht zutraue. Es scheint auch bei ihnen nicht immer zu funktionieren, denn sie wollten von mir wissen, ob sie noch auf dem richtigen Weg waren. Mir passiert es auch gelegentlich, dass ich trotz Buch nicht mehr sicher bin, ob ich noch auf dem richtigen Weg bin, und ich kenne daher das beruhigende Gefühl, wenn man auf Gegenverkehr trifft.

Interessantes

In der Nähe von Braamt führte der Weg zwischen den zwei kulinarisch klingenden Dörfern Vethuizen und Wijnbergen durch, aber leider gab es dort kein Café in der Nähe.

Ortsschild Vethuizen Ortsschild Wijnbergen

In Zelhem war die Hauptstraße mit Hexen dekoriert, die allerdings etwas merkwürdig auf ihren Besen saßen: Das Gestrüpp zeigte nach vorne. Bei Harry Potter machen sie das doch anders.  Der Wirt des Cafés, wo ich Mittagspause machte, konnte mir allerdings nicht sage, was das für eine Bedeutung hatte, und auch mir hilft Google nicht weiter: Es gibt zwar einige Geschichten über die weise Frau Smoks Hanne, aber warum sie so auf ihrem Besen sitzt, wird nicht erklärt. Vielleicht ist das in der Achterhoek ja normal?

Hexe in Zelhem

Kurz vor dem Wasserschloss Vorden kommt man am Pieterpad-Denkmal vorbei: Die Fußspuren von Toos Goorhuis-Tjasma und Bertje Jens, die den Weg praktisch „gegründet“ hatten, sind hier in Beton in den Weg eingelassen:

Pieterpad-Denkmal

Der erste Teil des Pieterpad endet in Vorden bei einem Wegweiser: St. Pietersberg 256 km, Bergen aan Zee 323 km, Enschede 61 km und Pieterburen 232 km. Hier kreuzt der Pieterpad den Trekvogelpad, den ich mir wohl als nächstes vornehmen werde. Aber erst mal kommt der zweite Teil. Hoffentlich kriege ich auch da noch etwas von der blühenden Heide mit.

Blühende Heide

 

 

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Pieterpad – Nach der Winterpause

Swalmen – Vierlingsbeek

Die Winterpause ist vorbei, lange genug hat sie ja gedauert. Eigentlich wollte ich ja vor einem Monat schon lospilgern, wurde aber von einer fiesen Grippe heimgesucht. Als ich deshalb im letzten Moment bei meinen bereits reservierten Übernachtungsadressen (näheres siehe unten) absagte, wollte man bei beiden von meinem Angebot, trotzdem zu bezahlen, nichts hören und sagte: „Werd erst mal wieder gesund, und vielleicht sehen wir dich ja beim nächsten Versuch.“ Und so war es dann auch.

Da ich mit einem Text für mein Berufsblog nicht weiterkam und mich außerdem noch mit diversen anderen Fragen herumschlug, hoffte ich beim Wandern meine Gedanken ein wenig ordnen zu können. Und als ich unterwegs an einer Bank mit der Aufschrift „Bank vertelt – Bank erzählt“ (wenn man genau hinschaut, kann man es lesen) vorbeikam, bastelte ich das Stillleben „Wandern – suchen – schreiben“:

Stilleben

Wo steht, dass „Bag Art“ nur mit Fahrradtaschen geht?

Da ich seit Anfang des Jahres ein schickes Smartfon besitze, nervte ich auch fröhlich Freunde und Bekannte mit Fotos von unterwegs. Die Selfie-Funktion habe ich zwar inzwischen auch entdeckt, aber diese dämlichen Dinger, mit denen man bei jeder Gelegenheit vollgespammt wird, gehen mir so unglaublich auf den Senkel, dass ich meinen Mitmenschen wenigstens das ersparen möchte.

Etappen, Orientierung und Kondition

Diesmal hatte ich geplant, drei Tagesetappen zu laufen, und zwar so, wie sie im Reiseführer angegeben sind: Swalmen – Venlo (23 km), Venlo – Swolgen (21 km) und Swolgen – Vierlingsbeek (21 km). Und diesmal kamen eigentlich nur insgesamt drei oder vier Extrakilometer zwischen Bahnhof oder Übernachtungsplatz und Route dazu. Die Bahn braucht für diese Strecke eine knappe Dreiviertelstunde, aber wie sagte Goethe so schön? „Nur wo du zu Fuß warst, bist du auch wirklich gewesen.“

Erstaunlicherweise kam mir nur zwei- oder dreimal mein Rechts-Links-Problem in die Quere. Einmal geschah das gleich am Anfang, weil ich mich von Holzschnitzereien an der linken Seite ablenken ließ, während ich rechts hätte abbiegen müssen.

Kunst kunst2

Aber jedes Mal merkte ich es rechtzeitig, so dass sich der Schaden in Grenzen hielt. Und auch im Wald, wo ich beim letzten Mal so spektakulär im Kreis gelaufen war, klappte alles wunderbar. Nur einmal lief ich aus Versehen etwas zu weit nach Osten, stieß aber schnell wieder auf die Route. Entweder lerne ich tatsächlich, Reiseführer und Markierungen richtig zu lesen, oder die Strecke ist in dieser Gegend einfach besser beschildert, was natürlich auch möglich ist.

markierungen markierungen2

Auch was die Kondition betrifft, war ich angesichts meines winterlichen Couchpotato-Daseins angenehm überrascht: Die Tagesetappen waren gut zu schaffen, und selbst der berüchtigte dritte Tag ging ausgezeichnet. Nur am Tag nach der Wanderung hatte ich Muskelkater, was sich aber schnell wieder gab.

Allein wandern

Immer noch gehen die meisten Leute davon aus, dass wir im Doppelpack unterwegs sind, aber dem ist im Moment nicht so. Und das ist auch in Ordnung, auch wenn ich diesmal auf einen schwierigeren Aspekt stieß: Wenn man keine Ablenkung hat, ist es nicht so einfach, unliebsamen Gedanken auszuweichen, wenn sie einen anspringen, und das kann gelegentlich recht konfrontierend sein. Aber ich versuchte, mich diesen Gedanken zu stellen und sie wirklich zu Ende zu denken, auch wenn es  weh tat. Manchmal muss man da durch, und dann wird es besser.

einsamesland einsamesland2

Diesmal wurde mir auch bewusst, dass ich, wenn ich mit anderen unterwegs bin, eher geneigt bin, denen die Führung zu überlassen und einfach mit zu dackeln. Wenn man allein unterwegs ist, geht das nicht, man muss seinen Weg selbst finden. Und ich kann mit Stolz vermelden, dass es meistens recht gut funktioniert!

wegweiser2

Begegnungen und Übernachtungen

Da es noch früh im Jahr war und ich außerdem an einem Montag unterwegs war, hatte ich relativ wenig Gegenverkehr. Aber am Anfang der Strecke traf ich ein Paar aus Beesel, das in dieselbe Richtung lief. Wir gingen hin und wieder ein Stück miteinander, dann trennten sich unsere Wege, bis wir uns wieder begegneten. Sie hatten die Strecke auf einem Navi, was sicher sehr praktisch ist und uns tatsächlich einmal vor einem Umweg bewahrte, aber irgendwie überzeugt mich das Teil nicht ganz, es wird alles recht vorhersehbar.

Dann waren da noch die netten deutschen Radfahrer, die mir meinen Pullover, den ich nicht ordentlich am Rucksack befestigt hatte, brachten, ein Spaziergänger mit Hund in Swolgen, der fragte „Die letzten Meter für heute?“ und der einheimische Radfahrer, der mir versicherte, dass ich noch auf dem richtigen Weg sei.

Auch diesmal übernachtete ich bei „Vrienden op de fiets“, in Venlo bei einem Vater von zwei Kindern, die dieses Wochenende auch da waren. Er stellt sein Gästezimmer zur Verfügung und kocht für die Radfahrer und Wanderer gerne mit. Seine Vorliebe für deutsche Schlager der 70er und 80er Jahre hätte nicht unbedingt sein müssen, aber immerhin war die Lautstärke sozialverträglich. Aber das Essen war lecker, er hatte einen guten Weißwein, und so verging der Abend bei gepflegter Unterhaltung.

In Swolgen übernachtete ich bei einem älteren Paar, das schon mehrfach mit dem Rad und zu Fuß nach Santiago gepilgert ist. Ein selbst herausgegebenes Büchlein von ihrer ersten Radreise dorthin liegt wohl in jedem Schlafzimmer, eine interessante Lektüre. Sie vermieten drei Zimmer und ziehen das Ganze professioneller auf, eher wie ein B&B.

Grenzwanderungen

Auch diesmal schrammte die Route wieder wunderbar an der deutsch-niederländischen Grenze entlang. Manchmal hat man die Grenzsteine an der rechten Seite, befindet sich also in den Niederlanden, und wenn sie links von einem sind, ist man in Deutschland.

grenzstein

Nördlich von Swalmen gibt es auch ein Stück, an dem man praktisch am Abgrund entlang läuft. Oben ist man in Deutschland, wo man am Rand des ausgestreckten Brachter Walds entlanggeht, während sich unten in den Niederlanden (daher kommt das!) Sumpfland befindet.

wandernamabgrund

Natürlich musste ich auch im Café „De Grens“ einen Imbiss zu mir nehmen. Die Ansammlung von Häusern hier hat übrigens drei verschiedene Namen, je nachdem, wo man schaut: De witte steen, De witte Stein, Der weiße Stein.

degrens wittestein

Die Hansestadt Venlo ist ebenfalls eine typische Grenzstadt, die in ihrer bewegten Geschichte zu verschiedenen Ländern, Herzogtümern etc. gehörte. Heute ist sie aufgrund ihrer Lage sehr beliebt bei deutschen und belgischen Touristen.

venlo venlo2

Abwechslungsreiche Landschaft

Über Langeweile konnte ich mich bei diesem Stück wirklich nicht beklagen. Ich kam durch viele verschiedene Wälder und Waldrandgebiete.

wald wald2

Bei Venlo ging ich länger an der Maas entlang, die ich dann bei Velden – Grubbenvorst mit einer Fähre überquerte.

maas maas2

Dort machte ich beim Glockenspiel des ehemaligen Ursulinenklosters Pause, bis besagtes Glockenspiel die Melodie „Muss i denn, muss i denn zum Städtele hinaus“ von sich gab – ein dezenter Hinweis, dass es auch für mich Zeit war, um weiter zu ziehen.

glockenspiel

Dann kam ich durch eine Heidelandschaft, wo ein Schild mich darauf aufmerksam machte, dass hier Tiere grasten, die gelegentlich etwas ungehalten reagieren könnten. Man sollte also Abstand halten und  sie nicht streicheln oder füttern. Um welches Getier es sich handelte, wurde allerdings nicht gesagt: Schafe? Rehe? Auerochsen? Mammuts? Oder gar noch Schlimmeres? Ich begenete jedoch nichts und niemandem und konnte unbehelligt meinen Weg fortsetzen.

heide

Außerdem führte die Route durch das Flugsandgebeit Boschhuizer Bergen, ein sehr interesantes Naturgebiet mit Kiefern und Wacholdersträuchern.

stuifzand

Und irgendwo unterwegs stieß ich noch auf folgenden netten Wegweiser:

wegweiser

Pieterburen rückt näher.

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Momente einer Reise – musikalisch unterlegt

Auf einem meiner Streifzüge durch die Bloglandschaft stieß ich auf Marcs Blogparade mit dem Thema: Musikalische Erinnerungen – der Sound des Reisens. Ich denke, viele Leute verbinden eine bestimmte Reise mit einem bestimmten Musikstück, das  sie vielleicht auf dieser Reise gehört haben oder das sonst irgendwie passt. Ich möchte dieses Thema aber ein kleines bisschen anders aufziehen.

Meine Leser wissen ja, dass mein Mann und ich meistens mit Fahrrad und Zelt unterwegs sind und dass ich vor Kurzem auch das Wandern entdeckt habe. Und dabei habe ich keinerlei Musikabspielgerät mit, da ich die Klänge meiner Umgebung hören möchte: die brüllenden Vögel, das Rauschen des Meeres, das leise Rascheln des Windes in den Gräsern – das alles möchte ich auf keinen Fall missen. Aber wie kann man dann ein passendes Lied zu einer Reise haben? Ganz einfach, es gibt immer wieder Momente, in denen sich ein bestimmtes Musikstück in meinen Kopf schleicht, weil es gerade so gut passt. Und ein paar typische Momente und die dazugehörige Musik wiederholen sich auf jeder Reise der letzten paar Jahre.

Fangen wir mit dem Anfang an. Dazu gehört Das Lied „Omarm“ der niederländischen Band Bløf. Der Sänger wird vom Fernweh gepackt, kann nichts dagegen machen und bittet die geliebte Person, doch mit ihm zu gehen.

Der Anfang „Hoe ver je gaat heeft met afstand niets te maken, hoogstens met de tijd (Wie weit man geht, hat nichts mit Entfernung zu tun, höchstens mit der Zeit)“  passt perfekt zu unserer Reiseplanung. Wir haben uns schon lange von der Idee verabschiedet, eine ganz bestimmte Strecke zurückzulegen, weil das meistens doch nicht funktioniert. Wir haben eine bestimmte Zeitspanne und dann sehen wir schon, wie weit wir kommen, denn Wind und Wetter tragen ja das Ihrige dazu bei. Damit sind wir bei den letzten Zeilen des Bløf-Liedes: „Hoe recht je staat heeft met zwaarte niets te maken, hoogstens met de Wind. (Wie aufrecht man steht, hat nichts mit der Schwere zu tun, höchstens mit dem Wind)“.

Und zu jeder Reise gehört natürlich auch eine gewisse Portion Schietwetter, nach der ich mich immer besonders freue, wenn sich die Sonne wieder zaghaft zwischen den Wolken hervorwagt. Dann denke ich eigentlich immer an den bekannten Beatles-Song : „Here comes the sun and I  say it’s all right.“ Recht haben sie.

Vor unserer England-Radtour vor zwei Jahren hatten wir mit unserem Chor das Lied „For the Beauty of the Earth“ von John Rutter einstudiert. Dieses Lied summe ich seitdem immer wieder, wenn ich unterwegs bin:

„For the beauty of each hour,
of the day and of the night.
Hill and vale and tree and flower,
sun and moon and stars of night.
Lord of all, to thee we raise
this our joyful hymn of praise.“

Gerade beim langsamen Reisen wird mir immer wieder bewusst, wie schön doch die Welt das Leben sein können.

Auch die längste Reise ist irgendwann einmal zu Ende, und es naht der Moment der Heimkehr. Und so gerne ich unterwegs bin, so gerne komme ich auch wieder nach Hause, denn ich liebe die Stadt, in der ich wohne, und ich fühle mich wohl in meinem Haus, wo der Mitbewohner gemütlich auf dem Sofa sitzt. Dieses Gefühl, nach Hause zu kommen, hat bisher noch niemand besser umgesetzt als Dotan:

„The sound of the wind is whispering in your head.
Can you feel it coming back?
Through the warmth, through the cold, keep running till we’re there.
We’re coming home now, we’re coming home now.“

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Pieterpad – Es geht weiter

Spaubeek – Swalmen

Am ersten Oktoberwochenende war ich wieder auf dem Pieterpad unterwegs – bei absolutem Premiumwetter! Fast durchgehend blauer Himmel mit weißen Wattewölkchen, und die Temperatur war ideal. Teilweise konnte ich sogar im T-shirt gehen, aber es war auch nicht zu heiß.

Premiumwetter Premiumwetter2

Übernachten

Dieses Mal habe ich meine Schlafplätze über die Organisation „Vrienden op de fiets (Freunde auf dem Fahrrad)“ gefunden. Dabei handelt es sich um Privathaushalte, die ein Gästezimmer für Radfahrer und Wanderer zur Verfügung stellen. Manchmal sind es auch Pensionen oder B&Bs, die Zimmer für Mitglieder günstiger anbieten. Für einen Jahresbeitrag von acht Euro bekommt man die Adressen. Man sollte rechtzeitig reservieren, und an diesem Wochenende war es auch notwendig. Man kann reisendes Mitglied oder Gastfamilie oder beides werden. Wir überlegen auch schon, ob wir Gasthaushalt werden sollen, und im Moment betreibe ich ein bisschen Feldforschung, um zu sehen, wie hoch der Standard ist.

Das Konzept gefällt mir sehr gut, denn so wird das Übernachten auch für Alleinreisende, die nur eine Nacht bleiben, erschwinglich. Und den ganzen Schnickschnack mit eigenem Badezimmer etc. brauche ich ja eigentlich nicht. Auch werden auf diese Weise eben Leute unterstützt, die sich aus eigener Kraft (zu Fuß oder per Rad) fortbewegen und einen kleineren Aktionsradius haben als die Autofahrer. Ich träume ja immer noch von einem Hostel für Wanderer und Radfahrer.

Meine Schlafplätze waren diesmal in Nieuwstadt bei Sittard und in Herkenbosch. Dort empfing mich ein älterer Herr mit den Worten: „Sie schlafen nicht hier, sondern bei den Nachbarn auf dem Heuboden!“ Erledigt, wie ich nach diesem Tag war, hätte mich das auch nicht mehr weiter gestört. Der Heuboden entpuppte sich als ein kleines Appartement im Nachbarhaus, wo in einem gemütlichen Wohnzimmer mit Kochnische alles für ein reichhaltiges Frühstück vorhanden war. Auch in Nieuwstadt hatte ich ein Appartement für mich alleine, und eine freundliche Dame brachte mir morgens das Frühstück nach oben. Und beide Male schlief ich wunderbar!

Etappeneinteilung

Dieses Mal hatte ich drei Tage für zweieinhalb Etappen eingeplant, und das funktionierte sehr gut, da ich ja immer noch ziemlich lange mit öffentlichen Verkehrsmitteln unterwegs bin. So kam ich um 12.30 in Spaubeek an, wo ich beim letzten Mal in den Zug gestiegen war.

Am ersten Tag lief ich ca. 20 km bis Susteren (nördlich von Sittard) und fuhr dann ein Stückchen mit dem Bus zurück, da sich mein Quartier in Nieuwstadt befand. Am nächsten Morgen fuhr ich dann mit dem Bus wieder nach Susteren. Dieses Manöver war notwendig, da sonst die Samstagsetappe zu lang geworden wäre.

Houtkunst

Am Samstag lief ich also von Susteren durch Montfort und St. Odiliënberg, wo ich in einem netten Café noch eine Kleinigkeit speiste, nach Herkenbosch, etwa 3 km von der Route entfernt (geplant ca. 23 km, aber da kam leider wieder ein Umweg hinzu, sieh unten). Hin und wieder musste ich von der Route abweichen, da ich nicht zu viele extra Kilometer zum Quartier und zurück laufen wollte, aber von der Idee, die Strecke komplett nach der Karte zu laufen, hatte ich mich ja schon längst verabschiedet.

st. odielienberg

Die letzte Etappe nach Swalmen war mit ca. 15 km die kürzeste, und das war auch gut, da ich mir trotz aller Vorsicht am linken Fuß eine Blase gelaufen hatte, die die letzten Kilometer etwas unangenehm machte. Aus diesem Grund ging ich auch nicht östlich um die Ortschaft Boukoul herum, sondern blieb auf dem Hauptweg. So verpasste ich zwar das Erlebnis, über eine echte alte Römerstraße zu laufen, aber damit konnte ich leben. Man muss Prioritäten setzen.

Sittard und Roermond

Sittard befindet sich zwischen der südlimburgischen Hügellandschaft und Mittellimburg und liegt nur 3 km von der deutschen Grenze entfernt. Der Stadtkern mit der St.-Petrus-Kirche (passend zu Pieterpad) und seinem gemütlichen Markt standen diesmal ganz im Zeichen des Oktoberfestes. Da die Stadt nicht allzu groß ist, war es nicht schwer, den Weg hindurch zu finden, sicher nicht, wenn die Straßen so deutlich angegeben sind wie die Begijnenhofstraat.

Sittard Sittard2

Sittard3 Sittard4

Die nächste größere Stadt an der Strecke ist Roermond, aber hier führt die Route nicht durch das Zentrum, sondern immer knapp daran vorbei. So kriegt man leider nichts von dem attraktiven Zentrum der Bischofsstadt mit, aber man kann nicht alles haben.

Angst beim Alleinwandern – nein!

Seit mein Umfeld mitgekriegt hat, dass ich allein auf dem Pieterpad unterwegs bin, werde ich immer wieder gefragt, ob ich da keine Angst habe, so allein und dann noch als Frau, und wenn was passiert, vor allem jetzt, wo doch die ganzen Flüchtlinge ins Land kommen und so weiter.

Nein, habe ich nicht. Ich schlage mich ja nicht durch den Amazonas-Regenwald oder schlurfe durch die sibirische Tundra oder so etwas. Die Niederlande gehören ja zu den Ländern mit der größten Bevölkerungsdichte Europas, und der Pieterpad ist eine sehr beliebte Wanderroute. Die Chance, dass ich also irgendwo entkräftet liegenbleibe und erst nach mehreren Tagen gefunden werde, ist ziemlich gering.

Ich kann mir auch schwer vorstellen, dass sich die Flüchtlinge (die wahrscheinlich andere Sorgen haben) und auch sonstige gefährliche Subjekte in Reih und Glied am Pieterpad aufstellen, um harmlose Wanderer zu überfallen, auszurauben und zu vergewaltigen. Da gibt es weitaus gefährlichere Gegenden.

Es gibt durchaus Dinge, die mir nicht geheuer sind, wie z. B. Wandern im Dunkeln oder an Abgründen entlang (Höhenangst) und „besorgte Bürger“ in Rudeln. Die ersten beiden Dinge habe ich ja bei der Streckenplanung selbst in der Hand, und letzteren kann man auch aus dem Weg gehen.

Und die Galloway-Rinder auf dem Weg, an denen ich vorbei musste, waren ausgesprochen friedlich.

Galloways

 Religiöses

Wie bereits erwähnt ist Limburg überwiegend katholisch, was sich vor allem in den zahlreichen Wegkreuzen und Marienkapellen am Wegrand zeigt. In Sittard befindet sich der Besucher angeblich immer im Schatten eines Kirchturms. Am Stadtrand beginnt auch eine Art Kreuzweg, die „Zeven Voetvallen“ (Sieben Fußfallen).Dies sind kleine Kapellen, die den Leidensweg Christi darstellen.

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Ziel dieses Weges ist die Kapelle der Heiligen Rosa, der Schutzpatronin der Stadt. Diesen Weg ging ich mal wieder in Gegenrichtung, also von Golgatha nach Gethsemane.

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Grenzwanderungen und Mehrsprachigkeit

In dem Gebiet, wo ich unterwegs war, sind die Niederlande am schmalsten, und so bleibt natürlich die eine oder andere Grenzwanderung nicht aus. An manchen Stellen markiert ein Bach oder Fluss die Grenze zwischen den Niederlanden und Deutschland, manchmal ein Grenzpfosten, und manchmal würde man es nicht einmal merken, wenn da nicht plötzlich andere Schilder stehen oder die Häuser geringfügig anders aussehen würden.

Grenzuebergang Grenzfluss

Auch in der Sprache merkt man es: Viele Orts- oder sonstige Hinweisschilder sind zweisprachig: Niederländisch und Limburgisch. Wie ich ja bereits festgestellt hatte, ist da Limburgisch mit deutschen Wörtern gespickt, manche Dinge haben auch eine eher deutsch anmutende Bezeichnung. So heißt z. B. dort ein Graben „graaf“ und nicht „sloot“, wie im Rest der Niederlande. Eigentlich logisch, oder?

Schild Schild2

Orientierung und die Fahrradknotenpunkte

Insgesamt kam ich mit dem Wanderführer und den Markierungen besser zurecht als bei meinem ersten Versuch. Man lernt ja schließlich dazu. Trotzdem habe ich einmal versehentlich die Strecke etwas abgekürzt und einen Weingarten verpasst. Und einmal habe ich mich in einem Waldstück wohl irgendwie verzählt und kam dann nach etwa 45 Minuten wieder bei derselben Brücke heraus, bei der ich den Wald betreten hatte. Ich finde es immer noch schwierig, dort Hinweisen wie „Den dritten Seitenweg rechts nehmen“ zu folgen. Ist diese komische Schneise da nun ein Seitenweg oder nicht? Außerdem hatte man gerade sehr viele Bäume geschlagen, wodurch sich das Layout wohl auch etwas verändert hat.

Ich war also wunderschön im Kreis gelaufen. Was nun? Nochmal in den Wald wollte ich nicht, also Plan B: Auf dem Radweg an der Hauptstraße um den Wald herum. Wie sagte Pete McCarthy in „McCarthys’s Bar“ so schön? „It is always important to have a plan B, especially when there is no plan A.“ Allerdings befindet sich die Hauptstraße teilweise außerhalb meiner Kartenausschnitte, und so wusste ich zeitweise nur sehr ungefähr, wo ich war. Doch nach einer Weile kam ich zu einem der hier sehr beliebten Fahrradknotenpunkte. Dort gibt es immer eine Umgebungskarte, auf der die nächsten Knotenpunkte verzeichnet sind. Anhand dieser Karte suchte ich mir die Route nach St. Odiliënberg, wo ich mir einen Imbiss gönnen und auf die Route zurückkehren wollte. Zur Sicherheit fotografierte ich die Karte ab, und alles klappte wunderbar.

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Begegnungen

Da es an diesem Wochenende absolutes Premiumwetter war, waren auch sehr viele Leute unterwegs: Auf dem Pieterpad, dem Pelgrimspad (Pilgerweg), dem Maas-Swalm-Nettepad usw. Man kam aus dem Grüßmodus gar nicht mehr heraus. Hin und wieder rief mir der Gegenverkehr zu: „Du läufst ja in die falsche Richtung!“ Wieso ich? Manchmal tauschten wir auch bei einer kurzen Pause Informationen darüber aus, was hinter bzw. noch vor uns lag, z. B. dass in Montfort kein einziges Café geöffnet hatte, oder das die nächste Etappe (Swalmen-Venlo) wegen des Autobahnausbaus geändert wurde und ich auf jeden Fall vorher die Aktualisierungen im Internet überprüfen sollte. Das habe ich mir schon mal im Führer vermerkt.

Einmal wurde ich auch von einer Gruppe Radfahrer darauf aufmerksam gemacht, dass ich rechts statt links abbiegen müsste. In diesem Fall war es zwar kein Irrtum meinerseits, da ich auf dem Weg zu meinem Nachtquartier war, aber ich freute mich trotzdem, dass man es mir sagte.

Und natürlich kann man auch mal den „Gegenverkehr“ bitten, ein Foto zu machen. Das mit den Selfies kriege ich noch nicht so gut hin.

Myself

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Pieterpad – Der Anfang ist gemacht

St. Pietersberg – Spaubeek

Ich habe es tatsächlich letztes Wochenende geschafft, das „Unternehmen Pieterpad“ anzufangen, und … schee war’s, auch wenn natürlich nicht alles so ging, wie ich es mir vorgestellt hatte.

Das Wetter

Über das Wetter konnte ich mich im Großen und Ganzen nicht beklagen, es schüttete vor allem dann wie aus Eimern, als ich im Zug saß. Außerdem regnete es hin und wieder mal, vorzugsweise, wenn ich über eine ungeschützte Hochfläche schlurfte. Aber es gibt ja bekanntlich kein schlechtes Wetter, nur falsche Kleidung. Und meistens blieb es trocken, und gelegentlich schien die Sonne. Was will der Mensch mehr.

Orientierung

Schon am Anfang (ich musste von der Bushaltestelle Mergelweg/St. Pietersberg aus noch ein Stück zum Startpunkt) stellte ich fest, dass meine fehlende Übung beim Lesen des Wanderführers und der Markierungen sowie mein Rechts-Links-Problem für gelegentliche Schwierigeiten sorgen könnten. So schaffte ich es nicht, den genauen Anfangspunkt zu finden, aber ich tröstete mich damit, dass ich zumindest in der Nähe war und einen wunderschönen Blick über Maastricht hatte.

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Außerdem geriet ich bei Terblijt, wo es gerade wieder regnete, auf einen Wirtschaftsweg, weil ich den Autos entkommen wollte, die für meinen Geschmack etwas zu schnell und zahlreich auf dieser schmalen Straße ohne Gehweg unterwegs waren und recht spät auswichen. Aber irgendwann bog die Straße nach links und der Weg nach rechts ab, und wenn ich mich nicht durch dichtes Unterholz pflügen wollte, gab es keine Möglichkeit, auf die Straße zurück zu kommen. Also folgte ich dem Weg bis ins Dorf Vilt (etwas zu weit östlich) und dackelte ins Zentrum, wo ich ein Schild “Valkenburg 2 km” sah. Da dies mein Ziel für diesen Tag war, folgte ich ihm einfach.

Da mein Hotel nicht direkt auf der Route lag, musste ich am nächsten Tag selbige wieder finden. Da ich mich allerdings durch einige Informationen im Wanderführer verwirren ließ, legte ich ein paar Fehlstarts hin, bis ich endlich wieder auf die Markierungen stieß, denen ich folgen konnte.

Ganz klar, mit meinen Orientierungssinn kann ich es mir nicht leisten, ein Wanderwegpurist zu sein, und wenn das Ganze so ungefähr stimmt und ich mein Ziel erreiche, bin ich ja schon zufrieden. Schön ist es ja schließlich fast überall.

Allein wandern

Bevor ich losging, war ich schon etwas nervös, denn das letzte Mal war ich während meiner Studentenzeit allein auf Interrail durch Großbritannien und Irland gezogen, und das ist schon mehr als nur ein paar Jährchen her. Aber es war nicht weiter schlimm, denn wenn man allein läuft, braucht man niemanden zu unterhalten und auf niemanden Rücksicht zu nehmen. Man kann seinen eigenen Rhythmus finden und Pausen machen, wann man möchte.

Außerdem trifft man immer wieder auf andere Wanderer, die entweder den Pieterpad in Gegenrichtung laufen oder auf dem Pilgerweg von Amsterdam nach Maastricht unterwegs sind. Hin und wieder ergibt sich dann auch ein nettes Gespräch. Als ich am Anfang die Treppe vom Fort St. Pieter herunterstieg, applaudierten zwei entgegenkommende Wanderer, da sie dachten, dass ich den Weg gerade vollendet hatte. Ich musste die Jungs enttäuschen, ich befand mich ja gerade auf meinen ersten Metern. Daraufhin wünschten sie mir viel Erfolg, und ich gratulierte ihnen.

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Maastricht

Logischerweise führen die ersten Wanderkilometer durch Maastricht, und das ist am Samstag keine so gute Idee, da die Straßen voll mit Shoppern, Spaziergängern und Touristen sind. Und Städte sind ja bekanntlich immer Zeitfresser. Aber die Stadt hat schon etwas mit ihren verwinkelten Gassen, beeindruckenden Kirchen, gemütlichen Terrassen und ihrem südlichen Flair.

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Und als ich über die St. Servaasbrücke auf die andere Seite der Maas gegangen war, verliefen sich auch die Menschenmassen wieder. Und ich kam am Bahnhof vorbei, wo ich etwa eineinhalb Stunden vorher angekommen war – wie doof ist das denn!

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Valkenburg

Aufgrund meines Irrwegs kam ich auf der falschen Seite nach Valkenburg, nämlich am Cauberg. Zum Glück befindet sich am Ortseingang eine Umgebungskarte, auf der ich den Weg zu meinem Hotel problemlos fand. Gemütlich spazierte ich den Cauberg hinunter, während sich zahlreiche Radfahrer mühsam nach oben kämpften und vom Publikum am Straßenrand angefeuert wurden. Es handelte sich im die Boogie’s Extreme Tour, bei der Geld für Menschen mit Parkinson gesammelt wurde. Nachdem ich ein kurzes Stück durch das Zentrum gegangen war, musste ich wieder nach oben zu meinem Hotel.

Valkenburg ist eine nette Stadt mit einer Burgruine, die über der Stadt thront, vielen gemütlichen Restaurants und zahlreichen Mergelgrotten, die man besichtigen kann. Es gibt dort sogar einen unterirdischen Weihnachtsmarkt, den wir vor einigen Jahren mal besucht hatten. Man kann dort auch gut essen und das Bier ist lecker.

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Limburg und die Limburger

Die Landschaft in Süd-Limburg ist auf jeden Fall sehr abwechslungsreich: Man wandert über Hügel und Hochflächen, vorbei an Kreidefelsen, durchquert Flusstäler und kraucht durch Wälder. Malerische Ortschaften und Landgüter prägen das Bild. Die Wanderwege (meist schmale Sandwege) sind gesäumt von Korn- und Maisfeldern sowie Streuobstwiesen, wo ich mir hin und wieder eine heruntergefallene Birne genehmigte – lecker!

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Limburg ist überwiegend katholisch, was man unschwer an den zahlreichen Wegkreuzen und Kapellen erkennen kann.

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Die Limburger, mit denen ich unterwegs zu tun hatte, sind sehr freundliche Leute, ob es sich nun um die Hoteleigentümerin handelte, die ihren Gästen auch gerne die Extrawünsche zum Frühstück erfüllte, den Ober in einem Valkenburger Restaurant, wo ich lecker gespeist habe, oder den Schaffner im Zug von Spaubeek nach Sittard, der mich, als ich auf den Bahnsteig gesprintet kam, noch mitfahren ließ auch keinen Aufstand machte, weil ich es nicht mehr geschafft hatte, einzuchecken.

Der Dialekt ist allerdings etwas gewöhnungsbedürftig. Zum einen gibt es so eine Art Vokalverschiebung, deren System sich mir noch nicht erschloss, die aber etwas an Sesemi Weichbrodt aus „Buddenbrooks“ erinnert: „Sei glöcklich, du gutes Kend.“ Zum Anderen dachte ich am Anfang, dass man mich wegen meines Akzents veräppeln wollte, da man dort immer wieder deutsche Wörter mit einfließen lässt. In der Regiosoap „De hemelpaort“, die ich vor einigen Jahren gesehen hatte, war ja auch immer wieder die Rede von „muscheln essen“ anstatt „mosselen eten“ gewesen. Man muss sich etwas hineinhören, aber man gewöhnt sich daran.

Pech

Am Abend des ersten Tages musste ich zu meinem Entsetzen feststellen, dass sich in der Sohle meines linken Schuhs ein Riss befand. Als ich sie vor zwei Wochen zum letzten Mal getragen hatte, war noch alles in bester Ordnung gewesen. Mist! Ein bisschen komisch hatten sich die letzten Kilometer schon angefühlt. Ich beschloss, am nächsten Tag trotzdem weiter zu gehen und notfalls nicht ganz bis Sittard zu laufen.

Anfangs ging es auch noch ganz gut, aber nach einem längeren Waldstück über Stock und Stein hatte der Riss sich vergrößert.

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Und zu allem Überfluss versammelten sich dunkle Wolken am Himmel. Wenn es zu regnen anfangen sollte, wäre der Schuh in kürzester Zeit geflutet. Sowas kann man sich antun, muss man aber nicht, wenn man nicht gerade bei der Fremdenlegion ist. Also konsultierte ich meinen Führer und stellte fest, dass die Route direkt am Bahnhof in Spaubeek vorbeiführt, ungefähr zehn Kilometer vor Sittard. Als ich den Bahnhof erreichte, stand da auch tatsächlich der Zug, den ich dank des netten Schaffners (siehe oben) noch erwischte. So war ich also etwa drei Stunden früher als geplant wieder zu Hause.

Fazit

Obwohl ich von diversen Pannen nicht verschont geblieben war, hat mir der erste Teil des „Unternehmens Pieterpad“ Spaß gemacht. Allerdings werde ich die nächsten Etappen anders einteilen müssen, denn so lange ich fast vier Stunden zur Route und nach Hause unterwegs bin, werde ich de im Buch angegebenen Tagesetappen nicht schaffen, und sicher nicht im Herbst, wenn es doch relativ früh dunkel wird. Wann ich das nächste Stück gehen werde, kann ich noch nicht sagen, da ich erst mal meine neuen Schuhe einlaufen muss und die nächsten beiden Wochenenden anderweitig verplant habe.

Aber ich werde auf jeden Fall weiterlaufen und hoffentlich irgendwann im nächsten Jahr bei Pieterburen am Wattenmeer stehen.

wanderweg

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Unternehmen „Pieterpad“

Im letzten Sommer sind Peter und ich ja in einem Anfall von Größenwahn die Strand6Daagse von Hoek van Holland nach Den Helder gelaufen. 140 Kilometer in – wie der Name schon sagt – in sechs Tagen am Strand entlang. Inzwischen sind der Klumpfuß und sonstige Nachwehen dieses Unternehmens längst verheilt und alle Unbilden der Wanderung vergessen. Schön war es eigentlich schon.

In den letzten Monaten hörte ich, gemäß dem Gesetz der Serie, von immer mehr Leuten, die den „Pieterpad“ gewandert waren, oder dabei waren, es zu tun. Dabei handelt es sich um einen knapp 500 km langen Fernwanderweg, der in 26 Tagesetappen von Pieterburen im äußersten Norden der Niederlande (da, wo sich auch die Seehundstation befindet) zum südlichsten Zipfel St. Pietersberg bei Maastricht führt. Man kommt also vom Wattenmeer durch  die unterschiedlichsten Landschaften (flaches Land, Wälder, Flusslandschaften) bis zum recht hügligen Limburg. Eine gute Gelegenheit also, meine Wahlheimat mal auf eine andere Art kennen zu lernen.

Da ich natürlich nicht schon wieder einen Monat frei nehmen kann, möchte ich den Weg in „stukjes“ laufen: Immer, wenn ich mal ein Wochenende Zeit habe, fahre ich mit öffentlichen Verkehrsmitteln dorthin, wo ich beim letzten Mal aufgehört habe und setze dann meinen Weg fort. Anders als die meisten Leute (und auch meine Kollegin Alexandra), die den Weg von Norden nach Süden gehen, werde ich in umgekehrter Richtung unterwegs sein, weil mir die Idee, auf das Meer zuzulaufen, besser gefällt.

Morgen geht es also los, die ersten zwei Etappen warten. Mein Rucksack ist gepackt, der E-Reader aufgeladen und mit Lesefutter gefüllt (immerhin bin ich insgesamt über sieben Stunden mit der Bahn unterwegs), ein nettes Hotel in Valkenburg gebucht, und auch an Pflaster, Fußsalbe, Franzbranntwein und Fressalien ist gedacht. Jetzt muss nur noch das Wetter mitspielen, aber die Wettervorhersage sieht noch recht passabel aus.

Ich bin schon sehr gespannt, wie es mir ergeht und ob mir die Wanderung überhaupt Spaß machen wird. Vielleicht hänge ich ja nach diesen zwei Tagen die Wanderschuhe endgültig an den Nagel? Übermorgen werde ich mehr wissen…

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Strand6Daagse (Teil 6)

Fünfter Tag: Egmond aan Zee – Callantaoog (27 km)

 Für den heutigen Tag hatte der Wetterbericht Regen angekündigt, also mussten wir besonders darauf achten, dass unser Gepäck wasserdicht verpackt war. Wenn man nämlich Pech hat, liegt es eine ganze Weile im strömenden Regen spazieren. Die Regenkleidung hatten wir sowieso im Marschgepäck, da mussten wir nicht viel ändern.

wetterbericht

Auf dem Weg zum Strand gingen wir noch einmal bei Peters Bruder vorbei, um sein inzwischen wieder aufgeladenes Handy abzuholen. Der gestern noch so volle Strand war kaum wieder zu erkennen: Das Wasser hatte sich zurückgezogen und die Badegäste lagen noch gemütlich in den Federn.

Bis Bergen aan Zee ging das Laufen noch gut, doch dann meldete sich mein rechter Unterschenkel wieder lautstark zu Wort, bei jedem Schritt zog es schmerzhaft im Schienbein. Da der Strand zur See hin abfällt, und da wir nach Norden gingen, liefen wir mit dem rechten Bein immer ein bisschen höher als mit dem linken, und dies nahm mir mein rechtes Bein inzwischen übel. Von anderen Wanderern hörten übrigens von ähnlichen Problemen oder auch von schmerzenden Knien und Hüften. Der Wetterbericht schien übrigens Recht zu behalten, denn der Himmel war nicht mehr blau und mit netten Wattewölkchen garniert, sondern grau und verhangen. Auch die Nordsee sah nicht mehr so freundlich und einladen aus wie an den letzten Tagen.

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Bei Schoorl kam uns ein Herr in einem T-shirt der Vierdaagse von Nijmegen entgegen. Auf einem Tablett hatte er Lakritze, Bonbons und Salzstangen, die er uns anbot, wobei er jedem von uns noch viel Erfolg wünschte. Bei solchen netten Gesten verbeißt man sich den Schmerz und schafft wieder ein Stück.

Dann erreichten wir die Hondsbossche Zeewering bei Petten, einen der dicksten Seedeiche von Westeuropa. Hier hatte im Mittelalter eine Sturmflut ein Stück der Dünen herausgerissen, das später durch einen Deich ersetzt wurde. Inzwischen gilt dieser Deich als nicht mehr sicher genug und wird im Moment mit Sandvorspülungen verstärkt.

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Bevor wir um die Bauarbeiten herumgingen, stärkten wir uns in einem Strandcafé mit Kaffee und Apfelkuchen. Dann ging es weiter auf dem Deich.

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Ich hatte gehofft, dass es meinem Bein besser gehen würde, wenn wir nicht mehr auf Sand laufen, aber leider war das nicht der Fall. Eine andere Wanderin gab mir den Rat, es mit einem Aspirin zu versuchen. Auf die Idee war ich noch gar nicht gekommen, für mich gehören Aspirin und Paracetamol zu Kopfschmerzen. Aber klar, Schmerzen sind Schmerzen, vielleicht half es ja. Und tatsächlich ging es nach einer Weile besser.

Als wir Petten erreichten, beschlossen wir, nicht auf den Strand zurück zu gehen, da sich die Sandvorspülungen nicht besonders gut auf die Trittfestigkeit des Sandes auswirken. Von einem Kurzurlaub im Frühjahr kannten wir die Gegend ein bisschen und wussten, dass man nach einem Stück durch die Dünen auf die Hauptstraße nach Callantsoog mit einem freiliegenden Rad- und Fußweg kommt. Ein anderes Paar folgte unserem Beispiel, da sie ebenfalls keinen Sand mehr sehen konnten.

wegweiser

Bei einem Supermarkt besorgten wir uns ein paar Muffins, die wir sofort auf der Bank davor vertilgten. Dann begann es zu regnen, also Regenzeug an und weiter. Ein paar Kilometer vor Callantsoog überholte uns eine Autofahrerin, ließ das Fenster hinunter und rief uns zu, dass wir durchhalten sollten, denn es sei nicht mehr weit. Klar, die meisten Einheimischen kennen die Stand6Daagse und wissen, wo wir hinmüssen. Je nach Wohnort kriegen sie sicher ein unterschiedliches Bild von der Wanderung: Sind die Wanderer bei Wassenaar und Noordwijk noch gut aufgelegt und schwungvoll unterwegs, so werden sie, je weiter sie nach Norden kommen, erschöpfter und leiden stumm vor sich hin.

Irgendwann erreichten wir das Zentrum von Callantsoog, wo wir auf weitere nasse Wanderer stießen. Gemeinsam machten wir uns auf die Suche nach dem Sportplatz, wobei wir aufpassen mussten, dass der Regen nicht unsere Wegbeschreibung unleserlich machte. Bald hatten wir den Platz erreicht und mussten nur noch unser Gepäck finden. Mein Rucksack war tatsächlich nicht mehr trocken, gut, dass ich den Inhalt in Plastiktüten verpackt hatte.

Zwischendurch ließ der Regen nach, so dass wir wenigstens vernünftig aufbauen konnten. Nach einer warmen Dusche ging es mir auch wieder besser, und ich beschloss, noch einen Termin bei Ernesto zu machen. Der war allerdings heute nicht da, und seine beiden Kollegen waren fast ausgebucht. Da aber zwei Leute abgesagt hatten, hatte Wim gegen acht Uhr abends für mich noch eine Lücke.

Dann kam unser letztes Abendessen. Da es Freitag war, gab es zum Abendessen Fisch mit Remouladensauce, aber nicht mit gedünstetem Kohlrabi, sondern mit Karotten und Kartoffeln. Zur Feier des Tages bekam auch jeder ein Glas Weißwein. Wie am ersten Abend wurde die Mahlzeit im Zelt verspeist, und meine Wanderschuhe waren gut als Halter für die Weingläser zu gebrauchen.

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Nach dem Essen hatte ich meinen Massagetermin. Während Wim mir die Beine durchknetete, erzählte er, dass eine Menge Leute ziemlich erledigt waren. Sie hatten zwar das Wandern trainiert, aber was sie laut Wim nicht trainiert hatten, war das Aufbauen des Zeltes, das Schlafen im Zelt und die langen Partys im Sportlerheim. Nun, daran konnte es bei uns nicht liegen: In unserem gesetzten Alter lässt man die Partys doch eher aus, im Zelt schlafen sind wir gewöhnt und wenn wir etwas können, dann ist es des Zeltaufbauen. Da sich mein Unterschenkel warm anfühlte, bekam ich noch eine kühlende Salbe darauf, doch Wim meinte, dass ich den letzten Tag noch schaffen würde. Und das hatte ich auch vor, und wenn ich mich bis zur Halskrause mit Aspirin dopen musste!

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Strand6Daagse (Teil 5)

Vierter Tag: IJmuiden – Egmond aan Zee (24 km)

 Heute war das Frühstück wieder auf sechs Uhr vorverlegt worden. Doch wir konnten etwas länger schlafen, da wir erst für die Fähre um halb zehn vom Südpier eingeteilt waren und deshalb erst gegen halb neun los mussten. Nicht weit von der Frühstücksausgabe entfernt verkauften unsere Gastgeber frische Pfannkuchen, also reihte ich mich in die Schlange ein. Ich fragte sie, ob sie nicht ein bisschen Show veranstalten könnten, Pfannkuchen werfen und fangen und dergleichen. Das Mädchen hinter dem Plattenkocher meinte schlagfertig: „Pfannkuchen mit Show kostet zwei Euro.“ Die Hamburger gestern und die Pfannkuchen heute sind eine gute Idee: Der Verein bessert seine Kasse auf und die Wanderer fühlen sich wirklich willkommen.

Dann bauten wir in Ruhe unser Zelt ab und machten uns gegen viertel vor acht auf die Socken Richtung Südpier, von wo aus wir mit einem Rundfahrtschiff zum Nordpier gebracht werden sollten. Einer der Organisatoren versuchte, uns aufzuhalten, da wir erst für später eingeteilt waren, und „wenn jeder zu früh da ist, gibt es beim Pier so ein Chaos“. Da wir aber erst noch zum Supermarkt wollten, durften wir passieren. Zwei Leute gingen mit ihrem gesamten Gepäck zur Bushaltestelle, denn „die Beine wollen einfach nicht mehr“. Wir hatten inzwischen auch entdeckt, dass es nicht mehr besser wird, wenn der Wurm in Form von Blasen, offenen Stellen, Muskelschmerzen und dergleichen erst mal drin ist. Da man jeden Tag weiter muss, kann sich der Körper nicht wirklich erholen. Aber uns ging es noch gut, und darüber waren wir sehr froh.

Im Supermarkt deckten wir uns mit Semmeln, Muffins und anderen Kalorienspendern ein, da das Lunchpaket ja bekanntlich nicht reicht. Einige Leute fragten uns interessiert über die Route aus und erzählten uns, dass der Unfall im letzten Jahr gar nicht weit weg von diesem Einkaufszentrum passiert war und auch die Leute in IJmuiden ziemlich erschüttert hatte. Auf unserem heutigen Tageszettel wurden wir extra darauf hingewiesen, dass wir doch bitte den ersten Zebrastreifen benutzen sollten, an dem extra „Schülerlotsen“ für uns bereitstanden.

Bald hatten wir, natürlich wieder zu früh, den Südpier erreicht, und tatsächlich ging es dort recht chaotisch zu. Das lag aber nicht an uns, sondern daran, dass die Überfahrt vor unserem plötzlich voll war und ein paar Leute trotz Ticket nicht mitkonnten. Ihnen war dann ein Platz auf „unserer“ Fähre garantiert worden, doch nun würde sich das Problem wohl weiter nach hinten verlagern, da jeweils 125 Leute auf das Schiff passten und acht Fahrten geplant waren. Wie das Problem gelöst wurde, erfuhren wir allerdings nicht mehr.

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Während wir mal wieder in der Schlange standen, hatten wir genügend Unterhaltung, denn vor uns standen ein paar begnadete Geschichtenerzähler, die ein paar nette Schwänke von vergangenen Wanderungen zum Besten gaben. Bald kam das Schiff und wir setzten zum Nordpier über.

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Von dort aus war es nur ein kurzes Stück zum Strand, wo der Sand wieder angenehm hart war.

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Als es Zeit war für eine Mittagspause, setzten wir uns in den Schatten bei der Rettungsbrigade Heemskerk. Nach dem Essen wollten wir diverse Pflaster erneuern und fragten, ob wir uns zu diesem Zweck auf ihre Treppe setzen dürften, oder ob wir dann im Weg sitzen würden. Die netten Jungen brachten uns sofort einen Stuhl und fragten, ob wir selbst genug Pflaster dabei hatten oder ob wir noch welche benötigen würden. Wir hatten noch genug, aber wir fanden das Angebot sehr nett. Nachdem wir eine kleine Spende in ihrer Kasse zurückgelassen hatten, gingen wir weiter.

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Natürlich wurde der Sand wieder lockerer, und da die Flut kam, wurde das Stück Strand auch immer schmaler. Je mehr wir uns Egmond näherten, um so schwieriger wurde es, sich einen Weg durch all die Badegäste, Handtücher, Liegestühle uns Sandburgen zu bahnen, und das bei dem weichen Sand! Das letzte Stück war echt Schwerstarbeit. Zwei Mädchen kamen uns mit einer Schüssel entgegen, in der appetitlich angerichtete Melonenstücke lagen, ein Euro pro Stück – die Egmonder Jugend ist geschäftstüchtig. Auch wir bedienten uns und genossen die Erfrischung, bei diesen Temperaturen eine wahre Wohltat.

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Dann erreichten wir Pfahl 38 und steuerten als erstes die wohlbekannte Eisdiele an. Von dort ist es nur noch ein Katzensprung zu Peters Bruder, wo wir einen sanitären Zwischenstopp einlegten (mal wieder etwas anderes als Dixiland) und ein Kaffeepäuschen machten. Wir verabredeten, dass wir in Ruhe unser Zelt aufbauen und dann gegen sechs Uhr zum Abendessen auf der Matte stehen würden.

Diesmal war unser Gepäck schon da, und schnell hatten wir das Zelt aufgebaut. Doch als ich vom Duschen zurückkam, konnte ich das Zelt auf einmal nicht mehr finden, mein T-shirt passte also, wie die Faust aufs Auge. Nachdem ich eine Weile ratlos durch die Gegend geschlurft war, wusste ich, dass ich mich von den zwei Aufgängen zum Vereinsgebäude hatte verwirren lassen. Trotzdem erschien mir das ganze Layout hier irgendwie unlogisch, keine Ahnung, warum.

Wir ließen das heutige Abendessen (Bratwurst mit Blumenkohl und Kartoffeln) ausfallen und machten uns auf den Weg zu Schwager und Schwägerin. Im Supermarkt um die Ecke mussten wir erst unsere Pflastervorräte aufstocken. So viele brauchen wir beim Radfahren nie. Bei unseren Gastgebern gab es Reis mit Krabben und Wokgemüse, eine angenehme Abwechslung. Über den Joghurt zum Nachtisch freuten wir uns besonders, denn den gab es auf den Campingplätzen logischerweise nicht.

Wir unterhielten uns gemütlich bis zum späten Abend, dann wurde es Zeit für uns, um zurück zu gehen. Unsere Gastgeber begleiteten uns zum Sportplatz, da sie auch einmal sehen wollten, wie es dort aussieht. Eigentlich sind Besuche nicht erwünscht, aber vom Eingang gucken dürfte wohl kein Problem sein. Als wir aufbrachen, spürte ich ein leichtes Ziehen im rechten Unterschenkel. Hoffentlich würde sich das bis zum nächsten Tag wieder geben.

Mitten in der Nacht musste ich mal raus. Das ist normalerweise kein Problem, aber auf diesem Platz hatte ich ernsthafte Orientierungsschwierigkeiten. Wie sollte ich im Dunkeln das Zelt wiederfinden? Das Handy mitnehmen und Peter im Notfall anrufen hatte keinen Sinn, denn sein Handy hing noch bei seinem Bruder an der Steckdose. Also weckte ich den Gatten und bat ihn, aus dem Zelt zu kommen und zu winken, wenn ich in einer Viertelstunde noch nicht zurück sein sollte. Unterwegs prägte ich mir einige Orientierungspunkte wie das riesige Familienzelt und einen Laternenpfahl an der Ecke ein und schaffte es tatsächlich, wieder zurück zu finden. Danach schlief ich problemlos bis zum nächsten Morgen.

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