Unternehmen “Pieterpad”

Im letzten Sommer sind Peter und ich ja in einem Anfall von Größenwahn die Strand6Daagse von Hoek van Holland nach Den Helder gelaufen. 140 Kilometer in – wie der Name schon sagt – in sechs Tagen am Strand entlang. Inzwischen sind der Klumpfuß und sonstige Nachwehen dieses Unternehmens längst verheilt und alle Unbilden der Wanderung vergessen. Schön war es eigentlich schon.

In den letzten Monaten hörte ich, gemäß dem Gesetz der Serie, von immer mehr Leuten, die den “Pieterpad” gewandert waren, oder dabei waren, es zu tun. Dabei handelt es sich um einen knapp 500 km langen Fernwanderweg, der in 26 Tagesetappen von Pieterburen im äußersten Norden der Niederlande (da, wo sich auch die Seehundstation befindet) zum südlichsten Zipfel St. Pietersberg bei Maastricht führt. Man kommt also vom Wattenmeer durch  die unterschiedlichsten Landschaften (flaches Land, Wälder, Flusslandschaften) bis zum recht hügligen Limburg. Eine gute Gelegenheit also, meine Wahlheimat mal auf eine andere Art kennen zu lernen.

Da ich natürlich nicht schon wieder einen Monat frei nehmen kann, möchte ich den Weg in “stukjes” laufen: Immer, wenn ich mal ein Wochenende Zeit habe, fahre ich mit öffentlichen Verkehrsmitteln dorthin, wo ich beim letzten Mal aufgehört habe und setze dann meinen Weg fort. Anders als die meisten Leute (und auch meine Kollegin Alexandra), die den Weg von Norden nach Süden gehen, werde ich in umgekehrter Richtung unterwegs sein, weil mir die Idee, auf das Meer zuzulaufen, besser gefällt.

Morgen geht es also los, die ersten zwei Etappen warten. Mein Rucksack ist gepackt, der E-Reader aufgeladen und mit Lesefutter gefüllt (immerhin bin ich insgesamt über sieben Stunden mit der Bahn unterwegs), ein nettes Hotel in Valkenburg gebucht, und auch an Pflaster, Fußsalbe, Franzbranntwein und Fressalien ist gedacht. Jetzt muss nur noch das Wetter mitspielen, aber die Wettervorhersage sieht noch recht passabel aus.

Ich bin schon sehr gespannt, wie es mir ergeht und ob mir die Wanderung überhaupt Spaß machen wird. Vielleicht hänge ich ja nach diesen zwei Tagen die Wanderschuhe endgültig an den Nagel? Übermorgen werde ich mehr wissen…

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Ostseeradtour 2015 – Teil 3

Here Comes the Sun… (Beatles)

Kiel – Weißenhäuser Strand – Fehmarn

Am Morgen nieselte es gemütlich vor sich hin, doch nach einer Weile kam vorsichtig die Sonne zwischen den Wolken hervor, so dass wir trocken abbauen konnten. Natürlich waren wir wieder viel zu früh am Fähranleger und saßen in der Sonne, bis es Zeit war, auf den Steg zu fahren. Dieser ragt weit ins Wasser hinein und schwankt wie ein betrunkener Gartenzwerg. Eigentlich braucht man gar kein Schiff mehr, um seekrank zu werden.

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Nach einer Weile kam die Fähre, und wir gingen an Bord. Die Fähre ist echt eine tolle Einrichtung, man spart sich eine Menge Verkehrsgedöns, wenn man in die Innenstadt will, und eine Menge Zeit, wenn man wie wir ans andere Ufer möchte. Und genug Platz für die Fahrräder gibt es auch. Während wir gemütlich nach Laboe tuckerten, verließen zahlreiche Segelschiffe den Hafen: Die Kieler Woche hatte begonnen, und das mit absolutem Premiumwetter!

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In Laboe rollten wir von der Fähre und vorbei am Marine-Ehrenmal, das wir bisher aus der Ferne bewundert hatten in Richtung Osten. Es gab die üblichen Strandkorbverleihs, Imbissbuden und Schilder, die auf Veranstaltungen hinwiesen. Für diesen Nachmittag wurde zu einem „Tanztee mit Fischbrötchen“ geladen. Eine Weile führte der Weg direkt am Strand entlang, und wir kamen am Hotel California vorbei und sogar durch Brasilien.

brasilien hotelcalifornia

In den Seebädern ist der Weg meist wunderbar asphaltiert, im Naturschutzgebiet Schmoel geht es eher offroad durch den Wald, so bleibt es abwechslungsreich. Bei Hohenfelde verließen wir den Weg am Wasser und suchten einen Supermarkt. Der Ort macht seinem Namen alle Ehre, man muss eine ganze Weile bergauf, um ihn zu erreichen. So viel zum Thema „Schleswig-Holstein ist flach“. Nach unserem Imbiss führte uns die Route landeinwärts über sanfte Hügel und durch Felder und bei Behrensdorf erreichten wir wieder die Küste. Bei Hohwacht konnten wir wählen zwischen dem flacheren Weg landeinwärts und der Steilküste bei Sehlendorf. Wir entschieden uns für letzteres, und der Panoramablick lohnte sich wirklich. Wir standen unter Bäumen an der Treppe, und unter uns spülten die Ostseewellen an den Strand. Auf der anderen Seite konnten wir über den Sehlendorfer Binnensee schauen.

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Wir fuhren weiter und erreichten nach einer Weile den Weißenhäuser Strand. Hier hatte ich im Alter von neun oder zehn Jahren das erste Mal Bekanntschaft mit dem Meer gemacht, das ich bisher nur aus Büchern gekannt hatte. Später kam dann auch die Nordsee dazu. Zu diesen Urlauben waren wir im Morgengrauen aufgebrochen, um schon einen Teil der ca. 1000 km geschafft zu haben, bevor es richtig warm wurde. Außerdem hegten unsere Eltern die Hoffnung, dass mein Bruder und ich den ersten Teil der Reise verschlafen würden – meist vergeblich. Unsere geplagten Eltern konnten die Hörspiele, mit denen wir uns die Zeit vertrieben (Pumuckl, Hanni und Nanni, Die drei ??? usw.) sicher irgendwann auswendig mitbeten. Aber es war schön im Norden, und die Liebe zum Meer ist geblieben.

windflüchter

Als wir an einem Campingplatz vorbeikamen, beschlossen wir, dass es für heute genug war. Durch einen Hintereingang fuhren wir auf das Gelände und suchten nach der Rezeption. Diese befand sich nicht, wie gedacht, im Laden, sondern etwas weiter weg in Richtung Straße, dieser Campingplatz mit dem Namen Triangel war größer als erwartet. Am Sanitärblock erklären nette Schilder die Funktionen der einzelnen Räume, und auf dem Platz bei der Rezeption befindet sich eine Telefonzelle, in der jetzt ein Bücherregal steht. Diese Tauschregale nennt man bei uns „Hatenboertjes“, nach dem Kulturbeigeordneten unserer Stadt, auf dessen Mist die unsäglichen Mittelkürzungen für die Bibliothek gewachsen sind.

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Wir stellten fest, dass es mal wieder Mittagsruhe war, und nahmen im Strandkorb an der Rezeption Platz. Ein anderes Paar klingelte den Platzwart heraus, der uns schon einen Platz zuwies. Einchecken konnten wir dann später. Wir bauten auf und gingen zum Laden, wo sie frische Erdbeeren hatten. Wir nahmen eine Schale davon mit und verspeisten sie genüsslich am Strand. Bei dieser Gelegenheit testete ich auch die Wassertemperatur – eindeutig noch etwas sehr kalt, aber wie wir inzwischen wissen, ist Temperatur ja Geschmackssache.

strandaufgang wassertest

Dann war es Zeit für das Abendessen. Da es etwas windig wurde, beschlossen wir, uns ins Restaurant zu setzen. Allerdings hatte ich meine Brille im Zelt vergessen und jetzt die Wahl, entweder supercool mit Sonnenbrille oder halbblind ohne da zu sitzen. Erst ließ ich die Sonnenbrille auf, um die Karte lesen zu können, danach nahm ich sie ab und sah alles angenehm verschwommen. Hat auch was für sich. Nach dem Essen lasen wir noch eine Weile und gingen dann schlafen.

Am nächsten Morgen kamen wir recht spät weg, denn es war wieder bewölkt und kühl, und bei so einem Wetter kommt man nur schwer in die Pötte. Außerdem rasselte mein Fahrrad, und es dauerte eine Weile, bis Peter den Schaden gefunden und zumindest teilweise behoben hatte.

leezenreparatur

Dann kam auch wieder die Sonne zwischen den Wolken hervor, und im Lauf des Tages wurde das Wetter wunderbar. Erst fuhren wir in Richtung Oldenburg und dann durch das sanfthüglige Binnenland nach Großenbrode. Auf einer Bank machten mal wieder Pause und genossen den Ausblick über das Kornfeld mit Mohnblumen und Kamille und auf die Fehmarnsundbrücke, die auch „der längste Kleiderbügel der Welt“ genannt wird. Mit ihren 963 Metern ist sie nicht ganz so lang wie die Humber Bridge, die wir vor zwei Jahren überquert hatten, aber immerhin.

blumenpracht2 blumenpracht

fehmarnsundbruecke

Dann fuhren wir weiter und fanden die Pforte zum geh- und Radweg auf der Sundbrücke. Nun konnte ich meinem Repertoire nach der Erasmusbrücke in Rotterdam und der Humber Bridge eine weitere spektakuläre Brücke hinzufügen. Natürlich blieb ich mal wieder mit einer der Taschen hängen, was Peter zu der Bemerkung „Do stop playing with that door!“ veranlasste. Der Radweg auf der Brücke ist nur auf einer Seite und ziemlich schmal, und die Leitplanke, die ihn vom Autoverkehr trennt, ist etwas sehr niedrig. Trotzdem gefiel mir die Überfahrt auf die Insel, und dank der frühen Jahreszeit hatten wir wenig Gegenverkehr.

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Auf der Insel angekommen bogen wir rechts ab und steuerten den Campingplatz am Strukkamphuk an. Da wir nur eine kurze Strecke zurückgelegt hatten, konnten wir noch vor der Mittagsruhe einchecken. Wir suchten uns ein Plätzchen im Windschatten eines Wohnmobils, dessen Besitzer uns über das Woher und Wohin ausfragten. Sie gaben uns den Tipp, zum Duschen das Familienbad zu benutzen, da die anderen Duschen im Moment gereinigt wurden. Hier konnte ich auch endlich die ganzen Samen aus meiner Wäsche entfernen, die sich bei einem sanitären Zwischenstopp darin verfangen und mich auf der Fahrt fröhlich gepiekst hatten. Blöde Gräser!

Dann machten wir uns auf den Weg, um die Insel zu erkunden. Von früheren Urlauben in Schleswig-Holstein erinnerte ich mich, dass alle Straßen dort nach Puttgarden führen, doch für die Radwege trifft dies nicht zu. Wir konsultierten eine Umgebungskarte und bastelten uns eine Strecke zur anderen Seite der Insel zusammen. Dann fuhren wir los.

Mit ihren 185 Quadratkilometern und 78 Kilometern Küstenlinie ist Fehmarn nach Rügen und Usedom die drittgrößte deutsche Ostseeinsel. Früher bildeten die Städte Burg, Landkirchen und Westfehmarn zusammen das Amt Fehmarn, seit 2003 ist die ganze Insel „Stadt Fehmarn“. Zuerst fuhren wir über gemütliche Nebenstraßen nach Landkirchen mit seiner beeindruckenden Backsteinkirche St. Petri.

petrikirche

Dann ging es weiter nach Puttgarden, von wo aus die Fähre über den Fehmarnbelt nach Dänemark fährt. Zusammen mit der Brücke, die die Insel mit dem deutschen Festland verbindet, bildet diese Fährverbindung die sogenannte Vogelfluglinie. Inzwischen ist ein Tunnel für Auto- und Bahnverkehr unter dem Fehmarnbelt in Planung, der 2021 fertig sein soll. Natürlich erwartet sich die Wirtschaft in beiden Ländern einen Boost aufgrund der schnelleren Transportmöglichkeiten. Die Bewohner von Fehmarn und der Seebäder auf dem Festland sehen das Ganze nicht so optimistisch, da die Insel für das zu erwartende Verkehrsaufkommen zu klein ist und der Straßenbau die ländliche Idylle und den Erholungswert zerstören würde. Auch die Seebäder würden massiv unter der zunehmenden Frequenz der Güterzüge und Lastwagen leiden. Das kann ich sehr gut verstehen, Wirtschaftswachstum ist schließlich auch nicht alles. Außerdem sind mit diese Megatunnel unter dem Meer unheimlich – den Channel Tunnel habe ich bisher auch gemieden.

In Puttgarden waren wir vor einigen Jahren schon einmal gewesen, als wir mit dem Auto über Dänemark und Schweden nach Norwegen gereist waren. Wir schauten uns kurz den Hafen an und entdeckten dann einen Stand, wo es die letzten leckeren Fischbrötchen vor Dänemark gibt. Sie hielten tatsächlich, was das Schild versprach.

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Dann fuhren wir nach Burg, dem Zentrum der Insel. Kurz nach dem Ortseingang mussten wir absteigen und erreichten über eine kleine Straße mit netten Geschäften die Breite Straße mit ihren charakteristischen Backsteingebäuden. Die beiden markantesten sind wohl das Rathaus und die Nikolaikirche. Dort parkten wir unsere Räder und gönnten uns ein Eis. Wir bummelten die Straße entlang und besorgten uns bei einem Bäcker, der auch sonntags geöffnet hat, noch ein paar Brötchen.

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Danach fuhren wir zum Burger Binnensee, wo sich der Hafen von Burg, „Dat Nye Deep“ genannt, befindet. Von dort aus nahmen wir den Uferweg unter der Brücke durch zurück zum Campingplatz.

burgbinnensee

Inzwischen war es Zeit zum Abendessen geworden und wir kehrten im Biergarten des Platzes ein. Am Nebentisch saß eine Gruppe von Dänen, die sich beim Bezahlen mit den Euros etwas schwer taten. Na ja, ich muss mich ja auch jedes Mal wieder an die dänischen Münzen mit und ohne Loch gewöhnen.

Nach einer leckeren Ofenkartoffel und einem Bierchen machten wir noch einen Spaziergang zum Strand und dem etwas kurz geratenen Leuchtturm von Strukkamphuk. Hier konnte man tatsächlich die Sonne im Meer versinken sehen, was ja an der Ostsee nicht überall möglich ist.

sonnenuntergang sonnenuntergang2

leuchtturm

Nach einer Weile gingen wir wieder zurück zum Zelt, da es inzwischen etwas kühl wurde. Dort entdeckten wir ein paar Karnickel, das sich anscheinend hinter den Vorderreifen unserer Leezen sehr wohl fühlten.

karnickel

Wir störten sie nicht weiter und verkrochen uns in unsere Schlafsäcke. Heute war Mittsommer, und ich schlief noch immer mit dicken Socken. Aber egal, so lange es tagsüber nicht allzu kalt ist, passt es schon, und Temperatur ist ja bekanntlich Geschmackssache.

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Ostseeradtour 2015 – Teil 2

May the wind always be at your back (aus einem irischen Segen)

Brunsbüttel – Breiholz – Kiel

Am nächsten Morgen herrschte entgegen der Wettervorhersage vom Vortag ideales Radlerwetter mit ca. 18 Grad und einem frischen Westwind. Bald hatten wir unsere Sachen gepackt, und unsere Nachbarn, die eigentlich einen Ruhetag geplant hatten, beschlossen die Gunst der Stunde zu nutzen und ebenfalls weiter zu fahren. Beim Wasserholen traf ich die Frau, deren Mann unbedingt Schiffe sehen wollte. Sie berichtete, dass sie nach Hause fahren würden, da es ihnen zu kalt war. Klar, Temperatur ist ja bekanntlich Geschmackssache.

Wir folgten erst der Hauptstraße durch ein Industriegebiet und kamen dann bei Averlak auf den Kanalweg.

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Dort macht das Fahren richtig Spaß, der Weg ist eben, der Untergrund meist gut und der Wind wehte heute auch aus der richtigen Richtung. Unterwegs begegneten wir zahlreichen Radfahrern, die uns mit einem fröhlichen „Moin Moin!“ begrüßten. Ich finde das so schön. Erst sahen wir vor allem Schiffe, die in Richtung Kiel unterwegs waren, später gab es dann mehr Gegenverkehr.

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Immer wieder fuhren wir an idyllischen Bänkchen, teilweise umgeben von Heckenrosen, vorbei und machten sebstverständlich hin und wieder auch Pausen.

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Natürlich kamen wir auch am Campingplatz Hochdonn vorbei, wo wir vor einigen Jahren schon einmal gezeltet und Schiffe beobachtet hatten. Allerdings war es noch zu früh zum Übernachten, und so fuhren wir weiter. Auch einer ganzen Schwanenkolonie und einem Reiher begegneten wir.

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Das Radeln ging wunderbar, bis wir den Kanal verlassen und den Weg nach Breiholz suchen mussten. Es gab zahlreiche Hinweisschilder auf einen Bäcker in dieser Ortschaft, aber laut unserem Bauchgefühl war es besser, erst bei der Abzweigung „Breiholz Fähre“ ab zu fahren, da unser Campingplatz in der Fährstraße liegen sollte. Nun kam der Wind nicht mehr so schön von hinten, und es brauten sich auch dunkle Wolken über uns zusammen, aber wir fanden bald ein Schild zum Campingplatz.

Über einen Schlaglochweg an einer verlassenen Fabrik vorbei kamen wir zu einem geschlossenen Restaurant und einem Sanitärgebäude. Auf einer Weise standen ein paar Wohnwägen. Sehr einladend sah das Ganze ja nicht aus. Am Restaurant hing eine Preisliste mit dem Hinweis, dass wir uns bei einer bestimmten Telefonnummer melden sollten. Peter rief dort an und ihm wurde mitgeteilt, dass wir schon mal aufbauen sollten. Das Toilettengebäude sei offen, und im Laufe des Abends käme jemand vorbei. Wir suchten uns ein geschütztes Plätzchen, da es inzwischen kräftig wehte, und bauten unser Zelt auf. Die Aussicht über die Eider auf Hamdorf war auch sehr schön.

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Abwechselnd gingen wir duschen. Auch wenn der Platz noch sehr einfach ist, über die Sanitäranlagen darf man nicht nölen. Während ich auf Peter wartete und mein Reisetagebuch aktualisierte, kamen zwei weitere Radfahrer um die Ecke – unsere Nachbarn aus Brunsbüttel! Sie wollten eigentlich erst bis Hochdonn fahren, aber der Wind hatte auch sie gemütlich vor sich her geschoben.

Dann fuhren wir nach Hamdorf zum Einkaufen und stellten fest, dass der Campingplatz von der Eiderbrücke aus sehr wohl einladend aussieht. Man muss halt von der richtigen Seite kommen. Der Supermarkt befand sich am äußersten Ortsende, und es ging dort sehr gemütlich zu: Jeder scheint dort jeden zu kennen. Eine Kundin, die nicht genug Kleingeld hatte, durfte der Postbotin einen unfrankierten Brief mitgeben und am nächsten Tag bezahlen.

Wir kauften diverse Snacks und eine Zeitung und erreichten den Campingplatz gerade noch rechtzeitig, bevor ein Platzregen lospladderte. Im Zelt verspeisten wir unser Abendessen und lasen in der Zeitung, dass Harry Rowohlt gestorben war. So alt war er doch noch gar nicht, gerade mal 70. Natürlich kenne ich ihn als Penner Harry aus der Lindenstraße, aber auch als Übersetzter von „Winnie the Pooh“ und „Angela’s Ashes“. Von ihm stammt auch das herrliche Zitat: „Als Übersetzer muss man sich einfach für jeden Scheiß interessieren, es könnte ja mal wichtig werden.“ R.I.P., Harry.

Nach einer Weile ließ der Regen wieder nach, doch inzwischen war es dunkel geworden, und wir gingen schlafen.

Am nächsten Morgen war es noch immer trocken, so dass wir wieder draußen frühstücken konnten. Unsere Nachbarn verkündeten, dass sie genug vom Zelten hatten und sich ein Zimmer nehmen wollten, es war ihnen zu kalt. Weder bei ihnen noch bei uns war jemand zum Bezahlen gewesen, aber da wir so hervorragend geduscht hatten, wollten wir uns nicht einfach davon machen und falteten die 12 Euronen in ein kleines Dankbriefchen und deponierten sie im Briefkasten.

Dann fuhren wir los und waren schon bald wieder am Nord-Ostseekanal. Bis Rendsburg ging alles prima, und wir sahen die bekannte Schwebefähre.

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Die Schilder führten uns noch eine Weile am Westufer entlang, doch bei Nobiskrug mussten wir dann doch die Seite wechseln, um dem städtischen Gewurschtel zu entgehen. Doch dort war es erst auch sehr schön: Der Regen hatte zahlreiche riesige Schnecken hervorgelockt, die den Weg überquerten, und um die wir vorsichtig herumfuhren. Außerdem passierten wir nette Häuser.

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Eigentlich wollten wir bei Sehestedt wieder auf die andere Seite, aber die Schilder sagen uns etwas anderes. Nun, das würde schon seine Richtigkeit haben, und so verließen wir den Kanal und folgten den Schildern, die uns zum ehemaligen Eiderkanal, dem Vorläufer des Nord-Ostseekanals, und einem alten Sperrwerk führten. Weiter weg vom Ufer ist es nicht mehr flach, und die sanften Hügel zwischen den Feldern erinnern etwas an England.

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Dann fing es wieder an zu regnen, und wir machten Pause in einem Bushäuschen. Als der Regen nachließ, entdeckten wir Schilder, die uns nach Kiel führten, und solche, die zurück zum Kanal wiesen. Wir beschlossen, letzteren zu folgen, da wir dachten, dass wir den Campingplatz vom Kanal aus leichter finden würden. Bei Landwehr wechselten wir dann wieder an das Westufer.

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In Kiel kamen wir bei den Schleusenanlagen an der Förde heraus, fanden aber leider nur ein Schild zum Leuchtturm, wo wir nicht hinwollten, und eine detaillierte Straßenkarte hatten wir nicht. Also fuhren wir nach Gefühl in Richtung Norden und kamen durch eine Wohngegend, in der Tatortkommissar Borowski sicher schon ermittelt hatte. Auch Kiel ist keineswegs flach, sondern steht auf gefühlten sieben Hügeln. Irgendwann erspähten wir ein Umleitungsschild nach Altenholz, also in die richtige Richtung, und landeten an einer Hauptstraße. Dort holte uns eine Radfahrerin ein, die uns ein bisschen an Queenie erinnerte. Sie meinte, dass sie beim Anblick unserer Packtaschen Fernweh bekäme und teilte uns mehrere Routen zum Campingplatz mit. Wir schafften es gerade so, die einfachste zu behalten und landeten in der kopfsteingepflasterten Fußgängerzone des Stadtteils Friedrichsort. Dort fragten wir uns weiter durch und wurden auch bald in die richtige Richtung geschickt. Außerdem wünschte uns jeder besseres Wetter für den weiteren Verlauf unserer Tour.

Zehn Minuten vor Ende der Mittagspause erreichten wir den Campingplatz, und während wir auf den Platzwart warteten, lasen wir amüsiert den Aushang, dass die Wasserhähne geändert worden waren, so dass man keine Gartenschläuche mehr anschließen konnte, da die Dauercamper zu viel Wasser verbraucht hatten. Tja, so eine Gartenzwergidylle erfordert nun mal viel Pflege. Trotz der bevorstehenden Kieler Woche war es kein Problem, hier ohne Reservierung zwei Nächte zu bleiben. Wir bekamen auch einen Stadtplan und einen Fahrplan der Fördefähre, mit der wir am nächsten Tag in die Stadt fahren wollten. Nach dem Aufbauen kauften wir ein und saßen dann noch eine Weile am Ufer der Förde. Dann gingen wir ins Restaurant bei der Rezeption und ließen den Abend mit einem leckeren Essen und ein paar Bierchen ausklingen.

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Am nächsten Morgen frühstückten wir gemütlich und hielten ein Schwätzchen mit unserem Nachbarn, der schon seit Anfang Mai unterwegs und jetzt wieder auf dem Heimweg war. Wir plauderten über die etwas ungünstige Gewichtsverteilung bei seinem Anhänger, Werften und Schiffsbau und die Reise, die hinter ihm lag. Dabei stellte sich heraus, dass er die Strecke, die uns vorschwebte, in umgekehrter Richtung zurückgelegt hatte, und er schenkte uns seine Radkarten: „Jetzt habe ich 300 g weniger Gepäck!“ Im weiteren Verlauf der Reise waren wir ihm mehrfach sehr dankbar, denn solche Karten braucht man in der Gegend auch.

Dann fuhren wir los und suchten den Fähranleger Friedrichsort. Erst gab es tatsächlich ein Schild, doch dann verlor sich die Spur im Nichts. Wer nicht weiß, wo der Anleger ist, hat es wohl auch nicht verdient, ihn zu finden. Ein paar nette Einheimische halfen uns weiter: Vor der Motorenfabrik Caterpillar rechts abbiegen, beim Ufer links und da ist er dann. Eigentlich ganz einfach.

Nach einer Weile kam die Fähre und brachte uns in die Stadt. Unterwegs studierte ich noch einmal den Fahrplan und plötzlich wurde mir bewusst, dass morgen ja Samstag war und somit andere Fahrzeiten gelten! Außerdem legt die Fähre morgens dann nicht in Friedrichsort, sondern in Faclkenstein an. Gut, dass ich das gesehen hatte, denn sonst wären wir zur falschen Zeit am falschen Ort gewesen und hätten doof aus der Wäsche geschaut. Also mussten wir am Abend noch den anderen Fähranleger suchen.

Beim Seegarten stiegen wir aus und sahen uns erste einmal um. Natürlich lagen zahlreiche Schiffe im Hafen, am Schweden- und am Norwegenkai lagen die Stena Germanica nach Göteburg und die Color Fanatsy nach Oslo. Da packe einen doch gleich das Fernweh!

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Wir konsultierten einen Umgebungsplan und gingen in die Altstadt, die sich auf die Kieler Woche vorbereitete: Überall wurden Stände mit Fressalien und anderen Dingen aus aller Herren Länder aufgebaut. Morgen würde es hier sicher rundgehen, aber da würden wir schon wieder unterwegs Richtung Osten sein.

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Wir besuchten die Nikolai-Kirche, ein Bauwerk der im Ostseeraum üblichen Backsteingotik, über die wir im Lauf unserer Reise noch einiges erfahren würden. Im Krieg war sie schwer beschädigt und in den 50er Jahren modern und schlicht wieder aufgebaut worden, wovon auch der vorwiegend weiße Innenraum zeugt.

Dann wärmten wir uns kurz in der Einkaufspassage Holstentörn auf, gingen über den Exerzierplatz und zum alten Rathaus, wo ebenfalls zahlreiche Stände aufgebaut wurden. Dort stärkten wir uns mit einem Fischbrötchen, das fast Norden-Qualität hatte. Dann statteten wir dem Kleinen Kiel, einem flachen Binnengewässer, einen Besuch ab.

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Danach wurde es Zeit für etwas Kultur, und wir gingen ins Schifffahrtmuseum in der ehemaligne Fischhalle. Dort erfuhren wir zu unserer Freude, dass die Eintrittskarte auch für das Stadtmuseum und einige Schiffe an der Museumsbrücke gültig ist. Das Schifffahrtmuseum zeigt in vielen verschiedenen Nischen unterschiedliche Themenbereiche zur maritimen Geschichte der Stadt: Fischerei, Seefahrt, Schiffbau und Marine.

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Dann besichtigten wir den dampfbetriebenen Tonnenleger Bussard, der bis 1979 zur Wartung der Seezeichen eigensetzt wurde, und das Feuerlöschboot Kiel. Während wir uns an Deck umsahen, stand im Hafen eine Hochzeitsgesellschaft, bereit für das Fotoshooting. Die Braut in ihrem weit ausgeschnittenen Kleid war wirklich nicht zu beneiden, denn es hatte gerade mal 16 Grad. Aber da muss man halt durch.

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Wir besuchten noch das Stadtmuseum im Warleberger Hof, dem ältesten noch erhaltenen Kieler Adelshof. Das Gebäude mit seinem beeindruckenden Kellergewölbe und den bemalten Barockdecken an sich ist schon sehenswert, und auch die zahlreichen Gemälde zur Stadtgeschichte sind sehr interessant.

Danach fanden wir, dass es Zeit wurde, zum Campingplatz zurück zu fahren, und gingen zurück zur Seebrücke. Während wir auf die Fähre warteten, tutete es plötzlich laut und anhaltend: die Color Fantasy legte ab. Eine Weile fuhr sie vor unseren Fähre her, bis sie am Horizont verschwand.

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Als wir Friedrichsrort erreichten, schien die Sonne, und wir gingen erst einmal ein Eis essen und dann zum Supermarkt. Dann machten wir uns auf die Suche nach dem Fähranleger Falckenstein, „von wo wir am nächsten Tag die Förde überqueren wollten. Er ist gar nicht weit weg vom Campingplatz und über einen schmalen Weg am Ufer zu erreichen. Prima, den würden wir auf jeden Fall finden.

Auf dem Campingplatz lasen wir gemütlich die Zeitung. Das Wetter würde in der nächsten Zeit eher durchwachsen bleiben, aber der Wind blies immer noch aus der richtigen Richtung. Zum Abendessen gingen wir noch einmal ins Restaurant, und danach bummelten wir noch eine Weile am Ufer der Förde entlang, da ich unbedingt die Stena Germanica noch ausfahren sehen wollte. Nach einer Weile kam sie tatsächlich vorbei und setzte Kurs auf Schweden.

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Dann verkrochen wir uns ins Zelt, lasen noch eine Weile und schliefen dann ein. Nachts gegen zwei Uhr wurden wir jedoch wach, da einige Leute zu unserem Nachbarzelt gingen, um Alkoholnachschub zu holen. Dabei redeten und lachten sie in einer nicht mehr nachtruheverträglichen Lautstärke – sie hatten wohl schon kräftig getankt. Wo sind die kräftigen Regenschauer, wenn man sie mal braucht? Wie meistens bei solchen Gelegenheiten überlegte ich, morgens um sechs Uhr vor ihrem Zelt ungefähr acht Mal aus Versehen das Kochgeschirr fallen zu lassen, aber dazu bin ich zu faul und zu friedfertig. Nach einer Weile fand die Truppe den Alkohol und verzog sich wohl in einen Wohnwagen, denn man hörte plötzlich nichts mehr. Und so schliefen wir ungestört weiter.

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Ostseeradtour 2015 – Teil 1

Temperatur ist Geschmackssache (Radler auf dem Elberadweg bei Glückstadt)

Gronau – Hamburg – Brunsbüttel

start

Mal wieder viel zu früh fuhren wir am Sonntagmorgen los nach Gronau. Alles war noch still, nur einer unserer Nachbarn überholte uns auf seinem Rennrad. Nach einem kurzen Plausch fuhr jeder seines Weges.

Am Bahnhof war erst noch nicht so viel los, doch nach einer Weile versammelten sich mehrere Radler auf dem Bahnsteig. Die beiden Damen, die nach Metelen wollten, beschlossen, in den anderen Wagen einzusteigen, so dass wir und zwei weitere Herren auf dem Weg nach Münster nicht abpacken mussten. Einer dieser Herren hatte ein E-Bike mit, das wir testen durften. Das Teil zog ganz schön ab! Er erzählte, dass er Probleme mit dem Meniskus hatte und mit einem normalen Rad die Ruhrgebietstour mit seinem Kumpel nicht fahren könnte. E-Bikes haben wirklich Zukunft, denn die Akkuleistung wird immer besser, und es gibt auch immer mehr Möglichkeiten, diese aufzuladen. Irgendwann werden wir wohl auch auf Stromräder umsteigen.

e-bike

Da wir in Münster über eine Stunde Aufenthalt hatten, wollte ich zum Bahnhofsbäcker, um Brezeln und Streuselkuchen zu holen. Der Bahnhof war nicht wieder zu erkennen! Das Gebäude war größtenteils weg und die Geschäfte waren im Moment auf den Bahnhofsvorplatz ausgelagert. Die Umbauarbeiten sind umfangreicher als ich dachte.

Wir installierten uns auf dem Bahnsteig im richtigen Gleisabschnitt, doch als unser Zug angekündigt wurde hatten wir es wieder – umgekehrte Wagenreihung, aber nicht für den gesamten Zug. Also rechneten wir aus, wo wir hinmussten und hofften, dass es einigermaßen stimmte. Tatsächlich, wir standen halbwegs an der richtigen Stelle. Als der Zug einfuhr, packten wir ab, wuchteten Räder und Gepäck ins Innere und verstauten alles. Und wie es immer so ist, wollte just in diesem Moment auch das Mädchen mit dem Kaffeewagerl vorbei.

Nach einer Weile saßen wir auf unseren reservierten Plätzen. In der Nähe saß eine Gruppe junger Männer, gewandet in Trikots des Sportvereins Hintertupfingen-Ost oder etwas dergleichen. Sie hatten Cola mit, die sie eifrig mit Doppelkorn verdünnten. Irgendwann fragte einer seinen Kumpel: “Sollen wir mal Plätze tauschen?” – “Duu, das isss aber vvvooolll ansschschdrrrengend!”

Mit nicht allzuviel Verspätung erreichten wir Hamburg. Zusammen mit einem anderen niederländischen Paar, das den Elberadweg Richtung Dresden fahren wollte, hievten wir Räder und Gepäck nach draußen. Da die ganzen Hintertupfinger auch bei dieser Tür aussteigen wollten, dauerte das eine Weile. Zum Glück hatte der Zug hier einen längeren Aufenthalt, bevor er nach Stralsund weiterfuhr.

Die Elbe zu finden, war nicht schwer, der dazugehörige Radweg war jedoch etwas besser versteckt. Endlich befanden wir uns auf der Promenade. Allerdings hatten an diesem schönen Sonntagnachmittag alle Hamburger und sämtlicher Urlauber beschlossen, dort zu promenieren, also kamen wir nicht gerade schnell voran.

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Dann landeten wir beim Museumhafen Övelgönne, wo wir eine Weile unsere Räder inmitten einer größeren Menschenmenge durch die schmalen Gassen schieben mussten. Aber so konnten wir uns wenigstens in Ruhe die malerischen Häuser anschauen.

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Dann wurde es etwas ruhiger, und ohne Probleme fanden wir den Campingplatz am Elbstrand. Dort nahm man uns etwas übel, dass wir nicht reserviert hatten, obwohl sie doch dafür ein Online-Formular haben, aber wir durften trotzdem dort stehen. Wir pflügten uns durch den Sand und fanden einen Platz mit festerem Untergrund, wo wir unser Zelt aufstellten, selbstverständlich mit Elbblick.

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Dann gingen wir in den Biergarten zum Essen. Der Barkeeper verblüffte uns damit, dass er zwei Weißbiergläser gleichzeitig einschenkte, und bei der Essensausgabe bekommt man keine Nummern, sondern Namen wie „Mary Poppins“ oder „Miss Piggy“, die lauthals gerufen werden, wenn das Essen fertig ist. Der Fisch war aber auf jeden Fall lecker. Mit vollem Bauch zogen wir uns in unser Zelt zurück. Nachts war es ziemlich kalt, so dass ich irgendwann meine Kapuzenjacke anzog.

Am nächsten Morgen schien die Sonne, doch es wehte ein ziemlich frisches Lüftchen. Die beiden italienischen Jungs neben uns saßen bibbernd bei ihrem Gaskocher und machten Kaffee. Auch wir frühstückten erst mal in Ruhe. Obwohl unsere Nachbarn schon lange vor uns aufgestanden waren und mit dem Einpacken angefangen hatten, waren wir ungefähr gleichzeitig fertig. Bei uns gilt die Regel: Vom Aus-dem-Schlafsack-Kriechen bis zum Losradeln vergehen ziemlich genau eineinhalb Stunden. Klappt fast immer!

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Wir pflügten uns wieder durch den Sand und fuhren erst an der Elbe entlang, bis wir vor einer steilen Treppe nach oben standen. Also zurück. Wir begegneten den Italienern wieder und warnten sie, doch sie fuhren weiter. Nach einer Weile standen wir wieder vor dieser Treppe, aber diesmal oben, wo die Italiener ihre Räder hochwuchteten. Kurz darauf riefen uns zwei ältere Herren auf einer Bank etwas nah, das wir nicht verstanden, und bald landeten wir in einer Sackgasse. Ach, das hatten die Herren gemeint! Also wieder zurück, an den Herren vorbei. Wahrscheinlich haben sie so den ganzen Tag Unterhaltung, Statler und Waldorf lassen grüßen.

Uns reichte es erst mal mit dem Elbe-Radweg, wir wollten bloß raus aus der Stadt. Wir folgten den Schildern nach Uetersen und Elmshorn, das lag so ungefähr in der richtigen Richtung. Die Elbe würden wir irgendwann schon wiederfinden. Die Radwege waren auch okay, aber warum sind sie in der Stadt immer von Glas gespickt? Ich hoffe ja, dass diejenigen, die das verursachen, im Jenseits bis zum jüngsten Gericht Reifen flicken dürfen.

Bei Elmshorn fanden wir auch den Radweg nach Glückstadt und hatten den Wind kräftig von vorne. In der Stadt merkt man das ja nicht so. Bei einer Pause auf einer Bank mit Elbblick unterhielten wir uns mit einem Herrn, der zu einem Badestrand in der Nähe wollte, die Wassertemperatur sei im Moment 16 Grad. Auf meinen Einwand, dass das doch etwas kühl, um nicht zu sagen saukalt sei, meinte er: „Temperatur ist Geschmackssache“. Wunderbar, dieser Satz sollte uns den restlichen Urlaub begleiten.

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Wir radelten weiter auf dem Deich und erreichten bald Glückstadt mit einem netten kleinen Hafen.

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Hier kann man auch mit der Fähre die Elbe überqueren, was wir aber diesmal nicht vorhatten. Und weiter ging es gegen den Wind auf dem Deich, wo die Schafe friedlich grasten. In der Ferne sahen wir die Kernzentrale Brokdorf. Trotz zahlreicher Pausen wurden die Kilometer nach Brunsbüttel langsam, aber stetig weniger.

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Kurz vor Brunsbüttel standen wir plötzlich vor einer Schranke. Da es außer zurück keine Alternative gab, zwängten wir uns daran vorbei und radelten über ein Fabrikgelände auf eine Straße, die uns direkt zur Fähre über den Nord-Ostseekanal brachte. Peter war mal wieder etwas voraus und rollte auf die Fähre, doch als ich den Anleger erreicht hatte, setzte sich plötzlich die Autoschlange in Bewegung, und ich war noch auf der falschen Straßenseite! Hilfe, der Gatte wird doch nicht ohne mich den Kanal überqueren? Gut, sowas kommt vor, ich hatte ihn auch mal in London an einer Underground Station zurückgelassen, weil er in ein Plakat vertieft war und die Türen schneller zugingen als gedacht. Aber diesmal sollte das nicht passieren. Ich sah den Mitarbeiter der Fähre fragend an und rollte an Bord, allerdings auf der falschen Seite, wo ich einigen Fußgängern im Weg stand, aber egal, die Fähre legte mit mir ab.

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Auf der anderen Kanalseite fuhren wir zur Tourist Information und suchten auf einem Umgebungsplan den Weg zum Campingplatz am Elbdeich. Dort angekommen empfing uns ein Schild: „Einchecken Deichstraße 71.“ Zum Glück war das gleich um die Ecke und nicht beim Fähranleger oder so. Der Platzwart erwies sich als Scherzkeks, denn er empfing uns mit folgenden Worten: „Leider habe ich nichts mehr frei, aber in Hamburg könnte ich Ihnen noch etwas anbieten.“ In diesem Stil ging die Eincheckprozedur weiter, bis wir unser Zelt aufbauen konnten. Der Platz ist einfach, aber nett und hat eine kleine Küche für Camper. Die Dusche war wunderbar, ich hätte duschen können, bis die rote Sonne im Meer versinkt, aber man muss es ja nicht übertreiben.

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Aufgewärmt und munter machten wir einen Spaziergang zum historischen Ortskern, wo wir eine nette Pizzeria fanden. Während wir auf die leckere Pizza warteten, rekonstruierten wir den Tag und ich schrieb meine Stichpunkte in den Kalender.

Nach dem Essen gingen wir zurück zum Campingplatz und setzten uns eine Weile auf eine Bank auf dem Deich. Dann gingen wir schlafen. Die Schafe blökten noch eine Weile friedlich vor sich hin, dann war es still.

deichschafe

Nach den Anstrengungen von gestern hatten wir uns einen Ruhe- und Kulturtag verdient, also trödelten wir beim Frühstück gemütlich herum und beobachteten die Schafe, die in einer langen Reihe aus der Stadt wieder zum Deich kamen. Dann fuhren wir an selbigem entlang in die Stadt und parkten die Räder bei der Tourist Information.

Erst gingen wir zur Aussichtsplattform 3 des Nord-Ostseekanals und beobachteten, wie die Schleuse geöffnet wurde, um einige Schiffe durch zu lassen. Das scheint eine ziemlich aufwändige Sache zu sein, bei der mehrere Arbeiter irgendwelche Kolben in Löcher gleiten ließen bzw. selbst in diesen Löchern verschwanden. Was da alles passierte, erschloss sich mir ehrlich gesagt nicht, aber interessant war es auf jeden Fall.

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Dann besuchten wir die Ausstellung in der Tourist Information, denn wir wollten mehr über den Kanal erfahren, der die Nordsee mit der Ostsee verbindet und so den Schiffen einen langen Umweg über Skagen erspart. In der Ausstellung selbst kann man verschiedene Kanalmodelle, Fotos, Grafiken und Tabellen bewundern. Dann zeigte man uns einen Film über die Geschichte und den Bau des Kanals. Dabei erfuhren wir, dass bereits im 7. Jahrhundert die Wikinger in Haithabu Pläne für einen derartigen Kanal hatten. Der direkte Vorläufer war der Eiderkanal, der im 18. Jahrhundert gebaut wurde. 1887 wurde dann mit dem Bau des Nord-Ostseekanals begonnen, der 1895 dann fertig wurde.

Danach zeigte man noch einen Film über die Navigation auf dem Kanal. Manche Schiffe sind ja sehr breit, so dass ein genauer Plan eingehalten werden muss, wann und wo sie einander passieren können. Dabei erhält jedes Schiff abhängig von der Breite eine Passierzahl. Die Summe der beiden Schiffe, die aneinander vorbei wollen darf ein bestimmtes Maximum nicht überschreiten, sonst muss eines der beiden Schiffe in einer Art „Ausweichbucht“ warten. Wieder etwas gelernt.

Wir bummelten noch durch den Ort und erledigten Einkäufe. Dabei fiel uns auf, dass Brunsbüttel viele Geschäfte aller Art, aber relativ wenig Besucher hat. Das kann natürlich auch an der Vorsaison liegen, gut möglich, dass hier im Hochsommer der Bär steppt. An der Promenade verspeisten wir das erste Fischbrötchen des Urlaubs. Es war nicht schlecht, aber an Norden reicht es nicht heran.

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Dann fuhren wir zurück zum Campingplatz, wo ich mich in die Sonne setzte, um ein paar Schönheitsreparaturen an Peters Schlafsack vorzunehmen. Inzwischen hatten wir auch Nachbarn bekommen: ein Radfahrerehepaar aus Bayern, die auch ostwärts radeln wollten und heute ebenfalls mit dem Wind zu kämpfen hatten, und eine junge Frau, die auf dem Nordseeradweg unterwegs war.

Später traf ich in der Küche eine Frau, ebenfalls aus dem sonnigeren Süden, die über das Wetter schimpfte: „Mei, is des a Wind hier! Normal fahrn mer ja im Urlaub ins Allgäu, aber mein Mann wollt unbedingt Schiffe sehn. Also samma heuer hier. Aber warm is hier ja ned grad.“ Aber Temperatur ist ja bekanntlich Geschmackssache, ich fand die knapp zwanzig Grad ideales Radlerwetter. Und so lange es nicht regnet…

Nach dem Abendessen gönnten wir uns noch ein Bierchen in der Strandhalle auf dem Deich.

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Dann verkrochen wir uns in unsere Schlafsäcke, während in einem der Nachbarzelte schon diverse Bäume zersägt wurden.

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Ostseeradtour 2015 – Vorwort

Ostsee-Radtour, 14. Juni – 11. Juli 2015

Seit ein paar Tagen sind wir wieder zurück von unserer diesjährigen Radtour, die mal wieder sehr schön und interessant war. Zeit also für den Reisebericht, der so nach und nach hier erscheinen wird. Ich freue mich wieder auf zahlreiche Mitreisende. :)

Bereits vor zwei Jahren hatten wir ja geplant, an der Ostsee entlang zu radeln, aber damals war es dann mal wieder England geworden. Also kamen wir dieses Jahr auf die Idee zurück, und ich fragte Peter: “Wo sollen wir denn eigentlich starten? Flensburg? Schleswig? “- “Brunsbüttel.” – “Du weißt aber schon, dass das an der Nordsee liegt?” – “Natürlich weiß ich das! Aber ich möchte so gern noch einmal am Nord-Ostsee-Kanal entlang fahren. Die riesigen Schiffe, die dort vorbeikommen, das war doch schön.”

Also beschlossen wir, mit dem Zug nach Hamburg zu fahren, von dort an der Elbe entlang nach Brunsbüttel zu radeln und dann dem Kanal nach Kiel zu folgen. Von dort aus würden wir ostwärts fahren und in Stralsund wieder in den Zug Richtung Heimat steigen. Von dort aus gibt es nämlich eine Verbindung, bei der man nur einmal umsteigen muss. Wieviel Zeit wir für Usedom oder Rügen oder beides hatten, würde man sehen.

Als ich bei den Touristik-Verbänden von Schleswig-Holstein und Mecklenburg-Vorpommern Informationsmaterial bestellte, wurde ich darauf aufmerksam gemacht, dass Schleswig-Holstein am 2. Mai dieses Jahres den Weltfischbrötchentag feierte. Das war doch mal eine gute Nachricht, auch wenn wir erst im Juni losfahren wollten. Wenn man so etwas gutem, wahrem und schönem wie dem Fischbrötchen einen ganzen Tag widmet, kann es um die Welt noch nicht so schlecht bestellt sein. Man denke nur an unser “best Fischbrötchen ever”, das wir voriges Jahr in Norden verspeist hatten.

Dann hieß es, die grobe Route zu planen, das Kartenmaterial zu organisieren, die Fahrkarten zu erwerben und die Taschen zu packen, und am 14. Juni konnte es losgehen.

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Meine Biblothek muss bleiben – der schöne Schein der Demokratie

Noch eben ein kurzes Update für meine interessierten deutschsprachigen Leser: Wie man vielleicht dem vorigen niederländischen Artikel entnehmen konnte, ging die Sache nicht besonders gut aus. Die Koalition im Stadtrat, die mit dem Vorsatz angetreten war, besser auf die Bürger zu hören, erweckte zwar beim Einspruchabend wunderbar den Eindruck, genau das zu tun, und ich gutgläubiger Trottel bin natürlich darauf reingefallen. Tatsächlich aber schalteten sie auf Durchzug und stimmten genauso ab, wie es vorher im stillen Kämmerlein besprochen worden war. Die Bibliothek bekam zwar den Auftrag, weiterhin denselben Service zu bieten wie bisher, aber mit deutlich weniger Mitteln. Man hat vollstes Vertrauen, dass die Leitung das hinkriegt. Toll.

Immerhin wurden einige meiner wohldurchdachten und langgehegten Vorurteile gegenüber diversen politischen Parteien mal wieder bestätigt. Die Partei, die ich gewählt habe, hat uns jedoch nicht im Stich gelassen, konnte aber wenig gegen die Mehrheit ausrichten.

Wie Bibliotheksdirektor Gerard Kocx sagte, ist es nun Zeit, die Wunden zu lecken und nach vorne zu schauen. Aber das ist auch so eine Sache. Wenn die Bibliothek es trotz der Mittelkürzungen schafft, wird sich unser Kulturbeigeordneter stolz in die Brust werfen und verkünden, dass seine Politik goldrichtig war. Wenn sie es nicht schaffen, haben sie es nicht besser verdient. Ich gehe davon aus, dass Direktor und Mitarbeiter unserer Bieb ihr Bestes tun werden, um die Kunden nicht unter dieser Situation leiden zu lassen. Leider werden dieses Pflichtbewusstsein und dieser Idealismus immer mehr von Politikern, Managern und Vorständen ausgenutzt, die es selbst daran immer häufiger fehlen lassen.

Auf Twitter schrieb jemand, dass es doch sehr traurig ist, dass eine sozial Einrichtung wie die Bibliothek nun über Crowdfunding nachdenken muss. Finde ich auch, ich würde lieber die Gehälter diverser Ratsmitglieder über Crowdfunding finanzieren. Wenn es aber tatsächlich notwendig wird, die Bieb auf diese Art zu unterstützen, bin ich sicher dabei. Ich kann zwar nicht die ganze Welt retten, aber hin und wieder einen Seehund und ein kleines Stückchen Bibliothek – das müsste gehen.

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Mijn Bieb moet blijven – de schone schijn van de democratie

Zefix, Kreuzbirnbaum und Hollerstauden, Sacklzement no amoi, des deaf doch ned woar sei! Sorry, folks, maar dit moest even van mijn hart. Als de emotie hoog oplopen, voeren mijn Beierse roots nog steeds de boventoon, en ik ben, op z’n zachtst gezegd, nog steeds ontstemd over de gang van zaken rond onze bieb.

Vorige week was er dus inspraakavond bij de stedelijke commissie, en ook ik heb va dit recht gebruik gemaakt. Voor het eerst sinds 70 jaar zit de PvdA niet meer in de coalitie van de gemeenteraad, en de nieuwe coalitie, bestaand uit VVD, CDA, D66, Burger Belangen en CU, wilde weg van de regentencultuur en vooral naar de burgers luisteren. Tijdens de zitting van de Stedelijke Commissie had ik wel de indruk, dat ze dat deden. Ze zetten in ieder geval allemaal een integer luistergezicht op en vonden het geweldig, dat wij van ons recht om in te spreken gebruik maakten, want dit is immers democratie. En ik, goedgelovige sukkel die ik ben, trapte daar ook mooi in.

In de raadsvergadering een week later hield de coalitie gewoon voet bij stuk, geen enkel argument, door wie dan ook ingebracht, de ruim 27000 handtekeningen voor het behoud van de bieb en het voorstel van de directeur, voorlopig de helft van het beoogde bedrag te bezuinigen, kon ze op andere gedachten brengen. We moeten bezuinigen, het staat in het coalitieakkoord, en daar wijken we niet van af. Ze begrepen wel, dat de wijkvestigingen en de boekenbus behouden moeten blijven en dat de service niet achteruit mag gaan. Maar dan kan ook met 6 ton minder, daar heeft de gemeenteraad het volste vertrouwen in de directie van de bieb. Mooi, daar kun je echt iets mee.

In ieder geval werden mijn weloverwogen en lang gekoesterde vooroordelen jegens sommige politieke partijen bevestigd, en dat is toch ook wat. VVD, een partij voor de rijken, die hun geld in ieder geval moeten houden. Solidair zijn ze vooral met zichzelf. CDA, maar één letter verwijderd van de Duitse CDU, daar kun je niet veel van verwachten. Echter, op persoonlijke titel hebben een paar raadsleden het inmiddels wel voor de bieb opgenomen door lid te worden en reclame te maken. Privé dus best sympathiek, het zin net mensen. ;) D66, al sinds ik hier woon een groot mysterie voor mij. Waar staan ze voor en wat willen ze? Mijn eerste indruk was, dat ze op de Duitse FDP lijken: bungelend aan de rand van de afgrond en vrolijk met alle winden mee wapperend. In onze gemeente laten ze nu wel profiel zien door een keiharde ramkoers te varen. Ik heb ooit vernomen, dat deze partij iets met onderwijs en kennis zou hebben. Dan bezuinig je dus op een bibliotheek. Ze vinden, dat te weinig burgers van onze stad “participeren”, dus wordt een instelling die de veelgeprezen participatie juist mogelijk maakt (werk voor mensen met een beperking, cursussen etc.) op haar middelen gekort. Sorry, jongens, maar dat hoef ik niet te begrijpen. Onaangenaam verrast was ik door Burger Belangen. Wiens belangen behartigen zij nou eigenlijk? Die van de burgers niet echt. Maar ik weet nu ook, dat ikzelf altijd op de juiste partij gestemd heb, en dat is fijn.

Nu is het, zoals biebdirecteur Gerard Kocx zei, tijd om de wonden te likken en dan plannen te maken. Gelijk heeft hij, maar het voelt wel een beetje dubbel: Als het de bieb lukt, de bezuinigingen te realiseren zonder dat er een kaalslag plaatsvindt, zal onze wethouder gelijk krijgen. Ik zie hem al een dansje doen en triomfantelijk toeteren: “Ha! Ik wist het, het kan dus wel. Mijn beleid is goed.” Als het niet lukt, is het een bewijs dat de bieb de subsidies sowieso niet verdiend heeft. Ik weet zeker dat de directie en medewerkers van de bieb hun best zullen doen, omdat zij hun klanten niet in de steek willen laten. Helaas worden dit soort plichtsbesef, idealisme en betrokkenheid door veel politici, bestuurders en managers steeds meer uitgebuit, terwijl zij het zelf op dit gebied steeds vaker laten afweten.

Op Twitter schreef iemand, dat het behoorlijk triest is dat een sociale instelling als de bibliotheek nu over crowdfunding moet nadenken. Helemaal mee eens, ik zou ook liever de salarissen van de wethouders en een aantal raadsleden via crowdfunding willen regelen. Kunnen ze bewijzen, wat ze waard zijn. Maar als het nodig wordt voor de bieb ben ik in ieder geval van de partij. Ik kan weliswaar niet de hele wereld redden, maar een paar zeehonden en een klein stukje bieb – dat moet kunnen.

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Meine Bibliothek muss bleiben – Einspruch

Da sich auch ein paar deutsche Bibliotheken unter meinen Folgern befinden, was mich sehr freut, möchte ich euch kurz auf dem Laufenden halten, wie es hier mit unserer Bibliothek weitergeht. Letzten Montag wurden die Sparmaßnahmen im Kultursektor in der Städtischen Kommission besprochen, und nächsten Montag wird der Vorschlag dem Stadtrat zur Abstimmung vorgelegt. Die Debatte der Kommission ist öffentlich, und jeder Bürger hat das Recht, Einspruch zu erheben, und man darf dann maximal fünf Minuten sprechen. In einem Anfall von Wahnsinn hatte ich mich tatsächlich – mit 19 anderen Sprechern – dafür angemeldet.

Pünktlich versammelten sich die Sprecher und weitere ca. 200 Sympathisanten bei der Bibliothek, von wo wir in schicken T-shirts mit dem Logo “Mijn bieb moet blijven” und mit viel Krach zum Rathaus zogen. Dort mussten sich die Sprecher an der Rezeption melden und durften dann im Sitzungssaal Platz nehmen. Die übrigen Sympathisanten durften die Debatte vom Bürgersaal aus auf einer Leinwand mitverfolgen. Mann, hatte ich Lampenfieber.

Der Abend war auf jeden Fall sehr interessant und lehrreich. Erst wurden wir von der Vorsitzenden darauf hingewiesen, dass wir nicht applaudieren, pfeifen oder auf andere Art und Weise seine Meinung kundtun dürfen, denn jeder soll hier sagen können, was er denkt. Außerdem fand sie es gut, dass so viele Leute von ihrem demokratischen Recht, Einspruch zu erheben, Gebrauch machen. Vielleicht sollte ich das öfter mal machen…

Die Ansätze der 20 Sprecher waren sehr unterschiedlich, aber jeder machte deutlich, warum die Bibliothek, die Zweigstellen in den Stadtteilen und der Bücherbus so wichtig sind und dass die Bibliothek weit mehr ist als Bücher ausleihen und zurückbringen. Unsere ehemalige Stadtdichterin begann mit einem Gedicht über die Bedeutung von Kultur, dem Sauerstoff der Gesellschaft, das Projekt “Vorleseexpress” wurde vorgestellt, ein Grundschullehrer erzählte, wie die Kinder sich immer auf den Bücherbus freuen usw. Der letzte Sprecher, der Direktor der Bibliothek, ging vor allem auf die finanzielle Seite ein und erklärte, was die geplanten Einsparungen für Folgen haben.

Nach einer kurzen Pause diskutierten die Vertreter aller Fraktionen die Sparmaßnahmen und gingen auch auf die Punkte von uns ein. Wie zu erwarten, ist die Koalition dafür, denn der Haushalt muss ja stimmen, die Opposition findet die Einschnitte zu rigoros und mahnt zum Nachdenken. Ich habe den Eindruck, dass alle Fraktionen zwar finden, dass die Bibliothek weiterhin den gewohnten Service bieten soll und dass auf keine der Aktivitäten verzichtet werden kann, aber das Ganze doch bitteschön mit deutlich weniger Geld. Damit kann man wirklich was anfangen. Der Stadtrat wird am Montag wohl auch für die Sparmaßnahmen stimmen, aber es gibt Hoffnung, das die Bibliothek mehr Zeit bekommt, um sie durchzuführen.

Als ich nach einem langen Abend das Rathaus verließ, sah ich, dass einige der Figuren des Rathausbrunnens ebenfalls in ein schickes T-shirt gekleidet waren. Ich musste sehr lachen und mir wurde wieder einmal klar, dass ich diese Stadt einfach mag, in der ich vor 18 Jahren eher umständehalber gelandet bin, die aber mich  sofort willkommen hieß.

Heute morgen las ich in der Zeitung, dass für einen meiner Lieblingskolumnisten  die 20 Sprecher zu seinen Helden dieser Woche gehören. Das passiert mir auch nicht so oft.

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Mijn bieb moet blijven – inspraak

Iedereen is vast wel nieuwsgierig hoe het verder gaat met onze bieb. Afgelopen maandag werd het voorstel over de bezuinigingen in de cultuursector in de Stedelijke Commissie besproken. Dit soort vergaderingen zijn openbaar en geïnteresseerden mogen inspreken. Je moet je dan aanmelden en krijgt maximaal vijf minuten spreekrecht. In een vlaag van verstandsverbijstering heb ik me hiervoor opgegeven, samen met 19 andere insprekers.

Ruim op tijd was ik bij de bieb, waar ik een prachtig T-shirt met het Logo “Mijn bieb moet blijven” in ontvangst nam. Dan gingen de ca. 200 betogers – met een hoop herrie uiteraard – naar het stadhuis. De insprekers moesten zich bij de balie melden en mochten dan naar de vergaderzaal. De overige betogers konden in de burgerzaal plaatsnemen en de vergadering op een grote scherm volgen. Ik was behoorlijk zenuwachtig, want ik vind het al best spannend om een antwoordapparaat in te spreken, maar voor mijn bieb doe ik het graag.

Het werd in ieder geval een interessante en leerzame avond. De voorzitter van de vergadering legde de gang van zaken uit: eerst mogen de insprekers hun zegje doen, dan bespreekt de commissie het voorstel en neemt daarbij de punten die de insprekers gemaakt hebben mee. Je mag niet applaudisseren of fluiten of op andere manier je (on)genoegen kenbaar maken, want iedereen moet veilig zijn mening mogen zeggen. Zij vond het fantastisch, dat zich zo veel insprekers gemeld hadden, want het is altijd goed, als de burgers gebruik maken van hun democratische rechten. Misschien moet ik dat vaker doen…

De insteek van de 20 insprekers was heel divers, onze voormalige stadsdichter zette de toon met een gedicht over het belang van de cultuur – het zuurstof van de samenleving, een docent vertelde, hoe zijn leerlingen iedere keer uitkijken naar de komst van de boekenbus, anderen hadden het erover, dat een bieb voor iedereen toegankelijk en bereikbaar moet zijn, het werk van de Voorleesexpres werd voorgesteld etc. De directeur van de bieb was de laatste spreker, en hij ging vooral in op de financiële kant van zaken.

Na een korte pauze bespraken vertegenwoordigers van alle fracties in de raad het voorstel. Nu mochten wij niets meer zeggen, maar het was wel spannend, om zo een vergadering mee te maken. Het was een beetje als verwacht: De coalitie steunde het voorstel, want er moet bezuinigd worden en de begroting moet kloppen. De oppositie vond wel, dat de bezuinigingen te rigoureus zijn en dat misschien toch het een en ander moet worden heroverwogen. De vertegenwoordiger van Burger Belangen (behartigt deze partij nou echt de belangen van de burgers???) vond de wijkvestigingen helemaal niet nodig, wat hem de repliek van D66 opleverde: “Als ik u zo hoor, mogen de mensen hun boeken straks in Almelo lenen.” Aan het einde van de vergadering zei de voorzitter: “Ik ben altijd lid van de bieb geweest, en dat zal ik ook altijd blijven. De bieb hoort bij onze stad.

Op het moment ziet het er zo uit, dat alle fracties wel het nut van de bieb inzien en dat ook zij vinden, dat de service niet achteruit mag gaan, maar dat moet wel met aanzienlijk minder geld. Daar heb je ook wat aan. Volgende week maandag stemt de raad over het bezuinigingsvoorstel, en het zal waarschijnlijk gewoon doorgaan. Er is wel hoop dat de bieb meer tijd zal krijgen, om de bezuinigingen door te voeren.

Toen ik na een lange avond het stadhuis verliet, zag ik, dat een paar van de figuren van het Ei van Ko, de fontein bij het stadhuis, ook de prachtige T-shirts droegen. Ik moest behoorlijk lachen en realiseerde me weer, dat ik ondanks alle problemen en merkwaardigheden hier van deze stad hou, waar ik 18 jaar geleden door omstandigheden terecht ben gekomen, maar die mij wel meteen omarmd heeft.

Vandaag las ik in de krant de column “Zijdelings”,  dat de 20 insprekers op maandag avond voor hem bij de helden van deze week horen. Dat gebeurt mij ook niet iedere dag.

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“Inselgrab” von Johan Theorin

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Es ist vollbracht, mit dem Sommerbuch ist Johan Theorins Öland-Tetralogie komplett. Erst mal wieder zum Titel: Im schwedischen Original heißt das Buch “Rörgast”. Ein “gast” ist im Schwedischen kein Besuch, oder höchstens einer, den man nicht so gerne hat, das Wort bedeutet nämlich Geist oder Gespenst, während ein “rör” ein Grabhügel, Steinhügel oder auch ein unterirdischer Gang sein kann. Ein Grabhügelgespenst also. Der deutsche Titel dieses Romans ist “Inselgrab” und der niederländische “Grafheuvel”, während der englische in Anlehnung an den ersten Band “Echoes from the Dead” hier “The Voices Beyond” ist.

Es ist Sommer 1930, und der vierzehnjährige Gerlof Davidsson arbeitet als Gehilfe des Totengräbers. Diese Stelle behält er nicht lange, denn als der Patriarch Edvard Kloss begraben wird, ertönen Klopfgeräusche aus dem Sarg. Dieser wird, zum Missfallen des Pastors, der den Segen schon  gesprochen hat, geöffnet. Der herbeigerufene Arzt kann jedoch wie beim ersten Mal nur den Tod feststellen. Als es zum zweiten Mal klopft, erleidet Edvards Bruder Gilbert einen Herzinfarkt, so dass nur noch Sigfrid Kloss übrigbleibt.

Fast siebzig Jahre später, im Jahr 1999, verbringt der inzwischen 84jährige Gerlof wie im Jahr davor  den Sommer in seinem Sommerhaus anstatt im Seniorenheim. Es ist Mittsommer und auf Öland wimmelt es von Sommergästen. Mitten in der Nacht klopft es plötzlich an Gerlofs Tür.  Der dreizehnährige Jonas Kloss berichtet aufgelöst von einem Geisterschiff im Sund, auf das er sich gerade noch retten konnte, als sein Schlauchboot unterging, und wo einer der Toten ihn mit einer Axt bedrohte.

Kurz darauf wird der Ferienpark von Jonas’ Verwandten, das Ölandic Resort, von einer Magen-Darm-Epedemie heimgesucht, der noch andere unangenehme Vorfälle folgen. Irgendjemand will die Familie Kloss ruinieren.

Die Geschichte, die sich langsam aufrollt, wird aus wechselnden Perspektiven erzählt. Da ist natürlich Gerlof, der viel erlebt hat, viel weiß, dank seines neuen Hörgerätes eine Menge mitkriegt und über eine ausgezeichnete Kombinationsgabe verfügt. Dann gibt es Jonas, der mit seinem Vater und seinem älteren Bruder im Ferienpark ist und dort etwas Geld verdient. Sein Bruder und seine Cousins schließen ihn regelmäßig von ihren Aktivitäten aus, so dass Jonas sich allein die Zeit vertreibt und auf allerlei geheimnisvolle Dinge stößt. Neben dem Geisterschiff gibt es da nämlich noch eine Gestalt, die immer wieder bei dem alten Hünengrab in der Nähe des Ölandic Resort auftaucht. Außerdem ist da noch Lisa, die als DJ Lady Summertime im Resort arbeitet und den Gästen der Disco die Portemonees entwendet, um ihrem drogenabhängigen Vater Geld schicken zu können.

Dazwischen wird in Rückblenden die Geschichte des Heimkehrers Aron Fredh erzählt, der beim Begräbnis von Edvard Kloss dabeigewesen war. Kurz danach emigrierte er mit seinem Stiefvater Sven in “das neue Land”. Erst nach einer Weile stellt sich heraus, dass es sich bei diesem neuen Land nicht um Amerika, sondern um das stalinistische Russland handelt, wo Ausländer und Regimegegner erbarmungslos verfolgt werden. Nach einigen Jahren im Arbeitslager gelingt es Aron, dem verunglückten Ukrainer Vlad Kleidung und Papiere abzunehmen. Als Vlad wird er zum Helfershelfer des Regimes und leistet seinen Beitrag zu den Säuberungsaktionen. Doch als Aron sehnt er sich nach Schweden. Auch im ersten Band geht es um Emigration und Heimweh, so dass sich gewissermaßen der Kreis schließt.

Es wird relativ schnell deutlich, dass das Schicksal des Heimkehrers mit der Familie Kloss verwoben ist, aber nicht, wie. Auch hier muss der Leser wieder etwas Geduld haben, denn Theorin lässt sich Zeit, seine Geschichte zu entwickeln. Und das passt zu seinem Protagonisten Gerlof, der ja schon im ersten Band erklärte, dass eine Geschichte in ihrem eigenen Tempo erzählt werden muss, und zum Ort. Auch wenn Öland durch eine Brücke mit dem Festland verbunden ist, bleibt es eine Insel, und dort geht alles etwas langsamer. Es bringt ja nichts, sich abzuhetzen, man kommt ja nicht weit.

Ein absoluter Pluspunkt dieses Buches ist natürlich wieder der sympathische Rentner Gerlof, der zuhört, nachdenkt und kombiniert. Schön finde ich auch, dass man nebenbei erfährt, wie es Gerlofs Tochter Julia und seiner Nichte Tilda geht, die in den ersten beiden Bänden eine wichtige Rolle gespielt haben.

VN Detective & Thrillergids schreibt über dieses Buch: “Ein atmosphärisch dichter Thriller mit einem kräftigen Schuss Geschichte und einem Hauch skandinavische Folklore.” Das stimmt, aber vom letzten hätte es durchaus ein bisschen mehr sein dürfen. Das Gespenst am Grabhügel und die Geschehnisse auf dem Geisterschiff werden zu schnell rational erklärt, und anders als in den Vorgängerbänden hatte ich nicht dieses Gefühl, dass dahinter noch mehr stecken könnte. Auch die unheimliche Atmorspäre, die vor allem die ersten beiden Bände bestimmte, kommt hier nicht so gut zum Tragen. Das könnte aber auch an der Jahreszeit liegen, Spukgeschichten passen wohl besser zum Herbst und Winter. Trotzdem ist “Inselgrab” ein spannendes Buch und ein gelungener Abschluss der Öland-Tetralogie.

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