Beiträge mit dem Schlagwort: Wattenmeer

Pieterpad – Finish und Fazit

Groningen – Pieterburen (und ans Wattenmeer)

Was lange währt…

Fast auf den Tag genau zwei Jahre habe ich mit meiner Pieterpad-Expedition herumgetan, weil ja auch immer irgendwas war. Aber jetzt ist es geschafft, am Samstag bin ich in Pieterburen einglaufen. Und jetzt gehe ich meinen Mitmenschen fröhlich damit auf die Nerven. Und was soll ich sagen? Schee war’s.

Abschied von Vorurteilen

Aus irgendwelchen Gründen hatte ich mir immer eingebildet, dass das letzte Stück eher langweilig ist, nämlich leer, brettleben, und man sieht schon auf acht Kilometer, dass da nichts ist. Aber nichts ist weniger wahr.

Das Stück aus Groningen raus ist wunderschön, man kommt an der Synagoge, dar A-kerk und dem ehemaligen Hafen vorbei. Die dortigen Grachtenhäuser erinnern ein bisschen an Amsterdam beim Goethe-Institut und dort, wo eine Freundin von mir früher gewohnt hat.

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Dann ging es durch den Noorderplantsoen, einen Park, in dem gerade die Bühne für das Festival „Noorderzon“ aufgebaut wurde, am Noorderbegraafplaats und dem Universitätsgelände vorbei aus der Stadt hinaus.

umland

Auch das Groninger Umland ist sehr schön: Die Route führt durch nette Dörfer mit Wierden, auf Deutsch auch Warften oder Wurten genannt. Dabei handelt es sich um aufgeworfene Siedlungshügel, die die Bewohner bei Sturmfluten schützen sollen. Meist liegen die Kirche und andere wichtige Gebäude auf diesen Erhöhungen. Zahlreiche Ortsnamen wie Wierum oder Garnweerd sind davon abgeleitet.

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Und dann gibt es natürlich auch die goldige Ortschaft Winsum, wo ich übernachtete:

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Minigedöns

Größere Schwierigkeiten gab es diesmal nicht, auch wenn natürlich nicht alles reibungslos lief. In Groningen wird am Stadtrand ein Radweg repariert, und die Pieterpadwanderer werden umgeleitet. Natürlich hatte ich es mal wieder versäumt, auf der Website nach Aktualisierungen zu schauen – das gedruckte Wort ist für mich halt immer noch heilig. Aber mir Hilfe einiger Einheimischer, darunter auch jemand, der kürzlich die Strecke gelaufen war, kam ich ohne Umweg aus der Stadt.

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Und bei Garnweerd führt der Weg jetzt durch Felder und Wiesen statt an der Straße entlang. Das ist eine gute Entscheidung, denn die Straße ist schmal und recht gut befahren. Aber beim Wandern durch die Wiesen stellten sich mir zahlreiche Gräben in den Weg, ich muss wohl irgendwo wieder falsch abgebogen sein. Es war gar nicht so einfach, wieder auf den Weg zu kommen. Fierljeppen, eine Art Stabhochsprung über einen Graben, wäre jetzt gar nicht schlecht.

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Und auf dem Campingplatz waren drei der Blockhütten, die an die Zeltweise grenzten, von zwölf Mädchen bewohnt, die bis spät in die Nacht quasselten und mehrere Bierkästen leerten. Aber zum Glück war es nicht so schlimm wie vor ein paar Jahren in der Schweiz.

Insgesamt war es ein Premium-Wochenende.

Finish und Ausklang

Mit Peter hatte ich abgesprochen, dass er am Samstag nach Pieterburen fahren und mir von dort entgegen gehen würde. Das klappte auch wunderbar, als ich eine hohe Brücke überquerte, sah ich ihn schon als gaaanz winzigen Punkt in der Ferne ankommen.

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Nach einer Verschnaufpause gingen wir gemeinsam das letzte Stück nach Pieterburen. Dort gingen wir erst einmal Mosterdsoep (Senfsuppe), eine Spezialität dieser Gegend, essen, denn wie heißt es in einem Niederländisch-Lehrbuch für Anfänger so schön? „De Mosterdsoep is hier altijd lekker.“

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Dann statteten wir, wie es sich gehört, den Seehunden einen Besuch ab und besichtigten die Petruskirche.  Danach bauten wir unser Zweimannzelt auf (die Dackelhütte kann vorläufig ins Winterquartier) und gingen anschließend noch ein Stück auf dem Nederlands Kustpad zum Wattenmeer. Es gab einmal Gerüchte, dass man den Pieterpad bis dorthin verlängern wollte, aber jetzt verstehe ich auch, warum die Organisatoren das wohl nicht machen werden. Da es von Pieterburen keinen direkten Weg zum Meer gibt (es liegen einige Felder mit Gräben dazwischen), kommen schnell fünf Extrakilometer dazu, die man dann auch wieder zurückgehen muss. Das macht bestimmt nicht jeder. Der Anfangs- bzw. Endpunkt in der Ortsmitte ist schon richtig.

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Den Sonntag verbrachten wir noch in Groningen, wo wir die Synagoge und das ehemalige Judenviertel besichtigten, aber das ist eine andere Geschichte.

Fazit und Ausblick

Jetzt habe ich es also endlich geschafft. Durch diese Wanderung habe ich die Niederlande auf eine andere Art kennengelernt. Iach habe am eigenen Leibe erfahren, wie die Landschaft sich langsam verändert, vom hügligen Limburg über die großen Flüsse, die Kulissenlandschaft in der Achterhoek und Twente, die Wälder in Drenthe und das weite Land in Groningen. Und mit der Landschaft ändern sich auch die Dialekte.

Außerdem habe ich mich selbst kennengelernt und meine Grenzen erkundet. 20 bis 25 Kilometer an einem Tag sind gut zu laufen, viel mehr muss es nicht werden, denn ich bin nicht besonders schnell. Meistens finde ich meinen Weg, und mit den gelegentlichen Orientierungsschwierigkeiten kann ich inzwischen ganz gut umgehen.  Und alleine zu wandern und auch zu übernachten ist kein Problem. Eigentlich muss man dafür nur zwei Voraussetzungen erfüllen: Man muss sich selbst als angenehme Gesellschaft empfinden und man muss die Stille aushalten können.

Bei allem Stolz, das Abenteuer zu Ende gebracht zu haben, ist schon ein bisschen Wehmut  dabei. Eine Freundin formulierte es so: „Bestimmt ist man aber auch ein bisschen traurig, wie wenn man ein gutes Buch fertig gelesen hat, oder?“ Das trifft es ziemlich gut.

Aber ich habe ja schon mit dem Trekvogelpad angefangen, der mich irgendwann quer durch das Land nach Bergen aan Zee führen wird (eine Übernachtungsmöglichkeit in Utrecht wurde mir auch schon angeboten). Außerdem liegt der Wanderführer für den „Overijssels Havezatenpad“ schon auf dem Schreibtisch. Dieser führt von Oldenzaal nach Steenwijk, ist also in der Nähe von Enschede und eignet sich daher gut für Tagesausflüge.

Und ich kann ja immer noch, wie ein entgegenkommender Wanderer vorgeschlagen hat, den Pieterpad, der übrigens auch beim diesjährigen Sandskulpturenfestival in Garderen zu sehen ist,  wieder zurückgehen.

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Lewis

Nein, hier geht es nicht um den gleichnamigen Oxford-Krimi der BBC, oder jedenfalls nur indirekt. Vor zwei Jahren hatten wir ja schon einmal einen Seehund, Mara, adopiert. Ich weiß, der korrekte deutsche Ausdruck ist „Seehundpatenschaft“, aber das niederländische „adoptie“ gefällt mir einfach besser, und deshalb werde ich es weiterhin so nennen.

Jedenfalls fanden wir, dass es wieder einmal Zeit für einen Seehund wurde, und nach einem netten Mailwechsel mit der Seehundstation Pieterburen durften wir uns einen Namen aussuchen. Es wurde Lewis, da die Hauptperson des oben genannten Oxford-Krimis Robert (Robbie) Lewis heißt. Irgendwie erschien uns das passend.

Hier ist er also:

Lewis

Gefunden wurde er am 14. Januar 2014 auf Vlieland, und er ist ungefähr ein halbes Jahr alt. Er ist vom Lungenwurm befallen, so dass er nicht mehr nach Futter tauchen kann. Aus diesem Grund wiegt er nur etwas über 18 kg, was nicht gerade viel ist, wenn man bedenkt, dass ein Seehund, wenn er fünf Wochen alt ist und nicht mehr gesäugt wird, mindestens 30 kg wiegen sollte und ein ausgewachsenes Seehundmännchen ca. 140 kg auf die Waage bringt.

Im Laufe der letzten Jahrzehnte haben sich unheimlich viele Schwermetalle und Giftstoffe im Wattenmeer abgelagert – durch Verklappen von Müll in der Nordsee und in den zahlreichen Flüssen. Man denke nur daran, was die vielen Fabriken früher alles in den Rhein gekippt haben. Auch wenn das Wasser inzwischen wieder viel sauberer ist, wird es doch noch sehr lange dauern, bis auch der Grund des Wattenmeers sich wieder erholt hat. Die Giftstoffe werden von Plankton und anderen Kleinstlebewesen aufgenommen, die von Fischen gefressen werden, die wiederum von den Seehunden verspeist werden. Auf diese Weise sammeln sie sich in der Speckschicht der Seehunde an. Und wenn ein Weibchen sein Junges säugt, wird diese Speckschicht abgebaut und die Giftstoffe geraten so in die Muttermilch und werden von den jungen Seehunden direkt aufgenommen. Sie schwächen das Immunsystem der Jungen, so dass sie anfällig für alle möglichen Krankheiten und Parasiten werden, unter anderem auch den Lungenwurm.

Lewis ist nun einige Wochen in Quarantäne, wo er gefüttert und mit den notwendigen Medikamenten behandelt wird. Dann kann er hoffentlich ein ein größeres Becken umziehen, wo er auch schwimmen und mit Artgenossen spielen kann. Wenn alles gut geht, kann er nach zwei bis drei Monaten freigelassen werden. Vielleicht schaffen wir es ja dieses Jahr, dabei zu sein.

Leider hat die Seehundstation auf ihrer neuen Website bei den Webcams nicht mehr die Namen der Seehunde aufgeführt, die in den jeweiligen Ráumen sind, so dass wir Lewis nicht beobachten können, wie damals Mara. Aber besuchen werden wir ihn sicher bald.

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Wet Picture (9) – Faszination Wattenmeer

Heute möchte ich bei Barbaras Projekt „Wet Picture“ einige Impressionen einer Region vorstellen, die ich in den letzten Jahren kennen- und lieben gelernt habe: Das Wattenmeer. Laut Wikipedia gibt es diese öfter auf der Welt in gemäßigten Zonen, aber ich meine natürlich „unser“ Wattenmeer der Nordsee. Es erstreckt sich von der niederländischen Insel Texel bis zum dänischen Rømø. Die Niederländer nennen das Gebiet „de waddenzee“, die Dänen „Vadehavet“. Es geht zwar nicht auf allen Bildern besonders nass zu, aber das möge man mir nachsehen. 😉

Auf den ersten Blick wirkt es doch eher langweilig, eine große Fläche Wasser mit ein paar Booten und Bojen (aufgenommen von Strand von Vlieland, leider ist es etwas diesig):

Kennzeichnend sind die starken Gezeitenunterschiede, die bewirken, dass das Watt trockenfällt (ebenfalls vor Vlieland):

Dann wird es richtig interessant, man kann nämlich Wattwanderungen (hier bei Büsum) machen und auf die Suche nach allerlei Getier gehen, das dort kreucht und fleucht, z. B. Wattwürmer und Krabben. Die mit Wasser gefüllten Kanäle nennen sich übirgens Priele:

Auch Möwen und andere Vögel fühlen sich hier wohl:

Dass es mir am Deich beim Dorumer Neufeld endlich gelungen ist, einen Austernfischer zu fotografieren, erfüllt mich mit einem gewissen Stolz, denn die Viecher haben mir bisher immer, wenn ich die Kamera gezückt habe, beleidigt den Allerwertesten zugedreht. Beim Stöbern im Netz habe ich heute auch ganz nebenbei erfahren, dass es sich bei diesem Vogel um das Wappentier der Färöer-Inseln handelt:

Sonnenuntergänge gibt es am Watt natürlich auch (hier hinter dem Eversand-Oberfeuer beim Dorumer Neufeld):

Hin und wieder kann es im Watt auch ganz schön stürmisch zugehen, wie das Foto vor Amrum zeigt. Die meisten Leute auf der Fähre waren heilfroh, dass wir gleich an Land gehen konnten. Einer der wenigen, der sich noch wohl gefühlt hat, war der Seehund, den man vor der Kaimauer sehen kann, wenn man ganz genau hinschaut:

Zum Schluss möchte ich noch darauf hinweisen, dass das Wattenmeer zum Weltnaturerbe der UNESCO gehört. An einigen Orten in den Niederlanden wurden inzwischen besondere Schilder aufgestellt, um den Leuten diese Tatsache besser vor Augen zu führen. Denn, wie sagte der Gatte mal so schön: „Früher habe ich mich immer gefragt, was am Wattenmeer so besonders sein soll. Es ist ja schließlich fast vor der Haustür.“

Das letzte Foto wurde mir freundlicherweise von der Seehundstation Pieterburen zur Verfügung gestellt. Vielen Dank, Karst!

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„Familienzuwachs“ Mara

Wer beim Lesen des Titels denkt, dass wir plötzlich ein oder sogar mehrere Kinder bekommen haben, irrt sich. Um die Seehundstation in Pieterburen zu unterstützen, die wir letzten Sommer besichtigt haben, haben wir uns entschlossen, einen Seehund zu adoptieren.

Dieses Prachtmädel heißt Mara (nach dem lateinischen „mare“ – das Meer). Sie ist kein Heuler mehr, sondern ungefähr sieben Monate alt. Sie ist vom Lungenwurm befallen, einem Parasiten, der die Lunge angreift, so dass die Seehunde nicht mehr nach Futter tauchen können. Dadurch magern sie ab und werden irgendwo an Land gespült. Mara wurde am 18. Januar auf Ameland gefunden.

Sie plätschert jetzt nicht in unserer Badewanne herum, sondern ist im Moment in Quarantäne auf der Seehundstation in Pieterburen. Dort wird sie aufgepäppelt und mit Medikamenten behandelt. Wenn es ihr wieder besser geht, wird sie langsam wieder an das Leben im Freien gewöhnt und schließlich freigelassen.

Wir werden Mara bald besuchen und in der Zwischenzeit die Webcams im Auge behalten.

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Von Büsum nach Husum

Am Morgen war erst mal Wäschewaschen angesagt, dann war es wieder Zeit für etwas Bildung: Wir machten eine Wattführung. Man konnte zwar Gummistiefel leihen, aber in Peters Größe gab es keine, und ich gehe sowieso lieber barfuß. Hochinteressant, was sich im Watt alles tummelt: Wattwürmer, Krabben, Muscheln und sonstiges Kleingetier und Pflanzen. Wir gingen weit hinaus und unser Führer erklärte uns, dass es bei Büsum relativ ungefährlich ist, da es keine sehr tiefen Prielen gibt, aber andernorts kann es durchaus anders sein. Nach knapp drei Stunden waren wir wieder auf dem Festland.

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Dann gingen wir über den Deich ins Zentrum von Büsum, wo es von Touristen wimmelt. Wir betrachteten die Schaufenster, die Kirche und statteten dem Chronisten Neocorus einen Besuch ab.

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Abends wurde auf unserer Zeltwiese kräftig gegrillt. Manche können es gut, bei anderen hat man den Eindruck, dass sie Rauchzeichen zu den Inseln geben möchten („Die Schoschonen haben den Klappstuhl ausgegraben“, Der Schuh des Manitou).

Am Morgen kan zum ersten Mal unsere Zeckenzange zum Einsatz: Ich sah einen braunen Fleck auf Peters Oberschenkel, der aussah, wie ein Muttermal, wären nciht die zappelnden Beine gewesen. Zum Glück war das Viech noch nicht weit gekommen und liess sich problemlos entfernen. Es sah auch noch sehr blutleer aus.

Dann ging unsere Tour weiter, erst am Deich entlang bis zum Eidersperrwerk, danach etwas landeinwärts.

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Den Schlenker über St. Peter Ording schenkten wir uns, da wir uns in Büsum schon genug durch Menschenmassen kämpfen mussten. Dafür konnten wir dieses Foto machen:

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Unterwegs deckten wir uns noch mit Lebensmitteln ein und picknickten gemütlich. Dann radelten wir weiter durch Witzwort.

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Schliesslich erreichten wir Husum, Theodor Storms „grauer Stadt am Meer.“ An einem schönen sonnigen Julitag sieht sie gar nicht so grau aus. Mal sehen, wie es morgen ist, dann ist nämlich Regen angesagt.  Fotos werden nachgereicht.

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Zeltwechsel, Gewitter, Seehunde und Kunst

Dann war es Zeit, Egmond zu verlassen. Da es nieselte, hatten wir keine grosse Lust, aufzubrechen, und so trödelten wir am Frühstückstisch herum, aber um zehn Uhr packten wir es dann doch. Wir hofften, dass sich der Nieselregen bald legen würde. Leider war das jedoch nicht der Fall, im Gegenteil! Der in der Wettervorhersage angekündigte einzelne Schauer dauerte bis nach zwei Uhr. und bei Schoorl war die Straße auch noch gesperrt, so dass wir ein längeres Stück außen herum mussten. Aber wir hatten tatsächlich Rückenwind, so dass wir gut voran kamen.
In Anna Pawlowna machten wir Mittagspause und ernteten mitleidige Blicke, als wir sagten, dass wir noch über den Afsluitdijk (Abschlussdeich) wollten. Aber langsam ließ der Regen nach, und in Den Oever suchten wir uns ein geschütztes Plätzchen, um einen Satz trockene Kleider anzuziehen. Gegen mehrere Stunden Dauerregen ist halt das beste Regenzeug nicht gewachsen.
Dann ging es über den Deich, der das IJsselmeer von der Nordsee trennt. Ich war heilfroh, dass es inzwischen nicht mehr regnete. Vor ein paar Jahren sind wir ihn mal im Regen gefahren, und da sich auf dem ca. 35 km langen Deich nichts, aber auch gar nichts zum unterstellen befindet, hat man  die Wahl zwischen fahren und nass werden und stehenbleiben und nass werden. Aber diesmal blieb uns das erspart, und dank des Rückenwindes ging es auch recht flott. Gegen vier Uhr hatten wir das Ende erreicht, als uns noch zwei Radler entgegen kamen. Wir beneideten sie nicht.

In Witmarsum auf dem Campingplatz kamen fast gleichzeitig mit uns zwei andere Radler an, woraus die Dauercamper sofort schlossen, dass wir wohl zusammen gehören. Wir tauschten angeregt Erfahrungen aus. Sie sind mit einem Garmin Navi unterwegs, und es ist wohl wirklich nicht einfach, das Teil zu bedienen. Aber es hat auch eine Menge Vorteile, man kann sich z. B. auch Supermärkte anzeigen lassen. Das ist wohl was fürs nächste Jahr.
Leider hatten sich auch die neuen Zeltstangen als nicht besonders haltbar erwiesen. Jetzt reichte es uns – am Montag fuhr ich nach Hause, um unser altes Zelt zu holen. Das ist zwar schwerer und von der Raumverteilung her etwas ungünstiger,  aber die Stangen haben schon einige Stürme überstanden. Peter reparierte in der Zwischenzeit die Räder (Kette reinigen etc.) und half seiner Mutter mit ein paar Dingen. In der Zwischenzeit reinigte sie seine Hose, die voll Kettenfett war, porentief und bügelte sie. Jetzt ist der Gatte wieder landfein!
Unser Haus steht noch, und unsere Nachbarn haben also tatsächlich ein neues Domizil gefunden, wo se Bienen und Hühner züchten können, und werden bald umziehen. Wir werden sie vermissen, auch wenn wir uns natürlich für sie freuen.
Auf dem Rückweg stieg eine Mutter mit einem ca. dreijährigen Kind in den Bus. Die Kleine wollte absolut nicht im Buggy sitzen bleiben und machte einen Höllenrabatz. Mit dem Schraz aus der Kondomwerbung hielt sie locker mit. Die Mutter bleib bewundernswert ruhig und konsequent, aber der junge Busfahrer kam so aus dem Konzept, dass er fast eine Haltestelle überfahren hätte. Vielleicht wird der arme Kerl ja in Kürze Vater.
Als wir das alte Zelt aufgebaut hatte, fanden wir im Innenzelt noch ein paar Socken des Gatten, die da nun schon fast drei Jahre ihr Dasein fristeten. Ich bin für eine Nominierung!  Das andere Zelt wurde bei Peters Eltern untergebracht.


Am nächsten Tag konnte sich das Zelt gleich bewähren. Beim Aufstehen hatte ich etwas Kopfweh, es war auch eine Affenhitze! Zum Glück legte es sich, aber es blieb sehr warm. Schwer drückte die schwüle Luft auf das Land, und das bisschen Wind verschaffte kaum Abkühlung. In St. Annaparochie assen wir in derselben Snackbar wie vor zweieinhalb Wochen, als es so geregnet hatte. Wir löffelten gerade hingebungsvoll unseren Eisbecher, als sich zwei weitere Radler zu uns gesellten: „Eigentlich ist es viel zu schwül zum Radfahren!“ – „Stimmt, es soll heute noch gewittern.“ – „In Seeland ist es schon.“
Aber es sollte noch bis zum Abend dauern, bis es auch uns erreichte. In Ternaard auf dem Campingplatz schloss uns einer der Umwohnenden die Dusche auf, da der Verwalter erst später kommen sollte. Außer uns stand nur noch ein französisches Wohnmobil auf dem Platz. Gegen Abend brauten sich die Wolken zusammen, und wir lagen auf dem Rücken vor dem Zelt und beobachteten die interessanten Gebilde. Als es zu tröpfeln anfing, flüchteten wir ins Zelt. Das Gewitter hatte es wirklich in sich und tobte direkt über uns. Das Zelt hielt stand – gut so!
Am nächsten Tag fuhren wir nur ein relativ kurzes Stück, da wir die Seehundstation in Pieterburen besuchen wollten. Dort werden verwundete und verwaiste Seehunde aufgepäppelt und wieder in die Freiheit entlassen. Die Seehunde werden erst eingehend untersucht, und aus den Ergebnissen lassen sich Rückschlüsse aus dem allgemeinen Zustand des Wattenmeers ziehen. Dann kommen sie in Quarantäne, da man sichergehen will, dass sie keine Krankheiten auf die anderen Seehunde in der Station oder – noch schlimmer – wieder im Watt übertragen. Danach kommen sie in verschiedene Becken, wo sie auch lernen, selbst ihr Essen zu fangen. Die verwaisten Seehundjungen, Heuler genannt, jammern wirklich herzzerreißend.


Manche Leute sagen, man sollte diese Seehunde nicht retten, sondern der Natur ihren Lauf lassen. Aber wenn man ernsthaft von Natur sprechen will, müsste man auch Bebauung, Industrie, Schiffahrt und Fischfang am und im Watt verbieten, denn dies bringt die Seehunde erst in Schwierigkeiten. Dieser Haufen Netze wurde im Lauf der letzten zehn Jahre aus dem Wattenmeer gefischt:


Zurück auf dem Campingplatz besuchte ich noch den benachbarten Bildergarten, wo mir der Eigentümer und Künstler Klaas Hoekstra alles zeigte. Statuen und Ölbilder sind in einen liebevoll gepflegten Garten integriert. Er erlaubte mir auch, zu fotografieren und die Fotos ins Blog zu stellen:

Neben seinen Bildern im Atelier hängt auch ein Kalender, in dem er einträgt, wie viele Schnecken er jeden Tag erlegt – das Leid des Gärtners.

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