Verfasst von: scrooge | 05/10/2013

Zelttest

Nachdem letztes Jahr unser Zelt abgesoffen ist, mussten wir uns schweren Herzens von ihm trennen.Die Stangen und Heringe hoben wir jedoch auf, da sie sich als unkaputtbar erwiesen hatten, und man weiß ja nie, wozu man sie noch brauchen kann. Nach einigen Internetrecherchen stellte Peter fest, dass es genau dieses Modell noch gab, wenn auch in einer anderen Farbe, also nichts wie bestellen!

Beim Auspacken entdeckten wir, dass einige Dinge verändert worden waren (ob zum Positiven wird sich zeigen): Es gibt ein Fenster im Außenzelt, und das Innenzelt hat eine Tür mit Fliegengitter, so dass es besser durchlüftet. Wir überprüften die Stangen und stellten fest, dass die neuen einen Zentimeter länger sind. Ob das viel ausmacht? Wir beschlossen, dies am Himmelfahrtstag zu überprüfen und zu diesem Zweck eine nicht allzu lange Radtour ins Nachbarland zu machen. Ich reservierte einen Platz auf dem Campingplatz “Heideruh” in Uelsen, doch die Reservierung verschwand wohl irgendwo in den unendlichen Weiten des Weltweiten Webs – auf jeden Fall bekam ich keine Bestätigung. Also rief ich nochmal dort an, und eine nette Dame versicherte mir, dass auf jeden Fall genug Platz vorhanden sei und dass ihre Schwiegermutter uns in Empfang nehmen würde.

Dann ging es ans Packen. Wir kramten die Fahrradtaschen hervor, die wir im letzten Jahr kaum genutzt hatten, und ich bemerkte, dass ich zwei Sticker mit den Buchstaben “T” und “K” auf die Hintertaschen geklebt hatte. Wann und vor allem warum hatte ich das getan? Wahrscheinlich nach der letzten Frühjahrsradtour, um endlich mal ein System in den Verhau zu bringen. Es gab nur ein Problem: Was sollten mir diese Buchstaben sagen? Tortenschaufel und Kuchengabel? Toastbrot und Käse? Topf und Klavier? Irgendwie ergab das wenig Sinn. Außerdem war es auch möglich, dass der Gatte und ich uns bei dieser Klebeaktion auf Niederländisch unterhalten hatten, was noch viel mehr Möglichkeiten ergab!

Nach einigem Nachdenken kam ich darauf: Tentspullen (Zeltzubehör) und Kookspullen (Kochutensilien). Nun fiel es mir wieder ein, dass ich mir nie merken konnte, in welcher Tasche was war, und immer erst in der falschen suchte, was irgendwann (nach gut zehn Jahren) anfing zu nerven. Jetzt musste ich nur noch entsprechend packen.

Am Himmelfahrtstag fuhren wir sofort Richtung Deutschland, um den biertrinkenden Rudeln auf den niederländischen Radwegen zu entgehen. Da aber die deutsche Radroutenführung nicht immer die effizienteste ist, gerieten wir erst zu weit nach Osten und mussten uns dann gegen den Wind den Weg nach Uelsen suchen. Auf einem Rastplatz bei Nordhorn machten wir Mittagpause, und dann ging es weiter.

Am Nachmittag erreichten wir das Feriengebiet des Luftkurortes Uelsen. Wie auch in der Wingst (ebenfalls Niedersachsen) wimmelt es dort von Schildern, auf denen jeder noch so kleine Kiosk und Andenkenladen mit Vor- und Nachnamen genannt wird, nur die Campingplätze sind erst dann ausgeschildert, wenn man praktisch schon davor steht. Eine Umgebungskarte half uns weiter. Trotzdem fuhr Peter erst mal schwungvoll den falschen Platz an, nämlich den Gemeindecamping, der zur Jugendherberge gehört. Und dort hatte ich bewusst nicht reserviert.

Bald fanden wir jedoch den richtige Platz und klingelten an der Rezeption, wo wir nach einigen Warten tatsächlich von der Schwiegermutter empfangen wurden. Nach einem kurzen Exkurs über die Anfänge des Campingplatzes (vor gut 30 Jahren wurden sie quasi von 15 Wohnwägen überrollt) und der Frage, ob wir die Familie Wolthuis kennen würden (leider nicht, aber wenn ihr mitlest und euch angesprochen fühlt, meldet euch doch mal dort ;) ), bekamen wir einen Schlüssel zum Sanitärgebäude und durften uns ein Plätzchen suchen. Auf dem Platz sind vor allem Dauercamper, und die Toiletten und Duschen sind dementsprechend “basic” und im 70er-Jahre-Charme gehalten.

Dann ging es ans Aufbauen: Wir probierten erst die neuen Stangen und Heringe aus, doch der erste Hering war sofort verbogen, und das bei dem weichen Boden! Die Stangen waren okay, aber sehr schwer in Form zu biegen. Also probierten wir das Ganze noch einmal mit dem alten Set, und siehe da, alles passte wunderbar! Zwar ist es nicht so schön grün wie das alte Zelt, sondern eher ein dezentes Müllsackgrau, aber man kann nicht alles haben.

dorum2

Zelttest

Außerdem hat es ein schönes Seitenfenter:

Zelttest2

Da bei diesem Zelt keine Bodenplane mitgeliefert wird, hatten wir eine ziemlich große gekauft, die wir nun zurecht schnitten.

Nach getaner Arbeit gingen wir zu Fuß zu einem nahegelegenen Landgasthof. Dann konnte ich meine neuen Schuhe auch gleich einlaufen. Damit hatte ich die Verkäuferin im Sportgeschäft eine ganze Weile beschäftigt. Erst wurde ein Scan meiner Füße gemacht, der neben der Tatsache, dass ich wohl Donald-Duck-Latschen habe, auch eine Größe ausspuckte, die allerdings, wie sich bei der Anprobe herausstellte, nicht stimmte. Nach diversen Paaren fand ich endlich eins, das gut passte (warum gibt es die, die ich 2005 gekauft habe, nicht mehr?), doch es gab einen geringfügigen Farbunterschied, so dass ich 10% Rabatt bekam. Man muss schon sehr genau hinschauen, damit einem das auffällt, und nach zwei Tagen durch Staub und Schlamm radeln  sieht sowieso niemand mehr etwas.

Nach dem Abendessen lasen wir noch etwas und verkrochen uns dann in die Schlafsäcke. Wir schliefen gut, und am nächsten Morgen ging es wieder ans Abbauen. Diesmal wählten wir den direkten Weg durch die Niederlande nach Hause, und ds war auch gut so, denn es wehte ein kräftiges Lüftchen – natürlich wieder von vorne. Am Almelo-Nordhorn-Kanal machten wir eine kurze Pause und hielten ein Schwätzchen mit einem Wanderer. Zehn Kilometer bevor wir zu Hause waren, enterten wir noch einen Supermarkt und stärkten uns.

Die erste Nacht hat das Zelt gut überstanden, die Bodenplane passt. Wir hofffen, dass es auch Schietwetter so gut packt wie sein Vorgänger. Der England-Urlaub kann kommen.

Verfasst von: scrooge | 04/24/2013

Das Königsleid, pardon -lied

Wie man ja schon eine ganze Weile weiß, haben wir am 30. April unseren letzten Koninginnedag. Dann wird Königin Beatrix das Zepter an ihren ältesten Sohn Willem-Alexander übergeben, der ab dem übernächsten Jahr den Koningsdag an seinem eigenen Geburtstag, dem 27. April, feiern wird. Nächstes Jahr fällt dieser Tag auf einen Sonntag, also ist der erste Koningsdag einen Tag früher. Genaueres dazu kann man wieder in Alex’ Blog buurtaal nachlesen, wo ich auch auf die Idee mit dem Wortspiel in der Überschrift gebracht wurde.

Zum Anlass dieses Thronwechsels kam das Nationaal Comité Inhuldigung auf die Idee, ein Lied schreiben zu lassen, das die positive Stimmung in der Bevölkerung und die breit getragene Sympathie für den zukünftigen König zum Ausdruck bringen sollte. Jeder, der wollte, durfte etwas einschicken, und daraus wurde dann mit über 50 mitwirkenden Künstlern ein Lied gebastelt. Dieses Lied soll am 30. April in Rotterdam im Ahoy aufgeführt werden, und überall im Land sollen die Leute mitsingen – eine Art nationaler Megaflashmob also.

Soweit die Idee, doch seit ein paar Tagen komme ich aus dem Kopfschütteln nicht mehr heraus ob der weiteren Entwicklungen.

Am Freitag wurde also das Lied präsentert (auf Youtube unter “Koningslied” zu finden), und danach ging es rund: Es wurde eine Petition gegen das Lied ins Leben geruden, eine Facebook-Seite “Sorry voor het Koningslied” eingerichtet und die Leserkommentare bei den verschiedenen Zeitungen ließen an Deutlichkeit nichts zu wünschen übrig: Den meisten Leuten gefällt das Lied wahrlich nicht. “Monstrum” und “missgestaltet” waren noch milde Bezeichnungen dafür.

Nach all dieser negativen Kritik zog Komponist John Ewbanks das Lied zurück, aber gesungen werden soll es wohl trotzdem.

Selbstverständlich habe ich es mir ebenfalls angehört. Mein Eindruck: Es ist vor allem gut gemeint, aber das ist ja leider oft das Gegenteil von gut. Ganz so dramatisch wie der Niederlandist Wim Daniëls, der in der Sendung “Pauw en Witteman” Hackfleisch daraus machte, finde ich es nicht, aber ein Erfolg ist es auch nicht gerade. Der Aufbau ist ziemlich wirr, und aufgrund des fehlenden Refrains (oder erkenne ich ihn bloß nicht als solchen?) eignet es sich überhaupt nicht zum Mitsingen. Und der Text voller sprachlicher Fehler ist dermaßen verschwurbelt, dass er mich ratlos zurücklässt.

Vor allem die Perspektive macht mir zu schaffen, wenn es heißt: “Durch Regen und Wind werde ich neben dir stehen bleiben. Ich beschütze dich vor allem, was kommt. Ich werde wachen, wenn du schläfst…” Wer sind hier ich und du? Soll ich hier (stellvertretend für den Rest der Bevölkerung) den Schlaf des Königs bewachen? Also bitte, der Mann ist Mitte Vierzig und hat drei Töchter! Oder fand hier ein Perspektivenwechsel statt, und der König wacht über uns? Dann hat er aber einiges zu tun.

“Stolz wie ein Pfau, das ist unser Klang” – oder wäre “Lärm” hier das bessere Wort? Wer einmal auf einem Campingplatz in der Nähe eines Pfauengeheges übernachtet hat, weiß, was diese Viecher für ein hässliches Geschrei von sich geben. Außerdem tauchen auch immmer wieder ein bis zwei Löwen auf, so dass ich schon auf Hape Kerkelings “Hurz!” wartete.

Über das W von Willem, Wasser, Wind und Stamppot (Eintopf) wurde ja sowieso schon genug gesagt und geschrieben, und den “Reim-dich-oder-ich-fress-dich”-Charme will ich mal so stehen lassen. Ich denke, es kann einfach kein vernünftiger Text herauskommen, wenn Daphne Deckers, die normalerweise Bücher über das Mutterwerden und -sein schreibt, bei der Textproduktion mitmachen lässt. Nicht jeder, der hin und wieder mal ein paar Kapitel in die Tastatur hämmert, kann ein packendes Lied schreiben – ich kann es wohl auch nicht. Aber warum wurde dann nicht jemand hinzugezogen, der es wohl kann?

Solche Leute scheint es doch zu geben, wie zahlreiche Alternativvorschläge beweisen: Paul van Vliets “Oranje de kleur van mijn hart” ist eine richtig gut gelungene Liebeserklärung an das Land, in dem wir leben, und “Willem, jij bent een koning” der beiden Studenten Allard und Huib ist ein fröhlicher Mitsing-Ohrwurm.

Und was sagt unser Kronprinz dazu? Er findet es schade, dass das Königslied die Nation so spaltet, sieht es aber positiv: Er hat inzwischen schon sieben Königslieder, und das kann wohl kein anderer König von sich behaupten. Und ich möchte noch den Königsjodler von Fredl Fesl vorschlagen:

Nochmal 52 Bücher

Erhebt die Finsternis sich wieder, wehren sechs sie ab;
Drei aus dem Kreis und Drei von dem Pfad.
Holz, Bronze, Eisen; Wasser, Feuer, Stein;
Fünf kehren wieder und Einer geht allein.”

Diese Woche gibt es ein Thema in verschiedenen Variationen: “Liebstes Kinderbuch”, “Ein Buch das man als Kind geliebt hat” und “Welche/r Autor/in hat Dich in Deiner Kindheit am meisten beeindruckt, sprich: Welche Bücher hast Du damals unter der Bettdecke verschlungen?”

Schon als Kind war ich ein Stubenhocker und eine Leseratte, und Lieblingsbücher hatte ich unheimlich viele – eigentlich fast alles, was man lesen konnte. Also welches Buch? Aus irgendwelchen Gründen rüttelte die Formulierung von Dark Johann “Welche Bücher hast du damals unter der Bettdecke verschlungen” eine ganz bestimmte Erinnerung wach:

wintersonnenwende

Der Originaltitel lautet “The Dark Is Rising” (1973),  aber im zarten Alter von zehn Jahren konnte ich ja noch kein Englisch. ;)

Will Stanton, siebter Sohn eines siebten Sohnes, lebt friedlich mit seiner Familie in einem Dorf in England. Doch an seinem elften Geburtstag bekommt er einen eisernen Kreis mit einem Kreuz geschenkt, und ab diesem Moment ist nichts mehr, wie es war. Er lernt den geheimnisvollen Merriman Lyon kennen und erfährt, dass er zu den Uralten gehört, die auf der Seite des Lichts gegen die Finsternis kämpfen und sich frei durch Raum und Zeit bewegen können. Wills Aufgabe ist es, die sechs Zeichen des Lichts, die vor langer Zeit verloren gegangen waren, wieder zu finden.

Mit Hilfe von Merriman und der Alten Dame lernt Will, seine besonderen Kräfte zu kontrollieren, wobei er natürlich auch die notwendigen Fehler macht. Doch es sind die zwölf Tage zwischen Weihnachten und Dreikönig, und die Kräfte der Finsternis werden stärker. In der längsten Nacht des Jahres während eines fürchtbaren Schneesturms holt der schwarze Reiter zum entscheidenden Schlag aus…

Auch für die eifrige Leserin waren die Tage zu kurz, und so musste ich notgedungen mit der Taschenlampe unter der Decke Will auf seiner Suche begleiten und mit ihm mitfiebern. Damals wurde wohl meine Begeisterung für die Mythen, Sagen und Legenden der britischen Inseln geweckt: König Artus, Merlin, Herne der Jäger…

Es ist natürlich ein klassisches Thema – der Kampf des Lichts gegen die Finsternis oder Gut gegen Böse. Zum Uralten war man vorbestimmt, doch der Finsternis konnte jeder sich anschließen. Darüber habe ich lange intensiv nachgedacht, und ich fand es irgendwie schade, dass ich wohl kein Uralter werden konnte.

Viel später entdeckte ich, dass “Wintersonnenwende” der zweite Band eines fünfteiligen Zyklus ist. Natürlich habe ich auch die anderen Bände gelesen, doch diese gewaltige Sogwirkung (ich kann es nicht anders beschreiben) hatten sie leider nicht. Vielleicht liegt es daran, dass dieser Band im Gegensatz zu den anderen mitten im Winter spielt, wo sowieso alles viel geheimnisvoller ist: Die Vorbereitungen auf Weihnachten und die damit verbundene Vorfreude, wie man sie selber auch kennt. Und plötzlich muss Will als Uralter eine Art Doppelleben führen, um seine Aufgabe zu vollbringen. So ist er zum Beispiel mit seinen Geschwistern beim Weihnachtsliedersingen im nahegelegenen Gutshaus, als plötzlich alle um ihn herum erstarren, nur er singt weiter. Er macht sich schon Sorgen, wie er denn als Elfjähriger die Baritonpartie des Königs Wenzeslas singen soll, als Merriman neben ihm steht und den Part übernimmt. Sie sind in einer anderen Zeit, wo Will eines der Zeichen finden muss.

Wenn ich dazu komme, werde ich dieses Buch nochmal lesen, diesmal allerdings im Original. Mal sehen, ob der Zauber immer noch wirkt. Ich werde es euch auf jeden Fall wissen lassen.

Nochmal 52 Bücher

Nachdem ich – mal wieder wegen Vielzutun, Weniglust und Dauermüdigkeit – zwei Wochen ausgelassen habe, geht es jetzt weiter mit Woche 9. Das Thema ist etwas außergewöhnlich, und es haben sich wohl schon einige die Zähne dran ausgebissen: Regenbogen.

Tja, ein Buch mit einem Regenbogen im Titel fällt mir gerade nicht ein, und auch keins, das irgendwie um einen Regenbogen geht. Vielleicht sollte ich meine Bücher im Regal mal nach Farben sortieren und so einen schönen Regenbogen basteln. Aber da ich im Moment keine Zeit und noch weniger Lust zum Auf- und Umräumen habe, wird um die Ecke gedacht, jawohl!

slowcoasthome

Das Ergebnis meiner angestrengten Überlegungen ist der Reisebericht “Slow Coast Home” der Engländerin Josie Dew (London, 2003). Auf Deutsch gibt es dieses Buch anscheinend nicht.

Josie Dew ist von Beruf Köchin, Radfahrerin und Schriftstellerin. Mit schöner Regelmäßigkeit stürzt sie sich in höchst abenteuerliche Radreisen in ferne Länder (Japan, USA, Neuseeland etc.) und berichtet dann ausführlich und mit entwaffnender Ehrlichkeit über ihre Erlebnisse und Pannen.

 Diesmal hatte sie eigentlich schon ihre Neuseelandreise geplant, doch die Renovierung ihres Häuschens und der Bauarbeiter Gary, in den sie sich verliebt, machen ihr einen Strich durch die Rechnung. Gemeinsam fahren ging nicht, denn “at the eleventh hour the builder had to keep building”, und allein will sie auch nicht mehr ans andere Ende der Welt. Aber radfahren – das muss doch sein, und so beschließt sie, Großbritannien zu umrunden und dabei so gut wie möglich dem Küstenverlauf zu folgen. Auf dieser gut siebenmonatigen Reise war das Wetter für britische Verhältnisse ziemlich normal, d.h. sie kriegt eine Menge Regen. Und wo Regen ist, sieht man ja auch gelegentlich mal Regenbogen. :)

 Am 25. April verlässt sie ihr Häuschen in Milland, verabschiedet von einem überwältigenden Abschiedskommitee, nämlich ihren Eltern und der Nachbarin. Erst ging es nach Süden bis an die Küste, danach westwärts, da sie im Uhrzeigersinn fahren wollte. Tut man das nicht, begegnet man nämlich unterwegs dem Teufel, wie die schottische Großmutter eines Freundes ihr erklärte.

 Mit einem etwas unlogischen Umweg über Oxford erreicht sie die Küste. Unterwegs macht sie zusammen mit ihrem Builder, der gerade eine Weile Zeit hat, einen Abstecher nach Frankreich, dann umrundet sie zusammen mit ihrer Mutter die Isle of Wight. Sie kommt bis Land’s End, wo sie wegen einer Knieverletzung aufgeben und sich von Muttern abholen muss.

Monate später geht die Reise weiter, aber diesmal in Gegenrichtung, der Teufel kann ihr gestohlen bleiben. Die geplante Schottlandumrundung streicht sie irgendwann aus dem Programm, da die Reise doch ziemlich lang dauert, und sie folgt dem Hadrian’s Wall auf die andere Seite des Landes. Im Lake District hat sie wieder Pech – diesmal ist es ihre Achillessehne, die Probleme macht. Aber mit Hilfe des Builders und eines Physiotherapeuten schafft sie es, bis Land’s End zu kommen und so die Runde abzuschließen.

 Josie Dew erzählt spontan, herzerfrischend und mit viel Liebe zum Detail. So sucht sie einmal im Herbst wieder wegen eines heftigen Regenschauers Unterschlupf in einer Kirche und vertreibt sich die Zeit mit dem Gemeineblatt. Dort fällt ihr vor allem der Leserbrief eines Herrn auf, der zwei Dinge überhaupt nicht gut findet: Dass man viel zu früh mit dem Singen von Weihnachtsliedern anfängt und dass Frauen inzwischen Priester werden dürfen. Kleinigkeiten dieser Art (meiner Meinung nach das Salz in der Suppe) darf der Leser mitgenießen.

 Letztes Jahr, am 18. März, besuchte ich eine Lesung von ihr in Utrecht. Eingeladen war sie von der Natur-Camping-Vereinigung, und das Publikum bestand vornehmlich aus Leuten mit derben Wanderschuhen und Fleecejacken. Josie Dew kam standesgemäß mit dem Fahrrad angereist, zusammen mit Gary, dem Builder und den beiden gemeinsamen Töchtern Molly und Daisy. Sie war ganz begeistert von der Tatsache, dass Radfahrer in den Niederlanden als ernstzunehmende Verkehrsteilnehmer und nicht, wie in England oft, als Hindernisse betrachtet werden.

Sie erzählt genauso, wie sie schreibt, oder ist es umgekehrt? Ihr Vortrag über ihre Neuseelandreise, die sie endlich doch geschafft hat, und ihre täglichen Erlebnisse, wenn sie ihre älteste Tochter Molly zur Schule bringt, waren jedenfalls sehr unterhaltsam. In der Pause ließ ich mir mein Buch signieren und wir plauderten kurz über Radfahren in England und Sustrans, die Stiftung, die sich dort für den Ausbau des Radwegnetzes stark macht. Ich fand sie eine sehr sympathische Frau mit einem sonnigen Gemüt – womit wir wieder beim Regenbogen sind.

Verfasst von: scrooge | 03/09/2013

Mein kleiner gelber Krokus

Heute ist wieder so ein Schietwettertag, der wunderbar in den November passen würde. Alles ist grau, der Himmel sieht, wie Bill Bryson einmal so schön schrieb, aus wie ein Stapel nasser Handtücher und es regnet. Aber in unserem Vorgarten steht ein kleiner gelber Krokus und tut sein Bestes, um etwas frühlingshafte Stimmung zu verbreiten.

Als wir vor etlichen Jahren in unser Häuschen mit Garten zogen, pflanzten wir im Herbst begeistert viele Blumenzwiebeln. Im darauffolgenden Frühjahr rannte der Gatte eines Morgens zum Küchenfenster und schaute hinaus. Auf meine Frage, was es denn so Interessantes gebe, antwortete er: “Ich gucke, ob wir schon Krokusse haben. Bei meinen Kollegen kommen sie schon!” Ich schaute ihn etwas verblüfft an und prustete dann los, worauf er meinte: “Kann es sein, dass wir schon ziemlich bürgerlich geworden sind?” Ich konnte es nicht abstreiten.

Damals gab es noch jedes Jahr im Herbst die Reklame (wahrscheinlich vom Bloemenbureau Holland, aber ich bin mir da nicht ganz sicher), dass es wieder an der Zeit wäre, die Blumenzwiebeln zu pflanzen. Irgendwie kam ich mir dabei immer etwas bevormundet vor. Als ob wir das nicht selber hinkriegen würden, wenn wir mal wieder welche pflanzen wollen! Genauso wie diese unsägliche Reklame nach den Weihnachtsfeiertagen: “Kerstboom eruit – kamerplant erin!” (Weihnachtsbaum raus – Zimmerpflanze rein!) So ein Baum steht ja doch immer im Weg rum, da werde ich mir im Januar sicher nicht wieder so ein mannshohes Gestrüpp hinstellen. Und wo kommt dann im Dezember der nächste Baum hin?

Die Krokusse, Schneeglöckchen und andere Frühlingsblumen gediehen jedenfalls ein paar Jahre prächtig, danach wurden es immer weniger. Da es aber inzwischen diese Reklame nicht mehr gibt, denken wir im Herbst natürlich an alles Mögliche, aber nicht an die Blumenzwiebeln. Und so steht dieses Jahr in unserem Vorgarten ein einzelner kleiner gelber Krokus und tut sein Bestes, um frühlingshafte Stimmung zu verbreiten. Und jedes Mal, wenn ich aus dem Küchenfenster schaue, nehme ich mir fest vor, diesen Herbst wieder Blumenzwiebeln zu pflanzen, damit der kleine gelbe Krokus Gesellschaft bekommt. Liebe Leser, vielleicht könnt ihr mich ja daran erinnern, wenn es so weit ist. :)

Verfasst von: scrooge | 03/01/2013

Faul – Lui

Die letzten Wochen waren ziemlich hektisch: Arbeit, ein großes Projekt, Termine, Fortbildung und was halt sonst noch so zusammenkommt. Das kommende Wochenende verspricht endlich mal wieder etwas ruhiger zu werden. Gestern am Frühstückstisch entspann sich folgendes Gespräch:

- Sollen wir dieses Wochenende mal wieder etwas unternehmen, irgendwo hinfahren oder so?
- Vielleicht, aber wir müssen ja noch die Karten für den nächsten Urlaub zusammensuchen.
- Stimmt! Das ist eigentlich genug Aktivität für so ein Wochenende. Belassen wir es dabei.

——

De afgelopen weken waren behoorlijk druk: werk, een groot project, afspraken, een cursus en wat er verder nog allemaal bij elkaar komt. Het komende weekend belooft eindelijk weer een beetje rustiger te worden. Gisteren aan de ontbijttafel vond het volgende gesprek plaats:

- Zullen we dit weekend weer eens iets doen, ergens naartoe ofzo?
- Dat kan, maar we moeten ook nog de kaarten voor de vakantie bij elkaar zoeken.
- Klopt. dat is eigenlijk genoeg activiteit voor zo’n weekend. Laten we het erbij.

Nochmal 52 Bücher

Also sowas! Da habe ich gerade so einen schönen Krimi fertig, den man wohl bei recht vielen Mottos hätte unterbringen können, aber was kommt dran? Zitronen können nicht nur sauer sein…

*seufz* Das erste, was mir bei so einem Thema einfällt, ist heiße Zitrone, da ich gerade friedlich vor mich hinniese und hoffe, dass es dabei bleibt und sich nicht zu der handfesten Grippe auswächst, die gerade durch die Lande geistert. Aber das ist ja kein Buch.

Also bin ich in die Küche getrabt und habe meine Kochbücher inspiziert, und siehe da!

vollwertküche

Das Kochbuch “Süßes aus der Vollwertküche” (München, 1985) habe ich vor vielen Jahren mal geschenkt bekommen, und eigentlich könnte ich mal wieder ein paar Rezepte ausprobieren. Es geht darum, mit Vollkornprodukten zu arbeiten und den raffinierten Zucker durch natürliche Süßungsmittel wie Honig oder Ahornsirup zu ersetzen.

Und es stehen auch zwei Zitronenrezepte drin: Zitronenmakronenmasse für eine Buttergebäckspezialität und Zitronenschaum. Beide dürften nicht allzu sauer sein.

Bein Durchblättern fällt mir auf, dass da noch eine ganze Menge spannende Rezepte drinstehen, allerdings ohne unsaure Zitronen: Mandelpudding, Bayerische Creme, passend zur Jahreszeit ein winterlicher Obstsalat, Rhabarber in Weinschaum und so weiter.

So hat das Projekt dazu beigetragen, dass ich ein längst vergessenes Kochbuch mal wieder in die Hand genommen und von Staub und Spinnweben befreit habe. Ich kriege gerade richtig Lust, mal wieder kulinarisch tätig zu werden. Aber erst mal ruft die Arbeit…

Nochmal 52 Bücher

Wieder einmal ein Thema zu einem Buch, das ich erst noch nciht einmal habe: Das Buch, das ganz oben auf einer deiner Liste steht. Mit dieser Liste ist natürlich die unendlich lange Wunschliste gemeint.

Bis zum 11. März muss ich moch waren, dann erscheint es endlich als Taschenbuch: “Das Labyrinth der Träumenden Bücher” von Hildegunst von Mythenmetz in der Übersetzung von Walter Moers (München , 2011).

labyrinthderträumendenbücher

Vor einigen Jahren fand ich bei uns in der Bibliothek den Roman “Die Stadt der Träumenden Bücher”. Der Titel gefiel mir auf Anhieb, “träumende Bücher” und dann noahc iene ganze Stadt davon, das hat doch einfach was! Ich verbrachte ein paar herrliche Sommernachmittage auf der Terasse und begleitete den größten Schriftsteller Zamoniens, den Lindwurm Hildegunst von Mythenmetz auf seinen Abenteuern in der Stadt Buchhaim und im Labyrinth des Schattenkönigs.

Ich war – und bin immer noch – begeistert, jemand der zu solch weisen Schlussfolgerungen kommt wie “Es ist nicht das Gehirn, das das Bewusstsein bestimmt, es ist der Magen” ist doch einfach genial! Ich war richtig traurig, als das Buch zu Ende war, und der Grundstein meiner Zamonien-Sammlung war gelegt. Käpt’n Blaubär, Ensel und Krete, Rumo, Der Schrecksenmeister, inzwischen besitze ich sie alle. Einige fand ich klasse, andere weniger gut.

Da ich ja schlecht zu den Taschenbüchern ein Hardcover dazustellen kann, musste ich halt eine Weile warten, aber bald ist es soweit. Ich bin gespannt, ob das “Labyrinth” an die “Stadt” heranreicht, wie es Hildegunst von Mythenmetz inzwischen geht und ob die liebenswerten Buchlinge auch wieder mit von der Partie sind. Ich freue mich schon!

Verfasst von: scrooge | 02/15/2013

Nederlands – een nachtmerrie (?)

Vannacht droomde ik van de Nederlandse grammatica, om precies te zijn van het geslacht van de zelfstandige naamwoorden.

Wij hebben in de stad een fontein, die in de volksmond “Het Ei van Ko” heet. En een collega van mij was er stellig van overtiugd, dat het “De Ei van Ko” moest zijn.

Ik: “Hoezo? Het is toch “het ei”, onzijdig dus.”

Zij: “Jawel, als het om gewone eieren gaat. Maar de Ei van Ko is dus geen gewoon ei, zoals de vogels die in mei leggen, maar een kunstwerk en een monument. En dan is het altijd “de”.”

Toen ging de wekker en ik vroeg aan mijn man: “Kan dat kloppen? Het zou me eerlijk gezegd niet verbazen.”

 

Nochmal 52 Bücher

Das Motto dieser Woche ist, mit Verlaub, etwas merkwürdig, und meinem laienhaften Verstand dämmert irgendwie ganz vage, dass es etwas mit Fußball zu tun hat: Zeige uns ein schwarz-weiß-blaues Buch. Damit habe ich aber denkbar wenig am Hut, und so ist auch das “epochale Ereignis”, das zu diesem Motto geführt hat, völlig an mir vorbei gerauscht. Die Weltherrscherin möge es mir nachsehen.

Also bin ich mal wieder rein optisch vorgegangen, und wie letzte Woche hat es auch diesmal Phil Rickman erwischt. Dieser Band ist der vierte aus der Merrily-Watkins-Reihe und passt also wunderbarst in die vierte Woche des Projekts. Schwarz, weiß und blau ist er auf jeden Fall, und er ist auch noch sehr lesenswert.

cureofsouls

“The Cure of Souls” (London 2001; deutscher Titel “Der Turm der Seelen”) spielt im Frome Valley, einem Hopfenanbaugebiet  in Herefordshire. In einer ehemaligen, zu einem Wohnhaus konvertierten Hopfendarre wurde vor einiger Zeit ein brutaler Mord verübt, und die Besitzer sind davon überzeugt, dass es dort spukt. Der zuständige Priester möchte jedoch nichts damit zu tun haben, so dass der Fall mal wieder auf Merrilys Tisch landet. Merrily versucht, eine einfache Segnung des Hauses durchzuführen, die jedoch gründlich schiefgeht – das Übersinnliche in diesem Haus ist viel stärker als sie bisher angenommen hatte.

Von Al Boswell, dem Kurator des Hopfenmuseums, erfährt sie mehr über die Geschichte des Hopfenanbaus und der Roma, die jedes Jahr als Erntehelfer ins Frome Valley kamen. Eine von ihnen war die schöne Rebekah, die vor einige Jahren plötzlich verschwand. Könnte da ein Zusammenhang bestehen?

Daneben hat sie aber noch andere Probleme: Die 16jährige Amy, die bisher als ruhig, zurückhaltend und wohlerzogen gilt, benimmt sich höchst seltsam und übergibt sich sogar bei in der Kirche vor dem Altar. Merrily entdeckt, dass Amy eine Klassenkameradin ihrer Tochter Jane ist und zu einer Mädchengruppe gehört, die spriritistische Sitzungen abhält und dabei auch den Geist von Amys verstorbener Mutter beschworen hat. Natürlich macht sie sich Sorgen, ob und wie weit ihre Tochter in diese Dinge verstrickt ist.

Dann ist da noch der Rockmusiker Lol Robinson, zu dem Merrily in den letzten Bänden zarte Bande geknüpft hat. Er war in jungen Jahren ziemlich erfolgreich, wurde dann aber von seinem besten Freund und Band-Kollegen übel hereingelegt und landete mehrere Jahre in der Psychiatrie. Seitdem schreibt er nur noch Songs für andere, und bei dem Gedanken an Auftritte und Publikum gerät er in Panik. Doch der cholerische Produzent Prof Leven, den wir bereits in December kennengelernt haben, at sich aus dem hektischen London ins beschauliche Knights Frome zurückgezogen und baut dort ein Aufnahmestudio auf. Er ist von Lols Talent überzeugt und versucht, ihn zu einem Coemback zu überreden.

Außerdem stoßen wir noch auf zwei weitere Bekannte aus der Abtei Ystradd Ddu: den Cellisten Simon St. Jones, jetzt Priester im Frome Valley und seine Frau Isabel.  Wenn man sich seine Vergngenheit ins Gedächtnis ruft, ist es nicht verwunderlich, dass er mit dem Spuk in der Hopfendarre nciths zu tun haben will. Doch Merrily und Al Boswell brauchen seine Hilfe…

Neben dem Spuk geht es auch noch, wie immer bei Rickman, um sehr irdische Verbrechen, diesmal Bauspekulation und Korruption, und die verschiedenen Erzählstränge werden erst ganz am Ende zusammegeführt.

Besonders gut an diesem Band gefällt mir das Auftauchen von Prof Levin und Simon St. John. Mein erster Gedanke beim Lesen Des Klappentextes war: “Super, dann können sie ja mit Lol zusammen Musik machen!” Sehr interessante Figuren sind auch der Kurator und Gitarrenbauer Al Boswell und seine Frau Sally. Al ist Roma, und obwohl er inzwischen sesshaft geworden ist, ist seine Philosophie immer noch: “Live lightly on the land”, nimm dir also nur so viel, wie du brauchst und sorge dafür, dass es wieder nachwachsen kann. Daran können wir uns auf jeden Fall ein Beispiel nehmen.

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