Bag Art

Aufmerksame Leser haben ja mitgekriegt, dass Peter und ich in den letzten Jahren das Projekt „Bag Art“ entwickelt haben: Kunstwerke aus Fahrrad- und anderen Taschen. Diese habe ich auf einer eigenen Seite zusammengestellt. Falls jemand Lust hat, bei dieser netten Spielerei mitzumachen, immer gerne! Hinterlasst dann einfach einen Kommentar, so dass ich eure Kunstwerken finden kann.

Viel Spaß!

Attente lezers hebben inmiddels zeker gemerkt, dat Peter en ik in den afgelopen jaren het project „Bag Art“ ontwikkelt hebben: Kunstwerken van fiets- en andere tassen. Deze heb ik nu op een aparte pagina samengesteld. Mocht iemand zin hebben, om bij dit leuke spelletje mee te doen, graag. Laat dan gewoon een commentaar achter, zodat ik jullie kunstwerken kan vinden.

Veel plezier!

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The Borders 2004 – Teil 5

Zurück nach Newcastle mit wenig „Coast,“ aber ein paar „Castles“

 Mit dem schönen Wetter der letzten Tage schien es wohl vorbei zu sein. Als wir am Morgen aufbrachen, war es zwar trocken, aber bewölkt. Wir hatten zwar beschlossen, nicht auf der „Coast & Castles Route“ weiter zu fahren, aber um vom Campingplatz weg zu kommen, mussten wir doch noch über Feldwege nach Beal. Unterwegs mussten wir eine „Private Railway Crossing“ überqueren. Dabei handelte es sich um einen Bahnübergang, der grundsätzlich geschlossen ist.   Auf einem Schild wird genau erklärt, dass man erst beide Gatter öffnen muss, dann schnell mit Sack und Pack über die Gleise, wobei man ständig in beiden Richtungen nach Zügen Ausschau halten muss. Danach müssen beide Gatter wieder geschlossen werden. Das Offenlassen derselben ist ein teurer Spaß, ein paar hundert Pfund Strafe sind schon drin, wenn man erwischt wird.

Bei Beal machten wir einen kurzen Abstecher zum Damm nach Lindisfarne, den man zwar nicht mehr überqueren konnte, aber so hätten wir die Insel wenigstens aus der Ferne gesehen – dachten wir. Da aber inzwischen ein sanfter Nieselregen oder „Drizzle“, wie die Briten das nennen, eingesetzt hatte, konnten wir sie bestenfalls noch erahnen.

coast

Während wir über gemütliche Landstraßen nach Alnwick fuhren, wurde der Regen immer stärker. Gut, dass die Etappe nicht so lang war und dass wir von der Küstenroute abgewichen waren. Bei gutem Wetter wäre der Blick über die Hügel sicher wunderbar gewesen, aber auch so bekam man einen Eindruck von der Schönheit dieser Gegend. Auch wurde meine Stimmung durch die Ortsnamen, die wir unterwegs entdeckten, etwas aufgehellt: Chillingham, Harehope, West Ditchburn und andere. Bill Bryson mit seiner Begeisterung für britische Ortsnamen hätte seine helle Freude an dieser Gegend gehabt.

In Eglingham machten wir in einem Pub Mittagspause. Dort versuchte ich, meine Schuhe und Socken unter dem Händetrockner ansatzweise trocken zu blasen. Wie Peter trockene Socken anziehen wollte ich nicht, da die wohl sowieso gleich wieder nass geworden wären, und dann bleiben auf die Dauer nicht mehr viele übrig.

In Alnwick fuhren wir am Schloss vorbei in das nette, aber sehr volle  Stadtzentrum, und Peter erkundigte sich  bei der Tourist Information nach dem Campingplatz. Ein weiser Entschluss, denn einfach so hätten wir ihn nie gefunden, da er sich auf dem hinteren Feld des Rugbyclubs befindet. Als wir dort ankamen, standen eine Menge Wohnwagen, Busse und Lastwagen auf dem Parkplatz und das Clubhaus war verwaist. Was nun? Nachdem wir zweimal das Gebäude umrundet hatten, kam ein junger Mann aus einem der Wohnwagen und erklärte uns, dass wir bis ans Ende der Wiese gehen sollten und dort unser Zelt aufstellen konnten. Anmelden sollten wir uns später in der Bar. Die ganzen Fahrzeuge auf dem Parkplatz waren von einer Fernsehcrew, die hier „some television drama“ filmten.

Inzwischen hatte es aufgehört zu regnen und wir machten uns auf den Weg, die Stadt zu erkunden. Nicht weit vom Rugbyclub entfernt ist der alte Bahnhof, in dem sich jetzt „Barter Books“ befindet, einer der größten Second-Hand-Buchläden Großbritanniens, in dem auch Modelleisenbahnfans auf ihre Kosten kommen, da im vorderen Teil eine solche über den Regalen ihre Runden dreht. Die Autoren, nach denen ich suchte (unter anderem Bill Bryson, Tony Hawks und natürlich Phil Rickman) waren leider entweder gar nicht oder nur mit Büchern, die ich schon habe, vertreten, aber ich hätte trotzdem stundenlang wühlen können.

Nachdem ich doch noch fündig geworden war, gingen wir zum Schloss, um dort festzustellen, dass wir zu spät dran waren. Angesichts der £ 9,50 Eintritt waren wir darüber aber nicht besonders unglücklich, obwohl dort Teile von „Harry Potter“ und „Robin Hood, Prince of Thieves“ gefilmt worden waren. Immerhin konnten wir von außen doch noch ein paar Blicke auf das Gebäude erhaschen.

alnwickcastle alnwickcastle2

Den inzwischen sonnigen Rest des Tages verbrachten wir auf dem Campingplatz, wo meine Schuhe und Socken friedlich vor sich hin trockneten,  und in der Bar des Rugbyclubs, wo wir leider nicht fürs Fernsehen entdeckt wurden.

Am nächsten Morgen schien die Sonne, und wir machten uns auf den Weg nach Ashington, dem letzten Campingplatz vor Newcastle. Unterwegs kamen wir an „Mowick’s Ice Cream Parlour“ vorbei. Diese Eisdiele, die zu einem Bauernhof gehört und, wie eine Plakette stolz verkündete, mit EU-Subventionen errichtet worden war, befindet sich praktisch „in the middle of nowhere“. Trotzdem ging es schon eine Viertelstunde nachdem sie geöffnet hatten, zu wie am Stachus. Das liebevoll zubereitete Eis ist aber auch ausgezeichnet.

Dann kamen wir mal wieder an einem Schloss vorbei, nämlich Warkworth Castle, das eindrucksvoll auf einem Hügel thront.

castle

In Acklington suchten wir ein Schild nach Chevington, aber das einzige, das in südliche Richtung wies, trug die Aufschrift  „HM (Her Majesty’s) Prison“. Dies klang nach einer Einbahnstraße, und so machten wir unfreiwillig einen Umweg, an dessen Ende wir bei eben diesem Gefängnis landeten und feststellten, dass der Weg doch der richtige gewesen wäre.

In Ashington wurden wir gleich um die Stadt herum zum Campingplatz dirigiert, der gesteckt voll war, da viele Familien das lange Wochenende ausgenützt hatten. Entsprechend ging es dort rund. Eine Familie hatte ein „Mini Quad“ oder wie das heißt, mitgebracht, so eine Art motorisierter Rasenmäher, aber zum Glück ohne Schneidwerk, mit dem die Kids fröhlich ihre Runden drehten.  Das konnte ja heiter werden.

So schlimm, wie wir befürchtet hatten, wurde es jedoch nicht. Überhaupt waren bisher alle Campingplätze sehr schön und aufgrund der Jahreszeit noch nicht allzu voll gewesen, und bei den meisten Besuchern hatte es sich um ältere englische Paare gehandelt. Eines davon hatte sich als „birdwatchers“ vorgestellt. Peter meinte dazu: „Die sagen das, als ob es sich  um eine Gruppe Auserwählter handelt. Und warum eigentlich ‚birds‘? Niemand sagt doch ‚We are hedgehog watchers‘, oder?“

Als wir ins Stadtzentrum fuhren, mussten wir erst durch einen dieser endlosen Vororte mit unzähligen „Drives“, „Courts“ und „Closes“, deren Häuser alle irgendwie gleich aussahen. Am Anfang der Fußgängerzone stand auf einer Plakette: „Ashington – the biggest former mining village in the world“. Aha. Bill Bryson schreibt in seinen „Notes from a Small Island“ über die Stadt: „Ashington was nothing like I expected it to be. In the photographs from David’s book it appeared to be a straggly, overgrown village, surrounded by filthy waste heaps and layered with smoke from three local pits, a place of muddy lanes hunched under a perpetual wash of sooty drizzle, but what I found instead was a modern, busy community swimming in clean, clear air.“ Unter der Woche mag das stimmen, aber an einem regnerischen Sonntagnachmittag ist wohl jede englische Kleinstadt deprimierend.  Wir suchten Schutz auf einer überdachten Bank, und als der Regen nachließ, sahen wir uns kurz im Zentrum um, in dem wir allerdings nichts interessantes entdeckten. Dann mussten wir unseren Weg durch die endlose Vorstadt zum Campingplatz zurück finden. Ich hätte das wohl im Leben nicht hingekriegt, aber Peter schaffte es! Wozu so ein Geographiestudium doch gut ist.

Die letzten 20 Kilometer nach Newcastle waren kein Problem, der Verkehr hielt sich aufgrund des Feiertags in Grenzen und mit der Beschilderung funktionierte auch alles bestens, bis auf das letzte Stück natürlich. So landeten wir erst zu weit östlich und sahen bereits die Tynemouth Priory vor uns, aber dann fanden wir den Fährhafen doch. Da wir noch Zeit hatten, erkundeten wir die Royal Quay Shopping Mall, wo ich diesmal keinen Pullover, sondern ein Paar Schuhe kaufte.

Dann setzten wir uns am Hafen in die Sonne und beobachteten die Leute, die nach und nach eintrudelten. Besonders auffällig war ein Paar aus Oldenburg, das einen MG Cabrio fuhr. Die beiden waren anscheinend zum Erwerb eines weiteren Fahrzeugs in Großbritannien gewesen, denn ein Lkw brachte einen weiteren, sehr eleganten MG zum Terminal, wo die beiden ihn in Empfang nahmen.

Nach einer Weile konnten wir einchecken, und die Fahrzeugschlange bewegte sich langsam Richtung Schiff. Doch plötzlich blieb der neue MG stehen und verweigerte jeden weiteren Dienst. Ein paar Motorradfahrer aus dem Achterhoek probierten es mit Anschieben, aber ohne Erfolg. Der Fahrer stieg aus, während seine Freundin mit ihrem Wagen am Rand wartete, ging zu einem anderen Auto weiter hinten in der Schlange und kam dann mit einem Benzinkanister wieder zurück. Da kauft man ein Auto für was weiß ich wieviel tausend Euro, und dann ist das Teil noch nicht mal vollgetankt. Unter Applaus der anderen Wartenden rollten die beiden dann auf das Schiff.

Der erste Teil der Rückfahrt verlief ähnlich wie die Hinfahrt: Abendessen, Showprogramm und dergleichen. Auf die Tabletten verzichteten wir diesmal und tranken stattdessen ein paar Bierchen, was auch bestens funktionierte. Dann gingen wir schlafen.

Nachts gegen drei Uhr wurden wir von einem fürchterlichen Lärm geweckt: Ein wahrlich nicht mehr nüchterner Engländer versuchte, zuerst erfolglos, seine Kabinentür aufzubekommen. Als er es endlich geschafft hatte, wollte ich mich umdrehen und weiter schlafen, da ertönte plötzlich laute Musik. Das ging mir doch etwas weit, und so tappte ich in den Gang, um den Urheber des Lärms darauf aufmerksam zu machen, dass man das vier Kabinen weiter noch hören konnte. Er war ziemlich leicht zu finden, da seine Tür noch sperrangelweit offen war. Kein Wunder, wie Peter später meinte, schließlich hatte er sich so viel Mühe gegeben, sie auf zu bekommen. Auf meine Bitte, seinen Discman, den er an einen Laptop angeschlossen hatte, etwas leiser zu drehen, glotzte er mich ziemlich indigniert an und fragte, wieso zum Teufel, ob ich denn etwa schlafen wolle. Ist das so ein abwegiges Anliegen, nachts um drei? Einer der Sicherheitskräfte, der dazu kam, brachte ihn dann dazu, die Musik leise zu drehen, und wir konnten weiter schlafen.

Am nächsten Morgen ging es uns auch ohne Tabletten bestens. Pünktlich kamen wir in IJmuiden an und radelten, über gepflegte Radwege auf der rechten Seite, nach Driehuis, wo wir den Zug gerade noch erwischten. In Amsterdam entdeckten wir diesmal die Rolltreppe, was die Operation doch etwas vereinfachte und erreichten problemlos den Intercity nach Enschede.

Und dann waren wir, nach zwölf erlebnisreichen Tagen, wieder zu Hause. Wir kamen zu dem Schluss, dass die Monate Mai und Juni eine gute Zeit sind, um Großbritannien zu besuchen, da die Chancen auf schönes Wetter schon recht gut sind. Außerdem sind dann  noch nicht so viele Leute unterwegs, und auf den Campingplätzen trifft man vor allem Briten.

Der nächste Britannien-Urlaub kommt bestimmt, denn dort gibt es noch so viel zu entdecken und, im wahrsten Sinne des Wortes, zu erfahren.

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The Borders 2004 – Teil 4

Durch East Lothian nach Berwick-on-Tweed

 Für die Etappe von Edinburgh nach Dunbar hatten wir eigentlich den „Coastal Trail“ ins Auge gefasst, der im Prospekt folgendermaßen beschrieben wird: „Weaving through a panorama of breathtaking shoreline and unspoilt coutryside, the Coastal Trail reveals attractive seaside towns, fine castles and some of the world’s greatest golf links.“ Allerdings hatten wir beim Studium der Unterlagen zu Edinburgh eine Whiskybrennerei entdeckt, deren Besichtigung nicht in das Programm der letzten zwei  Tage integriert werden konnte, da sie zu weit außerhalb lag. Und so wurde es dann eine andere Strecke: „Hugging the lower slopes of the Lammermuir Hills, the Hillfoots Trail takes you through a romantic landscape of outstanding scenery interrupted only by the handful of pristine villages that make perfect stopping-off points.“  Man ist ja flexibel.

Die Glenkinchie-Destillery liegt zwar „in the middle of nowhere“, ist aber ab Pencaitland recht gut ausgeschildert. Die Brennerei ist klein und überschaubar, und unsere Gruppe bei der Führung war es auch: vier Leute. Wir wurden durch die verschiedenen Räume an unterschiedlichen Kesseln vorbei geführt und bekamen die Herstellung, Lagerung und alles, was damit zusammenhängt, genau erläutert.

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Am Schluss durften wir natürlich auch das Endprodukt probieren, das auch Peter, der mit Whisky nicht viel am Hut hat, recht gut schmeckte.

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Die Einladung, noch andere Marken zu testen, schlugen wir allerdings aus, da wir dann wohl besser gleich das Zelt im Vorgarten aufgebaut hätten.

Weiter ging es durch winzige und idyllische Dörfer nach Dunbar. Dort besichtigten wir die Ruinen der Burg direkt am Hafen und das „John Muir House“. Dieser John Muir war uns zwischen Edinburgh und Dunbar ständig begegnet, in Form von Wanderwegen und einem Naturgebiet, die nach ihm benannt waren, also nutzten wir die Gelegenheit, herauszufinden, wer der Herr eigentlich war. Er wurde 1838 in Dunbar geboren und emigrierte in die USA, wo er sich für den Erhalt der Natur und für die Nationalparks einsetzte. Wieder was gelernt.

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Dann versuchten wir, herauszufinden, wie man am besten nach Berwick-on-Tweed weiterfahren kann. Unser Radführer schlug uns eine Strecke vor, die „in Ermangelung sinnvoller Alternativen fast ausschließlich Hauptstraßen benutzt.“  Aber vielleicht hatten sie ja bei der Tourist Information eine bessere Idee. Nun ja, der Herr nahm sich die Karte der Umgebung vor und kam mit einigen Vorschlägen, von denen aber einer absurder als der andere war. Wir warteten nur noch darauf, dass er uns nach Edinburgh zurückschicken wollte. Also mussten wir wohl in den sauren Apfel beißen.

Am Abend wollten wir uns in einem Pub in der Nähe des Campingplatzes etwas zu essen gönnen. Es sollte der kurioseste Pub-Besuch unserer Reise werden. Peter bestellte erst zwei Pints des lokalen Biers „Belhaven Best“. Da sie zwei Zapfhähne hatten, wollte er natürlich den Unterschied wissen, und die Dame an der Bar erklärte ihm, dass aus dem einen Hahn die extra gut gekühlte Variante kam, „for Americans“, wie einer der Gäste meinte. Allerdings kamen beide aus demselben Faß, also war uns nicht so ganz klar, wie sie das mit der extra Kühlung bewerkstelligen wollten. Und siehe da, trotz sorgfältigen Probierens konnten wir keinen Unterschied feststellen.

Inzwischen hatten wir auch unser Essen gewählt, und ich begab mich zur Bar, um die Bestellung aufzugeben. Doch ich kam nicht weit, da die Dame erst nachschauen musste, ob an diesem Abend überhaupt Mahlzeiten serviert werden konnten. Sie begab sich in eine Ecke der Bar und verrichtete irgendwelche Handlungen, deren Art mir verborgen blieb. Ich hörte nur gelegentlich ein Schnarren und Klingeln. Schließlich kam sie wieder zurück und erklärte: „The chef hasn’t come back yet. She might come in later.“ Alle Versuche meinerseits, dieses „later“ etwas einzugrenzen, waren zum Scheitern verurteilt. Entweder kam die Köchin später oder eben nicht. Also warteten wir noch eine Weile. In der Zwischenzeit kam die neue Schicht für die Bar, aber keine Köchin. Nach einer knappen Stunde kamen wir zu dem Schluss, dass es wohl nichts mehr werden würde. Auf meine Nachfrage, was denn nun los sei, meinte der Junge nur: „The chef just hasn’t come back.“

Also gingen wir zum Campingplatz zurück und brutzelten uns etwas aus unseren Notvorräten zusammen. Danach statteten wir dem Strand einen Besuch ab und ließen uns kräftig durchblasen.

Der nächste Tag war einer dieser Tage, an denen alles Mögliche schiefgeht. Erst begaben wir uns über die oben erwähnten Hauptstraßen in Richtung Berwick-on-Tweed. Zwischendurch gab es zwar einmal ein paar Schilder mit einer Alternativstrecke für Radfahrer, die dann aber doch wieder auf der A1 endete. Dies erinnerte mich an die Internet-Seite „50 Antworten auf die Frage ‚Warum fahren Radfahrer oft nicht auf dem Radweg?'“ Für Großbritannien sind wohl folgende fünf Antworten am zutreffendsten:

Weil der Radweg hundert Meter weiter plötzlich aufhört, ohne erkennbare Möglichkeit zur Weiterfahrt.
Weil sie bislang noch keine Stelle gefunden haben, wo der Bordstein genügend abgesenkt war, um gefahrlos aufzufahren.
Weil man gerade keinen Besen dabei hat, um die seit letzter Woche auf dem Radweg liegende zerbrochene Flasche wegzukehren.
Weil sie ein empfindliches Transportgut in der Packtasche mitführen, dem sie das Gerüttel durch die Schlaglöcher, Frostaufbrüche und durch Baumwurzeln verursachten Bodenwellen nicht zumuten können und deswegen auf dem glatten, gepflegten Asphalt der Straße fahren.
Welcher Radweg?

Zumindest haben die größeren Hauptstraßen einen ausreichend breiten Seitenstreifen, aber Spaß macht es trotzdem nicht. Immerhin sind die Autos in den letzten Jahren erheblich besser geworden, was den Abgasausstoß angeht.

Bei Cocksburnpath verließen wir die A1, um zumindest vorübergehend etwas weniger Verkehr zu haben. Erst ging es eine Nebenstraße an der Küste entlang an einem Wohnwagenpark vorbei. Die Straße war ziemlich schmal, führte über recht steile Hügel, und  im Tal mussten wir durch eine Art Wasserloch, das aber zum Glück nicht zu tief war. Ich hatte schon befürchtet, bis zur  Hüfte ins Wasser zu müssen.

Doch als ich mich mühsam schiebenderweise den nächsten Hügel hinaufgearbeitet hatte und an einer Kreuzung stand, war Peter, der wohl zu faul zum Schieben und deshalb schneller war,  plötzlich verschwunden. Sacklzement, hätte er nicht warten können?  Welchen der beiden Wege hatte er nun genommen? Ich entschied mich dafür, den rechten Weg bergauf  auszuprobieren und brüllte dazu aus vollem Hals seinen Namen. Darauf kam er hinter dem Gebüsch nach der nächsten Kurve hervor. Man kann sich vorstellen, dass ich nicht allzu amüsiert war. Er meinte zwar, dass es doch sonnenklar war, dass der linke Weg ein Privatweg ist. Sicher, aber das schließt nicht aus, dass er nicht doch aus irgendwelchen Gründen dort unterwegs ist. Ich bat ihn, in Zukunft immer, wenn es mehr als eine Möglichkeit gibt, in Sichtweite zu warten.

Bei der Weiterfahrt gab es einen weiteren Punkt, der uns Sorgen bereitete: Waren wir noch auf dem richtigen Weg? Die Gegend war dermaßen verlassen, dass es keinerlei Anhaltspunkte gab, wo wir uns befanden. Die wenigen Schilder, die wir sahen, trugen die Namen von Gehöften, die so klein waren, dass sie nicht auf der Karte vermerkt waren. Laut Peters Kompass fuhren wir zwar in die richtige Richtung, aber das beruhigte mich nicht wirklich. Endlich sahen wir zu meiner Erleichterung ein Schild nach Coldingham. Dort besuchten wir unser letztes schottisches Pub.

Danach ging es über Eyemouth und Burnmouth wieder auf die A1 nach Berwick. Dort gingen wir erst einkaufen, danach suchten wir nach Schildern der National Cycle Route 1, auch bekannt als „Coast & Castles Route“, die uns zu unserem Campingplatz bei Goswick bringen sollte. Im „Lonely-Planet“-Radführer stand etwas von „flat, coastal terrain“, was recht gut klang. Zwar war die Rede von „bumpy bridleways“, aber dass der Untergrund zu großen Teilen aus scharfkantigen Steinen bestand, an denen man sich in kürzester Zeit die Reifen kaputtfährt, wurde nicht mitgeteilt. Und kurz hinter Berwick war es dann auch soweit: Ich hatte einen Platten. Der Schaden hielt sich zwar in Grenzen und war recht schnell zu beheben, aber wir beschlossen doch, die „Coast & Castles Route“ aus dem Programm zu nehmen, da wir davon ausgingen, dass die Beschaffenheit des Weges sich nicht erheblich bessern würde.

Doch erst einmal mussten wir den Campingplatz finden. Nach längerem Geholper und mehrfachem Überqueren der Bahnlinie kamen wir in ein Dorf, in dem wir ein Schild fanden. Doch der Campingplatz kam einfach nicht. Bei einem Golfplatz fragte ich dann, ob wir noch auf dem richtigen Weg waren. Zum Glück mussten wir nur noch anderthalb Meilen weiter. Endlich erreichten wir den Zeltplatz, der sich auf einem Reiterhof befand. Wir hatten also grasende Pferde, Schafe und Kühe um uns herum als Nachbarn, zum Glück mit einem Zaun dazwischen.

Für den nächsten Tag standen Berwick-on-Tweed und Lindisfarne, auch „Holy Island“ genannt, auf dem Programm. Da auf einem Zettel an der Rezeption angegeben war, dass es aufgrund der Gezeiten an diesem Tag zwischen 12 und 21 Uhr möglich sei, den Damm zur Insel zu überqueren, fuhren wir erst nach Berwick, der nördlichsten Stadt Englands.

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Als erstes kauften wir dort in einem Fahrradladen einen Ersatzschlauch für den Fall, dass der geflickte doch noch den Geist aufgeben sollte. Dann erkundeten wir die Stadt. Aufgrund ihrer Lage hat sie eine bewegte Geschichte, da sie von Engländern und Schotten hart umkämpft wurde. Zwischen dem 12. und 15. Jahrhundert wechselte sie 13 Mal den Besitzer. Im 16. Jahrhundert wurden umfangreiche Festungsanlagen errichtet, die zu einem großen Teil noch erhalten sind. Die Stadtmauer, auf der man um das Zentrum spazieren kann, stammt aus dem 13. Jahrhundert.

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Gegen Mittag speisten wir im Fischrestaurant „Rob Roy“ in der Dock Road am Hafen, ein Tipp, den wir dankenswerterweise von Glufamichel bekommen haben, und den ich hiermit weitergebe. Das Essen dort ist wirklich ausgezeichnet.

Danach machten wir uns auf den Weg Richtung Lindisfarne. Es sollte jedoch anders kommen, da sich der Himmel immer mehr eintrübte und ein starker Wind aufkam. Als wir kurz vor dem Campingplatz waren, beschlossen wir, erst mal eine Pause zu machen, und kaum waren wir dort, begann es zu regnen, so dass unser Ausflug zur „Wiege des Christentums“ buchstäblich ins Wasser fiel. Ihn auf den nächsten Tag zu verschieben, war aufgrund der „safe crossing times“ ebenfalls nicht möglich, denn dann hätten wir vor halb zehn auf der Insel sein müssen und wären dort bis zum frühen Nachmittag nicht mehr weggekommen.

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The Borders 2004 – Teil 3

Edinburgh

In den nächsten zwei Tagen besichtigten wir verschiedene Museen und Ausstellungen und fuhren mit dem Bus kreuz und quer durch die Stadt. Auf diese Weise erfuhren wir eine Menge über die Geschichte Schottlands und seiner Hauptstadt.

 Auf dem Campingplatz wurden wir darauf aufmerksam gemacht, dass es für die Busse in Edinburgh und Umgebung eine Tageskarte für zwei Pfund gibt, den sogenannten „Day Saver“. So beschlossen wir, nicht mit dem Rad in die Stadt zu fahren, was sich als weise Entscheidung herausstellen sollte. Wie in allen Großstädten gibt es nämlich auch hier recht viel Verkehr, und die Regeln erschlossen sich uns, wenn überhaupt, nur bedingt. Ich hatte meistens den Eindruck, dass jeder in der Gegend herum fährt, latscht oder steht, wie er lustig ist. Vom oberen Deck des Doppeldecker-Busses sahen wir des Öfteren haarsträubende Szenarios, wenn die Busfahrer im Slalom zwischen parkenden Autos und anderen Hindernissen hindurch fuhren. Wie sie es schafften, nirgendwo dagegen zu schrammen, wird mir wohl immer ein Rätsel bleiben.

Wenn man Edinburgh zu Fuß erkunden möchte, braucht man eine recht gute Kondition, denn die Stadt ist auf sieben vulkanischen Hügeln erbaut, so dass es ständig bergauf und bergab geht. Die Einheimischen machen das wie nix, aber wir als Flachlandtiroler gerieten auf den langen, steilen Treppen der „Closes“ doch gelegentlich aus der Puste.

An dieser Stelle ein kurzer Exkurs zu den Straßen und Gebäuden der Stadt: Es gibt die „Streets“, also die größeren Straßen, die durch die „Closes“ miteinander verbunden sind. Diese sind oft steil und von Treppen versehen und dienen als Abkürzungen. Die Gebäude selbst wurden früher „Lands“ genannt, was in manchen Namen noch zu sehen ist, z. B. in „Gladstone’s Land“ oder „Websters Land“. Im 18. und 19. Jahrhundert wurden die Häuser recht hoch gebaut, da Platz schon damals knapp war. Die ärmsten Bewohner der Häuser wohnten ganz oben und ganz unten, und die wohlhabenderen Leute in den mittleren Stockwerken zogen es außerdem vor, nach hinten hinaus zu wohnen, da die Straßen vor den Häusern sehr schmutzig waren. Kein Wunder, schließlich war es üblich, den Eimer, den man zur Verrichtung seiner Notdurft verwendete, mit dem Ruf „Gardyloo!“ (vom französischen „Gardez l’eau!“ – „Vorsicht, Wasser!“) einfach aus dem Fenster zu kippen.

Dies und noch vieles mehr erfuhren wir bei unseren Streifzügen durch die Stadt, den Besuchen des Stadtmuseums und des „People’s Museum“ und bei der Führung durch „Mary King’s Close„, die weiter unten noch ausführlich beschrieben wird.

Auf eine Besichtigung der Burg verzichteten wir, da es im Radführer hieß: „Unter den historischen Gebäuden der Stadt ist das meistbesuchte und zugleich uninteressanteste: die Burg, die architektonisch nichtssagend und zudem mit militärischen Exponaten gefüllt ist.“ Wir beschränkten uns also auf den Burghof und die Aussicht.

Dafür besichtigten wir neben den bereits erwähnten Dingen noch St. Giles Cathedral und die „Tartan Weaving Mill & Exhibition“, eine Weberei, in der man sehen kann, wie die Stoffe für Kilts hergestellt werden. Dort gibt es auch eine Ausstellung über die Geschichte und Entwicklung der „Highland Dresses“. Außerdem fuhren wir auch in das Hafengebiet von  Newhaven und Leith, wo es furchtbar windig war.

Wie überall hat auch in Edinburgh der öffentliche Nahverkehr seine Tücken. Als wir am Abend zurück zum Campingplatz wollten, waren  wir am Levenham Roundabout, ein paar Haltestellen vor unserer, die letzten Fahrgäste im Bus. Dort wurden wir gebeten, den Bus zu verlassen, da dies die Endstation sei. Der Bus würde um den Kreisverkehr herum und dann wieder zurück fahren. Wir stiegen aus und gingen eine Haltestelle weiter. Dort stellten wir fest, dass der nächste Bus in ein paar Minuten kommen sollte, also warteten wir. Als er dann kam, trauten wir unseren Augen nicht! Es war nämlich derselbe Bus, den wir verlassen mussten, mit demselben Fahrer und zum Teil denselben Fahrgästen, die allerdings vor uns ausgestiegen waren. Das sehr junge Paar mit dem kleinen Kind nebst Mc-Donalds-Luftballon hatte sich mir nämlich eingeprägt. Was wir falsch gemacht hatten, oder welches geheimnisvolle Prinzip dieser Begebenheit zugrunde lag, werden wir wohl nie erfahren.

Einmal wurden wir auch des „queue-jumping“ bezichtigt. Selbstverständlich ist uns bekannt, dass man sich an Haltestellen ordentlich anstellt und nicht vordrängelt, aber man möge uns zugute halten, dass unser ungeübtes Auge das ungeordnete Häuflein nicht als Reihe wahrgenommen hatte. Nett fanden wir übrigens die Schilder über den Türen: „You should not get off the bus between two stops. Doing so is both dangerous and illegal.“ Das klingt doch viel schöner als „Aussteigen zwischen den Haltestellen verboten“.

Am nächsten Morgen ging es mir nicht gerade gut. Ob das am chinesischen Essen vom Vorabend lag oder am Cider, den wir von unseren Nachbarn geschenkt bekommen hatten, weiß ich nicht. Auf jeden Fall verbrachte ich einen größeren Teil  der ersten Hälfte des Vormittags auf der Keramik. Gut, dass wir uns ein relativ ruhiges Programm vorgenommen hatten.

Wir begannen mit dem Besuch des Prestongrange Museum, das sich in direkter Nachbarschaft des Campingplatzes befindet. Unser Radführer beschreibt es als „…ungewöhnliches Museum, das den Ursprung der Stadtgeschichte betrifft: Prestonpans ist eine frühindustrielle Stadtgründung, die sich auf Kohle- und Salzförderung stützte. Als Zentrum des Museums ist ein Förderturm (bzw. ein Steingebäude mit Fördereinrichtungen) restauriert worden.“ Wir wurden von einem netten Herrn durch die Anlagen geführt und konnten den Turm mit seiner riesigen Pumpe sowie den Brennofen für Backsteine auch von innen bewundern. Außerdem machte unser Führer uns auch auf die Stellen aufmerksam, an denen sich früher ebenfalls Gebäude befunden hatten, und auf den Hafen, der wieder ausgegraben werden sollte.

Da sich der Zustand meiner Eingeweide inzwischen wieder normalisiert hatte, wagten wir die halbstündige Busfahrt in die Stadt. Dort investierten wir sieben Pfund pro Person für eine Führung durch Mary King’s Close, und das war es auch wirklich wert. Diese „Close“ befand sich dort, wo jetzt die „City Chambers“ sind, die am Ende des 19. Jahrhunderts auf den Fundamenten und Wänden der alten Gebäude errichtet wurden, die praktisch „geköpft“ wurden. Aufgrund der Hanglage sind jedoch Teile der alten „Close“ noch erhalten. Diese wurden restauriert und hergerichtet, so dass man einen Eindruck des Lebens verschiedener Familien zwischen dem 16. und 19. Jahrhunderts erhält.

Der Prospekt kündigte an, dass wir von einer der Figuren, die früher dort gelebt hatten, durch die Gebäude geführt werden sollten. Unser „guide“ war Walter King, ein „foulis cleaner“, dessen Aufgabe es war, die Wohnungen der Pestopfer zu reinigen. Wir wurden durch die verschiedenen Räume geleitet, die nur sehr dürftig beleuchtet waren, und unser Führer erzählte uns von den Lebensumständen damals, der Pest und den Gespenstern, die immer noch durch die „Close“ irren. Da er wunderbar anschaulich erzählte, konnten wir uns da unten gepflegt gruseln, und bei der Beschreibung der Pestsymptome wurde mir ganz anders. Es war wirklich eine gelungene Führung.

Dann besuchten wir noch das „Writers‘ Museum“ in einem wunderschönen alten Gebäude, dass sich vor allem mit Sir Walter Scott, Robert Burns und Robert Louis Stevenson befasst.

Außerdem bummelten wir durch die verschiedenen Geschäfte und beobachteten ein paar Maurer, die hoch oben auf den Burgberg ein Gerüst für Reparaturen an der Burgmauer errichteten. Die Leute sind wirklich schwindelfrei.

Natürlich gibt es in Edinburgh und Umgebung noch viel mehr, aber man muss immer eine Auswahl treffen, und wir hatte eine Menge Dinge dieser faszinierenden Stadt gesehen.

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The Borders 2004 – Teil 2

Lang und hüglig ist der Weg nach Edinburgh

 Nachdem wir von Bord gegangen waren, konnte es losgehen. Allerdings kamen wir nicht besonders weit, da Peters Fahrradschloss am Reifen scheuerte und abgeschraubt werden musste. Zum Ausgleich fanden wir jedoch sofort die ersten Schilder des C2C-Radwegs, der uns durch Newcastle bringen sollte. Dieser Radweg war zwar, wie angekündigt, über weite Strecken „traffic-free“, aber auch sehr abenteuerlich. Er führte hinter ziemlich trostlos wirkenden Industriegebieten vorbei mal mehr, mal weniger dicht am Tyne-Ufer entlang über Feld- und Schotterwege, die teilweise auch noch mit Glasscherben garniert und von Zäunen und Gattern unterbrochen waren. Aber immerhin kamen wir so durch die Stadt und schafften es sogar rechtzeitig, die Strecke zu verlassen und auf unsere geplante Route nach Bellingham zu kommen.

Inzwischen hatte es auch zu regnen begonnen, und gelegentliche Schauer sollten uns den ganzen Weg begleiten. Die Strecke führte uns erst am Hadrian’s Wall entlang. Man muss jedoch ziemlich genau hinschauen, um die Reste dieser ehemaligen Grenzbefestigung zu entdecken. In Heddon-on-the-Wall hätte man noch römische Überreste besichtigen können, aber angesichts des Wetters und der Strecke, die noch vor uns lag, verzichteten wir darauf, diese zu suchen.  Wie erwartet war es recht hüglig, und zu allem Überfluss bekam ich auch noch einen Krampf im Oberschenkel, der sich aber zum Glück schnell wieder legte.

Am späten Nachmittag erreichten wir den Campingplatz am Ortseingang von Bellingham. Zusammen mit einem Schwall Regenwasser schwappten wir in die Rezeption, wo man uns fragte, was mit dem Wetter passiert sei, immerhin war doch Sonnenschein angekündigt. Na ja, ein paar Sonnenstrahlen hatten wir unterwegs ja gesehen, man durfte also nicht klagen.

Bellingham selbst ist ein nettes Dorf, das eine ideale Kulisse für einen im Norden Englands angesiedelten Spin-Off der Krimiserie „Midsomer Murders“ abgeben würde. Diese Serie spielt in idyllischen Dörfern, in denen es hinter den Kulissen ganz schön brodelt. Da Barnabys Assistent Troy nach Nordengland versetzt wurde, könnte Bellingham in seinen Zuständigkeitsbereich fallen.

Wie wir hier und auch auf anderen Campingplätzen feststellten, haben es die Briten immer noch nicht so mit Mischbatterien, sie halten an ihren getrennten Hähnen für heißes und kaltes Wasser fest. Heinz Ohff beschreibt dieses Phänomen in seiner „Gebrauchsanweisung für England“ folgendermaßen: „Mischbatterien finden sich selbst in Luxushotels selten. Wenn man sich nicht entweder die Hände verbrühen oder eiskalt waschen will – zudem sind Warm- und Kaltwasserhahn meist so dicht am Beckenrand ange-bracht, dass es unmöglich ist, die Hände darunter zu halten -, muss man den Stöpsel in den Abfluss des Beckens stecken und die gewünschte Wassertemperatur durch den gleichzeitigen oder wechselseitigen Gebrauch beider Hähne herstellen. Beim Waschbecken bedeutet diese Unvollkommenheit natürlich nur eine mäßige Unbequemlichkeit. Schlimmer gestaltet sich das Duschen, denn das heiße und das kalte Wasser vermischen sich erst im Duschkopf, beziehungsweise: es mischt sich nur unvollkommen. Entweder man genießt ein wahres Wechselbad à la Sebastian Kneipp: mal heiß, dann wieder eher kalt, was stets unvorbereitet und in so jähen Übergängen geschieht, dass man nicht mehr ausweichen kann: oder mitten im eiskalten Wasserstrahl befindet sich ein brühheißer (natürlich auch umgekehrt möglich).“  Diese kleinen Unannehmlichkeiten nimmt man aber gerne in Kauf, irgendwie gehört das dazu.

Die Nacht war etwas kühl, und ich war froh, dass ich meinen wärmsten Schlafanzug sowie ein paar dicke, von meiner Oma gestrickte Socken dabei hatte. Am nächsten Morgen schien jedoch die Sonne, und das sollte auch die nächsten paar Tage so bleiben. Wir machten uns auf den Weg nach Norden „durch die schönsten Teile der englisch-schottischen Grenzregion zu den historischen Stätten des Tweed-Tales“, wie es im Reiseführer hieß. Die Etappe führte uns erst durch den Kielder Forest am Kielder Water, einem der größten Stauseen Großbritanniens entlang, und wir bekamen einen Vorgeschmack auf die Hügel dieser Gegend.

Auf dem Weg sahen wir ein Reh, einen Fasan und natürlich jede Menge Schafe und Lämmer.

Außerdem waren recht viele große Lastwagen, die Holz transportierten, unterwegs. Bei einem Gehöft mit dem nicht allzu vielversprechend klingenden Namen Deadwater passierten wir die Grenze und waren in Schottland. Diese Fotos hat wohl jeder, der an dieser Stelle war:

Richtig anstrengend wurde es dann auf dem Stück zwischen Saughtree und Bonchester Bridge. Im Führer las es sich noch recht harmlos: „Auf dieser Straße überqueren Sie die bewaldeten Hügel des Wauchhope Forest“, und auf der Karte sah es auch nicht besonders dramatisch aus. Allerdings sind die Hügel hier sehr langgestreckt, und die Fahrt hinauf schien kein Ende zu nehmen. Es kam uns vor, als ob wir den Col de Pomtiddlipom, oder wie diese Berge bei der Tour de France heißen, bezwingen mussten. Ich kann mich zwar nicht erinnern, dass Jan Ullrich sein Rad dort hinauf geschoben hat, aber das lag sicher daran, dass er sein Gepäck nicht selbst mitschleppen musste. Aber die Aussicht und der blüende Ginster entschädigten uns etwas Für die Mühen, und danach gab es eine herrlich lange Abfahrt, bei der einem richtig schön der Wind um die Ohren pfiff.

Am späten Nachmittag erreichten wir Jedburgh, „eine alte Stadt mit etlichen Häusern im schottischen Treppengiebel-Stil.“ Im Zentrum befinden sich eine Abtei aus dem 12. Jahrhundert, ein Schloss und das Haus, in dem Maria Stuart kurze Zeit gewohnt hat, worauf die Stadt besonders stolz ist. Im Prospekt wird besonders darauf hingewiesen, dass sie gesagt haben soll „Would that I had died in Jedburgh“. Außerdem befindet sich am südlichen Ortsausgang „The last shop in Scotland“.

Ein paar Rennradfahrer musterten uns respektvoll, als wir in die Ortschaft rollten, und fragten: „Have you come over the hill?“

Beim Einkaufen bekamen wir auch erstmals schottische Geldscheine zurück. Es gibt drei schottische Banken, die das Recht haben, Banknoten auszugeben: Die „Bank of Scotland“, die „Royal Bank of Scotland“ und die „Clydesdale Bank“. Diese Banknoten unterscheiden sich nicht nur von denen der „Bank of England“, sondern auch voneinander. Wie soll man da als Tourist noch wissen, welche echt sind? Ich würde mir vielleicht sogar einen Dreißig-Pfund-Schein andrehen lassen, ohne mich groß zu wundern. In England werden die Scheine theoretisch akzeptiert, allerdings habe ich gehört, dass es weiter im Süden praktisch nicht immer der Fall ist. Im Grenzgebiet gibt es da jedoch keine Schwierigkeiten. Die Ein-Pfund-Scheine, die es vor zehr Jahren auch noch gab, haben wir allerdings nicht mehr entdeckt.

Abends gingen wir noch in einem netten Pub essen, probierten die lokalen Biersorten aus und ich gedachte der Voll- und Teilzeit-Creatures, die sich an diesem Tag in Münster trafen – ohne mich. Mit einem guten Essen und ein paar Bierchen im Bauch schafften wir den Anstieg zum Campingplatz auch ohne Probleme. Allerdings ist der Biergenuss nur bedingt hilfreich, da sich bei mir kurz danach immer recht schnell eine gewisse Bettschwere einstellt.

Bei Heinz Ohff entdeckte ich übrigens eine kurze Einführung zum Thema Bier: „Dem deutschen Pils am ähnlichsten ist das Lager, das wenigstens gekühlt serviert wird und eine Andeutung von Schaumbildung aufweist. Die englischen Standardsorten Stout und Bitter, … werden lauwarm und ohne jeden Schaum (der als absolut unfein gilt) ins Glas gefüllt. Wenn Sie nur Beer bestellen, bekommen Sie übrigens nie Lager, sondern waschechtes Ale, das in England nach wie vor eigentliche Bier, das Bier aller Biere! Damen, die sich nach meinen Erfahrungen schwerer an das englische Bier gewöhnen als Männer, sei ein Shandy empfohlen, ein apartes Mischgetränk aus Bier und Limonade. Damit ist wohl bewiesen, was einige schon vermutet haben, die Verfasserin dieses Berichts ist keine Dame! Ich trinke die englischen Biere ausgesprochen gern, vor allem die dunkleren Sorten, und mit Limonade wird nicht gepanscht!

Am nächsten Morgen brachen wir ziemlich früh auf, da wir an diesem Tag unbedingt noch die schottische Hauptstadt erreichen wollten. Unterwegs statteten wir der Dryburgh Abbey, wo Sir Walter Scott begraben liegt, einen Besuch ab, und ich überlegte, ob ich vielleicht doch noch einmal einen Versuch unternehmen sollte, den Roman „Waverley“ zu lesen, ein Unterfangen, das ich während des Studiums, nachdem ich mehrmals den Faden verloren hatte und dann eingeschlafen war, aufgegeben hatte.

Nicht nur an diesem Tag fiel uns auf, dass zahlreiche Leute das schöne Wetter ausnützten und ihre Fensterrahmen und Türen strichen und ihre Dächer reparierten. Auch stellten wir fest, dass es noch ziemlich viele „echte“ rote Telefonzellen in dieser Gegend gibt. Sehr lobenswert.

Danach ging es weiter über Melrose und Galashiels auf die A7, die der kürzeste Weg nach Edinburgh war. Die Straße windet sich gemütlich am Gala Water entlang und die Steigungen halten sich einigermaßen in Grenzen. Auch der Verkehr war nicht allzu schlimm, was wohl vor allem daran lag, dass es Sonntag war.

Gegen Mittag sahen wir den Kirchturm des Dorfes Stow und dachten: „Wo Kirchen sind, sind auch Pubs nicht weit.“ Theoretisch war das auch so, doch das eine Pub existierte nicht mehr, und das andere war nicht geöffnet. Also kein Pub Lunch.

Wir schafften es tatsächlich, den Vorort Musselburgh zu finden, ohne in das Zentrum von Edinburgh zu geraten. Zum Campingplatz mussten wir uns allerdings durchfragen, da wie üblich erst kurz davor ein Schild stand. Es wird behauptet, dass Musselburgh die älteste Rennbahn und den ältesten Golfplatz der britischen Inseln besitzt. Ob es nun stimmt oder nicht, auf jeden Fall wurde der vorhandene Platz sehr effizient ausgenutzt. Der Golfplatz befindet sich nämlich in der Mitte der Anlage, und die Pferde rennen außen herum. Allerdings nehme ich nicht an, dass während der Rennen auch Golf gespielt werden darf.

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The Borders 2004 – Teil 1

Seit einigen Tagen bin ich wieder aus dem Urlaub zurück: Nordostengland und die Borders. Einen Teil des diesjährigen Gebiets haben wir vor 12 Jahren schon einmal erkundet. Inzwischen habe ich den damaligen Bericht vervollständigt, und da ich öfter darauf verweisen möchte, zerre ich ihn mal nach oben und stelle den Rest ein.  Da ich die Fotos, die aus der Prä-Digital-Ära stammen, erst einscannen muss, habe ich das Ganze immer vor mit hergeschoben. Viel Spaß mit der Grenzwanderung durch die englisch-schottischen Borders.

The Borders: 20. Mai – 1. Juni 2004 (Newcastle – Edinburgh und zurück)

 Eigentlich hatten wir dieses Jahr nicht die Absicht gehabt, nach Großbritannien zu fahren. Doch irgendwie zog es mich halt wieder dorthin, und ich schlug Peter vor, zwischen Himmelfahrt und Pfingsten einen Kurzurlaub zu machen, mit dem Rad natürlich. Erst hatten wir überlegt, von Newcastle nach Hull zu radeln, doch dann entdeckte ich in einem „Lonely-Planet“-Radführer ein paar Routenvorschläge, die sich gut mit denen in dem Buch „Schottland per Rad“ (Kettler-Verlag) zu einer Tour nach Edinburgh und zurück kombinieren ließen. Und notfalls könnten wir ja immer noch ein Stück mit der Bahn fahren.

Die größten Sorgen bereiteten mir die Strecken durch Newcastle und die im Lonely-Planet-Führer dargestellte Coast-and-Castle-Route. Newcastle ist eine große Stadt mit viel Verkehr und nicht als allzu radfahrerfreundlich bekannt, und die Küstenroute war so kompliziert beschrieben, dass wir sie in Gegenrichtung unmöglich finden würden. Doch im Internet wurde ich fündig: Es gibt einen ausgeschilderten „traffic-free“ Radweg am Tyne-Ufer entlang, und auch die Küstenstrecke ist beschildert, in beiden Richtungen, wie man mir versicherte. Also alles wunderbar – oder?

Die große Überfahrt

Am Morgen des Himmelfahrtstages fuhren wir mit dem Zug nach Driehuis, dem Bahnhof, der dem Fährhafen am nächsten liegt. Das Umsteigen in Amsterdam war etwas kompliziert, da sie die Rolltreppen umbauten und  der Bahnsteiglift so klein ist, dass man sein Rad hochkant hineinstellen muss, was mit Gepäck nicht gerade einfach ist. Auf der Rückfahrt entdeckten wir, dass es am anderen Ende des Bahnsteigs durchaus funktionierende Rolltreppen gibt.

Von Driehuis aus fuhren wir über zahlreiche Umwege zum Hafen, wo die Hochöfen von Corus auch am Feiertag ihren nicht allzu gesund aussehenden und riechenden Rauch in die Lüfte bliesen. Da wir mal wieder alle möglichen Probleme, die nicht auftraten, eingeplant hatten, waren wir viel zu früh am Terminal und mussten dementsprechend lange warten. Unser Schiff, die „Duke of Scandinavia“ der Reederei DFDS Seaways, lag schon im Hafen.  Währenddessen rollten unheimlich viele Motorräder aus allen möglichen Gegenden in allen Größen, Farben und Varianten an. Erst dachten wir an ein Bikertreffen, aber die Leute, die wir fragten, wussten von nichts und machten nur Urlaub, und auch später auf der Insel konnten wir keinen Hinweis auf ein derartiges Ereignis entdecken.

Endlich ging das Einschiffen los, aber anders als in Hoek van Holland oder Rotterdam, wo man als erstes die Fahrräder reinrollen lässt, mussten wir hier bis fast zum Schluss warten. An Bord gab es noch eine ziemliche Schlepperei, da wir die Räder abpackten und alles mit in die Kabine nahmen. Später stellten wir fest, dass das Cardeck während der Fahrt abgeschlossen wird, und beschlossen, bei der Rückfahrt alles so einzupacken, dass wir nur noch eine Tasche mitnehmen mussten.

Da wir Weihnachten 1998 auf dieser Strecke in die „Boxing Day Storms“ geraten und entsprechend seekrank geworden waren, hatte Peter diesmal Tabletten mitgenommen. Das Bierchen zum Abendessen musste allerdings gestrichen werden, da man das Zeugs nicht zusammen mit Alkohol einnehmen soll.

Das Abendessen, ein „Skandinavisches Bufett“, war jedenfalls phantastisch. Nach dem Essen begaben wir uns in die Bar, wo es diverse Showeinlagen mit Gesang und Tanz gab. Wie so oft wusste ich bei einigen Beiträgen nicht, ob sie eine Parodie sein sollten oder ernst gemeint waren. Unterhaltsam war es auf jeden Fall. Gegen Mitternacht zogen wir uns dann in unsere Kabine zurück.

Wir schliefen recht gut, bis wir um sieben Uhr von einer Lautsprecherstimme geweckt wurden, die uns mitteilte, dass das Frühstück serviert wurde. Sie klang wie eine meiner Kolleginnen, so dass mein erster Gedanke war: „Nicht jetzt, ich habe Urlaub“. Wegen der nicht allzu guten Luft im unteren Deck fühlte ich mich etwas unwohl, und so nahm ich eine von Peters Tabletten. Ich habe keine Ahnung, ob sie bei mir nicht geholfen hat oder ob es mir ohne noch schlechter gegangen wäre, auf jeden Fall war ich gar nicht in Form, was das Frühstück anging. Allerdings steht auch nirgends in der Packungsbeilage, dass man nach der Einnahme sofort ein „Full English Breakfast“ verspeisen kann. Daran könnte noch gearbeitet werden.

Nach dem Frühstück wurde auch das Cardeck wieder geöffnet, und wir konnten unsere Räder wieder bepacken. Kurz danach konnten wir das Schiff verlassen.

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Nach dem Urlaub ist vor dem Urlaub

Seit einer Woche sind wir wieder zurück von unserem Urlaub in Nordengland und den schottischen Borders. Es war sehr schön und auch ziemlich aufregend. Wir hatten das Vergnügen, das ganze Brexit-Gedöns live und in Farbe mitverfolgen zu dürfen. Inzwischen wissen wir ja, wie das Referendum ausgegangen ist, aber in meinen Aufzeichnungen für den Reisebericht finden sich zahlreiche „Brexit-Quotes of the Day“, die die Entwicklung recht gut illustrieren.

Das Wetter war durchwachsen, aber immerhin besser als hier. Selbstverständlich hatten wir auch die üblichen Pleiten, Pech und Pannen (Schaden an den Rädern, unnötige Extrakilometer, eine saftige Erkältung und dergleichen mehr), aber auch wunderschöne Fahrten durch atemberaubende Landschaft bei Premiumwetter, tolle Kathedralen, Schlösser und Museen, interessante Städte und viel Freundlichkeit und Hilfsbereitschaft.

Die Gegend, die wir durchradelt haben, ist alles mögliche, aber nicht flach, so dass das Radeln (oder Schieben) oft eine ganz schöne Viecherei war. Die Stimmung variierte dann von „Mann, ich bin zu alt für den Scheiß“ bis „Ha! Und wo ist mein gepunktetes Trikot?“ und allen Zwischenstufen.

Selbstverständlich haben wir auch unser Bag-Art-Projekt weitergeführt.

Im Lauf der nächsten Wochen werde ich hoffentlich dazu kommen, meinen Reisebericht zu basteln. Aber damit ihr euch nicht langweilt, zerre ich erst mal den inzwischen kompletten Borders-Reisebericht von 2004 nach oben, da ich öfter darauf verweisen werde. Die Fotos sind noch analog und eingescannt, die Qualität ist also nicht die allerbeste, und sie sind auch nicht sehr zahlreich. Aber der gute Wille zählt.

Einige der Strecken von 2004 sind wir diesmal wieder gefahren, aber irgendwie kamen sie uns damals einfacher vor. Wahrscheinlich verklärt die Erinnerung die Strapazen. Einen direkten Zusammenhang mit der Tatsache, dass besagte Tour 12 Jahre her ist, möchte ich allerdings nicht komplett ausschließen.😉

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Ostseeradtour 2015 – Teil 10 / Schluss (Zeit wird’s)

Through the warmth, through the cold, keep running till we’re there.
We’re coming home now, we’re coming home now.
(aus „Home“ von Dotan)

Altefähr – Stralsund – Gronau – Enschede

Und wieder waren die letzten Tage angebrochen, an denen man im Geiste schon fast wieder zu Hause ist. Eine gewisse Wehmut wegen des bevorstehenden Urlaubsendes mischst sich mit der Vorfreude auf die vertrauten vier Wände.

Als wir am nächsten Morgen wach wurden, war es trocken, und auch der Wind hatte nachgelassen. Wir überlegten, doch nach Altefähr zu radeln, doch als wir abgebaut hatten und zum letzten Mal die Anhöhe hinunter sausten, Stellten wir fest, dass der erste Eindruck täuschte. Es war zwar nicht mehr ganz so dramatisch wie am Vortag, aber der Jasmunder Bodden war immer noch recht aufgewühlt.

bahnundbodden

Also fuhren wir zum Bahnhof, wo uns ein Aushang darauf aufmerksam machte, dass wir die Karten im Zug erwerben konnten. Die Fahrt verlief ohne Probleme, aber in Altefähr mussten wir mit den vollbepackten Leezen eine Treppe hinunter. Da kommt doch mal wieder Freude auf!

Über den altbekannte Kopfsteinpflaster-Sandweg ging es zum Campingplatz, wo wir vor zehn Tagen reserviert hatten. Diese Zeit kam uns wie eine Ewigkeit vor, so viel hatten wir gesehen und erlebt. Wir bauten unser Zelt diesmal in einer windgeschützten Ecke auf und gingen dann am Sund spazieren, wo wir kräftig durchgepustet wurden.

stralsundskyline stralsundskyline2

Dann widmeten wir uns unseren Büchern, bis der Kiosk mit den leckeren Flammkuchen geöffnet hatte. Mit einer Flasche Weißwein ließen wir unseren letzten Urlaubsabend ausklingen.

Am nächsten Morgen waren wir schon früh wach, und wie es sich für einen Abreisetag gehört, strahlte die Sonne vom Himmel, und der Wind regte sich kaum. Wir legten die Bodenplanen in die Sonne und sahen ihnen während des Frühstücks beim Trocknen zu. Dann bauten wir ab.

Gemütlich fuhren wir über den Strelasund nach Stralsund und zum Bahnhof, wo wir natürlich wieder viel zu früh waren. Wir kauften uns einen Zeitung und Kaffee und setzten uns an einen der netten Tische dort. Wir lasen und beobachteten Leute, bis es Zeit wurde, zu unserem Gleis zu gehen.

Im Gegensatz zur Hinfahrt war die Wagenreihung diesmal korrekt, doch als wir mit unseren Leezen ins Fahrradabteil wollten, gab es Platz Nummer 148, den ich reserviert hatte, nicht. Irgendwas ist ja immer! Dafür war ein anderer Platz nicht reserviert, den ich dann okkupierte. Die Schaffnerin nahm ihre Aufgabe sehr ernst, und wir hatten das beruhigende Gefühl, dass sie in einem Notfall unsere Räder mit Leib und Leben bewachen würde.

Wir unterhielten uns mit einer Radlergruppe aus Heidelberg, die die Mecklenburger Seenplatte erkundet hatte. Am Vortag waren sie noch in Wolgast gewesen und hatten sich dort wegen Wind und Wetter ebenfalls für den Zug entschieden.

In Rostock hatte der Zug eine halbe Stunde planmäßigen Aufenthalt, und wir dachten, dass die Bahn doch eine kurze Stadtrundfahrt in so einem Golfwagerl organisieren könnte, um die Wartezeit zu überbrücken. Aber es gab auch so genug Unterhaltung: Auf den Bahnsteigen sahen wir bunt gekleidete Leute und hörten, dass diese zum Schlagermove nach Hamburg wollten. Mal wieder ein Beweis, dass wir wohl älter werden, wir hatten keine Ahnung, was das ist. Aber Google ist ja mein bester Freund, und ich fand Folgendes: „Der „Schlagermove“ Hamburg ist das selbsternannte „Festival der Liebe“ und feiert jährlich in der Hansestadt den Karneval des Nordens mit bunt-bizarren Kostümen, schrägen Brillen und natürlich viel, viel Schlagermusik. Mittlerweile sind bei der Veranstaltung rund 45 Party-Trucks unterwegs, die rund 500.000 Besucher bespaßen.“ Also, ich glaube nicht, dass ich da unbedingt hinmuss.

Eine fünfköpfige Familie stieg mit ihren Rädern zu, und wie wir wollten sie bis Münster. Die kleinere der beiden Töchter stürmte auf einen Tisch bei uns auf der anderen Seite es Ganges los und trötete: „Ich hab ’nen Tihisch!“, und als alle saßen, ging es sofort weiter: „Wann fahren wir endlich los?“ Da hatte sie zweifellos recht.

Dann ging es tatsächlich weiter, und wir erfuhren, dass die Familie in der Umgebung von Rostock unterwegs gewesen war. Allerdings war bei der Hinfahrt ihr reservierter Intercity wegen defekter Klimaanlage ausgefallen, so dass sich ihre Route erst mal aus Nahverkehrszughopping und ungeplanten Radstrecken zusammen setzte. Senk ju fot träweling wis Deutsche Bahn.

Wir kamen planmäßig in Münster an, wo wir knapp 10 Minuten zum Umsteigen hatten. Wir halfen uns gegenseitig beim Ausladen der Räder und des Gepäcks, als das kleine Mädchen plötzlich Angst bekam, dass ihre Eltern, die draußen mit dem Aufpacken beschäftigt waren, sie im Zug zurück lassen würden. Ich hob sie aus dem Zug und setzte sie beim Rest der Familie ab. Dann gingen wir zum Aufzug.

Peter und ich hatten nicht vor, uns abzuhetzen, trotzdem erwischten wir unseren Anschlusszug noch und konnten uns zu den Fahrrädern, die dort bereits standen, dazuquetschen. Für die Familie, die nach Steinfurt wollte, war jedoch beim besten Willen kein Platz mehr, doch die Mutter hatte den Kindern schon im Vorfeld versprochen, dass sie in so einem Fall Eis essen gehen würden. So war die Stunde Wartezeit für sie hoffentlich nicht zu schlimm.

In Gronau stiegen wir aus und radelten die letzten Kilometer nach Hause. Und – oh Wunder – als wir die Grenze passierten, schien die Sonne. Normalerweise werde ich, wenn ich von einem längeren Deutschlandaufenthalt zurück komme, mit Regen empfangen.

Es war wieder eine tolle Reise mit vielen Erinnerungen und neuen Eindrücken. Und wir haben einige Orte entdeckt, die wir sicher irgendwann noch näher erkunden werden, z. B. die Halbinsel Darß-Zingst und auf jeden Fall Rügen, da wir davon ja höchstens ein Viertel gesehen haben.

Und wo gefällt es mir nun besser, an der Nordsee, oder an der Ostsee? Die beiden Meere sind so unterschiedlich, dass ich es eigentlich nicht sagen kann. Die Nordsee mit ihren ausgeprägten Gezeiten ist auf jeden Fall dramatischer, aber die gewundene Küstenlinie der Ostsee mit ihren zahlreichen Halbinseln, Buchten, Wieken und Bodden hat auch etwas. Auf jeden Fall werde ich das Meer immer lieben und es wird mich immer wieder dorthin ziehen, egal ob an die Nord- oder Ostsee.

Und bald stehen ja wieder neue Abenteuer an, zur Abwechslung mal wieder England und ein bisschen Schottland, natürlich mit dem Rad, wie auch sonst?

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Ostseeradtour 2015 – Teil 9

Wir können den Wind nicht ändern, aber die Segel anders setzen. (Aristoteles)

Lietzow und alles drumherum: Schloss Spycker, Königsstuhl, Sassnitz, Kreidefelsen, Bergen

Am nächsten Morgen schliefen wir nach der Frühaufsteherei des Vortages erst mal aus. In der Nacht hatte es wohl ein Gewitter gegeben, aber wir hatten davon mal wieder nichts mitgekriegt.

Nach dem Frühstück fuhren wir los, um die Gegend zu erkunden. Über teilweise richtig schöne Radwege (die gibt es da tatsächlich) fuhren wir erst zum idyllisch am Spyckerschen See gelegenen Schloss Spycker, das bereits im 14. Jahrhundert gebaut worden war. Damals hatte es sogar noch einen Burggraben. Im 17. Jahrhundert wurde es zum Renaissanceschloss umgestaltet und im für Schweden typischen Falunrot gestrichen. Wegen seiner Ecktürme sieht es immer noch aus wie eine mittelalterliche Burg.

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Am See entlang ging es weiter über  Glowe, wo sich am Strand zahlreiche Leute in der Sonne aalten, und dann über wunderschöne Alleen nach Lohme, wo wir uns eine Pause nebst Sitzbesichtigung der Ferienhäuser mit Ostseeblick gönnten.

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Dann ging es durch den Wals und über Kopfsteinpflaster bergauf zum Königsstuhl, doch dort wimmelte es so von Reisebussen und Touristen, dass wir beschlossen, die Flucht zu ergreifen – Aussicht hin oder her. Da sind wir wohl etwas eigen. Wir fuhren ein weiteres Stück durch den Wald und landeten auf einer Strecke, die nur von den Pendelbussen zum Nationalpark befahren wird. Da dieser Weg nicht gerade breit ist, klebte eine ganze Weile einer dieser Busse hinter mir, bis er eine Möglichkeit zum Überholen fand. Dann erreichten wir die Hauptstraße nach Sassnitz, auf der sich der Verkehr zum Glück in Grenzen hielt. Wir hatten eine tolle, kilometerlange Abfahrt, bis wir am Ortseingang von Sassnitz – wie sollte es auch anders sein – sanft von Kopfsteinpflaster abgebremst wurden.

Im Ort gingen wir einkaufen und gönnten uns auf der Bank vor der Rügentherme einen Imbiss. Dann machte sich Peter auf die Socken, um Reisetabletten zu besorgen, da wir am nächsten Tag mit dem Schiff zu den Kreidefelsen fahren wollten und die Ostsee noch immer gemütlich vor sich hin brodelte. Die Besichtigung von Sassnitz wurde ebenfalls für den nächsten Tag eingeplant.

Dann fuhren wir denselben Weg wie am Vortag zurück zum Campingplatz. Auf unserer Karte war an der Strecke ein Riesengrab eingezeichnet, aber obwohl wir aufpassten wie die Schießhunde, gelang es uns weder an diesem noch am nächsten Tag, es zu finden. Wahrscheinlich ist ein einfach zu groß. Später hörte ich, dass es wohl nicht so einfach ist, die Hünengräber auf Rügen zu finden.

Auch diesmal musste ich auf der Anfahrt zum Campingplatz kapitulieren, aber ich kam schon ein Stück weiter als gestern. Wir brutzelten uns ein Abendessen und rekonstruierten den heutigen Tag. Wenn jemand wissen möchte, wie das aussieht, bitte schön:

Tagebuch

Dann lasen wir in der Zeitung, dass Wind und Wetter uns morgen wohlgesonnen sein würden, und dass die Tour de France gerade durch die kopfsteingepflasterte  „Holle des Nordens“ fuhr. Ach, die waren hier unterwegs? Gut, Rügen liegt nicht in Frankreich, aber letztes Jahr sind sie ja auch durch Yorkshire gegurkt. Wer bei der Truppe wohl fürs Kartenlesen verantwortlich ist?

Im Campingplatzrestaurant tranken wir noch ein Bierchen und verzogen uns dann in unsere Schlafsäcke.

In der Nacht gab es Regen und Gewitter, und morgens wehte wieder ein frisches Lüftchen. Über die 274 m lange, fast freischwingende Fußgänger-Hängebrücke erreichten wir den Hafen von Sassnitz und gingen dort an Bord des Schiffes, das uns zu den Kreidefelsen bringen sollte.

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Während wir den Hafen verließen, erzählte uns der Kapitän einiges über die Stadt, die sich übrigens bis zum 2. Februar 1993 noch mit scharfem s schrieb. Sie geht zurück auf eine alte Ansiedlung der Jungsteinzeit und der Bronzezeit.

Erst verleif die Entwicklung des Ortes wohl eher unspektakulär, man lebt weitgehend vom Fischfang. Im Jahr 1871 wurde die Straße nach Sassnitz ausgebaut, 1891 wurde der Ort von Bergen aus an das Eisenbahnnetz angeschlossen, ab 1878 gab es eine Schiffsverbindung nach Stettin  (Szczecin), 1889 dazu den Hafen in Sassnitz und bald darauf Seeverbindungen nach Rønne auf der dänischen Insel Bornholm, Trelleborg und Memel (Klaipeda). Durch die bessere Anbindung wuchs der Orst recht schnell, die Kreideindustrie und die Fischerei wurden ausgebaut und der Tourismus entwickelte sich.

Im Jahr 1906 wurden das Bauerndorf Crampas, nach dem Fontane einen der Charaktere in „Effi Briest“ benannt hat, und das Fischerdorf Sassnitz zu einer Gemeinde zusammengefasst, und im Jahr 1957 erhielt Sassnitz Stadtrechte. Die Fischerei wurde weiter ausgebaut, aber der Tourismus ging zurück, da die Urlauber die Strände im Norden der Insel bevorzugten.

Auch heute lebt die Stadt größtenteils vom Fischfang und dem Tourismus. Sie ist bekannt für ihre Bäderarchitektur im Kurviertel und als Hafenstadt.

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Der Kapitän, ein Scherzkeks, wies uns auf das Haus des Bürgermeisters, das vom Wasser aus zu sehen war, und forderte uns auf, ihm später einen Besuch abzustatten, der Mann würde sich sicher freuen.

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Dann erreichten wir die Kreidefelsen, die teilweise bis zu 120 m hoch sind. Der bekannteste ist der Königsstuhl, und es wird erzählt, dass derjenige, der ihn vom Strand aus erklimmen kann, zum König von Rügen gekrönt wird. Im letzten Jahr hatten es, laut Kapitän, zwei Jugendliche versucht und mussten von der Feuerwehr aus der Wand befreit werden. Tja, König von Rügen wird man halt nicht einfach so!

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Die Kreidefelsen sind übrigens vor mehr als 50 Millionen Jahren aus kalkhaltigen Schalen, Skeletten und Panzern von Kleinlebewesen entstanden. Allerdings bestehen sie nicht nur aus Kalk, sondern auch aus Sand, Lehm und Mergelgestein. Dennoch ist der Reinheitsgehalt der Jasmunder Kreide besonders hoch. Und sie sehen schon sehr beeindruckend aus, wenn man so daran vorbeischippert.

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Da es immer noch fröhlich wehte, war die See etwas unruhig, und das Wasser spritzte in hohem Bogen an Deck. Wir verzogen uns nach drinnen, und ich schaute leicht neiderfüllte einem jungen Maler zu, der sein Skizzenbuch mit der Ausbeute des heutigen Tages durchblätterte. Toll, wenn man so etwas kann.

Nach ungefähr eineinhalb Stunden kehrten wir wieder in den Hafen zurück, der sich gerade auf die Hafentage vorbereitete. Zahlreiche Budenbesitzer und Schausteller bauten ihre Stände und Fahrgeschäfte auf. Zeit für eine kurze Sitzbesichtigung also.Danach kauften wir in einem Andenkenladen einige Souvenirs und gingen dann zur Promenade, wo wir  ein nettes italienisches Restaurant fanden.

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Nachdem wir uns gestärkt hatten, bummelten wir durch die Altstadt, wo wir von einem kräftigen Regenschauer erwischt wurden. Wir stellten uns unter ein Vordach, bis der Spuk vorbei war.

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Dann kauften wir für das Abendessen ein und fuhren zurück zum Campingplatz. Diesmal schaffte ich die Steigung und war ziemlich stolz auf mich, obwohl ich es schon etwas enttäuschend fand, dass oben niemand mit dem gepunkteten Trikot auf mich wartete. Außerdem stellte mich meine Leistung vor ein Definitionsproblem. Wenn ich schieben muss, ist die Anhöhe ja kein Hügel mehr, sondern ein Berg. Da ich diesmal aber ohne Absteigen hinaufgefahren war, hatte ich dann den Berg zum Hügel degradiert? Ich musste an die Silvesterfolge der Fernsehserie „Ein Herz und eine Seele“ denken, in der Alfred Tetzlaff seiner Frau erklärt, dass Punsch heiß ist und Bowle kalt, worauf sein Schwiegersohn fragt: „Und wenn der Punsch abkühlt, wird er dann automatisch Bowle?“ Manchmal kann das Leben recht kompliziert sein.

Nach dem Abendessen unterhielt ich mich mit einem anderen Radfahrer, der die Störtebeker-Festspiele auf der Naturbühne in Ralswieck besuchen wollte. Ich weiß nicht, ob er es geschafft hat, das Wetter sah jedenfalls nicht besonders gut aus. Er und seine Freunde hatten ihre Tour auf Rügen begonnen und wollten nun weiter ostwärts fahren. Ich hatte das Gefühl, dass sie sich nicht besonders freuen würden, denn es wehte wieder ein kräftiger Westwind, und ich war froh, dass wir uns für die West-Ost-Variante entschieden hatten, die uns recht wenig Gegenwind beschert hatte.

Am nächsten Morgen war das frische Lüftchen vom Vortag sich zu einer steifen Brise der Stärke 6 angeschwollen. Wir trödelten erst mal beim Frühstück herum und beschlossen dann, in den Nachbarort Bergen zu radeln. Mal sehen, wie weit wir kommen würden.

Das Wasser im Jasmunder Bodden brodelte, und der Wind kam schräg von vorne. Lustig war das nicht. Und die Strecke morgen nach Altefähr würde bestimmt noch schlimmer werden, mit dem Wind größtenteils von vorne und mit voller Bepackung. Also war es Zeit für Plan B, denn wie wir von Pete McCarthy wissen: „It’s important to have a plan B, especially when there is no plan A.“

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Wir parkten die Leezen auf dem Marktplatz an einer geschützten Stelle und gingen dann zum Bahnhof, um uns nach den Zugverbindungen nach Altefähr zu erkundigen. In Lietzow gibt es tatsächlich im Stundentakt einen Zug dorthin, und die Karten konnte man dort am Automaten erwerben. Dann stärkten wir uns in dem netten Restaurant „Puk op’n Balk“, wo es sehr leckere, rustikale Spezialitäten und eine literarische Speisekarte gab.

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Danach schauten wir uns die Stadt an und erfuhren, dass die dortige Marienkirche mit einer Kirche auf Texel verpartnert ist.

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Nachdem wir wieder einen Regenschauer unter einem Vordach abgewartet hatten, fuhren wir zurück, was diesmal recht flott ging, da wir den Wind schräg im Rücken hatten. Und wieder schaffte ich den Hügel zum Campingplatz, ich werde noch richtig gut!

Wir gingen zur Rezeption, um abzurechnen, da wir ja am nächsten Tag weiterfahren wollten. Der Herr an der Kasse erkundigte sich nach unserem Namen und meinte dann: „Ach so, sie stehen im Wald!“ Wo er recht hat…

Da es unser letzter Tag war, speisten wir im Restaurant und tranken noch ein paar Bierchen – Störtebeker natürlich. Dann gingen wir schlafen.

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Kommt Pfingsten, kommt KunstenLandschap

Manche Dinge sind so sicher wie das Amen in der Kirche: Am Pfingstwochenende findet die Kunstroute statt.

Aufmerksame Leser wissen ja, dass ich seit ein paar Jahren als freiwillige Helferin mitarbeite, und es mach t immer noch eine Menge Spaß. Diesmal hatte ich nichts mit der Beschilderung der Route zu tun, wenn sich also jemand verfahren hat, beschwert euch bitte nicht bei mit.

Ich war am Samstag eingeteilt, um beim Aufbau der Installation von Bart Ensing zu helfen. Er hatte eine Menge Äste an Schnüren vorbereietet, die er an einem über den Teich hängenden Ast befestigen wollte. Das sah nach einer Menge Arbeit aus, aber er meinte, wenn er es am Samstag nicht fertig bekommt, macht er am Sonntag weiter und deklariert das Ganze zur Performance.

Aber erst mal musste der Teich einigermaßen sauber gemachte werden, wobei ich mithalf, wenn ich nicht gerade fotografierte.

vijver

Dann wurden vom Baum und vom Wasser aus die Schnüre befestigt. Dies war wahrlich ein Spektakel, dass allerdings nur einigen Eingeweihten vorbehalten blieb.

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vijver4 vijver5

Und so sah es aus, als es fertig war (die Leiter, bei der ich mich noch fragte, ob sie Teil des Objekts oder Werkzeug war, wurde nicht mehr gebraucht):

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Irgendwie habe ich einen ziemlichen Respekt vor den Künstlern, die hier mitmachen. Die meisten sind sympathische Leute mit einem gesunden Spieltrieb, aber hier konnte man mal wieder sehen, dass sie auch unheimlich viel Einsatz und Durchsetzungsvermögen haben. Am Montag erfuhr ich, dass das Kunstwerk im Beun hängenbleiben darf, dem Besitzer des Landguts, auf dem sich der Weiher befindet, gefällt es.

Am Montag verkaufte ich wieder einmal Karten, aber davor hatten Peter und ich noch Zeit, uns die Higlights anzuschauen. Besonders schön fangen wir die Tänzerin aus Machendraht, den Ruheplatz für Rehe, die Bank und die verlorenen Handschuhe, die wieder zu neuen Paaren zusammengeführt worden waren:

taenzerin ruheplatz

Bank handschuhe

Und die Spiegelkugeln im Gras luden zum Experimentieren mit der Kamera ein – die alte Form der Selfies zozusagen.

spiegel

Und dieses Kunstwerk im Wald ist einfach so traurig wahr, Pflastersteine sind der Tod der Natur.

steine

Diesmal war nicht nur die Kirche von Lonneker ein Ausstellungsraum, auch unser Beigeordneter für Kultur hatte seinen Garten zur Verfügung gestellt.

kirche hatenboer

Ich war wieder einmal beeindruckt, wie die Künstler es schafften, ihre Werke in die Umgebung einzufügen. Es erfordert wirklich einen etwas anderer Blick auf seine Umgebung, dass man einen Ort sieht und dann auf solche Ideen kommt. Schade nur, dass das Wetter diesmal nicht so gut war, was sicher viele davon abgehalten hat, sich die Route anzuschauen (die heutige Jugend hält ja nix mehr aus). Sie haben auf jeden Fall einiges verpasst!

Nachtrag: Mehr Fotos gibt es hier.

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