Frühjahrsputz – Voorjaarsschoomaak

Frühjahrsputz – das heißt nicht, dass ich mit Putzeimer und Lappen bewaffnet durchs Haus wetze, obwohl das auch mal wieder dringend nötig wäre. Nein, im Moment geht es einfach arbeitsmäßig wieder ziemlich rund – viel mehr als mir lieb ist. Darunter leiden momentan nicht nur meine Hobbys (der letzte Eintrag hier ist ja auch schon wieder eine Ewigkeit her), sondern auch mein Elan und meine gute Laune. Zeit zum Ausmisten also.

Deshalb bin ich gerade dabei, einige Projekte, Aufgaben und Abläufe unter die Lupe zu nehmen. Ein paar Dinge werde ich in Zukunft nicht mehr machen, da sie einfach mehr Zeit und Aufwand kosten, als was sie einbringen. Bei anderen Dingen muss eine andere Arbeitsverteilung her – es kann nicht sein, dass der ganze unliebsame Kleinkram immer öfter bei mir landet, “weil die anderen es nicht einplanen können”. Letzte Woche habe ich kategorisch erklärt, dass ich es auch nicht kann.

Ich hoffe, dass das Aussieben in absehbarer Zeit Früchte abwirft und ich endlich mal wieder die Zeit und Inspiration für einige Blogposts finde. Es ist ja nicht so, dass es nichts zu berichten gäbe! Am Mittwoch z.B. wird unser Adoptionsseehund Lewis freigelassen. Diesen Tag haben wir uns freigeschaufelt und fahren mit nach Schiermonnikoog, der einigen niederländischen Watteninsel, auf der wir noch nicht waren. Und davon werde ich selbstverständlich Bericht erstatten.

———

Voorjaarsschoonmaak – dat betekent niet, dat ik met emmer en dweil door het huis stuif, hoewel dat eigenlijk ook weer dringend nodig is. Nee, op het moment is er op het werk gewoon heel veel te doen – veel meer dan goed is voor mij. Daaronder lijden niet alleen mijn hobby’s (mijn laatste post hier ligt ook al weer in een ver verleden), maar ook mij enthousiasme en mijn humeur. Tijd voor de schoonmaak dus.

Daarom ben ik nu bezig, een aantal projecten, werkzaamheden en procedures onder de loep te nemen. Een paar dingen ga ik in de toekomst iet meer doen, omdat ze mij meer tijd en energie kosten dan wat ze opleveren. Bij andere dingen moet er een nieuwe taakverdeling komen – het kan  niet, dat al die ongeliefde kleine dingetjes steeds vaker op mijn bord belanden, “omdat de anderen het niet in kunnen plannen.” Vorige week heb ik gewoon verteld, dat ik dat nu ook iet meer kan.

Ik hoop dat het sorteren binnenkort vruchten afwerpt en ik eindelijk weer de tijd en inspiratie voor een aantal blogstukjes vind. Het is niet zo, dat er niets te vertellen valt! Op woensdag wordt bijvoorbeeld onze adoptiezeehond Lewis vrijgelaten. Deze dag konden we vrijroosteren, en we gaan mee naar Schiermonnikoog, het enige Nederlandse waddeneiland, waar we nog niet eerder geweest zijn. En natuurlijk zal ik hiervan berichten.

Kategorien: Was nirgends reinpasst / Wat verder nergens past | Schlagwörter: , , , , , , , , , , , , , | Hinterlasse einen Kommentar

Zu Besuch bei / Op bezoek bij … Lewis

Wie ihr ja wisst, haben wir im Januar wieder einen Seehund, Lewis, adoptiert. Da uns sein Wohlergehen natürlich am Herzen liegt, haben wir ihn gestern besucht. Ein paar Tage vorher hatte ich uns bei der Seehundstation angemeldet, und erhielt folgende nette Mail zurück: “Danke für eure Mail. Ihr seid am Samstag herzlich willkommen, ich habe im Besucherzentrum Bescheid gesagt, dass ihr kommt! Lewis geht es gut, aber er braucht Zeit, um sich von seiner Lungenwurminfektion zu erholen. Lewis schwimmt in den “Niewe Badjes” (Neue Becken) und wiegt jetzt 18,4 kg.”

Zaals jullie weten hebben wij in januari weer een zeehond, Lewis, geadopteerd. Omdat zijn welbevinden voor ons belangrijk is, zijn wij gisteren bij hem op bezoek geweest. Een paar dagen van tevoren had ik de zeehondencreche ervan op de hoogte gesteld en kreeg de volgende mail terug: “Dank voor jullie e-mail. Jullie zijn zaterdag van harte welkom, ik heb doorgegeven aan het bezoekerscentrum dat jullie komen! Met Lewis gaat het goed maar hij heeft wel tijd nodig om te herstellen van zijn longworminfectie. Lewis zwemt in de Nieuwe Badjes en weegt nu 18.4 kg.”

Wir wurden freundlich empfangen und durften gleich nach draußen zu den Becken. Hier sind also die Seehunde in den Nieuwe Badjes:

Wij werden vriendelijk ontvangen en mochten meteen naar de buitenbassins. En hier zijn dus de zeehonden in de Nieuwe Badjes:

Nieuwe Badjes

Nieuwe Badjes2 Nieuwe Badjes 3

Lewis befindet sich also nicht mehr im Bereich “Intensive Care”, den alle neuen Seehunde durchlaufen, sondern in der zweiten Phase “Verzorging” (Pflege). Aber wie sollten wir ihn erkennen? Die Seehunde sehen sich ja alle recht ähnlich, und auf seinen Namen reagierte er nicht. Ein Mitarbeiter half uns, ihn zu identifizieren, und wir durften sogar über die Absperrung. Der zweite neben dem Zaun ist also unser Lewis. Besonders aktiv ist er nicht gerade, aber das muss er ja auch nicht sein.

Lewis bevindt zich dus niet meer in de fase “Intensive Care”, die alle nieuwe zeehonden doorlopen, maar in de tweede fase “verzorging”. Maar hoe konden wij nu weten, welke zeehond Lewis is? Ze lijken toch allemaal op elkaar, en op zijn naam reageerde hij niet. Een medewerker hielp ons, hem te identificeren, en wij mochten zelfs over de afzetting stappen. De tweede naast het hek is dus onze Lewis. Bepaald actief is hij niet, maar dat hoeft ook niet.

Lewis 3 Lewis 4

Da wir schon mal da waren, machten wir uns auch auf die Suche nach Anjas Kegelrobbe Nikolaus. Wir fanden ihn im Reigerbad (Reiherbad), das zur dritten Phase “Herstel” (Erholung) gehört. Hier befinden sich die Seehunde, die bald freigelassen werden. Auch hier wissen wir nicht, welcher Nikolaus ist, aber alle fünf machen einen wohlgenährten und munteren Eindruck. Irgendwie ist hier doch mehr Action als bei Lewis. ;)

Omdat wij er toch al  waren, gingen wij nog op zoek naar Anjas grijze zeehond Nikolaus. Wij vonden hem in het Reigerbad, dat bij de derde fase “Herstel” hoort. Hier zijn de zeehonden die binnenkort weer vrijgelaten worden. Natuurlijk weten we ook hier niet, welke zeehond Nikolaus is, maar alle vijf zien er goed gevoed en vrolijk uit. Hier is ook wat meer actie dan bij Lewis. ;)

Reigerbad Reigerbad 4

Reigerbad 3 Reigerbad 2

Ich hoffe, dass die Seehunde bald wieder in ihrem natürlichen Element schwimmen können.

Ik hoop dat de zeehonden gauw weer in hun natuurlijke omgeving kunnen zwemmen.

Kategorien: "Gewoon" dagelijks leven, Ganz "normaler" Alltag | Schlagwörter: , , , , , , , , , , , , | 4 Kommentare

Ostengland 2013 – Teil 8

Zurück an die Küste

Die Morgensonne weckte uns früh, aber weil wir heute ohne Gepäck die Gegend erkunden wollten, konnten wir uns Zeit lassen. Während wir in aller Ruhe frühstückten, begann sich am anderen Ende der Wiese etwas zu regen. Eine graugewandete Gestalt schlurfte an uns vorbei, krächzte „Good morning“ und hängte sich an den Wasserhahn. Dann kroch das Mädchen, das noch immer sein Löwenkostüm trug, aus dem Zelt und rollte sich im Schatten der Hecke zusammen. Wenn man in so einer Haltung auf dem Boden liegt, fühlt man sich wahrlich nicht wohl, wie wir aus Erfahrung wissen. Aber da müssen sie durch – ging uns ja in jungen Jahren auch nicht anders.

springvalley

Nach dem Frühstück fuhren wir über die sanften Hügel zur Küste. Wir befanden uns im „White Rose County“, wie man unschwer an der weißen Rose erkennen kann, die hier die Ortsschilder ziert. Sie war das Wappen des „House of York“, das im 15. Jahrhundert erbittert mit dem „House of Lancaster“ um die Thronfolge kämpfte. Auf den Ortsschildern in Lancashire sieht man eine rote Rose, aber diesmal kamen wir nicht so weit nach Westen.

whiterose

Unterwegs kamen wir an einem Haus vorbei, in dessen Vorgarten das englische Georgskreuz und die bayrischen Rauten fröhlich Seite an Seite im Wind flatterten. Hier wohnt bestimmt eine „gemischte” Familie, die ihren Lokalpatriotismus nicht versteckt. Nicht weit weg kündigte passenderweise ein Pub ein „Beer Festival” für August an.

Bald erreichten wir das malerische Küstenstädtchen Withernsea mit seinem weißen Leuchtturm und der breiten, von viktorianischen Häusern gesäumten Strandpromenade. Dort ließen wir uns auf einer Bank nieder und beobachteten Möwen und Spaziergänger.

withernsea

withernsea2

An der Kaimauer befindet sich eine Tafel, die darauf hinweist, dass etwa eine Meile vor der Küste die Kirche St. Mary the Virgin stand, die im 15. Jahrhundert im Meer versank. Ob man auch hier, wie in Dunwich,  in stürmischen Nächten die Glocken hören kann?

withernsea3

Dann folgten wir einen Küstenweg durch Rapsfelder Richtung Süden. Immer wieder sahen wir auch Windräder, „windfarms“ werden diese Anlagen hier genannt. Bei Easington wurde es dann wieder etwas industrieller.

industrie

Wir folgten einem Pfad zu einer Küstenstelle, von der aus man einen guten Blick auf Spurn Head hat. Auch hier konnte man gut sehen, wie die Küste dramatisch wegbricht. Wieviel das wohl pro Jahr sein mochte? Irgendwen müssten wir hier noch fragen.

cliffcollapse

cliffcollapse2 cliffcollapse3

cliffcollapse5

cliffcollapse4

Nach einer Weile schwangen wir uns wieder auf die Leezen und fuhren landeinwärts durch ein Gebiet, das Holderness genannte wird, Richtung Patrington, wo wir unversehens auf den Nullmeridian stießen. Erst war ich etwas verblüfft, denn das Ding ist ja bekanntlich in Greenwich, wo wir vor vielen Jahren auch schon gewesen waren. Aber es ist natürlich logisch, dass er weiter nach Norden (und auch nach Süden) läuft, denn es ist ja schließlich ein Längengrad. Etwa fünf Kilometer nördlich von Withernsea bei Tunstall erreicht er die Nordsee.

meridian

Wir fuhren weiter Richtung Hedon. Das Getreide auf den Feldern reifte friedlich vor sich hin, und am Straßenrand blühte der Klatschmohn – wunderschön!

hafer

mohn

Überhaupt könnte man sich zu Hause ein Beispiel an den Hecken und Grünstreifen an den Straßenrändern nehmen. Die Hecken, die die Felder säumen, sorgen nicht nur dafür, dass der Boden nicht weggeweht wird, sondern bieten auch Insekten, Vögeln und anderen Kleintieren ein Zuhause.

In dem malerischen Städtchen Hedon gingen wir einkaufen.

hedon hedon2 hedon3

Dann fuhren wir zurück auf den Campingplatz. Die Zeltwiese war wieder leer, die Truppe in ihren merkwürdigen Overalls war verschwunden. Dafür gackerten die Hühner gemütlich vor sich hin. Als ich an ihnen vorbei zum Toilettengebäude ging, pickte der Hahn nach meinem Knöchel. Da blieb mir erst mal die Spucke weg – das Viech hat mich angefallen!

huehner

Nachdem ich mich von dem Schreck erholt hatte, legten wir uns vor das Zelt und lasen gemütlich die Daily Mail. Der Aufreger des Tages war das Wasserversorgunsunternehmen „Thames Water“ und die Tatsache, dass Direktor Robert Collington den „Order of the Britisch Empire“ erhalten hatte. Man ärgerte sich darüber, dass „Thames Water“ das Leitungsnetz in London nicht sanierte, dafür aber gnadenlos die Wasserpreise erhöhte und dann noch nicht mal Steuern zahlen musste. Seltsam nur – und schade – dass in Großbritannien so wenig Bürger die Petition „Wasser ist ein Menschenrecht“ unterzeichnet haben, die der weiteren Privatisierung von Wasser und den damit verbundenen Ärgerlichkeiten entgegengehen soll.

Später gingen wir ins Pub „Nag’s Head“, wo wir uns ein ausgezeichnetes Abendessen und ein Bierchen schmecken ließen. Danach verkrochen wir uns ins Zelt und schliefen den Schlaf der Gerechten. Was für eine Ruhe herrschte doch heute auf dem Platz!

leererplatz

Am nächsten morgen war es sonnig, aber ziemlich kalt. Der Wind hatte sich wieder mal gedreht und wehte nun aus Nordosten. Doch als wir abgebaut hatten, war es warm genug, dass wir uns dick mit Sonnencreme einschmierten. Dann ging es los. Man merkte, dass wir jetzt in Yorkshire waren, hier ist es nirgendwo mehr richtig flach.

yorkshireweg

yorkshireweg2

Bei Mappleton erreichten wir wieder die Küste und gönnten uns eine kurze Verschnaufpause. Dann ging es nordwärts durch Hornsea nach Bridlington. Kurz vorher mussten wir wieder ein Stück auf einer vielbefahrenen A-Road zurücklegen. Zum Glück sind die Autos hier nicht mehr solche Dreckschleudern wie vor zwanzig Jahren, als ein paar Kilometer A-Road einen mittleren Erstickungsanfall provozierten. Trotzdem waren wir froh, als wir die Hautstraße wieder verlassen und nach Bridlington hineinfahren konnten. Die zahlreiche Ampeln kosteten uns eine Menge Zeit, bis wir endlich auf der Promenade waren, wo es wieder Zeit für eine Pause war.

bridlington

bridlington2

Dort lasen wir auf einem Schild, dass hier der „Way of the Roses“ beginnt – oder endet, je nachdem. Diese 170 Meilen (knapp 275 km) lange Radstrecke führt von Bridlington im White Rose County an die Westküste, genauer gesagt nach Morecambe im Red Rose County – womit wir wieder bei den Rosen wären. Wir studierten die Informationen auf dem Schild und stellten fest, dass der Weg hier im Osten noch relativ gut zu fahren ist, doch je weiter man nach Westen kommt, umso härter wird er, da man die Pennines überqueren muss, einen Gebirgszug in nord-südlicher Richtung, der auch „the backbone of England“ genannt wird. Vor acht Jahren waren wir in glühender Hitze dort unterwegs gewesen und hatten uns immer wieder verfahren, da die Schilder irgendwie gar nicht zu unserer Karte passen wollten. Am Ende jeder Etappe hatten wir das dumpfe Gefühl, dass es sicher auch einen kürzeren und weniger anstrengenden Weg gegeben hätte. Diesmal bleiben uns derartige Abenteuer hoffentlich erspart.

Nach einer Weile brachen wir wieder auf. Wegen des Windes schenkten wir uns den Abstecher zum Flamborough Head, aber für den Campingplatz in Bempton war es definitiv noch zu früh, also  fuhren wir über idyllische Wege und sanfte Hügel mit schönen Abfahrten weiter Richtung Norden.

yorkshireweg3

yorkshireweg4

yorkshireweg5

In dem Dörfchen Hunmanby stockten wir ein einem kleinen Supermarkt unsere Vorräte auf: vernünftiges Müsli, Cider, Salate und dergleichen und fuhren weiter Richtung Filey. Doch als wir den Eingang des Campingplatzes „Orchard Farm“ passierten, hatten wir plötzlich keine Lust mehr und beschlossen, hier zu bleiben, da die Zeltwiese bei der Rezeption recht gemütlich aussah. Die Übernachtung war hier auch erstaunlich günstig. Wir durften uns wieder einen Platz aussuchen – es war auch fast alles frei – und sollten die Toiletten und Duschen neben der Rezeption benutzen.

Erst, als wir das Zelt aufgebaut hatten und den Platz erkundeten, stellten wir fest, dass es sich um einen riesigen Holiday Park mit Schwimmbad, Spielplatz und einer Miniatureisenbahn handelte. Aber alles, auch die großen Toilettengebäude, waren noch geschlossen, und die Eisenbahn stand wohl noch im Depot. Außer uns waren nur ein paar Dauercamper und ein Herr nebst Tochter im Wohnmobil da. Es war eindeutig noch Vorsaison.

Nach dem Abendessen setzten wir uns in die Sonne und vertieften uns in unsere Lektüre. Als die Sonne unterging und es kühler wurde, verkrochen wir uns in die Schlafsäcke.

 

Kategorien: 2013 - Ostengland | Schlagwörter: , , , , , , , , , , , , , , | 2 Kommentare

Öfter mal was Neues – Weer eens iets nieuws

Jetzt hatte ich schon ziemlich lange das Theme “Ocean Mist” verwendet. Aber irgendwann fing diese recht kleine, graue Schrift an, mir auf die Nerven zu gehen – ich werde schließlich auch nicht jünger. ;) Also stöberte ich mal wieder in den WordPress-Themes, und meine Wahl fiel auf “Adventure Journal”.  Das finde ich ganz passend, denn eine Grenzwanderung ist schließlich immer ein Abenteuer.

Nu heb ik al vrij lang het theme “Ocean Mist” gebruikt. Maar op een gegeven moment begon het vrij kleine grijze lettertype, op mijn zenuwen te werken – ik word immers ook een dagje ouder. ;)  Dus bekeek ik weer eens de verschillende WordPress-themes en koos tenslotte voor “Adventure Journal”.  Dit vind ik wel toepasselijk, want een grenswandeling is immers altijd een avontuur.

Kategorien: Was nirgends reinpasst / Wat verder nergens past | Schlagwörter: , , , , , | Hinterlasse einen Kommentar

The Voice

Eigentlich bin ich kein Fan von Castingshows. Schon gar nicht, wenn ihre Hauptfunktion zu sein scheint, Gestalten wie Dieter Bohlen in Deutschland und Gordon in den Niederlanden eine Plattform zu bieten, sich zu profilieren. Und das ist bei diesen Herren synonym für “sich unmöglich aufzuführen”. Deshalb habe ich Formate wie “Deutschland sucht den Superstar” oder “Holland’s Got Talent” bisher tunlichst gemieden.

Aber letztes Jahr sind der Hausherr und ich doch schwach geworden und haben angefangen, “The Voice of Holland” zu gucken. Jeder weiß, worum’s geht, jeder kann mitreden, und das wollten wir auch einmal. Außerdem nahm die Sängerin Ilse DeLange, die Peter so toll findet, in der Jury Platz. Und so zogen wir uns zahlreiche Freitagabende niederländisches Bildungsfernsehen purst rein.

Das Format ist ja sicher bekannt – zuerst kommen die Blind Auditions, bei denen die Juroren oder Coaches mit dem Rücken zum Kandidaten sitzten, damit sie nicht durch Äußerlichkeiten von den stimmlichen Qualitäten abgelenkt werden. Und wenn sie den Eindruck haben, dass sie mit diesem Kandidaten weiterkommen können, drehen sie sich um. Manchmahl ist es nur einer, manchmal mehrere, und dann versucht jeder, den Kandidaten davon zu überzeugen, dass er bei ihm/ihr am Besten aufgehoben ist und am Meisten lernen kann.

Einer der Höhepunkte in der Show war für mich die Überzeugungsrede von Ali B. Er erzählte eine Geschichte, wie sein Bruder, der ihn nach Groningen chauffierte, plötzlich mitten in der Pampa eine Vollbremsung hinlegte, da dort ein Kamel zwischen Kühen im Regen stand. “Ich möchte jetzt nicht sagen, dass du ein Kamel bist. Ich meine, dass du etwas Besonderes bist, jemand, der er wert ist, dass man eine Vollbremsung macht. Außerdem hast du auch eine Mission: Du willst ein Kamel im Regen sein – zwischen den Kühen.” Das ist doch mal wahre Poesie! Und immer, wenn ich von jemandem höre oder lese, der eine Mission hat, vervollständige ich in Gedanken: Er will ein Kamel im Regen sein – zwischen den Kühen. Und ich finde, es gibt Schlechteres, was man mit seinem Leben anstellen kann.

Im zweiten Stadium, den Battles, müssen zwei Kandidaten desselben Teams gegeneinander antreten, und der Coach entscheidet, wer weiter kommt. Dabei wich unsere Meinung aber sehr oft von der der Coaches ab, und als Marco Borsato meine Favoritin Maghen ausscheiden ließ, sprach ich ihm noch wochenlang jedes Urteilsvermögen ab.

Nun hatte ich mich darauf gefreut, mit einem Kollegen, der die Show im Jahr davor eifrigst verfolgt hatte, fachsimpeln zu können. Doch der schaute dieses Jahr nicht, da ihm der Wechsel in der Jury nicht passte. “Ausgerechnet Ali B.! Ein Rapper! Wie soll er den Leuten das Singen beibringen können!” Ich hätte mir nicht träumen lassen, dass ich einmal Ali B. verteidigen würde, aber als Coach hat er seine Sache gar nicht schlecht gemacht. Um das Singenlernen geht es ja schließlich hier nicht, das können die Kandidaten bereits. Es geht darum, zu überzeugen, das Publikum zu berühren, sich von anderen zu unterscheiden und dabei authentisch zu sein. Und wenn man die Entwicklung der Kandidatinnen Jennifer Lynn und Jill Helena verfolgte, war er durchaus erfolgreich.

Und natürlich schieden sich auch während der Liveshows, dem dritten Stadium, bei dem auch das Publikum entscheidet, irgendwann die Geister – Peter war für die Friesin Gery Dantuma (reiner Lokalpatriotismus) und ich für Märel Bijveld. Dabei kam für die Coaches immer wieder ein Überraschungsmoment. Im Fall von Jennifer und Gery hatten sie in ihrer Beurteilung schon durchblicken lassen, dass diese beiden jetzt nicht mehr weiterkommen sollten, aber das Publikum hatte einen Narren an ihnen gefressen und winkte sie durch.

Aber mit der Siegerin Julia van Toorn konnte sicher jeder leben, und das Zuschauen hat Spaß gemacht.

Also begannen wir im neuen Jahr auch “The Voice Kids” zu schauen. Das Format ist ähnlich, nur kürzer. Und bei den Battles treten drei Kandidaten gegeneinander an, von denen einer weiterkommt. Hier fiel uns auf, dass – anders als bei den Erwachsenen – die Kinder stärker miteinander als gegeneinander singen. Und dabei kam folgende wunderbare Interpretation von “Angel” von Sarah McLachlan heraus. Darf ich vorstellen -Ieke, Merel und Ayoub:

Coach Marco bedauerte zu Recht, dass er nur einen mit ins Finale nehmen konnte, und zahlreiche Kommentatoren auf der offiziellen Website finden, dass man diese Version als Single herausbringen sollte. Und immer, wenn ich jetzt das Original von Sarah McLachlan höre, warte ich auf den dreistimmigen Schlussakkord, obwohl ich ja weiß, dass sie den alleine nicht hinkriegen kann.

Kategorien: Ganz "normaler" Alltag, Typisch Nederlands - typisch deutsch (?) | Schlagwörter: , , , , , , , , , , , , , , , , , , | Hinterlasse einen Kommentar

Lewis

Nee, hier gaat het niet over de Engelse detective, of in ieder geval alleen indirect. Twee jaar geleden hadden we al een zeehond, Mara, geadopteerd. Nu vonden we, dat het weer eens tijd werd voor een nieuwe zeehond. Na een leuke mailwisseling met de zeehondencreche Pieterburen mochten wij een naam kiezen. Het werd Lewis, omdat de hoofdpersoon van de boven genoemde detective Robert (Robbie) Lewis heet. Dit vonden we wel passend.

En hier is hij dus:

Lewis

Hij werd op 14 januari op Vlieland gevonden es is ongeveer 6 maanden. Hij heeft last van longwormen en kan dus niet meer naar voedsel duiken. Daardoor weegt hij alleen nog ongeveer 18 kg. Dit is niet veel, als je weet dat een zeehond na 5 weken, als hij niet meer door zijn moeder wordt verzorgd, al minimaal 30 kg moet wegen en dat het gewicht van een volwassen zeehondmannetje ca. 140 kg is.

In de afgelopen decennia kwamen heel veel zware metalen en andere giftige stoffen in de waddenzee terecht – door het dumpen van afval in de noordzee en de rivieren. We herinneren ons wat veel fabrieken vroeger gewoon in de Rijn hebben laten lopen! Het water is gelukkig inmiddels wer veel schoner, maar het zal nog vrij lang duren voordat zich ook de grond van de waddenzee weer helemaal hersteld heeft. De giftige stoffen worden door plankton en andere minuscule organismen opgenomen, die door vissen gegeten worden, die op hun beurt weer door de zeehonden verorberd worden. Op die manier hopen ze op zich in de speklaag van de zeehonden. En als een vrouwtje zijn jong zoogt, wordt deze speklaag afgebroken en de giftige stoffen komen in de moedermelk terecht. Op deze manier komen ze direct bij de jonge zeehonden binnen. Daardoor wordt hun immunnsysteem aangetast, en ze zijn dus bijzonder vatbaar voor ziektes en parasieten zoals de longworm.

Lewis zal nu een paar weken in quarantaine verblijven, waar hij met voedsel en medicijnen verzorgd wordt. Daarna kan hij hopelijk naar een groter bassin verhuizen, waar hij kan zwemmen en met soortenoten spelen. Als alles goed gaat, zal hij over twee of drie maanden worden vrijgelaten. Misschien kunnen we er dit jaar bij zijn.

Helaas staan bij de nieuwe website van de zeehondencreche niet meer de namen van de zeehonden vermeld, die in de verschillende ruimtes verblijven, zodat we Lewis niet kunnen volgen, zoals we dat toen bij Mara deden. Maar we zullen hem zeker gauw een keertje bezoeken.

Kategorien: "Gewoon" dagelijks leven | Schlagwörter: , , , , , , , , | 5 Kommentare

Lewis

Nein, hier geht es nicht um den gleichnamigen Oxford-Krimi der BBC, oder jedenfalls nur indirekt. Vor zwei Jahren hatten wir ja schon einmal einen Seehund, Mara, adopiert. Ich weiß, der korrekte deutsche Ausdruck ist “Seehundpatenschaft”, aber das niederländische “adoptie” gefällt mir einfach besser, und deshalb werde ich es weiterhin so nennen.

Jedenfalls fanden wir, dass es wieder einmal Zeit für einen Seehund wurde, und nach einem netten Mailwechsel mit der Seehundstation Pieterburen durften wir uns einen Namen aussuchen. Es wurde Lewis, da die Hauptperson des oben genannten Oxford-Krimis Robert (Robbie) Lewis heißt. Irgendwie erschien uns das passend.

Hier ist er also:

Lewis

Gefunden wurde er am 14. Januar 2014 auf Vlieland, und er ist ungefähr ein halbes Jahr alt. Er ist vom Lungenwurm befallen, so dass er nicht mehr nach Futter tauchen kann. Aus diesem Grund wiegt er nur etwas über 18 kg, was nicht gerade viel ist, wenn man bedenkt, dass ein Seehund, wenn er fünf Wochen alt ist und nicht mehr gesäugt wird, mindestens 30 kg wiegen sollte und ein ausgewachsenes Seehundmännchen ca. 140 kg auf die Waage bringt.

Im Laufe der letzten Jahrzehnte haben sich unheimlich viele Schwermetalle und Giftstoffe im Wattenmeer abgelagert – durch Verklappen von Müll in der Nordsee und in den zahlreichen Flüssen. Man denke nur daran, was die vielen Fabriken früher alles in den Rhein gekippt haben. Auch wenn das Wasser inzwischen wieder viel sauberer ist, wird es doch noch sehr lange dauern, bis auch der Grund des Wattenmeers sich wieder erholt hat. Die Giftstoffe werden von Plankton und anderen Kleinstlebewesen aufgenommen, die von Fischen gefressen werden, die wiederum von den Seehunden verspeist werden. Auf diese Weise sammeln sie sich in der Speckschicht der Seehunde an. Und wenn ein Weibchen sein Junges säugt, wird diese Speckschicht abgebaut und die Giftstoffe geraten so in die Muttermilch und werden von den jungen Seehunden direkt aufgenommen. Sie schwächen das Immunsystem der Jungen, so dass sie anfällig für alle möglichen Krankheiten und Parasiten werden, unter anderem auch den Lungenwurm.

Lewis ist nun einige Wochen in Quarantäne, wo er gefüttert und mit den notwendigen Medikamenten behandelt wird. Dann kann er hoffentlich ein ein größeres Becken umziehen, wo er auch schwimmen und mit Artgenossen spielen kann. Wenn alles gut geht, kann er nach zwei bis drei Monaten freigelassen werden. Vielleicht schaffen wir es ja dieses Jahr, dabei zu sein.

Leider hat die Seehundstation auf ihrer neuen Website bei den Webcams nicht mehr die Namen der Seehunde aufgeführt, die in den jeweiligen Ráumen sind, so dass wir Lewis nicht beobachten können, wie damals Mara. Aber besuchen werden wir ihn sicher bald.

Kategorien: Ganz "normaler" Alltag | Schlagwörter: , , , , , , , , , | 4 Kommentare

Ein UFO ist fast fertig

UFO? Nein, keine Sorge, hier sind keine Außerirdischen gelandet. Bei den Quiltern steht diese Abkürzung für “unfinished objects”, und davon hat jeder sicherlich einige herumliegen.

Nachdem ich sehr lange einfach nicht die Zeit und Lust hatte, mich dem Patchen und Quilten zu widmen, habe ich mich zwischen den Jahren mal wieder an die Nähmaschine gesetzt und das Sofakissen vollendet. Vor vielen Monaten hatte sich unser Mitbewohner ein eigenes Kissen gewünscht, und zwar in Honigfarben. Also wurden helle und dunkle Stoffreste zugeschnitten und wieder zusammengenäht, wie man das halt so macht:

kissen

Aus berufenem Munde habe ich einmal vernommen, dass es sich hierbei wohl um “Hexenkissen” handelt. Irdenwann möchte ich noch ein oder zwei weitere in anderen Farben machen, Stoff habe ich genug.

Jetzt müsste nur noch der Reißverschluss eingenäht werden, aber der Laden um die Ecke hat erst Montag wieder geöffnet. Außerdem gibt es noch ein weiteres Problem: Unser Mitbewohner will sein Kissen nicht mehr hergeben.

struppiemietkissen

Kategorien: Steckenpferde / stokpaardjes | Schlagwörter: , , , , , , | 2 Kommentare

Ostengland 2013 – Teil 7

Über den Humber

 Auch ohne Socken hatte ich gut geschlafen, der Sommer war anscheinend gekommen. Und mit ihm die Dauercamper, die nun mit ihren Vierbeinern den Gassistreifen bevölkerten. Der Ruhetag  jedoch hatte vielleicht den Fahrrädern gut getan, aber mir überhaupt nicht. Ich war völlig aus dem Rhythmus und die Beinpower, falls ich sie denn jemals gehabt hatte, war komplett weg, so dass wir nur langsam vorwärts kamen. Dem Gatten passte es gar nicht, von mir zwangsentschleunigt zu werden, aber da musste er durch. Wir waren ja im Urlaub und nicht auf der Flucht, und irgendwann würden wir schon irgendwo ankommen.

Die Landschaft war immer noch flach, doch die Aussicht war nicht mehr so weiträumig. Wir schürten zwischen zwei hügligeren Gebieten durch nach Norden. Gelegentlich gab es kurze Regenschauer, die jedoch schnell wieder vorbei waren, so dass das Regenzeug kaum benötigt wurde.

lincolnshire3

lincolnshire2

Kurz vor halb eins kamen wir nach Messingham und wollten unsere Einkäufe erledigen. Dabei fuhr uns erst der Schreck in die Glieder, da wir dachten, dass in wenigen Minuten der Supermarkt schließen würde. Doch wir hatten das falsche Schild gelesen, nämlich das mit den Öffnungszeiten des Postschalters, der samstags tatsächlich um halb eins schließt. Der Supermarkt war noch ein paar Stunden geöffnet, so dass wir uns Zeit lassen konnten. Während Peter einkaufen ging, bewachte ich die Räder und studierte die Aushänge am schwarzen Brett. Dort wurde eine Wanderung über die Humberbrücke angekündigt, bei der Geld für einen guten Zweck gesammelt werden sollte. Besagte Brücke stand uns am nächsten Tag auch bevor. Hoffentlich spielte das Wetter mit, denn bei starkem Wind und strömendem Regen war das sicher kein Vergnügen.

Nach einem Imbiss ging es weiter. Zum Glück hatte ich meinen Fahrrhythmus einigermaßen wieder gefunden, denn inzwischen hatten wir die Ebene endgültig verlassen, und es ging fröhlich auf und ab, wie man es von England kennt.

huegliger

trent

Wir durchquerten die Ortschaft Flixborough mit ihren Werften und Industrieanlagen und fuhren über eine lange Hügelkette nach Burton-upon-Stather. Dort verfranzten wir uns in einem ausgedehnten Vorortgebiet, bis wir endlich ein Hinweisschild zum Campingplatz fanden, das zum Fluss hinunter wies. Wir sausten einen halsbrecherischen Hang hinunter und erwischten gerade noch die Abzweigung zum Campingplatz. Dann mussten wir über eine frisch geschotterten Parkplatz zur Rezeption, wo ein Zettel hing, dass der Platzwart Richard sich in der Scheune befand, wo er liebevoll einen alten Morgan restaurierte.

Nachdem Peter ihm Bescheid gesagt hatte, kam er mit einer Kaffeetasse in der Hand zur Rezeption. Nachdem wir eingecheckt hatten, zeigte er uns voller Stolz die gepflegten sanitären Anlagen mit Spülküche, Wasch- und Trockenraum sowie Musikberieselung und erzählte, dass er selbst ein begeisterter Radfahrer und Besitzer von fünf Rädern ist.

Nachdem wir das Zelt aufgebaut und unser Abendessen (Pork Pie und Beilagen) verspeist hatten, gingen wir in ein Pub mit dem schönen Namen „Ferry House Inn“, wo man kanadisches Bier in Weizengläsern servierte. Wir holten uns ein Bierchen und setzten uns auf eine Bank am Fluß Trent, wo wir die sich auftürmenden Wolkengebilde beobachteten.

porkpie

trent2

wolken

Nachdem wir unsere Gläser geleert und zurück gebracht hatten, erkundeten wir einen Fußweg am Flussufer. Wir hofften, dass man diesem Weg folgen und so den Monsterhügel ins Dorf umfahren könnte. Doch nach einer kurzen Weile endete der Weg am Hintereingang des Campingplatzes.

Am nächsten Morgen dudelte aus den Lautsprechern im Sanitärblock „Here Comes the Sun“ von den Beatles. Ich beschloss, das als gutes Omen für unsere Humberüberquerung zu nehmen. Als wir losfuhren, winkte Richard uns hinterher und wünschte uns eine gute Reise.

Als erstes mussten wir den Monsterhügel, den wir gestern so schwungvoll hinuntergesaust waren, wieder hinauf. Begleitet vom Klang der Kirchenglocken, das in England ganz anders klingt als zu Hause, kämpften wir uns nach oben. Dann ging es eine Weile sanft auf und ab, wobei wir langsam wieder an Höhe verloren.

Noch war es ruhig auf den Straßen, doch plötzlich kam uns eine ganze Karawane von Minis entgegen. Da fiel uns ein, dass heute Vatertag war, was in England eine größere Sache zu sein scheint. Schon seit unserer Ankunft hatten wir überall bei Pubs und Restaurants Aushänge gesehen, dass man rechtzeitig reservieren sollte. Vielleicht gehörte dieser Mini-Ausflug auch zum Programm.

minis

Dann hatten wir das Ufer des Humber erreicht und sahen in der Ferne die Brücke, die Lincolnshire mit Yorkshire verbindet.

humber

humberbridge

Mit einer Mittelspannweite von 1410 Metern ist sie eine der längsten Hängebrücken auf der Welt, und – wenn man diversen Radfahrerwebsites glauben darf – die längste, die man mit dem Rad überqueren kann. Da die Brücke nicht gerade billig war, müssen Autofahrer für eine Strecke 1,50 Pfund bezahlen, doch für Radfahrer und Fußgänger ist die Überquerung umsonst.

humberbridge2

Unser Weg führte allerdings nicht, wie erhofft, gemütlich am Fluss entlang, sondern über ein paar Hügel, bis wir nach einer Weile Barton-upon-Humber erreichten. Ich machte mir ein bisschen Sorgen, ob wir den Radweg auf die Brücke ohne Probleme finden oder plötzlich mitten auf der meist stark befahrenen A 15 landen würden. Doch die Beschilderung war – von einer Abzweigung abgesehen – deutlich genug. Der Rad und Fußgängerweg an der westlichen Seite war aus Witterungsgründen gesperrt, so dass wir auf dem östlichen Streifen mit Aussicht zur Nordsee gen Norden fuhren.

humberbridge3

humberbridge4

humberbridge5

Es war wirklich beeindruckend. Rechts von uns die weite Flussmündung, links die vorbeifahrenden Autos und über und unter uns gigantische Kabel- und Stahlkonstruktionen, die wohltuend haltbar aussahen.

humberbridge6

Hin und wieder mussten wir uns den Streifen mit Sonntagsspaziergängern, Joggern und anderen Radfahrern teilen, aber viel Verkehr war nicht.

ueberdenhumber

Am anderen Ufer angekommen fuhren wir ostwärts durch Hessle und das Hafengebiet von Hull und kamen am Victoria Dock vorbei, wo wir in knapp zwei Wochen die Heimreise antreten würden. Doch daran wollte ich noch nicht denken, vor uns lag ja noch eine Menge Urlaub. Langsam wurde es Essenszeit, und an einem der Kreisverkehre erspähten wir einen Lidl. Da Peter zu Hause regelmäßig die Lidl-Reklame studiert und auch regelmäßig dort einkauft, ernannte ich ihn zum Experten und schickte ihn hinein, während ich die Karte und die Straßenschilder studierte. Hull ist sicher eine hübsche Stadt und hat wohl auch einiges zu bieten, doch zum Durchradeln finde ich es zu groß und unübersichtlich. Auf dem Radweg an der Hauptstraße kamen wir wahrscheinlich nur deshalb so gut vorwärts, weil Sonntag war und aus den zahlreichen Hafen- und Fabrikausfahrten, die in die Hauptstraße einmündeten, keine Lastwagen kamen.

Nach einer Weil kam Peter wieder zurück und hatte sogar ein paar Brezeln mitgebracht, die sofort vertilgt wurden. Dann fuhren wir gestärkt weiter. Sobald wir die Stadt verlassen hatten und wieder Richtung Norden unterwegs waren, wurde es wieder sehr ländlich. Wir fuhren durch das Dörfchen Preston, wo ein Campinglatz sein sollte. Doch schon bald waren wir auf halber Strecke zum nächsten Dorf, und außer ein paar verstreuten Bauernhöfen war nichts zu sehen.  Ich konsultierte meine Adressenliste: die Straße stimmte. Aber wenn wir diesen Platz nicht finden sollten, war es nicht tragisch, im nächsten Dorf gab es noch einen. Also schwangen wir uns wieder auf die Räder, fuhren über den nächsten Hügel und standen vor dem gesuchten Campingplatz, ein Bauernhof mit gemütlich gackernden Hühnern und einem Anglerteich.

prestoncamping

Der Platzwart stellte die üblichen Fragen nach unserem Woher und Wohin, aber da er im Gegensatz zu Richard eher kurz angebunden war, fühlten wir uns erst ein bisschen ins Kreuzverhör genommen. Doch nach einer Weile gewöhnten wir uns daran. Wir beschlossen, zwei Nächte zu bleiben und mal wieder unsere Klamotten zu waschen. Zeit wurde es, meine verschwitzte Radkleidung konnte man schon fast hinstellen.

Auf der Zeltwiese standen zwei Zelte, eines davon mit Blümchendekor und der Aufschrift „Hippie Zone“. Wir stellten uns im Geiste schon auf Gitarrenschrammelmusik am Lagerfeuer ein: „This tent is your tent, this tent is my tent…“, aber die Hippies waren schon am Packen.

Unterhaltung hatten wir aber trotzdem genug, denn nach einer Weile hielt ein Auto auf der Zeltwiese, und zwei ungefähr 17jährige Jungen stiegen aus. Sie packten ein Zelt aus und versuchten, es aufzubauen. Schon bald erkannte unser geübtes Auge, dass sie zum ersten Mal ein Zelt aufstellten, das sie auch noch von jemandem geliehen hatten. Eine fatale Kombination, und die zahlreichen Bierdosen, die sie dabei leerten, waren nicht gerade hilfreich. So kam es, dass es hin und wieder zwar halbwegs aufrecht stand, doch sobald einer der beiden die Schnüre nachspannen wollte oder sich ins Innere begab, krachte es wieder zusammen. Sie nahmen es nicht tragisch, lachten laut über ihren Misserfolg und genehmigten sich ein weiteres Bier. Auch die Anweisungen, die sie per Telefon erhielten, waren nicht von Erfolg gekrönt.

Langsam hatten wir uns genug amüsiert und wollen unsere Hilfe anbieten, da kam wieder ein Auto, dem fünf weitere Jugendliche entstiegen, die noch ein Zelt auspackten. Die Herren widmeten sich sofort dem Fußballspielen, das sie eindeutig besser konnten, und die zwei Mädels kümmerten sich um den Zeltaufbau. Und es dauerte nicht lange, da standen beide Zelte wie eine Eins.

Wir hatten inzwischen unsere Wäsche gewaschen und in die Sonne gehängt. Nach dem Abendessen fuhren wir wieder ins Dorf, da wir am Ausgang ein nettes Pub mit dem Namen „The Nag’s Head“ entdeckt hatten. Drinnen duftete es verführerisch nach „Sunday Roast“, dem bei den Engländern beliebten Sonntagsbraten, und ich erkundigte mich gleich an der Theke, ob sie unter der Woche auch Abendessen servieren würden. Darauf kann man sich auf den Britischen Inseln nämlich nicht immer verlassen, wie wir aus Erfahrung wussten. Doch hier hatten wir Glück und beschlossen, morgen dort essen zu gehen.

prestonchurch

Wir setzten uns mit unserem Bierchen in den Garten und beobachteten die Leute, die von Vatertagsausflug heimkehrten. Danach fuhren wir noch eine Runde durch das Dorf mit seiner netten Dorfkirche und ein paar kleinen Läden und kamen an einer Schule vorbei, an deren Tor ein großes Schild verkündete, dass das Gassigehen mit Hunden sowie Golf und andere Ballspiele auf dem Gelände strengstes untersagt sind.

school

Zurück auf dem Campingplatz bot sich uns ein ungeheuerlicher Anblick, und dabei hatte ich doch nur ein Bierchen getrunken. Ich schüttelte den Kopf und schloss die Augen, doch als ich sie wieder öffnete, war das Bild unverändert. Ich fragte Peter: „Sag mal, siehst du auch ein Mädchen im Löwenkostüm und sechs Leute in graurosahellblau gestreiften Overalls auf der Wiese rumrennen?“ – „Ja!“ Erleichtet atmete ich auf: „Dann ist es ja gut! Aber wo haben die bloß solche scheußlichen Teile aufgetrieben, und warum zieht man sowas freiwillig an???“ Darauf wusste Peter auch keine Antwort. Als einer der Jungen zu unserem Zelt kam und schon mal um Verständnis bat, falls es etwas lauter werden sollte, befragten wir ihn zu seinem Outfit. Die Antwort, dass sie gemeinsam Spaß haben und dieselben Sachen tragen wollten, stellte uns zwar nicht wirklich zufrieden, aber gut, jeder, wie er mag.

Es wurde auch tatsächlich etwas lauter, da sie durch die Gegend rannten, über die Hecken sprangen und Unmengen Bier in sich hineinschütteten. Die Platzwärtin kam zu unserem Zelt, um sich zu entschuldigen, bei der Reservierung hatte sie keine Ahnung gehabt, was sie hier erwartete. „Wir sind eigentlich ein ruhiger Platz. Wenn es gar nicht anders geht, könntet ihr euer Zelt ja auf der anderen Wiese aufstellen. Oder wir müssen die Bande heimschicken.“ Wir versicherten ihr, dass wir schon Schlimmeres erlebt hatten und notfalls Taschentücher in die Ohren stopfen konnten. Und so lange die Kids in ihrer Hälfte blieben und nicht etwa auf die Idee kämen, unser Zelt über den Haufen zu rennen, könnten wir mit dem Krach leben. Irgendwann würde ihnen ja die Puste ausgehen.

Tatsächlich war dies auch bald der Fall, oder wir kriegten nicht mehr viel mit, denn wir waren tatsächlich bald eingeschlafen.

Kategorien: 2013 - Ostengland | Schlagwörter: , , , , , , , , , , , , , | Hinterlasse einen Kommentar

Nochmal 52 Bücher (44) – Zefix! Der Bayrische Fluch- und Schimpfkalender 2013

Nochmal 52 Bücher

Grundgütiger, habe ich das Buchprojekt lange vernachlässtigt! Das letzte von mir bearbeitete Thema war Nummer 16, und inzwischen sind wir schon bei 47. Das meiste werde ich wohl nicht mehr nachholen können, aber pünktlich zum Jahreswechsel möchte ich doch wenigstens noch Woche 44 besprechen: Auch Kalender können lesenswert sein.

Dieses Motto habe ich am Anfang des Jahres sogar selbst vorgeschlagen, und das nicht ohne Grund. Ich hatte nämlich von zwei guten Freundinnen zwei sehr schöne Kalender geshenkt bekommen. Einer davon war der “England-Sehnsuchtskalender”, der mit dazu beigetragen hat, dass wir mal wieder eine wunderschöne, spannende, aber auch entspannende Englad-Radtour gemacht haben. Und der andere war “Zefix! Der Bayrische Fluch- und Schimpfkalender 2013″.

Zefix-Schimpfkalender

Diesen hatte meine Freundin aus der alten Heimat mir überreicht, damit ich in den Niederlanden meine bayrischen Wurzeln nicht ganz vergesse und immer genu Material zur Verfügung habe, meine Kursteilnehmer zusammenzustauchen, wenn es nötig ist. Von eben dieser Freundin stammte übrigens die herrliche Feststellung “Der redt do normal, so wia i hoid!”.

Und so belgeiteten mich Ausdrücke wie “Gschwerl”, “windigs Biaschal” und “Dridschla” durch das Jahr. Woche für Woche wurden sie ausfürlich erklärt, wie folgendes Beispiel der 28. Kalenderwoche zeigt:

Menschen mit einem Hang zur Verwahrlosing kann man durchaus als Gschwerl bezeichnen. Das ist jedoch keineswegs gleichbedeutend mit mit asozialem Pack. Gschwerl kann sich außerhalb der Gesellschaft aufhalten, muss aber nicht. Oft sind damit auch nur gschlamperte Andersdenker gemeint. So nennt schon mal ein CSU-Politiker politisch desorientierte Parteigänger linkes Gschwerl oder der Lehrer die unruhige letzte Reihe seiner Klasse dreckfaules Gschwerl. Oder der Mountanibiker am Gardasee die Neopren-Elite Surfer-Gschwerl. Gschwerl gibt es nicht nur einzeln, es tritt, wie das Gsindl, immer z’mehran auf (nicht in Meran, sondern zu mehreren). Ein Gschwerl-Solist ist oft ein Grattler.

Ordnungsruf im bayrischen Landtag: “A Ruah is da hintn, greans Gschwerl!”

Wie man sieht, ist dieser Kalender auch für Zuagroaste und Saupreißn (Kalenderwoche 32) bestens verständlich und leistet so einen wichtigen Beitrag zur Bildung und Erbauung.

Viele Einträge weckten auch Erinnerungen, z. B. an die legendäre Else Kling aus der “Limdenstraße” mit ihrem “Zigarettnbiaschal” oder ein Familienmitglied, das, wenn man etwas von ihm wollte, entrüstet zu antworten pflegte:  “I bin do ned da Himbeerdoni!”. Bei “Schmarrnbruda” erschien das Gesicht des Jungen von schräg gegenüber vor meinem geistigen Auge, mit dem ich mich zu Kindergartenzeiten sehr gut verstanden hatte, und der von meinen Eltern wegen seiner Vorliebe für Blödsinn aller Art so betitelt wurde.

Und das Wort “Schmarrn” benutze ich ja selbst zur Freude meiner Kursteilnehmer, Chorgenossen und Freunde hier im Grenzland immer noch mit schöner Regelmäßigkeit. :)

In diesem Sinne: An guadn Rutsch und a scheens gsunds neis Joahr!

 

 

Kategorien: Nochmal 52 Bücher, Sprachliches / Taalzaken | Schlagwörter: , , , , , , | Hinterlasse einen Kommentar

Bloggen Sie auf WordPress.com. The Adventure Journal Theme.

Follow

Erhalte jeden neuen Beitrag in deinen Posteingang.

Schließe dich 29 Followern an