Oktobermelancholie

Sauweda, greisligs! Hier gießt es schon den ganzen Tag wie aus Eimern.  An so einem Tag kann man so richtig nachvollziehen, warum Bløf den Oktober als “de wreedste maand (den grausamsten Monat)” bezeichnet. Zeit, sich etwas in herbstlicher Melancholie zu suhlen.

Für die Textliebhaber gibt es hier das Original. Die Übersetzung unten ist von mir.

Oktober überfällt uns jedes Jahr.
We sehen uns an nach einem übervollen Sommer.
Und wir haben uns wieder verändert, aber es fühlt sich nicht mehr vertraut an,
jetzt, wo wir plötzlich erkennen, dass wir nicht wir selbst sind
im Oktober.

Oktober ist der grausamste Monat, Oktober.
Mit den Dingen, die vorübergehen,
aber doch irgendwo hängenbleiben, sie kommen immer wieder zu uns zurück,
irgendwann im Oktober.

Oktober überfällt uns jedes Jahr.
Wir bleiben zusammen nach einem viel zu kurzen Sommer.
Und wir haben uns wieder verändert, nicht zum Guten, nicht zum Schlechten,
aber trotzdem verändert
im Oktober.

Oktober ist der grausamste Monat, Oktober.
Mit den Dingen, die vorübergehen,
aber doch irgendwo hängenbleiben, sie kommen immer wieder zu uns zurück,
meistens im Oktober.
Meistens im Oktober.

Kategorien: "Gewoon" dagelijks leven, Ganz "normaler" Alltag | Schlagwörter: , , | Hinterlasse einen Kommentar

Weitere 52 Bücher (11) – “Notes from a Small Isand” von Bill Bryson

weitere52buecher

Die Zeit rast dahin, und schon sind wir wieder bei Woche 11 (oder eigentlich 12) des Monsterprojekts. Ein paar unbearbeitete Themen liegen noch dazwischen, und ob ich das mit dem Nachholen schaffe, weiß ich noch nicht, aber … I’ll do my very best.

Das Motto dieser Woche ist jedenfalls nicht allzu kompliziert: Das Buch hätte ich gerne geschrieben. Die einzige Schwierigkeit ist vielleicht die riesige Auswahl, denn geschrieben hätte ich manches gern, z. B. (wie die Weltherrscherin auch) die Zamonien-Romane von Walter Moers. Aber man muss ja eine Auswahl treffen, und man muss hier wahrscheinlich nicht allzu aufmerksam mitlesen, um festzustellen, dass ich – gelinde gesagt – eine Schwäche für die britischen Inseln habe. Also wurde es eines meiner absoluten Lieblingsbücher, nämlich Bill Brysons “Notes from a Small Island” (London, 1995). Der deutsche Titel lautet übrigens “Reif für die Insel, England für Anfänger und Fortgeschrittene”.

notesfromasmallisland

Als Bill Bryson etwa zwanzig Jahre in Großbritannien gelebt hatte, fand er, dass es Zeit wurde, seiner Frau und seinen Kindern auch mal seine alte Heimat, die Vereinigten Staaten, zu zeigen. Doch bevor er den Umzug angeht, möchte er noch einmal eine Art Abschiedsrunde durch England machen und dabei Orte, die er kennt und solche, die noch auf seiner Wunschliste stehen, besuchen, und zwar zu Fuß und mit öffentlichen Verkehrsmitteln. Schließlich sind diese gar nicht mal so schlecht, und außerdem gibt es sowieso viel zu viele Autos, was für die Umwelt ja auch nicht gut ist usw. “They are horrible and awful and I wanted nothing to do with them on this trip. And besides, my wife wouldn’t let me have the car.” (Seite 66)

Und so beginnt er seine Reise in Calais, wo er 1973 zum erstem Mal mit der Fähre nach Dover gefahren war, läßt sich dort in einem Andenkenladen eine grauenvoll kitschige mit Muscheln und Lämpchen verzierte Marienfigur andrehen und verläuft sich auf dem Weg zum Terminal. So etwas lese ich einfach gerne, denn es ist doch ein schönes Gefühl, zu wissen, dass man nicht der einzige ist, dem solche Sachen passieren.

Seine Reise führt ihn auf ziemlich unlogischen Wegen, was seiner Spontaneität und den Grillen der öffentlichen Verkehrsmittel geschuldet ist, durch England, Wales und Schottland. Dabei hat er ein gutes Auge für Land und Leute und findet immer die richtige Mischung aus eigenen Erlebnissen und Hintergrundinformationen. Auch fließen immer wieder Erinnerungen an frühere Reisen mit ein.

Zum Autofahren hat er (wie ich übrigens auch) wirklich nicht das beste Verhältnis. Dies zeigt sich, als er seinen Prinzipien untreu wird und für ein paar Tage ein solches mietet, m die Cotswolds zu besuchen: “Some people are made for cars and some aren’t. It’s as simple as that. [...] This car had its usual array of switches and toggles, each illustrated with a symbol designed to confound. Really now, what is one to make of a switch labelled |Ø|? How can anyone be expected to work out htat a rectangle that looks like a television set with poor reception indicates the rear window heater? In the middle of this dashboard were two circular dials of equal size. One clearly indicated speed, but the other totally mystified me. It had two pointers on it, one which advanced very slowly and the other of which didn’t appear to move at all. I looked at it for ages before it finally dawned on me – this is true – that it was a clock.” (Seite 163/164) Dieses Gefühl kenne ich und würde es wohl auch so beschreiben, wäre er mir nicht zuvorgekommen.

Er besucht malerische und touristische Orte wie Lincoln mit seiner Kathedrale, Oxford und Edinburgh, aber auch “New Towns” wie Milton Keynes, wo man versucht hat, für alle Arten von Verkehrsteilnhemern (Autofahrer, Radfahrer, Fußgänger) eigene Wege anzulegen. Dies beschert ihm eine längere einsame Wanderung, bei der er sich natürlich verläuft und keinen anderen Fußgänger findet, den er fragen kann.

Bei einer Wanderung  im Lake District, bei der immer wieder hinter seinen Freunden zurückfiel, die dann gemütlich auf ihn warteten, um sofort wieder los zu marschieren, sobald er aufgeholt hatte, steht auch dieser wunderschöne Satz, den ich bei Radurlauben gerne bemühe, wenn es der Gatte mal wieder eilig hat: “John and his chums toyed with my will to live in the cruellest possible way: [...]“. (Seite 282)

Am Ende kommt er zu der Schlussfolgerung, dass er Großbritannien mag: “I like it here. I like it here more than I can tell you. And then I turned from the gate and got in the car and knew without doubt that I would be back.” (Seite 352) Inzwischen ist er wieder nach England zurückgekeht und wohnt in einem alten Pfarrhaus in Norfolk.

Gut, dieses Buch habe ich nicht geschrieben, aber einer meiner treuen Leser hat mir einmal “bryson-artigen Humor” bescheinigt, und darauf bin ich schon ein bisschen stolz.

Kategorien: Weitere 52 Bücher | Schlagwörter: , , , , , , , , , , , , | Hinterlasse einen Kommentar

Weitere 52 Bücher (4) – „Die Farbe Blau“ von Jörg Kastner

weitere52buecher

Urlaubsbedingt hatte ich ein paar Mottos verpasst, aber beim Nachlesen habe ich eins entdeckt, zu dem ich noch etwas habe,  “was mit Kunst“. Den Post habe ich zwar schon vor einiger Zeit verfasst, aber ich erlaube mir, ihn nach oben zu zerren, da er sonst doch nur unverdienterweise in der Versenkung bleibt. *flöt*

farbeblau

Kann eine Farbe einen Menschen so weit in den Wahnsinn treiben, dass er jemanden umbringt? Diese Frage stellt sich Gefängniswärter Cornelis Suythof, nachdem im Amsterdamer Männergefängnis „Rasphuis“ der angesehene Färbermeister Melchers eingeliefert wird, der seine Frau und seine Kinder auf brutale Weise ermordet hat. Zum Tathergang befragt, schweigt er und begeht kurz darauf Selbstmord. Suythofs Freund und Kollege Ossel Jeuken hatte ihm vorher auf seinen Wunsch ein Gemälde in die Zelle geschmuggelt, das ihn im Kreise seiner Familie zeigt. Der Einsatz von Licht und Schatten lässt darauf schließen, dass das Bild von Rembrandt van Rijn ist, aber die Hauptfarbe ist ein intensives Blau, und Rembrandt verwendet kein Blau.

Bevor die Gefängnisleitung das Bild entdeckt, lässt Ossel es verschwinden und nimmt es mit nach Hause. Am nächsten Tag wird er ins Gefängnis eingeliefert, nachdem seine Freundin auf bestialische Weise umgebracht worden war. Das Einzige, was Suythof aus ihm herausbringt, ist das Wort „Blau“. Als das „Todesbild“ aus Ossels Wohnung verschwindet, beschließt Suythof, die Unschuld seines Freundes zu beweisen und geht bei Rembrandt in die Lehre. Dort entwickeln sich zwischen ihm und Rembrandts Tochter Cornelia zarte Bande.

Von dem reichen Kunsthändler Van der Meulen erhält er den Auftrag, von einigen jungen Damen Aktgemälde anzufertigen. Zu seinem Entsetzen findet er seine Gemälde in einem Bordell wieder, und kurz darauf entdeckt er, dass es sich bei einem seiner Modelle um die Kaufmannstochter Louisa van Riebeeck handelt. Als er Van der Meulen mit seinem Wissen konfrontiert, teilt dieser ihm mit, dass er der Familie inzwischen ein blaues Gemälde zukommen ließ. Und tatsächlich passiert ein weiterer Mord, für den Suythof ins Gefängnis kommt. Gerade noch rechtzeitig gelingt es Gerichtsinspektor Jeremias Katoen, seine Unschuld zu beweisen und ihn frei zu lassen.

Doch inzwischen ist Rembrandt spurlos verschwunden. Suythof macht sich auf die Suche und gerät in einen Strudel von Gewalt, Verschwörungen, und den Kampf fanatischer Katholiken gegen die herrschenden Calvinisten. Dabei gerät nicht nur er selbst, sondern auch Cornelia in Lebensgefahr.

„Die Farbe Blau“ ist ein historischer Krimi mit einem guten Schuss Fantasy. Die Handlung ist spannend und man bekommt einen ganz guten Eindruck von Amsterdam zur Zeit Rembrandts. Andererseits passiert so unglaublich viel, dass ich beim Lesen immer wieder den Überblick verloren habe. Die Stadt Amsterdam und die handelnden Personen werden zwar beschrieben, bleiben aber blass und wirken nicht richtig lebendig. Auch die Anhäufung von Verbrechen, Komplotten und Gewalt trug meiner Meinung nach nicht gerade zur atmosphärischen Dichte bei. Hier wäre weniger mehr gewesen. Bei der „Engelstrilogie“, die ich vor ein paar Jahren gelesen habe, hat Kastner die Balance zwischen Spannung und Atmosphäre besser hingekriegt.

Jörg Kastner wurde 1964 in Minden an der Weser geboren. Er ist Volljurist mit Befähigung zum Richteramt, machte aber aus seinem Hobby, dem Schreiben, seinen Beruf. Er schreibt historische Romane, Fantasy und Thriller, wobei sich die Genres häufig vermischen. Zu seinen Werken gehören die Vatikan-Thriller “Engelspapst”, “Engelsfluch” und “Engelsfürst”. Mehr über ihn findet sich auf seiner Homepage.

Kategorien: Weitere 52 Bücher | Schlagwörter: , , , , , , , , | Hinterlasse einen Kommentar

Weitere 52 Bücher (7) – “Don Fernando erbt Amerika” von Ewald Arenz

weitere52buecher

So, jetzt muss ich doch auch mal wieder was Neues von der Bücherfront berichten, und zwar zum Motto der 7. Woche: “Was mit Physik (Solarzellen, Akkus, Glühbirnen oder ähnl.) …“. Na toll, Physik, und das mir! Seinerzeit in der Kollegstufe sagte mein Physiklehrer zu mir: “Bei Ihnen ist die ganze Physik verschwendet”, um dann bei der Abiturprüfung des Deutsch-Leistungskurses, wo er Aufsicht hatte, festzustellen:  “Hier sind also die ganzen Physiknieten versammelt.” Man kann nichts beschönigen, wo er recht hat, hat er recht.

Deshalb zweifelte ich erst einmal, ob ich “irgendwas mit Physik” überhaupt in meinem Bücherschrank habe, und tatsächlich wurde ich fündig.

donfernando

Der phantastische Roman “Don Fernando erbt Amerika” von Ewald Arenz (Nürnberg, 1996) ist eine wunderbar skurrile und brüllkomische Geschichte, und eine der Hauptfiguren ist der Physiker Christoph, der ein Büro für Problemlösungen aller Art betreibt und tatsächlich mit einem riesigen Problem konfrontiert wird: Er soll dem Außerirdischen Gilead helfen, nach Hause zurück zu kehren.

Besagter Gilead war von seinem Heimatplaneten Siron, der aufgrund extremer Umweltverschmutzung so verstrahlt ist, dass die Bewohner quasi unsterblich geworden sind, verbannt und dann vergessen worden. Wegen eines Fehlers seines unfähigen Piloten landete sein Raumschiff nicht wie geplant in Mexiko, sondern stürzte irgendwo in Schwaben ab. Und dies blieb nicht ohne Folgen: Verschiedene historische Figuren, die auch nur ansatzweise in der Nähe waren oder später in die Nähe dieses Flugobjekts gerieten, wurden ebenfalls “langlebig”. Zu diesen gehören der Wikinger Erik der Rote und sein Bruder Leif der Barde, Fernando Colon, Sohn von Christoph Kolumbus mit seinen Weggefährten sowie eine Truppe Azteken.

Don Fernando ist mal wieder pleite und möchte von den Vereinigten Staaten von Amerika sein Erbe einklagen, nämlich ein Zehntel aller Waren, die die von Kolumbus neuentdeckten Länder der spanischen Krone einbringen sollten. Dazu benötigt er das Originaldokument des spanischen Königs, das sich jedoch im Nürnberger Stadtarchiv befindet, woran Gilead nicht ganz unschuldig ist. Da die Archivare es nicht herausrücken wollen, entführt Don Fernando den Nürnberger Bürgermeister.

Bei der Jagd nach dem Dokument helfen ihm nicht nur  die Journalistin Kathrin (Christophs Exfreundin), sondern auch diverse Wikinger und Azteken, während Christoph und sein Freund, der Rockmusiker Bébé außerdem Gileads Problem zu lösen versuchen. Dabei entstehen die merkwürdigsten Zusammentreffen, herrlich absurde Szenen und brüllkomische Dialoge, gespickt mit diversen Asterix-Zitaten. Wenn man also bereit ist, die ganzen nicht sehr wahrscheinlichen Voraussetzungen einfach zu akzeptieren, hat man eine ganze Menge zu lachen:

Bébé und Christoph saßen im Café Querschnitt und hielten sich an ihren Kaffeetassen fest. Christoph hatte sich, um seinem, Kater zu zeigen, wer der Boß ist, ein Frühstück bestellt. Das stand jetzt vor ihm und schmollte.
„Du willst dein Frühstück nicht essen, oder?” fragte Bébé, der angestrengt versuchte, nicht auf den Tisch zu sehen, und sagte, als Christoph nicht antwortete: “Dann stell es bitte irgendwohin, wo ich es nicht sehen kann, ja?”
„Ich muss mich erst mit ihm anfreunden. Ich kann das nicht so plötzlich wie du, einfach über das Essen herfallen, wenn es auf den Tisch gebracht wird.”
„Ich werde nie wieder über Essen herfallen”, murmelte Bébé düster, “ich bin wahrscheinlich tot.” (Seite 32)

Für kurze Zeit waren Ewald Arenz und ich sogar Kollegen, nämlich während unseres Referendariats in Nürnberg, und so ziert die erste Seite meines Exemplars folgende Widmung: “Für Petra in kollegialem Streben nach höheren (!) Zielen. Ewald Arenz”

Kategorien: Weitere 52 Bücher | Schlagwörter: , , , , , , , , | Hinterlasse einen Kommentar

Strand6Daagse (Teil 7)

Sechster und letzter Tag: Callantsoog – Den Helder (14 km)

Der letzte Tag unserer Wanderung war gekommen, und die Sonne strahlte vom blauen Himmel. Zum letzten Mal wachten wir im Zelt, umgeben von hunderten anderer Wanderer, auf und versorgten unsere Wehwehchen. Inzwischen hatte fast jeder hier auf dem Platz irgendwas, und das Wort „pleisterplaats“ (Rastplatz), wie die Etappenziele auf der Website der Stand6daagse genannt werden, ist hier sehr wörtlich zu nehmen (pleister = Pflaster). Doch man trägt seine Pflaster, Tapes und Bandagen mit einem gewissen Stolz, schließlich hat man sie sich schwer erarbeitet.

Zum letzten Mal standen wir in der Schlange für das Frühstück. Dort erfuhren wir, dass man offiziell bis 15 Uhr in Den Helder einlaufen durfte, wo wir das letzte Mal unsere Teilnahmekarte knipsen lassen und ein Andenken abholen konnten. Bis 15 Uhr klang gut, das würde selbst ich mit meinem lädierten Bein hinkriegen. Der Frühstückskaffee war diesmal sehr heiß, da er frisch in Den Helder zubereitet worden war.

anstehen2

Nach dem Frühstück hieß es zum letzten Mal das Zelt abbauen, verpacken und das Gepäck auf dem großen Haufen zurücklassen. Beim Füllen der Wasserflaschen gab es erst ein Problem, denn ein Scherzkeks hatte den Haupthahn des Waschbeckens auf der Zeltwiese, das ein bisschen an eine Viehtränke erinnerte, zugedreht. Dies war jedoch schnell gelöst, und wir gingen los.

Beim Strandaufgang sahen wir, dass ein Teil der Gruppe nicht zum Strand ging, sondern den Dünenweg nahm. Wir schlossen uns ihnen an – bloß kein Sand! Ich hatte meinen Unterschenkel bandagiert und ein Aspirin genommen, also ging das Laufen einigermaßen, aber man musste es ja nicht übertreiben. Die Dünenvariante ist zwar etwas länger, aber angenehmer und abwechslungsreicher. Zu diesem Schluss kamen immer mehr Teilnehmer, denn bei jedem Strandaufgang gesellten sich wieder einige zu uns.

duenenweg2 duenenweg3

Bald kam der Leuchtturm von Den Helder in Sicht und irgendwann wurde er tatsächlich größer. Wir näherten uns dem Ziel. Bei einem Wegweiser, der nur noch eineinhalb Kilometer zum Zielort Huisduinen, wo sich am Strand Pfahl 1 befindet, kam uns eine Joggerin entgegen und rief uns zu: „Gut gemacht, den Rest schafft ihr auch noch!“

leuchtturmdenhelder huisduinen

Gegen Mittag erreichten wir den Strandaufgang bei Pfahl 1, wo ein Fotograf die offiziellen Finishfotos machte. Wir erklärten, dass wir hintenrum gekommen waren und bekamen auch unser Foto.

finishfoto

Dort befindet sich auch ein Gedenkstein für Henk Horstman, der 1959 den Grundstein zu dieser Wanderung legte. Damals wurde sie noch von Norden nach Süden gegangen, doch da es angenehmer ist, die Sonne im Rücken zu haben und der Wind meistens aus dem Süden weht, wurde irgendwann die Richtung geändert. Vom Rückenwind hatten wir dieses Jahr allerdings nichts, der Wind kam immer aus dem Norden. Aber beim Radfahren finde ich das schlimmer.

gedenkstein

Dann gingen wir zum Dorfplatz, wo wunderbar passend das Lied „Het feest kan beginnen, want wij zijn binnen“ aus den Lautsprechern schallte. Wir gingen zum Finishstand, wo man unsere Karten zum letzten Mal knipste, und erhielten ein mit Sand gefülltes Gläschen und eine Getränkemarke, die wir gleich am Bierstand einlösten. Außerdem erstand ich noch ein T-shirt mit der Aufschrift „Enjoy 6 days at the beach“ als Andenken.

Später lasen wir, dass zwei Wanderer sich vom Ziel direkt in die Dorfkirche begeben hatten, um dort zu heiraten. Sie hatten sich vor sechs Jahren bei der Strand6Daagse kennengelernt und waren sie seitdem jedes Jahr gelaufen. Ist das nicht romantisch? *schnüff* Am Tag selbst bekamen wir in all dem Trubel am Ziel jedoch nichts davon mit.

Dann wurde es Zeit, sich auf den Heimweg zu machen. Zum letzten Mal warteten wir auf unser Gepäck, und dann brachte uns ein Pendelbus zum Bahnhof von Den Helder. Für diesen Service waren wir sehr dankbar, denn das sind doch noch einige Kilometer. Ohne Probleme oder Verspätungen fuhren wir nach Hause.

Mein rechter Fuß war inzwischen ein unförmiger Klumpen geworden – ganz klar überanstrengt. Doch ich befolgte brav die Anweisungen „Kühlen, schonen, vorläufig nicht joggen (als ob ich das jemals freiwillig machen würde!) und langsam mit Schwimmen und Radfahren wieder aufbauen.“ Inzwischen ist er längst wieder normal groß, wenn auch noch ein bisschen empfindlich, aber sowas zieht sich halt.

Zum Schluss zitiere ich noch die Abschiedsworte der Organisatoren auf unserem letzten Routenzettel: „Im Namen der Organisation danken wir Ihnen für Ihre Teilnahme und wünschen Ihnen eine gute Heimreise. Wir hoffen, dass Sie die sechstägige Wanderung an der Grenze zwischen Land und Wasser genossen haben. Vielleicht bis nächstes Jahr.“

Es war tatsächlich eine Grenzwanderung, und zwar nicht nur zwischen Land und Wasser, sondern auch gelegentlich an der Grenze der Leistungsfähigkeit. Schon bei der Vorbereitung musste ich immer wieder mit dem inneren Schweinehund kämpfen, wenn ich am Wochenende lieber mit einem Buch auf dem Sofa sitzen wollte, anstatt durch die Gegend zu dackeln. Aber wir können mit Stolz auf diese sechs Tage zurückblicken – wir haben es geschafft.

Unser Dank gilt den Organisatoren und den vielen ehrenamtlichen Helfern, die dieses Ereignis so reibungslos wir möglich über die Bühne gehen ließen. Es war wirklich ein tolles Erlebnis! Allerdings werden wir im nächsten Jahr nicht mehr mitlaufen, denn es gibt noch so viele andere Dinge zu tun. Und wir wissen ja jetzt, dass wir es schaffen können.

 andenken

Und jetzt, wo ihr euch tapfer bis ans Ende meiner Ausführungen durchgeschlagen habt, kann ich euch ja verraten, dass es bei buurtaal auch eine Kurzfassung gibt. *grins*

Kategorien: 2014 - Strand6Daagse | Schlagwörter: , , , , , , , , , , , , , | 4 Kommentare

Strand6Daagse (Teil 6)

Fünfter Tag: Egmond aan Zee – Callantaoog (27 km)

 Für den heutigen Tag hatte der Wetterbericht Regen angekündigt, also mussten wir besonders darauf achten, dass unser Gepäck wasserdicht verpackt war. Wenn man nämlich Pech hat, liegt es eine ganze Weile im strömenden Regen spazieren. Die Regenkleidung hatten wir sowieso im Marschgepäck, da mussten wir nicht viel ändern.

wetterbericht

Auf dem Weg zum Strand gingen wir noch einmal bei Peters Bruder vorbei, um sein inzwischen wieder aufgeladenes Handy abzuholen. Der gestern noch so volle Strand war kaum wieder zu erkennen: Das Wasser hatte sich zurückgezogen und die Badegäste lagen noch gemütlich in den Federn.

Bis Bergen aan Zee ging das Laufen noch gut, doch dann meldete sich mein rechter Unterschenkel wieder lautstark zu Wort, bei jedem Schritt zog es schmerzhaft im Schienbein. Da der Strand zur See hin abfällt, und da wir nach Norden gingen, liefen wir mit dem rechten Bein immer ein bisschen höher als mit dem linken, und dies nahm mir mein rechtes Bein inzwischen übel. Von anderen Wanderern hörten übrigens von ähnlichen Problemen oder auch von schmerzenden Knien und Hüften. Der Wetterbericht schien übrigens Recht zu behalten, denn der Himmel war nicht mehr blau und mit netten Wattewölkchen garniert, sondern grau und verhangen. Auch die Nordsee sah nicht mehr so freundlich und einladen aus wie an den letzten Tagen.

truebertag truebertag2

Bei Schoorl kam uns ein Herr in einem T-shirt der Vierdaagse von Nijmegen entgegen. Auf einem Tablett hatte er Lakritze, Bonbons und Salzstangen, die er uns anbot, wobei er jedem von uns noch viel Erfolg wünschte. Bei solchen netten Gesten verbeißt man sich den Schmerz und schafft wieder ein Stück.

Dann erreichten wir die Hondsbossche Zeewering bei Petten, einen der dicksten Seedeiche von Westeuropa. Hier hatte im Mittelalter eine Sturmflut ein Stück der Dünen herausgerissen, das später durch einen Deich ersetzt wurde. Inzwischen gilt dieser Deich als nicht mehr sicher genug und wird im Moment mit Sandvorspülungen verstärkt.

zeewering zeewering5

Bevor wir um die Bauarbeiten herumgingen, stärkten wir uns in einem Strandcafé mit Kaffee und Apfelkuchen. Dann ging es weiter auf dem Deich.

zeewering4 zeewering3

Ich hatte gehofft, dass es meinem Bein besser gehen würde, wenn wir nicht mehr auf Sand laufen, aber leider war das nicht der Fall. Eine andere Wanderin gab mir den Rat, es mit einem Aspirin zu versuchen. Auf die Idee war ich noch gar nicht gekommen, für mich gehören Aspirin und Paracetamol zu Kopfschmerzen. Aber klar, Schmerzen sind Schmerzen, vielleicht half es ja. Und tatsächlich ging es nach einer Weile besser.

Als wir Petten erreichten, beschlossen wir, nicht auf den Strand zurück zu gehen, da sich die Sandvorspülungen nicht besonders gut auf die Trittfestigkeit des Sandes auswirken. Von einem Kurzurlaub im Frühjahr kannten wir die Gegend ein bisschen und wussten, dass man nach einem Stück durch die Dünen auf die Hauptstraße nach Callantsoog mit einem freiliegenden Rad- und Fußweg kommt. Ein anderes Paar folgte unserem Beispiel, da sie ebenfalls keinen Sand mehr sehen konnten.

wegweiser

Bei einem Supermarkt besorgten wir uns ein paar Muffins, die wir sofort auf der Bank davor vertilgten. Dann begann es zu regnen, also Regenzeug an und weiter. Ein paar Kilometer vor Callantsoog überholte uns eine Autofahrerin, ließ das Fenster hinunter und rief uns zu, dass wir durchhalten sollten, denn es sei nicht mehr weit. Klar, die meisten Einheimischen kennen die Stand6Daagse und wissen, wo wir hinmüssen. Je nach Wohnort kriegen sie sicher ein unterschiedliches Bild von der Wanderung: Sind die Wanderer bei Wassenaar und Noordwijk noch gut aufgelegt und schwungvoll unterwegs, so werden sie, je weiter sie nach Norden kommen, erschöpfter und leiden stumm vor sich hin.

Irgendwann erreichten wir das Zentrum von Callantsoog, wo wir auf weitere nasse Wanderer stießen. Gemeinsam machten wir uns auf die Suche nach dem Sportplatz, wobei wir aufpassen mussten, dass der Regen nicht unsere Wegbeschreibung unleserlich machte. Bald hatten wir den Platz erreicht und mussten nur noch unser Gepäck finden. Mein Rucksack war tatsächlich nicht mehr trocken, gut, dass ich den Inhalt in Plastiktüten verpackt hatte.

Zwischendurch ließ der Regen nach, so dass wir wenigstens vernünftig aufbauen konnten. Nach einer warmen Dusche ging es mir auch wieder besser, und ich beschloss, noch einen Termin bei Ernesto zu machen. Der war allerdings heute nicht da, und seine beiden Kollegen waren fast ausgebucht. Da aber zwei Leute abgesagt hatten, hatte Wim gegen acht Uhr abends für mich noch eine Lücke.

Dann kam unser letztes Abendessen. Da es Freitag war, gab es zum Abendessen Fisch mit Remouladensauce, aber nicht mit gedünstetem Kohlrabi, sondern mit Karotten und Kartoffeln. Zur Feier des Tages bekam auch jeder ein Glas Weißwein. Wie am ersten Abend wurde die Mahlzeit im Zelt verspeist, und meine Wanderschuhe waren gut als Halter für die Weingläser zu gebrauchen.

abendessen2

Nach dem Essen hatte ich meinen Massagetermin. Während Wim mir die Beine durchknetete, erzählte er, dass eine Menge Leute ziemlich erledigt waren. Sie hatten zwar das Wandern trainiert, aber was sie laut Wim nicht trainiert hatten, war das Aufbauen des Zeltes, das Schlafen im Zelt und die langen Partys im Sportlerheim. Nun, daran konnte es bei uns nicht liegen: In unserem gesetzten Alter lässt man die Partys doch eher aus, im Zelt schlafen sind wir gewöhnt und wenn wir etwas können, dann ist es des Zeltaufbauen. Da sich mein Unterschenkel warm anfühlte, bekam ich noch eine kühlende Salbe darauf, doch Wim meinte, dass ich den letzten Tag noch schaffen würde. Und das hatte ich auch vor, und wenn ich mich bis zur Halskrause mit Aspirin dopen musste!

Kategorien: 2014 - Strand6Daagse | Schlagwörter: , , , , , , , , , , , , , | 3 Kommentare

Strand6Daagse (Teil 5)

Vierter Tag: IJmuiden – Egmond aan Zee (24 km)

 Heute war das Frühstück wieder auf sechs Uhr vorverlegt worden. Doch wir konnten etwas länger schlafen, da wir erst für die Fähre um halb zehn vom Südpier eingeteilt waren und deshalb erst gegen halb neun los mussten. Nicht weit von der Frühstücksausgabe entfernt verkauften unsere Gastgeber frische Pfannkuchen, also reihte ich mich in die Schlange ein. Ich fragte sie, ob sie nicht ein bisschen Show veranstalten könnten, Pfannkuchen werfen und fangen und dergleichen. Das Mädchen hinter dem Plattenkocher meinte schlagfertig: „Pfannkuchen mit Show kostet zwei Euro.“ Die Hamburger gestern und die Pfannkuchen heute sind eine gute Idee: Der Verein bessert seine Kasse auf und die Wanderer fühlen sich wirklich willkommen.

Dann bauten wir in Ruhe unser Zelt ab und machten uns gegen viertel vor acht auf die Socken Richtung Südpier, von wo aus wir mit einem Rundfahrtschiff zum Nordpier gebracht werden sollten. Einer der Organisatoren versuchte, uns aufzuhalten, da wir erst für später eingeteilt waren, und „wenn jeder zu früh da ist, gibt es beim Pier so ein Chaos“. Da wir aber erst noch zum Supermarkt wollten, durften wir passieren. Zwei Leute gingen mit ihrem gesamten Gepäck zur Bushaltestelle, denn „die Beine wollen einfach nicht mehr“. Wir hatten inzwischen auch entdeckt, dass es nicht mehr besser wird, wenn der Wurm in Form von Blasen, offenen Stellen, Muskelschmerzen und dergleichen erst mal drin ist. Da man jeden Tag weiter muss, kann sich der Körper nicht wirklich erholen. Aber uns ging es noch gut, und darüber waren wir sehr froh.

Im Supermarkt deckten wir uns mit Semmeln, Muffins und anderen Kalorienspendern ein, da das Lunchpaket ja bekanntlich nicht reicht. Einige Leute fragten uns interessiert über die Route aus und erzählten uns, dass der Unfall im letzten Jahr gar nicht weit weg von diesem Einkaufszentrum passiert war und auch die Leute in IJmuiden ziemlich erschüttert hatte. Auf unserem heutigen Tageszettel wurden wir extra darauf hingewiesen, dass wir doch bitte den ersten Zebrastreifen benutzen sollten, an dem extra „Schülerlotsen“ für uns bereitstanden.

Bald hatten wir, natürlich wieder zu früh, den Südpier erreicht, und tatsächlich ging es dort recht chaotisch zu. Das lag aber nicht an uns, sondern daran, dass die Überfahrt vor unserem plötzlich voll war und ein paar Leute trotz Ticket nicht mitkonnten. Ihnen war dann ein Platz auf „unserer“ Fähre garantiert worden, doch nun würde sich das Problem wohl weiter nach hinten verlagern, da jeweils 125 Leute auf das Schiff passten und acht Fahrten geplant waren. Wie das Problem gelöst wurde, erfuhren wir allerdings nicht mehr.

ijmuidenhaven

Während wir mal wieder in der Schlange standen, hatten wir genügend Unterhaltung, denn vor uns standen ein paar begnadete Geschichtenerzähler, die ein paar nette Schwänke von vergangenen Wanderungen zum Besten gaben. Bald kam das Schiff und wir setzten zum Nordpier über.

ijmuidenovertocht

Von dort aus war es nur ein kurzes Stück zum Strand, wo der Sand wieder angenehm hart war.

ijmuidenovertocht3 ijmuidenovertocht2

Als es Zeit war für eine Mittagspause, setzten wir uns in den Schatten bei der Rettungsbrigade Heemskerk. Nach dem Essen wollten wir diverse Pflaster erneuern und fragten, ob wir uns zu diesem Zweck auf ihre Treppe setzen dürften, oder ob wir dann im Weg sitzen würden. Die netten Jungen brachten uns sofort einen Stuhl und fragten, ob wir selbst genug Pflaster dabei hatten oder ob wir noch welche benötigen würden. Wir hatten noch genug, aber wir fanden das Angebot sehr nett. Nachdem wir eine kleine Spende in ihrer Kasse zurückgelassen hatten, gingen wir weiter.

reddingsbrigade

Natürlich wurde der Sand wieder lockerer, und da die Flut kam, wurde das Stück Strand auch immer schmaler. Je mehr wir uns Egmond näherten, um so schwieriger wurde es, sich einen Weg durch all die Badegäste, Handtücher, Liegestühle uns Sandburgen zu bahnen, und das bei dem weichen Sand! Das letzte Stück war echt Schwerstarbeit. Zwei Mädchen kamen uns mit einer Schüssel entgegen, in der appetitlich angerichtete Melonenstücke lagen, ein Euro pro Stück – die Egmonder Jugend ist geschäftstüchtig. Auch wir bedienten uns und genossen die Erfrischung, bei diesen Temperaturen eine wahre Wohltat.

badetag badetag2

Dann erreichten wir Pfahl 38 und steuerten als erstes die wohlbekannte Eisdiele an. Von dort ist es nur noch ein Katzensprung zu Peters Bruder, wo wir einen sanitären Zwischenstopp einlegten (mal wieder etwas anderes als Dixiland) und ein Kaffeepäuschen machten. Wir verabredeten, dass wir in Ruhe unser Zelt aufbauen und dann gegen sechs Uhr zum Abendessen auf der Matte stehen würden.

Diesmal war unser Gepäck schon da, und schnell hatten wir das Zelt aufgebaut. Doch als ich vom Duschen zurückkam, konnte ich das Zelt auf einmal nicht mehr finden, mein T-shirt passte also, wie die Faust aufs Auge. Nachdem ich eine Weile ratlos durch die Gegend geschlurft war, wusste ich, dass ich mich von den zwei Aufgängen zum Vereinsgebäude hatte verwirren lassen. Trotzdem erschien mir das ganze Layout hier irgendwie unlogisch, keine Ahnung, warum.

Wir ließen das heutige Abendessen (Bratwurst mit Blumenkohl und Kartoffeln) ausfallen und machten uns auf den Weg zu Schwager und Schwägerin. Im Supermarkt um die Ecke mussten wir erst unsere Pflastervorräte aufstocken. So viele brauchen wir beim Radfahren nie. Bei unseren Gastgebern gab es Reis mit Krabben und Wokgemüse, eine angenehme Abwechslung. Über den Joghurt zum Nachtisch freuten wir uns besonders, denn den gab es auf den Campingplätzen logischerweise nicht.

Wir unterhielten uns gemütlich bis zum späten Abend, dann wurde es Zeit für uns, um zurück zu gehen. Unsere Gastgeber begleiteten uns zum Sportplatz, da sie auch einmal sehen wollten, wie es dort aussieht. Eigentlich sind Besuche nicht erwünscht, aber vom Eingang gucken dürfte wohl kein Problem sein. Als wir aufbrachen, spürte ich ein leichtes Ziehen im rechten Unterschenkel. Hoffentlich würde sich das bis zum nächsten Tag wieder geben.

Mitten in der Nacht musste ich mal raus. Das ist normalerweise kein Problem, aber auf diesem Platz hatte ich ernsthafte Orientierungsschwierigkeiten. Wie sollte ich im Dunkeln das Zelt wiederfinden? Das Handy mitnehmen und Peter im Notfall anrufen hatte keinen Sinn, denn sein Handy hing noch bei seinem Bruder an der Steckdose. Also weckte ich den Gatten und bat ihn, aus dem Zelt zu kommen und zu winken, wenn ich in einer Viertelstunde noch nicht zurück sein sollte. Unterwegs prägte ich mir einige Orientierungspunkte wie das riesige Familienzelt und einen Laternenpfahl an der Ecke ein und schaffte es tatsächlich, wieder zurück zu finden. Danach schlief ich problemlos bis zum nächsten Morgen.

Kategorien: 2014 - Strand6Daagse | Schlagwörter: , , , , , , , , , | Hinterlasse einen Kommentar

Strand6Daagse (Teil 4)

Dritter Tag: Noordwijk – IJmuiden (30 km)

 Da es heute heiß werden sollte, war das Frühstück eine Stunde vorverlegt worden. Sogar wir standen früher als normal auf und stellten uns an. „The same procedure as every day“, wir fingen an, uns an den Rhythmus zu gewöhnen.

Gegen halb acht gingen wir los zum Leuchtturm und von dort wieder an den Strand. Schon bald sahen wir die Hotels von Zandvoort aan Zee, die wie eine Festung an der Küste thronten. Dort würden wir etwas mehr als die Hälfte geschafft haben. Wie gestern und vorgestern am Vormittag war der Sand hart und das Laufen ging problemlos.

leuchtturmnoordwijk strandwanderer5

Hin und wieder trafen wir auf Spaziergänger mit Hunden oder eine Gruppe Reiter. Gelegentlich mussten wir ein Stück Nacktbadestrand überqueren, aber zum Glück durften wir das in bekleidetem Zustand tun, sonst wäre das Ganze nämlich sher umständlich und zeitraubend geworden.

moewen strandreiter

Gegen Mittag erreichten wir Zandvoort und machten uns auf die Suche nach einem Restaurant, denn von dem Lunchpaket alleine wird man nicht satt. In einem Pfannkuchenrestaurant am Anfang der Promenade saßen schon einige Wanderer, und wir gesellten uns dazu. Mit ein paar alkoholfreien Bierchen wurde der Feuchtigkeitshaushalt wieder ausgeglichen, schließlich sollte man bei dieser Wanderung mindestens vier Liter pro Tag trinken. Peter hatte gehört, dass ein Herr wegen eines sonnenbrandartigen Ausschlags am Bein beim Erste-Hilfe-Zelt gewesen war. Dort wurde ihm erklärt, dass dies ein Anzeichen für Flüssigkeitsmangel sei, und dass er unbedingt mehr trinken müsse, da er sonst die nächsten Tage nicht schaffen würde. Das wollten wir auf gar keinen Fall!

Zum Essen gab es dicke, leckere Pfannkuchen mit Speck und Ananas, und so hatten wir die nötige Grundlage für die letzten Kilometer. Anstatt gleich auf den Strand zurück zu gehen, blieben wir bis Bloemendaal auf der Promenade, denn es tat gut, mal wieder auf anderem Untergrund zu gehen. Außerdem konnte man so die Badeurlauber, die sich inzwischen zahlreich eingefunden hatten, umgehen.

zandvoort

Dann gingen wir wieder zurück zum Strand, wo ich eine Weile barfuß durch das Wasser ging, um meine Füße abkühlen und wieder auf Normalgröße schrumpfen zu lassen. In der Ferne sah man inzwischen auch die Hochofen von Corus mit dem dazugehörigen Rauch, das Wahrzeichen von IJmuiden.

Gelegentlich liefen wir ein Stück mit anderen Wanderern, und so verging die Zeit ein bisschen schneller. Die Gespräche gestalteten sich meist wie folgt: „Wie geht es heute?“ – „Ganz gut.“ – „Läufst du zum erstem Mal?“ – „Ja.“ – „Ich zum dritten Mal. Der Sand ist heute gut, nicht wahr?“ – „Ja, sehr gut, kein Vergleich zu gestern Nachmittag.“

strandwanderer4

Und so erreichten wir bald IJmuiden, wo wir den Strand wieder verließen. Beim Aufgang fand sich ein kleines Grüppchen, doch im Gegensatz zu gestern und vorgestern war diesmal keiner dabei, der sich auskannte, da dieses Jahr zum ersten Mal das Etappenziel nicht das fünf Kilometer nördlichere Velsen-Noord auf der anderen Seite des Nordseekanals, sondern eben IJmuiden war.

Der Grund für diese Änderung war wohl der Todesfall im letzten Jahr, bei dem ein Wanderer auf dem Weg zur Fähre unter einen Lastwagen gekommen war. Wir konnten uns gut vorstellen, wie so etwas passieren kann: Man muss durch ein Industriegebiet, um zur Fähre zu kommen und hat schon 30 Kilometer hinter sich. Man ist also müde und reagiert nicht mehr so schnell, auch wenn man sich dessen nicht bewusst ist. Dieser Unfall hatte die Einwohner von IJmuiden und natürlich auch die Wanderer ziemlich geschockt. Logisch, denn auch wenn man ihn nicht persönlich gekannt hatte, war er doch Teil der Gruppe, und vielleicht ist man ja ein Stück zusammen gegangen oder hat irgendwo im Nachbarzelt übernachtet. Auf jeden Fall sollte sich so etwas nicht wiederholen, und so übernachteten wir hier, und für den nächsten Tag wurde für uns eine Extrafähre organisiert, die uns vom Süd- zum Nordpier bringen würde, so dass wir nicht durch das Industriegebiet laufen mussten.

Ein paarmal mussten wir uns zum Sportplatz durchfragen, denn „IJmuiden ist groß“, wie uns eine Dame stolz erklärte. Doch nach einer Weile kamen wir an und wurden von dem Duft gebratener Hamburger und Zwiebeln empfangen. Der Sportverein IJmuiden hieß uns willkommen. Unser Gepäck war allerdings wieder noch nicht da. Wir werden noch richtig gut. Wir setzten uns in den Schatten und unterhielten uns mit anderen Wartenden. Einige beklagten sich, dass manche Leute fürchterlich schnarchten. Aber da diese sich in anderen Zelten befanden, konnte man wohl schlecht etwas dagegen machen. Wir kamen auf die Idee, ein „Snurkveldje“ (Schnarchfeld) einzurichten, für das man dann Leute nominieren konnte. Außerdem philosophierten wir über die verschieden Kombinationen von Zelten und Matratzen. Wie bringt man z. B. eine 50 cm hohe Luftmatratze für zwei Personen in ein winziges Quechua-Zelt? Alles schien hier möglich zu sein. Dann kamen die Lastwagen und wurden mit viel Brimborium ausgeladen.

gepaeck2 gepaeck3

Dann ging ich duschen und machte auch gleich einen Termin bei einem der drei mitreisenden Sportmasseure, denn nach der ganzen Latscherei konnte man sich durchaus mal etwas Gutes tun. Auf der Ankündigungstafel stand, dass es heute um 16 Uhr zwei Schweigeminuten für die Insassen der abgestürzten Maschine MH 17 geben würde. Zu diesem Zeitpunkt war ich gerade in Zelt, aber es war tatsächlich sehr still auf dem Platz. Die Kirchenglocken, die anschließend läuteten, hörte man hier allerdings nicht.

Um 17 Uhr war es Zeit für meinen Massagetermin. Da ich keinen der drei Herren kannte, hatte ich mich einfach bei Ernesto in die Liste eingetragen. Ein freundlicher älterer Herr empfing mich und fragte: „Was kann ich für dich tun?“ – „Ich hätte gern die Beine massiert, wie man das im Fernsehen immer sieht, so bei den Fußballspielern vor der Verlängerung.“ Ich durfte auf der Liege Platz nehmen und dann wurden mir die Beine und Füße gründlich und fachkundig durchgeknetet. Dabei unterhielten wir uns eine Weile, und Ernesto fragte vorsichtig, wo ich denn ursprünglich herkomme, denn für einen Muttersprachler wäre mein Niederländisch nicht schlampig genug. Das ist doch mal ein nettes Kompliment. Nach der Massage hüpfte ich zwar noch nicht wie eine Gazelle durch die Gegend, aber die Beinmuskulatur war deutlich gelockert.

Der Held der Fußkranken war dieses Jahr ein gewisser Jean-Pierre, der in einem Zelt mit belgischer Flagge übernachtete und dort zahlreiche kleinere Verletzungen behandelte. Ich habe ihn nicht persönlich kennengelernt, doch sein Name wurde regelmäßig mit einer gewissen Ehrfurcht ausgesprochen. So hörte Peter, dass eine Frau die Wanderung abbrechen wollte, doch sie wollte sich unbedingt noch von Jean-Pierre verabschieden.

Dann wurde es Zeit zum Abendessen, heute Endivieneintopf mit Rauchwurst und viel Soße. Die Jungen an der Essensausgabe häuften uns einen Berg Eintopf auf den Teller, und bohren mit dem gefüllten Schöpflöffel fachkundig ein Loch, das sie mit derselben fließenden Bewegung mit Soße füllten. Zu ihrer Empörung schlugen wir die Orange allerdings diesmal aus.

In der Schlange vor der Essensausgabe vernahmen wir, dass der Kaffee und die Mahlzeiten in Den Helder zubereitet und mit einem Lastwagen zum jeweiligen Etappenziel gebracht wurden. Sie waren also jeden Tag ein bisschen wärmer. An den ersten zwei Tagen hatten Peter und ich noch fröhlich spekuliert, was es diesmal wohl geben würde, doch die Veteranen verdarben uns bald den Ratespaß: Das Menü ist jedes Jahr dasselbe.

Wir setzten uns auf den wunderbar weichen Rasen, genossen unser Essen und lauschten der Musik aus den Lautsprechern: Heb je even voor mij, Zelfs je naam is mooi, Het is een nacht und vieles andere, niederländisches Kulturgut pur also. Dann gingen wir schlafen, denn morgen würde es sicher wieder anstrengend werden.

Kategorien: 2014 - Strand6Daagse | Schlagwörter: , , , , , , , , , , , , , | 2 Kommentare

Strand6Daagse (Teil 3)

Zweiter Tag: Wassenaar – Noordwijk (20 km)

 Wieder wurden wir morgens von der Geschäftigkeit um uns herum wach. Wir zogen uns an und fingen an, schon ein bisschen einzupacken, bis es um sieben Uhr Frühstück geben sollte. Ungefähr eine Viertelstunde vorher bildete sich bereits wieder eine Schlange, der wir uns anschlossen. Eines hatten wir bereits gelernt: Wenn sich eine Schlange bildet, reiht man sich am Besten gleich ein, dann verpasst man nichts.

Wir zeigten wieder unsere Karten vor, dann erhielten wir jeder eine gelbe Tüte, in die die erfahrenen freiwilligen Helfer ein Päckchen mit Frühstücksstullen, eines mit Broten für unterwegs, eine Packung Capri-Sonne und einen Informationszettel eintüteten. Obst und Kekse sowie Kaffee konnten wir uns selbst nehmen. Wir setzten uns auf eine Bank und studierten eifrig die Informationen: Erst mal sollte es zum Strand zurück und dann am Wasser entlang bis Pfahl 81.250 und dann zum Sportplatz gehen. Außerdem wurden die für den Kaffee zuständigen Damen, die Nachtwächter und die Gepäckjungens namentlich erwähnt.

Nach dem Frühstück bauten wir das Zelt ab, wobei ich mit dem linken großen Zeh an einen Hering stieß. Mist! In der Unterseite klaffte ein dreieckiger Schnitt, der recht heftig zu bluten begann. Gut, dass ich genug Pflaster, Verband und natürlich Leukoplast mithatte. So konnte ich den Zeh selbst versorgen und brauchte nicht ins Erste-Hilfe-Zelt.

Wir gaben das Gepäck ab und verließen den Campingplatz. Da der Freizeitparkbetrieb noch nicht begonnen hatte, konnten wir den direkten, erstaunlich kurzen Weg zum Ausgang nehmen. Dann gingen wir wieder die vier Kilometer zum Strand zurück. Dieser war erst menschenleer und der Sand war fest, so dass wir gut voran kamen.

stillerstrand strandwanderer2

Wie immer nach circa eineinhalb Stunden machte sich mein Magen bemerkbar, und wir setzten uns in den Sand und verputzen einen Teil unseres Lunchpaketes. Bis zum Abendessen würde das Zeugs aber nicht vorhalten! Bei der Gelegenheit wurde auch der Zeh neu verpflastert. Das Barfußlaufen im Sand war wohl heute keine gute Idee.

pause

Bei Katwijk mussten wir um die Wassersperre herum und dann wurde das Laufen auf dem Sand wieder mühsamer. Wenn mich mein Halbwissen hier nicht täuschte, hatte das mit den Gezeiten zu tun. Wenn sich das Wasser bei Ebbe grade zurückzieht, ist der Sand praktisch „gesättigt“ und richtig schön hart, doch wenn die Flut kommt, ist er trocken und weich, und das anspülende Wasser hilft auch nicht viel. Außerdem war es inzwischen ziemlich warm geworden und Sonne knallte erbarmungslos vom Himmel.

strandkatwijk strandwanderer3

Am frühen Nachmittag erreichten wir den ersten Strandzugang bei Noordwijk und beschlossen, dort den Strand zu verlassen und durch die Ortschaft zu gehen und etwas Essbares und Schatten zu suchen. Erst schien es nur vornehme Hotels und entsprechende Restaurants mit übersichtlichen Mahlzeiten und indirekt proportionalen Preisen zu geben, doch dann erreichten wir das Zentrum mit verschiedenen Snackbars. Wir verleibten uns eine große Portion Pommes ein und gingen dann im Schatten der Häuser zum Leuchtturm, von wo aus wir eine Wegbeschreibung zum Sportplatz hatten. Wir trafen bald auf andere Wanderer mit gelben Flaggen, und gemeinsam fanden wir den Sportplatz recht schnell.

Dort stellten wir fest, dass unser Gepäck noch nicht da war. Da wir morgens erst gefrühstückt und dann abgebaut hatten, waren unsere Taschen mit der zweiten Ladung transportiert worden. Ich hätte mir nicht träumen lassen, dass ich tatsächlich mal so flott unterwegs sein würde. Wir füllten unsere Wasserflaschen und setzten uns in den Schatten des Umkleidegebäudes.

Nach etwa einer halben Stunde kamen die Lkws, und das Gepäck wurde von kräftigen jungen Männern ausgeladen, und einzelne Utensilien wie lose Zeltstangen entsprechend kommentiert. Nachdem unsere Taschen aus dem Bauch eines Lkws zum Vorschein gekommen waren, suchten wir uns ein Plätzchen in ausreichender Entfernung zum Vereinsheim auf der einen und Den Dixi-Klos auf der anderen Seite. Als wir gerade mit dem Aufbauen beschäftigt waren, fragte uns ein Fotograf des dortigen Ortsbauernblattes, ob er von uns ein paar Fotos machen dürfte, es sähe so routiniert aus. Na ja, wir haben das ja auch lange genug geübt.

Danach ging es unter die Dusche, die diesmal herrlich warm war. Allerdings stellten wir im Laufe des Nachmittags fest, dass es für so viele Leute recht wenig Toiletten und Waschbecken gab, aber da muss man wohl durch. Irgendwann hieß es nur noch „Ich gehe jetzt nach Dixiland“, wenn man aufs Örtchen musste.

dixiland

Ich fühlte mich etwas steif, aber auch andere klagten über Muskelkater. Da es noch recht früh war, legten wir uns in unser Vorzelt und lasen. Dabei zog sich Peter, dessen untere Extremitäten aus dem Zelt ragten, einen Sonnenbrand an Füßen und Unterschenkeln zu. Später kratzte er sich auch noch an einem Hering. Irgendwie war das nicht so ganz unser Tag. Nach einer Weile gingen wir in die Kantine des Vereinsheims und gönnten uns ein Bierchen.

In der Zwischenzeit hatte sich der Platz gefüllt, und die Zelte standen dicht an dicht, wie auf dem T-shirt mit der Aufschrift „Where‘s my tent?“, das ich vor ein paar Jahren in England erstanden hatte und das ich hier als Abendgarderobe sehr passend fand.

wheresmytent

Dann war es Zeit zum Abendessen. Heute gab es eine Art Kassler mit Karotten, Erbsen und natürlich Kartoffeln, sowie die unvermeidliche Orange. Bei der Essensausgabe kündigte ein Schild an, dass das Frühstück wegen der sehr sommerlichen Temperaturen morgen schon ab sechs statt ab sieben Uhr ausgegeben werden sollte. Vielleicht sollten wir uns dann auch mal etwas früher auf die Socken machen, denn die Etappe nach IJmuiden war wieder 30 Kilometer lang.

Als wir uns später in unsere Schlafsäcke verkrochen, stellten wir fest, dass so ein Fußballfeld die ideale Zeltwiese ist. Man liegt völlig waagrecht, es gibt keinerlei Wurzeln oder Steine, die sich durch die Isomatte hindurch bemerkbar machen, und der Rasen ist wunderbar dick und saftig. Selten habe ich im Zelt so gut geschlafen.

Kategorien: 2014 - Strand6Daagse | Schlagwörter: , , , , , , , , , , | 4 Kommentare

Strand6Daagse (Teil 2)

Erster Tag: Hoek van Holland – Wassenaar (30 km)

 Um sechs Uhr wurden wir wieder wach: Zahlreiche Nachbarn wühlten sich aus den Schlafsäcken, Zeltstangen klapperten, Menschen unterhielten sich leise. So früh hatten wir zwar nicht aufstehen wollen, aber angesteckt von der allgemeinen Geschäftigkeit beschlossen auch wir, unsere Sache zusammen zu packen und uns auf den Weg zum Startpunkt zu machen.

Nach einem schnellen Frühstück gingen wir zur Rezeption, wo sich schon eine lange Schlange gebildet hatte. Wir erfuhren, dass man sich für zwei Euro pro Person mit einem Sammeltaxi zum „Jagershuis“ bringen lassen konnte. Wir reihten uns ein, denn laufen würden wir ja später noch genug. Die pro Fuhre ungefähr zehn Leute mitkonnten und mehrere Taxis unterwegs waren, ging die Abfertigung recht schnell.

Am Start standen schon vier Lkws, mit denen das Gepäck nach Wassenaar transportiert werden sollte. Wir folgten dem Beispiel der anderen und legten unsere drei wasserdicht verpackten Gepäckstücke, an denen wir weisungsgemäß rote Bänder befestigt hatten, zu den zahlreichen anderen. Dann hieß es wieder Schlange stehen, diesmal vor einem roten Bus. Wir legten unsere ausgefüllten Teilnahmekarten vor und erhielten eine gelbe Flagge, ein ebensolches kleidsames Armband und einen Zettel mit den Informationen zum heutigen Tag. Wir befestigten die Flaggen an unseren Rucksäcken und studierten bei Kaffee und Brötchen, was uns erwartete. Die Route war an sich recht einfach: man geht immer gemütlich am Strand entlang bis Pfahl 92. Dann verlässt man den Strand und geht zum Campingplatz Duinrell. So weit die Theorie.

start

Wir brachen auf, und die ersten Kilometer gingen auch sehr gut, denn der Sand war wunderbar fest. Vor uns sah man ein langes Band aus Wanderern mit flatternden Fähnchen an den Rucksäcken, das sich hinter uns fortsetzte. Einmal löste sich mein Fähnchen vom Rucksack, wurde aber von einer anderen Wanderin wieder eingefangen.

strandwanderer

Doch irgendwann wurde der Sand lockerer und das Gehen schwerer. Dies lag, laut unserer Tagesinfo an den Sandvorspülungen, die in dieser Gegend durchgeführt wurden, um die Küste zu stabilisieren. Bis sich der neue Sand richtig gesetzt hat, dauert es einige Jahre. Wir beschlossen, ein Stück barfuß zu gehen, da man dann besser an der Wasserlinie laufen kann. Das ging auch sehr gut, doch vor lauter Begeisterung übersah ich ein Loch und stand plötzlich ein Stück tiefer und ließ vor Schreck meine Schuhe fallen. Dies brachte mir also eine nasse Hose, nasse Schuhe und diverse Kommentare ein, denn wer den Schaden hat, braucht ja bekanntlich für den Spott nicht zu sorgen. Sonne und Wind trockneten jedoch alles relativ schnell wieder.

Vor Scheveningen verließen wir und viele andere den Strand und gingen ein Stück über den befestigten Dünenweg. Unter uns pflügten sich einige Strandpuristen immer noch durch den weichen Sand, aber man kann es auch übertreiben. Die Dünen gehören ja schließlich auch irgendwie zum Strand.

duenen duenenweg

Am späten Vormittag erreichten wir eine Reihe von Strandlokalen und versuchten, eine Toilette zu finden, die bereits geöffnet hatte. Dies war gar nicht so einfach, die Strandlokale befanden sich größtenteils noch im Tiefschlaf. Irgendwann schafften wir es jedoch, und dann mussten sowieso kurz weg von der Küste, um den Hafen zu umrunden.

scheveningen scheveningenhafen

Auf der Promenade machten wir Mittagspause, dann folgten wir noch ein Stück dem befestigten Weg zwischen den Strandlokalen. Dieser war jedoch irgendwann zu Ende, und wir mussten wieder durch den Sand. Unterwegs kamen wir immer wieder mit anderen Wanderern ins Gespräch: Einige waren die Strecke schon öfter gelaufen und kannten sich aus, andere gingen, wie wir, zum ersten Mal.

scheveningenpromenade

Laut unseren Instruktionen mussten wir bei Pfahl 92 den Strand verlassen. Pfähle gab es genug, aber sie standen immer so weit weg, dass man sich ein ganzes Stück durch lockeren Sand pflügen müsste, um die Zahlen lesen zu können. Einmal schaute Peter doch nach, wir waren bei Pfahl 96 und 2/3 (oder so ähnlich). Also noch etwa eine Stunde beziehungsweise knapp fünf anstrengende Kilometer Fußmarsch, und die Möwen schienen schon auf die ersten Leute zu warten, die zusammenbrechen würden.

wartendemoewen

Endlich erreichten wir besagten Pfahl und enterten erst einmal das dortige Strandlokal, wo wir uns mit Kaffee und Apfelkuchen für die letzten Kilometer stärkten. Und das war auch notwendig, denn diese zogen sich noch ganz schön lange hin. Zum Campingplatz Duinrell waren es noch ungefähr vier Kilometer, die wir in einer kleinen Gruppe gingen. Wir hofften, dass der Anführer sich auskannte und auch tatsächlich dasselbe Ziel hatte. Nicht, dass er erst noch seine Schwiegermutter besuchen will und dann mit fünfzehn erwartungsvollen Leuten vor einen Reihenhaus am Stadtrand steht.

Endlich erreichten wir den Eingang des Campingplatzes und Vergnügungsparks, doch die Marschiererei war damit noch nicht zu Ende. Damit wir den normalen Freizeitparkbetrieb möglichst wenig störten, wurden wir auf Schleichwegen um das Areal geleitet. Inzwischen war ich ziemlich erledigt, und die Organisatoren „were toying with my will to live“, wie Bill Bryson das einmal so schön formuliert hatte. Doch irgendwann war es tatsächlich geschafft, und wir standen vor einem riesigen Gepäckberg. Wie sollten wir hier nur unsere Taschen finden? Doch bald entdeckten wir, dass es drei Unterhaufen gab, einen mit weißen, einen mit blauen und einen mit roten Bändern. So wurden wir doch noch relativ schnell fündig.

gepaeck

Wir bauten unser Zelt auf und machten uns auf die Suche nach einer Dusche. Im Sanitärgebäude, das am nächsten an unserer Zeltwiese lag, gab es zwar nur kaltes Wasser, aber egal. Auf keinen Fall wollte ich heute noch einen Schritt mehr gehen als unbedingt notwendig.

Nach der recht erfrischenden Dusche rollte ich mich in meinen Schlafsack und machte ein Schläfchen, bis sich wieder eine Schlange formierte. Das Abendessen wurde serviert, und zwar gar nicht weit weg von unserem Zelt. Das war gut, denn inzwischen nieselte es leicht. Wir stellten uns an, zeigten unsere Karten vor und erhielten je einen Plastikteller mit einer Frikadelle, grünen Bohnen und Kartoffeln. Als Nachtisch gab es eine Orange. Dies war wohl das erste Mal, dass wir im Zelt eine warme Mahlzeit einnahmen, während der Regen sanft auf das Zeltdach trommelte.

anstehen abendessen

Gegen halb neun gab es noch Kaffee, und wir konnten die Karten für die Fahrt am Donnerstag über den Nordseekanal bei IJmuiden abholen.Was es damit genau auf sich hat, würden wir später erfahren. Wo vor ein paar Stunden noch der Gepäckhaufen gewesen war, standen nun Zelte. Ein paar Gepäckstücke waren allerdings noch übrig und gaben Rätsel auf, doch blad darauf kamen die Besitzer. Wo sie so lange gewesen waren, erfuhren wir jedoch nicht. Da es inzwischen nicht mehr regnete, setzten wir uns zu zwei Herren auf eine Bank und unterhielten uns. Zwei Leute waren heute bereits ausgefallen, einer war in Hoek van Holland auf der Treppe zum Strand umgeknickt und hatte einen Meniskusriss davongetragen. Nicht schön, sowas.

Nach einer Weile gingen wir schlafen. Morgen sollte es weiter nach Noordwijk gehen.

Kategorien: 2014 - Strand6Daagse | Schlagwörter: , , , , , , , , , , , , | 2 Kommentare

Erstelle eine kostenlose Website oder einen kostenlosen Blog – auf WordPress.com!. The Adventure Journal Theme.

Folgen

Erhalte jeden neuen Beitrag in deinen Posteingang.

Schließe dich 29 Followern an