Ostengland 2013, Teil 12 (Schluss)

I like to be beside the seaside…

 Am nächsten Morgen strahlte die Sonne von einem blauen Himmel, der nur mit ein paar malerischen Wattewölkchen garniert war. Nach einem ausgiebigen Frühstück bauten wir ab und Peter brachte den Schlüssel zur Rezeption, wo die Wartenden ihn freundlicherweise vorließen. Als wir unsere Räder beluden, hörten wir die ersten Geräusche aus dem Nachbarzelt. Der Bewohner lebte also.

Inzwischen war es richtig warm geworden, so dass wir in kurzen Hosen und leichten T-shirts aufbrachen. Wir folgten dem Radweg über das Universitätsgelände und landeten auf der berühmten Route 66, die allerdings nicht von Chicago nach Santa Monica führt, sondern von Manchester nach Spurn Head.

route66

In Pocklington gönnten wir uns eine Mittagspause, und dann mussten wir den weiteren Verlauf der Strecke entscheiden, denn laut unserer Karte konnte man den Fluss Hull und einen namenlosen Kanal nur bei Wansford oder weiter südlich bei Beverley überqueren. Es wurde die Wansford-Variante, da uns die andere zu viele Hauptstraßen beschert hätte.

So fuhren wir über die Yorkshire Wolds, eine Hügelkette aus Kreidegestein, die von Hull erst nach Westen verläuft, um dann bei Filey wieder die Küste zu erreichen. Der Name „Wolds“, auch in Zusammensetzungen wie „Cotswolds“ zu finden, geht zurück auf das altenglische „wald“, was auch genau das bedeutet. Anscheinend wurde die Bezeichnung erst für hochgelegenes Waldland verwendet und bleib nach dem Verschwinden der Wälder erhalten.

Erst mussten wir uns (ich mal wieder zu Fuß) einen langen, recht steilen Hügel hocharbeiten, dann ging es langsam bergab in das malerische Dörfchen North Dalton und über schöne Landwege weiter Richtung Küste.

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Unterwegs kam Peter, der natürlich mal wieder weiter vorne war, ein Herr in einem Kleinbus entgegen und fragte ihn, ob er eine Gruppe Radfahrer in grünen T-shirts gesehen hatte. Peter erinnerte sich, dass irgendwo bei Pocklington einige gewesen waren, und der Herr fuhr weiter. Kurze Zeit später erreichte er mich und rief mit zu: „The gentleman is about five minutes ahead of you.“ Ich entgegnete, dass er es immer etwas eiliger hatte als ich und schon irgendwann warten würde, und schnäufelte weiter meines Weges.

Vor allem das letzte Viertel der Strecke fiel mir schwer, meine Beine wollten nicht mehr so recht. Dann erreichten wir die Ortschaft Beeford. Normalerweise steht auf den Ortsschildern meistens: „Nehter Addlethorpe – Please drive carefully“ oder „Middle Fritham welcomes careful drivers“, doch hier gab es die Variante „Beeford welcomes slow drivers!“ Wunderbar, hier werde ich hinziehen!

Dann erreichten wir Skipsea, einen netten kleinen Ort an der Küste mit einem riesigen Holiday Park und einen gemütlichen Campingplatz auf einem Bauernhof. Diesen steuerten wir an und fanden den Herrn des Hauses beim Heckenschneiden auf einer Leiter. Er begab sich zu uns herunter, und während wir auf seine Frau warteten, wollte er wissen, wo wir heute morgen gestartet wären und meinte dann: „York? You’ve done well then!“ Das hört man doch gerne. Dann fragte er mit verschwörerischem Blinzeln, ob wir bei dem Hügel am Anfang auch schieben mussten. „Ich schon“, gab ich zu. Das müsse er dort auch immer, meinte er darauf. Auch seine Frau empfing uns sehr freundlich und erzählte uns eine Menge über die Sehenswürdigkeiten und Ausflugsmöglichkeiten in dieser Gegend.

Nachdem wir das Zelt aufgebaut hatten, gingen wir an dem Holiday Park vorbei zur Küste. Auf dem Weg kündigte ein großes Schild einen Fish-and-Chips-Shop an, die jedoch schon lange geschlossen hatte. Die äußersten Ränder des Parks machten einen verwahrlosten Eindruck, und wir vermuteten, dass man sie bereits aufgegeben hatte, da auch hier die See dramatisch näher rückte. Wir setzten uns eine Weile auf die Absperrung und schauten über das Meer.

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Dann gingen wir ins Dorf zurück, wo wir auf der Hinfahrt ein nettes Pub gesehen hatten. Bei einem sehr guten Abendessen und etwas viel Bier ließen wir den Tag ausklingen. Als wir wieder ins Freie gingen, war es merklich abgekühlt – die Nacht würde wohl ziemlich kalt werden. Also wurde es wieder Zeit für Socken und Sweatshirt.

Am nächsten Morgen kriegte Peter beim Zähneputzen einen netten Dialog zweier Kinder mit. Ein Junge trödelte auf der Herrentoilette, während seine Schwester draußen auf ihn, beziehungsweise den Schlüssel wartete, denn sie wollte auf das Damenörtli. Da es ihr nicht schnell genug ging, rief sie, dass ihr Bruder sich beeilen sollte. Der zu Peter: „It’s only my stupid sister.“ Sie: „I can hear you!“

Heute war es mal wieder Zeit für einen Ausflug ohne Gepäck. Zwischen Hecken und Blumen fuhren wir durch über Bewholme nach Hornsea, einem netten Seestädtchen mit einer freundlichen Promenade. Natürlich gab es auch hier die unvermeidlichen „Amusenments“ (Spielhallen und dergleichen), aber sie waren nicht so zahlreich, dass es störte.

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Nach einem gemütlichen Bummel über die Promenade gingen wir einkaufen. Im Supermarkt im Zentrum befanden sich die Kopfschmerztabletten im selben Regal wie die Alkoholika. Eigentlich nachvollziehbar, aber ich finde es trotzdem etwas fragwürdig, da so der unvorsichtige Umgang mit Alkohol als etwas völlig Normales dargestellt wird, dessen Folgen durch den Griff zur Schmerztablette sofort behoben sind. Exzesse wie Komasaufen lassen grüßen.

Danach fuhren wir zum Hornsea Mere, dem größten Süßwassersee in Yorkshire. Wie das niederländische „meer“ bezeichnet das englische „mere“ keineswegs die salzige See, sondern ein Süßwasser. Deshalb sind Namen wie „Lake Windermere“ eigentlich doppelt gemoppelt, aber egal. Das Hornsea Mere ist ein hübscher See, an dessen Ufern sich viele wohlgenährte Wasservögel tummelten.

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Wir saßen eine Weile auf einer Bank, bis sich drohend schwarze Wolken am Horizont zusammenballten. Wir fuhren über den kürzesten Weg an der Küste zurück nach Skipsea und erreichten unser Zelt, bevor es zu regnen anfing.

Im Zelt machte ich erst mal ein ausgedehntes Nachmittagsschläfchen, mir war einfach danach. Als der Regen nachgelassen hatte, gingen wir ins Dorf. Bei der Rezeption trafen wir die Tochter des Platzwartes und fragten sie, wieviel Küste nun eigentlich pro Jahr abbröckelt. Sie erzählte uns, dass es im Durchschnitt ungefähr drei Meter pro Jahr sind, und dass die Ursache nicht, wie man vielleicht denkt, Sturmfluten sind, sondern lang anhaltende Regenfälle, durch die der Boden schwer wird und wegbricht. Die Farm ihrer Großeltern gibt es nicht mehr und „we know, it’s getting closer“. Kein Wunder, dass der Campingplatz an der Küste nicht mehr in den Fish-and-Chips-Shop investiert, da dieser wahrscheinlich als nächstes in den Fluten verschwinden wird. Nachdenklich trotteten wir ins Dorf, um den Tag im Pub ausklingen zu lassen.

Heimwärts

Der nächste Tag verlief sehr unspektakulär, da wir uns geistig schon auf dem Heimweg befanden. Bei strahlendem Sonnenschein fuhren wir nach Preston. Unterwegs kamen wir wieder an einem tollen Landhaus und jeder Menge Schafen vorbei.

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Den Campingplatz kannten wir ja schon, doch diesmal sausten dort keine graugewandeten Gestalten durch die Gegend, und die Hühner benahmen sich auch gut. In Hedon erledigten wir unsere letzten Einkäufe: Branston Pickles, Pork Pie und was man sonst noch so nach Hause mitnimmt. In diesem Supermarkt schien irgendein Deo oder Reinigungsmittel ausgelaufen zu sein, denn ich musste die ganze Zeit niesen, bis wir wieder im Freien standen. Am Abend gingen wir ins Nag’s Head, um dort unseren letzte Pubmahlzeit zu genießen.

An unserem letzten Morgen tat England sein Bestes, um uns den Abschied leicht zu machen: Es schüttete wie aus Eimern. Ich wollte ja einfach im Zelt das schlechte Wetter aussitzen, doch Peter wurde unruhig, da er zum Hafen wollte. Seiner Meinung nach hatte es keinen Zweck, auf Besserung zu warten. Also bauten wir gegen Mittag ab und fuhren das relativ kurze Stück zum Hafen. Dort stellten wir die Räder unter das Dach im Eingangsbereich und breiteten das nasse Regenzeugs zum Trocknen darüber.

Die „Pride of Hull“ war schon im Hafen, und gegenüber lag eines ihrer Schwesterschiffe, die „Pride of York“, die nach Zeebrugge fuhr. Im Laufe des Nachmittags trudelten alle möglichen Leute mit Musikinstrumenten, Kostümen und Theaterutensilien ein, die auf ein buntes abendliches Unterhaltungsprogramm hoffen ließen.

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Irgendwann konnten wir dann einchecken und vor der Rampe warten, bis wir an Bord durften. Dort kamen wir mit drei Radlern aus Rotterdam ins Gespräch, die in Lincolnshire (an ihrer Aussprache „Lincolnschaia“ erkannten wir die Experten) ein Ferienhaus gemietet hatten. Auch ihnen hatte es sehr gut gefallen. Wir tauschten angeregt Erfahrungen und Tipps aus, bis wir an Bord durften, wo wir gemeinsam unsere Räder ordentlich vertäuten.

Dann gingen wir nach oben zu unserer Kabine, wo ich mich mal wieder mit dieser dämlichen Key-Card abplagte, doch ich bekam die Tür nicht auf. Ein älteres Paar machte uns darauf aufmerksam, dass ich eben nicht die Key-Card, sondern den Boardingpass in der Hand hatte. Klar, so konnte das auch nichts werden!

Nach einer erfrischenden Dusche gingen wir an Deck. Der Regen hatte endlich nachgelassen. In der Ferne sahen wir die Humber Bridge, über die wir vor zwölf Tagen gefahren waren. Es kam uns viel länger vor, denn in der Zwischenzeit hatten wir so viel erlebt und gesehen.

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Dann enterten wir das Boardrestaurant, wo ein reichhaltiges Buffet auf uns wartete. Der Ober versuchte, uns noch alle möglichen Extras gegen einen Aufpreis anzudrehen, doch wir waren uns sicher, dass die Köstlichkeiten am Buffet reichen würden. Es gab Salate, Fischspezialitäten, warmes und kaltes Fleisch und einige indische Gerichte, die ich natürlich durchprobieren musste. Auch die Nachtischauswahl war gewohnt erstklassig: Eis, Trifle, Pudding und Gebäck. Trotz aller guten Vorsätze hatte ich mich mal wieder gründlich überfressen, und Peter ging es ähnlich.

Wir gingen in die Bar, wo schon eine Band spielte. Wir erkannten einige Leute vom Nachmittag wieder. Es klang nicht schlecht, aber wir hatten den Eindruck, dass sie noch nicht oft zusammen gespielt hatten. Jeder beherrschte seine Partei, und das war es. Auf der Tanzfläche waren einige Damen in engen schwarzen T-shirts, auf denen in knallpink ihre Namen standen: Dirty Diana, Swallowing Shirley, Kinky Kelly, Bouncing Barbara etc. Eines der Mädchen trug zu diesem Outfit noch einen Schleier. Es handelte sich also um eine „Hen Party“, einen Junggesellinnenabschied. An einem der Tische befand sich eine Gruppe junger Männer, von denen einige schon kräftig getankt hatten. Einer von ihnen scharwenzelte um die Damen auf der Tanzfläche herum und betatschte sie, bis ein Kellner eingriff und ihn auf seinen Platz zurückschickte.

Dann ging ein Ruck durch das Schiff: Abfahrt. Wir gingen an Deck und schauten zu, wie das Schiff den Hafen verließ. Hinter der Humber Bridge ging die Sonne unter, und hinter uns befand sich die „Pride of York“.

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Langsam fuhren wir am Spurn Head vorbei auf die offene See. Good bye, England! Wir kommen sicher wieder! Nach einem Absacker in der Bar gingen wir schlafen.

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Wir schliefen sehr gut, und am nächsten Morgen gingen wir erst einmal an Deck. Eines der Stena-Schiffe steuerte Hoel van Holland an, doch wir konnten nicht erkennen, ob es die „Stena Britannica“ war, mit der wir unsere Reise angetreten hatten, oder die „Stena Hollandica“. Aber das war ja nicht so wichtig, eines wie das andere, das ist Qualität.

Wir gingen wieder ins Restaurant, wo wir uns ein ausgiebiges Frühstück mit allem Drum und Dran gönnten, bevor es Zeit wurde, zu den Fahrrädern zu gehen. Beim Aufzug trafen wir die Damen der „Hen Party“, die heute in nautischen Kostümen Amsterdam unsicher machen wollten. Aber die Stadt ist ja Kummer gewöhnt, was „Hen Parties“ betrifft, wie man in David Parks Roman „The Light of Amsterdam“ nachlesen kann:

„But Indians, Shannon. Why Indians?“
„I think, it looks great. Look at your top with all the beading and put your feather on,“Shannon said, handing it to her […]. „In fact try on the whole costume.“
„Should I not keep it, till we get there?“
„Till we get there? We’re travelling like this.“
„We’re getting on the plane dessed like Indians?“
„That’s the whole idea of it – that’s what happens on a hen trip.“
(David Park, „The Light of Amsterdam, London 2012, S. 87 / 88)

 Bei den Fahrrädern stellten wir verwundert fest, dass die Räder der drei Rotterdammer weg waren. Wir hatten sie zwar gestern nicht mehr gesehen, aber auf so einem großen Schiff verläuft sich alles irgendwie, also hatten wir uns nichts weiter dabei gedacht. Aber in Maassluis konnten sie nicht von Bord gegangen sein, denn das Schiff legte gerade erst an. Waren sie doch in Hull geblieben? Wir werden es wohl nie erfahren.

Wir verließen das Schiff und radelten die etwa 14 Kilometer zum Bahnhof von Maassluis. Bei Rozenburg erwischten wir auch sofort die Fähre über die Maas und hofften, dass wir den Direktzug von Rotterdam nach Enschede kriegen würden. Doch leider machten uns diverse Umleitungen einen Strich durch die Rechnung, so dass wir am Bahnhof dem Bummelzug nach Rotterdam hinterher winken konnten. Aber der nächste kam in einer halben Stunde.

In Rotterdam herrschte das totale Chaos. Züge, die nicht fuhren, wurden angezeigt, angezeigte Züge fuhren von anderen Gleisen ab, über andere Strecken oder gleich gar nicht. Bei der Information konnte man uns zum Glück wenigstens sagen, dass wir in Gouda umsteigen mussten. Dort warteten beunruhigend viele Radler auf dem Bahnsteig, aber nicht alle wollten in unsere Richtung, so dass wir gleich mit konnten. Und dann waren wir wieder zu Hause!

Dort stellte ich fest, dass ich unterwegs, trotz Pork Pie und ähnlichem, ein paar Kilo leichter geworden war. Dieser Abwärtstrend hielt sogar noch eine Weile an, und jetzt hoffe ich, mein neues Gewicht halten zu können.

Es war also wieder ein rundum gelungener Urlaub, an den ich auch jetzt, gut ein Jahr später, noch immer gern zurück denke. Wir hatten diesmal genau das richtige Maß an Planung gefunden: Das einzige, was wir wirklich mussten, war am Nachmittag des 28. Juni in Hull sein. Und je nach Kondition und Wetterlage hätten wir die Runde in Yorkshire größer oder eben auch kleiner machen können. Es war also herrlich entspannend und ohne Zeitdruck.

So lange ich mich noch auf ein Fahrrad setzen, ein Zelt aufbauen und morgens wieder aus dem Schlafsack krauchen kann, möchte ich eigentlich gar nicht anders urlauben. Das Tempo ist genau richtig, um die Eindrücke wirklich in sich aufzunehmen, am Abend blickt man stolz auf die Strecke zurück, die man aus eigener Kraft geschafft hat, und man schätzt die kleinen Dinge wieder viel mehr: Wenn sich nach einem Regenschauer die Sonne wieder vorsichtig durch die Wolken wagt, den Duft der Wiesen und Wälder und des Meeres, die Sonnenuntergänge über wunderbarer Landschaft und die Menschen, denen man begegnet.

 Bevor wir losgefahren waren, hatten wir gerade mit unserem Chor das Lied „For the Beauty of the Earth“ von John Rutter einstudiert, und unterwegs musste ich oft an diese Zeilen denken:

„For the beauty of each hour,
of the day and of the night.
Hill and vale and tree and flower,
sun and moon and stars of night.
Lord of all, to thee we raise
this our joyful hymn of praise.“

 Die Welt und das Leben können so schön sein!

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Ostengland 2013 – Teil 11

Mal wieder in York

Als wir gegen acht Uhr wach wurden, war es schon hell und trocken. Eine Stunde später schien die Sonne, also bauten wir das Zelt ab und fuhren los. Über idyllische Landwege ging es durch die Howardian Hills. Die Bezeichnung „Hills“, also Hügel, ist hier vollkommen richtig, wenn man die Definition von Rennbiene anwendet: „Wenn ich absteigen und schieben muss, ist es ein Berg.“ Nun, ich musste nicht schieben.

howardianhills nachyork

Ziel des heutigen Tages war York – einer unserer Lieblingsstädte, die wir schon mehrmals besucht hatten. Das letzte Mal warne wir vor acht Jahren hier gewesen. Wie die Zeit vergeht!

Leider hielt das Wettern nicht ganz, was es am Morgen versprochen hatte. Wir mussten immer wieder das Regenzeug an- und wieder ausziehen. Trotzdem war es eine schöne Strecke. In Sherrif Hutton gönnten wir uns ein Picknick, und dann wurde es deutlich urbaner: Sowohl die Bebauung als auch der Verkehr verdichteten sich.

Vom Norden her rollten wir in die Innenstadt von York, die zum größten Teil Fußgängerzone ist. Und das ist auch gut so, denn zu viel Verkehr würden die engen verwinkelten Gassen auf die Dauer nicht verkraften.

Ohne allzu große Schwierigkeiten fanden wir den Campingplatz am Ufer des Ouse, auf dem wir früher schon einmal gezeltet hatten. Wegen seiner zentralen Lage und der Tatsache, dass man von dort zu Fuß ins Zentrum gehen kann, hatte er uns gut gefallen. Vor der Rezeption stand eine längere Schlange Fahrzeuge, und auch im Inneren des Häuschens ging es turbulent zu. Vier Mitarbeiter des Campingplatzes waren an der Arbeit und wirkten irgendwie überfordert.

Ich stellte mich an und wurde nach kurzer Wartezeit von einem weiblichen Dragoner angebellt: „Have you come back for your pitch number?“ Wieso „back“? Ich erklärte ihr, dass wir gerade angekommen seien und gerne einchecken würden. Daraufhin sollte ich meine Clubkarte vorzeigen und erntete missbilligendes Kopfschütteln, da ich so etwas nicht besaß. Ich antwortete, dass wir nun schon über drei Wochen kreuz und quer durch England gegurkt waren, und noch nie hätte jemand uns nach so etwas gefragt. Ich wurde darauf aufmerksam gemacht, dass der Preis für Nichtkarteninhaber etwas höher sei, nämlich 30 Pfund. Mir blieb die Spucke weg. Fast 40 Euronen pro Nacht für ein Zweimannzelt und zwei Räder! Das ging mir doch etwas zu weit, gute Lage hin oder her.

Ich verließ die Rezeption und ging zurück zu Peter und den Leezen. Wir beratschlagten kurz und wollten schon weiterfahren, denn in York gibt es ja noch mehr Campingplätze, wenn auch nicht so zentral. Da kam einer der Herren aus dem Rezeptionsgebäude und rief uns zurück. Man hätte dort gedacht, dass wir zu dem Riesen-Wohnmobil vor der Schranke gehörten, das zwei Räder hintendrauf hatte. Der Preis für uns sei ewas über 18 Pfund pro Nacht. Das klang schon besser, und so folgte ich ihm hinein, erledigte die Formalitäten und erhielt einen Schlüssel für das Sanitärgebäude und die Hintertür des Platzes.

Die nette kleine Zeltwiese am Ende der langen Reihe gekiester Stellplätze war noch so, wie wir sie in Erinnerung hatten, und wir hatten sie für uns alleine. Nach dem Aufbauen gingen wir einkaufen. Wir fanden tatsächlich die Reihe Geschäfte wieder, die wir von unserem letzten Besuch vor acht Jahren noch in Erinnerung hatten. Damals mussten wir unsere Planung fast komplett umschmeißen, da ich mir vor der Abfahrt eine saftige Erkältung zugezogen hatte, die ich erst auskurieren wollte, bevor wir uns in ländlichere Gegenden begaben. Die Drogerie mit den abgefahrenen Sorten Halspastillen (Erdbeer, schwarze Johannisbeere etc.) konnten wir jedoch nicht mehr entdecken.

Auf einem Plakat stand der Aufruf „Support your local shops!“, dem wir auch prompt Folge leisteten: In dem netten kleinen Sainsbury’s deckten wir uns mit Vorräten ein.

Danach bummelten wir in die Innenstadt, wo gerade ein Art Festival stattfand. Über all gab es Musik und Kleinkunst, und es war eine Menge los. Wir ließen uns eine Weile durch die Gassen treiben und wanderten dann gemütlich am Fluss entlang zurück zum Campingplatz. Wir betraten den Platz durch den Hintereingang und waren immer noch die Einzigen auf der Zeltwiese. Wir überlegten, ob wir den Schlüssel nicht einfach behalten und irgendwann heimlich wiederkommen sollten. Nach dem Abendessen gingen wir schlafen, denn wir hatten uns für den nächsten Tag einiges an Kultur vorgenommen.

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Am nächsten Morgen ging ich nach dem Frühstück zum Abwaschen. In der Spülküche herrschte ziemliches Gedränge: Vier pensionierte Herren standen vor den Waschbecken, in denen sich größere Mengen Geschirr tummelten, gegen die sich mein Topf, zwei Teller, Becher und Löffel eher kümmerlich ausnahmen. Zwei von ihnen trugen kleidsame gelbe beziehungsweise rosa Gummihandschuhe und alle vier fachsimpelten über Teeflecken und Spülmittel. Hochinteressant.

Dann machten wir uns auf die Socken. Da wir nicht zum ersten Mal in York waren, wussten wir schon einiges über die Stadt und ihre bewegte Geschichte, die sich in ihren unterschiedlichen Namen wiederspiegelt: Die Römer nannten sie „Eboracum“, die Angelsachsen „Eoforwic“, und die Wikinger machten später „Jorvik“ daraus. Bei unserem letzten Besuch hatten wir eine Stadtführung durch die sogenannten “Snickelways” gemacht. Dieses Wort hatten wir damals zum ersten Mal gehört, es stammt nämlich von Mark Jones, dem Verfasser des Buches „The Snickelways of York“ und ist aus Teilen Wörter „snicket“ (wohl Yorkshire-Dialekt), „ginnel“ (wohl aus Lancashire) und des englischen Wortes „alleyway“ zusammegesetzt, die alle dasselbe bedeuten, nämlich „Gasse“. Es handelt sich hier um unauffällige, schmale Durchgänge und Querverbindungen verschiedener Straßen zwischen Häuserreihen hindurch, also eigentlich Schleichwege. Wenn man einmal darauf aufmerksam gemacht wurde, sieht man sie überall, nicht nur in York!

Außer Snickelways gibt es in York noch „Gates”, womit aber nicht die Stadttore gemeint sind, sondern die Straßen, nach dem skandinavischen Wort „gata“. Die Tore hingegen heißen „Bars“, vom normannischen „barrière“ abgeleitet, und die Bars heißen auch in York schlicht und ergreifend „Pubs“.

Diesmal wollten wir eine Führung durch das York Minster mitmachen. Es ist die größte gotische Kathedrale in England, und die Bauzeit betrug ungefähr 250 Jahre. Unser Reiseführer „England per Rad“ schreibt darüber: „Aus der langen Bauzeit erklärt sich die eigentümliche Stilmischung, die sämtliche gotischen Formen einschließt, ohne dass sie das Auge des Betrachters zu irritieren vermag. Besonders stolz sind die Kirchenoberen auf die Verglasung, deren Kunstfertigkeit sie in allen Teilen der Kathedrale überprüfen können, besonders im östlichen Bereich, der Marienkapelle, wo das gewaltige Fenster mit dem größten Buntglas der Welt geschmückt ist.“

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Eine alte Dame mit einem Gehstock, eine begnadete Geschichtenerzählerin mit typisch englischem Humor, zeigte uns über eine Stunde lang viele interessante Details, die man von selbst nicht sofort entdeckt. Das Minster heißt ja offiziell „The Cathedral Church of St. Peter“, und entsprechend sind die drei Symbole des heiligen Petrus (Schlüssel, Hahn und Felsen) überall zu finden. Ein Detail in einem Fenster beim Eingang wird auch seine Kreuzigung mit dem Kopf nach unten dargestellt.

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Von dem berühmten East Window, das den Anfang und das Ende der Welt zeigt, war leider nicht allzu viel zu sehen, das es gerade renoviert wurde, doch es gab eine Ausstellung darüber.

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Das Rose Window erinnert an das Ende der Rosenkriege. Die roten und weißen Rosen symbolisieren die Hochzeit von König Heinrich VII. (Haus Lancaster, rote Rose) und Elisabeth von York (weiße Rose). Ein sehr großes Fenster ist dem heiligen Cuthbert von Lindisfarne gewidmet und zeigt sehr detailreich verschiedene Stationen seines Lebens. Unsere Führerin erzählte sehr lebendig, wie der kleine Cuthbert mit den anderen Kindern seines Dorfes spielte. Da er aber damals schon sehr tugendhaft war, fiel sein Gewand beim Handstand nicht nach unten, sondern stand, so will es die Überlieferung, stramm nach oben und bedeckte seine Körpermitte und Beine. Geschichten dieser Art sind einfach das Salz in der Suppe einer guten Führung.

Ein weiteres interessantes Detail befindet sich an der Decke. Eines der Gemälde dort zeigt Maria, die das Jesuskind füttert. Dieses Gemälde entstand in der viktorianischen Zeit, und damals konnte man unmöglich eine Frau zeigen, die ihr Baby stillt. Also muss sich Jesus wohl oder übel mit der Flasche begnügen.

Der Lettner aus dem 15. Jahrhundert, der Hauptschiff und Chor voneinander trennt, stellt die Könige von England (von Wilhelm I. bis Heinrich VI.) dar, die einander sehr ähnlich sehen.

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Immer wieder führen einige Stufen (meistens drei) nach oben oder unten, und unsere Führerin ließ es sich nicht nehmen, uns jedes Mal zur Vorsicht zu mahnen. Dies tat sie nicht, weil sie uns nicht zutraute, drei Stufen zu bewältigen, sondern sie hielt sich nur streng an die „health and safety regulations“, die Regeln der Gesundheitsbehörde, die sie für gründlich übertrieben hielt.

Um 11 Uhr wurde zu einem kurzen Augenblick der Besinnung aufgerufen und das Vaterunser in mehreren Sprachen gesprochen. Dann verabschiedete sich die Dame, und wir gingen ins „Undercroft Museum“, […] „das (wie unser Reiseführer schreibt) in Räumen untergebracht ist, die 1967 gefunden wurden, als zur Sicherung des Gebäudes die Fundamente überprüft werden sollten. Zur Verblüffung der Historiker stießen die Bauarbeiter auf Unterbauten aus der römischen Zeit, die nun den würdigen Rahmen für die Schatzkammer abgeben.” Außer den Kirchenschätzen befinden sich in diesem Museum noch Modelle der Kathedrale in verschiedenen Stadien, Reste eines römischen Wandfrieses, uralte Gräber und vieles mehr.

Wir hatten diesmal viel mehr gesehen als bei unseren früheren Besuchen, aber ich bin mir sicher, dass wir auch beim nächsten Mal wieder eine Menge Neues entdecken werden.

Dann gingen wir durch die Gassen über den „Monday Market“, der aber laut Schild auch dienstags, mittwochs, donnerstags, freitags und samstags geöffnet hat, und wo sich die üblichen Verdächtigen versammeln: Lebensmittel, Kleidung, Souvenirs etc.

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Kultur macht ja bekanntlich hungrig, und so wurde es Zeit für einen Imbiss. Diesen gönnten wir uns auf einer Bank bei Clifford’s Tower, wo sich auch zahlreiche Gänse tummelten.

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Dann machten wir einen ausgedehnten Spaziergang auf der Stadtmauer. Auf diese Weise sieht man die Stadt aus einer anderen Perspektive.

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An strategisch wichtigen Stellen sind Plaketten im Boden eingelassen, die angeben, welche Sehenswürdigkeiten in der Nähe sind. Die Plakette „Jewbury“ zum Beispiel auf der Höhe des großen Sainsbury-Supermarkts weist auf den ehemaligen jüdischen Friedhof. Wir erinnerten uns daran, was wir bei unserem letzten Besuch bei einer Stadtrundfahrt gehört hatten: Als der Supermarkt gebaut werden sollte, wurden bei den Bauarbeiten die Überreste des Friedhofs entdeckt. Nach einigem hin und Her, was man damit machen sollte, beschloss man, sie dort wieder zu begraben, einen Rabbi die notwendigen Riten vollziehen zu lassen und den Supermarkt nebst Parkplatz wie geplant darüber zu bauen.

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Die Umrundung des Zentrums auf der Stadtmauer ist ein ganz schöner Spaziergang, und so verließen wir bei St. Olave’s Church die Mauer und machten eine Pause im angrenzenden Park.

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Danach gingen wir zurück zum Campingplatz. Dort stand inzwischen ein anderes Zelt neben unserem, an dessen Spannschnüren Wandersocken auslüfteten. Den Nachbarn bekamen wir jedoch nicht zu sehen. In der Zeitung ging die Soap um Nigella Lawson und ihren nichtsnutzigen Gatten fröhlich weiter. Außerdem wurde für den nächsten Tag gutes Wetter angekündigt, was uns sehr in den Kram passte: Wir wollten nämlich wieder an die Küste und die letzten Tage an der See verbringen.

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Ostengland 2013 – Teil 10

Die North York Moors

 In der Nacht hatte der Regen gemütlich auf das Zelt getrommelt, das bis jetzt zum Glück gut dicht hielt. Am Morgen regnete es leider immer noch, so dass wir im Vorzelt frühstückten – ohne Kaffee, da sich das Anzünden des Gaskochers im Zeltinneren nicht empfiehlt. Danach war immer noch keine Struktur in der Wolkendecke zu sehen, also hieß es nass abbauen und einpacken. Richard war weit und breit nirgends zu sehen. Treulose Tomate.

Wir brachen auf und glitschten vorsichtig den steilen Hügel vom Campingplatz zur Hauptstraße hinunter und fuhren zum Bahnhof. Da es bis zur Abfahrt der „North Yorkshire Moors Railway“ noch eine Weile dauerte, deckten wir uns im Supermarkt schon mal mit Verpflegung ein. Dann unterhielten wir uns mit einem Radfahrer aus der Gegend, der mit dem Zug nach Middlesborough und dann nach Norden radeln wollte. Als ich ihm erzählte, wo wir bisher gewesen waren, meinte er: „You‘ve done the easiest part then.“ Sooo deutlich hätte man das jetzt auch nicht formulieren müssen, auch wenn es stimmte. Dann bemerkte er, dass die Leute „vom Kontinent“ meistens mit Ortlieb-Packtaschen unterwegs seien. Richtig, sie sind zwar nicht billig, aber meine Hintertaschen habe ich schon zwölf Jahre, und sie sind immer noch tiptop in Ordnung: Sie sind noch absolut wasserdicht, und auch die Aufhängung ist noch so, wie sie sein soll.

Dann fuhr der Zug ein und die Dampflokomotive („Green Knight“, Baujahr 1956) wurde umgehängt.

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Ein Zugbegleiter in stilvoller Uniform half uns, die Räder ins Innere zu bugsieren, und wir suchten uns einen Fensterplatz in der Nähe unserer Leezen. Dann tuckerte die Bahn am Fluss Esk entlang aus Whitby heraus. Wir warfen noch einen letzten Blick auf die Abbey.

Als wir mit der Planung unseres ersten gemeinsamen Englandurlaubs beschäftigt waren, stieß ich in einem Reiseführer auf eine Beschreibung dieser Eisenbahnstrecke und erklärte zur Erheiterung der Verwandtschaft: „Dann weiß ich schon, wer Bahn fährt.“ Damals waren wir die Strecke in Gegenrichtung, von Pickering nach Whitby, gefahren und ich hatte einer alten Dame im Fahrrad- und Gepäckwagen Gesellschaft geleistet, das ihr Rollstuhl nicht durch die Abteiltür passte. Wir hatten uns sehr angenehm unterhalten.

Diesmal hatte ich einen schönen Sitzplatz am Fenster und genoss die Aussicht auf die dramatischen Hügel, während der Regen gegen die Scheiben schlug. Es war eine gute Entscheidung, mit der Bahn zu fahren.

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Nach einer Dreiviertelstunde erreichten wir Goathland, einen schnuckligen Bahnhof, wo die Abfahrtszeiten noch mit Kreide an eine Tafel geschrieben werden. Später las ich, dass es sich um den Bahnhof von Hogsmeade in den Harry-Potter-Filmen handelt. Schön, nicht?

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Wir fotografierten noch ein paar der steilen Hügel und waren froh, dass wir da nicht drüber mussten.

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Dann erreichten wir die Endstation Pickering. Einer der Schaffner brachte eilfertig eine Rampe, über die wir die Räder problemlos nach draußen befördern konnten. Inzwischen hatte es aufgehört zu regnen, aber es war immer noch bewölkt und ungemütlich. Also beschlossen wir, heute nicht mehr allzuweit zu radeln. Zwischendurch kam auch die Sonne wieder vorsichtig hervor.

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In Great Barugh, das nur aus ein paar Gehöften besteht (der Nachbarort Little Barugh ist sogar noch kleiner), fanden wir den netten Campingplatz „Willow Garth“, den Weidengarten. Zum Einchecken mussten wir erst einmal um das Haus in den Garten, wo sich die Familie versammelt hatte, um die vier Sonnenstrahlen des heutigen Tages zu genießen. An der Rezeption konnte man auch Milch, Brot und die Zeitung bestellen, und sie hatten auch Spülmittel, Shampoo, Bratfett und dergleichen in handliche Minifläschchen abgefüllt, die für 50 p verkauft wurden.

Wir suchten uns ein nettes Plätzchen und bauten das nasse Zelt auf. Dann wollte ich duschen, was aber leichter gesagt als getan war. Man brauchte 20 p für drei Minuten Duschen, doch nachdem ich die Münze in den für den Münzeinwurf bestimmten Münzeinwurf geworfen hatte, leuchtete nur der rote Schriftzug „Reset“. Also musste ich mein Zeugs wieder zusammensuchen, mich in mein Handtuch wickeln und in die Nebenkabine umziehen, wo es dann zum Glück funktionierte.

Dann nahm ich diverse Broschüren und Umgebungskarten aus dem Kästchen im Vorraum und ging zurück zum Zelt. Inzwischen schien tatsächlich die Sonne, so dass der Tag doch mehr als vier Sonnenstrahlen aufweisen konnte. Wir studierten das Informationsmaterial und beschlossen, nicht gleich am nächsten Tag nach York weiter zu fahren, sondern das Freilichtmuseum in Hutton-le-Hole zu besuchen und diverse Aussichtspunkte zu erradeln.

Im Lauf des Nachmittags trudelten einige Familien ein – es war wieder Freitag. Wir machten ein Schläfchen, lasen weiter in unseren Kathedralbüchern und brutzelten irgendwann ein Abendessen. Dann verkrochen wir uns in unsere Schlafsäcke und wurden vom Blöken der Schafe in den Schlaf gewiegt. Es lebe das Landleben!

Nachts regnete es wieder, und morgens war es bewölkt, als wir nach Hutton-le-Hole aufbrachen. Erst war es noch schön sanftwellig und irgendwann passierten wir das Schild „North York Moors National Park“. Das wäre gar nicht nötig gewesen, denn jetzt ging es kräftig bergauf. Wie es sich für einen Samstag gehört, waren auch die Rennradler wieder in Rudeln unterwegs. Wie so oft fiel es uns auf, das manche uns freundlich grüßten, andere aber schienen es für unter ihrer Würde zu halten, sich mit Tourenradlern zu befassen und glotzten stur geradeaus.

Hutton-le-Hole ist ein typisches idyllisches Yorkshire-Dorf mit einer kurzen Dorfstraße mit ein paar Läden, einigen Wohnhäusern und dem Ryedale Folk Museum, wo gerade das „Wonders of Wood Weekend“ stattfand.

Nachdem wir unseren Eintritt bezahlt hatten, wurden wir erst in die Kunstgalerie dirigiert, wo man verschiedene Landschaftsgemälde bewundern konnte. Dann ging es nach draußen durch eine Dorfstraße des frühen 20. Jahrhunderts: Schmied, Bäcker, Dorfladen, Drogerie und natürlich Bauernhöfe mit Haupt- und Nebengebäuden sind dort liebevoll aufgebaut und gestaltet.

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In einigen dieser Gebäude zeigten an diesem Wochenende alle möglichen Handwerker, was man alles aus Holz machen kann. Fasziniert schauten wir einem Drechsler bei der Arbeit zu, ließen uns erklären, wie man einen Bogen herstellt und beobachteten eine Dame beim Stuhlflechten. Ich finde (Kunst-)Handwerk faszinierend und könnte stundenlang zuschauen. Das Stuhlflechten würde ich auch gerne mal selbst ausprobieren.

Außerdem hat das Museum ein rekonstruiertes Rundhaus aus der Eisenzeit, das einen guten Eindruck des Lebens damals vermittelt. Alles spielte sich in einem einzigen Raum ab. Bei diesem Rundhaus gibt es auch ein Labyrinth, das der Gatte natürlich sofort durchwandern musste.

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Doch nicht nur die Vergangenheit spielt im Ryedale Folk Museum eine wichtige Rolle, sondern auch Landwirtschaft und Naturschutz in der Gegenwart. Wir lernten die beiden Minischweinderl Ethel und Maud kennen und sahen verschiedene Arten von Hühnern.

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Auch einen Obstgarten gibt es hier, wo anhand von Fotos der Fruchtzyklus des Apfelbaums erklärt wird, und man wird darauf hingewiesen, wie wichtig die traditionellen Obstgärten für unsere Umwelt sind. Auch gibt es dort eine Wiese mit alten Acker- und Wiesenblumen, die man leider nicht mehr so oft sieht: Kornblumen, Klatschmohn, Schafgarben, Margeriten, Springkraut und viele mehr.

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Doch nicht nur draußen gibt es einiges zu sehen. In einem der alten Gebäude befindet sich die Harrison Collection der Brüder Edward und Richard Harrison, die alles Mögliche aus fünf Jahrhunderten gesammelt hatten: Uhren, Puppen, Bücher, Spielzeug aller Art – es gibt eigentlich kaum etwas, was sie nicht sammelten.

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Mein persönlicher Höhepunkt war allerdings „The Model Village“. In den 50er Jahren begann ein gewisser John Hayton aus Harrogate, dieses Miniaturdorf zu bauen, und es beschäftigte ihn die nächsten 30 Jahre. Nach seinem Tod wurde das Dorf in den Harlow Carr Gardens in Harrogate ausgestellt, bis es im Jahr 2008 nicht mehr ins Konzept passte. Das Ryedal Folk Museum zeigte sich interessiert, doch leider überstanden die zahlreichen Gebäude den Transport nicht besonders gut und mussten erst aufwändig von einigen freiwilligen Helfern restauriert werden, bevor sie ein Jahr später wieder in voller Glorie ausgestellt werden konnten. Ich konnte mich gar nicht satt sehen an den liebevoll und detailliert gestalteten Gebäuden: Kirche, Schloss, Pub, eine Windmühle und vieles mehr.

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Am Ende unseres Besuchs entdeckte ich noch ein Schmankerl für Alex und ihr Blog „Buurtaal“. Ort hat sie vor einiger Zeit einen Post über die verschiedenen Namen für das stille Örtchen verfasst. Hier gibt es die Nachbildung eines viktorianischen Außenklos. Wasserspülung gab es zu dieser Zeit natürlich noch nicht, und damit es in den Sommermonaten nicht gar so stinkt, pflanzte man einen Fliederstauch daneben, und so heißt das Häuschen passenderweise „Lilac Cottage“ (Fliederhäuschen).

lilaccottage

Es war ein rundum gelungener Besuch. Als wir das Museum verließen, kam mal wieder ein Regenschauer herunter, so dass wir uns unter einen großen Baum stellten und die Gänse auf der Dorfstraße beobachteten.

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Dann fuhren wir weiter, teilweise über Steigungen von 16%, zum Aussichtspunkt Gillmoor. Die Strampelei lohnte sich aber durchaus, die Aussicht ist toll! Dort befindet sich auch eine Bank, und in der Steinmauer daneben eine Tafel mit einem Gebet:

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“Thou who hast given me eyes to see
And love this sight so fair,
Give me a heart to find out thee
And read thee everywhere.” (J. Keble)

Wer auch immer das Schild dort anbringen ließ, man kann ihm einfach nur Recht geben.

Wie die Aussicht hatten wir uns auch die Abfahrt ins Tal redlich verdient. Wir fuhren ins Dorf Normanby, nicht weit von unserem Campingplatz, wo wir auf den Hinweg ein nettes Pub für unser Abendessen entdeckt hatten. Dort wollte man mir erst nur ein halbes Pint andrehen, aber nach den vorangegangenen Anstrengungen bestand ich – gar nicht ladylike – auf einem ganzen Pint, was von den Leuten am Nebentisch mit einem „good for you“ kommentiert wurde. Geht doch. Nach einer einfachen, aber nahrhaften Mahlzeit fuhren wir zurück zum Campingplatz. Inzwischen hatte es wieder zu regnen angefangen. Einer der Dauercamper sah es philosophisch: „The weather is always like this, one minute sun, one minute rain, and we can’t do anything about it.“

Wir verkrochen uns ins Zelt und widmeten uns unserer Zeitungslektüre. Der Aufreger der Woche war diesmal ein Foto der Autorin und Fernsehköchin Nigella Lawson und ihrem Mann Charles Saatchi in einem Londoner Restaurant. Die beiden sind anscheinend in einen Streit verwickelt, und er würgt sie. Irgendwie stieß mir das Foto ziemlich auf, ich hätte es sympathischer, wenn auch weniger medienwirksam gefunden, wenn der Fotograf anstatt zu knipsen, dem sauberen Herrn erklärt hätte, dass man sich so einfach nicht benimmt. Das Ganze wurde noch eine Weile in der Presse breit getreten, und im Juli ließ Nigella sich scheiden.

Da die Wettervorhersage nicht sehr vielversprechend aussah, wollten am nächsten Morgen spätestens um 11 Uhr beschließen, ob wir noch bleiben oder weiterziehen würden.

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Mich gibt es noch – und wie!

Mein letzter Post ist schon wieder zwei Monate her – Grundgütiger, wie die Zeit vergeht! Die letzten Wochen waren einfach ein Tollhaus: Die Arbeit kam mal wieder geballt, und wenn ich dann etwas Freizeit hatte, wollte ich einfach nur da sitzen und mich entspannen. In den Abendstunden arbeiten wir uns  greade durch größere Teile der DVD-Box von “James Herriot” (Der Doktor und das liebe Vieh). Wie Peter so schön feststellte, passiert zwar dort auch einiges, aber trotzdem strahlen die Folgen eine gewisse Ruhe aus, was  nicht zuletzt an den weiten, dünn besiedelten Yorkshire Dales liegt.

Natürlich gibt es auch ein paar Dinge zu berichten. Am Pfingstwochenende war wieder die Kunstroute (Kunst und Landschaft), uns selbstverständlich habe ich wieder mitgeholfen: Zwei Schichten  an der Kasse. Auch dieses Jahr waren wieder ein paar schöne Kunstwerke und Installationen dabei:

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Die Darstellung der Lebensalter vom Dreirad zum Rollator inspirierten den Gatten zu einer eigenen Interpretation:

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Und die Seerosen im Teich im Roombeek sind zwar kein Kunstwerk, aber wunderschön:

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Auch sonst tut sich einiges. Im Kirschbaum vor unserem Schlafzimmerfenster befindet sich ein Taubennest. Es ist recht gut versteckt, aber wir haben schon entdeckt, dass der Nachwuchs inzwischen geschlüpft ist. Wie viele es sind, wissen wir aber leider nicht, da müsste man schon mit der Leiter nach oben, und das wollen wir der jungen Familie nicht antun. Wenn man genau hinschaut, kann man die damals noch brütende Taube erkennen:

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In den nächsten Tagen werde ich mich an die noch ausstehenden Reiseberichte machen, denn sonst sind wir schon wieder im Urlaub, und dann wird es ein ziemliches Durcheinander.

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Ostengland 2013 – Teil 9

Weltstadt Whitby

 Am Morgen war es mal wieder bewölkt, doch während des Frühstücks wagte sich die Sonne langsam und vorsichtig hinter den Wolken hervor.

Dieses Mal dauerte es etwas länger als die üblichen zwei Stunden nach dem Aufstehen, bis wir reisefertig waren, denn beim Betrachten unserer gepackten Taschen fand Peter, dass sie Ähnlichkeit mit „standing stones“ hatten, und dass man daraus einen wunderbaren Steinkreis bauen konnte. Also experimentierten wir mit verschiedenen Aufstellungen. Leute, vergesst Stonehenge, und Avebury war gestern! Die Touristenattraktion des 21. Jahrhunderts ist der Hunmanby Bag Circle.

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Dann machten wir uns auf den Weg nach Scarborough, und dreimal dürft ihr raten, welcher Ohrwurm mich an diesem Tag verfolgte. Tipp: Beim Kochen habe ich ihn auch gelegentlich.

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Unterwegs kamen wir an einem „Car Boot Sale“ vorbei, einer Art Flohmarkt, wobei viele der Artikel direkt aus dem Kofferraum der zahlreichen Autos verkauft wurde. Was wir im Vorbeifahren erspähten, weckte in uns nicht den Wunsch, sich das Ganze genauer anzuschauen. Wir hatten selten so viel Ramsch auf einem Haufen gesehen.

Als wir Scarborough erreichten, machten wir uns auf die Suche nach dem Anfang des „Cinder Track“, einer stillgelegten Eisenbahnstrecke, die jetzt ein Radweg ist. Vor knapp zwanzig Jahren waren wir schon einmal das Stück von Whitby bis Ravenscar gefahren, und zu meiner großen Freude hatte ich im Internet entdeckt, dass man den Weg inzwischen bis Scarborough durchgezogen hatte. Soweit ich mich erinnerte, war der Weg recht gut zu fahren und die Steigungen, die es in dieser Gegend in sich haben, hielten sich in Grenzen. Der einzige Nachteil war, dass man von der Schlacke, die als Bodenbelag verwendet wird (daher auch der Name „Cinder Track“), ziemlich schwarze Beine bekam, aber damit kann man ja leben.

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Der Eingang ist nicht gerade leicht zu finden, man muss irgendwie hintenrum über den Parkplatz des Superstore. Dort machten wir auf einer Bank Brotzeit, was zur Folge hatte, dass sich plötzlich sämtliche Hunde Scarboroughs mit ihren Herrchen und Frauchen im Schlepp zu uns gesellten. Auch ein Rudel Kindergartenkinder mit gelben Sicherheitswesten kam vorbei. Ihre Leiter hätten einen Schäferhund, der die Kleinen umkreist, gut gebrauchen können.

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Dann fuhren wir weiter und folgten den Totempfählen, die den „Cinder Track“ markieren. Am Anfang ging es noch wunderbar. Der Weg war zwar geschottert, und immer, wenn er eine Straße kreuzte, musste man mühsam ein Gatter öffnen oder umfahren (die Betonung liegt auf der zweiten Silbe, nicht auf der ersten), aber verglichen mit der Landschaft, durch die der Weg führt, ist er wirklich ziemlich flach.

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Wir kamen an schnuckligen Häuschen, Rapsfeldern und blühenden Ginstersträuchern vorbei und genossen die spektakuläre Aussicht über die Hügel und die Küste.

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Doch leider wurde die Oberfläche immer schlechter, und auf den an den Gattern angebrachten Hinweiszetteln konnte man lesen, dass die starken Regenfälle im Frühjahr den Belag zum größten Teil weggespült hatten. Die Folge waren tiefe Schlaglöcher, die man mit akrobatischem Geschick umfahren musste, und bei Gegenverkehr, von dem es hier eine ganze Menge gab, wurde es manchmal richtig gefährlich.

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Bei Ravenscar entschlossen wir uns dann, den Weg zu verlassen und über die steigungsreiche Hauptstraße weiter nach Whitby zu fahren.

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Es war mal wieder der Wahl zwischen Pest und Cholera, denn die Hügel haben es in sich, und die Autos, die hier unterwegs sind, fahren nicht gerade langsam. Deshalb waren wir froh, als wir die A 171 verlassen und über Sneaton und Ruswarp weiterfahren konnten. Die paar zusätzlichen Kilometer nahmen wir gerne in Kauf. Whitby konnten wir auf jeden Fall nicht verfehlen, denn schon eine ganze Weile sahen wir die alten Abteiruinen ehrfurchtgebietend auf den Klippen thronen.

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Kurz vor Whitby ging es jedoch mal wieder schief, denn bei der Brücke über den Fluss Esk gab es zwei Schilder, die einen Radweg in die Stadt anzeigten, und der Hausherr, der es mal wieder eilig hatte, war nirgendwo zu sehen. Ich fragte einen Radfahrer, der aus einem der Wege kam, ob Peter ihm entgegen gekommen war, doch er verneinte. Also fuhr ich vorsichtig ein Stück den anderen Weg entlang, und Peter, der wohl gemerkt hatte, dass ich nicht mehr da war, war inzwischen auch umgekehrt, und so machten wir uns zusammen auf den Weg in die Stadt, die in Bram Stokers Roman “Dracula” folgendermaßen beschreiben wird:

“This is a lovely place. The little river, the Esk, runs through a deep valley, which broadens out as it comes near the harbour. [...] The valley is beautifully green, and it is so steep that when you are on the high land on either side you look right across ist, unless you are near enough to see down. [...] Right over the town is the ruin of Whitby Abbey, which was sacked by the Danes [...]. (Seite 80)

Und steil ist es hier wirklich, manchmal sogar um die 20%, so dass ich mal wieder zum Schieben verdammt war. Bei einer scharfen Rechtskurve überkamen mich plötzlich Zweifel dass ich mein Rad da herum kriegen würde! Sollte ich jetzt etwa alles abladen und einzeln diesen verflixten Hang hochschleppen? Mit aller Kraft stemmte ich mich dagegen und schaffte die Kurve. Wir sahen ein Schild zu einem Campingplatz, dem wir folgten, und sahen einen Mann mit sehr muskulösen Oberarmen, der einen Kinderwagen nach oben schob. Diese Muskelpakete braucht man hier auch!

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Der Campingplatz befand sich noch im Aufbau, und der Platzwart war auf dem Gerüst eines Ferienhäuschens zu finden. Er rief uns zu, dass wir uns einen Platz aussuchen durften und später abrechnen sollten. Wir suchten uns ein Plätzchen auf der terrassenartig angelegten Wiese und bauten langsam auf. Mann, war ich geschafft.

Als unser Zelt stand, gingen wir den Hügel wieder hinunter ins Zentrum.

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Bei einem Mega-Coop am Bahnhof mit einer riesigen Kühlfront kauften wir ein, allerdings nicht für das heutige Abendessen. Auf dem Weg hatten wir einige Fish-and-Chips-Läden entdeckt, und da wir schon in einer Hafenstadt waren, konnte man sich auch mal wieder so etwas gönnen. In dem Landen überließ ich es Peter, das Essen zu besorgen, denn die Hitze dort drin und der Fisch- und Fritierfettgeruch hätten mich fast aus den Socken gehauen. Im spärlichen Schatten der Hauswand wartete ich und ärgerte mich im Stillen über einen ebenfalls wartenden Autofahrer, der die ganze Zeit den Motor laufen ließ. Ich überlegte, ob ich etwas sagen sollte, aber es erschien mir nicht ratsam, mich mit diesem tätowierten Kleiderschrank am Steuer anzulegen. Also grollte ich nur leise vor mich hin, bis Peter wieder aus dem Laden kam.

Wieder auf dem Campingplatz verspeisten wir mit Aussicht über die Stadt unsere Fish and Chips.

Danach machten wir einen Verdauungsspaziergang zur Abbey. Diese war im 7. Jahrhundert erbaut worden, doch bereits im Jahre 877 wurde sie von den damals noch heidnischen Dänen zerstört. Seit 1995, als wir unseren ersten gemeinsamen Englandradurlaub gemacht hatten, hatte sich dort einiges verändert. Um die Ruinen, die damals noch frei zugänglich waren, zog sich jetzt eine Mauer mit einem Abbey Experience Centre“. Fotgrafieren konnte man die Ruinen aber immer noch kostenlos. Den Campingplatz zwischen Ruinen und Steilküste, auf dem wir damals gestanden hatten, gab es nicht mehr. Dort hatte ich damals nachts immer wieder zur Abbey gespäht, ob die Äbtissin Hilda, die seit dem Überfall der Dänen regelmäßig an einem der Fenster erscheinen soll, oder eines der anderen Gespenster, die sich dort angeblich rumtreiben, zeigen würde, aber nichts war’s. Und diesmal war unser Campingplatz zu weit weg.

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Wir gingen noch ein Stück an der Steilküste spazieren, die auch hier sehr eindrucksvoll ist, und genossen den Blick über das Meer und die Aussicht über die Stadt.

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Auf einer Weide grasten vier Kühe, die sich extra für das Foto nebeneinander aufstellten.

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Dann gingen wir zurück zum Campingplatz, wo sich ein Amselmännchen bei unserem Zelt niedergelassen hatte, und bewunderten den Sonnenuntergang über der Stadt. Dann gingen wir schlafen.

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In der Nacht fing es an zu regnen, und der Regen hielt auch morgens noch an, so dass wir erst mal im Zelt herumtrödelten, lasen und Postkarten schrieben, von denen wir einige schon seit zwei Wochen mitschleppten. Bei unserem späten Frühstück leistete uns das Amselmännchen von gestern Gesellschaft und ließ sich zutraulich auf meinem Fahrradlenker nieder. Wir beschlossen, ihn Richard zu nennen, das passte irgendwie zu ihm.

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Endlich war es trocken genug, dass wir in die Stadt gehen konnten. Wie in Lincoln kann man auch hier 3D-Karten aus dem Automaten ziehen, aber da Whitby eher überschaubar ist, verzichteten wir diesmal darauf. Die Stadt ist nicht nur wegen ihrer Abteiruine einschließlich Gespenster bekannt, sondern auch wegen des Seefahrers James Cook, der hier im Jahre 1768 zu seiner Südseereise aufgebrochen war. Auch seine Schiffe wurden hier gebaut.

Außerdem schrieb Bram Stoker hier seinen Roman „Dracula“ und ließ den Vampir aus Transsylvanien in Whitby an Land gehen. Während des Studiums hatte ich das Buch zwar gelesen, aber erst jetzt erschien mir Whitby als Landeplatz denkbar unlogisch, wenn man mit dem Schiff aus Rumänien kommt. Wäre da ein südenglischer Hafen nicht naheliegender gewesen? Diese Frage ließ mir keine Ruhe, und so nahm ich mir zu Hause noch einmal den Roman vor. Und tatsächlich, das Schiff „Demeter“ war wegen eines Sturms vom Kurs abgekommen, und der Graf hatte unterwegs die Besatzung gnadenlos dezimiert. Als die „Demeter“ den Hafen von Whitby erreicht hatte, waren nur noch der ans Steuer gebundene tote Kapitän und ein schwarzer Hund an Bord. Letzterer sprang an Land und verschwand.

Als erstes gingen wir zum Bahnhof, um Karten für die „North York Moor Railway“, eine Dampfeisenbahn, die durch die raue Heidelandschaft nach Pickering fährt, zu erwerben. Dort wollten wir morgen hin und dann weiter nach York.

Danach bummelten wir durch die Stadt mit ihren schmalen steilen Gassen und besuchten die zahlreichen Geschäfte. Die gefühlten sieben Hügel der Stadt haben es in sich, da die Engländer anscheinend nicht viel von Serpentinen halten und die Straßen möglichst gerade den Berg hinauf legen.

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Im Hafen gingen wir bis zum Ende des Piers, wobei man gut aufpassen musste, wo man hin tritt, denn zwischen den Planken befinden sich breite Spalten, und es geht ziemlich tief runter. Am Anfang des Piers gibt es einige Fish-and-Chips-Läden und auch entsprechen viele Möwen, doch gegen Ende, wo weniger Menschen sind, verteilen sich die Vögel auch wieder. Misstrauisch beäugte ich die Möwen, denn bei meinem ersten Aufenthalt hier hatte mich eine so richtig erwischt – die Ladung landete mitten auf meinem Kopf! Ich hatte mich selten so beschissen gefühlt. Diesmal jedoch blieb mir ein solches Missgeschick erspart und ich konnte die Aussicht über den Hafen und zur Abbey auf dem gegenüberliegenden Hügel genießen.

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Nach einer Weile fing es wieder an zu regnen, und wir gingen zum Supermarkt und danach zurück zum Campingplatz, wo wir den Tag mit Salat, Pork Pie, Birnencider und Zeitungslektüre ausklingen ließen.

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A Beautiful Day

“It’s a beautiful day
The sun is shining
I feel good
And no-one’s gonna stop me now…”

Vor einigen Jahren durfte die Seehundstation Pieterburen diese Zeilen des bekannten Queen-Songs  für einen ihrer Werbespots verwenden. Seitdem heißt der Tag, an dem die Seehunde freigelassen werden, “beautiful day”. Der von unserem Seehund Lewis und von uns war am 16. April 2014.

Nachdem wir ja bei unserem ersten Seehund Mara nicht mitfahren konnten, freuten wir uns besonders, als wir eine Woche vorher den Anruf bekamen: “Lewis wird am 16. April auf Schiermonnikoog freigelassen.” Wir konsultierten unsere Terminplaner und stellten fest, dass wir beide nichts hatten, was man nicht absagen oder verschieben konnte. Die Leiterin des Workshops, für den ich angemeldet war, musste zwar erst mal googlen, was ein Adoptivseehund ist, hatte dann aber vollstes Verständnis und wünsche mir viel Spaß. Und auf Schiermonnikoog waren wir bisher auch noch nicht gewesen.

Um 5.20 Uhr klingelte dann am Mittwoch der Wecker – eine barbarische Zeit, aber was tut man nicht alles für einen Seehund. Das Thermometer zeigte 1,5 Grad, und nach einem eiligen Frühstück fuhren wir warm eingepackt Richtung Norden. Im Lauf des Tages wurde es jedoch wärmer, so dass wir uns nach und nach der Kleidung entledigen konnten. Pünktlich waren wir am Fähranleger in Lauwersoog und konnten unsere Tickets für die Überfahrt erwerben, bevor das große Gedränge losging. Unsere Fähre “Rottum” wartete schon im Hafen.

Rottum

Nun mussten wir nur noch André von der Seehundstation finden. Wir hatten zwar keine Ahnung, wie er aussah, aber immerhin eine Handynummer für Notfälle. Als erstes stießen wir auf Dave von der Organisation EHBZ Velsen (Erste Hilfe bei Seehunden), und dann kam auch schon André. Gemeinsam gingen wir auf die Fähre, wo die Seehunde schon auf dem Autodeck waren. Eine freiwillige Helferin der Seehundstation fotografierte die Seehunde für uns.

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Später erfuhren wir, dass sie aus Kanada kommt und ein dreimonatiges Praktikum bei der Seehundstation absolviert hatte. Am Tag ihrer Ankunft war der Seehund Ruben dort eingeliefert worden, der an ihrem letzten Arbeitstag freigelassen werden sollte. Das passte ja wunderbar.

Dann erzählte André uns, dass an diesem Tag sieben Seehunde freigelassen werden sollten, und wir tauschten Geschichten und Informationen aus.

Liste

Wir stellten erfreut fest, dass Lewis, der bei seiner Einlieferung am 14. Januar nur knapp über 18 kg gewogen hatte, inzwischen stolze 40,7 kg auf die Waage bringt.

Ein Ehepaar aus Veenendaal hatte den stark geschwächten Seehund Kyno in der Provinz Seeland gefunden. Erst hatten sie die Notrufnummer für Tiere angerufen. Da sich dort aber nicht gleich jemand gemeldet hatte, probierten sie es mit 112, und siehe da, dort wusste man ebenfalls, was getan werden musste. Kyno wurde nach Pieterburen gebracht, und sie durften mitfahren. Auch sie freuten sich sehr, dass sie bei der Freilassung dabei sein konnten.

Nach einer Dreiviertelstunde hatten wir die Insel erreicht und wurden auf verschiedene Fahrzeuge verteilt, die uns zum Badweg brachten. Dort wurden die Seehunde umgeladen, und Peter durfte Lewis ein Stückchen tragen.

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Dann fuhren die zwei Landrover uns durch die Dünen zum Paal 5 (Pfahl 5), wo sich bereits eine große Menschenmenge versammelt hatte.Eigentlich hätten wir mit dem Hut herumgehen sollen, dann hätte man sicher wieder einen oder zwei Seehunde durchfüttern können.

Die Kisten mit den Seehunden wurden ausgeladen und in einer Reihe aufgestellt. Dann bat André die Neugierigen, hinter eine bestimmte Linie zurück zu treten, was sie auch ohne Murren taten. Gespannt nahmen die Adoptiveltern bei den Kisten ihrer Seehunde Platz. Peter hatte sich bereit erklärt, das Fotografieren zu übernehmen, damit ich die Kiste öffnen durfte. Danke!

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Dann gab André das Startsignal. Wir öffneten die Kisten, und die Seehunde lugten vorsichtig hinaus. Lewis schaute noch einmal kurz auf die Seite und schoss dann auf das Wasser zu. Drei weitere folgten ihm sofort und verschwanden alsbald in den Fluten. Doch Ozzy und zwei andere hatten erst gar keine Lust ins Wasser zu gehen und hoppelten erst einmal wieder zu den Kisten zurück. Vielleicht fanden sie das Wasser zu nass.

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Doch nach einer Weile fanden auch sie den Weg in die salzige See und schwammen davon.

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Nachdem wir ihnen noch ausgiebig hinterher gewinkt hatten, räumten wir auf und fuhren unter wildem Geschüttel zurück ins Dorf, wo wir uns noch zu einer Tasse Kaffee zusammen setzten. Während wir uns unterhielten, klingelte das Handy meines Tischnachbarn, und er meldete sich: “Ja, ich bin gerade auf Schiermonnikoog. Wir haben einen Seehund freigelassen.” Pause, dann noch eimal langsam und deutlich: “Wir haben einen Seehund freigelassen.” Tja, so oft kommt das anscheinend nicht vor.

Wir tauschten unsere Mailadressen aus, und Jillian richtete eine Dropbox ein, wo wir alle in den nächsten Tagen unsere Fotos deponierten. Einige der Fotos in diesem Bericht sind also nicht von uns, aber mir wurde gestattet, sie zu verwenden.

Außerdem hat Sven noch einen kurzen Film von der Freilassung gemacht und mit der passenden Musik unterlegt:

Es war wirklich ein tolles Erlebnis, und wir freuen uns immer noch, dass wir dabei sein konnten. Vielen Dank noch mal an die Leute von der Seehundstation und auch an alle anderen “Adoptiveltern”, die ihren Beitrag zu der tollen Stimmung geleistet haben. It was a beautiful day!

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Frühjahrsputz – Voorjaarsschoomaak

Frühjahrsputz – das heißt nicht, dass ich mit Putzeimer und Lappen bewaffnet durchs Haus wetze, obwohl das auch mal wieder dringend nötig wäre. Nein, im Moment geht es einfach arbeitsmäßig wieder ziemlich rund – viel mehr als mir lieb ist. Darunter leiden momentan nicht nur meine Hobbys (der letzte Eintrag hier ist ja auch schon wieder eine Ewigkeit her), sondern auch mein Elan und meine gute Laune. Zeit zum Ausmisten also.

Deshalb bin ich gerade dabei, einige Projekte, Aufgaben und Abläufe unter die Lupe zu nehmen. Ein paar Dinge werde ich in Zukunft nicht mehr machen, da sie einfach mehr Zeit und Aufwand kosten, als was sie einbringen. Bei anderen Dingen muss eine andere Arbeitsverteilung her – es kann nicht sein, dass der ganze unliebsame Kleinkram immer öfter bei mir landet, “weil die anderen es nicht einplanen können”. Letzte Woche habe ich kategorisch erklärt, dass ich es auch nicht kann.

Ich hoffe, dass das Aussieben in absehbarer Zeit Früchte abwirft und ich endlich mal wieder die Zeit und Inspiration für einige Blogposts finde. Es ist ja nicht so, dass es nichts zu berichten gäbe! Am Mittwoch z.B. wird unser Adoptionsseehund Lewis freigelassen. Diesen Tag haben wir uns freigeschaufelt und fahren mit nach Schiermonnikoog, der einizgen niederländischen Watteninsel, auf der wir noch nicht waren. Und davon werde ich selbstverständlich Bericht erstatten.

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Voorjaarsschoonmaak – dat betekent niet, dat ik met emmer en dweil door het huis stuif, hoewel dat eigenlijk ook weer dringend nodig is. Nee, op het moment is er op het werk gewoon heel veel te doen – veel meer dan goed is voor mij. Daaronder lijden niet alleen mijn hobby’s (mijn laatste post hier ligt ook al weer in een ver verleden), maar ook mij enthousiasme en mijn humeur. Tijd voor de schoonmaak dus.

Daarom ben ik nu bezig, een aantal projecten, werkzaamheden en procedures onder de loep te nemen. Een paar dingen ga ik in de toekomst iet meer doen, omdat ze mij meer tijd en energie kosten dan wat ze opleveren. Bij andere dingen moet er een nieuwe taakverdeling komen – het kan  niet, dat al die ongeliefde kleine dingetjes steeds vaker op mijn bord belanden, “omdat de anderen het niet in kunnen plannen.” Vorige week heb ik gewoon verteld, dat ik dat nu ook iet meer kan.

Ik hoop dat het sorteren binnenkort vruchten afwerpt en ik eindelijk weer de tijd en inspiratie voor een aantal blogstukjes vind. Het is niet zo, dat er niets te vertellen valt! Op woensdag wordt bijvoorbeeld onze adoptiezeehond Lewis vrijgelaten. Deze dag konden we vrijroosteren, en we gaan mee naar Schiermonnikoog, het enige Nederlandse waddeneiland, waar we nog niet eerder geweest zijn. En natuurlijk zal ik hiervan berichten.

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Zu Besuch bei / Op bezoek bij … Lewis

Wie ihr ja wisst, haben wir im Januar wieder einen Seehund, Lewis, adoptiert. Da uns sein Wohlergehen natürlich am Herzen liegt, haben wir ihn gestern besucht. Ein paar Tage vorher hatte ich uns bei der Seehundstation angemeldet, und erhielt folgende nette Mail zurück: “Danke für eure Mail. Ihr seid am Samstag herzlich willkommen, ich habe im Besucherzentrum Bescheid gesagt, dass ihr kommt! Lewis geht es gut, aber er braucht Zeit, um sich von seiner Lungenwurminfektion zu erholen. Lewis schwimmt in den “Niewe Badjes” (Neue Becken) und wiegt jetzt 18,4 kg.”

Zaals jullie weten hebben wij in januari weer een zeehond, Lewis, geadopteerd. Omdat zijn welbevinden voor ons belangrijk is, zijn wij gisteren bij hem op bezoek geweest. Een paar dagen van tevoren had ik de zeehondencreche ervan op de hoogte gesteld en kreeg de volgende mail terug: “Dank voor jullie e-mail. Jullie zijn zaterdag van harte welkom, ik heb doorgegeven aan het bezoekerscentrum dat jullie komen! Met Lewis gaat het goed maar hij heeft wel tijd nodig om te herstellen van zijn longworminfectie. Lewis zwemt in de Nieuwe Badjes en weegt nu 18.4 kg.”

Wir wurden freundlich empfangen und durften gleich nach draußen zu den Becken. Hier sind also die Seehunde in den Nieuwe Badjes:

Wij werden vriendelijk ontvangen en mochten meteen naar de buitenbassins. En hier zijn dus de zeehonden in de Nieuwe Badjes:

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Lewis befindet sich also nicht mehr im Bereich “Intensive Care”, den alle neuen Seehunde durchlaufen, sondern in der zweiten Phase “Verzorging” (Pflege). Aber wie sollten wir ihn erkennen? Die Seehunde sehen sich ja alle recht ähnlich, und auf seinen Namen reagierte er nicht. Ein Mitarbeiter half uns, ihn zu identifizieren, und wir durften sogar über die Absperrung. Der zweite neben dem Zaun ist also unser Lewis. Besonders aktiv ist er nicht gerade, aber das muss er ja auch nicht sein.

Lewis bevindt zich dus niet meer in de fase “Intensive Care”, die alle nieuwe zeehonden doorlopen, maar in de tweede fase “verzorging”. Maar hoe konden wij nu weten, welke zeehond Lewis is? Ze lijken toch allemaal op elkaar, en op zijn naam reageerde hij niet. Een medewerker hielp ons, hem te identificeren, en wij mochten zelfs over de afzetting stappen. De tweede naast het hek is dus onze Lewis. Bepaald actief is hij niet, maar dat hoeft ook niet.

Lewis 3 Lewis 4

Da wir schon mal da waren, machten wir uns auch auf die Suche nach Anjas Kegelrobbe Nikolaus. Wir fanden ihn im Reigerbad (Reiherbad), das zur dritten Phase “Herstel” (Erholung) gehört. Hier befinden sich die Seehunde, die bald freigelassen werden. Auch hier wissen wir nicht, welcher Nikolaus ist, aber alle fünf machen einen wohlgenährten und munteren Eindruck. Irgendwie ist hier doch mehr Action als bei Lewis. ;)

Omdat wij er toch al  waren, gingen wij nog op zoek naar Anjas grijze zeehond Nikolaus. Wij vonden hem in het Reigerbad, dat bij de derde fase “Herstel” hoort. Hier zijn de zeehonden die binnenkort weer vrijgelaten worden. Natuurlijk weten we ook hier niet, welke zeehond Nikolaus is, maar alle vijf zien er goed gevoed en vrolijk uit. Hier is ook wat meer actie dan bij Lewis. ;)

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Reigerbad 3 Reigerbad 2

Ich hoffe, dass die Seehunde bald wieder in ihrem natürlichen Element schwimmen können.

Ik hoop dat de zeehonden gauw weer in hun natuurlijke omgeving kunnen zwemmen.

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Ostengland 2013 – Teil 8

Zurück an die Küste

Die Morgensonne weckte uns früh, aber weil wir heute ohne Gepäck die Gegend erkunden wollten, konnten wir uns Zeit lassen. Während wir in aller Ruhe frühstückten, begann sich am anderen Ende der Wiese etwas zu regen. Eine graugewandete Gestalt schlurfte an uns vorbei, krächzte „Good morning“ und hängte sich an den Wasserhahn. Dann kroch das Mädchen, das noch immer sein Löwenkostüm trug, aus dem Zelt und rollte sich im Schatten der Hecke zusammen. Wenn man in so einer Haltung auf dem Boden liegt, fühlt man sich wahrlich nicht wohl, wie wir aus Erfahrung wissen. Aber da müssen sie durch – ging uns ja in jungen Jahren auch nicht anders.

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Nach dem Frühstück fuhren wir über die sanften Hügel zur Küste. Wir befanden uns im „White Rose County“, wie man unschwer an der weißen Rose erkennen kann, die hier die Ortsschilder ziert. Sie war das Wappen des „House of York“, das im 15. Jahrhundert erbittert mit dem „House of Lancaster“ um die Thronfolge kämpfte. Auf den Ortsschildern in Lancashire sieht man eine rote Rose, aber diesmal kamen wir nicht so weit nach Westen.

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Unterwegs kamen wir an einem Haus vorbei, in dessen Vorgarten das englische Georgskreuz und die bayrischen Rauten fröhlich Seite an Seite im Wind flatterten. Hier wohnt bestimmt eine „gemischte” Familie, die ihren Lokalpatriotismus nicht versteckt. Nicht weit weg kündigte passenderweise ein Pub ein „Beer Festival” für August an.

Bald erreichten wir das malerische Küstenstädtchen Withernsea mit seinem weißen Leuchtturm und der breiten, von viktorianischen Häusern gesäumten Strandpromenade. Dort ließen wir uns auf einer Bank nieder und beobachteten Möwen und Spaziergänger.

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An der Kaimauer befindet sich eine Tafel, die darauf hinweist, dass etwa eine Meile vor der Küste die Kirche St. Mary the Virgin stand, die im 15. Jahrhundert im Meer versank. Ob man auch hier, wie in Dunwich,  in stürmischen Nächten die Glocken hören kann?

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Dann folgten wir einen Küstenweg durch Rapsfelder Richtung Süden. Immer wieder sahen wir auch Windräder, „windfarms“ werden diese Anlagen hier genannt. Bei Easington wurde es dann wieder etwas industrieller.

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Wir folgten einem Pfad zu einer Küstenstelle, von der aus man einen guten Blick auf Spurn Head hat. Auch hier konnte man gut sehen, wie die Küste dramatisch wegbricht. Wieviel das wohl pro Jahr sein mochte? Irgendwen müssten wir hier noch fragen.

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Nach einer Weile schwangen wir uns wieder auf die Leezen und fuhren landeinwärts durch ein Gebiet, das Holderness genannte wird, Richtung Patrington, wo wir unversehens auf den Nullmeridian stießen. Erst war ich etwas verblüfft, denn das Ding ist ja bekanntlich in Greenwich, wo wir vor vielen Jahren auch schon gewesen waren. Aber es ist natürlich logisch, dass er weiter nach Norden (und auch nach Süden) läuft, denn es ist ja schließlich ein Längengrad. Etwa fünf Kilometer nördlich von Withernsea bei Tunstall erreicht er die Nordsee.

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Wir fuhren weiter Richtung Hedon. Das Getreide auf den Feldern reifte friedlich vor sich hin, und am Straßenrand blühte der Klatschmohn – wunderschön!

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Überhaupt könnte man sich zu Hause ein Beispiel an den Hecken und Grünstreifen an den Straßenrändern nehmen. Die Hecken, die die Felder säumen, sorgen nicht nur dafür, dass der Boden nicht weggeweht wird, sondern bieten auch Insekten, Vögeln und anderen Kleintieren ein Zuhause.

In dem malerischen Städtchen Hedon gingen wir einkaufen.

hedon hedon2 hedon3

Dann fuhren wir zurück auf den Campingplatz. Die Zeltwiese war wieder leer, die Truppe in ihren merkwürdigen Overalls war verschwunden. Dafür gackerten die Hühner gemütlich vor sich hin. Als ich an ihnen vorbei zum Toilettengebäude ging, pickte der Hahn nach meinem Knöchel. Da blieb mir erst mal die Spucke weg – das Viech hat mich angefallen!

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Nachdem ich mich von dem Schreck erholt hatte, legten wir uns vor das Zelt und lasen gemütlich die Daily Mail. Der Aufreger des Tages war das Wasserversorgunsunternehmen „Thames Water“ und die Tatsache, dass Direktor Robert Collington den „Order of the Britisch Empire“ erhalten hatte. Man ärgerte sich darüber, dass „Thames Water“ das Leitungsnetz in London nicht sanierte, dafür aber gnadenlos die Wasserpreise erhöhte und dann noch nicht mal Steuern zahlen musste. Seltsam nur – und schade – dass in Großbritannien so wenig Bürger die Petition „Wasser ist ein Menschenrecht“ unterzeichnet haben, die der weiteren Privatisierung von Wasser und den damit verbundenen Ärgerlichkeiten entgegengehen soll.

Später gingen wir ins Pub „Nag’s Head“, wo wir uns ein ausgezeichnetes Abendessen und ein Bierchen schmecken ließen. Danach verkrochen wir uns ins Zelt und schliefen den Schlaf der Gerechten. Was für eine Ruhe herrschte doch heute auf dem Platz!

leererplatz

Am nächsten morgen war es sonnig, aber ziemlich kalt. Der Wind hatte sich wieder mal gedreht und wehte nun aus Nordosten. Doch als wir abgebaut hatten, war es warm genug, dass wir uns dick mit Sonnencreme einschmierten. Dann ging es los. Man merkte, dass wir jetzt in Yorkshire waren, hier ist es nirgendwo mehr richtig flach.

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Bei Mappleton erreichten wir wieder die Küste und gönnten uns eine kurze Verschnaufpause. Dann ging es nordwärts durch Hornsea nach Bridlington. Kurz vorher mussten wir wieder ein Stück auf einer vielbefahrenen A-Road zurücklegen. Zum Glück sind die Autos hier nicht mehr solche Dreckschleudern wie vor zwanzig Jahren, als ein paar Kilometer A-Road einen mittleren Erstickungsanfall provozierten. Trotzdem waren wir froh, als wir die Hautstraße wieder verlassen und nach Bridlington hineinfahren konnten. Die zahlreiche Ampeln kosteten uns eine Menge Zeit, bis wir endlich auf der Promenade waren, wo es wieder Zeit für eine Pause war.

bridlington bridlington2

Dort lasen wir auf einem Schild, dass hier der „Way of the Roses“ beginnt – oder endet, je nachdem. Diese 170 Meilen (knapp 275 km) lange Radstrecke führt von Bridlington im White Rose County an die Westküste, genauer gesagt nach Morecambe im Red Rose County – womit wir wieder bei den Rosen wären. Wir studierten die Informationen auf dem Schild und stellten fest, dass der Weg hier im Osten noch relativ gut zu fahren ist, doch je weiter man nach Westen kommt, umso härter wird er, da man die Pennines überqueren muss, einen Gebirgszug in nord-südlicher Richtung, der auch „the backbone of England“ genannt wird. Vor acht Jahren waren wir in glühender Hitze dort unterwegs gewesen und hatten uns immer wieder verfahren, da die Schilder irgendwie gar nicht zu unserer Karte passen wollten. Am Ende jeder Etappe hatten wir das dumpfe Gefühl, dass es sicher auch einen kürzeren und weniger anstrengenden Weg gegeben hätte. Diesmal bleiben uns derartige Abenteuer hoffentlich erspart.

Nach einer Weile brachen wir wieder auf. Wegen des Windes schenkten wir uns den Abstecher zum Flamborough Head, aber für den Campingplatz in Bempton war es definitiv noch zu früh, also  fuhren wir über idyllische Wege und sanfte Hügel mit schönen Abfahrten weiter Richtung Norden.

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In dem Dörfchen Hunmanby stockten wir ein einem kleinen Supermarkt unsere Vorräte auf: vernünftiges Müsli, Cider, Salate und dergleichen und fuhren weiter Richtung Filey. Doch als wir den Eingang des Campingplatzes „Orchard Farm“ passierten, hatten wir plötzlich keine Lust mehr und beschlossen, hier zu bleiben, da die Zeltwiese bei der Rezeption recht gemütlich aussah. Die Übernachtung war hier auch erstaunlich günstig. Wir durften uns wieder einen Platz aussuchen – es war auch fast alles frei – und sollten die Toiletten und Duschen neben der Rezeption benutzen.

Erst, als wir das Zelt aufgebaut hatten und den Platz erkundeten, stellten wir fest, dass es sich um einen riesigen Holiday Park mit Schwimmbad, Spielplatz und einer Miniatureisenbahn handelte. Aber alles, auch die großen Toilettengebäude, waren noch geschlossen, und die Eisenbahn stand wohl noch im Depot. Außer uns waren nur ein paar Dauercamper und ein Herr nebst Tochter im Wohnmobil da. Es war eindeutig noch Vorsaison.

Nach dem Abendessen setzten wir uns in die Sonne und vertieften uns in unsere Lektüre. Als die Sonne unterging und es kühler wurde, verkrochen wir uns in die Schlafsäcke.

 

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Öfter mal was Neues – Weer eens iets nieuws

Jetzt hatte ich schon ziemlich lange das Theme “Ocean Mist” verwendet. Aber irgendwann fing diese recht kleine, graue Schrift an, mir auf die Nerven zu gehen – ich werde schließlich auch nicht jünger. ;) Also stöberte ich mal wieder in den WordPress-Themes, und meine Wahl fiel auf “Adventure Journal”.  Das finde ich ganz passend, denn eine Grenzwanderung ist schließlich immer ein Abenteuer.

Nu heb ik al vrij lang het theme “Ocean Mist” gebruikt. Maar op een gegeven moment begon het vrij kleine grijze lettertype, op mijn zenuwen te werken – ik word immers ook een dagje ouder. ;)  Dus bekeek ik weer eens de verschillende WordPress-themes en koos tenslotte voor “Adventure Journal”.  Dit vind ik wel toepasselijk, want een grenswandeling is immers altijd een avontuur.

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