Nachdem letztes Jahr unser Zelt abgesoffen ist, mussten wir uns schweren Herzens von ihm trennen.Die Stangen und Heringe hoben wir jedoch auf, da sie sich als unkaputtbar erwiesen hatten, und man weiß ja nie, wozu man sie noch brauchen kann. Nach einigen Internetrecherchen stellte Peter fest, dass es genau dieses Modell noch gab, wenn auch in einer anderen Farbe, also nichts wie bestellen!
Beim Auspacken entdeckten wir, dass einige Dinge verändert worden waren (ob zum Positiven wird sich zeigen): Es gibt ein Fenster im Außenzelt, und das Innenzelt hat eine Tür mit Fliegengitter, so dass es besser durchlüftet. Wir überprüften die Stangen und stellten fest, dass die neuen einen Zentimeter länger sind. Ob das viel ausmacht? Wir beschlossen, dies am Himmelfahrtstag zu überprüfen und zu diesem Zweck eine nicht allzu lange Radtour ins Nachbarland zu machen. Ich reservierte einen Platz auf dem Campingplatz “Heideruh” in Uelsen, doch die Reservierung verschwand wohl irgendwo in den unendlichen Weiten des Weltweiten Webs – auf jeden Fall bekam ich keine Bestätigung. Also rief ich nochmal dort an, und eine nette Dame versicherte mir, dass auf jeden Fall genug Platz vorhanden sei und dass ihre Schwiegermutter uns in Empfang nehmen würde.
Dann ging es ans Packen. Wir kramten die Fahrradtaschen hervor, die wir im letzten Jahr kaum genutzt hatten, und ich bemerkte, dass ich zwei Sticker mit den Buchstaben “T” und “K” auf die Hintertaschen geklebt hatte. Wann und vor allem warum hatte ich das getan? Wahrscheinlich nach der letzten Frühjahrsradtour, um endlich mal ein System in den Verhau zu bringen. Es gab nur ein Problem: Was sollten mir diese Buchstaben sagen? Tortenschaufel und Kuchengabel? Toastbrot und Käse? Topf und Klavier? Irgendwie ergab das wenig Sinn. Außerdem war es auch möglich, dass der Gatte und ich uns bei dieser Klebeaktion auf Niederländisch unterhalten hatten, was noch viel mehr Möglichkeiten ergab!
Nach einigem Nachdenken kam ich darauf: Tentspullen (Zeltzubehör) und Kookspullen (Kochutensilien). Nun fiel es mir wieder ein, dass ich mir nie merken konnte, in welcher Tasche was war, und immer erst in der falschen suchte, was irgendwann (nach gut zehn Jahren) anfing zu nerven. Jetzt musste ich nur noch entsprechend packen.
Am Himmelfahrtstag fuhren wir sofort Richtung Deutschland, um den biertrinkenden Rudeln auf den niederländischen Radwegen zu entgehen. Da aber die deutsche Radroutenführung nicht immer die effizienteste ist, gerieten wir erst zu weit nach Osten und mussten uns dann gegen den Wind den Weg nach Uelsen suchen. Auf einem Rastplatz bei Nordhorn machten wir Mittagpause, und dann ging es weiter.
Am Nachmittag erreichten wir das Feriengebiet des Luftkurortes Uelsen. Wie auch in der Wingst (ebenfalls Niedersachsen) wimmelt es dort von Schildern, auf denen jeder noch so kleine Kiosk und Andenkenladen mit Vor- und Nachnamen genannt wird, nur die Campingplätze sind erst dann ausgeschildert, wenn man praktisch schon davor steht. Eine Umgebungskarte half uns weiter. Trotzdem fuhr Peter erst mal schwungvoll den falschen Platz an, nämlich den Gemeindecamping, der zur Jugendherberge gehört. Und dort hatte ich bewusst nicht reserviert.
Bald fanden wir jedoch den richtige Platz und klingelten an der Rezeption, wo wir nach einigen Warten tatsächlich von der Schwiegermutter empfangen wurden. Nach einem kurzen Exkurs über die Anfänge des Campingplatzes (vor gut 30 Jahren wurden sie quasi von 15 Wohnwägen überrollt) und der Frage, ob wir die Familie Wolthuis kennen würden (leider nicht, aber wenn ihr mitlest und euch angesprochen fühlt, meldet euch doch mal dort
), bekamen wir einen Schlüssel zum Sanitärgebäude und durften uns ein Plätzchen suchen. Auf dem Platz sind vor allem Dauercamper, und die Toiletten und Duschen sind dementsprechend “basic” und im 70er-Jahre-Charme gehalten.
Dann ging es ans Aufbauen: Wir probierten erst die neuen Stangen und Heringe aus, doch der erste Hering war sofort verbogen, und das bei dem weichen Boden! Die Stangen waren okay, aber sehr schwer in Form zu biegen. Also probierten wir das Ganze noch einmal mit dem alten Set, und siehe da, alles passte wunderbar! Zwar ist es nicht so schön grün wie das alte Zelt, sondern eher ein dezentes Müllsackgrau, aber man kann nicht alles haben.
Außerdem hat es ein schönes Seitenfenter:
Da bei diesem Zelt keine Bodenplane mitgeliefert wird, hatten wir eine ziemlich große gekauft, die wir nun zurecht schnitten.
Nach getaner Arbeit gingen wir zu Fuß zu einem nahegelegenen Landgasthof. Dann konnte ich meine neuen Schuhe auch gleich einlaufen. Damit hatte ich die Verkäuferin im Sportgeschäft eine ganze Weile beschäftigt. Erst wurde ein Scan meiner Füße gemacht, der neben der Tatsache, dass ich wohl Donald-Duck-Latschen habe, auch eine Größe ausspuckte, die allerdings, wie sich bei der Anprobe herausstellte, nicht stimmte. Nach diversen Paaren fand ich endlich eins, das gut passte (warum gibt es die, die ich 2005 gekauft habe, nicht mehr?), doch es gab einen geringfügigen Farbunterschied, so dass ich 10% Rabatt bekam. Man muss schon sehr genau hinschauen, damit einem das auffällt, und nach zwei Tagen durch Staub und Schlamm radeln sieht sowieso niemand mehr etwas.
Nach dem Abendessen lasen wir noch etwas und verkrochen uns dann in die Schlafsäcke. Wir schliefen gut, und am nächsten Morgen ging es wieder ans Abbauen. Diesmal wählten wir den direkten Weg durch die Niederlande nach Hause, und ds war auch gut so, denn es wehte ein kräftiges Lüftchen – natürlich wieder von vorne. Am Almelo-Nordhorn-Kanal machten wir eine kurze Pause und hielten ein Schwätzchen mit einem Wanderer. Zehn Kilometer bevor wir zu Hause waren, enterten wir noch einen Supermarkt und stärkten uns.
Die erste Nacht hat das Zelt gut überstanden, die Bodenplane passt. Wir hofffen, dass es auch Schietwetter so gut packt wie sein Vorgänger. Der England-Urlaub kann kommen.











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