Beiträge mit dem Schlagwort: Wanderung

Pieterpad – Finish und Fazit

Groningen – Pieterburen (und ans Wattenmeer)

Was lange währt…

Fast auf den Tag genau zwei Jahre habe ich mit meiner Pieterpad-Expedition herumgetan, weil ja auch immer irgendwas war. Aber jetzt ist es geschafft, am Samstag bin ich in Pieterburen einglaufen. Und jetzt gehe ich meinen Mitmenschen fröhlich damit auf die Nerven. Und was soll ich sagen? Schee war’s.

Abschied von Vorurteilen

Aus irgendwelchen Gründen hatte ich mir immer eingebildet, dass das letzte Stück eher langweilig ist, nämlich leer, brettleben, und man sieht schon auf acht Kilometer, dass da nichts ist. Aber nichts ist weniger wahr.

Das Stück aus Groningen raus ist wunderschön, man kommt an der Synagoge, dar A-kerk und dem ehemaligen Hafen vorbei. Die dortigen Grachtenhäuser erinnern ein bisschen an Amsterdam beim Goethe-Institut und dort, wo eine Freundin von mir früher gewohnt hat.

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Dann ging es durch den Noorderplantsoen, einen Park, in dem gerade die Bühne für das Festival „Noorderzon“ aufgebaut wurde, am Noorderbegraafplaats und dem Universitätsgelände vorbei aus der Stadt hinaus.

umland

Auch das Groninger Umland ist sehr schön: Die Route führt durch nette Dörfer mit Wierden, auf Deutsch auch Warften oder Wurten genannt. Dabei handelt es sich um aufgeworfene Siedlungshügel, die die Bewohner bei Sturmfluten schützen sollen. Meist liegen die Kirche und andere wichtige Gebäude auf diesen Erhöhungen. Zahlreiche Ortsnamen wie Wierum oder Garnweerd sind davon abgeleitet.

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Und dann gibt es natürlich auch die goldige Ortschaft Winsum, wo ich übernachtete:

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Minigedöns

Größere Schwierigkeiten gab es diesmal nicht, auch wenn natürlich nicht alles reibungslos lief. In Groningen wird am Stadtrand ein Radweg repariert, und die Pieterpadwanderer werden umgeleitet. Natürlich hatte ich es mal wieder versäumt, auf der Website nach Aktualisierungen zu schauen – das gedruckte Wort ist für mich halt immer noch heilig. Aber mir Hilfe einiger Einheimischer, darunter auch jemand, der kürzlich die Strecke gelaufen war, kam ich ohne Umweg aus der Stadt.

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Und bei Garnweerd führt der Weg jetzt durch Felder und Wiesen statt an der Straße entlang. Das ist eine gute Entscheidung, denn die Straße ist schmal und recht gut befahren. Aber beim Wandern durch die Wiesen stellten sich mir zahlreiche Gräben in den Weg, ich muss wohl irgendwo wieder falsch abgebogen sein. Es war gar nicht so einfach, wieder auf den Weg zu kommen. Fierljeppen, eine Art Stabhochsprung über einen Graben, wäre jetzt gar nicht schlecht.

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Und auf dem Campingplatz waren drei der Blockhütten, die an die Zeltweise grenzten, von zwölf Mädchen bewohnt, die bis spät in die Nacht quasselten und mehrere Bierkästen leerten. Aber zum Glück war es nicht so schlimm wie vor ein paar Jahren in der Schweiz.

Insgesamt war es ein Premium-Wochenende.

Finish und Ausklang

Mit Peter hatte ich abgesprochen, dass er am Samstag nach Pieterburen fahren und mir von dort entgegen gehen würde. Das klappte auch wunderbar, als ich eine hohe Brücke überquerte, sah ich ihn schon als gaaanz winzigen Punkt in der Ferne ankommen.

treffen

Nach einer Verschnaufpause gingen wir gemeinsam das letzte Stück nach Pieterburen. Dort gingen wir erst einmal Mosterdsoep (Senfsuppe), eine Spezialität dieser Gegend, essen, denn wie heißt es in einem Niederländisch-Lehrbuch für Anfänger so schön? „De Mosterdsoep is hier altijd lekker.“

finish

Dann statteten wir, wie es sich gehört, den Seehunden einen Besuch ab und besichtigten die Petruskirche.  Danach bauten wir unser Zweimannzelt auf (die Dackelhütte kann vorläufig ins Winterquartier) und gingen anschließend noch ein Stück auf dem Nederlands Kustpad zum Wattenmeer. Es gab einmal Gerüchte, dass man den Pieterpad bis dorthin verlängern wollte, aber jetzt verstehe ich auch, warum die Organisatoren das wohl nicht machen werden. Da es von Pieterburen keinen direkten Weg zum Meer gibt (es liegen einige Felder mit Gräben dazwischen), kommen schnell fünf Extrakilometer dazu, die man dann auch wieder zurückgehen muss. Das macht bestimmt nicht jeder. Der Anfangs- bzw. Endpunkt in der Ortsmitte ist schon richtig.

kunst wattenmeer

Den Sonntag verbrachten wir noch in Groningen, wo wir die Synagoge und das ehemalige Judenviertel besichtigten, aber das ist eine andere Geschichte.

Fazit und Ausblick

Jetzt habe ich es also endlich geschafft. Durch diese Wanderung habe ich die Niederlande auf eine andere Art kennengelernt. Iach habe am eigenen Leibe erfahren, wie die Landschaft sich langsam verändert, vom hügligen Limburg über die großen Flüsse, die Kulissenlandschaft in der Achterhoek und Twente, die Wälder in Drenthe und das weite Land in Groningen. Und mit der Landschaft ändern sich auch die Dialekte.

Außerdem habe ich mich selbst kennengelernt und meine Grenzen erkundet. 20 bis 25 Kilometer an einem Tag sind gut zu laufen, viel mehr muss es nicht werden, denn ich bin nicht besonders schnell. Meistens finde ich meinen Weg, und mit den gelegentlichen Orientierungsschwierigkeiten kann ich inzwischen ganz gut umgehen.  Und alleine zu wandern und auch zu übernachten ist kein Problem. Eigentlich muss man dafür nur zwei Voraussetzungen erfüllen: Man muss sich selbst als angenehme Gesellschaft empfinden und man muss die Stille aushalten können.

Bei allem Stolz, das Abenteuer zu Ende gebracht zu haben, ist schon ein bisschen Wehmut  dabei. Eine Freundin formulierte es so: „Bestimmt ist man aber auch ein bisschen traurig, wie wenn man ein gutes Buch fertig gelesen hat, oder?“ Das trifft es ziemlich gut.

Aber ich habe ja schon mit dem Trekvogelpad angefangen, der mich irgendwann quer durch das Land nach Bergen aan Zee führen wird (eine Übernachtungsmöglichkeit in Utrecht wurde mir auch schon angeboten). Außerdem liegt der Wanderführer für den „Overijssels Havezatenpad“ schon auf dem Schreibtisch. Dieser führt von Oldenzaal nach Steenwijk, ist also in der Nähe von Enschede und eignet sich daher gut für Tagesausflüge.

Und ich kann ja immer noch, wie ein entgegenkommender Wanderer vorgeschlagen hat, den Pieterpad, der übrigens auch beim diesjährigen Sandskulpturenfestival in Garderen zu sehen ist,  wieder zurückgehen.

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Sommer am Pieterpad

Vierlingsbeek – Leuth

Der Sommerurlaub ist inzwischen vorbei, und am Bericht wird gearbeitet. Aber letztes Wochenende war ich mal wieder wandern, diesmal allerdings nur zwei Tage. Da im Moment an verschiedenen Stellen die Gleise repariert werden, hatte ich zwischen Arnhem und Nijmegen Schienenersatzverkehr, aber die Bahn hatte das sehr gut im Griff. Man konnte nämlich zwischen einem Bus, der an jeder Milchkanne hält, und einem Direktbus wählen. Da ich letzteren genommen hatte, erreichte ich in Nijmegen sogar den planmäßigen Anschluss nach Vierlingsbeek.

Abstecher, Pausen und Übernachtung

Soweit wie möglich folgte ich der Route, wie sie im Buch steht. Zweimal machte ich allerdings einen kurzen Abstecher.

In Vierlingsbeek schaute ich mir kurz den jüdischen Friedhof an, der fast am Weg liegt. Da ich ja irgendwann mal Gästeführerin in unserer Synagoge werden möchte, interessiert mich so etwas natürlich. Die meisten Gräber sind schon älter, aber ziemlich nah an der Mauer gibt es eins von 2009.

Jüdischer Friedhof in Vierlingsbeek

Und nördlich von Groesbeek beim Duivelsbergh (Teufelsberg) latschte ich die Treppen hoch zu einem Aussichtspunkt, um dann fest zu stellen, dass man um die Plattform eine gut mannshohe Hecke gepflanzt hatte. Etwas seltsam sind sie manchmal schon, die Niederländer.

Aussichtspunkt mit Hecke - seltsam.

Natürlich luden unterwegs wieder zahlreiche Bänke zur Rast am Wege ein.

Bank am Weg mit Aussicht über Felder

Und am ersten Tag gönnte ich mir in einem Teegarten an der Route bei Afferden einen herrlichen Milchkaffee mit Obstkuchen. Das Paar, dem der Garten gehört, macht alle Speisen und Getränke selbst und gibt den Wanderern auch gute Tipps für unterwegs (geänderte Streckenführung, Sehenswürdigkeiten usw.).

Eingang zum Teegarten Teegarten - Pause

Auch der „Gegenverkehr“ machte hier Pause, und so hörte ich, dass noch ein paar wunderschöne Streckenabschnitte vor mir lagen, was sich auch bewahrheitete.

In Gennep war gerade „Summertime“, und auf dem Marktplatz spielte ein Folkduo, dem ich eine Weile zuhörte. Hach, Sommer ist was Schönes!

Gennep - Rathaus und Musikfest Summertime

Diesmal übernachtete ich in Milsbeek, wieder bei „Vrienden op de fiets“. Ich wurde von Titia und Theo, einem sehr netten Ehepaar in Empfang genommen und gleich mit Kaffee und Keksen bewirtet. Das Zimmer war auch klasse, ich schlief dort so gut, dass ich selbst den Lärm der Steinkäuze nicht mitbekam. Die 27 km dieses Tages hatten es auch in sich gehabt. Wenn es geht, frühstücken die beiden zusammen mit den Gästen, worüber ich mich sehr freute. Bei gepflegter Unterhaltung verging die Zeit wie im Flug, und ich kam mal wieder  später weg als ich vorhatte, aber der Tag war ja trotzdem noch lang.

Wald, Berg und Tal

Diesmal hatten es die beiden Tage in sich. Ein größerer Teil der Strecke führte durch die Gemeinde Berg en Dal, und diese Gegend macht ihrem Namen alle Ehre. Ständig ging es rauf und runter, und es machte richtig Spaß, da die Landschaft sehr abwechslungsreich ist.

Blumen am Wegrand See im Wald

Anders als bei meinen ersten Wanderungen auf dem Pieterpad hatte ich diesmal auch im Wald keine Probleme mit der Orientierung, auch wenn mich hin und wieder die beiden gekreuzten Streifen an den Bäumen davor bewahrten, einen falschen Weg einzuschlagen. Manchmal sind die Beschreibungen auch nicht ganz einfach: Bei dem Fünfsprung geradeaus – wie macht man das eigentlich? Aber alles funktionierte wunderbar, und die einzigen Extrakilometer waren die von der Route zu meinem Quartier.

Der Untergrund war gelegentlich etwas seltsam, so dass man gut aufpassen musste. Ein Wegstück ging über Sand mit Bauschutt und wurde von einem entgegenkommenden Wanderer mit Recht als einer der schlechtesten Wege der Niederlande bezeichnet. Zum Glück war das Stück nicht lang.

Schlechtester Weg der Niederlande

Hin und wieder, vor allem im Wald, war der Weg recht matschig. Wenn es länger am Stück regnet, ist dieser Abschnitt wohl kein reines Vergnügen.

Durch den Matsch

Aber die Landschaft, die ich durchquerte, machte es auf jeden Fall wieder wett.

Da gibt es z. B. das „Quin“ zwischen Afferden und Gennep, eine wunderschöne Heidelandschaft mit kleinen Seen.

Quin - Heidelandschaft mit Seen Quin - Heidelandschaft mit Seen

Außerdem führt der Weg ein Stück über die Siebenhügelroute, was eine Menge Aussicht mit sich bringt.

Alter Weg über die sieben Hügel

Genervt

Am Sonntagnachmittag hatte ich kurz vor Leuth, von wo aus ich heimfahren wollte, einen Durchhänger. Aus irgendwelchen Gründen ging mir einfach alles unglaublich auf den Senkel. Selbstverständlich musste es zu regnen anfangen, als nirgendwo eine Unterstellmöglichkeit in der Nähe war. Das deutsche Dorf Zyfflich, langgereckt an einer Straße ohne Abwechslung oder sowas wie ein Zentrum, schien kein Ende zu nehmen. Wahrscheinlich wohnen hier auch haufenweise Niederländer, weil der Baugrund so billig ist, aber, mit Verlaub, hier möchte ich nicht tot über dem Zaun hängen. An einem Haus hing ein Schild mit der Aufschrift „Hier wohnt ein FC-Bayern-Fan“. Klar, wollte ich immer schon wissen. Fußball ist gnadenlos überbewertet.

Zyfflich - endlos langes Dorf

Müssen die entgegenkommenden Radfahrer immer erst im letzten Moment ausweichen? Und mein Fuß tut auch weh, und natürlich ist gerade jetzt nirgendwo eine Bank zu sehen. Typisch. Wenn man allein wandert, muss man halt auch die eigene schlechte Laune aushalten.

Doch als ich in Leuth ankam und feststellte, dass der Bus in zehn Minuten kommen würde, ging es mir sofort wieder besser. Es war eben doch ein rundum gelungenes Wochenende. Knapp 50 km in zwei Tagen ist doch auch keine schlechte Leistung, oder? Und ich bin sogar ein Stück auf dem Jakobsweg gelaufen.

Jakobsweg

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Pieterpad – Es geht weiter

Spaubeek – Swalmen

Am ersten Oktoberwochenende war ich wieder auf dem Pieterpad unterwegs – bei absolutem Premiumwetter! Fast durchgehend blauer Himmel mit weißen Wattewölkchen, und die Temperatur war ideal. Teilweise konnte ich sogar im T-shirt gehen, aber es war auch nicht zu heiß.

Premiumwetter Premiumwetter2

Übernachten

Dieses Mal habe ich meine Schlafplätze über die Organisation „Vrienden op de fiets (Freunde auf dem Fahrrad)“ gefunden. Dabei handelt es sich um Privathaushalte, die ein Gästezimmer für Radfahrer und Wanderer zur Verfügung stellen. Manchmal sind es auch Pensionen oder B&Bs, die Zimmer für Mitglieder günstiger anbieten. Für einen Jahresbeitrag von acht Euro bekommt man die Adressen. Man sollte rechtzeitig reservieren, und an diesem Wochenende war es auch notwendig. Man kann reisendes Mitglied oder Gastfamilie oder beides werden. Wir überlegen auch schon, ob wir Gasthaushalt werden sollen, und im Moment betreibe ich ein bisschen Feldforschung, um zu sehen, wie hoch der Standard ist.

Das Konzept gefällt mir sehr gut, denn so wird das Übernachten auch für Alleinreisende, die nur eine Nacht bleiben, erschwinglich. Und den ganzen Schnickschnack mit eigenem Badezimmer etc. brauche ich ja eigentlich nicht. Auch werden auf diese Weise eben Leute unterstützt, die sich aus eigener Kraft (zu Fuß oder per Rad) fortbewegen und einen kleineren Aktionsradius haben als die Autofahrer. Ich träume ja immer noch von einem Hostel für Wanderer und Radfahrer.

Meine Schlafplätze waren diesmal in Nieuwstadt bei Sittard und in Herkenbosch. Dort empfing mich ein älterer Herr mit den Worten: „Sie schlafen nicht hier, sondern bei den Nachbarn auf dem Heuboden!“ Erledigt, wie ich nach diesem Tag war, hätte mich das auch nicht mehr weiter gestört. Der Heuboden entpuppte sich als ein kleines Appartement im Nachbarhaus, wo in einem gemütlichen Wohnzimmer mit Kochnische alles für ein reichhaltiges Frühstück vorhanden war. Auch in Nieuwstadt hatte ich ein Appartement für mich alleine, und eine freundliche Dame brachte mir morgens das Frühstück nach oben. Und beide Male schlief ich wunderbar!

Etappeneinteilung

Dieses Mal hatte ich drei Tage für zweieinhalb Etappen eingeplant, und das funktionierte sehr gut, da ich ja immer noch ziemlich lange mit öffentlichen Verkehrsmitteln unterwegs bin. So kam ich um 12.30 in Spaubeek an, wo ich beim letzten Mal in den Zug gestiegen war.

Am ersten Tag lief ich ca. 20 km bis Susteren (nördlich von Sittard) und fuhr dann ein Stückchen mit dem Bus zurück, da sich mein Quartier in Nieuwstadt befand. Am nächsten Morgen fuhr ich dann mit dem Bus wieder nach Susteren. Dieses Manöver war notwendig, da sonst die Samstagsetappe zu lang geworden wäre.

Houtkunst

Am Samstag lief ich also von Susteren durch Montfort und St. Odiliënberg, wo ich in einem netten Café noch eine Kleinigkeit speiste, nach Herkenbosch, etwa 3 km von der Route entfernt (geplant ca. 23 km, aber da kam leider wieder ein Umweg hinzu, sieh unten). Hin und wieder musste ich von der Route abweichen, da ich nicht zu viele extra Kilometer zum Quartier und zurück laufen wollte, aber von der Idee, die Strecke komplett nach der Karte zu laufen, hatte ich mich ja schon längst verabschiedet.

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Die letzte Etappe nach Swalmen war mit ca. 15 km die kürzeste, und das war auch gut, da ich mir trotz aller Vorsicht am linken Fuß eine Blase gelaufen hatte, die die letzten Kilometer etwas unangenehm machte. Aus diesem Grund ging ich auch nicht östlich um die Ortschaft Boukoul herum, sondern blieb auf dem Hauptweg. So verpasste ich zwar das Erlebnis, über eine echte alte Römerstraße zu laufen, aber damit konnte ich leben. Man muss Prioritäten setzen.

Sittard und Roermond

Sittard befindet sich zwischen der südlimburgischen Hügellandschaft und Mittellimburg und liegt nur 3 km von der deutschen Grenze entfernt. Der Stadtkern mit der St.-Petrus-Kirche (passend zu Pieterpad) und seinem gemütlichen Markt standen diesmal ganz im Zeichen des Oktoberfestes. Da die Stadt nicht allzu groß ist, war es nicht schwer, den Weg hindurch zu finden, sicher nicht, wenn die Straßen so deutlich angegeben sind wie die Begijnenhofstraat.

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Sittard3 Sittard4

Die nächste größere Stadt an der Strecke ist Roermond, aber hier führt die Route nicht durch das Zentrum, sondern immer knapp daran vorbei. So kriegt man leider nichts von dem attraktiven Zentrum der Bischofsstadt mit, aber man kann nicht alles haben.

Angst beim Alleinwandern – nein!

Seit mein Umfeld mitgekriegt hat, dass ich allein auf dem Pieterpad unterwegs bin, werde ich immer wieder gefragt, ob ich da keine Angst habe, so allein und dann noch als Frau, und wenn was passiert, vor allem jetzt, wo doch die ganzen Flüchtlinge ins Land kommen und so weiter.

Nein, habe ich nicht. Ich schlage mich ja nicht durch den Amazonas-Regenwald oder schlurfe durch die sibirische Tundra oder so etwas. Die Niederlande gehören ja zu den Ländern mit der größten Bevölkerungsdichte Europas, und der Pieterpad ist eine sehr beliebte Wanderroute. Die Chance, dass ich also irgendwo entkräftet liegenbleibe und erst nach mehreren Tagen gefunden werde, ist ziemlich gering.

Ich kann mir auch schwer vorstellen, dass sich die Flüchtlinge (die wahrscheinlich andere Sorgen haben) und auch sonstige gefährliche Subjekte in Reih und Glied am Pieterpad aufstellen, um harmlose Wanderer zu überfallen, auszurauben und zu vergewaltigen. Da gibt es weitaus gefährlichere Gegenden.

Es gibt durchaus Dinge, die mir nicht geheuer sind, wie z. B. Wandern im Dunkeln oder an Abgründen entlang (Höhenangst) und „besorgte Bürger“ in Rudeln. Die ersten beiden Dinge habe ich ja bei der Streckenplanung selbst in der Hand, und letzteren kann man auch aus dem Weg gehen.

Und die Galloway-Rinder auf dem Weg, an denen ich vorbei musste, waren ausgesprochen friedlich.

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 Religiöses

Wie bereits erwähnt ist Limburg überwiegend katholisch, was sich vor allem in den zahlreichen Wegkreuzen und Marienkapellen am Wegrand zeigt. In Sittard befindet sich der Besucher angeblich immer im Schatten eines Kirchturms. Am Stadtrand beginnt auch eine Art Kreuzweg, die „Zeven Voetvallen“ (Sieben Fußfallen).Dies sind kleine Kapellen, die den Leidensweg Christi darstellen.

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Ziel dieses Weges ist die Kapelle der Heiligen Rosa, der Schutzpatronin der Stadt. Diesen Weg ging ich mal wieder in Gegenrichtung, also von Golgatha nach Gethsemane.

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Grenzwanderungen und Mehrsprachigkeit

In dem Gebiet, wo ich unterwegs war, sind die Niederlande am schmalsten, und so bleibt natürlich die eine oder andere Grenzwanderung nicht aus. An manchen Stellen markiert ein Bach oder Fluss die Grenze zwischen den Niederlanden und Deutschland, manchmal ein Grenzpfosten, und manchmal würde man es nicht einmal merken, wenn da nicht plötzlich andere Schilder stehen oder die Häuser geringfügig anders aussehen würden.

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Auch in der Sprache merkt man es: Viele Orts- oder sonstige Hinweisschilder sind zweisprachig: Niederländisch und Limburgisch. Wie ich ja bereits festgestellt hatte, ist da Limburgisch mit deutschen Wörtern gespickt, manche Dinge haben auch eine eher deutsch anmutende Bezeichnung. So heißt z. B. dort ein Graben „graaf“ und nicht „sloot“, wie im Rest der Niederlande. Eigentlich logisch, oder?

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Orientierung und die Fahrradknotenpunkte

Insgesamt kam ich mit dem Wanderführer und den Markierungen besser zurecht als bei meinem ersten Versuch. Man lernt ja schließlich dazu. Trotzdem habe ich einmal versehentlich die Strecke etwas abgekürzt und einen Weingarten verpasst. Und einmal habe ich mich in einem Waldstück wohl irgendwie verzählt und kam dann nach etwa 45 Minuten wieder bei derselben Brücke heraus, bei der ich den Wald betreten hatte. Ich finde es immer noch schwierig, dort Hinweisen wie „Den dritten Seitenweg rechts nehmen“ zu folgen. Ist diese komische Schneise da nun ein Seitenweg oder nicht? Außerdem hatte man gerade sehr viele Bäume geschlagen, wodurch sich das Layout wohl auch etwas verändert hat.

Ich war also wunderschön im Kreis gelaufen. Was nun? Nochmal in den Wald wollte ich nicht, also Plan B: Auf dem Radweg an der Hauptstraße um den Wald herum. Wie sagte Pete McCarthy in „McCarthys’s Bar“ so schön? „It is always important to have a plan B, especially when there is no plan A.“ Allerdings befindet sich die Hauptstraße teilweise außerhalb meiner Kartenausschnitte, und so wusste ich zeitweise nur sehr ungefähr, wo ich war. Doch nach einer Weile kam ich zu einem der hier sehr beliebten Fahrradknotenpunkte. Dort gibt es immer eine Umgebungskarte, auf der die nächsten Knotenpunkte verzeichnet sind. Anhand dieser Karte suchte ich mir die Route nach St. Odiliënberg, wo ich mir einen Imbiss gönnen und auf die Route zurückkehren wollte. Zur Sicherheit fotografierte ich die Karte ab, und alles klappte wunderbar.

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Begegnungen

Da es an diesem Wochenende absolutes Premiumwetter war, waren auch sehr viele Leute unterwegs: Auf dem Pieterpad, dem Pelgrimspad (Pilgerweg), dem Maas-Swalm-Nettepad usw. Man kam aus dem Grüßmodus gar nicht mehr heraus. Hin und wieder rief mir der Gegenverkehr zu: „Du läufst ja in die falsche Richtung!“ Wieso ich? Manchmal tauschten wir auch bei einer kurzen Pause Informationen darüber aus, was hinter bzw. noch vor uns lag, z. B. dass in Montfort kein einziges Café geöffnet hatte, oder das die nächste Etappe (Swalmen-Venlo) wegen des Autobahnausbaus geändert wurde und ich auf jeden Fall vorher die Aktualisierungen im Internet überprüfen sollte. Das habe ich mir schon mal im Führer vermerkt.

Einmal wurde ich auch von einer Gruppe Radfahrer darauf aufmerksam gemacht, dass ich rechts statt links abbiegen müsste. In diesem Fall war es zwar kein Irrtum meinerseits, da ich auf dem Weg zu meinem Nachtquartier war, aber ich freute mich trotzdem, dass man es mir sagte.

Und natürlich kann man auch mal den „Gegenverkehr“ bitten, ein Foto zu machen. Das mit den Selfies kriege ich noch nicht so gut hin.

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Pieterpad – Der Anfang ist gemacht

St. Pietersberg – Spaubeek

Ich habe es tatsächlich letztes Wochenende geschafft, das „Unternehmen Pieterpad“ anzufangen, und … schee war’s, auch wenn natürlich nicht alles so ging, wie ich es mir vorgestellt hatte.

Das Wetter

Über das Wetter konnte ich mich im Großen und Ganzen nicht beklagen, es schüttete vor allem dann wie aus Eimern, als ich im Zug saß. Außerdem regnete es hin und wieder mal, vorzugsweise, wenn ich über eine ungeschützte Hochfläche schlurfte. Aber es gibt ja bekanntlich kein schlechtes Wetter, nur falsche Kleidung. Und meistens blieb es trocken, und gelegentlich schien die Sonne. Was will der Mensch mehr.

Orientierung

Schon am Anfang (ich musste von der Bushaltestelle Mergelweg/St. Pietersberg aus noch ein Stück zum Startpunkt) stellte ich fest, dass meine fehlende Übung beim Lesen des Wanderführers und der Markierungen sowie mein Rechts-Links-Problem für gelegentliche Schwierigeiten sorgen könnten. So schaffte ich es nicht, den genauen Anfangspunkt zu finden, aber ich tröstete mich damit, dass ich zumindest in der Nähe war und einen wunderschönen Blick über Maastricht hatte.

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Außerdem geriet ich bei Terblijt, wo es gerade wieder regnete, auf einen Wirtschaftsweg, weil ich den Autos entkommen wollte, die für meinen Geschmack etwas zu schnell und zahlreich auf dieser schmalen Straße ohne Gehweg unterwegs waren und recht spät auswichen. Aber irgendwann bog die Straße nach links und der Weg nach rechts ab, und wenn ich mich nicht durch dichtes Unterholz pflügen wollte, gab es keine Möglichkeit, auf die Straße zurück zu kommen. Also folgte ich dem Weg bis ins Dorf Vilt (etwas zu weit östlich) und dackelte ins Zentrum, wo ich ein Schild “Valkenburg 2 km” sah. Da dies mein Ziel für diesen Tag war, folgte ich ihm einfach.

Da mein Hotel nicht direkt auf der Route lag, musste ich am nächsten Tag selbige wieder finden. Da ich mich allerdings durch einige Informationen im Wanderführer verwirren ließ, legte ich ein paar Fehlstarts hin, bis ich endlich wieder auf die Markierungen stieß, denen ich folgen konnte.

Ganz klar, mit meinen Orientierungssinn kann ich es mir nicht leisten, ein Wanderwegpurist zu sein, und wenn das Ganze so ungefähr stimmt und ich mein Ziel erreiche, bin ich ja schon zufrieden. Schön ist es ja schließlich fast überall.

Allein wandern

Bevor ich losging, war ich schon etwas nervös, denn das letzte Mal war ich während meiner Studentenzeit allein auf Interrail durch Großbritannien und Irland gezogen, und das ist schon mehr als nur ein paar Jährchen her. Aber es war nicht weiter schlimm, denn wenn man allein läuft, braucht man niemanden zu unterhalten und auf niemanden Rücksicht zu nehmen. Man kann seinen eigenen Rhythmus finden und Pausen machen, wann man möchte.

Außerdem trifft man immer wieder auf andere Wanderer, die entweder den Pieterpad in Gegenrichtung laufen oder auf dem Pilgerweg von Amsterdam nach Maastricht unterwegs sind. Hin und wieder ergibt sich dann auch ein nettes Gespräch. Als ich am Anfang die Treppe vom Fort St. Pieter herunterstieg, applaudierten zwei entgegenkommende Wanderer, da sie dachten, dass ich den Weg gerade vollendet hatte. Ich musste die Jungs enttäuschen, ich befand mich ja gerade auf meinen ersten Metern. Daraufhin wünschten sie mir viel Erfolg, und ich gratulierte ihnen.

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Maastricht

Logischerweise führen die ersten Wanderkilometer durch Maastricht, und das ist am Samstag keine so gute Idee, da die Straßen voll mit Shoppern, Spaziergängern und Touristen sind. Und Städte sind ja bekanntlich immer Zeitfresser. Aber die Stadt hat schon etwas mit ihren verwinkelten Gassen, beeindruckenden Kirchen, gemütlichen Terrassen und ihrem südlichen Flair.

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Und als ich über die St. Servaasbrücke auf die andere Seite der Maas gegangen war, verliefen sich auch die Menschenmassen wieder. Und ich kam am Bahnhof vorbei, wo ich etwa eineinhalb Stunden vorher angekommen war – wie doof ist das denn!

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Valkenburg

Aufgrund meines Irrwegs kam ich auf der falschen Seite nach Valkenburg, nämlich am Cauberg. Zum Glück befindet sich am Ortseingang eine Umgebungskarte, auf der ich den Weg zu meinem Hotel problemlos fand. Gemütlich spazierte ich den Cauberg hinunter, während sich zahlreiche Radfahrer mühsam nach oben kämpften und vom Publikum am Straßenrand angefeuert wurden. Es handelte sich im die Boogie’s Extreme Tour, bei der Geld für Menschen mit Parkinson gesammelt wurde. Nachdem ich ein kurzes Stück durch das Zentrum gegangen war, musste ich wieder nach oben zu meinem Hotel.

Valkenburg ist eine nette Stadt mit einer Burgruine, die über der Stadt thront, vielen gemütlichen Restaurants und zahlreichen Mergelgrotten, die man besichtigen kann. Es gibt dort sogar einen unterirdischen Weihnachtsmarkt, den wir vor einigen Jahren mal besucht hatten. Man kann dort auch gut essen und das Bier ist lecker.

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Limburg und die Limburger

Die Landschaft in Süd-Limburg ist auf jeden Fall sehr abwechslungsreich: Man wandert über Hügel und Hochflächen, vorbei an Kreidefelsen, durchquert Flusstäler und kraucht durch Wälder. Malerische Ortschaften und Landgüter prägen das Bild. Die Wanderwege (meist schmale Sandwege) sind gesäumt von Korn- und Maisfeldern sowie Streuobstwiesen, wo ich mir hin und wieder eine heruntergefallene Birne genehmigte – lecker!

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Limburg ist überwiegend katholisch, was man unschwer an den zahlreichen Wegkreuzen und Kapellen erkennen kann.

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Die Limburger, mit denen ich unterwegs zu tun hatte, sind sehr freundliche Leute, ob es sich nun um die Hoteleigentümerin handelte, die ihren Gästen auch gerne die Extrawünsche zum Frühstück erfüllte, den Ober in einem Valkenburger Restaurant, wo ich lecker gespeist habe, oder den Schaffner im Zug von Spaubeek nach Sittard, der mich, als ich auf den Bahnsteig gesprintet kam, noch mitfahren ließ auch keinen Aufstand machte, weil ich es nicht mehr geschafft hatte, einzuchecken.

Der Dialekt ist allerdings etwas gewöhnungsbedürftig. Zum einen gibt es so eine Art Vokalverschiebung, deren System sich mir noch nicht erschloss, die aber etwas an Sesemi Weichbrodt aus „Buddenbrooks“ erinnert: „Sei glöcklich, du gutes Kend.“ Zum Anderen dachte ich am Anfang, dass man mich wegen meines Akzents veräppeln wollte, da man dort immer wieder deutsche Wörter mit einfließen lässt. In der Regiosoap „De hemelpaort“, die ich vor einigen Jahren gesehen hatte, war ja auch immer wieder die Rede von „muscheln essen“ anstatt „mosselen eten“ gewesen. Man muss sich etwas hineinhören, aber man gewöhnt sich daran.

Pech

Am Abend des ersten Tages musste ich zu meinem Entsetzen feststellen, dass sich in der Sohle meines linken Schuhs ein Riss befand. Als ich sie vor zwei Wochen zum letzten Mal getragen hatte, war noch alles in bester Ordnung gewesen. Mist! Ein bisschen komisch hatten sich die letzten Kilometer schon angefühlt. Ich beschloss, am nächsten Tag trotzdem weiter zu gehen und notfalls nicht ganz bis Sittard zu laufen.

Anfangs ging es auch noch ganz gut, aber nach einem längeren Waldstück über Stock und Stein hatte der Riss sich vergrößert.

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Und zu allem Überfluss versammelten sich dunkle Wolken am Himmel. Wenn es zu regnen anfangen sollte, wäre der Schuh in kürzester Zeit geflutet. Sowas kann man sich antun, muss man aber nicht, wenn man nicht gerade bei der Fremdenlegion ist. Also konsultierte ich meinen Führer und stellte fest, dass die Route direkt am Bahnhof in Spaubeek vorbeiführt, ungefähr zehn Kilometer vor Sittard. Als ich den Bahnhof erreichte, stand da auch tatsächlich der Zug, den ich dank des netten Schaffners (siehe oben) noch erwischte. So war ich also etwa drei Stunden früher als geplant wieder zu Hause.

Fazit

Obwohl ich von diversen Pannen nicht verschont geblieben war, hat mir der erste Teil des „Unternehmens Pieterpad“ Spaß gemacht. Allerdings werde ich die nächsten Etappen anders einteilen müssen, denn so lange ich fast vier Stunden zur Route und nach Hause unterwegs bin, werde ich de im Buch angegebenen Tagesetappen nicht schaffen, und sicher nicht im Herbst, wenn es doch relativ früh dunkel wird. Wann ich das nächste Stück gehen werde, kann ich noch nicht sagen, da ich erst mal meine neuen Schuhe einlaufen muss und die nächsten beiden Wochenenden anderweitig verplant habe.

Aber ich werde auf jeden Fall weiterlaufen und hoffentlich irgendwann im nächsten Jahr bei Pieterburen am Wattenmeer stehen.

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Unternehmen „Pieterpad“

Im letzten Sommer sind Peter und ich ja in einem Anfall von Größenwahn die Strand6Daagse von Hoek van Holland nach Den Helder gelaufen. 140 Kilometer in – wie der Name schon sagt – sechs Tagen am Strand entlang. Inzwischen sind der Klumpfuß und sonstige Nachwehen dieses Unternehmens längst verheilt und alle Unbilden der Wanderung vergessen. Schön war es eigentlich schon.

In den letzten Monaten hörte ich, gemäß dem Gesetz der Serie, von immer mehr Leuten, die den „Pieterpad“ gewandert waren, oder dabei waren, es zu tun. Dabei handelt es sich um einen knapp 500 km langen Fernwanderweg, der in 26 Tagesetappen von Pieterburen im äußersten Norden der Niederlande (da, wo sich auch die Seehundstation befindet) zum südlichsten Zipfel St. Pietersberg bei Maastricht führt. Man kommt also vom Wattenmeer durch  die unterschiedlichsten Landschaften (flaches Land, Wälder, Flusslandschaften) bis zum recht hügligen Limburg. Eine gute Gelegenheit also, meine Wahlheimat mal auf eine andere Art kennen zu lernen.

Da ich natürlich nicht schon wieder einen Monat frei nehmen kann, möchte ich den Weg in „stukjes“ laufen: Immer, wenn ich mal ein Wochenende Zeit habe, fahre ich mit öffentlichen Verkehrsmitteln dorthin, wo ich beim letzten Mal aufgehört habe und setze dann meinen Weg fort. Anders als die meisten Leute (und auch meine Kollegin Alexandra), die den Weg von Norden nach Süden gehen, werde ich in umgekehrter Richtung unterwegs sein, weil mir die Idee, auf das Meer zuzulaufen, besser gefällt.

Morgen geht es also los, die ersten zwei Etappen warten. Mein Rucksack ist gepackt, der E-Reader aufgeladen und mit Lesefutter gefüllt (immerhin bin ich insgesamt über sieben Stunden mit der Bahn unterwegs), ein nettes Hotel in Valkenburg gebucht, und auch an Pflaster, Fußsalbe, Franzbranntwein und Fressalien ist gedacht. Jetzt muss nur noch das Wetter mitspielen, aber die Wettervorhersage sieht noch recht passabel aus.

Ich bin schon sehr gespannt, wie es mir ergeht und ob mir die Wanderung überhaupt Spaß machen wird. Vielleicht hänge ich ja nach diesen zwei Tagen die Wanderschuhe endgültig an den Nagel? Übermorgen werde ich mehr wissen…

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Weitere 52 Bücher (11) – „Notes from a Small Isand“ von Bill Bryson

weitere52buecher

Die Zeit rast dahin, und schon sind wir wieder bei Woche 11 (oder eigentlich 12) des Monsterprojekts. Ein paar unbearbeitete Themen liegen noch dazwischen, und ob ich das mit dem Nachholen schaffe, weiß ich noch nicht, aber … I’ll do my very best.

Das Motto dieser Woche ist jedenfalls nicht allzu kompliziert: Das Buch hätte ich gerne geschrieben. Die einzige Schwierigkeit ist vielleicht die riesige Auswahl, denn geschrieben hätte ich manches gern, z. B. (wie die Weltherrscherin auch) die Zamonien-Romane von Walter Moers. Aber man muss ja eine Auswahl treffen, und man muss hier wahrscheinlich nicht allzu aufmerksam mitlesen, um festzustellen, dass ich – gelinde gesagt – eine Schwäche für die britischen Inseln habe. Also wurde es eines meiner absoluten Lieblingsbücher, nämlich Bill Brysons „Notes from a Small Island“ (London, 1995). Der deutsche Titel lautet übrigens „Reif für die Insel, England für Anfänger und Fortgeschrittene“.

notesfromasmallisland

Als Bill Bryson etwa zwanzig Jahre in Großbritannien gelebt hatte, fand er, dass es Zeit wurde, seiner Frau und seinen Kindern auch mal seine alte Heimat, die Vereinigten Staaten, zu zeigen. Doch bevor er den Umzug angeht, möchte er noch einmal eine Art Abschiedsrunde durch England machen und dabei Orte, die er kennt und solche, die noch auf seiner Wunschliste stehen, besuchen, und zwar zu Fuß und mit öffentlichen Verkehrsmitteln. Schließlich sind diese gar nicht mal so schlecht, und außerdem gibt es sowieso viel zu viele Autos, was für die Umwelt ja auch nicht gut ist usw. „They are horrible and awful and I wanted nothing to do with them on this trip. And besides, my wife wouldn’t let me have the car.“ (Seite 66)

Und so beginnt er seine Reise in Calais, wo er 1973 zum erstem Mal mit der Fähre nach Dover gefahren war, läßt sich dort in einem Andenkenladen eine grauenvoll kitschige mit Muscheln und Lämpchen verzierte Marienfigur andrehen und verläuft sich auf dem Weg zum Terminal. So etwas lese ich einfach gerne, denn es ist doch ein schönes Gefühl, zu wissen, dass man nicht der einzige ist, dem solche Sachen passieren.

Seine Reise führt ihn auf ziemlich unlogischen Wegen, was seiner Spontaneität und den Grillen der öffentlichen Verkehrsmittel geschuldet ist, durch England, Wales und Schottland. Dabei hat er ein gutes Auge für Land und Leute und findet immer die richtige Mischung aus eigenen Erlebnissen und Hintergrundinformationen. Auch fließen immer wieder Erinnerungen an frühere Reisen mit ein.

Zum Autofahren hat er (wie ich übrigens auch) wirklich nicht das beste Verhältnis. Dies zeigt sich, als er seinen Prinzipien untreu wird und für ein paar Tage ein solches mietet, m die Cotswolds zu besuchen: „Some people are made for cars and some aren’t. It’s as simple as that. […] This car had its usual array of switches and toggles, each illustrated with a symbol designed to confound. Really now, what is one to make of a switch labelled |Ø|? How can anyone be expected to work out that a rectangle that looks like a television set with poor reception indicates the rear window heater? In the middle of this dashboard were two circular dials of equal size. One clearly indicated speed, but the other totally mystified me. It had two pointers on it, one which advanced very slowly and the other of which didn’t appear to move at all. I looked at it for ages before it finally dawned on me – this is true – that it was a clock.“ (Seite 163/164) Dieses Gefühl kenne ich und würde es wohl auch so beschreiben, wäre er mir nicht zuvorgekommen.

Er besucht malerische und touristische Orte wie Lincoln mit seiner Kathedrale, Oxford und Edinburgh, aber auch „New Towns“ wie Milton Keynes, wo man versucht hat, für alle Arten von Verkehrsteilnhemern (Autofahrer, Radfahrer, Fußgänger) eigene Wege anzulegen. Dies beschert ihm eine längere einsame Wanderung, bei der er sich natürlich verläuft und keinen anderen Fußgänger findet, den er fragen kann.

Bei einer Wanderung  im Lake District, bei der immer wieder hinter seinen Freunden zurückfiel, die dann gemütlich auf ihn warteten, um sofort wieder los zu marschieren, sobald er aufgeholt hatte, steht auch dieser wunderschöne Satz, den ich bei Radurlauben gerne bemühe, wenn es der Gatte mal wieder eilig hat: „John and his chums toyed with my will to live in the cruellest possible way: […]“. (Seite 282)

Am Ende kommt er zu der Schlussfolgerung, dass er Großbritannien mag: „I like it here. I like it here more than I can tell you. And then I turned from the gate and got in the car and knew without doubt that I would be back.“ (Seite 352) Inzwischen ist er wieder nach England zurückgekeht und wohnt in einem alten Pfarrhaus in Norfolk.

Gut, dieses Buch habe ich nicht geschrieben, aber einer meiner treuen Leser hat mir einmal „bryson-artigen Humor“ bescheinigt, und darauf bin ich schon ein bisschen stolz.

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Wet Picture (6) – Rheinfälle bei Schaffhausen

Letzten Sommer waren wir bei den Rheinfällen bei Schaffhausen. Es war ein sehr warmer Tag,  und wir wanderten vom Campingplatz in Feuerthalen (der mit dem „Ziegenbeat“, Zitat Elvira) am Rhein entlang zu den Wasserfällen.

Schon aus der Entfernung ist das Schauspiel beeindruckend, aber wenn man mit so einem netten Boot näher dran fährt, wird es wirklich richtig nass:

An so einem warmen Tag wie diesem war das eine angenehme Erfrischung.

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