Anne Frank – A Living Voice

Vor Kurzem haben Peter und ich eine Erstaufführung besucht, und zwar gleich zweimal. Es handelt sich um das Musikstück „Anne Frank – A Living Voice“ der amerikanischen Komponisten Linda Tutta Haugen. Das Stück wurde insgesamt dreimal vom Gronauer Frauenchor „BellaDonna“ unter der Begleitung des Streichquartetts „Voirin“ (benannt nach dem französischen Bogenbauers Nicholas Voirin) aufgeführt: In der Evangelischen Stadtkirche in Gronau, der Synagoge Münster und im Festsaal der Synagoge Enschede. Eigentlich wollten wir nur die Aufführung in der Stadtkirche anschauen, aber es hat uns so gut gefallen, dass wir noch wissen wollten, wie sich das Ganze in „unserem“ Festsaal anhört. Kurz gesagt: Der Chor klang besser in der Stadtkirche, während die Musiker mit Schuberts Streichquartett Nr. 13 in der intimen Atmosphäre des Festsaals besser zur Geltung kamen. Kammermusik eben.

Für „Anne Frank – A Living Voice“ Linda Tutas Haugen im Jahr 2004 ausgewählte Tagebuchauszüge von Anne Frank für Frauenchor und Streichquartett vertont. Die Tagebuchauszüge wurden jeweils erst von Schülerinnen und Schülern der unterschiedlichen Aufführungsorte vorgelesen, in Gronau und Münster auf Deutsch und in Enschede auf Niederländisch. Dann wurde dieselbe Passage auf Englisch gesungen. Die Kinder lasen die Texte wirklich wunderschön vor, und die Musik hat mir gut gefallen. Beide Aufführungen, die wir gesehen haben, waren gut besucht, in Enschede mussten wir sogar einige Leute wegschicken. Vielleicht kann das Konzert ja irgendwann wiederholt werden. Schön fand ich auch, dass bei der letzten Vorstellung Frau Tutas Haugen persönlich anwesen war, um das Projekt zusammen mit den Sängerinnen abzuschließen.

Ein paar Auszüge aus dem Text zeigen, dass Anna Franks Tagebuch noch immer aktuell – „a living voice“ – ist:

„Es bleibt uns nichts anderes übrig, als das Ende dieser Misere abzuwarten. Die Juden warten, die Christen warten, der ganze Erdball wartet, und viele warten auf ihren Tod.“

„Einmal wird dieser schreckliche Krieg doch vorbeigehen, einmal werden wir doch wieder Menschen und nicht nur Juden sein.“

„Und dennoch, wenn ich zum Himmel schaue, fühle ich irgendwie, dass alles sich zum Guten wenden wird, dass diese Grausamkeit ein Ende haben wird, dass der Friede zurückkommen wird. Inzwischen muss ich meine Ideale hochhalten. Vielleicht wird der Tag kommen, an dem ich sie verwirklichen kann.“

Sie selbst hat es nicht mehr erlebt. Gerade jetzt, wo die Zeitzeugen immer weniger werden, angesichts des Anschlags auf die Synagoge in Halle, des furchtbaren Wahlergebnisses in Thüringen, der rassistischen Sprechchöre beim Fußballspiel Den Bosch – Excelsior Rotterdam und vielem mehr ist es wichtig, die Erinnerung an sie und viele andere lebendig zu halten. Denn es ist unsere Verantwortung, dass sich so etwas nicht wiederholt.

Gegen das Vergessen.

 

 

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Overijssels Havezatenpad: Etappe 3und 4

Diese beiden Etappen wanderte ich über drei Tage verteilt, da 35 und 28 Kilometer schlichtweg zu lang sind, auch wenn es meinem Fuß wieder besser geht. Der erste Teil, von Delden zum Wiener Benteler Scheidingsweg, war sowieso eine Art Nagelprobe, da sich die erste Bushaltestelle bei acht Kilomtern befand, und die zweite erst bei 20. Dazwischen gab es nichts. Immerhin war Peter an diesem Tag zu Hause und könnte mich notfalls abholen, aber ich würde es halt auch gerne so schaffen.

Also fuhr ich am längsten Tag des Jahres mit dem Zug nach Delden, wo ich voriges Jahr aufgehört hatte. Der Weg führte nicht durch die Ortschaft selbst, sondern am Zentrum vorbei Richtung Landgut Twickel. Hier müsste man eigentlich die Route in Gegenrichtung laufen, so dass man sich auf das Schloss zubewegt.

Twickel

Eine Weile ging es gemütlich am Wasser entlang an der Noordmolen, einer restaurierten Ölmühle, vorbei.

Twickeler Vaart Noordmolen

Unterwegs grasten Pferde und Kühe, und ein Bauer verkaufte nicht nur Marmelade und dergleichen, sondern man konnte dort auch Bücher tauschen. Die Wespe, die mich dort unter dem Auge gestochen hatte, hätte es allerdings nicht gebraucht.

Boekenkast Landschap

Nach einer Weile erreichte ich das Pfannkuchenrestaurant Markenrichter. Nach meiner Erfahrung in Rheeze am Pieterpad hatte ich diesmal die Öffnungszeiten vorher überprüft und konnte mir einen leckeren Pfannkuchen einverleiben und meine Wasserflaschen nachfüllen.

Pannenkoek

Dann ging es weiter zur Bushaltestelle, wo der Bus allerdings so nah an den Rand fuhr, dass ich fast im Graben gelandet wäre. Trotzdem war es ein schöner Tag, und ich war rechtschaffen stolz, dass ich die 20 Kilometer geschafft hatte.

Gut sechs Wochen später, als die Temperaturen mal wieder etwas weniger sommerlich waren,  ging es dann weiter. Das Aussteigen aus dem Bus erwies sich als nicht ganz so gefährlich, oder vielleicht war ich einfach vorgewarnt?

Auf dem ersten Teil der Strecke wimmelte es nur so von Schlössern und Landgütern. Erst ging es an Huize Wegdam und wenig später Schloss Weldam vorbei.

Wegdam Weldam

Dann näherte ich mich dem Landgut Het Nijenhuis, und die Route führte praktisch dreiviertel um das Gebäude herum, so dass ich es von mehreren Seiten bewundern konnte.

Nijenhuis Nijenhuis2

Um Diepenheim herum gibt es sogar so viele Schlösser, dass die Straßenschilder Richtung „Huis te Diepenheim“ und „Overige kastelen (Weitere Schlösser)“ anzeigten. Am Huis te Diepenheim kam ich auch vorbei, aber Schloss Warmelo hätte einen Umweg bedeutet, zu dem ich an diesem Tag keine Lust hatte. Nicht nur bei Huis te Diepenheim mit den grasenden Gänsen, auch bei den Waldwegen konnte man sehen, wie trocken es in der letzten Zeit gewesen war.

Diepenheim Waldweg

Doch plötzlich war es vorbei mit dem schönen Wetter und der Himmel öffnete seine Schleusen. Aber ich gönnte der Natur den Regenguss, und es gibt ja auch kein schlechtes Wetter, nur falsche Kleidung, und so stapfte ich in meinem Umhang weiter.

Regen Regen2

Ich kam noch an dem Herrenhaus Westervlier vorbei, wo man angeblich Wegegeld bezahlen musste. Aber von mir wollte niemand etwas, und so schlurfte ich weiter.

Westervlier Weggeld

Beim Restaurant De Viersprong hätte ich eigentlich zum Schipbeek abbiegen und meinen Weg am Ufer fortsetzen sollen. Aber im Regen am Wasser entlang wandern ist nicht wirklich ein Vergnügen, also beschloss ich, hier den direkten Weg nach Markelo zu nehmen, wo ich sowieso in den Bus nach Hause einsteigen wollte.

Am nächsten Tag regnete es erst mal nicht, dafür wehte ein frisches Lüftchen, und zwar genau in die Richtung, in die ich wollte. Das erste Stück ging also recht flott. Und am Wegesrand blühten Blumen neben dem Mais, sehr schön.

Akkerrand Lüftchen

Danach ging es eine Weile über Sandwege durch die Borkelder Heide, die entgegen aller Erwartungen trotz der Trockenperiode wunderschön blühte.

Heide

Zwischendruch regnete es mal wieder, aber diesmal waren es eher kürzere Schauer. Gelegentlich war es etwas schwierig, die Markierungen zu finden, da mein Wanderführer nicht mehr ganz auf dem neuesten Stand war und ich wohl nicht alle Updates im Internet erwischt hatte. So kam es, dass ich im Wald mal wieder falsch abbog und mich unversehens auf einer Mountainbike-Strecke wiederfand. Nichts wie weg, denn wenn da ein ganzes Rudel ankommt, gibt es eine Katrastrophe! Zum Glück konnte ich die Spur nach relativ kurzer Zeit wieder verlassen, kam aber dummerweise da wieder aus dem Wald heraus, wo ich hineingegangen war. Eine Wiederholung des Experiments schien mir nicht gerade erstrebenswert, und so fragte ich zwei Radfahrerinnen, in welcher Richtung Rijssen lag und ging um den Wald herum.

Auf diese Weise erreichte ich nach einer Weile den Ortsrand von Rijssen und ging durch ein endlos scheinendes Wohngebiet ins Zentrum, das mir aber nicht besonders gut gefiel, eine Einkaufsstraße mit den üblichen Geschäften halt. Und da ich auf der falschen Seite in den Ort gekommen war, verfehlte ich das einzige Landgut dieses Tages. Das würde ich beim nächsten Mal nachholen.

Nach einer Weile fand ich den Bahnhof, dessen schönes Gebäude allerdings nicht mehr genutzt wird, auf jeden Fall nicht als Bahnhofsgebäude. Durch den Tunnel trabte ich auf das richtige Gleis, wo ich zum Glück nicht lange auf den Zug warten musste.

Rijssen

Ich war wieder gute 60 Kilometer weitergekommen.

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Ostern am Trekvogelpad

Da der Hausherr mit den Passiespelen in Hertme beschäftigt war, wo er einen Pharisäer spielte, und ich ihn schon zweimal in dieser Rolle bewundert hatte, beschloss ich, an den Osterfeiertragen auf dem Trekvogelpad weiter zu wandern und hoffentlich wieder längere Etappen als im Vorjahr zu schaffen.

Tag 9, Hoenderlo – Otterlo: Nationalpark Hoge Veluwe

Nach acht Monaten, am 20. April, begab ich mich also am frühen Morgen zum Bahnhof. Die Stadtreinigung war noch nicht aktiv gewesen, und es fiel mir auf, wieviel Müll doch nach so einem Freitagabend auf den Straßen rumliegt. Können die Leute nicht einfach ihren Krempel mitnehmen und zu Hause entsorgen, zefix? Ich nahm mal wieder den Zug nach Apeldoorn, und der Bahnhof dort kam mir immer noch sehr bekannt vor, den hatte ich ja letztes Jahr öfter gesehen.

In Hoenderlo war strahlender Sonnenschein, und ich setzte meinen Weg fort, wo ich letztes Jahr aufgehört hatte. Am Eingang zum Nationalpark Hoge Veluwe reihte ich mich in die Schlange ein und entrichtete meinen Obulus. Es war recht viel los, doch die meisten Leute stürzten sich auf die Leihräder, so dass ich auf dem Wanderweg recht schnell meine Ruhe hatte. Gar nicht schlecht, in so einen populären Gebiet die Rad- und Fußwege unterschiedlich zu führen. Noch immer konnte man sehen, wie die lange Trockenheit im letzten Jahr der Landschaft zugesetzt hatte.

Da es in dieser Gegend wenig Bänke gab, machte ich mein Päuschen nebst Rucksackfie auf einem Baumstumpf.

Nach einer Weile erreichte ich das Jagdschloss St. Hubertus, wo wieder mehr los war, da das Seeufer und die zahlreichen Bänke zum Verweilen einluden. Das Schloss war im Auftrag der Familie Kröller-Müller von dem Architekten Berlage entworfen worden. Dieser hatte die Neue Sachlichkeit mit der Legende des Heiligen Hubertus verknüpft, in der ein grausamer Jäger bekehrt wurde, nachdem er einen gewaltigen Hirschen mit einem brennenden Kreuz zwischen dem Geweih gesehen hatte. Der Grundriss des Gebäudes stellt ein Geweih dar, aber das kann man von außen nicht so gut sehen. Spektakulär ist es aber auf jeden Fall.

Dann ging es weiter über gewundene Pfade zum Besucherzentrum und Museum Museonder, wo man sich die Veluwe von unten anschauen kann. Dort wurde gerade ein riesiger Parkplatz angelegt, und auch am Besucherzentrum wird eifrig gebaut. Auch ein Restaurant gibt es dort, aber angesichts der zahlreichen Besucher verzichtete ich darauf, dort einzukehren, sondern füllte nur meine Wasserflaschen nach und ging dann ins Museonder.

Schon der Eingang mit dem bekannten Dantezitat („Lasst alle Hoffnung fahren“) hatte es mir angetan, und auch die Baumwurzeln sind sehr beeindruckend. Ein Animationsfilm zeigt Geschichte dieses Gebietes. „Veluwe“ bedeutet „schlechtes Land“ (man denke hier auch an das englische „“fallow – brachliegend“). Das Gebiet hatte sich in der Eiszeit geformt (Moränenhügel und Schmelzwassertäler), danach hatte sich dort Wald angesiedelt, der jedoch von den Menschen abgeholzt wurde. Dadurch kam es zu Erosion und Sandverstiebungen, die man heute noch an vielen Stellen sieht. Die Veluwe wurde für die Holzproduktion wieder aufgeforstet, und heute ist es eine Landschaft aus Wäldern, Heide und Sandverwehungen.

Nach dieser informativen Pause ging es weiter zum Kröller-Müller-Museum. Da ich in der „falschen“ Richtung unterwegs bin, näherte ich mich dem Museum von hinten über Sanddünen und Treppen.

Im Gebäude wimmelte es von Menschen, vor allem Asiaten. Deren Kleidung bestand größtenteils aus einem schwindelerregenden Mustermix, neben dem sogar Van Goghs Sonnenblumen verblassten. Da ich ja, wie man weiß, kein Freund von Menschenmassen bin, beschränkte sich mein Rundgang auf die Van-Gogh-Gemälde, die man ja vor allem von Postern und Kunstkalendern kennt. Dann suchte ich mir ein halbwegs ruhiges Plätzchen im Garten und dachte daran, wie ich vor Jahren einmal mit zwei Freundinnen aus der alten Heimat hier gewesen war. Es war damals auch um Ostern herum, aber es herrschte deutlich weniger Betrieb. Auf Leihrädern waren wir vom Eingang Otterlo hierher gefahren, und dreimal dürft ihr raten, wer das Rad mit dem durchweichten Sattel erwischt hat. Im Museum befand sich auch einiges modernes Gedöns, und mitten im Gang stand ein Eimer. Dieser gab uns besonders viele Rätsel auf. Warum ein Eimer, und warum stand er genau da, wo jeder vorbei muss? Was wollte uns der Künstler damit sagen? Die Antwort konnte banaler nicht sein: An dieser Stelle war das Dach undicht.

Ich verließ das Museum wieder – dank meiner Jahreskarte kann ich auch hier umsonst rein – und setzte meinen Weg nach Otterlo fort. Nicht weit von der Bushaltestelle gönnte ich mir in einem Eiscafé einen Riesenmilkshake und fuhr dann ohne weitere Vorkommnisse nach Hause.

Tag 10, Otterlo – Ede: Ein warmer Tag

Am nächsten Tag fuhr ich morgens wieder nach Otterlo, wo ich von der Bushaltestelle ins Zentrum ging. Wie in Hoenderlo hält man auch hier Bürgersteige für überbewertet. Ich kam an einem Fliesenmuseum vorbei, das aber leider noch nicht geöffnet hatte.

Dann war ich wieder im Wald, genauer im Naturgebiet Planken Wambuis. Ich betrachtete die teilweise bizarren umgestürzten Bäume und konnte mir vorstellen, dass es abends hier ganz schön unheimlich sein könnte.

Irgendwann kam ich an Kunstwerken von einem gewissen Adri Verhoeven vorbei. Ich taufte die Serie spontan „Hinkelsteine am Wegesrand“, aber der Künstler hatte seinen Objekten andere Namen wie „Zweeds Verlangen“ oder „Groene Blaadjes, Oude Stenen“ gegeben. Nett fand ich auch die Hochlandrinder, die teilweise gemütlich zwischen den Steinen grasten. Kunst und Landschaft pur!

 

Erst verlief die Route noch über Waldwege, dann ging es ein ganzes Stück über einen fast schnurgeraden Radweg zur Mosselboerderij. Inzwischen war es ganz schön warm geworden.  Vor mir schob ein Mann einen Rollstuhl mit einer Frau darin. Er hatte ein ganz schön flottes Tempo drauf, Respekt. Bei der Gastwirtschaft setzte ich mich zu zwei Radfahrerinnen an eine Picknickbank, wo ich erst mal Schuhe und Socken auszog. Wir unterhielten uns gemütlich, und als ich meine Semmeln verspeist hatte, füllte ich meine Wasserflaschen nach und setzte meinen Weg fort.

Weiter ging es zum Naturgebiet Ginkelsche Heide, wo ich mir beim Restaurant Juffrouw Tok wieder eine Pause und einen kleinen Imbiss gönnte. Fast hätte ich dort meinen Sonnenhut vergessen, was ziemlich unpraktisch gewesen wäre. Da die Bäume noch nicht sehr belaubt waren, gab es unterwegs doch weniger Schatten als erhofft.

Über ausgedehnte Heidefelder mit eingen Grabhügeln ging es weiter Richtung Bahnlinie. Unterwegs verpasste ich mal wieder eine Markierung, kam aber nicht so weit von der Strecke wieder heraus wie befürchtet. Auf einem Rastplatz stand ein Eisverkäufer, an dem ich natürlich nicht einfach so vorbeigehen konnte. Dann folgte ich den Gleisen bis zum Bahnhof Ede-Wageningen. In diesen zwei Tagen hatte ich doch 37 km zurückgelegt.

Ab jetzt muss ich wieder übernachten, mal sehen, wann es weiter geht. Im der Facebookgruppe zum Trekvogelpad meinte allerdings jemand, dass ich den schönsten Teil schon hinter mir habe. Aber ich denke doch, dass ich irgendwann weiterlaufen werde. Im Moment bin ich allerdings noch mit dem Havezatenpad beschäftigt.

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Der 4. Mai in den Niederlanden

Heute, am 5. Mai, wird in den Niederlanden der Bevrijdingsdag (Befreiungstag) gefeiert, an dem die deutsche Besatzung im Zweiten Weltkrieg beendet war. Am Vorabend, dem 4. Mai also, findet die Nationale Dodenherdenking (Nationaler Totengedenktag) statt. Dabei wird der niederländischen Kriegsopfer gedacht, die im Zweiten Weltkrieg und danach im Krieg und bei Friedensmissionen ihr Leben verloren haben.

Dies ist für das ganze Land ein Moment, um bei den Gräueln des Krieges und der Bedeutung von Frieden und Freiheit still zu stehen – und zwar wörtlich: Um acht Uhr werden zwei Schweigeminuten eingehalten, in denen auch der Verkehr im ganzen Land stillsteht. In den letzten Jahren scheint dieses Konzept jedoch weniger breit getragen zu werden. Es gibt Diskussionen, welcher Opfer man jetzt genau gedenken soll, jüngere Leute sagen, dass das doch alles schon lange her ist, und voriges Jahr wollten die Ladenbesitzer in Rotterdam nicht, wie sonst üblich, gegen 19 Uhr schließen. Dagegen erhob sich in den sozialen Netzwerken Protest, viele versahen ihr Profilfoto mit dem Banner „4 mei – ik ben 2 minuten stil“. Die Gemeinde Rotterdam hob die verkürzten Ladenöffnungszeiten nicht auf, und das ist auch gut so. Manche Dinge sind wichtiger als der schnöde Mammon.

Jede Gemeinde begeht diesen Abend feierlich auf ihre eigene Art. In Enschede spielte ab 17.00 Uhr Esther Schopman auf dem Glockenspiel der Grote Kerk, und um 18.00 Uhr gab es in dieser Kirche ein Gedenkkonzert. Vom Glockenspiel bekamen wir nicht so viel mit, da es gerade ziemlich schüttetete und wir und deshalb schon im Vorraum der Kirche unterstellten. Das Konzert war aber sehr schön und bewegend: Der Chor „Capella Enschede“ sang das Requiem von Fauré, der Kinderchor „Capella Junior“ sang jiddische Lieder, die ca. 15jährige Violinistin Dora Raykova spielte u.a. den Kaddisch von Maurice Ravel und die ehemalige Stadtdichterin Moes Wagenaar las Fragmente aus „De schuilplaats (Und im Fenster der Himmel)“ von Johanna Reiss vor. Das Buch hatte ich, als ich 14 oder so war, auf Deutsch gelesen. Die Ortsnamen sagten mir damals wenig: Winterswijk, Enschede, Usselo – irgendwo in Holland halt. Damals konnte ich noch nicht ahnen, dass diese Gegend meine Wahlheimat werden sollte.

Nach dem Konzert formierte sich eine lange Reihe Menschen, die schweigend vom Rathaus zum Volkspark gingen, wo beim Kriegsdenkmal die Kranzniederlegung stattfand.  Das Kriegsdenkmal wurde von Mari Andriessen gestaltet und zeigt sechs verschiedene Personengruppen, die im Krieg „ohne dass sie es wollten, Held oder Opfer geworden sind“: Der Soldat, die KZ-Insassen, die Widerstandskämpfer, die Mutter mit ihrem toten Kind, die jüdische Mutter mit Kind auf der Flucht und die Geisel.

Die Menschen stellten sich in einem weiten Kreis um die Figuren auf, und während das Valerius-Ensemble spielte und Nicholas Mansfield, Direktor und Dirigent der Nederlandse Reisopera,  eine bewegende Rede über Freiheit und die damit einhergehende Verantwortung hielt, kamen immer mehr Leute durch die verschiedenen Eingänge in den Park. Um 20.00 Uhr läutete eine Glocke ein einziges Mal, und dann war es zwei Minuten still. Nur die Vögel sangen unbeirrbar weiter, aber die dürfen das.

Danach, nach dem „Last Post“,  wurden die Kränze niedergelegt. Der Bürgermeister legte den ersten bei der Geisel nieder, die Vertreter des Verteidigungsministeriums ihren beim Soldaten und die der Polizei wählten die Gruppe der Widerstandskämpfer. Dies ist hier durchaus passend, das sich in Enschede mehrere Polizisten im Widerstand engagiert und die Juden gewarnt hatten, wenn mal wieder eine Razzia geplant war. Die jüdische Gemeinde hatte wegen des Sabbats bereits am Vortag ihren Kranz zur jüdischen Frau gebracht. Nach den verschiedenen Würdenträgern legten Pfadfinder, Studenten und viele andere Gruppen und Vereine sowie viele  andere Leute Blumen nieder, wobei jeder ein anderes Monument auswählte.

Es war eine sehr bewegende und vor allem würdevolle Veranstaltung, und ich finde es beruhigend, dass noch immer so viele Menschen und vor allem auch junge Leute daran teilnehmen. Denn wenn wir eines nicht dürfen, dann ist es vergessen.

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Jahresrückblick 2018: Das Jahr des Surströmmingfußes

Wie bitte? Ja, ihr habt richtig gelesen. Mein gebrochener Knöchel bescherte mir diverse Besuche beim Physiotherapeuten, und als er mir besagent Fuß mal wieder kräftig durchknetete, kam irgendwie die Rede auf Surströmming, eine schwedische Fischspezialität, die bestialisch stinkt. Ich war froh, vorher ein Fußbad genommen zu haben, denn sonst hätte mich dieses Thema zutiefst beunruhigt. Aber seitdem heißt der Fuß eben Surströmmingfuß, und irgendwie hat er auch das ganze Jahr beherrscht. Mein fünfter Jahresrückblick sieht also diesmal etwas anders aus als sonst, auch wenn ich wieder die üblichen Fragen beantworte:

Was war das Beste für Dich an diesem Jahr?
Dass es nicht schlimmer gekommen ist, und dass mich der Fuß beruflich nicht zu weit zurückgeworfen hat.

Hast Du 2018 etwas gemacht, das Du noch nie zuvor gemacht hast?
Na ja, es hat mich mit dem Rad hingesemmelt und dabei habe ich mir den Surströmmingfuß mit allem dazugehörigen Gedöns zugezogen: Gips, Krücken, OP mit allem Drum und Dran. Ich habe mit über 4000 Leuten auf dem Domplatz von Münster das „Halleluja“ von Händel geschmettert. Und ich habe einen Schabbatdienst in der Synagoge besucht – sehr interessant.

Hast Du all Deine guten Vorsätze aus dem Vorjahr beherzigt?
Meine Wanderambitionen köchelten leider auf Sparflamme vor sich hin, aus verständlichen Gründen. Aber das Leben genießen konnte ich trotzdem, denn es ging ja auch wieder bergauf.

Hast Du gute Vorsätze für das nächste Jahr?
Weiterhin regelmäßig wandern gehen, z. B. auf dem Overijssels Havezatenpad und dem Trekvogelpad. Meine Schwägerin läuft ihn gerade in Gegenrichtung, und wir wollen schauen, ob wir uns tatsächlich unterwegs treffen. Wenn wir allerdings gleichzeitig das Finish erreichen und sie bei mir und ich bei ihr vor der Haustür stehe, wäre das schon etwas doof.

Ein paar Frustkilo loswerden und meine Kondition wieder verbessern wäre auch nicht schelcht.

Welche Länder hast Du 2018 besucht?
Deutschland.

Was möchtest Du 2019 haben, was Du 2018 nicht hattest?
Wieder mehr Lust und Inspiration zum Schreiben, das ging dieses Jahr nicht wirklich gut.

Welches Datum aus 2018 wirst du nie vergessen?
Den 17. Januar, an dem plötzlich alles anders wurde.

Was war Dein größter Erfolg 2018?
Dass ich mich – mit tatkräftiger Unterstützung des Gatten und anderen – durch alles Widrigkeiten durchgebissen habe.

Welches war Dein größter Fehler?
Im beginnenden Schneegestöber mit dem Rad zur Arbeit fahren zu wollen.

Hast Du eine Krankheit oder eine Verletzung gehabt?
Ja, siehe oben.

Was war das Beste, was Du gekauft hast?
Für mich persönlich war dieses Jahr nichts Besonderes dabei, aber wir haben in ein Rundum-Nachhaltigkeitspaket für unser Haus investiert: Dachisolierung, neue Fenster, Solarzellen.

Wessen Verhalten erschreckt Dich oder macht Dich traurig?
Das diverser Idioten verschiedener Art, die es so gibt.

Wofür ging das meiste Geld drauf?
Für das Rundum-Nachhaltigkeitspaket.

Worüber warst Du so richtig aus dem Häuschen?
Dass mein kleiner Neffe wohlbehalten das Licht der Welt erblickt hat.

Welches Lied wird Dich immer an 2018 erinnern?
„The World Can Wait“ von Waylon. Er hat es zwar für seine burn-out-geplagte Freundin geschrieben, aber ich habe es mir einfach mal zugeeignet. Es gibt eben Situationen, in denen der Rest der Welt eben warten muss, auch und gerade im Arbeitsleben. Hier hat sich für mich auch die Spreu vom Weizen getrennt.

Verglichen mit 2017, warst du im Jahr 2018

…glücklicher oder unglücklicher?
Na ja, schon etwas unglücklicher.

… reicher oder ärmer?
Etwas ärmer, aber das hätte schlimmer sein können.

Wovon hättest Du lieber mehr gemacht?
Gewandert natürlich, und gebloggt. Obwohl ich einige Monate sehr viel Zeit übrig hatte, fehlten mir doch die Kraft und die Inspiration. Anscheinend hatte sich alle Energie in den Fuß zurückgezogen.

Wovon hättest Du lieber weniger gemacht?
Ich denke, ich habe wenig genug gemacht.

Wie hast Du Weihnachten verbracht?
Zu Hause mit dem Gatten und dem Mitbewohner. Den zweiten Weihnachtsfeiertag beim Fair Culinair in der Synagoge.

Hast Du Dich 2018 verliebt?
Nicht neu, aber es hat sich mal wieder gezeigt, was eine lange Partnerschaft wert ist.

Welches war Deine Lieblingssendung im Fernsehen?
Die Serie „De Luizenmoeder“, die den Alltag einer typisch niederländischen Grundschule aufs Korn nimmt, und die hoffentlich bald fortgesetzt wird.

Hast Du jemanden oder etwas hassen gelernt?
Nö, hassen tue ich immer noch niemanden. Gelegentlich rege ich mich über jemanden auf, aber wer tut das nicht?

Welches war das beste Buch, das du 2018 gelesen hast?
„How to Stop Time“ von Matt Haig. Eine schöne Rezension dazu findet sich bei Edith Nebel. Mein Zweiter Favorit ist „Was man von hier aus sehen kann“ von Mariana Leky, ein schöner Roman über ein Dorf im Westerwald, in dem alles irgendwie zusammenhängt. Ein bisschen wie in Twente.

Was war deine größte musikalische Überraschung 2018?
Wieviel Spaß es (trotz schmerzenden Fußes) gemacht hat, auf dem Domplatz in Münster Händels „Hallelujah“ zu schmettern.

Was hast Du Dir gewünscht und auch bekommen?
So im tiefsten Inneren, dass das mit dem Fuß sich wieder einrenkt. Und dank unseres Gesundheitssystems, eines fähigen Chirurgen, des Gipsmeisters und seines Teams, eines wirklich guten Physiotherapeuten und – last but not least- der tatkräftigen Unterstützung des Gatten an allen Fronten hat das auch einigermaßen geklappt.

Was hast Du Dir gewünscht und nicht bekommen?
Hier wiederhole ich den Satz vom letzten Jahr: Eigentlich nichts, ich wünsche mir nicht mehr so viel, sondern versuche mich über die Dinge zu freuen, die meinen  Weg kreuzen.

Welches war Dein Lieblingsfilm in diesem Jahr?
Hatte ich dieses Jahr nicht.

Was hast Du an Deinem Geburtstag getan und wie alt bist Du geworden?
Ich bin ein halbes Jahrhundert geworden. Da ich keine Lust hatte, groß zu feiern, bin ich dem Trend in meinem Bekanntenkreis gefolgt und habe mich zusammen mit dem Gatten abegesetzt. Meinen Geburtstag habe ich in Schleswig verbracht.

Welche eine Sache hätte Dein Jahr zufriedenstellender gemacht?
Kein Surströmmingfuß, obwohl auch das eine – sagenwirmal – interessante Erfahrung war.

Was hielt Dich gesund?
Komplett gesund war ich ja nicht, aber das Glück hat mich wohl vor Schlimmerem bewahrt.

Erzähle uns eine wertvolle Lebenslektion, die Du in diesem Jahr gelernt hast!
Es kommt, wie es kommt, und manchmal braucht es sehr viel Geduld.

Auf was freust Du Dich im Jahr 2019?
Auf den Frühling, diverse Wanderkilometer, unseren geplanten Sommerurlaub auf die grüne Insel, interessante berufliche Projekte und vieles mehr.

Zum Schluss wünsche ich euch allen einen guten Rutsch ins neue Jahr. Vielen Dank für’s Mitlesen und viel Spaß bei Nullingers Neujahrsvorsätzen.

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Overijssels Havezatenpad: Etappe 1 und 2

Dieses Jahr im Januar stürzte ich mich voller Enthusiasmus in ein neues Wanderprojekt in Wohnortnähe: Der Overijssels Havezatenpad. Der ca. 220 km lange Weg beginnt in Oldenzaal und führt an zahlreichen Landgütern (Havezaten) vorbei nach Steenwijk. Ein gutes Projekt für die kühlere Jahreszeit, da die Anfahrtswege zur Route nicht so lang und Übernachtungen nicht nötig sind.

Etappe 1:

An einem kühlen, aber trockenen Januarmorgen fuhr ich mit dem Bus nach Oldenzaal. Durch Wald und Flur ging es an idyllischen Bauernhöfen und Landgütern vorbei, und obwohl die Sonne sich nicht hat sehen lassen, war es schön.


Auf dem Waldstück am Lonnekerberg hätte ich vielleicht besser die Schlechtwettervariante nehmen können, denn die Strecke war eher ein Hindernislauf in Kombination mit Schlammcatchen für Fortgeschrittene. Aber durch mehr oder weniger elegantes Slalomlaufen und gelegentliches Treehugging meisterte ich den Parcours ohne nassen Hosenboden.

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In Lonneker wollte mein innerer Schweinehund lieber nach Hause und die restlichen 8,5 km auf ein anderes Mal verschieben, aber nach einer Latte Macchiato mit Apfelkuchen im Café Sprakel ließ er sich überreden, weiter zu gehen.

Das nächste Stück war nicht so aufregend, außer dass ich mich der Universität von hinten näherte. Der Campus war sehr ruhig verglichen mit Mittwoch Nachmittag, wenn ich dort einen Kurs gebe. Auf dem letzten Stück ging ich an den Studentenwohnheimen vorbei. Der Student von heute wohnt anscheinend ähnlich wie wir früher, in einem Sammelsurium von abgedankten Möbeln. Nur die Wochenendbesucher sind nicht mehr mit Rucksack, sondern mit Rollkoffer unterwegs – es lebe der Fortschritt.

Bei dem Kirchturm im Universitätsweiher hat sich der Künstler vom Reschensee inspirieren lassen, aber er meint es symbolisch: die Dogmen der Kirche gehen unter angesichts der Wissenschaft:

Etappe 2:

Die zweite Etappe war eine Art Rehaetappe in 5 bis 7,5 km kurzen Stückchen, um so langsam die Kondition wieder aufzubauen.

Gut 5 Monate nach der ersten Etappe habe ich den Faden wieder aufgenommen und bin 5 km weiter gelaufen, nämlich vom Bahnhof Kennispark zur Bushaltestelle Marssteden. Dort musste der Gatte mich allerdings abholen, denn am Wochenende fährt der Bus nicht.

Erst ging es am sogenannten Kristallbad vorbei, einem Wassergewinnungs- und Aufbereitungsgebiet:

Weiter ging es durch wunderschöne Natur durch Twekkelo mit den Salzhäuschen und dem Johanneskerkje, dessen Glocken genau in dem Moment, als ich es fotografierte, 12 Uhr schlugen. Mann, bin ich erschrocken.

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Teilweise führte der Weg über die sogenannten Stiewelpade (Stiefelpfade) an Kuhweiden entlang, zum Glück mit einem Zaun zwischen Wanderern und Rindviechern. Trotzdem musste man ziemlich gut aufpassen, da der Pfad uneben und teilweise zugewachsen war. Ich war froh, dass mein Fuß das wieder ganz gut mitmachte, und mein Physiotherapeut fand es eine gute Kraft- und Gleichgewichtsübung. 

Fazit: 5 km waren eine gute Entfernung zum Wiedereinstieg.

Ein paar Tage später ging es weiter von den Marssteden nach Boekelo. Unter der Woche fährt der Bus zu den Marssteden, also war ich autark. Von dort aus wanderte ich am Landgut Wilgenkamp vorbei durch den Wald. Da muss ich nächstes Frühjahr nochmal hin, wenn der Rhododendron blüht, das sieht sicher wunderbar aus. Unterwegs habe ich sogar ein Reh gesichtet.

Der Weg führt zwar recht nah an diversen Industriegebieten vorbei, aber das merkt man fast gar nicht. Gelegentlich muss man aber doch in die Zivilisation, z. B. beim Überqueren der Autobahn.


In Boekelo hatte ich noch Zeit, mir die Wohnanlage „Blekerij“ anzuschauen, eine ehemalige Textilfabrik (alles hier in der Gegend hat irgendwie mit Textil zu tun), die vor ein paar Jahren in Appartments umgewandelt wurde. Schaut gar nicht schlecht aus.

Drei Tage später ging es wieder ein Stück weiter, und zwar von Boekelo nach Beckum. Die Strecke ist 7,5 km lang, und es ging sehr gut. Trotz eines Teilstreiks im öffentlichen Nahverkehr hatte ich Glück, die beiden Busse, die ich brauchte, fuhren ganz normal.

Unterwegs sah ich ein paar nette Schilder: Eins an einer Straßenlaterne macht darauf aufmerksam, dass es sich nicht um eine Störung handelt, sondern dass man sie abgeschaltet hat, um das Kunstlicht außerhalb der Orte zu reduzieren. Finde ich gut, es muss ja nicht überall Festbeleuchtung herrschen. Das zweite befindet sich am Ende eines Bauernhofs und weist darauf hin, dass man hier den Hund, der gerne mal mitläuft, wieder zurückschicken soll.


Für die 7,5 km habe ich einschließlich Fotos machen, Karte lesen und Pause ca. 2 Stunden und 20 Minuten gebraucht, das Tempo steigerte sich also auch langsam.

Das letzte Stück nach Delden hatte eine ähnliche Länge. In Beckum war alles ruhig, nur ein Rasenmähroboter war aktiv. Ich kam an der ehemaligen Schule vorbei, die jetzt eine Art Dorfzentrum ist.

Dann ging es über den Kerkvelder Voetpad, über den die Bewohner früher zur Kirche nach Delden gingen. Am Ortsrand erinnert ein Schild daran, dass man den Weg mit anderen Benutzern teilt und mahnt zu gegenseitiger Rücksichtnahme.

Kurz vor Delden kam ich noch am jüdischen Friedhof vorbei.

Dann erreichte ich den Bahnhof von Delden, wo ich im Bahnhofsgebäude eine Kunstausstellung bewundern und mir die Wartezeit mit einer Tasse Kaffee vertreiben konnte.

Die ersten ca. 50 km sind geschafft, und im nächsten Jahr möchte ich natürlich gerne weiterlaufen.

 

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Christbaum Marke Eigenbau

Normalerweise haben wir keinen Christbaum, denn meistens sind wir zwischen den Jahren so viel unterwegs, dass dafür kein Baum das Leben lassen muss. Aber dieses Jahr stieß ich beim Stöbern im Netz auf den „Tree of Knowlegde“ der Bibliothek der Reading University. So etwas wollte ich auch!

Da ich keine Ahnung hatte, wie lange es dauert, so einen Baum zu basteln, habe ich heute pünktlich zu Urlaubsbeginn damit angefangen. Es ging ausgesprochen gut, und hier ist er!

Mit einer Lichterkette und etwas Dekogedöns von früher geschmückt steht er in der Nische neben dem Ofen im Wohnzimmer und verbreitet Weihnachtsatmosphäre. Mein Bücherregal weist jetzt allerdings diverse Lücken auf.

Und der Kommentar des Gatten? Früher war mehr Lametta.

Ich wünsche euch allen schöne Feiertage!

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Der Trekvogelpad in kleinen Stückchen

Als die sommerliche Hitzewelle ihr (vorläufiges) Ende gefunden hatte, packte ich die Gelegenheit beim Schopf, um mal wieder ein Stück auf dem Trekvogelpad weiter zu gehen. Ich schaffte 31 km im drei Tagen, denn bei ungefähr 10 km fing mein Fuß noch an zu protestieren. Aber immerhin schaffte ich schon wieder so viel.

Tag 6, Brummen – Eerbeek: Spuren der Trockenheit

Am 10. August fuhr ich mit dem Zug nach Brummen und fand dort auch sofort den Weg wieder. Zuerst fürte er mich am Landgut Engelenburg vorbei, das jetzt ein Hotel mit Golfplatz ist. Dort sah man deutliche Spuren der langen Hitzeperiode.

Engelenburg Engelenburg2

Der Bach, an dem ich eine Weile entlang ging, war fast komplett ausgetrocknet, und manche Alleen sahen aus wie sonst im Oktober.

Trockenheit2 Trockenheit

Trotzdem war es eine schöne Wanderung, vorbei am Landgut Leusveld und dem Apeldorner Kanal (hier auch mit recht niedrigem Wasserstand), der die IJssel mit Apeldoorn verbindet und früher für die Papierindustrie auf der Veluwe wichtig war.

Leusveld Apeldoorns Kanaal

Bei der gut besuchten Pommesbude am Kanal gönnte ich mir einen Imbiss, bevor ich meinen Weg nach Eerbeek fortsetzte.

Pommes Pommes2

Dort kam ich wegen Unaufmerksamkeit von der Route ab und landete im Zentrum. Da ich für diesen Tag genug gelaufen war, nahm ich dort den Bus Richtung Heimat.

Tag 7, Eerbeek – Schalterdalweg: Wasser, Wald und Heide

Am nächsten Tag, dem 11, August, ging es weiter. Mit Hilfe van Google Maps hatte ich den kürzesten Weg von der Bushaltestelle in Eerbeek auf die Route gefunden. Dass ich nicht immer genau der Route folge, ist für mich kein Problem, aber das Prinzip der „connecting footsteps“ ist mir heilig. Das bedeutet, dass ich nach Unterbrechungen möglichst dort weitergehe, wo ich aufgehört habe, und dass ich die Reihenfolge der Etappen nicht verändere.

Kurz vor Loenen kam ich an einem Aquädukt vorbei, bei dem sich zwei Bäche kreuzen, bzw. der eine Bach über den anderen geführt wird. Wie heißt es doch so schön bei Asterix? Ein Aquädukt, das wirkt römisch.

Aquaedukt

Dann ging es an Loenen vorbei zum Großen Wasserfall, der aus einer für niederländische Verhältnisse spektakulären Höhe von 15 Metern in die Tiefe stürzt. Der  Bach Vrijenberger Spreng mit seinen Wehren war 1865 angelegt worden, um den Apeldorner Kanal mit Wasser zu versorgen. Im Gegensatz zu einigen anderen Wanderen und Radfahrern verzichtete ich darauf, am Wasserfall herumzukrauchen und setzte nach einem Imbiss meinen Weg am Bach entlang fort, wo ich am Kleinen Wasserfall vorbeikam.

Wasserfall Wasserfall2

Wasserfall3

Dann ging weiter durch ein Heidegebiet mit dem schönen Namen „Klein Zwitserland“ auf den Schansenberg mit Aussicht.

Schansenberg2 Schansenberg

Von dort aus ging ich weiter zur Bushaltestelle Schalterdalweg, die sich wirklich mitten in der Pampa befindet. Bald kam dann auch der Bus, der mich zum Bahnhof in Apeldoorn brachte.

Tag 8, Schalterdalweg – Hoenderlo: Eine schöne Wanderung und Fahrkartengedöns

Drei Tage später, am 14. August,  ging es weiter. Als ich am Schalterdalweg aus dem Bus stieg und die Straße überquerte, musste ich erst einmal um eine riesige Wasserpfütze herum. Es hatte tatsächlich mal wieder kräftig geregnet! Trotzdem würde es noch einige Regengüsse brauchen, damit sich die Natur wieder von der langen Trockenheit erholen kann.

Pfütze

Unterwegs begegnete ich mehrmals einigen Landvermessern, die fröhlich pfeifend ihrer Arbeit nachgingen.

Landvermesser

Irgendwann erreichte ich den Schenkenshul, mit seinen 80 Metern über dem Meeresspiegel  der höchste Punkt auf dem Trekvogelpad. Ab jetzt geht es bergab.

Schenkenshul2 Schenkenshul

Auf die Heide folgte Wald, und nach einer Weile passierte ich den ausgedehnten Bungalowpark Miggelenberg mit seinen netten Ferienhäuschen. Hier lässt es sich bestimmt gut urlauben.

Miggelenberg

In Hoenderlo kam ich an einem Fahrradverleih vorbei, wo einige Urlauber ihre ersten Fahrversuche auf einem Tandem machten. Das ist gar nicht so einfach, wie ich aus Erfahrung weiß.

Allerdings hatte ich den Eindruck, dass man in Hoenderlo Fußgänger nicht besonders mag, denn der Weg zum Restaurant und zur Bushaltestelle führt an einer schmalen, aber recht gut befahrenen Dorfstraße ohne Bürgersteig entlang. Aber ich nehme doch an, dass die meisten Leute sich zu Fuß zur Bushaltestelle begeben, oder täusche ich mich da? Das liebevoll angerichtete Zwiebelsüppchen auf der Terrasse versöhnte mich jedoch wieder mit meinem Schicksal.

Zwiebelsüppchen

Dann fuhr ich mit dem Bus zurück nach Apeldoorn, um beim Aussteigen entsetzt festzustellen, dass ich meine OV-Chipkaart (eine Fahrkarte, auf der ein bestimmter Geldbetrag steht und die man beim Ein- und Aussteigen über einen Scanner zieht) verloren hatte. Beim Einsteigen hatte ich noch ordnungsgemäß eingecheckt, und jetzt war das Teil weg! Ich durchsuchte den Bus, bis mich die Fahrerin hinaus komplimentierte, weil sie weiterfahren musste. Nichts. Manche Dinge kann man nicht erklären.

Bei der Auskunft am Bahnhof gab man mir eine Telefonnummer, die ich anrufen konnte, um die Karte zu blockieren. Wer auch immer sie sich unter den Nagel gerissen hat, ist damit jedenfalls nicht weit gekommen. Allerdings musste ich am Automaten noch eine Fahrkarte lösen, um wieder nach Hause zu kommen. Aber immerhin lag wie versprochen nach zwei Tagen eine neue OV-Chipkaart im Briefkasten, und das Geld, das sich noch auf der alten befand, war mir gutgeschreiben worden. Jetzt kann ich wieder weiterreisen.

 

 

 

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Krabbeldecke die Zweite

Vor gut zweieinhalb Jahren hatte ich für meine kleine Nichte eine Krabbeldecke genäht. Zu meiner großen Freude nutzt sie die Decke noch immer.

Vor ein paar Tagen hat sie ein Brüderchen bekommen, und selbstverständlich muss der Kleine seine eigene Decke haben. Die Fahrt zum Quiltladen wurde die erste längere Radtour nach meinem Unfall, und es ging gut. Im Laden stellte ich fest, dass inzwischen wieder ganz andere Muster modern waren, und so gestaltete ich diesmal die Decke um Urwaldtiere herum. Dadurch ist auch die Farbpalette eine ganz andere geworden:

Krabbeldecke

Das Format ist ungefähr 1,60 mal 1,20 m. Das Top wurde mit der Maschine gepatcht, worüber sich mein lädierter Fuß nicht immer gefreut hat, aber es ging, wenn auch langsam. Durchgequiltet habe ich die Decke wieder mit der Hand, da ich es mit der Maschine einfach nicht hinkriege. Meine derzeitige Lieblingsserie „The Bridge“ konnte ich dabei allerdings nicht gucken, Dänisch und Schwedisch schaffe ich nicht ohne Untertitel.

Hier sind noch ein paar Close-ups:

Krabbeldecke2 Krabbeldecke3

Und so sieht die Rückseite aus:

Krabbeldecke4

Auch diesmal hat der Mitbewohner die Decke ausführlich getestet und für gut befunden:

Krabbeldecke5 Krabbeldecke6

Inzwischen hat er sie allerdings an den neuen Erdenbürger abgetreten, der nun darauf seine Schläfchen macht.

 

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Back to normal…

Na ja, ganz in Ordnung ist der Fuß zwar noch nicht, das heißt, ich hüpfe noch nicht durch die Gegend wie eine Gazelle, aber es wird. Heute morgen stellte ich fest, dass es wieder deutlich besser geht, wenn man einfach die Treppe in den ersten Stock rauf und runter geht, ohne dreimal zu überlegen, ob man das, was man oben will, nicht auch später noch machen kan, weil es einfach zu anstrengend ist.

Seit meinem letzten Post hat sich einiges getan, und ich habe eine Menge Dinge zum ersten Mal nach der OP wieder machen können. Jetzt muss ich an die Schwiegermutter der Comicfigur Andy Capp denken, die nur zwei Gesprächsthemen hat: „Before her operation“ und „Since her operation“, aber heute darf ich das. 😉

Ein größerer Wendepunkt war, als ich das Bein wieder voll belasten und mich endlich wieder ohne Krücken fortbewegen konnte. Vieles wird doch wieder einfacher, wenn man die Hände frei hat, oder wie ein Freund es formulierte: „Das ist bestimmt ein Gefühl wie eine Wiedergeburt, was! Da kannst du richtig aufblühen und einen Tee aufbrühen mit gewohnten Bewegungen.“ Genauso ist es.

Irgendwann hatte ich dann meine erste Führung in der Synagoge, und inzwischen kenne ich ja die Stellen, wo man sich diskret anlehnen kann. Die Frauenempore durfte die Gruppe dann selbst erkunden.

Dann fuhr ich mit unserem Chor zum Katholikentag nach Münster, wo wir u.a. zusammen mit über 4000 anderen Sängern das „Halleluja“ von Händel schmetterten. Es war schon recht anstrengend, und wenn es irgendwie ging, wollte ich vor allem einfach nur da sitzen. Zum Glück hatte mir eine Freundin einen Campinghocker geliehen. Es ergab sich sogar noch die Gelegenheit für einen kleinen Plausch mit einem Freund aus Münster, der mich trotz des Reisengewühls irgendwie orten konnte. Schee wars.

Dann stand ein Besuch in der alten Heimat an – Klassentreffen und Familie. Für die Bahnfahrt nahm ich, auch auf Anraten meines Physiotherapeuten, die Krücken noch mit. So konnte ich eine rollkofferfreie Zone um mich herum keieren, die Leute passen besser auf oder bieten Hilfe an, und jeder versteht, dass ich noch mit in den Lift muss.

Meine kleine Nichte (fast 2,5 Jahre) wollte natürlich genau wissen, was es mit den Krücken auf sich hat, die normalerweise nicht bei Oma im Wohnzimmer stehen. Also habe ich ihr das Ganze erklärt. Das hat sie wohl ziemlich beschäftigt, denn zwei Stunden später setzte sie sich zu mir auf die Eckbank und meinte ernsthaft: „Tante Petra hingefallen. Fuß kaputt. Heilt wieder.“ Wenn sie das sagt…

Sie scheint recht zu haben, denn inzwischen habe ich auch meine Wanderungen wieder aufgenommen. Im Moment gehe ich den „Overijssels Havezatenpad“ von Oldenzaal nach Steenwijk, und zwar in Etappen von 5 bis 7,5 Kilometer. Das geht schon ganz gut und das Tempo wird auch wieder etwas schneller. Die Wanderungen habe ich wirklich vermisst!

Nur Auto fahre ich noch nicht. Der Arzt meinte zwar, dass ich es wieder darf, aber so ganz traue ich der Geschichte noch nicht. Ich werde wohl demnächst, wenn die halbe Stadt im Urlaub ist, vorsichtig wieder anfangen.

Und hier ist noch ein Stückchen Havezatenpad:

havezatenpad-bruggetje

 

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