Urlaub im Moinland – Teil 3

Seehunde, Hasen, Igel und the best Fischbrötchen ever!

Am Morgen fuhren wir schon recht früh los. Wir überquerten das Dangaster Binnentief und am Deich entlang Richtung Norden. Dann bogen wir ab nach Schortens und Jever, um nicht durch Wilhelmshafen zu müssen, das auf der Karte groß und verkehrsreich aussah. Nach einer Weile erreichten wir Carolinensiel mit seinem goldigen Museumshafen.

Ein „Siel“ ist übrigens ein verschließbarer Gewässerdurchlass in einem Deich und Teil des Entwässerungssystems im Marschland. Die gesamte ostfriesische Nordseeküste ist von diesen Sielen gesäumt. Im Niederländischen weist die Endung „-zijl“ ebenfalls auf die Lage an einem Siel hin. Das Fischerdorf Carolinensiel wurde 1730 von Georg Albrecht von Ostfriesland gegründet und nach seiner Frau Sophie Caroline benannt. Am Museumshafen steht seit 2005 die Skulptur Caroline, die den „Cliner Wind“, den Wind aus Carolinensiel symbolisiert.

Carolinensiel Carolinensiel2

Nach einer Sitzbesichtigung stockten wir in einem Supermarkt unsere Vorräte auf und fuhren weiter nach Harlersiel, wo die Fähre nach Wangerooge abfährt. Diese Insel soll ja sehr schön sein, aber leider besitzt sie keinen Campingplatz, weshalb sie noch ein bisschen auf unseren Besuch warten muss. Dort bogen wir links ab und fuhren nach Neuharlingersiel.

Neuharlingersiel2

Unterwegs hatte es schon angefangen zu tröpfeln, und als wir den Fischereihafen erreichten, legte der Regen richtig los. Wir stellten uns unter einen Teil der Konzertmuschel und erhielten bald Gesellschaft von einem schwäbischen Pärchen mit Hund. Dann gesellte sich eine Familie zu uns, und eines der zwei Kinder bemerkte: „Ich hab ja gleich gesagt, dass wir im Auto bleiben sollen, aber auf mich hört ja wieder keiner.“ Wo er recht hat, hat er recht.

Neuharlingersiel Neuharlingersiel3

Als der Regen nachließ, setzen wir unseren Weg am Deich fort, wobei wir uns kräftig gegen den Wind aus Westen stemmen mussten.

Deich Unterwegs

In Bensersiel beschlossen wir, dass wir genug gefahren waren und steuerten den dortigen Campingplatz an. An der Rezeption wurde uns eine Parzelle in der Mitte des Platzes zugewiesen. Auch hier hatten wir eine eigene Adresse, diesmal „Am Bach 4“. Die Wegnamen sind bei diesem Platz auch dringend notwendig, sonst würde niemand sein Zelt oder seinen Wohnwagen wiederfinden. Der Platz befindet sich außerhalb des Deiches, und einige Plätze liegen direkt am Strand. Unserer gehörte zum Glück nicht dazu, ein bisschen respektvoller Abstand zum Wasser muss sein.

Nachdem wir das Zelt aufgebaut hatten, brutzelten wir uns etwas zum Abendessen. Dann gingen wir am Strand entlang, vorbei am Strandbad und einem Kiosk, den wir uns für das morgige Frühstück vormerkten. Über eine Brücke über das Benser Außentief kamen wir in die Ortschaft. Und wieder begann es zu regnen. Wir stellten uns bei einem Andenkenladen unter, und als der Regen etwas nachließ, sprinteten wir zum Restaurant gegenüber. Da wir nur etwas trinken wollten, bat man uns, an der Bar Platz zu nehmen. Zwei Bierchen später war es trocken genug, dass wir zum Campingplatz zurückkehren konnten.

Am nächsten Morgen ging ich als erstes zum Bäcker, um Frühstückssemmeln zu holen. Dann trödelten wir gemütlich herum und beobachteten eine Schafherde, die an unserem Platz vorbeizog.

Schafe

Endlich hatten wir gepackt und fuhren weiter Richtung Osten. Das Wetter war gut, nur gelegentlich erwischte uns ein kleiner Regenschauer. Irgendwo am Wegesrand grüßte uns ein fröhliches Stroh-Hochzeitspaar. Solche Figuren sieht man hier in der Gegend öfters.

Strohfiguren

In Neßmersiel wurde es Zeit für eine Eispause. Zusammen mit einer anderen Frau betrat ich ein Gasthaus, doch es war gar nicht so leicht, den Wirt auf uns aufmerksam zu machen, da er mit lauter Musikbeschallung in der Küche herum wurschtelte. Als ich meine Eiswaffeln bekommen hatte, begann es wieder zu tröpfeln, und wir suchten in einem Strandkorb im Garten Schutz.

Dann ging es weiter nach Norddeich. Wir fuhren am Hafen vorbei, wo die Schiffe nach Juist und Norderney abfahren, und nach einem unfreiwilligen Abstecher in die Ortsmitte fanden wir den Campingplatz direkt am Deich. Wir checkten ein und durften uns ein Plätzchen auf einer der drei Zeltwiesen aussuchen. Diese sind unterschiedlich groß und durch Hecken voneinander abgetrennt, so dass man immer einigermaßen geschützt steht. Wir wählten die mittlere, wo bereits ein radelnder Vater mit zwei Kindern stand.

Da wir hier zwei Nächte bleiben wollten, beschlossen wir, erst einmal unsere Klamotten zu waschen. In der trüben Dreck-Waschmittelbrühe wirkten sie wie ein abstraktes Kunstwerk.

Wäsche Wäsche2

Während die Wäsche gemütlich in der Sonne vor sich hin trocknete, erkundeten wir die Umgebung. Zum Campingplatz gehört ein Restaurant mit Biergarten, das sich im ehemaligen Rundfunkgebäude von Norddeich Radio befindet. Diese Küstenfunkstelle wurde Anfang des 20. Jahrhunderts errichtet und führte knapp 100 Jahre lang Telegrammverkehr mit Schiffen in aller Welt durch (Wikipedia). Jedes Jahr gab es an Heiligabend die Sondersendung „Gruß an Bord“, bei der Angehörige an Land den Besatzungen der verschiedenen Schiffe Weihnachtswünsche zukommen lassen konnten. Außerdem empfing Norddeich Radio Notrufe von Schiffe in Seenot und leitete sie an die Rettungsstellen weiter. 1998 wurde die Radiostation endgültig geschlossen. Für einen Besuch des „Museum Norddeich Radio“ gegenüber dem Café ten Cate in Norden waren wir allerdings zu früh, da es erst im März 2015 eröffnet werden sollte.

Norddeich Radio Norddeich Radio2

Wir wanderten am Deich entlang, wo sich das Wasser zurückgezogen hatte und der Schlick zwischen den Buhnen liegen blieb.

Norddeich Buhnen Norddeich Buhnen2

Auf dem Rückweg entdeckten wir beim Eingang des Campingplatzes auch eine Hundedusche, um die schlammverkrusteten Tiere nach einem Strandbesuch zu reinigen.

Hundedusche

Zum Abendessen gingen wir in den Biergarten. Gerade als wir unsere Bestellung aufgegeben hatten, fing es an zu tröpfeln, und ich sauste zum Zelt, um die Wäsche abzunehmen. Dann gingen wir nach drinnen, wo wir uns unser Abendessen schmecken ließen.

Am nächsten Tag holte ich im Campingladen unsere Frühstückszutaten und den neuesten Krimi von Klaus-Peter Wolf, „Ostfriesenfeuer“, den ich mir in den nächsten Tagen zu Gemüte führen wollte. Dann fuhren wir als erstes zur Seehundstation im Nationalparkhaus. Im Jahr 1971 wurde die Seehundstation von Winhold Schumann und Erwin Manninga gegründet, die bei der Jägerschaft Niedersachsen Gelder beantragten, um verwaiste Seehunde aufzupäppeln und wieder auszuwildern. Auf diese Weise sollte die Seehundpopulation, die in den sechziger Jahren dramatisch zurückgegangen war, zu stützen. Im selben Jahr zog auch „unsere“ Lenie ‘t Hart ihren ersten Seehund auf und legte den Grundstein für die Zeehondencrèche Pieterburen. Soweit ich weiß, arbeiten die beiden Seehundstationen auch zusammen, vor allem auf dem Gebiet der Forschung. Auch hier kann man eine Seehundpatenschaft übernehmen und dabei sein, wenn der Seehund ausgewildert wird.

Anders als in Pieterburen ist die Quarantänestation ausgelagert du befindet sich im Waloseum. Auch kann man als Unbefugter nicht aus dem Hauptgebäude an die Außenbecken. Toll ist aber, dass man die Seehunde im großen Außenbecken durch eine Glasscheibe beim Tauchen beobachten kann.

Seehundstation Seehundstation4

Wir sahen uns die Ausstellung an und schauten beim Füttern zu. In der Küche tat sich hier allerdings nicht viel, da die Tiere groß genug waren, um die Fische als Ganzes zu verspeisen.

Seehundstation3 Seehundstation2

Schön, dass auch hier gut für die Seehunde gesorgt wird.

Dann fuhren wir weiter an einer riesigen Doornkaatflasche vorbei in das Zentrum von Norden.

Norden Norden2

Wir bummelten durch die Innenstadt, vorbei am Teemuseum, das aber leider montags nicht geöffnet hat, und einigen anderen interessanten Gebäuden, wie den „Dree Süsters“ (Drei Schwestern) am Marktplatz und dem Neuen Rathaus.

Norden Rathaus Norden Dree Süsters

Beim Café ten Cate lagen einige Ostfriesenkrimis von Klaus-Peter Wolf im Schaufenster, wahrscheinlich als Gegenleistung dafür, dass ihr Marzipan in jedem Band mehrfach Erwähnung findet, nämlich immer dann, wenn Hauptkommissar Ubbo Heide unter Stress steht und seinem Magen etwas Gutes tun muss. Ich kaufte eine Marzipanmuschel, da ich feststellen wollte, ob es wirklich so lecker ist. Ist es!

Dann hatten wir Appetit auf etwas Fischiges, wir waren ja schließlich an der Nordsee. Zufällig entdeckten wir das Fischrestaurant „Fisherman“. Wir setzen uns erst an einen Tisch draußen, stellten jedoch nach einer Weile fest, dass man zum Bestellen hineingehen musste. Die Fische in der Auslage sahen so lecker aus, dass wir beschlossen, kein warmes Essen zu bestellen, sondern ein Fischbrötchen zu essen. Die Brötchen wurden frisch zubereitet und waren wunderbar! Knusprige Brötchen, der Matjes frisch und aromatisch, nur mit einem Hauch von Salz, so dass der Fischgeschmack nicht erschlagen wurde, ein paar frische Zwiebelringe und ein bisschen Essiggurke und Paprika, die den Fisch perfekt abrundeten. Wir waren uns einig, dass wir gerade „the best Fischbrötchen ever“ verspeisten.

Nach diesem kulinarischen Erlebnis fuhren wir wieder zum Campingplatz, wo wir unsere Urlaubkarten schrieben und den grasenden Karnickeln zuschauten. Dann machten wir noch einen Spaziergang zum Strandbad.

Karnickel

Mitten in der Nacht schüttelte Peter mich wach, da er die Taschenlampe brauchte. Irgendetwas rumorte in unserem Vorzelt. Hatte sich etwa ein Kaninchen verirrt? Vorsichtig schaute Peter nach und rief dann: „Wir haben einen Igel!“ Tatsächlich, eines dieser stachligen Tiere hatte seinen Weg ins Zelt gefunden und schnüffelte interessiert an unseren Taschen, wahrscheinlich auf der Suche nach etwas Essbarem. Unser Fressaliensack war jedoch gut verschlossen. Vorsichtig schob Peter den Igel mit der Taschenlampe wieder nach draußen und wir schliefen wieder ein.

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Urlaub im Moinland – Teil 2

Bad Zwischenahn und der Jadebusen

Nach der unfreiwillig langen Fahrt vom Vortag wollten wir es heute etwas ruhiger angehen lassen. Beim Semmeln-, pardon, Brötchenholen entdeckte ich im Fenster des Kiosks eine Karte zum Reiherweg von der Thülsfelder Talsperre nach Bad Zwischenahn, deren zweiter Teil auf einer alten Eisenbahnstrecke verläuft. Das klang gut!

Nach dem Frühstück, bei dem wir einige Schwalben beobachteten, die wohl unter dem Dach des Sanitätsgebäudes wohnten, fuhren wir los. Gleich am Anfang sahen wir einen Vogelschwarm in Formation, allerdings keine Reiher, sondern, wenn mich mein ornithologisches Halbwissen nicht im Stich lässt, Wildgänse. Fehlte nur noch Nils Holgersson.

wildgaense wildgaense2

Wir fuhren am Wasser entlang zum nördlichen Ende der Talsperre, wo des Wasser in die Soeste abläuft. Dort befindet sich der Startpunkt des Reiherwegs, der gemütlich am Fluss entlang zum Parkplatz des Tier- und Freizeitparks Thüle führt. Hier hieß es erst einmal höllisch aufpassen, da zahlreiche Autos und Reisebusse ihre Ladung freigaben: Kinder, die voll Vorfreude wie aufgescheuchte Hühner hin und her rannten sowie deren Eltern oder Großeltern, die mehr oder weniger erfolgreich versuchten, den Nachwuchs zu bändigen, und natürlich Hunde, die wie immer am äußersten Ende Leine unterwegs waren. Vorsichtig bahnten wir uns einen Weg durch das Gewühl und schafften es tatsächlich, die Abzweigung nach Bösel nicht zu verpassen.

Dann ging es gemütlich weiter durch nette Ortschaften und das Naturschutzgebiet Vehnemoor, wo früher Torf gestochen wurde. Ein verwitterter Gedenkstein erinnert an das Gefangenenlager Jordanshof aus dem ersten Weltkrieg.

unterwegs gedenkstein

Auf einer Fußgänger- und Radfahrerbrück überquerten wir den Küstenkanal, der den Dortmund-Emskanal mit der Hunte in Oldenburg verbindet. Dann erreichten wir den Rad- und Wanderweg auf der Kleinbahntrasse von Edewechterdamm nach Bad Zwischenahn. Die Kleinbahn wurde 1912 gebaut, um die Gemeinde Edewecht an die Hauptbahn Oldenburg-Leer anzuschließen. Bereits 1950 wurden keine Personen mehr befördert, und 1992 wurde auch der Güterverkehr eingestellt. Jetzt bildet die ehemalige Bahntrasse einen schönen Rad- und Wanderweg mit zahlreichen Auf- und Abfahrtsmöglichkeiten.

 kuestenkanal kleinbahnweg

Kurz nach Mittag erreichten wir Bad Zwischenahn und mussten nur noch den Campingplatz finden. Dazu mussten wir erst einmal durch die Ortschaft und am Zwischenahner Meer entlang. Zwei andere Radfahrer, die sich auskannten, fuhren ein Stück mit uns mit und schickten uns dann an einer Abzweigung am See in die richtige Richtung.

Da wir dem Uferweg gefolgt waren, kamen wir an der Rückseite des Platzes an, der jedoch geschlossen war – Mittagsruhe. Wir setzten uns in den Vorgarten der Rezeption und unterhielten uns mit anderen wartenden Campinggästen, die mit dem Wohnmobil da waren. Nach einer Weile kam der Platzwart, und wir konnten einchecken, durften aber bis drei Uhr noch nicht aufbauen: „Jetzt ist Mittagsruhe, und wenn sie da Ihre Heringe in den Boden hämmern…“. Mein Einwand, dass wir nicht einmal einen Hammer hatten, wurde weggefegt, Mittagsruhe ist Mittagsruhe. Also fuhren wir noch ein Stück am Seeufer entlang, dann hatten wir die Gegend schon mal erkundet.

badzwischenahnermeer

Dann suchten wir uns eine Bank und beobachteten die anderen Leute. Um uns die Zeit zu vertreiben, stellten wir eine Typologie der Naherholungsgebietnutzer auf. Da gibt es die Zielstrebigen, die bereits genau wissen, was sie hier machen wollen, meist schwimmen oder angeln. Sie kommen einzeln oder in Rudeln und gehen mit ihrem Gepäck unbeirrbar vom Parkplatz zu der Stelle, die sie sich bereits ausgesucht haben. Dann sind da die Jogger, die mit Handy und Ohrenstöpseln ihre Kreise um den See ziehen, sowie die Mountainbiker, die sich gerne ihre Wege durch das Unterholz bahnen. Ein weiterer Typ ist der Einzelgänger, der mit seinem Hund unterwegs ist. Manchmal ist er für ein Schwätzchen zu haben, manchmal will er einfach in Ruhe gelassen werden. Dann gibt es die spazierengehenden Familien, bestehend aus Eltern oder Großeltern mit Kinderwagen oder Buggy, und einigen kleineren Kindern, die aufgeregt vor und zurück flitzen und alles am Wegrand untersuchen. Die Hunde, die öfter dabei sind, verhalten sich übrigens ähnlich. Fast immer schlurft im Abstand von vier bis acht Metern ein unbebockter Teenager (männlich oder weiblich) mit Handy und Ohrenstöpseln hinterher. Und schließlich ist da noch die radelnde Rentnergang, auf normalen Rädern oder E-Bikes, meist zu viert oder zu sechst, die Herren in karierten Hemden, die Damen in gestreiften T-Shirts, über denen gerne auch ein Bodywarmer getragen wird.

Sicher gibt es noch mehr Typen, doch inzwischen war es drei Uhr geworden, und wir fuhren wieder auf den Campingplatz und bauten in der uns zugewiesenen Ecke das Zelt auf. Danach fuhren wir in die Stadt, wo wir erst die Öffnungszeiten des Supermarkts erkundeten. Danach stellten wir die Fahrräder bei der Kurverwaltung ab, wo wir sie sicher wiederfinden würden, und bummelten durch die Straßen. Dann enterten wir eine Eisdiele, da der Tag immer noch sehr warm war, und gingen in den Park mit seinen zahlreichen Kunstobjekten, wo wir uns eine Bank am Seeufer suchten. Dort verweilten wir, bis die Segelboote in Richtung Hafen fuhren, und suchten uns dann ein Restaurant mit Terrasse, wo es leckere Fischgerichte gab. Es kam sogar ein Straßenmusiker vorbei, und einige Gäste wünschten sich ein Lied.

badzwischenahn badzwischenahn2

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Nach dem Essen kauften wir noch ein und fuhren dann wieder zum Campingplatz zurück. Die Nacht war diesmal etwas unruhiger, da erst Leute nebenan Krach machten und ich feststellte, dass mein Handy nicht mehr an seinem Platz in der Lenkertasche war. Da ich erst vor kurzem eins verloren hatte, wollte ich nicht bis zum nächsten Morgen mit dem Suchen warten. Zum Glück tauchte es wieder auf, und wir konnten schlafen.

Am nächsten Morgen stellten wir fest, dass es kein Wasser mehr gab, da ein Rohr in der angrenzenden Straße gesprungen war. Wir drehten den Hahn neben unserem Zelt auf, und das Wasser, das noch herauskam, reichte gerade noch für einen Kaffee und zwei unserer Flaschen. Kurz nachdem wir den Campingplatz verlassen hatten, stießen wir tatsächlich auf Reparaturarbeiten.

Ohne weitere Vorkommnisse fuhren wir nach Dangast und fanden schnell den Campingplatz am Watt. Peter war sich sicher, dass wir schon einmal hier gewesen waren, doch mir kam der Platz nur so vage bekannt vor, dass es auch ein anderer, ähnlicher gewesen sein könnte. Den Kiosk und Imbiss hatte ich zwar schon mal gesehen, aber so etwas gibt es doch auf mehreren Plätzen? Das Toilettengebäude war mir aber auf jeden Fall fremd. Nachdem wir jedoch im Lauf des Tages immer mehr bekannte Punkte entdeckten, wurde sogar mir klar, dass wir schon einmal hier gewesen waren, nämlich vor gut drei Jahren. Ich werd halt auch nicht jünger….

Beim Einchecken wurde uns eine Parzelle zwischen mehreren Dauercampern zugeteilt, da wir dort windgeschützt stehen würden. Als wir dort ankamen, stellten wir jedoch fest, dass dort eine Betonplatte für Wohnwägen lag – zum Zelten also nicht geeignet. Als wir uns nach einem anderen Platz umsahen, gab uns einer der Dauercamper gute Tipps, welche Plätze bei Regen unter Wasser stehen und welche trocken bleiben. Wir suchten uns ein Plätzchen aus und meldeten unseren „Umzug“ bei der Rezeption. Für die nächsten zwei Tage residierten wir also im Schollenpfad 10.

schollenpfad

Nach dem Aufbauen verabredete ich mich per SMS mit Queeni aus meinem Stammforum, die in der Nähe wohnt, für den nächsten Tag zum Abendessen. Nachdem wir eine Weile die Schwalben (zumindest glaube ich, dass es welche sind) beobachtet hatten, die sich immer wieder auf dem Gestänge auf der Parzelle gegenüber versammelten und dann wieder abflogen, gingen wir erst einkaufen und erkundeten dann das Dorf. Die Entfernungen sind ja hier nicht allzu groß.

schwalben

Dann gingen wir zum Fischturm, um unserer erstes Fischbrötchen des Urlaubs zu verspeisen.

dangasthafen fischbroetchen

Nach dieser Stärkung besuchten wir das Nationalparkhaus, wo wir uns über die Flora und Fauna des Wattenmeers und den Küstenschutz in dieser Region informieren konnten. Außerdem gab es dort zahlreiche Broschüren über die ostfriesischen Inseln und die Fährverbindungen dorthin. Das war sehr praktisch, da wir unbedingt noch eine dieser Inseln besuchen wollten, aber noch nicht sicher wussten, welche.

Dann kehrten wir zurück zum Campingplatz und suchten uns eine Bank mit Aussicht auf das Watt und den Leuchtturm Arngast, der sich etwa fünf Kilometer vor der Küste auf einer Sandbank befindet. Dort verspeisten wir unser Abendessen und beobachteten, wie sich der Himmel über dem Watt langsam verfärbte. Dann gingen wir schlafen, da wir uns für den nächsten Tag einiges vorgenommen hatten.

leuchtturm sonnenuntergang

Am nächsten Morgen gingen wir nach dem Frühstück ins benachbarte DanGast Quellbad, da dessen Benutzung für zwei Stunden pro Tag im Übernachtungspreis inbegriffen ist. Dort erwartete uns laut Informationsmaterial „ein sehr wertvolles, urgesundes Jod-Sole-Wasser“. Wir plätscherten durch den Strömungskanal, bibberten im Außenbecken, entspannten uns im Dampfbad und sausten die Rutsche hinunter.

Dann machten wir uns auf den Rückweg, da wir an einer Wattwanderung teilnehmen wollten. Zusammen mit einigen anderen Teilnehmern versammelten wir uns bei der Rezeption, und bald tauchte unser Wattführer auf und sammelte das Geld ein. Wir ließen die Schuhe beim Rezeptionshäuschen und liefen hinunter zum Strand. Dort erzählte uns der Führer einiges Wissenswertes zum Tidenhub, den Sturmfluten und der Bedeutung der Deiche. Normalerweise ziehen sich ja die Wellen, die an den Strand rollen, wieder zurück. Wenn jedoch der Wind kräftig von der See her weht, stapeln sie sich gewissermaßen aufeinander und überfluten so die Deiche. Dies kommt regelmäßig im Winter vor, und die vom 6. Dezember 2013 war wohl nicht von schlechten Eltern.

wattwanderung

Dann ging es ins Watt. Die Wanderung, die wir vor drei Jahren in Büsum gemacht hatten, war eigentlich ein ganz gemütlicher Spaziergang durch das flache Wasser über das Sandwatt gewesen. Doch hier hatten wir es mit Schlickwatt zu tun, und das ist eine ganz andere Sache. Das Wasser spült hier in die Bucht, kann sich aber nicht geradlinig zurückziehen, und so lagert sich viel mehr glitschiges Zeugs ab als an anderen Stränden, und so sieht der Boden dann auch aus: schwarz. Bei jedem Schritt schlürft und schmatzt es um die Knöchel, und manchmal sinkt man bis zum Scheinbein ein. Gut, dass wir keine Stiefel anhatten, die wären wir sicher schnell losgeworden. Und rutschig ist es natürlich auch. Wenn es mich jetzt auf den Allerwertesten setzen würde, wäre das etwas unpraktisch, da ich außer meiner Fahrradhose nur diese mithatte. Und so glitschten wir vorsichtig über das Watt und lauschten den Ausführungen unseres Führers über allerlei Getier, das unter unseren Füßen haust: Wasserschnecken, Wattwürmer, Plattmuscheln, Wattkrebse usw.

wattwanderung2 wattwanderung3

Nach einer Weile war es Zeit, wieder an Land zu gehen. Unser Führer erzählte, dass er auch Wattführungen zum Leuchtturm Arngast anbietet, an denen aber nicht jeder teilnehmen kann. Verständlich. Wir spülten unsere Füße ab und gingen zu „unserer“ Bank, wo wir gestern unser Abendessen verzehrt hatten. Plötzlich kamen ein paar Spaziergänger vorbei, die auch gestern dort unterwegs gewesen waren, und fragten: „Sind Sie schon wieder da oder noch immer?“ Tja…

Dann warteten wir am Eingang auf Queenie, die uns abholen sollte. Dass auch dieser Berich gelegentlich unter Wasser steht, wird einem hier sicher deutlich gemacht:

ueberflutung

Nachdem Queenie unser Zelt gebührend bewundert hatte, fuhren wir mit ihrem Auto (welch ein Luxus!) nach Varel, wo wir erst den schnuckligen Hafen besichtigten und dann gemütlich in einem Restaurant mit Fischbuffet essen gingen. Bei guten und vor allem reichlichem Essen und gepflegter Unterhaltung verging der Abend recht schnell.

varelhafen

Wieder zurück am Schollenweg merkten wir, dass es Freitag war: die Dauercamper rückten an. Vor dem Wohnwagen neben uns wurde lautstark telefoniert: „Sicher könnt ihr vorbeikommen, wir sind zu Hause. Wir sind ja immer zu Hause, wenn Werder spielt!“ Na, dann ist ja alles klar. Wir kuschelten uns in unsere Schlafsäcke und bekamen das Anrücken des nachbarlichen Besuchs nur noch gedämpft mit. Es war ja schließlich ein ereignisreicher Tag gewesen.

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Urlaub im Moinland – Teil 1

Urlaub im Moinland, 25. August – 6. September 2014

Nach den Anstrengungen der Strand6Daagse ließ ich mich erst einmal ein paar Tage von Muttern verwöhnen und ging dann wieder an die Arbeit. Langsam erholte auch mein lädiertes rechtes Bein sich wieder. Doch geradelt werden musste, sonst ist so ein Sommer ja nicht komplett. Die letzte August- und die erste Septemberwoche sollte es werden. Diesmal wollten wir zu Hause starten und erst mal Richtung Nordsee fahren. Anhand der Campingplätze planten wir eine ungefähre Route, die auch längere Pausen oder gar eine Rückkehr nach Hause zuließ, wenn sich mein Bein doch wieder beleidigt zu Wort melden sollte.

Durchs Emsland – Irrwege, Pausen, Hünengräber

Am Montagvormittag brachen wir auf und fuhren erst einmal nach Losser, wo wir unsere Bargeldvorräte aufstockten. Als wir weiter fuhren, landeten wir erst einmal in einer Sackgasse in einem Wohngebiet, doch dann waren wir auf der Straße nach Bad Bentheim. Die Sonne schien, das Radeln ging gut, und bis jetzt machte mein Bein keine Zicken.

Gegen Mittag wurde es Zeit für eine Pause. Wir fanden eine ruhig gelegene Bank und packten die Fressalien aus. Doch etwas fehlte. Vom Besuch meines Bruders am Wochenende war noch etwas Zwiebelkuchen übriggeblieben, den wir jetzt eigentlich vertilgen wollten. Wir stellten fest, dass mal wieder jeder davon ausgegangen war, dass der andere ihn eingepackt hatte. Nach zwei Wochen würde er wohl beim Öffnen der Kühlschranktür davonlaufen. Wir schickten eine SMS an unsere Nachbarin, dass sie ihn sich holen sollte. Für unsere Mittagspause hatten wir zum Glück noch genug Vorräte mit.

Dann fuhren wir weiter Richtung Osten und überquerten irgendwann die Ems.

ems ems2

Die Radrouten waren gut ausgeschildert und eine nette Bushaltestelle lud zu einer weiteren Pause ein.

pause

Kurz vor Freren war die Straße gesperrt, doch die Umleitung war zum Glück gut ausgeschildert. In der Ortschaft war gerade Kirmes, und wir schoben unsere Leezen durchs Gewühl, um die Tourist Information zu finden, wo ich nach dem Weg zum Campingplatz fragte. Man erklärte mir, dass es zwei in der Nähe gebe, einen beim Schwimmbad und einen an einem See, aber da wüsste man nicht genau, ob der Platzwart da ist.

Wir steuerten den Platz beim Schwimmbad mit dem idyllischen Namen “Waldesruh” an. Der Platzwart, der im ersten Wohnwagen hauste, wies uns die Zeltwiese an und wir suchten uns ein nettes Plätzchen. Nach dem Aufbauen untersuchte ich die sanitären Anlagen. Aus sämtlichen Wasserhähnen und der Dusche kam nur kaltes Wasser, und eine Vorrichtung für Münzen konnte ich nicht entdecken, was vielleicht auch an der mehr als spärlichen Beleuchtung lag. Aber für eine Katzenwäsche reichte es, und bei 12 Euro pro Nacht will ich mal nicht nölen.

Der Campingplatz schien sowieso vor allem auf Dauercamper eingerichtet zu sein. An einer Wand des Sanitätsgebäudes hingen zahlreiche Briefkästen mit Namen, darunter auch einige niederländische.

briefkaesten

Auch vor einigen Wohnwägen wehten niederländische Flaggen. Ich geriet ins Grübeln: Warum will jemand aus den Niederländern gerade hier Dauercamper werden? Ich meine, die Gegend ist ja ganz nett, aber um nun mehrmals im Jahr hierher zu fahren? Dass es hier billig ist, kann doch nicht der einzige Grund sein, oder vielleicht doch? Vielleicht sollte ich nochmal irgendwas studieren (Psychologie oder so) und dann eine wissenschaftliche Arbeit über das Phänomen “Dauercamper” verfassen. Da könnte man ja auch undercover ermittelten und Material sammeln… Nee, lieber doch nicht. Eine ganze Saison auf demselben Platz würde ich wohl nicht aushalten.

Dann erkundeten wir die Umgebung. In unserem Informationsmaterial hatte ich gelesen, das es in der Nähe ein Hünengrab geben sollte, das wir uns anschauen wollten. Wir fuhren über die Waldwege und stellten bei einer Umgebungskarte fest, dass wir wohl schon daran vorbeigefahren waren. Also zurück, und da war es, ein wenig abseits vom Weg auf einer Lichtung. Durch das Grün fügte es sich wunderbar in die Umgebung ein, und das ebenfalls grüne Schild, das eigentlich darauf hinweisen sollte, lehnte unauffällig an einem Baum. Kein Wunder, dass wir es nicht gleich gesehen hatten. Dem Schild entnahmen wir, dass es sich um ein neolithisches Grab aus der Zeit zwischen 2300 und 1800 vor Christus handelte und von Leuten der Trichterbecherkultur erbaut worden war. Wenn man weiß, worauf man achten muss, kann man trotz fehlender Steine die Merkmale der sogenannten “Emsländer Kammern” erkennen. Die Steine wurden in Trockenbauweise aufgeschichtet, und das Grab wurde von einem Erdhügel bedeckt. Wo sich die Siedlung befunden hat, zu der das Grab gehört, ist allerdings nicht bekannt.

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Dann fuhren wir in die Stadt und stellten die Fahrräder in der Nähe einer Bank ab. Die Kirmes hatte inzwischen geschlossen, und wir konnten gerade noch bei den Abbauarbeiten zusehen. Wir bummelten durch die Ortschaft mit netten Straßen, Geschäften und einigen sehr schönen Häusern.

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Dann wollten wir Essen gehen, seltsamerweise hatten fast alle Restaurants, an denen wir vorbeikamen, geschlossen. Eines war zwar geöffnet, doch es gab nur Getränke, da “jetzt gerade Urlaubszeit” war. Das war uns schon klar, deswegen waren wir ja auch hier. Also weitersuchen. Endlich fanden wir ein einfacheres Gasthaus mit sehr leckeren Schnitzeln. Geht doch! Satt und zufrieden fuhren wir wieder zum Campingplatz und verkrochen uns in unsere Schlafsäcke, bevor es zu regnen begann.

Am nächsten Morgen sagte uns der Platzwart, dass für den heutigen Tag weiterer Regen angesagt war, doch der Himmel war wunderbar blau. Nach dem Frühstück packten wir ein und fuhren los.

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Erst ging auch alles wunderbar, wir fuhren über idyllische, von Bäumen gesäumte Wege, vorbei an netten Häuschen und Bänken, die immer wieder zum Verweilen einluden. Einmal stand sogar das Wort “PAUSE” in roten Buchstaben auf der Straße. Selbstverständlich leisteten wir der Aufforderung Folge.

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War die Strecke bisher gut ausgeschildert, ab der Ortschaft Menslage wurde es kompliziert. Entweder standen nur Ortschaften auf den Schildern, die weit abseits unserer “Marschroute” lagen, oder wir wurden auf langen verschlungenen Feldwegen durch die Pampa gelotst. Zum Glück war das Wetter immer noch schön, und mein Bein verhielt sich ruhig. Am Nachmittag errichten wir Molbergen, wo wir unsere Vorräte aufstockten, und von dort war es zum Glück nicht mehr weit zur Thülsfelder Talsperre.

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petersfeld

Dort gibt es jede Menge Campingplätze, und wir entschieden uns für den ersten, an dem wir vorbeikamen und der zum Hotel “Einhaus” gehört. Wir mussten uns im Hotel melden und man informierte den Platzwart, der uns die Zeltwiese zeigte. Waren wir froh, dass wir angekommen waren. Keine Ahnung, wie viele Kilometer wir an diesem Tag gefahren waren, gefühlt waren es jedenfalls eine ganze Menge.

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Nach dem Aufbauen, einer wohltuenden warmen Dusche und etwas zu essen fühlten wir uns wieder fit und gingen zum See. Wir suchten uns eine Bank und beobachteten die anderen Urlauber: Paare, die einen Abendspaziergang machten, Kinder, die im flachen Wasser plantschten und Eltern, die ihren Nachwuchs einsammelten. Langsam ging über dem See die Sonne unter.

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Danach gönnten wir uns noch ein Bier auf der Hotelterrasse und gingen dann schlafen.

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Weitere 52 Bücher (16) – “Das Weihnachtswunder des Henry N. Brown” von Anne Helene Bubenzer

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Wie bereits angekündigt hat unser Mitbewohner Struppie van Struppinga den Wunsch geäußert, einen Gastbeitrag schreiben zu dürfen. In den Weihnachtsferien hat er nämlich das Buch “Das Weihnachtswuder des Henry N. Brown” von Anne Helene Bubenzer (München, 2013) gelesen, und er findet, dass es gut zum Montermotto Nummer 16 passt: Schräge Bücher, also Bücher mit schrägem Humor, wie ermittelnde Schafe, Geister etc.

Henry N. Brown

Bevor ich mit meinem Gastbeitrag anfange, möchte ich erst mal kurz was über mich schreiben. Mein Name ist Struppie van Struppinga, und ich sitze meistens gemütlich bei den Scrooges auf dem Sofa:

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Aber irgendwie muss man ja seine Tage verbringen, und bei dem nassen, kalten Wetter, das wir zur Zeit haben, will ich auf gar keinen Fall raus! Außerdem sollte man auch als Bär seine Bildung nicht vernachlässigen. Zum Glück gibt es im Scrooge-Haushalt jede Menge Bücher. Und zu Weihnachten kam eins dazu, das mir ganz besonders gut gefallen hat. Die Hauptperson ist nämlich auch ein Bär, ein gewisser Henry N. Brown, der schon neunzig Jahre auf dem Buckel hat! Über sein Leben hat er schon in einem anderen Buch berichtet, nämlich in “Die unglaubliche Geschichte des Henry N. Brown”. Und er hat auch eine Menge mitgemacht, oft den Besitzer gewechselt und viele Länder gesehen und war Trostbär für viele Leute.

Aber jetzt ist er schon seit einigen Jahren praktisch im Ruhestand und im Bücherregal der Schriftstellerin Flora Sommer, die ihm auch beim Verfassen seiner Autobiografie geholfen hat. Es ist kurz vor Weihnachten, und Flora liebt die Weihnachtszeit. Sie hat einen Adventskranz, bäckt Plätzchen und sucht Geschenke für ihre Lieben aus – wie die Scrooges es auch machen und wie es sich gehört. Jawohl.

Im Jahr dieser Geschichte ist Flora in einen gewissen Felix verliebt, und der hat ihr gesagt, dass er am Heiligen Abend zu ihr kommen wird und eine Überraschung für sie hat. Natürlich hat sich Flora schon am Nachmittag umgezogen und Häppchen hergerichtet, doch wer nicht kommt, ist Felix. Statt dessen klingelt ein ungebetener Gast nach dem anderen. Erst taucht Floras Vater auf, der eigentlich mit seinem Freund feiern wollte, aber der ist krank geworden. Dann rückt Floras Mutter mit ihrem neuen Partner, einem goldigen Italiener an, und alle befürchten das Schlimmste, da Floras Eltern sich nicht vertragen. Henry erinnert sich an einen Weihnachtsbrunch, bei dem ihre Eltern sich benommen hatten “wie ein aufgeblasener Gockel und eine bissige Weihnachtsgans. Ich saß mit gesträubtem Fell im Regal und litt.” (S. 47) Da Flora sie erst mal nicht reinlässt, schlagen sie bei ihrem indischen Nachbarn auf, wo der goldige Italiener Luigi zu kochen beginnt.

Und dann steht auch noch Floras beste Freundin Mara vor der Tür, die gerade erfahren hat, dass ihr Mann fremdgeht. Der Trottel hat doch glatt die Weihnachtsgeschenke für seine Frau und seine Geliebt verwechselt und Mara das Buch “50 Shades of Grey” geschenkt, mit der Widmung “Für Nathalie in Vorfreude”. Sowas ist wirklich peinlich, nicht wahr? Da es Mara verständlicherweise nicht so gut geht, darf Henry mal wieder als Trostbär arbeiten, was er wie immer sehr gut macht.

Und irgendwann taucht tatsächlich auch Felix mit seiner Mutter auf, und Henry erlebt eine riesige Überraschung. Die werde ich aber jetzt nicht verraten, denn sonst ist es ja keine Überraschung mehr!

Aber von einem Geschenk, das Henry bekommt, möchte ich doch noch erzählen. Irgendwie kommt die Rede der Gäste auf ihre ersten Stofftiere, und Luigi erzählt von seinen Bären Gianni – ein wichtiger Moment für Henry: “Luigis Geschichte war wie ein Geschenk, eine Erklärung, die er stellvertretend für Alice, Robert, Leo und Lili, Melanie und Isabelle, Laura und all die anderen Menschen abgab, die mich in ihrem Leben im Arm gehalten hatten. Sie gab mir Hoffnung, dass meine Existenz einen Unterschied machte, egal, wie bewegungslos und sprachlos ich war. Sie erinnerten sich.” (S. 89) Schnüff, ich war ganz gerührt beim Lesen.

Ich finde dieses Buch sehr schön. Es sollte mehr Bücher geben, die von Bären geschrieben sind. Als Bär sieht man die Dinge doch meistens etwas anders und versteht nicht, warum die Menschen alles so unnötig kompliziert machen. Henry findet das auch: “Ich gebe zu, ich kenne mich mit den Feinheiten der Religionen nicht aus, aber dass man in Indien nicht Weihnachten feiert, wusste ja sogar ich. Schade eigentlich. Ja, ich weiß, es geht dabei um den Geburtstag Jesu, und  die Hindus und Mohammedaner und Juden und Atheisten haben damit nichts am Hut – aber Friede, Besinnlichkeit, Liebe und Mitmenschlichkeit – dass sind doch Attribute, die für alle gelten, egal an welchen Gott sie glauben. Ich bin seit jeher Befürworter eines globalen Festes der Menschlichkeit, an dem alle auf der Welt gemeinsam feiern. Ehrlich, man kann sich fragen, warum außer mir noch niemand auf diese Idee gekommen ist…” (S. 34/35).

Wo er Recht hat, hat er Recht.

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Von Neujahrsvorsätzen, Indisposition und einer Vertretung

Oh je, die Zeit fliegt dahin! Nun ist das neue Jahr schon wieder einen Monat alt, und was ist bisher aus meinem Neujahrsvorsatz, wieder mehr zu bloggen, geworden? Genau, nix und wieder nix! Im Moment bin ich auch leider etwas indisponiert – vorletzte Woche hat mich diese dämliche Grippe, die gerade umgeht, erwischt. Inzwischen geht es zwar wieder recht gut, aber ich bin immer noch ziemlich müde, was wohl auch an diesem nassen, kalten und ekligen Wetter liegen wird. Ich möchte Winterschlaf halten!

Neulich schrieb RA-St von Tellerrandhorizont, dass er einige alte Blogweggefährten, darunter auch mich, etwas aus den Augen verloren hat und dies ändern möchte. Dann sollte aber doch mal wieder etwas zum Lesen hier auftauchen. Dummerweise fehlt mir im Moment die Inspiration.

Aber es naht Rettung in der Not: Unser Mitbewohner hat während der Weihnachtsferien ein Buch gelesen, das er gerne im Rahmen des Monsterprojekts hier vorstellen möchte. Er sitzt schon eifrig am Laptop und verfasst seinen Beitrag:

struppie

Ich bin gespannt.

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Jahresrückblick 2014

In meinem Liebelingsforum wird schon seit längerem am Jahresende auf das vergangene Jahr zurückgeschaut: Wünsche, Vorsätze, Erfolge und Misserfolge passieren die Revue.  Bisher habe ich mich dabei immer vornehm zurückgehalten, aber dieses Jahr erschien es mir interessant, auch einmal mitzumachen. Und das Ergebnis möchte ich gerne mit euch teilen. Falls jemand von euch die Idee aufgreifen möchte – gerne! Die Fragen sind lediglich eine Anregung, und man muss sie auch nicht alle beantworten.

Was war das Beste für Dich an diesem Jahr?
“The best Fischbrötchen ever” bei unserer Sommerradtour. Das gab es in Norden.  smile

Hast Du 2014 etwas gemacht, das Du noch nie zuvor gemacht hast?

Wir haben einen Seehund freigelassen.

Hast Du all Deine guten Vorsätze aus dem Vorjahr beherzigt?

Ich wollte auf mein Gewicht achten, und ja, es ist gestiegen.  Sad

Hast Du gute Vorsätze für das nächste Jahr?

Das Übliche: Weniger Schokolade, mehr Sport. Vielleicht sollte ich es mit Ritter Sport versuchen?

Welche Länder hast Du 2014 besucht?
Deutschland und Belgien – und irgendwie auch England, da man die Universitätsstadt Leuven auch “das Oxford Belgiens” nennt.  Wink

Was möchtest Du 2015 haben, was Du 2014 nicht hattest?
Mehr Zeit für Familie, Freunde, Hobbys und vor allem für das Bloggen. Ein Reisebericht über unsere Sommerradtour mit dem “best Fischbrötchen ever” will noch geschrieben und zahlreiche Bücher möchten noch besprochen werden.

Welches Datum aus 2014 wirst du nie vergessen?
21. bis 26. Juni, als wir in einem Anfall von Wahnsinn die Strandzesdaagse von Hoek van Holland nach Den Helder liefen.

Was war Dein größter Erfolg 2014?
Dass ich trotz schmerzendem Unterschenkel das Finish der Strandzesdaagse erreichte.

Welches war Dein größter Fehler?
Ein paarmal zu oft ein gutmütiger Trottel gewesen, aber das ist ja mein zweiter Vorname.

Hast Du eine Krankheit oder eine Verletzung gehabt?
Neben den üblichen Zipperlein ein überanstrengter Unterschenkel bei der Strandzesdaagse und im Herbst ein verstauchtes Handgelenk, an dem ich noch lange Freude hatte.

Was war das Beste, was Du gekauft hast?

Einen Mini Cooper in British Racing Green (natürlich zusammen mit dem Gatten).

Wessen Verhalten erschreckt Dich oder macht Dich traurig?
Das Verhalten diverser Politiker und Gewerkschaftsmitglieder, für die Freiberufler verdächtige Scheinselbstständige und sowieso Menschen zweiter Klasse sind.

Wofür ging das meiste Geld drauf?
Für Charles, unseren Mini.

Worüber warst Du so richtig aus dem Häuschen?

Als unser Seehund Lewis zusammen mit sechs weiteren Artgenossen auf die salzige See zuwetzte und in den Fluten verschwand:
https://www.youtube.com/watch?v=TbnXYNobcZw

Welches Lied wird Dich immer an 2014 erinnern?
“It’s a Beautiful Day” von Queen, eben wegen der Seehunde.

Verglichen mit 2013, warst du im Jahr 2014

…glücklicher oder unglücklicher?
Nachdem ich 2012 gern aus dem Kalender gestrichen hätte, waren die letzen beiden Jahre gut und stabil.

… reicher oder ärmer?
Ich denke, es bleibt ungefähr gleich.

Wovon hättest Du lieber mehr gemacht?
Mehr Radtouren und Blogeinträge.

Wovon hättest Du lieber weniger gemacht?

Bürokratischen Zirkus bei der FH.

Wie hast Du Weihnachten verbracht?
Zu Hause mit meinem Mann. Da unser Chor bei der Christmette gesungen hat, musste der Glühwein allerdings warten….

Hast Du Dich 2014 verliebt?

Ja, das mit Charles war Liebe auf den ersten Blick.  1luvu

Welches war Deine Lieblingssendung im Fernsehen?
Die neuen Folgen der Krimiserie “Lewis”, nach deren Protagonist auch unser Seehund benannt wurde.

Hast Du jemanden oder etwas hassen gelernt?
Das Bürokratengedöns bei der FH. Da hätte ich oft gern in die Auslegeware gebissen.

Welches war das beste Buch, was du 2014 gelesen hast?
Am meisten amüsiert habe ich mich bei der Mama-Carlotta-Reihe, einer Krimiserie mit einer unglaublich liebenswerten Protagonistin.

Was war deine größte musikalische Überraschung 2014?
Wie gefühlvoll der Gatte Schubertlieder singt.

Was hast Du Dir gewünscht und auch bekommen?
Charles!

Was hast Du Dir gewünscht und nicht bekommen?
Genug Zeit für Freunde, Familie, Hobbys etc.

Welches war Dein Lieblingsfilm in diesem Jahr?
Dieses Jahr habe ich keinen Lieblingsfilm. Einen hätte ich zwar gern gesehen, aber der lief hier nicht in den Kinos. Nun warte ich auf die DVD.

Was hast Du an Deinem Geburtstag getan und wie alt bist Du geworden?

Ich war auf dem Campingplatz in Hoek von Holland, wo am nächsten Tag die Strandzesdaagse beginnen sollte. Und ich bin wieder ein Jahr älter geworden.

Welche eine Sache hätte Dein Jahr zufriedenstellender gemacht?
Weniger Hektik und mehr Zeit für mich selbst und die Dinge, die wirklich Spaß machen.

Was hielt Dich gesund?

Meine wohl ganz gute Konstitution.

Erzähle uns eine wertvolle Lebenslektion, die Du in diesem Jahr gelernt hast!

Mammuteinrichtungen wie die FH und ich passen einfach nicht zusammen.

Auf was freust Du Dich in 2015?

Auf unseren geplanten Radurlaub an der Ostsee und viele andere Dinge. Ich hoffe, dass es ein gutes Jahr wird. Prost. beerchug

Zum Schluss möchte ich mich bei allen, die hier vorbei geschaut, mitgelesen und kommentiert haben, bedanken. Ich wünsche euch allen das allerbeste für 2015.

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Das Quiz – Ein Ausflug in die deutsche Samstagabendunterhaltung

Am Samstagabend zeigt Canvas, das zweite belgische Fernsehen, Krimisereien vom Feinsten: die britischen Serien Sherlock, Vera, Midsomer Murders, Lewis, Inspector Lynley, den irischen Ermittler Jack Taylor, die norwegische Reihe Varg Veum, die schwedischen Fjällbacka-Morde und vieles mehr. Selbstverständlich im Original mit niederländischen Untertiteln. Und da ist es uns egal, dass es von eingen schon die drölfzigste Wiederholung ist (Inspector Lynley), oder dass wir einige Reihen schon längst auf DVD haben (Lewis, Vera, Varg Veum), der Samstagabend gehört, wenn nicht hin und wieder das richtige Leben dazwischenkommt, Canvas und den Krimis. Deshalb kriege ich von den deutschen Samstagabendshows schon seit Jahren nichts mehr mit, und hätte den Untergang von “Wetten, dass…” wahrscheinlich nicht mal bemerkt, wenn er nicht in allen Medien breitgetreten worden wäre.

Doch gestern kam alles anders. Eigentlich wollten wir nur die Zeit zwischen den Nachrichten und der englisch-walisischen Serie “Hinterland” überbrücken, doch dann bleiben wir bei der Sendung “Das Quiz” hängen, moderiert von Frank Plasberg mit den Kandidaten Günther Jauch, Barbara Schöneberger, Til Schweiger und Lan Josef Liefers, die Geld für einen guten Zweck erspielten.

Die Quizfragen gingen um Menschen, Ereignisse und Pannen des vergangenen Jahres, und einige Antworten wusste ich auch, oder konnte sie richtig erraten. Ein bisschen viel Fußball kam vor, aber gut, wir sind ja schließlich Weltmeister. Sehr sympathisch und bodenständig wirkte der Fußballer Jérôme Boateng, der vorbeikam und erzählte, was er nach der Siegesfeier gemacht hatte: Da er doch nichts mehr zu tun hatte, fuhr er zu Muttern, um dort Fischstäbchen zu verspeisen.

Aber wirklichen Unterhaltungswert hatten die Spiele zwischen den Quizrunden. Bei dem Spiel mit den Schlitten drohte der Gatte an, unseren vom Speicher zu holen und mich hüpfen zu lassen (hat er zum Glück inzwischen wieder vergessen), beim Einkaufswagenrennen meinte er nur fassungslos: “Das gibt es wirklich noch im Fernsehen? Das ist doch so 70er Jahre.” – Ich: “Das trifft doch voll den Massengeschmack. John de Mol wird sich in den Hintern beißen, dass er nicht auf sowas gekommen ist”. Dem Herrn de Mol waren nämlich die Einschaltquoten von “The Voice of Holland” zu niedrig.

Der sonst immer recht ernste Günther Jauch wurde mir bei diesen Spielen richtig sympathisch, da er ihm dabei immer irgendwas passierte. Als er mit seinem Magnetschuh auf der Platte festsaß, tat der reichlich genossene Weißwein seine Wirkung: Ich bekam einen Lachanfall und gackerte noch bei der nächsten Runde fröhlich vor mich hin. Peter meinte dazu, dass mir so etwas durchaus auch passieren könnte. Wo er recht hat, hat er recht.

Fazit: Auch wenn wir in der nächsten Zeit wieder Krimis gucken werden, lohnt sich einmal im Jahr so ein Ausflug in die deutsche Samstagabendunterhaltung. Ich glaube, ich gucke nächstes Jahr wieder “Das Quiz”.

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Weihnachten in den Niederlanden

Als Reaktion auf meinen Post über die Vorweihnachtszeit äußert Peter von Radreisen – langsam reisen den Wunsch, mehr über die Weihnachtsbräuche in den Niederlanden zu erfahren. Und da ich gern Weihnachtswünsche erfülle, habe ich beschlossen, meinen üblichen Jahresendgruß mit einem halbwegs informativen Artikel zu verbinden. Er gibt vor allem das wieder, was ich selbst erlebt und in meinem Umfeld mitgekriegt habe. Ich schließe also nicht aus, dass es auch ganz andere Arten gibt, Weihnachten zu feiern, und freue mich immer über Ergänzungen.

Wie bereits erwähnt ist in den Niederlanden Sinterklaas, das Nikolausfest, der Höhepunkt der Wintermonate. Danach kehrt erst mal etwas Ruhe ein, und in manchen Städten wechselt die Straßenbeleuchtung von Bischofsmützen zu Tannenzweigen und ähnlichen Motiven. Jetzt ist für viele die Zeit gekommen, ihren Weihnachtsbaum aufzustellen und zu schmücken. Ich selbst bin ja mit der Tradition aufgewachsen, dass der Baum am Heiligen Abend aufgestellt und geschmückt wird und bis Dreikönig im Wohnzimmer steht. Wenn wir einen Baum haben, was nicht jedes Jahr der Fall ist, versuche ich dies beizubehalten.

Mein früherer Chef war mit einer Deutschen verheiratet, und ich wusste, dass bei ihnen auch viele deutsche Weihnachtsbräuche in Ehren gehalten wurden. Und so kam es, dass ich, als er bei einer Firmenweihnachtsfeier am 20. Dezember erzählte, dass sie heute ihren Baum aufgestellt hatten, erstaunt fragte: “Was? Jetzt schon?”, während eine Kollegin im gleichen Atemzug rief: “Was? Jetzt erst?” Es ist eben alles eine Frage der Perspektive.

Das Schreiben der Weihnachtskarten wird hier mit großem Eifer betrieben, und es gibt sogar besondere Briefmarken dafür, die sogenannten “Decemberzegels”. Diese sind etwas billiger als die normalen Marken, und es kann länger dauern, bis die Karten ankommen. Eilige Post sollte man also besser nicht damit frankieren. Oft steht nur ein kurzer Gruß auf der Karte, manchmal auch nur der Name des Absenders. Diese Karten stellt oder hängt man dann gut sichtbar in der Wohnung auf. Doch in den letzten Jahren geht auch hier der Trend zur Digitalisierung.

Ein sehr schöner Brauch der (Vor-)Weihnachtszeit ist im Osten des Landes das Mittwinterhornblasen, eine Tradition, die bis vor die Anfänge des Christentums zurückreicht. Das Mittwinterhorn ist eine Art kleines Alphorn, das man wie eine Querflöte hält. Vom ersten Advent bis Dreikönig darf es draußen gespielt werden, und dann erklingt “‘n oaln roop” (der alte Ruf) bei verschiedenen Gelegenheiten.

Unser früherer Nachbar entdeckte irgendwann seine Leidenschaft für das Mittwinterhorn, und da man erst in der Adventszeit draußen spielen darf, wurde er von seiner Familie zum Üben auf den Dachboden verbannt, doch in einem Reihenhaus hilft das nicht wirklich. Zum Glück machte er schnell Fortschritte, und am Heiligen Abend spielte er in unserer Straße. Erst war er allein, doch in den nächsten Jahren wurde sein Ruf von anderen Spielern aufgegriffen und beantwortet. Leider ist die Familie vor ein paar Jahren umgezogen, und ich vermisse sein Spiel.

Anders als in Deutschland ist der Heilige Abend (kerstavond) hier kein Familienfest mit Bescherung unter dem Weihnachtsbaum. Es gibt zwar Weihnachtsgottesdienste, die auch gut besucht sind, aber vor allem die jungen Leute ziehen an diesem Abend lieber durch die Kneipen (gaan stappen). Die Familie besucht man dann am ersten und zweiten Weihnachtsfeiertag (eerste en tweede kerstdag). Dann wird lecker gespeist, wobei vor allem Fondue und Raclette sehr beliebt sind, man unterhält sich und geht gemeinsam spazieren, also ähnlich wie in Deutschland. Geschenke gibt es dann meist allerdings nicht, denn die gab es schon zu Nikolaus.

Man sieht, manche Dinge sind ähnlich, manche ganz anders. Insgesamt ist das Weihnachtsfest hier, wie so vieles, nüchterner und dadurch auch weniger stressig und hektisch, aber auch etwas weniger stimmungsvoll.

Hier gibt es noch ein traditionelles niederländisches Weihnachtslied, das ich sehr gern mag. Ich habe eine Variante mit Text herausgesucht, so dass man wohl ganz gut verstehen kann, worum es geht.

Ich wünsche euch allen ein frohes Weihnachtsfest und ein gutes, gesundes und glückliches neues Jahr.

Ik wens jullie allemaal fijne kerstdagen en een goed, gezond en gelukkig nieuwjaar.

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In der Vorweihnachtszeit fühle ich mich deutsch

Über einen Beitrag von Elvira landete ich bei einem Blogpost von Bunt und Farbenfroh: Weihnachten wird abgeschafft. Und während ich so vor mich hin las und dachte, entdeckte ich plötzlich, dass dies ja auch ein echtes Grenzwandererthema ist. Wie oft werde ich nicht gefragt, ob ich mich deutsch oder niederländisch oder beides oder keines von beiden fühle. Und ich komme immer mehr zu der Schlussfolgerung, dass es situationsgebunden ist.

Beim Fußball ist es mir wurscht, da lehne ich mich entspannt zurück und denke: “Möge der Bessere gewinnen.” Oder ich feuere eine Mannschaft an, die ich irgendwie goldig finde: Irland, Ecuador, die Faröer-Inseln etc. Das verstehen die Wenigsten, aber damit kann ich leben.

Beim Eurovision Soncontest habe ich in den letzten zwei Jahren mit den Niederländern mitgebibbert, auch wenn mir andere Einsendungen ebenfalls gut gefallen haben. Und Anouk und die Common Linnets haben es ja auch wirklich gut gemacht. Über den Beitrag für nächstes Jahr kann ich mir am Freitag ein Urteil bilden. Mal sehen, ob der Partiotismus anhält, wenn Trijntje Oosterhuis bei “The Voice of Holland” ihr Lied zum Besten gibt.

In sehr vielen anderen Kontexten bin ich eigentlich weder noch. Ich bin ein Grenzgänger, Europäer, Weltbürger. Aber in der Vorweihnachtszeit ist alles anders: Da fühle ich mich deutsch und bin froh, in Grenznähe zu wohnen.

In den Niederlanden spielt Weihnachten eher eine untergeordnete Rolle. Hier ist das Nikolausfest (Sinterklaas), das am 5. Dezember gefeiert wird, der Höhepunkt der Wintermonate. Bereits Wochen vorher macht sich Sinterklaas aus Spanien auf den Weg, um den Kindern die Geschenke zu bringen, und wird Mitte November feierlich in den verschiedenen niederländischen Stadten empfangen. Begleitet wird er von zahlreichen Helfern, den “Zwarte Pieten”. Diese sind seit einiger Zeit umstritten, da seine Rolle als schwarzer Diener von Kritikern als rassistisch empfunden wird. Dies aufzurollen würde hier jedoch zu weit führen und so verweise ich auf Alex’ Beitrag auf buurtaal. Nur kurz mein Senf: Wenn eine Bevölkerungsgruppe angibt, dass sie sich durch die heutige Darstellung verletzt fühlt, sollte man sich nicht gleich eingraben, sondern bereit sein, darüber nachzudenken, ob da nicht vielleicht ein Kern von Wahrheit darin steckt. Traditionen können sich ja schließlich ändern.

Da ich aber nicht nicht mit dem “Sinterklaasfeest” aufgewachsen bin und keine Kinder habe, ist es mir nie gelungen, dazu den richtigen Draht zu entwickeln. Und das ist wohl auch der Grund, warum ich mich in der Vorweihnachtszeit deutsch fühle – sie ist eine schöne Erinnerung an die Zeit, als ich noch klein und die Welt noch in Ordnung war. Darum versuche ich immer, ein bisschen Vorweihnachtsstimmung zu verbreiten und zu genießen.

Dazu gehört natürlich der Adventskranz auf dem Wohnzimmertisch, auch dieses Jahr wieder Marke Eigenbau mit weihnachtsfeinem Mitbewohner. Und jedes Jahr bekomme ich einen Adventskalender aus der alten Heimat geschickt. Dieses Jahr sind es sogar zwei geworden, so dass der Gatte und ich jeder etwas Eigenes haben. Vielen Dank, es freut mich, dass ihr trotz Weihnachtstress dafür die Zeit gefunden habt.

Auch das Kartenschreiben gehört dazu, und ich sehe es nicht als lästige Pflicht an, sondern als Möglichkeit, mit den Leuten aus der alten Heimat mal wieder analog in Kontakt zu treten, und nicht “nur” über Mail und soziale Netzwerke. Selbstverständlich bekomme ich auch sehr gern Post.

Dann gibt es natürlich auch die Weihnachtsmarktbesuche: Bratwurst essen, Glühwein trinken, meine Tassensammlung vergrößern, nach Geschenken stöbern und die Atmorspäre genießen. Dieses Jahr war ich bereits in Warendorf, Tecklenburg und am Wochenende fahre ich zum @heinzi-Treffen nach Bremen. Zwar lauert auf den Weihnachtsmärkten immer die Gefahr, gewhamt zu werden, also das Lied “Last Christmas” zu hören und damit beim Spiel “Christmas King” auszuscheiden. Aber noch bin ich im Rennen, und ich freue mich auf Bremen.

Da der Gatte und ich in einem Chor in Deutschland singen, kriegen wir auch genug von der deutschen Vorweihnachtszeit mit, auch wenn wir dieses Jahr vor allem englische Christmas Carols einstudieren. Wir singen am Heiligen Abend in der Christmette, also haben wir auch die Gelegenheit, die deutschen Klassiker wie “Oh du fröhliche” und “Stille Nacht” aus voller Brust mitzusingen. Im letzten Jahr wurde in den Niederlanden das Lied “Stille Nacht” aus dem Gesangbuch für Weihnachten entfernt, irgendwie haben sie es hier wirklich nicht mit Weihnachtskultur.

Natürlich gehört auch das Plätzchenbacken zu den Dingen, die ich an der Vorweihnachtszeit liebe. Früher tat ich das mit meiner Mutter und meiner Oma, während meiner Schulzeit backten meine beste Freundin und ich zusammen und sauten die Küche ein, was bei unseren Müttern nicht gerade auf Begeisterung stieß, Die ersten selbstfabrizieren Punschbrezeln waren legendär, da uns zu viel Rum in die Glasur geriet und die Plätzchen sich richtig schön vollsogen. Nach drei Stück konnte man das Auto besser stehen lassen.

Vor einigen Jahren unterrichtete ich im Winterhalbjahr einen Deutschkurs für Anfänger. In der letzten Stunde vor den Weihnachtsferien brachte ich Plätzchen und Rezepte mit und las mit den Kursteilnehmern eine einfache Weihnachtsgeschichte. Nach der Stunde brachte ich der Sekretärin ein paar Plätzchen vorbei. Sie fragte: “Hast du die selbst gemacht?” Ich nickte stolz, worauf sie ausrief: “Warum das denn, um Himmels Willen?”

Noch Fragen?

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Der Trend geht zum Zweitkissen

Am Anfang dieses Jahres hatte ich für unseren Mitbewohner ein Sofakissen in Gelb- und  Orangetönen genäht. Eine Weile war er auch sehr zufrieden damit, doch im Sommer hatte er irgendwo aufgeschnappt, dass der Trend zum Zweitkissen geht. Also wollte er auch eins.

Da ich auch mal wieder Lust hatte, etwas zu nähen, sichtete ich meine Stoffvorräte und beschloss, ein weiteres Kissen in Rottönen zusammen zu setzen, in dem auch Stoffe aus dem Erstkissen verwendet werden. Ich überlegte, ob ich die Blöcke diesmal anders anordnen sollte, doch das wäre wahrscheinlich zu unruhig geworden.

zweitkissen zweitkissen2

Der Mitbewohner ist jedenfalls sehr zufrieden.

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Und ich habe genug Stoffe in meiner Vorratsbox, um auch noch ein Dritt- und Viertkissen zu machen, wenn ich wieder dazu komme.

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